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netinvestor: Interview mit net.IPO und Portal AG - 500 Beiträge pro Seite



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LOGIK UND PHANTASIE
NET INVESTOR - 09/2000

Start-ups sollten sich vor dem Börsengang verstärkt mit dem Thema Investor Relations befassen.

Phantasie und Prüfung auf die Anwendbarkeit sollen die Kommunikation zum Erfolg machen. NET INVESTOR sprach darüber mit Denis Premiski, CEO der Portal AG (www.portal-ag.de), und Ralf Droz von Net-IPO.

NET INVESTOR:
Die Portal AG will an die Börse. Wie wollen Sie Ihr Verhältnis zu den Privat- und Kleinanlegern gestalten? Oder setzen Sie primär auf institutionelle Anleger?
Premiski:
Wir werden für beide etwas tun. Unsere einzelnen Portale haben eine mittelständische, unternehmerisch geprägte Struktur und damit ein breites Business-to-Business-Netzwerk. Ich würde für unsere Portalmitglieder gerne so etwas wie einen Affinity-Fonds auflegen. Das sind zur Zeit ungefähr 250.000 Unternehmer oder Manager der deutschen Industrie, mit denen wir sowieso regelmäßig kommunizieren. Daneben werden wir mit unserer PR-Agentur Fourier Marcom und Strittmatter & Jakobs die normalen Business-Maßnahmen einleiten.

NET INVESTOR:
Sie arbeiten für den IPO derzeit mit der eigenen Marketing-Abteilung, Net-IPO, PR- und IR-Agentur. Werden Sie das recht große Info-Aufgebot beibehalten?

Premiski:
Ich glaube, es wäre ein fataler Fehler, wenn wir nur bis zum Tag des IPO rasseln. Ich glaube auch, dass Finanzkommunikation und Investor Relations eine sehr spezielle Sache sind, für die man einen guten Partner braucht. Das heißt nicht unbedingt, dass wir uns nachhaltig betreuen lassen, sondern dass viele Dinge nachhallen werden. Ich denke an Kontakte, die nachwirken, an Leute, die wiederkommen und noch einmal mit uns sprechen wollen. Da ist es sinnvoll, wenn man auch noch das gleiche Team zur Hilfe hat.

Droz:
Dazu wird auch Net-IPO als Internet-Investment-Bank beitragen. Für uns ist das eines, das Unternehmen an die Börse zu begleiten. Wir haben bis jetzt 31 Börsengänge durchgeführt, davon 28 am Neuen Markt. Bei Net-IPO zeichnen nur Privatanleger, indem sie per Internet eine Mitgliedschaft abschließen, unabhängig von ihrer Bankverbindung. An der Portal AG sind wir vorbörslich beteiligt, was unserem zweiten Geschäftsfeld entspricht. Wenn wir ein Unternehmen an die Börse begleiten, dann können wir letztlich die Kommunikation per Internet übernehmen - vor, während und nach dem Börsengang. Wir nennen das Internet Investor Relations.

NET INVESTOR:
Wie sieht das aus?

Droz:
Das ist die klassische Aufteilung. Das Unternehmen weiß, was es zu sagen hat. Die Agentur, die PR-/IR-Agentur sorgt dafür, dass es in die richtige Form kommt. Darüber hinaus verfügt die Agentur über die richtigen Pressekontakte. Sie organisiert die Roadshow mit, die Pressekonferenz und die Meetings. Unsere Aufgabe ist begleitend.

NET INVESTOR:
Herr Premiski, erhalten Sie im Vorfeld des IPO Anfragen von Privatanlegern?

Premiski:
Ja, mehrmals am Tag. Viele kommen über die Website per Mailanfrage.

NET INVESTOR:
Und wie gehen Sie damit um?

Premiski:
Wir kommunizieren offen nach außen, dass wir an weiteren Portalen mit Leuten aus der jeweiligen Branche interessiert sind. Das führt zu einer Menge an Anfragen. Wenn beispielsweise Leute mit einem Eisenwarenhandel auf die Idee kommen, dass man den auch per Internet machen könnte. Dann mit allen zu sprechen, die unser Businessmodell brauchen, ihnen alles zu erklären. Daneben sollen wir auch noch Privatinvestoren individuell am Telefon beraten - vor dem Börsengang. Dafür haben wir nicht die Ressourcen.

NET INVESTOR:
Sieht Ihr Konzept einen besonderen Umgang mit den Privatanlegern vor?

Droz:
Im Falle eines Börsengangs mit Net-IPO als Konsortialmitglied würden wir uns darum kümmern. Wir haben mehr als 100.000 Privatanleger als Net-IPO-Kunden. Wir können mit diesem Privatanleger optimal kommunizieren.

NET INVESTOR:
Was verstehen Sie darunter?

Droz:
Zu jedem IPO erhalten unsere Mitglieder eine E-Mail, in der wir erklären, was das Unternehmen macht und die technischen Details der Transaktionen bereitstellen. Alle Börsendaten, Größe des IPO, Volumen sind auf der Homepage erhältlich. Bis ins kleinste Detail. Selbstverständlich ist auch der Verkaufsprospekt online abrufbar. Das ist heute Standard, war bei dem ersten IPO aber eine Sensation. Welcher Privatanleger sieht den Verkaufsprospekt schon vorher? Selbstverständlich schickt ihn das Unternehmen auch zu. Aber das Unternehmen ist im IPO und soll jetzt noch 2.000, 3.000, 5.000, 10.000 Verkaufsprospekte verschicken? Schwierig. Wir können sogar Videos ins Internet stellen, etwa wenn die Portal AG ihren Businesscase als Video on demand darstellen will. Am Tag von Presse- und Analystenkonferenz findet bei uns der Online-Chat statt. Privatanleger können dem Vorstand direkt ihre Fragen stellen.

NET INVESTOR:
Wird das genutzt?

Droz:
Da kommen im Schnitt 100 und 250 Leute zusammen. Der institutionelle Anleger bekommt ja sowieso alle Informationen. Unser Ziel ist es, den Privatanleger wie einen institutionellen Anleger zu behandeln. Und über die Technologie Internet geht das.

Premiski:
Wir wollen unsere Portalmitglieder als Aktionäre bevorzugen, weil sie letztlich das Geschäftsmodell vorantreiben. Es ist wichtig, einen Kommunikationsweg zu haben für die 8.000 Fahrschullehrer oder die Geschäftsführer mittlerer Recycling-Unternehmen. Die Idee des Affinity-Programms ist: Es gibt keinen besseren Aktionär als einen Kunden. Wer das Unternehmen schätzt, wird Aktionär - und wird nicht woanders hingehen.

NET INVESTOR:
Was ist Ihr Argument für den Anleger? Wann wollen Sie die Gewinnzone erreichen?

Premiski:
Die Break-Even-Punkte für die Portale liegen planerisch zwischen 12 und 24 Monaten. Am Fahrschulmarkt kann ich mir vorstellen, dass wir die untere Grenze halten. In den großen Betrieben wie bei Krankenhäusern oder auch in der Entsorgungsindustrie, konservativen Märkten, kann es auch länger dauern. Die Portal AG insgesamt gesehen ist natürlich abhängig von den Investments in neue Branchen. Würden wir heute einen Stopp setzen und bei unseren Portalen insgesamt von einer Rentabilität in 12 bis 24 Monaten ausgehen, dann wäre die Portal AG insgesamt ab Mitte bis Ende kommenden Jahres rentabel. Aber wir werden in neue Märkte gehen. Das ist die Frage der Entscheidung, wie man sich als Holding weiter entwickelt.

NET INVESTOR:
Wie viele Märkte bearbeiten Sie derzeit?

Premiski:
Fünf Portale sind online, vier in Arbeit, eines haben wir noch nicht entschieden. Zum IPO werden zehn Marktplätze online sein.

NET INVESTOR:
Wonach sonst kann der Anleger entscheiden? Ist Branchenwachstum wichtiger oder Internationalisierung?

Premiski:
In manchen Branchen wird Wachstum nur durch Internationalisierung möglich sein. Wenn Sie zum Beispiel den Anlagenbau nehmen, das e-Engineeringportal.com.

Droz:
Jedes einzelne Portal hat verschiedene Wachstumschancen.

NET INVESTOR:
Macht es das dem Privatanleger nicht schwer, das Unternehmen und seine Aktivitäten einzuschätzen?

Premiski:
Nein, das denke ich nicht. Erstens haben wir ein Portfolio. Wenn ich als Kleinanleger heute in einen Chemie-Marktplatz investiere, dann investiere ich in eine Branche. Wenn die floppt, dann ist das Geld weg. Bei uns ist es ein Investment in zehn verschiedene Branchen. Bei zehn Märkten kann einer nicht und ein anderer wesentlich besser funktionieren. Ich investiere in eine Company, die auf verschiedene Pferde setzt. Zweitens sind Marktplätze durchschaubarer als Software. Wer da technisch nicht durchblickt, kann Qualität und Marktchancen nicht abschätzen.

NET INVESTOR:
Ist im Zuge des IPO eine Mitarbeiterbeteiligung vorgesehen?

Premiski:
Wir haben für unsere knapp 100 Mitarbeiter ein Stock-Option-Programm, das natürlich auch schon installiert ist. Die Mitarbeiterbeteiligung wird zwischen fünf und zehn Prozent liegen. Die Beteiligung von Net-IPO liegt unter fünf Prozent. Das Management hält derzeit noch über 50 Prozent der Anteile, was sich durch den IPO ändern wird. Zwischen 25 und 35 Prozent Anteile werden öffentlich verfügbar sein.

NET INVESTOR:
Begleitet Sie der Gedanke an den IPO ständig?

Premiski:
Jeder Handschlag ist heute eine IPO-Vorbereitung. Das Initial-Public-Offering denkt man jeden Tag mit. Es ist Teil des normalen Arbeitens geworden. Natürlich gibt es Dinge, die kann man erst kurz vor dem IPO vorbereiten.


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