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US-Wahl: Die Dumpfbacken haben gewonnen - 500 Beiträge pro Seite



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"Weiter so-Bush" hat den Sieg in der Tasche. Das Thema Nachhaltigkeit in der Wirtschaft ist damit abgehakt. Kann sein, dass die alten Rezepte (schlachtet die Kuh anstatt sie zu melken) noch einige Jahre tragen. Aber die Party ist bald zu Ende - vielleicht sogar sehr bald durch ein "hard landing". Bei Gore hätten die Systeme durch langsame Anpassung an die globalen Realitäten noch eine kleine Chance gehabt. Jetzt Lautet das Motto: Kampf um die fossilen Brennstoffe und Todesstrafe anstatt regenerative Energie und Menschenrechte!
Bush wird durch Steuersenkungen noch einmal versuchen, die "Nimm was Du kriegen kannst" Ära zu verlängern und anzuheizen. Ein notwendiger "Paradigmenwechsel" wird verhindert. Er wird als politisches Fossil und verschleuderer des Tafelsibers in die Weltgeschichte eingehen. Wenn es den Amis erst schlecht geht, werden sie sich verhalten wie ein angeschossenes Wildschwein: rücksichtlos, taumelnd dem Abgrund entgegen - und viele andere werden sie dabei mitnehmen! Verzichten und zurückstecken wie die Russen ist den Amis nicht in die Wiege gelegt!

Ihr dürft Euch fürchten - die goldene Nachkriegsära hat ihr Pulver verschossen. Ein Lichtblick könnte ein pragmatisches, vereintes Europa sein. Aber viel können wir dem amerkanischen Größenwahn, der jetzt im Niedergang ungeahnte Ausmaße annehmen wird, nicht entgegensetzten.
ey du selbstapotheist...scheinst wohl einen direkte quell zur allwissenheit zu haben...denk mal nach, was du da erzählst...und wessen interessen bush vertreten soll!
Mag ja sein ,daß Dein Kommentar sich aus dem Material zusammensetzt,welches den Horizont eintrübt weil das eigene Wohl zum Wortführer wird. Tatsächlich ist aber unter Al Gore; wie zur Zeit von Al Capone,vertreten durch seinen zukünftigen Vize ,eine Gilde am Werk, welche in ihrer geschlossenen Gesellschaftsform nur den eigenen Interessen dienen kann und dies grundsätzlich so Fundamental, daß eine Organisation wie zum Beispiel die Baptisten, dagegen ein Laienspielverein sind.
Ich finde ist gut so.
@stormy:

Soviel Dummgeschwätze habe ich ja selbst im Met@box- und Gigabell-Forum nicht gelesen.

Das Thema Nachhaltigkeit in der Wirtschaft kann man sowieso vergessen. Dort zählen nur Quartalszahlen und Gewinnwarnungen. Ob da nun Bush oder Gore Präsident ist, ist mit Verlaub "scheißegal". Was Gore in den letzten Wochen veranstaltet hat, war unterste Schublade. Er wollte sogar aus ungültigen Stimmzetteln noch eigene Stimmen herauszählen lassen. Was kann denn Bush dafür, daß die Amis zu blöde sind Löcher zu stanzen???

Daß Bush nun für die amerikanische Wirtschaft alles herausholen will, was er kann, ist doch für die Amis wunderbar. Mir wäre ein deutscher Kanzler, der sich für sein eigenes Volk besser einsetzen will auch lieber als einer, der nur noch die Globalisierung im Auge hat und die eigenen Interessen vollkommen aus den Augen verliert.

Gruß bj2
die goldene Nachkriegsaera ist vorbei... wie Du schreibst,sehr prophetisch wie ich glaube.
Vielleicht beginnt die Zeit des Goldes.
Hi Stormy,
Super Beitrag !
Trifft genau meine Meinung.
Du bist wohl einer derjenigen, die ein bischen
gebildeter sind und sich den vernunftbegabten Meinungsträgern
anschließen.
Es gibt vieles, was ich an diesen Bushlern hasse:
Egoismus, Ignoranz, Rassismus, Kurzsicht, Dummheit...

An der Börse werden wir die negativen Folgen dieser
kurzsichtigen Politik früher oder später auch zu spüren bekommen.

Nach einigen Turbulenzen in Sachen Verfassung wird vielleicht
Billy Boy als erster Präsident eine dritte Amtsperiode antreten.

Wünschen würde ich es mir.

Ciao, moriti
@stormy,
vergiss es. Die Leute hier haben nur ihr in Metabox investiertes Taschengeld im Blick (@börsenjunkie: oder nicht lange genug unter dem Kriminellen Helmut Kohl gelebt).
TS.
@SiegfriedK

stimme Dir zu. Beide Kanditaten haben einen bitteren BEIgeschmack. Der nicht ganz so BITTERE wird gewinnen.
Stormy, Du hast völlig Recht. Angesichts der aggressiv-hirnlosen Kommentare zu Deinem Thread verzichte ich darauf noch ein paar Argumente nachzulegen. Die Zeit wird Dir Recht geben, wobei man nur hoffen kann daß das amerikanische Volk die Kraft hat diesem Einfaltspinsel beim nächsten Mal die rote Karte zu zeigen und daß zwischenzeitlich Dank der Berater des Muttersöhnchens Bush die Weltpolitik keinen allzugroßen Schaden nimmt.
Bravo Stormy!

Es ist die Zeit die Dir Recht geben wird.
Jeder der politisch halbwegs gebildet ist wird Dir beipflichten!
Ich teile die Skepsis !

Was wird ein Präsident leisten können, der mit einem
`Nicht`-Urteil und der Aufgabe seines Konkurrenten an die
Macht gekommen ist ???

Ob es gut ist, wenn ein amerikanischer Präsident weder im
Repräsentanten Haus noch im Senat ein Gegengewicht findet ??

Dem "Unter den Nagel reissen" von Amerika durch die Wohlhabenden
sind Tür und Tor geöffnet.
Ein Pulverfass, zu dem es, wenn es explodiert keine
vergleichbare Katastrophe gibt.

Auch Europa wird dem nicht gegenhalten können. Wann werden
die ersten amerikanischen Wirtschaftsflüchtlinge kommen ?

Ausserdem wird das "An die Waffen!! Amerika" nun unvermindert
weitergehen. Wohin das führt hat die Vergangenheit bewiesen.

Amerika wird nun endgültig in ein 3. Welt ähnliches Ausbeutungs-
system abrutschen.

Frustriert

HG
Moin,

geht ja nett zu hier!

Was ich bei Bush befürchte ist mit seinen Steuerrückzahlungen belastet er den Zinsmarkt. Die Amis sollten lieber Verschuldung abbauen, als Steuern zurückzahlen, denn die die Steuern zurückbekommen gehören nicht zum unteren Drittel und könnten es verschmerzen.

Na man wird sehen.

Gruß
Nando
Prima. Jetzt ist ein Präsident an die Macht gekommen, der 1. dadurch gewonnen hat, das ungültige Postwahlstimmen nachträglich gültig gemacht wurden.
2. dadurch gewonnen hat, daß der demokratische Prozess der Stimmauszählung abgebrochen wurde.
3. nicht einmal weiss, wo der Balkan ist und was dort passierte.

ARMES AMERIKA, mein Bild von Dir hat sich wieder mal voll bestätigt...
In Florida hat es soviel ich weiß noch nie Probleme bei einer Wahl gegeben.
Da ist aber z.Z. ein Familienmitglied vom Präsidentschaftskandidaten an der Macht. Ist irgendwie komisch.

theak
Danke für die Diskussionsbeiträge.

Es ist leicht zu erkennen, wer hier über den Tellerrand schaut und wer, wie ein Goldfisch im Glas, täglich stumpf auf das garantierte Futter von „Denen da oben“ wartet. Unwissenheit und/oder Wunschdenken ist der Vater der Gedanken der Rundum-Optimisten und Börsenjunkies!

Überbringer schlechter Nachrichten wurden früher häufig erschossen. Heute werden sie von den Anhängern der Dumpfbacken beschimpft. Wer vor 9 Monaten einen 70 prozentigen Rückgang der Kurse am NM angekündigt hätte, wäre mit Katzendreck beworfen worden.

Bush ist der personifizierte Beweis für die Unbesiegbarkeit der Dumpfbacken und ihrer nibelungentreuen Gefolgschaft. Die Geschichte bietet, angefangen beim Verfall des römischen Reiches bis in die Neuzeit, eine Fülle von Vorlagen. Aber auch im Alltag findet man überall Beispiele für das Phänomen Kurzsichtigkeit (es ist zehn mal gut gegangen also geht es auch 11 mal gut). Wenn z.B. am Badestrand ein Gewitter aufzieht, werden die Sachen erst dann zusammengepackt, wenn es blitz und donnert und der Arsch schon nass wird.

Ich bin übrigens kein depressiver Pessimist. Ich habe zwei Kinder, eine tolle Frau und gründe gerade eine kleine Firma. Die großen Räder kann ich natürlich nicht drehen – aber im „Kleinen“, so wie hier, kämpfe ich gegen die Dumpfbacken und die demagogischen, dem Mob gefälligen Anbieter scheinbar einfacher, aber in Wahrheit rücksichtloser Problemlösungen.
Menschen wie börsenjunkie2 (Zitat:“ Das Thema Nachhaltigkeit in der Wirtschaft kann man sowieso vergessen“) sind die wahren, fatalistischen Zukunftsverweigerer, die in Politikern wie Bush ihre Vorbeter haben. Wobei ich glaube, dass den Börsenjunkies (der Name spricht Bände) die Tragweite ihrer dümmlichen Behauptungen nicht im Ansatz bewusst ist.

Alle Indizien für die Richtigkeit meiner Befürchtungen werde ich in ersten Monaten (vielleicht auch Jahren) nach der Machtübernahme der Bush-Administration hier reinstellen.

Wenn ich mich irre, was ich hoffe, bin ich gern Gegenstand euerer Beschimpfungen.

Best regards, stormy (expecting stormy times)
Also ich denke, man sollte die Person bzw. die Macht des Präsidenten nicht
überbewerten. George W. Bush wird, vor allem in Betracht der Umstände unter
welchen er gewählt wurde, es sehr schwer haben und er wird versuchen müßen
es allen gesellschaftlichen Gruppen recht zu machen. Durch die engen Mehrheitsverhältnisse in beiden
Kammern für die GOP, Rep. Haus IMHO 11 Sitze und im Senat nur die Vice Presidential
Stimme, wird er auch viele intraparteiliche Konsense eingehen müßen.

Und zum Thema Nachhaltigkeit der Wirtschaft, die Amerikaner stehen in Fiskalischen
Dingen weitaus besser dar, als zum Beispiel wir Deutschen. Und der Standpunkt von
Bush, das Haushaltüberschüße, an die Bürger zurückgegeben werden sollten halte ich
für gar nicht so dumm, denn schließlich sind es auch selbige die die Überschüße
erst ermöglichen.

Und zum Thema Todesstrafe, ich verstehe nicht warum immer versucht wird George W. Bush für
die Todesstrafe verantwortlich zu machen. Er ist respektive war Gouverneur eines Staates,
der die Todesstrafe als legitime Form der Strafe ansieht. Er konnte sie nicht
abschaffen, das kann nur der Supreme Court. Er kann auch nicht verhindern
das sie ausgeprochen wird. Seine einzige Möglichkeit ihre Ausübung zu verhindern
wäre eine Begnadigung, aber dies ist auch nur in Fällen Möglich in denen
Berechtige Zweifel an der Schuld des Verurteilten vorliegen, wenn selbige nicht
vorliegen hat er gar keine andere Möglichkeit als die Begnadigung zu verweigern.

Und Überheblichkeit trübt Dein Urteilsvermögen gar nicht, richtig Stormy ?
Hallo kartjas,

Ich beobachte die Szene seit 20 Jahren intensiv. Viele Infos habe ich vom Worldwatch Institute. Die Probleme sind sehr sehr lange bekant, auch wenn man sich in vielen Details und Einzelvoraussagen geirrt hat. Ich habe gehofft, durch die Amerikaner unte Gore(und nur die Amis haben das Gewicht und die Möglichkeiten) würde eine pragmatische und nachhaltige Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung (langsam) eingeleitet. Der Bush-Clan schmeisst alles wieder um Jahre zurück und ich glaube nicht dass wir uns das leisten können. Meine Beiträge, dass muss ich selbstkritisch anerkennen, klingen in er Tat etwas arrogant und besserwisserisch. Aber mit dem Thema kenne ich mich wirklich gut aus, weil ich schon lange tief drin stecke. Die (leichte)Überheblichkeit entspringt meinem akuellen, taufrischen Frust. Einige Tage später hätte ich wohl etwas moderater formuliert.

Mal abwarten, perhaps we get a green, sustainable bush.

Grüner Busch oder schwarzer Busch, dass ist jetzt die Frage!

Aber wie gesagt- ich sehe jetzt eher schwarz als grün!
Wenn nur ca. 50 Prozent der Bevölkerung zur Wahl geht, und statt dessen
lieber vor der Glotze hängt, brauchen wir uns doch gar nicht
aufregen. Wenn dann in dem entscheidenden Bundesstaat
weiterhin gleichviel Stimmen für den einen und den anderen anfallen:
Dummes Mißgeschick. .
Wenn dann noch der Entscheid des S.C. mit 5 zu 4 Stimmen
zugunsten Bush gefällt wird. Tja, that`s Life!

Das die Wahl auch nach 5 Wochen so knapp ausging, macht die tragische
Konsequenz nur noch deutlicher.

Gore wäre bei den Themen Menschenrechte, Umwelt und
New Economy eindeutig der bessere Kandidat gewesen.

Aber was soll`s.
Mit dem Kumpeltyp Bush wird eben alles etwas "unkomplizierter".
Und im Grunde wäre es doch lästig gewesen, sich mit diesen
sentimentalen "Problemen" a`la Gore auseinanderzusetzen.
Fangen wir mal an mit den Indizien für meine Befürchtungen:

Indiz Nr. 1: Das ultra-konservative Kabinett mit einem Verteidigungsminster aus der Mottenkiste des kalten Krieges.


Weitere Indizien werden folgen!
@stormy

*ergänzung zu indiz nr1*:
"recycling" von kalten kriegern aus dem letzten jahrhundert (zumindest ab morgen) der verwaltungen von: nixon, reagen und bush sen. ;) wenn das nur gut geht... :confused:
jetzt nur mal keine panik !

mir waere anfang auch der gore lieber gewesen . aber als ich dann gesehen habe , wie der prozessiert hat und unklare stimmzettel hat deuten lassen wollen (natuerlich in seinem sinne) da habe ich doch ein bißchen meine meinung geaendert .

das der bush natuerlich in erster linie die ami-interessen sieht , naja, er ist ja auch us-praesident .
mir waere es beim schroeder auch lieber , der wuerde mal mehr an deutschland denken !
Vergesst dass tolle Expertenwissen. Der Fall Intershop zeigt, was davon zu halten ist. Für die Heilsversprecher aus dem Bereichen Gentechnik, Nanotechnik und Weltraum-Raketenabwehr gilt ähnliches. Der Schuss geht nach hinten los.
Der Planet wird durch die Anhänger einfacher,kausaler technischer Problemlösungen zunehmend ruiniert. Es ist zur Zeit uncool, darauf hinzuweisen (halt`s Maul du depressives Weichei, Turnbeutelbergesser etc.)Aber die Informations-, Fungesellschaft rotiert immer schneller. Da hat niemand mehr den Überblick - auch die "Experten da oben" nicht. Schon gar nicht die neue Ami-Regierungsmannschaft, die eine High-Tech-Geselschaft mit Stammtischparolen steuern möchte.


Keiner kann die Zukunft voraussagen - aber unendlich ansteigende Kurven kommen niemals vor! Bei Konjukturverläufen nicht und ebensowenig bei gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Es ist jetzt verdammt lange gut gegangen (in den Industrienationen). Die Frage, wer den BB-Container verlassen muss ist für Viele wichtiger als die Existenzsicherung und die Befriedigung der Grundbedürfnisse.
Ich bin nicht besonders religiös - aber die derzeitigen Zustände erinnern mich an die Geschichte vom Turmbau zu Babel.

Ist ja auch egal - laßt uns weiter feiern!
Abgesehen von den möglichen Auswirkungen auf die Wirtschaft, entsetzt mich das zutiefst undemokratische Vorgehen. Die Wut und den Ärger auf Gore, sein Insistieren auf Auszählung der Stimmen, kann ich nicht im geringsten nachvollziehen. Mehr als 500.000 Stimmen bei der popular vote und Bush "siegt" mit 150 Stimmen in Florida, trotz tausender unausgezählter Stimmen, zweifelhafter Lochmaschinen, die teilweise nun ersetzt werden.
Ensetzt hat mich die Passivität der Amis. Hier wurde der mächtigste Politiker der Welt gewählt (4 Jahre). Selbst weitere Wochen Verzögerung hätten egal sein sollen. Und, bei fast jeder Wahl, die so eng abläuft, gibt es eine Wiederholung.
Und, was für eine Chuzpe seitens George Bushs sich mit einer solch geringen Stimmenzahl wählen zu lassen.
@Optimistin:

Du darfst nicht vergessen, daß von vorneherein sowieso 50-60% der wahlberechtigten Amerikaner erst garnicht zur Wahl gehen.
Die interessiert es schon mal überhaupt nicht, von wem sie regiert werden (aus den unterschiedlichsten Gründen).

Und dann kann man an jeder Wahl rumdeuten, daß die "gewählte" Regierung eigentlich nicht die Mehrheit des Volkes hinter sich hat.
Schau Dir mal unsere Regierung an.
Wahlbeteiligung war bei ca. 70%, davon haben SPD und Grünen zusammen an die 50% erhalten.
Da könnte man jetzt auch sagen, eigentlich wurden die ja nur von rund 35% der Deutschen gewählt.

Noch schlimmer ist es in Ländern wie z.B. Großbritannien mit seinem Mehrheitswahlprinzip. Da fallen von vornerein in jedem Wahlkreis Tausende Stimmen unter den Tisch.
Hallo Paladin,

wohl dem, der sich mit dem Wahlrecht ansich ein wenig auskennt und nicht nur weiß, daß er ein Kreuz machen muß ;);););) Wem es so geht, der wird sich, will er eine Meinung haben, zwangsweise an dem orientieren müssen, was aus Übersee über die Medien zu uns vordringt...

Die Amerikaner haben ein eindeutige Wahlrecht. Und in der Tat kann es vorkommen, daß jemand President wird, der nicht die miesten Stimmen erhalten hat. Ist so, aber das ist schon seit Ausrufung der Verfassung so! Wer sich jetzt aufregt, hätte das schon früher monieren müssen.

Und zu den Idioten in Florida: Wer zu dumm zum wählen ist, soll es halt lassen! Ich würde mich schämen und in den Keller gehen, wenn ich bei so etwas einfachem wie der Stimmabgabe einen Fehler machen würde. (Und idE stimmzettel waren eindeutig!) Aber nein, was machen die AMis? Die demonstrieren auch noch, und wollen für ihre Dummheit entschädigt werden!

MfG
Ingmar (KCD)
ist doch kein wunder , mr. bucket !

schau dir mal die typen an , die da geklagt haben . hast du die berichte gesehen ?
teilweise dumpfbacken , teilweise offensichtlich verkalkte grosseltern und dann leute , denen ihr fanantismus pro demokratische partei bei jedem satz aus dem mund gegeifert ist .

zuerst keine lust , sich mal die wahlzettel auch nur eine minute genau anzusehen ,sondern einfach das kreuz machen . und dann jammern , man habe sich vertan.
oder das loch nicht tief genug gemacht , oder an 2 stellen gleichzeitig oder was weiss ich .
ist doch sowas von laecherlich !

das beste ist , dass der masse der amis in ein paar monaten voellig egal sein wird , wie bush president wurde . fuer viele wurde es ja erst durch die dramatik bei der stimmauszaehlung ueberhaupt interessant sich die wahl anzuschauen .
so sind sie nun mal , die amis . wollen halt spannung und wettkampf !
Hallo Mr. Bucket,

ich sehe das genauso wie Du. Hinterher der Rummel um fehlerhafte Auszählungen und unklare Stimmzettel kam mir so vor, als ob der Al Gore mit Gewalt einen Grund gesucht hat.

Ich möchte nicht wissen, was alles so heraus käme, wenn man mal eine Stimmauszählung in einem ganz normalen deutschen Wahlbezirk bei irgendeiner Wahl hinterher prüfen würde.
Kann mir vorstellen, daß da auch "unklare" Stimmzettel dabei sind.
Mit ein bißchen "gutem Willen" und unter Kenntnis der sonstigen Ergebnisse wären doch da der willkürlichen Deutung Tür und Tor geöffnet.

Ich befürchte auch, daß Caldor mit seiner Aussage, in einigen Monaten sei den US-Bürgern das alles eh egal, schon recht haben könnte.
Genauso egal wie es ihnen ist, daß Deutschland keine Monarchie mehr ist, seit 1980 oder so (Antworten in der Art kamen neulich bei einer Fragebogen-Aktion raus, in der High-Schüler zu Europa abgefragt wurden).
danke fuer das kompliment !!

aber schau doch mal einen ami-sender dieser tage . da hoerst du nichts mehr von wahl oder so.
die haben sich alle mit dem ergebnis abgefunden ,sind froh einen neuen praesidenten zu haben und hoffen drauf , dass der jetzt ihre steuern senkt.

und so sind alle gluecklich und zufrieden .
Nächstes Indiz:

Noch nicht im Amt, aber den Russen die Finanzhilfe schon entzogen. Es ist ja richtig nicht in ein Fass ohne Boden zu investieren. Aber dieser Schritt hat Signalwirkung, die kalten Krieger sind schon ganz ungeduldig. Außerdem gäbe es auch noch die Möglichkeit bei ganz konkreten Projekten Sach- und Beratungshilfe zu leisten.
Busch tut, was zu befürchten war, er bläßt zum Rückzug und zur Konfrontation. Nicht gut!!
So schlimm finde ich sein Verhalten hier garnicht. Ich würde mir wünschen, unser Kanzler würde hier auch mal aufwachen.
Natürlich gäbe es die Möglichkeit, die Finanzspritzen und sonstigen Unterstützungen strikt zweckgebunden zu leisten. Aber das wird ja nicht gemacht!

Schaut euch mal die Realtität ein. Die Russen kriegen Milliardenunterstützungen, weil sie ja so bedürftig sind. Und im gleichen Atemzug pumpen sie Milliardenbeträge in Erhalt und Modernisierung ihres Militärs. Weil sie immer noch den Großmachtanspruch erheben und wahren wollen.
Das ist doch absurd, finde ich!

Daher verstehe ich schon, daß der Bush das zumindest einschränken will.
sollte der schroeder auch mal endlich machen !!!

warum sollen wir den russen ihre atomraketen und die russenmafia mit unseren steuergeldern bezahlen ?????
Passend, auch die Russenmafia zu erwähnen. Es ist ja ein offenens Geheimnis, daß insbesondere dubiose Kreise in Rußland sehr gut an der westlichen Finanzhilfe verdienen.
Hamburg, 20.1.2001 - Am Samstag wird in Washington George Walker Bush ("Doubleyou") als 43. Präsident der USA vereidigt. In sein Kabinett hat er einige republikanische Hardliner berufen, deren Ruf in Umweltfragen nicht der Beste ist. Besondere Kritik zieht derzeit die zukünftige Innenministerin Gale Norton auf sich.


Greenpeace-Aktion am Innenministerium
Am Donnerstag bestiegen Greenpeace-Aktivisten das Gebäude des Innenministeriums in Washington und hängten ihre Botschaft an die Frontseite: "Bush und Norton: Es ist unser Land, kein Öl-Land!" stand auf dem Banner. Bush und Norton planen, Nationalparks in Alaska für die Ölförderung zu öffnen.

Gale Norton war Justizministerin von Colorado und ging in dieser Funktion nicht gegen ein Kraftwerk vor, das Umweltbestimmungen 19.000 Mal gebrochen hatte. Zuletzt arbeitete sie als Anwältin und Lobbyistin für NL Industries, einen Hersteller von bleihaltigen Farben, gegen den zahlreiche Umweltklagen anhängig sind. Sie ist eine glühende Anhängerin der Selbstkontrolle der Industrie und möchte so wenig Umweltauflagen wie möglich gesetzlich festschreiben.

Norton arbeitete bereits zu Zeiten von Ex-Präsident Ronald Reagan im Innenministerium, damals unter James Watt, dessen Protégée sie wurde. Watt, ursprünglich Prediger aus Wyoming, handelte nach der Devise "Mach Dir die Erde untertan" und machte sich damit die Mitglieder der Ökologiebewegung zu erbitterten Feinden. Umweltschützer in den USA befürchten, mit Norton werde eine ähnlich radikale Gegnerin staatlicher Regeln für den Umgang mit der Natur ins Amt gesetzt.

Aber auch andere Mitglieder des Kabinetts Bush ziehen Kritik auf sich. Der zukünftige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gilt als Mann des Kalten Krieges und starker Verfechter der "National Missile Defense", des Raketenabwehrprogramms der USA. China und Russland, aber auch einige NATO-Mitglieder, sehen in der Verwirklichung des Programms einen Bruch des ABM-Vertrags von 1972. Einige Länder befürchten, die USA setzten damit ein neues Wettrüsten in Gang.

Der vorgesehene Energieminister Spencer Abraham ist in beiden großen politischen Lagern angesehen. Er gilt gleichwohl als Mann der Atomindustrie. Abraham hat sich bereits mehrfach für ein Endlager für Atomabfälle in Nevada eingesetzt und es wird befürchtet, dass er jetzt Druck macht und Gegenargumente vom Tisch wischt.

Der nominierte Handelsbeauftragte Robert Zoellick wird als dogmatischer Anhänger der Freihandels beschrieben. In den letzten Jahren kritisierte er Umweltgruppen und Gewerkschaften für ihre protektionistischen Ideen und forderte die Clinton-Administration auf, mehr auf Freihandel zu setzen. Wie seine Position hinsichtlich der WTO-Streitfälle zwischen der EU und den USA ist, lässt sich noch nicht sagen.

Den Vorsitz in diesem umweltpolitischen Horrorkabinett hat ein Mann, der als Ölindustrieller kaum verdächtig ist, der Umweltbewegung zu nahe zu stehen. George "Doubleyou" Bush spaltet zudem die amerikanische Gesellschaft wie wohl kein Präsident vor ihm. Zu seiner Amtseinführung werden daher Tausende Demonstranten in Washington erwartet, das zu einer Festung ausgebaut wurde. Vielleicht hilft ein da bißchen Optimismus, verbreitet vom zukünftigen Präsidenten selbst: "The future will be better tomorrow" - die Zukunft sieht morgen viel besser aus.


der bush hat schon gezeigt was er davon haelt und gleich die ersten erlasse seines vorgaengers wieder aufgehoben !!

das nenne ich zuegige einloesung von wahlversprechen !
Die Erde erwärmt sich schneller als erwartet (Agenturmeldung von heute) - und Bush bläßt zum Final-Countdown:

Reagans Erbe tritt an

Bei seiner Amtseinführung gelobte George W. Bush die Heilung der gespaltenen Nation. Seine ersten Schritte versprechen indes eine republikanische Restauration: Der 43. Präsident ist einem Machtkartell aus Wirtschaftsinteressen und ideologischen Hardlinern verpflichtet.



Halblaut, beinahe verschwörerisch beschrieb der fromme Parteifunktionär Lou Beres beim republikanischen Wahlkonvent in Philadelphia die heimliche Strategie seiner religiösen Gesinnungsgenossen: "Wir haben gelernt, wir halten den Mund."

Allzu laute, kampfbetonte Propaganda gegen Abtreibung oder für Schulgebete, so der Chef der Christian Coalition des Bundesstaats Oregon, habe sich in der Vergangenheit als abschreckend erwiesen. "Erst wenn George W. Bush im Weißen Haus ist, legen wir nach."

Das Stillhalten hat sich ausgezahlt - nicht nur für die religiösen Fundamentalisten und die konservativen Dogmatiker der Partei. Nach den Inthronisierungsfeiern vom Wochenende hoffen viele auf präsidiale Dankbarkeit: Da sind zunächst die Sponsoren des 30 Millionen Dollar teuren Spektakels, darunter Firmen wie General Motors oder AOL. Auch die Industriekonzerne und Lobbyistenverbände, die Bushs Wahlkampf mit fast 200 Millionen förderten, erwarten eine Dividende für ihre Großzügigkeit. Und die ideologischen Hilfstruppen der Republikaner wittern Morgenluft. Lou Beres ist optimistisch: "Bush weiß, was er uns verdankt."

Zwar gelobte Bush II. bei seiner Amtseinführung, er werde alles daransetzen, seine gespaltene Nation zu heilen. Doch der 43. Präsident - eigentlich ein Wahlverlierer, der dank eigenwilliger Wahlgesetze und einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs ins Amt gelangte - hat in Wahrheit bereits einen stramm konservativen Kurs eingeschlagen. Sein Motto: "Ein neuer Start für Amerika".

"Gemessen an seinen Kabinettsberufungen", befand etwa die "New York Times", "seinem Eintreten für eine umfassende Steuersenkung und seinen ersten Absichtserklärungen zur Außenpolitik, steht George W. Bush ideologisch Ronald Reagan näher als seinem eigenen Vater."

Tatsächlich gibt mit dem Amtsantritt von Bush Junior, 54, ein neues Machtkartell in Washington den Ton an, eine Koalition aus Industrie und konservativen Hardlinern, die den Kandidaten bei der parteiinternen Ausscheidung gegen den Rivalen John McCain unterstützten und ihm später den Wahlkampf finanzierten.

Obwohl zum Schluss 65 Prozent der Amerikaner die Amtsführung des ausgeschiedenen Präsidenten guthießen - die höchste Zustimmungsrate seit dem Zweiten Weltkrieg -, betrachtet die konservative Allianz die acht Jahre von Bill Clintons Regierung als furchtbaren Fehltritt der Geschichte. Nachdem der Ex-Präsident eingestanden hat, die Nation über seine Affären getäuscht zu haben und sich so eine erneute Anklage ersparte, ist "Gottes eigenes Land" wieder auf dem Pfad zu Tugend, Moral und Bibeltreue. Nun drängen die Ultras auf eine Rückkehr des Reagan-Zeitalters, das sie inzwischen zur goldenen Epoche der Republikaner verklärt haben - was Bush Senior nicht halten konnte, muss der Sohn wieder aufbauen.

Vor allem soll die letzte verbliebene Supermacht wieder stark und selbstbewusst auftreten, weshalb der neue Oberbefehlshaber auch den Bau einer Nationalen Raketenabwehr forcieren will. Das Nachfolgeprogramm für Reagans "Sternenkrieg" gefährdet bestehende Rüstungskontrollabkommen, lässt überdies das Verhältnis zu den Regierungen in Moskau und Peking vereisen und könnte einen neuen Rüstungswettlauf auslösen.

Internationale Hilfe soll es künftig nur noch bei Wohlverhalten der Empfänger geben. So will der neue Präsident weitere Finanzhilfe für Russland an Fortschritte etwa beim Kampf gegen die Organisierte Kriminalität knüpfen.

Doch nicht nur außenpolitisch drängt Bush auf Remedur. Sein "mitfühlender Konservativismus" gilt offenbar nicht für die versprochene Steuersenkung in Höhe von 1,6 Billionen Dollar, von der die höheren Einkommensschichten am meisten profitieren werden. Auch beim Umweltschutz ist eine radikale Kursänderung angesagt.

Als Erstes will der Republikaner jene Verfügungen seines Vorgängers kassieren, mit denen Clinton in letzter Minute 24 Millionen Hektar staatlichen Waldbesitz unter Naturschutz stellte und schärfere Emissionsbeschränkungen für Busse und Lastwagen verhängte.

Holzindustrie, Viehzüchter und die Bergbauindustrie drängen auf eine rasche Revision dieser "Mitternachtserlasse". Und die Energiebranche fordert Zugang zu bislang gesetzlich geschützten Gebieten wie Alaskas "Arctic National Wildlife Refuge", weil sie ausgedehnte Öl- und Erdgasvorkommen ausbeuten will.

Eine industriefreundliche Haltung erwarten Experten auch im Kartellrechtsverfahren gegen den Software-Giganten Microsoft (Spenden für den Republikaner-Wahlkampf: 1,3 Millionen Dollar). "Das neue Justizministerium unter Bush", hofft das "Wall Street Journal", "wird sich eher auf eine Einigung einlassen, statt auf einer Zerschlagung des Konzerns zu bestehen."

Dass die republikanische Wende auch Wirklichkeit wird, soll der erfahrenste Mann im Kabinett garantieren - Vizepräsident Dick Cheney. Der ehemalige Stabschef im Weißen Haus, zu Golfkriegszeiten Verteidigungsminister und später beinharter Topmanager des Ölkonzerns Halliburton, hat - trotz eines vierfachen Bypasses - sein Gesellenstück mit der fast geräuschlosen Besetzung des Kabinetts abgeliefert.

Die Liste der Ernennungen liest sich wie das "Who`s who" jener Branchen, welche die Republikaner mit umfänglichsten Zuwendungen bedachten - Verteidigung: Donald Rumsfeld (Pharmaindustrie), Landwirtschaft: Ann Veneman (Lebensmittel), Handel: Donald Evans (Öl), Stabschef: Andrew Card (Automobilbau). Prominente mit weniger auffälligen Verbindungen zur Wirtschaft wie Außenminister Colin Powell und die Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice sollen nicht nur Popularität garantieren, sondern auch Afroamerikaner beruhigen, die noch immer wegen der Einschränkungen ihres Wahlrechts vor allem in Florida protestieren.

Weniger bekannte Kabinettsmitglieder wie der schwarze Erziehungsminister Rod Paige oder der hispanische Städtebauminister Mel Martinez gehören dagegen zum Club der "FOB", der "Friends of Bush" - örtliche Amtsträger, die der verzweigten Polit-Dynastie Bush in der Provinz geholfen hatten.

Weniger reibungslos funktionierte die Berufung der Innenministerin: Gale Norton, 46, ist eine erbitterte Streiterin gegen staatliche Auflagen für die Nutzung privater Ländereien vor allem im Westen der USA; sie war bis vor kurzem als Lobbyistin für die Blei-Industrie tätig. "Eine Kriegserklärung an die Umwelt" nennt Brent Blackwelder, Präsident von Friends of the Earth, ihre Nominierung.

Zur heftigen ideologischen Schlacht geriet im Kongress das Anhörungsverfahren des Ex-Senators und designierten Justizministers John Ashcroft, 58. Die normalerweise höfliche Befragung unter Kollegen, die sich gegenseitig als "ehrenwerter Senator" titulieren, eskalierte zu einem heiligen Krieg zwischen Demokraten und Republikanern.

Der frühere Gouverneur von Missouri gilt als Tribut des Präsidenten an die gottesfürchtige Parteirechte: Der Jurist Ashcroft ist Mitglied der fundamentalistischen "Assemblies of God", einer der rigorosesten protestantischen US-Kirchen. Deren Anhänger rechnen Glücksspiel, Tanzen und Trinken zu den schweren Sünden.

Der Hardliner mit dem Heiligenschein gibt sich so überzeugt von seiner Gottverbundenheit, dass er Wahlniederlagen zu "Kreuzigungen" erklärte und seine Rückkehr in öffentliche Ämter als "Wiederauferstehung" feierte. Nach dem Vorbild biblischer Könige ließ er sich 1995 zum Amtsantritt im Senat von seinem sterbenden Vater salben - mit Salatöl.

Als Gouverneur verbot Ashcroft den Verkauf von Likörbonbons, doch zum Helden des "Bibelgürtels" machte ihn sein erbarmungsloser Widerstand gegen die Abtreibung - selbst in Fällen von Inzest oder Vergewaltigung. Ashcroft stimmte gegen Mittel für die Aids-Forschung und den Austausch von Injektionsnadeln für Drogenabhängige, kämpfte im Senat gegen Kindersicherungen an Pistolen und Revolvern sowie das Verkaufsverbot von automatischen Waffen auf Märkten und Messen.

Sogar seine ehemalige Stellvertreterin in Missouri bezeichnete ihn als "Desaster für Minderheiten und Frauen". In einem Interview mit dem Rassistenblatt "Southern Partisan" forderte Ashcroft, den historischen Südstaaten-Führern, die für die Beibehaltung der Sklaverei gekämpft hatten, die gleiche Ehrerbietung entgegenzubringen wie etwa dem Nationalhelden Abraham Lincoln.

Frauengruppen und Schwarzenverbände fürchten deshalb, eine Justizverwaltung unter Ashcroft würde gerade jene Rechte untergraben, für die sie sich über Jahrzehnte eingesetzt haben. Immerhin gebietet der Justizminister über Einwanderungsbehörden und das FBI; er soll rassistische Verbrechen und Polizeiübergriffe verhindern und muss Abtreibungskliniken schützen.

"Wie wollen Sie für Gesetze eintreten, die Sie mit so viel Einsatz und Überzeugung bekämpft haben", fragte der demokratische Senator Charles Schumer, "wollen Sie diese Haltung einfach abschalten?"

Dass Ashcroft das keineswegs tun wird, sondern sein neues Amt vielmehr zum Umbau der Justiz nutzen könnte, glaubt Philip Heymann, Jurist an der Harvard-Universität. Denn als Justizminister hat Ashcroft großen Einfluss auf die Berufung neuer Bundesrichter. "Klar, dass nur bekennende Abtreibungsgegner ernannt werden", sagt der Professor.

Die Abscheu der Liberalen hat den künftigen Minister bei seinen konservativen Anhängern bereits zum Märtyrer gemacht. David Keene, Chef der American Conservative Union, verschickte 1,5 Millionen Briefe und E-Mails, um Ashcroft gegen den "Mob von Chaoten" beizuspringen. "Demokraten geben niemals auf", warnte er seine Mitkämpfer. "Wir befinden uns in einem politischen Krieg."

Lou Beres von der Christian Coalition ist dagegen hoffnungsvoll: "Wir sind auf dem Vormarsch", verspricht der rührige Bush-Helfer seinen Anhängern. "Die Wende wird kommen: spätestens mit George W.s zweiter Amtszeit."

STEFAN SIMONS



© DER SPIEGEL 4/2001
ueber genau diese sachen mache ich mir mehr sorgen als ueber das unsinnige umwelt-panikmachgeschwaetz !!

denn inder konservativen wende mit allen folgen liegt die gefahr ! aber das haben die oekofanatiker mit ihrem egoismus halt nicht kapiert . die sehen nur ihre umweltfibeln , schwarze, sozial schwache etc. sind denen doch voellig egal !
Nächstes Indiz:

Zur Zeit laufen internationale Forschungsprojekte, welche die genetischen Unterschiede zwischen Schimpansen und Menschen genau untersuchen. Ca. 98% aller Gene sind gleich, das steht schon fest. Ziel der Projekte ist es, heraus zu finden, wie das Bewußtsein beim Menschen entstanden ist und welche Gene daran beteiligt sind. Die Amerikaner machen bei diesen Projekten nicht mit, weil ca. 50% der US-Bürger die Evolution und das Abstammen von Affen(ursprünglich von Einzellern) leugen. Man will dem Volk diese "grausame" Tatsache nicht zumuten. Bush ist der Anführer dieser 50 %. Er glaugt ernsthaft, dass nur Christen in den Himmel kommen.
Näheres steht in einem Artikel aus der Zeit (letzte Ausgabe).

Eine Dumpfbacke regiert die Welt!
ich glaube eher , der sagt das so damit ihn die ganzen katholiken waehlen . ist doch genauso , wie sich unser schroeder je nach publikum mal als genosse der bosse , als umweltschuetzer , als freund der arbeitnehmer , als anwalt der rentner aufspielt .
seine politik ist aber eine ganz andere !
so einfach ist das in der politik !
Man bekommt halt immer die Regierung die man verdient.
Wo gehobelt wird da fallen Späne. Nur trifft es die Späne meistens härter als den Hobel.

Wie solche Typen an die Spitze der Weltmacht Nr 1 kommen, ist für uns eigentlich unvorstellbar. Da war ja ein Strauss ein Milchbub dagegen.

gruss paule2
den amis ist auch unklar ,wie bei uns die gruenen an die regierung kommen konnten . bei denen waere sowas unvorstellbar !!
Caldor, wenn man dort mit 5 % in das Parlament käme, gäbe es auch in den Staaten mehr als 2 Parteien. Solange man aber die Mehrheit in einem Bundesstaat haben muß, um ein paar Wahlmänner für sich zu gewinnen, bleibt es bei den 2 Parteien.

Etwas anderes: die Rezession kommt - owohl ich Bush nicht mag, er ist natürlich nicht Schuld - diese Trendwende ist nach dem langen "auf Pump" -Aufschwung einfach fällig.

Aber die Amis werden Bush haftbar machen.
Mit diesem Präsidenten werden die USA und die übrige Welt noch ihre helle Freude haben. Im Übrigen präsentiert er die Politik ja nur, gemacht wird sie ja ganz wo anders, nämlich von der Altherrenriege, die der Vater seinem Filius zugeschanzt hat. Bush junior ist ferngelenkt, eine Gallionsfigur, die von Lobbyisten gesteuert wird. Wenn man sich vorstellt, das Bush bereits die enorme Anzahl von 4 Auslandsaufenthalten genossen hat, kann man sich ungefähr vorstellen, was für ein diplomatisches Geschick er bisher entwickeln konnte.

Aber gut, auch Newcomern soll man ja eine reelle Chance einräumen, aber dazu ist es nötig dass Bush auch in der Lage ist, sich persönlich und eigenständig in die Politik einzuschalten. Genau hierbei sehe ich das größte Problem.

Schade ist nur, das wir nun wahrscheinlich eine rückwärtsgerichtete Politik erleben werden mit dem ganzen Irrsinn vergangener Jahrzehnte. Im Einzelnen heißt das dann wieder: Das Milliardengrab Raketenabwehr im Weltraum wird wieder aus der Mottenkiste geholt, warum auch immer, die Amerikaner scheinen nunmal permanent an Verfolgungswahn zu leiden. Was haben wir denn da noch Leckeres? Ja, der Umweltschutz, eine völlig unsinnige und überflüssige Einrichtung, die man gerne mit Füßen tritt und jetzt zusammenstreichen wird. Diesem Ressort wird künftig eine Dame vorangestellt, die zu früheren Zeiten in ihrem Bundesstaat für eine Strafverminderung bei schweren Umweltvergehen eingetreten ist, genau die richtige Person für so ein Amt. Was lässt sich noch anführen, ach ja, die Todesstrafe wird zu neuer Hochglanzblüte erstrahlen, diesmal vielleicht sogar flächendeckend über die ganze USA, ist das nichts??

Was noch? Die gute alte Waffenindustrie wird wieder richtig satte Gewinne einfahren, denn ein guter Amerikaner braucht ein voll funktionierenden Schiessprügel, das genießt dort ein sehr hohen Status und ist ein Grundrecht. Lässt sich ungefähr mit der Sphäre des Grundgesetzes Deutschlands vergleichen. Dann haben wir hier noch die Kleinigkeit des Bildungswesens, dieses erfährt selbstverständlich auch eine Kürzung an seinem Etat, denn derlei Ausgaben sind in der neuen Bushregierung nur noch unter ferner liefen aufgführt.

Insgesamt kommen hier äußerst dustere Wolken am Horizont hervor. Aber das amerikanische Volk hat gewählt in freier Entscheidung, dumm wie es ist und dumm muß es sein, das lässt sich allein an der Wahlbeteiligung von mageren 50% ablesen, die ein Interesse an dieser Wahl bezeugt haben.

Aber was kümmert das den Durchschnittsamerikaner, Hauptsache sein Kühlschrank ist mit einer Burgerflotte gefüllt und sein hochgelobter Schiessprügel funktioniert.

Gruß
Glückspfennig
Besonders die letzten beiden Absätze treffen den Nagel auf den Kopf. Im Gegensatz zu uns, die immer meinen die Probleme der ganzen Welt liessen sich von Deutschland lösen, sind die Amerikaner da etwas egoistischer.

Die Beeinflussung des Regierenden bzw. wo die Politik in Wirklichkeit gemacht wird, da unterscheiden wir uns wohl weniger von den USA. Bei uns sind doch auch die ganzen Ministerialbürokraten maßgeblich an allem beteiligt.
Nächstes Indiz:

Bush hat sich einen Western mit John Wayne angesehen und spielt am nächsten Tag Weltsheriff. Den kleinen Halunken, dem auf die Finger gekloptf werden muß, gibt wie gehabt der böse Sadam. Sollte Bush innenpolitisch in Schwierigkeiten geraten und das wird er, weil die Börsen so schnell nicht wieder flott werden, benötigt er Gegner von anderem Kaliber. Vielleicht Putin aus dem Reich des Bösen oder China, die Herren der Finsternis.

Keinem sitz der Colt lockerer als Dumpfbacke Bush. Das Kommando gibt die Rüstungslobby!
@Stormy

Wo ich mich auch akzentuieren möchte, stelle ich fest, verdammt, der Beitrag steht ja schon drin, gepostet von Stormy.

Gruß
Glückspfennig
immerhin bringt der bush seinen landsleuten steuersenkungen , die den namen auch verdient haben !

und nicht den abzock den unsere rotgruenen leute hier abhalten !
Nächstes Indiz:US-Gesetze kontra Naturgesetze


Dem US-Präsidenten George W. Bush verdankt die Welt die Erkenntnis, dass Naturgesetze nicht gelten, wenn sie den gesetzlichen Bestimmungen der Vereinigten Staaten widersprechen. Nach diesen gilt das klimawirksame Kohlendioxid nicht als Schadstoff. Und deshalb vergisst der Präsident sein Wahlversprechen. Wollte er doch die Kraftwerkbetreiber verpflichten, ihre Abgase zu minimieren. Mehr als die Hälfte des elektrischen Stroms in den USA kommt aus Kohlekraftwerken. Und diese sind großenteils technisch veraltet. Modernisieren würde zwar später Primärenergie, also Kohle, einsparen, kostet aber zunächst Geld. Und Kohle ist ohnedies billig.

Die Kohlelobby hat jetzt den Präsidenten davon überzeugt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Klimaforscher „unvollständig“ seien. Diese Beobachtung ist richtig – und ewig gültig. Erkenntnis ist immer unvollständig. Dies wird so bleiben, selbst wenn sich das Weltklima völlig umgestellt haben sollte. Überdies befürchtet George W. Bush, die Verbraucher würden sich grämen, wenn der Strompreis mit der Modernisierung steigen sollte. Gibt es doch in den USA mittlerweile so etwas wie ein Gewohnheitsrecht auf die zum Billigtarif laufende Klimaanlage .

Und so dürfen jetzt die Europäer, wie EU-Umweltkommissarin Margot Wallstroem, „betroffen“ auf Bushs Forderung reagieren, man müsse den Klimawandel noch mehr erforschen, ehe man ihn verhindert. Es mag die US-Bürger grämen, aber auch in ihrem Land – und nicht nur im unmaßgeblichen Rest der Welt – ist die Klimawende bereits eingetreten; messbar nicht nur für die Forscher, sondern bereits Kostenfaktor für die Versicherungen.

Das war ein SZ-Kommentar
Bush wird als DER Endzeit Präsi in die Geschichte eingehen!
Bush bricht Wahlversprechen


Im Wahlkampf hat George W. Bush zugesagt, den CO2-Ausstoß von Kraftwerken zu senken – das ist für ihn nun tabu. Wie US-Medien am Mittwoch berichteten, gab der Präsident diese Entscheidung in einem Brief an den republikanischen Senator Charles Hagel bekannt. Damit rückt Bush das erste Mal von einem Wahlkampfversprechen ab.

Der Beschluss, der von Umweltschützern scharf kritisiert und von der Kohleindustrie begrüßt wurde, widerspricht den Vereinbarungen von Kyoto im Jahr 1997 über die Verringerung von Treibhausgasen wie Kohlendioxid. Allerdings wurde dieser Umweltpakt damals von US-Senat nicht ratifiziert, und Bush selbst lehnte ihn ab.

Bush hatte im Wahlkampf erklärt, Kohlendioxid sei ein Umweltverschmutzer und müsse somit unter die Emissionskontrollen fallen. In seinem Brief erklärte er nun, eine Regulierung würde zu einer Verlagerung auf Erdgas und somit zu erheblich höheren Energiepreisen führen. Er verwies in diesem Zusammenhang auf den jüngsten Stromnotstand in Kalifornien, wo ein drastischer Anstieg der Marktpreise die Anbieter an den Rand des Bankrotts gebracht hat. Bush sagte, die neuen wichtigen Erkenntnisse, die er gewonnen habe, machten eine „Neueinschätzung“ nötig.

Mit der Entscheidung setzte sich der Präsident in Gegensatz zur neuen Chefin der US-Umweltbehörde, Christine Todd Whitman. Sie tritt für eine Regulierung ein und hat in den vergangenen Wochen wiederholt versichert, Bush werde sein Versprechen halten.


14.03.01, 16:58 Uhr
Einer der Indizien dafür, das Bush`s Handeln nicht durch eigene Sinne gesteuert wird, sondern durch verschiedene Lobbyistenkasten zweckentfremdet u. fernbedient wird. Bush hat von den gegebenen Wahlversprechen im Sinne einer tieferen Kenntnis der Materie (z.B. CO2-Ausstoß u. Auswirkung auf unser aller Klima) nicht die leiseste Ahnung. Er redet bestimmten Gesellschaftskreisen und Institutionen nach dem Mund, und wird eindeutig benutzt.

Gruß
Glückspfennig
US-Trend: Frauen sollen zurück an den Herd
In den USA sogt zurzeit ein Buch für Zündstoff, in dem die Autorin Laura Doyle die Rollen der Geschlechter neu beziehungsweise alt definiert: Die Frau muss zurück an den Herd, der Mann darf Karriere machen und das Geld nach Hause bringen. Damit hat Doyle im erzkonservativen Amerika großen Erfolg. Rückfall in uralte Geschlechtermuster? Heißt die klassische Hausfrau jetzt Haushalts-Managerin?

Jeanine hat beschlossen, in Zukunft diplomatischer zu sein und mindestens ein Mal in der Woche mit ihrem Mann zu schlafen, ob sie nun Lust hatte oder nicht. Sie vergleicht Sex mit Wäsche waschen oder Großputz. „Ich habe auch nicht jedes Mal Lust dazu, aber hinterher ist die Wohnung sauber“, sagt sie. Zitiert wird Jeanine von Laura Doyle.

Durch „alte weibliche Waffen“ wieder Eheglück?

Die Seminartrainerin und Buchautorin will Frauen verlorenes Eheglück zurückbringen, indem sie alte „weibliche Waffen“ wetzt. Erstaunlicherweise hat sie in Amerika Erfolg. In Deutschland sorgt ihr Buch bereits vor seinem Erscheinen im Mai für Debatten über ein neues Verständnis im Verhältnis der Geschlechter.

Eine diplomatische Frau überlässt dem Mann die Verantwortung für die gemeinsamen Finanzen, nimmt Geschenke dankbar an, äußert klar ihre Wünsche und überlässt ihm die Wahl der Mittel, sie zu verwirklichen. Das zumindest rät die 33-Jährige. Solche Tipps sorgen im postfeministischen Zeitalter zurecht für Unmut. „Alle Maßnahmen zur Gleichstellung von Männern und Frauen werden dadurch konterkariert“, schimpft Professorin Ingelore Welpe vom Kieler Institut für Frauenforschung.

Beziehungs-Steinzeit?

„Beziehungs-Steinzeit“ giftete ein Nachrichtenmagazin. „Ihre Botschaft ist von biblischer Klarheit, lässt sie sich doch auf den Rat reduzieren: Unterwerft euch euren Ehemännern - dann wird alles gut!“ höhnte die eine Münchner Zeitung. „Zweifellos liegt Mrs. Doyle mit ihren Ratschlägen voll im Trend“, schreibt Elke Hartmann im Focus.

„Töchter von Müttern, die einst gegen sexuelle Unterdrückung demonstrierten und ihre BH`s verbrannten, tragen heute Wonderbras; nicht nur Serienheldin Ally McBeal würde ihre Karriere liebend gern für Ehemann und Kinderschar hergeben.“

Frauen ziehen sich freiwillig zurück – Männer wollen Stress haben

Zukunftsforscher Matthias Horx hat eine andere Theorie für die postfeministische Ära: Er sagt einen „New Deal“ zwischen Männern und Frauen voraus. So könnte nach dem gewaltigen Boom der Erwerbsarbeit der Haushalt einer der begehrtesten Orte der Selbstverwirklichung werden, schreibt Horx in seinem Buch „Die acht Sphären der Zukunft“.

„Frauen ziehen sich - als Emanzipierte - aus der Tretmühle der Karriere zurück und überlassen den Stress im Job freiwillig den stresssüchtigen Männern.“ Frauen wollen berufstätig sein, heißt es weiter, aber sie wollen es im Sinne von selbstbestimmter Zeit. Als „Haushaltsmanager“ steuern sie eine Zeit lang die komplexen Abläufe einer modernen Familie - vom Innen-Design über die Kindererziehung bis zum Urlaub. Einige Haushaltstätigkeiten werden delegiert oder dazugekauft. Da bleibt Zeit für interessante Nebenjobs, Weiterbildung oder Hobbys. Das so genannte „Opting-Out“, der Ausstieg beruflich erfolgreicher Powerfrauen, sei in den USA bereits ein Trend.

Buch erscheint im Mai auf Deutsch

Auch vielen Männern scheint der geordnete Rückzug ins Private verlockend - „aber nur für eine gewisse Zeit, dann haben sie meist genug davon“, hat Forscherin Welpe beobachtet. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass sich überhaupt nur finanziell privilegierten Paaren diese Frage überhaupt stellt.

Der Goldmann-Verlag hat sich seine Entscheidung, Laura Doyles „The Surrendered Wife“ (deutscher Titel: „Einfach schlau sein, einfach Frau sein“) zu verlegen, nicht leicht gemacht: „Natürlich haben Thesen, Frauen könnten durchaus auf ihr eigenes Einkommen verzichten, auch bei uns eine Kontroverse ausgelöst“, sagt Verlagssprecherin Elke Kreil. In der Gesellschaft bestehe aber Diskussionsbedarf.

Kommen neue Doris Day-Zeiten?

Laura Doyle scheint es da weniger um weibliche Freiheit, sondern lediglich um eheliche Behaglichkeit zu gehen. „Üben Sie“, so ihr Rat, „drei Zauberworte zu sprechen: „Ich - kann - nicht`. Geben Sie ihrem Partner die Möglichkeit, sie auf Händen zu tragen.“ Allerdings droht den diplomatischen Doris Days laut Doyle ein furchtbarer Fluch: Die Dramen und Kämpfe sind vorüber. Das Leben könnte öde werden.

Doch andererseits ist zu fragen, ob die Frauen in Deutschland mittlerweile einen Status erreicht haben, der ihnen, genauso übrigens wie den Männern, erlaubt, das zu tun, was sie lieber möchten: Haushalt oder Karriere.
Mit copyright Kaefer1200.65:Freitag 23. März 2001, 23:02 Uhr

Pentagon will US-Militär radikal reformieren

Washington (dpa) - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld plant nach Zeitungsberichten eine radikale Reform des US-Militärs. Eine einschneidende Veränderung ist demnach, keine großen Flugzeugträger mehr zu bauen, berichtete die Zeitung «Washington Post». Rumsfeld will demnach für die US-Armee mehr Kampfflugzeuge mit größeren Reichweiten und ohne Besatzung anschaffen. Eine mögliche Bedrohung der USA gehe nun eher vom pazifischen Raum aus, da China mächtiger und Russland schwächer werde, sagte er.

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USA und Russland: Spionageaffäre belastet Beziehungen nicht

Zuletzt aktualisiert: 23 Mrz 2001 20:39 GMT+00:00 (Reuters)

Reuters FotoMoskau (Reuters) - Trotz der beiderseitigen Ausweisung mehrerer Diplomaten wegen Spionagevorwürfen haben Russland und die USA am Freitag ihre Erwartung bekräftigt, dass die Affäre die Beziehungen zwischen den Staaten nicht belaste. Der russische Präsident Wladimir Putin sagte, er glaube nicht, dass es starke Spannungen geben werde. Ein offenes Gespräch über gemeinsame Interessen sei trotzdem möglich, sagte ein Sprecher von US-Präsident George W. Bush. Auf die Ausweisung von 50 russischen Diplomaten aus den USA hatte Russland mit der Ausweisung von 50 US-Diplomaten reagiert. Vorausgegangen war im Februar die Enttarnung eines Mitarbeiters der US- Bundespolizei FBI, der für Russland spioniert haben soll.

Ein Sprecher Putins sagte in Moskau, zwar werde Russland für jeden Diplomaten, der die USA verlassen müsse, einen amerikanischen Botschaftsangehörigen des Landes verweisen. "Doch dann müssen sich beide Seiten hinsetzen und über die wirklichen Themen sprechen." Putin reagierte am Rande des Treffens mit der Europäischen Union (EU) in Stockholm zunächst abwehrend, als er auf die Enttarnung des FBI-Mannes Robert Hanssen als russischem Spion angesprochen wurde. "Ich habe mir dazu noch keine rechte Meinung gebildet", sagte er. Die Frage, ob die Affäre starke Spannungen in den Beziehungen auslösen werden, beantwortete er mit: "Ich glaube nicht." Bush hatte am Vortag ebenfalls gesagt, er gehe von weiterhin guten Beziehungen aus. Die USA und Russland hätten genug andere Themen.

Bislang hat es Russland dabei belassen, vier US-Diplomaten zur Abreise aufzufordern. Das entspricht den vier russischen Botschaftsangehörigen, die bis Anfang April die USA verlassen müssen. 46 weitere haben Zeit bis zum 1. Juli. Hanssen soll 15 Jahre lang für Russland spioniert und dafür 1,4 Millionen Dollar (etwa drei Millionen Mark) erhalten haben. Er sitzt in den USA in Haft.

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Stormy du bist ein Bildzeitungs und Big Brother-Opfer.Mit deinen dumpen,dumpfbackigen Stammtischparolen kannst du nur Dumme beeindrucken.
Jetzt gibt`s auch Probleme mit den angekündigten Steuersenkungen... Ich denke mal, das wird die Amis mehr interessieren als NAturschutzgesetze oder CO2-Ausstoß.
@Mattaufh3, das ist hier offensichtlichzu hoch für Dich!
Du hast Glück - Ich nehme Dich nicht Ernst!
HwDemeBr!

Stellt Euch vor, eine chinesisches Spionageflugzeug wäre auf Key West abgestürzt und die Amis sollten sich nich daran vergreifen
Robert Redford



"Bush ist eine Marionette"


Während seines Paris-Aufenthalts hat Robert Redford die amerikanische Politik und Präsident George W. Bush kritisiert.


Der Schauspieler und Regisseur hält sich mit seiner Meinung über US-Präsident Geordge W. Bush nicht zurück.

„Bush ist eine Marionette“, so wie es Ronald Reagan gewesen sei, sagte Redford der französischen Tageszeitung Liberation.

Reagan sei jedoch wenigstens intelligent und ein Charmeur, „er konnte Politik verkaufen“.

„Amerikanische Politik ist unmoralisch“

Bush dagegen habe keinerlei Charisma, „und ich gehe immer noch davon aus, dass er nicht wirklich gewählt worden ist“, sagte der 63-Jährige.

Die amerikanische Politik ist seiner Meinung nach nur noch zynischer und unmoralischer geworden. „Wir laufen manchmal Gefahr, uns einem totalitären System anzunähern.“

Redford war zum Frankreich-Start seines Fims „Die Legende von Bagger Vance“ nach Paris gereist.

Aus der SZ

Gruß Stormy
na da haben wohl einige umweltgurus immer noch nicht verwunden , dass die amis cleverer sind als wir deutschen . die haben null bock , fuer abstruse oeko-forderungen zu blechen . so einfach ist das !"
jungs ,wacht endlich auf!!!!
Caldor - ganz sachlich - glaubst Du nicht, dass wir 6 Mrd. Menschen schonender mit unserer kleinen Weltkugel umgehen müssen - oder hast Du die Zukunft schon abgeschrieben?

Gibt es gefährliche Trends oder bilden wir uns das bloß ein?

Wie ist Deine Meinung? Wie soll sich die Menschheit verhalten? Sind Umweltschutzinvestitionen wirklich von Blödmännern rausgeschmissenes Geld?

Glaubst Du es ist alles o.k. wie es läuft?

Mich interessiert wirklich wie Du zu Deiner Meinung kommst und wie man diese Meinung sachlich begründen kann!

Ich bin gespannt!

Gruß
stormy
Ja Caldor, jetz lass mal die Katze aus dem Sack, Deine Denkweise interessiert mich auch brennend. Sprüche klopfen ist immer ein Leichtes, aber referier mal darüber, wie eine Welt in 50 oder 100 Jahren aussehen kann, wenn ein jeder von heute das Umweltverhalten der Amerikaner und anderer "von hier bis zur nächsten Ecke Denkender" annehmen würde.

Gruß
Glückspfennig
Die Dumpfbacken spielen mit dem Feuer:
USA schicken Kampfjets nach Südchina

Im Streit um Aufklärungsflüge vor Chinas Küste hat US-Präsident George Bush jegliche Zurückhaltung aufgegeben: Jetzt verlegt er einen Flugzeugträger mit Kampfjets ins Südchinesische Meer.


© AP

Soll US-Spionageflugzeuge beschützen: Flugzeugträger "Kitty Hawk"

Washington - Der Flugzeugträger "Kitty Hawk" solle so im Südchinesischen Meer positioniert werden, dass die Flugzeuge US-Aufklärungsflüge unterstützen könnten, berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf die amerikanische Marine. Das Kriegsschiff, das rund 70 Kampfjets an Bord hat, war bislang in Japan stationiert. Derzeit befindet es sich auf dem Weg nach Südchina und ist in der Nähe der Philippinen angelangt. Die aktuelle Position lässt sich auf der Website der "Kitty Hawk" ablesen.
Ab Mittwoch soll der Flugzeugträger im Südchinesischen Meer einsatzbereit sein. Für diesen Tag ist auch ein Gespräch zwischen Vertretern beider Länder über die Kollision eines US-Aufklärungsflugzeugs mit einem chinesischen Abfangjäger geplant. Die amerikanische Besatzung war am 1. April auf der Insel Hainan notgelandet und wurde tagelang festgehalten. Am Samstag kehrten die 21 Männer und drei Frauen in ihre Heimat zurück.

Die Aufklärungsflüge der USA könnten bereits ab Donnerstag in internationalem Luftraum rund 80 Kilometer vor Chinas Küste wieder aufgenommen werden. Bei den für Mittwoch geplanten Beratungen sollte es auch um die Zukunft der amerikanischen Spionageflüge vor Chinas Küste gehen, bei denen es sich nach amerikanischer Darstellung um reine Routine-Flüge in internationalem Luftraum handelt.

Ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums mutmaßte der "Washington Post" zufolge, dass China bei dem Treffen entweder auf einen größeren Abstand der amerikanischen Flugzeuge zu seiner Küste oder auf einen gänzlichen Verzicht auf die Spionageflüge bestehen dürfte. Die USA hingegen wollten die Fortsetzung der Aufklärungsflüge ankündigen. Bestätigungen des Zeitungsberichts von Regierung oder Militär lagen nicht vor.
Hunsinluck, im Dezember hast du mich in diesem thread als Dummschwätzer bezeichnet. Das kannst du jetzt langsam zurücknehmen!

Mich wundert, dass in Amiland nicht langsam Stimmen aufkommen, die diesen präsident wieder von der Macht entfernen wollen - auch aus dem Lager der Republikaner!
Ich denke mir mal, das hat einen ganz einfachen Grund: Die Amerikaner freuen sich auf die angekündigten Steuersenkungen.
Und seine harte Politik gegenüber China hat Bush in Umfragen eher Pluspunkte eingebracht.
Das hängt wohl mit dem Selbstverständnis der US-Amerikaner zusammen.
Fakt ist wohl, daß selbst ehemalige Bush-Kritiker in den USA mittlerweile garnicht mehr so unzufrieden sind.
Die Machtübernahme des Bush-Clans wird zum Desaster für die Welt. Das wird immer klarer. Es ist noch schlimmer und paradoxer als ich bei der Eröffnung dieses threads dachte!
Aus "die Zeit":


Die energierige Nation

Klimafrevler Nummer eins ist Amerika bereits. Jetzt wird der Energiehahn weiter aufgedreht

Von Christian Tenbrock




Foto: A. Vossberg/plus49/Visum
Las Vegas
Vom Highway 191 führt die Schotterpiste geradewegs nach Nordost, rechts und links gesäumt von verstaubtem Steppengewächs. In der Ferne ragen die Ausläufer großer Dünen auf, dahinter ein kantiges Tafelgebirge. Am Boden deuten weiße Flecken auf Salz, in den Bergen auf Schnee. 2200 Meter über dem Meer ist die Luft trocken und glasklar. Mitunter grasen wilde Pferde zwischen den Beifußbüschen, Adler und Habichte kreisen am Himmel.

Die Jack Morrow Hills bedecken 25 000 Quadratkilometer Hochebene in der Südwestecke des amerikanischen Bundesstaates Wyoming. Manche Karten verzeichnen sie als "rote Wüste". Dem Auge bietet das kahle Land wenig. Doch seit im fernen Washington der Republikaner George Bush regiert, schauen viele hin: Die Jack Morrow Hills wurden zum Symbol für das Schicksal des amerikanischen Natur- wie auch des weltweiten Klimaschutzes.

Aus der roten Wüste sollen Bohrtürme in den Himmel wachsen. Obwohl die Vereinigten Staaten pro Kopf mehr Energie verbrauchen als fast jede andere Nation, glaubt Bush, den amerikanischen Appetit auf Öl und Gas sogar noch steigern zu müssen. "Wir haben eine Energiekrise", lautet die Diagnose des ehemaligen texanischen Ölmanns. Seine Therapie: Mehr fördern, damit mehr verbraucht werden kann.

Dass Bush das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz für "tot" erklärte, war nur der erste Schritt. Schon der sorgte für Aufruhr in der Welt - "nicht gerecht", "sehr besorgniserregend", "arrogant" lauteten noch die freundlichsten Kommentare - und trug dazu bei, dass die USA gerade ihren Sitz in zwei wichtigen UN-Gremien verloren. Jetzt wird der Umweltschutz auch im eigenen Land aufs Korn genommen. Viele Amerikaner verstehen den Herrn im Weißen Haus nicht mehr. Zwei Drittel der Bevölkerung, so eine Umfrage von Time und CNN, verlangen deutliche Schritte zur Reduktion der Treibhausgase. Und sieben Spitzenvertreter einflussreicher Religionsgemeinschaften äußerten jüngst ihre "höchste Sorge, dass unser jetziger Kurs die Lebensqualität für die Schöpfung Gottes und Gottes Kinder bedroht".

Ganz zu schweigen von den Geschöpfen, die nicht der Gattung Homo sapiens angehören. Irgendwo unter dem Tafelgebirge der Jack Morrow Hills steht eine 1000-köpfige Herde rarer Wüstenelche. Der Beifuß wächst mancherorts über drei Meter hoch und bietet einer seltenen Sorte Wüstenhühner Schutz. Nirgendwo sonst in den USA sind die Wanderdünen größer als hier. "Dieses Land", sagt in der Kleinstadt Lander am Nordrand der Hochebene der ehemalige Naturkundelehrer Tom Bell, "ist einmalig, unbezahlbar: Die Wirtschaft hat hier nichts zu suchen."

Das Motto: Bohren und Graben

"Die Wirtschaft" sieht das anders. Seit sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über den Oregon Trail nach Westen vordrangen, weiden Rancher ihre Rinder und Schafe in den Jack Morrow Hills. Kohle und Gas ziehen kleine und große Energiefirmen an. Schon jetzt haben sich ihre Bohrgeräte an mehr als 60 Stellen drei- bis viertausend Meter tief in die Erde gefressen; das ständige Rattern von Pumpen und Generatoren zerschneidet die Wüstenstille. Wo die Gaspipelines vergraben wurden, trägt die Erde Narben.

Als in Washington Bill Clinton das Sagen hatte, wollte er die Erschließung weiterer Gasfelder in den Jack Morrow Hills verhindern und Naturschutzgebiete weiter ausbauen. Noch im Dezember vergangenen Jahres wurde das für Staatsland zuständige Bureau for Land Management (BLM) angewiesen, auch in der roten Wüste der Ökologie Vorrang einzuräumen. Anders Bush: Auch in bislang geschützten Regionen der Vereinigten Staaten soll gebohrt und gegraben werden, um Amerikas Energiehunger zu stillen.

Höhere Produktion und mehr Konsum - oder aber mehr Sparsamkeit und bessere Effizienz: So lautet die Alternative in der nationalen Energiepolitik. Bush weiß, auf wen er hört: auf die Ökofalken. Seit er im Januar ins Weiße Haus einzog, hat er alles gesagt und getan, damit Bergleute, Öl- und Gasproduzenten sowie die Stromerzeuger künftig freiere Hand haben werden. Steigende Energiepreise und die Stromkrise in Kalifornien liefern ihm scheinbar Argumente. Dass in dem Bundesstaat am Pazifik ab und zu die Lichter ausgehen, hat zwar weniger mit knappen Rohstoffen zu tun als vielmehr damit, dass die Deregulierung des Strommarkts fehlschlug und zu wenig Kraftwerke im Dienst stehen. Doch Bush erklärte Kaliforniens Misere zum Energienotstand des ganzen Landes. Auch den wichtigsten Schurken hatte der Präsident schnell ausgemacht: zu strengen Umweltschutz.

Also weniger grüne Politik, Erleichterungen für die Energiebranche, mehr amerikanisches Öl und Gas, vielleicht sogar neue Atomkraftwerke. Schon Amerikas Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll begründete Bush mit vermeintlich zu hohen Belastungen für die US-Wirtschaft, vor allem für die Kohlekraftwerke, die 50 Prozent des US-Stroms erzeugen. Bushs Vize Dick Cheney, Leiter einer Energiekommission des Präsidenten und bis zum vergangenen Jahr Chef des Öl- und Gasausrüsters Halliburton, kündigte dazu Ende April Schritte an, die fast ausschließlich das Energieangebot ausweiten sollen - zum Beispiel den Bau neuer Raffinerien und Gaspipelines. Auch ein riesiges Naturschutzgebiet im Norden Alaskas will Bush für die Ölförderung freigeben. Mit diesem Vorhaben dürfte er scheitern; der Widerstand reicht bis in die Reihen der republikanischen Partei. Bisher gesperrte Staatsforste und Schutzgebiete entlang der Rocky Mountains sollen jedoch für Bohr- und Förderfirmen geöffnet werden - auch, wie die New York Times erfahren haben will, die Jack Morrow Hills.

Tatsächlich sollen 95 Prozent aller neu geplanten Kraftwerke in den USA mit Erdgas befeuert werden; die Nachfrage nach dem relativ sauberen Rohstoff wird in den nächsten zehn Jahren um fast ein Drittel zunehmen. Der Löwenanteil aller Gasvorkommen aber findet sich in den Rocky Mountains. Experten des Energieministeriums kamen 1999 zu dem Schluss, dass allein unter bisher nur beschränkt zugänglichem öffentlichem Land zwischen Montana im Norden und New Mexico im Süden 39 Billionen Kubikmeter Gas liegen, genug, um die USA für sechs Jahre zu versorgen.

Eine Renaissance der Atomkraft?

Dazu kommt eine boomende Nachfrage. Sparen die Amerikaner nicht endlich Energie, werde bis zum Jahr 2010 "schon das Wachstum des Strombedarfs in den USA höher sein als das, was England und Frankreich derzeit insgesamt verbrauchen", schätzt der Fachmann Ed Tirello von der Deutschen Bank in New York. Sparen? Amerikas Energieminister Spencer Abraham schließt daraus schlicht, dass bis 2020 insgesamt 1300 neue Kraftwerke gebaut werden müssen, notfalls auch nukleare. "Wer etwas gegen schädliche Emissionen tun will", wiederholte der Ölveteran Dick Cheney vorsorglich bereits das alte Argument der Nuklearbranche, "muss Atomkraftwerke bauen."

Umweltschützer wehren sich gegen die Pläne des Präsidenten. Naturschutzgebiete für die Öl- und Gasförderung zu öffnen sei absurd, weil in ungeschützten und weniger sensiblen Regionen "genug für den Konsum der nächsten vier Jahrzehnte vorhanden ist", argumentiert David Elberswerth, Sprecher der Washingtoner Wilderness Society. Schon heute sind 90 Prozent des Staatslandes für die Wirtschaft ungehindert zugänglich; an rund 50 000 Stellen wird Gas gefördert. Allein im Südwesten Wyomings sollen - außerhalb der Jack Morrow Hills - bis 2010 zwischen 10 000 und 15 000 Pumpen ans Netz gehen.

Alte Kämpfer wie der 77-jährige Tom Bell fragen sich, warum "in Washington so wenig über Energiesparen, Effizienz und alternative Energiequellen geredet wird". Wind, Sonne und Erdwärme tragen in den USA nur 2,6 Prozent zur jährlichen Stromproduktion bei. Mit jährlich mehr als 12 000 Kilowattstunden pro Kopf konsumiert außer Kanada und den skandinavischen Staaten kein anderes Land der Welt mehr Elektrizität als die USA. Auch im Spritverbrauch sind die Amerikaner Weltspitze. Sparsamkeit wird im Land der Leichtbauweise und des billigen Benzins nicht sonderlich geschätzt.

Im Gegenteil: Schon kurz nach seinem Amtsantritt setzte Bush eine Verfügung außer Kraft, mit der die Clinton-Administration die Hersteller von Klimaanlagen zwingen wollte, ihre Geräte um 30 Prozent effizienter zu machen. Zu teuer für die Verbraucher, befanden die Republikaner und verordneten eine Verringerung des Energiebedarfs um nur 20 Prozent. Während sich die Öl-, Gas- und Kohlebranche weiter über Subventionen in Milliardenhöhe freut, halbierte Bush in seinem Etatentwurf Förderprogramme für alternative Energien. Auch das Forschungsgeld für intelligenteren Energieeinsatz in der Industrie und für die Entwicklung sparsamerer Autos soll radikal gekürzt werden.

Dabei könnte den Präsidenten schon ein Blick in eine von zahlreichen Studien eines Besseren belehren. So fanden fünf staatliche Forschungsinstitute heraus, dass Amerika das Wachstum seines Energiehungers bis zum Jahr 2010 mit marktkonformen Mitteln um rund ein Drittel vermindern könnte - beispielsweise könnten sparsame Autos von Steuern befreit werden. Strengere Effizienzvorschriften für Haushaltsgeräte würden die Stromnachfrage in den nächsten 20 Jahren um ein Achtel reduzieren, fand die Alliance to Save Energy heraus. Auch bei der Stromerzeugung kann gespart werden: Amerikas Kraftwerke, so eine Studie des Energieministeriums, arbeiten mit einem Wirkungsgrad von durchschnittlich lausigen 33 Prozent. Jahr für Jahr vergeuden sie damit potenziell so viel Energie, wie Japan insgesamt konsumiert.

Unternehmer kritisieren Bush

Egal, was Bush sagt: Nicht der Umweltschutz oder ein Mangel an Strom hat Amerikas "Energiekrise" verursacht, sondern eine Nation ohne ökologisches Konzept. Die Amerikaner könnten Energie sparen - wenn sie nur wollten. Der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase ließe sich drastisch senken, wenn Kraftwerke, Autos, Maschinen effizient mit Rohstoffen und Energie umgingen. Mit knapp 5 Prozent der Weltbevölkerung produzieren die USA ein Viertel aller weltweiten CO2-Emissionen; 1998 pusteten die Amerikaner 11,7 Prozent mehr Kohlendioxid in die Luft als 1990, die Europäer dagegen nur 0,6 Prozent. Selbst das Energieministerium erklärte noch im vorletzten Jahr, mit neuen Techniken könne so viel Energie gespart werden, dass die anfänglichen Investitionskosten durch Minderausgaben für Öl und Strom rasch aufgefangen und die Ziele des Kyoto-Protokolls erreicht werden könnten: 7 Prozent weniger Klimafrevel bis um das Jahr 2010.

Viele Manager zwischen New York und San Francisco wissen das besser als die Texas Boys des Präsidenten. Das Pew Center on Global Climate Change, in dem sich 33 Großfirmen zusammengeschlossen haben, hat die Entscheidung Bushs zum Ausstieg aus der Kyoto-Vereinbarung scharf kritisiert. Der Gemischtwarenkonzern United Technology will seinen Energiebedarf bis 2007 um 25 Prozent verringern, der Chemieriese DuPont den Ausstoß an Treibhausgasen bis 2010 freiwillig um 35 Prozent senken. Sogar Amerikas Autofirmen haben gelobt, ihren Sprit fressenden Jeeps und Pickups - immerhin sieben Millionen Fahrzeuge, 40 Prozent des US-Markts - den Riesendurst abzugewöhnen. Die fortschrittlichen unter Amerikas Firmen wollen klimafreundliche Technik entwickeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben. "Es wäre ein Fehler, wenn sich die US-Wirtschaft gegenüber dem Druck (etwas gegen die Erderwärmung zu tun) isolierte", sagt DuPont-Sprecher Tom Jacobs. "Sonst sind uns unsere Konkurrenten am Ende voraus."

So kann Bush den Freunden in der Wirtschaft langfristig gar schaden. Seine Regierung setzt auf Konsum und Produktion - und das Geld, das damit verdient werden kann. Die Regierung Wyomings kann sich freuen: Öl, Gas und Kohle spülen den Großteil der Steuern in die Kasse des eher armen Bundesstaates. Und die Branche bietet gut bezahlte, sichere Arbeitsplätze. Rock Springs, eine 20 000-Seelen-Gemeinde südlich der Jack Morrow Hills, könnte ohne den Bergbau nicht existieren. "Wir würden sterben", sagt John Hay, in dritter Generation Chef der größten örtlichen Bank. Geld, Geld, Geld und Jobs, Jobs, Jobs meint auch Russell Kirlin, Regionalleiter des Gasunternehmens Questar: "Wir sind im Geschäft, um Profite zu machen. Wir konzentrieren uns nicht auf den sparsamen Umgang mit Energie. Wir wollen das Gas aus dem Boden kriegen und es verkaufen."

Amerika, fügt der Manager hinzu, müsse sich entscheiden: Konsum wie gehabt oder Schutz der Natur. Mit George Bush im Weißen Haus ist die Entscheidung wohl gefallen. Befragt, was das für die Jack Morrow Hills bedeuten könnte, zählt Kirlin auf: schwere Maschinen, neue Bohrtürme, zusätzliche Pipelines, mehr Lärm, mehr Menschen. "Viel Hoffnung", sagt in Lander Tom Bell, "habe ich nicht mehr."

stormy meint: Dieser Mann muss von der Macht entfernt werden!
Wenn die panischen Zinssenkungen nicht greifen, wird Bush schwer in die Mangel genommen. So hat die Krise dann doch noch etwas positives!
Bush ein Feuerleger wie einst Kaiser Nero!
Wir müssen eine gefährliche, unvernünftige Energiepolitik der Amerikaner ertragen, weil Bush sich von den Ölgeiern den Wahlkampf finanzieren ließ. Ein heißer, trockener Sommer in den Staaten und die Energiefresser stehen Kopf!
@tensor

Mußt schon etwas mehr bringen als nur zwei dürre Sätzchen, wenn ein sinnvoller Austausch zustandekommen soll!

MfG
Ich will mal ehrlich sein. Im Wesentlichen interessiert mich die Politik nur im Hinblick auf Aktienkurse und Ökothemen sind mir völlig gleichgültig. Bitte nicht böse sein, aber wir haben Meinungsfreiheit.
P.S.
Ökothemen sind mir nur dann gleichgültig, solange sie nicht zu Steuererhöhungen führen. Ich lehne jede weitere Steuererhöhung im Hochsteuerland (Hochsteuerland für Arbeitnehmer meine ich !!!) BR-Deutschland strikt ab.
Was meint ihr?
Wer wird am Ende mehr Tote auf dem Gewissen haben - der niederträchtige Bobenleger von Oklahoma-City (er soll in der Hölle schmoren) oder der Gesundbeter des "american way of life" Mr. Bush?
Letzterem halte ich zu Gute, dass er nicht ahnt was er anrichtet!
@tensor :

bin ueberrascht das hier auch mal einer sachlich schreibt !!
wenn ich das gekeifere einiger ueber den ach so boesen bush hoere , dann kann ich nur den kopf schuetteln !
ich wuerde den laber-schroeder mit seinem hochsteuer-finanzminister eichel und vor allem den oekoguru trittin gerne gegen ihre gegenstuecke aus den usa tauschen !!!!
@tensor :

bin ueberrascht das hier auch mal einer sachlich schreibt !!
wenn ich das gekeifere einiger ueber den ach so boesen bush hoere , dann kann ich nur den kopf schuetteln !
ich wuerde den laber-schroeder mit seinem hochsteuer-finanzminister eichel und vor allem den oekoguru trittin gerne gegen ihre gegenstuecke aus den usa tauschen !!!!
Ja, wenn ich so darüber nachdenke, dann hast Du schon recht.
Viel schlimmer könnte es nicht mehr kommen, vermute ich mal.

Was hälst Du eigentlich davon, daß jetzt auch die SPD mehr oder weniger offen über die Zweiklassen-Medizin nachdenkt?
Für den Terror sind natürlich die Terroristen verantwortlich - aber Bush hat die Gefahr förmlich gesucht. Er trägt Mitschuld weil er die Bestien gereizt hat.

In einer Welt, in der täglich 25000 Kinder verhungern und Rennfahrer 100 Mio verdienen, darf man sich über nichts wundern. Diese Schieflage wird noch viele böse Folgen haben. Bush gehört mit zu den Beschleunigern von Ungleichgewichten bedingt durch eine "NachunsdieSinnflutpolitik"

Wir haben es mit einem dezentralen Netz von tausenden Terroristen und Sympathisanten zu tun. Bush wird jetzt ganz stumpf und undifferenziert ihrgendwo reinschlagen - mit verheerenden Folgen!
Der american way of live, den wir im Prinzip auc in Europa nacheifern ist ein Auslaufmodell. Budh ist ein Beschleuniger der Entwicklung.


FAZ:"Unsere Stärke wird uns nicht helfen" - Susan Sontag über Amerikas Selbstbetrug

Amerika unter Schock: Die falsche Einstimmigkeit der Kommentare / Von Susan Sontag


Als entsetzter und trauriger Amerikanerin und New Yorkerin scheint es mir, als sei Amerika niemals weiter von der Wirklichkeit entfernt gewesen als am letzten Dienstag, dem Tag, an dem ein Übermaß an Wirklichkeit auf uns einstürzte. Das Mißverhältnis zwischen den Ereignissen und der Art und Weise, wie sie aufgenommen und verarbeitet wurden, auf der einen Seite und dem selbstgerechten Blödsinn und den dreisten Täuschungen praktisch aller Politiker (mit Ausnahme von Bürgermeister Giuliani) und Fernsehkommentatoren (ausgenommen Peter Jennings) auf der anderen Seite, ist alarmierend und deprimierend. Die Stimmen, die zuständig sind, wenn es gilt, ein solches Ereignis zu kommentieren, schienen sich zu einer Kampagne verschworen zu haben. Ihr Ziel: die Öffentlichkeit noch mehr zu verdummen.

Wo ist das Eingeständnis, daß es sich nicht um einen "feigen" Angriff auf die "Zivilisation", die "Freiheit", die "Menschlichkeit" oder die "freie Welt" gehandelt hat, sondern um einen Angriff auf die Vereinigten Staaten, die einzige selbsternannte Supermacht der Welt; um einen Angriff, der als Konsequenz der Politik, Interessen und Handlungen der Vereinigten Staaten unternommen wurde? Wie vielen Amerikanern ist bewußt, daß die Amerikaner immer noch Bomben auf den Irak werfen? Und wenn man das Wort "feige" in den Mund nimmt, dann sollte es besser auf jene angewandt werden, die Vergeltungsschläge aus dem Himmel ausführen, und nicht auf jene, die bereit sind, selbst zu sterben, um andere zu töten. Wenn wir von Mut sprechen, der einzigen moralisch neutralen Tugend, dann kann man den Attentätern - was immer sonst auch über sie zu sagen wäre - eines nicht vorwerfen: daß sie Feiglinge seien.

Unsere politische Führung redet uns entschlossen ein, alles sei in Ordnung. Amerika fürchtet sich nicht. Unser Geist ist ungebrochen. "Sie" werden aufgespürt und bestraft werden (wer immer "sie" sind). Wir haben einen Präsidenten, der uns wie ein Roboter immer wieder versichert, daß Amerika nach wie vor aufrecht steht. Von vielen Personen des öffentlichen Lebens, die die Außenpolitik der Regierung Bush noch vor kurzem heftig kritisiert haben, ist jetzt nur noch eines zu hören: daß sie, gemeinsam mit dem gesamten amerikanischen Volk, vereint und furchtlos hinter dem Präsidenten stehen. Die Kommentatoren berichten, daß man sich in psychologischen Zentren um die Trauernden kümmert. Natürlich werden uns keine gräßlichen Bilder davon gezeigt, was den Menschen zugestoßen ist, die im World Trade Center gearbeitet haben. Solche Bilder könnten uns ja entmutigen. Erst zwei Tage später, am Donnerstag (auch hier bildete Bürgermeister Guiliani wieder eine Ausnahme), wurden erste öffentliche Schätzungen über die Zahl der Opfer gewagt.

Es ist uns gesagt worden, daß alles in Ordnung ist oder zumindest wieder in Ordnung kommen wird, obwohl der Dienstag als Tag der Niedertracht in die Geschichte eingehen wird und Amerika sich nun im Krieg befindet. Nichts ist in Ordnung. Und nichts hat dieses Ereignis mit Pearl Harbor gemein. Es wird sehr gründlich nachgedacht werden müssen - und vielleicht hat man ja damit in Washington und anderswo schon begonnen - über das kolossale Versagen der amerikanischen Geheimdienste, die Zukunft der amerikanischen Politik besonders im Nahen Osten und über vernünftige militärische Verteidigungsprogramme für dieses Land. Es ist aber klar zu erkennen, daß unsere Führer - jene, die im Amt sind; jene, die ein Amt begehren; jene, die einmal im Amt waren - sich mit der willfährigen Unterstützung der Medien dazu entschlossen haben, der Öffentlichkeit nicht zuviel Wirklichkeit zuzumuten. Früher haben wir die einstimmig beklatschten und selbstgerechten Platitüden sowjetischer Parteitage verachtet. Die Einstimmigkeit der frömmlerischen, realitätsverzerrenden Rhetorik fast aller Politiker und Kommentatoren in den Medien in diesen letzten Tagen ist einer Demokratie unwürdig.

Unsere politischen Häupter haben uns auch wissen lassen, daß sie ihre Aufgabe als Auftrag zur Manipulation begreifen: Vertrauensbildung und Management von Trauer und Leid. Politik, die Politik einer Demokratie - die Uneinigkeit und Widerspruch zur Folge hat und Offenheit fördert, ist durch Psychotherapie abgelöst worden. Laßt uns gemeinsam trauern. Aber laßt nicht zu, daß wir uns gemeinsam der Dummheit ergeben. Ein Körnchen historischen Bewußtseins könnte uns dabei helfen, das Geschehene und das Kommende zu verstehen. "Unser Land ist stark", wird uns wieder und wieder gesagt. Ich finde dies nicht unbedingt tröstlich. Wer könnte bezweifeln, daß Amerika stark ist? Aber Stärke ist nicht alles, was Amerika jetzt zeigen muß.

Aus dem Amerikanischen von Julika Griem.
@all,

nur eine Welt ohne Hass und Gewalt ist eine gute Welt. Fast alle der 6 Milliarden Menschen sind friedlich. Sie wollen einfach nur leben, ihre Kinder großziehen usw. Egal welchem Kulturkreis, welcher Religion etc. sie angehören. Blinder Hass schadet nur und ist eines zivilisierten Menschen nicht würdig.

Mein aufrichtiges Beieid allen Amerikanern. Ich hoffe inständig, dass sie die w a h r e n Schuldigen finden werden und dann mit der Härte ihres Gesetzes, nach einem ordentlichen Verfahren wohlgemerkt, bestrafen können. Ich vertraue den Amerikanern. Sie haben uns schließlich von den Nazis befreit. Danke Amerika!!! Ich stehe zu stehe zu euch.

Möge diese Welt endlich friedlich werden, denn wer das Schwert wählt, der wird durch das Schwert umkommen. Egal wie groß die Unterschiede in den Weltanschauungen auch immer sind, mindestens ein gewaltfreies Nebeneinander ist mit etwas gutem Willen immer möglich.
Bush will Krieg um Raum für neues Wachstum und eine Galgenfrist für den "ameran way of life" zu erlangen.

"What gose up must come down" aber bitte nicht bei Bush in den Staaten.

Rücksichslose Verbrecher um Rambo Bush und europäischen Schergen möchten sich den Rest des noch verbliebenen Kuchens sichern.

Zwei Dreittel der Menschen dürfen zusehen und müssen auf Abstand - und notfalls auch dezimiert werden. Das ist alles erst der Anfang. Es geht ums Eingemachte. Hans Jonas, Horst Stern, Herbert Gruhl, v. dithfurth, E. Schumacher, D. Meadows, Schmidtheiny uv.a hatten Recht mit ihren Voraussagen. Was wir sehen ist der endkampf des siegestaumeknden Kapitalismus. Wir werden abtürzen wie der neue markt vor ca. 20 Monaten.

Das hatte auch kaum einer für möglich gehalten!

Die Wahl Bush/Gore war eine Schicksakswahl. Mit Gore hätte es noch eine kleine aber reele chance auf ein nachhaltiges Umsteuern gegeben. Bush vrprasst das Tafelsilber und tanzt auf dem Vulkan - um den Tanz zu verlängern ist ihm fast jedes Mittel recht.


Regards
Stormy (expecting stormy times)

Bush muss weg von der Macht sonst droht eine Katastrophe.

Es geht alles noch schneller und tiefgreifender als ich vor einem Jahr erwartet habe.
L I T E R A T U R



Die amerikanische Misere

"Literatur ist ein Medium der Weisheit": Die amerikanische Schrifstellerin Susan Sontag über ihre Liebe zum Roman, das Ende der Utopien und den Angriff der Regierung Bush auf die Verfassung der Freiheit

Von Sacha Verna (Gesprächsführung)



DIE ZEIT: Wieso widmet sich eine der renommiertesten Essayistinnen des 20. Jahrhunderts seit einigen Jahren fast ausschließlich der Literatur?

Susan Sontag: Mein Hauptinteresse galt schon immer der literarischen Arbeit. Mein erstes Buch war ein Roman, The Benefactor, und ich hatte fest vor, weiterhin in erster Linie Belletristik zu schreiben. Die Essays kamen als eine Art Laster, als Ablenkung in mein Leben. Die kulturellen Debatten der späten sechziger Jahre waren so spannend, und das Echo auf meine frühen Essays war so überwältigend, dass ich dazu verführt wurde, mehr solcher Essays zu schreiben. Ich war plötzlich berühmt für etwas, das ich stets als reine Nebenbeschäftigung betrachtet habe. Natürlich stehe ich zu den Essays, manche davon halte ich sogar für hervorragend, aber mein Herzblut habe ich nicht dafür gegeben. Meine wahre Liebe war und ist die Literatur.

ZEIT: Indem Sie nun Romane schreiben, tun Sie also endlich das, was sie eigentlich wollen ...?

Sontag: Genau. Ich vergleiche Romane gern mit Ozeandampfern: Sie bieten Platz für viele verschiedene Passagiere. Wenn ich unbedingt etwas in Form eines Essays ausdrücken möchte, kann ich das auch in einem Roman tun. Einige der größten Romanciers - Balzac, Thomas Mann, Tolstoj, Proust oder Musil - haben dies bewiesen. Tatsächlich halte ich meine beiden letzten Romane, Der Liebhaber des Vulkans und In Amerika, sowie jenen, an dem ich derzeit arbeite, für die besten Bücher, die ich je geschrieben habe.

ZEIT: In Amerika spielt wie Der Liebhaber des Vulkans in der Vergangenheit. Sind Sie nicht mehr an der Gegenwart interessiert?

Sontag: Dahinter steckt keine Absicht. Ich habe einfach gemerkt, dass ich als Erzählerin mehr Freiheiten habe, wenn ich die Geschichten in der Vergangenheit ansiedle. Nehmen Sie die romantische Liebe zwischen den beiden Protagonisten Marina und Ryszard: Ließe ich diese Beziehung im New York von 2002 spielen, würde ich sofort in diesen modernen Skeptizismus hineingeraten, mit dem sich heute jeder Schriftsteller herumschlägt, sobald es um zentrale Gefühle geht. Alles muss psychologisch ausgedeutet, jede Regung erklärt oder ironisiert werden. Ich wollte einfach eine romantische Leidenschaft schildern und habe dazu einmal mehr den Trick mit der Vergangenheit benutzt. Dass der Roman in der Vergangenheit spielt, heißt aber nicht, dass er auch von der Vergangenheit handelt. Im Gegenteil: Man schreibt immer über die Gegenwart, man verarbeitet Themen und Materialien, man reagiert auf Ereignisse der Gegenwart.

ZEIT: Ein Thema von In Amerika ist das Scheitern einer Utopie. Marina und ihre Freunde ziehen von Polen nach Kalifornien, um dort eine Kommune zu gründen und sich in Selbstgenügsamkeit zu üben. Das Projekt endet in Streit und Bankrott. Welche gesellschaftliche Bedeutung haben Utopien heute noch, wo eine der letzten großen Utopien, der Kommunismus, endgültig verabschiedet worden ist?

Sontag: Der Kommunismus war nur für jene eine Utopie, die ihn nicht erlebten. Für alle anderen war es die Hölle. Auch mag ich den Begriff Utopie nicht, sprechen wir lieber von Idealismus. Der totale Sieg des Kapitalismus hat viele alarmierende Konsequenzen, und eine davon ist die Zerstörung jeder Art von Idealismus. Der Kapitalismus ist eine Ideologie der Selbstsucht und des falschen Individualismus, sie zerfrisst das menschliche Zusammengehörigkeitsgefühl und provoziert irrationale Gegenreaktionen - den fanatischen Nationalismus in Serbien beispielsweise oder den Dschihad gegen die Moderne in muslimischen Ländern.

ZEIT: In einem Artikel für den New Yorker, der unmittelbar nach dem 11. September erschien, haben Sie ähnlich argumentiert und die Außenpolitik der Vereinigten Staaten mitverantwortlich gemacht für die Anschläge - was einen Sturm der Empörung hervorrief.

Sontag: Das waren vier Abschnitte, die ich in 15 Minuten in einem Berliner Hotelzimmer schrieb, nachdem ich 48 Stunden lang CNN geschaut hatte. Die Reaktionen auf diesen kleinen Text waren völlig unverhältnismäßig, und ich bin die Diskussionen darüber leid.

ZEIT: Als berühmte Intellektuelle mussten Sie aber doch damit rechnen, dass polemische Äußerungen wie diese Aufmerksamkeit erregen würden.

Sontag: Ich bin keine Intellektuelle! Ich sehe mich nicht als Intellektuelle, obwohl ich weiß, dass die ganze Welt mich dafür hält. Ich bin Schriftstellerin, alles andere ist ein Missverständnis. Dass man mich unbedingt mit dem Etikett Intellektuelle versehen will, hängt meiner Ansicht nach mit der Tatsache zusammen, dass ich eine Frau bin. Intelligente Frauen werden nach wie vor als etwas Außergewöhnliches betrachtet. Sobald eine Frau auftaucht, die selbstständig denkt, gut aussieht und den Mund aufmacht, wird sie zum "intellektuellen" Star stilisiert. Mich hat man als "neue Simone de Beauvoir" bezeichnet, und nun bin ich in dem Alter, wo ich die Krönung von "neuen Susan Sontags" erlebe. Solche Kategorien sind doch vollkommen bedeutungslos.

ZEIT: Dennoch existiert der Begriff "Intellektuelle" für eine zugegebenermaßen vage definierte gesellschaftliche Gruppe. Über die Rolle dieser Gruppe würde ich gern mit Ihnen sprechen. Der amerikanische Rechtsgelehrte und Richter Richard A. Posner hat kürzlich ein Buch veröffentlicht mit dem vielsagenden Titel The Public Intellectuals: A Study of Decline - beobachten Sie diesen Niedergang ebenfalls?

Sontag: Posners Buch ist ein dreckiges Schmierenstück, über das man kein Wort verlieren sollte. Wenn einer wie er eine Rangliste von so genannten Intellektuellen aufstellt und Henry Kissinger auf Platz Nummer eins setzt, dann disqualifiziert er sich doch selbst. Henry Kissinger ist Amerikas Milocevic. Das Thema interessiert mich nicht, ich kann Ihnen dazu nichts weiter sagen.

ZEIT: Dann lassen Sie uns über einen anderen Begriff reden, über einen Begriff, den Sie geprägt haben, nämlich "camp" ...

Sontag: Stopp, stopp, stopp, das geht in die falsche Richtung. Ich habe vor 40 Jahren einmal einige Notizen veröffentlicht über ein Phänomen, eine ästhetische Haltung, die nach dem Prinzip "Das ist toll, weil es so schrecklich ist" funktioniert. Das war während zwei Sommerwochen in Paris, und ich habe seither nie wieder einen Gedanken an diesen Text verschwendet.

ZEIT: Ich möchte trotzdem bei diesem Thema bleiben. In den späten neunziger Jahren kam eine Art campscher Ästhetizismus wieder sehr in Mode. Man feierte die totale Künstlichkeit einer Lara Croft, man machte Kitsch zum Kult, wie es etwa das Revival der totgesagten Popgruppe Abba zeigte. Nach dem 11. September scheint diese stets leicht ironische Weltwahrnehmung fehl am Platz zu sein.

Sontag: Reden Sie über das Leben auf dem Mars? Ich verstehe nichts von dem, was Sie da erzählen. Ich glaube nicht, dass zwischen dem Zynismus und dem Materialismus der Neunziger und camp irgendein Zusammenhang besteht. Die Veränderungen, die der 11. September mit sich gebracht hat, sind politischer Natur und haben nichts mit camp zu tun, sondern mit Mr. Ashcroft, Mr. Rumsfeld, Mr. Cheney und Mr. Bush. Seit dem 11. September sind in diesem Land nach und nach die fundamentalsten Bürgerrechte für nichtig erklärt worden. Wir haben einen Justizminister, für den der traditionelle verfassungsrechtliche Schutz von Bürgern und Nichtbürgern der Vereinigten Staaten nicht zählt. Hier dürfen nun Ausländer, meist ohne das Wissen der Öffentlichkeit, ins Gefängnis gesteckt werden unter dem Vorwand, sie stellten eine Gefahr für die Innere Sicherheit darf. Dann gibt es da diesen jungen Kalifornier, John Walker Lind, der mit den Taliban konspiriert haben soll und von amerikanischen Soldaten brutal misshandelt wurde. Ashcroft erklärte, dieser Mann habe sich mit Kräften verbündet, die nicht an unsere Werte glaubten, und verdiene deshalb keine menschenwürdige Behandlung. Das ist die radikalste faschistische Verleugnung des amerikanischen Rechtssystems, die man sich vorstellen kann. Unser Justizminister hat das Grundprinzip der amerikanischen Verfassung nicht begriffen, die jedem Individuum Schutz garantiert, egal, ob es sich dabei um einen Nazi, einen Rassisten oder einen Serienkiller handelt.

ZEIT: Sie sprechen vom USA Patriotic Act, der der Regierung weitreichende Kompetenzen im Kampf gegen den Terrorismus erlaubt.

Sontag: Ich spreche vom Zusammenbruch eines Rechtssystems. Die Bush-Administration steckt voller Reaktionäre, die in nie dagewesener Weise in die Verfassung eingreifen, weil wir uns angeblich im Krieg befinden gegen einen unsichtbaren allgegenwärtigen Feind. Schauen Sie sich um: Haben Sie den Eindruck, wir befänden uns im Krieg? Ich weiß, was Krieg bedeutet, ich habe Sarajevo im Belagerungszustand erlebt, und ich sage Ihnen: Das hier hat mit Repression und nichts mit Krieg zu tun.

ZEIT: Es ist Kriegsrhetorik ...

Sontag: Rhetorik, genau, schlimmste Propaganda. Unsere Politiker versuchen die paranoide Vorstellung zu verbreiten, dass die Freiheit der Sicherheit geopfert werden müsse. Ich hasse den Dschihad, den amerikanischen ebenso wie den muslimischen. Ich glaube nicht, dass die Welt in Gut und Böse geteilt werden kann, in Teufel und Gott, in Zivilisation und Barbarei.

ZEIT: Schreiben Sie als Schriftstellerin gegen solche Vereinfachungen an?

Sontag: Ich habe nicht das Bedürfnis, meine Ansichten über die Defizite in der Gesellschaft via Literatur kundzutun. Ich befrachte meine Romane nicht mit moralischen Botschaften, weil ich davon überzeugt bin, dass eine moralische Botschaft allein der Literatur noch keinen Wert verleiht. Schließlich lesen wir die Divina Comedia heute nicht wegen Dantes Kritik am Papsttum. Mich interessiert die Literatur weniger als Medium der Aufklärung denn als Medium der Weisheit. Große Literatur, wie ich sie mir vorstelle, lehrt uns, die Conditio humana besser zu verstehen. Ich möchte meine Zeit dazu verwenden, solche Literatur zu schreiben, und nicht ständig aktuelle Ereignisse kommentieren müssen.

Susan Sontag wurde 1933 in New York geboren, wuchs in Kalifornien auf und lebt nun nach zahlreichen Aufenthalten in Europa. Mit ihren Romanen und kulturkritischen Essays wurde sie rasch einer internationalen Öffentlichkeit bekannt. Als sie im vergangenen Jahr den Jerusalem-Preis erhielt, verband sie ihre Dankesrede mit einer heftigen Kritik an der israelischen Besatzungspolitik in den Palästinenser-Gebieten.
Für ihren jüngsten, am 26. Februar im Hanser Verlag auf Deutsch erscheinenden Roman "In Amerika" (aus dem Amerikanischen von Eike Schönfeld, 480 S., 24,90 Euro) wurde Susan Sontag mit dem National Book Award ausgezeichnet
USA provozieren globalen Handelsstreit

US-Präsident George W. Bush hat am Dienstag zum Schutz der US-Stahlbranche Importzölle von bis zu 30 Prozent für die meisten Stahlerzeugnisse verhängt. Damit zeichnet sich ein Handelsstreit zwischen der USA und dem Rest der Welt ab.


DPA

Stahlkocher bei ThyssenKrupp: Auch das deutsche Unternehmen ist betroffen


Washington/Brüssel - Die EU kündigte unmittelbar Beschwerde gegen die Zölle bei der Welthandelsorganisation (WTO) an. Bush sagte in Washington, die Importabgaben auf zehn verschiedene Stahlproduktgruppen reichten je nach Erzeugnis von 8 bis 30 Prozent und würden vom 20. März an für drei Jahre wirksam. "Dieser Erlass wird den Stahlarbeitern, von der Stahlindustrie abhängigen Kommunen und der US-Stahlbranche helfen, ohne unserer Wirtschaft zu schaden", sagte Bush.
Betroffen sind unter anderem Einfuhren aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Brasilien, Südkorea, der Türkei, Russland, China und Australien. Erwartungsgemäß sparte Bush Stahllieferungen aus Kanada und Mexiko wegen der Partnerschaft im Nordamerikanischen Freihandelsabkommen aus. Auch Stahleinfuhren aus Entwicklungsländern, die zusammen weniger als drei Prozent der gesamten Stahlimporte in die USA ausmachen, sind den Angaben zufolge von den Zöllen nicht betroffen.

EU kündigt Beschwerde bei der WTO an

EU-Handelskommissar Pascal Lamy erklärte am Dienstagabend unmittelbar nach Bushs Ankündigung: "Die Entscheidung der USA, auf den Weg des Protektionismus zurückzukehren, ist ein schwerer Rückschlag für das Welthandelssystem." Die EU werde in jedem Fall sofort Beschwerde bei der WTO in Genf gegen diese eindeutige Verletzung der Welthandelsregeln einlegen und alle erforderlichen Maßnahmen zum Schutz des eigenen Marktes ergreifen. Lamy befürchte, der Schritt der USA könnte das Ende für alle Hoffnungen auf eine internationale Lösung von Überkapazitätsproblemen in der Weltstahlindustrie darstellen.

Ein Sprecher der EU-Kommission hatte bereits im Vorfeld der Entscheidung Bushs gesagt, zweifellos beeinflussten Einschränkungen des Handels die Beziehungen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten. Es sei in beiderseitigem Interesse, die Brüche zwischen den beiden Handelsmächten so gering wie möglich zu halten.


DPA

Produktion bei Saarstahl: Widerstand gegen Stahlzölle aus Europa, Japan, Asien und Südamerika


Auch Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) hatte am Dienstag eine Klage vor der WTO in Aussicht gestellt, sollte Bush sich für die Erhebung der Zölle entscheiden. "Mit der Bush-Entscheidung über Schutzzölle oder Quoten entscheidet sich für die deutsche Stahlindustrie auch, ob die Hoffnung auf eine Konjunkturerholung durch neue Handelshemmnisse konterkariert wird", sagte Müller.

Gegen die von der mächtigen US-Stahllobby geforderten Schutzzölle laufen Stahlunternehmen- und verbände weltweit seit Monaten Sturm. So kündigte auch Japans Handelsminister Takeo Hiranuma Widerstand gegen US-Strafzölle an. Andere große Stahlproduzenten wie Südkorea und Brasilien wollen ebenfalls gegen die neue Handelsbarriere vorgehen. Russland bestellte gar den amerikanischen Botschafter in den Kreml ein.

Nach dem 1974 eingeführten Artikel 201 des US-Handelsgesetzes können US-Branchenverbände Einfuhrbeschränkungen für Importe erwirken, wenn sie nachweisen, dass durch die Einfuhren die Existenz der heimischen Unternehmen gefährdet ist. Die US-Stahlindustrie macht vor allem Importe für die rund 30 Konkurse der vergangenen fünf Jahre verantwortlich. Nach Einschätzung vieler in- wie ausländischer Branchenexperten sind die Probleme der US-Stahlindustrie aber überwiegend hausgemacht. Die Branche leide unter Überkapazitäten, produziere mit veralteten Anlagen und sei insgesamt noch viel zu sehr zersplittert.

Auswirkungen auf deutsche Stahlproduzenten

Von Schutzzöllen der USA wäre der deutsche Stahlprimus ThyssenKrupp Steel mit großer Wahrscheinlichkeit direkt betroffen. "Wir liefern rund 300.000 Tonnen in die USA, meistens feuerverzinkte Feinbleche für die Autoindustrie", sagte ein Unternehmenssprecher. Konzernchef Ekkehard Schulz hofft, noch mit einem blauen Auge davonzukommen. Die intensive Lobbyarbeit in Washington werde sich auszahlen, erklärte er.

Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller Salzgitter AG ist von den drohenden Schutzzöllen auf seiner Produktseite nicht betroffen. Schaden befürchtet das Unternehmen aber durch so genannte umgeleitete Stahlmengen, die von Nicht-EU-Ländern statt auf den US-Markt nun auf den europäischen schwemmen.

Kritik auch in den USA


DPA

Stahlwerk: Bush schützt eine marode Industrie


Die US-Stahlindustrie kann den Bedarf ihrer Autoindustrie an hochwertigem Stahl nach Ansicht der Vereinigung der US-Stahlverbraucher (AIIS) gar nicht decken. Schutzzölle werden der AIIS zufolge bei den Stahlkochern vielleicht Arbeitsplätze sichern, aber bei den dann unter Versorgungsknappheit leidenden, auf Stahl angewiesenen Branchen zu einem massiven Arbeitsplatzabbau führen. In der Stahlindustrie arbeiteten weniger als 200.000 Menschen, während in den Stahl verbrauchenden Industrien über zwölf Millionen Menschen beschäftigt seien.

Gegner der Schutzzölle weisen auch darauf hin, dass die Stahlimporte der USA kontinuierlich zurückgehen. Jüngsten Angaben des US-Handelsministeriums zufolge lagen die Importe 2001 mit 27,4 Millionen Tonnen bereits um 20,6 Prozent unter dem Vorjahr. In Deutschland ist bei den Stahlexporten in die USA seit 1996 ein stetiger Rückgang zu verzeichnen. Im Jahr 2000 betrugen die deutschen Stahlexporte (Produkte, die unter Artikel 201 fallen) gut eine Million Tonnen.
langsan wird doch wirklich klar, dass Bush eine gefährliche Dumpfbacke ist!

Die Welt:

Bush prüft offenbar Atomwaffeneinsatz
Nach einem Zeitungsbericht bereitet das Pentagon Einsatzpläne für sieben Zielländer vor - nicht nur gegen „die Achse des Bösen“, sondern auch gegen Russland und China
Los Angeles - Die US-Regierung bereitet nach einem Bericht der „Los Angeles Times“ Pläne vor, im Notfall Atomwaffen gegen sieben Länder einzusetzen. In einem geheimen Papier werde das Pentagon aufgefordert, Pläne für den Atomwaffeneinsatz in Iran, im Irak und Nordkorea auszuarbeiten, die Bush als „Achse des Bösen“ bezeichnet hatte. Weiter genannt würden Libyen, Syrien, China und Russland, berichtete die Zeitung.

Präsident George W. Bush habe das Pentagon zudem angewiesen, kleinere Atomwaffen für den Einsatz in bestimmten Kampfsituationen zu entwickeln. Das Weiße Haus wollte zu dem Bericht zunächst nicht Stellung nehmen.

In dem Geheimpapier werden nach diesen Angaben zwei mögliche Auslöser für den Einsatz der Atomwaffen genannt: Ein Angriff dieser Länder mit biologischen, chemischen und Atomwaffen oder „im Fall überraschender militärischer Entwicklungen“. Nach Angaben der Zeitung gab es zu Zeiten des Kalten Krieges detaillierte Einsatzpläne für Atomwaffen im Falle eines Krieges gegen Russland. Es sei aber das erste Mal, dass das Pentagon eine Liste mit möglichen Zielländern vorbereite.
"La Repubblica", Italien: "Die Katastrophe in Palästina hat die Frage über die Klugheit der Administration (von US-Präsident George) Bush wieder an die Oberfläche kommen lassen. (...) Denn es wird mit jedem Tag eindeutiger, dass die amerikanische Untätigkeit der letzten Monate und die Entscheidung, sich nicht mit der nötigen Energie zwischen die Konfliktparteien zu stellen, den Abgrund geöffnet hat, in den Palästina abgestürzt ist."
zu #1
mr. stormy oder solltest du dich nicht lieber herr stürmisch nennen? offensichtlich scheinst du einen monolog zu führen. no panic, ich kann dich beruhigen, mr. g.w. bush wird seine amtszeit in voller länge beenden und so wie es im moment aussieht dürfte eine wiederwahl sehr wahrscheinlich sein. freue dich also, dann kanst du noch bis 2008 deine anti-amerikanischen gefühle pflegen und ausleben.
Dieser thread ist jetzt ca. 15 Monate alt. Etwa so alt wie die Bush-Administration.

Wenn man einen ersten Trend definiert, kann man feststellen, dass meine Ausgangsbefürchtungen leider noch übertroffen wurden.

Besonders unangenehm überrascht hat mich das devote verhalten unserer rot-grünen Bundesregierung.
Die Pazifisten entdecken die Schießprügel.

Die Weltlage ist ökonomisch, gesellschaftlich und mittelfristig auch ökologisch hoch expolsiv. Wenn die "Dumpfbacken" an der Macht bleiben, wird es für uns alle sehr gefährlich. Wer sich mit Systemen in Grenzbereichen auskennt (Bifurkationspunkt)kann erahnen, an welcher Schwelle wir nach 60 jahren Wohlstand und Frieden nun stehen.
@ elmarion

Sei die sicher das der grossartige und weise Herr Präsident G.W.Bush diese Welt befrieden wird !!!!!!
Er hat eine etwas unkonvetionelle Art, aber das zeichent politische Genies ja meist aus !!
Er wird dafür sorgen das auch Dir ein LICHT aufgeht !!
@ elmarion

freilich. Ich kenn doch meine texanischen Pappenheimer: Grosse Fresse aber Herzensgut und Gerecht !!
Es sieht so aus, als ob Bush prüfen will, wie weit die Araber sich demütigen lassen ! Wenn er sich da mal nicht verrechnet :(
US-AUSSENPOLITIK

Ein gefährliches neues Dogma?

Von Carsten Volkery

Die USA torpedieren laut einer neuen Studie zunehmend internationale Verträge und agieren stattdessen nach dem Recht des Stärkeren. Die Autoren warnen vor den Folgen für die globale Sicherheit.

New York - Dass die Amerikaner gerne Weltpolizist spielen, ist bekannt. Dass sie sich dabei wenig um die internationale Öffentlichkeit scheren, ist auch kein Geheimnis. Doch die Systematik, mit der sie dies unter Präsident George W. Bush betreiben, sei neu und Furcht erregend, sagen die Autoren des amerikanischen Lawyers Committee on Nuclear Policy in einer neuen Studie.
An die Stelle des Gesetzes setze die Bush-Regierung zunehmend das Recht des Stärkeren, lautet die Hauptthese der Studie, die am Donnerstag in Washington veröffentlicht wurde. Damit unterminiere sie die globale Sicherheit, die sie offiziell zu verteidigen vorgibt. Mit ihrer unilateralen Machtpolitik und der Verachtung für internationale Verträge schaffe sie die Grundlagen für eine Welt voller "Diktatur und Chaos".

In dem 188-seitigen Papier wird das Verhalten der US-Regierung in acht wichtigen internationalen Verträgen untersucht. In allen acht Fällen hätten die USA die Vereinbarung "verletzt, kompromittiert oder unterwandert", sagte Nicole Deller, Ko-Autorin der Studie mit dem Titel "Rule of Power or Rule of Law?". Dazu zählen der Vertrag zur Nichtverbreitung von Atomwaffen, der Atomteststopp, der Landminen-Bann, der Abrüstungs-Vertrag zu Interkontinentalraketen (ABM), die Biowaffen-Konvention, das Klimaprotokoll und das Abkommen zur Einrichtung des Internationalen Gerichtshofs.

Einige der Verletzungen hat Präsident Bill Clinton zu verantworten, die meisten jedoch Präsident Bush. Das sei kein Zufall, sagt John Burroughs, Direktor des Lawyers Committee on Nuclear Policy. Der unabhängige "Think Tank" hat die Studie zusammen mit dem Institute for Energy and Environmental Research erarbeitet.

Seit 30 Jahren gebe es im Senat eine starke Minderheit, die gegen internationale Verpflichtungen kämpfe, erklärt Burroughs. Doch erst die "Gingrich-Revolution", benannt nach dem damaligen Republikanerführer Newt Gingrich, habe 1994 dem neuen Konservatismus im Kongress zum Durchbruch verholfen. Mit dem Bush-Team sei diese Ideologie jetzt zum ersten Mal offizielle Regierungsmeinung.

Die Philosophie lässt sich einfach zusammenfassen und ist von verschiedenen Bush-Beratern geäußert worden: Internationale Verträge sind nicht bindend, sondern jederzeit Amerikas politischen Interessen unterzuordnen. "Clinton hat über internationale Verträge noch von Fall zu Fall entschieden, die Bush-Leute hingegen lehnen das Konzept an sich als Einschränkung amerikanischer Souveränität ab", sagt Burroughs.

Ein Beispiel für die neue Mentalität ist die Wiederentdeckung der Atomwaffen. Entgegen internationaler Verträge spielen sie unter Bush wieder eine entscheidende Rolle in der nationalen Verteidigungspolitik. Auch den Atomteststopp unterwandert die Regierung mit der Planung eines Testzentrums für thermonukleare Explosionen. Bei diesem Projekt ist eine deutsche Firma beteiligt. Der Bericht zählt daher auch Deutschland zu den Vertragsbrüchigen.

Als weiteren Beweis für die radikale Bush-Wende führt die Studie den angekündigten Rückzug aus dem ABM-Vertrag von 1972 an. Auch die Ablehnung des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz führe zu einer unsichereren Welt.

Besonders frustrierend sei diese Entwicklung, so Burroughs, weil niemand sie vorhergesehen habe. "Selbst Experten wie ich hatten vor der Wahl keine Ahnung, dass diese Außenpolitik das Markenzeichen der Regierung werden würde." Nach dem Terroranschlag vom 11. September hatte er gehofft, dass die USA nun einen multilateralen Weg gehen würden. Doch das Gegenteil sei eingetreten. Jetzt wird auch ein Alleingang gegen den Irak nicht mehr ausgeschlossen.

Gefährlich sei diese Politik vor allem, weil sie ein schlechtes Beispiel setze, heißt es in dem Report. "Wenn ein mächtiges Land wie die Vereinigten Staaten seine rechtlichen Verpflichtungen nur im Sinne des Eigeninteresses auffasst, werden auch andere Staaten dies zum Anlass nehmen, ihre Verpflichtungen nicht mehr ernst zu nehmen", schreiben die Autoren. Der Trend zum anarchischen Recht des Stärkeren sei umso bedauerlicher, als die USA die Erfinder des internationalen Rechtssystems seien.
P O L I T I K



Big Oil regiert

Unbeirrt vom Enron-Skandal spielt George W. Bush Monopoly in der Energiepolitik

Von Thomas Fischermann



Bob Stempel findet es seit dem 11. September deutlich schwieriger, die Umwelt zu retten. Der ehemalige Chef des Automobilriesen General Motors ist heute der Chairman einer kleinen Firma namens Energy Conversion Devices (ECD), die Brennstoffzellen für umweltfreundliche Autos der Zukunft entwickelt. Zu seinen Präsentationen über die "Wasserstoffwirtschaft" trug Stempel früher immer eine Arbeitsprobe mit sich herum, eine kleine Platte von der Größe einer CD - unscheinbar, aber voll geladen mit Wasserstoff. "Seit ich damit jetzt mehrfach am Flughafen von den Sicherheitskräften gestoppt wurde, lasse ich die zu Hause", sagt Stempel.

Richtig schlimm ist das aber nicht: Der Mann braucht nämlich nicht mehr ganz so viel Überzeugungskraft wie früher. Firmen wie ECD gelten neuerdings sogar als Vorhut im Krieg gegen den Terrorismus. Zwei Drittel der Weltölreserven lagern schließlich ausgerechnet im Nahen Osten - was die öldurstige Supermacht Amerika verletzlich macht. Um die Abhängigkeit von der politisch instabilen Region zu lockern, verkündete US-Energieminister Spencer Abraham bei der Detroiter Automesse sein neuestes Energiesparprogramm: das Freedom Car - ein Vehikel, das von Wasserstoff und Brennstoffzellen angetrieben wird und ganz ohne Benzin auskommt. Technik, wie Stempel sie mitentwickelt.

Die Sache hat allerdings zwei Haken. Erstens will die Bush-Regierung offensichtlich keinen Druck auf die Unternehmen ausüben, schneller zu forschen und zu entwickeln; dem Energiesparprogramm fehlt ein verbindlicher Zeitplan. Und zweitens glaubt nicht einmal Bob Stempel, dass Zellenfahrzeuge in den kommenden zehn Jahren in großer Zahl auf der Straße fahren werden.

"Das Freedom Car verbessert im kommenden Jahrzehnt gar nichts", beschwert sich Steven Nadel, Chef des American Council for an Energy Efficient Economy in Washington. Zumal die Regierung dafür ein anderes Programm aus der Clinton-Ära namens Partnership for a New Generation of Vehicles gestrichen hat. Das sollte herkömmliche Benzinautos sparsamer machen, sehr bald schon.

Für die amerikanischen Klimaschützer passt die Erfahrung mit dem Freedom Car bestens ins Bild. Die Bush-Regierung bekenne sich zwar in Sonntagsreden zum Energiesparen und zur sauberen Luft - aber wenn es hart auf hart komme, gebe sie den Interessen von Big Business den Vorzug. Die einflussreiche Umweltorganisation Natural Resources Defense Council (NRDC) wittert bereits einen "heimlichen Angriff der Bush-Administration" auf die amerikanischen Umweltgesetze.

Heimlich? Tatsächlich macht US-Präsident George W. Bush keinen Hehl aus seiner Geringschätzung des Umweltschutzes. So setzte er dem Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz sein wenig hilfreiches Global Climate Change Program entgegen. Der amerikanische Treibhausgasausstoß darf danach steigen wie bisher.

Um den stromhungrigen Amerikanern mehr Elektrizität zu verschaffen, erklärte die Bush-Administration frühzeitig, dass sie im ganzen Land mindestens 1300, vielleicht aber auch 1900 neue Kraftwerke bauen lassen wolle. Mit Zuschüssen fördert die Regierung inzwischen die besonders schmutzigen Kohlekraftwerke, will womöglich im großen Stil die Atomenergie wiederbeleben und ist wild entschlossen, trotz Sicherheitsbedenken und Terrorgefahr, eine Endlagerstätte für Nuklearmüll durchzupauken. Gleichzeitig versucht die Administration, den Clean Air Act aufzuweichen, der ältere Kraftwerke bei jedem Um- oder Ausbau zu mehr Umweltschutz verpflichtet. Ende Februar trat deshalb der Aufsichtschef der Umweltbehörde EPA, Eric Schaeffer, unter Protest zurück. "Wir kämpfen hier gegen ein Weißes Haus an, das entschlossen zu sein scheint, unsere Regeln zu schwächen", erklärte er.

Zu allem Übel hat Bush junior ein altes Projekt früherer republikanischer Präsidenten neu entdeckt. Er will in einem gigantischen Naturschutzgebiet in Alaska nach Öl bohren lassen - obwohl viele Geologen und selbst einige Ölindustrielle skeptisch sind. Sie hegen nicht nur an der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens Zweifel, sondern auch an der Ergiebigkeit der Ölvorkommen. Die prominenten demokratischen Senatoren Joe Lieberman und John Kerry haben bereits erklärt, dass sie die Wildnis Alaskas bis zum Umfallen verteidigen wollen.

Tatsächlich kann die Administration in der Energie- und Klimapolitik nicht völlig frei schalten und walten. In diesen Wochen beginnen im Senat die Anhörungen über die neuen Energiegesetze - und dort haben die oppositionellen Demokraten die Mehrheit und nicht George Bushs Republikaner. Der Energieökonom Ashok Gupta von NRDC glaubt deshalb, "dass es in diesem Jahr kaum noch zu einer Einigung kommt". Ein Grund: Im Herbst stehen alle Abgeordneten und ein Drittel der Senatoren zur Wahl - und die wissen, dass sich die Mehrheit der Amerikaner gegen das Bohren in Alaska, für den Klimaschutz und gegen die Luftverschmutzung durch Kraftwerke ausspricht.

Vieles geht freilich auch ohne neue Gesetze: Umweltschützer erinnern sich mit Grausen an das Memo, das der frisch gebackene Präsident wenige Wochen nach seinem Amtsantritt an alle Amtsleiter verschickte. In ihm stand, dass noch nicht abgesegnete Amtsvorschriften zugunsten von Natur und Umwelt gestoppt und erneut geprüft werden sollten. John Graham, einflussreicher Direktor in Bushs Office of Management and Budget, wurde danach zum Erzfeind aller Klimaschützer: Der ehemalige Mitarbeiter einer industrienahen Denkfabrik maßregele die Behörden, arbeite eng mit Wirtschaftslobbyisten zusammen und stelle - ganz in ihrem Sinne - eine "Hitliste" vermeintlich unnötiger Ökorichtlinien auf, lautete der Vorwurf. Kurz und knapp: Bush kungele mit der Industrie gegen den Umweltschutz.

Dieser Verdacht der Ökofraktion erhielt kräftig Nahrung, als der texanische Energiegigant Enron zum Jahreswechsel Pleite machte und intimste Verbindungen zwischen der von einer ganzen Reihe ehemaliger Ölmanager durchsetzten Administration und einigen texanischen Ölfirmen offenbar wurden. Tatsächlich stellte sich heraus, dass der Präsident und seine Minister Enron-Chef Ken Lay wiederholt ein offenes Ohr geschenkt hatten, als es um die Neuformulierung der Energiepolitik ging; die Verbindungen zwischen Regierung und Autolobby gelten als ähnlich eng.

Skandale hin oder her: Geändert hat Bush seine Energiepolitik bisher nicht. Dabei rechnen Klimaschützer schon seit Jahren vor, dass die US-Wirtschaft nur einen Bruchteil ihrer Kohle, ihres Öls und ihres elektrischen Stroms verbrauchen würde, wenn sie damit ähnlich sparsam umginge wie andere Industrienationen. Dass sie intelligenter mit Energie umgehen können, wenn sie nur wollen, haben die Amerikaner längst bewiesen: Nach dem Ölschock von 1979 wie auch nach den Blackouts in Kalifornien gelangen ihnen blitzartig spektakuläre Sparerfolge. So wuchs nach Berechnungen des Rocky Mountain Institute das amerikanische Bruttoinlandsprodukt von 1979 bis 1985 um 16 Prozent, während der Ölverbrauch um 15 Prozent fiel.

Ausgeschöpft sind die Möglichkeiten zum Energiesparen damit bei weitem nicht. US-Kraftwerke arbeiten im internationalen Vergleich mit lausigen Wirkungsgraden, amerikanische Waschmaschinen sind besonders ineffizient, fantasielose Stadtplanung sorgt für lange Wege, die mit dem Auto zurückgelegt werden müssen. Gleichwohl ist es politisch schwer, das zu ändern: Höhere Steuern auf Energie zum Beispiel gelten als unpopulär und schlicht nicht durchsetzbar. Bei einer Klimadebatte im Senat Mitte März stellte ein Redner die rhetorische Frage, ob die Amerikaner denn künftig "mit Golfwägelchen durch die Gegend kutschieren sollten".

So kämpfen Advokaten des Klimaschutzes wie die Union of Concerned Scientists (UCS) einen manchmal aussichtslos erscheinenden Kampf. Immerhin argumentieren neuerdings auch sie mit der Terrorismusgefahr. Ihrem jüngsten Appell zum Energiesparen hat die UCS geschickt das Motto "Öl-Sicherheits-Maßnahmen" verpasst: "Im Jahr 2012 könnten wir fast zwei Millionen Barrel pro Tag sparen - dreimal so viel, wie wir im vergangenen Jahr aus dem Irak importiert haben."
UNO-KINDERGIPFEL

Konservative Moralvorstellungen der USA gefährden Erfolg

Von Nicole Janz

Der Weltkindergipfel droht an der starren Haltung der US-Delegation zu scheitern. Im Abschlussdokument dürften keine Formulierungen enthalten sein, die Abtreibung bei Minderjährigen gutheißen. Streit gibt es auch um ein Mindestalter für die Todesstrafe.


DPA

Weltkindergipfel: Während Kinder ihre Wünsche formulieren, stellen sich die USA in geschlossener Sitzung gegen Abtreibung


New York - "Abstinenz ist der einzig sichere Weg, durch Sex übertragbare Krankheiten und frühe Schwangerschaften zu verhindern", hatte Tommy Thompson, Gesundheitsminister der USA, bereits zu Beginn des Weltkindergipfels in New York gesagt. An der konservativen Haltung der US-Delegation hat sich bis Freitag, dem letzten Tag des Treffens, nichts geändert. Die Amerikaner beharren auf ihrer Forderung, ins gemeinsame Abschlussdokument der Konferenz die Missbilligung von Abtreibung hineinzuschreiben.
Im Abschlussdokument sollen mehr als 20 Ziele formuliert werden. Sie sollen die Situation von Kindern verbessern. Dazu gehört etwa die Absicht, bis ins Jahr 2010 die Kindersterblichkeit und Mangelernährung um ein Drittel zu reduzieren und die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen können, zu halbieren. Die Delegation der USA dagegen will in der Abschlusserklärung die Zielvorgaben der Kinderrechtskonvention von 1989 abschwächen.

Während des Gipfels hatten die US-Delegierten hinter verschlossenen Türen kritisiert, dass in einem Entwurf für das Abschlussdokument Formulierungen enthalten seien, die indirekt die Abtreibung bei Minderjährigen ermöglichen würden. Die Worte "Gesundheitsfürsorge im Fortpflanzungsbereich" etwa seien ein verschlüsselter Hinweis darauf.

Streit gibt es auch bei der Frage, ob Kindern gewährleistet werden soll, ihre Menschenrechte einzuklagen. Nach Meinung der USA schwäche das die Position der Eltern. Ebenso strittig ist das Ziel einer großen Mehrheit unter den Uno-Mitgliedsstaaten, dass ein Mindestalter für die Verhängung der Todesstrafe eingeführt werden soll, das weltweit gelten soll.

Die Länder der Europäischen Union weigern sich standhaft, im Aktionsplan des Gipfels auf niedrigere als bisher erreichte Standards zurückzugehen. Der Leiter der Verhandlungen, der deutsche Uno-Botschafter Hanns Schumacher, äußerte sich jedoch zuversichtlich, dass es im letzten Moment noch eine Einigung geben werde. Die Direktorin des Kinderhilfswerks Unicef, Carol Bellamy, hatte bereits im Vorfeld gesagt: "Es kommt nur darauf an, Worte zu finden, mit denen jeder leben kann."

Solche Worte haben die Vertreter der Israelis und Palästinenser auf dem Weltkindergipfel offensichtlich noch nicht gefunden. Sie warfen sich gegenseitig vor, die Rechte von Kindern zu verletzen. Der israelische Justizminister Meir Scheetrit sagte, die palästinensischen Organisationen missbrauchten Kinder und Jugendliche als Selbstmordattentäter - der palästinensische Vertreter beschuldigte die israelische Armee, unzählige Kinder seines Volkes getötet zu haben.

Erste Erfolge gab indes der Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge, Ruud Lubbers, am Rande des Weltkindergipfels bekannt. Nach Berichten über sexuellen Kindesmissbrauch durch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in Afrika seien die Regeln verschärft worden. So sollten künftig nur noch weibliche Helferinnen in Flüchtlingslagern Essen an Mädchen und Frauen verteilen - um zu verhindern, dass Männer Sex verlangen. Auch wurde Mitarbeitern des Flüchtlingshilfswerks UNHCR jeglicher sexueller Kontakt zu Flüchtlingen verboten, wer das nicht befolge, werde entlassen.

Die USA sind neben Somalia das einzige Land, das die 1989 verabschiedeten Uno-Kinderrechtskonventionen noch nicht ratifiziert hat.
Bush, der Globalisierungsgegner

Von Harald Schumann

Die Erpressungspolitik der US-Regierung gegen das Uno-Strafgericht ist keine irrationale Überreaktion, sondern logische Konsequenz einer seit langem verfolgten Politik: Die Vereinigten Staaten verweigern jede Form der Globalisierung, bei der die Regeln nicht in Washington geschrieben werden.


AP

US-Präsident Bush: Weltweit amerikanisches Recht


Nun ist es passiert. Der Fall Vereinigte Staaten von Amerika gegen die Uno steht zur Verhandlung an, und der Ausgang steht auch schon fest: George W. Bush und seine Diplomaten werden gewinnen. Sie werden dem Sicherheitsrat und ihren vermeintlichen Verbündeten in Europa einen Kompromiss abtrotzen, der US-Soldaten grundsätzlich der Rechtsprechung des Internationalen Strafgerichtshofes entzieht. Bereits zwei Tage nach seiner offiziellen Arbeitsaufnahme ist das Uno-Gericht damit grundlegend diskreditiert. Warum sollten afrikanische Despoten oder islamistische Fanatiker und die von ihnen in die Abgründe der Anti-Zivilisation geführten Völker ein Weltgericht akzeptieren, bei dem US-Bürger a priori Straffreiheit genießen?
So sabotiert die Regierung Bush das Weltgericht, und Europas Politiker stehen da wie begossene Pudel. "Irrational" sei die amerikanische Politik, "hysterisch" ihre Furcht vor ungerechtfertigten Anklagen gegen US-Soldaten, heißt es allenthalben. Schlicht "unverständlich" nannte Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin die amerikanische Haltung, schließlich stehe das Land doch wie kein anderes für die Verteidigung von Freiheit und Rechtsstaat.

Doch genau da liegt das Missverständnis. Denn es ist eben nicht amerikanische Politik, den Prinzipien von Rechtsstaat und Demokratie weltweit Geltung zu verschaffen. Das zentrale Ziel der US-Außenpolitik lautet, amerikanischen Bürgern und Unternehmen weltweit amerikanisches Recht zu verschaffen, sonst gar nichts. Und das schon seit langem. Das mag man als Hybris einer ignoranten Supermacht geißeln oder als Realpolitik in einer zusehends chaotischen Welt akzeptieren, es bleibt unbestreitbar.


IN SPIEGEL ONLINE

· Internationaler Strafgerichtshof: Bush-Regierung bleibt auf Krawallkurs (02.07.2002)



Und es bedarf schon großer Naivität, um diese große Linie der US-Politik zu übersehen: vom Klimaschutz bis zum Verbot von Landminen, von Kontrollen gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen bis zur Nahostpolitik, von der Regulierung der Finanzmärkte bis zur Freiheit des Handels - seit Jahren schon verfolgen Amerikas Politiker im Einklang mit ihren Wählern den Grundsatz, keine Regeln mehr zu akzeptieren, die nicht ausschließlich und in eigener Souveränität vom US-Kongress beschlossen und geändert werden können.

Schutzzölle für Amerikas Stahlkocher, ein Verstoß gegen die Welthandelsordnung? Kein Problem, dann muss eben eine Ausnahmeregel her. Internationale Kooperation zur Stilllegung der Steueroasen? Kein Interesse, US-Finanzbehörden erzwingen bilaterale Verträge mit den Cayman Islands und der Schweiz, um Amerikas Steuereintreibern Zugang zu verschaffen, das Steuerfluchtgeschäft der anderen soll die Wall Street ruhig betreiben. Koppelung der Entwicklungshilfe an Demokratie und Menschenrechte, wie zuletzt beim G-8-Gipfel in Kanada gefordert? Niemals, Amerika sucht sich seine Verbündeten nicht nach politischen Idealen, sondern nach taktischen Gesichtspunkten aus, selbst wenn das am Ende stets in dem Ruf endet, Gott schütze uns vor Amerikas Freunden von gestern.

Amerika hat die Lektion der Globalisierung noch vor sich

Vor diesem Hintergrund ist die aggressive Sabotage des Uno-Gerichts keineswegs ein wahlkampfbedingter Ausrutscher, sondern nur konsequent. Sie offenbart nur einmal mehr die fundamentale Differenz zwischen Europa und den Vereinigten Staaten bei der politischen Gestaltung der Globalisierung. Jahrzehntelang waren die USA selbst der Motor der globalen Verschmelzung von Märkten, Informationsflüssen und Kulturen. Doch immer offensichtlicher wird, dass es ausgerechnet die Amerikaner sind, die nun mit den Konsequenzen dieses Prozesses nicht fertig werden.

Denn herausgekommen ist eine globale Interdependenz über alle Grenzen hinweg. Nie war die gegenseitige Abhängigkeit der Völker voneinander größer als heute. Und beinahe täglich wächst damit die Notwendigkeit, dieser Vernetzung klare politische und wirtschaftliche Regeln zu geben, um chaotischen Entwicklungen vorzubeugen. Gleich ob beim Schutz des Klimas, bei der Bekämpfung des Massenelends in Entwicklungsländern, bei der fairen Gestaltung des Welthandels oder beim Kampf gegen den Terrorismus und die Weiterverbreitung von Atomwaffen - keine dieser Aufgaben kann eine Nation alleine bewältigen, sei sie noch so reich und bewaffnet. Und keine Nation wird auf Dauer in Frieden und Sicherheit leben können, wenn diese zentralen Menschheitsprobleme nicht bewältigt werden können, ein Vorhaben, das ohne völkerrechtlich bindende internationale Vereinbarungen völlig unmöglich ist.

Nicht die Stärke der USA, die Schwäche der Europäer ist das Problem

Für die große Mehrheit der Regierungen und Politiker dieser Welt ist das kaum mehr als eine Binsenweisheit, erst recht für die Europäer, die schon lange kaum noch Gesetze machen können, die sie nicht mit ihren EU-Partnern abgesprochen haben. Doch die meisten Amerikaner haben diese Lektion noch vor sich, schließlich waren bislang noch alle Herausforderungen für die USA im Notfall militärisch lösbar. So wird immer offensichtlicher, dass die größten Gegner der Globalisierung heute in Washington regieren, indem sie das Ressentiment ihrer Wähler in das außenpolitische Prinzip "America first" verwandeln und so der Mehrheit der Weltbevölkerung die Früchte der globalen Integration verweigern.

Vor diesem Hintergrund sollten Europas Regierungen die Diskreditierung des Uno-Gerichts in Den Haag als lauten Weckruf verstehen, ihre eigene internationale Politik endlich vom Kopf auf die Füße zu stellen. Vom ständigen Sitz für die EU im Sicherheitsrat über die Bündelung der EU-Stimmen bei Währungsfonds und Weltbank bis zur wirklich gemeinsamen Entwicklungspolitik gegenüber der Dritten Welt gibt es zahllose Ansätze, die brachliegen, weil Europas nationale Zampanos noch immer ihre Kleinstaaterei spielen.

So lassen sie sich ein ums andere Mal von ihrem US-Partner gegeneinander ausspielen und müssen sich im Konfliktfall immer wieder hinter dem breiten Rücken von Uncle Sam verstecken, nur um von diesem stets aufs Neue düpiert zu werden. Würden sie dagegen ernsthaft mit dem gezielten Einsatz von Geld und Diplomatie das Ziel verfolgen, im Streit um die politische Gestaltung der Globalisierung einen zweiten Pol zu schaffen, der langfristige Sicherheit über das kurzfristige Kalkül stellt, würde gewiss auch die US-Politik früher oder später wieder ins Boot steigen. Schließlich waren starke Partner in Washington noch stets willkommen.
Um ihren verschwenderischen "way of life" zu verlängern, gehen die Dumpfbacken über Leichen. Notfalls auch über die von Verbündeten.

Rücksichtlosigkeit und Größenwahn lassen die Amerikaner zu einer wirklichen Gefahr für den Weltfrieden werden.

Es geht nicht um Moral und Bekämpfung des Bösen. Es geht um die Macht und die Eigeninteresen einer elitären, gierigen Clicke.

Wer kann die Hardliner stoppen?
Der pakistanisch-englische Autor Tariq Ali sprach in der Zürcher Schiffbau-Halle über «Kapitalismus und Gerechtigkeit». Wir drucken seine Rede in gekürzter Form.
Von Tariq Ali


Woher kommt der Aufstieg des islamischen Fundamentalismus, den wir seit einiger Zeit erleben? Die Antwort ist relativ einfach: Der fundamentalistische Islam ist ein Ziehkind der Vereinigten Staaten. Während des Kalten Krieges, als die Amerikaner Kommunismus, Nationalismus und die Linken als Feind betrachteten, suchte man in der islamischen Welt nach einer Kraft, auf die man sich stützen konnte. Die Berater der US-Regierung glorifizierten den Islam, denn man brauchte ja einen Verbündeten. In Saudiarabien, dem wichtigsten Verbündeten der Amerikaner in der Region, war der Wahhabismus Staatsreligion, die strengste Richtung des Islam. Die Wahhabiten-Prediger, finanziert durch die Petrodollars, unterstützt von der CIA und der US-Regierung, schwärmten aus und stifteten im Namen ihrer Religion überall Unruhe.

Als kürzlich der Anschlag auf Bali verübt wurde, gab es einen ungeheuren Aufschrei der Empörung. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass weit mehr Indonesier getötet wurden als Australier. Der Anschlag galt nicht einfach den Ungläubigen, sondern auch ihren eigenen Leuten. In Indonesien hat das eine lange Tradition. Dieses Land hatte 1965 die grösste kommunistische Partei ausserhalb des kommunistischen Blocks (und Indonesien ist das grösste islamische Land der Welt). In einem Land, wo diese Partei nicht an der Macht ist, bedeutet das sehr viel. In Russland oder China treten die Leute in die Partei ein, weil sie Karriere machen oder Geld verdienen wollen. In Indonesien war das nicht der Fall. Die beiden grossen Strömungen, Nationalismus und Kommunismus, haben die kleinen islamistischen Gruppen völlig an den Rand gedrängt. Die Jemaa Islamiyah wurde von den Vereinigten Staaten aufgebaut. Die islamistischen Gruppen in Pakistan wurden seit den Fünfzigern über viele Jahre hinweg von den Amerikanern finanziert.

Chemische Waffen aus den USA
Das bringt uns direkt zum Problem Irak. Wo kommt Saddam Hussein eigentlich her? Seine politische Laufbahn begann in der Baath-Partei, einer säkularen sozialistischen Partei. Die CIA verhalf ihm zur Macht, denn er versprach, die Gewerkschaften und die Linke im Irak zu beseitigen. Saddam hat sein Wort gehalten. Dann unterstützten sie ihn im Krieg gegen den Iran. Sie wollten die Mullahs beseitigen, die im Iran an die Macht gekommen waren, nachdem dort (weit gehend dank westlicher Mithilfe) alle säkularen Alternativen zerstört worden waren. In den Fünfzigerjahren gab es im Iran ein säkulares liberal-demokratisches Regime, das die Nationalisierung des Erdöls vorantrieb. Die Briten und Amerikaner stürzten dieses demokratische Regime, setzten den Shah wieder ein, und dann wurden alle freiheitlichen und linken Kräfte im Iran zerschlagen. Die einzigen Türen, die noch offen standen, waren die der Moscheen.

Dass der islamische Klerus so viel Ansehen gewann, leuchtet also ein. Dann schlug Saddam Hussein gegen den Iran los. Die chemischen Waffen, die er dabei einsetzte, kamen aus den Vereinigten Staaten, die biologischen Waffen aus England. Seine Leute wurden in britischen Labors ausgebildet. Kürzlich war in den Zeitungen ein schönes Foto von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld aus den Achtzigerjahren zu sehen, wie er Bagdad besucht, von Saddam begrüsst wird und eine freundschaftliche Botschaft von Reagan überbringt.

Was ist seitdem passiert? Die Interessen der Vereinigten Staaten haben sich verändert. Der einstige Feind aus der Zeit des Kalten Kriegs existiert nicht mehr. Seit 1989 beschäftigt die USA nur eine Frage: Wie können wir unsere militärische und wirtschaftliche Hegemonie in einer Welt bewahren, in der es keine Supermacht mehr gibt, gegen die sich der Rest der Welt mit uns verbündet? Man schafft sich also einen Feind. Osama Bin Laden und seine Leute wurden von den Amerikanern aufgebaut, damit sie in Afghanistan die Russen bekämpften. Ausgebildet wurden sie in der Wüste von Arizona. Das war der Anfang dieser islamistisch-fundamentalistischen Gruppe. Nach Erkenntnissen amerikanischer Geheimdienste hat sie maximal drei- bis viertausend Kämpfer. Stellt diese Gruppe also eine Bedrohung für die mächtigen Vereinigten Staaten dar? Lachhaft! Aber die ganze Welt pflichtet den Amerikanern bei, dass es ein gefährlicher Feind sei. Ich greife Osama Bin Laden und seine Gruppe seit 25 Jahren an. Ebenso Saddam Hussein. Als wir Saddam in den Achtzigerjahren kritisierten, hörte niemand hin, weil er ein Verbündeter des Westens war. Heute werden Politik und Kultur von den Interessen der Supermacht beherrscht. Die Vereinigten Staaten sind die einzige Supermacht - das ist heute eine Tatsache. Die Amerikaner vergleichen sich gern mit dem Römischen Reich. Allerdings waren die Römer zu ihrer Zeit nicht das einzige Imperium. Sie glaubten das zwar, weil sie von der übrigen Welt nicht viel wussten, aber die chinesische Zivilisation existierte schon lange, und es gab auch noch die Perser, die nie völlig unterworfen wurden. Wenn ich in Amerika mit Anhängern von Präsident Bush diskutiere und sie diese Parallele zu Rom ziehen, sage ich immer, dass sie zwei Dinge nicht vergessen sollen: Erstens ist das Römische Reich untergegangen, und zweitens haben die Römer nie verlangt, dass der Rest der Welt sie lieben solle. Ein mächtiges Imperium, das geliebt werden will und sich furchtbar aufregt, wenn das nicht passiert, scheint mir nicht sehr stark zu sein. (Aber ein Imperium ist Amerika natürlich trotzdem, und es tritt zunehmend so auf. Wenn sich Amerika in der Uno nicht durchsetzen kann, dann greift es eben auf die Nato zurück - siehe die Luftangriffe auf Belgrad. Amerika sucht sich seine Helfer, und wenn es sie nicht findet, geht es seinen Weg allein.)

Worum geht es bei dem Krieg gegen den Irak? Um Saddam, weil er ein Diktator ist? Er war ja schon in den Achtzigern ein Diktator, noch brutaler als heute. Das ist bekannt. Bekannt ist auch, dass er biologische Waffen besitzt. Wir wissen, woher er sie hat. Er soll sie wieder hergeben? Bitten Sie ihn! Vielleicht gibt er die Waffen zurück, weil er nicht will, dass das Land zerstört wird. Er wird die Waffen wahrscheinlich zurückgeben. Es heisst, er sei im Stande, innerhalb von drei Jahren eine einsatzfähige Atombombe zu bauen. Viele Physikstudenten und Laboratorien in der westlichen Welt können das. Die Frage ist, wird er die Bombe bauen? Dazu braucht er sehr viel mehr, als er zurzeit besitzt. Aber inzwischen sind wir so weit, dass alle Welt darüber diskutiert, warum es einen Krieg gegen den Irak geben soll. All diese törichten Gründe, und plötzlich verkündet Nordkorea: Wir haben Atomwaffen, wir können sie auch einsetzen. Wie reagiert nun unsere Supermacht? Was sagen George W. Bush und seine früheren Erdölbosse? Colin Powell erklärt: Wir werden die Angelegenheit diplomatisch regeln. Ausgezeichnet! Was bleibt den Amerikanern auch anderes übrig. Sie haben 50 000 Soldaten in Südkorea stationiert, die bei einem nuklearen Schlag der Nordkoreaner als Erste getroffen würden. Dass die Amerikaner aber nicht sonderlich nervös reagieren, liegt an zwei anderen Gründen: Nordkorea hat kein Öl, und es hat kein Israel. Aus dieser Richtung nämlich, von den grossen Erdölgesellschaften, kommt der Druck auf die amerikanische Regierung, wie gegen Saddam vorgegangen werden soll. Es wird ja ganz offen darüber gesprochen, welches Unternehmen den Irak bekommt. Irgendein Schlaumeier von einem der Thinktanks sagt, das irakische Öl sei in Staatsbesitz, man müsse es also privatisieren, und sobald es privatisiert ist, bekommen die amerikanischen Unternehmen den Löwenanteil. Ahmad al-Jalabi, der Vertreter einer irakischen Oppositionsgruppe, die die Amerikaner seit Jahren finanzieren und aufbauen, hat eingeräumt, dass er mit drei führenden amerikanischen Erdölunternehmen zusammengekommen ist, um über die weitere Entwicklung zu sprechen. Da sollen wir also glauben, dass in der Uno seriös debattiert wird.

Der Kapitalismus und das Eröl
Es geht also um das Erdöl. Jedes Land, das über Erdöl verfügt - Erdöl ist für das Funktionieren des modernen Kapitalismus äusserst wichtig -, will das Monopol darüber haben. Und jedesmal, wenn arabische Regimes über die Verwendung ihres Erdöls selbst bestimmen wollten, wurden sie gestürzt. Die Menschen in diesen Ländern, denen das Öl gehört, werden nicht gefragt. Selbst Osama Bin Laden greift in seinen Videobändern manchmal die saudiarabische Königsfamilie an (das ist sehr komisch, er kennt sie alle aus seiner Kindheit und Jugend) und fragt die saudiarabische Bevölkerung: Wo ist Prinz X, wo ist Prinz Y? Ich werde euch sagen, wo sie sind. Sie sind in den europäischen Spielkasinos, in Monte Carlo, in London, und verjubeln dort euren Erdölreichtum. Das hat natürlich Auswirkungen. Was will er mit dem Öl anfangen? Er will es privatisieren. Die wirtschaftspolitischen Vorstellungen Bin Ladens unterscheiden sich nicht sonderlich von denen der Weltbank. Auch er glaubt an den Neoliberalismus. Und er ist der Ansicht, das saudiarabische Öl sollte von kleinen Unternehmen kontrolliert werden. Das ist natürlich ein Traum, denn wenn das einträte, würden sofort die grossen Konzerne einschreiten.

Diese Länder, die nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs in der arabischen Welt gegründet wurden, waren nie richtige Staaten. Sie wurden von Erdölgesellschaften gegründet. Saudiarabien wurde von Aramco geschaffen, der Irak von British Petroleum. Dann entstanden überall am Golf diese kleinen Scheichtümer. Warum war Kuwait so wichtig damals, im Golfkrieg? Wegen des Erdöls. Die grossen amerikanischen Unternehmen sind schon immer so vorgegangen und nicht nur, wenn es um Erdöl ging. Wenn man die Geschichte des amerikanischen Imperiums im 19. und 20. Jahrhundert verfolgt, dann sieht man, dass mit Lateinamerika nicht viel anders umgesprungen wurde. Wenn den Amerikanern nicht gefiel, wie sich ein Land gegenüber den amerikanischen Konzernen verhielt, dann sind sie einmarschiert. Erstaunlicherweise hat nur Kuba überlebt. Dort sind die Amerikaner gescheitert, vielleicht war es auch eine andere historische Konstellation. Aber so haben sie sich immer gegenüber Lateinamerika verhalten. Übrigens war das auch der Grund, weshalb es nach dem 11. September die grössten Jubelfeiern in Lateinamerika gab. Darüber wurde in den Medien nicht berichtet, weil es peinlich ist. Man stelle sich diese Länder vor - brutale Militärdiktaturen -, dann versteht man: Die Menschen haben nicht über den Tod von Zivilisten gejubelt. Sie dachten nur: Wieso interessiert es niemanden, wenn bei uns Zivilisten ermordet werden? Wenn amerikanische Zivilisten umkommen, vergiesst die ganze Welt plötzlich Tränen. Wieso? Die Antwort lautet: Weil Amerika ein Imperium ist, ein sehr starkes, sehr mächtiges Imperium.

Bush ist auf Blair angewiesen
Heutzutage gibt es keine Alternative zu dieser einen Supermacht. Als die Sowjetunion noch existierte, war das für die Russen selbst natürlich schlecht, aber für die Welt insgesamt war es gut, denn die Konfrontation bot eine Art Schutz. Zwischen den beiden Mächten war Raum, in dem Leute wie wir, die sich keiner Seite zugehörig fühlten, agieren konnten. Dieser Raum ist immer kleiner geworden. Einen Tag nach dem 11. September erklärte Condoleezza Rice, die Sicherheitsberaterin des Präsidenten, vor dem Nationalen Sicherheitsrat: Wir müssen jetzt durchgreifen. Und zwei Tage später wurde schon ein Angriff auf den Irak geplant, obwohl die Geheimdienste sagten, dass der Irak nichts mit dem 11. September zu tun gehabt habe. Amerika benützt also den 11. September, um die Welt neu einzurichten. Die Bush-Doktrin läuft ganz klar darauf hinaus.

Was in Europa passiert, ist ausserordentlich wichtig - auch für die Vereinigten Staaten. Laut amerikanischen Meinungsumfragen sind sechzig, siebzig Prozent der Amerikaner für Krieg, aber auf die Frage «Wären Sie auch dann für einen Krieg gegen den Irak, wenn wir ihn ganz allein führen müssten?» antworten interessanterweise nur dreissig Prozent mit Ja. Deshalb ist Bush auf Blair angewiesen. Und deshalb lacht Blair, denn er merkt, dass er gebraucht wird. Blair hat im Grunde zwei Rollen, die ihm zur Verfügung stehen. In Washington gibt er den grinsenden Discjockey. Zu Hause, wenn er den Menschen erklären will, warum wir Krieg führen müssen, verwandelt er sich in einen Priester. Blair wird von der eigenen Bevölkerung inzwischen abgelehnt, die meisten Menschen sind gegen diesen Krieg. Blair und seine Leute müssen also erstklassige Propaganda betreiben, um die Leute von der Notwendigkeit dieses Krieges zu überzeugen, aber das erklärt auch, weshalb die Amerikaner Blair brauchen. Immer wieder fliegt Blair nach Amerika, tritt im Fernsehen auf, um den Amerikanern zu zeigen, dass sie nicht allein dastehen. Für die Amerikaner ist das interessanterweise sehr wichtig. Sie wollen diesen Krieg nicht allein führen.

Immer neue Forderungen
Sie haben den Krieg in Vietnam allein geführt, und wie dieses Unternehmen endete, ist bekannt. Deshalb hat sich auch Gerhard Schröder im Wahlkampf - wohl aus taktischen Gründen - so vehement gegen einen Irak-Krieg ausgesprochen, schärfer als jeder andere europäische Politiker. Das brachte die Amerikaner nun zur Weissglut. Sie fingen an, Schröder zu beschimpfen. In gewissen Hardliner-Kreisen war die Meinung zu hören, dass man in Deutschland vielleicht einen Regimewechsel herbeiführen solle. Der Begriff «Regimewechsel» ist ja jetzt gross in Mode. Die Amerikaner waren wirklich sehr wütend. Im englischen Fernsehen sage ich immer: Ihr macht so viele Filme über den Zweiten Weltkrieg, über das Dritte Reich. Auf einmal gibt es in Deutschland eine Mehrheit, die pazifistisch ist, dann sagt ihr: Aha, die Deutschen wollen nicht kämpfen. Ihr müsst euch entscheiden! Was für ein Deutschland wollt ihr haben? Die Wahrheit ist, dass Schröder für die europäische Öffentlichkeit spricht. Das ist eine Tatsache. Das ist eine grosse Veränderung. Man sollte das aber nicht überbewerten. Ich glaube, dass die Amerikaner in jedem Fall den Irak angreifen werden. Unabhängig von der Uno oder von dem, was Saddam sagt. Die Amerikaner sind Meister darin. Man schickt die Inspektoren und stellt immer neue Forderungen.

Dem Terrorismus nach dem 11. September wird man nur mit einer kombinierten Vorgehensweise beikommen. Gegen diese drei-, viertausend Mann führt man keinen Krieg (denn dadurch treibt man ihnen nur noch mehr Leute in die Arme), sondern man ergreift vernünftige polizeiliche Fahndungsmassnahmen. Dann nimmt man sie fest, macht ihnen den Prozess, und wenn Beweise vorliegen, verurteilt man sie.

Gleichzeitig braucht es eine politische Lösung für die Probleme im Nahen Osten, die Menschen zu Terroristen machen. Dann wird es immer weniger junge Menschen geben, die zu diesen Mitteln greifen. Wir brauchen also ein Friedensabkommen in Palästina/Israel, und die Sanktionen gegen den Irak müssen aufgehoben werden. Genau das Gegenteil ist eingetreten. Nach dem 11. September konnte sich Ariel Sharon in seinem so genannten Krieg gegen Palästinenser auf die Rückendeckung des Weissen Hauses verlassen. So ging es immer weiter, und jetzt soll der Irak angegriffen werden.

Ein neuer Verbündeter ist der russische Präsident Putin. Man schaue sich nur an, wie er bei der jüngsten Geiselnahme in Moskau reagiert hat. Zwei russische Journalisten, die sich kritisch über Putins Tschetschenien-Politik geäussert haben, sprachen mit den Geiselnehmern und berichteten, sie seien kompromissbereit. Man fordere keineswegs einen sofortigen Rückzug sämtlicher russischer Truppen aus Tschetschenien, nur eine öffentliche Geste. Bloss eine Geste. Aber nein, Putin, brutal wie eh und je, setzt gegen die Geiseln im Theater chemische und biologische Waffen ein. Dann wurden die ersten Lügen verbreitet, und die Krankenhäuser bekamen nicht das entsprechende Gegenmittel. Viele Theaterbesucher starben. Statt die Tschetschenen gefangen zu nehmen, sie vor Gericht zu stellen, mit ihnen zu reden, hat man sie kaltblütig mit Gas liquidiert, wie Gangster. Wenn man genau so vorgeht wie der Gegner - wo ist da der Unterschied?

Europa hat die Pflicht, zu informieren
Und nun wird es also einen Krieg im Irak geben, weil er chemische Waffen und Atomwaffen besitzt. Wo jedermann weiss, dass Israel die einzige Nuklearmacht in der Region ist. Israel kann sich selbst verteidigen. Israel besitzt Atomwaffen und chemische Waffen. Sollte es sich bedroht fühlen, werden die israelischen Politiker diese Waffen einsetzen. Niemand bestreitet das Existenzrecht Israels, die Palästinenser wollen nur ihren eigenen Staat. Sie sind die zweiten Opfer des Holocaust. Niemand interessiert sich für sie. Kritik an der israelischen Politik wird nur von der israelischen Opposition geübt, was in diesem Land sehr mutig ist. Die besten Berichte über die Lage in den besetzten Gebieten kommen von ein, zwei israelischen Zeitungen. Wie lange wird die Welt das noch hinnehmen? Wenn es so weitergeht, werden wird es nicht weniger, sondern mehr Terrorismus geben. Wenn die USA ein arabisches Land besetzen und ein Marionettenregime mit General Tommy Franks als De-facto-Staatsoberhaupt einsetzen, dann werden die Menschen früher oder später aufwachen. Zumal, wenn die Ölgesellschaften auf der Bildfläche erscheinen. So übergeht man die Menschen, sie sind hilflos und verzweifelt. Und aus dieser Verzweiflung erwächst Terrorismus.

Von Mark Twain bis Noam Chomsky
Aber auch in den Vereinigten Staaten gibt es Opposition. Die erste antiimperialistische Liga entstand in den USA. Als es in den 1890er-Jahren auf den Philippinen zu einem antispanischen Aufstand kam und die Amerikaner befürchteten, die Philippinen würden ihren eigenen Weg gehen, haben sie das Land kurzerhand besetzt. Einer der grossen Kritiker war damals Mark Twain. Heute sind es Leute wie Gore Vidal und Noam Chomsky und einige andere, die Kritik üben - viel zu wenige natürlich, aber es gibt sie. Diesen Amerikanern gilt unsere Solidarität. Wenn mir also Antiamerikanismus vorgeworfen wird, kann ich nur sagen, dass ich die amerikanische Regierung und das amerikanische Establishment angreife, die zum Krieg rüsten, aber nicht die amerikanische Bevölkerung. Die meisten Amerikaner wissen gar nicht, was los ist. Sie wollen Bescheid wissen, erfahren aber nichts.

Europa hat also die Pflicht, umfassend zu informieren. Europa bleibt gar nichts anderes übrig. Es kann keine Sanktionen gegen die USA verhängen, aber es kann die Wahrheit sagen. Und die Wahrheit breitet sich aus - das ist das Schöne daran. So kam das Sowjetregime letztlich zu Fall, und so wird auch das amerikanische Imperium einmal implodieren. Ich glaube, es werden die Amerikaner selbst sein, die diesem Imperium ein Ende bereiten.

Quelle:Tagesanzeiger
zu #101
liebes laues lüftchen,

schön das du copy&paste beherrscht. aber was ist deine message? die zitierten personen Gore Vidal und Noam Chomsky geniesen in den staaten einen randgruppen-status. mach dir also keine vergeblichen hoffnungen.
der vergleich des autors zwischem der sowjetunion u. den usa und sein resumee ist kurz gesagt - schwachsinn -.
aber das müsste selbst dir als überzeugten linksradikalen inzwischen klar sein. träum ruhig weiter!
ich gehe davon aus, das dich das ergebnis der kongress- u. senatswahlen ein wenig enttäuscht hat.

p.s. die sprachwahl in deinen beiträgen erinnert mich sehr stark an propaganda-material aus der alten zone oder den pamphleten der k-gruppen in westdeutschland.
@exit4me
Die Masse hat immer recht?
Ausdruck bestimmt den Inhalt?
Wo sind Deine Argumente?
Warum soll man keine Beiträge von "Randgruppen in ein board kopieren? Immer noch besser als inhaltsleere Postings von Weiter-so-strategen.


Viel Spass auf Wolke 7
Die Verbrüderung von Marx & Mohammed hat schon in der Zeit begonnen, als die Akteure der antifreiheitlichen Systeme und ihre Handlanger erkannten, daß sie keine Chance haben würden gegen die effizienteren Systeme des Westens.
Der Erfolgreiche hat viele Neider und Feinde.
Seit Jahrtausenden ist es so und es wird sich kaum ändern.
US-Schriftsteller Kurt Vonnegut über den Irrsinn des US-Präsidenten, Krieg als Volks-Unterhaltung und irritierte Marsmenschen

80 Jahre alt wird er am 11. November, was man ihm wahrlich ansieht. Zerfurcht das Gesicht, zerzaust die Haare, zerzaust auch der Strickpullover: So sitzt Kurt Vonnegut im Atelier gegenüber seiner New Yorker Wohnung. Ein wenig kokettiert er mit der Rolle des Alten, der den Jungen nichts mehr zu sagen hat. Aber wenn man ihn schon mal fragt, gibt er Antwort, nuschelnd zwar, aber ausgiebig. Und er lacht viel - am liebsten über seine eigenen Witze. Um ihn herum hängen Fotos, die seine Frau von ihm gemacht hat - Stationen seines Lebens, Phasen eines Verlebens. Berühmt wurde Vonnegut 1969 mit seinem Bestseller Schlachthof 5. Seither gilt er als prominentester Exponent einer Science Fiction und Zeitgeschichte verbindenden Literatur in den USA. Seine Satire Galapagos, in der sich die Menschen nach einer Virusepidemie in robbenähnliche Wesen verwandeln, gilt als Klassiker, der Roman Breakfast of Champions wurde 1999 von Alan Rudolph verfilmt, mit Bruce Willis und Nick Nolte in den Hauptrollen; zuletzt erschien Suche Traum, biete mich (Hanser Verlag, München 2001), eine Sammlung illustrer Kurzgeschichten, die er um das Jahr 1950 für diverse Zeitungen und Magazine verfasste. Vonnegut, als Sohn eines deutschstämmigen Architekten und einer Bierbrauerstochter in Indianapolis geboren, erlebte die Bombardierung Dresdens im Februar 1945 als Kriegsgefangener in einem Schlachthaus. Nach dem Krieg verdingte er sich unter anderem als Polizeireporter und PR-Mann, seit 1950 als freier Schriftsteller. Er unterrichtete Literatur und Creative Writing an den Universitäten von Iowa, Harvard und New York City. Seit Jahren lebt der Schriftsteller zurückgezogen mit seiner zweiten Frau an der Upper East Side Manhattans. Dann das: 11. September, Krieg, George W. Bush. Kurt Vonnegut, einst lautstarker Kritiker amerikanischen Großmachtgehabes, mischt sich wieder ein. Das Interview führte Jochen Förster.

Glückwunsch zum Jubiläum, Mr. Vonnegut. Wie geht es Ihnen?

Ganz okay. Ich verdiene es nicht zu leben, aber ich tue es. Ich habe nie erwartet, meine Generation zu Grabe zu tragen, aber so ist es: Die meisten meiner Freunde sind tot. Das ist der Nachteil am Altsein. Außerdem kann ich nicht mehr vernünftig einparken. Das nervt.

In jüngster Zeit wirken Sie sehr aktiv, vor allem im Engagement gegen George W. Bushs "War on Terror". Warum auf einmal?

Ich bin nicht gegen Anti-Terror-Maßnahmen. Ich bin gegen den Irak-Krieg und gegen die Mentalität, die dahinter steht. George W. Bush steht für eine Politik, die Entertainment in den Vordergrund stellt. Frieden dagegen ist ziemlich langweilig.

Bush führt Krieg gegen Saddam, um sein Volk zu unterhalten?

Aber ja, das ist sein Job. Aufmerksamkeit zu erzeugen, um jeden Preis Tatkraft zu demonstrieren. Das Fernsehen ist da sehr kooperativ. Natürlich gab es in und um die Twin Towers viele Tragödien, ich will das Leiden nicht schmälern und schon gar nicht die Barbarei der Terroristen entschuldigen. Seltsam ist aber, wie es den Menschen fern von New York ergeht. Unsere Nation ist ein einziger Mitesser. Wir erholen uns seit mehr als einem Jahr von dem, was wir im Fernsehen gesehen haben. Sogar die Menschen in San Diego erholen sich. Wovon? Ich vermute, die meisten erholen sich vom Entertainment.

Sie haben den 11. September 2001 in New York erlebt. Haben Sie kein Verständnis für die Wut, die viele Amerikaner zur Unterstützung des Kriegs gegen den Terror treibt?

Natürlich sind die Leute erschrocken, zornig, aufgebracht und so weiter, aber das rechtfertigt noch nichts. Bei Bush und seinen Anhängern haben wir es dagegen mit fortgeschrittenen Fällen geistigen Irrsinns zu tun. Diese Leute sind komplett verrückt geworden.

Lassen Sie uns über New York reden. Sie selbst leben hier seit mehr als 30 Jahren. Wie hat sich die Stadt seit den Anschlägen verändert?

Ich habe New York noch nie so am Boden erlebt. Wir haben erfahren, wie zerbrechlich unsere Wirtschaftsordnung ist, mit dem Aktienmarkt als ihrem Kern. Alle unsere High Tech-Wunder, unser moderner Geheimdienst, unsere Biowaffen, unsere Weltraumabwehr und der ganze Quatsch haben sich als unnütz erwiesen. Wir sind aus einem Traum erwacht. Bedauerlich, dass sich der Ärger über die geschlossene Börse als am dauerhaftesten erwies.

Die Angst vor Anschlägen ist auch dauerhaft - zuletzt durch die Mord-Serie des "Sniper" rund um Washington. Auf einmal waren auch die Leute auf dem Land, in den Kleinstädten bedroht. Busfahrer. Kinder. Jeder.

Das war schon immer so. In Amerika hat so ziemlich jeder Waffen. Wissen Sie, dies hier ist ein großes Land, es gibt hier Menschen so ziemlich jeder Rasse oder Nationalität. Ich bin auch Amerikaner, aber ich fühle mich nicht bedroht. Worum es geht, sind nicht die schrecklichen Morde, sondern die Antworten, die unsere Politiker darauf geben. Der Beitrag Amerikas zum Weltfrieden wird dabei zu hoch eingeschätzt: Wir haben das Maschinengewehr erfunden, die Atombombe und die Wasserstoffbombe. Und wir sind bis heute die einzige Nation, die verrückt genug war, eine Atombombe über einer Stadt voller Zivilisten abzuwerfen.

Sie gehören zu denen, die den 11. September scheinbar vorhergesehen haben. In Ihrem 1990 erschienen Buch Hokus Pokus beschrieben Sie den Zusammenbruch der Weltordnung im Jahr 2001. In Ihrem jüngsten Roman Zeitbeben, 1997 veröffentlicht, erlebt New York eine fundamentale Krise - ebenfalls 2001.

Ich stelle immer wieder fest, dass die Zeitläufe beständiger sind, als wir denken. Es gibt ständig Ballungspunkte auf der Zeitachse der Welt, nur eben in immer kürzeren Abständen. Neue Technologien können heute von jedem, auch von den verblendetsten Hirnen benutzt werden. Katastrophen sind damit programmiert.

Nehmen wir die üblichen Verdächtigen wie Susan Sontag, Noam Chomsky oder Gore Vidal einmal aus, haben Amerikas Intellektuelle nach dem 11. September zumeist geschwiegen oder sich - bislang eher unüblich - auf die Seite der Republikaner geschlagen. Warum?

Weil wir nicht länger daran glauben, dass wir irgendwohin gelangen. Wir sind ganz offenbar dabei, unseren Planeten zu töten. Wir sind scheußlich, aber es ist uns egal, wir haben ja das Fernsehen, das uns netterweise sagt, was wir als Nächstes zu tun haben. Und Kritik an der Regierungspolitik hat es in den nationalen Sendern zuletzt nie gegeben, stattdessen wurden wir Zeugen einer geistigen Einheitsfront, die in der Geschichte unseres Landes einmalig ist. Die Technologie macht es möglich, dass die Amerikaner heute die Nachrichten aus einem Medium beziehen, das mental gleichgeschaltet ist.

Was ist mit den Demokraten in den großen Sendern?

Unter Entscheidern und Werbeträgern gibt es davon nicht viele.

Machte das einen Unterschied?

Nein. Es ist längst nicht mehr nötig, unliebsame Journalisten aus dem Verkehr zu ziehen - sie werden einfach ausgelagert. Es gibt sie ja, meist in unabhängigen Zeitungen wie The Nation, nur die liest kaum jemand. Die Zeitungen haben gegenüber dem Fernsehen in Amerika mittlerweile einen verschwindend geringen Einfluss. Der Kuwait-Krieg und die Operation Desert Storm haben da große Vorarbeit geleistet. Wir sind heute die letzte industrialisierte Nation mit Todesstrafe, eben weil sie unheimlich unterhaltsam ist.

Sie selbst haben in den vergangenen Jahren den Mund gehalten.

Mich hat niemand gefragt, schon seit Jahren nicht. Ich finde das in Ordnung so. Die Leute waren so stolz und froh, da wollte ich nicht stören.

Nun aber doch. Vor wenigen Wochen lancierten Sie unter dem Titel "Not In Our Name", kurz Nion, einen Aufruf gegen Bushs Politik - mit Susan Sarandon, Laurie Anderson, Brian Eno, Oliver Stone, Terry Gilliam und vielen anderen Prominenten.

Wir wollten zeigen, dass nicht jeder in Amerika die Erstschlag-Politik unserer Regierung akzeptiert.

Sind Sie gegen den Irak-Krieg, weil er keinen Erfolg verspricht, oder verdammen Sie ihn moralisch?

Wir müssen sehr wohl zurückschlagen und alles Nötige tun, uns zu verteidigen. Aber nicht so. Das Motiv für diesen Krieg - der Irak stehe hinter dem internationalen Terrorismus - ist ein Märchen.

Was schlagen Sie vor?

Wir müssen unsere Spionage verbessern. Die arbeitet schlecht. Also macht Bush Krieg, weil er nicht weiß, was das bedeutet. George W. Bush ist ein mittelmäßiger Geist, ein Millionär, der Cowboy spielt. Er sucht Rache und hält etwa die Taliban-Kämpfer für Untermenschen. Krieg aber bedeutet, dass Leute zurückschlagen, das habe ich als Soldat im Zweiten Weltkrieg erlebt, das wissen wir aus Vietnam. The Nation titelte neulich mit der Frage: "Macht dieser Krieg Sie sicherer?" Das bringt es auf den Punkt.

Hielten Sie einen Krieg gegen Irak für gerechtfertigt, wenn erwiesen wäre, dass der Irak Atomwaffen besitzt?

Nein.

Warum?

Weil er sie einsetzen würde. Noch mal: Die Bedrohung durch Saddam ist ein Märchen, das uns Bush erzählt. Vom Geschichtenerzählen verstehe ich was.

Ist die unter Linken sehr populäre Idee, beim Irak-Konflikt gehe es in Wahrheit nur um Öl, nicht auch so ein Märchen?

Zu sagen, es geht nur um Öl, ist vereinfachend. Es geht auch darum. Vor allem aber um die Popularität des Präsidenten mit den Mitteln der Unterhaltung.

Eine weitere Kritik von Nion richtet sich gegen die schleichende Erosion der Bürgerrechte in den USA. Sie vergleichen die Situation bereits mit Senator McCarthys Hexenjagd Anfang der 50er Jahre. Das klingt abstrus.

Keineswegs. In den Verfassungszusätzen der USA steht geschrieben, dass Sie nicht einfach jemanden einsperren dürfen - ohne ihm zu erzählen, warum. Die Regierung aber ergreift die Gunst der Stunde und rechtfertigt willkürliche Festnahmen mit der Terror-Gefahr, die über uns schwebt. McCarthy hat es ähnlich gemacht, nur damals hieß die Gefahr Kommunismus. Es ist für Menschen, die in Amerika leben, heutzutage nicht lustig, wie Araber auszusehen.

Ist die Kultur der Rache auf dem Vormarsch?

Die bei weitem am leichtesten zu schreibende Geschichte - eine, die immer gefällt - handelt von einem Typen, der außer sich ist, weil irgendein Hurensohn seinem Bruder in den Rücken geschossen hat. Wie endet die Geschichte? Er kriegt den Saukerl für einen Silberdollar im Saloon und knallt ihn ab. Das ist die Normalität. Die beiden radikalsten Gedanken, die den Menschen eingefallen sind, lauten demgegenüber e = mc2, also Energie gleich Materie, und "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern". Doch was für ein Mann wärst du, Amerikaner oder nicht, wenn jemand dich zu Tode beleidigte und du nicht im Quadrat springen würdest. Man erwartet es von dir. Es ist zum Verrücktwerden. Ariel Scharon bezieht sich in letzter Zeit gern auf den Kodex des Hammurapi - dabei war dieser humanistisch gemeint. Hammurapi, König der Babylonier, prägte vor mehr als 3000 Jahren den Satz "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Was er meinte, war genau das, so viel und nicht mehr. Töte nicht die Familie des anderen, brenne sein Haus nicht nieder. Aber Rache ist rasch, und George Bush, schlichter Geist der er ist, wird uns alle rächen. Schließlich ist er im Showgeschäft.

Zurzeit ist er der populärste Präsident seit John F. Kennedy. Was hätte er tun sollen - nichts?

Doch, aber er hätte Hammurapi ernst nehmen sollen. Ich halte eine harte, auch militärische Antwort auf die Anschläge nach wie vor für richtig und unausweichlich - aber mit Augenmaß. Stattdessen spielt sich unser Präsident nun zum Rächer aller Gerechten auf und jagt sie nun alle. Er wird den Irak angreifen. Er will sie alle ausrotten.

In Ihrem Roman Breakfast of Champions heißt es, die US-Hegemonie in der Welt gründe vor allem darauf, Dinge aus Flugzeugen zu schmeißen.

Außenpolitik gründet zu einem Gutteil aus der Existenz von Kamikaze-Menschen. Ich habe Ende der 40er Jahre ein Kriegs-Computerspiel erfunden, das hieß "Get the Kaiser" und spielte im Ersten Weltkrieg. Vielleicht sollte ich demnächst ein "Get Bin Laden"-Spiel entwerfen.

Sie haben einmal geschrieben, Ihr Land kenne nur zwei Schimpfworte: Fuck und Kommunismus. Kommt der Islam nun hinzu?

Wie Sie vielleicht bemerkt haben, kann ich mein Land nicht besonders gut leiden, doch von einer Ächtung des Islam kann keine Rede sein. Wir sind eine tolerante Nation, aber eben vergesslich und ein bisschen einfach gestrickt. Wir vergessen zum Beispiel immer mehr, wie viel unser Sozialstaat heute dem Sozialismus verdankt, in Europa mehr noch als bei uns. Als der Zweite Weltkrieg vorbei war und die Nazis besiegt waren, sagten die Deutschen zu uns: "Nun müsst ihr den Sozialismus bekämpfen." Wir sagten: "Nein, wir werden ein wenig werden wie sie, sie ein wenig wie wir." Und genau so kam es.

Derzeit ist Deutschland unter den westlichen Nationen die einzige, die sich strikt gegen einen Irak-Krieg stellt.

Weil die Deutschen wissen, was Krieg ist, dass man ihn verlieren kann. Wie ein Schachspiel - mit schrecklicheren Folgen.

In deutschen Medien war von einer Ächtung Deutschlands durch die Amerikaner die Rede.

Das ist Quatsch. Es gab ein paar Verstimmungen auf Regierungsebene, aber meinem Eindruck nach ist der Respekt vor der deutschen Entscheidung in der Öffentlichkeit relativ hoch. Niemand hasst die Deutschen dafür.

Sie selbst haben deutsche Vorfahren.

Mein Urgroßvater Clemens Vonnegut kam aus Deutschland nach Indianapolis. Leider ist mein Deutsch mies. Vor Jahren habe ich Dresden wieder besucht, und es hat mich unangenehm berührt: die vielen geschlossenen Fabriken, die Depression, die Luxusgeschäfte, die Skinheads. Wir werden uns wahrscheinlich nie von zwei Weltkriegen erholen.

Was fehlt dem Westen aus Ihrer Sicht - etwa Ideologien?

Nun ja, ein bisschen schon. Als ich mit dem Schreiben begann, war viel Hoffnung auf der Welt, man glaubte an ein Ende aller Kriege und die heilsame Wirkung des Zusammenwachsens der Welt. Heute ist die Zukunft der Menschheit eindeutig begrenzt. Die Menschen haben sich damit abgefunden, sie scheren sich längst um andere Dinge. Das ist ein bisschen peinlich, aber wahr.

Immerhin haben Sie Ihrem Volk drei große Leidenschaften bescheinigt: für Waffen, Aktien und Abzeichen.

Ja, und neuerdings für Krieg im Fernsehen. Vielleicht wissen Sie es nicht, aber neulich hielt sich ein Anthropologen-Team vom Mars zu Studienzwecken in den USA auf. Letzte Woche sind sie nach Hause geflogen, weil ihnen die Welt zu heiß wurde. Vor dem Abflug sagte ein Sprecher: "Da sind zwei Dinge in den USA, die wir Marsianer nie kapieren werden. Erstens: Was ist dran an diesen Blow Jobs? Und zweitens: Warum schauen Sie anderen so gern beim Sterben zu?"

Ihren Ruhm verdanken Sie der Verbindung vom zeithistorischem Erzählen und Science Fiction zu einer ironischen, höchst fantasievollen Sozialkritik.

So bin ich nun mal. Ich schreibe nicht so, weil ich diesen Stil für besonders zeitgemäß halte, aber ich habe eine Zeit ausprobiert, um ihn zu finden. Das Problem für einen Schriftsteller ist doch heute: All die alten Bücher gibt es noch immer. Es sind so viele, so gute, es werden immer mehr, in vielen Bereichen kann man es nicht besser machen. Wenn mich junge Leute heute fragen: "Was soll ich lesen?", antworte ich meistens: "Probier`s mit Candide von Voltaire.

Rückblickend können Sie sich rühmen, das Wort Motherfucker in der Literatur eingeführt zu haben.

Schlachthof 5 wurde daraufhin in einigen Dörfern verbrannt. Neulich habe ich gehört, seit es das Wort gebe, sei die Anzahl der Jungs, die von Sex mit ihren Müttern träumen, sprunghaft gestiegen.

Was halten Sie für Ihr bestes Buch?

Das Flaggschiff meiner kleinen Flotte ist vermutlich Cat`s cradle, es bedeutet viel für viele Menschen. Religion spielt darin eine große Rolle. Humanismus, die Genese des Freidenkertums in der amerikanischen Geschichte. Ich bin seit langem Ehrenvorsitzender des amerikanischen Humanistenverbandes.

Sind Sie noch immer Sozialist?

Ja natürlich, ich glaube an ökonomische Gerechtigkeit. Für mich ist dieser Glaube keinesfalls diskreditiert.

Woher nehmen Sie den?

Aus Momenten des Glücks. Vor Jahren nahm mich mein finnischer Verleger einmal mit auf eine Jagdhütte nördlich des Polarkreises. Auf den Sträuchern um die Hütte herum wuchsen Blaubeeren, die haben wir gegessen. Niemand außer uns war da, die Luft war klar, frischer Schnee war gefallen. Es war magisch, so schön, wie das Leben manchmal nur sein kann.

Wird man mit dem Alter pessimistischer?

Nein. Schon meine Vorfahren waren Skeptiker. Ich bin nur mehr enttäuscht. Das Leben tut manchmal ziemlich weh. Schauen Sie auf die 37000 Obdachlosen in New York. Oder auf die vielen Schriftsteller, die besser waren als ich und doch scheiterten.

Schreiben Sie immer noch?

Ich schreibe täglich, aber nicht besonders gut. Ich konkurriere mit mir selbst und komme nicht mehr gegen mich an. Aber das ist normal. Wenn Autoren älter werden, lässt ihre Schaffenskraft nach - Hemingway schrieb zum Schluss ziemlichen Mist. Sehen Sie, ich war über 50 Jahre lang Autor, jetzt denke ich: Bitte, ich habe getan, was ich tun konnte, kann ich jetzt nach Hause gehen? Ich will zurück ins Holz von Indiana, wo ich einst herkam. Ich bin in diesem Land längst verjährt. Und ich bin müde.

Wie stellen Sie sich den Tod vor?

Man schläft einfach ein. Keine schlechte Vorstellung, ich schlafe gern. Schlafen ist wunderbar. Leben dagegen ist ziemlich ungemütlich.

Das Gespräch im Magazin der Frankfurter Rundschau
Wer vorgibt zu glauben, die USA wollten Krieg gegen den Irak führen, weil dessen Präsident Saddam Hussein die Welt mit Massenvernichtungswaffen bedrohe, ist entweder ein Lügner oder naiver Tölpel. In seinem sensationellen, gerade erschienenen Buch "Krieg gegen den Irak" weist der ehemalige UN-Waffeninspekteur Scott Ritter nach: "Es gibt keinerlei Beweise, dass der Irak über funktionstüchtige atomare, biologische oder chemische Massenvernichtungswaffen verfügt." Ernst-Otto Czempiel, emeritierter Professor für internationale Politik, ist auch einer jener Denker, die die wahren Absichten der amerikanischen Politik durchschaut haben. Er warnt vor der "amerikanischen Expansionspolitik". Czempiel, Begründer der deutschen Friedensforschung, warf der Bush-Administration vor, das "mörderische symbolträchtige Signal" des 11. September zum Anlass genommen zu haben, lang gehegte außenpolitische Ziele durchzusetzen, die mit der Bekämpfung des Terrors nichts zu tun hätten.
Le Carrè über die Bush-Junta:

Amerika ist in eine seiner Phasen historischen Wahnsinns eingetreten, aber diese ist meiner Erinnerung nach die schlimmste: schlimmer als der Mcarthyismus, schlimmr als die Schweinebucht-Invasion und langfristig potenziel verheerender als de Vietnam-Krieg.

Mehr im aktuellen Spiegel!
Das Imperium americanum schlägt zurück

Von Jochen Bölsche

Tributpflichtige Vasallenvölker überall in Europa und Asien, ein Weltreich in der Tradition des alten Rom - in der Ära Bush ergeht sich Amerika in imperialen Fantasien. Auf Mitsprache pochende Bündnispartner empfindet die singuläre Supermacht zunehmend als politischen Ballast.

Prompt förderte das kollektive Gedächtnis Amerikas die bösen Worte wieder zu Tage: Kleine "Feiglinge" seien die Franzosen, und "Froschschenkelfresser" obendrein.

AP

Von Gott berufen, "die Welt zum Frieden zu führen": George W. Bush


Seit Frankreich im Nato-Streit an die Seite Deutschlands gerückt ist, überbieten sich US-Zeitungen und US-Politiker mit Schimpfkanonaden auf die Pariser Regierung. Die "New York Post" warf dem Nato-Partner schnöde Undankbarkeit vor: Wären im Zweiten Weltkrieg nicht Zehntausende junger Amerikaner für Frankreichs Freiheit gefallen, würden die Franzosen heute "das Deutschlandlied statt der Marseillaise singen".

Und erst die undankbaren Deutschen, die sich jetzt daran machten, das atlantische Bündnis zu zertrümmerten: Würden sie nicht, wie ein US-Senator zu bedenken gab, ohne die Nato "in einer Sowjetrepublik" leben?

Welch großen Anteil indes amerikanische Arroganz am Zustand der Allianz hatte, blieb dem US-Publikum weitgehend verborgen. Nur wenige liberale Blätter wiesen, wie die "New York Times", nach dem Zerwürfnis auf die Mitverantwortung der Washingtoner Bush-Krieger hin: Sie hätten die "Wer-nicht-für-uns-ist-Doktrin in törichter Weise auf einige unserer wichtigsten Verbündeten" angewandt.

Vielen Europäern wiederum ist entgangen, welch epochaler Klimawandel sich seit dem Amtsantritt von George W. Bush in den USA vollzogen hat: Zunehmend vergleichen US-Historiker und -Publizisten die einzige verbliebene Weltmacht mit dem Römischen Reich - und US-Politiker führen sich auf, als seien sie allein die Herren der Welt.

"Amerika", jubelt der neokonservative Intellektuelle Dinesh D`Souza, "ist ein Empire geworden." Amerikanische Leitartikler jubilieren, niemals in der Geschichte der Menschheit sei ein Land - weder das Mongolenreich noch das britische Weltreich - derart dominant gewesen wie das "imperium americanum" von George Bush junior.

Der Präsident, der sich von Gott berufen wähnt, "die Welt zum Frieden zu führen", legt ein Gehabe an den Tag, als sei er selber der Master of the Universe. Selbst der Erzatlantiker Helmut Schmidt urteilt, derzeit hätten es die Europäer "verstärkt" mit einer "imperialistischen Tendenz" der USA zu tun, die sowohl die internationalistischen als auch die isolationistischen Traditionen des Landes überlagere.

Zunehmend Widerhall findet in den USA unter dem Gotteskrieger Bush eine Weltmachtstrategie, die der neokonservative Flügel der US-Administration bereits vor seinem Amtsantritt entwickelt hat: Die USA müssten anstreben, "unabhängig davon, ob es tatsächlich eine Bedrohung gibt, militärisch so stark zu sein, um jeden anderen Staat permanent so einschüchtern zu können, dass er sich den US-amerikanischen Interessen und Zielen unterordnet", beschreibt der Hamburger Friedens- und Konfliktforscher Hans J. Gießmann dieses Konzept. Wann immer es US-Interessen diene, würden "multilaterale Strukturen betont" ... "wenn nicht, verabschiedet man sich mehr oder weniger brutal von ihnen".

"Tributpflichtige Staaten" in Europa und Asien

Bushs "Krieg gegen den Terrorismus", analysiert der Professor, ziele nicht zuletzt darauf ab, "geopolitische Positionsgewinne" zu erreichen - ganz im Sinne des einstigen Präsidentenberater Zbigniew Brzezinski, der schon vor sechs Jahren konstatiert hatte, die künftige Weltgeltung Amerikas hänge, auch angesichts des aufstrebenden China, davon ab, ob es gelinge, den gesamten "eurasischen Kontinent" zu dominieren.


DER SPIEGEL

Wo die Amerikaner aktiv sind


Die Chancen, so Brzezinski, stünden gar nicht mal so schlecht: Bereits jetzt, ermunterte er die Amerikaner 1997, seien Europa und Asien "von amerikanischen Vasallen und tributpflichtigen Staaten übersät, von denen einige allzu gern noch fester an Washington gebunden wären".

Die Anschläge vom 11. September 2001 erleichterten es Militärpolitikern wie US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, die Amerikaner für ihre "Strategy of Predominance" zu gewinnen. Mit enormem Finanzaufwand wird in den USA seither eine Kriegsmaschinerie perfektioniert, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat: Die USA wollen in der Lage sein, missliebige Staaten notfalls auch im Alleingang mit Präventiv- und Entwaffnungskriegen zu bestrafen.

Schon jetzt ist der militärische Apparat der USA so gigantisch, ihre politische Dominanz so einzigartig, dass Richard Haas, der Planungschef von Außenminister Colin Powell, verkünden kann: "Wenn es keinen Konsens mit der Nato gibt, dann zimmert sich Washington eben `Koalitionen der Willigen`; kommen auch sie nicht zustande, entscheidet und handelt Washington allein."

Pro Tag eine Milliarde für die "Predominance"

Den Weg von der weltweiten Vorherrschaft zur Weltherrschaft wollen sich die USA mit einem bombastischen Militäretat ebnen, der bereits voriges Jahr rund 380 Milliarden Dollar ausmachte - mehr als die Verteidigungsbudgets der 14 folgenden Länder zusammengenommen. Schon vor dem Aufmarsch am Golf verschlangen die US-Streitkräfte mithin Tag für Tag mehr als eine Milliarde Dollar.

Das steile Gefälle zwischen den Militäretats der Nato-Partner erleichtert es den USA, Mitspracheforderungen mit dem schlichtesten aller Argument abzuwimmeln: "Money talks" - wer zahlt, bestimmt. Dennoch weigern sich die meisten europäischen Verbündeten beharrlich, sich auf ein (ohnehin aussichtsloses) Wettrüsten mit ihrer Vormacht einzulassen.

Im Gegenteil: Geplagt von Rezession und von Geldnöten sind die meisten europäische Regierungen - Geiz ist geil - bestrebt, ihren Militäretat einzufrieren, um so lange wie möglich die so genannte Friedensdividende zu kassieren, die das Ende des Ost-West-Konfliktes ihnen beschert hat. Dabei nimmt das alte Europa die Konsequenz in Kauf, dass sein militärpolitischer Einfluss auf den rüstungsfrohen Großen Bruder jenseits des Atlantik gen Null tendiert.

Neben den finanziellen Differenzen entzweit eine technologische Kapazitätslücke die Partner: Die Europäer können mit der "besten Armee der Welt" (Bush) auch deshalb nicht mithalten, weil die USA sich sträuben, Exportlizenzen für besonders hochwertige Rüstungsgüter an ihre Alliierten weiterzugeben, etwa für die Tarntechniken ihrer "Stealth"-Flugzeuge.
Das Imperium americanum schlägt zurück (2)

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"Too much Europe", klagen die US-Strategen

"Die USA möchten am liebsten die Systeme, die sie selbst mit hohem Aufwand entwickelt haben, selbst verkaufen", sagt der Bonner Politologie-Professor Christian Hacke. Folglich werde, so Hacke, die tückische Lücke "immer größer" ... "vor allem in den Bereichen Aufklärung, Kommunikation, Hightech-Waffen und Mobilität".

Derart steil ist das Technologie-Gefälle zwischen der Supermacht, die bis an die Zähne gerüstet ist, und den "zahnlosen Papiertigern" (Ex-Generalinspekteur Klaus Naumann) auf dem alten Kontinent, dass hohe Militärs bereits daran zweifeln, ob die ungleichen Streitkräfte in Teilbereichen überhaupt noch kooperationsfähig sind.

Kein Wunder, dass US-Militärplaner (typisches Wehklagen: "too much Europe") von den Mitsprachewünschen der Nato-Kümmerlinge zunehmend genervt sind. Einflussreiche US-Leitartikler, etwa im "Wall Street Journal", spekulieren sogar bereits darüber, ob die Nato nicht längst ebenso überflüssig sei wie die Seato, der zu Grabe getragene südostasiatische Schwesterpakt.

"Out of area or out of business"

Die US-Strategen indessen haben dem Relikt aus den Zeiten des Kalten Krieges zwei wichtige Zukunftsaufgaben zugedacht:

Im kommenden Jahr soll die Nato sieben Länder, die einst von der Roten Armee beherrscht wurden, aufnehmen und sie damit ins westliche Sicherheitssystem einbinden. Die angepeilte Einbeziehung von Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowenien und der Slowakei sowie eine verstärkte Kooperation mit Russland würde den Einfluss des Pentagon und die Absatzmärkte der US-Rüstungsindustrie weit in Richtung Asien verschieben.

Ebenfalls 2004 wird die laut Bush "wichtigste Reform" seit der Gründung der Allianz wirksam: Mit einer speziellen Eingreiftruppe, der "Response Force", soll die Nato endgültig ihre traditionelle Selbstbeschränkung auf den Großraum Europa aufgeben, indem sie weltweit bei innerstaatlichen Krisen einmischt und sich dem räumlich wie zeitlich unbegrenzten "Krieg gegen den internationalen Terrorismus" widmet.
Zu dieser "Revolution im Bündnis" ("Berliner Zeitung") war die Nato von den Amerikanern mit einem Angst einflößenden Schlagwort geprügelt worden: "Out of area or out of business" - wenn der Pakt sich weigere, außerhalb seines 1949 abgezirkelten Areals anzutreten, fliege er aus dem Geschäft.
Mit jeder der beiden neuen Reformen wächst das Konfliktpotenzial im Bündnis. Die Osterweiterung beispielsweise macht eine gemeinsame Politik des europäischen Nato-Kerns noch schwieriger als bislang.

Die Erweiterungsstaaten werden es den USA leicht machen, mit Geld und guten Worten eine gemeinsame Position der sich allmählich emanzipierenden Europäer zu hintertreiben. Denn Washington kommt zugute, dass es die Neumitglieder im Osten auf Grund ihrer schlechten historischen Erfahrungen mit den Russen und mit den Deutschen die Nähe der transatlantischen Schutzmacht suchen. "Durch die Osterweiterung," analysiert ein Militärexperte, "wird Europa nicht europäischer, sondern amerikanischer werden."

Auch die weltweiten Feuerwehreinsätze werden für Zoff sorgen. "Die Neigung der USA, das Bündnis als Instrument amerikanischer Weltmachtpolitik und Globalstrategie zu betrachten, überfordert und schwächt den Bündniszusammenhalt," glaubt Klaus-Dieter Schwarz von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Mit Diktatoren und Despoten für Democracy

Während das Spannungspotenzial innerhalb der Nato wächst, taugen die viel beschworenen "gemeinsamen westlichen Werte" immer weniger als Kitt zwischen den auseinander strebenden Partnern.

Schon in den Flegeljahren der Nato hatte die Mitgliedschaft damaliger Militärdiktaturen wie Portugal, Griechenland und Türkei die Berufung auf Freiheit und Demokratie hohl und heuchlerisch erscheinen lassen. Unter Bush scheint die Bereitschaft der USA erneut gestiegen, im Namen von Freedom and Democracy auch mit Diktatoren und Despoten zu paktieren - sei es mit arabischen Scheichs, sei es mit asiatischen Warlords.

Der Trend, mal mit Freunden, mal mit Finsterlingen gemeinsame Sache zu machen, stößt vor allem in Deutschland, bei den demokratischen Musterschülern der Angloamerikaner, auf Unverständnis.

Eine "Werte-lose" Bündnispolitik sei "wertlos", kritisiert Karl-Heinz Kamps, der Planungschef der Konrad-Adenauer-Stiftung, den american way of war. Wenn Bush statt mit seinen Nato-Partnern wechselweise mit Demokraten und Antidemokraten paktiere, "wäre die über Jahrzehnte beschworene transatlantische Wertegemeinschaft eine bloße Worthülse gewesen".

Die USA würden "die Werte, für die einzutreten sie sich stets vollmundig rühmen", heutzutage "je nach Opportunität berücksichtigen oder eben auch nicht", rügte Horst Harnischfeger, Ex-Präsident der deutschen Goethe-Institute, bereits voriges Jahr auf einer militärpolitischen Tagung die anwesenden US-Vertreter.

Zudem, so Harnischfeger, führe die "vielfach verfolgte Strategie, dass der Feind deines Feindes dein Freund sei", "immer wieder in Probleme" - "letztes Beispiel: die Taliban".

Der Deutsche gab Abgesandten des US-Präsidenten einen "weisen Ratschlag des Freiherrn von Knigge aus dem Jahre 1788" mit auf den Weg: "Mache nie gemeinschaftliche Sache mit Bösewichten gegen Bösewichte."
#108,

stormy, überall wo der le carré zitiert wird, drängt´s mich irgendwie, mit leon de winter dagegen zu halten.

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,233338,00.html

#110,

Der Deutsche gab Abgesandten des US-Präsidenten einen "weisen Ratschlag des Freiherrn von Knigge aus dem Jahre 1788" mit auf den Weg: "Mache nie gemeinschaftliche Sache mit Bösewichten gegen Bösewichte."

vielleicht sollten deutsche abgesandte in sachen umgang mit bösewichten, doch besser den mund nicht allzu voll nehmen.

http://www.gfbv.at/aktuell/aktuell.php3?newsnr=17

in sachen zusammenarbeit mit saddam, brauchen die usa gewiss keine belehrungen aus dem "alten europa" und schon gar nicht aus deutschland!
@ Stormy

Es gab nur ganz weeeeeeenige USER bei W:O , die damals gewusst haben , wer in s Weisse Haus einzug hält !

Du gehörst zweifelsohne dazu ! :yawn:

Meine Wertschätzung

M_B_S


PS

Ich kann mich noch gut an die Schadenfreude der Bush Anhänger erinnern und an ihr virtuelles Gelächter über GORE !

Heute lacht keiner mehr !





Die durch die Dumpfbacken bewusst ausgelöste Kettenreaktion ist nun voll im Gange. Nach nur 2 Jahren haben wir eine neue Weltlage. Krieg als Mittel der Machterhaltung und als Garantie für ein kurzfristiges Vrlängern der verschwenderischen, nicht nachhaltigen "Nach-uns-die-Sinnflut-Politik"!

Verschuldete Konsumenten steigen jetzt auf die Bremse. Kredite können nicht zurückgezahlt werden - Verfall der Immobilienpreise - Rückgang der Investitionen - Einbruch bei den Steuereinnahmen - Kollaps der Sozialsysteme - WWK - Krieg als Ablenkungsmanöver und Mittel der Rohstoffsicherung!

Die goldene Nachkriegsära ist beendet. Dominosteine werden in immer kürzen Abständen fallen und wir sind bereits mittendrin im Abwärssog der Lawine!


Ein buchtipp hierzu:

Die Hypermacht

Thorsten Stegemann 26.02.2003
Die USA in Nahaufnahme

Das Ende des Kalten Krieges war sicher ein Segen für die Menschheit. Doch nun droht sie selbst zur Beute des jahrzehntelangen Kräftemessens zu werden, denn dass der Sieger seine Ziele neu gesteckt hat, dürfte selbst der uneingeschränktesten Solidarität mittlerweile aufgefallen sein. Die politischen, wirtschaftlichen, geostrategischen und kulturellen Interessen der Vereinigten Staaten erstrecken sich rund um den Erdball und erreichen im Hinblick auf die Totalität der hegemonialen Ansprüche zweifellos eine neue Dimension.



Unter diesen Umständen kann es dem Rest der Welt nicht schaden, einen Blick hinter die Kulissen der "Hypermacht" zu werfen. Eben den gewährt Stefan Fuchs` absolut lesenswerte Zusammenstellung von neun Interviews, die während der letzten Monate im Deutschlandfunk zu hören waren. Die Reihe prominenter Gesprächsteilnehmer reicht von Gore Vidal, Richard Sennett, und Joshua Meyrowitz über Dan Clawson, Eduardo Lourenco und Morris Berman bis zu Benjamin R. Barber, Thomas Frank und Noam Chomsky. Sie beleuchten aus unterschiedlichen Perspektiven den inneren Zustand der Vereinigten Staaten und kommen in weitreichender Übereinstimmung zu Ergebnissen, die mit dem Begriff "katastrophal" nur unzureichend charakterisiert wären.


Beispiel Vidal: Der Historiker, der an einer Art Gegengeschichte zur offiziellen amerikanischen Geschichtsschreibung arbeitet, ist fest davon überzeugt, das sich die Vereinigten Staaten "mit hoher Geschwindigkeit" in einen Polizeistaat verwandeln, der durch Korruption und handfeste gemeinsame Interessen zusammengehalten wird:



"Vizepräsident Dick Cheney und der Vater des Präsidenten, Bush senior, sind durch Öl reich geworden. Condoleezza Rice, die Sicherheitsberaterin des Präsidenten, arbeitete 5 Jahre im Vorstand des Chevron-Konzern. Ihr spezielles Aufgabengebiet dort war die Erschließung der Ölvorkommen in Usbekistan und Pakistan. Es ist in der Geschichte der Vereinigten Staaten ohne Beispiel, dass in dieser Weise eine einzelne Interessengruppe alle wichtigen Staatsämter besetzt, ohne dass es irgendeinen Widerstand dagegen gäbe."

Diese eigenartige Lethargie konstatiert Richard Sennett auch im Wirtschaftsleben Amerikas, das trotz seiner gewaltigen Schieflage nicht zu revolutionären Ausbrüchen neigt, sondern bei Millionen Menschen viel eher ein Gefühl "individuellen Versagens, persönlicher Unzulänglichkeit" erzeugt. Der Konsumgedanke hat in dieser Hinsicht einen triumphalen Siegeszug angetreten: "Es geht nicht darum, etwas Bestimmtes zu besitzen, das einem durch den Besitz Freude bereitete. Es geht darum, immer wieder neue Zeugnisse der eigenen Konsumfähigkeit zu erwerben."

An dieser ideologischen Zielstellung arbeiten schließlich auch die Medien mit, sofern sie nicht gerade mit der Unterdrückung oder Verfälschung wichtiger Informationen beschäftigt sind. Joshua Meyrowitz bemängelt in seiner Stellungnahme, dass die amerikanischen Massenmedien "alles andere als demokratisch organisiert sind" und bei der Verschleierung ihrer tatsächlichen Gleichschaltung eine absolute Perfektion erreicht haben: "Es ist klar, dass in einem Umfeld, das durch zahllose Werbe-Doppelseiten beispielsweise der Automobilindustrie geprägt ist, kritische Berichte über Autos keinen Platz haben können. Das heißt natürlich nicht, dass ein negatives Testergebnis eines bestimmten Modells nicht erscheinen kann. Was nicht möglich ist, sind Zweifel am Auto als Transportmittel überhaupt." Dass im Vorfeld des 1. Golfkrieges 20 kritische Zeitungsartikel fast 4.200 Beiträgen gegenüberstanden, die zu dem Fazit "Saddam Hussein gleich Adolf Hitler!" kamen, ist denn auch bezeichnend genug.

Dan Clawson sieht die unheilvolle Entwicklung darin begründet, dass die Tendenz zur Plutokratie in den vergangenen 25 Jahren einen Höhepunkt erreicht hat. Für einen Sitz im Repräsentantenhaus müssen die Kandidaten durchschnittlich 840.000 Dollar, für einen Platz im Senat sogar durchschnittlich 7,3 Millionen Dollar ausgeben - mit all den persönlichen, wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen, die sich aus Wahlkämpfen, Wahlversprechen und Wahlspenden schließlich ergeben:



"Tatsächlich kann man gar nicht von zwei Parteien in den USA sprechen, es gibt nur eine Partei, die Partei des Geldes, die von den Reichen und von den Unternehmen dominiert wird."

Über Krieg und Kulturexport wird der Einfluss dieser Partei rund um den Erdball ausgedehnt. Eduardo Lourenco beschreibt im amerikanischen Kulturleben einen "Fluss selbst-referentieller Bilder, die weder der Sphäre der Kommunikation noch der Ästhetik angehören, sondern nur noch der des Konsums" und sich auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner mühelos verbreiten lassen. Morris Berman glaubt, dass der amerikanische "Exportmüll" deshalb so reißenden Absatz findet, weil er auf unmittelbare Triebbefriedigung gerichtet ist und den Konsumenten ein letztlich infantiles Gefühl von Geborgenheit in einer chaotischen Welt vermittelt.

Während Benjamin R. Barber nun versucht, durch weitgehende Kompromisse zwischen Politik und Wirtschaft, Bürger und Konsument einen Ausweg aus der heillosen Situation zu finden, sieht Thomas Frank das gesamte amerikanische Gemeinwesen in einer tiefen Depression, weil der vielzitierte Normalbürger jeden Glauben an soziale Gerechtigkeit, politische Veränderungen und ein absehbares Ende der "uneingeschränkten Herrschaft der Unternehmen" verloren hat.

Noam Chomsky spricht deshalb von einer "völlig entpolitisierten Gesellschaft", die sich dem Entscheidungsmonopol einer mehr oder weniger anonymen Führungskaste überlassen hat: "Etwa ein Sechstel des Bruttoinlandsprodukts, über eine Billion Dollar, wird jedes Jahr für Marketing ausgegeben, das heißt für Manipulation und Verhaltenssteuerung." Der Krieg gegen den Irak ist deshalb nicht nur unter wirtschaftlichen und geostrategischen Überlegungen zu betrachten, sondern natürlich auch eine Art innenpolitischer Notwendigkeit:



"Nicht wegen Saddam Husseins Atompilz über New York, sondern weil im nächsten Winter der Wahlkampf bereits im vollen Gange ist, und da müssen die Amerikaner schon in der richtigen Stimmung sein. Unter keinen Umständen dürfen sie über die Renten oder die Gesundheitsversorgung nachdenken."

Das Bild, das dieses Buch von der aktuellen Weltlage und der einzig verbliebenen Führungsnation entwirft ist bedrückend, ja deprimierend. Von einer konstruktiven Auseinandersetzung mit den in vielerlei Hinsicht aufschlussreichen Texten, sollte sich gleichwohl niemand abhalten lassen. Schließlich kann die Achse des Bösen beliebig verlängert werden.
Mörderische Dumpfbacken.
Was zur Zeit geschieht wird unser Leben verändern!

Siehe Ausgangsposting!
Sollten die USA durch diesen Krieg Schaden nehmen, was wahrscheinlich ist, dann werden sie erst richtig aggressiv.

Es hat ein Verteilungskampf innerhalb der Industriestaaten begonnen - die Hemmschwellen fallen Scheibchenweise. Kennt ihr das Spiel: "Reise nach Jerusalem?"
Die Welt braucht Amerika, sagt George W. Bush. Damit das Böse von diesem Planeten verschwindet, damit die islamischen Länder Demokratie bekommen. Notfalls mit Gewalt. Der Irak-Krieg soll nur der Anfang sein, schon jetzt träumen Verteidigungsstrategen von einer globalen Militärpräsenz. Die Botschaft der USA: Wir sind unschlagbar und unersetzlich für die Welt. Wirklich?

Der französische Historiker und Demograph Emmanuel Todd hat jetzt ein Buch herausgegeben, in dem er der Weltmacht USA noch fünf Jahre gibt, denn, so Todd, der Niedergang Amerikas als Supermacht habe schon begonnen: "Die Welt braucht Amerika nicht mehr. Wir brauchen weder amerikanische Truppen, noch amerikanisches Geld. Aber - und das ist vielleicht die Ironie der Geschichte - ausgerechnet jetzt, wo Europa alleine klar kommt, merkt Amerika, dass es auf den Rest der Welt dringend angewiesen ist."

Amerika, eine Weltmacht vor dem Kollaps? Abhängig von Europa? Emmanuel Todd beschreibt die USA als einen Riesen, der auf tönernen Füssen steht. Die militärischen Aktionen der Amerikaner, der Showdown, den das Fernsehen tagtäglich zeigt, sie sind für Todd nur Imponiergehabe. Der Krieg gegen den Irak soll von innenpolitischen und wirtschaftlichen Problemen ablenken: "Jeder denkt: Amerika ist sehr stark und produktiv. Das Zentrum der Welt, das Land moderner Technologien. Aber wenn man genauer hinschaut, dann sieht man ein riesiges Defizit im Außenhandel. Und merkt: Amerika ist im Grunde ein unproduktives Land."

Die Wirtschaft der USA - eine riesige Luftblase? Tatsache ist: Die Amerikaner haben kaum noch Industrie. Sie produzieren wenig, aber konsumieren umso mehr. Die Waren liefert ihnen der Rest der Welt. Diesen Luxus können sich die Amerikaner nur deshalb leisten, weil Investoren aus aller Welt ihr Geld in die USA tragen. Denn dort war es bisher am sichersten. Doch das Erfolgssystem Wall Street droht einzustürzen. Der Dollarkurs sinkt, andere Börsen könnten attraktiver werden. Weil die wirtschaftliche Macht schwindet, setzt die Regierung umso mehr auf weltpolitische Drohgebärden.

"Die USA," so Todd, "müssen irgendwie ihre Existenz rechtfertigen - und die vielen Importe, von denen sie leben. Deshalb tun sie so, als seien sie unverzichtbar für den Rest der Welt im Kampf gegen die sogenannte `Achse des Bösen`. Aber ich denke, es ist eine Strategie der Ablenkung, Irak zu attackieren oder Nord-Korea zu bedrohen. So will Amerika im Zentrum der Weltordnung bleiben, oder zumindest so tun als ob."

Und was ist mit dem Terror der islamischen Länder? Ist er keine wirkliche Gefahr für die Welt? Für Emmanuell Todd ist der Terror ein vorläufiges Phänomen. Die islamischen Länder sind im Umbruch. Den macht er an zwei statistischen Größen fest. Erstens: Die Geburtenzahlen gehen zurück. Zweitens: Die Menschen lernen lesen und schreiben. Das, so lehrt die Geschichte, führte bislang immer zur Demokratisierung - auch in Europa vor einigen Jahrhunderten. Und der Weg zur Demokratie führte immer über Revolutionen und Unruhen: "Es stimmt, dass wir Gewalt und Terrorismus haben. Aber das ist leider ein notwendiger Teil des Wandels. Und man muss hinzufügen: Die islamische Welt als Einheit gibt es gar nicht. Und darum auch nicht als bedrohliche Macht."

Die Welt, so Todds optimistische Sicht, demokratisiert sich selbst. Und die USA sind dann nur noch eine Demokratie unter vielen. Und aus Angst vor der Bedeutungslosigkeit könnte Amerika vom Friedensstifter zum Störenfried werden, der Krisen braucht, um weiter Supermacht zu spielen. Emmanuel Todd zeichnet in seinem faszinierenden Buch eine erschreckende Vision. Die wirkt zum Teil etwas hergeholt, aber gerade in diesen Tagen scheint sich sein "Nachruf" auf eine Weltmacht zu bestätigen.

"Ich war früher zutiefst pro Amerika und habe mich deshalb wenig für die Europäische Frage interessiert. Und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sah ich keine Notwendigkeit für ein europäisches Gegengewicht zu Amerika. Aber jetzt habe ich meine Haltung völlig geändert, und heute bin ich sehr für ein starkes Europa, denn ich habe das Gefühl, Amerika könnte gefährlich werden."


Emmanuel Todd, geboren 1951, ist Forscher am Institut National d`Etudes Demographiques (INED) in Paris. Er ist Autor zahlreicher sozialwissen- schaftlicher Bücher. Auf Deutsch sind von ihm u. a. erschienen: "Das Schicksal der Immigranten" (Claassen Verlag 1994), "Die neoliberale Illusion" (Rotpunkt Verlag 1999).


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Sehr lesenswert ist auch das folgende Interview mit dem Autor:
http://www.nzz.ch/dossiers/2002/irak/2003.02.02-hg-article8N…

Grüße
Gefunden von user "Deep Thought":
Die Krise des amerikanischen Kapitalismus und der Irakkrieg

Von David North 25. März 2003
aus dem Englischen (21. März 2003)

1. Die unprovozierte und illegale Invasion des Irak durch die Vereinigten Staaten wird als Niedertracht in die Geschichte eingehen. Die politischen Verbrecher in Washington, die diesen Krieg begonnen haben, und die Schufte in den Massenmedien, die sich über das Blutbad freuen, haben dieses Land mit Schande überzogen. Hunderte Millionen Menschen auf der ganzen Welt fühlen sich von dem Schauspiel abgestoßen, in dem eine brutale, ungehemmte Militärmacht ein kleines, wehrloses Land zermalmt. Die Invasion des Irak ist ein imperialistischer Krieg im klassischen Sinne des Wortes: Ein bösartiger Angriff im Interesse der reaktionärsten und rücksichtslosesten Teile der amerikanischen Finanz- und Wirtschaftsoligarchie. Sein offenkundiges, unmittelbares Ziel ist die Kontrolle über die umfangreichen irakischen Ölreserven und die Verwandlung des Landes, das seit langem unterdrückt wird, in ein koloniales Protektorat der USA.

Seit den 30er Jahren - als die faschistischen Diktaturen von Hitler und Mussolini auf dem Höhepunkt ihrer Macht und ihres Wahnsinns standen - hat die Welt keine derartige Zurschaustellung von internationalem Gangstertum mehr erlebt, wie sie die Bush-Administration gegenwärtig bietet. Der unmittelbarste historische Präzedenzfall für die Gewaltanwendung gegen den Irak ist die Invasion Polens im Jahr 1939. Die vom amerikanischen Militär verkündete Absicht, die Stadt Bagdad mit Tausenden Raketen und Bomben ins Sperrfeuer zu nehmen, ist Bestandteil einer bewussten Strategie, das irakische Volk in Angst und Schrecken zu versetzen. Die berüchtigten Blitzkriegmethoden, mit denen die Nazi-Wehrmacht den Zweiten Weltkrieg eröffnete, dienen der vom Pentagon so benannten "Schock- und Schrecken"-Strategie als Inspiration. Ein Historiker hat die Vernichtung Polens durch die Nazis folgendermaßen beschrieben:

"Ein Sturm aus Feuer und Stahl hat in den ersten Septembertagen die Polen getroffen und dieses unglückliche Volk fassungslos und am Boden zerstört hinterlassen. In nur zehn Tagen hatte sich die mechanisierte deutsche Vorhut ihren Weg durch die polnische Verteidigung gebahnt und Warschau erreicht. Der größte Teil der unzureichenden polnischen Luftwaffe wurde am Boden zerstört, bevor sie eingreifen konnte. Die Kampflugzeuge und Stukas der Luftwaffe gaben den vorrückenden Bodentruppen taktische Unterstützung, unterbrachen die polnische Kommunikation und ließen Terror und Vernichtung vom Himmel regnen. ‚Die Deutschen’, berichtete ein amerikanischen Journalist, ‚zerschlagen heute Polen wie ein weichgekochtes Ei.’" (1)

Alle von der Bush-Administration und ihren Londoner Komplizen vorgebrachten Gründe zur Rechtfertigung des Kriegs beruhen auf Halbwahrheiten, Fälschungen und offenen Lügen. Zum jetzigen Zeitpunkt sollte es kaum mehr nötig sein, ein weiteres Mal die Behauptung zu widerlegen, der Krieg habe die Zerstörung sogenannter "Massenvernichtungswaffen" zum Ziel. In wochenlangen Inspektionen, aufdringlicher als sie je ein Land erlebt hat, ist nichts von Bedeutung entdeckt worden. Die Leiter der UN-Waffeninspektion, Hans Blix und Mohamed ElBaradei, haben in ihrem jüngsten Bericht Behauptungen ausdrücklich widerlegt, die US-Außenminister Colin Powell in seiner berüchtigten UN-Rede vom 5. Februar 2003 machte. ElBaradei hat aufgedeckt, dass amerikanische Behauptungen, der Irak habe sich um Uranimporte aus dem Niger bemüht, auf gefälschten, von den Geheimdiensten des britischen Premiers Tony Blair gelieferten Dokumenten beruhten. Auch andere Beschuldigungen, wie die Nutzung von Aluminiumröhren für nukleare Zwecke und die Existenz mobiler Laboratorien für die Produktion chemisch-biologischer Waffen, wurden als unbegründet entlarvt. Wird eine Lüge aufgedeckt, erfindet die Bush-Administration einfach eine andere. Sie verachtet die öffentliche Meinung so stark, dass sie sich kaum um die Folgerichtigkeit der eigenen Argumente bemüht.

Am Sonntag, den 16. März, sprach Vizepräsident Richard Cheney im Fernsehen und sagte, der Irak habe "tatsächlich seine nuklearen Waffen wieder hergestellt". Knapp fünf Minuten später behauptete er, es sei "nur eine Frage der Zeit, bis er [Saddam Hussein] nukleare Waffen erwirbt." Der schreiende Widerspruch zwischen den beiden Aussagen wurde vom Interviewer nicht hinterfragt. Mohamed ElBaradei hatte Cheneys Behauptung allerdings bereits widerlegt, als er dem Sicherheitsrat berichtete, das es "keinerlei Anzeichen für die Wiederaufnahme nuklearer Aktivitäten" gebe.

Auch die zweite Rechtfertigung für den Krieg - das Ba’athistenregime Saddam Husseins arbeite mit den Al-Kaida-Terroristen zusammen - ist eine Erfindung, derer sich die Bush-Administration umso stärker bediente, je offener das UN-Inspektionsteam das Vorhandensein von Massenvernichtungswaffen widerlegte. Dabei steht der Versuch, Hussein mit Al Kaida in Verbindung zu bringen, auf noch wackligeren Füßen. Die Regierung hat keinen einzigen glaubhaften Beweis vorgelegt, der diese Behauptung belegen würde.

Die wohl absurdeste und zynischste Rechtfertigung der Bush-Administration lautet, der Krieg diene dazu, dem irakischen Volk Demokratie zu bringen. Dieses Thema ist bei scheinheiligen Ignoranten, wie dem New York Times -Kolumnisten Thomas Friedman, gut angekommen. Er schrieb am 19. März: "Die Absetzung Saddam Husseins und die Unterstützung des Irak beim Aufbau einer ordentlichen, verantwortlichen Regierung, die als Vorbild für den Nahen Osten dienen kann, sind lohnenswerte Ziele - nicht weil uns der Irak mit seinen Waffen bedroht [Friedman hatte zuvor eingestanden, dass dies nicht der Fall ist], sondern weil wir durch eine ganze Reihe versagender arabisch-muslimischer Staaten bedroht werden, die einfach zu viele junge Leute auswerfen, die sich gedemütigt, entmündigt und zurückgelassen fühlen. Wir haben ein echtes Interesse daran, uns mit ihnen zusammenzutun, um die Dinge zu verändern."

Welch ein verachtenswertes Geschwätz! Die Ermordung Tausender Iraker in einem Feuersturm von Bomben wird als "sich zusammentun" dargestellt!

Zu diesem "Krieg für Demokratie" sind ein paar kurze Bemerkungen nötig. Selbst wenn man davon absieht, dass Bush durch einen Wahlbetrug an die Macht gelangte, der eine schwere Niederlage für die Demokratie in den Vereinigten Staaten bedeutete, gibt es nicht den geringsten Grund anzunehmen, die amerikanische Eroberung des Irak werde seinen Einwohnern und den Bewohnern der gesamten Region etwas anderes bringen als mehr Unterdrückung und Elend. Die historisch Rolle der Vereinigten Staaten im Nahen Osten besteht aus einer blutigen Liste von Verbrechen gegen die Bevölkerung dieses Teils der Welt. Alle wichtigen Verbündeten der Vereinigten Staaten im Nahen Osten und in Nordafrika - Marokko, Ägypten, Saudiarabien, Kuwait, Jordanien und die Türkei - sind vom Außenministerium wegen groben Menschenrechtsverletzungen angeführt worden. Israel, dieses Musterbeispiel einer von Amerika unterstützten Demokratie, beherrscht das palästinensische Volk durch nackten Terror. Die Herrschaftsmethoden der Zionisten in den besetzten Gebieten erinnern immer mehr an die Methoden, welche die Nazis gegen die Juden in Warschau anwandten. Im Iran herrschte ein Vierteljahrhundert lang eine brutale Diktatur, die vom CIA eingesetzt worden war, nachdem diese den Sturz eines populären nationalistischen Regimes organisiert hatte. Die Unterdrückungsmethoden des Schahregimes lösten schließlich die Revolution von 1979 aus. Dass die Macht anschließend in die Hände rechter islamischer Fundamentalisten gelangte, war weitgehend eine Folge der Tatsache, dass die sozialistische Massenopposition gegen den Schah vorher unter Aufsicht der CIA zerschlagen worden war.

Auch das Regime von Saddam Hussein ist ein Nebenprodukt der mörderischen Bemühungen der USA, in den 50-er, 60-er und selbst noch in den 70-er Jahren die sozialistische Arbeiterbewegung zu liquidieren, die im Nahen Osten einmal eine bedeutsame politische Kraft war. Der Staatstreich vom 8. Februar 1963, der das linksnationalistische Qasim-Regime stürzte und erstmals die Ba’athisten an die Macht brachte, wurde mit Unterstützung der CIA durchgeführt. Ein verlässlicher ägyptischer Journalist, Mohamed Haikal, hat aufgeschrieben, was ihm der jordanische König Hussein darüber erzählte:

"Ich würde ihnen gerne berichten, dass ich mit Sicherheit weiß, dass die Ereignisse vom 8. Februar im Irak vom amerikanischen Geheimdienst unterstützt wurden. Einige der heutigen Herrscher in Bagdad wissen das nicht, aber ich kenne die Wahrheit. Es gab zahlreiche Treffen zwischen der Ba’ath Partei und amerikanischen Geheimdienstlern, die wichtigsten davon in Kuwait. Wissen sie, dass... am 8. Februar ein geheimer, in den Irak gesendeter Funkspruch den Drahtziehern des Putsches die Namen der dortigen Kommunisten übermittelte, damit diese verhaftet und exekutiert werden konnten." (2)

In derart blutigen Operationen trat Saddam Hussein erstmals als wichtige Figur in der Ba’ath-Bewegung in Erscheinung. Später in seiner Karriere sollte er erneut die Gunst der Vereinigten Staaten gewinnen. Sie unterstützten 1979 die blutige Säuberung der irakischen Kommunisten, die entscheidend zur Konsolidierung seiner Macht beitrug. Auch die Entscheidung, im Jahr 1980 Krieg gegen den Iran zu führen, traf Hussein mit Rückendeckung der Vereinigten Staaten, die ihm während der folgenden acht Jahre materielle und logistische Unterstützung gaben. Ein Großteil der Vorräte an biologischen Wirkstoffen, die Hussein in den achtziger Jahren ansammelte, stammen von einer amerikanischen Firma, der American Type Culture Collection in Manassas, Virginia. Das geschah mit ausdrücklicher Zustimmung der Reagan-Bush-Administration. "ATCC hätte diese Muster niemals ohne die ausdrückliche Einwilligung des Handelsministeriums für jeden einzelnen Fall in den Irak schicken können," sagte Nancy J. Wysocki, Vizepräsidentin für Personalfragen und Public Relations bei ATCC. "Sie dienten legitimen Forschungszwecken." (3) Die American Type Culture Collection ist eine gemeinnützige Organisation und gehört zu den weltweit führenden Lieferanten von biologischen Substanzen.

Neben diesen und anderen wichtigen Einzelheiten über die lange und widerliche Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und Saddam Hussein übersieht der Versuch, den Angriff auf den Irak mit demokratischen Idealen zu rechtfertige, ein grundlegendes demokratisches Prinzip: das der nationalen Selbstbestimmung. Die Invasion und Eroberung des Landes und die Errichtung eines Militärprotektorats unter Möchtegern-Generalissimo Tommy Franks ist eine grundlegende Verletzung der nationalen Souveränität des Irak.

Selbst wenn man von der fehlenden Glaubwürdigkeit absieht, liefert kein Argument, das die Bush-Administration und ihre Verteidiger in den Medien vorbringen, eine legale Rechtfertigung für einen Krieg. Die Bush-Administration hat allerdings bereits vor dem Angriff auf den Irak eine neue strategische Doktrin verkündet, die "präventive" oder "vorwegnehmende" Kriege für legitim erklärt - Washington behält sich also das Recht vor, jedes Land anzugreifen, das es als potentielle Bedrohung für die Vereinigten Staaten betrachtet. Davon ausgehend gibt es kein einziges Land auf der Welt, dass nicht zum einen oder anderen Zeitpunkt von den Vereinigten Staaten angegriffen werden könnte. In seiner Ansprache an die Nation vom 17. März berief sich Bush förmlich auf diese Doktrin und rechtfertigte damit den Angriff auf den Irak: "Wir handeln jetzt, weil das Risiko nicht zu handeln viel größer wäre. In einem Jahr oder in fünf Jahren würde die Macht des Irak, freien Nationen Schaden zuzufügen, um ein Vielfaches größer sein." Anders gesagt greifen die USA den Irak an, solange er noch wehrlos ist, und das nicht wegen Taten, die er begangen hat, sondern wegen Taten, die er vielleicht zu einem unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft begehen könnte. Diese Doktrin, für die es keine Grundlage im Völkerrecht gibt, betrachtet Krieg und Eroberung als legitime Mittel der Politik. Die Invasion des Irak wird als erster "Krieg der Wahl" in einer ganzen Serie derartiger Kriege gesehen, die geführt werden, um die unbestrittene Hegemonie der Vereinigten Staaten herzustellen. Mögliche Rivalen werden zerstört, bevor sie zu einer größeren Bedrohung werden können.

2. Die unverfrorene Verherrlichung des Kriegs als legitimes Mittel der globalen, imperialistischen Realpolitik ist ein furchtbarer politischer und moralischer Rückschritt. Ein bedeutender Teil des Völkerrechts wurde als Reaktion auf die blutigen Erfahrungen in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelt. Das Blutbad, das der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 mit sich brachte, löste eine heftige Kontroverse darüber aus, wer für den Ausbruch der Feindseligkeiten verantwortlich sei - die "Kriegsschuldfrage". Dieser Debatte lag die Auffassung zugrunde, dass die Entscheidung einer Regierung, einen Krieg zu führen oder zu nutzen, um bestimmte politische Ziele zu erreichen, unabhängig davon, um welche Ziele es sich handelt, ein Verbrechen darstellt. Die tieferen Ursachen für den Kriegsausbruch 1914 waren zwar äußerst komplex, dennoch kamen zahlreiche Beweise darüber zum Vorschein, dass die Hauptverantwortung bei der deutschen Regierung lag. Diese hatte aus strategischen Gründen entschieden, die nach der Ermordung des österreichischen Erzherzogs in Sarajevo entstandene Lage gezielt zu nutzen, um einen Krieg auszulösen. Noch wichtiger wurde die "Kriegsschuldfrage" nach dem Zweiten Weltkrieg. Aufgrund der zweifelsfreien Verantwortlichkeit des Dritten Reichs für den Kriegsausbruch im Jahr 1939 beschlossen die Alliierten Mächte, deren mächtigster Vertreter die USA waren, die Führer des deutschen Staats vor Gericht zu stellen.

Bei der Festlegung der juristischen Grundsätze, auf die sich die Verfolgung der Naziführer in Nürnberg stützen sollte, betonte der amerikanische Anwalt Telford Taylor, dass es nicht Aufgabe des Prozesses sei, die verschiedenen Ursachen für den Zweiten Weltkrieg zu bestimmen. Es ging um eine spezifischere Frage. In einem Memo an den amerikanischen Chefankläger Robert Jackson schrieb Taylor: "Die Frage nach den Ursachen ist wichtig und wird jahrelang diskutiert werden, hat aber in diesem Prozess nichts zu suchen. Er muss sich strikt an den Grundsatz halten, dass das Planen und Auslösen eines Angriffskrieges illegal ist, unabhängig davon, welche Faktoren die Angeklagten bewogen haben, ihn zu planen und auszulösen. Die Angeklagten können vor den Schranken der Geschichte mildernde Umstände geltend machen, aber nicht vor den Schranken des Gerichts." (4)

1946 war klar, dass der Nürnberger Prozess einen wichtigen juristischen Präzedenzfall darstellte. Wichtigster Zweck des Prozesses war es, im Völkerrecht zu verankern, dass das Planen und Auslösen eines Angriffskrieges ein Verbrechen darstellt. Der Vertreter der USA bestand auf diesem Grundsatz und anerkannte, dass er für die USA bindend sei. Jackson schrieb: "Wenn bestimmte Verstöße gegen Abkommen ein Verbrechen darstellen, ist dies sowohl der Fall, wenn die Vereinigten Staaten sie begehen, als auch wenn Deutschland sie begeht. Wir sind nicht bereit, kriminelle Verhaltensregeln gegen andere festzulegen, deren Anwendung wir nicht auch gegen uns zulassen würden. " (5)

Der von der Bush-Administration ausgelöste "Krieg der Wahl" unterscheidet sich in juristischem Sinne nicht grundlegend von den Entscheidungen und Taten, derentwegen die Naziführer im Oktober 1946 verurteilt und gehängt wurden. Die US-Regierung ist sich darüber voll bewusst, deshalb weigert sie sich, die Zuständigkeit des internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag anzuerkennen.

3. Dass die Vereinigte Staaten der Anstifter dieses Kriegs sind, steht außer Frage. Wichtigstes Ziel des Kriegs ist die Beschlagnahmung der irakischen Ölvorkommen. Alle Versuche, die zentrale Bedeutung des Öls für die amerikanischen Eroberungspläne zu leugnen, sind falsch und zynisch. Während des vergangenen Jahrhunderts haben im politischen und wirtschaftlichen Kalkül des amerikanischen Imperialismus keine anderen Rohstoffe eine derart zentrale Rolle gespielt, wie Öl und Erdgas. Dabei geht es nicht nur um die Profite der Ölkonzerne, die sich in amerikanischem Besitz befinden - obwohl auch das kein unbedeutender Gesichtspunkt ist. Die amerikanische Industrie, die Stabilität des amerikanischen Finanz- und Geldsystems und dessen dominierende Rolle auf der Welt sind alle vom ungehinderten Zugang und der Kontrolle über die großen Ölvorkommen abhängig, die sich am Persischen Golf und neuerdings auch im Kaspischen Becken befinden.

Aus einem rein ökonomischen Blickwinkel kann man die Geschichte der amerikanischen Außenpolitik und Militärstrategie währen der letzten drei Jahrzehnte als Reaktion auf den "Ölschock" von 1973 darstellen. In diesem Jahr führte das Ölembargo, mit dem die führenden arabischen Ölproduzenten auf den arabisch-israelischen Krieg reagierten, zu einer Vervierfachung der Ölpreise, was die amerikanische und kapitalistische Weltwirtschaft zum Wanken brachte. Der zweite Ölschock nach der iranischen Revolution von 1979 zog die Carter-Doktrin nach sich, die den ungehinderten Zugang zum Persischen Golf zu einem vorrangigen strategischen Anliegen der USA erklärte. Damit war der Weg frei für den massiven Aufbau von US-Streitkräften, der während der vergangenen 23 Jahren ohne Unterbrechung fortgeschritten ist.

Die Stellung der USA als wichtigste imperialistische Macht der Welt hängt nicht nur von ihrem eigenen ungehinderten Zugang zum Öl ab, sondern auch von ihrer Fähigkeit zu entscheiden, wie viel von diesem schwindenden Rohstoff anderen Ländern zur Verfügung steht - besonders heutigen oder potentiellen Rivalen. Die Herangehensweise der USA an diese internationale, geopolitische Bedeutung, die das Öls als kritischer Rohstoff hat, wurde sehr stark vom wichtigsten politischen Ereignis des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts bestimmt - von der Auflösung der Sowjetunion.

Die amerikanische herrschende Elite betrachtete den Zusammenbruch der Sowjetunion als Gelegenheit, ein weitreichendes imperialistisches Programm zu verwirklichen, dessen Durchführung nach dem Zweiten Weltkrieg und während des fast ein halbes Jahrhundert dauernden Kalten Kriegs nicht möglich war. Die Vereinigten Staaten verkündeten, es sei ein "unipolarer Zeitpunkt" gekommen, und setzten sich das strategische Ziel, das Aufkommen anderer Mächte zu verhindern, die ihre internationale Vorherrschaft in Frage stellen könnten - sei es ein vereintes Europa, Japan oder möglicherweise China. Die Strategen des amerikanischen Imperialismus waren sich bewusst, dass die Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft stark an Bedeutung verloren hatten, und begannen ihre überwältigende militärische Macht als wichtigstes Mittel zur grundlegenden Neuordnung der Welt im eigenen Interesse zu betrachten. Vor diesem Hintergrund verwandelte sich der Einsatz militärischer Mittel zu dem Zweck, die ölproduzierenden Regionen zu kontrollieren und diesen unentbehrlichen Rohstoff weltweit zu verteilen, aus einer strategischen Idee in einen konkreten Aktionsplan.

4. Ein Verständnis der zentralen Rolle, die das Öl in den geopolitischen Überlegungen der Vereinigten Staaten spielt, kann den Krieg gegen den Irak und die allgemeine Hinwendung zum Militarismus allerdings nicht vollständig und erschöpfend erklären. Die Art und Weise, wie die Vereinigten Staaten oder andere kapitalistische Länder ihre entscheidenden Interessen wahrnehmen und festlegen, ergibt sich nicht nur aus einfachen ökonomischen Überlegungen. Solche Überlegungen, egal wie kritisch sie sein mögen, werden maßgeblich durch die gesamte Struktur und innere Dynamik einer gegebenen Gesellschaft beeinflusst. So gesehen ist die Invasion des Irak ein Anzeichen der tiefen und bösartigen gesellschaftlichen und politischen Widersprüche im amerikanischen Gemeinwesen.

Es gibt keine undurchdringliche Trennwand zwischen Innen- und Außenpolitik. Beide sind voneinander abhängige Bestandteile einer Klassenstrategie, die von den Wortführern der herrschenden Elite erarbeitet wird. Die Außenpolitik der herrschenden Elite ist zwar dem ständigen Druck globaler wirtschaftlicher Faktoren ausgesetzt, sie widerspiegelt und ergänzt aber deren grundlegenden inneren Interessen und bringt diese zur Geltung.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind nahezu sechzig Jahre vergangen. Eine Untersuchung dieser Zeit zeigt die Wechselbeziehung zwischen Innen- und Außenpolitik sehr deutlich. Man kann diese sechzig Jahre in zwei Epochen aufteilen. In den ersten dreißig Jahren, von 1945 bis 1975, bildeten liberale Sozialreformen die vorherrschende Tendenz der amerikanischen Innenpolitik. In der Außenpolitik trat die amerikanische Bourgeoisie für eine Art liberalem Internationalismus ein, der in verschiedenen mulilateralen Institutionen verankert war. Natürlich standen diese Institutionen im Dienst der langfristigen Interessen der amerikanischen herrschenden Klasse, so wie sie damals wahrgenommen wurden. Außerdem wurde die vorherrschende Tendenz der Übereinkunft und des Kompromisses mit der Sowjetunion stets von mächtigen Teilen der Kapitalistenklasse abgelehnt; und selbst im Rahmen des Kompromisses verteidigte die amerikanische Bourgeoisie erbittert ihre globalen Interessen, wenn es sein musste auch durch Kriege. Dennoch hielt der amerikanische Kapitalismus unter den Bedingungen der rasch expandierenden Nachkriegswirtschaft den sozialen Liberalismus im Innern und den liberalen (und antikommunistischen) Internationalismus für die ratsamste Politik.

Das Ende dieser liberalen Epoche wurde durch die Schwächung der 1944 errichteten Weltwirtschaftsordnung eingeleitet, des Bretton-Woods-Systems. Dessen Zusammenbruch mit der Aufhebung der Dollar-Gold-Konvertibilität im Jahr 1971 leitete eine Periode der wirtschaftlichen Instabilität, ausgedrückt in hohen Inflationsraten, und des anhaltenden Niedergangs der Wirtschaftlichkeit amerikanischer Unternehmen ein.

Die Verschlechterung des allgemeinen Klimas der Weltwirtschaft zog einen grundlegenden Kurswechsel der Innen- und Außenpolitik der herrschenden Klasse Amerikas nach sich. In der Sozialpolitik, die bisher eine beschränkte Umverteilung von Besitz und eine leichte Minderung der sozialen Ungleichheit angestrebt hatte, wurde der Rückwärtsgang eingelegt. Reagans Wahl zum Präsidenten im Jahr 1980 folgten kräftige Steuersenkungen für die reichsten Amerikaner, ein massiver Sozialabbau, der vor allem die Ärmsten traf, und ein umfassender Angriff auf die Gewerkschaften.

Die internationale Seite dieser Politik bildeten die Ablehnung der "Entspannung" mit der Sowjetunion und eine allgemeine Verschärfung des militärischen Drucks gegen nationale Bewegungen in der "Dritten Welt", die als schädlich für die globalen Interessen Amerikas angesehen wurden.

5. Die aggressive Politik des amerikanischen Imperialismus zeitigte das gewünschte Ergebnis: Innerhalb der Vereinigten Staaten stagnierte oder sank der Lebensstandard der Arbeiterklasse; in der sogenannten "Dritten Welt" kam es zu eine3 furchtbaren Verschlechterung der Lebensbedingungen für Hunderte Millionen Menschen. Die herrschende Klasse und die reichsten Mitglieder der oberen Mittelklasse profitierten von dieser Politik in einer Weise, von der sie bisher nur hatten träumen können. Das niedrige Lohniveau in den Vereinigten Staaten, das unerschöpfliche Angebot von billigen Arbeitskräften im Ausland und niedere Warenpreise schufen die idealen Voraussetzungen für den Börsenboom der 90-er Jahre (der, wie man sich erinnern sollte, nach dem Golfkrieg von 1991 einsetzte).

Die wirtschaftliche Stabilität des amerikanischen Kapitalismus und die Vermögen, die die herrschende Klasse im Laufe des spekulativen Wall-Street-Booms angehäuft hatte, waren vom niedrigen Lohnniveau in den Vereinigten Staaten und der ständigen Zufuhr billiger Rohstoffe (insbesondere von Öl) und billiger Arbeitskräfte aus dem Ausland abhängig - fast wie ein Drogensüchtiger von der Droge. Die erstaunliche Bereicherung der herrschenden amerikanischen Elite während des vergangenen Jahrzehnts und der erschreckende Niedergang Lateinamerikas, Asiens, Eurasiens und der früheren Sowjetunion bedingen sich gegenseitig. Würde ein Mathematiker den Zusammenhang zwischen der Anhäufung von Reichtum in den USA und den sozialen Folgen niedriger Warenpreise und der Überausbeutung der Arbeit im Ausland studieren, könnte er berechnen, wie viele Millionen Armutstote in Afrika, Asien, Eurasien und Lateinamerika nötig sind, um einen neuen Wall-Street-Milliardär zu züchten.

Die herrschende Elite Amerikas ist sich durchaus über den Zusammenhang bewusst, der zwischen ihrem eigenen Reichtum und der Ausbeutung und Plünderung der Masse der Weltbevölkerung besteht. Dieser Zusammenhang bildet den objektiven Nährboden für die Anhängergemeinde der imperialistischen Barbarei, die im lauten, dummen und arroganten Milieu der Neureichen entstanden ist, die der Spekulationsboom der 80er und 90er Jahre hervorgebracht hat. Dieses korrupte gesellschaftliche Element dominiert die Massenmedien und drückt Rundfunk, Fernsehen und Presse seinen egoistischen, ichbezogenen und allgemein reaktionären Stempel auf. Die schamlose Verherrlichung des amerikanischen Militarismus in den Massenmedien widerspiegelt die Übereinstimmung der Eigeninteressen dieser Schicht mit den geopolitischen Ambitionen des amerikanischen Imperialismus. So kann der New York Times -Kolumnist Thomas Friedman, der die Weltanschauung des proimperialistischen Neureichen geradezu verkörpert, ohne jegliches Schamgefühl schreiben: "Ich habe keine Probleme mit einem Krieg für Öl."

Der Krieg gegen den Irak verspricht zu einer Goldgrube für die herrschende Elite zu werden. Stratfor, eine Web Site die sich eng an den strategischen Zielen der US-Regierung orientiert, schreibt: "Hauptgewinner des bevorstehenden Konflikts werden Investoren sein, die bereit und in der Lage sind, billige Schnäppchen an sich zu reißen. Ausländer, die sich mit der Region und ihren Geschäftspraktiken auskennen, die dort Verträge haben und zu Risiken fähig sind, werden massenhaft Investitionsmöglichkeiten finden, von der Telekommunikation bis zur Warenproduktion... Risikobereite Investoren mit Köpfchen finden dort unglaubliche Chancen."

Das ist, kurz gefasst, die Operation "Iraqi Freedom"!

6. Dass solche Worte zu Papier gebracht werden, bezeugt, welch unglaubliches Niveau an Korruption und moralischer Verkommenheit in der herrschenden Elite der Vereinigten Staaten vorherrscht. Letzten Endes ist das Ausmaß an Korruption, die sich wie ein Krebsgeschwür in der bürgerlichen Gesellschaft ausbreitet, ein gesellschaftliches Phänomen mit tiefen objektiven Wurzeln. Die fortschreitende Krise des kapitalistischen Systems, die sich am deutlichsten in der anhaltenden Profitflaute in der verarbeitenden Industrie zeigt, hat ein Umfeld erzeugt, das zu jeder Art von Betrug ermutigt. Vorstandsmitglieder, die nicht das geringste Vertrauen in das langfristige Wachstum der Vermögenswerte haben, für die sie angeblich die Verantwortung tragen, widmen sich ausschließlich der eigenen, kurzfristigen Bereicherung. Wo Profite nicht auf rechtmäßigem Wege erzielt werden können, werden sie durch die Fälschung der Bücher herbeigezaubert. Die Managementwissenschaften, eine echte Errungenschaft der amerikanischen Wirtschaft aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, sind zur Kunst des Betrugs und der Veruntreuung degeneriert.

7. Die Bush-Administration ist lediglich der politische Inbegriff dieses gesellschaftlichen Misthaufens. Vizepräsident Richard Cheney verwendet einen Teil seiner Zeit darauf, eine geheime Regierung zu leiten, und verbringt den Rest davon als Kofferträger für Halliburton, das ihm weiterhin über eine halbe Million Dollar im Jahr bezahlt. Verteidigungsminister Tom White saß im Vorstand von Enron. Richard Perle, der die Irakpolitik der Regierung geprägt hat, trifft sich zu geheimen Geschäftsbesprechungen mit Waffenhändler Kashoggi. Und was den Präsidenten selbst betrifft, so werden Historiker den Aufstieg dieses unbedeutenden Niemand - dessen bemerkenswertester Charakterzug sein persönlicher Sadismus ist - einst als Ausdruck der moralischen und intellektuellen Erniedrigung der amerikanischen herrschenden Klasse betrachten. Eine Klasse, die fähig ist, Herrn Bush zu ihrem Führer zu wählen, hat im übertragenen und buchstäblichen Sinne den Kopf verloren.

8. Trotz allem besteht auch noch eine wirkliche Welt. Unter der glitzernden Oberfläche erreicht die Krise des amerikanischen Kapitalismus gigantische Ausmaße. Von den fünfzig amerikanischen Bundesstaaten stehen mehr als die Hälfte am Rande des Bankrotts. Unverzichtbare Fürsorgeeinrichtungen brechen zusammen. Das Schulwesen befindet sich in einem Chaos. Definierte man die Fähigkeit lesen und schreiben zu können daran, ob jemand einen Absatz ohne grammatikalischen Fehler zu Papier bringen kann, würden sich noch nicht einmal ein Viertel aller Amerikaner qualifizieren. Dem Gesundheitswesen fehlt es an finanziellen Mitteln und die Leistungen werden drastisch gekürzt. Ganze Industriezweige stehen vor dem Kollaps. In weniger als einem Jahr wird es einen großen Teil der amerikanischen Luftfahrtindustrie nicht mehr geben. Die massive Umschichtung von Geldern zur Senkung der Steuern für die Reichen bedroht die Nation mit der Zahlungsunfähigkeit. Das Ausmaß an sozialer Ungleichheit ist viel größer als in jedem anderen großen kapitalistischen Land. Ein hoher Prozentsatz des nationalen Reichtums befindet sich in den Händen der reichsten zwei Prozent der Bevölkerung. Ein Studie von Kevin Philipps hat erbracht, dass das Jahreseinkommen der reichsten 14.000 Familien höher ist als das der ärmsten 20 Millionen.

9. Man kommt nicht um die Schlussfolgerung herum, dass die extrem militaristische Entwicklung der amerikanischen Außenpolitik in bedeutendem Maße dem Bemühen der herrschenden Elite entspringt, den Gefahren auszuweichen, die sich aus den ständig wachsenden sozialen Spannungen in den USA ergeben. Der Militarismus erfüllt zwei wichtige Funktionen: Erstens können durch Eroberung und Plünderung zumindest kurzfristig zusätzliche Mittel zur Milderung der wirtschaftlichen Probleme beschafft werden. Zweitens dient der Krieg dazu, die gesellschaftlichen Spannungen im Innern nach außen abzulenken.

10. Aber solch kurzfristige "Vorteile" können die wirtschaftliche und gesellschaftliche Krankheit nicht heilen, die Amerika befallen hat. Selbst wenn die Vereinigten Staaten im Irak einen schnellen militärischen Sieg erringen sollten, würde die soziale und wirtschaftliche Krise Amerikas weiter schwären und sich vertiefen. Keine seiner wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Institutionen verfügt über die Mittel, um auf die allgemeine Krise der US-Gesellschaft in positiver Weise zu reagieren.

Der Krieg selbst ist das Ergebnis eines verheerenden Versagens der amerikanischen Demokratie. Eine kleine politische Verschwörerclique - die mit verdeckten Karten arbeitet und durch Wahlbetrug an die Macht gelangt ist - hat die amerikanische Bevölkerung in einen Krieg geführt, den sie weder versteht noch will. Aber es gibt nicht die Spur eines politischen Mechanismus, durch den sich die Opposition gegen die Politik der Bush-Administration - gegen den Krieg, die Angriffe auf demokratische Rechte, den Sozialabbau, den pausenlosen Angriff auf den Lebensstandard der arbeitenden Bevölkerung - äußern könnte. Die Demokratische Partei - dieser stinkende Leichnam des bürgerlichen Liberalismus - ist zu tiefst diskreditiert. Massen von Werktätigen finden sich völlig entmündigt.

11. Das zwanzigste Jahrhundert war nicht umsonst. Seine Triumphe und Tragödien haben der Arbeiterklasse unschätzbare politische Lehren hinterlassen, darunter als eine der wichtigsten das Verständnis der Bedeutung und der Auswirkungen von imperialistischen Kriegen. Diese sind vor allem ein Ausdruck von nationalen und internationalen Widersprüchen, die auf "normalem" Weg nicht mehr gelöst werden können. Unabhängig davon, wie die ersten Stadien dieses Konflikts ausgehen werden, steuert der amerikanische Imperialismus auf eine Katastrophe zu. Er kann die Welt nicht erobern. Er kann den Massen des Nahen Ostens keine neuen, kolonialen Fesseln anlegen. Er kann seine inneren Krankheiten nicht mit dem Mittel des Kriegs heilen. Im Gegenteil, vom Krieg hervorgerufene unerwartete Schwierigkeiten und wachsender Widerstand werden alle inneren Widersprüche der amerikanischen Gesellschaft verschärfen.

Ungeachtet der Meinungsumfragen, die nicht glaubwürdiger sind als alle anderen Produkte der Massenmedien, gibt es bereits einen beträchtlichen, wachsenden Widerstand gegen den Krieg. Die Demonstrationen, die vor dem Krieg stattfanden, waren größer als die Demonstrationen auf dem Höhepunkt der Bewegung gegen den Vietnamkrieg. Und die Demonstrationen innerhalb der Vereinigten Staaten sind Bestandteil einer breiten, internationalen Antikriegsbewegung. Das zeigt einen qualitativ völlig neuen Inhalt des gesellschaftlichen Bewusstseins: immer mehr Leute werden sich bewusst, dass die großen gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit eine internationale statt einer bloß nationalen Lösung erfordern. Dieses Bewusstsein muss durch den Aufbau einer neuen, politischen Arbeitermassenbewegung entwickelt werden.

Am Wochenende vom 29. und 30. März 2003 organisieren die World Socialist Web Site und die Socialist Equality Party eine öffentliche Konferenz in den USA. Sie hat die Aufgabe, eine vorläufige Einschätzung der Auswirkungen des Krieges zu treffen und ein internationales, sozialistisches Programm zu entwickeln, auf das sich der Kampf gegen Militarismus und Krieg stützen muss.

Anmerkungen

1) Gordon Wright, The Ordeal of Total War 1939-1945 (New York, 1968), p. 17.

2) Hanna Batatu, The Old Social Classes and the Revolutionary Movements of Iraq (Princeton, 1978), pp. 985-86.

3) The New York Times, March 16, 2003.

4) Telford Taylor, The Anatomy of the Nuremberg Trials (New York, 1992), pp. 51-52.

5) Ibid, p. 66
Robert Kurz

CRASH UND KRIEG


Mal geht es scheibchenweise ("Salamicrash"), mal sacken die Weltbörsen im großen Schub nach unten. Fest steht jedenfalls, daß die Finanzmärkte die größte Baisse der Nachkriegsgeschichte erleben. Alle Zwischenhochs der letzten beiden Jahre haben sich als trügerisch erwiesen. Alarmierend an der jüngsten Entwicklung ist dreierlei. Erstens trifft es längst nicht mehr bloß das Segment der als Talmi entlarvten New Economy, sondern auch die vermeintlich soliden Standardwerte der "blue chips" (Banken, Automobil- und Lebensmittelkonzerne etc.) sind vom unaufhaltsamen Abwärtssog erfaßt worden. Zweitens sind es nicht mehr die exotischen und auch nicht mehr allein die japanischen und europäischen Börsen, an denen die spekulativen Blasen reihenweise platzen, sondern das Allerheiligste des globalen Kasinokapitalismus, die Wall Street selbst, nähert sich rapide der kritischen Masse eines großen Knalls. Und drittens signalisieren die dicht aufeinanderfolgenden Mega-Pleiten von Großkonzernen wie Enron, Worldcom usw., daß der Crash der Finanzmärkte auf die realökonomische Konjunktur überzuspringen droht.

Wenn dieser Crash nicht bald gestoppt werden kann, ist nicht nur die weitere Finanzierung des US-Handels- und Leistungsbilanzdefizits und damit die gesamte Weltkonjunktur gefährdet, sondern auch die Position der USA als letzte Weltmacht. Denn der gewaltige, konkurrenzlose High-Tech-Militärapparat der USA speiste sich seit langem finanziell ebenso aus dem fiktiven Kapital der Spekulationsblasen wie die Investitionen und der opulente Konsum in "Gottes eigenem Land". Zusammen mit der ökonomischen droht auch die militärische Kontrolle über die Welt verloren zu gehen. Wenn sonst nichts mehr klappt, so weiß es die Standardargumentation der Linken, dann ist die letzte kapitalistische Lösung immer der Krieg. Tatsächlich bereiten die USA fieberhaft einen Angriff auf den Irak vor, ohne sich viel um eine glaubwürdige Legitimation zu scheren. Aber könnte dieser Krieg in irgendeiner Weise die ökonomische Krise lösen?

Das Motiv des Raubs war unter den Bedingungen des entwickelten Kapitalismus schon immer zweifelhaft. Es geht nicht um Beutegut wie bei den Wikingern, sondern um die Gewinnung von Akkumulationsfähigkeit. In der dritten industriellen Revolution führt sich auch die Annexion fremden Territoriums ad absurdum, weil damit nur der Erwerb einer größtenteils "überflüssigen" Bevölkerung verbunden wäre. Selbst die Gier nach dem Rohstoff Öl sollte nicht überstrapaziert werden, denn zwar geht es stets um die strategische Kontrolle der wichtigsten Reserven, aber das hat nichts mit einer möglichen Lösung der strukturellen ökonomischen Krise zu tun. Im ausgepowerten Irak ist nichts zu holen, was auch nur im entferntesten dafür benutzt werden könnte.

Nicht besser steht es mit dem Motiv, eine Kriegskonjunktur zu entfesseln. Der zweite Weltkrieg brachte der US-Ökonomie die historisch höchsten Zuwachsraten, weil ein ungeheurer materieller Aufwand nötig war, die ebenbürtige Nazi-Kriegsmaschine niederzuringen. Auch der take off des Wirtschaftswunders durch die Konjunktur des Koreakriegs war nur möglich, weil immerhin über drei Jahre hinweg eine substantielle Masse von Kriegsproduktion nötig wurde. Ebenso beruhte die Rüstungskonjunktur der "Reaganomics" darauf, daß die Sowjetunion nur durch eine Mobilisierung gewaltiger technologischer und materieller Ressourcen totzurüsten war. Schon der Golfkrieg vor elf Jahren, als die irakische Armee noch relativ in Saft und Kraft stand, war dagegen eine ultrakurze, von den Ressourcen her wenig aufwendige Angelegenheit, die keinerlei konjunkturelle Spuren hinterließ. Heute würde die insuffiziente irakische Gegenwehr sofort zusammenbrechen, ohne daß auch nur die Arsenale der US-Flugzeugträger neu aufgefüllt werden müßten.

Bleibt das Argument einer Wiederaufbau-Konjunktur, dem zufolge der kapitalistische Krieg erst einmal alles kaputt schlägt, damit dann das Kapital neu akkumulieren kann. Das ist ökonomischer Unsinn. Die Akkumulationsfähigkeit wird durch den Stand der Produktivkräfte bestimmt, nicht durch den äußeren Umfang der Produktion. Selbst im kriegszerstörten Westdeutschland wurde das Vorkriegsniveau der Produktion schon Anfang der 50er Jahre wieder erreicht. Nicht die Rekonstruktion der zerstörten Gebäude, Maschinen usw. brachte das Wirtschaftswunder, sondern allein die Fähigkeit der neuen fordistischen Industrien zur erweiterten Absorption von Arbeitskraft. Sogar wenn die USA heute ihr eigenes Territorium flächendeckend bombardieren würden, käme keine neue säkulare Akkumulationsfähigkeit heraus. Die militärische Verwüstung peripherer Regionen bringt erst recht keine Wiederaufbau-Konjunktur hervor, wie hoffnungsvolle westliche Konzernvertreter zu ihrem Leidwesen bereits in Bosnien und im Kosovo erfahren mußten.

Die heraufdämmernde neue Weltwirtschaftskrise ist durch keinerlei Krieg mehr zu überwinden. Sollte der Irak massakriert werden, wäre eine Siegesfeier der Börsen kurz und lustlos. Dafür würde die gesamte nahöstliche Region mitsamt ihren strategischen Ölreserven nachhaltig destabilisiert. Trotzdem wird Bush umso sicherer losschlagen, je unbewältigbarer der Finanzcrash und die daraus folgende realökonomische Krise werden. Die linke Standardargumentation ist faktisch richtig, aber in ihrer Interpretation macht sie den Fehler, daß sie der kapitalistischen Macht rationale Interessen und eine grundsätzliche Bewältigungskompetenz unterstellt. Das Kapitalverhältnis aber ist an sich irrational und seine eigene Schranke. Die Binnenrationalität des Interesses schlägt letztlich in Selbstzerstörung um.

Es handelt sich um die Logik des Amoklaufs. Der postmoderne Amokläufer ist zwar ein Geschöpf der universellen Konkurrenz, aber er verfolgt kein sinnvolles Interesse mehr in diesem Rahmen. Seine Gewalt will nichts mehr in dieser Welt erreichen, sondern nur noch einen finalen Abgang inszenieren. Was die durchgeknalltesten Teenager als Schulmassaker veranstalten, droht die globale kapitalistische Repräsentanzmacht der USA im großen Maßstab zu wiederholen, wenn sie nicht rechtzeitig daran gehindert wird.
das "zentrum der macht" (eisenstadt) dumpfbacken?

es beweist doch gerade, daß "die anderen" (israelische lehrerin zur "arte"-reporterin in englisch=franzhösisch=deutscher übersetzung) es sind.
Bush und Blair im Lügen-Dickicht

Die Diskussion um die wahren Gründe des Irak-Kriegs bringt Washington und London in immer größere Bedrängnis. Einem Zeitungsbericht zufolge hatten selbst US-Außenminister Colin Powell und sein britischer Amtskollege Jack Straw vor dem Krieg schwere Zweifel an der Stichhaltigkeit der Beweise gegen den Irak.

Washington/London - Voller Irritation reagierte US-Präsident George W. Bush vor dem Irak-Krieg auf die Skepsis der europäischen Kriegsgegner. Zuhauf gebe es gesicherte Erkenntnisse über Saddam Husseins Arsenal an Massenvernichtungswaffen, wiederholte Bush gebetsmühlenartig - und forderte von den Zweiflern Vertrauen ein. Schließlich könne man aus Sicherheitsgründen nicht alle Geheimdienstinformationen veröffentlichen.
Nun zeichnet sich immer deutlicher ab, dass das Misstrauen der Kriegsgegner, allen voran Frankreich, Deutschland und Russland, berechtigt war. Ausgerechnet US-Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz, einer der schärfsten Befürworter des Kriegs, hatte den Stein ins Rollen gebracht. Gegenüber dem Magazin "Vanity Fair" hatte er erklärt, die USA hätten bei ihrer Argumentation für einen Irak-Krieg aus "bürokratischen Gründen" Massenvernichtungswaffen als Hauptkriegsgrund genannt. Dies sei etwas gewesen, dem alle hätten zustimmen können.

Straw und Powell im Zweifel vereint

Die US-Regierung und Wolfowitz relativierten die brisante Aussage, die in Europa für erheblichen Wirbel sorgte, umgehend. Nun aber tauchen weitere Details auf, die Washington und London weiter in die Defensive drängen dürften. Die britische Zeitung "The Guardian" berichtet unter Berufung auf ein Dokument, das derzeit in Diplomatenkreisen kursiere, dass US-Außenminister Colin Powell und sein britischer Kollege Jack Straw selbst schwere Zweifel am Vorgehen ihrer Regierungschefs hatten. Das Blatt beruft sich dabei auf ein Protokoll eines Treffens zwischen Powell und Straw kurz vor der entscheidenden Sitzung des Uno-Sicherheitsrats am 5. Februar, bei der Powell die Beweise der US-Regierung gegen den Irak vorlegte.

In dem zehnminütigen Gespräch, das dem Bericht zufolge im New Yorker Waldorf-Hotel stattfand, äußerten Powell und Straw schwere Zweifel an der Stichhaltigkeit des Geheimdienst-Materials, das die Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen belegen sollte. Straw soll sich besorgt darüber geäußert haben, dass sich die Behauptungen von US-Präsident Bush und Großbritanniens Premierminister Tony Blair nicht beweisen ließen. Ein Großteil des Geheimdienstmaterials bestehe aus Annahmen und Wertungen, die nicht durch harte Fakten untermauert seien.

Rache von frustrierten Nato-Diplomaten

Auch Powell habe schwere Bedenken gehabt: Bei Treffen mit Geheimdienstlern habe er "bestenfalls" Indizien gesehen, die hochgradig in Richtung des gewünschten Ergebnisses interpretiert worden seien. Handfeste Informationen aber seien Mangelware gewesen. Powell, so der "Guardian", habe gegenüber Straw gesagt, er hoffe, dass das Material nach seiner Veröffentlichung "uns nicht um die Ohren fliegt".

Die so genannten "Waldorf-Mitschriften" machen nach Informationen des "Guardian" derzeit unter Nato-Diplomaten die Runde. Vermutlich hätten ehemalige Kriegsbefürworter in den Reihen der Nato die Papiere lanciert, da sie mittlerweile der Meinung seien, durch Lügen zur Unterstützung des Kriegs gebracht worden zu sein.

Drohung von US-Politikern

Amerikanische Parlamentarier denken mittlerweile ähnlich. Jane Harman, demokratische Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus, sagte der "Los Angeles Times", sie und andere hätten ihre Zustimmung zum Krieg auf Basis der Behauptung des Weißen Hauses gegeben, der Irak stelle eine unmittelbare Gefahr für die Vereinigten Staaten dar. "Sollte sich herausstellen, dass diese Information falsch war", drohte Harman, "wird das die Glaubwürdigkeit der Regierung bei jeder Argumentation für einen künftigen Krieg erschüttern."

Bei der Übertreibung des Bedrohungsszenarios war offenbar auch die britische Regierung maßgeblich beteiligt. Eine der zentralen Behauptungen von Tony Blair vor dem Krieg war, dass die irakische Armee binnen 45 Minuten nach dem Befehl Saddam Husseins einen Angriff mit Chemie- oder Biowaffen über große Entfernungen starten könne. Ein britischer Geheimdienst-Mitarbeiter sagte der BBC, dass dieser Passus auf Anordnung von Regierungsbeamten in das Irak-Dossier eingefügt worden sei - trotz fehlender Absicherung durch Fakten. Adam Ingram, Staatsminister im britischen Verteidigungsministerium, räumte wenig später ein, dass die Behauptung der 45-Minuten-Gefahr von einer "einzelnen Quelle" stamme, deren Informationen "nicht bestätigt" gewesen seien.

Selbst ranghohe US-Militärs rücken mittlerweile von der Sprachregelung ihrer Regierung ab. General James Conway, Oberbefehlshaber des US-Marinekorps im Irak, nannte die Geheimdienstinformationen "schlicht falsch", nach denen Saddam Hussein die alliierten Truppen mit biologischen oder chemischen Waffen habe angreifen wollen.

"Es ist einfach nichts da"

Dass bisher keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden wurden, habe ihn vollkommen überrascht, gab Conway gegenüber der "Los Angeles Times" zu. "Und es liegt nicht daran, dass wir es nicht versucht hätten", betonte der Kommandeur des 1. Marine-Expeditionskorps. "Wir haben praktisch jedes irakische Munitionslager zwischen der kuweitischen Grenze und Bagdad untersucht. Aber es ist einfach nichts da."

Das britische Außenministerium in London bezeichnete den Bericht des "Guardian" unterdessen als "schlicht unwahr". Auch Powell dementierte: Die USA hätten "solide" Informationen über Saddams Waffen gehabt. CIA-Direktor George Tenet wies in einer Stellungnahme den Verdacht zurück, politische Gründe hätten die "Integrität" der Geheimdienst-Analysen beeinträchtigt. Tony Blair nannte die Vorwürfe "absolut absurd". US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte: "Dieser Krieg wurde nicht unter einem falschen Vorwand geführt".

Blair sagte während eines Besuches in Warschau, er habe keine Zweifel, dass früher oder später Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden werden. Sein Kollege George W. Bush ist da schon weiter. "Wir haben die Massenvernichtungswaffen gefunden", erklärte der US-Präsident während seiner Polen-Visite. Gemeint waren zwei Lkw-Labors, die der Geheimdienst CIA zuvor entdeckt hatte. Dass Spezialisten keinerlei Spuren von Giftstoffen in den Lastwagen gefunden hatten, störte den Präsidenten nicht weiter: "Wer sagt, wir hätten die verbotenen Produktionsanlagen oder verbotenen Waffen nicht gefunden, liegt falsch."
Die Dumpfbacken werden immer dreister. Ich möchte in diesem Zusammenhang nochmal auf die postings #1 und #18 hinweisen.
Es wird weitere kriegerische Auseinandersetzungen geben und das Recht des Stärkeren wird das Recht ersetzen.


Über allen Gesetzen ist Ruh’


Die USA machen sich immun gegen den Internationalen Gerichtshof – und die Welt schweigt.

von Andreas OldaG



(SZ vom 12.6.2003) - Deutlicher kann eine Drohung nicht sein. In einem Schreiben an die Regierungen der EU-Staaten warnte Washington vor einer erneuten Verschlechterung der transatlantischen Beziehungen, falls der UN-Sicherheitsrat nicht der amerikanischen Linie im Streit um den Internationalen Gerichtshof folge.

Hintergrund ist die am heutigen Donnerstag anstehende Verlängerung einer Regelung, wonach sich amerikanische Blauhelm-Soldaten nicht vor dem Gericht verantworten müssen, selbst wenn ihnen Kriegsverbrechen vorgeworfen werden.

Noch ist ungewiss, wie das 15er-Gremium entscheidet. Klar aber ist, dass Washington wieder einmal versucht, im Streit um den Gerichtshof Sonderrechte zu erpressen.

Keine offene Gegenposition

In Berlin und in Paris hat man die Warnung verstanden: Deutschland und Frankreich schrecken davor zurück, sich im Sicherheitsrat offen gegen die USA zu stellen. Stattdessen wollen sie sich wahrscheinlich durch Stimmenthaltung aus der Affäre ziehen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Devise ausgegeben, alles zu unterlassen, was die Beziehungen zu den USA angesichts des Zerwürfnisses in der Irak-Politik weiter beschädigen könnte.

Damit jedoch steckt die Bundesregierung in einem Dilemma. Sie gehört zu den eifrigen Befürwortern eines Weltgerichts, das auf allgemein gültigen Prinzipien basiert. Nun muss sie sich entscheiden, ob sie die hehren Grundsätze zugunsten der transatlantischen Beziehungen verrät.

Rüdes Erpressungsmanöver

Der Streit um den Internationalen Gerichtshof ist nicht neu: Bereits im vergangenen Jahr hatte die amerikanische Regierung durch massiven Druck versucht, die Gründung des Tribunals zu hintertreiben. In einem rüden Erpressungsmanöver, in dem es um die Verlängerung des Mandats für die Bosnien-Truppe ging, trotzte Washington der internationalen Gemeinschaft für die amerikanischen Blauhelm-Soldaten einen Immunitäts-Status ab. Das heißt, sie dürfen im Falle von Menschenrechtsverletzungen nicht an den Strafgerichtshof ausgeliefert werden.

Nun geht es um eine Verlängerung dieser Ausnahmeregelung, die zunächst nur für ein Jahr gültig war. Dabei wirkt der Streit um die Immunität nur vorgeschoben. Denn es ist unwahrscheinlich, dass der Gerichtshof jemals über amerikanische Blauhelm-Soldaten richten würde. Das Statut sieht dies ohnehin nur für den Fall vor, dass die nationalen Gerichte ihren Verpflichtungen nicht nachkommen.

Im Kern geht es der US-Regierung also auch hier wieder darum, sich von möglichen Fesseln durch internationale Abmachungen zu befreien. Sie will sich von keiner Institution etwas vorschreiben lassen. Zu diesem Zweck haben die USA auch bereits bilaterale Verträge mit einigen Staaten abgeschlossen, um die Gerichtsbarkeit des Haager Gerichtshofs zu umgehen.

Diese arrogante Attitüde steht freilich im krassen Widerspruch zum eigenen historischen Erbe: Immerhin waren es die USA, welche nach 1945 die internationalen Institutionen wie die UN, die Weltbank und die Welthandelsorganisation maßgeblich mit aufgebaut haben.
Militärdiktatur USA - eine Utopie?
"Gefährlich ist`s, den Leu zu wecken", mahnte schon Friedrich Schiller, der ewig Zweite im bundesdeutschen Bildungskanon in seiner `Glocke`, und in der Tat geht den US-Amerikanern, zumindest den systemisch verblendeten und ihren Vorturnern gehörig gegen den Strich, was sich der Rest der Welt an Unterstellungen, Kritik, unbotmäßigen Fragen und Vorwürfen seit geraumer Zeit erlaubt. Man empört sich in der (überwiegend) regierungsnahen US-Medienwelt und zeiht insbesondere die Franzosen ("We saved their ass three times during the last century", O-Ton Cheney) verräterischen Undanks.

Zwar verläßt sich – Stichwort: Wahlkampf – die Bush-Camarilla auf ihren starken Rückhalt im Spendenkarussell der von Bush`s Politik profitierenden Konzerne und Finanzfamilien, setzt auf die lähmende Uneinigkeit im Lager der Demokraten, und auch die Israelis spielen beim Friedenspoker im Nahen Osten scheinbar mit – ein innen- wie außenpolitisch gut verwendbarer Prestigegewinn für die Bush`sche Falkengarde –, aber schon ziehen neue, unangenehm dunkle Wolken am (engen) Horizont der US-amerikanischen Traumwelt auf:

Nordkorea wird immer frecher;


auf die Briten ist auch immer weniger Verlaß; auch dort stellen zunehmend mehr Menschen peinliche Fragen, und Blairs Stern steht unter Wackelkontakt;


selbst in `God`s own country` formieren sich systemaverse Kräfte; dies umsomehr, je mehr tägliche Berichte über Anschläge und lokale Scharmützel sowohl in Afghanistan als auch im Irak sogar in den US-Medien Eingang finden; die Traumen amerikanischer Niederlagen und schmählicher Rückzüge (Korea, Vietnam, Somalia, etc,) sind noch recht lebendig. Bush & Co wissen das nur zu genau;


so leicht wie im Falle des Irak werden es die US-Amerikaner im Iran und Jemen, in Syrien und Somalia, im GSU- wie USA-feindlichen Kaukasus, Korea und weiteren Gliedern der `Achse des Bösen` nicht erwarten dürfen, die `Terrorwelt` nach ihrem Belieben umzugestalten und zu amerikanisieren. Auch die US-Bevölkerung ist nicht unbegrenzt opferbereit; Irak und Afghanistan haben bereits bedenklich viele amerikanische Leben gekostet.
Andererseits hat sich Bush mit seinem Team und seiner selten zuvor derart martialisch gepflegten Dialektik schon viel zu weit aus dem Fenster gelehnt, als daß er, ohne irreparablen Schaden zu nehmen, zurückrudern könnte; er dürfte zur größten Lachnummer der jüngeren US-Geschichte werden.

Nun lassen Sie uns `mal – ohne Gewähr und völlig spekulativ – die Frage stellen, was Bush an Handlungsalternativen offenstünde, wenn sich die derzeitige Stimmung zunehmend gegen die US-amerikanische Sicht- und Handlungsweise kehren sollte.

Die US-Medienlandschaft ist nicht noch enger korsettierbar als schon geschehen, ohne erhebliche Proteste im Land zu gewärtigen, und mit noch forcierteren Abhöraktionen, willkürlichen Verhaftungen und Militärtribunalen kann allenfalls reagiert werden. Absehbar ist aber – innen-politisch wie von außerhalb – mit erheblicher Gegenwehr zu rechnen, was dem Sendungsbewußtsein der US-Amerikaner einerseits, ihrem Harmoniebedürfnis andererseits aber erheblich im Wege stünde. Was bliebe Bush in einem sich derart zuspitzenden politischen Klima dann noch übrig?

So absurd es Ihnen, werte(r) Leser(in) aufs erste auch erscheinen mag, letztes Mittel zum Zweck wäre tatsächlich die Ausrufung einer Militärdiktatur (natürlich nie als solche bezeichnet), und so völlig abwegig ist dieser Gedanke nicht.

Wer nämlich – historisch wie aktuell – den besonderen Stellenwert des Militärstandes in den Vereinigten Staaten von Amerika kennt, weiß, daß den männlichen US-Bürger nichts Verheerenderes treffen kann, als ein `dishonorable discharge` (`unehrenhafte Entlassung`). Die militärische Beurteilung bestimmt über Karrierechancen weit direkter und nachhaltiger als die Qualität der Highschool, des Colleges oder der besuchten Universität (hier zählt allenfalls der Name).

In keiner Armee der Welt wird ein derartig verklärter und martialischer Nimbus um den Militärstand geflochten wie in den USA – allenfalls mit dem Preußen Friedrich Wilhelms des II vergleichbar. Keine Armee unterhält so viele `special forces` – das gilt für alle vier Waffengattungen – und Geheimdienste. Nirgendwo ist der Stolz auf die Zugehörigkeit zu ganz bestimmten Teilen des Militärs, dessen Geschichte auch im Vollrausch herunterzuspulen regelrecht Ehrensache ist, als in den USA. Menschenrechtsverletzungen, erniedrigendste Behandlung, unterwürfigste Verrichtungen, regelrechter Kadavergehorsam – darüber ließe sich ein echter `tough guy` niemals aus; er müßte mit tiefster Verachtung seiner Kameraden und der Ausgrenzung als Vaterlandsverräter rechnen. Die Aussicht auf ein hohes Maß an gesellschaftlicher Anerkennung und mutmaßlich eines guten Jobs – dies gilt umso mehr für Abkömmlinge der Unterschicht und der Slums – und lebenslang stolz getragene Orden und Ehrenabzeichen (incl. der Zugehörigkeit zu einem der unzähligen Veteranenverbänden) bestimmen den gesellschaftlichen Wert des Militärs. Dafür werden sogar eine vergleichsweise geringe Entlohnung und erstaunlich niedrige Pensionen für Langdienende in Kauf genommen. Lange Zeit bot sich Verbrechern und unvermutet Vätern gewordenen jungen Männern der `Dienst fürs Vaterland` als Alternative zu Gefängnisstrafen (sogar der Hinrichtung) oder drohenden Alimentenklagen ("If your girlfriend gets a baby, join the Army or the Navy"). Selbst vor Gericht kommt undiskutiert besser weg, wer eine entsprechend beeindruckende Militärkarriere vorweisen kann, und das Pentagon schirmt weltweit seine Krieger ab, auch wenn sich diese übelster Verbrechen schuldig machen. Sie werden in die USA verbracht und dort `intern` und zumeist nur zu symbolischen Strafen verurteilt. Davon können Staaten aller Kontinente ein Lied singen, wo sich US-Soldaten in Friedens- und Kriegszeiten aller denkbarer Verbrechen schuldig mach(t)en, und genau deshalb unterwerfen sich die USA auch nicht dem von ihnen selbst initiierten Internationalen Gerichtshof. Geradezu viehischer Untertanengeist, und wahlweise lächerlich oder unmenschlich anmutende Beschimpfungen sollen den US-Amerikanern ein Gefühl der Stärke, Leidensfähigkeit und Auserwähltheit suggerieren, die viele dann nahtlos ins nachmilitärische Alltagsleben übernehmen. "You gotta be a man" wird zum "pädagogischen" Stilmittel wahren Männlichkeitswahns verklärt.

Gerade schockte ein Film der ARD mit authentischen Belegen die Öffentlichkeit, denenzufolge die Airforce (die sich per se als `die Elite` versteht) ihre Piloten – nicht nur in Kampfeinsätzen, sondern auch im normalen Ausbildungsbetrieb – mit Drogen wach, aktiv und aggressiv hält. Hierbei spielt vor allem `Dexedrine` (ein hochwirksames Aufputschmittel) eine entscheidende Rolle. Es werden aber auch ganze `Cocktails` – wahlweise und ohne Begrenzung als `uppers` oder `downers` gereicht. Die Angst der gegen den `Ehrenkodex` des Schweigens und Vertuschens verstoßenden Geständigen – immerhin wurde in derartigen Rauschzuständen sogar getötet (auch Unschuldige, Zivilisten, Frauen und sogar Kinder) – war immens. Verfolgt werden in den USA derartige Berichte generell nicht – es geht ja um den unberührbaren Sozioaspekt des Militärischen, in dem nichts Unehrenhaftes denkbar ist.

Diese Verklärung des Militärs und seine innere Strukturiertheit, der hier herrschende `unbedingte Gehorsamsgeist` und der ihm eigene Ehrenkodex machen alles Militärische zum `Staat im Staate` – letztendlich nur dem Präsidenten als Oberbefehlshaber unterstellt.

Hinzu kommt das verbriefte Recht des Präsidenten, nach eigener Lageeinschätzung im Falle einer externen oder internen Bedrohung – quasi im Sinne einer `Ausnahmesituation – und ohne Einspruchsmöglichkeit der beiden Kammern (Senat und Kongreß) für 30 Tage den `Notstand` auszurufen und damit uneingeschränkt, nur auf dem Einvernehmen mit dem `US-Security Council` basierend, alleine zu entscheiden, was immer er für richtig und notwendig erachtet.

Über die in dieser gesetzlich zugelassenen Möglichkeit lauernden Gefahr – insbesondere Menschen wie Bush und seinem `Stab` – wissen auch die US-BürgerInnen, noch viel mehr der Rest der Welt, kaum Bescheid.

Doch genau hier liegt die (gar nicht nur) theoretische Möglichkeit des schier Undenkbaren, und erkläre kein Leser vorschnell, dies sei schlicht nicht vorstellbar.

Ältere Zeitgenossen erinnern sehr wohl noch die Militärdiktaturen in Griechenland und der Türkei, Indonesiens und in Malaysia, die (quasi-)Diktaturen in Dutzenden von Lateinamerikanischen und afrikanischen Ländern. Auch Spanien, Italien und letztlich auch unsere eigene Vergangenheit kennen Zeiten absoluten Herrschens – nur auf das Militär oder äquivalente Strukturen gestützt. Auch in der Antike – z.B. Griechenland, Persien und Rom – übernahmen Kriegsherren, die das Militär hinter sich wußten, per Staatsstreich die Macht, wobei ihnen jede Ausrede recht war; mal beriefen sie sich auf irgendeinen Gott (oder dessen irdisches Bodenpersonal), mal gaben sie vor, das Volk von der Tyrannis zu befreien oder vor drohendem Unheil zu retten. Das gemeine Volk wurde regelmäßig überrascht und hätte ohnehin keine Chance gehabt, sich zu wehren. Wichtig mußte den Bushs der Vergangenheit nur sein, die potentiellen Gegenspieler zu kennen und vorab auszuschalten.

Nun verfügt kein anderer `Landesfürst` über auch nur annähernd so viele Geheimdienste (neuerdings sind es 30!) und Informationsbeschaffungsmöglichkeiten wie der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Entschlossenheit (aus unterschiedlichen Motiven) unterstellt, könnte der engste Stab um Bush eine derartige Machtübernahme bewerkstelligen, ohne daß davon das Gros der Bevölkerung auch nur das Mindeste wahrnimmt. Weder telefonisch, noch über die Medien müßte der Rest der Welt vorab davon Wind bekommen. Man sähe sich völlig unerwartet mit einem `fait accompli` konfrontiert, dem auch niemand zu widersprechen wagen dürfte; wer möchte der derzeitig einzig verbliebenen Supermacht hierbei in den Arm fallen?!

Wer all dies für irre(al), verschwörerisch oder allenfalls für eine interessante Gedankenübung hält, behalte hoffentlich recht, doch wie sagt Schiller im gleichen Gedicht, nur zwei Zeilen später: "Jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Bush* in seinem Wahn".

H.-W. Graf

* auf heutige Verhältnisse umgedeutete, nur leicht verfremdete Fassung (‚Mensch’ statt ‚Bush’)
Bush hat als US Präsident bisher einen sehr guten Job gemacht und wird daher mit Sicherheit nächstes Jahr wiedergewählt werden, was ich und viele hoffen !!!!
Laura, im Text ist von "viehischem Untertanengeist" die Rede. In dieser devoten Herde bist du eines der größten Schaafe!
Seit #1 ist einiges passiert - fast wie vorhergesagt. Bush treibt und in ein Desaster!
Mit Dank an bluemoons:

Dummheit als Konzept?
Auf was beruht die amerikanische Vormachtstellung?



Wolfowitz und das Öl
Wolfowitz, in vielen Medien als der "denkende Kopf" hinter der amerikanischen Außenpolitik dargestellt, hat es offen zugegeben: beim Irakkrieg ging es in erster Linie um das Öl. Ein Schock angeblich, doch warum? Schon seit Monaten scheint doch ohnehin jeder genau das zu glauben, nun hatte es einer der "Denker" der US-Außenpolitik ausgesprochen.

Eine Menge Leute jubilierten: "Da haben wir den Beweis!" Was sie übersahen: man mag von Wolfowitz denken, was man will, aber er ist nicht dumm und würde sich nicht einfach "verplappern". Es ist anzunehmen, dass er diese Aussage ganz bewusst gemacht hat, um sie gezielt auf der Welt zu verbreiten. Doch warum?

Bush, der Trottel
George W. Bush Jr. eilt der Ruf voraus, nicht der Allerhellste zu sein. Er plappert gerne dummes, unzusammenhängendes Zeug und verbreitet einen kaum zu ertragenden Pathos, den manche mit Patriotismus verwechseln. Vielleicht ist er dumm, vielleicht auch nicht, das sei dahingestellt, aber bei so vielen Strategen (auch "Medienstrategen" um ihn herum, sollte man da nicht annehmen, dass die ihn irgendwann einmal dazu bringen in den Medien besser dazustehen? Dass sie zumindest den Schein erzeugen könnten, dass er vielleicht doch nicht so dumm ist? Auf der einen Seite gibt es nicht wenige Menschen, die überzeugt sind, dass die US-Regierung mit den Anschlägen vom 11. September etwas zu tun haben, auf der anderen Seite verwundert es dieselben Leute nicht, dass dieselbe Regierung dann nicht fähig ist, einen Präsidenten so in den Medien zu präsentieren, dass nicht die halbe Welt glaubt, er sei ein Trottel?

Und was ist mit Wolfowitz? Viele verabscheuen ihn, aber mangelnde Intelligenz wird ihm gewöhnlich nicht vorgeworfen. Wieso also lässt er sich zu einer so scheinbar dummen Aussage verleiten, wie der Krieg im Irak sei wegen des Öls geführt worden und alle anderen Gründe wären nur Heucheleien gewesen?

John F. Kennedy, Chruschtschow und die Kuba-Krise
Als John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow sich erstmals persönlich trafen, glaubte Chruschtschow einen jungen Naivling vor sich zu haben, den er an der Nase herumführen könnte, wie es ihm gefiel. Dieser Eindruck Chruschtschows führte letztendlich zur Kubakrise, eben weil Chruschtschow glaubte, JFK würde dem politischen Druck nicht standhalten und klein beigeben.

Tat er aber nicht. Heute gilt John F. Kennedy als einer der besten US-Präsidenten aller Zeiten und die friedliche Beendigung der Kubakrise wird ihm hoch angerechnet, während Chruschtschow als derjenige angesehen wird, der beinahe für den 3. Weltkrieg verantwortlich gewesen wäre. Dabei waren es die USA, die zuerst Aggressionen gegenüber Kuba zeigten, als sie im April 1961 versuchten Fidel Castro mit Gewalt zu stürzen, Kennedy hatte den Befehl dazu gegeben. Die Mission scheiterte und Castro musste sich bedroht fühlen, was dann dazu führte, dass er die Sowjets um Hilfe bat.

Wie immer man es sieht, die Kubakrise war am Ende ein Triumph für die USA. Die Sowjets wussten, dass sie einen Atomkrieg nicht führen konnten, weil die USA militärisch nicht schwächer war. Chruschtschow (immerhin derjenige der die "Entstalinisierung" einleitete) wollte niemals einen Atomkrieg, aber weil ihm JFK so naiv, ja vielleicht sogar so dumm erschien, glaubte Chruschtschow ihn mit solchen Mitteln unter Druck setzen zu können. Als sich JFK dann als doch nicht so naiv erwies, musste sich Chruschtschow gesenkten Hauptes aus Kuba zurückziehen. Eine fatale Niederlage für die Sowjetunion, und das nur weil Chruschtschow Kennedy für naiv und eventuell dumm hielt.

Die schwindende Macht der USA
Der Historiker Emmanuel Todd, der bereits in den 1970ern den Zusammenbruch der Sowjetunion voraussah, sieht den Irakkrieg als eine Art Verzweiflungsakt seitens der USA. Während sich die ökonomischen Verhältnisse nach Ende des Kalten Krieges deutlich zugunsten von Europa verschoben haben, verliert die USA an Bedeutung und wollte durch den Irakkrieg aller Welt "beweisen", dass es ohne sie nicht geht. Das Problem ist, dass es aber ohne sie geht.

Wenn die USA aber die Welt zu der Überzeugung verleiten könnte, dass sie (die USA) bereit ist, für ihre Vormachtstellung alles zu tun, jedes Land anzugreifen, im Zweifelsfall auch ohne irgendeinen handfesten Grund, so könnte dies die amerikanische Vormachtstellung erhalten, ohne dass es irgendwelche tatsächlichen Voraussetzungen dafür gebe.

Dummheit als Konzept?
So könnte es also durchaus sein, dass die Dummheit Bushs ein politisches Konzept ist. Bush und seine Berater wissen, was er vorallem in Europa für einen Ruf hat. Die EU aber ist - politisch gesehen - die Staatengemeinschaft, die man mit dem Irakkrieg beeindrucken wollte, in Wild-West-Manier klarstellen, wer das Sagen hat in der Welt.

Die Aussage Wolfowitz, es wäre im Irak tatsächlich in erster Linie ums Öl gegangen, unterstützt das Bild, das die Europäer von der US-Regierung haben: eine skrupellose Vereinigung, die von der Ölindustrie abhängig ist und um diese zufriedenzustellen, alles tun wird, auch ein Land ohne einen Grund mit Krieg überziehen.

Wenn man zum einen die Welt davon überzeugen kann, dass man militärisch jedem Land bei weitem überlegen ist, und zum anderen die Welt ebenso davon überzeugen kann, dass man auch bereit ist, diesen Vorteil skrupellos zu nutzen (man denke nur an die Aussagen der USA zum Internationalen Gerichtshof), wird das ökonomisch stärkere Europa vielleicht klein beigeben, nur aus der Angst heraus, irgendwann auch auf der Abschussliste der USA zu stehen, so wie heute Irak, Iran und Nordkorea.

Das Ziel ist Angst
So könnte es tatsächlich sein, dass die US-Regierung momentan versucht, das Klischee, das vor allem in Deutschland über sie besteht, so gut es geht zu bestätigen. Denn Deutschland ist wichtig für die USA. Mangelnde Loyalität seitens der Deutschen könnte der ohnehin kränkelnden US-Wirtschaft den Todesstoß verpassen, denn Deutschland gehört zu den wichtigsten Handelspartnern der USA; mit Frankreich verhält es sich ähnlich und allen US-Bemühungen zum Trotz, Polen kann diese Rolle in naher Zukunft nicht übernehmen, nicht zuletzt auch deshalb weil Polen in Zukunft durch den EU-Beitritt von Deutschland und Frankreich noch mehr abhängig sein wird, als sie es jetzt schon sind.

Die USA hat also das Problem, dass sie bald schon niemand mehr gebrauchen könnte. Da sie aber immer noch die größte Militärmacht auf diesem Planeten sind, versuchen sie die Welt mit dem Mittel hörig zu machen, das jedes herrschende System nutzte, kurz bevor es zusammenbrach: Angst.

28. Juni 2003, Jörg Heléne

Lesen Sie dazu auch den Artikel: Von Heucheleien, Spiegelpropaganda und Selbstgefälligkeiten (vom 24. Juni 2003)
http://www.renegadenation.de/essays/dumm.html
jetzt beginnen die Vorbereitungen und Lügen zur Durchführung des Iran-Krieges - pünktlich zum Wahljahr 2004.

Alles schon beschlossene Sache!
#1

Wirklich erstaunlich wie du die Sache vorhergesehen hast.
Ich dachte zwar, dass es nicht leicht wird aber nicht, dass es so beschissen läuft.
Man darf sehr gespannt sein, wie Bush von der wirtschaftlichen Misere ablenken wird. Die Szenerie wird bis zu nächsten Wahl in ca. 16 Monaten ständig spannender. Siehe Ausgangsposting!


Spiegel online:
Dramatischer Jobabbau in den USA

Die Hoffnung, seinen Wahlkampf mit besseren Arbeitsmarktdaten zu unterfüttern, kann US-Präsident George W. Bush vorerst begraben. Die Lage am US-Arbeitsmarkt hat sich im August dramatisch verschlechtert.


Massiver Stellenabbau im produzierenden Gewerbe: Autoproduktion bei Chrysler


Washington - Außerhalb der Landwirtschaft sei die Zahl der Beschäftigten im August um 93.000 gesunken, hieß es in einer Mitteilung des US-Arbeitsministeriums am Freitag - der siebte Rückgang in Folge. Analysten hatten zuvor mit einem Anstieg der Beschäftigtenzahl gerechnet. Seit Januar hat der US-amerikanische Arbeitsmarkt damit mehr als eine halbe Million Stellen verloren. Der Rückgang im August war der stärkste seit März.
Damit verdichten sich nach Einschätzung von Analysten die Anzeichen eines "jobless recovery", einer Wirtschaftserholung ohne Beschäftigungsaufbau. "Der Stellenabbau setzt sich in allen Bereichen fort", sagte Kathleen Ugoff vom Arbeitsministerium. Der Rückgang der Beschäftigtenzahl zog sich durch alle Branchen.In der Industrie gingen im August 44.000 Stellen verloren. Damit sanken die Beschäftigtenzahlen im produzierenden Gewerbe seit Jahresbeginn insgesamt um 431.000 - über drei Jahre summiert sich der Stellenabbau in diesem Sektor inzwischen auf 2,7 Millionen. Der Staat baute im August 26.000 Stellen ab. Zuwächse gab es dagegen im Bausektor (plus 19.000) sowie bei Zeitarbeitsunternehmen (plus 7.000).

Die Aktienmärkte reagierten mit deutlichen Abschlägen. Der Dax fiel in Folge der Daten aus den USA auf 3,619 Punkte, das ist ein Minus von 1,4 Prozent. Der Dow Jones gab zu Handelsbeginn rund ein halbes Prozent ab und notierte gegen 16 Uhr bei 9544 Punkten. Der Euro sprang erstmals seit 21. August wieder über die Marke von 1,10 Dollar und notierte bei Kursen um 1,103 Dollar.

Die offizielle US-Arbeitslosenquote ging dagegen leicht zurück. Sie betrug im August 6,1 Prozent nach 6,2 Prozent im Vormonat. Volkswirte hatten mit einem unveränderten Wert gerechnet. Der leichte Rückgang der Quote sei darauf zurückzuführen, dass rund eine Viertelmillion Beschäftigungsloser aus der Statistik gefallen sind. Die Arbeitslosenzahl sank dadurch von 9,06 Millionen im Juli auf 8,9 Millionen.