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EM-TV: Aktionäre haben keinen Anspruch auf Schadensersatz

Aktionäre des Münchener Medienunternehmens EM-TV werden für den am Montag erlittenen Kursverlust keinen Schadensersatz erhalten. Nach revidierten Geschäftszahlen war die Aktie des Münchener Filmrechtehändlers um ein Fünftel auf 44 Euro gesunken.


Der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jürgen Kurz, sagte: "Schadensersatz ist nur im Falle eines Betruges einklagbar." Dazu müsse der Geschäftsleitung nachgewiesen werden, dass sie die Aktionäre vorsätzlich belogen habe. Im Falle von EM-TV handele es sich jedoch lediglich um Nachlässigkeiten bei der Bilanzierung.

Bank-Analysten halten nach der aktuellen Kursentwicklung an ihrer positiven Wertung fest. Christian Tilmann, Analyst von Sal. Oppenheim, stuft die Aktie weiterhin auf "Kauf". Er sieht keinen Anlass, die Bewertung von EM-TV zu revidieren.


Schließlich bleibe das Ergebnisziel für das Gesamtjahr unverändert. Bei der Revision handele es sich lediglich um eine Verschiebung der Henson-Zahlen ins dritte und vierte Quartal. Dass die Formel Eins umsatzmäßig erst ab Mai konsolidiert werde, sei schon seit der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen klar gewesen. Der heutige Kurssturz sei eine Überreaktion des Marktes, sagte Tilmann.



Unternehmen ist nicht durchsichtig genug


Das Bankhaus Metzler bewertet die Aktien des Filmrechtehändlers unverändert mit "Hold". Als Ursache für den Kursabsturz sieht Analystin Istit Özkaya Probleme in der Transparenz bei EM-TV. Eigentlich hätten die Tochterunternehmen schon zum Halbjahr konsolidiert werden. Das sei aber nicht geschehen.


In der derzeitig schlechten Marktstimmung dürfe sich EM-TV nicht wundern, dass die Börse auf die Nachricht so reagiere, sagte Merrill-Lynch-Analyst Bernhard Tubeileh. "Das ist halt eine Glaubwürdigkeitssache."

Das Unternehmen hatte am Montag seine Ende August bekannt gegebenen Zahlen für das erste Halbjahr nach unten korrigiert.


Für die im März übernommene US-Firma Jim Henson Company sei im ersten Halbjahr 2000 ein Umsatz von 31,6 Mio. DM und ein Ergebnisbeitrag von 6,3 Mio. DM eingerechnet worden, die noch nicht hätten erfasst werden dürfen, sagte ein EM-TV-Sprecher am Montag. Zudem bezögen sich die im August veröffentlichten Umsatzzahlen für die Formel Eins Holding SLEC, an der EM-TV mit 50 Prozent beteiligt ist, auf das gesamte Halbjahr. Der Münchener Konzern hatte den Anteil aber erst zum 12. Mai 2000 erworben.


Der für das erste Halbjahr 2000 veröffentlichte Umsatz von EM-TV in Höhe von 603,9 Mio. DM verringere sich daher um die für Henson zuviel verbuchten 31,6 Mio. DM sowie den bis Mai erzielten Umsatz der Formel Eins Holding, erklärte der Sprecher. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit), das mit 158,9 Mio. DM beziffert worden war, verringere sich entsprechend um die 6,3 Mio. DM von Henson. Die SLEC-Zahlen könnten die Buchhalter noch nicht beziffern, weil die erforderlichen Angaben bei der Formel Eins-Holding noch nicht zur Verfügung stünden. Für die ersten sechs Monate dieses Jahres hatte EM-TV zuvor aus der SLEC-Beteiligungen einen Umsatz von 219 Mio. DM eingerechnet.



Aktie fällt auf Jahrestief


Am Neuen Markt fielen die EM-TV-Aktien um rund 20 Prozent auf ein Jahrestief von 44 Euro. Die Titel des Medienkonzerns waren bereits bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen eingebrochen, weil EM-TV die jüngsten Zukäufe noch nicht konsolidiert, sondern nur Umsatz und Ergebnis eingerechnet hatte. Die Abschreibungen auf den immateriellen Firmenwert waren dagegen nicht eingerechnet worden. Die komplette Konsolidierung auf Basis der International Accounting Standards (IAS) solle erstmals im Jahresabschluss 2000 berücksichtigt werden, hieß es.



© 2000 Financial Times Deutschland


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