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Karrierestart in der Schweiz - 500 Beiträge pro Seite



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Das eigentliche Drama spielt sich deshalb am unteren Ende der Lohnskala ab. Dort sind die Löhne regelrecht eingebrochen. Das betrifft nicht nur die Krisenbranchen, sondern generell die Leute,

die aus der Ausbildung oder aus der Arbeitslosigkeit in das Berufsleben einsteigen.

Für diese rund 10 Millionen Arbeitssuchenden sind die Lohnaussichten inzwischen so mies, dass die Schweiz geradezu als Paradies erscheint. (Siehe Lohnvergleich).
http://www.blick.ch/sonntagsblick/wirtschaft/artikel56773






Coiffeur: 3.200 Fr.( Schweiz )
760 fr.( Deutschland )

Bauarbeiter: 4.000 Fr.
1.440 Fr.

Verkaufspersonal: 3.600 Fr.
1.860 Fr.

Arzt: 7.800 Fr.
3.570 Fr.
http://www.blick.ch/sonntagsblick/wirtschaft/artikel56773

( 1 Euro = 1,61 Franken , 2.3.2007 )
Serie: Wie viele Deutsche verträgt die Schweiz?
Flucht aus dem Armenhaus


VON WERNER VONTOBEL
25.02.2007 | 00:30:08


Der Ansturm der deutschen Arbeitskräfte in die Schweiz hat vor allem einen Grund: Deutschland hat sich innerhalb weniger Jahre mutwillig zum Billiglohnland und zum Armenhaus gemacht. Selbst im «Boomjahr» 2006 gingen die Löhne weiter zurück.


Deutschland erlebt zurzeit einen Boom: Das Statistische Bundesamt meldet für 2006 ein Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent. Doch man muss genauer hinsehen: Gestiegen sind auch 2006 nur die Gewinne, nämlich um rund 30 Milliarden Euro. Die Summe aller Löhne hingegen ist trotz leicht zunehmender Beschäftigung erneut gesunken – und das mitten im Aufschwung!

Das geht schon lange so. Seit inzwischen zehn Jahren tut sich in Deutschland punkto Reallohn gar nichts mehr. Die Kaufkraft der Löhne ist in dieser Zeit um 5,1 Prozent gesunken. Das ist einmalig in der Nachkriegsgeschichte. In den Jahren zuvor waren auch in Deutschland jährliche Reallohnsteigerungen von 1 bis 3 Prozent üblich.

Dieser Lohnzerfall ist nicht die zwingende Folge der Konkurrenz aus den Billiglohnländern – sonst wären in Deutschland die Gewinne gesunken und hätten auch andere Industrieländer ihre Reallöhne nicht erhöhen können. Deutschlands Misere ist das Ergebnis einer bewussten Politik. Das Stichwort heisst «Lohnzurückhaltung». Deutschland war Mitte der Neunzigerjahre mit einem hohen DM-Kurs in den Euro eingestiegen und hat versucht, seine Konkurrenzfähigkeit zu verbessern. Das ist geglückt: Deutschlands Lohnkosten sind im Vergleich zur Konkurrenz um 15 bis 30 Prozent gesunken. 2006 wurde ein Exportüberschuss von 162 Milliarden Euro erzielt. China, das andere grosse Billiglohnland brachte es bloss auf 135 Milliarden Euro Überschuss.

Symbol und Kernstück der Politik der Lohnzurückhaltung ist die drastische Kürzung des Arbeitslosengeldes: Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit sinkt es für Alleinstehende auf 345 Euro plus 318 Euro Wohngeld. Doch auch diese Mini-Leistungen (rund 1100 Franken monatlich) werden erst gewährt, wenn das eigene Vermögen (falls vorhanden) aufgebraucht ist. Dieser «Stachel der Armut» macht auch Hungerlöhne von weniger als 6 Euro attraktiv.

Das eigentliche Drama spielt sich deshalb am unteren Ende der Lohnskala ab. Dort sind die Löhne regelrecht eingebrochen. Das betrifft nicht nur die Krisenbranchen, sondern generell die Leute, die aus der Ausbildung oder aus der Arbeitslosigkeit in das Berufsleben einsteigen. Für diese rund 10 Millionen Arbeitssuchenden sind die Lohnaussichten inzwischen so mies, dass die Schweiz geradezu als Paradies erscheint. (Siehe Lohnvergleich).

Wie «abartig» sich Deutschland in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat, zeigt der Vergleich mit anderen Ländern: Überall sonst sind die Löhne gestiegen. (Siehe Graphik) Ausserhalb der Euro-Zone waren jährliche Reallohnzuwächse von 2 Prozent und mehr an der Tagesordnung – genau so wie einst auch in Deutschland. Die relativ bescheidenen Lohnzuwächse in Frankreich und in der Schweiz zeigen aber auch, dass Deutschlands Lohndumping (via Auswanderung und durch die billigen Exporte) auch das Lohnniveau der direkten Nachbarn und Konkurrenten gedrückt hat.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund und das Staatssekretariat für Wirtschaft, Seco, wollen zwar von einem Lohndruck nichts wissen. Doch das sind politische Stellungnahmen. Andere sind weniger befangen. So hat etwa Nationalbankpräsident Jean-Pierre Roth neulich in der «Finanz und Wirtschaft» die Frage, ob die Freizügigkeit die Löhne nach unten drücke, wie folgt beantwortet: «Man kann vermuten, dass angesichts der grösseren Flexibilität das Salärniveau weniger steigt als in ähnlichen konjunkturellen Situationen in der Vergangenheit».

Vor diesem Hintergrund stellt sich die bange Frage, ob Deutschland seine Billiglohnpolitik weiterführen wird. Die Hoffnungen sind leider gering: Erstens gibt es kaum Anzeichen dafür, dass der exportgetriebene Aufschwung in Deutschland zu einem selbst tragenden Boom ausweitetet. Dazu sind die privaten Konsumausgaben viel zu schwach. Daran dürfte sich auch in Zukunft nicht viel ändern. So hat etwa das in Deutschland angesehene Institut für Weltwirtschaft in Kiel diese Woche dringend für eine erneute Nullrunde bei den Löhnen – somit also für einen Rückgang der Reallöhne um rund 2 Prozent – plädiert. Dass die Renten nicht erhöht – also real um 2 Prozent gesenkt werden – ist bereits beschlossene Sache. Und schliesslich bremst auch die Europäische Zentralbank. Ihr Präsident Jean-Claude Trichet hat kürzlich offen mit einer Zinserhöhung gedroht, falls Deutschlands Löhne zu stark steigen sollten.

Deutschland wird wohl noch lange Zeit ein Auswanderungsland bleiben.

http://www.blick.ch/sonntagsblick/wirtschaft/artikel56773
was will uns die Schweizer "Bild-Zeitung" damit sagen, oder Du jetzt ? u.A.w.g.
Antwort auf Beitrag Nr.: 28.100.201 von caio am 04.03.07 00:23:34Im Strang
Schweizer über Deutschland Thread: Schweizer über Deutschland
aus dem WIPO gab es Diskussionen über die Schweiz als Arbeitsplatz.
Antwort auf Beitrag Nr.: 28.100.201 von caio am 04.03.07 00:23:34Er will uns sagen, dass ein Bauarbeiter in der Schweiz mehr Geld verdient als ein Arzt in Deutschland und ein Arzt in Deutschland etwa so viel verdient, wie eine Frisöse in der Schweiz :laugh::laugh::laugh:

Ich kann gar nicht verstehen, warum man noch in Deutschland arbeitet, malocht, nichst davon hat, die Kohle wieder durch tausenen Abgeltungssteuern abgenommen wird und Rente gibt es keine :laugh::laugh::laugh:
Ich selber bin deutscher der bereits seit Studium in der Schweiz gemacht und nun auch hier arbeite.

Um in der Schweiz den gleichen Lebensstanard wie in Deutschland zu halten gibt es eine Faustregel.

Deutscher Lohn X 2 + 20 %.

Beispiel:

Cheesburger kostet 2,20.- und nicht 1 Euro
Miete für 2 Zimmerwohnung ab 1000.-Sfr und nicht 400 Euro
100gr Salami 5Sfr und nicht 1,50 Euro
DSL-Flat 49,99.- und nicht 19,99.-


Das Leben in der Schweiz ist doppelt so teuer, besonders Bauarbeiter denken wenn sie hier herkommen.4500Sfr was für ein toller Lohn.Am Ende müssen sie feststellen sie kommen damit nicht aus.


Trotzdem, Switzerland Rules:cool:
Antwort auf Beitrag Nr.: 28.103.544 von tolodri am 04.03.07 12:06:19Was bezahlst du für abz**** Gebühren TÜV,GEZ,Arztbesuch,Soli usw. ?
Warum immer auf den Staat hauen?

Der größte Dreck sind die Vorstände der
Unternehmen, die sich in ihrem Kurzfristdenken+
einen Scheiß um Moral, soz. Standards usw. kümmern.

DIE gehören an die Wand :mad:
Was bezahlst du für abz**** Gebühren TÜV,GEZ,Arztbesuch,Soli usw. ?


GEZ = ähnlich wie in Deutschland
Tüv = ähnlich wie in Deutschland
Arztbesuch nicht zahlbar in der Schweiz

Die Soli-Abgaben sind nicht so hoch. Vom Bruttolohn bleiben je nach Kanton 65-80% Netto übrig.

Beispiel Lohnsteuersatz auch für hohe Einkommen nur so um die 10-12%:p
Antwort auf Beitrag Nr.: 28.103.544 von tolodri am 04.03.07 12:06:19Warum muss man den Cheesburger essen ? Billige bude, Auto vollmachen mit Lebensmitteln und billigem Bier und schon låsst es sich gut leben :D:D:D
Antwort auf Beitrag Nr.: 28.105.899 von tolodri am 04.03.07 14:14:07" Die Soli-Abgaben sind nicht so hoch. Vom Bruttolohn bleiben je nach Kanton 65-80% Netto übrig.

Beispiel Lohnsteuersatz auch für hohe Einkommen nur so um die 10-12% "

Also zusåtlich zu den hohen brutto Løhnen bleibt auch wesentlich mehr netto uebrig.

Da kann dann auch der Cheesburger gerne mal 10 € kosten ;)
#10

...die tuen doch nur das, was die Aktionäre von ihnen verlangen.

:eek:
Gestern auf 3SAT:

"Die Deutschen kommen"

Eine Sendung darüber, wie es für Deutsche ist, in der Schweiz zu leben.

Willkommen scheinen die Deutschen in der Schweiz nicht gerade zu sein...

:eek:
Antwort auf Beitrag Nr.: 28.099.854 von obus am 04.03.07 00:08:13http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,392159,0…

Schweiz

Die Deutschen kommen!

Sie kommen in Scharen, sprechen laut, trinken viel - so brachte es die Schweizer "Wochenzeitung" auf den Punkt. Gemeint sind die Nachbarn aus dem Norden: Fast 200.000 Deutsche leben bereits in der Schweiz. Und stellen die Eidgenossen mitunter auf eine harte Probe.

Die Deutschen - sie sind ein beliebtes Thema. Ob nun von der "Neuen deutschen Welle" die Rede ist oder vom "Braindrain Richtung Schweiz": Fast jede große Schweizer Zeitung hat schon über sie berichtet. Die meisten kommen, weil sie hier etwas finden, was zu Hause längst Mangelware ist - gut bezahlte Jobs.

Schweiz: Neue deutsche Welle sorgt für Unruhe
Anja Kunath zum Beispiel, die vor einigen Jahren wegen der großen Liebe in die Schweiz kam, inzwischen aber auch im Job Fuß gefasst hat. Die 26-Jährige aus Leipzig arbeitet bei einer Marketingberatung in Sankt Gallen - und traf dort gleich mehrere Landsleute: "Der Geschäftsführer, mein Chef, ist Deutscher, zwei meiner Kollegen sind Deutsche. Die einzige Schweizerin ist eine der vier Beraterinnen. Also stehen vier Deutsche einer Schweizerin gegenüber."

Ein extremes Verhältnis und sicher die Ausnahme. Einen ähnlichen Trend aber gibt es in vielen Bereichen. In Krankenhäusern und in Banken, an Universitäten und in Hotels sind die Deutschen heute nicht mehr wegzudenken. Vor allem sind sie nicht zu überhören. "Vor viereinhalb Jahren habe ich mich noch als eine unter wenigen Deutschen gefühlt, jetzt bin ich eine von vielen", erzählt Anja Kunath. "Das hört man einfach überall, ob in der Tram, ob in den Kneipen - irgendwo sind immer Deutsche. Früher war das seltener, und es fiel mehr auf."

Düsteres Bild von den Deutschen

Während die Eidgenossen ihren Arbeitsmarkt früher regelrecht abschotteten, gilt seit Juni 2004 Personenfreizügigkeit. Das heißt: Wer sich erfolgreich auf eine Stelle bewirbt, ist drin. Vor allem die Deutschen kommen - allein im vergangenen Jahr fast 13.000. Die meisten von ihnen sind bestens ausgebildet, viele haben ein Hochschuldiplom in der Tasche. Hinzu kommen die obligatorischen Praktika und Auslandsemester, die heute fast alle deutschen Studenten vorweisen können.

Genau damit heben sie sich ab von ihren Schweizer Mitbewerbern. "Da ist unser Eindruck, dass das ein bisschen verbreiteter in Deutschland ist als in der Schweiz", beschreibt es Judith Oppitz vom Recruitment-Dienstleister Hobsons. "Wenn die Kandidaten sich in der Schweiz bewerben, findet man durchaus, dass es gute, qualifizierte und motivierte Leute sind."

Schnell merken die qualifizierten und motivierten Deutschen dann aber: Das Verhältnis zu den Eidgenossen ist nicht immer ganz frei von Konflikten. Viele neu Zugewanderte stellen überrascht fest, dass die Schweizer mitunter ein ziemlich düsteres Bild von ihren nördlichen Nachbarn haben. Die Deutschen, so heißt es, drängten sich gern in den Vordergrund und redeten schnell, vor allem aber seien sie ganz und gar nicht auf den Ausgleich bedacht, den viele Schweizer so schätzen.

Der Schweizer kann alles außer Hochdeutsch

Anja Kunath, die sich selbst bestens integriert und willkommen fühlt, schließt künftige Probleme nicht aus. "Ich habe das Gefühl, die Schweizer haben noch nicht ganz realisiert, dass die Deutschen auch immer mehr Gefahr für sie sind. Dass sie mehr und mehr Arbeitsplätze einnehmen - ich will jetzt ganz bewusst nicht sagen wegnehmen - und auch ganz zentrale Felder einnehmen." Als Beispiel nennt Kunath "Professorenstellen, Doktorenstellen an den Unis, an den ETHS, was ja eigentlich immer die Schweizer Bastion war".

Ein sensibles Thema. Vor einigen Wochen etwa berichtete das angesehene Magazin "Facts" über den Unmut an vielen Hochschulen und Spitälern in der Deutschschweiz. Fast jeder dritte Professor stamme inzwischen aus Deutschland - und jeder bringe am liebsten sein akademisches Gefolge gleich noch von zu Hause mit. Ein hartes Brot für die heimischen Forscher.

Doch auch in anderen Branchen ist mitunter Fingerspitzengefühl gefragt. "Wenn Mitarbeiter einen starken Kundenkontakt haben, ist man da sensibler, was die Nationalität betrifft", so Judith Oppitz von Hobsons. "Das hängt ganz klar auch mit den Sprachunterschieden zusammen: Die Deutschen sprechen natürlich mehr oder weniger Hochdeutsch, das ist aber nicht die Umgangssprache in der Schweiz. Ich denke, dass es hin und wieder gewisse Sprachbarrieren gibt, die vielleicht das Verhältnis nicht ganz einfach machen."

Wer hätte das gedacht? Eine Sprachbarriere in einem Land, das viele Deutsche doch gerade deshalb wählen, weil es auch sprachlich so wunderbar nahe liegt. Wer als Deutscher hier seinen Weg machen will, sollte neben den beruflichen Qualifikationen noch etwas anderes mitbringen - eine gute Portion Einfühlungsvermögen.
Antwort auf Beitrag Nr.: 28.099.854 von obus am 04.03.07 00:08:13http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,457783,0…

04.01.2007

DEUTSCHE IN DER SCHWEIZ
"Geht doch heim ins Reich"

Wer zum Studieren oder Arbeiten in die Schweiz geht, fängt sich schon mal derbe Sprüche. Das freundliche Bergvolk kann auch anders: Deutsche sind dort viel weniger beliebt, als sie selbst glauben - und die Einwanderer rivalisieren mit den Schweizern um die besten Jobs.

Bern - Als Marc Beermann zum Studium in die Schweiz kam, freute er sich: "Ich dachte, es würde wie die Rückkehr des verlorenen Sohnes sein." Seine Mutter stammt aus der Westschweiz, sein Vater aus Deutschland. Aufgewachsen ist er in Düsseldorf. Dann kam er an die Universität St. Gallen - und alles war anders, als er sich das vorgestellt hatte: "Es war schwer, mit den Schweizer Mitstudenten in Kontakt zu treten." Abends sei er mehrmals nicht in Clubs eingelassen worden, mit der Begründung, er sei Deutscher. "Es war ein Schock für mich. Ich dachte, die Schweizer würden mich mit offenen Armen empfangen."

Eidgenossen-Alarm: "Die Deutschen lieben unsere Jobs"
Wie Beermann hat auch der Unternehmensberater Maximilian Fenske in St. Gallen studiert - und Ähnliches erfahren. Besonders schwer sei es am Anfang gewesen, als er noch kein Schweizerdeutsch verstand. "Selbst wenn ich darum bat, Hochdeutsch zu sprechen, fuhren viele in Schweizerdeutsch fort." Auch offene Ablehnung hat Fenske erlebt. So erinnert er sich an den Spruch: "Geht doch heim ins Reich" - auf dem Fußballplatz der Uni, als es zwischen Deutschen und Schweizern um die Platzbelegung ging.

Die meisten Deutschen können sich solche Episoden nicht vorstellen. "Die Deutschen wissen nicht, wie sie in der Schweiz gesehen werden", sagt Jens Wiese. Der IT-Spezialist lebt seit sechs Jahren in der Schweiz und ist Autor eines Blogs, der sich mit den Tücken des Schweizer Alltags befasst. "Viele Schweizer betrachten die Deutschen als arrogant", sagte er. Andererseits herrsche bei den meisten Deutschen die "große Ahnungslosigkeit": Zumeist haben sie eine völlig falsche Vorstellung vom Land und finden die Sprechweise der Schweizer amüsant. Und sie gehen davon aus, dass die Mentalität von Schweizern und Deutschen die gleiche ist.

"Behauptung des Kleinen gegen das Große"

Dabei - so Wiese - sei die Schweiz sozusagen ein anderer Kulturkreis. "Die Schweizer haben ein starkes Harmoniebedürfnis. Sie sind weniger direkt und weniger hierarchisch." Auf deutsche Einwanderer lauern einige Fettnäpfchen. Etwa, wenn sie laut reden oder sich mit dem für Schweizer Ohren zu saloppen "tschüs" verabschieden.

Historisch betrachtet sind Feindseligkeiten allerdings nicht neu. Der ehemalige Schweizer Botschafter in Berlin, Thomas Borer, weiß, dass sie lange zurückreichen: "Bereits im 15. Jahrhundert schimpften die Eidgenossen auf die 'Sauschwaben'." Während des Zweiten Weltkriegs habe die Abneigung gegen die Deutschen ihren Höhepunkt erreicht. "Das hat vor allem die ältere Generation zutiefst geprägt", sagt Borer. Heute empfindet er den Anti-Deutschen-Reflex als viel schwächer ausgeprägt. "Ich denke, dass es heute einfach um die Behauptung des Kleinen gegen das Große geht." Es könne jedoch sein, dass sich in letzter Zeit die Animositäten wieder verstärkten, weil viele Schweizer um ihren Arbeitsplatz fürchteten.

Im August letzten Jahres waren insgesamt 166.146 Deutsche in der Schweiz registriert - damit liegen sie an vierter Stelle hinter Portugiesen, Serben und Italienern. Einerseits füllen Deutsche einfach Lücken auf dem Schweizer Arbeitsmarkt, sei es in der Gastronomie, auf der Baustelle oder in der Pflege. Andererseits sind viele von ihnen überdurchschnittlich ausgebildet und arbeiten in der Schweiz als Ärzte, bei Banken, Versicherungen, als Uni-Professoren oder in der Beraterbranche. In der Schweiz finden die Deutschen den persönlicheren Umgang und die größere Loyalität angenehm, wie Jens Reufsteck von der Recruitment-Firma Hobsons erklärt. Hauptsächlich machten die Schweiz aber die höheren Löhne und die niedrigeren Steuern attraktiv.

Einwanderer mit Selbstbewusstsein

"Einmarsch der Deutschen" oder "Deutsche lieben unsere Jobs": Mit diesen Überschriften kommentierten Schweizer Tageszeitungen im Sommer die Einwanderungsstatistik. Sie zeigte, dass Deutsche die am schnellsten wachsende ausländische Bevölkerungsgruppe in der Schweiz sind. 2003 kamen rund 7000 zum Arbeiten ins Nachbarland, 2005 schon 13.800. Seitdem schreiben die Zeitungen von der "Neuen deutschen Welle".

In der ohnehin verzwickten Beziehung zwischen Österreich und Deutschland kommt es zu neuen Verstimmungen, seit sich Studienbewerber beider Länder um die raren Studienplätze in Österreich balgen. Der Ösi aber ist listig und wehrhaft: Der "Numerus austriacus", ein Spezialtest mit wunderbaren Austriazismen, siebt ungeliebte Piefkes zuverlässig aus. Testen Sie im Quiz, wie trittsicher Sie auf alpinem Sprachterrain sind. Mehr... Eine Studie des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft vom letzten Juni zeigt zwar, dass die Zuwanderer aus der EU kaum Schweizer von ihren Arbeitsplätzen verdrängt haben dürften. Trotzdem wächst die Konkurrenz. Reufsteck zufolge haben deutsche Bewerber in einigen Bereichen den Schweizern etwas voraus: Meist könnten sie in ihrem Lebenslauf mehr Berufserfahrung und Auslands-Praktika ausweisen und stellten sich im Vorstellungsgespräch mit einem gesunden Selbstvertrauen vor, so Reufsteck.

Im Alltag gibt es mitunter Anfeindungen, mit denen Deutsche nicht rechnen - sie halten Schweizer für eher freundlich und gemütlich. Ein seltsames Erlebnis hatte zum Beispiel Jeannette Krauth: Die Berlinerin kam als Austausch-Journalistin für einen Monat nach Zürich. An einem Sonntag wurde ihr Hund im Park von einem anderen Hund gebissen. In der Eile hatte sie beim Tierarzt nicht genügend Bargeld dabei, sagte ihm das aber vor der Behandlung. Und gab ihm damit das Stichwort für eine regelrechte Schimpftirade gegen die Deutschen. "Zehn Minuten hat er sich vor mir aufgebaut und ließ sich nicht bremsen", sagt Krauth. Es war das erste Mal, dass ihr persönlicher Ausländerhass entgegengebracht wurde. Trotzdem, sagt die Journalistin, seien ihre Erlebnisse in der Schweiz überdurchschnittlich positiv gewesen.


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