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KAP Btlg.-AG - Niemand ist billiger - 500 Beiträge pro Seite



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Wie der Name schon andeutet, engagiert sich die KAP Beteilungs-AG (WKN 620840) stark (aber nicht ausschließlich) in Südafrika, und zwar im Textilbereich. Die genaue Struktur des Beteiligunsgportfolios findet ihr - neben anderen interessanten Infos und einigen Presseartikeln - auf der Hompage (www.kap.de).

Am 23.6.99 wurde folgende ad hoc-Mitteilung veröffentlicht:

In seiner Sitzung vom 22.06.99 hat der Aufsichtsrat der KAP
Beteiligungs-AG den Jahresabschluß 1998 festgestellt.

Der am 27.08.99 stattfindenden Hauptversammlung wird vorgeschlagen, von dem ausgewiesenen Bilanzgewinn in Höhe von DM 145.923.733,78 bzw. EUR 74.609.620,35 eine Dividende in Höhe von EUR 7,50 je Stückaktie, insgesamt also EUR 36.000.000,-- bzw. DM 70.409.880,-- auszuschütten.

Gleichzeitig stimmte der Aufsichtsrat dem Vorschlag des Vorstandes zu,
das genehmigte Kapital voll auszuschöpfen und somit das Grundkapital der Gesellschaft um 50% zu erhöhen. Die Konditionen dafür werden noch
festgelegt.

Ende der Mitteilung

Der Kurs machte daraufhin einen ersten Freudensprung von 25 auf aktuell 31 Euro.
Ich glaube jedoch nicht, daß es der letzte war, denn auch auf diesem Niveau beträgt das
1998er KGV lediglich 2 (!!!) bei einer Dividendenrendite von 24% (!!!; eine zusätzliche Steuergutschrift gibt es allerdings nicht).

Natürlich stellt sich die Frage, woher diese offensichtliche Unterbewertung kommt und ob sie berechtigt ist:

Beteiligungsunternehmen werden generell eher mit einem Abschlag an der Börse gehandelt, da ihre Gewinne zum großen Teil aus Portfolioverkäufen stammen und deshalb starken Schwankungen unterliegen können. Auch der KAP Beteiligungs-AG traute man eine Wiederholung des letztjährigen Rekordergebnisses nicht zu (was sich in einem unter starken Schwankungen seitwärts tendierenden Kurs ausdrückte). Doch nicht nur die aktuellen Zahlen haben zeigen, daß die AG in der Lage war, dieses Ergebnis zu toppen, auch die Gewinnsteigerungen (je Aktie) der letzten Jahre sind beeindruckend und relativieren die These vom Ausnahmecharakter der Gewinne.
1992 0,187 Euro
1993 0,95 Euro (+ 400%)
1994 1,79 Euro (+ 88%)
1995 1,85 Euro (+ 3%)
1996 4,59 Euro (+ 148%)
1997 9,40 Euro (+ 104%)
1998 15,54 Euro (+ 65%)
Mit Ausnahme des Jahres 1995 kann sich diese Reihe problemlos mit Ergebnissen guter Werte am Neuen Markt messen.

Eine wesentlicher Grund für die Stagnation des Kurses seit dem Sprung von Mitte 1997 (Grund: der Kandidat der New York Broker hatte den Wert im Spiel der 3sat Börse mehrmals empfohlen) dürfte sein, daß sich kaum jemand mit der Gesellschaft beschäftigt. Zwar stand sie auch eine Zeitlang auf der Nebenwerte-Liste von börse-online, wurde jedoch nach einiger Zeit unter den oben genannten Gründen verkauft, was vor dem Hintergrund der tatsächlichen Geschäftsentwicklung nicht unbedingt für das Research dieser Zeitschrift spricht.
Angesicht der mageren Öffentlichkeitsarbeit der AG ist hier wahrscheinlich auch so schnell keine grundlegende Besserung in Sicht.
Daß es allerdings aus ohne geht, beweist der Kursverlauf, denn in den letzten 6 Jahren zeigt die Kurve trotz der fast zweijährigen Pause steil nach oben und der Kurs hat sich in dieser Zeit fast verzehnfacht. Das Potential hingegen ist in dieser Zeit nicht geringer geworden, sondern vielmehr gewachsen, denn vor zwei Jahren betrug das KGV noch ca. 8, was allerdings auch damals schon nicht gerade als Überbewertung anzusehen war, denn auch zu dieser Zeit führte die Gesellschaft die Hitliste niedriger KGVs bereits an.
Zweifellos hat der Kurs gerade nach zwei Jahren Seitwärtskorrektur ein Nachholpotential, das sich im 3-stelligen Prozentbereich bewegten dürfte. Möglicherweise geht ein erster Schub von der anstehenden HV aus. Die langfristigen Aussichten sind jedenfalls hervorragend: Trotz der Emerging Market-Krise, die auch in Südafrika zu Kursstürzen am Aktienmarkt und bei der Währung führten, hat es das Management verstanden, den Gewinn erheblich zu steigern (das Interesse an einer Vermehrung des Firmen-Values wird nicht zuletzt durch den hohen Anteil der Altaktionäre gewährleistet, nur knapp 20% der Aktien werden im free-float gehandelt), und mittlerweile zeichnet sich eine Erholung von Börse und Rand am Kap deutlich ab.
Vielleicht regt dieser Beitrag einige von euch zu eigenen Nachforschungen und Überlegungen über diesen interessanten und wie ich glaube sehr aussichtsreichen vergessenen Wert an, den ich natürlich schon - wer hätte das gedacht - besitze, und zwar seit mehr als zwei Jahren. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern, im Gegenteil, meine Zukaufsorder ist bereits plaziert. Wer ebenfalls Interesse an diesem zwar nicht risikolosen, aber nach unten doch wohl sehr komfortabel abgesicherten Papier hat, sollte auf Grund des engen Marktes natürlich ausschließlich mit einem Limit operieren. Über Rückmeldungen, Meinungen (besonders auch kritischen) und Infos würde ich mich sehr freuen

Gruß
Bärenjäger
Danke für die Erinnerung an diesen zu Unrecht vergessenen Wert - habe KAP bereits schon einmal von Februar 97 bis August 98 gehabt und passable 100 % verdient - angesichts des heutigen, praktisch unveränderten Kursniveaus (gegenüber August 98), könnte es interessant sein sich erneut mit dem Wert zu beschäftigen - gerade weil es sonst niemand tut - wie viele andere Papiere ist wohl auch KAP in den Schatten des NM geraten

Grüße

injenjör bobrov
Was den Wert interessant macht, ist auch, daß neben den Textilaktivitäten ein bedeutendes Immobiliengeschäft vorhanden ist. In den nächstent Tagen wird im übrigen publiziert, wie die geplante Kapitalerhöhung vorgenommen werden soll. Dies wird sicherlich wieder zu erhöhter Aufmerksamkeit führen. Bis zur Dividendenausschüttung am 27.8. sehe ich noch ein schönes Potential. Anbei der jüngste Artikel aus dem Handelsblatt:

HANDELSBLATT, Mittwoch, 23.6.99 gja
FPANKFURT/M. Die KAP Beteili-
gungs-AG, Stadtallendorf, will für das
Geschäftsjahr 1998 wesentlich mehr an ihre
Aktionäre ausschütten als ursprünglich
geplant. Das Unternehmen teilte ad-hoc mit,
der Hauptversammlung am 27. August werde
aus dem Bilanzgewinn von 145,9 Mill. DM
eine Dividende von 7,50 je Stückaktie
(14,67 DM) vorgeschlagen. Zunächst war
eine Ausschüttung auf Vorjahresniveau (2
DM plus 1 DM Bonus) avisiert worden.

Vorstandsmitglied Fried Möller be-
gründete die starke Aufstockung auf Anfrage
damit, daß KAP seine Aktionäre an den
erheblichen Erträgen aus Wertpapier-
verkäufen der Vergangenheit teilhaben lassen
wolle. Vom 1998er Bilanzgewinn stammten
allein 107 Mill. DM aus dem Gewinnvortrag
der Vorjahresrechnung" erklärte Möller. Der
Rest werde aus dem Jahresüberschuß der
AG von 77 (81,7) Mill. DM gespeist.
Konzernzahlen nannte er nicht.

Die erhöhte Dividende soll, wie Möller
erläuterte, durch ein Schütt-aus-hol-zurück
möglichst wieder zu KAP zurückfließen.
Angekündigt wurde eine Kapitalerhöhung um
50 % auf umgerechnet 36 Mill. DM, mit der
das genehmigte Kapital voll ausgeschöpft
wurde. Die Konditionen sollen in den
nächsten vier Wochen bekanntgegeben
werden.

Der KAP-Konzern, der mit diversen
Töchtern in Deutschland und Südafrika auf
dem Textilsektor aktiv ist, hat im vergangenen
Jahr 830 (826) Mill. DM umgesetzt. Für 1999
sind 1,1 Mrd. DM geplant.
auch ich habe mich mit diesem wert beschaeftigt und zwar auf die begeisterung in bezug auf warren buffetts investment-strategien herausgesucht aus der liste der boerse online. gewinnsteigerungen waren beeindruckend, verglichen mit dem kgv war der wert DAS investment. also orderte ich flugs die geschaeftsberichte der letzten 4 (5?) Jahre um mir ein Bild von der Gesellschaft zu verschaffen. Ich koennte euch sicherr mehr erzaehlen, wenn ich die GB grad zur Hand haette, wenn ihr Interesse habt kann ich das ja noch mal nachholen.
fakt ist, dass die kap-beteiligung die gewinnsteigerungen erreicht, indem gewinne nicht in der bilanz jaehrlich aufgerechnet bei den kaitalruecklagen aufgerechnet wurden sondern in den gewinnruecklagen verblieben. d.h., wenn sie in einem jahr 5DM gewinn und im naehcsten jahr eigentlich nur 1DM gewinn machten, wurden fuer dieses 2. jahr trotz allem 6 DM gewinn ausgewiesen (natuerlich beides abzueglich der div-ausschuettung)
der zweite punkt war, dass beteiligungen an imho aussichtsreichen unternehmen wegen eines hohen boersenkurses abgestossen wurden und diese aussergewoehnlichen ertraege in der GUV-Rechnung auftauchten, etwas, was mich etwas skeptisch machte.
und so, wie es jetzt aussieht, ist die hohe dividende auch nur augenwischerei, wen anschliessend per "schuett-aus-hol-zurueck" in einer KE das geld wieder reinkommen soll.

der wert ist nicht so positiv, wie es scheint - erst informieren, dass investieren, vor allen bei unbekannten werten und scheinbar extrem unterbewerteten titeln ist ein blick in den GB sehr nuetzlich, die kap-bet ist schon so lange unterbewertet, dass man denken koennte, professionelle analysten haetten sich mit der gesellschaft beschaeftigt und der kurs - waere es gerechtfertigt - haette ansteigen muessen

stochs
Hallo Stochs!

Es wäre sehr nett von dir, wenn du noch einige Details aus deiner GB-Analyse mitteilen könntest.

Wenn ich dich richtig verstehe, müßte man die Gewinnreihe derart revidieren, daß man jeweis nur die Differenz zwischen Berichtsjahr und vorausgegangeenm Jahr ansetzt, also

[1992 0,187 E]
1993 0,95-0,187 = 0,763 E (---)
1994 1,79-0,95 = 0,84 E (+ 10%)
1995 1,85-1,79 = 0,06 E (- 92%)
1996 4,59-1,85 = 3,10 E (+ 5060% wg. Basiseffekt; zu 1994 =+270%)
1997 9,40-4,59 = 4,81 E (+ 55%)
1998 15,54-9,40 = 6,14 E (+ 27%)

Das 98er KGV läge dann bei 5,04 (eher drunter, da ich ja die 1997 ausgeschüteten Dividende nicht berücksichtigt habe), was immer noch als (zu) deutlicher Abschlag zu werten wäre, auch wenn die Gewinnsteigerungen nun moderater ausfallen, aber trotzdem ja nicht schlecht aussehen.

Gruß

Bärenjäger
Eure Daten sind nun wahrlich kein Geheimnis. Der KAP-Vorstand spricht ganz offen über die Zusammensetzung des Gewinns. Bedenken sollte man aber, daß hier wie z. B. auch bei der Deutschen Beteiligungs AG Gewinne aus Beteiligungsverkäufen nicht unbedingt als außerordentlich eingestuft werden müssen, da dies zum ganz normalen Geschäft der KAP gehört.

Nach den Äußerungen des Vorstandes könnte das reine operative Ergebnis in diesem Jahr ca. 2 Euro erreichen. Im nächsten Jahr soll es dann deutlich mehr werden. Daraus ergibt sich je nach Sichtweise ein KGV von 10 bis 15. Zusammen mit einer anstehenden Dividende von 7,50 Euro und der Aussicht einer sehr attraktiven Kapitalerhöhung kann man bei diesem Wert getrost von einer guten Perspektive sprechen.

Eines ist doch klar: Vor der Dividendenausschüttung am 27.8. wird der Wert deutlich höher stehen als heute!

Herbert
und heute ist der Kurs bei 17,33 bis
17,55 EUR.

Tolle Rechen-Leistung.
33,- Euro vor Div.1,- + 6,50 = 7,50 EUR.
nix Split, is a Trick.

Modernes abzocken.
Ich glaube nicht an abzocken, den eher an ein mittelfristiges Mauerblümchen, welches sich unter Umständen langfristig bei Bestätigung der bisherigen guten Geschäftsentwicklung schlagartig im Kurs entwickeln wird. Allerdings kann eine kurzfristige Sichtweise nur zu Verlusten führen, wie die diesjährige Entwicklung zeigte. Und wann die Explosion kommt, weiß natürlich auch keiner, leider.

Vor der HV und vor der Kapitalerhöhung sollte man grundsätzlich nicht investieren, daß ist an der längerfristigen Kursentwicklung der Aktie deutlich erkennbar. Danach kam es immer zu einem starken Abgang des Kurses. Wer aber nach diesem Rückgang wieder investierte, konnte sich bis zur nächsten HV über schöne Gewinne freuen. Leider würde ein Verkauf der Aktien immer vor der HV zu dauerhaften Spekulationsgewinnen führen und da kann man natürlich nicht von langfristigem Investment reden.

Also für Trader ist der gegenwärtige Kurs unter Umständen schon wieder ein Einstiegsniveau. Vielleicht sollte man aber noch warten bis nach dem 23.9., also dem Ende des Bezugsrechtehandels. Im Zuge des allgemeinen negativen Umfeldes kann der Kurs durchaus noch einen Tick weiter fallen.
Sehr lange sollte der Trader aber nicht mehr zaudern, schaut euch den Chart an und leitet euch eure eigene Meinung daraus ab.

Diesmal mehr Erfolg insbesondere für worky

maka
interessante Firma, hier eine Pressemitteilung und ein Bericht aus der FTD von gestern:


Bericht vom 26.02.02


Pressemitteilung der KAP Beteiligungs AG Februar 2002


Entwicklung 2001

•Der Konzernumsatz konnte durch Einbeziehung der Ende 2000 erworbenen
südafrikanischen Tochter Feltex/Conshu um 27% auf € 640 Mio. erhöht werden.
Der überraschende Randverfall im Dezember 2001 hat die Erreichung des
Planumsatzes von € 700 Mio. verhindert.

•Der vorläufige Jahresüberschuss im Konzern liegt bei ca. € 12 Mio. nach
Restrukturierungsaufwendungen von ca. € 7 Mio. Wir haben in Deutschland
Unternehmen zusammengelegt und Standorte geschlossen. In Südafrika trennten
wir uns von problematischen Engagements in der Schuhindustrie. Die Früchte
dieser Maßnahmen werden wir in den nächsten Jahren ernten.

•Der Bereich engineered products ist weiter auf € 420 Mio. gewachsen
(Vorjahr € 320 Mio.) und unterstreicht unsere Fokussierung auf technisch
anspruchsvolle Märkte.

•Im Bereich der classical textiles konnten wir unsere Marktposition durch
die Erweiterung unserer portugiesischen Produktion und die Entscheidung für
einen neuen Standort in Rumänien weiter ausbauen. TUZZI erzielte wiederum
ein sehr gutes Ergebnis.

•Die Investitionen mit knapp € 30 Mio. flossen im wesentlichen in unsere
europäischen Unternehmen.

•Es wurden weltweit ca. 12.000 Mitarbeiter, davon 1.850 im Inland,
beschäftigt.

Ausblick 2002

•Wir streben eine Stabilisierung des Umsatzes bei ca. € 650 Mio. an - unter
Zugrundelegung der gegenwärtigen Währungsparitäten.

•Beim Jahresüberschuss werden wir zulegen, da die im vergangenen Jahr
durchgeführten Strukturmaßnahmen bereits teilweise dieses Jahr greifen
werden.

•Die Investitionen planen wir mit ca. € 30 Mio. auf Vorjahresniveau im
wesentlichen zu weiteren Stärkung unseres Wachstumsbereiches engineered
products.

•Die Mitarbeiterzahl wird weiter sinken, nachdem wir in Südafrika
Produktionen veräußert haben und in Deutschland Standorte schließen.

•Termin Hauptversammlung: 30. August 2002.


Stadtallendorf im Februar 2002

VORSTAND

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Philipp Steinhauer [mailto:p_steinhauer@gmx.de]
Gesendet: Dienstag, 4. Juni 2002 14:59
An: infobox
Betreff: [infobox] Claas Daun: Jäger und Sammler


Aus der FTD vom 3.6.2002

Claas Daun: Jäger und Sammler

Von Silke Mertins Der Niedersachse Claas Daun hat ein internationales
Firmenimperium aufgebaut. In Südafrika beschäftigt der medienscheue
Geschäftsmann 20.000 Arbeitnehmer. Sein Geheimnis: Dorthin gehen, wo andere
das Weite suchen.
Der Fahrstuhl donnert vibrierend in die Tiefe. Die Wirtschaftsvertreter der
deutschen Besuchergruppe tragen weiße Overalls, Gummistiefel und Helme, an
denen gelbe Lampen befestigt sind. Einige schlucken oder halten sich die
Ohren zu, um den Druck auszugleichen. Andere, die in der Umkleidekabine eben
noch über ihren ungewohnten Aufzug gekichert und gescherzt haben, klammern
sich nun an die Seitengitter.

Nur Claas Daun ist entspannt. Seine Augen glänzen vor Begeisterung, Stolz
und Vorfreude. Im Januar 2000 hat der niedersächsische Unternehmer die East
Rand Proprietary Mines (ERPM) für 10 Mio. Euro gekauft und "wieder flott
gemacht". Die 1893 gegründete, älteste Goldmine Südafrikas am Rande der
Metropole Johannesburg war zuvor wegen des fallenden Goldpreises und hoher
Produktionskosten in Konkurs gegangen. Unter Tage will Daun den
Unternehmern, die mit dem Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft angereist
sind, vorführen, wie lohnend Investitionen am Kap sein können. "Das Land
bietet viele Chancen. Die Wahrnehmung ist viel schlechter als die Realität",
sagt er. Seit Ende der Apartheid hat Daun in Südafrika viel Geld verdient.
"Für mich hat es sich gelohnt."

Lieblingsrolle als Retter

Die Mine ist ein typisches Beispiel für die Taktik, mit der Daun es vom
Bauernsohn aus Rastede zum Herrscher über ein internationales Firmenimperium
mit einem Konzernumsatz von 1,23 Mrd. Euro gebracht hat. Ob in Deutschland,
Tschechien, Rumänien, Portugal, den USA oder seinem Lieblings- und
Schwerpunktland Südafrika, sein Vorgehen ist stets das gleiche: Geht ein
Unternehmen Konkurs und ist der Kampfeswille der Arbeitnehmer erschöpft,
tritt Daun als Retter in letzter Minute auf. "Das ist mein Schicksal, mich
reizen die Dinge, die schwierig sind. Wenn alle wegrennen, komme ich."

Er setzt ein neues Management ein und strukturiert die Firma um. Von der
Belegschaft bleibt häufig kaum mehr als die Hälfte übrig. Die
südafrikanischen Gewerkschaften haben ihn deshalb in "Close Dawn" umgetauft.

Dauns Domäne ist die Textilindustrie. In Deutschland führt er die Rangliste
der großen Textilunternehmen an. Doch er interessiert sich auch für andere
Branchen. Daun ist ein Jäger und Sammler.

Man müsse sich natürlich jeweils "in die Materie reinknien", erklärt der
59-Jährige. Besonders fasziniert haben ihn zum Beispiel die alten
Firmenunterlagen von East Rand. "Ich habe in Leder gebundene und in Gold
gefasste Bilanzen gefunden. Was meinen Sie, wie interessant das ist, was die
damals für Probleme hatten!"

Viele hatten den Goldrausch von Kalifornien im Kopf, und nirgendwo war Gold
"so massiert wie hier, aber es sind eben keine Nuggets, sondern es ist im
Gestein". Das Erdreich muss tonnenweise abgetragen werden, um den Rohstoff
zu gewinnen.

Der Aufzug kommt quietschend an der ersten Station zum Stehen: 1800 Meter
unter der Erde. Hier sind die Gänge noch hoch und die Temperaturen
auszuhalten. Die Kumpel, die hier für monatlich 300 Euro in
Elf-Stunden-Schichten vier Tage die Woche arbeiten, laufen emsig hin und
her.

Daun steuert auf den zweiten Fahrstuhl zu, denn seine Gäste sollen sehen, wo
das goldhaltige Gestein abgebaut wird - in 3000 Meter Tiefe. Das Gefährt ist
eine Art Käfig. Durch ihn sieht man den Schacht, der in rasender
Geschwindigkeit vorbeirauscht. Schließlich geht es in einer kleinen
Transportbahn weiter ins Erdreich. "Über uns liegen 68 Flöze, unter uns
fünf", sagt ein Ingenieur. Die Gänge werden immer enger, die Grillen zirpen,
die Luftfeuchtigkeit liegt bei 80 Prozent. Man fühlt sich dem glühenden Kern
der Welt sehr nah. Um die Hitze erträglich zu machen, schütten die Kumpel
täglich tonnenweise Eis in die Versorgungsschächte.

In den Flözen, in denen Arbeiter mit Bohrern Löcher für Sprengungen
vorbereiten, müssen die schwitzenden Besucher sich gebückt an Drahtseilen
hochziehen. Wasser rinnt die glitzernden Wände hinunter. Hier ist der
Goldgehalt besonders hoch.

Standbein in Südafrika

"Jede Woche telefoniere ich mit dem Manager und habe nur eine Frage: Wie
viel Kilo Gold?", sagt Daun. So engagiert sich der Unternehmer auch für den
Standort Südafrika einsetzt, so wenig tut er dies aus philanthropischen
Gründen. "Entweder eine Firma ist erfolgreich, oder sie wird abgeschrieben."
20.000 Arbeitnehmer beschäftigt Daun inzwischen in Südafrika - mehr als die
großen Automobilhersteller DaimlerChrysler, Volkswagen und BMW zusammen.
Seine verschiedenen Geschäfte bündelt er in der Daun & Cie, einer
Investmentholding, und dem Tochterunternehmen Kap- Beteiligungs-AG.

Südafrika ist für den gelernten Betriebswirt und Steuerfachmann nahezu
ideal. Abend für Abend schwärmt er den Mitgliedern der Unternehmerdelegation
an der Bar vor: Die Sonne scheint, die Löhne sind niedrig, die
makroökonomischen Bedingungen ausgezeichnet. "Die Chinesen sagten: Kommen
Sie doch zu uns", sagt er und winkt ab. Er konzentriert sich lieber auf
Südafrika. "Hier kann ich alles lesen, hier verstehe ich die Sprache, hier
kann ich mich auf den Rechtsstaat verlassen." Und es gibt keinen
Zeitunterschied.

"Als in Berlin die Mauer fiel", sagt er, "da war für mich klar: Jetzt geht’s
los." Der Kampf der Systeme war entschieden. Auch das international
isolierte Apartheid-Regime würde nicht mehr zu halten sein. Während viele
Investoren zunächst Chaos und Kommunismus am Kap fürchteten, setzte Daun auf
den Pragmatismus des African National Congress (ANC) und das Charisma ihres
Führers Nelson Mandela. "Außerdem gingen nach Ostdeutschland ja alle." Er
sucht das Risiko. Inzwischen hat er längst ein Haus in Kapstadt, lebt mit
seiner Familie teils in Südafrika, teils in Rastede.

Feindbild Gewerkschaft

Nur die Gewerkschaften stören Dauns Frieden. Sollte man bei 30 Prozent
Arbeitslosigkeit nicht froh sein, dass er Arbeitsplätze schafft? Ist ein
mäßig bezahlter Job etwa nicht besser als keiner? Der Konkurrenzdruck aus
Asien ist riesig. Warum muss er sich auch noch mit Kündigungsschutz und
Mindestlöhnen rumschlagen?

"Wenn Daun das Wort Mindestlohn hört, sieht er rot", sagt der Gewerkschafter
Rainer Otto, der in der IG Metall für die Textilindustrie zuständig ist. Er
versucht die Arbeitnehmervertreter der Daun-Gruppe international zu
vernetzten. In Deutschland kämpfe man derzeit für einen Aufsichtsrat, den es
bei über 3000 Beschäftigten eigentlich geben müsse. "Daun ist für mich eine
gespaltene Persönlichkeit: Ich bewundere seinen Einsatz für Südafrika und
die Aids-Bekämpfung, seine Fähigkeit, sein Imperium ständig
umzustrukturieren und zu vergrößern", so der Gewerkschafter. "Aber auf der
anderen Seite sind seine Vorstellungen von Arbeitnehmerrechten wirklich
menschenverachtend." Daun brauche Druck, denn "wenn man ihm den kleinen
Finger reicht, reißt er einem den Arm aus".

Immerhin ist Daun wenigstens von der südafrikanischen Regierung Dankbarkeit
widerfahren. Als die East Rand Proprietary Mine acht Monate nach dem Konkurs
wieder eröffnete, lobte die First Lady, Zanele Mbeki, den Deutschen
überschwänglich; die südafrikanischen Unternehmer sollten sich nicht nur
wegen der Rettung ein Beispiel an ihm nehmen. Die Mine sei vorbildlich für
das "Black Empowerment" in dieser traditionell weißen Branche - nur die
Kumpel sind schwarz. Daun war in letzter Minute als Investor eingesprungen,
nachdem dem schwarzen Rechtsanwalt und Ex-Staatssekretär Paseka Ncholo der
Partner für die Übernahme abgesprungen war. "Wir waren uns in zehn Minuten
einig", sagt Ncholo. "Ich hatte das Geld, und er die schwarze Haut", sagt
Daun.

Graue Eminenz am Kap

Berührungsängste kennt Daun, anders als viele weiße Südafrikaner, kaum. Er
ist als ausländischer Investor nicht mit der Schuld am südafrikanischen
Rassenwahn beladen. Einerseits bewegt er sich ungezwungen in den Kreisen,
die im Land das Sagen haben. "Er ist hier am Kap eine richtige graue Eminenz
", sagt ein Unternehmensberater in Kapstadt. Doch seine Besucher aus
Deutschland schleppt er regelmäßig in die Townships, wo er seine schwarzen
Angestellten besucht und sie gegen ein großzügiges Trinkgeld erzählen lässt,
wie sie das neue Südafrika erleben. Und auch nach jahrelangem Jonglieren mit
Millionenbeträgen spricht er noch die Sprache der einfachen Leute.

Übermäßiger Luxus ist Daun zuwider. So nahm er missbilligend zur Kenntnis,
dass die Unternehmerdelegation aus Deutschland in Johannesburgs nobelstem
und teuerstem Hotel, dem Saxon, untergebracht wurde. "Reine
Geldverschwendung" sei das. Hinter den hohen Mauern fühle man sich zwar
sicher, bekomme aber vom wirklichen Leben nichts mit. "Da ist die
Besichtigung der Mine doch ein gutes Kontrastprogramm." Schließlich, wer
wüsste das besser als Claas Daun, macht Risiko das Leben erst interessant.

"Übrigens", teilt er seinen Gästen mit, als der Fahrstuhl sich aus 3000
Meter Tiefe wieder nach oben arbeitet, "jetzt kann ich es Ihnen ja sagen:
Wir hatten erst vor kurzem hier einen Unfall, ein Materialschacht ist
eingestürzt, sechs Arbeiter waren verschüttet. Das war hochdramatisch."



Imperialist

Gelernt Der 59-jährige Claas Daun aus dem niedersächsischen Rastede hat in
Köln Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Steuerrecht studiert. Der Bauernsohn
hat sich aus eigener Kraft hochgearbeitet. Seine Residenz in Rastede nennen
die Einheimischen "Daun Town".

Gekauft Ende der 70er Jahre erwarb er die erste Textilfirma. Seitdem wächst
sein Imperium stetig. Er kauft fast ausschließlich Unternehmen, die vor dem
Aus stehen. Darin sieht er den unternehmerischen Reiz

Gereist Daun hat in vielen Ländern Firmen, auch in Usbekistan und China.
Doch ähnlich wie DaimlerChrysler-Chef Schrempp ist er ein großer
Südafrika-Fan. Heute leben er und seine Familie teils in Kapstadt, teils in
Rastede.



Der Konzern

Die Daun & Cie AG fungiert als Holding für alle Beteiligungen des
norddeutschen Unternehmers Claas Daun. Der Konzernumsatz betrug im Jahr 2001
1,23 Mrd. Euro.

Kap Beteiligungs-AG ist ein Tochterunternehmen von Daun & Cie, das vor
allem, aber nicht nur in Südafrika aktiv ist. Zu ihr gehören auch deutsche
Firmen wie Richter Kammgarn, Stöhr, Mac und Wieda.

Textilien Daun stieg in den 80er Jahren in die Textilindustrie ein. Zum
Portfolio gehören viele Produkte für die Autoindustrie. In der Rangliste der
Textilwirtschaft wird er als Nummer eins geführt. In Deutschland hat er
Textilfirmen wie Mehler, Unland, Lauffenmühle und der Seidenweberei
Reutlingen übernommen.
© 2002 Financial Times Deutschland


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