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S&T Interview mit CEO Tantscher (II. Teil) - 500 Beiträge pro Seite



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S&T Teil II: "Wir sind im Vergleich günstig bewertet..."

Im folgenden zweiten Teil (Teil I wurde gestern veröffentlicht) des von wallstreet:online austria geführten Interviews mit S&T CEO Karl Tantscher werden Vorstellungen über den weiteren Verlauf der S&T-Aktie erläutert, sowie Vorstellungen über die weitere Geschäftsentwicklung verdeutlicht.

wallstreet:online: Haben Sie mit Ihren Produkten bzw. Dienstleistungen auch Vorteile gegenüber anderen Mitbewerbern, ich denke da zum Beispiel an Lizenzen oder auch Patente?

Tantscher: Die S&T AG selbst hat im Moment keine eigenen Produkte, die sozusagen lizenz- oder patentrechtlich geschützte S&T-Produkte wären. Es gibt aber Überlegungen künftige Forschungsentwicklungen in dieser Hinsicht abzusichern.

wallstreet:online: Wieviel investieren Sie in Forschung und Entwicklung?

Tantscher: Wenn Sie den Jahresabschluss 1999 anschauen, dann steht klar ersichtlich, dass es diesbezüglich keine Ausgaben für Forschung und Entwicklung gegeben hat. Im Jahresbericht 2000 werden Sie Ausgaben für Forschung und Entwicklung sehen. Der Grund: Wir haben gerade erst damit begonnen, ich kann Ihnen deshalb auch noch nicht wirklich eine Zahl nennen.

wallstreet:online: Woran arbeitet die Forschungsabteilung?

Tantscher: An keiner Grundlagenforschung, vielmehr an anwendungsbezogener Forschung. Es geht im wesentlichen darum, Produkte so weit fertigzustellen, dass sie vom Kunden als Paket akzeptiert werden können.

wallstreet:online: Wieviel Prozent des Umsatzes erwarten Sie sich von den auf diese Art neu entwickelten Produkten zu erwirtschaften?

Tantscher: Das ist eigentlich mehr ein Test. Wir haben wie gesagt erst damit begonnen, uns in diesem Bereich umzuschauen. Es gibt bei S&T seit Beginn dieses Jahres einen Chief Technologie Officer, der mehrere Bereiche in der Entwicklungsabteilung bearbeitet. Wir glauben mit ihm einen technisch versierten Menschen zu beschäftigen, der uns sagen kann, welche Produktbereiche im Kommen sind, welche man forcieren sollte und welche wir eher meiden müssen. Darüber hinaus gibt es innerhalb der Firmengruppe Know how, das anhand von Projekten erarbeitet wird und so einer ständigen Weiterentwicklung ausgesetzt ist. Wir arbeiten zum Beispiel an einer Softwarelösung für ein Business to Bussiness eCommerce-System, das wir mehrfach implementiert haben und wo man sich überlegen könnte, ob das nicht auch für andere Kunden in anderen Ländern interessant wäre. Darüber hinaus gibt es einen Bereich über den wir nicht sehr viel reden, der geographisch limitiert ist, in Slovenien und in Kroatien, wo wir ein eigenes Notebookprojekt unterhalten. Dieses Projekt hat sich sogar bis zur Marktführerschaft entwickelt, allerdings nur in diesen Ländern, und die sind bekanntermaßen nicht sehr groß. Wieviel Prozent des Umsatzes sich auf Dauer aus diesen Neuentwicklungen ableiten lassen, kann ich aus heutiger Sicht schwer abschätzen, wir hoffen natürlich auf viele Prozentpunkte.

wallstreet:online: Gibt es eine bestimmte Preispolitik, die Sie in den nächsten Jahren verfolgen wollen?

Tantscher: In dieser Hinsicht muss man sehr stark zwischen Produkten und Dienstleistungen unterscheiden. Bei Produkten ist man ja eigentlich fast immer gezwungen, dem Markt zu folgen. Nachdem wir Standardprodukte fast zur Gänze aus dem Markt nehmen und diese in unsere Systeme einbauen, werden die Preise vom Markt zumindest mitgemacht. Für eine komplex installierte Kombination von IT-Komponenten kann man aber sicherlich höhere Prämien verlangen als wenn man Einzelprodukte verkauft. Auf letztgenannter Ebene kann man die Preispolitik kaum beeinflussen, da die Kunden in der Lage sind, gleichwertige Produkte zu vergleichen, was den Markt regulieren hilft.
Im Dienstleistungsbereich ist das anders. Darin versuchen wir eine sehr hochqualitative Arbeit anzubieten. Unsere Kundendienstleistungen, unsere Wartungen und Beratungen sind sicher am qualitativ oberen Ende des Branchen-Spektrums angesiedelt. Dafür sind unsere Geschäftskunden natürlich auch bereit, viel Geld zu bezahlen.

wallstreet:online: Welche Umsatz- und Gewinnentwicklung erwarten Sie für das laufende und für das kommende Jahr?

Tantscher: Also für das laufende Jahr erwarten wir mehr als 100 Millionen Euro Umsatz und 3,8 Prozent EBIT-Marge. Diese Schätzung wurde von uns bereits Anfang des Jahres getätigt und wir sind auf dem besten Weg dieses Ziel mindestens zu erfüllen. Für das kommende Jahr ist es schon ein wenig schwieriger vorherzusagen, da sehr viel davon abhängen wird, ob und welche Akquisitionserfolge wir erzielen. Aber ich würde einmal eine grobe Schätzung unserer Erwartungshaltung für das kommende Geschäftsjahr bei etwa 150 Millionen Euro Umsatz ansiedeln. Diese Größenordung scheint aus heutiger Sicht realistisch. Das EBIT wird sich ebenfalls verbessern, davon bin ich überzeugt.

wallstreet:online: Von welchen Faktoren wird die Gewinn- und Umsatzentwicklung am meisten abhängen, abgesehen von den zuvor genannten Akquisitionen?

Tantscher: In erster Linie hängt es immer von der Marktentwicklung ab. Im Moment sind die osteuropäischen Märkte eigentlich in einer guten Entwicklungsphase. Auch Russland entwickelt sich positiv, Polen entwickelt sich sogar sehr positiv. Wir hoffen derzeit allerdings, dass es nie wieder zu einem solchen Wirtschaftsabsturz wie 1998 kommt. Diesen Einbruch haben wir damals deutlich zu spüren bekommen. Im Moment ist allerdings eine solche Entwicklung Gott sei dank nicht in Sicht. Im Gegenteil, die EU-Annäherung, die von beiden Seiten betrieben wird, ist eine positive Entwicklung. Ich persönlich glaube, dass die wirtschaftliche Entwicklung und unsere Investitionen in Ausbildung und Technik sich sehr schnell auszahlen werden. Wir können beispielsweise hochausgebildete Spezialisten in einem Land beschäftigen, dessen Lohnniveau noch niedriger ist als anderswo, diese aber auch in anderen Ländern zur Verfügung stellen, wenn die Notwendigkeit dafür besteht. Es ist also im Moment eigentlich keine negative Entwicklung für unser Unternehmen zu sehen.

wallstreet:online: Wird es personalpolitische Änderungen geben? Man hört in den Medien immer wieder von einem akuten Mangel an Computerspezialisten, bekommen Sie diese Entwicklung auch zu spüren?

Tantscher: Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir genau in diesen Ländern tätig sind, wo Computerspezialisten auch schon früher ausgebildet wurden und diese vom Lohnniveau im Vergleich zum EU-Raum relativ günstig beschäftigt werden können. Das ist ja auch der Grund, warum der deutsche Bundeskanzler Herr Schröder gerne osteuropäische Computerspezialisten in Deutschland hätte, weil in Deutschland selber, findet man kaum welche. Diese Entwicklung ist auch in etwa ident, mit der in Österreich. Es ist natürlich eine gute Chance für jemanden, der in Sofia studiert hat, nach Deutschland zu gehen. Die meist jungen Leute sind aber nicht dumm und schauen sich die Angelegenheit sehr kritisch an. Sie fragen sich, darf ich jetzt für zwei oder drei Jahre nach Deutschland? Muss ich dann wieder weggehen? Wer weiß, wie sich mein Land entwickelt hat, bis dahin? Mittlerweile haben sich meine Kollegen, die da geblieben sind, in guten Positionen etabliert und ich komm dann als "Newcomer" zurück. Die Leute sehen das auch von dieser Seite, und sind dann froh, wenn Firmen wie S&T kommen, die sie in ihrem eigenen Land beschäftigen und auch ordentlich für ihre Tätigkeit bezahlen. Damit helfen sie ja auch ihr eigenes Land aufzubauen und auf lange Sicht marktwirtschaftliche Reformen voranzutreiben.

wallstreet:online: In welcher Höhe wird sich der Gewinn pro Aktie zum Jahresende 2000 bewegen?

Tantscher: Im Moment haben wir 3,15 Millionen Aktien. Wenn ich den Nettogewinn für das heurige Jahr mit schwach drei Millionen ansetzte, das ist jetzt wirklich eine grobe Schätzung, weil wir noch vier Monate haben in diesem Jahr, dann können Sie von einem Gewinn pro Aktie in der Höhe von etwa 0,8 Euro ausgehen.

wallstreet:online: Haben Sie vor, einen höheren Gewinn pro Aktie nächstes Jahr zu erreichen, oder glauben Sie, dass er auf diesem Niveau vorerst bleiben wird?

Tantscher: Unsere Vorstellung geht schon in die Richtung, dass wir einen Jahr für Jahr steigenden Gewinn pro Aktie erreichen.

wallstreet:online: In welchem Zeitraum schätzen Sie, dass der Kurs der S&T-Aktie wieder IPO-Niveau erreicht?

Tantscher: Das ist etwas, worauf wir nur indirekt Einfluss haben. Wir können eigentlich nur gute betriebswirtschaftliche Resultate liefern. Die Investoren müssen wieder Vertrauen finden, um den Wert der Firma dorthin zurückzubringen, wo wir glauben, dass er sein sollte. Wir stehen heute kursmäßig bei etwa 17 Euro, das gibt eine Marktkapitalisierung von ungefähr der Größenordnung des letztjährigen Umsatzes. Der letztjährige Umsatz war 57 Millionen Euro. Damit sind wir Umsatz zu Marktkapitalisierung sehr günstig bewertet. Auch das KGV wäre mit etwas unter 20 durchaus im Bereich des Üblichen. Wenn Sie sich Firmen anschauen, die mit uns vergleichbar scheinen - diesbezüglich werden immer wieder Firmen wie Softbank, Prokom (Polen) und Synergon (Ungarn) genannt - werden sie schnell feststellen, wie günstig wir im Vergleich zu denen bewertet sind. Diese Firmen weisen mindestens die doppelte Marktkapitalisierung im Vergleich zum Umsatz auf. Hinken tun diese Vergleiche natürlich immer ein wenig, weil es eben keine Firmen gibt, die international exakt dieselben Tätigkeiten und Aktivitäten durchführen wie S&T. National (in Österreich) gibt es überhaupt keine vergleichbaren börsennotierten Titel. Eben weil es die nicht gibt, vergleicht man uns mit internationalen Firmen, die auch börsennotiert sind. Wenn wir also in nächster Zeit wieder profitabel arbeiten und die Anleger das Vertrauen zurückgewinnen, dass bei der sogenannten Russlandkrise verlorengegangen scheint, dann wird der Kurs nachhaltig wieder nach oben gehen, davon bin ich überzeugt.

wallstreet:online: Was hat es mit dem gerüchteweisen Doppellisting an der Nasdaq auf sich?

Tantscher: Ich weiß nicht, woher das kommt. Wahrscheinlich hat das mit meinem Vorgänger als CEO bei S&T Systems, Herrn Streimelweger, zu tun. Dieser hatte damals diesbezügliche Pläne verfolgt. Auch die Firma bei der er nun tätig ist (redstars.com) plant einen Gang an die Nasdaq. Ich habe mit S&T aber definitiv keinen solchen Schritt vor.

wallstreet:online: Käme denn ein andersgearteter Börsenwechsel in Frage? Viele Firmen an der Easdaq beklagen die geringen Umsätze.

Tantscher: Die Easdaq hat sich in letzter Zeit für viele Kleinanleger problematisch dargestellt, so jemand kleinere Mengen dort ordern wollte. Dies ist offenbar an der Easdaq immer mit Schwierigkeiten verbunden und ärgert nicht nur unsere Anleger. Des weiteren müssten wir unsere Shareholder auch nachhaltiger in Osteuropa suchen und aus diesem Bereich bekomme ich immer wieder das Feedback, dass die Easdaq nicht wirklich eine glückliche Lösung darstellt. Wir überlegen noch, eine Doppellisting an einer Börse die dafür mehr in Frage käme, eine definitive Entscheidung kann ich ihnen diesbezüglich leider noch nicht präsentieren.

wallstreet:online: Da muss ich noch ein wenig nachhaken, weil diese Frage bei uns im Board dauernd gestellt wird, können sie uns wenigstens sagen, welche Börsen für ein solches Doppellisting ihrer Meinung nach in frage kämen?

Tantscher: Wenn man sich anschaut, was in Frage kommt, dann sehen wir immer wieder die Wiener Börse, weil wir eine österreichische Firma sind. Natürlich der deutsche Neue Markt, weil der vom Umsatz her am attraktivsten ist. Freilich haben wir auch über die London Stockexchance oder die Wallstreet gesprochen, dort sind auch vergleichbare Firmen gelistet, aber noch einmal, derzeit muss eine solche Aktion nicht durchgeführt werden. Jede der genannten Börsen hat ihre Vor- und Nachteile. Also schauen wir uns die Sache noch ein wenig weiter an warten wir ab, was auch geschäftspolitisch noch kommen wird.

wallstreet:online: Falls es zu einem Doppellisting kommen sollte, in welchem Zeitraum soll es stattfinden?

Tantscher: Im Prinzip wäre es gleich möglich. Eine Kapitalerhöhung werden wir jedoch sicher in diesem Umfeld nicht durchführen. Alles was zwischen jetzt und April, Mai nächsten Jahres liegt - auch möchte ich natürlich die Jahresergebnisse 2000 abwarten - sehe ich als möglichen Zeitraum für einen solchen Schritt. Derzeit besprechen wir dieses Thema noch mit den uns beratenden Investmentbanken, Börsen und den zuständigen Gremien. Wir sprechen natürlich auch mit der Easdaq über ihre Entwicklung, denn auch die Easdaq sagt, sie wird ein anderes Handelssystem einführen. Das ist allerdings erst für das erste Quartal 2001 geplant, wie man im Wallstreet Journal lesen konnte, am 14.August, in einem großen Artikel über die Easdaq. Ich bitte um Verständnis, derzeit ist alles in Bewegung und man muss dazu auch sagen, dass in den letzten zwei Monaten aufgrund der Urlaubszeit es nicht möglich war, irgendwelche Entschlüsse oder Entscheidungen zu finden. Ich glaube aber, dass wir über die nächsten Wochen hinweg in die Nähe einer Entscheidung kommen könnten.

wallstreet:online: Herr Tantscher, wallstreet:online austria bedankt sich herzlich für das ausführliche Gespräch.

23:13 5.09 Sophie Chung


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