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TochterTag - eine Erzählung über Internet und Börse - 500 Beiträge pro Seite



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TochterTag

Als Meta eines Morgens in der Küche mit der Fernbedienung hantiert, geht das Radio an, die Digitalanzeige der Kaffeemaschine blinkt Trester leeren und beim Geschirrspüler leuchtet die Taste Glänzer füllen. Leise summend fährt der Rollladen hoch, bis er quietschend schief hängen bleibt. Meta leert und füllt, presst Orangen und greift zum Brot; es ist hart. Der Lärm muss Daniel geweckt haben, sie hört ihn duschen. Bald taucht er auf in einer Duftwolke. Blue Water. Meta denkt an das Meer und reicht ihm eine Banane. Er lacht - «ein Plantagenfrühstück, Kaffee, Orangen und Bananen, weit hergeholt». «Vom Suchen träumte ich letzte Nacht, ich war eine Suchmaschine. Das Eingabefeld füllte sich mit Schlüsselwörtern, und ich wusste, das ist traffic.» «Eine Suchmaschine weiss nichts, sie ist ein geschlossenes System, ein Programm.» «Mir träumte, ich sei eine besondere Suchmaschine, WUNS.CH» « Dann träum mal schön weiter», sagt er, küsst sie auf die Stirn und geht. «Es ist sechs Uhr», sagt das Radio, «sie hören die Nachrichten. Kampf der Softwaregiganten. Im Wettstreit um den ersten Platz in der Weltrangliste führt Miracle! den Tochtertag ein. Für den Schritt in die Zukunft hofft Miracle! auf weibliche Intuition. Durch jahrtausendelange Schulung auf dem Gebiet menschlicher Beziehungen - denn das ist es, was weibliche Intuition bedeutet - haben Frauen zu allen Gemeinschaftsunternehmungen einen besonderen Beitrag zu leisten.» Meta findet die Fernbedienung im Früchtekorb und drückt ein paar Knöpfe. Das Radio verstummt und der Rollladen fällt krachend herab. Genauso wird der Miracle! Kurs absacken. Wie wäre es, wenn ich noch ein bisschen weiter schliefe, denkt Meta. Ihr Körper sinkt müde ins Bett, nachdem sie den Wecker auf acht Uhr dreissig gestellt hat, damit sie fit ist, wenn die Börse erwacht.


Fortsetzung folgt
Antwort auf Beitrag Nr.: 33.376.072 von sceptosa am 15.02.08 00:12:412
In tiefer Schwärze liegt das weisse Band der Milchstrasse. Es zieht sich zusammen und wird viereckig. Da ist es wieder, das Eingabefeld. Es blitzt wie die Zähne eines alles verschlingenden Maules. Gierige User tippen Suchwörter in den Schlund, sie versprechen sich Antworten auf all ihre Probleme. Meta sendet die Keywords mit einem Klick in ihr Archiv, doch bevor der User auch nur den Hauch eines Hinweises ergattert, hat er sich selbst ausgezogen bis aufs Hemd. Gläsern steht er da vor Meta, die weiss, dass er eine Sie ist mit Geldsorgen, im medizinischen Bereich tätig und Mutter eines Sohnes, zum Beispiel. Seit Meta die Mails der Stammkunden entschlüsseln kann, geht sie präzise auf die Anfragen ein und liefert Ergebnisse, die auf den User zugeschnitten sind. Im obigen Fall Links zu Kreditinstituten und Rechtsberatung. Die Werbung bringt Geld, das der Entwicklung der perfekten Suchtechnologie zukommt. Ein natürlicher Kreislauf im Dienste der User, sogar eine DNA-Datenbank hat Meta in ihrem Programm. Auch hier werden Werte freiwillig eingegeben, damit die Nachkommen ihre Herkunft klären können, wer weiss, ob das dereinst wichtig ist, Zukunft ist Herkunft! Meta ist es, als ob sie tausend Arme hätte, sie greift nach einem Userprofil mit genetischem Fingerabdruck und paart es mit seinem Spiegelporträt. Schon fahren Entwürfe für den Nachwuchs ein. Es gibt keine Erbkrankheiten mehr und Dummheit stirbt aus. Nun ist das Eingabefeld seit Sekunden leer und Meta nutzt diese Pause, um das eigene Partnerprogramm zu besuchen. Sie wählt für sich selber eine Partnerin für den Tochtertag.

Fortsetzung folgt


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