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Die Würde des Menschen ist unfassbar - 500 Beiträge pro Seite



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Erstmal was zum Begriff der Menschenwürde:
http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenw%C3%BCrde
http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Wuerde.jpg

Artikel 1, Absatz 1 des deutschen Grundgesetzes: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."

Der Begriff der Menschenwürde ist in zahlreichen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts definiert: Es ist damit jener Wert- und Achtungsanspruch gemeint, der dem Menschen kraft seines Menschseins zukommt, unabhängig von Eigenschaften, Leistungen oder sozialem Status. Der Staat bezieht nach der Ordnung des Grundgesetzes seine Legitimation allein daraus, dass er den Menschen konkret dient. Die Menschenwürde ist - so das Bundesverfassungsgericht - oberster Grundwert und Wurzel aller Grundrechte.

Kant geht davon aus, dass der Mensch ein Zweck an sich sei und demnach nicht einem ihm fremden Zweck unterworfen werden darf. Das heißt: Die Menschenwürde wird verletzt, wenn ein Mensch einen anderen bloß als Mittel für seine eigenen Zwecke benutzt - etwa durch Sklaverei, Unterdrückung oder Betrug:

"Die Wesen, deren Dasein zwar nicht auf unserem Willen, sondern der Natur beruht, haben dennoch, wenn sie vernunftlose Wesen sind, nur einen relativen Werth, als Mittel, und heißen daher Sachen, dagegen vernünftige Wesen Personen genannt werden, weil ihre Natur sie schon als Zwecke an sich selbst, d. i. als etwas, das nicht bloß als Mittel gebraucht werden darf, auszeichnet, mithin so fern alle Willkür einschränkt (und ein Gegenstand der Achtung ist)." (Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten II)

Die Menschenwürde umfasst außerdem den Anspruch auf prinzipielle Gleichheit aller Menschen trotz tatsächlicher Unterschiede: Es ist unzulässig jemanden grundsätzlich wie einen Menschen zweiter Klasse zu behandeln.

Jetzt ein paar Gedanken:

Interessant ist die Unantastbarkeit der Menschenwürde im Grundgesetz, Interpretationen dazu:
a) die Menschenwürde kann man nicht anfassen (weil sie nicht stofflich ist) und somit nicht verletzen. Die Menschenwürde ist etwas abstraktes, was jeder Mensch unverlierbar in jeder beliebigen Situation immer besitzt, solange er nur Mensch ist und last but not least weil er einen freien Willen hat. Lustigerweise ist der Mensch natürlich auch ein physisches Objekt (sonst würde er nicht existieren), das dem Determinismus der Naturgesetze unterworfen ist und als solches bar jeder Menschenwürde.
b) die Menschenwürde ist antastbar und kann verletzt werden. Der Staat hat dafür zu sorgen, dass die Menschenwürde unantastbar wird.

Ich tendiere zu a), weil für b) die Menschenwürde und die zu verhindernden Verletzungen präzise definiert sein müssten. Praktisch gesehen existiert die Menschenwürde (auch wenn sie real nicht existent ist) und kann missachtet werden, obwohl sie inhärent+unverlierbar jedem bewussten Wesen gegeben ist (klingt verrückt, aber macht trotzdem irgendwie Sinn, wie ich finde).

In jedem Fall wird die eigene Menschenwürde durch die Menschenwürde anderer Menschen begrenzt. Daraus ergibt sich auch, dass die Menschenwürde in Extremfällen aufrechenbar ist: man kann nicht die Menschenwürde eines Einzelnen gewährleisten, indem man dadurch die Menschenwürde von anderen Menschen verletzt (1).

Muss die Würde zukünftiger, noch ungeborener Menschen ebenfalls berücksichtigt werden? Eigentlich ja, weil täglich Menschen geboren werden. Die Folgen sind durchaus weit reichend, weil gemäß (1) das Interesse zukünftiger Generationen (oder der Menschheit an sich) Priorität vor den Interessen der gegenwärtig lebenden Menschen haben muss. Somit kann die Verpflichtung zur Menschenwürde allgemein möglicherweise auch Taten rechtfertigen, die die Menschenwürde einzelner oder sogar aller Menschen der Gegenwart beeinträchtigen. Die Rechtfertigung von möglicherweise der Rechtfertigung bedürftigen Taten kann durch die Art der Durchführung erleichtert werden, nämlich indem die Menschen grundsätzlich hinreichend frei (und somit keine Objekte, also menschenwürdig) sind, um so unerwünschten Situationen aus dem Weg gehen zu können.

Ist natürlich alles nur eine Sichtweise von vielen, "Menschenwürde" kann man bestimmt auch anders interpretieren, insbesondere eine Ausdehnung bis in die ferne Zukunft kann vermutlich hinterfragt werden.
Antwort auf Beitrag Nr.: 21.103.592 von HeWhoEnjoysGravity am 06.04.06 15:11:41wäre es nicht sinnvol mal den Begriff "Mensch" zu definieren ???
" Der Mensch ist ein Tier, daß sich an Alles gewöhnt."
Dostojewski
Der moderne Mensch (Homo sapiens) ist ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten (Primates). Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenaffen (Haplorhini) und dort zur Familie der Menschenaffen (Hominidae). http://de.wikipedia.org/wiki/Mensch

Praktisch entscheidet der Gensatz: wer sich aufgrund seiner Gene mit Menschen fortpflanzen könnte, ist ein Mensch.

Eine andere Frage: welche Rasse ist wann dem Menschen gleichwertig?
Mögliche Antwort: alle Rassen sind gleichwertig.
Das Verhältnis zueinander muss je nach Sympathie, Interessenlage und Machtverhältnissen ausgekaspert werden.
#4 Schwer nachvollziehbar: Menschen sollen nicht wertvoller als Ameisen sein?

Na gut, mal angenommen Menschen sind etwas besseres, was sie ja auch irgendwie sind ...was würden die Menschen machen, wenn sie in einen Interessenkonflikt mit einer höherwertigeren (aber nicht notwendigerweise mächtigeren) Rasse geraten? Freiwillig zurückstecken und ein paar Millionen Jahre meditieren? Wohl kaum.

Wertvoller oder nicht, die Frage ist irrelevant. Man tut das, was man für richtig hält.
Hatte der Neandertaler vielleicht mehr Würde als unsere Vorfahren?

Einige Wissenschaftler behaupten, der Neandertaler sei keineswegs deshalb ausgestorben, weil er primitiver als der moderne Mensch gewesen wäre. In punkto Körperkraft war er ihm sogar überlegen. Ein durchschnittlicher Neandertaler-Mann hatte etwa die Kraft eines heutigen Gewichthebers (bei einer Körpergröße von etwa 1,60 m bis maximal 1,70 m).

Ein Grund für das Aussterben des Neandertalers könnte eine Anpassung an ein sesshaftes Leben gewesen sein, während der Homo sapiens sapiens ein Nomade gewesen ist. Die Eiszeit in Europa wurde vor 50.000 Jahren immer kälter, so dass die Überwinterung der Neandertaler in Mitteleuropa immer härter wurde. Vor 40.000 Jahren war das Klima Mitteleuropas so kalt, dass viele Tiere im Winter nur noch in Südeuropa existierten. Dadurch sind wahrscheinlich viele Neandertaler erfroren, verhungert oder wichen nach Süden aus, während Homo sapiens sapiens besser in der Lage war, seinen Beutetieren auf ihren alljährlichen Wanderungen zu folgen. Körperlich besaß der moderne Mensch mehr Ausdauer und Geschick als der Neandertaler und benötigte aufgrund seiner geringeren Muskulatur weniger Nahrung und weniger Fleisch. Der Neandertaler dagegen war sehr muskulös, dadurch aber etwas behäbiger und besaß weniger Kondition bei einem höheren Energieverbrauch. Der leichtere Körperbau - so diese Theorie - des modernen Menschen sicherte diesem sein Überleben, während der Neandertaler ausstarb. In weiten Teilen der Iberischen Halbinsel und in der Dordogne, sowie auf der Krim war der Klimawechsel weit weniger extrem als in Mitteleuropa. Hier überlebten die letzten Neandertaler, die wohl vor 30.000 Jahren ausstarben.

- Der Neandertaler lebte im Mittelpaläolithikum in der Zeit von ca. 130.000 v. Chr. bis ca. 30.000 v. Chr.
- Die Weichsel-Eiszeit kann auf den Zeitraum von etwa 115.000 bis 10.000 Jahre vor heute datiert werden.
- Gelenke und Knochenquerschnitte sind im Verhältnis zur Knochenlänge breiter als beim modernen Menschen und die Muskelansätze am Knochen sind stärker ausgeprägt. Weiterhin lassen die Knochenfunde auf Körperhöhen von ca. 1,60 bis 1,70 m schließen; die Männer brachten etwa 70, die Frauen 55 kg auf die Waage.
- Dies deutet auf einen besseren Geruchssinn - sicher ein Vorteil bei der Jagd.
- Das Gebiss ist wesentlich kräftiger als das des modernen Menschen. Die so genannte "Teeth - as - tool"-Hypothese von Smith besagt, dass die Zähne als Schraubstock und Zange eingesetzt wurden.
- Im Durchschnitt besaßen Neandertaler einen größeren Hirnschädel als der Jetzt-Mensch. Das Gehirnvolumen des Neandertalers betrug etwa 1300 – 1750 cm³, das des heutigen Menschen etwa 1200 – 1400 cm³.
- Neandertaler fertigten Speere und Keilmesser an und nutzten, wie bereits ihre Vorgänger, das Feuer.
- Der Neandertaler fertigte vermutlich - als erste Menschenart - Kleidung an.

Die Verwandtschaftsbeziehungen zum heutigen modernen Menschen sind nicht endgültig geklärt. Weitgehend wird davon ausgegangen, dass der Neandertaler einer ausgestorbenen Seitenlinie der menschlichen Entwicklung angehört. Nach den jüngsten Untersuchungen ... gibt es keine genetischen Gemeinsamkeiten zwischen den als unterschiedliche biologische Arten anzusprechenden Spezies.

Während die biologische Durchmischung von Neandertaler und Homo sapiens umstritten ist, ist wohl mit einem mehr oder weniger indirektem Kulturaustausch zu rechnen. Die Dauer der parrallelen Lebensweise zwischen Neandertaler und Homo sapiens in den gemässigten Zonen beträgt mindestens 2000 bis 10.000 Jahre. In dieser Zeit sind ähnliche Kulturelle Erscheinungen bei beiden Arten zu beobachten. Eine Begegnung ist daher wahrscheinlich aber nicht eindeutig nachgewiesen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Neandertaler
http://de.wikipedia.org/wiki/Weichsel-Eiszeit
http://de.wikipedia.org/wiki/Eiszeit
Ergänzung und Variation von #1:

So wie ein Mensch Würde hat, besitzt die Menschheit die Menschenwürde. Jeder Mensch trägt mit seiner Würde zu der Menschenwürde bei und ist als Mensch automatisch Mitinhaber der Menschenwürde. Menschenwürde und Würde (eines Menschen) sind unantastbar. Einerseits, weil sie nicht stofflich sind, andererseits durch die Würde als höchstes Prinzip und Ziel, ohne die der Mensch nur Materie ist, die der Mensch braucht um etwas besonderes zu sein, um einen Herrschaftsanspruch über andere, weniger würdige Lebewesen ableiten zu können.

Würde ist die Beherrschung schädlicher Triebe (es gibt auch positive Triebe, die mit der Würde im Einklang stehen) und das Streben zum Guten. Sie ist nur rudimentär angeboren und muss erlernt werden. Ein Mensch kann mehr oder weniger Würde haben und je nach Einfluss mehr oder weniger zur Menschenwürde beitragen. Der erste GG Artikel ist somit weniger ein Recht für Individuen nett behandelt zu werden, sondern mehr eine Verpflichtung zur positiven Entwicklung der Menschheit.
Antwort auf Beitrag Nr.: 21.103.592 von HeWhoEnjoysGravity am 06.04.06 15:11:41Ist der Mensch automatisch wuerdig?
Warum eigneten sich einige besser zur
Sklavenhaltung?
Wuerde ist ein Potential welches einer Ausreifung bedarf, die geht dann einher
mit unserer eigenen Evolution.
Der Mensch traegt den Samen, aber der Weg
fuehrt bergauf, um das schlafende Potential zu erwecken.
Bergab zu laufen ist einfacher, keine Anstrengung ist notwendig.
So sieht man Menschen mit keiner Wuerde,
aber Tiere mit einer natuerlichen Wuerde,
die einigen von uns verloren gegangen ist.
Entscheidungsfreiheit hat man in jeder Situation (zumindest wenn man bei Bewusstsein ist und mal vom Determinismus abgesehen) und somit auch die Chance sich würdig zu verhalten. Entscheidungsfreiheit heißt nicht, dass es einem automatisch gut geht und man sich alle Wünsche erfüllen kann, sondern dass man sich aus den gegebenen Möglichkeiten für eine entscheidet. Es ist unmöglich sich nicht zu entscheiden.

Als Sklave kann man sich auch seine Würde erhalten, es ist aber deutlich schwerer als im normalen Leben und vermutlich kann jeder zu unwürdigem Verhalten gezwungen werden. "Würde" könnte man vielleicht als "angemessenes Verhalten" im Einklang mit der Umwelt bezeichnen, das somit immer abhängig von der Situation ist und zu einem großen Teil an einem selbst liegt. Würde hat nichts mit abgehobenem, reserviertem Verhalten zu tun.

Der 1. GG Artikel besteht dann somit aus zwei Teilen:
1) Garantie des Staates alles für eine Situation zu tun, in denen den Menschen ein Leben in Würde prinzipiell noch möglich ist (z.B. Sozialhilfe, keine Folter, etc.) Dies ist keine Garantie auf Würde und Freude an sich, dafür muss jeder selbst sorgen.
2) Verpflichtung eines jeden Menschen zur Würde.

Unwürdig ist Angst (im Gegensatz zur Vorsicht) und schlechte Charaktereigenschaften:
1. Superbia: Hochmut, Übermut, Hoffart, Eitelkeit, Stolz
2. Avaritia: Geiz, Habgier, Habsucht
3. Invidia: Neid, Missgunst, Eifersucht
4. Ira: Zorn, Wut, Vergeltung, Rachsucht
5. Luxuria: Wollust, Unkeuschheit
6. Gula: Völlerei, Gefräßigkeit, Unmäßigkeit, Maßlosigkeit
7. Acedia: Trägheit des Herzens / des Geistes, Überdruss
http://de.wikipedia.org/wiki/Tods%C3%BCnde

Zur Würde gehören bestimmt die 7 klassischen Tugenden:
1. Höflichkeit
2. Mitgefühl
3. Demut
4. Gastfreundschaft
5. Toleranz
6. Hilfsbereitschaft
7. Wohlwollen
(aus GEO "Sünde und Moral" )

Kardinaltugenden sind:
* Klugheit (Weisheit)
* Mäßigung
* Tapferkeit
* Gerechtigkeit
http://de.wikipedia.org/wiki/Kardinaltugend

So gesehen ist der Mensch von Natur aus nur bedingt würdig, vieles muss er sich aneignen.
Gleiches gilt prinzipiell auch für Tiere.

> Warum eigneten sich einige besser zur Sklavenhaltung?
Kommt darauf an. Bei einer niederträchtigen, unmenschlichen Sklavenhaltung sollte der Würdevolle eher rebellieren, wohingegen er harte Arbeit unter einfachen aber hinreichend fairen Bedingungen vermutlich leichter ertragen kann.


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