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Frankreich - TV-Duell Royal gegen Sarkozy 02.05.07 - 500 Beiträge pro Seite



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Hat jemand gestern das grosse TV-Duell der beiden Präsidentschaftskandidaten gesehen ?

:confused:

Im Vergleich zum Duell Merkel/Schröder war jedenfalls auffällig, dass es viel mehr um Sachfragen ging.

Bei Sarkozy fand ich überraschend, das er derart sachlich und zurückhaltend blieb, obwohl Royal ihn auch unter der Gürtellinie anzugreifen versuchte und Sarkozy als "unmoralisch" diffamierte.

Die Royal wirkte teilweise wie eine überdrehte Zicke, die sich furchtbar aufregte und damit eher unsympatisch wirkte, während Sarkozy oft gelassen war und oft nur als Antwort auf die Anfeindungen Royals nur mit den Schultern zuckte.

Mein Eindruck: Sarkozy wird die Wahl gewinnen.

:eek:
Antwort auf Beitrag Nr.: 29.109.693 von Blue Max am 03.05.07 11:55:30Na - Hoffentlich gewinnt Sarko,
mit ihm wird es keinen Türkeibeititt geben!
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,480676,00.html

TV-DUELL ZWISCHEN ROYAL UND SARKOZY

Harte Schläge, kein K.o.

Von Stefan Simons, Paris

Er gab sich mal bissig, mal galant, sie mal giftig und dann wieder höflich-kühl: Die TV-Debatte zwischen Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal geriet zum harten Schlagabtausch - ein Kampf über zweieinhalb Stunden ohne technischen K.o.


Es ist eine Handvoll Gäste, die ein Pariser Werbeunternehmer für die Fernsehdebatte Royal-Sarkozy in seiner Wohnung versammelt hat - Anwälte, ein Kaufmann, ein Diplomat. Gewiss kein demographisch repräsentativer Querschnitt, politisch vielleicht eher links, so wie die Gegend zwischen dem Bahnhof St. Lazare und dem Vergnügungsviertel Montmartre. Die Erwartungen sind hoch: "Royal muss mit den Inhalten überzeugen", so die einhellige Meinung, "Sarkozy mit seiner Persönlichkeit."


Streitgespräch über zwei Stunden und vierzig Minuten: Ségolène Royal musste alles geben

Damit ist die Latte ziemlich hoch gelegt: Denn UMP-Chef Sarkozy gilt als beckmessernder, manchmal gar unbeherrschter oder aggressiver Politiker, während der Sozialistin in den vergangenen Monaten immer wieder mangelnde Kompetenz vorgeworfen wurde.

21.00 Uhr: Gong zu Runde Eins. Sarkozy beginnt mit höflichem Geplänkel. Der UMP-Mann spricht als Aktivist: "Ich will ein Präsident der Verantwortung sein", und gelobt mehr Macht für das Parlament. Madame Royal geht schon jetzt auf Konfrontation, blickt auf die Regierungszeit der Ära Chirac zurück und listet die Versäumnisse auf: Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Teuerungen und eine riesige Staatsverschuldung.

"Bin ich verantwortlich für die Regierung? Ja", sagt Sarkozy und redet über seine Bilanz als Innenminister - im Vergleich mit der Amtszeit der Sozialisten gibt er sich dabei gute Noten. Nicht ungeschickt - wo es um die Schulden geht, appelliert er an den "gesunden Menschenverstand", die Schulden müssen runter, die Zahl der Beamten verringert werden.

Madame Royal antwortet, so wie sie es während der gesamten folgenden zwei Stunden tun wird: Mit einem Beispiel aus dem Leben - ihre Stärke ist ihre Art der Argumentation. Sie spricht von einer vergewaltigten Polizistin in einem Pariser Vorort, spricht von Stellenkürzungen bei Krankenschwestern und Lehrern. "Ich werde keine Beamtenstellen kürzen", so die PS-Frau und muss sich dann vorhalten lassen, die Sozialisten hätten im Parlament gegen die Erhöhungen des Sicherheitsetats gestimmt.

Vorteil Royal

Dann wird Sarkozy technisch-detailliert, rattert Statistiken zu Rückfalltätern herunter, ja, und gekürzt werden soll bei den Zöllnern, weil die mittlerweile überflüssig geworden sind. Und Schuld an der allgemeinen Misere ist, hier trumpft er das erste Mal auf, aus Sicht Sarkozys die 35-Stunden-Woche - ein Herzstück der sozialistischen Reformen. Royal pariert: "Warum haben Sie nicht die Reform durchgezogen für die Rückfalltäter, Sie waren fünf Jahre lang der Innenminister?" Die erste Runde. Vorteil Royal.

Vier Tage vor dem Wahlgang für den Einzug in den Élysée-Palast steht für beide die politische und persönliche Zukunft auf dem Spiel - auch wenn Sarkozy, seit Januar in den Umfragen stets vor der Konkurrentin, als Favorit am quadratischen Tisch in den Fernsehstudios von Boulogne-Billancourt Platz genommen hat.

"Wenn Sie alle Themen zugleich ansprechen, wird die Debatte oberflächlich", höhnt er jetzt. Dann wird es ein Handgemenge - es geht um die Neuverteilung von Posten und Funktionen in der öffentlichen Hand. Sarkozy spricht von Budgetfragen, Royal fordert rundweg die Umverteilung von nationalen und regionalen Kompetenzen. Und dann ist sie schon beim Lieblingsthema "Arbeit für die Jugend" - 500.000 Jobs für Berufsanfänger und "das funktioniert", triumphiert die Kandidatin unter Berufung auf die Erfahrung ihrer Region.

Sarkozy gleicht aus

Nichts blieb bei dieser Debatte dem Zufall überlassen: Das futuristische Dekor einer runden Arena, die Einstellungen der zwölf verdeckten Kameras, die Position der beiden Moderatoren - Arlette Chabot vom öffentlich-rechtlichen Kanal "France 2" und Patrick Poivre d'Avor vom dem Privatsender "TF1". Zwei Meter massive Holzplatte trennen die beiden Kandidaten, Meilenweit ist der Abstand der zwei verschiedenen politischen Projekte und der zwei Visionen von Frankreichs Zukunft.

21:44 Uhr. Die Vollbeschäftigung. Niemand auf der Welt teilt die Arbeit wie einen Kuchen, so Sarkozy und schlägt eine "andere Strategie" vor, so "wie Ihr Freund Tony Blair". Und holt aus zu seinem Spezialthema - der Verbindung von Arbeitsbeschaffung und Sozialhilfe. "Wenn Sie gegen die 35-Stunden-Woche waren, warum haben Sie diese Reform nicht abgeschafft?", fragt Royal und legt nach, sie fordert eine Lockerung der Arbeitszeit, je nach Branche und Unternehmen. "Ich stelle fest, dass Sie diese soziale Errungenschaft nicht in Frage stellen."

2. Teil: Überraschung: Bei einem Thema sind sich die Kandidaten einig

Im Visier sind jetzt die Wechselwähler. Denn nach der ersten Vorauswahl kann Sarkozy mehrheitlich auf die Anhänger des rechtsextremen "Front National" zählen, Royal vereint die meisten Stimmen der Linken, Grünen und Globalisierungsgegner - beide Kandidaten umwerben daher vor allem die rund 20 Prozent unentschlossenen Wähler der politischen Mitte und wollen sich gleichzeitig, jenseits aller Argumente, als Figur von präsidialem Format darstellen.

Eine Überraschung - bei den Mindestlöhnen und der Kaufkraft sind sich die Kandidaten einig.

Royal, in blauem Kostüm und weißer Bluse, schlägt dann eine Steuer auf die Börsenprofite vor, Sarkozy bohrt nach: "Wie hoch soll sie denn sein diese Steuer? Haben Sie keine Zahl?" Royal, mit giftigem Blick, verteidigt sich mit dem Hinweis auf die unbekannte Größe des Wachstums. "Unterbrechen Sie mich nicht", so Royal, als Sarkozy, die ersten Schweißperlen am Kragen des blauen Einreihers, noch mal nachfragt, aber die Antwort auf die Frage bleibt sie dem ehemaligen Wirtschaftsminister schuldig. Die Runde geht an Sarkozy.

Straßenfeger TV-Duell

Es wird spannend in dem TV-Spektakel mit einer "Zuschauerzahl wie beim Endspiel der Fußballweltmeisterschaft", so der "Parisien Liberé". Nicht einmal das zur selben Sendezeit ausgestrahlte Spiel der Championsleague, AC-Mailand gegen Manchester United, lockt die Franzosen zum Zappen - die sportliche Konfrontation bleibt hinter der Quote für den politischen Entscheidungskampf zurück.

Ja, die fünfte Debatte in der Geschichte der V. Republik darf sich, inhaltlich wie rhetorisch, mit den großen Auseinandersetzungen der Vergangenheit messen. Unvergessen - und derzeit auf einem Pariser Theater nachgespielt -, die intellektuellen Gefechte des konservativen Giscard d'Estaing gegen Francois Mitterrand, bei dem Giscard 1974 dem Sozialisten vorwarf er habe "keinen Alleinvertretungsanspruch auf die Herzen"; unübertroffen die Retourkutsche von 1981 als Mitterrand, von Giscard beschuldigt als Politiker "passé" zu sein, seinem Kontrahenten entgegenhielt als Politiker "passiv" zu sein.

Und konkurrenzlos der Zweikampf Mitterrand gegen Jacques Chirac von 1988, als der linke Präsident gegen den rechten Regierungschef antritt und ihn stets als "Monsieur Premierminister" apostrophiert, bis Chirac konstatiert: "Heute Abend sind wir beide ebenbürtige Kandidaten" - und Mitterrand herablassend kontert: "Da haben Sie vollkommen Recht, Monsieur Premierminister." Aber - an "giftigen Pfeilen" mangelt es auch diesmal nicht.

"Madame holt die Boxhandschuhe"

Die Debatte wird hart, als es um Erziehung geht, die Royal zum "Herz" ihrer Präsidentschaft machen will. Ja, Sarkozy spricht sogar davon, dass Madame "die Boxhandschuhe rausholt". Den Auftakt macht Sarkozy mit einem Hinweis auf die Unterstützung behinderter Kinder und öffnete damit, unabsichtlich, eine Flanke für einen Tiefschlag der Kandidatin: "Nein, ich bin entsetzt über das was ich höre. Ich habe als Erziehungsministerin durchgesetzt, dass 7000 Betreuer für behinderte Kinder eingesetzt werden. Und Sie fordern hier mit einer Träne im Auge, dass die Eltern vor Gericht ziehen sollen, um ihre Rechte einzuklagen - nein, dass ist nicht hinnehmbar", erregt sich Royal, moralisch und argumentativ im Oberwasser, während Sarkozy, nun wirklich aus der Ruhe gebracht, sich auf die Opferrolle verlegt. Eine Rolle in der er nicht überzeugt.

"Beruhigen Sie sich", so der UMP-Mann. "Nein, es gibt eine Wut, die gerechtfertig ist", so Royal. Und: "Ich bin nicht wütend, ich bin empört", donnert sie. Sarkozy versucht es sarkastisch: Ihre Präsidentschaft, "das kann ja heiter werden."

3. Teil: Und dann werden, hopphopp, noch ein paar Reformprojekte heruntergespult


Es ist schon fünf Minuten nach den verabredeten zwei Stunden Debattenzeit, als Royal zur Einwanderung befragt wird, Sie spricht von einem Plan für Afrika, damit die Immigration schon an der Basis gestoppt wird. Nein, eine generelle Anerkennung von Flüchtlingen will Sarkozy nicht, der als Innenminister dafür verantwortlich war, dass der Großvater eines illegalen Schülers vor dessen Schule festgenommen wird. "Spielen Sie nicht mit der Misere der Menschen", erregt sich Royal.

Minuten für die Reformen

Nun werden die Moderatoren nervös, die Zeit läuft davon und nun sollen in Minutenschnelle die Reformen der V. Republik ins Lot gebracht werden. Kein Wunder, dass es holprig wird. Sarkozy spult sein Reformprojekt herunter, Royal appelliert an die politische Mitte und fordert eine neue, "Sechste Republik" mit eindeutigen Rechten für das Parlament, für effektive Arbeit, für mehr Mitsprache für die Opposition: "Der Staat darf nicht länger nur einer Partei gehören."

An dieser Stelle verzichtet Sarkozy auf ein Guthaben von drei Minuten Redezeit.

Ganz der Mann

23:32 Uhr. Die Ringrichter Chabot und Poivre d'Avor fordern die Kontrahenten auf, übereinander zu urteilen: Sarkozy ganz Gentleman nutzt die Chance und lobt die Kandidatin als "Frau von Qualitäten". Royal bleibt kühl: "Ich erlaube mir kein persönliches Urteil, sondern ich hoffe, dass die Franzosen auf Grund der Projekte urteilen." Und nun - Auftakt zur letzten Runde. "Ich setzte auf Aktion, ich will agieren, Frankreich hat mir alles gegeben, ich will alles zurückgeben. Ich werde alles halten, was ich versprochen habe, ich werde die Franzosen nicht enttäuschen", hämmert Sarkozy in sein Schlusswort, ganz der Mann, der Macher, vielleicht auch Macho.

Royal profiliert sich feminin, wie auch sonst, wendet sich an die "Unentschlossenen: Es ist eine Wahl, die Wagemut erfordert, eine Frau an der Spitze des Staates, das hat es anderswo auf der Welt gegeben, denken Sie nur an Angela Merkel", sagt sie und qualifiziert sich als "Mutter von vier Kindern", die versöhnen will, Familie, Arbeit und Nation: "Ich werde die Franzosen nicht gegeneinander stellen, ich will die Energien des Landes zusammenfassen." Ihr Frankreich ist das einer harmonischen Zukunft.

Es geht auf Mitternacht, bei dem Werbefachmann am Place Clichy wird Champagner gereicht. "Nicht schlecht", sagen die Gäste zum Niveau der langen, mehr als zweistündigen Debatte. Hier hat Royal in der Wertung die Nase vorn, "sie war offensiv und sympathisch", sagt die einzige Frau in der Runde, "Royal hat sich beim 'großen Mündlichen' gut geschlagen."

In den Kneipen an der Pigalle gehen die Meinungen derweil auseinander. Die Sarko-Fans heben den Daumen für ihren Kandidaten, der "gesagt hat, was Sache ist". Die Angehörigen des "ältesten Gewerbes", das verwundert nicht, sehen die Kandidatin der Sozialistin in Führung, "weil Ségo es dem UMP-Kerl doch mal richtig gezeigt hat".

Unentschieden auf hohem Niveau

Kein Fotofinish also, kein technischer K.o., sondern eher ein Unentschieden auf hohem Niveau. Oder war die ganze Aufregung umsonst? Eine Debatte für das Fernsehen, ein Medienspektakel ohne Folgen?

"Die Debatten zwischen den beiden Wahlgängen haben nie über den Ausgang der Präsidentschaft entschieden", schreibt der "Figaro" unter Berufung auf die Expertisen von Politologen, weil die TV-Diskussionen nie mehr als 300.000 Wähler umgestimmt haben. Allerdings, so gesteht das konservative Blatt, ist die Zahl der unentschiedenen Franzosen von Wahl zu Wahl ständig gestiegen.

Der Schlussgong erklingt am Sonntag.
Antwort auf Beitrag Nr.: 29.109.693 von Blue Max am 03.05.07 11:55:30Ja, habs gesehen!

Aber dass es mehr um Sachfragen ging kann ich so nicht bestätigen. Ich hatte den Eindruck dass da genau wie bei uns einfach altbekannte Positionen in den Raum geworfen wurden, worauf Mme Royal eklig wurde und Sarkozy anmerkte:

Er: "Mme, Sie verlieren die Nerven"
Sie: "Tu ich nicht !"
"Tun Sie doch !"
"Nein !"
"Ja !"
"Von wegen !"
"Doch !"
"Nö !"
"Und ob !"
"Niemals !"


usw.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,480674,00.html

FRANKREICH

Scharfe Attacken im TV-Duell zwischen Royal und Sarkozy

03.05.2007

Sie haben sich nichts geschenkt: Die französischen Präsidentschaftskandidaten Royal und Sarkozy lieferten sich in ihrem TV-Duell einen harten Schlagabtausch. Gegen Ende wurden beide ungewöhnlich aggressiv. Lesen Sie die Kommentare des französischen Journalisten Lucas Delattre im SPIEGEL ONLINE-Liveticker.


Paris - Zwei Stunden und vierzig Minuten ging es hoch her im Studio in Paris. Die Sozialistin Ségolène Royal und der Konservative Nicolas Sarkozy lieferten sich bei ihrem TV-Duell einen teils harten Schlagabtausch. Sie kritisierte ihn vor allem wegen seiner Teilnahme an der Regierung. "Was haben Sie fünf Jahre lang gemacht? Sie hatten die ganze Macht! Sie sind nicht glaubwürdig", sagte sie.

Nicolas Sarkozy: Vor dem Duell in Umfragen vorn
Besonders emotional und aggressiv wurde die Debatte als Sarkozy über behinderte Kinder sprach. Die Sozialistin warf dem konservativen Exinnenminister einen "Gipfel der politischen Immoralität" vor, nachdem er jedem behinderten Kind einen Platz in der Schule versprochen hatte. "Man spielt nicht mit den Behinderten, ich bin sehr wütend", sagte Royal. Schließlich sei die amtierende Regierung für Rückschritte bei der Betreuung Behinderter verantwortlich. "Madame Royal hat die Nerven verloren", konstatierte Sarkozy darauf. "Jemand, der Präsident sein will, muss die Ruhe bewahren."


Royal und Sarkozy stehen sich am Sonntag in der Stichwahl gegenüber. Laut Umfragen lagen sie vor dem TV-Duell bei etwa 52 zu 48 Prozent für Sarkozy. Knappe Werte. Deshalb war für beide der TV-Auftritt enorm wichtig.

Ob sie die Erwartungen erfüllt haben, hat der französische Journalist Lucas Delattre für SPIEGEL ONLINE beobachtet. Er hat den Verlauf der Redeschlacht live kommentiert. Lesen Sie seine Anmerkungen:


Lucas Delattre, geboren 1965, war jahrelang Korrespondent der französischen Tageszeitung "Le Monde" in Deutschland. Von 2002- 2006 leitete er das Pariser Büros des Europarats. Seither ist er Sprecher des Institut Francais de la Mode. Delattre veröffentlichte 1998 mit Daniel Cohn- Bendit und Guy Herzlich den Band "Une envie de politique" und ist Autor des Buches "Fritz Kolbe. Der wichtigste Spion des 2. Weltkriegs". Schluss Das Urteil ist gefallen: Beide Kontrahenten waren gut vorbereitet, haben wahrscheinlich ihre jeweiligen Lager überzeugt, aber Sarkozy war technisch besser (er konnte seine Themen besser setzen). Inhaltlich hat es keine Überraschung gegeben: Nicolas Sarkozy legte Wert auf Arbeit, Leistung, Handlung. Ségolène Royal legte Wert auf sozialistische Werte: Justiz, Harmonie, Dialog.

Die sozialistische Kandidatin wirkte aber agressiv und frech, manchmal ein bisschen demagogisch.

Der konservative Kandidat war professionneller und konnte seine sprunghafte Natur immer beherrschen.


Frage: Wie werden diejenigen Wähler (17%) entscheiden, die noch unentschieden sind? Im allgemeinen wird am Ende der Debatte von Beobachtern gesagt, der Einfluss auf den Ausgang der Wahl werde nur marginal sein.

23:51 In Klammern: Ein paar Themen oder Personen sind heute Abend gar nicht erwähnt worden (weder George Bush noch Amerika, nicht mal Jacques Chirac...). Europa war nur fünf Minuten wert.

23:48 Nicolas Sarkozy legt Wert auf ein Paar wichtige Wörter: Arbeit, Leistung, Wagemut...

Ségolène Royal legt Wert auf sozialistische Werte: Justiz, Harmonie. Wirkt aber demagogisch ("ich weiß, was eine Familienmutter ist").

Sie zitiert Angela Merkel als ein Beispiel dafür, dass eine Frau agieren kann.

Fazit: Er hat gewonnen. Sie hat manchmal ihre Nerven verloren, wirkte ab und zu agressiv.

23:40 Ich denke, jetzt haben viele Franzosen den Fernseher ausgeschaltet. Das Ende naht. Die Debatte wird persönlicher. "Was halten Sie voneinander?" Nur Gutes! Wie höflich! "Hier geht es auschließlich um eine Ideendebatte", sagen beide Politiker, wohlwissend, dass die Politikverdrossenheit in Frankreich groß ist.

Es muss gezeigt werden, dass die junge Generation von Politikern nur aus Überzeugung, nicht mehr aus Machtgier, agiert.

23:30 Thema Einwanderung. Sie hat einen Pluspunkt damit gemacht, dass sie gesagt hat, sie wolle nicht wie Sarkozy vorgehen: erst die Zahl der Ausländer festzulegen, die nach Frankreich einwandern dürfen, und dann diese Zahl bürokratisch einzuhalten. Sie will "humaner" vorgehen und wirkt hier glaubwürdiger.

23:22 Komischerweise greift Ségolène ihren Kontrahenten nicht mehr an, obwohl es jetzt um die Einwanderungspolitik geht. Was ist los? Entweder ist sie sehr müde oder sie weiß, dass dieses Thema zu kompliziert ist, um damit zu punkten.

23:18 Erstaunlich: Irak ist heute Abend kein Thema, wohl aber Darfour und Afrika, dann China. Blickwinkel: Einwanderung (Afrika), Zukunft der Demokratie (China).

Wer steht besser für die Tradition Frankreichs als Land der Menschenrechte?

23:17 Thema Europa: sofort geht es um die Türkei. Sarkozy hat eine sehr klare Linie: die Türkei gehört nicht dazu! Sie sagt: vielleicht, aber später.

Mehr als die Hälfte der Franzosen sind gegen den Beitritt der Türkei zur EU.

Wie traurig, dass es kein anderes europäisches Thema gibt heute Abend!


23:09 Man kann jetzt schon sagen: Er ist wahrscheinlich besser als sie (ein Freund, der der sozialistischen Partei sehr nahe steht, sagt mir: Drei zu Null für ihn).

Warum? Weil er (unerwarteterweise) seine Nerven sehr gut zusammen hält und besser weiß, was er sagen will.

Sie scheint, viel zu viel sagen zu wollen (man fragt sich: wieviel Gedächtnisstützen hat sie vor dem Duell durchgelesen?).

23:00 Die Augen von Ségolène werden rot. Sie wird müde. Erschöpft!

Jetzt geht es um die Schulpolitik und mehr und mehr zeigt sich, dass Sarkozy versucht, der "sozialste" zu sein: er will mehr tun, um behinderte Kinder in die Schulen zu integrieren.

Ségolène wird zum ersten Mal agressiv und spricht ihren Ärger aus: "Sie sind unmoralisch, Sie lügen, ich habe mehr als Sie getan, um den behinderten Kindern zu helfen".

Pluspunkt oder Minuspunkt für sie? Sie verliert ihre Nerven, schlecht für sie.

Auf jedem Fall: "Unmoralisch" wird in die Geschichtsbücher eingehen.


22:45 Achtung! Jetzt machen die beiden große Fehler: Sie spielt die Rolle der Oberlehrerin (Thema: Energiepolitik). Und er gibt zu, den Anteil der Nuklearenergie in Frankreich nicht genau zu kennen. Hinzu kommt, dass sie eine falsche Zahl nennt. Vor ein Paar Wochen wurde sie kritisiert, weil sie die genaue Zahl der Atom U-Boote nicht kannte.

Null zu Null!

22:35 Jetzt geht es darum, wer als "présidentiable" (dem Amt angemessen) erscheinen kann. Er macht jetzt Punkte, weil er ganz einfache und vernünftige Lösungen hat: niemand muss mehr als 6 Monate für den Staat arbeiten, zum Beispiel. Jeder muss seine Wohnung besitzen können. Mehr arbeiten, mehr verdienen, usw.

Hingegen: Ségolène ist eine starke Angreiferin (sehr begabt sogar!), aber ihre Vorschläge sind zu technisch und kompliziert.

22:20 Welche Botschaft ist bis jetzt klar geworden? Keine! Die Debatte ist langweilig, sehr technisch. Man ahnt, die katastrophale Lage der öffentlichen Finanzen wird den Spielraum des nächsten Präsidenten sowieso eng, sehr eng beschränken.

Jeder Zuschauer weiß das und hört deswegen nicht sehr präzise zu. Man konzentriert sich auf den Stil von Ségolène und Sarkozy.

Jetzt greift er doch an (Thema Rentenreform), aber noch ist er vorsichtig. Komischerweise schaut er sie nicht an (warum schaut er auf die zwei Journalisten?).

Er ist besser vorbereitet, kennt die Zahlen. Sie ist weniger präzise. Vielleicht wird dies früher oder später das Duell entscheiden.

Zu früh, um es zu sagen.

Das Wort Globalisierung ist noch nicht gefallen. Komisch. Alles dreht sich darum um Frankreich.

21:59 Unglaublich, wie Sarkozy versucht, seine Nerven zu kontrollieren. Er ist milde, höflich, lässt seine Kontrahentin sprechen. Es wird einem klar, wie stark seine Berater an ihn appelliert haben, nicht brutal zu wirken.

Jeder weiss, wie negativ es sein kann, wenn man den Anderen zu stark angreift (Laurent Fabius hatte einst wegen einem schweren Angriff sein Duell gegen Chirac verloren).

Royal springt von einem Thema zu dem anderen. Sie nennt den "sozialen Dialog" als ihr zentrales Thema, aber sie hört nicht zu und greift wieder und wieder an! Hat sie recht?

Man weiss, dass Sarkozy ein Machtmensch ist. Heute wirkt er jedoch wie ein Mann des Dialogs. Müsste er nicht jetzt auch mal angreifen?

21:40 Jetzt geht es um die Wirtschaftspolitik: Achillesferse der Sozialisten! Ségolène muss viel tun, um die kleinen und mittleren Unternehmen davon zu überzeugen, dass sie etwas für sie tun kann.

Die Debatte wird zu technisch (Wachstumspolitik, öffentliche Finanzen), und dann auch noch die Zukunft der öffentlichen Einrichtungen. Die Zuschauer werden sich bald langweilen!

Sarkozy gelingt es erneut, seine Kontrahentin nicht zu unterbrechen (sie scheint dagegen weniger gelassen zu sein). Er argumentiert professionnell gegen die 35-Stunden-Woche. Sie verliert einen Punkt.

"Ich habe 3000 Arbeitstellen in meiner Region kreiert", sagt sie. Schwach! Als würde noch irgendjemand in Frankreich glauben, der Staat sei für die Schaffung von Arbeitsplätzen verantwortlich?

21:20 Ségolène Royal greift als erste an. Logisch: Sie ist die Herausforderin. In schwarz gekleidet wirkt sie seriös und staatsmännisch. Sie muss aufpassen, weil sie jetzt ihren Kontrahenten oft unterbricht. Wer wird die Nerven als erster verlieren? Sarkozy gilt normalerweise als brutal und nervös: Heute versucht er offensichtlich, "cool" zu sein.

Warum spricht Ségolène sofort von der Gewalt in den "Banlieues", den Vorstädten? Um die Bilanz von Sarkozy als Innenminister besser angreifen zu können. Gewalt ist das erste Thema des Abends. Ségolène will zeigen, dass nur ein starker Staat (und nicht ein liberaler Staat à la Sarkozy) gegen die Gewalt vorgehen kann. Heute zeigt sich, dass die Situation in den Vorstädten alles andere bestimmt.

21:07 Beide Kandidaten sind psychisch gut vorbereitet und scheinen ihre Nerven zu kontrollieren. Sarkozy dramatisiert gleich beim Anfang. Er nennt die letzte Präsidentschaftswahl, bei der der Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen den zweiten Wahlgang erreicht hat, einen "Tsunami". Er erklärt, dass er möglichst zwei Amtszeiten lang im Elysèe-Palast bleiben will und zeigt sich als Mann, der agiert.

21:00 Dieses Fernsehduell wird die Wahl vielleicht entscheiden. Die zentrale Frage ist: Wie werden die Wähler aus dem Bayrou-Lager wählen? Die Regeln sind streng: Die Minuten werden zwischen beiden Kandidaten genau gleich verteilt
Antwort auf Beitrag Nr.: 29.110.227 von Kaperfahrer am 03.05.07 12:25:52Ja, war köstlich:

"Ich reg mich nicht auf #%&§ :mad:" ;)

Beiden war die Nervosität anzumerken, da geriet die Argumentation bei beiden auch mal ins Stocken und drehte sich im Kreis.

Sarkozy hat mich positiv überrascht: kühl, betont sachlich, wenn auch nicht immer konsequent argumentierend, mit schönen Spitzen gegen Royal ("das System hat dafür gesorgt, dass Frau Royal hier am Tisch sitzt" als Anspielung auf ihre ENA-Vergangenheit). Royal dagegen verhaspelte sich in Widersprüchen und nebülösen Andeutungen, von einer Sozialistin habe ich auch nichts anderes erwartet.

Da Sarkozy in Frankreich aber nicht beliebt und z.T. verhasst ist, und Royal bestimmt Sympathiepunkte für ihre "ich kenne die Krankenschwester um die Ecke" Argumentation abräumen konnte, wird es glaube ich sehr knapp.
#7

Ganz billig fand ich auch den demagogischen Appel von Royal an die niederen Instinkte der Wähler. So nach dem Motto blablabla Frankreich kann auch gut von einer Frau regiert werden blablabla.

Vermutlich lockt man mit so etwas die ein oder andere verblödete oder radikal-feministische Wählerin hinterm Ofen hervor, aber ein sachliches Argument ist so etwas jedenfalls nicht.

:eek:
Ihr habt bestimmt Recht,

aber die Royal ist viel hübscher als der Sarko :laugh:

Fazit: Die Royal wird gewinnen ! :p

Nice weekend

Nuno:cool:
Die Royal appelliert an die niederen Instinkte und macht es ein bisschen wie Regine Hildebrandt, die durch die Lande fuhr und da einen Kindergarten versprach und dort einen neuen Sportplatz etc. und andere Leute mussten dann hinterher den Menschen erklären, dass das jetzt leider doch nicht geht, weil so was ja auch bezahlt werden muss und dafür kein Geld da ist.

Das Frauenargument, was Royal immerzu ins Feld führt, ist billig: aber in der Tat gibt es wohl genügend Leute, die darauf abfahren. Wobei ich mich immer frage, wie jemand so bescheuert sein kann, einen Präsidenten allein aufgrund des Geschlechtes (und des Aussehens) zu wählen. Solche selbstbeweihräuchernden Sprüche wie "Als Mutter weiß ich das" finde ich absolut grenzwertig, aber bei etwas emotionaler gestrickteren Gemütern kommt das vermutlich gut an.

Sarkozy mag als Privatmensch eine echte Sau sein, aber m. E. wurde er politisch gezielt in den Medien als Feindbild aufgebaut, was er m. E. nicht verdient hat. Was die Vorstadtunruhen betraf: auch in diesen Stadtteilen gibt es durchaus eine Menge Sarkozy-Anhänger, nämlich v. a. der Bevölkerungsanteil, der durch die Massen von Krawalleros gestrichen die Nase voll haben und froh wären, wenn da mal gegengesteuert wird. M. E. war Sarkozy der einzige Politiker, der sich dort überhaupt mal hat blicken lassen, was ihm durchaus Sympathien eingebracht hat.

Was auch gern vergessen wird (und weshalb Royal vermutlich auch einen Bogen um das Thema Immigration gemacht hat) ist, dass Sarkozy selbst Einwandererkind ist: seine Mutter ist Griechin, sein Vater Ungar. Es ist vollkommen unmöglich, ihm ernsthaft Ausländerhaß zu unterstellen. Die Royal war immerhin schlau genug, um dieses Thema einen Bogen zu machen.
Ein Hinweis für alle, die das TV-Duell nicht gesehen haben:

[urlBei Arte]http://www.arte.tv/de/1557600.html[/url] gibt´s das - sogar mit deutscher Übersetzung.
#9

Bei der bist Du aber zu spät dran. Die ist verheiratet und hat 4 Kinder... ;)


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