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Entlassungs-Produktivität – Unwort des Jahres 2005 - 500 Beiträge pro Seite



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Sprachwissenschaftler küren Unwort des Jahres
"Entlassungs-Produktivität" ist das Unwort des Jahres. Eine Jury aus Sprachwissenschaftlern kritisierte den Begriff, der die gleich bleibende Produktionsleistung eines Unternehmens nach der Entlassung von Mitarbeitern bezeichnet.

Der betriebswirtschaftliche Begriff verschleiere "die meist übermäßige Mehrbelastung derjenigen, die ihren Arbeitsplatz noch behalten konnten", erklärte die Jury aus Sprachwissenschaftlern zur Begründung. Der Begriff spielt unter anderem in der aktuellen Metalltarifrunde eine Rolle[...]

Das Unwort wurde zum 15. Mal bestimmt. Mit dem Begriff rügen die Sprachwissenschaftler sprachliche Missgriffe, die "sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise die Menschenwürde verletzen". Im Vorjahr lautete es "Humankapital".

ftd.de, 10:43 Uhr 24.1.06
http://www.ftd.de/me/cm/40101.html
Immer wieder geraten betriebswirtschaftliche Begriffe in die Schußlinie der Sprachwissenschaftler.
[posting]19.852.271 von Erstausgabe am 24.01.06 12:28:23[/posting]Immer wieder geraten betriebswirtschaftliche Begriffe in die Schußlinie der Sprachwissenschaftler.

Das liegt vermutlich daran, daß...
a)...Arbeit was anstrengendes ist und somit grundsätzlich schlecht
b)...Sprachwissenschaftler fast ausschließlich Beamte sind und somit ein natürliches Befremden haben gegen etwas was ihnen völlig fremd ist, wie zB...
c)...Wettbewerb, freie Wirtschaft, Ergebnisdruck, Leistung, Einsatz, Konkurrenz, Verbesserungsstreben, Effizienz- und Effektivitätswille und alles das sonstig üble Zeuchs halt...

Bleibt am Schluß die Frage über wer ernährt mehr Menschen : Sprachwissenschaftler oder die Wirtschaft?
Entlassungs-Produktivität bei Politikern könnte diesem Unwort neuen Charme verleihen :)
[posting]19.852.458 von Kabbes am 24.01.06 12:39:57[/posting]Schon. Aber die brächte bei den Übriggebliebenen absolut keine Mehrbelastung, genauso wie zB im Bundesamt für Gurkenkrümmung. ;)
[posting]19.852.356 von 887766 am 24.01.06 12:33:09[/posting]Woraus man fast schließen muss daß das Sprachwissenschaftlichergremium nichts anderes ist wie die gut getarnte Rote Germanisten Fraktion als linguistische Kampfgruppe für soziale Gerechtigkeit, Toleranz, Frieden und Solidarität?
:D
DaimlerChrysler scheint das nicht so zu sehen:


DaimlerChrysler streicht jeden fünften Verwaltungsjob

Der DaimlerChrysler-Konzern streicht weltweit 6000 Stellen in der Verwaltung. Das teilte das Unternehmen in Stuttgart mit. Außerdem kündigte der Konzern ein neues Führungsmodell an, mit dem die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens verbessert werden solle.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,397004,00.html
Es gibt auch einen alternativen Unwortpreis:

http://derstandard.at/?id=2316264
Börsemakler wählen Unwort des Jahres
Kursmakler und Wertpapierhändler haben den Begriff "Heuschrecken" zum Börsenunwort des Jahres 2005 gekürt.

Börse Düsseldorf: Bezeichnung verunglimpft eine ganze Branche Düsseldorf - Der Begriff "Heuschrecken" ist das Börsenunwort des Jahres. Der von dem früheren SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering geäußerte Satz über die "anonymen Finanzinvestoren, die wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen herfallen, sie abgrasen und weiterziehen", präge ein völlig falsches Bild von dieser Investorengruppe, teilte die Börse Düsseldorf am Dienstag mit. Mit dieser Bezeichnung werde ein ganze Branche verunglimpft.

Mit dem Begriff Heuschrecken gerieten 2005 vor allem die geschäftlichen Strategien ausländischer Beteiligungsgesellschaften und Hedgefonds in Verruf. Dass Gewinnmaximierung im Vordergrund stehe, sei durchaus legitim, was allerdings nicht die vereinzelt rüden Methoden rechtfertige. Der Begriff sei aber in jedem Fall irreführend, weil diese Investoren selten in Schwärmen aufträten. Ein Jahr zuvor war "Seitwärtsbewegung" das Börsenunwort, das in Anlehnung an die Sprachkritik des Germanisten Dieter Schlosser ermittelt wird. (APA/dpa)
#8

Warum eigentlich nur jeden fünften, wenn jeder zweite überflüssig ist ?

:confused:
Das Unwort wurde zum 15. Mal bestimmt. Mit dem Begriff rügen die Sprachwissenschaftler sprachliche Missgriffe, die " sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise die Menschenwürde verletzen" . Im Vorjahr lautete es " Humankapital" .

:eek:

Humankapital ist doch etwas positives. Zumindest im englischen Sprachraum (human capital). Aber im anti-kapitalistischen Deutschland ist das wohl nicht so.
mien persoenlicher favourit wäre "alternative befragungsmethoden" (das hat hier in diesem forum schon mal jemand vorgeschlagen) gewesen .... oder "outsourcing von folter" .... oder doch "nuklarer erstschlag gegen terror-staaten" ... oder ... oder ... alles wird besser :D
# 4,

Bleibt am Schluß die Frage über wer ernährt mehr Menschen : Sprachwissenschaftler oder die Wirtschaft?


Hallo PrinzValiumNG,

warum so streng? Ist das Kommunizieren eines Wortes nicht ebenfalls ein Nahrungsmittel?
:eek:;)
# 9,

Ein Jahr zuvor war " Seitwärtsbewegung" das Börsenunwort, das in Anlehnung an die Sprachkritik des Germanisten Dieter Schlosser ermittelt wird.

sollte nicht Prof.Dr.Horst Dieter Schlosser gemeint sein?
# 12,

das "Outsourcing"

Mit Outsourcing (dt. Auslagerung) wird in der Ökonomie die Abgabe von Unternehmensaufgaben und -strukturen an Drittunternehmen bezeichnet.

Sprachgewande Neoliberale sprechen auch gern vom Smart-Outsourcing.:eek:

Die Begriffe aus dem neoliberalen Sprachgebrauch "Entlassungsproduktivität" und "Smart-Outsourcing" ergänzen sich recht gut, wie ich finde, oder.:D
Platow-Kolumne: Unsere Meinung zum Unwort des Jahres



Am Dienstag war in Frankfurt die Bühne frei für eine Jury von Sprachwissenschaftlern, die das Ergebnis der jährlichen Wahl zum "Unwort des Jahres" verkündeten. Einmal mehr traf es einen Begriff aus der Ökonomie, was vielleicht mehr über die Zusammensetzung der Jury als über die Welt der Wirtschaft sagt.
Denn erneut stellt sich zumindest uns die Frage, ob es den Juroren wirklich um Sprachphänomene geht oder ob die Öffentlichkeit lediglich für eine eher dumpfe Kapitalismuskritik genutzt wird. Wurde im Vorjahr der Begriff "Humankapital" gegeißelt, steht 2006 "Entlassungsproduktivität" am Pranger.

Das Votum 2005 haben wir schon deshalb nicht wirklich verstanden, weil "Humankapital" im eigentlichen Verständnis den Menschen positiv in den Mittelpunkt des wirtschaftlichen Geschehens rückt, während die Wissenschaftler hierdurch die Menschenwürde verletzt sehen. "Entlassungsproduktivität" wirft die Frage auf, wer diesen Begriff überhaupt kennt, geschweige denn benutzt. Eine Suche bei Google führt Dienstagmittag zu kümmerlichen 300 Treffern.

Öffentliche Kritik an Massenentlassungen an sich wäre ja schon eher legitim, wenn auch kaum wirksam. Es mutet fast schon zynisch an, dass fast zeitgleich zur "Preisverleihung" die Aktienkurse von DaimlerChrysler und Ford haussieren, eben weil die Konzerne massive Stellenstreichungen angekündigt haben.

Vielleicht sagt dies etwas aus über den Zustand des Landes. Zwar wird in der Öffentlichkeit gerne laut über fehlende Jobs lamentiert. Ändern tut sich durch die Schelte aber nichts. Mehr Einsatz und bessere Rahmenbedingungen wären sicher ergiebiger.

Roger Peeters ist Leiter des Börsenressorts beim 1945 gegründeten Hintergrunddienst "Der Platow Brief" und zudem als Buchautor ("Der Blick nach vorne") tätig. Die Platow Börse erscheint 3 x die Woche mit je vier Seiten Umfang. Bestellmöglichkeiten unter: www.platow.de/ind_abo-finanzen.htm

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Quelle: FINANZEN.NET

http://news.onvista.de/alle.html?HO=3&OFFSET=3&DATE_RANGE=to…
Nun noch Kommentare zum Unwort des Jahres.
Im MÜNCHNER MERKUR ist zu lesen: "Nach Peanuts, Wohlstandsmüll und Humankapital jetzt Entlassungsproduktivität: Das Buch der Unwörter füllt sich mit Begriffen aus der Welt der Manager. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck wachsenden Unbehagens: Immer mehr Menschen misstrauen der sozialen Marktwirtschaft - oder dem, was Manager unter Hinweis auf tatsächliche oder angebliche Globalisierungszwänge daraus gemacht haben", glaubt der MÜNCHNER MERKUR.


Die BADISCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN aus Karlsruhe geben zu bedenken: "Wer sich jetzt empört über die vermeintliche Menschenverachtung neoliberaler Wirtschaftstheoretiker sollte sich vor Augen halten, wie sehr die Ökonomisierung des Alltags nicht nur unsere Worte, sondern bereits unsere Werte durcheinander gebracht hat. Man braucht sich nur das erbitterte Gerangel um verkaufsoffene Sonntage vor Augen halten oder die Frontlinien beobachten, entlang derer um die Gestaltung der Steuerfreibeträge für die Kinderbetreuung gestritten wird."


PRESSESCHAU Mittwoch, 25. Januar 2006 07:05 Uhr dradio.de
http://www.dradio.de/presseschau/20060125070000/drucken/
Quellenhinweis:http://www.faz.net/s/Rub6B15D93102534C72B5CF6E7956148562/Doc…









Martin Kannegiesser warnt vor überzogenen Forderungen


Tarifverhandlungen
Metaller müssen um Reallohnsicherung bangen


15. Dezember 2005 Die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie wollen den rund 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche in der Tarifrunde 2006 allenfalls Einkommenserhöhungen in Höhe des (um die Entlassungsproduktivität bereinigten) Produktivitätszuwachses von 1,2 Prozent gewähren.


Aus diesem kostenneutralen Verteilungsspielraum müßten sowohl prozentuale Lohnsteigerungen als auch Einmalzahlungen zum Ausgleich der guten Konjunktur- und Ertragslage finanziert werden, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser am Donnerstag in Berlin. „Es wird einen Cocktail geben, aber ob der am Ende dazu führen wird, die Reallöhne zu sichern, kann ich noch nicht sagen.” Ein Anstieg der Lohnstückkosten müsse in jedem Fall verhindert werden.

Außerdem wollen die Arbeitgeber den Unternehmen - insbesondere bei der Arbeitszeit, aber auch durch die vom IG-Metall-Vorsitzenden Jürgen Peters angebotene ertragsabhängige Gestaltung des Weihnachtsgelds - mehr Spielräume für betriebliche Vereinbarungen eröffnen. Als Anreiz zum Beschäftigungsaufbau sollen Einstiegslöhne deutlich gesenkt und in Randbereichen, beispielsweise dem Katinen- oder Reinigungspersonal, keine IG-Metall-Tarife mehr gezahlt werden.

„Über das diskutieren, was auf dem Spiel steht”

Die gemeinsame Aufgabe der Tarifparteien sei es, Arbeit in Deutschland zu halten, mahnte Kannegiesser. Man wolle daher bewußt nicht auf die 5-Prozent-Forderung der IG Metall mit einer Gegenforderung reagieren. Eine reine Zahlendiskussion führe am Kern der Probleme und deren Lösungen weit vorbei. „Tarifpolitik ist Standortpolitik”, hatten am Vorabend auch schon die Präsidenten des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, Dieter Brucklacher, und des Verbands der Automobilindustrie, Bernd Gottschalk, gemahnt.

Die Tarifparteien müßten durch einen moderaten Abschluß dafür sorgen, daß die Kostenschere zwischen Deutschland und seinen Wettbewerbern nicht weiter auseinandergehe und Produktionsverlagerungen ins Ausland verhindert würden.

Schon in Österreich könne sein Unternehmen 10 Prozent günstiger produzieren, betonte Brucklacher. Arbeitsplätze könnten oft nur durch den Zukauf von ausländischer Wertschöpfung und die dadurch mögliche Mischkalkulation in der Bundesrepublik gehalten werden. Statt über Lohnzahlen solle man lieber „über das diskutieren, was auf dem Spiel steht”, mahnte Gottschalk und versicherte: „Wir wollen am Standort Deutschland nicht die Fahne einrollen.” Die Branche werde 2005 das zweitbeste Produktionsergebnis erzielen. Dies zeige, „daß es sich lohnt, sich dafür in die Riemen zu legen”.

Freiwillige Regelungen innerhalb der Betriebe

Die Tarifverhandlungen beginnen rund zwei Wochen vor dem Auslaufen der Tarifverträge Ende Februar 2006, die Friedenspflicht endet am 28. März. Ein konkretes Angebot sei von den Arbeitgebern weder im Januar noch im Februar zu erwarten, sagte Kannegiesser. „Wir müssen zuerst sehen, wie wir mit der IG Metall ins Gespräch kommen über Themenkomplexe, die über die reine Lohnzahl hinausgehen.”

Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags werde „sicher nicht unter 12 und sicher nicht über 24 Monaten” liegen. Die Frage der Laufzeit ist von Belang, weil zum 1. Januar 2007 eine Mehrwertsteuererhöhung und Mitte 2007 der Führungswechsel von Peters zu Vizechef Berthold Huber ansteht.

Die Arbeitgeber seien bereit, mit der Gewerkschaft über die Themen „Qualifizierung” und „Innovation” zu reden, sagte Kannegiesser. „Wir dürfen nur nicht die Illusion nähren, als wenn man damit die Kostenproblematik kompensieren könnte. Innovation und Qualifikation finden sie heute auch anderswo und zum Teil sogar besser als bei uns.” Beide Themen dürften zudem nicht, wie von der IG Metall gefordert, in formellen Branchentarifverträgen, sondern müßten auf freiwilliger Basis in den Betrieben geregelt werden.

Kannegiesser: „Strukturwandel tarifvertraglich flankieren”

Die Produktion der deutschen Metall- und Elektroindustrie werde in diesem Jahr um rund 4 Prozent wachsen, und die Nettoumsatzrendite würden durchschnittlich 2,7 Prozent betragen. Die Streuung habe sich aber vergrößert, sagte Kannegiesser. 24 Prozent der Unternehmen steckten in der Verlustzone, 9 Prozent hätten eine Umsatzrendite von mehr als 5 Prozent.

Von den 80 Sparten der Branche seien 31 erosionsgefährdet und 6 als problematisch zu bezeichnen; hier seien in den vergangenen fünf Jahren mindestens 15 oder gar 20 Prozent der Arbeitsplätze verlorengegangen.

Die 2004 im Pforzheimer Tarifabschluß vereinbarten Öffnungsklauseln seien der „Versuch, den Strukturwandel vorbeugend tarifvertraglich zu flankieren”, sagte Kannegiesser. Brucklacher und Gottschalk forderten eine rasche Nachjustierung. Der Vertrag laufe zwar noch bis zum Frühjahr 2007. „Aber das ist für uns keine verschlossene Tür.” Kannegiesser ließ offen, ob es bereits in der kommenden Tarifrunde zu Änderungen kommen werde.








Möchte man beim Kommunizieren, mit neuen Wortschöpfungen, nicht seine "Geisterhaltung" versuchen zu verbergen?
[posting]19.853.206 von PrinzValiumNG am 24.01.06 13:33:20[/posting]Ich verstehe gar nicht, wieso du hier so despektierlich über die Hohen Priester der Political Correctness herziehst.
Da mühen sich die schöngeistigen Eliten Deutschlands ab, um mit einem, bis zur Schmerzgrenze dauererigierten Mahnefinger der menschlichen Würde, erzieherisch zu wirken und du unterstellst ihnen schnöde politische Motive.

Bah, welch niedrige Denke!
[posting]19.876.363 von Kaperfahrer am 25.01.06 17:27:15[/posting]Solange Du mit Deinen Steuern und Abgaben zwangssolidarisiert das Viagra für den dauererektilen Moralfinger zahlst hättest Du nach meinem Verständnis auch das legitime Recht die Leistung die Du dafür bekommst zu beurteilen, frei nach Wer zahlt schafft an.

Habe aber sofort meinen Irrtum eingesehen, weil in Deutschland heißt es ja Wer zahlt hat gefälligst die Knete zu den Umverteilern abzuliefern und die Schnauze zu halten. Ein Konzept das ich noch nicht ganz begriffen habe...


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