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Die charttechn. Analyse: Von Bear-Markt zu Bear-Markt - Nikkei 1990/Nasdaq 2000 - 500 Beiträge pro Seite

eröffnet am 13.12.00 20:33:17 von
neuester Beitrag 08.05.07 07:18:42 von


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13.12.00 20:33:17
Beitrag Nr. 1 ()
Die charttechnische Analyse: Von Bear-Markt zu Bear-Markt - Nikkei 1990/Nasdaq 2000




Von Dr.Hans-Dieter Schulz


Seit seiner Einführung am fünften Februar 1971 hat der amerikanische Freiverkehrsmarkt Nasdaq eine beeindruckende Wertentwicklung hinter sich. Aus anfänglichen 100 Indexpunkten waren bis zum Allzeithoch im März 2000 über 5000 Punkte geworden. Seitdem sind jedoch 178 Börsentage vergangen und der Index hat per Saldo fast die Hälfte seiner Zähler wieder abgegeben. Spätestens seit dem Bruch des zwei-jährigen steilen Aufwärtstrend, der Anfang Oktober erfolgt war, ist es angebracht, von einem Bear-Markt zu sprechen. Um sich eine Vorstellung davon zu machen, wie es mit dem Nasdaq Index weitergeht, bietet sich ein Blick in die Historie seiner Kurskorrekturen an.
Zum einen gab es zwei scharfe und schnelle Abwärtsbewegungen: den Crash 1987 sowie den Crash 1998. In beiden Fällen folgte sehr bald eine deutliche Aufwärtsbewegung.
Die andere Art von Szenario stellen Abwärtsbewegungen dar, die länger als ein Jahr dauern. Derartige Bear-Märkte gab es vier. In der Tabelle ist neben dem Zeitraum der prozentuale Abstieg wiedergegeben sowie die Zeitdauer vom letzten Hochpunkt des vorausgegangenen Bull-Marktes bis zum finalen und marktbereinigenden Tief des Bear-Markts, angegeben in Börsentagen. Ein Börsenjahr hat im Schnitt 253 Tage.

1973 -59,90% 437 Tage
1981 -28,63% 305 Tage
1983 -31,50% 275 Tage
1989 -33,0% 259 Tage


Der aktuelle Kursverfall des Nasdaq könnte also, wenn man 1973/74 als Vergleich heranzieht noch weitere knapp 260 Tage andaueren, mithin noch ein Jahr. Im optimistischsten Falle wäre er bereits Mitte März 2001 beendet. Die Tabelle soll lediglich helfen, eine Vorstellung für die zeitliche Ausdehnung von Bear-Märkten zu gewinnen. Fundamental ist die aktuelle wirtschaftliche Lage selbstverständlich in keiner Weise etwa mit der Ölkrise 1973/74 vergleichbar.

Bisher konnte sich der Nasdaq immer wieder von seinen - auf lange Sicht gesehen nur temporären - Schwächen in Form neuer Allzeithochs erholen. Das dies nicht sein muß und dass es auch entgegen den menschlichen Wachstumshoffnungen in trauriger Weise ganz anders kommen kann, zeigt vorliegender Chart, in dem die Kurswerte des Nikkei 225 Index um einen konstanten Faktor gekürzt und die Allzeithochpunkte beider Indizes aufeinander gelegt wurden. Der japanische Nikkei 225 hatte in den letzten Dezembertagen 1989 ein Allzeithoch ausgebildet, das knapp unter 40000 Punkten lag. Die dann einsetzende Korrektur ähnelt dem aktuellen Niedergang des Nasdaq mit verblüffender Exaktheit.
In einem Ausverkauf hatte er die Marke von 20000 Indexpunkten kurz touchiert, um dann in einer V-Formation wieder abrupt nach oben zu drehen. Sollte der Nasdaq der Bewegung des Nikkei folgen, dann wäre bei 2600 Punkten ein vorzeitiges Ende der aktuellen Abwärtsbewegung erreicht. Eine technisch bedingte Winterrally wäre dann wahrscheinlich.

Auch auf Jahressicht kann der historische Nikkei-Chart Hinweise für die Entwicklung des Nasdaq geben. Vom Ausverkauf an gerechnet hatte er ein volles Jahr benötigt, um den Abwärtstrend zu brechen. Also noch ein weiteres Jahr Bear-Markt im Nasdaq?




Die Charttheorie versagte 1991/92

Wie der Langfrist-Chart des Nikkei zeigt, hat die Charttheorie damals nicht so richtig funktioniert. Im ersten Bild sieht alles nach einem klassischen Trend-Bruch mit anschließendem Pull-Back von oben auf die Trendlinie aus. Man würde einen neuen Aufwärtstrend erwarten können, zumindest aber eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung, die vielleicht in Form einer fächerartigen Verbreiterung irgendwann zu neuen Hochpunkten führen könnte.

Doch weit gefehlt. Der hoffnungsvolle Ausbruch war eine Bullenfalle, weiter nichts. Der Nikkei durchbrach nach wenigen Wochen die Abwärtstrendlinie wieder nach unten und korrigierte binnen eines Jahres um weitere 50% . Seit zehn Jahren pendelt er in einer Seitwärts- bis Abwärtsbewegung hin und her. Der japanische Markt hatte seither keine Kraft mehr zu neuen Höhenflügen.




Dieser Ausflug in die Geschichte soll vor allem eines: Er soll zur Vorsicht mahnen. Immer dann, wenn eine sehr scharfe Spekulationsblase die Aktienkurse unverhältnismäßig aufbläht, steigt die Wahrscheinlichkeit einer deutlichen Korrektur. Daß diese auch sehr lange dauern kann, zeigt Japan. Der amerikanische Technologie-Index Nasdaq könnte heute vor dem gleichen Schicksal stehen wie der japanische Nikkei-Index vor zehn Jahren.

Dr. H.-D.Schulz/Felix Pieplow



24.11.2000 11:20
©boerse.de


Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige668550.php3?id=19799
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13.12.00 20:47:14
Beitrag Nr. 2 ()
Godfather Greenspan spielt Nikolaus



Von Roland Leuschel

Der oberste Währungshüter der Welt, FED-Chef Alan Greenspan, der im Oktober 1987 mit einer Liquiditätsspritze die Finanzmärkte der Welt rettete, und der sowohl 1997 als auch besonders 1998, als er innerhalb von 6 Wochen dreimal die Zinsen in Amerika senkte, ein Debakel an den Weltfinanzmärkten verhinderte, scheint, wie die FAZ in einer Kolumne schrieb, "den Aktionären auch das Weihnachtsfest zu retten". Die Financial Times drückte es etwas drastischer aus "gefeierter Retter in höchster Not" und schrieb in ihrem Titel "Alan Greenspan hat mit seiner Zinsentwarnung das Signal für steigende Aktienkurse gegeben". Die umsatzstärkste Börse der Welt, Nasdaq, explodierte am 5.12 geradezu (+273 Indexpunkte: +10,5%). Nikolaus Greenspan kann also mit seiner Bilanz zufrieden sein.

Aber auch mit normalerweise kühlem Verstand versehene Volkswirte sind euphorisch. Der renommierte Professor des MIT in Boston, Rüdiger Dombusch, erklärte im Euro am Sonntag vom 10.12.: "Die US-Wirtschaft strotzt vor Kraft, streichen Sie deshalb das Wort Rezession einfach aus ihrem Sprachschatz." Ich kann mich darüber nur wundern. Die amerikanische Volkswirtschaft hat nicht nur eine negative Sparquote (-0,8% im Oktober), sondern auch ein immer grösser werdenden Defizit ihrer Leistungsbilanz (4% des BSP), einen inzwischen fallenden Produktivitätszuwachs (+3,3% im 3. Quartal ....... nach +7,5% im 4. Quartal 1999), und da behauptet Rüdiger Dornbusch, "die US-Wirtschaft strotzt vor Kraft". Da bricht ihre umsatzstärkste Börse, der Freiverkehrsmarkt Nasdaq (10.000 Milliarden Dollar Umsatz 1999), um über 40% ab, was einem Wertverlust von 2.700 Milliarden Dollar entspricht, und ein paar zweideutige Worte Alan Greenspans genügen, um die Bullen auf dieser Welt wieder auf Trab zu bringen. "So einfach und so schön kann Geldpolitik sein", meint Dr. Hans D. Barbier, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft der FAZ.

Seien Sie für diesen Optimismus dankbar, und benutzen Sie das Strohfeuer an den Börsen, um einige "Schieflagen" noch kursgünstig loszuwerden. Die Salami-Crash-Karawane zieht weiter, und sie hat allein in diesem Jahr 4.300 Milliarden Dollar Kapital vernichtet. Verstärken Sie weiterhin Ihre Positionen in Blue Chips Ihrer Wahl, wenn diese ebenfalls unter Druck kommen sollten. In der von der Welt am Sonntag veröffentlichten Weltliga der 10 Blue Chips befinden sich einige, die ich seit Beginn dieser Kolumne immer wieder empfohlen habe: Phillip Morris (+72,8% seit Jahresbeginn), Nestlé (+24,20%), Novartis (+22,17%), sowie Pfizer und Aventis. Behalten Sie weiterhin 60% des Portefeuilles in Triple A Anleihen (Bund bzw. amerikanische Treasuries) und 10% in Cash. Es könnte sein, dass der Euro wieder stärker wird und zwar nicht so sehr, weil in Europa das Wirtschaftsabschwächung in Amerika fällt. Ich würde eine Gewichtung 50/50 anstreben und den japanischen Yen in meinem Portefeuille derzeit nicht berücksichtigen. Stellen Sie sich darauf ein, dass wir in den nächsten Jahren kleinere Brötchen backen werden, und ein Return bon 4 bis 6% p.a. attraktiv ist.

Natürlich weiss ich auch , dass Aktien langfristig gesehen die beste Anlage sind, wobei langfristig zwischen 55 und 100 Jahren sein kann. Finanzinstitute und Versicherungen erklären Ihnen, dass Aktien etwas fürs Alter sind. Ich kenne einen jungen Anleger, der voll Euphorie in Media und Entertainment-Aktien investiert hat. Seine Kursverluste liegen im Schnitt zwischen 50 und 80%. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie alt er bereits heute aussieht.

Roland Leuschel



11.12.2000 09:35
©boerse.de


Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige668550.php3?id=20844
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13.12.00 23:00:43
Beitrag Nr. 3 ()
Aus Technical Investor Juni/Juli 2000:

Ein weiterer Fall in der psychologischen Crash-Prophetie 1987 stellte Herr Roland Leuschel in Person dar. Alle seine nicht eigetroffenen Crashprognosen sind Legende und wieviele Shorties es Haus und Hof gekostet hat, ist nur zu vermuten. Am 6. November 1987 erklärte Leuschel in typischer Crashlaune: "Gold wird bald 600 Dollar kosten." Machen wir es einfach: Gold ist bis heute nie mehr auf 600 Dollar gewesen. Herr Leuschel hat damals in dieser absoluten Crah-Prophetie dazu beigetragen, daß die Psychologie der Einzelanleger gebündelt wurde. Wie gesagt, man glaubte ihm. Heute verzehrt er sich möglicherweise darin, weil man ihm nicht mehr glaubt.
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14.12.00 14:09:14
Beitrag Nr. 4 ()
Die charttechnische Analyse: Uncle Sams Zeitbombe

Der international zu beobachtende Verfall der High-Tech Indizes lässt bei Börsenprofis die Angst vor einer harten Landung der US-Konjunktur aufkommen. Zahlreiche Indizien mahnen zur Vorsicht.

Liquidität - der Treibstoff für die Börse - wird knapper

"Amerika, du hast es besser", könnte der Leitspruch europäischer Bankiers sein: Schätzungen gehen davon aus, dass 40-50 Prozent aller Amerikaner auch Aktionäre sind. Hinzu kommen die Pensionsfonds, die in ihrem Portfolio deutlich mehr auf Aktien setzen, als beispielsweise hiesige Lebensversicherer.
Seit 1995 zogen die Kurse an der New York Stock Exchange dramatisch an. Bis Anfang des Jahres legte der Dow um 320 Prozent zu, der Nasdaq Composite um knapp 700 Prozent und der marktbreite Standard&Poors 500 um 340 Prozent. Eine robuste Konjunktur, die sich in einer weltweit bewunderten Vollbeschäftigung niederschlug, gepaart mit den hohen Börsengewinnen, die bei der wohlhabenden Hälfte der Amerikaner zu erheblichen Buchgewinnen geführt hatten, äusserte sich in zwei Effekten:

1. Die ohnehin konsumfreudigen US-Bürger liessen es sich gut gehen; die zuvor nur noch marginale Sparquote ging in den negativen Bereich zurück. Das heisst, nicht nur der amerikanische Staat an sich schiebt ein astronomisches Leistungsbilanzdefizit vor sich her, sondern auch seine Bürger leben in Erwartung weiter steigender Einkommen über ihre Verhältnisse.
2. Jeder freie Dollar wurde wieder in die so lukrativen Aktien gesteckt. Und was im Kaufhaus recht ist, kann an der Börse nur billig sein: Waren nach dem Konsumrausch im Warenmarkt keine Dollars mehr übrig, half die depotführende Bank gern mit einem Wertpapierkredit aus.

Der nachfolgende Chart zeigt eindrucksvoll, in welchem Umfang die Börsenkredite zunahmen:



Schätzungen gehen davon aus, dass der durchschnittliche amerikanische Aktionär bei seinem Broker mit 5-10 Prozent seines Depotwertes in der Kreide steht. Bei Lichte betrachtet, dürfte sich dieser Mittelwert jedoch aus einem grossen Prozentsatz unverschuldeter Anleger zusammensetzen, die einem kleinen Prozentsatz deutlich höher auf Kredit agierender Anleger gegenüberstehen. Eine zynische Volksweisheit besagt, dass Banken bei der zweiten Gruppe oft wie "Regenschirmverleiher" agieren: Sobald es zu regnen beginnt, wollen sie ihren Schirm zurückhaben! Nach nunmehr 8 Monaten sinkender Kurse bei den gerade von den "Zockern" so beliebten High-Tech-Aktien, dürfte so manche Bank schon gewaltsam die ersten Kredite ausgeglichen haben. Notverkäufe in einen schwachen Markt hinein drücken die Kurse jedoch weiter.

Der Chart zeigt auch die frappierende Korrelation zwischen dem Standard&Poors und den US-Börsenkrediten. Rein optisch entsteht der Eindruck, dass der Index in sich zusammenstürzen müsste, sollten alle Aktienkredite auf einen Schlag zurückgezahlt werden müssen. Dieser Umkehrschluss ist natürlich nicht zulässig, doch ein wichtiger Sachverhalt lässt sich dennoch aus dem Bild ableiten: Der Crash im Oktober 1987 war noch AUSLÖSER für eine Reduktion der Börsenkredite. In der Asienkrise 1998 erfolgte der Indexrückgang und die Kreditrückzahlung gleichzeitig. Doch dem Indexrückgang in diesem Jahr ging die Rückführung der Kredite voraus. Der Schluss liegt nahe, dass neuerdings also der Indexstand von der Höhe der Aktienkredite beeinflusst wird.

Effektenkredite sind aber nur ein kleiner Teil der am Kapitalmarkt wirksamen Liquidität:

Nachdem Greenspan zur Abwendung des asiatischen Finanzkollapses (und dem Zusammenbruch des LTCM Hedge-Fonds vor der eigenen Haustür) den Geldhahn weit aufgedreht hatte, wirkte sich die neu geschaffene Liquidität sofort als Sprungfeder für die weltweiten Aktienmärkte aus. Das Warnsignal, welches die asiatische Blase an die Aktienmärkte aussandte, wurde von so manchem Kapitalanleger mit einem Achselzucken abgetan. Inzwischen sind in japanischen und koreanischen Bankbilanzen die nächsten Milliardenlöcher entdeckt worden.

Die flüssigen Mittel der Aktionäre stehen zudem auch einem stark anschwellenden Kapitalbedarf immer neuer Aktiengesellschaften gegenüber, die die gesamte freiwerdende Liquidität aufsaugen. Wo sollen also per saldo steigende Kurse für die schon bestehenden Unternehmen herkommen? Als Möglichkeit bleiben nur Umschichtungen aus den Anleihe- in die Aktienmärkte oder frisches Geld aus dem Ausland.

Zinsen - Mr. Greenspan in der Zwickmühle

Die Anleihemärkte gewinnen jedoch in durchwachsenen Börsenzeiten, wie Sie nunmehr seit März zu beobachten sind, eine regelrechte Renaissance. Dabei befindet sich die USA weltweit noch in einer Sonderrolle, weil die Überschüsse der Staatskasse zu einer Schuldenrückzahlung der Staatsanleihen genutzt werden. Folgerichtig steigt die Nachfrage nach den verbleibenden Papieren: Die Anleihepreise der 10- und 30-jährigen Treasury Bonds klettern seit Ende Januar, so dass die Zinsen sinken. Inzwischen liegt die von der FED festgelegte Diskontrate über den langlaufenden Staatsanleihen! Damit allein ergibt sich bereits der Druck, auch die Leitzinsen zu lockern. Dieser wird von den Erwartungen der Marktteilnehmer verstärkt, die bei jedem noch so kleinen Schwächezeichen der Konjunktur sofort Zinssenkungen fordern. Schliesslich kommt ihrer Ansicht nach eine schwächere Konjunktur durch gelockerte Zügel in der Geldpolitik wieder auf Trab.

Mit niedrigen Zinsen wird der Aktienmarkt beflügelt. Das kann einem vorausschauenden Notenbankchef, der bereits am 5. Dezember 1996 (!) von einem "irrationalen Überschwang" der Aktienmärkte sprach, nur ein Dorn im Auge sein. Hinzu kommt die Gefahr, dass bei weiteren Zinssenkungen in den USA das dortige Zinsniveau im Vergleich mit dem Europäischen als zunehmend unattraktiv empfunden wird. Internationale Anleger, die auf den Dollar gesetzt haben, könnten die in den USA geparkten Gelder abziehen und beispielsweise in den Euro umtauschen. Eine solche Kapitalverschiebung würde den Euro beflügeln.




Das Schaubild zeigt, dass sich die Zinsen für Anleihen mit langer Restlaufzeit in Deutschland und den USA angleichen.

Gegenwind von der Währungsseite

Stiege nun der Euro gegen den Dollar über einen längeren Zeitraum an, so müsste aus europäischer Sicht bei allen Kapitalanlagen in den Staaten, d.h. Aktien und Anleihen, ein Währungsabschlag einkalkuliert werden. In Konsequenz ist ein bevorstehender Kapitalabfluss aus den USA realistisch, zumindest wird kein frisches Geld aus Europa in die USA fliessen, es sei denn, die Trendwende des Euro misslingt einmal mehr.
Die Charttechnik deutet aber zur Zeit auf einen bevorstehenden Anstieg des Euro hin. Damit sinkt der Spielraum für Zinssenkungen in Amerika. Schliesslich könnte die USA durch einen Zinsschritt nach unten die Kapitalflucht insoweit anheizen, dass durch Steigerungen der Importpreise genau die Inflation zur Hintertür hereinmarschiert, die aufgrund der abflauenden Konjunktur im eigenen Land für unwahrscheinlich gehalten wurde.

Gewinnentwicklung - Bäume, die partout nicht in den Himmel wachsen wollen

Experten schätzen, dass seit März dieses Jahres weltweit 4,5 Billionen Dollar (Buchgewinne) vernichtet wurden. Dennoch ist die High-Tech-Blase noch nicht geplatzt. Die US-Zeitschrift BARRON`S beispielsweise geht für den Nasdaq noch immer von einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 100 aus. Sollte die Konjunktur auch nur leicht abflauen, weil die amerikanischen Verbraucher angesichts schrumpfender Börsengewinne eventuell doch ihren Konsum einschränken, so werden weitere Unternehmen ihre Gewinnprognose herabsetzen müssen. Das führt dann jedoch wieder zu steigendem Druck auf die Aktienmärkte. Bis jetzt jedoch haben wichtige Branchen wie die Venture-Capital-Gesellschaften die Warnzeichen offenbar noch gar nicht erkannt: Sie investieren munter weiter in aufstrebende "Dot-com"-Unternehmen, die eine erhebliche Cash-Burn-Rate aufweisen.

Doch gerade die Internetfirmen haben das Problem, dass in ihrem Segment jede gute Idee leicht nachzuahmen ist. Das bedeutet, dass gerade die besonders lukrativ erscheinenden Bereiche die Konkurrenz auf den Plan ruft, was zwangsläufig sinkende Margen nach sich zieht.

Fazit

Die Bewertungsaufschläge für stark expandierende Unternehmen der High-Tech-Branche werden aller Voraussicht nach weiter schrumpfen. Kehren die Anleger den hoch bewerteten Technologie-Aktien den Rücken, besteht die Gefahr, dass die Konjunktur in den USA eine Delle davonträgt: Der hohe Aktionärsanteil der Bevölkerung, der auf Technologietitel gesetzt hat, könnte nämlich seine Ausgaben nicht nur am Aktienmarkt, sondern auch in der Realwirtschaft drosseln. Damit ist die nicht nur von Greenspan befürchtete "harte Landung" der US-Konjunktur jedoch gar nicht so mehr fern. Flammt in diesem Szenario dann beispielsweise noch eine neue Asienkrise auf, so wird das Stabilisieren der ins Taumeln geratenden Weltfinanzmärkte wohl ungleich teurer als 1998.

Dr. Hans-Dieter Schulz / Lutz Mathes



14.12.2000 09:32
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Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige668550.php3?id=21093
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14.12.00 14:14:06
Beitrag Nr. 5 ()
Am Ende einer Korrektur muß es immer eine Pleite oder einen Skandal geben




Von Hans A. Bernecker


Am Ende einer Korrektur muß es immer eine Pleite oder einen Skandal geben. Diese haben wir jetzt gleich zweifach, und das ist in der Regel wirklich das Ende einer Baisse oder Korrektur: Einmal DAIMLERCHRYSLER am etablierten Markt und zum anderen EM.TV am Neuen Markt. Diese Vermutung hatte ich kürzlich schon geäußert. Wie es weiter geht, hängt zweifelsohne von der Vernunft ab. Daimler ist ein Blue-chip, und keine Blase, EM-TV ein typischer Fall von Selbstüberschätzung wie sie am NM leider häufig zu beobachten ist.

Ob es an der Wall Street ebenso verläuft, ist noch offen, aber durchaus wahrscheinlich. Denn Fälle wie XEROX hinterlassen deutliche Spuren im Markt, während kritische Entwicklungen wie bei AMAZON noch für Unruhe sorgen. Das Weihnachtsgeschäft wird es an den Tag bringen. Aber es muß natürlich nicht unbedingt gleich ein Chapter 11 sein. Das ändert nun alles nichts daran, daß die Märkte nach oben wollen, und Greenspan gab dazu bereits grünes Licht.

Das Soft-Landing der amerikanischen Konjunktur liegt absolut im Plan. Was hier die FED geleistet hat, ist bislang einmalig. Daraus wiederum abzuleiten, daß die Gefahr eines Absturzes bestünde, ist schlicht absurd, aber bezeichnend für die gegenwärtige Stimmungslage. Als größte Bremse erwies sich die Vermögensvernichtung im Umfang von immerhin 3,6 Bill $ an der US-Börse, davon 2,5 Bill an der Nasdaq.

Der Zahlenkranz ist eindeutig und wegweisend zugleich. Die Jahresrate für das BIP-Plus sinkt unter 3 %, und 2,5 % sind die bekannte kritische Grenze. Unwichtig sind die reinen Quartalszahlen, wie sie jetzt gerade mit 2,4 % veröffentlicht wurden. Die Zuwachsraten in den Investitionen haben sich auf 7,5 % Jahresrate reduziert, der Konsum schwankt um + 4 %. Beide Daten signalisieren eine robuste Wirtschaft. Da die Inflationsrate, an der sich die FED orientiert, bei 2,1 % liegt, ist ein Zinsschritt noch nicht notwendig.

Die spannende Frage: Ab wann wird die FED handeln? Die langen Zinsen bröckeln bereits, die kurzen Zinsen stagnieren. Ganz offensichtlich wartet der Markt also auf ein Signal. Schon die Ankündigung wird reichen, und ich rechne mit einem solchen Signal ab Januar, nachdem Greenspan am Dienstag vergangenener Woche bereits orakelte. Dann verfügt die FED auch über die Zahlen für das IV. Quartal. Frage ist, wann der Aktienmarkt dies vorwegzunehmen beginnt, nachdem alle negativen Berichte über die Gewinntrends komplett vorliegen. Der erste Ansatz lief jedoch schon am Dienstag.

Der Euro wird zweifelsohne erst einmal davon profitieren. Daraus entwickelt sich zugleich eine interessante Konstellation innerhalb der wichtigsten Währungen: Der Yen verliert zwar z.Zt. gegen den Dollar, aber noch mehr gegen den Euro, wenn dieser gegen den Dollar gewinnt. Dafür halte ich unverändert und für viele möglicherweise überraschend einen Kurs von 1:1 für denkbar. Der Grund: Ich rechne damit, daß in den nächsten Monaten der Kapitalzufluß nach Amerika abnimmt oder sich sogar in ein Gegenteil verkehrt.

Das Fazit für Sie: Die wirklich kritischen Wochen liegen hinter uns. Nachwehen mag es noch geben, doch wie fast immer im Herbst: An den Chancen einer kräftigen Winter-Rally halte ich fest, da alle Märkte massiv überverkauft sind und eine Trendwende in solchen Fällen mit sehr heftigen Bewegungen verbunden ist. Bleiben Sie dabei: Qualität geht vor. Dies gilt beiderseits des Atlantiks. An den Neuen Märkten (Nasdaq und Nemax) steigen die Kurse, auch wenn wenig dahinter steht. Das reicht nur für ein Trading."



Hans A. Bernecker



14.12.2000 10:23
©boerse.de


Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige668550.php3?id=21096
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14.12.00 14:21:40
Beitrag Nr. 6 ()


interresanter Vergleich: Nikkei/Nasdaq

d.h. die Nasdaq geht doch auf 3400;)

GRUß

MAESTR:D
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16.12.00 15:53:50
Beitrag Nr. 7 ()
@HSM:


genau solche Threads machen dieses Board lesenswert!

danke.
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16.12.00 16:08:28
Beitrag Nr. 8 ()
Einspruch !!! :)

Der Nikkei stand 1990 alleine da, die Nasdaq hat den großen Bruder DOW.
Und dieser hat erst diese Woche angefangen zu korregieren.

Ob sie die Nasdaq tatsächlich gegen den DOW durchsetzt und jetzt steigt? :eek:
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16.12.00 16:33:38
Beitrag Nr. 9 ()
Der Dow reißt den Nasdaq runter auf 1500!
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16.12.00 16:35:09
Beitrag Nr. 10 ()
2300 bis Ende des Jahres und 1800 bis Ende Februar. :)

doch obacht falls doch noch eine Rallye kommen sollte, Einstieg nicht verpassen !!! :D
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16.12.00 16:37:48
Beitrag Nr. 11 ()
Danke für das Hereinstellen dieser Analysen.
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16.12.00 17:00:22
Beitrag Nr. 12 ()
@germanasti

gar seltsam ist des propheten lied!
seltsamer noch ist was geschieht.
j.w. goethe

also was jetzt? 2300 oder rally? nachher behauptest du wieder ich hab`s ja gesagt!;)

gruss woernie
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16.12.00 23:52:29
Beitrag Nr. 13 ()
Woernie:

Magst Du mich nicht verstehen wollen? :cry:

Fundamental sind die 2300 das nächste Ziel.
Sollte es jedoch psychologisch zu einer 2. Weihnachtsrallye kommen, muss man sofort einsteigen. No Problem :)
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19.12.00 23:59:41
Beitrag Nr. 14 ()






»Es wird ein Crash kommen – und er könnte schrecklich sein«, warnte der umstrittene Ökonom Roger Babson vor der jährlichen nationalen Wirtschaftskonferenz am 5. September 1929. Die Warnung erfolgte damit nur zwei Tage nach Erreichen des Börsenhochs einer bis dahin beispiellosen Rekordhausse, die den Investoren seit dem August 1921 Zuwächse von annähernd 500 % beschert hatte.

Dagegen waren die Mehrzahl der Bankiers und die große Schar ihrer hoffnungsfrohen Klientel fest davon überzeugt, dass die amerikanische Wirtschaft sich auf dem rechten Weg befände, und dass Wall Street nur das klare Spiegelbild des ungeheuren Fortschritts und des wachsenden Wohlstandes sei. Wenige Tage vor der großen Börsenkatastrophe, am 15. Oktober 1929, sprach der hoch angesehene Börsenoptimist Irving Fischer, Professor an der Yale-Universität, die unsterbliche Feststellung aus: »Die Aktienkurse haben offenbar ein dauerhaft hohes neues Niveau erreicht.« Und: »Ich erwarte, dass die Kurse in wenigen Monaten ein gutes Stück höher als heute stehen werden.«

Nach der markanten Aufwärtsbewegung des amerikanischen Aktienmarktes in den vergangenen zehn Jahren schallen dem Börsenpublikum heute ähnlich kontroverse Stimmen entgegen. Die eine Seite sieht die historisch hohen Kurse auf Grund der »digitalen Revolution« ökonomisch gut fundiert und erwartet für die nächsten Jahre erneut eine Fortsetzung des langjährigen Kursaufschwungs. Auf der anderen Seite wird vor einer spekulativen Kursblase gewarnt [1], die insbesondere die Aktien aus den Bereichen Telekommunikation, Medien, Internet und Biotechnologie erfasst hätte. Sind diese Warnungen berechtigt? Kann sich das Börsendesaster von 1929 wiederholen?


Die Vision einer neuen Ära

Jede lang währende Hausse scheint als Fundament ein populäres Leitthema zu benötigen, das die Fantasie der breiten Masse der Kapitalanleger für eine lange Zeit anzuregen vermag. Der Auslöser des Börsenrauschs der goldenen 20er Jahre waren die fantastischen technischen Errungenschaften wie Radio, Elektrizität und Auto sowie die organisatorischen Neuerungen, die durch Frederick Taylor inspiriert wurden. Die Fließbandproduktion in der Automobilindustrie und der spektakuläre Transatlantikflug von Charles Lindberg im Jahre 1927 ließen die alte Eisenbahnindustrie verblassen und rückten den Traum grenzenloser individueller Mobilität für viele Bürger in greifbare Nähe.

Dieser ungeheure Fortschritt faszinierte damals Unternehmer, Verbraucher, Politiker und Anleger gleichermaßen. Mit ihm verbunden waren erhebliche Produktivitätssteigerungen, eine ganz entscheidende Triebfeder der amerikanischen Prosperity. Die Arbeitsproduktivität erhöhte sich in nur zehn Jahren um erstaunliche 43%. Damit einher gingen hohe Wachstumsraten bei Preisstabilität und niedrige Arbeitslosenquoten. Von 1922 bis 1929 betrug das durchschnittliche reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts 4,2%.

Goldene Zeiten brachen aber vor allem für die Unternehmer an. Unter dem republikanischen Präsident Calvin Coolidge (1923 bis 1929) wurde eine wirtschaftsliberale Politik betrieben und der Grenzsteuersatz von 73% auf 25% ermäßigt. Die Unternehmensgewinne erhöhten sich von 1923 bis 1929 um über 60%, weil insbesondere die Löhne nur ein Viertel so stark stiegen wie die Produktivität. Die tradierten volkswirtschaftlichen Zusammenhänge schienen den damaligen Zeitgenossen überholt. Amerika war nicht nur nach Ansicht von John Moody, dem Gründer der gleichnamigen Rating-Agentur, in eine »neue Ära« eingetreten.

Siebzig Jahre später scheint sich die Geschichte in neuem Gewande zu wiederholen. Diesmal ist es das rasante Wachstum des Internets, das die Fantasie der Anleger blühen lässt. Die Vernetzung der privaten Haushalte und der Unternehmen hat die Informations- und Datenflüsse weltweit revolutioniert. Die Verbreitung des Internets könnte sich als die Basisinnovation erweisen, die eine neue, lange Wachstumsphase eingeläutet hat.

Wie in den 20er Jahren Radio und Film erschließt das Internet für Produzenten und Verbraucher neue Welten. Informationen können mit dem neuen Medium in Sekundenschnelle weltweit recherchiert, verarbeitet und elektronisch versendet werden. Der Vertrieb homogener Produkte der Finanzbranche (z. B. Kredite, Aktien, Versicherungen) oder der Konsumbranche (Reisen, Bücher, Musik) kann heute zunehmend über das Netz abgewickelt werden. Die größten Produktivitätsgewinne verspricht das Internet aber in der Kommunikation zwischen den einzelnen Unternehmen (Business to Business). So kann beispielsweise der Einkauf großer Unternehmen über elektronische Marktplätze erfolgen, so dass die Transaktionskosten wesentlich gesenkt werden.

Die deutlichen Produktivitätssteigerungen ließen das Bruttosozialprodukt in Amerika von 1991 bis 1999 real um durchschnittlich 3,6% pro Jahr wachsen. Über eine noch dynamischere Entwicklung durften sich Unternehmer und deren Kapitalgeber freuen. Die Unternehmensgewinne legten von 1991 bis 1999 mit durchschnittlich 9,4% deutlich schneller zu als die durchschnittlichen Löhne (3,2%). Die Tatsache, dass diese beachtlichen Zuwächse ohne nennenswerte Inflation erzielt werden konnten, haben wie in den 20er Jahren der These Vorschub geleistet, die USA seien nunmehr in eine »neue Ära« eingetreten, in der hohes Wirtschaftswachstum mit niedrigen Zinsen und niedriger Inflation spannungsfrei einhergehe.

Mit dem tiefen Glauben an eine derartige Goldilock Economy werden Einwände und die historischen Erfahrungen leicht beiseite geschoben oder verdrängt.

Dabei könnten sich viele Internet-Fantasien der Börsianer als Luftschlösser erweisen. In dem Bereich der physischen Freizeitgestaltung (Sport, Wellness) sind dem weltweiten Netz ebenso Grenzen gesetzt wie beim Vertrieb von beratungsintensiven oder inhomogenen Produkten. Noch schwerwiegender dürften sich allerdings die Kräfte des Wettbewerbs erweisen. In den E-Commerce-Bereich neu eintretende Firmen werden von den euphorischen Börsianern bisher noch mit reichlich Eigenkapital versorgt, womit die Grundlage für mehr Wettbewerb in der Zukunft geschaffen wird. Hinzu kommen noch die etablierten Handelskonzerne, die dank ihrer Größe massive Investitionen in diesen Bereichen tätigen können und über einen hohen Bekanntheitsgrad verfügen.

Ob die Internet-Pioniere in einem zunehmend wettbewerbsgeprägten Umfeld die hochgeschraubten Gewinnerwartungen, die in den fantastischen Börsenbewertungen reflektiert werden, jemals werden erfüllen können, scheint zumindest für die Mehrzahl der Anbieter fraglich. Der verlustreichen Investitionsphase könnte statt der erhofften Monopolgewinne eine Phase des ruinösen Wettbewerbs folgen.

Kursrekorde auf dünnem ökonomischen Fundament

Mitte der 20er Jahre mochte noch niemand etwas von der anschließenden Kursexplosion geahnt haben. Von 1921 bis 1924 hatten die Börsianer mit einer Rendite von durchschnittlich 12 % durchaus keine schlechten, aber eben auch keine außergewöhnlichen Jahre hinter sich.

Die Übertreibungsphase begann im Jahr 1926. Immer steiler ging es nun aufwärts, Verschnaufpausen fielen immer spärlicher aus. Allein in den letzten zwölf Monaten der damaligen Hausse zogen die Kurse um knapp 60% an. Am Ende hatte die Gesamtbewegung von August 1921 bis September 1929 eine Rendite von rund 500% oder annähernd 25% pro Jahr erbracht. Auch der enorme wirtschaftliche Fortschritt in den goldenen 20ern konnte derartige Kursgewinne nicht rechtfertigen.

In den 90er Jahren zeigte der amerikanische Aktienmarkt ein vergleichbares Bild. Von 1991 bis 1994 wuchs der S&P100 stetig und nahezu linear an, bis dahin durchaus im Einklang mit den makroökonomischen Einkommensgrößen. Die Hausse gewann ab 1995 richtig an Fahrt.

Die Spekulation wurde insbesondere an der technologielastigen Börse NASDAQ kräftig angeheizt. Der die 100 größten Technologieaktien umfassende Aktienindex Nasdaq100 konnte von Oktober 1998 bis Ende März 2000 noch einmal um 230% zulegen.




Gegenüber dem in (1) abgebildeten S&P100, der von Januar 1991 bis März 2000 Kursgewinne von über 400% zu verzeichnen hatte, stieg der Nasdaq-Index in derselben Zeit sogar um unglaubliche 1.960%. Damit stellt die gegenwärtige Bewegung die spekulativen Exzesse der 20er Jahre deutlich in den Schatten.

Die realwirtschaftlichen Größen können mit diesem stürmischen Wachstum längst nicht mehr mithalten. Geht man beispielsweise davon aus, dass der amerikanische Aktienmarkt in den nächsten fünf Jahren auf dem aktuellen Kurslevel stagniert, so müssten die Unternehmensgewinne mit durchschnittlich 13,75% per annum wachsen, um die bereits entstandene Lücke zu schließen. Dies wäre eine deutlich höhere Rate als in den vergangenen fünf Boom-Jahren (Gewinnwachstum 10,93%). Setzte sich allerdings das Tempo der Kurssteigerungen der letzten fünf Jahre mit einer jährlichen Performancerate von 26% in den nächsten fünf Jahren fort, so wäre schon ein Gewinnwachstum von 43% erforderlich, um die dann erreichten Kursstände auch fundamental zu untermauern.

Dabei wird schon von vielen Kritikern vermutet, dass die erheblichen Gewinnanstiege der letzten fünf Jahre teilweise virtueller Natur sein könnten. Beispielhaft lässt sich das Phänomen der Stock Options anführen, mit denen jahrelang die Gewinne hoch- und die Personalkosten kleingerechnet wurden. Da die echten Kosten dieser Optionen nach amerikanischem Bilanzrecht nicht ausgewiesen werden müssen, konnte ein scheinbar stetig steigender Unternehmensgewinn bei tendenziell sinkenden Personalkosten dargestellt werden.

Die Kritiker vergleichen derartige Bilanzmanöver sogar mit den luftigen Buchhaltungspraktiken verschiedener japanischer Firmen in der Bubble-Phase der achtziger Jahre.

Sollte die Wachstumsrate der Gewinne börsennotierter US-Aktiengesellschaften letztlich wieder auf ihren langjährigen Durchschnittswert (1973 bis 1999) von 8,65% zurückfallen, dann müsste der amerikanische Aktienmarkt in den nächsten fünf Jahren um insgesamt 20,5% bzw. 4,5% pro Jahr fallen, um die Schere zwischen fundamentalen Größen und Aktienkursentwicklung wieder zu schließen.


Traditionelle Bewertungsmaßstäbe bedeutungslos

Eine der auffälligsten Parallelen zwischen den 20er und den 90er Jahren ist der Umstand, dass traditionelle Maßstäbe zur Bewertung von Aktien vor allem im Bereich der neuen Technologien zunehmend obsolet wurden. So standen in den 20er Jahren entsprechend dem tiefen Fortschrittsglauben vor allem die neuen Wachstumsindustrien Telefon, Elektronik, Luftfahrt, Chemie und der Versorgungsbranche im Mittelpunkt der Börsenhausse.

Diese Branchen kennzeichneten eine kurze Firmenhistorie und hohe, jedoch kaum kalkulierbare Ertragsperspektiven bei zugleich geringen oder fehlenden Dividendenausschüttungen. Ließen sich die Bewertungen nicht mehr nach traditionellen Maßstäben eingrenzen, so konnte mit neuen Kennziffern und fantasievollen Schätzungen jeder Kurs fundamental begründet werden. Diffuse Gewinnpotenziale scheinen somit ein gutes Fundament für den Bau spekulativer Luftschlösser zu bieten.

Prominentes Beispiel war damals die als »General Motors of the Air« bezeichnete Radio Corporation of America (RCA), die vor allem durch Akquisitionen ein rasantes Umsatzwachstum von über 50% pro Jahr erzielte, jedoch noch keine Dividenden zahlte. Ihr Kurs stieg seit Jahresbeginn 1928 von 85 USD bis zum September 1929 auf 505 USD. Die Aktien der in den 20er Jahren sehr innovativen Versorgungsbranche konnten in den zwölf Monaten vor dem Crash durchschnittlich über 120% zulegen, während die im Dow Jones-Index enthaltenen Industrietitel nur 60% und die als alte In-dustrie betrachteten Eisenbahnaktien lediglich rund 30% gewinnen konnten. Insoweit war der damalige Markt extrem gespalten.

Die herausragenden Aussichten und Übernahmefantasien, die den Wachstumsaktien zugesprochen wurden, spiegelten sich auch in weit überdurchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnissen wider. Das KGV der Versorgerbranche von durchschnittlich 26 wurde nur noch durch ein KGV von über 35 der innovativen Radioaktien übertroffen. Die im Dow Jones-Index enthaltenen Unternehmen wurden im September 1929 insgesamt mit dem einundzwanzigfachen ihrer erwarteten Gewinne bezahlt und damit doppelt so hoch wie der langjährige KGV-Durchschnitt von zehn bis zwölf. In der letzten Phase der damaligen Kursblase hatte sich die Marktkapitalisierung der Wall Street bis zu 89,7 Mrd. USD aufgebläht und überstieg mit dem Faktor 1,1 bereits das gesamte amerikanische Volkseinkommen in Höhe von 81 Mrd. USD.

Die aktuelle Bewertung der US-Aktien stellt heute die damaligen Rekorde längst in den Schatten. Die Marktkapitalisierung des amerikanischen Aktienmarktes in Höhe von 16,8 Billionen USD (NASDAQ: 6,6 und Big Board: 10,2 Billionen USD) übertraf Ende März 2000 mit dem Faktor 1,7 das nominale BSP von 9,5 Billionen USD. Während die neuen Lieblinge der Börsianer, die Internet-Aktien, bis zu den Kursturbulenzen im März und April von einem Allzeit-Hoch zum nächsten kletterten, befindet sich der überwiegende Teil der Aktien der »alten« Industrie in einer tiefen Baisse.

Von den Kursverlusten in den herkömmlichen Branchen, stellvertretend seien die Auto- und die Konsumbranche genannt, lenken die Aufsehen erregenden Höhenflüge der Technologieaktien ab. Von Anfang November 1998 bis Anfang März 2000 hat sich der technologielastige Aktienindex Nasdaq100 noch einmal mehr als verdreifacht, während die Investoren am Gesamtmarkt mit einer Performance von knapp 30% zufrieden sein mussten. Für viele Internettitel musste im März ein Kurs-Gewinn-Verhältnis jenseits der 200 in Kauf genommen werden.

Aktien gegenüber Anleihen relativ teuer

Die Vorliebe für das riskantere Aktiengeschäft wurde bereits in den 20er Jahren durch zeitgenössische Bücher angestachelt. E. L. Smith zeigte seinen Lesern, dass Aktien in den ersten beiden Dekaden des zwanzigsten Jahrhunderts deutlich höhere Erträge als Anleihen erzielt hätten.

So verselbstständigte sich schon damals die Idee, dass Aktien unabhängig von ihrer aktuellen Bewertung Rentenpapieren vorzuziehen seien. Die Dividendenrendite verlor deshalb in der Endphase der Spekulation ihre Funktion als Vergleichsmaßstab für die Rentabilität von Aktien im Vergleich zu Renten. Während die Dividendenzahlungen bis 1927 mit dem Anstieg der Aktienkurse noch einigermaßen mithalten konnten, war wohl der Gewinnsprung bei vielen Unternehmen wie z. B. General Motors 1928 der Auslöser für eine drastische Überschätzung künftiger Gewinnausschüttungen.

Die Hoffnungen auf eine Überrendite der Anlagegattung Aktien zerstoben in der großen Depression, die dem Kurssturz im Oktober 1929 folgte. Erst 25 Jahre später, am 23. November 1954, sollte der Dow Jones Industrials wieder den Höchststand des 2. September 1929 von 381,17 Punkten erreichen. Eine alternative Geldanlage in festverzinslichen Wertpapieren hätte dagegen das Kapital in dieser Zeit um rund 150% anwachsen lassen.

Die langjährige Hausse der Gegenwart hat unter den amerikanischen Investoren heute erneut den Glauben erweckt, dass Aktien festverzinslichen Papieren zu jedem Zeitpunkt überlegen seien. Die laufenden Dividendenrenditen von durchschnittlich rund 1,2% können dabei jedoch kaum als Kaufargumente herangezogen werden. In den letzten Jahren wurden diese Gewinnausschüttungen komplett von den Inflationsraten aufgezehrt. Zudem hat die Relation zwischen Unternehmensgewinnen und Kursniveau mit einer aktuellen realen Rendite von knapp unter einem Prozent ein historisches Tief erreicht hat. Gleichzeitig bekommen Investoren, die nicht allein auf die Zukunft setzen wollen, am kurzen wie am lange Ende des Rentenmarkts deutlich höhere Realzinsen geboten. Die Spannungen zwischen den Aktien- und Rentenrenditen, die sich beispielsweise auch im Sommer 1987 in ähnlicher Größenordnung aufgebaut hatten, entluden sich schließlich am 19. und 20. Oktober 1987, als der Dow Jones Industrials in zwei aufeinander folgenden Handelstagen variabel mehr als 40% seines Werts einbüßte. Die seit Anfang 1999 anziehenden Realzinsen haben die Schere zwischen Eigenkapital- und Fremdkapitalverzinsung erneut weit geöffnet.

Eine expansive Geldpolitik finanziert die Börsenparty

Das Schmiermittel jedes Aktienbooms ist reichlich vorhandene Liquidität der Marktteilnehmer. Im Laufe einer wachsenden Kursblase muss allerdings ein immer größerer Teil der gesamtwirtschaftlichen Geldmenge für die Finanzierung der laufenden Börsenumsätze abgezweigt werden und steht somit für den Güterkonsum nicht mehr zur Verfügung. Dies erklärt auch die jeweils als »neu« gefeierte Kombination aus nahezu unveränderten Konsumgüterpreisen und explodierenden Preisen für Vermögenswerte (Asset Inflation), wie sie für die großen Spekulationsbewegungen der 20er und 90er Jahre kennzeichnend waren.

Die Geldumsätze an den Wertpapierbörsen Amerikas hatten während der goldenen 20er Jahre unglaubliche Höhen erreicht. Im Crashjahr 1929 wurde ein Dollar- Volumen in Höhe des 1,3fachen BSP umgesetzt. Von 1931 bis 1990 war es dann um die US-Börsen verhältnismäßig still geworden. Die Relation der Wertpapierumsätze pro Jahr zum BSP machte nicht einmal mehr 50%, in der Zeit von 1934 bis 1982 sogar weniger als 25% des BSP aus.

Ganz anders das Bild in den boomenden 90ern. Eine verbesserte technische Infrastruktur und elektronische Brokerhäuser erlauben auch dem privaten Anleger den zeitnahen An- und Verkauf von Wertpapieren innerhalb eines Tages (Intraday Trading). Die jährlichen Dollar-Umsätze haben 1999 rund 250% des BSP erreicht und in den ersten Monaten des Jahres 2000 wurde dieser fantastische Wert noch bei weitem übertroffen.

Inwieweit die amerikanische Notenbank den finanziellen Nährboden für diese spekulativen Exzesse bereitet hat, entzweit Ökonomen damals wie heute. Unstrittig ist, dass die Anfangsphase beider Boombewegungen von einer Politik des lockeren Geldes begleitet war. Seit 1921, dem letzten Jahr der zur Bekämpfung der Nachkriegsinflation eingeleiteten restriktiven Geldpolitik, betrieb die amerikanische Notenbank eine akomodierende Geldpolitik, in der der Diskontsatz von 6% im Jahre 1921 bis Mitte 1927 auf 3,5% gesenkt wurde. Die eigentliche Inflation und Kreditschöpfung spielte sich im Wertpapierbereich ab, aber die Überwachung der Kapitalmarktpreise gehörte nicht zu den expliziten Zielvariablen der amerikanischen Notenbank. Als es einigen Mitgliedern des amerikanischen Geldwesens dämmerte, dass die Verbindung von Wertpapierkrediten und Börsenboom Sprengkraft birgt, war es bereits zu spät, um das Spekulationskarussell zu stoppen.

Die Börsen nahmen gerade dann markant Fahrt auf, als sich die Notenbank entschlossen hatte, mit drei Diskontsatzerhöhungen um insgesamt 1,5% bis auf das Niveau von 5% im Sommer 1928 die spekulative Bewegung abzubremsen. Als der Aktienmarkt auch die Warnung des Notenbankpräsidenten Roy Young, dass Zentralbankgeld nicht für kreditfinanzierte Spekulation missbraucht werden darf, sondern nur für produktive Zwecke zur Verfügung stehe, über ein halbes Jahr ignorierte, wurde der Diskontsatz schließlich am 9. August 1929 noch einmal von 5% auf 6% angehoben. Der entscheidende Schlag, wie sich jedoch erst zwei Monate später herausstellen sollte.

Siebzig Jahre später scheint sich die Federal Reserve (Fed) in einem ähnlichen Dilemma zu befinden. Dabei hat die Politik des Notenbankpräsidenten Alan Greenspan bei vielen Beobachtern große Anerkennung gefunden. Alan Greenspan hatte die Wirtschaft seit 1995 reichlich mit Liquidität versorgt, als sich die realen Wachstumspotenziale des Internetsektors abzuzeichnen begannen.

Das in den vergangenen beiden Jahren in Relation zum realen BSP überproportionale Geldmengenwachstum hat sich trotz der hohen Konsumneigung der amerikanischen Haushalte noch nicht in steigenden Güterpreisen niedergeschlagen. Dafür werden in der New Economy auch gute Gründe angeführt. Das Internet sorgt für eine deutlich höhere Markttransparenz und verringert die Preisspielräume für viele Anbieter. Der Personalbedarf im Zuge des stürmischen Wirtschaftswachstums konnte ohne bedeutende Lohnzugeständnisse aus dem amerikanischen Arbeitskräftereservoir und durch Immigration gedeckt werden. Die Arbeitslosenquote ist auf ein Rekordtief von 4,1% gesunken. Wie in den 20er Jahren hat damit die Notenbank den Auftrag der Wahrung von Preisniveaustabilität bei gleichzeitiger Förderung des Wirtschaftswachstums vordergründig mit Bravour erfüllt.

Die expansive Geldpolitik der letzten Jahre hat aber nicht nur die produktiven, sondern eben auch die spekulativen Kräfte der amerikanischen Volkswirtschaft geweckt. Die Notenbankpolitik der verbalen Interventionen (Moral Suasion) erwies sich, nicht zuletzt auf Grund ihres häufigen Gebrauchs durch Alan Greenspan, vorerst als wirkungslos.

Darüber hinaus klafften die Äußerungen und die Handlungen der amerikanischen Notenbank im Herbst 1998 weit auseinander. Angesichts der deflatorischen Wirkungen der Krisen in den Emerging Markets und des starken Kursrückgangs am amerikanischen Aktienmarkt im Herbst 1998 auf Grund des LTCM-Debakels rang sich die Fed zu drei Leitzinssenkungen durch. Vom 28. September bis zum 17. November 1998 wurde die Federal Funds Target Rate jeweils um ein Viertel Prozent von 5,5 auf 4,75% zurückgenommen.

Das war das Signal, auf das die Investoren gewartet hatten. Weil diese Bail Out-Aktion die Balance zwischen Risiko- und Ertragserwartungen der Anleger veränderte, ließen sich die Entfesselung der Spekulationskräfte und die furiose Entwicklung der Internetaktien auch durch den zwischenzeitlichen Übergang zu einer restriktiveren geldpolitischen Linie in den USA nicht mehr aufhalten. Die Erhöhung der Federal Funds Target Rate auf 6% bis zum 22. März 2000 zeigte an den Aktienmärkten keine Wirkung.

Alan Greenspan hat sich mit seinem undogmatischen Krisenmanagement im Herbst 1998 in den Augen einiger Kritiker den fragwürdigen Ruf des Retters erworben, der auch in Zukunft nicht zulassen würde, dass die Kapitalmärkte drastisch unter ihr gegenwärtiges Niveau fallen würden. Damit könnten die Investoren eine implizite Bail Out-Garantie verbinden.

Die Rettungsaktionen und die Übertreibungen der jüngsten Vergangenheit haben erneut die Frage aufgeworfen, ob die Notenbanken auf die Entwicklung der Aktienpreise reagieren sollten. Unstrittig ist, dass Notenbanken Inflationsgefahren, die aus der Höherbewertung des Aktienvermögens und einem entsprechenden Mehrkonsum der privaten Haushalte resultieren, kontrollieren sollten.

Empirischen Schätzungen zufolge hat der Anstieg des S&P500 seit Anfang des Jahres 1995 die Konsumgüternachfrage der privaten Haushalte in den USA mehr als 4% nach oben getrieben. Die Fed hat mit dem jüngsten Übergang zu einer restriktiveren Politik den Märkten signalisiert, dass sie diese indirekte Bedrohung der Preisniveaustabilität nicht hinzunehmen bereit ist.

Die langfristigen Folgen einer geplatzten Spekulationsblase

Sollte die Fed darüber hinaus versuchen, die Schwankungen und Übertreibungen der Aktienmärkte in Richtung geeigneter Fundamentalfaktoren zu glätten? Die Beantwortung dieser Frage hängt wesentlich davon ab, welche langwierigen Folgen für eine Volkswirtschaft nach dem Platzen einer Bubble zu erwarten sind.

Das wichtigste Argument für ein rechtzeitiges Handeln der Notenbank sind die langfristigen Folgen einer geplatzten Spekulationsblase für die Realwirtschaft. Als sich im Oktober 1929 die luftigen Börsengewinne wieder in Luft auflösten, sollte eigentlich nur eine Fiktion verloren gegangen sein. Doch wie alle Fiktionen konnten auch die damaligen Börsenfiktionen tief in das reale Wirtschaftsleben eingreifen.

Verbraucher, die bislang nicht die geringsten Bedenken hatten, ihre Haushaltsbudgets auf Monate hinaus in der Erwartung vorzubelasten, dass sie die fälligen Ratenzahlungen aus Börsengewinnen begleichen könnten, hatten nach dem Crash erhebliche Mühe ihren Verpflichtungen nachzukommen. Rund 60 % aller Automobile und 80 % aller Radios wurden damals auf Kredit gekauft und standen nun auf Abzahlung in den Garagen und Wohnungen der Kunden. Unter diesen Umständen war an neue Anschaffungen nicht zu denken.

Und Unternehmer, die auf der Grundlage ihres Effektenbesitzes Kredite zur weiteren Expansion ihrer Unternehmen aufgenommen hatten, verwandelten sich durch den Crash über Nacht in zweifelhafte Schuldner, denen die Bank die Kredite kündigt. Einmal in Gang gekommen, drehte sich der Teufelskreislauf zwischen Konsumzurückhaltung, Investitionsstopp, Produktionseinschränkung, Lohnverlusten, Stimmungsverschlechterung und erneuter Konsumeinschränkung immer schneller. Ehe man sich versah, war man in einer Depression epidemischen Ausmaßes.

Das Bruttosozialprodukt schrumpfte in drei Jahren um ein Drittel. Die Arbeitslosenquote sollte von 3,2% im Jahre 1929 auf annähernd 25% im Jahre 1933 anwachsen, 85.000 Unternehmen mit Außenständen von 4,5 Mrd. USD gingen in den Konkurs.

Der Finanzkrise ging in den 20er Jahren eine wahrhafte Kreditorgie voraus. So arbeiteten beispielsweise die geschlossenen Investmenttrusts mit hohen Fremdkapitalanteilen. Ihre einzige Aufgabe war es, die gepoolten Anlegergelder des Privatpublikums breit gestreut in Börsenwerten »à la hausse« anzulegen. Oftmals schuf man dabei ein undurchsichtiges Geflecht an mehrstufigen Beteiligungsholdings, also gehebelten Fonds, die Anteile an anderen – ebenfalls gehebelten – Fonds hielten. Aber nicht nur innerhalb der Investmenttrusts wurde mit den vermeintlichen Segnungen des Kredits gearbeitet.

Kapitalschwachen Anlegern wurden von ihren Wertpapiermaklern auch direkt Wertpapierkredite (Margin Loans) gegen Verpfändung der mit diesen Krediten gekauften Aktien zur Verfügung gestellt. Rund 1 Mill. Anleger spekulierten am Aktienmarkt mittels Margin Loans. Unter dem Andrang der Spekulation stieg ihr Volumen von 2 Mrd. zu Anfang der 20er Jahre bis kurz vor dem Crash auf Schwindel erregende 8,5 Mrd. USD, was knapp 10% der ausstehenden Marktkapitalisierung und des Volkseinkommens entsprach.

Auch heute zeigen sich Phänomene einer Kreditinflation. Die permanenten Kursgewinne am amerikanischen Aktienmarkt vermitteln den privaten Haushalten ein trügerisches Gefühl der Sicherheit. Ihr zu Marktkursen bewertetes Vermögen hat sich von 1990 bis 1999 von 24,3 Billionen auf 48,9 Billionen USD mehr als verdoppelt. Während der Vermögenszuwachs bei den realen Gütern (Grundstücke, Immobilien) mit durchschnittlich 4% p. a. vergleichsweise moderat ausfiel und ihr Anteil am Gesamtvermögen in den 90er Jahren von 30 auf 23% zurückging, schnellte das Portfoliogewicht des direkten Aktienbesitzes der privaten Haushalte von rund 7% auf über 16% nach oben. Der Anteil des in Pensions- und Investmentfonds gehaltenen indirekten Aktienbesitzes konnte von rund 16 auf 27,5% zulegen.

Immer mehr Amerikaner wollen auch an dem schnellen Reichtum teilhaben, den der Aktienmarkt verspricht. Der Anteil der Haushalte, die über direkten oder indirekten Aktienbesitz verfügen, ist bis zum Jahre 1998 von etwas mehr als 40% auf knapp 49% gestiegen. Damit liegt dieser Wert weit über der Partizipationsrate von schätzungsweise 5 bis 10% der Haushalte, die in den 20er Jahren am Aktienmarkt spekulierten.

Welche Auswirkungen hat nun die permanente Höherbewertung des Wertpapiervermögens? Es war das Verdienst Milton Friedmans, die Grenzlinien zwischen Konsum, Einkommen und Vermögen neu zu ziehen. Demnach verfügen die privaten Haushalte über ein höheres permanentes Einkommen und können sich entsprechend mehr Konsum leisten, wenn Vermögenszuwächse als dauerhaft interpretiert werden. Die kräftige Ausdehnung der Konsumentenkredite von 863 Mrd. USD im ersten Quartal 1994 auf 1.428 Mrd. USD im vierten Quartal 1999 deutet darauf hin, dass die privaten Haushalte auch in Zukunft Erträge am Aktienmarkt erwarten, die die Zinsbelastung der aufgenommenen Kredite decken.

Angesichts der Aufwärtsdynamik des amerikanischen Aktienmarkts haben die Anleger auch die Scheu vor kreditfinanzierter Spekulation wieder verloren. Die von Banken für Wertpapierkäufe vergebenen Kredite, ausgedrückt in der Belastung von Margin-Konten bei den Mitgliedsfirmen der New York Stock Exchange, haben insbesondere in den letzten Monaten stark zugenommen, nachdem der befürchtete Computercrash zum Jahrtausendwechsel ausgeblieben war. Allein von Februar 1999 bis Februar 2000 haben die Wertpapierkredite um 75% von 151 Mrd. USD auf 265 Mrd. USD zugelegt. Gemessen an der Marktkapitalisierung der Wall Street von mehr als 16,8 Billionen USD sind die Wertpapierkredite mit einem Anteil von 1,6% aber noch verhältnismäßig bedeutungslos.

Allerdings übertrifft die gesamte Verschuldungssituation der privaten Haushalte heute längst die Größenordnungen der 20er Jahre. Im Jahre 1929 erreichte die Verschuldung der privaten Haushalte rund 53% ihres verfügbaren Einkommens. In den 90er Jahren stieg zwar auch das Nettovermögen der privaten Haushalte dank der permanenten Höherbewertung von Aktien deutlich an, die Nettoschulden (Bruttoverschuldung abzüglich finanzieller Forderungen) machen nach 47% im Jahre 1990 aber heute über 67% des verfügbaren Einkommens aus. Insbesondere die Höchststände der Konsumentenkredite in Relation zum BSP zeigen, dass die privaten Anleger den Märkten eine hinreichend offene Flanke für eine schmerzhafte Korrektur bieten (2).


Moral Hazard-Probleme lösen

Dass die augenfälligen Parallelen zwischen der Spekulationsblase in den 20er Jahren und den Kursentwicklungen in der jüngsten Vergangenheit nur eingeschränkt zur Analyse der zukünftigen Entwicklung taugen, hält die Börse auch weiterhin spannend. Den vielen Parallelen stehen ebenso viele Unterschiede gegenüber. Stellvertretend sei hier nur angeführt, dass die wirtschaftlichen Blöcke Amerika, Europa und Asien heute nicht über einen festen Wechselkurs verbunden sind, wie dies damals über den Goldstandard der Fall war. Dabei spielte das damalige Festkurssystem eine zentrale Rolle bei der Übertragung der deflatorischen Impulse auf die gesamte Weltwirtschaft. Gemangelt hat es damals auch an einer effektiven internationalen Kooperation der Zentralbanken. Zudem war das damalige Bankensystem infolge fehlender Einlagensicherungssysteme verwundbarer gegenüber Bankenruns. Und schließlich hat im Gegensatz zu den 20er Jahren das Gewicht des relativ konjunkturunempfindlichen Dienstleistungssektors am Bruttosozialprodukt heute erheblich zugenommen.

Angesichts dieser Unterschiede zwischen heute und damals dürfte sich einmal mehr die Erkenntnis durchsetzen, dass der Aktienmarkt auch künftig seinen eigenen Gesetzen folgen wird. Solange jeder Marktteilnehmer und die Institutionen entsprechende Vorkehrungen des Risikomanagements treffen, dürfte der Schatten des Jahres 1929 die Zukunft somit nicht erreichen.

Zu den drängendsten Vorkehrungen der Institutionen zählen Maßnahmen zur Verringerung von so genannten Moral Hazard-Problemen,[2] die aus Ungleichgewichten bei der Gewinn- und Verlustzuweisung zwischen Kapitalanbietern und -nachfragern entstehen können. Vielfach wird im Krisenfalle mit gut gemeinten Notenbankinterventionen, IWF-Hilfspaketen und Staatsgarantien das wesentliche Ordnungsprinzip der Marktwirtschaft verletzt, nämlich das der Haftung. Solange die Anleger keine Bail Out-Erwartungen hegen, dürfte sich auch die Bereitschaft, in eine Preisblase am Aktienmarkt zu investieren, in Grenzen halten.

Institutionellen wie privaten Anlegern muss bewusst werden, dass »No-Risk-Profit-Only-Investments« in Wirklichkeit nicht existieren und sie in voller Eigenverantwortung handeln.





[1] Friedman, Milton: Die größte Gefahr ist ein überhitzter Aktienmarkt, in: Risikomanagement an internationalen Finanzmärkten, Christian Conrad/Markus Stahl (Hrsg.), Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2000, S. 373–377.

[2] Tietmeyer, Hans: Globalisierung der Finanzmärkte und ihre Konsequenzen, in: Risikomanagement an internationalen Finanzmärkten, Christian Conrad/Markus Stahl (Hrsg.), Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2000, S. 361–372. Autoren: Dr. Markus Stahl und Markus Mezger, Fonds-Vermögensverwaltung, Baden-Württembergische Bank AG, Stuttgart. Die hier vertretenen Auffassungen spiegeln ausschließlich die persönlichen Auffassungen der Autoren wider.



Autor:
Dr. Markus Stahl und Markus Mezger, Fonds-Vermögensverwaltung, Baden-Württembergische Bank AG, Stuttgart. Die hier vertretenen Auffassungen spiegeln ausschließlich die persönlichen Auffassungen der Autoren wider.

© 2000 Die Bank


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03.01.01 00:46:04
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03.01.01 00:53:58
Beitrag Nr. 16 ()


Erläuterungen:

Der Nasdaq Composite Index konnte in der vergangenen Woche con spekulativen Tradern über unser Stop-Buy 2560 Indexpunkte in den Bestand genommen werden. Da der Index bislang noch kein klares Kaufsignal geliefert hat, sollte man dieses Engagement weiterhin als spekulativ ansehen. Nach dem Schließen des zuletzt hinterlassenen Gaps erlahmten die Aufwärtstendenzen bereits wieder und ein neuer Test der Tiefs aus 2000 sollte anstehen. Weiterhin gilt für einen Anleger, dass man sich zurück halten sollte, da ein Kaufsignal erst mit einem nachhaltigen Überschreiten der September-Abwärtstrendlinie generiert wird. Für diese Anlegergruppe bleibt das alte Stop-Buy (3060 Indexpunkte) erhalten. Das auslösende Moment für eine Kursrallye an den Technologiemärkten fehlt derzeit ganz, jedoch sollte das Schlimmste bei vielen Werten nun bereits vorbei sein, was aber nach Kursrückgängen von teilweise über 80 Prozent nicht sehr schwer zu prognostizieren ist. Wir gehen von einer langsamen, allmählichen Verbesserung im Index aus, die in Form eines rounding bottoms ablaufen könnte, so dass man noch genug Zeit zum Kaufen haben sollte.



Erläuterungen

Bestärkt wird unser nicht gerade als Bestens anzusehender Ausblick für die kommenden Wochen/Monate durch die Entwicklung im MACD. Dieser scheiterte zuletzt erneut an der Abwärtstrendlinie und droht nun wieder zurück auf die Unterstützungslinie zu fallen.



Erläuterungen

Über den Average-Directional-Movement-Index erkennt man, ob sich der Index/die Aktie in einem Trend- oder Tradingmarkt befindet. Die Entwicklung, die wir in der vergangenen Berichtswoche andeuteten, sind eingetreten (steigende Kurse, fallender ADX), was sich aus dem Berechnungsschema des ADX ergibt. Derzeit ist der Nasdaq in einem Tradingmarkt.



Erläuterungen

Auch über den Stochastic erkennt man, ob ein Markt überkauft, oder überverkauft ist. Hier erkannte man eine leichte Überverkauftsituation, die sich nun abbaut, da Werte unter 30 Vorlagen. Jedoch sieht man, dass sich diese Bewegungen zuletzt in engen Grenzen (nach Oben) hielten und somit nicht über den Status einer technischen Korrektur im Abwärtstrend hinaus kamen.


Quelle: http://www.boersenagent.de/w3/wochenanalyse.asp?segment=15
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09.01.01 14:32:24
Beitrag Nr. 17 ()
Die charttechnische Analyse: Die Vorzeigeaktie AIXTRON ist am Kippen / Nemax: Unterstützung bei 1639 Punkten



von Dr. Hans-Dieter Schulz




Seit dem zweiten Hoch von Ende Oktober 2000 hat sich der Kurs des Nemax-50 Titels Aixtron bereits halbiert. Sollte die Unterstützung bei 80 Euro, auf der der Kurs gerade angelangt ist, nicht halten, so wäre der Weg frei für mindestens eine weitere Halbierung bis auf 40 Euro, wenn nicht sogar noch eine Halbierung bis auf unter 20 Euro erfolgt.
Warum es sehr wahrscheinlich ist, dass auch bei diesem Wert weitere Halbierungen erfolgen werden, zeigt ein Blick auf die Statistik:
Alle Titel des Nemax-50 Index notieren ausnahmslos unter ihren 100-tägigen und -soweit vorhanden- 200-tätigen gleitenden Durchschnitten. Der Markt befindet sich in seiner vollen Breite und in voller Fahrt nach unten. Mehrfache Halbierungen vom Höchstkurs aus gerechnet in nur kurzer Zeit sind im heute Neuen Markt die Norm.
In einer solchen Umgebung haben es einzelne noch hoch bewertete Aktien schwer, ihre hohen Kurse zu halten. Beängstigt durch das Beispiel der zahllosen Vorreiter auf dem Weg nach unten verkaufen Anleger ihre Aixtron-Aktien, solange noch vergleichbar hohe Preise dafür bezahlt werden. Aus dem gleichen Grund - dem intra-market Vergleich - werden potenzielle Käufer abgeschreckt. Leerverkäufe katalysieren den Fall der Kurse, indem Schreiber von Put-Optionen aufgrund steigender Deltas vermehrt Aixtron-Aktien verkaufen müssen.
Ein großes Problem ist das Momentum des Marktes. Wer will jetzt noch kaufen, wenn er dabei riskiert, schon tags darauf 5% bis 20% seines eingesetzten Kapitals zu verlieren? Durch die letzte Unterstützung bei 2700 Punkten, die ein Boden hätte werden können, ist der Markt kürzlich durchgerauscht.
Ein Ende der Abwärtsbewegung ist insbesondere aus folgendem Grund nicht in Sicht: Betrachtet man aufmerksam die einzelnen Aktienkurse des Neuen Marktes -Chart für Chart-, so erkennt man bei den wenigsten Aktien den Ansatz einer Bodenbildung und wenn, dann ist dieser Boden in Form einer Unterstützung bereits wieder unterschritten, also kaputt. Bei der Mehrzahl der Aktien ist aber noch nicht einmal der Versuch einer Bodenbildung zu erkennen.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Gesamtheit auf das Partikulare zurückwirkt, also der Nemax-Index auf seine einzelnen Aktien. Dazu mehr im nun folgenden Abschnitt.





Nemax: Unterstützung bei 1639 Punkten

Bei 1639 Punkten hatte der Nemax All Share Index am 8.10.98 aufgesetzt. Diese Marke ist eine Chance für ein Stoppen der Abwärtsbewegung. Sollte der Fall hier immer noch nicht anhalten, so könnte sich bei 1100 Punkten ein Boden bilden. Immerhin war der Index am 10.3.1997 bei einem Indexstand von knapp unter 500 Punkten gestartet. Ein Boden bei 1100 Punkten wäre doch eine stolze Verdoppelung in nur vier Jahren, einer bei 1639 Punkten käme einer Verdreifachung gleich. Damit kann man als Langfrist-Anleger zufrieden sein.
Da aber leider die Masse der Neuer-Markt-Aktionäre zu deutlich höheren Kursen gekauft hat, kann man fast dafür garantieren, dass die Hochkurse aus 1999 und 2000 im ersten Jahrzehnt des vor einigen Tagen eingeläuteten Jahrhunderts nicht wieder erreicht werden, wie dies der japanische Nikkei-Index vorlebt, der sich seit seinem Hoch von 1989 in einer zehn-jährigen Seitwärtsbewegung befindet ([http://nachrichten.boerse.de/anzeige668550.php3?id=19799).
Dafür verantwortlich ist die Psychologie, die den Anleger dazu veranlasst, zu verkaufen im Moment, in dem er seinen Einstandskurs -womöglich nach Jahren- wiedersieht. Zur Plausibilisierung dieses Arguments frage man in seinem Bekanntenkreis (vorsichtig) herum. Man wird die hier vorgestellte Haltung am häufigsten antreffen.
Ein positives Argument muß dennoch langfristig für den Neuen Markt ins Feld geführt werden. Die Netto-Mittelzuflüsse in Neue-Markt-Fonds sind positiv und die Kassen der Fonds gefüllter denn je. Irgendwann einmal werden diese Mittel in den Markt hineinfließen, um mit anderen Helfern -Zeit und Inflation- dazu beizutragen, vom Boden aus wieder stolze Wertzuwächse zu liefern. Wenn dies schon nicht mit dem ganzen Markt passieren kann -aus den dargelegten Gründen-, so doch in jedem Fall mit einzelnen Aktien. Dazu könnte einst auch eine Aixtron zählen, deren kurslicher Niedergang zwar gerade erst begonnen hat, die aber insbesondere wegen ihrer relativen Stärke, die sie bis jetzt in einem fürchterlichen Bear-Market bewiesen hat, höchstwahrscheinlich wiederentdeckt werden wird.

Dr. H.-D. Schulz/Felix Pieplow



09.01.2001 11:35
©boerse.de


Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige668550.php3?id=22285
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09.01.01 17:12:18
Beitrag Nr. 18 ()
Pawlows Anleger im Salami-Crash


von Roland Leuschel


Das Jahr 2000 wird wohl als eines der schlechtesten Börsenjahre in die Geschichte eingehen. Über 4.300 Milliarden Dollar Kapital wurden an den Weltbörsen vernichtet. Godfather Greenspan versuchte sich zwar als Nikolaus und senkte zum ersten Mal seit dem November 1998 die Zinsen und zwar von 6,5 % auf 6 %. An der Nasdaq stiegen die Aktien innerhalb von zwei Stunden um über 14 %, aber auch die anderen Märkte erholen sich. In meinem letzten Bericht riet ich, "benutzen Sie das Strohfeuer an den Börsen, um einige Schieflagen loszuwerden". Inzwischen scheint auch im neuen Jahr die Salami-Crash-Karawane weiterzuziehen.

Nur eine Börse lag im letzten Jahr in einem starken Aufwind: China Shanghai B (+152,11 %). Wenn Sie das neue Werk von Konrad Seitz "Eine Weltmacht kehrt zurück" lesen, dann verstehen Sie warum. Seitz, Ex-Botschafter der Bundesrepublik in China, prophezeit, China werde binnen 20 Jahren zur zweiten Technologiemacht hinter den USA in der Welt. Nach Kaufkraft berechnet könne Gross-China das Sozialprodukt der USA im Jahr 2020 überholen, und China sei dann der grösste Markt der Welt, der grösste Produzent, der grösste Exporteur und Importeur. Wer an diese Thesen glaubt, der sollte in seinem Portefeuille China-Aktien übergewichten; denn China bestreitet, nach Aussage von Konrad Seitz, diesen Weg mit marktwirtschaftlichen und kapitalistischen Strukturen. Noch jemand ist zumindest für das nächste Jahr sehr optimistisch: Bundeskanzler Schröder hat in seiner Neujahrsansprache den Deutschen gesagt: "2001 wird politisch und wirtschaftlich gesehen ein sehr gutes Jahr werden."

Wer die Prognosen der Banken für das neue Jahr liest, hat den Eindruck, es herrsche ein Wettbewerb um den grössten Optimisten. Das war übrigens Ende 1999 genauso. In der Spitzengruppe der Optimisten ist die Deutsche Bank (8.200 bis 8.700 für den DAX), während Salomon Smith Barney den DAX sogar bei 9.000 sieht. Der Wall Street sehen die Börsengurus einen Anstieg um 22 % des Dow Jones und des S&P 500 voraus. Ed Kerschner, der Stratege der Firma Paine Webber-UBS Warburg behauptet, die Wall Street sei sogar unterbewertet und werde über 30 % steigen (1.750 Punkte für den S&P 500). Das Jahr 2001 bedeute eine der besten Kaufgelegenheiten der letzten 20 Jahre. Ed Kerschner wurde immerhin zum besten Strategen von Wall Street vom Wirtschaftsmagazin Institutional Investor gewählt und löste damit Abby Cohen ab. An zweiter Stelle folgt dieses Mal Thomas Galvin von Credit Suisse First Boston. Er sieht den Dow Jones bei 13.000 und erwartet einen Anstieg der Nasdaq um 50 %! Alle diese Banken und Broker haben eins gemeinsam: Sie wollen und sie müssen Papiere verkaufen, und die Analysten müssen daher an dem Wettbewerb der kühnsten Optimisten teilnehmen. Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt der russische Physiologe Iwan Petrowitch Pawlow den Nobelpreis für seine Arbeit, die zur modernen Verhaltensforschung führte. In Tierversuchen entwickelte er die Reflexologie und lies beim Füttern der Hunde eine Klingel läuten. Sobald die Klingel ertönte, stürzten sich die Hunde auf den Futternapf, auch wenn kein Futter mehr darin war. Und so muss man verstehen, dass sich im Jahre 2000 bei jeder Aktienbaisse die Anleger auf Kaufgelegenheiten stürzten, obwohl der Futternapf (Geld) leer war. Auch nach dem Crash im Frühjahr an der Nasdaq. Schliesslich hatten die Anleger in den vergangenen 5 Jahren gelernt, jede Kurskorrektur an der Börse auszunutzen. Bloomberg hat für das Jahr 2000 nachgerechnet: Es wurden an der Wall Street 33.169 Empfehlungen ausgegeben, ganze 125 (= 0,38 %) davon waren Verkaufsempfehlungen. Vergessen Sie nicht, dass die bei Neuemissionen am Neuen Markt führende Bank, die DG Bank, im letzten Jahr noch im Herbst geradezu unglaubliche Prognosen abgab, und die FAZ in einem Kommentar schrieb: "Diese Bank macht sich lächerlich". Die Financial Times kommentierte das etwas eleganter: "Vielleicht ist diese Prognose auch nur ein Werbegag, schliesslich möchte diese Bank weiterhin Geld mit Börsengängen verdienen". Ich behaupte ganz einfach, die Banken befinden sich in einem riesigen Strukturwandel, und versuchen es den Medienkonzernen nachzumachen. Der Chef des grössten Fernsehkonzerns in Europa, der RTL-Gruppe, erklärte neulich: "Wir sind eine wundervolle Werbemaschine", und vielleicht könne eines Tages der Chef der grössten deutschen Bankengruppe dasselbe voller Stolz behaupten.

Wenn Sie Ihr Vermögen, bzw. Ihr Erspartes, verwalten, halten Sie Abstand zu diesen Werbeversprechungen. Gerade das letzte Jahr hat bewiesen, dass viele Kursblasen geplatzt sind, und die Firmen einfach Pleite gehen können. Ich wiederhole daher gerne die von dem Amerikaner Robert J. Shiller in seinem Buch "Irrational Exuberance" aufgestellte Prognose, dass die Märkte sich in einer in der Geschichte einmaligen Überbewertung befinden, und es Jahre dauern wird, bevor wieder eine normale Bewertung Einzug hält. Er nannte damals drei Faktoren, die zu dieser Überbewertung führten, 1. Strukturelle Faktoren (Aufkommen des Internets, Niedergang des Kommunismus, geburtenstarke Jahrgänge, sowie Verbreitung der privaten Pensionspläne), 2. Kulturelle Faktoren (Informationsmedien, die mit ihrer ausgeweiteten Berichterstattung wie ein Blasebalg die Kursblasen förderten, und 3. psychologische Faktoren (Behavioral Finance, die Anleger nicht als rational handelnde Menschen betrachtet, sondern eher als Opfer vielfältiger psychologischer Fallen).

Als ich schon 1997 und 1998 vom Salami-Crash sprach, hatte ich allerdings keine Ahnung, dass die Salami BSE verseucht sein könnte. Es wird also noch einige Jahre dauern, bevor die Salami eine normale und gesunde Grösse erreicht, und ich empfehle Ihnen nach wie vor Qualitätsanleihen (Triple A) mit 60 % des Portefeuilles überzugewichten und um 30 % in Blue Chips zu halten. Nur wenn solche Blue Chips aus irgendwelchen Gründen plötzlich zu "Blutchips" (letztes Jahr Procter & Gamble, Pfizer, Unilever, Philip Morris etc.) werden, sollten Sie nachkaufen. Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg.

Roland Leuschel



09.01.2001 16:11
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Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige668550.php3?id=22304
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11.01.01 15:26:32
Beitrag Nr. 19 ()
Einen Crash kann man nicht vorhersagen, jedenfalls nicht zeitlich genau.

Man kann aber - und die Elliott-Wellen-Analyse ist dabei ein ausgezeichnetes (wahrscheinlich das einzige) Hilfsmittel - frühzeitig erkennen, wenn es richtig gefährlich wird. Und man kann das mögliche, sogar wahrscheinliche Ausmaß eines Crashs, oder besser: einer Baisse, abschätzen. Denn im Gegensatz zu anderen Methoden, vor allem der "fundamental" argumentierenden, beschäftigt man sich bei den Elliott-Wellen zwangsläufig mit der Geschichte und mit sehr langfristigen Zyklen.

Die Gläubigen einer "New Era" verdrehen bei jeder Warnung und jedem Verweis auf 1929 die Augen, doch die meisten haben keine Kenntnisse darüber, was in den 20er Jahren wirklich geschah. Auch 1929 gab es (wenige) Warner, einer von Ihnen Roger Babson, der im September 1929 schrieb:
"Schönes Wetter kann nicht ewig andauern. Die Wirtschaftszyklus gelten auch heute noch, wie früher. Das Federal Reserve System hat die Banken gestärkt, aber es hat nicht die Natur der Menschen verändert. Die Leute machen Schulden und spekulieren wie nie zuvor in unserer Geschichte. Früher oder später wird der Crash kommen und er kann schrecklich werden. Weise sind die Investoren, die jetzt ihre Schulden loswerden und ihre Segel einholen. Das heißt nicht, alles zu verkaufen, aber es heißt, die Schulden zurückzuzahlen und nicht mehr auf Kredit zu spekulieren."

Die Ökonomen sehen in der Regel nur die Gegenwart und die nahe zurückliegende Vergangenheit. Aus den aktuellen Daten leiten sie ihre Analysen für die Zukunft ab. Das erklärt auch, warum alle auf die "nächsten Zahlen" warten, denn die könnten ja wieder mehr Aufschluss über die Zukunft bringen. Ist das Bruttosozialprodukt des letzten Quartals beispielsweise stärker gestiegen als im Quartal davor, ist für die meisten Analysten die Welt in bester Ordnung und sie sehen sich bestätigt, diesen "Trend" in alle Ewigkeit fortzuschreiben.

Mit Aktien- oder anderen Prognosen ist es genauso. Sind die Aktien lange genug gestiegen, "werden sie auch weiter steigen". Mit steigenden Aktien schrauben die "Gurus" wie Ralph Alcampora oder Abby Cohen ihre Erwartungen nach oben, nachdem ihre letzte Prognose viel zu früh überschritten wurde. Niemand äußert gern pessimistische Aussichten, denn das will in der derzeitigen Phase keiner hören. Andererseits hat KEINER Ende der 70-er Jahre steigende Aktien prognostiziert. Da wäre es aber angebracht gewesen. Ich korrigiere mich: Einer hat doch, nämlich Robert Prechter, Elliott-Spezialist, hat für die kommende 5. Welle einen Dow Jones von etwa 3.700 in den nächsten Jahren prognostiziert. Diese Prognose fiel in eine regelrecht depressive Aktienstimmung, nachdem der Dow Jones bei damals etwa 800 Punkten über 16 Jahre lang nicht einmal sein Hoch von 1962 wieder erreicht hatte. Seine Prognose wurde selbstverständlich als Utopie abgetan - sie war es auch, denn es sind ja sogar 11.750 Punkte geworden.

Ein Kollaps an der Wall Street und eine folgende Wirtschaftsdepression sind für die nahe Zukunft sehr wahrscheinlich. Die Geschichte lehrt jedoch, dass Warnungen in einer Euphorie weitgehend auf taube Ohren stoßen. So war es immer und so wird es auch diesmal sein. Und die Geschichte wird sich daher wiederholen, weil die Masse aus der Vergangenheit nicht gelernt hat und es nie tun wird.

Vielleicht können aber einige doch etwas lernen, auch wenn sie den Lauf der Dinge nicht verändern können.

Alle Aktienmarkt-Crashs waren von der Mehrheit nicht erwartet, besonders nicht von Ökonomen. Das ist die erste Lektion aus der Geschichte.

"In ein paar Monaten erwarte ich die Aktien sehr viel höher als heute", sagte Amerikas angesehener und berühmter Wirtschaftsprofessor Irving Fisher 14 Tage vor dem ebenfalls berühmten 29. Oktober 1929.

"Eine schwere Depression wie 1920-21 ist jenseits aller Möglichkeiten". Das war das Ergebnis einer Studie der Harvard Economic Society wenige Tage nach dem initialen Crash. Nach fortwährenden optimistischen Prognosen in der Folgezeit hat der frühere brain trust 1932 seine Tätigkeit eingestellt.

Somit haben die beiden damals führenden Institutionen keinen Crash kommen sehen und auch die Depression, während sie sich immer weiter entwickelte, ignoriert und verneint. Und sie waren davon offenbar auch überzeugt: Irving Fisher hat durch die Baisse etwa 150 Mio Dollar (nach heutigem Wert) verloren.

Ein Finanzkollaps geschieht nie, wenn die Zeiten schlecht sind. Dies ist eine weitere Lektion der Geschichte.

Vor einem Kollaps sagen Ökonomen und Analysten, es sei die beste aller Welten für Wirtschaft und Gesellschaft. Die makroökonomischen Daten sehen ja auch vor einem Crash gut aus - vordergründig betrachtet. Die USA befindet sich bereits seit 9 Jahren im Aufschwung, die Produktivität steigt, die Unternehmensgewinne auch, die Zinsen (noch) sind niedrig, die Inflation auch, die Arbeitslosenquote sinkt und vor allem - die Aktien steigen. Sie sind auch der Hauptgrund für das historisch hohe "consumer confidence", das Verbrauchervertrauen. Dies wiederum lässt die zuversichtlichen, sorglosen Verbraucher nicht ans Sparen denken, sondern sie geben mehr aus als sie einnehmen. Sie machen sogar Schulden in der sicheren Annahme, alles wird nur noch besser und das Zurückzahlen ist kein Problem. Für alles werden immer mehr Kredite aufgenommen, für Autos, Häuser, usw.; die Hauskredite haben auch noch nie so eine hohe Quote im Vergleich zum Kaufpreis gehabt. Es werden sogar - und das ist die Krönung des Ganzen - Kredite aufgenommen, um damit Aktien zu kaufen, und zwar mehr als je zuvor. Die Zuflüsse in Aktienfonds steigen seit Jahren an. Das einzige mit Aktien verbundene Risiko wird noch darin gesehen, keine oder nicht genug zu haben. Die allgemeine Zuversicht ist ansteckend. Jeder wird immer zuversichtlicher, jeder macht Kredite, auch der Staat (wenn auch die USA angeblich in vielen Jahren schuldenfrei sein will).

Und wehe, einer warnt in dieser euphorischen Stimmung vor den gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Fehlentwicklungen oder gar den Übertreibungen an der Aktienbörse!

"Das kann man nicht mit früher vergleichen!", "Heute ist alles anders!", "Das Internet ist die Zukunft!", usw.

Die Argumente sind zwar vordergründig stichhaltig, aber: GENAUSO WAR ES 1929. Auch damals sprach man von einer "new era" und davon, dass die alten Aktienbewertungsmaßstäbe nicht mehr gelten. Die guten Zeiten werden unendlich in die Zukunft extrapoliert und jeder, der das nicht so sieht, wird als Crashprophet (=Dummkopf) bezeichnet.

Das sind die Rahmenbedingungen, in denen eine Baisse beginnt, wenn es nicht mehr besser sein kann. Das ist dann die Phase, in denen einzelne Aktien oder Bereiche von Aktien plötzlich kometenhaft steigen, weil in ihnen "die Zukunft" steckt, eine Zukunft, die noch viel rosiger ist als die schon rosige Gegenwart. (1929 waren die Radio- und Autowerte, die die "Neue Ära" darstellten, in den 50-er und 60-er Jahren waren es mal die Biotechnologiewerte, mal die "tronics" mit allem was ein "silicon" oder "tronics" im Namen hatte. Und heute sind die .com`s.) Solche völligen Übertreibungen gedeihen auf einem Boden, der sowieso schon von Zuversicht geprägt ist. Und nur in solchen Zeiten kann ein Präsident, der sich des Meineids schuldig gemacht hat, mit einer Verwarnung davon kommen.

Das sind die Gründe, warum eine Baisse von der Masse nicht für möglich gehalten wird und, wenn sie dann kommt, auch von den Ökonomen als völlig überraschend und "unvorhersehbar" angesehen wird und die meisten "auf dem falschen Fuß erwischt", möglichst mit hohen (kreditfinanzierten) Aktienbeständen oder in einer Situation, in der die vermeintlichen Aktiengewinne bereits ausgegeben sind, bevor sie realisiert wurden.

Die schleichenden Fehlentwicklungen, die sich über Jahre hinziehen, werden nicht mehr wahrgenommen und als "normal" angesehen (wie z. B. die strukturelle Arbeitslosigkeit in Europa, die nicht mehr mit konventionellen Mitteln zu lösenden Rentenprobleme, die Verschuldung in allen Bereichen, die Ausweitung der Geldmenge, die ungleichmäßige Einkommensverteilung, ...).

Der Beginn jeder Baisse geht einher mit einem hoch verschuldeten privaten Sektor, zeigt die Geschichte. Schulden sind ein Zeichen von Zuversicht und Vertrauen (das die Japaner nach 9 Jahren Depression nicht mehr haben, die Sparquote dort beträgt nie zuvor gesehene 20 % - in den zuversichtlichen USA waren es kürzlich ebenfalls nie gesehene minus 0,2 % - bevor die Statistiken "korrigiert" wurden). Zuversicht und Vertrauen, die Schulden zurückzahlen zu können - und bei den Gläubigern das Vertrauen, ihr Geld zurückzubekommen. Niedrige Zinsen (der Preis für Geld) sind ebenfalls ein Zeichen für Vertrauen. Übermäßige Verschuldung ist daher ein Zeichen von übermäßigem Vertrauen und im späten Stadium von Euphorie. Es ist im Nachhinein so einfach, diese Übertreibungen als irrational zu analysieren, aber wenn alle drin stecken, ist es unmöglich. Bereits im November 1996 wurde der Fall erwähnt (Wall Street Journal), dass eine Bank einem Hauskäufer den Kaufpreis zu 100 % finanziert hat, einem Käufer, der kein geregeltes Einkommen hatte, gerade geschieden war und dessen voriges Haus zwangsversteigert worden war. Man hat es als in dieser Phase als "etwas zu großes Vertrauen der Bank" bezeichnet, aber in späteren Phasen wird es rückblickend sicher anders genannt. Vielleicht "irrational exuberance".

Die Erfahrung zeigt, dass die Euphorie kurz vor einem Crash "rasend" wird. Ein KGV von 1.900 wie kürzlich bei Yahoo! ist so ein Beispiel von vielen. 1989 argumentierten die Analysten, in Japan seien "die Bilanzierungssysteme anders", und das rechtfertige durchaus einen Nikkei von 39.000 Punkten und KGVs von 50 und mehr. Psychologen nennen diese allgemeine Verdrängung von Warnzeichen sowie die Rationalisierung von riskanten Engagements "kognitive Dissonanz". Wir wollen es nicht sehen, wir wollen es nicht wissen, wir rechtfertigen das eigentlich Unrechtfertigbare.

Euphorie führt zu Sorglosigkeit. In USA beträgt die Dividendenrendite der S&P500-Aktien unter 1,5 % - nur halb so viel wie 1929 vor dem Crash. Und außerdem nur ein Viertel dessen, was man heute für die viel weniger riskanten US-Treasuries kassieren kann. Aktienkäufer kaufen heute Aktien, weil sie sicher sind, sie später an jemand anderen teurer wieder zu verkaufen ("greater fool theory").

Und wieder lehrt die Geschichte, dass dies die Endphase der Hausse ist.

Die meisten werden verlieren. Über 90 % des Geldes, das zur Zeit in Aktienfonds steckt, ist innerhalb der letzten 5 Jahre in diese Fonds geflossen, frisches Geld also, das noch keine Baisse, keinen Crash, nur Mini-Korrekturen erlebt hat. Jeder Rückgang freut doch heute die Anleger, weil sie noch einmal die Gelegenheit bekommen "billig nachzukaufen". Was aber, wenn es diesmal gar keine Korrektur ist, sondern eine lange Baisse? Und nach eine Hausse kommt eine Baisse, das wird niemand bestreiten. War das eine Hausse seit 1982? Und ob!

Die steigende Verschuldung, die bereits deutlich höher ist als 1929 (gemessen am BSP), schafft eine anfällige und fragile Wirtschaft. Ein Kartenhaus, bei dem nur ein kleiner Baustein zusammenbrechen muss. LTCM in 1998 wäre ein ausreichender Anlass gewesen, aber die Konsequenzen wurden gerade noch durch die spektakuläre Rettungsmaßnahme erstickt. Selbst die Deutsche Bank, die an LTCM gar nicht beteiligt war, hat einen dreistelligen Millionenbetrag zur Verfügung gestellt. Warum wohl?

Durch die Rettung von LTCM sind die Probleme aber nicht beseitigt, sondern nur verschoben. Die Party geht nämlich ungehemmt weiter, nach dem Motto: "Wir werden ja aufgefangen." - bis es nicht mehr geht.

Noch ein paar Fakten für die, die immer wieder sagen "Heute ist es anders": 1920 hatten die USA einen Budgetüberschuss und einen Leistungsbilanzüberschuss. Heute (abgesehen von den letzten Monaten) ein Budgetdefizit und ein Rekord-Handelsbilanzdefizit. In den 20er Jahren waren die USA der Welt größter Gläubiger, heute sind sie der Welt größter Schuldner. Wenn die ewigen Optimisten das mit "heute ist alles anders" meinen, haben sie in der Tat recht.

Wenn die Euphorie in Pessimismus umschlägt, wird die Verschuldung, die bis dahin mit Optimismus und Zuversicht gerechtfertigt wurde, als gefährlich angesehen. Gläubiger versuchen dann, ihre Gelder einzutreiben, denn die Zuversicht einer späteren Rückzahlung ist plötzlich weg. Zinsen für nicht einwandfreie Schuldner schießen in die Höhe (Beispiel Asienkrise, Russlandkrise).

So war es, und so wird es sein.

Mit dem Ende der Euphorie beginnt die Rückforderung (und Liquidation!) von Schulden, die Geldmenge sinkt, Deflation beginnt. Bankrotte verstärken diese Entwicklung. Aus allgemeiner Sorge wird mehr gespart und weniger konsumiert. Die Preise fallen und schon deswegen wird Konsum aufgeschoben. Eine Spirale nach unten beginnt und beschleunigt sich. Am Ende dieses Prozesses liegt die Wirtschaft regelrecht am Boden. Von Schulden will niemand etwas wissen, und es gibt auch fast keine mehr. Entweder sind sie zurückgezahlt worden oder wurden uneinbringbar.

Erst dann kann ein Aufschwung beginnen - ohne die Last der Schulden.

In Japan betragen die Gesamtschulden heute noch ein Mehrfaches des BSP, weil der Staat durch zahlreiche (erfolglose) Konjunkturprogramme und Banken-Rettungsversuche die notwendige Bereinigung verhindert bzw. hinausgezögert hat. Am Ende wird es nicht anders gehen. Japan ist daher noch lange nicht "über dem Berg", besonders weil andere Länder (z. B. China und Südamerika) erst am Anfang der bisher verdeckten Probleme stehen.

Übrigens: Behaupten nicht die Optimisten, die Zentralbanken wüssten heute, Depressionen zu vermeiden? Die japanische Notenbank hat die Zinsen auf nahezu Null gesenkt, es gibt also praktisch kostenlosen Kredit. Trotzdem sinkt das BSP immer noch. Die Leute wollen keinen Kredit, denn Kredit ist etwas gefährliches. Sie sparen lieber - besagte 20 % ihres Einkommens. Die Amerikaner sind noch in der Phase davor, in der Kredite ein Zeichen von Zuversicht sind.

Hat Keynes uns nicht gelehrt, dass eine expansive Fiskalpolitik der Schlüssel zur Vermeidung von Krisen und der Weg aus Depressionen ist?

Wall Street ist in ihrem finalen Stadium des Super-Bull-Market. Der kommende Kollaps wird ein weltweiter, denn die alle Aktienmärkte sind eng mit dem Schicksal der Wall Street verbunden. Selbst Märkte in einem ganz anderen Zyklus werden, wenn auch gemildert, getroffen.

Aber viele Aktienmärkte sind in der gleichen Phase wie die Wall Street: Westeuropa, Kanada, Australien und andere.

Die kommende Baisse wird nicht nur eine Korrektur, sondern "ganz nebenbei" eine schwere Wirtschaftsdepression.



Quelle: http://www.juekue.de/history.htm
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16.01.01 11:07:10
Beitrag Nr. 20 ()
Timelag


von Hans A. Bernecker


FED-Chef Greenspan hat in der Sache und im Timing richtig entschieden. Die Folgen dieses Zinsschrittes sind jedoch nicht in 3 Tagen, sondern erst mit einer Zeitverzögerung von erfahrungsgemäß 9 Monaten zu spüren. Die EZB wird dem über kurz oder lang mit der üblichen Schamfrist folgen und ebenfalls die Zinsen senken. Dem geht eine weitere Erholung des Euro gegen Dollar und eine Abschwächung des Yen gegen beiden voraus. Und wie so oft haben die Bondmärkte diese Entwicklungen schon längst vorweggenommen. Die Notenbanken ziehen eigentlich nur noch die Konsequenz aus dem was die Märkte bereits avisiert hatten.

"Timelag" wird somit das Schlüsselwort für Börse und Konjunktur 2001. In der Zeitverzögerung zwischen monetärem Schritt und ökonomischer Wirkung findet die Börse hier den neuen Ansatz. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Erfahrungen, die sich wie ein Netzwerk darstellen, aber sicher zu kalkulieren sind. Zunächst: Der erste Zinsschritt der FED "nach oben" begann Anfang 1999. Dem folgten weitere, bis zur Spitze von 6,50 % am 17.05.2000. Die Börse reagierte darauf zunächst überhaupt nicht und legte sogar noch um 10 % zu. Der Dow Jones um 9 %, der Nasdaq sogar um 43 %. Erst dann begann die Korrektur. Im Dow um rd. 14 %, im Nasdaq aber um über 50 %. Die Konjunkturbremse setzte jedoch erst im III. Quartal 2000 ein. Also mit einer durchschnittlichen Zeitverzögerung von rd. 9 Monaten. Die Börse reagierte aber schneller als die Konjunktur, nämlich schon nach 4 - 5 Monaten. Die Lage jetzt:

Der Zinsschritt vom 03. Jan. ist erst der Anfang. In kleinen Schritten geht es in Richtung 3 - 3,25 % für FED Funds. Die Wirtschaft wird darauf in 6 - 9 Monaten reagieren, nicht früher. Die Börse benötigt dafür nur 3 - 4 Monate, weil der Rückgang der Renditen schon knapp 200 Basis-Punkte beträgt und ein Jahr "alt" ist. Die FED läuft also dem Bondmarkt hinterher. Das ist positiv für die Konsolidierung auf aktueller Basis. Bis März/April befindet sich die US-Börse mithin in dieser Übergangsphase. Dazu kommt jetzt noch eine Besonderheit:

Die einzelnen Indikatoren für die US-Wirtschaft zeigen stark differenzierte Verläufe. In den Arbeitsmarktzahlen steckt ein Nachlauf-Effekt. Die Arbeitslosenquote wird nämlich bis auf 4,4 - 4,5 % steigen. Der Einkäufer-Index erreicht sein Tief dagegen schon im Februar. Auftragseingänge und Industrieproduktion sind im I. Quartal (witterungsabhängig) wenig aussagefähig. Die Gewinnprognosen der Unternehmen enthalten andererseits deutliche Vorgriffe. Hier wird nach unten übertrieben. Nehmen Sie also die Zahlen der kommenden Wochen mit größter Vorsicht auf. Insgesamt liegt dies auch an der Art der statistischen Erhebungen. Wer die amerikanischen Verhältnisse kennt, weiß das.

Das Fazit für Sie: Die FED hat ihre Zinspolitik geändert! Damit stimmt der Kurs für das Börsenjahr 2001. Ein Vergleich mit 1994/96 ist aufschlußreich und für Sie die neue Leitlinie. Die damalige Zinsverteuerung brachte dem Dow und dem S&P 500 eine Stagnation. Wirklich abgestürzt waren damals ebenso wie heute nur die High-Techs, wenn auch in deutlich kleinerem Umfang. Im letzten Jahr war es eine regelrechte Spekulationsblase, die platzen mußte. Sie ist geplatzt! Jetzt wird die Basis für den neuen Trend gebaut.

Hans A. Bernecker


16.01.2001 09:23
©boerse.de

Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige668550.php3?id=22783
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16.01.01 11:25:24
Beitrag Nr. 21 ()
Opi Bernecker bekommt auch schon Angst,
die Börsenbriefverkäufer
können ja auch nicht schreiben
bleib aus dem Markt draussen
und bestell den Brief für 6 Monate ab :D



mfg a.head
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29.01.01 13:41:36
Beitrag Nr. 22 ()
Die charttechnische Analyse: Trendwende im Technologiesektor?



von Dr. Hans-Dieter Schulz

Seit der Leitzinssenkung in den USA am 03.01. legte der Nasdaq Composite Index 25 Prozent zu. In seinem Fahrwasser stieg auch der Nemax All-Share um 15 Prozent. Für den Anleger erhebt sich nun die Frage, ob die Kursgewinne schon eine echte Trendwende eingeläutet haben, oder ob dem Markt nach dem Zwischenspurt nicht die Puste ausgeht.

Vergleicht man die Entwicklung von Nasdaq und Nemax, so bietet sich noch kein einheitliches Bild.



Der Verfall der amerikanischen Technologiebörse seit dem Hochpunkt vor 10 Monaten nimmt sich mit 45 Prozent gegen den Einbruch des Nemax All-Share noch bescheiden aus. Die deutschen Tech-Aktien verloren in der Spitze 75 Prozent. Aktuell hat der Nasdaq seinen Abwärtstrend verlassen, so dass sich auf Sicht der nächsten 2-4 Wochen ein durchaus positives Bild ergibt. Der Nemax hingegen konnte trotz der jüngsten Kursgewinne die im September begonnene Abwärtstrendlinie noch nicht überwinden. Hält das freundliche Börsenklima an, ist im Windschatten der USA auch bei uns mit weiter anziehenden Kursen zu rechnen.

Langfristig bleiben die Aussichten aber durchwachsen. Die Anleger sind in den einstigen Modeaktien überinvestiert. Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen.


Gebranntes Kind scheut das Feuer

Die Anleger, die bei einzelnen Aktien auf teilweise hohen Verlusten sitzen, warten nur auf eine günstige Gelegenheit, diese Papiere zu verkaufen. Charttechnisch wird sich dieser Sachverhalt in Widerstandslinien niederschlagen, die sich der Aufwärtsbewegung entgegenstellen und die Entwicklung von einstigen Stars wie Aixtron, Brokat, STEAG Hamatech und ähnlich bekannten Aktien immer wieder hemmen werden.
Ferner steht zu befürchten, dass viele Anleger einen weiten Bogen um ganze Branchen machen werden. Schlecht sieht es beispielsweise im Mediensektor aus, wo das Kursdebakel der Anlegerlieblinge EM.TV und Intertainment voraussichtlich noch eine ganze Weile auch auf vernünftig bewertete Titel wie Kinowelt ausstrahlen dürfte.

Ohnehin werden sich die Anleger dieses Jahr mehr nach den Branchenindizes richten müssen. Wie schon beim DAX 30 zu beobachten war, werden auch Nemax und SDax als breit ausgelegte Marktsegmentindizes ihre Bedeutung verlieren. Während bei den 30 grössten Werten jedoch gemeinhin nur nach New- und Old-Economy unterschieden wird, rechnen Experten im Sektor der Wachstumswerte mit einer grösseren Spezifizierung. Noch ergibt sich zwar zumindest in der Tagestendenz bei den einzelnen Nemax-Branchenindizes ein Gleichlauf. Die prozentualen Gewinne und Verluste differieren über die Zeit jedoch immer stärker.


NEMAX Technology Index

Als Favorit für die nächsten Wochen kristallisiert sich neben der Medizintechnik die Technologiebranche heraus: Aus technischer Sicht ist hier die Bodenbildung voll im Gange und die im September begonnenen Abwärtstrends konnten schon deutlich nach oben durchbrochen werden.



Insbesondere der CDAX Technology macht Hoffnung auf bevorstehende Kursgewinne. Noch kämpft der Chart mit einer Rechteckformation, die sich aus einer Unterstützungslinie bei 600 Punkten und einer Widerstandslinie bei 700 Punkten herleitet. Technisch handelt es sich dabei um eine typische Bodenbildungsformation, solange die Unterstützung bei 600 nicht nach unten durchbrochen wird. Sobald die Marke von 700 geknackt werden kann, ergibt sich ein Einstiegssignal.

Der Nemax Technology Index hingegen mahnt zur Zeit noch zur Vorsicht. Trotz erheblicher Kursgewinne seit Anfang Januar konnte der im September begonnene Abwärtstrend noch nicht nach oben durchbrochen werden. Ferner lässt der Chart eine Bodenbildung vermissen, so dass auch noch nicht von einer unteren Trendwende ausgegangen werden kann. Wünschenswert wäre ein erneuter Rückgang der Kurse bis auf das Niveau zwischen 104 und 106 Punkte, wo im November und Dezember eine Unterstützungszone ausgebildet wurde. Auch ein Rückgang bis in den Bereich des Tiefststandes bei 88 Punkten wäre nicht schädlich, da so die Weichen für eine Doppel-Bottom-Formation gestellt würden.


Fazit

Anleger sollten die "gefallenen Engel" des Technologiesektors im Auge behalten. Sobald sich eine untere Umkehr in diesem Bereich ergibt, dürften die Kurse schnell an Höhe gewinnen. Der Focus sollte dabei auf Unternehmen liegen, die von Wachstumsmärkten wie Internet oder Mobilfunk profitieren (z.B. Breitbandspezialisten und UMTS-Ausrüster). Zukunftsträchtig erscheinen auch die Laserspezialisten.
Vor einem Neueinstieg in das zyklische Geschäft der Speicherchips hingegen sollten Anleger ein Abflauen der aktuellen Preiskämpfe abwarten.

Dr. Hans-Dieter Schulz / Lutz Mathes

29.01.2001

Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=23602
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07.02.01 14:18:01
Beitrag Nr. 23 ()
Hans A. Bernecker


Keine übertriebenen Zinserwartungen bitte!


Der Übergang von der Baisse (bzw. Korrektur) in die nächste Hausse setzt sich aus einer ganzen Reihe von Mosaiksteinen zusammen. Das erste Steinchen ist das Verhalten der Indizes während einer Zinsverteuerungsphase, Steinchen Nr. 2 ist die Zeitverzögerung zwischen Zinssignal und wirtschaftlicher Wirkung und Nr. 3 ist die Zinsstruktur als Haltesignal für die Börse und anschließend Haussesignal bei Entspannung. Genauer kann man es kaum nachvollziehen.

Rückblickend: Die Baisse 2000 begann, als die Zinsstruktur invers wurde und sie endet nun, wenn diese beseitigt ist. Das gilt aktuell und für die nächsten Wochen, wenn Greenspan den nächsten Zinsschritt entscheidet was so sicher ist wie das Amen in der Kirche. Wie sich die Märkte in diesem Umfeld an den unteren Wendepunkt geradezu herantasten, zeigt Ihnen schon die Martkttechnik am DAX und absolut deckungsgleich im Nemax sowie Nasdaq und Dow Jones, was es in dieser Form selten gab. Alle Indices versuchen die vorsichtige Bodenbildung, wobei zu bemerken ist, das der Dow Jones diesen in einer Seitwärtsbewegung gefunden hat.

Die Vorsicht der Analysten entspricht jedoch noch nicht der Weitsicht der Märkte. Es ist bemerkenswert, die noch immer skeptischen Analysten-Einschätzungen der großen Investmentadressen etwas genauer zu studieren, die in den letzten 10 Tagen herauskamen. Die optimistischste Prognose, die ich für den Dow Jones las, lag bei etwa 12.000 und die für den DAX bei 7.000. Das wären im Schnitt plus 8 - 9 % gegenüber dem heutigem Stand. Im Vergleich zu den eher waghalsigen Prognosen des letzten Jahres sind diese Aussagen Beweis für eine gewisse Orientierungslosigkeit.

Ungeachtet dessen: Der Nasdaq-Index gewann gegenüber dem Tiefststand um die Jahreswende bereits 15 %, der Nemax 3,6 %, aber die 30 wichtigsten Trendaktien legten seitdem zwischen 25 und sogar 100 % zu. Das werte ich als Vorgeschmack für den weiteren Verlauf dieses Jahres. Was auch bedeutet, daß Sie Ihre Anfangspositionen bereits jetzt aufbauen müssen, und nicht wenn der Zug schon voll in Fahrt ist. Denn wenn die Auswirkung der Zinssenkung einmal greift, ist es schon fast zu spät. Und die Zinsentscheidung der amerikanischen FED liegt gewissermaßen im "Plan". Sie ist die logische Fortsetzung dessen, was Greenspan ankündigte und nun umsetzt. Aber:

Der FED-Chef definiert die amerikanische Zinspolitik völlig neu. Erneut denkt Greenspan weiter als nur über 25 oder 50 Basispunkte für die FED-Fund-Sätze. Deshalb komme ich heute noch einmal auf dieses Thema zurück, weil es extrem wichtig wird: Denn über Art und Weise der "Konjunkturlandung" braucht nicht mehr viel spekuliert zu werden. Die Landung ist mit +1,9 % nach 2,2 % im Vergleichsquartal des Vorjahres schon fast gelungen. Deshalb sieht die FED auch keine Konjunkturhilfe in ihrer Zustimmung zu Steuersenkungen, sondern folgt einem anderen Denkansatz. Die EZB und die Euro-Finanzminister werden daran zu knabbern haben. Denn:

Greenspan sucht den reibungslosen Übergang in eine schuldenfreie Zukunft. Im Gegensatz zu bisherigen Berechnungen werden die USA nämlich schon Ende dieses Jahrzehnts bei null Dollar Staatsschulden stehen. Bisher galt 2013 als Endzeitpunkt. Die Steuerermäßigungen über 1,6 Bill $ in 10 Jahren sind damit problemlos zu finanzieren, weil die jährlichen Überschüsse bei ca. 330 - 360 Mrd $ liegen. So entsteht jedoch ein Überschuß, wenn die Amerikaner die Restschulden nicht vorzeitig aus dem Markt nehmen. Das aber berührt den Bondmarkt und die Renditen, also die Zinsen! Hinzu kommt:

Ein großer Teil der Treasury Bonds liegt bei ausländischen Notenbanken. Sie repräsentieren deren Dollarreserven. Steuersenkungen wiederum tragen dazu bei, die Schuldentilgung zu verlangsamen, haben aber auch die Wirkung, daß die Wirtschaftskraft hoch bleibt und die Steuerquellen noch ergiebiger sind. Dies richtig zu steuern, wird das neue Hauptproblem der FED. Es erscheint für alle anderen wie eine Traumkonstellation, hat aber m.E. wohl zur Folge, daß die Zinssenkungen geringer ausfallen werden, weil die FED unbedingt den "Daumen draufhalten muß", der sich aus einer robusten Wirtschaft einerseits und der genannten Schuldenkonstellation andererseits ergibt.

Das Fazit für Sie: Die Zinsspekulationen sind nur noch ein Teilaspekt, aber kein Trendindikator. In diesem beinahe idealen Umfeld rückt demnächst die Ertragstendenz wieder eindeutig in den Vordergrund. Das ist schon erkennbar in den anziehenden Kursen der Technikaktien.

Hans A. Bernecker

06.02.2001


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07.02.01 14:53:10
Beitrag Nr. 24 ()
Spitzenthread! Danke HSM! :)
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07.02.01 17:31:25
Beitrag Nr. 25 ()
Hektische Betriebsamkeit (Panik) hat Alan Greenspan erwischt


von Roland Leuschel

Erst spielte der Godfather von Wall Street den Nikolaus (5.12.2000), als er seine Zinsentwarnung in die Medien streute. Die umsatzstärkste Börse der Welt, die Nasdaq, die mit einem Wertverlust von 3.500 Milliarden Dollar im letzten Jahr einen klassischen Crash erlebte, jubelte in klassischer Manier: +10,5% Anstieg am 5.12.2000. Dann kam der dritte Januar dieses Jahres, und Alan Greenspan schlüpfte in die Rolle der Heiligen Drei Könige, indem er ohne Offenmarktausschuss der Notenbank die Leitzinsen um 50 Basispunkte senkte. Die Anhänger der Nasdaq jubelten erneut: +14,2% Indexanstieg an einem Tag, das war der höchste Tagesgewinn seit Bestehen der Nasdaq. Die Pawlow Schüler wollten so allen Börsianer der Welt zeigen, dass sie die Reflexe gut beherrschen ("kognitive Dissonanz" wird so etwas in der Behavioral Finance genannt). Jetzt am 31. Januar 2001 auf der turnusgemässen Fed wurden die Leitzinsen nochmals um 50 Basispunkte auf 5,5% gesenkt, also in 3 Wochen um 100 Basispunkte. So etwas nennt man schlicht und einfach Panik. Das ungewöhnlich lange Kommuniqué, in dem die Fed ihre Entscheidungen begründet, zeigt in aller Deutlichkeit, wie groß die Panik innerhalb der Notenbank ist.

Noch vor 4 Wochen sahen die Experten und Ökonomen keine Rezessionsgefahr in Amerika. Ein illustres Beispiel lieferte der Professor für Volkswirtschaft am renommierten Massuchetts Institute of Technology (MIT), Rüdiger Irving Dornbusch: "Die Angst vor einer Rezession ist typisch europäisch, aber unbegründet. Streichen Sie deshalb das Wort Rezession aus Ihrem Sprachsatz. Es wird sie in den USA nicht mehr geben. Die US-Wirtschaft trotzt vor Kraft." (Interview Euro am Sonntag vom 10.12.2000) Jetzt erklären alle diese Experten, wir werden eine V-Form der Konjunktur bekommen, das heisst nach einem rasanten kurzen Absturz geht es ebenso rasant wieder nach oben. Immerhin erkennen diese Experten die Fakten an, die da sind: Die Wachstumsrate des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes fiel im 4. Quartal 2000 auf magere +1,4%, gegenüber +5,2% im 2. Quartal und +2,2 im 3. Quartal. Ferner wurde in dieser Woche bekannt, dass der Index der Einkaufsmanager in Chicago sich im freien Fall befindet (von 45,2 auf 40,2). Das vom Conference Board berechnete Consumer Vertrauen fiel ebenso rasant auf 114,4 und damit unter das Niveau vom Sommer 1998, als wir die Rubel- und Hedge Fonds-Krise hatten. Am dramatischsten war allerdings der Absturz der Philly-Index, einer von der Federal Reserve Bank in Philadelphia ermittelten Umfrage des Geschäfsklimas, er fiel so stark wie seit Dezember 1990, also während der letzten grossen Rezession, nicht mehr. Diese Umstände haben "eine schnelle und wirkungsvolle Antwort der Geldpolitik" so die Begründung der Kommuniqué der Fed, erfordert. Schnell ja, ob wirkungsvoll wird sich zeigen. Ich habe da meine Zweifel, auch was eine schnelle Börsenerholung anbetrifft. Ich habe einen Vergleich des Nasdaq Composite Index von Januar 1998 bis heute mit dem Dow Jones von 1927 bis 1932 gemacht. Der Anstieg der Nasdaq vom Dezember 1999 bis März 2000 lässt den Anstieg des Dow Jones von 1927 bis Oktober 1929 zwergenhaft erscheinen, und wir alle wissen, nach dem Oktober 1929 folgten drei schmerzvolle Jahre, in denen es neben Abstürzen auch kräftige Erholungen gab. Der bekannte Börsenhistoriker, Professor Schwartz aus London, schrieb vor einiger Zeit: "History teaches that stock market prices eventually return to their long term trend line, that trend line would put the Nasdaq at 1.600." (Nasdaq zur Zeit 2.783). Was dies auch für den Nemax Allshare Index bedeutet, dürfte dem deutschen Anleger besonders klar sein. Mit 2.700 liegt er bereits unter dem Jahresbeginn von 2.743, und viele Anleger erinnern sich an den 10. März letzten Jahres, als er mit 8.410 einen neuen Rekord aufstellte.

Ich empfehle den Chart genauestens zu verfolgen und zu beobachten, ob die Linie von 2600 hält. Wenn von diesem Kursniveau ein erneuter Anstieg einsetzt, hätten wir es mit einer klassischen Kopf Schulter-Formation zu tun und sollte der Widerstabd bei 3.600 gebrochen werden, wäre die Fahrt zu weiteren Kursgewinnen offen. Ich befürchte der Markt findet bei 2000 einen Boden. Die Anleger haben genügend Zeit, um sich auf die nächste Kursrallye vorzubereiten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die lockere Geldpolitik eines Alan Greenspan wieder greift und die Börsen sich in naher Zukunft auf neue Höchstkurse emporheben, ist sehr gering. In der Zwischenzeit empfehle ich die konservative Anlagestrategie des letzten Jahres beizubehalten (sie brachte übrigens einen Return von rund 10%). Ich würde also Aktien weiter untergewichten (30 bis 40% des Portefeuilles), wobei ich an Standardwerte denke mit hoher Dividendenrendite und mit niedrigem KGV, etwa zum Beispiel Philip Morris. Wer es bequemer mag, der kaufe die Holding von Warren Buffett, Berkshire Hathaway, die im letzten Jahr auf knapp unter 41.000 Dollar fiel und inzwischen bei 67.000 liegt.

Warren Buffett wurde im letzten Jahr von verschiedenen Medien madig gemacht, aber er hat den Leuten bewiesen, dass seine Investmentphilosophie des "Value Investment" nach wie vor Bestand hat. Er ist und bleibt einer der klügsten Investoren aller Zeiten, und als im letzten Jahr die Börsenwelt ihr Kapital in die New Economy steckte, sagte Warren Buffet trocken: "These times will not be remembered as a period of wealth creation, but as one of wealth transfer." Wenn ich mir den Bloomberg Internet Index anschaue, der von einem Höhepunkt von 300 auf unter 100 fiel, dann ist eben der Transfer bereits gelungen, und erst wenn nach der Schlacht der Pulverdampf verzogen ist, wird man die Opfer zählen können. Die anderen 30 bis 40% eines Portefeuilles empfehle ich weiterhin in Qualitätsanleihen, wobei es durchaus möglich ist, dass die langfristigen Zinsen nicht mehr fallen werden, obwohl die kurzfristigen Zinsen weiter einbrechen können. Den Rest des Portefeuilles würde ich in Liquidität halten, um bei den zu erwartenden scharfen Kurskorrekturen zugreifen zu können. Von der Währung her betrachtet, halte ich eine Übergewichtung des Euro für empfehlenswert, da der Dollar regelrecht einbrechen kann. Seien Sie darauf vorbereitet.

Roland Leuschel

07.02.2001


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09.02.01 01:48:55
Beitrag Nr. 26 ()



Nasdaq - 30 Jahre Hoffen und Bangen

US-Technologiebörse feiert Jubiläum - Im Jahresdurchschnitt zweistellige Zuwachsraten - Aktueller Bärenmarkt kein Beinbruch


US-High-Techs blicken zurück auf eine bewegte Geschichte



Berlin - Für viele Menschen ist der 30. Geburtstag kein wirklicher Grund zum Feiern. Mit gemischten Gefühlen beging Am Donnerstag auch die Nasdaq ihr 30-jähriges Jubiläum. Angesichts des letztjährigen Crash war keinem Anleger so richtig zum Feiern zumute, schließlich haben sich die Kurse von ihrem Hoch im vergangenen Frühling im Schnitt halbiert. Insgesamt wurden an der Nasdaq 3000 Mrd. Dollar an Anlegergeldern vernichtet, dies ist in etwa das letztjährige Bruttoinlandsprodukt von Deutschland und Frankreich zusammmen.
Doch für "alte Hasen" ist der Einbruch bei den Technologietiteln längst kein Beinbruch. "Ich habe in der 30-jährigen Geschichte der Computerbörse Nasdaq schon viele Auf und Ab erlebt", sagt Klaus Aulbach von der BHF-Bank. Bei jedem Einbruch dachten die Anleger an einen Untergang der Technologiewelt. "Langfristig ging es immer wieder nach oben und es wird auch dieses Jahr wieder aufwärts gehen."

Tatsächlich ging die Welt an der Nasdaq mehrmals unter. Kurz nach dem Beginn legte die Computerbörse einen Fehlstart hin. 1973 tauchten die Kurse um über 60 ab. Doch die langfristige Performance ist bestechend. Seit dem Start vor 30 Jahren legte die Nasdaq jährlich durchschnittlich 11,5 Prozent zu und hängte damit die Standardwerte des S & P 500, die nur einstellig zulegen konnten, meilenweit ab.

Der Startschuss fiel am 8. Februar bei einem Indexstand von 100 Punkten. An diesem Tag wurden an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq - die Abkürzung steht für National Association of Securities Dealers Automated Quotation System - zum ersten Mal Aktien gehandelt. Die Nasdaq revolutionierte damals die Finanzmärkte. Fand bisher der Handel ausschließlich auf dem Parkett statt, trat an die Stelle von wild fuchtelnden Maklern nun der Computer. Über die Monitore der angeschlossenen Systeme tickerten von nunan fortlaufend die aktuellen Kurse und Transaktionen. Ohne die Zwischenschaltung eines Kursmaklers konnten die anfangs 2500 Aktien ver- oder gekauft werden. Noch heute sucht der Besucher am Times Square, dem New Yorker Sitz der Nasdaq, vergeblich nach dem Börsensaal. Stattdessen gibt es nur einen relativ kleinen Raum mit spiegelglatten Fußboden, der eher einem modernen Tanzstudio gleicht. An eine Börse erinnern nur leuchtende, an der Wand hängende Tafeln mit Aufschriften und Firmenlogos von Microsoft, Cisco & Co.

Doch ihren Ruf musste sich die Nasdaq erst hart erarbeiten. In den Anfangsjahren war sie als Zockerbörse oder Spielcasino gebranntmarkt. Auch führende Unternehmen High-Tech-Unternehmen waren Mangelware. An der Nasdaq tummelten sich kleinere Finanztitel oder Krankenhausbetreiber, die auch heute noch den Großteil der Werte ausmachen. Erst eine Verschärfung der Regularien durch die Börsenaufsicht SEC und der Börsengang von Microsoft brachten 1986 den Durchbruch. "Seither wird die Nasdaq richtig ernst genommen, besitzt die boomende High-Tech-Branche ihre eigene Branche", sagt Aulbach. Die Nasdaq ist hinter der altehrwürdigen New York Stock Exchange (Nyse) inzwischen die zweitgrößte Börse der Welt, bei den Umsätzen hat sie sogar schon die Spitzenstellung errungen. Weit über 5500 Unternehmen mit einem Wert von 3058 Mrd. Dollar werden hier notiert, täglich wechseln Aktien im Wert von zwei Mrd. Dollar die Besitzer.

Doch die Nasdaq dürfte damit noch lange nicht am Ende sein. Experten rechnen damit, dass die Technologiebörse auch in den kommenden Jahren die Standardwerte klar abhängen werden. "Die Nasdaq ist strukturell am besten aufgestellt", sagt André Jäkel von der BHF-Bank. Ständig neue Unternehmen kämen an den Markt. "Die Börse runderneuert sich alle zehn Jahre", so Jäkel. Am einfachsten könnten Anleger mit einem Indexzertifikat auf den Nasdaq-100, den Index der 100 größten Technologiewerte auf diese Entwicklung setzen.

Doch auch Technologiefonds streuen die Risiken, die bei Investments in einzelne Unternehmen entstehen. Marc Schädler, Fondsmanager des Nordinvest Worldgrowth gibt sich optimistisch: "Die Zinssenkzungen werden den High-Techs Auftrieb geben. 3000 Punkte zum Jahresende sind wieder drin."hz.


Quelle: http://www.welt.de/daten/2001/02/09/0209fi221451.htx
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09.02.01 02:04:53
Beitrag Nr. 27 ()
gute Infos, danke HSM :)
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12.02.01 20:48:07
Beitrag Nr. 28 ()
Hornblower-Special: US Biotechnologie - Aktien überbewertet ?

In der jüngsten Vergangenheit haben Experten den Gedanken diskutiert, dass Aktien von Biotechnologieunternehmen ähnlich wie seinerzeit Internet-Aktien stark überbewertet seien und ihnen deshalb eine entsprechend heftige Kurskorrektur bevorstehe. Die Vermutung einer spekulativen Überbewertung wurde dabei in der Regel allein durch den Vergleich der Entwicklung der Biotech-Indizes mit den anderen Aktien-Indizes begründet. So konnte der amerikanische Amex-Biotech-Index (BTK) im Jahr 2000 um 61,36 % zulegen, der Technologie-Index Nasdaq verlor jedoch 38,8 %. Medienwirksam war dabei insbesondere der Hinweis, die Aktien von Biotechnologieunternehmen könnte das desaströse Schicksal von Internet-Aktien ereilen, die im Jahre 2000 vielfach bis zu 90 % ihres Wertes verloren hatten.

Obwohl es diesen Überlegungen an einer substanziellen Analyse und Begründung mangelte, war sie publizitätswirksam und läutete wohl alleine deshalb eine nicht unbeachtliche Korrektur der Biotechnologie-Indizes ein, die aber alsbald durch erneute Kursanstiege annähernd kompensiert wurde. Ist die Skepsis gegenüber der Bewertung von Biotechnologieaktien berechtigt?

Überprüfen wir zunächst, ob der als Begründung für eine Überbewertung des Biotechnologiesektors herangezogene Index-Vergleich zu plausiblen Erkenntnissen führen kann. Da nicht alle Branchen zur gleichen Zeit von ähnlichen Faktoren wirtschaftlichen Nutzen ziehen oder aber in ihrer Entfaltungsdynamik gebremst werden, ist ein kurzfristiger Vergleich der Indizes wenig sinnvoll. Deswegen haben wir im folgenden den Technologie-Index Nasdaq und den Amex-Biotech-Index (BTK) in ihrer Entwicklung seit 1993 verglichen.



Der Nasdaq-Technologie-Index startete bei einem Indexstand von 676,95 Punkten am 31.12.1992 und erreichte im März 2000 ein Hoch von 5.132,52 Punkten. Bis zu diesem Zeitpunkt legte der Index demnach um 4.455,57 Punkte, gesamt um 658,18 % zu. Arithmetisch stieg der Index pro Jahr um ca. 92 %. Der Amex-Biotech-Index (BTK) startete bei einem Indexstand von 170,64 Punkten am 31.12.1992 und erreichte im März ein Hoch von 806,37 Punkten (der Indexhöchststand wurde im September 2000 mit 811.61 Punkten erreicht). Bis zu diesem Zeitpunkt legte der Index demnach um 635,73 Punkte, gesamt um 372,56 % zu. Arithmetisch stieg der Index pro Jahr um ca. 52 %. Am 30.01.2001 stand der Nasdaq-Technologie-Index bei 2.838,35 Punkten, mithin bei einem Zugewinn von 2.161,40 Punkten seit dem 31.12.1992. Die jährliche arithmetische Steigerung beläuft sich auf ca. 40 %. Am 30.01.2001 stand der Amex-Biotech-Index bei 640,88 Punkten, mithin bei einem Zugewinn von 470,24 Punkten seit dem 31.12.1992. Die jährliche arithmetische Steigerung beläuft sich auf ca. 34 %.

Schlußfolgerung:

Die Aktien von Biotechnologie-Unternehmen haben im Jahre 1999 und 2000 erstmals den hohen Rückstand gegenüber dem Technologie-Index Nasdaq aufgrund der gewaltigen fundamentalen Fortschritte der Branche verkürzt. Über den Beobachtungs-zeitraum 1993 - 2000 schnitt der Technologie-Index Nasdaq jedoch besser ab. Aus dem Vergleich der Indizes lässt sich also eine Überbewertung des Biotechnologiesektors nicht ableiten.

Kann der Vergleich mit der Internetbranche bei der Bewertung von Biotechnologie-Unternehmen hilfreich sein? Der Vergleich mit dem Schicksal der Internet-Branche setzt zwei Prämissen voraus: Dass die Geschäftsmodelle vergleich-bar sind. Dass der desaströse Kurssturz der Internet-Aktien im Jahre 2000 aus fundamentaler Sicht berechtigt war oder der Kursanstieg der Biotech-Indizes eine nicht fundierte Übertreibung war. Der Internet-Branche ist zu eigen, dass sie Industrie- und Dienstleistungsunternehmen ein neues Kommunikationsinstrument zur Verfügung stellt, das die Produktivität der Unternehmen erhöhen kann. Ähnlich wie die Einführung des Fließbandes oder elektrischen Stroms die Effizienz der Herstellung von Waren und Dienstleistungen durch Beschleunigung der Arbeitsprozesse erhöht, beschleunigt die Internet-Struktur den Austausch von Infor-mationen und den darauf aufbauenden Diensleistungs- und Produktionsprozess. Eigene Produkte über die Lieferung der Infra-struktur und der dazu gehörenden Software hinaus liefert die Internet-Industrie nicht.

Die Biotechnologieindustrie als "Pharma-Industrie im Werden" wendet naturwissenschaftliche Erkenntnisse an, um bessere Wirkstoffe gegen Krankheiten zu entwickeln, die mit geringeren Nebenwirkungen eine bessere Wirkung erzielen. Im Vordergrund steht also die Entwicklung von Produkten und weniger von Instrumenten zur Beschleunigung von Arbeitsprozes-sen.

Dass über neue biotechnologische bzw. naturwissenschaftliche Erkenntnisse auch neue Instrumente die Produktivität dieser Branche erhöhen, ist nicht ungewöhnlich, läßt aber allenfalls den Schluss zu, dass Biotechnologiefirmen ohne Wirkstofffokus möglicherweise mit Internet-Firmen zu vergleichen sind, wenn sie ausschließlich Instrumente zur Produktivitätssteigerung der Medikamentenforschung liefern. Da neue Wirkstoffe einen langen, patentgeschützten Lebenszyklus durchlaufen und damit hohe Markteintrittsbarrieren aufbauen, zudem ihre Entwicklung im Schnitt etwa 10 Jahre benötigt, ist der Vergleich mit Internet-Firmen ohne Sinn, da ein Vergleich von Branchen mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen zu keinen vernünftigen Ergebnissen führen kann. Da dies der Fall ist, muss auch nicht weiter untersucht werden, ob die Wertverluste von Internet-Aktien im Jahre 2000 berechtigt waren oder der Kursanstieg der US- Biotechaktien unberechtigt. Wie oben ausgeführt, verkürzten diese Indices ledig-lich zu einem guten Teil den Wertzuwachsvorsprung des Nasdaq-Technologieindex.

Wie unterschiedlich die Branchen sind, zeigt folgende Gegenüberstellung:

Kriterium Internet Biotechnologie

1. Marktzugangsschwelle niedrig hoch (komplexe Infrastruktur, lange Entwicklungs zyklen etc.)
2. Konkurrenz hoch niedrig (neue, wirksamere Medikamente mit hoher Marktnachfrage)
3. Patentschutz gering hoch
4. Umsätze durch Lizenzen, Nutzungs- Lizenzen, Produktumsätze, Technologietransfer gebühren etc.
5. Innovationen Instrument zur Produktivitäts- Neues Präparat als Resultat effizienter steigerung Forschungs- und Herstellungsprozesse


Fazit der Überlegung:

Die bisherigen Vermutungen, der Biotechnologieindex sei überbewertet, sind nicht nachvollziehbar. Weitergehende Überlegungen zur angemessenen Bewertung der Branche führen zu anderen und differenzierenden Ergebnissen. Solche Analysen hinterfragen die Produktivität der Branche, stellen also fest, mit welchem Input von Ressourcen welche Produkte mit welchem Absatzmark geschaffen worden sind. Im Vergleich zur Pharmaindustrie fällt dabei auf, dass die Biotechnologiebranche wesent-lich produktiver ist, also mehr Wirkstoffe bei geringerem Kapitaleinsatz entwickelt. Bei Bewertungen von Biotechnologieunter-nehmen im Vergleich zu Pharmafirmen stellt sich die Frage: Was ist das knappere Gut, die weltweite Vertriebskapazität der Pharma-firmen oder die sich rasch aufbauende Wirkstoffanzahl der Biotechnologieunternehmen. Diese Frage hat der Markt in den letzten Monaten beantwortet: Allianzen zwischen Pharma- und Biotechnologieunternehmen haben sich wirtschaftlich für die Biotechnologieunternehmen wesentlich verbessert. Waren Pharmaunternehmen früher lediglich bereit, Lizenzgebühren und schmale Umsatzbeteiligungen zu zahlen, begeben sie sich heute in Entwicklungs- und Vermarktungspartnerschaften, die den Biotechnologie-unternehmen bis zur Hälfte der anfallenden Gewinne aus Medikamentenumsätzen sichert. Die damit sich verbessernde Ertragsla-ge wird zu einer höheren Neubewertung der Biotechaktien führen.

Autor: Dr. H.-J. König

(Quelle: Hornblower)


Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_marktbericht.php3?id=24…
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12.02.01 22:01:04
Beitrag Nr. 29 ()




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13.02.01 03:00:20
Beitrag Nr. 30 ()
Wall Street: Stehen die Ampeln auf Rot-Gelb?

Rezessionsboten auf dem Vormarsch

Zum ersten Mal seit fast zehn Jahren ist der US-Einkaufsmanager-Index ("National Association of Purchase Managers" Index), einer der wichtigsten Frühindikatoren für die Einschätzung der US-Konjunktur, im Januar unter die magische Marke von 42,4 Punkten gefallen. Historisch betrachtet, korreliert ein NAPM-Index unter 42,4 mit einer Rezession. Mit 41,2 Punkten und somit mehr als 2 Punkten unter den Konsensschätzungen der Analysten liegt dieser Sentimentindikator jetzt in unmittelbarer Nähe zum Niveau der Rezession von 1990/1991 (39,2). Diese 41,2 Punkte kündigen aller Erfahrung nach einen Rückgang des Bruttoinlandproduktes (BIP) und den Beginn einer Rezession an.

Der NAPM-Index legte mit rund drei Punkten einen weiteren Rückgang gegenüber dem Dezember ein. Das war der elfte Rückgang in Folge sowie der sechste Monat hintereinander, in dem der NAPM-Index unter 50 lag. Diese Konstellation, indiziert eine Kontraktion der Industriefertigung für ein halbes Jahr, technisch betrachtet eine Rezession.

Der in der Vergangenheit beobachtete Zusammenhang zwischen NAPM-Index und konjunktureller Entwicklung deutet auf einen Rückgang des BIP um annualisiert 0,6 Prozent. Das BIP stieg im vierten Quartal mit nur noch 1,4 Prozent, der langsamsten Rate seit dem zweiten Quartal 1995 und nähert sich weiterhin der Nullinie.

Die stärksten Einbrüche bei den NAPM-Teilindizes verzeichneten Produktion und Auftragseingang. Außerdem nahmen die Lagerbestände zu, ein schlechtes Zeichen, das zudem einen Schatten auf die Entwicklung am Arbeitsmarkt wirft und andeutet, daß sich der Beschäftigungsabbau im verarbeitenden Gewerbe mit höherem Tempo fortsetzen wird als in den letzten Wochen und Tagen. Ein weiterer Indikator, der Verbrauchervertrauens-Index (Consumers` Confidence Index) ist im Januar so stark abgesackt ist wie seit Jahren nicht. Dazu muß angemerkt werden, daß in den USA zirka zwei Drittel des BIP von Konsumausgaben getragen werden und somit die größte Konjunkturstütze darstellen. Der CCI fiel von 128,6 auf 114,4 und liegt damit weit unter den Konsensschätzungen der Analysten von 125,0. Dieser Rückgang ist der vierte in Folge und der größte seit Oktober 1990. Der Index selbst befindet sich nun auf dem tiefsten Stand seit Dezember 1996.



Fed greift ein

Nach der letzten Senkung des als Leitzins geltenden Zielsatzes für Tagesgeld um 50 Basispunkte auf 5,50% und des Diskontsatzes um ebenfalls 50 Basispunkte auf 5% hat die US-Notenbank Federal Reserve zur Ankurbelung der Konjunktur weitere Schritte angekündigt.

Ein interessanter Punkt des "Fed`s Policy Statement" war die Bezugnahme auf die "potentiellen Übertreibungen bei den Lagerbestandshaltungen und den Investitionskosten für Maschinen". Diese Aussage paßt sehr gut in das Bild einer sogenannten Doppel-Blase (Double-Bouble), denn zum einen hatten wir es insbesondere in der jüngsten Vergangenheit mit einer Spekulationsblase an den Finanzmärkten zu tun und zum anderen schärfen sich die Konturen einer Investitionsblase. Sollte diese Investitionsblase konkretere Formen annehmen, dann ist es sehr wahrscheinlich, daß die wirtschaftliche Erholung nicht V-förmig, wie so oft angenommen, sondern U-förmig verlaufen wird. Dieses Szenario einer relativ langsamen Erholung beruht darauf, daß es viele Monate dauern dürfte, bis Investitionen in Anlagen, Ausstattung und Informationstechnologie getätigt werden, die das Niveau vor dem Platzen dieser Investitions-Blase im letzten Jahr erreichen.

Die kürzlich veröffentlichten BIP-Daten unterstützen die These der geplatzten Investment-Blase, die langsam aber sicher ihre Wunden offenlegt. Die Daten zeigten, daß die Höhe der Kapitalausgaben zum ersten Mal seit 1992 fielen, nachdem sie in der vergangenen Jahren zweistellige Zunahmen aufwiesen.

Eines sollte hiermit klar sein: Die US-Wirtschaft befindet sich ganz klar auf Rezessionskurs.



Zwiespalt der Börse

Die US-Börse befindet sich in einem tiefen Zwiespalt: Auf der einen Seite spricht die sich verschlechternde US-Konjunktur gegen einen breitangelegten Kursaufschwung, auf der anderen Seite war es bisher fast immer eine sichere Sache in einem rezessiven Konjunkturumfeld nach der zweiten Zinssenkung zu kaufen. Eine Untersuchung dieses Phänomens durch das Investmenthaus Morgan Stanley Dean Witter ergab, daß die Kurse in den USA im Schnitt der letzten 80 Jahre nach einem Doppelschritt der Notenbank in den nächsten Monaten um durchschnittlich 26% zulegten.

An der Börse wird bekanntlich die Zukunft in der Regel mit einem sechs- bis neunmonatigem Vorsprung gehandelt. Die Meinung vieler Akteure beruht nun auf der Annahme, daß die US-Konjunktur nach diesem Zeitraum bereits das Konjunkturtief durchschritten haben sollte und sich auf Erholungskurs befindet. Diese optimistische Einschätzung wird auch von den Sentimentindikatoren wiedergegeben: Der für seinen "Sentiment Index" in den USA bekannte Newsletter "Investor`s Intelligence" berichtete am 2. Februar einen 61 prozentigen Anteil an bullish gestimmten Akteuren. Man sollte sich vergegenwärtigen, daß dieser Kontraindikator damit - mit Ausnahme der Monate Februar und Mai 1999 - die höchsten Daten seit 1987 darstellt. Dieser Wert zeigt einmal mehr, daß das Vertrauen in die Fed ungebrochen ist. Aber erst wenn dieses Vertrauen in die Fed erschöpft ist, besteht die Möglichkeit einer nachhaltigen und dauerhaften Aufwärtsbewegung.

Untermauert wird diese Einschätzung auch von der vorangegangenen restriktiven Zinspolitik der Fed, die noch bis Ende des Jahres ihre Wirkung zeigen wird. Die eben erst eingeläutete Zinswende dürfte sich unter der Annahme des üblichen Timelags erst frühestens Anfang 2002 positiv auf die US-Konjunktur auswirken. Vor diesem Hintergrund erscheint das Modell der Double-Bouble mit seinem U-förmigen Recovery nur logisch. Somit ist davon auszugehen, daß zumindest in den nächsten Monaten weiterhin negative Schreckensnachrichten von der Wirtschaftsfront das Börsenbild bestimmen werden.



Weitere Zinssenkungen? - Chancen und Risken

Doch wie stehen die Aussichten auf weitere Zinssenkungen? Die neulich veröffentlichten Payroll-Daten für den Januar, die einen erheblichen Prognosefehler enthalten und von saisonalen Adjustierungsproblem behaftet sind, dämpfen ohne Zweifel die Erwartungen hinsichtlich einer Zinssenkung im Februar. Zusammen mit anderen Entwicklungen erscheint aus jetziger Sicht das frühestmögliche Datum für eine weitere Zinssenkung der 9. März zu sein, wenn die Payroll-Daten für den Februar veröffentlicht werden. Dieser potentielle Zinssenkungspielraum könnte mit 25 Basispunkten nur halb so groß ausfallen, wie sie der Markt zur Zeit erwartet. Sie sehen also, daß die Zinserhöhungen der Jahre 1999/2000 sehr wahrscheinlich nicht so schnell zurückgenommen werden.

Weiterhin Risiken für erneute Rückschläge an den Börsen bergen Unternehmens-meldungen, zum Beispiel Quartalsergebnisse. Zusätzliche Malaise: Die Firmen können gar nicht abschätzen, wie sich ihr Geschäft entwickelt. Aber unisono hört man, daß es im 2 Halbjahr wieder bessere Zahlen geben soll. Ob das wirklich stimmt, wissen wir definitiv frühestens im April und Mai, wenn die Conference Calls über das erste Quartal stattfinden. Jedweder Optimismus bezüglich einer zügigen Erholung der US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr beruht zur Zeit lediglich auf Hoffnungen und ist in keinster Form von Fakten getragen.

Hinzu kommt, daß Aktien vieler Unternehmen, insbesondere an der Technologiebörse NASDAQ historisch betrachtet immer noch zu hohe Bewertungsziffern ausweisen. Auch wenn ein Großteil der Exzesse schon ausgetrieben wurde, müßten die Bewertungen durchschnittlich um mehr als ein Drittel nach unten adjustiert werden, um historisch günstige Einstiegskurse zu generieren.

Ein weiterer Punkt, der mit Blick auf die nächsten Monate beachtet werden muß, ist die Problematik des Greenspanschen Patentrezeptes, der unbegrenzten Liquidität, womit auch die Geldmenge M1 angesprochen sei. Die Zinssenkungen erfolgten nämlich in einem Umfeld, in dem noch immer potenzielle Inflationsgefahren bestehen. Ein Wieder-Aufflackern der Inflation wird nämlich durch die monetären Maßnahmen der Fed geradezu provoziert. Zusätzlich könnte ein gegenüber dem Euro mittelfristig schwächerer Dollar steigende Importpreise bedeuten. Dies würde zusätzliche Inflationsgefahren in sich bergen.

Falls die Konjunkturstatistiken weitere Negativmeldungen produzieren, wovon auszugehen ist und wir gleichzeitig ein Wieder-Aufflackern der Inflation erleben sollten, können wir gespannt sein, ob Greenspan dem politischen Druck, der auf ihn ausgeübt würde, standhalten wird.

Von einem derzeitigen neuen Bullenmarkt an der Technologiebörse Nasdaq kann gar keine Rede sein. Indes befinden wir uns in einem zyklischen Bärenmarkt.



Value-Aktien vs. Wachstumsaktien

Die geplatzte Spekulationsblase wird sich erfahrungsgemäß nicht so schnell wieder zusammenflicken lassen, dies gilt im Besonderen für die viele NASDAQ-Titel. Andererseits profitieren Sektoren, die relative Stärke besitzen. Hierzu zähle ich im Besonderen die sogenannten Value-Aktien. Darunter versteht man Unternehmensanteile, die aufgrund ihrer Bewertung und Gewinndynamik über einen hohen inneren Wert verfügen Dem langfristig orientierten Investor bieten sich unter den gegebenen Umständen im allgemeinen noch keine mehrheitlich erfolgversprechenden Anlagemöglichkeiten gemäß der Long Term Buy and Hold-Strategie in Wachstumswerte der NASDAQ.. Eventuelle Restbestände können durchaus in möglichen Zwischen-Rallies veräußert werden. Grundsätzlich empfiehlt sich eine Wartehaltung. Im allgemeinen sind NASDAQ-Aktien derzeit reine Trading-Vehikel. Für kurzfristig orientierte Akteure eröffnen sich unter den gegebenen Umständen immer wieder Opportunitäten. Bei der Auswahl dieser Möglichkeiten spielt die Integration der Technischen Analyse eine hervorragende Rolle.



©BörseGo 2001


Quelle: http://195.94.69.233/kommentar/kommentar01.htm
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13.02.01 21:01:40
Beitrag Nr. 31 ()
ftd.de, Di, 13.2.2001, 16:29, aktualisiert: Di, 13.2.2001, 19:47




Greenspan-Rede schürt Erwartungen für erneute Zinssenkung



Die Konjunktur in den USA wird sich nach den Worten von US-Notenbankpräsident Alan Greenspan 2001 deutlich abschwächen, voraussichtlich aber nicht in eine Rezession abgleiten.


Das Wachstum sei zu Jahresbeginn nahezu stagniert und das Land stehe einer Reihe von "Abwärtsrisiken" gegenüber, sagte Greenspan am Dienstag bei der Vorlage seines Halbjahresberichts vor dem Bankenausschuss des US-Senats.

Er sagte am Dienstag auf die Frage, ob sich die USA bereits in einer Rezession befänden: "Im Moment ist das nicht der Fall." Analysten interpretierten die Aussagen Greenspans als Signal für weitere Leitzinssenkungen. Denn der Fed Chef wies zugleich auf die konjunkturellen Risiken hin. Das Vertrauen der Verbraucher und der Unternehmen habe deutlich nachgelassen, seien aber noch nicht eingebrochen. Der langfristig positive Ausblick für die US-Wirtschaft sei intakt. Steuersenkungen bezeichnete der Fed-Chef als geeignetes Instrument, um die Wirtschaft anzukurbeln. Der Dollar und die US-Aktienmärkte verzeichneten in Reaktion auf Greenspans Aussagen Kursgewinne.

Bereits im Januar hatte die Federal Reserve Bank den Zinssatz in zwei Schritten von 6,5 auf 5,5 Prozent gesenkt. Angesichts der dramatischen Verlangsamung der konjunkturellen Aktivitäten im vergangenen Jahr habe die Notenbank die Notwendigkeit gesehen "aggressiver als bisher" zu handeln, begründete Greenspan den Schritt.



Langfristig sehr gute Perspektive


Die Notenbank geht nun davon aus, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr um 2,0 bis 2,75 Prozent wachsen wird. Diese Prognose liegt deutlich unter der Vorhersage, die Greenspan dem Kongress im vergangenen Juli geliefert hatte. Damals war er von einem Wachstum zwischen 3,25 und 3,75 Prozent ausgegangen.

Trotz der gegenwärtigen Schwächephase der US-Konjunktur sei die langfristige wirtschaftliche Perspektive weiter sehr gut. "Der langfristige Ausblick ist, wie bereits mehrere Male gesagt, ungeschmälert im Hinblick darauf, ...dass wir die Phase technologischen Fortschritts erst zum Teil durchschritten haben", sagte Greenspan. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann die Wirtschaft ihre derzeit schlechte Lage wieder überwinden werde, wenn alle Annahmen über den weiteren technischen Fortschritt korrekt seien, sagte Greenspan.



Euro fällt

Im Rahmen der Anhörung äußerte sich Greenspan auch erneut zu den Steuersenkungsplänen von US-Präsident George Bush. Der Fed-Chef sagte, eine Senkung von Grenzsteuersätzen sei ein geeignetes Instrument, um die Wirtschaftsaktivitäten anzukurbeln. Auch könnten niedrigere Steuern eine Versicherung gegen eine - allerdings wenig wahrscheinliche - Rezession sein. Gleichzeitig warnte Greenspan aber davor, dass die USA wieder mit Haushaltsdefiziten konfrontiert werden könnten, wenn die Staatsausgaben nicht unter Kontrolle blieben.

Finanzminister Paul O`Neill hatte am Dienstag den US-Kongress aufgefordert, die Steuersenkungsgesetze möglichst schnell zu verabschieden. "Die Anzeichen einer Wachstumsverlangsamung in den USA machen Steuersenkungen noch zwingender nötig", sagte der Finanzminister. Bush plant in den kommenden zehn Jahren steuerliche Entlastungen im Volumen von 1,6 Billionen $

Greenspans Rede habe den Dollar gestützt und den Euro geschwächt, sagten Händler. Am frühen Abend notierte der Euro mit 0,9180$.



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16.02.01 13:22:15
Beitrag Nr. 32 ()


Neuer-Markt-Tagesanalyse für Freitag, den 16. Februar

von Daniel Köster [16.02.01, 09:11]

Mit einem Kursplus von knapp 14 Prozent bedankten sich die Aktionäre gestern bei T-Online für die geplante Abschaffung der Flatrate. Das Index-Schwergewicht war damit das Zugpferd des Neuen Marktes: Der NEMAX-Internet-Index legte etwa zehn Prozent zu, während der NEMAX 50 gut fünf Prozent Zuwachs verzeichnete. Zum Wochenende bleibt aus charttechnischer Sicht eine leicht verbesserte, aber noch immer negative Ausgangslage.
Hatte sich der NEMAX 50 bis zur Mittagszeit noch nicht getraut, stieg er im Verlauf des Nachmittags kontinuierlich an und schloss nahe dem Tageshoch (2474 Punkte). Die Aufwärtsbewegung ist etwas dynamischer als erwartet, liegt jedoch noch knapp im Bereich der gestern definierten Widerstandszone um 2500 Punkte. Der sehr kurzfristige, steile Abwärtstrend seit dem Hoch bei 2920 Punkten – gestern 2450 Zähler – wurde damit jedoch leicht durchbrochen.

Dennoch ist die Erholung derzeit noch mit Vorsicht zu genießen. Bevor die 2500er-Marke auf Schlusskursbasis nicht überschritten wird, ist das Kursziel von 2200 Punkten konsequent aufrechtzuerhalten. Als neue, kurzfristige Unterstützung vor 2200 hat sich das jüngste Schlusstief bei 2353 Zählern (Tief vom 14. Februar) herausgebildet.

Im Idealfall leitet der gestrige Kursanstieg den ersten Schritt einer kurzfristigen Stabilisierung ein. Sollte sich diese in den kommenden Handelstagen durch Kurse über 2500 Zäher bestätigen, würde sich die Lage leicht entspannen. Momentan ist jedoch noch von keinem positiven Szenario auszugehen. Die Entscheidung über das Doppeltief ist noch nicht gefallen.

Ausblick auf die kommenden Handelstage

Der wichtigste, kurzfristige Widerstand bleibt die 2500er-Marke auf Schlusskursbasis. Zum Wochenschluss ist ein Überschreiten eher unwahrscheinlich. Die grundsätzlich negative Einschätzung bleibt daher bestehen.

Wichtige Chartdaten

Letzte Chartformation: Keine bestätigte
Weitere Unterstützungen: 2200, 2116, 1850, 1500
Weitere Widerstände: 2500, 2650, 2730, 2800
GD 50: 2775
GD 100: 3564
GD 200: 4856
MACD (12/26/9): Negativ seit 8. Februar


“Profi Technik“

Mittelfristige Analyse (vom 17. Januar): Da der bisherige Abwärtstrend seit dem Hoch bei 6443 Punkten - am 4. September 2000 - Anfang des Jahres durchbrochen wurde, ist eine neue Fibonacci-Analyse auf Basis des jüngsten Tiefs bei 2116 Punkten ansetzbar. Die mittelfristigen Erholungsziele lauten wie folgt: 3137 (erstes Ziel), 3768 (zweites Ziel) und 4280 (letztes Ziel). Das erste, mittelfristige Kursziel der aktuellen Erholung ist somit 3137 Punkte. Dieses konnte bisher nicht erreicht werden, was deutlich negativ zu interpretieren ist. Solange 2116 Punkte jedoch nicht unterschritten werden, bleibt diese Marke als mittelfristiger Orientierungspunkt erhalten.

Kurzfristige Analyse (Update vom 15. Februar): Die Erholungsziele der Abwärtsbewegung von 2920 bis 2353 (jüngstes Schlusstief) lauten auf 2486 (23,6 Prozent Retracement), 2569 (38,2 Prozent Retracement) und 2636 (50 Prozent Retracement). Diese Marken haben als Erholungsziele vorerst jedoch nur Orientierungscharakter.

Handelsempfehlung:


Für die am Freitag den 2. Februar bei Kursen um 2700 Punkten empfohlene Putposition sollte das Stop Loss weiter bei 2500 Punkten (Schlusskursbasis) belassen. Momentane Veränderung der Position seit Empfehlung (bei Einstieg um 2700 Zähler) : + 230 Indexpunkte.






Quelle: http://www.boerse-online.bch.de/cgi-bin/gx.cgi/AppLogic+FTCo…
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20.02.01 02:33:26
Beitrag Nr. 33 ()
Drastische Korrektur der Gewinnerwartungen deutet auf Rezession in USA



von Dr. Hans-Dieter Schulz

Der Mensch ist von Natur aus optimistisch. Er weigert sich zunächst, an das Schlechte zu glauben. Der nunmehr 18 Jahre währende Bullenmarkt hat die Menschen dazu verleitet, sehr optimistisch zu denken, was Aktien betrifft. Diese Denkweise wurde noch einmal tüchtig angeheizt durch den scharfen Anstieg der Aktienkurse seit 1995. Wie im Chart zu erkennen ist, hat sich der Index der 500 größten amerikanischen Unternehmen seit 1995 mehr als verdreifacht. Die Aktieneuphorie erlebte eine -wahrscheinlich finale- Überspitzung um den sogenannten Jahrtausendwechsel herum: Hier verdoppelte sich der Techno-Index Nasdaq innerhalb eines halben Jahres. Nun ist die Blase geplatzt und die letzte Verdoppelung im Nasdaq immerhin bereits rückgängig gemacht. Die Frage tut sich auf, ob es an der Zeit ist, daß auch die Verdreifachung, die seit 1995 im S&P 500 stattgefunden hat, korrigiert wird. Hierfür spricht der Bruch des fünf-jährigen steilen Aufwärtstrends. Wie im Chart ersichtlich, ist jetzt Raum für eine Korrektur um 40% bis auf derzeit 800 Punkte.





Die unterste Kurve zeigt, in welcherm Maße die Analysten ihre eigenen 12-Monats-Gewinnerwartungen für die S&P 500-Unternehmen revidieren. Sie zeigt also, inwieweit die Realität den Erwartungen davongelaufen ist. Im Verlaufe des Jahres 1994 beispielsweise übertrafen die Ergebnisse der Unternehmen stets die Erwartungen der Analysten. Die Börse honorierte dies jedoch erst, als Anfang 1995 der langfristige Aufwärtstrend getestet wurde. Man erkennt hier schön das Zusammenspiel von Psychologie -vertreten durch das Verhalten* der Analysten-, Charttechnik -wegen des Tests des Trends- und fundamentaler Realität. Letztere wird durch die mittlere Kurve verkörpert. Man sieht hier das Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukt auf Quartalsbasis. Von 1991 bis Ende 1994 war das BIP annualisiert um durchschnittlich 4% gewachsen. Diese florierende Wirtschaft wurde schließlich ab 1995 in steigenden Aktienkursen wiedergespiegelt (Pfeile 1 bis 3).
Doch was passiert, wenn die Wirtschaft nicht läuft, wie aktuell?

Die letzte Rezession fand in den USA 1990/91 statt, als am persischen Golf die Bomben fielen. Hier stellte sich die Kausalität der Ereignisse wie folgt dar: Zuerst lief die Wirtschaft nicht mehr so gut. Gleichzeitig mußten die Gewinnerwartungen nach unten revidiert werden. Dies geschah auf einem Niveau von 1% bis1,5%. Zu Beginn der unmittelbar folgenden Rezession kollabierten die Aktienkurse und erst danach mußten sich die Analysten sehr stark -also zwischen 1,5& und 3,25%- zurücknehmen (Pfeile A bis C). Zeitgleich mit dem Ende der Rezession erreichten die Gewinnkorrekturen ihr Maximum und die Börse schoß in die Höhe.

Aktuell sind die Gewinnrevisionen innerhalb von nur sechs Monaten auf 2,8% angeschwollen. Die aktuellen Daten des US-Wirtschaftswachstums werden erst in einigen Monaten zur Verfügung stehen, deshalb muß man hier mutmaßen. Das abgeschwächte BIP zeigt mit weniger als 0,5% das schwächste Quartalswachstum seit 1995. Wegen der Datenverzögeung können wir nicht wissen, ob nicht vielleicht bereits jetzt das R-Wort seine Wirkung entfaltet.

Wegen der einleitend angesprochenen menschlichen Affektion zum Optimismus und weil die Mehrzahl der Börsianer nichts anderes kennt als steigende Gewinne und steigende Kurse, ist zu befürchten, daß sich die Gewinnrevisionen noch fortsetzen werden. Nur wenige der mehr als 12000 überwachten Analysten sind länger als 18 Jahre berufstätig. Da sich die Selbsttäuschung auf historisch hohem Niveau befindet -wie eingangs dargelegt- und da der Mesch Ent-täuschungen nur ungerne akzeptieren mag, ist davon auszugehen, daß die Gewinnrevisionen noch etliche Quartale gen Süden weisen.

Wenn man sich die Zeit um 1990 im Chart noch einmal anschaut, so erkennt man, daß sich die Gewinnrevisionen im Verlaufe der Rezession prozentual verdoppelten. Auf heute gemünzt bedeutet dies, daß wir schon bald durchschnittliche Revisionen von 5% sehen könnten. Wie sensibel die amerikanischen Börsen auf solche Nachrichten reagieren zeigt die gegenwärtige Korrektur im Nasdaq-Index. Es ist anzunehmen, daß der breite S&P 500 aus dem gleichem Grunde nachzieht, also ebenfalls korrigiert. 1990/91 war der S&P 500 förmlich in die Rezession hineingefallen. Ob die amerikanischen Börsen auf einen Krach zusteuern ist nicht abzusehen. Der Boden dafür ist insbesondere jetzt, am wahrscheinlichen Beginn einer Rezession, da, wie der Vergleich mit 1990/91 zeigt. Jedenfalls sprechen sowohl der Trendbruch im S&P 500 als auch die hohe Korrektur bei den Gewinnerwartungen für weiter schwache bis sehr schwache US-Börsen(s. Pfeile A bis C, ?).

Da der Mensch zu Übertreibungen neigt, werden auch die Analysten ihre Gewinnrevisionen nach unten hin übertreiben. In der Rezession 1990/91 war das Maximum der Übertreibung ein Kaufsignal (s. vertikaler Balken im Chart). Leider sind solche Maxima erst ex post erkennbar.

*Korrektur der durchschnittlich erwarteten Gewinnprognosen für sämtliche Unternehmen im S&P 500-Index. Mehr als 12000 überwachte Analysten. Quelle: First Call

Dr. H.-D. Schulz/Felix Pieplow

19.02.2001


Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=25097
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21.02.01 23:44:11
Beitrag Nr. 34 ()
Aus der FTD vom 22.2.2001




Kolumne: Grüner Greenspan

Von Stephan-Götz Richter, Washington

Eine ökologische Energiepolitik würde auch Amerikas Zentralbankchef helfen, doch George Bush fördert lieber Öl.

Bewohner der amerikanischen Hauptstadt erlebten dieser Tage einen wahren Schock, als sie ihre Erdgasrechnungen erhielten. Statt wie üblich rund 130 $ im Monat mussten viele Washingtoner 500 $ und mehr berappen. Manche US-Bürger mögen sich angesichts gestiegener Energiekosten an die Zeit des Ölembargos durch die Opec erinnert fühlen, als Jimmy Carter, der damalige US-Präsident, sich im Wollpullover aus dem ungeheizten Weißen Haus an die Nation wandte.

Da wundert es nicht, dass in Washingtons Heimwerkermärkten die Isolierwolle knapp wird. Immer mehr Hausbesitzer wollen so die explodierenden Heizkosten für ihre oftmals nur mangelhaft isolierten Wohnstätten senken. Das Preissignal des Marktes, resultierend aus hoher Nachfrage und knappen Vorräten, wird von den Verbrauchern erkannt und umgesetzt.


Die hohen Energiepreise bereiten nicht nur den Bürgern Kopfzerbrechen. Auch Notenbankchef Alan Greenspan muss sich darum sorgen, dass ihm Handlungsspielraum verloren gehen könnte angesichts der inflationären Wirkung hoher Energiekosten.


Gerade jetzt braucht der Fed-Chef diesen Spielraum, um die harte Landung der US-Wirtschaft so weit wie möglich abzufangen. Als er im Januar den Leitzins in zwei Schritten um 100 Basispunkte senkte, entschied sich die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) zur gleichen Zeit, die tägliche Fördermenge um 1,5 bis 2,0 Millionen Barrel Rohöl zu senken. Dies könnte vor allem zur Hauptreisezeit im Sommer wieder zu stark steigenden Benzinpreisen führen - und damit auch zu neuen Inflationsgefahren für die USA.



Zentralbank in der Klemme


Wenn eine Rezession und eine Energiekrise zur gleichen Zeit auftreten, sieht sich die Wirtschaftspolitik mit einem bekannten Dilemma konfrontiert: Die Zentralbank könnte zwar mit einer Leitzinssenkung die Wirtschaft wieder ankurbeln, müsste dabei aber eine steigende Inflationsrate in Kauf nehmen. Diese droht durch die steigenden Energiepreise jedoch ohnehin.


Keine angenehme Aufgabe also, dem Land den Inflationsteufel während einer Rezession auszutreiben. Mr. Greenspan muss anerkennen, dass die Fed nur beschränkte Möglichkeiten hat. Die überraschende Ankündigung der Opec hatte den Plan, Steuern zu senken, für manche Republikaner umso attraktiver erscheinen lassen. Schließlich brauchen die Amerikaner für das teuer gewordene Benzin und Erdgas mehr Geld auf ihren Konten.


Ölpreis-Gespenst bleibt gegenwärtig

Gern wird übersehen, dass selbst nach einer Steuersenkung das Ölpreis-Gespenst nicht verschwunden sein wird. Im Gegenteil, es wird sich während der Amtszeit von George W. Bush vielleicht noch öfter zeigen. Bereits die jüngsten Angriffe der USA auf Irak vergrößern die Gefahr einer Krise im Persischen Golf. Daraus könnten dann wiederum dramatisch ansteigende Ölpreise resultieren.


Die amerikanische Politik sollte daher die aktuelle Minikrise zum Anlass nehmen, endlich den Einstieg in eine langfristige und nachhaltige Energiepolitik zu finden. Das Energiethema ist vor allem auch durch die kalifornische Stromknappheit in das Bewusstsein der Wähler gelangt. Auch das Bush-Team hat die Dringlichkeit des Problems erkannt, behandelt es jedoch fast ausschließlich als Rechtfertigung für neue Öl- und Gasbohrungen etwa in Alaskas Naturschutzgebieten. Energiesparen dagegen steht nicht auf der Prioritätenliste des Weißen Hauses.


Das liegt schon im beruflichen Werdegang der Hauptakteure begründet. Bush und sein Vizepräsident Dick Cheney sind beide ehemalige Manager aus der Ölindustrie. Und Stabschef Andrew Card, der die Dinge hinter der Bühne entscheidend beeinflusst, wechselte aus seinem Posten als Top-Lobbyist der US-Autoindustrie in die Regierung. Daher ist es unrealistisch zu erwarten, dass von dieser Kernmannschaft starke Impulse zur Energiekonservierung ausgehen werden.


Die Hinwendung zu einer "schmutzigen" Energiepolitik, die Umweltschutzaspekte zu Gunsten kurzfristiger ökonomischer Effekte vernachlässigt, scheint programmiert. George W. Bush hat bereits angekündigt, dass er in Zukunft verstärkt auf die Ausbeutung eigener Ressourcen setzen und ökologische Restriktionen für die Energiewirtschaft abbauen wird.



Importabhängigkeit verringern


Aber bei der bekannten Schwierigkeit, inflationshemmende Maßnahmen in Zeiten von steigenden Energiepreisen umzusetzen, mag es auch Republikanern durchaus vernünftig erscheinen, "grün" zu denken. Die Vorteile könnte Notenbankchef Greenspan seinen republikanischen Parteifreunden überzeugend darlegen: Hohe Energiepreise lassen geldpolitische Lockerungsmaßnahmen schnell zu Makulatur werden. Daher ist es sinnvoll, für die Industrie sowie für private Verbraucher Anreize zu schaffen, energiebewusster zu werden, um so langfristig die Abhängigkeit von Opec und Co. zu verringern.


Tatsache ist, dass die Ausbeutung eigener Energiequellen auch nicht annähernd den gleichen Effekt haben kann. Vor allem Alan Greenspan, der sich auf eine neue Preisrunde der Opec einstellen muss, wird diese Lösung attraktiv erscheinen. Gemeinsam mit dem Präsidenten eine "grüne Energiepolitik" umzusetzen, wäre für beide die bessere Strategie, und noch dazu im Interesse der nationalen Sicherheit.


Die Gegner einer solchen Politik würden allenfalls dem kurzfristigen wirtschaftlichen Gewinn das Wort reden - trotz der Aussicht auf einen langfristigen Zugewinn an Freiheit und Sicherheit. Es ist an der Zeit für die Vereinigten Staaten, eine Strategie zu entwickeln, um ihr Energieproblem langfristig zu lösen - was nicht nur Mr. Greenspan in Zukunft ruhiger schlafen lassen würde.



© 2001 Financial Times Deutschland


Quelle: http://www.ftd.de/pw/in/FTDEL2LZGJC.html?nv=lnen
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22.02.01 00:15:07
Beitrag Nr. 35 ()
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22.02.01 00:20:09
Beitrag Nr. 36 ()






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22.02.01 00:48:55
Beitrag Nr. 37 ()
Zwischendurch mal ein Danke für einen der informativsten Threads
hier im NM-Board.
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27.02.01 19:09:53
Beitrag Nr. 38 ()
@ Skydiver

Vielen Dank für die interessante Grafik. :)


27.02.2001
Nemax 50 schlechter als DOW 1929
Hauck & Aufhäuser



Der Nemax 50 habe einen schnelleren Kursverlust erlebt, als der Dow Jones im Jahr 1929.

Am Freitag dem 10.03.2000 habe der Nemax 50 seinen bisherigen Höchststand bei 9603 Punkten erreicht. An den darauffolgenden Tagen habe er mehr als 10% verloren-der Beginn eines Crashs. Inzwischen notiere der Index mit ca. 20% seines Maximums. Werde der Höchstpunkt vom Nemax 50 auf den des Dow Jones von 1929 gelegt, dann werde deutlich, dass die Kurseinbrüche an die Ereigniss3e von 1929 heranreichen würden, nur deutlich schneller.

Zwar habe damals kein Technologieindex existiert, aber High-Tech. Produktion und Beschäftigung erhöhten sich damals ständig. Neue Erfindungen, das Automobilzeitalter und effizientere Produktionsmöglichkeiten hätten den Eindruck vermittelt, der Konjunkturzyklus wäre überwunden. Dies seien deutliche Parallelen zum heutigen Zeitalter: auch das Internet habe die Phantasien der Anleger beflügelt und eine große Spekulationsblase vorangetrieben.

Chartechnisch betrachtet tauche der Nemax in eine Unterstüzungszone ein, wo die größten Abschläge bereits verdaut sein sollten.

Quelle: http://www.aktiencheck.de/analysen/default_an.asp?sub=6&page…
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28.02.01 12:08:46
Beitrag Nr. 39 ()


Neuer-Markt-Tagesanalyse für Mittwoch, den 28. Februar

von Daniel Köster [28.02.01, 09:00]

Einen Versuch war es wert: Der NEMAX 50 stieg im frühen Handel bis auf 2096 Punkte an, um dann wieder den gewohnten Rückwärtsgang einzulegen. Damit ist bereits der zweite Ausbruchversuch über die 2100er-Marke in zwei Tagen gescheitert. Ein Hoffnungsschimmer ist somit aus technischer Sicht weiter nicht erkennbar.
Vom jüngsten Schlusstief bei 1968 Punkten startete der NEMAX 50 einen Erholungsversuch, der mit dem heutigen Tag als kläglich gescheitert eingestuft werden kann. Der Index konnte mit dem Schlusskurs von 2077 Punkten am Montag das ehemalige Unterstützungsniveau bei 2116 Punkten nicht mehr erreichen – ein deutlich negatives Zeichen. Generell gilt: Je geringer eine Erholung im Vergleich zur vorhergehenden Abwärtsbewegung ausfällt, umso negativer für die weitere Entwicklung.

Das erste Erholungsziel nach der Fibonacci-Methodik lautete auf 2192 Punkte (entspricht 23,6 Prozent der Abwärtsbewegung von 2920 bis 1968 Zählern) und ist ebenfalls nicht erreicht oder überschritten worden. Beides unterstreicht, dass das Kursziel von 1850 Punkten bestehen bleibt. Momentan relevante Widerstände verlaufen weiter bei 2116 und 2200 Punkten.


Ausblick auf die kommenden Handelstage

Da sich die Gegenbewegung nicht in Richtung des ersten Erholungsziels bei 2192 Punkten fortsetzen konnte, sollte der NEMAX 50 das Kursziel von 1850 Punkten bereits früher als erwartet ansteuern. Eine Stabilisierung oder ein Ansatz einer Umkehrformation ist aus kurz- und mittelfristiger Sicht weiter nicht erkennbar.


Wichtige Chartdaten

Letzte Chartformation: Keine bestätigte
Weitere Unterstützungen: 1850, 1500
Weitere Widerstände: 2116, 2250, 2500, 2650,
GD 50: 2571
GD 100: 3290
GD 200: 4637
MACD (12/26/9): Negativ seit 8. Februar


“Profi Technik“

Mittelfristige Analyse : Keine Neubewertung sinnvoll.

Kurzfristige Analyse (Update vom 26. Februar): Die Fibonacci-Analyse lässt auf Basis der Abwärtsbewegung von 2920 bis 1968 Punkten folgende Erholungsziele erwarten : 2192 (23,6 Prozent Retracement), 2331 (38,2 Prozent Retracement) und 2444 (50 Prozent Retracement). Das erste Ziel lautet somit auf 2192 Punkte auf Schlusskursbasis.


Handelsempfehlung:

Der Restbestand der am 2. Februar gekauften Put-Position sollte mit einem Stop Loss von 2300 Punkten auf Schlusskursbasis gehalten werden. Momentane Veränderung der Position seit Empfehlung (bei Einstieg um 2700 Zähler) : + 679 Indexpunkte.




Quelle: http://www.boerse-online.bch.de/cgi-bin/gx.cgi/AppLogic+FTCo…
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01.03.01 00:46:25
Beitrag Nr. 40 ()



Greenspan: US-Wirtschaft steht so gut wie still

US-Notenbankchef Alan Greenspan hat Hoffnungen auf weitere Zinssenkungen bestätigt. Das Wachstum liege `effektiv bei Null`, sagte der Währungshüter am Mittwoch in Washington.

Die Phase, in der Unternehmen ihre Überkapazitäten abbauten, sei noch nicht vorbei, sagte Greenspan vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses. Indes sei es zu früh, um zu beurteilen, ob die USA eine Rezession durchmachten. Die gegenwärtige Schwäche des US-Aktienmarktes allein lasse noch nicht den Schluss einer Rezession in den USA zu. Seine Aussagen zur Wirtschaftslage wurden als klares Signal gewertet, dass die Zentralbank - die 2001 schon zwei Mal die Zinsen senkte - bereit ist, mehr zu tun, um die schwächelnde US-Wirtschaft vor einem Abgleiten in eine Rezession zu bewahren.

Der Notenbank-Chef sagte, dass die Fed zinspolitische Entscheidungen bevorzugt bei regulären Treffen des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) trifft. "Wir haben offensichtlich implizit gezeigt, dass wir es vorziehen im Rahmen unserer regulären Treffen zu handeln", sagte Greenspan. Als es erforderlich war, habe die Fed jedoch nie gezögert, auch zwischen zwei FOMC-Sitzungen zu handeln, sagte er weiter.



Wachstum weiter abgeschwächt

Der geldpolitische Ausschuss der Fed kommt am 20. März zu seinem nächsten Zinstreffen zusammen. Die Fed hatte im Januar in zwei Schritten den Zielsatz für Tagesgeld um insgesamt 100 Basispunkte gesenkt, um damit der Abkühlung der US-Wirtschaft entgegen zu wirken. Dabei hatte sie Anfang Januar zum ersten Mal seit Herbst 1998 zwischen zwei FOMC-Treffen die Leitzinsen gesenkt.

Im vierten Quartal vergangenen Jahres lag die US-Konjunktur nach neuesten Daten des US-Handelsministeriums nur bei 1,1 Prozent. Es war das niedrigste Quartalswachstum seit dem zweiten Viertel 1995. Die jüngsten Vorausschätzungen waren noch von 1,4 Prozent ausgegangen. Eine Rezession ist als Rückgang des Bruttoinlandsproduktes in zwei aufeinander folgenden Quartalen definiert.



Analysten rätseln über nächsten Zinsschritt

Commerzbank-Fed-Experte Patrick Franke sagte zu den Äußerungen Greenspans, es habe auch schon vorher gar kein Zweifel bestanden, dass der Zentralbank-Präsident weitere Zinssenkungen andeuten werde. Die eigentliche Frage sei, wie schnell die Notenbank diesen Weg gehe. Die nächste Sitzung ist am 20. März. Es sei aber möglich, dass die Fed schon vorher per Telefonkonferenz - wie bereits Anfang Januar einmal geschehen - eine Lockerung der Zinspolitik beschließe.


Der US-Analyst Mark Zandi von der Beraterfirma Economy.com sagte, Greenspans Aussagen ließen darauf schließen, dass er besorgter sei, als bei seiner letzten Rede vor zwei Wochen. Der Notenbank-Chef habe offenbar den Eindruck, dass die wirtschaftlichen Probleme länger andauern könnten, als er zunächst angenommen habe und dass daher eine weitere Zinssenkung nötig sei. Unklar sei, wann diese Entscheidung komme.



© 2001 Financial Times Deutschland


Quelle: http://www.ftd.de/pw/in/FTDVID06RJC.html?nv=hptn
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01.03.01 01:17:18
Beitrag Nr. 41 ()



G R E E N S P A N - R E D E

Enttäuschung an der Börse

Trotz stark rückläufiger Konjunktur-Indikatoren will US-Notenbankpräsident Alan Greenspan die Leitzinsen vorerst nicht verändern. Die Börse reagiert enttäuscht: Dax und Nemax 50 rasseln gemeinsam mit Dow Jones und Nasdaq in den Keller.






Washington - Am Neuen Markt erreichte der Blue-Chip-Index Nemax 50 sein Jahrestief, nachdem in den USA die Nasdaq ebenfalls auf einen Jahrestiefststand gefallen war. "Nachdem wir schon seit Wochen einen Crash auf Raten erlebt haben, werden jetzt Stimmen laut, die von einem richtigen Crash ausgehen", sagte ein Händler.
Nach der Rede von Alan Greenspan vor dem Finanzausschuss des US-Parlaments wohl sei wohl doch erst mit einer Zinssenkung in den USA Ende März zu rechnen, lautet inzwischen der Tenor. Am 20. März ist die nächste turnusmäßige Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed.

Im Vorfeld der heutigen des Greenspan-Auftritts war noch spekuliert worden, dass die Notenbank auf Grund der schwachen Konjunktur eine weitere außerplanmäßige Zinssenkung bekannt geben könnte. Selbst nach zwei Zinssenkungen im Januar entwickle sich die US-Wirtschaft weiterhin labil, erklärte Greenspan. Er wies darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2000 den schwächsten Wert seit fünf Jahren erreicht habe.

"Wir ziehen es vor, auf unseren festgesetzten Treffen zu handeln", sagte Greenspan mit Blick auf die geplante Sitzung. Dennoch wollte er eine außerplanmäßige Zinssenkung nicht grundsätzlich ausschließen. In seiner überarbeiteten Einschätzung der Wirtschaftslage in den USA hatte Greenspan mehrere Anzeichen für baldige Zinssenkungen gegeben. Er deutete "schnellere Schritte" der US-Notenbank an.

Wirklich ungewöhnlich an Greenspans Auftritt, der wie gewöhnlich viel Spielraum für Interpretationen ließ, ist nur eines: Für die Anhörung vor dem Finanzausschuss änderte der Fed-Chef seine Rede. Normalerweise bereitet er nur ein Manuskript für den Banken- und für den Finanzausschuss vor. Diesmal revidierte er den Text im Vergleich zu dem, den er vor etwa zwei Wochen für die Bankexperten verwendete.

Kenner deuten dies als eine im Endeffekt pessimistischere Sicht Greenspans auf die US-Wirtschaftsentwicklung. Noch vor zwei Wochen hatte Greenspan einen vorsichtig optimistischen Ausblick auf die kurzfristigen Wirtschaftsperspektiven gegeben. Aber er sagte dem Kongress im letzten Monat, das Wachstum in den ersten drei Monaten 2001 könne möglicherweise nahe Null liegen.

© SPIEGEL ONLINE 2001

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/konjunktur/0,1518,120171,00…
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01.03.01 13:24:40
Beitrag Nr. 42 ()
01.03. 13:18 Uhr

Die GoingPublic-Kolumne: Das Greenspan Dilemma

WOLFRATSHAUSEN (GoingPublic) - Retter in der Not. Das ist die Rolle, die Alan Greenspan zugesprochen wird. Helfen soll er, wenn es an der Börse brennt. Daß diese Zwangsbesetzung auch Gefahren birgt, wird jedoch gern übersehen.

Es ist zweifellos eine schöne Vorstellung, keine Frage. Gleichzeitig aber so paradox wie ein Spielcasino mit Null-Risiko. Ganze Volkswirtschaften spekulieren nach Herzenslust drauflos, spekulieren gegen Währungen, investieren in hochriskante Hedgefonds, um noch das letzte Tröpfchen Rendite aus ihrem Vermögen herauszupressen. Und wenn der "Spieltisch" Weltfinanzmarkt einmal in Schieflage gerät, dann wird eben Greenspan gerufen, um alles wieder ins Lot zubringen. So zumindest - etwas überspitzt dargestellt - die gängige Meinung.

Bisher hat es auf diese Weise auch immer funktioniert. Wenn es richtig brenzlig wurde, hat es Alan Greenspan, Chef der US-Notenbank, noch jedesmal geschafft, den Finanzmärkten das verlorene Vertrauen zurückzugeben. Ein Übervater sozusagen, auf den Verlaß ist. Doch die Sache hat einen entscheidenden Haken.

Eine Notenbank ist nicht primär zuständig für die Stabilisierung der Finanzmärkte, sondern zur Sicherung der Geldwertstabilität und damit zur Steuerung der Wirtschaft. Das Problem an der Sache ist nur, daß sich die Wechselwirkung von Börse und Wirtschaft in den letzten Jahren verstärkt, um nicht zu sagen, umgekehrt hat. Früher beeinflußte der Unternehmensgewinn den Aktienkurs. Heute ist es der Börsenkurs, der mittelbar über die Unternehmensentwicklung entscheidet. Ein treffliches Beispiel dafür ist die Informations- und Kommunikationsindustrie.

Die von Vertretern dieser jungen Branche angebotene Technologie stieß auf eine riesige Nachfrage, konnten auf diese Weise doch immense Produktivitätszuwächse realisiert werden. Die "New Economy" boomte, und so auch ihre Aktien. Die wiederum bescherten ihren Aktionären sagenhafte Gewinne, die Kaufkraft stieg und damit wiederum die Gewinne der Unternehmen. So schaukelte eins das andere auf, bis - ja, bis sich der Prozeß auf die gleiche Weise ins Gegenteil verkehrte.

Die Börsen sind nachhaltig und auf breiter Front eingebrochen. Die Kurse sind abgesackt, und der vermeintliche Reichtum der Anleger hat sich förmlich in Luft aufgelöst - mit folgenschweren Konsequenzen für die Wirtschaft. Nicht nur, daß die Zeit für Investitionen nun vorbei ist, auch die Kaufkraft der Haushalte ist kaum mehr vorhanden, denn die Anleger sitzen momentan auf einem Berg fast wertloser Firmenanteile. Es hat sich auskonsumiert - womit insbesondere der amerikanischen Wirtschaft einer ihrer größten Triebfedern fehlt.

So kommt es also, daß Greenspan nicht die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft über die Geldmenge reguliert, sondern durch Zinsänderungen Einfluß auf die Entwicklung der Börse und damit auf die Kaufkraft der Konsumenten nimmt. Das aber funktioniert nur solange, wie die Mehrheit der Marktteilnehmer an diesen Mechanismus glaubt. Sollte das Vertrauen in die Allmacht Greenspans einmal zu bröckeln beginnen, könnte das zu einem bösen Erwachen führen.

(Die GoingPublic-Kolumne ist ein Service des GoingPublic Magazins, Deutschlands führendem Börsenmagazin zu Neuemissionen und Neuer Markt. Bezogen werden kann das Magazin unter www.goingpublic-online.de. GoingPublic ist allein für die Inhalte der Kolumne verantwortlich. Informationen zu einzelnen Unternehmen stellen keine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Aktien dar. Die Kolumne erscheint in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.)


Quelle: http://www.gatrixx.de/newswatch/artikel/index.jsp?127637
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01.03.01 16:31:37
Beitrag Nr. 43 ()
Börse und Aberglaube



von Horst Weissenfeld


Menschen handeln bei ihren Entscheidungen angesichts künftiger ungewisser Entwicklungen unzulänglich und oft irrational. Aus zwei Gründen: Die Selbstbeherrschung des Menschen wird von Emotionen überlagert und Menschen sind unfähig, die Dinge, mit denen sie es zu tun haben, vollständig zu verstehen. Es ist beispielsweise schwierig zu erkennen, wann uns die Menge an Informationen genügt, und wann sie einfach zu groß wird. Mögliche, aber eher unwahrscheinliche, Entwicklungen, die dramatisiert werden, wenden wir zu viel Aufmerksamkeit zu. Ereignisse, die undramatisch geschildert werden, nehmen wir nicht wahr. Eine rationale Entscheidung wird auf Situationen übertragen, die vielleicht nur ein Glückstreffer sein können.

Die US-Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky von den Universitäten Princeton und Stanford befassen sich mit der Forschung über Risiko und Ungewißheit der Anleger und der Anlagen. Daniel Kahnemann war Fluglehrer in der israelische Armee, dabei stellte er fest, daß Flugschüler, die er lobte, beim nächsten Mal schlechter flogen, die wegen schlechter Leistung Kritisierten verbesserten sich dagegen. Kahnemann zog daraus den Schluss, dass sich Leistungen nicht ständig steigern oder verschlechtern. Der Mensch pendelt, bei allem, was er tut, ständig um eine Durchschnittsleistung herum und bewegt sich immer wieder auf seinen Durchschnittswert zu (Gesetz der Regression zum mittleren Wert).

Daniel Kahnemann und Amos Tversky stellten Testpersonen vor die Wahl zwischen der 100%-Chance auf den Gewinn von 3.000 Dollar, der 80%-Chance auf einen Gewinn von 4.000 Dollar und der 20%-Chance auf einen Gewinn von Null. Die Testpersonen wählten die sichere Option mit 3.000 Dollar. Sie waren risikofeindlich.

In einem zweiten Versuch bestand die Wahlmöglichkeit zwischen dem Risiko einer 80%-Chance, 4.000 Dollar zu verlieren, einer 20%-Chance auf einen Abschluss ohne Verlust und der Chance auf einen 100%-Verlust von 3.000 Dollar. Zweiundneunzig Prozent der Testpersonen wählten die risikoreichere Version.

Kahnemann und Tversky kommen zu dem Ergebnis, daß erwartete Verluste doppelt so schwer gewichtet werden wie erwartete Gewinne. Das erklärt hohe Preise für Geschäfte der Risikoabsicherung, wie Optionen. Verluste werden aber leichter ertragen, wenn man sich in guter Gesellschaft weiß, das gilt besonders für Marktteilnehmer mit hoher Fachkompetenz. Kahneman und Tversky testeten Anleger mit der Frage: Sie bekommen Geld geschenkt: Sie müssen sich entscheiden, ob Sie mit Sicherheit 85.000 $ geschenkt bekommen oder ob es mit 85%iger Wahrscheinlichkeit 100.000 Dollar sind. Die Mehrzahl der Testpersonen entschied sich für die 85.000 $. In einem zweiten Test wurde das Spiel umgedreht, es sollte geprüft werden, ob sich die Anlegers immer risikoscheu verhalten: Es kommt ein Verlust auf Sie zu, dieser Verlust kostet Sie mit Sicherheit 85.000 $ oder mit 85%iger Wahrscheinlichkeit sogar 100.000 Dollar. Die Testkandidaten entschieden sich für die kleine Chance von 15%, die ihnen blieb. Im ersten Test verhielten sich die Investoren risikoscheu, im zweiten risikofreudig, obwohl es in beiden Fällen um den gleichen Betrag ging. Geht es um Gewinne, fährt man gerne die volle Ernte ein. Börsenregel: "An Gewinnmitnahmen ist noch keiner gestorben."

In unsicheren Börsenzeiten kann man immer wieder feststellen, daß die meisten Profis auch bei rückläufigen Kursen voll enga-giert bleiben oder höchstens geringe Liquidität besitzen. Sie empfehlen weiterhin, Akti-en zu kaufen, und handeln auch danach. Was jeder normale Mensch tut, wenn ihm ein Schnellzug entgegenkommt, näm-lich ausweichen, gibt es auch an der Börse. Wenn die Kurse zu fallen beginnen, gilt es zu verkaufen, und erst wenn sie tief sind, gilt es wieder zu kaufen."

In Tests an den Universitäten Kiel und Aachen stellten die Forscher fest daß die Testpersonen Aktien im Aufwärtstrend zu früh verkaufen und Aktien im Abwärt-strend zu lange halten. Wissenschaftler der Universität Mannheim untersuchten 10.000 zufällig ausgewählte Depots und stellten fest, daß Aktien mit bescheidener Wertentwicklung viel zu lange in den Depots der Anleger bleiben. Aktien im Gewinnbereich werden zu früh verkauft, Aktien im Verlustbereich dagegen zu spät. Von Gewinneraktien trennen sich die Anleger leichter, sie wollen ihre Gewinne nicht wieder verlieren. Die Verlustaktien bekommen immer noch eine Chance, den historischen Einstandskurs wieder zu erreichen. Ein innerer Widerwille verhindert den Verkauf. "Das Investieren in Aktien ist eine Kunst und keine Wissenschaft", schreibt Peter Lynch, der erfolgreichste Fondsmanager.

Zufällige Preisschwankungen erzeugen ein abergläubisches Verhalten, schaffen eine ei-gene Wirklichkeit: "Oft ist unser Glaube an ein eigentlich unbestimm-tes Ereignis das einzige, was das Ereignis tatsächlich eintreten läßt." Manchmal macht der Anleger mit einer bestimmten Anlagestrategie Gewinne, ein anderes mal macht er Verluste, dadurch werden bestimmte Erwartungen unsystematisch verstärkt, vergleichbar dem Verhalten von Tauben (Anbieten von Zufallsaktienkursen).

"Der Aktienmarkt ist ein hervorragender Platz für Aberglauben." Bei Spielern läßt sich dieses abergläubische Verhalten beobachten, die eisern an einer Strategie festhalten, die sich früher als erfolgreich erwiesen hat, auch wenn sie längst widerlegt ist. Kostolany sagte dazu: "Wer am Anfang gewinnt, hat für immer verloren." Präsidentengattin Nancy Reagan ließ sich von einer Wahrsagerin beraten und auf der Gehaltsliste des Pentagon standen drei Kartenleger.

Diese Phänomene sind ausführlich beschrieben in meinem Buch Im Rausch der Spekulation Die Geschichte von Spiel und Spekulation aus vier Jahrhundertern (Horst und Stefan Weissenfeld, Börsenverlag 1999).

Horst Weissenfeld


Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=25888
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01.03.01 18:43:58
Beitrag Nr. 44 ()
01.03. 14:20

Nasdaq - unmittelbar vor Gegenbewegung ?


Eine Chartdarstellung des gesamten bisherigen Kursverlaufs des Nasdaq seit 1978. Markiert sind die 20 Jahres Aufwärtstrendlinie, welche aktuell bei etwa 1300 Punkten verläuft und 2 10 Jahres Aufwärtstrendlinien, wobei die obere der beiden bereits nach unten durchbrochen wurde.




Anbei eine Chartdarstellung seit 1998. Die obere der beiden 10 Jahres Aufwärtstrendlinien wurde für uns völlig unerwartet rasch nach unten durchbrochen. Gestern ist der Kurs direkt auf der unteren der beiden Aufwärtstrendlinien zum Stehen gekommen. Außerdem verläuft in unmittelbarer Nähe die Unterkante des mittelfristigen bullishen Keils. Auch wenn der gestrige Intradayverlauf nichts gutes erwarten läßt, sollte man sich auf eine sehr bald eintretende Gegenbewegung einstellen ! Die nächste und damit letzte charttechnische Unterstützung liegt bei 2014 Punkten. Bei einem Unterschreiten der 2000 Punktemarke dürfte sich die Bodenbildung doch im Bereich von 1400-1700 Punkten abspielen.





© BörseGo

Quelle: http://195.94.69.233/news/?show=14631
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02.03.01 18:19:34
Beitrag Nr. 45 ()
Nasdaq vor der mittelfristigen Wende

02.03.2001 - 15:15

NAS/NMS COMPSITE Michael Riesner , DG Bank AG




Der Nasdaq Composite <.IXIC> hat gestern im frühen Handelsverlauf nochmals ein neues 52 Wochentief markiert. Charttechnisch sitzt der Index in einer wichtigen Unterstützungszone von 2.100 bis 2.000 Punkte, die gestern getestet und auch überzeugend verteidigt wurde. Trotz der negativen Indikation über die Futurevorgaben sehen wir sehr gute Chancen, dass der Nasdaq gestern entweder bereits seit Tief gesehen hat, oder unmittelbar vor der Vollendung dieses Tiefs steht. Vor allem die strategischen Markt Indikatoren sind es, die sich in den letzten Tagen und Wochen entscheidend verbessert haben und uns damit zum ersten mal seit mehr als 6 Monaten begründete Hoffnung auf eine markante Bearmarketrallye machen, die auch zeitlich über mindestens 8 bis 10 Wochen andauern sollte.


Nasdaq Stimmungsindikator



Der Markt ist grundsätzlich derart extrem überverkauft wie er das seit über 26 Jahren nicht mehr war. Der Primärlangfristchart zeigt den völlig verfallenen Markt über die 52 Wochen Rate Of Change. Unter diesem Aspekt wird auch klar, welche Chancen für den Anleger bestehen, wenn der Markt die aktuelle Baissephase überstanden hat und zu einem Rebound starten wird. Die Stimmung hat sich mit der letzten Abwärtsbewegung der Hightechs endlich angepasst. In der letzten Woche hat eine markante Stimmungsverschlechterung in den USA eingesetzt. Der mittelfristig orientierte „Bullish Consensus“, der den Anteil der Optimisten am Markt misst, ist von 60% Optimisten auf nur noch 30% eingebrochen, womit dieser Stimmungsindikator den von uns immer wieder geforderten Kaufbereich erreicht hat.


Nasdaq New Highs/New Lows



Die Marktbreite zeigt ebenfalls den typischen Verlauf der Endphase einer Baisse. Der NewHighs/New Lows Indikator, der die neuen 52 Wochen Tiefst und Höchstkurse der Nasdaq Werte misst, neigt zu starken positiven Divergenzen. Typisch für die Endphase einer Baisse. Es sind im Endeffekt nur noch die Schwergewichte (White Angles), die aus den meisten Depots und Fonds erst zum Schluß liquidiert werden und den Markt aufgrund ihrer Indexgewichtung noch überproportional unter Druck bringen. Das ist indirekt die Bestätigung der mittlerweile sehr schlechten Stimmung am Markt. Stirbt die Hoffnung auf besserer Kurse, werden die Large Caps zum Schluß geschüttet. Diese Entwicklung ist auch über die Umsatzentwicklung zu beobachten. Die Umsätze sind mit der aktuell laufenden Abwärtsbewegung erneut kräftig angestiegen, so dass man ohne Zweifel sagen kann, dass der finale Sell Out läuft. Der breite Markt zeigt dagegen bereits erste Stabilisierungstendenzen oder sogar zaghafte Aufwärtsbewegungen.


Nasdaq weekly



Wir haben seit Wochen darauf hingewiesen, dass der Nasdaq gegen Ende Februar nochmals markant schwach werden und ein neues zyklisches Tief markieren wird. Zyklisch steht der Markt jetzt unmittelbar vor der positiven Wende seines mittelfristigen 9 Monats Bär-Zyklus. Wir sehen sogar gute Chancen, das der Nasdaq dieses bereits gestern gesehen hat. Unser Zyklusindikator zeigt die typischen Divergenzen, die ein mögliches Zyklustief markieren.


Nasdaq Volumen



Mit dem nächsten markant besseren Tag wir dieser Indikator auf Kauf drehen, so dass wir bereits für die kommende Woche von nachhaltig steigenden Kursen ausgehen. Selbst wenn unsere Einschätzung des gestern markierten Lows sich nicht bestätigen sollte, kann es sich unserer Meinung nach nur noch um ein bis zwei Handelstage handeln, in denen der Nasdaq die nachhaltigen Wende schaffen wird. Damit sollte die Tradingstrategie entsprechend angesetzt werden. Antizyklische Engagements können heute in den anfangs schwach erwarteten Markt gesetzt werden. Die Position sollte im Bereich von 2.120 Punkten (Composite) aufgebaut werden und mit einem kurzen Stop bei 2070 Punkten abgesichert werden. Ein erstes prozyklisches Kaufsignal bekommt der Nasdaq mit dem Überschreiten der Marke von 2.250 Punkten. Für diesen Fall gehen wir davon aus, dass der Index seine Wende gesehen hat und bis auf weiteres keine neuen Tiefstände mehr erreichen wird. Unser Kursziel für Ende April liegt bei 3.300 Punkten.


Quelle: http://www.technical-investor.de/content.asp?P=cnt/anl/2001/…
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04.03.01 19:01:30
Beitrag Nr. 46 ()


G R E E N S P A N

"Ich hoffe, ich war zweideutig genug"

Fed-Chef Alan Greenspan blieb sich treu. Auch bei der Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses vermied er tunlichst jeden Hinweis auf den Termin für den nächsten Zinsschritt der US-Notenbank.




Washington - "Ich hoffe, ich war zweideutig genug, den Zeitpunkt nicht angedeutet zu haben, wann wir uns bewegen werden", sagte Greenspan den Abgeordneten. Er hoffe, er habe die üblich unklare "Fed-Sprache" angemessen verwendet, witzelte der für seine verquasten Andeutungen berüchtigte US-Notenbankchef.

Offenbar mit Erfolg: Während einige Beobachter den Aufschwung der Börsen auf seine Rede zurückführten, sagten andere, Greenspan habe die Märkte nicht bewegt. Immerhin bemerkte der oberste US-Währungshüter: "Die Inflation ist sehr gut eingedämmt." Beobachter halten dies für einen erneuten Hinweis auf baldige Zinssenkungen.

Allerdings untermauerte Greenspan seine Einschätzung, dass die kurzfristigen Wirtschaftsdaten Grund zur Sorge bereiteten. "Die Vorhersagen sind schrecklich. Wir müssen sie verbessern", sagte er.

Erneut stärkte der Fed-Chef US-Präsident George W. Bush den Rücken für Steuersenkungen. "Wenn der Maßstab ein stabiler Haushalt ist, ist es meiner Ansicht nach viel besser, dass die Überschüsse durch Steuersenkungen gesenkt werden als durch eine Steigerung der (staatlichen) Ausgaben." Sollte der Staat zu viele Überschüsse anhäufen, würden die Ausgaben durch politischen Druck "verzerrt". Es sei wirtschaftlich gesünder, wenn private Investoren über das Geld verfügten.

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/konjunktur/0,1518,120682,00…
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04.03.01 19:14:19
Beitrag Nr. 47 ()


Ausblick auf die kommenden Handelstage

Die Aussichten im Nasdaq bleiben zunächst negativ. Der Index sollte sich weiter in Richtung 2000 Punkte bewegen. Hier ist eine Stabilisierung wahrscheinlich. Erst wenn sich daraus eine Umkehrformation ergibt, könnte sich die Einschätzung verbessern.

Wichtige Chartdaten

Aktuelle Chartformation: Keine relevante
GD 50: 2547
GD 100: 2824
GD 200: 3332
Unterstützungen: 2000, 1800
Widerstände: 2291, 2400


Handelsempfehlung:

Kein Handlungsbedarf
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04.03.01 20:18:48
Beitrag Nr. 48 ()
FINANZEN 03.03.2001



Greenspan lässt Märkte über mögliche Zinssenkung im Unklaren

US-Notenbankchef Alan Greenspan hat den Finanzmärkten erneut kein Signal über den Zeitpunkt einer möglichen Zinssenkung gegeben und zugleich die bisherigen Fed-Politik als angemessen bezeichnet. Die Frage, ob die Leitzinssenkungen im Januar nicht zu spät gewesen seien, verneinte Greenspan am Freitag bei seiner Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des US-Repräsentantenhaus in Washington. Die Inflationsentwicklung in den USA sei derzeit begrenzt und erscheine wenig alarmierend. Das Produktivitätswachstum werde sich wie erwartet abschwächen, langfristig aber höher sein als in der Vergangenheit. Die Finanzmärkte reagierten kaum auf die Aussagen Greenspans.

Zum Zeitpunkt einer möglichen weiteren Zinssenkung sagte Greenspan, er hoffe, bereits bei seiner Rede am Mittwoch vor dem Repräsentantenhaus vieldeutig genug gewesen zu sein. Schon am Mittwoch hatte Greenspan die Hoffnungen vieler Investoren auf Hinweise über eine bevorstehende Zinssenkung enttäuscht.

Die Inflationsentwicklung in den USA beurteilte der Fed-Chef gelassen. Die Teuerung sei sehr gut eingedämmt. Der Anstieg der Erzeuger- und Verbraucherpreise im Januar erscheine auf keinem Radarschirm der Fed. Die US- Verbraucherpreise waren im Januar zum Vormonat unerwartet deutlich um 0,6 Prozent nach plus 0,2 Prozent im Dezember gestiegen. Die Erzeugerpreise waren im Januar zum Vormonat mit 1,1 Prozent so stark gestiegen wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.

Zur US-Konjunktur sagte Greenspan, ein langsameres Produktivitätswachstums sei zwar zu erwarten, werde aber kaum dauerhaft sein. »Die Produktion pro Arbeitsstunde wird erwartungsgemäß deutlich zurückgehen. Doch dies widerspricht nicht der allgemeinen Einschätzung, dass die Produktivität langfristig über früheren Werten liegen wird«, sagte Greenspan. Die US-Produktivität war im vierten Quartal 2000 nach einer ersten Schätzung mit einer Jahresrate von 2,4 Prozent nach 3,0 Prozent im Vorquartal gestiegen.

Greenspan sprach sich erneut für Steuersenkungen aus, forderte aber zugleich Haushaltsdisziplin. Es sei besser, Haushaltsüberschusse für Steuersenkungen zu verwenden als für neue staatliche Ausgabenprogramme. US- Präsident George W. Bush plant in den nächsten zehn Jahren ein Steuersenkungsprogramm im Volumen von 1,6 Billionen Dollar.

Bei ihren zinspolitischen Entscheidungen konzentriere sich die US-Notenbank ausschließlich auf die Wirtschaftslage, sagte Greenspan. Die Fiskalpolitik sei nur einer von vielen Faktoren, der hierauf einen Einfluss habe.

Der geldpolitische Ausschuss der US-Notenbank Fed (FOMC) kommt am 20. März zu seiner nächsten Zinssitzung zusammen. Die Fed hatte im Januar den entscheidenden Zielsatz für Tagesgeld in zwei Schritten um insgesamt 100 Basispunkte gesenkt.


Quelle: http://www.net-business.de/internet-aktien/fullstory.html?ss…
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05.03.01 16:55:07
Beitrag Nr. 49 ()
Zurück auf den Boden der Realität



von Roland Leuschel


Erinnern Sie sich an meine Kolumne von Anfang Januar dieses Jahres « Pawlows Anhänger im Salami-Crash » ? Jetzt hat der britische « Economist » am 24. Februar das Thema aufgegriffen und folgerte : «Pawlow hätte eigentlich mit Wall Street Bullen arbeiten sollen » ; Inzwischen sind aber diese Bullen stark abgemagert von dem ständigen Rennen nach Schnäppchen nach Kurseinbrüchen der Nasdaq oder des Neuen Marktes und dem Nichtvorhandensein von Futter im Trog (Kurserholungen). Auch von den Marketing Angestellten der grossen Banken und Broker, die noch immer den Titel Finanzanalysten tragen, kommt keine psychologische Unterstützung. Anfang Dezember letzten Jahres schätzten die Analysten die Gewinne im ersten Quartal 2001 des Standard & Poors 500 noch um 10,5% höher als im ersten Quartal 2000 (Quelle : First Call). Nun sehen dieselben Analysten die Gewinne 5% tiefer. Im Technologiesektor fällt der Sinneswandel noch drastischer aus : Zuerst +15,2% Gewinnwachstum und jetzt -18,5% Gewinnrückgang. Wie so ein paar volkswirtschaftliche Daten aus Analysten Finanzwendehälse machen können. Ich bin einmal gespannt, wie Rüdiger Irving Dornbusch demnächst den Einbruch in der amerikanischen Wirtschaft erklären wird. Noch Mitte Dezember letzten Jahres beschimpfte er die Europäer : « Die Angst vor einer Rezession ist typisch europäisch - aber unbegründet. Streichen Sie deshalb das Wort Rezession einfach aus Ihrem Sprachschatz. Es wird sie in den USA nicht mehr geben. Die US-Wirtschaft strotzt vor Kraft. » (Interview vom 10.12. in Euro). Inzwischen hat auch bei der Dresdner Bank ein Sinneswandel stattgefunden. Ihr Chef-Stratege Albert Edwards stellt in einer neuen Studie der Dresdner Kleinwort Wasserstein lakonisch fest : « Der Kurseinbruch des amerikanischen Nasdaq-100-Index war nur der Apéritif. Es gibt erste Anzeichen dafür, dass das neue Paradigma an den Aktienmärkten aus den Kursen beseitigt wird. » Jetzt nachdem die grösste Börse der Welt, der Nasdaq Composite und der Nemax 60% bzw. 80% an Wert verloren haben, kommt eine internationale Grossbank, die im letzten Jahr noch durch eine massive Werbung zur Abschaffung des Sparkontos auf sich aufmerksam machte, plötzlich zu der Einsicht, « dass der lange Konjunkturaufschwung in den USA eine Luftblase hat entstehen lassen, die dem amerikanischen Aktienmarkt eine Bewertung gebe, als wäre er ein reiner Wachstumsmarkt, wo er doch in Wirklichkeit ein zyklischer Markt sei. Die Realität beginne erst zu dämmern. Die zweite Phase der Kurseinbusse habe erst begonnen. »

Ich glaube, die Kurskorrektur an der Nasdaq und den Neuen Märkten nähert sich dem Ende. Gleichzeitig wird es noch erhebliche Kurskorrekturen an den traditionellen Märkten (NYSE, Eurostoxx) geben, und ich halte es nicht für ausgeschlossen, den Dow Jones bei 8.000 und den Dax bei 5.000 zu sehen, bevor ein neuer Bullmarkt entsteht. Auf der anderen Seite bin ich der Meinung, es wird nur eine langsame Erholung geben, die einige Jahre in Anspruch nehmen wird. Dafür gibt es drei fundamentale Gründe :

1. Die Gefahr einer Stagflation, auf die ich bereits im November letzten Jahres in einem Artikel hingewiesen habe (« Das Schreckgespenst der Stagflation geht um », Börse Online vom 2.11.2000), ist real und kann 8 bis 10 Jahre dauern. Ich habe eine derartige Situation im meinem Beruf miterleben müssen (1966 bis 1981), und ich erinnere mich, dass am Ende dieser Periode in der Vermögensberatung der Banken und Broker eher Seelsorger und Psychologen gebraucht wurden als Analysten oder Fondsmanager. Inzwischen haben auch grosse Zeitungen dieses Thema aufgegriffen, und die FAZ schrieb Ende Februar « Das Gespenst der Stagflation geht wieder um » : « Offenbar ist es um den Zustand der amerikanischen Wirtschaft schlechter bestellt, als selbst Pessimisten angenommen haben. Von der Vorstellung, einige Zinssenkungen reichten aus, um die Konjunktur rasch wieder auf Kurs zu bringen, wird man sich verabschieden müssen. » Auch die Financial Times Deutschland äussert sich ähnlich besorgt : « Stagflation - also stagnierende Wirtschaft und gleichzeitige Beschleunigung der Inflation - ist nun einmal die schlimmste Konstellation ; denn sie erschwert die Konjunkturankurbelung. »

2. Die Überbewertung der Aktien allgemein. Ich habe öfters auf das Buch Robert J. Shillers « Irrational Exuberance » hingewiesen, der fast mathematisch nachweisen konnte, dass die heutige Bewertung der Aktien weit über den historischem Durchschnitt liegt, und die inzwischen eingetretenen Wertverluste von über 4.500 Milliarden Dollar die Bewertung noch nicht auf ein normales Mass zurückgeführt haben. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal erwähnen, dass der Dow Jones Index in seinen 103 Jahren (1896 – 1999) Existenz im Durchschnitt um 5,6% pro Jahr zulegte. In den letzten 50 Jahren waren es 8,4%, in den letzten 20 Jahren 14% und sogar 20% p.a. für die letzten 5 Jahre 1994 bis 1999. Um auf den Durchschnittswert der letzten 50 Jahre (+8,4% p.a.) zurückzugelangen, müsste der Dow Jones in den nächsten 15 Jahren per saldo unverändert bleiben.

3. Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass der Börsenboom der 90er Jahre lediglich die ökonomische Konsequenz der geburtenstarken Jahrgänge (Babyboom der 50er und 60er Jahre) war, die in den 80er und 90er Jahren erwerbstätig wurden und jetzt im besten Einkommensalter sind, um für ihre Altersvorsorge zu sparen, nach dem Motto : Je mehr junge Menschen arbeiten und Geld verdienen, desto höher ist die Nachfrage nach Finanzanlagen zur Alterssicherung. Und da man statistisch nachweisen kann, dass auf lange Sicht (100 Jahre) Aktien die beste Anlage sind, stieg die Nachfrage nach Aktien. In den nächsten Jahren aber wird der Anteil der 55- bis 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung steigen und die Betroffenen werden weniger sparen, bzw. Aktien kaufen. Wir werden uns sogar in Zukunft mehr damit beschäftigen müssen, an wen die in Rente gehenden Baby-Boomer ihre Aktien verkaufen können, um ihren Lebensstandard zu finanzieren.
Meine bisher sehr konservative Anlagepolitik (20 bis 30% Aktien, 50 bis 60% Anleihen, 20% Cash) ändere ich insofern, als ich beginne den Anleiheanteil langsam zurückzufahren und den Cash in Opportunitäten bei Aktien anzulegen. Schauen Sie dabei besonders auf die Qualität der Gesellschaften und auf die Dividendenrendite. Paradebeispiel Phillip Morris, die ich im vergangenen Jahr oft empfohlen habe, als sie noch eine Dividendenrendite von 8%(!) und eine P/E von unter 10 hatte. Die meisten Anleger entdecken den Sinn einer Aktienrendite und einer KGV wieder neu. Es wiederholt sich vieles im Leben – auch an der Börse.

(Quelle: Roland Leuschel)

05.03.2001


Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=26123
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06.03.01 05:15:23
Beitrag Nr. 50 ()
Nasdaq-Tagesanalyse für Montag, den 5. März

von Daniel Köster [05.03.01, 15:45]

Der Handelsverlauf des Nasdaq am vergangenen Freitag zeigte wie so oft eine hohe Schwankungsbreite. Nach einem Tagestief bei 2091 Zählern stieg der Index der amerikanischen Technologiewerte bis auf 2197 Punkten, um zu Handelsschluss mit drei Prozent im Minus zu schließen. Aus charttechnischer Sicht besteht zwar eine Stabilisierungschance, die an der grundlegend schlechten Verfassung des Index jedoch nichts ändert.
Aus Sicht der japanischen Kerzencharts brachte der volatile Handelstag im Schlusskursvergleich eine so genannte „Doji-Formation“ hervor (siehe zweiten Chart). Bei diesem charttechnischen Muster liegen Eröffnungskurs (2111) und Schlusskurs (2117) bei einer hohen Handelsspanne ( 2097 bis 2197) eng beieinander. In der Standardinterpretation signalisiert diese Formation zunächst einen Stabilisierungsversuch, der schließlich zu einer kurzfristigen Trendwende führen kann. Der dafür entscheidende Widerstand liegt bei 2200 Punkten auf Schlusskursbasis. Wird diese Marke überschritten, wäre eine Stabilisierung aus Sicht der japanischen Kerzencharts bestätigt.

Bis dahin ist die Nasdaq auch aus Sicht der Fibonacci-Methodik unverändert kritisch zu beurteilen. Das erste Erholungsniveau bei 2292 Punkten liegt noch in weiter Ferne. Ein Überschreiten dieser Marke wäre ein erstes Anzeichen einer Stabilisierung. Hier verläuft im übrigen auch das Tief vom 9. Januar (2291), nach dessen Unterschreiten das mittelfristige Verkaufssignal entstand (siehe ersten Chart).

Die relevanteste Unterstützung bleibt derzeit die 2000er- Marke. Bisher ist noch in keinem Zeitfenster (kurz oder mittelfristig) eine Umkehrformation bestätigt, so dass es aus technischer Sicht weiter keinen Grund gibt, sich im Gesamtmarkt zu positionieren.

Ausblick auf die kommenden Handelstage

Die Doji-Formation gibt dem Nasdaq eine Stabilisierungschance. Wird sie durch Schlusskurse über 2200 Punkte bestätigt, hellt sich das Bild langsam auf. Bis dahin bleibt das Kursziel von 2000 Punkten unverändert intakt.

Wichtige Chartdaten

Aktuelle Chartformation: Keine relevante
GD 50: 2527
GD 100: 2799
GD 200: 3318
Unterstützungen: 2000, 1800
Widerstände: 2200, 2291, 2400



Handelsempfehlung:

Kein Handlungsbedarf

Seit Donnerstag erhalten Sie die Tagesanalyse zum S&P 500 und die Tagesanalyse zum Nasdaq-Index im täglichen Wechsel.






Quelle: http://www.boerse-online.bch.de/cgi-bin/gx.cgi/AppLogic+FTCo…
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06.03.01 13:54:41
Beitrag Nr. 51 ()
Neuer-Markt-Tagesanalyse für Dienstag, den 6. März

von Daniel Köster [06.03.01, 09:39]

Bereits zum dritten mal testete der NEMAX 50 gestern den Intraday-Widerstand bei 1910 Punkten. Eine Überwindung erscheint heute zwar möglich, doch ob die laufende Erholung letztendlich aber ausreicht, die ersehnte, nachhaltige Trendwende einzuleiten, ist weiter fraglich.
Das charttechnische Tagesergebnis aus Sicht der japanischen Kerzencharts (Candlesticks) ist beim NEMAX 50 ein so genanntes Doji (siehe zweiter Chart). Bei dieser charttechnischen Formation liegen Eröffnungskurs (1886) und Schlusskurs (1883) bei einer relativ hohen Handelsspanne (1835 bis 1911) eng beieinander. In der Standardinterpretation signalisiert dieses Kursmuster einen Stabilisierungsversuch, der schließlich zu einer kurzfristigen Trendwende führen kann. Der dafür entscheidende Widerstand liegt bei 1911 Punkten auf Schlusskursbasis. Wird diese Marke überschritten, wäre eine Stabilisierung aus Sicht der japanischen Kerzencharts bestätigt.

In den vergangenen sechs Monaten bildete der NEMAX 50 diese Formation fünfmal aus. In den überwiegenden Fällen kam es dabei nur zu einer kurzfristigen Erholung mit anschließender Wiederaufnahme der Abwärtsbewegung. Auch bei dem aktuellen Chartmuster ist dies wahrscheinlich.

Für eine weitergehende kurzfristige Stabilisierung spricht die hohe Wahrscheinlichkeit der Schließung des bereits öfter erwähnten Gaps - also einer Kurslücke zwischen Schlusskurs und Eröffnungskurs - bei 1940/60 Punkten.
Auch wenn die Kursregion um die Unterstützung bei 1850 Punkten zunächst also zu halten scheint, kann aus trendtechnischer Sicht noch keine Entwarnung gegeben werden: Der NEMAX 50 bleibt in seinem kurz- und mittelfristig intakten Abwärtstrend. Erste positive Tendenzen ergäben sich erst bei Kursen über 2091 Zählern. Das mittelfristige Kursziel von 1500 Punkten bleibt bestehen.

Ausblick auf die kommenden Handelstage

Die seit dem vergangenen Freitag beobachteten Stabilisierungstendenzen werden durch das neu ausgebildete „Doji“ bestätigt. Das erste Kursziel ist das Gap-Niveau bei 1940/60 Punkten. Bis die Erholung 2091 Punkten nicht überschreitet, muss mit einer anschließenden Wiederaufnahme der Abwärtsbewegung in Richtung 1500 Punkten gerechnet werden. Im Neuen Markt besteht somit weiter kein Handlungsbedarf.

Wichtige Chartdaten

Letzte Chartformation: Keine bestätigte
Weitere Unterstützungen: 1500 (Orientierungsmarke)
Weitere Widerstände: 2116, 2250, 2500, 2650,
GD 50: 2571
GD 100: 3290
GD 200: 4637
MACD (12/26/9): Negativ seit 8. Februar


“Profi Technik“

Mittelfristige Analyse : Keine Neubewertung sinnvoll.

Kurzfristige Analyse : Keine Neubewertung sinnvoll.

Handelsempfehlung:


Der Restbestand der am 2. Februar gekauften Put-Position sollte mit einem Stop Loss von 2090 Punkten auf Schlusskursbasis gehalten werden. Momentane Veränderung der Position seit Empfehlung (bei Einstieg um 2700 Zähler) : + 813 Indexpunkte.







Quelle: http://www.boerse-online.bch.de/cgi-bin/gx.cgi/AppLogic+FTCo…
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09.03.01 00:24:26
Beitrag Nr. 52 ()
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12.03.01 21:41:47
Beitrag Nr. 53 ()
N A S D A Q



Absturz unter 2000-Marke

Die schlechten Aussichten bei Intel und Cisco lassen die US-Technologiebörse Nasdaq unter die 2000-Punkte-Marke rutschen. So niedrig waren die Kurse zuletzt im Dezember 1998.


New York - Der Nasdaq-Composite-Index fiel zuletzt um 4,6 Prozent auf 1957 Punkte. Der Plan des Netzwerkherstellers Cisco, rund elf Prozent der festen Stellen zu streichen, deute auf weitere Gewinnwarnungen bei Technologiefirmen hin, sagte ein Händler. Man fürchte nun, dass nach der Umsatzwarnung des Halbleiterherstellers Intel auch Cisco seine Prognosen nach unten korrigieren werde.
Zu der weiteren Entwicklung an den Märkten sagte ein Händler, die jüngsten Phantasien über eine Bodenbildung seien dahin. "Ich sehe nicht den Boden, ich sehe auch keine Nachrichten, die den Markt positiv stimmen dürften." Der Markt steuere auf eine Zinssenkung am 20. März in den USA hin, schaffe es aber trotzdem nicht zu korrigieren. "Und jetzt gibt es nochmal richtig Verkaufsdruck. Ich würde keinem empfehlen, sich in dem Markt langfristig zu engagieren, bis es etwas Positives von den Unternehmen zu hören gibt."

Die Gewinnwarnung von Ericsson für das erste Quartal habe die Anleger nun vollkommen frustriert. Darüber hinaus habe die unerwartete hohe Zahl der Beschäftigten die Hoffnungen auf weitere deutliche Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed zunichte gemacht. Die Instabilität des Aktienmarktes veranlasse zudem viele Anleger am Montag zur Flucht in die Sicherheit des Anleihemarktes.

Cisco Systems waren zum ersten Mal seit Dezember 1998 billiger als 20 US-Dollar: Die Anteilsscheine rutschten um 9,4 Prozent ab auf 18,69 Dollar. Die Aktien des weltweit größten Computerchipherstellers Intel büßten 3,50 Prozent auf 28,41 Dollar ein. Ebay und Microsoft standen ebenfalls auf der Verkaufsliste, obwohl das Internet-Auktionshaus und der weltgrößte Software-Hersteller eine strategische Allianz im Internet-Geschäft vereinbart haben. Ebay verlor 4,4 Prozent auf 32,50 Dollar, Microsoft gab 6,7 Prozent auf 52,88 Dollar ab.



Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/finanzen/0,1518,122199,00.h…
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15.03.01 00:20:32
Beitrag Nr. 54 ()
Aus der FTD vom 15.3.2001

Das Kapital: Ist das die Kapitulation an der Börse ?

Der Boden in einer Baisse ist spätestens dann erreicht, wenn vier Voraussetzungen erfüllt sind. Eine davon ist Kapitulation, und danach hat es am Mittwoch zeitweilig ausgesehen.


Die anderen Zutaten sind niedrige Bewertungen, sinkende Zinsen und sich stabilisierende Wachstumserwartungen.

Von Kapitulation spricht man, wenn auch noch der letzte Optimist einknickt und verkauft, denn dann kann es ja keinen weiteren Verkaufsdruck mehr geben. Aber der Optimismus ist noch nicht ganz gebrochen. Es gibt eine ausgeprägte Mentalität dahingehend, "in Marktschwächen zu kaufen". Lehman Brothers haben errechnet, dass global nach wie vor Mittel in Aktienfonds fließen, obwohl diese vier Quartale lang negative Renditen eingebracht haben. Ein Zeichen für Pessimismus hingegen wäre, wenn - zumindest vorübergehend - per saldo eher Gelder abgezogen werden würden. Die Bank schließt daraus, dass der in den 90er Jahren entstandene übermäßige Optimismus immer noch nicht ganz gewichen ist.


Die Bewertung der Aktien hat sich im Zuge der Korrektur natürlich verbessert. Nach den vorliegenden Gewinnschätzungen und verglichen mit den Rentenmärkten sind Aktien jetzt sogar unterbewertet. Aber nicht nur, dass die Gewinnprognosen im Moment fallen: Die Margen sind nachhaltig unter Druck. Der Anteil der Gewinne am US-BIP liegt weit über dem langjährigen Durchschnitt. Die Gewinne werden von vielen Unternehmen zu hoch ausgewiesen. Und verglichen mit dem langfristigen Durchschnitt von etwa 15 ist das aktuelle KGV von rund 20 absolut gesehen immer noch üppig.


Positiv ist die Zinssenkungsrunde, die weltweit eingeläutet ist. Die EZB wird früher oder später in das Konzert mit den Notenbanken der USA, Englands, Japans, Kanadas etc. einstimmen, obwohl die Inflationszahlen es ihr nicht ganz einfach machen. Aber die Preisentwicklung ist nicht übermäßig besorgniserregend; die EZB sollte daher besser früher als später nachgeben, um eine unnötige Konjunkturschwäche zu verhindern.


Mit der geldpolitischen Stimulierung werden auch die Konjunkturaussichten besser - typischerweise aber erst nach Monaten. In den USA haben der Einkaufsmanager-Index NAPM und der Frühindikator des Conference Board zuletzt schon eine wirtschaftliche Stabilisierung angedeutet. Aber einzelne Monatswerte sind schwer zu interpretieren, und von einer nachhaltigen Wende kann noch nicht gesprochen werden.


Wer ruhig schlafen will, sollte mit Käufen zumindest solange warten, bis die Wirtschaftsindikatoren erkennbar drehen und die Renditedifferenz am Rentenmarkt deutlich steigt. Wenn das passiert und dazu noch die Zinsen gesenkt werden, dürfte am Markt genug Mut zusammenkommen, um für ein kleines Feuerwerk zu sorgen. Zwar wird das auch wieder verpuffen, aber für eine Weile wird man es richtig genießen können.



Europäische Banken


Die Aussichten für die Banken sind bei fallenden Märkten nicht rosig, das ist nicht neu. Aber das Ausmaß, um das Goldman die Schätzungen für den Sektor getrimmt hat, hat den Anlegern einen Schrecken eingejagt.


Unter einer schwachen Börse leidet das Beratungs- und Emissionsgeschäft. Übernahmen sind den Aktionären schwer zu vermitteln, und die Anleger haben nur wenig Appetit auf neue Börsengänge. Da Goldman selbst zu den führenden Häusern bei Übernahmeberatung und Neuemissionen gehört, wiegen die Bedenken für das zukünftige Geschäft besonders schwer.


Aber Goldman rüttelt auch an der Überzeugung, die Vermögensverwaltung sei ein krisensicheres Standbein. Gewiss, die staatlichen Rentensysteme in Europa schwächeln, das macht private Altersvorsorge notwendig. Und die dürfte überwiegend in Fonds und fondsgebundene Lebensversicherungen fließen. Das ist gut für die Finanzdienstleister. Aber die üppigen Margen dürften nicht zu halten sein, und bei einem sehr schwachen Markt sind auch kurzfristige Nettoabflüsse aus den Fonds möglich. Nach Berechnungen der Deutschen Bank ist bisher bei den europäischen Finanzdienstleistern davon wenig zu spüren, es kann also noch kommen. Weniger Kopfschmerzen als früher bereiten die Kreditrisiken. Die größte Gefahr droht hier aus den USA, und da ist der Geschäftsanteil der Europäer nur gering.


Der europäische Finanzsektor notiert nach Morgan Stanley Dean Witter mittlerweile mit dem 2,8fachen Buchwert, weit über dem langjährigen Durchschnitt von rund 1,8. Wenn die Wirtschaft ins Trudeln gerät, waren früher Bewertungen nahe dem einfachen Buchwert zu beobachten.


Bei den Versicherungen sieht es zurzeit etwas besser aus als bei den Banken. Sie sind seit Jahresbeginn stärker gefallen als letztere und haben kein wackeliges Investmentbanking. Aber auch sie könnten unter einer kurzfristigen Eintrübung bei den Fonds und niedrigeren Investmenterträgen leiden, wenn der Markt weiter schwach bleibt.



© 2001 Financial Times Deutschland


Quelle: http://www.ftd.de/bm/bo/FTD7U5JJBKC.html?nv=hpm



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15.03.01 00:30:08
Beitrag Nr. 55 ()
WATTTTT:D
WER BIST DU DENN???:D:D
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16.03.01 21:22:29
Beitrag Nr. 56 ()
An dieser Stelle möchte ich meine persönlichen Kursziele
für den US-Markt ausgeben.


Kursziele

Dow Jones 7.500 Punkte ( aktuell: 9.862 )
S&P 500 800 Punkte ( aktuell 1.154 )
Nasdaq 1.500 Punkte. ( aktuell 1.892 )


Mich würde interessieren, wie Ihr die US-Börse in den
nächsten Monaten einschätzt.
:)


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17.03.01 10:25:29
Beitrag Nr. 57 ()
16.03. 09:11

Abby Cohen - sieht steigende Kurse!


Die viel beachtete Goldman Sachs Analystin Abby Cohen wiederholte ihre bullishe Einstellung über den weiteren Verlauf der Börsenindices. So soll der S&P 500 unterbewertet sein und bis Jahresende einen Stand von 1.650, verglichen mit 1.174 zum aktuellen Zeitpunkt, erreichen. Der Dow Jones soll von derzeit 10.031 bis Jahresende auf 13.000 Punkte ansteigen. Für den Nasdaq gab sie keine Vorhersage ab.

Sie rät jedoch Investoren Technologie - und Telekommunikationsaktien in den Portfolios überzugewichten, da sich die Bewertungen nun angepasst hätten und zukünftige Probleme bereits eingepreist seien. Sie sieht die Wirtschaft in einer zyklischen Schwächephase, die jedoch keinen Anlass zu ausgeprägter Sorge rechtfertige. So sei sie besorgter über die EWntwicklung der japanischen und der Weltwirtschaft, da dort grosse strukturelle Schwächen vorhanden seien. In der zweiten Jahreshälfte dürften die Wachstumsraten ihrer Meinung nach wieder anziehen, im S&P 500 sollen sie bei 7-8% liegen, das BSP soll sich bei 2,5-3% einpendeln.

Aktuell beträgt die Portfoliogewichtung von Cohen im Tech-Sektor 27% und im Telekom-Sektor 5%. Am 7 März hatte sie ihre Aktienquote im Portfolio auf von 65% auf 70% erhöht und die Cash-Quote auf 0% gesenkt.


© BörseGo


Quelle: http://195.94.69.233/news/?show=15962



Abby Cohen vs. HSM :laugh::laugh::laugh:


Wie ist Eure Einschätzung zur US-Börse bzw. deutschen Börse in den nächsten Monaten ?


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17.03.01 11:37:20
Beitrag Nr. 58 ()
@HSM
Feiner Thread.Danke für die Mühe.:)

Was Deine KZ betrifft,welchen Zeitraum hast Du dafür kalkuliert??
Kurz,-mittel oder langfristig????

antarra
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17.03.01 11:52:29
Beitrag Nr. 59 ()
@ antarra

Ich gehe von einem Bärenmarkt aus, der noch bis zu
3 Jahren andauern kann.

Ein Vergleich mit Japan nach dem Jahr 1990 ist mehr
als berechtigt.

Die fetten Jahre in den USA sind vorbei, jetzt kommen
die mageren Jahre.

Daher sind die Kursziele auf mittelfristige Sicht.


@ all

Natürlich würde ich mich sehr freuen, wenn ihr auch
Eure Einschätzungen bzw. Szenarien für die nächsten Monate
hier posten würdet. :)

Also legt mal los. :D


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17.03.01 12:39:18
Beitrag Nr. 60 ()
Hallo HSM

1929 nach dem ersten Crash haben die Analysten auch immer wunderschöne höhere Kursziele ausgegeben. Die Wirtschaft sei gesund, es gäbe nur eine vorübergehende Wachstumsschwäche, etc.. Trotz stetigen Kursverfalls blieben die Profis bei ihrer optimistischen Einstellung.

Wenn Abby Cohen solche idiotischen Ziele vorgibt, entspricht dies dem Verhalten der Analysten während des großen Crashs. Es gibt doch derzeit absolut keinen Grund warum die Kurse in diese Regionen steigen sollten.

Der jetzige Abwärtstrend in den USA wird durch Zwangsverkäufe am Leben erhalten und füttert sich selber.
Ab einem bestimmten Punkt bricht die Panik aus. Danach kann mann wieder ans kaufen denken.

Deinen Kurszielen kann ich mich nur anschließen. Sollte es eine Panik geben, rutschen wir allerdings sicher noch tiefer.
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17.03.01 14:52:22
Beitrag Nr. 61 ()
@ Stahlbaer

Du machst Deinem Nick alle Ehre. ;)

Ein Vergleich zu 1929 hinsichtlich dem Verhaltensmuster
der Investoren ist durchaus nachvollziehen.

Damals ging der Bärenmarkt bzw. Kursverfall nach
dem "schwarzen Freitag" noch 3 Jahre weiter.

Warum sollte sich das diesmal anders entwickeln ?

Führen wir uns doch Japan vor Augen, was ist denn dort
nach dem grossen Boom passiert ?

Wenn ich mir das Wirtschaftsumfeld in den USA ansehe,
halte ich dieses Szenario für durchaus wahrscheinlich.


.
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17.03.01 15:06:14
Beitrag Nr. 62 ()
Deutsche Aktienanleger entdecken wieder die Gesetze der Schwerkraft


von Roland Leuschel


Es gab eine Zeit, da schienen den Aktionären, besonders der jungen Generation, die massiv in Aktien der New Economy investierten, die Erfahrungen der Schwerkraft älterer Börsianer besonders aus der Old Economy, nicht mehr zu gelten. Besonders als dann noch Viagra entdeckt wurde, wurden Leute mit Ideen wie « what comes up has to come down » belächelt.

Ich will hier gar nicht von meiner Person reden, die spätestens seit 1997 ständig wiederholte und dies seit über einem Jahr in dieser Kolumne, dass wir uns weltweit, aber besonders an den Wachstumsmärkten, in einem Salami-Crash befinden. Ich wusste übrigens damals natürlich nicht, dass die Salami auch noch von BSE befallen sein würde und daher besondere Probleme schafft. Ich denke vor allen Dingen, dass ein Mann, der zu den brilliantesten und erfolgreichsten Anlegern unserer Generation gehört, Warren Buffet, dessen Ideen von gesundem Menschenverstand bestimmt sind und darin bestanden, sogenannte « value investments », die aber vom Markt unterbewertet sind, zu kaufen.

Als die Aktien seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway im Jahr 1999 unter die Räder kamen, wurde er zum Teil von der spezialisierten Presse, aber auch von sogenannten immer und ewig optimistischen Börsengurus mit Häme überschüttet. Diese sprachgewandten Börsengurus sollen sich einmal vor Augen halten, wie es um die Performance ihrer eigenen Fonds steht und sie mit dem Kurs der Berkshire Hathaway vergleichen, die in einer Zeit, wo der Nasdaq rund 60% fiel, um 75% zulegen konnte.

Der mittlerweile 70 Jahre alte Warren Buffet (Sie sehen auch im Alter ist man noch in der Lage gute Investmententscheidungen zu treffen) weigert sich auch weiterhin, Beteiligungen an Technologie-Unternehmen zu kaufen. « Wir haben das 21. Jahrhundert mit Beteiligungen an so fortschrittlichen Industriezweigen wie der Fertigung von Steinen, Teppichen, Isolationsstoffen und Farbe begonnen. »

Es ist dennoch überraschend, mit welcher Dynamik auch die Standardwerte unter Druck geraten. Überall schreiben Experten, die Gefahr einer Stagflation ist Hirngespinst, keine Rezession ist in Sicht, und die Inflation ist überhaupt kein Thema. Ich kann mich nur über diesen intellektuellen Unsinn wundern. Noch in dieser Woche sagte Bundeskanzler Schröder : « Deutschland befindet sich auf einem robusten Wachstumspfad.

Ich sehe keinen Anlass, unsere Wachstumsprognose zurückzunehmen. » Wenn dem so ist, dann müssen die Verfasser einer Studie des früheren Marktforschungsinstituts für die Automobilindustrie (Marketing Systems) ihren Verstand verloren haben, denn sie warnten, dass die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland in diesem Jahr um 100.000 Einheiten niedriger ausfalle als im Vorjahr, und damals brach die Zulassungszahl um 11% ein. Sie gaben dafür folgende Gründe an : revidierte Vorhersagen für das Wirtschaftswachstum, äusserst angespannte wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten und Japan, Verschärfung der Krise in der Landwirtschaft etc.

In Deutschland käme noch besonders hinzu, dass die neuen Fahrzeugmodelle nicht den erwarteten Zuspruch finden, und ein Stau auf dem durch junge Fahrzeuge geprägten Gebrauchtswagenmarkt. Ausserdem kämen noch erhöhte Versicherungsbeiträge und Kraftfahrzeugsteuern hinzu und ... Benzinkosten.

Was wir jetzt erleben, ist der x-te Börsencrash in der Geschichte. Den Crash von 1987 hatte ich hautnah miterlebt, und es war so, dass er relativ schnell zu Ende ging. Damals war nicht der Crash als solcher anormal, sondern wie heute die enormen Übertreibungen in den 9 Monaten davor. Dem Crash von 1987 folgte keine Rezession, sondern das Wachstum stieg 1988 an. 1994 hatten wir den grössten Bond-Crash in der Geschichte, nachdem während einer langen Periode die Federal Reserve die Zinsen bei 3% gehalten hatte, und es für die Spekulanten und Spieler ein Leichtes war, sich am kurzen Ende zu verschulden und in langfristige Bonds zu investieren.

Aber auch 1994 folgte keine Rezession oder gar Inflation. Was den heutigen Crash so schlimm erscheinen lässt, ist nicht die Höhe des Einbruchs (über 60% Nasdaq, über 80% Neuer Markt), sondern seine Stetigkeit. Er wirkt wie eine chinesische Wasserfolter, bei der die Opfer die Wassertropfen am Anfang überhaupt nicht spüren, aber am Ende in den Wahnsinn getrieben werden. Was heute die Korrektur so schmerzlich werden lässt, ist die vorausgegangene Übertreibung in der New Economy.

Man muss es sich erneut vor Augen halten, und ich habe dies öfters wiederholt : Im März letzten Jahres betrug die Börsenkapitalisierung von Wachstumswerten wie Boeing, General Motors, Phillip Morris, soviel wie die Marktbewertung eines einzigen Unternehmens der New Economy, Yahoo, (rund 100 Milliarden Dollar). Heute ist die Marktbewertung von Yahoo unter 10 Milliarden Dollar gefallen, während die der Standardwerte weit über 100 Milliarden liegt. Aber dieser kollektive Wahnsinn erfasst auch eine Börse wie die japanische, die seit 1990 in einer Baisse ist. Vor einem Jahr war die Börsenkapitalisierung von grossen Unternehmen wie Nissan Motor, Komatsu, Mitsubishi Heavy, soviel wert wie das « Luftblasen-Unternehmen » der New Economy, Hikari Tsushin.

Heute repräsentiert letzteres gerade mal 10% der drei etablierten Werte. Und die Aktionäre haben mitgemacht, sie haben sich von den Marketing Abteilungen der Banken und Broker (früher hiessen sie noch Analysten) verführen lassen. Ich wiederhole, im letzten Jahr wurden für an Wall Street gehandelte Papiere 33.169 Empfehlungen ausgegeben, davon 125 (0,38%) Verkaufsempfehlungen, denen 36,5% « strong buy » und 37,5% « buy » entgegenstanden. Die Kunst der Analysten bestand lediglich darin, Unterschiede zwischen « buy », « strong buy », « urgent buy », « brutal buy », « must own », « strong outperform » etc. herauszukristallisieren.

Ich bleibe bei meiner Meinung von Anfang März, als ich in Artikeln für z.B. Börse Online ankündigte, dass der Salami-Crash bald zu Ende sein wird und es an der Zeit ist, Aktien zu sammeln. In meinem Interview vom 9. Februar in der Financial Times Deutschland (« Anleihen und Cash für unsichere Zeiten ») sagte ich allerdings, ich würde mir Aktien des Dax erst unter 6.000 und des Dow Jones unter 8.000 anschauen, nicht vorher.

Beim Dax sind wir jetzt soweit und beim Dow Jones müssen wir noch etwas Geduld haben. Insofern Sie also meinen Ratschlägen von einer Übergewichtung von Anleihen und Cash gefolgt waren, empfehle ich jetzt den Cash und die Bondsquote langsam herunterzufahren und den Anteil der Aktien im Portefeuille zu erhöhen. Es hat überhaupt nur einen Sinn, auf einen Crash zu warten, wenn beim Eintritt desselben auch der Mut besteht, die Aktien, die man gerne hat, zum Spottpreis zu erwerben.

Die grossen Gewinner in einem Börsencrash sind die Leerverkäufer von Aktien. Sie wurden übrigens früher die Fixer genannt, und als ich 1962 bei einer Frankfurter Bank meine Lehrjahre begann, hatten wir die Kuba-Krise, und ein Börsianer gab mir folgenden Spruch mit auf meine Laufbahn : « Der Fixer ist bei Gott beliebt, weil er nichts hat und dennoch gibt ! »

Roland Leuschel

16.03.2001



Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=27158
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18.03.01 04:37:25
Beitrag Nr. 63 ()
S P I E G E L - G E S P R Ä C H

"Kein Grund zur Hektik"

Finanzminister Hans Eichel über Börsencrash, Haushaltssorgen und seine Erkenntnis, dass Sparsamkeit mehr Freiheit schafft




SPIEGEL: Herr Eichel, Bankendesaster in Japan, Börsengewitter weltweit, und im Wochentakt werden die Konjunkturprognosen nach unten korrigiert. Was kommt da auf uns zu: eine kleine Delle im Wachstumszyklus, oder stehen wir am Beginn einer globalen Krise?

Eichel: An den Börsen hat es viele Übertreibungen gegeben, die nicht immer mit der Realität der Unternehmen übereinstimmten. Minifirmen mit 100 Mitarbeitern waren plötzlich so viel wert wie Autofirmen mit 100 000 Beschäftigten und tollen Produkten. Jetzt ist Realismus eingekehrt, das muss nicht negativ sein, auch wenn die Märkte im Moment dabei sind, in die andere Richtung, ins Skeptische und Negative, abzugleiten. Aber daraus ergibt sich noch keine Dramatik - zumindest nicht für den deutschen Finanzminister. Im Übrigen gilt meine Warnung vom Börsengang der Telekom: Aktien darf man nicht auf Pump kaufen.

SPIEGEL: Der Börsenabschwung spiegelt auch ganz reale Prozesse wider: Die US-Konjunktur lahmt, die Produktion von Handys, Computern, Autos und Software läuft nicht mehr so hochtourig wie im Vorjahr.

Eichel: Ich registriere das, aber auch diese Entwicklung in Amerika beunruhigt mich nicht allzu sehr, das kann sich auch ganz schnell wieder ändern. Was mir Sorgen bereitet, ist die Situation in Japan. Das Land ist seit einiger Zeit praktisch in der toten Zone. Die Wirtschaft stagniert seit Jahren, die Regierung bekommt die Dinge nicht in den Griff. Da ist ein nennenswerter Beitrag zur Aufwärtsentwicklung der Weltwirtschaft nicht zu erkennen. Es geht den Japanern nicht erst seit gestern schlecht. Und weil das schon eine ganze Weile andauert, erwarte ich dadurch keine zusätzliche Gefährdung der Weltkonjunktur. Selbst die hypernervösen Börsen scheinen sich an die Situation in Japan zu gewöhnen.

SPIEGEL: Für Deutschland sehen die Volkswirte eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums voraus, nur noch zwei Prozent sollen es sein. Sie dagegen legen Ihrem Jahreswirtschaftsbericht eine Wachstumsrate von 2,75 Prozent und damit kräftig sprudelnde Steuereinnahmen zu Grunde. Müssten Sie nicht Ihre Erwartungen der neuen Realität anpassen?

Eichel: Einer muss doch Ruhe in die Debatte bringen, sonst geht das jeden Tag rauf und runter wie an den Aktienmärkten. Ich glaube, dass es nicht sinnvoll ist, sich in der Finanzpolitik so aufzuregen. Volkswirtschaften fahren nicht Achterbahn.





SPIEGEL: Aber der Trend zeigt doch eindeutig nach unten.

Eichel: Das sehe ich nicht so krass und nicht so deutlich. Vor zwei Wochen hat der DIHT seine Prognose veröffentlicht: Er geht von 2,8 Prozent Wachstum aus. Bundesbank und Europäische Zentralbank haben ihre Voraussagen ebenfalls nicht nach unten korrigiert. Und außerdem: Selbst wenn wir am Ende des Jahres ein Wachstum von nur zwei Prozent erreichen, ist das immer noch mehr, als wir im Durchschnitt der neunziger Jahre hatten. Also lassen wir die Kirche doch im Dorf und warten die Entwicklung ab. Es ist erst März.

SPIEGEL: Die scheinbar geringfügige Abkühlung der Konjunktur, das wissen Sie als Fachmann genau, hat gravierende Folgen: Nicht nur die Steuereinnahmen gehen zurück, zugleich steigen auch die Kosten des Staats, beispielsweise für die Arbeitslosigkeit.

Eichel: Diese Betrachtung ist mir zu statisch. Es kommt doch immer auch darauf an, wie das Produktionspotenzial ausgelastet wird. Wenn die Wirtschaft an der Kapazitätsgrenze arbeitet, wie zuletzt, dann können auch bei niedrigeren Wachstumsraten Arbeitsplätze entstehen. Insofern gehen alle, auch die, die jetzt ihre Prognosen nach unten korrigieren, davon aus, dass wir einen ordentlichen Zuwachs bei der Beschäftigung haben werden und damit einen Abbau der Arbeitslosigkeit. Außerdem steigen die Aufträge aus dem Ausland wieder deutlich an. Ich bleibe also dabei: Es besteht kein Grund zur Hektik.

SPIEGEL: Heißt das: Es wird keine Haushaltssperre geben, kein Einfrieren der Ausgaben?

Eichel: Eine solche Entscheidung steht jetzt nicht zur Debatte. Ich will mir erst ansehen, wie sich Einnahmen und Ausgaben entwickeln. Im Übrigen gilt eine alte Regel, die wieder einmal gelernt werden müsste: Der Haushalt mit seinen Ansätzen ermächtigt uns, Geld auszugeben, er verpflichtet uns nicht dazu.

SPIEGEL: Und wenn es ganz dicke kommt: Würden Sie dann auch ein neues Sparprogramm auflegen, um Haushaltslöcher zu stopfen?

Eichel: Um Gottes willen. Ich werde nichts tun, was die Lage destabilisieren könnte. Ein einschneidendes zusätzliches Sparpaket würde prozyklisch, im Falle einer Rezession also krisenverschärfend wirken.

SPIEGEL: Die Amerikaner steuern antizyklisch dagegen, die Wirtschaftskraft erlahmt, eine Steuerreform, die Milliarden ausschüttet, soll für einen Adrenalinschub sorgen. Das wäre doch auch eine Alternative zum Nichtstun, oder?

Eichel: Aber genau das haben wir doch gerade getan. Anfang des Jahres ist die größte Steuerreform in der Geschichte der Republik in Kraft getreten ...

SPIEGEL: ... die aber erst 2005 ihren vollen Umfang erreicht. Sie könnten die nächsten Stufen vorziehen.

Eichel: Und wer soll das bezahlen? Wir entlasten die Steuerzahler in diesem Jahr um 45 Milliarden Mark. Ohne diese Maßnahme würde das Wachstum einen halben Prozentpunkt niedriger ausfallen. Am Ende der beschlossenen Steuersenkungen im Jahr 2005 haben wir Bürger und Unternehmen um 95 Milliarden Mark entlastet. Das ist bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt weit mehr, als Präsident Bush jetzt ankündigt. Mehr geht nun wirklich nicht, nicht jetzt, nicht auf absehbare Zeit. Das könnten die öffentlichen Kassen nicht verkraften. Im Übrigen: Sie können weder über den Staatshaushalt noch über die Steuerpolitik eine kurzfristige Steuerung der Konjunktur hinbekommen, weil die heute beschlossenen Maßnahmen viel zu spät wirken.

SPIEGEL: Sie wollen also in Ruhe abwarten, bis die nächste Steuerschätzung schwarz auf weiß vorliegt?

Eichel: Genau das. Bis Mai müssen Sie und ich und alle anderen sich gedulden. Der Finanzminister handelt erst, wenn ihm verlässliche Daten vorliegen. Mir ist die Nachrichtenlage derzeit einfach zu verwirrend: An einem Tag brummt unser Export, am anderen bricht unsere Automobilkonjunktur ein. Diese Hysterie mache ich nicht mit.

SPIEGEL: Vielleicht war es ja doch ein Fehler des Kanzlers, die Grundsatzabteilung vom Wirtschafts- ins Finanzministerium zu verlegen. Jetzt sind Sie selbst Herr der Prognosen, es fehlt womöglich ein Korrektiv, das Ihnen die Gelassenheit austreibt.

Eichel: Ich kann nicht erkennen, dass durch diese Organisationsentscheidung die Qualität der deutschen Wirtschafts- und Finanzpolitik in den letzten beiden Jahren Schaden genommen hätte, im Gegenteil. Die Aufteilung entspricht dem Standard in den großen Industrienationen.

SPIEGEL: Ihre ärgsten Gegner sitzen derzeit in der SPD-Bundestagsfraktion: Die nächste Bundestagswahl naht. Da würden etliche Genossen gern bei den Ausgaben wieder in die Vollen gehen.

Eichel: Das ist aus Sicht der Fachpolitiker ja verständlich und menschlich. Aber wer jetzt glaubt, die Spendierhosen kämen wieder in Mode, der irrt sich. Diese altmodischen Teile mit den großen Taschen bleiben im Schrank. Unser wichtigstes Ziel ist es, im Jahr 2006 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Das wird auch im Wahlkampf eine zentrale Rolle spielen. Und danach, wenn wir Überschüsse erwirtschaften, können wir darangehen, den Schuldenberg des Bunds von 1,4 Billionen Mark abzutragen. Sparsamkeit und Verlässlichkeit, das sind die Trends der nächsten Saison.

SPIEGEL: Sparen ist langweilig und politisch wenig attraktiv, finden seit jeher viele in Ihrer Partei. Deshalb suchen die Genossen permanent nach neuen Einnahmequellen. Was halten Sie von dem Vorschlag eines SPD-Oberbürgermeisters, eine zusätzliche Bürgersteuer einzuführen, die, so der Vorschlag, "erhoben wird wie der Gewerkschafts- oder Parteibeitrag"?

Eichel: Absurd, diese Idee. Das passt nun überhaupt nicht in die Landschaft, neue Steuern sind schlechte Steuern, deshalb wird es sie mit mir nicht geben.

SPIEGEL: Die Idee mit der Bürgersteuer stammt vom ehemaligen Kasseler Oberbürgermeister Hans Eichel, öffentlich unterbreitet 1982.

Eichel: Auch Politiker können dazulernen, auch wenn viele Journalisten das bezweifeln. Und aus dem Zusammenhang gerissene Zitate sind niemals gute Belege für grundsätzliche Aussagen. Eines dürfen Sie nicht vergessen: Die Staatsquote, also jener Anteil am erwirtschafteten Reichtum, den der Staat von Bürgern und Unternehmen einfordert, ist immer noch fast doppelt so hoch wie in den USA. In einer solchen Situation sind neue und höhere Steuern Gift. Das Gebot der nächsten Jahre heißt Sparsamkeit.

SPIEGEL: Ihr Kabinettskollege, Verteidigungsminister Rudolf Scharping, der 2,6 Milliarden Mark mehr für die Bundeswehr forderte, sieht das offenbar auch heute noch entspannter.

Eichel: Wenn Sie mit dem Sparen anfangen, läuft alles wunderbar, dann finden das alle in Ordnung. Wenn die Sparsamkeit aber zum Alltagsgeschäft wird, findet das bald keiner mehr so berauschend. Aber wer länger als fünf Minuten nachdenkt, kommt doch zu der Erkenntnis: Nur das Sparen schafft neue Spielräume für Ausgaben. Wenn wir nach 2006 mit den Haushaltsüberschüssen Schulden abtragen, dann können wir das Geld, das heute noch für Zins und Tilgung draufgeht, endlich für Sinnvolles ausgeben, etwa für Bildung und Infrastruktur.

SPIEGEL: Und dieser rigide Kurs wird jetzt über Jahre wirklich durchgehalten: von der Partei, vom Kanzler, vom Kabinett?

Eichel: Ich denke schon, sonst hätten wir mit den UMTS-Erlösen nicht so verfahren können, wie wir es getan haben. Den Erlös von fast 100 Milliarden Mark haben wir zum Schuldenabbau eingesetzt, die Zinsersparnisse investieren wir in Verkehrsprojekte und in die Forschungsförderung. Sie sehen, die Haushaltssanierung ist kein Selbstzweck. Sie ist meine Antwort auf die Frage, was der Staat künftig für Aufgaben erfüllen soll. Zinsen zu zahlen gehört nicht dazu.

SPIEGEL: In Ihrer Grundsatzrede an der Humboldt-Universität und nun wieder in Ihrem Vortrag vor Managern der Bankenszene haben Sie die Haushaltssanierung mit dem Freiheitsthema verknüpft ...

Eichel: ... und mit dem Gerechtigkeitsthema, beides gehört für mich zusammen. Indem sich der Staat zurücknimmt und Abgaben senkt, gibt er den Bürgern mehr Freiheit zurück. Gleichzeitig bekommen künftige Generationen mehr Handlungsfreiheit, weil wir sie von der Schuldenlast befreien. Deshalb ist für mich Finanzpolitik mehr als das Aufaddieren von Zahlenkolonnen, in Wirklichkeit ist das, was meine Mitarbeiter und ich leisten, in erster Linie Gesellschaftspolitik.

SPIEGEL: Bisher haben wir den Finanzminister immer in der Rolle des Dienenden gesehen, zuständig für das Umsetzen all jener Vorgaben, die in Kabinett und Parlament formuliert wurden. In Ihrer Rede vor den Bankern sagen Sie nun: "Die Finanzpolitik muss Verantwortung und Führung übernehmen." Hans Eichel, der neue Neben- oder gar Überkanzler?

Eichel: Die Richtlinien der Politik bestimmt der Bundeskanzler.

SPIEGEL: Herr Minister, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.


© DER SPIEGEL 12/2001


Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,123150,00.html


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18.03.01 05:13:32
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20.03.01 01:42:14
Beitrag Nr. 65 ()
U S - N O T E N B A N K

Zinssenkung gilt als sicher

Am morgigen Dienstag wird die US-Notenbank abermals die Leitzinsen senken. Die Frage ist nur, wie stark.






Washington - US-Notenbankchef Alan Greenspan hat allerdings bisher nicht zu erkennen gegeben, wie der Beschluss der US-Notenbank ausfallen wird. Doch schon vor der morgigen Sitzung scheint festzustehen, dass die Leitzinsen um mindestens 0,5 Prozentpunkte gesenkt werden sollen. Einige Experten wie etwa die angesehenen Finanzhäuser Merrill Lynch, HSBC Securities und Credit Suisse First Boston sagen sogar eine Senkung um 0,75 Prozentpunkte voraus.
An die Senkung der Leitzinsen knüpfen die Experten hohe Erwartungen, denn sie soll zu einer schnellen Erholung der US-Konjunktur führen. Vielfach wird allerdings bezweifelt, dass sich dieser Effekt so schnell einstellen wird.

Im Januar bereits waren die Wirkungen zweier Leitzinssenkungen um jeweils einen halben Prozentpunkt nahezu verpufft. Abgesehen von einem kurzen Zwischenhoch Ende Januar gab es für die Börsenkurse nur eine Richtung - nach unten. Allein in der vergangenen Woche fiel der Dow Jones um 7,7 Prozent.

Die Anleger erlebten den viertgrößten Wochenverlust seit dem Börsencrash von 1987. Der Nasdaq sackte um 7,9 Prozent ab und verzeichnete damit die siebte Woche in Folge einen Verlust. Der Grund für das Desaster: neuerliche Gewinnwarnungen im Technologiesektor und die Angst, dass die Zinssenkung der Fed nicht so hoch ausfällt wie erwartet.

Auch die Industrieproduktion in den USA sinkt seit sechs Monaten. Im Februar betrug das Minus ebenso wie im Januar rund 0,6 Prozent. Die Auslastung der Fabriken sank ebenfalls deutlich stärker als erwartet und hat inzwischen das Rezessionsniveau von 1991 erreicht.

Noch schlimmer als um die Konjunktur selbst ist es aber um die Stimmung der Amerikaner bestellt. Im vergangenen Jahr trieben die US-Anleger die Konjunktur und die Börsenkurse mit ihrer Euphorie voran. Der Technologiesektor schien praktisch keine Wachstumsgrenzen mehr zu kennen. Inzwischen ist die Stimmung ins Gegenteil umgeschlagen. "Gute wie schlechte Nachrichten wirken negativ auf den Markt", analysiert Andrew Spencer, Leiter Aktien beim angelsächsischen Fondshaus JP Morgan Fleming.

Der sich verbreitendende Pessimismus könnte sich über kurz oder lang auch auf die Weltkonjunktur auswirken - dann nämlich, wenn die Konsumenten anfangen zu sparen, weil ihr in Aktien angelegten Vermögen zu sehr zusammengeschmolzen ist. Speziell für die USA sieht Ulrich Ramm, Chefvolkswirt der Commerzbank, eine solche Gefahr heraufziehen. Rund drei Viertel der Haushalte jenseits des Atlantiks hätten ihr Vermögen jedenfalls teilweise in Aktien angelegt. Allein im vierten Quartal wurden durch den Kurssturz an den Börsen private Buchvermögen in Höhe von 1000 Milliarden Dollar vernichtet - rund 40 Prozent des verfügbaren Einkommens aller privaten US-Haushalte.

Auch für Greenspan bedeutet das Konsumentenverhalten eine empfindliche Größe. Simulationsrechnungen der Fed kommen zu dem Ergebnis, dass der private Konsum sowie der Wohnungsbau rund zwei Drittel zur Wachstumsbeschleunigung infolge einer Zinssenkung beitragen würde.

© SPIEGEL ONLINE 2001


Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/konjunktur/0,1518,123387,00…
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20.03.01 03:03:11
Beitrag Nr. 66 ()
Die charttechnische Analyse: Bollinger Bands: Hilfreich bei Seitwärtstrends



von Dr. Hans-Dieter Schulz


Die Vorgaben aus New York bestimmen an den internationalen Aktienmärkten über Wohl und Wehe der Notierungen. Besonders abhängig zeigte sich in der jüngsten Vergangenheit der deutsche Markt. Grund genug also, den Dow Jones Industrials Index näher unter die Chartlupe zu nehmen.

Der Aktienboom begann in den Staaten Anfang der 80er Jahre. Zuvor war der Dow 15 Jahre lang in einer relativ engen Spanne zwischen 700 und 1000 Punkten auf und ab gependelt. Ende 1994 beschleunigte sich die Aufwärtsbewegung, und er begann einem steilen Aufwärtstrend zu folgen, der erst im Sommer letzten Jahres nach unten durchbrochen wurde. Doch per saldo tendiert der Index der 30 grössten US-Unternehmen schon seit seinem letzten Kursschub seitwärts. Im Frühjahr 1999 war die Asienkrise verdaut, die im Herbst 1998 die Finanzmärkte erschüttert hatte.




Im Schaubild ist die stagnierende Entwicklung sehr gut zu erkennen. Das Allzeithoch im Januar 2000 fügt sich in eine Diamant-Formation ein, die inzwischen nach unten verlassen wurde. Von wenigen "Ausrutschern" abgesehen, bewegte sich der Index jedoch in den letzten 24 Monaten zwischen 10.000 und 11.200 Punkten. Eine solche charttechnische Konstellation ist geradezu prädestiniert für den Einsatz der Bollinger Bands, welche die zu erwartende Schwankungsbreite des Dow aufzeigen. Der von John Bollinger entwickelte technische Indikator basiert auf einem 20-tägigen gleitenden Durchschnitt, der im Chart blau eingezeichnet ist. Ober- und unterhalb dieses Durchschnitts verlaufen die Bollinger-Bänder, die man durch das Verschieben der blauen Durchschnittslinie um die Standardabweichung nach oben und unten erhält. So erhält man eine Einhüllende, in welcher sich der Dow mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit (doppelte Standardabweichung) bewegt. Die Berücksichtigung der statistischen Abweichung hat den entscheidenden Vorteil, dass die implizite Volatilität des Dow für die erwartete Kursbewegung einkalkuliert werden kann. Nimmt die Volatilität beispielsweise im Laufe der erfassten 20 Tage ab, so nähern sich die Bollinger-Bands einander an. Dieser Effekt lässt sich im Chart jeweils Ende Juli 1998 und 1999 erkennen.

Neben dem trivialen Rückschluss, ob die Kurse derzeit (und auf relativer Basis) hoch oder niedrig innerhalb der erwarteten Bandbreite notieren, konnte Bollinger folgende Beobachtungen empirisch nachweisen:

- Nach Verengung des Abstandes der Bänder aufgrund einer gesunkenen Volatilität steht eine heftige Bewegung bevor,
- Gipfel und Tiefpunkte, die sich ausserhalb der Bänder ausbilden und durch erneute relative Hochs oder Tiefs innerhalb der Bänder bestätigt werden, lassen auf eine unmittelbar bevorstehende Trendwende schliessen (im Chart grün markiert),
- Ein Ausbruch aus der gegebenen Bandbreite verdient besondere Beachtung und läutet oft einen neuen Trend ein.

Doch gerade mit dem letztgenannte Axiom setzt sich der Anleger oft in die Nesseln. Das liegt daran, dass die Märkte in den letzten Jahren zunehmend an Schwankungsintensität gewonnen haben. Dadurch brechen die Kurse auch oft aus dem durch die Bollinger-Bands gegebenen Korridor aus, ohne dass sich am Markt trendweisende Veränderungen ergeben hätten.

Daher empfehlen Experten, die Signale, die sich durch den Ausbruch aus den Bändern ergeben, grundsätzlich mit anderen technischen Indikatoren zu überprüfen. Ferner können Anleger bei Seitwärtsbewegungen darauf vertrauen, dass die Notierung zwischen den Bändern pendelt. Das heisst, dass Bewegungen, die an einem Ende der Bollinger-Bänder beginnen, sich bis zum anderen Ende des Korridors fortsetzen. Im Schaubild ist diese Tatsache in der Stagnationsphase seit Frühjahr 1999 sehr gut zu erkennen.

Ganz anders liegen die Dinge, sobald sich ein starker Auf- oder Abwärtstrend etabliert. In einer solchen Trendphase nutzen die Kurse den zur Verfügung stehenden Korridor nicht aus, sondern folgen präzise dem oberen bzw. unteren Band. Im Chart lässt sich eine solche Phase im Zeitraum zwischen November 1998 und Frühjahr 1999 ausmachen.


Ausblick

Durch die zurückgegangene Volatilität haben sich die Bänder einander bis vor kurzem wieder stark angenähert. Die in der Theorie geforderte heftige Bewegung erfolgte in den letzten Tagen mit einem starken Ausbruch nach unten. Noch besteht die gute Chance, dass die im Chart grau unterlegte Unterstützung stand hält. In diesem Fall (positives Szenario), bleibt der Seitwärstrend bei den amerikanischen Standardwerten erhalten. Das Kursziel liegt dann im Bereich des oberen Bandes bei etwa 11.000 Punkten. Dazu muss der Index jedoch relativ schnell die blaue Durchschnittslinie überwinden.
Gelingt dies nicht, steht der Dow am Beginn eines Abwärtsschubs. Darauf deutet auch die nach unten verlassene Diamant-Formation hin. Auf die aus fundamentaler Sicht induzierten Gefahren für den amerikanischen Aktienmarkt wurde im Rahmen dieser Kolumne immer wieder hingewiesen. An den trüben konjunkturellen Aussichten hat sich zwischenzeitlich nichts geändert. Sicherheitshalber sollten Anleger daher die Notbremse ziehen, sobald der Dow die grau eingezeichnete Unterstützungszone mit Kursen unter 9800 Punkten durchbricht.

Dr. Hans-Dieter Schulz / Lutz Mathes

16.03.2001


Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=27079


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20.03.01 03:21:44
Beitrag Nr. 67 ()
Nasdaq-Tagesanalyse für Montag, den 19. März

von Daniel Köster [19.03.01, 15:32]

An den Technologiebörsen bleibt es unruhig. Die Leitbörse Nasdaq verlor am vergangenen Freitag erneut und stellte ein neues Zweijahrestief auf. Zuletzt notierte der Index am 11. November 1998 tiefer. Die charttechnische Lage ist weiter als schlecht zu beurteilen. Eine Stabilisierung ist erst ab 1800 Punkten wahrscheinlich.
Seit dem Hoch bei 2859 Punkten (am 24. Januar) lässt sich nach wie vor ein eindeutiger, kurzfristiger Abwärtstrend einzeichnen, der unverändert intakt ist (siehe Chart). Die seit dem 12. März begonnene trendinterne Stabilisierung zwischen 1922 und 2015 Punkten, welche vor allem aus Sicht der japanischen Kerzencharts deutlich wurde (siehe zweiter Chart), ist mit dem Kursrückgang vom Freitag beendet.

Die Stabilisierung ist damit als (abwärts)trendbestätigende Konsolidierung bestätigt. Das Kursziel liegt somit unverändert bei der Unterstützung um die Marke von 1800 Punkten. Widerstände verlaufen bei 2034 (obere Trendlinie des kurzfristigen Abwärtstrends) und 2116 (Schlusstief vom 2. März) Punkten. Solange diese nicht überschritten werden, ist kein Trendwechsel bei der Nasdaq auszumachen. Es gibt aus charttechnischer Sicht also weiter keinen Grund, kurz- oder mittelfristige Neupositionierungen vorzunehmen.

Die technischen Indikatoren geben nach wie vor keine Anzeichen auf einen Trendwechsel, sondern bleiben bei ihren Verkaufssignalen.

Ausblick auf die kommenden Handelstage

Charttechnische Lage der Nasdaq bleibt schlecht. Die Abwärtsbewegung sollte sich in Richtung der 1800er-Marke fortsetzen. Eine Stabilisierung ist aus heutiger Sicht noch nicht erkennbar.





Wichtige Chartdaten

Aktuelle Chartformation: Keine relevante
GD 50: 2466
GD 100: 2707
GD 200: 3263
Unterstützungen: 1800, 1750
Widerstände: 2034, 2116, 2143, 2223, 2291





Handelsempfehlung

Das Chance-Risiko-Verhältnis für eine Neupositionierung ist weiter ungünstig, so dass weiter Abwarten die beste Strategie darstellt.

Quelle: http://www.boerse-online.bch.de/cgi-bin/gx.cgi/AppLogic+FTCo…
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20.03.01 03:26:28
Beitrag Nr. 68 ()
Neuer-Markt-Tagesanalyse für Montag, den 19. März


von Daniel Köster [19.03.01, 09:39]

Das Trauerspiel am Neuen Markt setzt sich fort. Der NEMAX 50 verlor im Wochenvergleich erneut zwölf Prozent. Aus charttechnischer Sicht ist zwar eine kurzfristige Gegenbewegung wahrscheinlich, die jedoch aus heutiger Sicht nichts an den generell schlechten Aussichten ändert. Selbst wenn sich das Marktbarometer um etwa 20 Prozent (also auf 1922 Punkte) erholt, wäre noch kein Trendwechsel bestätigt.
Die am Freitag beschriebene „Doji-Formation“ konnte den Markt nicht stabilisieren. Der entscheidende Formationswiderstand bei 1759 Punkten wurde intraday nicht überschritten. Nachdem die für das Stabilisierungsszenario entscheidende Unterstützung bei 1696 Punkten unterschritten wurde, war keine positive Entwicklung mehr zu erwarten. Die bekannte, generell negative Tendenz des Marktes setzte sich durch, so dass der NEMAX 50 erneut sechs Prozent verlor und den Handel auf dem Tagestiefststand beendete.

Die Abwärtsdynamik ist damit unvermindert hoch. Der Index nähert sich der entscheidenden Unterstützung nach Fibonacci bei 1500 Punkten. Der kurzfristige Abwärtstrend seit dem Hoch bei 2920 am 24. Januar ist nach wie vor intakt. Die obere Trendlinie verläuft erst bei 1828 Punkten und stellt neben 1700 Zählern den kurzfristig wichtigsten Widerstand dar.

Im kurzfristigen Zeitfenster lassen sich nach der Fibonacci-Analyse auf Basis der Abwärtsbewegung von 2920 bis 1614 Punkte wieder neue Erholungsziele definieren. Die ersten Widerstände liegen bei 1922 und 2112 Punkten. Solange das erste Kursziel nicht überschritten wird, bleiben alle Erholungen (abwärts-) trendbestätigend. Erst ein Überschreiten von 1922 Punkten würde den Markt stabilisieren. Dann könnte eine lokale Umkehrformation den Beginn einer kurzfristigen Trendwende einleiten.

Die technischen Indikatoren sind am Anfang dieser Handelswoche unverändert negativ zu beurteilen. Trendfolger (wie der MACD) und Oszillatoren (RSI) lassen momentan kein positives Szenario zu.

Ausblick auf die kommenden Handelstage

Die Stabilisierung, die sich am Donnerstag andeutete, setzte sich nicht durch. Damit sollte sich der NEMAX 50 nach einer kurzen Gegenbewegung weiter in Richtung des Kursziels von 1500 Punkten bewegen. Für den Anleger besteht somit weiterhin kurz- und mittelfristig kein Bedarf, Neupositionierungen vorzunehmen.




Wichtige Chartdaten

Letzte Chartformation: Keine bestätigte
Weitere Unterstützungen: 1500 (Orientierungsmarke)
Weitere Widerstände: 1828, 1922, 2116, 2250
GD 50: 2340
GD 100: 2951
GD 200: 4360
MACD (12/26/9): Negativ seit 15. März


Profi-Technik

Noch keine neue Analyse sinnvoll.


Handelsempfehlung

Nachdem die entscheidende Formationsunterstützung bei 1690 unterschritten wurde, war auch das Stop Loss für die spekulative Longposition bereits einige Stunden nach Handelsbeginn (und somit nach Positionsaufbau) aufgelöst. Der Verlust sollte sich angesichts der vorsichtigen Anfangsposition in Grenzen halten. Neupositionierungen sind weiter zurückzustellen.

Quelle: http://www.boerse-online.bch.de/cgi-bin/gx.cgi/AppLogic+FTCo…
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20.03.01 21:59:25
Beitrag Nr. 69 ()
20.03. 21:30

ANALYSE: Nach US-Zinssenkung erwartet LBBW keine baldig Trendwende an Börsen

FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach der Leitzinssenkung um 50 Basispunkte durch die US-Notenbank (Fed) ist laut Karl Strohmeier von der Landesbank Baden-Württemberg, keine nachhaltige Erholung der US-Aktienmärkten zu erwarten. Dies sagte Strohmeier, tätig im Aktienresearch bei der Landesbank Baden-Württemberg am Dienstag im Gespräch mit dpa-AFX. Bei den bisherigen beiden Zinssenkungen im laufenden Jahr sei die Wirkung an den Aktienmärkten schnell verpufft. Auch dieses Mal sei keine baldige Trendwende zu erwarten, da nach der Zinssenkung weiterhin mit Gewinnwarnungen von US-Unternehmen zu rechnen sei.

Mit einer schnellen konjunkturellen Erholung sei aufgrund der hohen Verschuldung der privaten Haushalte und der Unternehmen in den USA nicht zu rechnen. Die privaten Haushalte seien so hoch verschuldet, dass eine Zinssenkung um 50 Basispunkte sich kaum bemerkbar mache. Die amerikanischen Haushalte hätten in der Vergangenheit private Vorsorge vernachlässigt und zudem Aktien über Kredit gekauft. Sie sähen sich nun gezwungen, ihre Schulden abzubauen. Das gleiche gelte für die Unternehmen, auch hier sei der Konsolidierungsbedarf hoch. Viele Unternehmen hätten bereits begonnen, Firmenbeteiligungen zu verkaufen, um ihre Schuldenstände abzubauen. Insgesamt werde die Wirkung der Zinspolitik in der aktuellen Situation überschätzt. Zudem wirke eine Zinssenkung in der Regel erst in einigen Monaten.

Er rechne daher nicht damit, dass die konjunkturelle Abschwächung nur kurzfristig anhalten werde. "Eine Trendwende kann nur durch eine Kombination von Geld- und Fiskalpolitik erreicht werden", sagte Strohmeier. Eine Steuersenkung sei zwar von der Regierung Bush vorgesehen, aber noch nicht vom Parlament beschlossen. Erneute Inflationsgefahren durch die zurückgenommenen Zinsen sieht der Experte jedoch nicht, diese seien durch die gesunkenen Ölpreise unwahrscheinlicher geworden./js/sk

Quelle: http://www.gatrixx.de/newswatch/artikel/index.jsp?130793


Willkommen im neuen Zyklus und einem Bärenmarkt, der noch 3 Jahre andauern wird.
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20.03.01 22:14:03
Beitrag Nr. 70 ()
Dow Jones 9.720,82 - 238,29 ( - 2,39 % )
S&P 1.142,62 - 28,19 ( - 2,41 % )
Nasdaq Comp. 1.857,43 - 93,75 ( - 4,8 %)

...und die Salami-Crash-Karawane zieht weiter.
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21.03.01 17:56:48
Beitrag Nr. 71 ()
Aus der FTD vom 21.3.2001




Kolumne: Die Baisse wird lang und grausam

Von Lucas Zeise, Frankfurt

Noch hat der Aktienmarkt die Grippe der Weltwirtschaft nicht erkannt – allenfalls einen Schnupfen.

Dieser Bär ist bösartiger, als es sich alle vorgestellt haben. Das Symbol für fallende Kurse am Aktienmarkt ist lang genug als lächerlicher Teddy gezeichnet worden, der niemanden mehr schrecken kann. Nun rächt sich das Tier. Statt sich einmal aufzubauen und die Bullenherde in einer großen Crash-Geste zu verjagen, quält es sie langsam in die Niederlage, bis sie winselt.

Nach den bereits massiven Kursverlusten an der Nasdaq, am Neuen Markt sowie bei den Telekommunikations- und Technologie-Aktien wirkt es übermäßig pessimistisch zu behaupten, der Rückgang des Aktienkurse sei noch nicht beendet. Eben darauf aber sollte man sich einstellen und es auch an guten Börsentagen nicht vergessen.

Nicht umsonst sprechen die Börsenhändler von der bisher ausgebliebenen "Kapitulation". Was meinen sie damit? Kapitulationen sind Anfälle von Panik, die eine grundlegend veränderte Haltung der Anleger auslösen - wie im Oktober 1987 und zuletzt im Frühherbst 1998. Ein solcher Panikanfall ist so, als tue sich ein riesiges schwarzes Loch auf. Die Gewissheiten darüber, wie die Börse funktioniert, sind plötzlich fort. Der Totalverlust winkt als reale Möglichkeit. Zwangsverkäufe jagen den Markt nach unten. Da geht es nicht mehr um Bewertungen und Zukunftsaussichten der Unternehmen, die einigermaßen nüchtern kalkuliert werden. Da gilt es nur noch die Flucht zu ergreifen.

In der jetzt einjährigen Börsen-Baisse hat der Markt zwar einige Fieberanfälle erlebt, die einer Kapitulation nahe kamen. Aber die eigentliche Kapitulation ist ausgeblieben. Kurz, es ist noch zu viel Optimismus im Markt.

Meine Vermutung ist, dass genau das noch eine Weile so bleibt. Der Rückzug der Kurse und der Anleger findet langsam statt. Und weil die spekulativste Blase bereits geplatzt ist, wird das Tempo der Kontraktion eher noch geringer werden. Wahrscheinlich wird es auch Erholungsphasen geben, die ähnlich wie im letzten Sommer in Enttäuschung enden.


Zaghafte Korrekturen

Die Baisse bleibt grausam. Sie wird nach den Aktien der Old Economy greifen, also nach jenen Titeln, die an den spekulativen Exzessen zwischen Oktober 1999 und März 2000 nicht teilgenommen haben.

Das Zerplatzen der Technologie- und Telekomblase schien diese Titel bis vor kurzem nicht zu tangieren. Erst vor zwei Wochen begann auch dieses breite Segment des amerikanischen und europäischen Marktes ins Rutschen zu kommen. Was kann man daraus schließen? Die Akteure haben bislang zu besonnen reagiert. Der Aktienmarkt als Ganzes hat zwar an Wert verloren. Aber wenn die Gewinnwarnung eines Unternehmens die Aktien der entsprechenden Branche unter Druck setzt, heißt das noch lange nicht, dass die Anlegerschaft sich von allem, was Aktie heißt, mit Grausen abwendet. Barton Biggs, Chefstratege bei Morgan Stanley Dean Witter, zieht daraus den Schluss, das die Aktien der Old Economy in ihren Preisen noch nicht reflektieren, "wie krank die Weltwirtschaft ist und wie schlecht die Gewinne sich entwickeln werden".

So ist es wohl. Noch hat der Aktienmarkt die Grippe der Weltökonomie nicht diagnostiziert - allenfalls einen Schnupfen. Vor allem hält sich der Glaube, dass der Patient nach einem Tag im Bett wieder so springlebendig sein wird wie zuvor. Der Markt setzt seine Hoffnung auf Alan Greenspans Zinssenkungen, einschließlich der vom Dienstag. In den USA winkt außerdem das Steuersenkungsprogramm des neuen Präsidenten. Die Abschwächung der US-Wirtschaft soll Episode bleiben. Die Überinvestitionen der vergangenen Jahre sollen rasch abgebaut werden. Das Vertrauen der Konsumenten soll rasch zurückkehren. Das alles ist möglich. Und dennoch wird der Aktienmarkt noch lernen müssen, dass eine schnelle Erholung der US-Wirtschaft keine Rückkehr zur besten aller möglichen Welten bedeutet: Denn die späten 90er Jahre sind endgültig vorbei.

Nimmt man mit einem Schuss Optimismus an, dass die US-Wirtschaft durch ein kurzes V-förmiges Tal der Desillusion läuft, so winkt auf der anderen Seite des Tals nur die zweitbeste aller möglichen Welten. In dieser zweitbesten Welt wird es ein befriedigendes, aber kein überschäumendes Wachstum geben; die Gewinne der börsennotierten Unternehmen werden nicht mehr mit zweistelligen Zuwachsraten jährlich prunken können.


Wachstumsraten sinken

Doch davon geht der Markt trotz der brutalen Kursreduzierung immer noch aus, stellen die Informationsanbieter First Call und IBES fest: Analysten schätzen das Wachstum der Gewinne für jene 500 US-Unternehmen, die im Standard & Poor’s-Aktienindex versammelten sind, auf längere Sicht immer noch auf zwölf Prozent jährlich. Nur wenn die Unternehmen diese hohen langfristigen Erwartungen wirklich erfüllen könnten, ist der S&P-Index beim Stand von 1170 Punkten fair bewertet.

Das aber ist die Crux: Über die wichtigen Einzelunternehmen werden Gewinnschätzungen eingesammelt, die von durchaus ehrenwerten und kenntnisreichen Analysten stammen. Auf diese Weise erhält man Wachstumsraten der Gewinne über mehrere Branchen hinweg, die in ihrer Gesamtheit auf Dauer - gelinde gesagt - unwahrscheinlich sind.

Vielleicht wird das reale Wachstum der USA auf einen Pfad von drei Prozent jährlich zurückkehren; selbst dann ist unwahrscheinlich, dass die Unternehmensgewinne immer weiter mit einer höheren Rate wachsen als das Nominalwachstum des Sozialprodukts. Die Margen werden schließlich enger. Der Ausleseprozess hat erst begonnen. Gewinne werden zu Verlusten. All das will erst verdaut sein. Ein fester Aktienmarkt kehrt erst dann wieder, wenn das Tal der Tränen durchschritten ist.


© 2001 Financial Times Deutschland


Quelle: http://www.ftd.de/bm/bo/FTDY2MQAIKC.html?nv=hptn

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22.03.01 00:07:44
Beitrag Nr. 72 ()
Dow Jones 9.487 - 233,76 ( - 2,4 % )
S&P 1.122,14,14 - 20,48 ( - 1,79 % )
Nasdaq Comp 1.830,23 - 27,21 ( - 1,46 % )


...und die Salami-Crash-Karawane zieht weiter.
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22.03.01 02:24:27
Beitrag Nr. 73 ()
Nasdaq-Tagesanalyse für Mittwoch, den 21. März






Ausblick auf die kommenden Handelstage

Selbst wenn die Nasdaq eine Gegenbewegung startet, bleibt das Kursziel der Unterstützungsbereich zwischen 1750 und 1800 Punkten. Hier besteht die seit langem beste Chance eine Stabilisierung zu starten, die dann zu einer Trendwende führen kann. Bisher gibt es kurz- und mittelfristig keinen Grund zur Entwarnung. Alle Abwärtstrends sind intakt.




Wichtige Chartdaten

Aktuelle Chartformation: Keine relevante
GD 50: 2466
GD 100: 2707
GD 200: 3263
Unterstützungen: 1800, 1750
Widerstände: 2034, 2116, 2143, 2223, 2291



Handelsempfehlung

Für eine Shortpositionierung ist das Chance-Risiko-Verhältnis ungünstig. Abwarten ist weiter die beste Strategie.

Quelle: http://www.boerse-online.bch.de/cgi-bin/gx.cgi/AppLogic+FTCo…
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27.03.01 03:15:52
Beitrag Nr. 74 ()
Im Thread: Nemax Prognose: 1.000 Punkte bis Jahresultimo !!! hat sich der User "Candle68"
die Mühe gemacht und interessante Aspekte zussamengefasst,
die auf einen weiteren Abschwung hindeuten.


Candle68 gibt folgende Prognosen ab:

"Meine Prognose bis Jahresultimo 2001:

Nemax 50 Performance Index: unter 900 Punkte
Nemax all Share Index: unter 1000 Punkte
Nasdaq: unter 800 Punkte
Dow Jones: unter 3000 Punkten"


Diese Prognosen sind natürlich sehr pessimistisch und
aktuell etwas unrealistisch, da etwas fern von der
Realität.

Da müssen wir wohl etwas abwarten. ;)
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27.03.01 04:19:11
Beitrag Nr. 75 ()
26.03.2001:

USA - Börsengurus sehen NASDAQ vor klarem Turnaround

Die NASDAQ steht unmittelbar vor der Trendwende. Das ist das Fazit einer großen FinanzNachrichten.de-Studie, die ein Stimmungsbild der größten Börsen-, Technologie- und Wirtschaftsexperten der USA zeichnet.


„Die Angst nährt die Angst“ titelte der „Spiegel“ letzte Woche einen Artikel, der paradoxerweise Eingang in die Ausgabe mit der Überschrift „Hightechwelt 2001“ fand. „Technologiebörsen im freien Fall“ wird der Bericht fett untertitelt. NEMAX und NASDAQ feiern ein tragisches Comeback auf den Titelseiten der deutschen Tagespresse. Dort, wo noch vor einem Jahr von unendlichen Gewinnen zu lesen war, wird nun der Untergang aller Technologieaktien prophezeit. Dass dies ein Kontraindikator sein soll, hat sich mittlerweile auch unter Privatanlegern herumgesprochen. Doch es finden sich deutlich handfestere Anzeichen für die Anbahnung eines Turnarounds an den Technologiebörsen dieser Welt. Denn während die große Masse der Analysten die Märkte zusehends negativer bewertet, finden sich im US-Konjunkturausblick, in der Charttechnik und in der Fundamentalanalyse zunehmend Anzeichen für eine baldige Wende.


Stimmungsindikatoren: So pessimistisch sind die Profis

Zu einem vollkommenen Zusammenbruch der Zuversicht kam es in der laufenden Woche bei den Profis. Nach dem Stimmungsbarometer der „Telebörse“, das sich der Daten der Deutschen Bank AG und der Dr. Erhardt Kapital AG bedient, sind per 21.03.2001 nur noch 7 % der deutschen Börsenbriefe optimistisch für den Aktienmarkt. Bei der Durchführung der Umfrage sieben Tage vorher waren noch doppelt so viele Redaktionen optimistisch gewesen. Explizit pessimistisch sind nun bereits 28 % aller deutschen Börsenbriefe. Hochinteressant ist vor allem auch das dort ebenfalls skizzierte Bild in den USA. Nur noch 30 % der Privatanleger erwarten dort steigenden Kurse für die Börsen. Satte 37 % sind der Meinung, dass die Börsen weiterhin an Boden abgeben werden müssen. Noch skeptischer sind die US-Anlageberater mit einer Optimistenquote von nur 23 %. Allerdings ist noch jeder zweite Börsenbrief in den USA grundsätzlich optimistisch, was die Aussichten für Aktien betrifft. Jeder dritte Brief hingegen sieht für die US-Börsen schwarz. Damit hat sich in den letzten drei Wochen erstmals seit dem Kurseinbruch im März 2000 die Befürchtung durchgesetzt, dass Aktien künftig fallen könnten. Das Gesamt-Stimmungsbild ist nun deutlich negativ. Die Erfahrung zeigt, dass diese Marktstimmungen Bodenbildungen deutlich begünstigen können. Persönliches Highlight des Pessimismus sind für mich Aussagen, wie die des Aktieninformationsdienstes „Stockoperator“. Dieser schrieb am Samstag in einer Analyse, dass „mittelfristige Aktienkäufe derzeit absolut unangebracht“ seien.


Konjunktur: Ist das Tal durchschritten?

Hochinteressant ist, dass sich die weltweit bekanntesten US-Wirtschaftsexperten gegen diesen Pessimismus stellen. Dies ließ sich so zum Beispiel bei S. L. Hayes, dem Professor für Investment Banking an der weltberühmten Harvard Universität in Boston, am 14. März in einem Interview gegenüber „TheStreet.com“ herauslesen. Hayes betonte hier, dass sich der Markt selbst überkorrigiert hätte und sprach von einem unvernünftigen Verhalten der Investoren. Hayes verwies auf die weiterhin blendenden Rahmendaten der US-Wirtschaft und strich vor allem die geringe Arbeitslosen- und Inflationsrate, sowie die Hoffnung auf Steuer- und Zinssenkungen heraus. Hayes sieht die neue Republikanische Regierung zudem als positiven Faktor für die Wallstreet.

Ein etwa 30 Gehminuten entfernter Nachbar und Kollege, Prof. Rüdiger Dornbusch vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), dem Mekka des globalen Hightechs, schien sich gar in der Freude über die Gesundheit der US-Konjunktur regelrecht überschlagen zu wollen. In einem Kurzinterview für die „Financial Times Deutschland“ am vergangenen Wochenende sagte er: "Wir erleben zurzeit ein wundervolles soft landing nach fünf Boomjahren, das wir uns schöner nicht hätten wünschen können. Schon im Sommer wird das reinigende Gewitter vorüber sein." Dornbusch soll der FED nur eine Zinssenkung um 25 Basispunkte und eine anschließende Stabilisierung empfohlen haben und geht von einer annualisierten Wachstumsrate von 3 bis 4 % ab dem zweiten Halbjahr 2001 für die USA aus.


Experten sprechen von US-Konjunkturlüge

Diesen Statements schließen sich im übrigen die meisten Mitglieder des Federal Reserve Boards an. Die Demokraten sehen in dem Pessimismus, der die US-Bürger bezüglich der wirtschaftlichen Aussichten ihres Landes ergriffen hat im übrigen das Ergebnis eines politischen Druckmittels, das Bush und die Republikaner einsetzen würden. In der vorherrschenden innenpolitischen Kontroverse werfen die Demokraten Bush das Herbeireden einer Rezession herbei, damit er sein Steuersenkungsprogramm besser durchsetzen könne.


Aktienkurse bereits billig?

Unabhängig von der Konjunktur können allerdings nur billige Fundamentals und natürlich Geldströme in die Aktien die Wiederauferstehung der NASDAQ ermöglichen. Nach einer aktuellen Analyse von Joseph Kalinowski von First Call/Thomson Financial wird die durchschnittliche NASDAQ-Aktie mit einem KGV 2000 von 48,6 bewertet. Die faire Bewertung liegt nach Kalinowski allerdings bei etwa 30, woraus er ein NASDAQ-Kursziel von 1.200 Punkten errechnet. Aber Kalinowski mag letzte Woche einige Aufmerksamkeit mit dieser Veröffentlichung auf sich gezogen haben, doch findet er damit unter den Experten wenig Zuspruch. Robert Froehlich von Scudder Investments sieht zwar kurzfristig für die NASDAQ, aufgrund des seiner Ansicht nach zu kleinen Zinsschrittes der FED, weiterhin schwarz, doch prognostiziert er eine Fortsetzung des Börsenbooms für weitere 10 Jahre. Drei tragende Gründe hierfür nannte er am Dienstag: Man gehe zum einen davon aus, dass das Budgetplus der USA in den nächsten 10 Jahren explodieren werde, so dass die Privatwirtschaft durch abnehmende Kapitalkonkurrenz durch den Staat, mit mehr Geldern versorgt wird. Weiters nennt Froehlich zwei alt bekannte Triebfedern des Börsenaufschwungs: Nämlich die Altersvorsorge und die immer noch voranschreitende Globalisierung. Froehlich warnt vor einer Unterschätzung der Kraft dieser drei Faktoren. Unterstützung bekommt Froehlich von Abby Cohen, die die Technologieaktien an der NASDAQ jüngst als billig bezeichnete.


Abby Cohen: „Der Dow Jones steigt bis Jahresende auf 13.000 Punkte“

Abby J. Cohen, Chefstrategin der weltgrößten Investmentbank Goldman Sachs, sieht den Zeitpunkt für die Trendwende gekommen. Vor wenigen Tagen kündigte sie an, dass der Dow Jones bis Jahresende 13.000 Punkte sehen werde. Der S&P 500 werde sogar um gut 50 % auf 1.650 Punkte regelrecht explodieren. Die Staranalystin, die den Markteinbruch im März 2000 fast punktgenau vorhersagte, schraubte am 7. März in ihrem Musterportfolio den Cashanteil auf 0 % und erhöhte den der Aktien um 5 % auf nun 70 %. Dabei will die wohl einflussreichste Analystin der Welt in den nächsten Monaten vor allem auf den Technologiesektor und auf Telekoms setzen. Zukünftige Probleme sieht sie hier längst eingepreist und wie die Kollegen von der FED und aus Boston sieht sie die US-Wirtschaft als kerngesund an.


Historische Betrachtung der NASDAQ

Die charttechnische Betrachtung der NASDAQ bleibt hochinteressant. Dies wollen wir Ihnen anhand eines schönen Charts von Hoppenstedt verdeutlichen.




Die NASDAQ befindet sich immer noch in einem bullishen Basistrend, hat aber eine wichtige, seit 1990 intakte Intermediär-Trendlinie gebrochen. Der primäre Aufwärtstrend der NASDAQ, der seit 1974 gültig ist, verläuft allerdings bei gerade einmal 1.000 Punkten und damit immer noch mehr als 40 % unter den aktuellen Ständen. Ein vorerst näheres Korrekturziel stellt daher die Marke von 1.500 Punkten dar. Hier verläuft eine Trendlinie, die von FinanzNachrichten.de nachträglich in rot eingezeichnet wurde. Auf ihr liegt unter anderem auch der Tiefpunkt des legendären 1987er Oktober-Crashs Diese Trendlinie wurde lediglich 1990 im Zuge der Golfkrise gebrochen, aber noch im selben Jahr wieder zurückgewonnen und wurde wesentlich öfter getestet, als die jetzt bei etwa 1000 Punkten verlaufende Trendlinie.

Die Berechnung einer Stochastik auf Basis der Kursdaten der jeweils vergangenen 100 Wochen zeigt die NASDAQ aktuell den am stärksten überverkauften Zustand seit 1984. Ein Kaufsignal entsteht allerdings erst wenn es zu einem Crossover der beiden Durchschnitte kommt, oder der überverkaufte Bereich verlassen wird. Dennoch ist die aktuelle Situation in der Stochastik als günstiger Boden für die Anbahnung einer Trendwende zu werten. Die rote Trendlinie, die von unserer Redaktion eingefügt wurde, stellt auch ein interessantes Korrekturziel dar, da im Bereich von 1.500 Punkten auch der Boden der 1998er Korrektur lag.


Geteilte Ansichten in der Redaktion

Dieser insgesamt verhalten positive Ausblick auf die künftige NASDAQ-Entwicklung wird in unserer Redaktion nur teilweise geteilt:

David Khalil (Biotech, Neue Märkte):

Meiner Ansicht nach werden wir innerhalb der nächsten zwei Monate eine Trendwende an der NASDAQ sehen. Ich erwarte bis dahin ein eventuelles Kurstief bei den in der Chartanalyse angesprochenen 1.500 Punkten. Die Auswirkungen der aggressiven Zinssenkungen durch die FED wird die US-Wirtschaft bereits ab Juli oder August spüren können und damit werden die Marktteilnehmer auch realisieren, dass Technologieaktien auf dem aktuellen Niveau unterbewertet sind. Darunter wird der Dow Jones zunächst deutlich leiden, denn die Bewertungen, die Standardaktien aufweisen, sind bei der Masse von Technologieaktien, die mit KGVs von unter 20 notieren, nicht attraktiv. Da allerdings viele Fonds auf ungeheuren Liquiditätsreserven sitzen und eine breite Anlagestrategie fahren werden, so sie zwischen Old und New Economy wählen dürfen, ist das Abwärtspotential des Dows aus meiner Sicht begrenzt. Im schlimmsten Fall stelle ich mir einen Rückgang des Dow auf rund 7000 Punkte vor, halte aber ein Schwanken um die 9000 Punkte für wesentlich realistischer. Gegen Ende des Jahres sollte auch der Dow wieder steigen können und wird 2002 nach meiner Überzeugung sogar sein Alltimehigh überwinden. So weit wird es bei der NASDAQ natürlich nicht kommen. Allerdings werden einige Branchen ganz herausragend von einer Markterholung profitieren können. Ich bleibe bei der Einschätzung, dass die Sektoren B2B und Telematik sehr stark laufen werden (siehe Hintergrundberichte zu deisen Themen). Speziell in den USA würde ich auch auf Halbleiterunternehmen und ihre Zulieferer setzen. Hier in Deutschland weisen vollkommen unbekannte Mittelstandsunternehmen teilweise absolut lächerliche Bewertungen auf. Unterdurchschnittlich werden meiner Ansicht nach künftig Biotechaktien laufen. Ich halte den Sektor grundsätzlich für überbewertet, obgleich es Riesenchancen bei größeren Einzelwerten geben wird. Anleger werden diese Aktien dennoch meiden, da das Chance-Risiko-Verhältnis von Biotechaktien, nach dem enormen Einbruch bei Software und Internetunternehmen, zunächst vollkommen unattraktiv geworden ist.

Ich gehe fest davon aus das die FED entweder noch im April oder aber am 15. Mai ein letztes Mal in diesem Zinszyklus die Zinsen senken wird. Danach wird sich an dieser Front aber nichts mehr tun. Weiters schließe ich einen massiven Selloff-Tag an den Märkten aus. In den letzten Wochen wurde von Analystenseite zu oft das Argument gebracht, dass diese Korrektur nicht zu Ende sei, bevor die NASDAQ nicht an einem Tag gute 10 % verloren hätte. Dies ist aus historischer Sicht eine vollkommen korrekte Betrachtung, die sich allerdings für diese Korrektur als falsch erweisen wird: Denn wenn der Markt einen Crash als Kaufargument sieht, werden computergesteuerte Intradaykäufe in den USA den Markt jedes Mal vor diesem Selloff bewahren, da sie ihn ja als Kaufargument erkennen. In diesen Wochen nicht von einem Selloff an den Märkten zu sprechen wäre zudem nicht nachvollziehbar. Was die NASDAQ in den letzten Monaten verloren hat, fällt unter die Kategorie Supercrash. Und genau als solcher werden diese nun schon bald 60 Wochen seit Anfang März 2000 in die Finanzgeschichte eingehen. Meiner festen Überzeugung nach sollten sie die Marken von 1.000 Punkten und 1.500 Punkten fest im Auge behalten. An einer dieser beiden Punkte wird der Markt drehen, wobei ich den zweiteren für das wahrscheinlichere Korrekturziel halte.


Torsten Asmus (Chartanalyst):

Auf Basis einer Monatsdarstellung der NASDAQ gelang es dem Index fast eine Punktlandung auf seinem Aufwärtstrend von 1994 zu absolvieren. Da die Marktsituation seit Wochen und sogar Monaten extrem überverkauft ist, sind die Chancen einer Index-Erholung sehr hoch. Ich könnte mir eine Bewegung bis 2.500-2.800 Punkten vorstellen. Anschließend wird es noch einmal ungemütlich werden und ein Rückgang in Richtung der 1994er Trendlinie bzw. ein Unterschreiten der letzten Tiefpunkt ist nicht auszuschließen. Insgesamt erwarte ich für den Nasdaq-Index eine längere Seitwärtsbewegung von ca. 1-3 Jahren. Dies wird aber maßgeblich von der weitern Wirtschaftsentwicklung in den USA abhängen. Die ersten Zinssenkungen wurden von Seiten der FED durchgeführt. Nun bleibt es abzuwarten, ob diese Maßnahmen die Konjunktur-Lokomotive wieder in Fahrt bringen. Für die zweite Jahreshälfte sehe ich aber keine deutliche Belebung, eher für das Jahr 2002.

Die einzelnen Branchen werden sich aber unterschiedlich in der Erholungsphase entwickeln. Bei den Biotechnologiewerten sehe ich weiterhin eher Gefahr, aufgrund der zu hohen Bewertung. Interessant sind unter anderem die Finanztitel, der Bereich drahtlose Kommunikation und Werte aus dem stark gebeutelten Telekommunikations- und Infrastrukturbereich (Glasfaser, Netzwerke und Internet). Jedoch sollte für den Anlagehorizont etwas mehr als nur 6-9 Monate eingeplant werden. Der Dow Jones bleibt weiterhin ein Kandidat mit Abwärtspotential und nur ein deutlicher Stimmungsumschwung könnte die technisch extrem angeschlagene Situation retten.


Petra Sieck (Nanotechnologien):

Die getrübten konjunkturellen Aussichten in den USA und jetzt auch in Euroland könnten sich als Chance für die Aktienmärkte erweisen, da in Zeiten der Rezession die direkten Investitionen in die Wirtschaft geringer sind als in Zeiten der Hochkonjunktur und dadurch zunehmend mehr Kapital zur Verfügung steht, was wiederum in die Aktienmärkte fließen kann. Kommt dann noch ein anhaltend niedriges Zinsniveau hinzu, dürfte dies eigentlich der Nährboden für eine Erholung der Aktienmärkte sein. Ich erwarte deshalb in der zweiten Jahreshälfte starke positive Reaktionen, vor allem an der NASDAQ, wobei ich die Bereiche Halbleiter, Optoelektronik und Lasersysteme favorisieren würde.

Temporär erwarte ich an der NASDAQ, wie eigentlich gewohnt, eine anhaltende Volatilität, die nichts weiter ist als eine Art „Falschreaktion“ der Anleger auf Tagesereignisse und -meldungen („Falschreaktion“ deshalb, weil nur ein kurzzeitiger psychologischer Effekt erfolgt).

Weniger optimistisch für die kommenden Monate bin ich hinsichtlich der Biotechnologie-Unternehmen. Auch hier wird wohl demnächst die Euphorie dem Realismus weiterhin weichen und der Prozess der „natürlichen Auslese“ im Bezug auf die Erfüllung der recht hohen Erwartungen setzt bereits jetzt ein.

Vorsicht angesagt ist auch im gesamten Telekommunikationssektor, insbesondere bei den Netzwerkausrüstern, da hier auch weiterhin von „enttäuschenden“ Zahlen bzw. einer rückläufigen Gewinndynamik auszugehen ist. Langfristig betrachtet würde ich aber ein paar antizyklische Käufe wagen.

Mal abgesehen von dem US-Markt würde ich derzeit auf mittel- bis langfristige Sicht ein paar Käufe im Bereich der erneuerbaren/regenerativen Energien machen, weil hierbei in den nächsten Jahren ein kontinuierliches Wachstum von jährlich ca. 30 % erwartet wird und zusätzlich dieser Wirtschaftzweig zunehmend zum Mittelpunkt der öffentlichen Förderpolitik wird. Aktuelle belegende Beispiele für das „Aufblühen“ dieser Branche sind z.B. die letzte Woche veröffentlichten Zahlen der am Neuen Markt notierten Cuxhavener Plambeck AG oder die Unternehmensmeldungen der Umweltkontor Renewable Energy AG in den letzten Wochen.


Christian Klement (IT Deutschland):

Ich persönlich gehe davon aus, dass die NASDAQ nach der momentanen Gegenbewegung noch auf ein weiteres Tief fällt. Der Dow wird meiner Einschätzung nach auch eine weitere Korrektur vornehmen. Generell sollten Titel mit hohen KGVs gemieden werden. Man kann aber durchaus auch auf kleinere Werte, welche ein niedriges KGV und eine schöne Gewinnentwicklung vorweisen können, setzen.


Markus Meister (Old Economy):

Ich schätze, dass wir an der NASDAQ nach der jüngsten Korrektur von 2.800 auf 1.800 Punkte gemäss Dow-Theorie wieder Platz auf 2.300 Punkte nach oben haben. Danach könnte ein neues Tief folgen.

Für den Dow, der die letzten beiden Jahre rund um 10.000 Punkte geschlafen hatte, bin ich zuversichtlicher. Er sollte sich wieder oben einpendeln. Kaufenswert sind derzeit nur Qualitätstitel, die durch einen hohen Substanzwert abgesichert sind. Zu meiden sind die noch nicht geplatzten Biotech-Blasen sowie die völlig überbewerteten Logistik- und Umweltfirmen, die Teils mit dem 50-100fachen 2001er Gewinn an der Börse gehandelt werden.




Von David Khalil, FinanzNachrichten.de-Redaktion


Quelle: http://www.finanznachrichten.de/berichte/news.asp?s=berichte…



Anderes Thema: Analystenschwindel. :laugh::laugh::laugh:
Practice what you preach. :D

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28.03.01 05:06:05
Beitrag Nr. 76 ()
Die "Hartgesottenen" in der Echternacher Springprozession



von Roland Leuschel


Der "ewige" Optimist, der nur eine Richtung der Aktienkurse zu kennen scheint und langfristig (50 bis 100 Jahre) immer richtig liegt, schrieb in seiner lesenswerten FAZ Montagskolumne vom 26. 3.: "Wall Street erlebt die größte Verluststrähne seiner Geschichte. Die Börsenkapitalisierung ist um fast 4.5 Billionen Dollar geschrumpft." Stimmt, lieber Heiko Thieme, und weltweit ist die Kapitalvernichtung noch größer, über 5.000 Milliarden Dollar. Auch stimmt es, dass langfristig Aktien die beste Anlagealternative sind, obwohl ich mir da nicht ganz sicher bin, denn Immobilien in guter Lage haben ihre Wertbeständigkeit über Jahrhunderte bewiesen. Bei Aktien muß der Anleger manchmal etwas Geduld haben, und wie die Geschichte zeigt, kann diese Periode 15 bis 25 Jahre dauern. Ein Anleger, der die Finanzierung seines Ruhestandes ausschließlich durch Aktien plant, und zum Beispiel mit 65 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand geht, mußte 1930 oder 1966 nur warten, bis er 80 bis 90 Jahre alt wurde, um den Rest seines Ruhestandes in Saus und Braus leben zu können.

Natürlich wird immer wieder empfohlen, besonders von Bankverkäufern, sein Aktienvermögen zu streuen und zwar in Investmentfonds. Stimmt, nur auch da sollte der Anleger Vorsicht walten lassen. Wer zum Beispiel den Sirenen der New Economy verfallen war und ausschließlich amerikanische Technologiefonds kaufte, erlebte in diesem Jahr ein böses Erwachen. Amerikanische Technologiefonds erreichten Ende 1999 einen Vermögensstand von 160 Milliarden Dollar. Inzwischen ist er auf 81 Milliarden geschrumpft, was immer noch eine stattliche Zahl ist. Interessant für den Anleger ist, diese Technologiefonds kassieren eine Managementgebühr (etwa 1%) ein, und der Anleger muß zusätzlich eine Ausgabeprovision abführen (zwischen 3 und 4%). Nun etwas besonders Gutes hat natürlich seinen Preis. Seit seinem Höchststand am 10. März 2000 ist der Nasdaq Composite Index um rund 64% eingebrochen. Im gleichen Zeitraum haben die von Bloomberg untersuchten amerikanischen Technologiefonds durchschnittlich 68% ihres Wertes verloren, wobei die Internet- und Telekommunikationsfonds mit einem Kursverlust von 72% Spitzenreiter waren. Ich hoffe Sie haben weder den Amerindo Technology Fund (-84%), noch den Jacob Internet Fund (-88,5%), noch den Potomac Internet Plus Fund (-89%) in Ihrem Portefeuille.

In meiner Kolumne von Anfang Februar ("Hektische Betriebsamkeit hat Alan Greenspan erwischt") hatte ich einen Vergleich des Nasdaq Indexes vom 1.1.98 bis heute mit dem Dow Jones von 1927 bis 1932 gemacht. Dem Oktober 1929 folgten drei schmerzvolle Jahre, in denen es neben Kursstürzen auch kräftige Erholungen gab. Anfang Februar dieses Jahres lag der Nasdaq bei 2.800 (heute 1.800) und ich zitierte den englischen Börsenhistoriker Professor Schwartz aus London, der den Nasdaq auf seine langfristige Trendlinie fallen sah, und das war 1.600. Es muss nicht ganz so schlimm kommen, aber was wir bisher erlebt haben, reicht ja auch schon. Ich wiederhole daher meine Empfehlung vom letzten Mal: Langsam und behutsam den Cashanteil des Protefeuilles von 20% reduzieren und ausgewählte Qualitätsaktien im Technologiebereich zu sammeln. André Kostolany würde die heutige Zeit als "Einstiegsgelegenheit für Hartgesottene" bezeichnen. Recht hat er, nur wie ich ihm persönlich bei unserem letzten gemeinsamen Fernsehauftritt sagen konnte, vorausgesetzt diese Hartgesottenen sind am Leben und besitzen Liquidität, denn Aktienkauf auf Pump ist immer gefährlich und sollte man durchtrainierten Spielern überlassen. Also seien Sie mutig und kaufen Sie Ihre Börsenlieblinge oder lassen sich dabei von einem guten Bankberater helfen. Meine persönliche Aktienauswahl im Technologiebereich bleibt bei Oracle, Cisco, STM Microelectronics, DoubleClick, Qiagen und bei den Standardwerten IBM und Siemens. Es wird auf jeden Fall eine Kursrallye geben, und wenn Sie zu stark ausfällt, dann können Sie ja Ihren Gewinn mitnehmen und später wieder einsteigen. So etwas nennt man Trading. Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg.

Roland Leuschel

27.03.2001


Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=28035


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29.03.01 20:17:16
Beitrag Nr. 77 ()
Nur die Markttechnik zählt!




von Hans A. Bernecker

Jedem Höhen- folgt ein Tiefflug, wenn der Treibstoff zu Ende geht. Für die Märkte ist es die Geldmenge, für die Aktien die realen Gewinnzahlen und für die Bonds der Zins. Dem folgt die Landung entweder auf der ordentlichen Landebahn oder im Acker. Exemplarisch schon der Chart von INTEL (INTC.NAS) als weltgrößten Chiphersteller und Ikone der High-Technologie. Jedenfalls befinden wir uns in der Schlußphase, die allerdings auch stets die schwierigste ist. Allein die Liquidität des Marktes entscheidet über Bruchlandung oder nicht. Folge:

Jetzt regiert ausschließlich die reine Markttechnik! Das hat es in dieser ausgeprägten Form selten gegeben. Damit richtig umzugehen, ist allerdings schwer. In einer Ausverkaufsphase, die noch nicht ganz überwunden ist, nachdem der Rubikon überschritten worden war, lege ich Ihnen dringend nahe, sich diesem Thema zu widmen.





Ein Chart ist das "Lebensbild" einer Aktie. Am Beispiel von INTEL ist dies gut nachzuvollziehen. Die Übertreibung, die ich so oft bei allen Titeln dieser Art beschrieben hatte, ist in Zahlen greifbar: Börsenwert 1998 rd. 160 Mrd $, doch innerhalb von 1 1/2 Jahren waren es 485 Mrd $, obwohl sich der Umsatz nur verdoppelt hatte und der Gewinn auf 1,06 Mrd $ stieg. Das war zu viel und deshalb fiel der Börsenwert wieder auf 181 Mrd $ zurück und ist damit einigermaßen stimmig. Bei 15 - 20 $ liegt der faire Wert.

Charttechnik ist keine Weisheit mit Linien, Dreiecken und anderen Späßen. Dies wird Ihnen gelegentlich anderweitig verkauft. Solches sind bestenfalls Hilfsmittel, aber enthalten keine Logik. In der Hausse gab es nur einen Trend. In der Baisse gibt es statt des Trends den künftigen Boden. Wieder am Beispiel von INTEL: Im Januar sah es so aus, daß er bei knapp 30 $ liegt. Dann setzten die Gewinnwarnungen ein, die für alle gelten, wie inzwischen bekannt ist. Mit dabei ist NOKIA (870 737), ERICSSON (850 001), aber auch CISCO(CSCO.NAS), EMC (EMC.NYS), NORTEL (NT.NYS), EPCOS (512 800) und demnächst SAP (716 463)?

Je liquider der Markt (eines Papieres), um so sicherer ist die Markttechnik zu analysieren. Chartsignale in engen Märkten sind meistens Fehlsignale. Bei den großen Titeln ist deshalb allein die Markttechnik jetzt die einzige Möglichkeit, um die weiche oder harte Landung der Kurse auszuloten. Hierbei zeichnet sich ab, daß dem Beispiel von INTEL sehr viele folgen werden. Sie landen nämlich weitgehend auf dem Boden der Kurse von 1998 oder 1999. Das läßt sich auch für eine ganze Reihe der deutschen Technik-Aktien ebenso nachvollziehen, wie für die Europäer. Die fundamentalen Zahlen greifen erst viel später. Wahrscheinlich erst ab dem 03. Quartal, wenn in den Halbjahreszahlen alle reduzierten Gewinnschätzungen enthalten sind.

Das Fazit für Sie: Der Ausverkauf an den Börsen ist nur an der Markttechnik im Umfang und Dauer ablesbar. An der Schnittstelle liegt das fundamentale Gleichgewicht. Der Baisse im Sektor Technologie steht die Stabilität in den klassischen Branchen gegenüber. Sogar die Nahrungsmittel gehören dazu. Achten Sie also nicht nur auf die Technik-Aktien, sondern auf das, was zusammen dahinter steht. Das hat die amerikanische FED mit ihrer Zinspolitik auch im Sinn. Worauf es hier ankommt, siehe "Zinspolitik der FED".

An der deutschen Börse hätte der technische Unfall mit dem Verfalltermin am letzten Freitag nicht passieren dürfen. Tatsächlich hatte ich damit auch nicht gerechnet. Es wurde auch charttechnisch betrachtet ein regelrechter Schlag in die Magengrube. So etwas hat Folgen:

1. Entweder ... sofortige Bereinigung, oder das Ganze war ein Trendbruch. Zumindest für die mittlere Sicht, also über 2 - 3 Monate. Nehmen Sie dies bitte ernst. Es wirkt auch wie eine ansteckende Krankheit, die von einem anderen Markt kommt. Bezeichnenderweise wurden die schwersten Titel davon betroffen.

2. Erholung ist möglich, aber eine Trendaussage ist jetzt unmöglich. Das wäre bei einem DAX (846 900)-Stand um 6200 leichter gewesen. Selbst eine kurze und sogar heftige technische Reaktion nach oben ändert daran noch nichts. Das gilt - ebenfalls überraschend - sowohl für DAX wie MDAX (846 741), der bekanntlich in den letzten Monaten sich deutlich besser gehalten hatte.

Meine Einschätzung: Zinssignale à la Greenspan bringen in dieser Situation noch nicht viel. Ich hatte vor einigen Wochen dafür das Wort "Rubikon" verwendet. Mindestens ist er kurzfristig überschritten worden. Das gilt übrigens noch nicht für den Dow Jones trotz seiner Dienstag-Schwäche als einzigen Index der Welt, der sein Gleichgewicht noch hält, wenn auch mühsam. Dazu bitte unbedingt unter "Wall Street" beachten.

Hans A. Bernecker

29.03.2001


Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=28260
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30.03.01 22:27:11
Beitrag Nr. 78 ()
Nasdaq-Tagesanalyse für Freitag, den 30. März

von Andreas Büchler [30.03.01, 16:24]

Das Marktbarometer für amerikanische Technologiewerte schloss am Donnerstag wieder um 1,8 Prozent tiefer auf 1820 Zählern. Händlern zufolge war die Ursache dafür die Gewinnwarnungen einiger kleiner Technologieunternehmen auf Grund der sich verlangsamenden US-Ökonomie.


Kurzfristige Analyse

Für den weiteren Kursverlauf lassen sich zwei Szenarien erstellen: Zur Zeit notiert der Index wieder an seiner zwei Tage zuvor nach oben durchbrochenen Abwärtstrendlinie bei 1821 Punkten. Noch ist nicht klar, ob er wieder in seine alte Bewegungsrichtung verfällt, oder ob ihm ein kurzfristiger Trendwechsel gelingt.

Für ein positives Szenario spricht, dass der Index im Tagesverlauf keinen neuen Tiefpunkt generierte. Das Tief von Donnerstag lag mit 1802 Punkten über dem Intraday-Low eine Woche zuvor bei 1794 Punkten. Denkbar ist, dass der Index in einer gewöhnlichen technischen Reaktion die zuvor durchbrochene Widerstandslinie, die jetzt als Unterstützung fungiert, nach dem Durchbruch nochmal antestet. Negativ ist zu werten, dass der Kurs auf Schlusskursbasis zehn Punkte unter dem im kurzfristigen Beobachtungshorizont tiefsten Indexstand vom 21.März notierte.

Ebenso uneinheitlich präsentiert sich die Indikatorenlage: Der RSI bildet in seinem überverkauften Bereich eine positive Divergenz, das heißt, er folgt dem aktuellen Abwärtstrend der Nasdaq seit Mitte Februar nicht mehr. Dies ist zwar ein zuverlässiges Zeichen für eine Trendumkehr, jedoch kann über den konkreten Zeitpunkt durch die Divergenz alleine noch keine Aussage getroffen werden. Der MACD generierte am 23. März ein Kaufsignal. Der die Trendstärke messende ADX zeigt aber kein Nachlassen der übergeordneten Abwärtsbewegung an. Daher sind gegen diese Trendrichtung gerichtete Signale mit Vorsicht zu genießen.

Eher negativ als neutral stimmt auch, dass der Kurs es im Rahmen seiner letzten Erholungsbewegung nicht schaffte, auch nur das erste Fibonacci-Erholungsziel bei 2073 Punkten zu erreichen, bevor er wieder nach unten drehte.




Kurzfristige Handelsempfehlung


Die am Montag eingegangene Call-Position wurde mit Unterschreiten der Marke von 1915 Punkten ausgestoppt. Jetzt sollte abgewartet werden, ob der Index in seinen alten Abwärtstrend zurück verfällt, oder ob ihm eine Bodenbildung gelingt.


Mittelfristige Analyse

Der mittelfristige Abwärtstrend ist intakt. Die obere Trendlinie verläuft bei 3260 Punkten. Vorerst ist aber keine Umkehrformation – auch nicht ansatzweise – erkennbar.





Wichtige Chartdaten

Zusammenfassung der Unterstützungen und Widerstände

Widerstand 2: 1855 (erstes Fibonacci-Erholungsziel)
Widerstand 1: 1821 (obere Abwärtstrendlinie)


Nasdaq-Index: 1820 Punkte (aktuelles Kursniveau)


Unterstützung 1: 1742 (unteres Bollinger-Band)
Unterstützung 2: 1722 (Mittelfristige untere Abwärtstrendlinie)


Indikatoren
MACD (12/26/9): Positiv seit 23. März
RSI (14 Tage): Im neutralen Bereich; Positive Divergenz seit 22. Februar


Quelle: http://www.boerse-online.bch.de/cgi-bin/gx.cgi/AppLogic+FTCo…
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03.04.01 19:54:10
Beitrag Nr. 79 ()
Nasdaq-Tagesanalyse für Dienstag, den 3. April

von Andreas Büchler [03.04.01, 16:53]

Die nicht enden wollenden Gewinnwarnungen der Technologiefirmen sorgen für weitere Kursverluste der Nasdaq. Die Hightech-Börse stürzte allein gestern wieder um drei Prozent ab und schloss bei 1782 Punkten.
Kurzfristige Analyse

Der Nasdaq-Index schlängelt sich jetzt schon seit einer Woche an der kurzfristigen Abwärtstrendlinie entlang, die zur Zeit bei 1774 Punkten verläuft. Es ist ein schlechtes Zeichen, dass es ihm nicht gelingt, diese mit einer markanten Bewegung zu überwinden. Gelingt ihm der Ausbruch aus dem Trend, so ist eine Seitwärtsbewegung wahrscheinlicher als die Ausbildung eines neuen Aufwärtstrends.

Der Kurs der amerikanischen Technologiebörse nähert sich der unteren Begrenzungslinie des mittelfristigen Abwärtstrendkanals bei 1709 Punkten. Diese verläuft weitaus flacher als der momentane Trend. Dadurch kann die Geschwindigkeit, mit der sich der Kurs nach unten bewegt, abnehmen. Nach einem Abprallen von dieser Trendlinie besteht ein kurzfristiges Erholungspotenzial. Dabei sollte maximal die Hälfte der aktuellen Abwärtsbewegung, die von 2860 Punkten bis zum heutigen Niveau führte, korrigiert werden. Dies kann den Index mittelfristig bis auf 2300 Punkte führen. Das auslösende Signal dafür fehlt allerdings bisher. Das Markieren eines neuen 29-Monats-Tiefs bestätigt momentan noch den intakten Abwärtstrend im kurzfristigen Zeitfenster.





Kurzfristige Handelsempfehlung

Eine Bewegung an die mittelfristige Abwärtstrendlinie oder eine eventuell vorher auftretende positive Kursformation sollte abgewartet werden.

Mittelfristige Analyse

Mittelfristig präsentiert sich der Nasdaq-Index unverändert in einem Abwärtstrend, der sich vor einem Jahr auszubilden begann. Er verläuft zwischen den Marken von 1709 und 3245 Punkten. Vorläufig deutet nichts auf eine Trendumkehr hin.





Wichtige Chartdaten

Zusammenfassung der Unterstützungen und Widerstände


Widerstand 2: 1972 (letztes Hoch)
Widerstand 1: 1797 (obere Begrenzungslinie des mittelfristigen Abwärtstrendkanals)


Nasdaq-Index: 1782 Punkte (Schlusskurs vom Vortag)


Unterstützung 1: 1709 (untere Begrenzungslinie des mittelfristigen Abwärtstrendkanals)
Unterstützung 2: 1549 (untere Begrenzungslinie des kurzfristigen Abwärtstrendkanals)


Indikatoren

MACD (12/26/9): Positiv seit 23. März
RSI (14 Tage): Im neutralen Bereich; positive Divergenz seit 22. Februar


Quelle: http://www.boerse-online.bch.de/cgi-bin/gx.cgi/AppLogic+FTCo…
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06.04.01 05:13:45
Beitrag Nr. 80 ()


E I N J A H R B Ä R E N M A R K T

Der langsame Tod der Aktienkultur


Von Carsten Volkery

Vor einem Jahr platzte die Internet-Blase an der US-Technologiebörse Nasdaq. In einer neuen Serie fragt SPIEGEL ONLINE: Was bleibt von der New Economy? Teil eins: Das Ende der Illusion vom Volk der Aktionäre.




"Scary!", titelte das Boulevardblatt "New York Post" vor genau einem Jahr. "Schaurig" war das Schaupiel, das die Nasdaq bot: Am vierten April 2000 stürzte die US-Technologiebörse zeitweise bis zu 13,6 Prozent in den Keller. Ein schwarzer Dienstag. Bereits am Tag zuvor hatte der Index über sieben Prozent verloren, und in den vorangegangenen drei Wochen jeweils zwischen sechs und acht Prozent. Die Amerikaner standen unter Schock. Der Bullenmarkt hatte ihnen die fettesten Jahre seit den Sechzigern beschert. Würde sich der "Wohlstandseffekt" plötzlich umkehren? Konnte man sich nicht mehr auf das Aktiendepot als Sicherheit verlassen, für die Schulden, das Haus, die Rente?

Inzwischen sieht es ganz so aus. Von seinem Hoch bei 5048 Punkten am zehnten März 2000 ist der Nasdaq-Index auf unter 2000 Punkte gefallen. Rund 4000 Milliarden Dollar an Vermögen wurden innerhalb eines Jahres vernichtet, tausende von Internet-Millionären verloren ihren papierenen Reichtum. Längst hat sich die Hightech-Krise zum Flächenbrand entwickelt, hat zunächst den "Old Economy"-Index Dow Jones und dann die gesamte US-Wirtschaft mit in die Tiefe gerissen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal um ein mageres Prozent, derzeit ist die Wachstumsrate laut US-Notenbankchef Greenspan bereits "nahe null". Amerikanische Zeitungen warnen vor der Rezession, das "Time Magazine" hat bereits Verhaltensregeln für den Ernstfall publiziert - unter dem Titel: "Wie man den Absturz überlebt".

Die Nation spekuliert darüber, ob die Wachstumskurve wie ein V, ein U, oder ein L verlaufen wird. Geht es bald wieder aufwärts oder erst später, oder womöglich gar nicht? Die US-Regierung gibt sich optimistisch. Die geplanten Steuersenkungen und die wiederholten Zinssenkungen der Federal Reserve würden die Wirtschaft im zweiten Halbjahr wieder auf Touren bringen. Doch ob diese Aktionen den handfesten Abwärtstrend umkehren können, ist unter Ökonomen umstritten. Eine neue Studie der University of California in Los Angeles (UCLA) schätzt das Risiko einer Rezession auf 90 Prozent.


Aktie als Allheilmittel?

Der Absturz offenbart die Tücken der Aktienkultur, die sich in den neunziger Jahren zum Allheilmittel entwickelt hatte. Der Aktionär, das war der Bürger der Zukunft. Die ganze Welt blickte ins Erfolgsland USA, wo über die Hälfte der Menschen Aktien oder Fondsanteile besaßen. Statt auf unsichere staatliche Rentensysteme zu vertrauen, konnte der Aktionär für seine Alterssicherung selbst sorgen. Bezahlt wurden Mitarbeiter mit Aktien oder Optionen, die selbst Serkretärinnen innerhalb weniger Monate Millionenreichtum verschafften. Statt sich machtlüsternen Gewerkschaftsbossen unterzuordnen, hatte er auf einmal selbst ein Mitspracherecht in seiner Firma. Ohne die Börsen hätte die Internet-Revolution nicht stattgefunden, wären Biotech-Firmen steckengeblieben, hätten selbst Old Economy-Konzerne ihre Übernahmefeldzüge nicht finanzieren können. An der Börse holten sich Start-ups wie Konzerne ihr Kapital, hier verschafften sie sich die Mittel für schnelle Expansion.

Nun werden die schillernden Konzepte allerorten überdacht. Es zeigt sich, wie fatal die Abhängigkeit von der Wall Street sein kann. Solange die Kurse stiegen, hatten die Amerikaner das Gefühl, reich zu sein. Mit vollen Händen gaben sie das Geld aus - auch das, was sie nicht hatten. Daraus resultierte das sagenhafte Wirtschaftswachstum des vergangenen Jahrzehnts. Die neuen Technologien nährten zusätzlich die Hoffnung, dass dieser Aufschwung ewig dauern könnte. In der "New Economy" sollte es keinen Konjunkturzyklus mehr geben. Die Investitionen der Unternehmen in Informationstechnologie stiegen während der vergangenen Jahre jeweils um 25 Prozent. Bücher wie "Der lange Boom" und "Dow 36.000" wurden zu Bestsellern.


Das Gefühl, arm zu sein

Doch sobald die Kurse fielen, schlug die Stimmung um. Alle Überzeugungen wurden schlagartig über Bord geworfen. Mit dem gleichen Herdeninstinkt, der sie vorher in den Markt getrieben hatte, flohen die Amerikaner plötzlich vor dem Abenteuer Aktie. In den ersten zwei Monaten dieses Jahres flossen Rekordsummen in sichere Geldmarktfonds, berichtet das Magazin "Business Week". Die Unternehmen stoppten fast schlagartig ihre IT-Ausgaben und gingen in Krisenmodus über. Einstige Starfirmen wie Cisco, Sun oder Ariba warnten vor Gewinneinbruch und Absatzschwund von bis zu 50 Prozent.

Zwar ist der Index des Verbrauchervertrauens im März wieder gestiegen, die Konsumfreude ist also noch nicht ganz gebrochen. Doch es gehört nicht viel Fantasie dazu zu vermuten, dass den Amerikanern die Lust am Geldausgeben erst einmal vergangen ist, Millionen gar um ihre Altersvorsorge bangen müssen.

Dazu kommt, dass der Aufschwung auf Pump finanziert wurde: Die Sparquote ist seit Jahren negativ. Und die US-Wirtschaft lebt größtenteils von Importen. Das Leistungsbilanzdefizit betrug letztes Jahr 435,4 Milliarden Dollar - ein neuer Rekord. Damit ist die Wirtschaft hochgradig anfällig für Wechselkursschwankungen. Einen schwachen Dollar kann sich das Land nicht leisten.


Die Börsenkrise gefährdet die Weltkonjunktur

Ökonomen zeichnen denn auch bereits ein neues Horrorszenario: Die Haushalte beginnen zu sparen, das drückt auf die Konjunktur, es gibt weitere Gewinnwarnungen, die Börsen stürzen erneut ab, die internationalen Anleger verlieren ihr Vertrauen in US-Werte und ziehen ihre Milliarden zurück - eine Todesspirale in die Rezession. "Der Absturz fällt immer heftiger aus als der Aufschwung", sagt dazu Stephen Roach, Chef-Volkswirt von Morgan Stanley Dean Witter.

Von einer US-Rezession wäre die ganze Welt betroffen, inklusive Deutschland. Zwar gehen laut Bundesfinanzminister Hans Eichel nur zehn Prozent aller deutschen Exporte in die USA, doch da auch andere Abnehmerländer unter der US-Krise litten, gäbe es indirekt zusätzlichen Druck. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für Europa bereits auf 2,5 Prozent gesenkt. Berichten zufolge plant er, die Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum sogar von 2,9 auf 1,9 Prozent zu senken.

Ganz schlimm wird es für Europa, wenn der Dollar nachgeben sollte und die Exporte dadurch teurer werden. Eigentlich hätte der Dollar auf Grund des stärkeren Wirtschaftswachstums in der Euro-Zone längst gegenüber dem Euro verlieren müssen. Noch glauben die Profis, dass die US-Währung ein "sicherer Hafen" ist. Vielleicht behalten sie recht. Doch angesichts des drohenden Desasters werden die Stimmen der Selbstkritik lauter. Halb ungläubig, halb anklagend fragt Roach: "Wie konnten wir es nur soweit kommen lassen?"


Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/maerkte/0,1518,126347,00.ht…
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09.04.01 13:06:42
Beitrag Nr. 81 ()
Aus der FTD vom 9.4.2001

Das Kapital: Wieso die US-Unternehmen weiter enttäuschen könnten

Aus dem V an den US-Aktienmärkten dürfte nichts werden. Es droht eher ein WWW. Die letzten zwei Handelstage der vergangenen Woche waren symptomatisch.


Dell bestätigt seine Prognose: 4,4 Prozent rauf beim S&P 500. Erneute Rezesionsängste am Freitag nach den Arbeitsmarktzahlen: zwei Prozent wieder runter. Jede durch Zinssenkungen diesseits und jenseits des Atlantiks beflügelter Optimismus an den Aktienmärkten dürfte schnell durch Negativmeldungen aus der Realwirtschaft ernüchtert werden. Die Analysten glauben immer noch an das V in der US-Wirtschaft. Nach Gewinnrückgängen im ersten und zweiten Quartal sollen die Gewinne der Firmen im S&P 500 im dritten Quartal im Vorjahresvergleich um 2,3 Prozent, im vierten sogar um knapp 18 Prozent steigen.

Dabei ist die Messlatte vor allem für das Sommerquartal hoch gelegt, da die Gewinne vom dritten Quartal 1999 im vergangenen Jahr um stolze 22 Prozent übertroffen wurden. Ohnehin liegen die Unternehmensgewinne auf historisch außergewöhnlich hohem Niveau. Aus mindestens drei Gründen ist mit Enttäuschungen im dritten Quartal zu rechnen:


Erstens, die US-Abkühlung zieht Europa und Japan nach unten - siehe die jüngste Revision der Forschungsinstitute auf 2,1 Prozent für Deutschland. In Fernost kommen hausgemachte Probleme hinzu. Dementsprechend verringern sich die Gewinne, die US-Unternehmen im Ausland erzielen. Zweitens, das Konsumentenvertrauen ist nach wie vor höher als es jemals in den Boom-Jahren 1992 bis 1996 war. Wie das Datenbündel vom Freitag zeigt, beginnt sich aber nun die schwache Konjunktur in die Arbeitsmarktstatistik zu fressen. Steigende Arbeitslosigkeit könnte künftig die Amerikaner dazu verleiten, nicht mehr auszugeben als zu verdienen. Drittens, die Stundenlöhne steigen immer noch auf das Jahr hochgerechnet um zuletzt fast fünf Prozent. Inflation droht nach wie vor. Das beschränkt Alan Greenspans Spielraum. Hoffnungen auf Fed-Zinsen von 3,75 Prozent zum Jahresende und weniger könnten platzen.


Das alles würde weniger zählen, wenn der S&P 500 unterbewertet wäre. Davon kann beim 20fachen der laufenden Gewinne aber nicht die Rede sein.


Quelle: http://www.ftd.de/bm/bo/FTDBFWCB5LC.html?nv=hpm
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11.04.01 13:28:44
Beitrag Nr. 82 ()
Neuer-Markt-Tagesanalyse für Mittwoch, den 11. April

von Andreas Büchler [11.04.01, 10:25]

Nach dem kräftigen Kurssprung am Dienstag besteht jetzt die
Möglichkeit, dass der lange Leidensweg der Anleger im
NEMAX 50 vorerst beendet ist. Der Index legte um 100 Punkte
auf einen Schlussstand von 1466 Zählern zu. Dies entspricht
einem Plus von 7,4 Prozent.


Kurzfristige Analyse

Mit der gestrigen Kursbewegung gelang es dem Index, den
seit Ende Januar andauernden Abwärtstrend zu brechen, der
bisher den Kursverlauf dominierte. Dabei erfüllte er zwei wichtige
Voraussetzungen: Die Trendlinie wurde mit einer
starken Aufwärtsbewegung deutlich überschritten und die
Kursbewegung wurde von ansteigenden Umsätzen begleitet.

In den Candlestick-Charts kam es unmittelbar nach
Ausbildung des letzten positiv zu bewertenden "Morning-Stars"
zum erneuten Auftreten einer solchen Chartformation.
Darunter ist eine Kombination aus drei Kerzen zu verstehen,
wobei einer langen schwarzen Kerze eine kurze Kerze folgt,
die deutlich unter dem Schlusskurs der schwarzen Kerze liegt.
Dann kommt eine dritte lange weiße Kerze, die etwa
auf gleicher Höhe oder oberhalb des Schlusskurses der
zweiten Kerze eröffnet und deutlich höher schließt.
Allgemein liegt bei weißen Kerzen der letzte Kurs des Tages
immer über dem ersten, bei schwarzen Kerzen ist es umgekehrt. Verstärkt wird das Kaufsignal dadurch, dass
beim zweiten "Morning-Star" die mittlere Kerze gleichzeitig ein Doji ist.
Das bedeutet, dass der Eröffnungskurs und der
Schlusskurs dieses Tages bei einer hohen Handelsspanne eng zusammen liegen.

Auch die Indikatoren weisen schon länger darauf hin, dass
ein Ende des Abwärtstrends überfällig ist. Jetzt stellt
sich die Frage, wie weit eine Erholungsbewegung führen
kann. Als erstes Kursziel nach der Fibonacci-Analyse, ist die Marke von 1680 bis 1700 Punkten anzupeilen.




Kurzfristige Handelsempfehlung


Wer an einer möglichen Erholungsbewegung partizipieren
möchte, kann Calls mit einer Laufzeit von sechs bis neun Monaten und einem Basispreis von 1400 bis 1500 Punkten
kaufen. Der Stoppkurs für diese Investition sollte bei 1355 Punkten angesetzt werden.



Mittelfristige Analyse

Auch mittelfristig ist zumindest der erste Schritt für ein positives Szenario getan. Ab einem Kursniveau von 1689
Punkten kann erstmals über einen Trendwechsel nachgedacht
werden. Erst Kurse über 2110 Punkten würden diese Vermutung
jedoch bestätigen. Vorerst sollte sich der Kurs bis auf
1800 Punkte bewegen, darauf folgt die Widerstandszone bei 1875 bis 1900 Punkten, die noch aus dem Jahr 1998 stammt.





Wichtige Chartdaten

Zusammenfassung der Unterstützungen und Widerstände


Widerstand 2: 1875 (horizontaler Bereich)
Widerstand 1: 1690 (erstes Fibonacci-Erholungsniveau)


NEMAX 50: 1466 Punkte (Schlusskurs vom Vortag)


Unterstützung 1: 1354 (durchbrochene Abwärtstrendlinie)
Unterstützung 2: 1309 (Tief vom 3. April)


Indikatoren

MACD (6/13/5): Kaufsignal seit 5. April; positive Divergenz seit 10. Januar
RSI (14 Tage): Kaufsignal seit 26. Februar; positive Divergenz seit 14. Februar


Quelle: http://www.boerse-online.bch.de/cgi-bin/gx.cgi/AppLogic+FTCo…
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11.04.01 14:10:48
Beitrag Nr. 83 ()
Charlotte purzelt



Von Bernd Niquet


Ein ganz merkwürdiger Vergleich drängt sich seit einiger Zeit auf: Zum zweiten Mal binnen zehn Jahren machen wir in Deutschland eine Situation durch, in der einem die Wendehälse schlichtweg die Sprache nehmen. Man braucht nur einmal den Fernseher anzustellen oder eine Zeitschrift zur Hand zu nehmen und schon springt es einem förmlich ins Auge:

Gerissene Wendehälse und friedliche Schafe

Gerade diejenigen, die mit der größten Überzeugung das Paradigma einer Neuen Zeit vertreten haben, sind jetzt auch diejenigen, die mit inbrünstiger Überzeugung die Gründe auflisten, warum dass, was sie vorher gesagt haben, nicht nur nicht eingetreten ist, nein, sondern warum sogar genau das Gegenteil davon eingetreten ist.

Oder, um es noch direkter zu sagen: Beobachtet man derzeit das Geschehen an den Neuen Märkten der Börsen, dann hat man den Eindruck, hier habe man tatsächlich Erich Mielke zum Abwickler der Stasi gemacht. Mir bleibt es jedenfalls unverständlich, wie beispielsweise in den Call-In-Sendungen im Fernsehen die Anrufer es immer wieder schaffen, die Contenance zu wahren.

Denn einmal im Ernst: Wie ist es möglich, dass immer wieder Menschen anscheinend völlig freiwillig ihre Schlächter anrufen und dabei stets freundlich und höflich bleiben, ganz so, als sei nichts geschehen? Trotz Kursverlusten von über 80 Prozent kann das eigentlich nur heißen: Die Korrektur ist noch längst nicht vorbei, denn anscheinend ist die Hoffnung auf Kursgewinne in der Zukunft immer noch so groß, um die Desillusionierung der Gegenwart erfolgreich übertünchen zu können. Der Markt ist also wohl erst dann frei, wenn auch diese Hoffnung gestorben, die Verluste tatsächlich - mental und durch Verkäufe - realisiert und der öffentliche Umgangston erheblich ruppiger wird.


Der Krise zweiter Teil

Ich sehe jedoch noch eine weitere Bedingung, die erfüllt sein muss, bevor die Kurse wieder steigen können: Auch die Gurus der Old Economy, die die gesamte Hausse an den Neuen Märkten der letzten Jahre vollkommen verpasst haben und sich jetzt als die Könige fühlen, werden wohl ebenfalls erst noch entthront werden müssen. Denn wenig hat mich in der letzten Zeit mehr geärgert als die selbstzufriedene Art der - wahrscheinlich sogar selbst geglaubten - Überlegenheit, mit der zum Jahreswechsel das Jahr 2001 zum hervorragenden Aktienjahr gekürt worden ist.

Wo doch eigentlich völlig klar sein musste, dass es zumindest sehr problematisch werden würde, mit Standardwerten nahe ihrer Alltime-Highs in eine rezessive Tendenz hineinzugehen. Und jetzt bekommen Sie es derart dick auf die Nase, doch mit ihnen leider auch die Anleger, die dieser Weisheit der Schwerelosigkeit allzu leicht und erfreut geglaubt haben. Doch reicht ein Dax von 5.700 und ein Dow von 9.800 schon aus?


Mit den Nerven am Ende?

Ich bezweifele es. Denn nach meiner Erfahrung geht keine Baisse zu Ende, ohne dass nicht Furcht und Schrecken vor dem Totalzusammenbruch herrschen. Und bisher hat diese Angst sich nur auf ein Teilsegment der Märkte bezogen. Doch eine Teilangst ist noch keine richtige Angst. Meine persönliche Erwartung ist: Demnächst wird die japanische Karte gespielt. Nicht nur angedeutet, wie bisher, sondern direkt als Trumpf (der Bären) ausgespielt. Konkret: Man wird überall behaupten, Japan bringe das Weltfinanzsystem zur Implosion. Und erst in einer derartigen Panik wäre der Markt dann frei. Jedenfalls ist es in der Vergangenheit aus meiner Sicht selten anders gewesen.

Aus diesem Grunde möchte ich heute auch den armen Markus Frick schonen, sondern lieber - gleichsam zur Stützung meiner These - die Einleitungspassage aus Hans Berneckers aktueller "Actien-Börse" zitieren. Denn die Gurus der Old Economy sind angezählt, und sie wissen es. Auf jeden Fall jedoch zeigen sie Wirkung: "Halt. Vorsicht! Diese Baisse geht zu weit. Das Massengrab ist voll und die Totengräber ziehen schon die weißen Glacé-Handschuhe aus. Die "analytische" Begleitmusik ist zwar noch etwas unstimmig, klingt aber aus. Die Hohen Priester des Investment-Banking murmeln noch ihre letzten Unschuldbeteuerungen, um den Ansatz für ihre nächste Rolle zu üben, während der gedämpfte Trommelwirbel der Medien langsam verhallt."

Der Optimismus und der Pessimismus liegen also dicht beieinander. Der Verstand wehrt sich mit letzter Kraft gegen das Gefühl, was gerade deswegen auch wieder optimistisch macht, weil alles so aussieht, als ob er kurz davor ist, sein letztes Gefecht erfolgreich zu verlieren.


Quelle: http://www.gatrixx-finanztreff.de/gatrixx/news.htm?id=100519…
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11.04.01 19:57:35
Beitrag Nr. 84 ()
09.04.2001: Zukunftstrends (Teil 1/5):

Der Dow Jones explodiert auf 40.000 Punkte!

Zukunftsforscher sehen die Welt vor dem bisher größten wirtschaftlichen Wohlstand der Geschichte. Wo die kommenden Trends sind? Wer überdurchschnittlich profitiert? FinanzNachrichten.de stellt Ihnen in einer neuen Artikelserie einige interessante Gedanken vor.


Zukunftsforschung: Spinnerei oder Wissenschaft?

1982 veröffentlichte einer der Urväter der Zukunftsforschung, John Naisbitt, in den USA ein Buch, das mehr als 8 Millionen mal über den Ladentisch ging. „Megatrends“ heißt der Bestseller, in dem Naisbitt mit seiner Kollegin Aburdene zehn Vorhersagen für die Zukunft traf. Bereits in der ersten Prognose kündigte das Team die Wandlung von der Industrie- zur Informationsgesellschaft an. 1990 folgte eine Fortsetzung des Buches mit dem Titel „Megatrends 2000“. Zu den zehn Vorhersagen des zweiten Teils gehörten die These, dass die Weltwirtschaft in den 90er Jahren eine Blütezeit erleben werde, und die Ankündigung eines biologischen Zeitalters. Diese Beispiele untermauern, wie ich finde, recht eindrucksvoll das Potenzial und die Wissenschaftlichkeit dieser Disziplin.


Neue Vorhersagen: Der „Outlook 2001“-Report der WFS

Im März 2001 gab die World Future Society (WFS) in ihrem Magazin „The Futurist“ eine Auswahl der zehn Zukunftsprognosen bekannt, deren Eintritt sie für am plausibelsten hält. Prognose Nummer 1 ist in diesem Bericht die Vorhersage von David Elias, der im vergangenen Jahr ankündigte, der Dow Jones werde bis 2016 auf 40.000 Punkte ansteigen. Dies käme einer jährlichen Rendite von 10 % gleich, was diese Einschätzung auch recht realistisch werden lässt.

Die Begründung hierfür liegt nach Elias vor allem darin, dass die treibenden Faktoren der Hausse im Dow seit 1982 weiterhin voll intakt sind, weshalb dieser Trend sich fortsetzen werde. Das wirtschaftliche Umfeld bleibe gekennzeichnet durch niedrige Steuern in den USA und einen Haushaltsüberschuss. Hinzu kommen der explosionsartige technologische Fortschritt in allen Branchen, die Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge durch Aktien und Fondsanteile, die weiter erfolgende Globalisierung, die nun auch China in die Weltwirtschaft einbinden werde und die Ausbreitung des Kapitalismus. Der Investmentexperte und in den USA hochangesehene Mann argumentiert, dass ein Bullenmarkt nicht an seinem Alter, sondern nur an politischen Fehlern sterben könne. Elias empfiehlt langfristig vor allem auf die Aktien von AT&T, Citigroup und Merck zu setzen.

Mag die Prognose eines Kursziels von 40.000 Punkten für den Dow angesichts der altbekannten Argumentation auch nicht sonderlich spektakulär sein, so sind es aber die weiteren Prognosen des WFS-Berichtes, die aufhorchen lassen und von hohem Interesse sein könnten.


Die Prognosen zwei bis zehn

Im Widerspruch steht dazu die Prognose des Ökonomen Dr. A. Gary Shilling, der im März 2000 von einer kurzfristigen wirtschaftlichen Rezession sprach, die durch fallende Preise und Lagerüberbestände gekennzeichnet sein würde. Wie recht er doch behalten sollte!

Mehr und mehr Leute werden nach Ansicht der WFS anstatt zu heiraten ein Singleleben führen. Hiervon würden spezielle Unternehmenskonzepte überdurchschnittlich profitieren. Die Forscher sehen eine stark erhöhte Nachfrage nach Haushaltsdienstleistungen, Restaurants und Ausgehmöglichkeiten, Unterhaltungsdienstleistungen, Reisen und speziellen Finanzdienstleistungen.

Der Biotechnologiespezialist Roger Gosden prophezeit weiters Fortschritte in der Medizin, die dem Ablauf der biologischen Uhr für gewisse Zeit Einhalt gebieten würden. Seiner Ansicht nach werden Frauen dadurch den Eintritt der Menopause bis etwa zum 70sten Lebensjahr hinauszögern können, was zum verstärkten Eintritt der Frauen in das Wirtschaftsleben führen sollte.

2030 wird die Hälfte der Bevölkerung in den USA über 50 Jahre alt sein. Nach Ansicht des Demographen Peter G. Peterson wird dies zu einer stark explodierenden Nachfrage nach Medizintechnik, Pharmazie, Pflegedienstleistungen, Finanzdienstleistungen führen.

Die weltweite Unterernährung von Kindern wird nach neuester Ansicht der WFS bis mindestens 2020 weit verbreitet bleiben. Dies stellt besondere Anforderungen an die wissenschaftlichen Fortschritte in der grünen Biotechnologie und an die Wasser- und Versorgungsindustrie.

Futurologen sagen einen weltweiten Boom der Freizeit- und Unterhaltungsindustrie voraus. 2015 wird nach Ansicht eines führenden US-Forschers bereits die Hälfte des US-amerikanischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf diesen Industriezweig entfallen. Produktivitätsverbesserungen und der anhaltende Trend zur Freizeit- und Erlebnisgesellschaft werden vor allem dazu beitragen. Nach Ansicht der Forscher werden deshalb Medienkonglomerate, wie Disney oder AOL Time Warner, Hotelgroßketten, wie Hilton oder die französische Club Med, Tourismuskonzerne wie die deutsche Preussag, oder Erlebnisparkbetreiber wie Euro Disney zu den langfristigen Profiteuren dieses Trends gehören.

Die sogenannte „Echo-Boom-Generation“, die Geburtsjahrgänge von 1977 bis 1997, wird die wohlhabendste aller bisherigen Gesellschaften in den Industriestaaten werden. Von der sogenannten Baby-Boomer-Generation gezeugt, wird sie noch früher an das Investieren und rational wirtschaftliche Denken herangeführt als noch die Eltern.

Nach Ansicht mehrerer Forscher mit dem Spezialgebiet Biotechnologie werden dank der Gentherapie und dem Einsatz des Gens „NR2B“ bald Menschen mit verbesserter Lernfähigkeit geboren werden. Außerdem würde man den Einfluss des Alterns auf das Gehirn ausschalten oder zumindest reduzieren können. Durch die verbesserte Lernfähigkeit und des explodierenden Bedarfs für ständige Fort- und Weiterbildung werden vor allem Anbieter solcher Dienstleistungen neben der Biotechnologie von diesem Trend profitieren.

Arbeiter werden sozial und emotional stärker abhängig von Ihrem Arbeitgeber werden. Innerhalb der Konzerne werden nämlich tiefergehende und mehr soziale Kontakte geknüpft werden, als dies noch heute der Fall ist, meinen die Forscher der WFS.


Wie der langfristige Investor auf diese Prognosen setzt

Biotechnologie, Pharmazie, Medizintechnik, Tourismus, Entertainment und Finanzdienstleistungen sind nach dieser Auskunft der WFS die interessantesten und langfristigsten wirtschaftlichen Profiteure zukünftiger Entwicklungen. Kernerkenntnis ist allerdings auch, dass die Aktie langfristig weiterhin die attraktivste aller Anlageformen bleiben wird. Ich bin mir an dieser Stelle sicher, dass viele Leser diesen Prognosen wenig Glauben schenken, obgleich sie von renommierten Forschern stammen. Diese Einstellung liegt in der Natur des Menschen. An dieser Stelle möchte ich zum einen Bill Gates zitieren, der 1980 verkündete, dass ein Festplattenplatz von 680 kB jedem PC reichen werde und reichen müsse. Ein weiteres Beispiel stellt der geniale Investor John Pierpont Morgan dar, dessen Bank zu einem der größten Unternehmen der USA aufstieg. Als ein junger Mann namens Alexander Graham Bell mit der Erfindung des Telefons bei ihm um einen Kredit ansuchte, lehnte Morgan ab, da er für das Telefon keine Chance zur Kommerzialisierung erkannte. Führende Raumfahrtexperten schlossen noch Anfang der 60er Jahre die Möglichkeit, dass ein Mensch auf dem Mond landen werde, für die nächsten 100 Jahre aus.

Der technologische Fortschritt überschreitet die Vorstellungskraft des Menschen! Ich halte es hier mit Oscar Wilde, der einst schrieb: „Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien“


Zwei potentielle Sieger - Traditionsunternehmen mit dynamischer Ausrichtung


Pharmagigant Pfizer auf dem Weg zum Weltkonzern


Das 1849 von zwei Einwanderern in New York gegründete Unternehmen ist innerhalb der letzten 15 Jahre zu einem der größten Pharmakonzerne der Erde aufgestiegen. Der Aktienkurs stieg seit dem Crash von 1987 um fast 4.000 %. Fundament dieser Entwicklung war zum einen der Blockbuster Viagra, zum anderen die Fusion mit dem Konzern Warner Lambert im vergangenen Jahr und zum dritten die enorme Zukunftsphantasie dieser Firma.

Im Jahr 2000 setzte der potenzielle Dow Jones-Aufsteiger fast 30 Mrd. USD um. Wegfallen könnte bald der durch Viagra erzielte Umsatz. Nach Ansicht vieler Experten dürfte das Präparat IC-351, das aktuell von ICOS in einer Kooperation mit Eli Lilly vorbereitet wird, das seit 1998 auf dem Markt befindliche Superpräparat verdrängen. Doch diesen Ausfall wird die Pipeline von Pfizer leicht ersetzen können. Das Unternehmen hat nämlich eine sehr aggressive Ausrichtung auf den Biotechsektor eingeschlagen. In den letzten 7 Jahren wurden die Forschungsausgaben im Unternehmen auf über 5 Mrd. USD per anno verfünffacht. Die Pipeline des Unternehmens umfasst mehr als 100 neue Forschungsansätze und gilt unumstritten als die damit mächtigste weltweit. Star dieser Pipeline ist das Anti-Cholesterin-Präparat Lipitor, das in der vergangenen Woche mit sehr guten Ergebnissen aus einer mehr als 3000 Patienten umfassenden Behandlungs-Studie aufwartet. Ebenfalls Milliardenpotenzial sollte nach Einschätzung von Experten das Alzheimerpräparat Aricept haben, das bereits seit längerem auf dem Markt befindlich ist, aber nun durch neue wissenschaftliche Studien in seiner Verbreitung noch einmal Auftrieb erhalten sollte.

Das Unternehmen dürfte zu den weltweit am besten ausgerichteten Pharmakonzernen überhaupt gehören. So steigerte der Konzern in 51 aufeinander folgenden Jahren seinen Umsatz!

Für 2001 wird laut Bigcharts.com eine Steigerung des Gewinns von 1,01 USD auf 1,29 USD erwartet. 2002 sollen dann 1,59 USD verdient werden. Das macht bei einem Kurs von aktuell 40 USD ein KGV von 25, was für den Pharmasektor derzeit durchschnittlich ist. Für 2001 sollte die Dividende zwischen 0,45 USD und 0,50 USD liegen. 21 von 27 Analysten sehen in den USA das Papier als Kauf an. Ich würde mit dem Einstieg in das Papier von Pfizer allerdings warten, bis die Aktie auf ihre Hauptunterstützungen zwischen 30 und 35 USD zurückfällt. Denn bei einer erwarteten anhaltenden Konsolidierung sind diese einladenden Einstiegspreise sehr wahrscheinlich und stellen Ihre Investition mit einem KGV von dann nur noch 19 bis 22 auf eine sichere Basis.



AOL - Medienkonglomerat vor einem spektakulären Comeback!

Eine der wohl großartigsten Managementleistungen war es, Anfang des Jahres 2000 New-Economy-Unternehmen zu verkaufen oder die Marktkapitalisierung dieser Konzerne für den Einkauf von Old Economy-Giganten zu nutzen. Sehr gut gelungen ist dieser Schachzug damals wohl Klaus Esser, dem im Übernahmekampf an Vodafone gescheiterten Vorstandsvorsitzenden der Mannesmann AG und natürlich dem AOL-Chairman Stephen Chase.

AOL verlor seit März 2000 damit gegenüber der NASDAQ unterdurchschnittlich an Wert. AOL selber hat heute mehr als 28 Mio. Kunden. Durchschnittlich alle 4 Sekunden wird dabei ein neuer User gewonnen, wobei die Mitglieder von AOL täglich mehr als eine Stunde online sind. Das Kommunikationsnetzwerk ICQ nahm im letzten Jahr die Marke von 100 Mio. Mitgliedern und wächst weiterhin mit atemberaubender Geschwindigkeit, da es über eine völlig konkurrenzlose Marktposition verfügt. Im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz des Konzerns um 11 % auf über 36 Mrd. USD. Die Macht des Konzerns liegt dabei in seiner großen Anzahl an Kunden: AOL-Mitglieder gaben im vergangenen Jahr mehr als 20 Mrd. USD im Online-Shopping aus und sind damit eine ungeheuer attraktive Zielgruppe für Werbetreibende. 2001 soll AOL laut Bigcharts.com pro Anteilsschein schon stolze 1,15 USD nach Analystenkonsens verdienen. 2002 werden es vermutlich 1,58 USD sein. Das Papier schloss am Freitag abend knapp unter der Marke von 40 USD. Das bewertet die Aktie mit einem 2002er KGV von etwas über 25. Meiner Ansicht nach wird auch AOL noch etwas zurück kommen, bis der attraktivste Einstiegspreis erreicht wurde. Den sehe ich bei rund 30 USD. Hier liegt eine wichtige charttechnische Unterstützung, die zuletzt vor 4 Monaten erfolgreich getestet wurde. AOL wird in den USA aktuell übrigens von 32 der 36 covernden Analysten zum Kauf empfohlen. 20 mal lautet das Urteil „Strong Buy“. AOL ist das einzige Medienkonglomerat im Sinne der WFS-Prognose. Zwar dürfte, und hierauf deuten die Buffett-Verkäufe von Disney-Aktien sehr stark hin, die Walt Disney Company bald Yahoo doch kaufen, allerdings wird hieraus keine ernsthafte Konkurrenz für AOL Time Warner entstehen, da der Markt für zwei Konzerne mehr als genug Platz bietet.




Ausblick

Nachdem wir jetzt einen ersten Schritt in die Trend- und Zukunftsforschung getan haben, möchte ich Sie in der nächsten Woche mit einer bahnbrechenden Studie aus den USA konfrontieren, die in der Verfolgung eines völlig neuen Forschungsansatzes den Fragen nachgeht, welche Zukunftstechnologien tatsächlich kommen werden und welche Utopien bleiben werden. Nutzen Sie die Möglichkeit des kostenlosen e-Mail-Abos von FinanzNachrichten.de, um mehr und rechtzeitig von diesem Thema zu erfahren.


Von David Khalil, FinanzNachrichten.de-Redaktion


Quelle: http://www.finanznachrichten.de/berichte/news.asp?s=berichte…



Spinner. :laugh: :laugh: :laugh:
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11.04.01 20:46:57
Beitrag Nr. 85 ()
EZB lässt Leitzinsen überraschend unverändert




Weiter unter: http://www.reuters.de/news_article.jhtml?type=wirtschaft&Rep…
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14.04.01 00:50:23
Beitrag Nr. 86 ()
ftd.de, Fr, 13.4.2001, 15:30

Japan droht Rezession

Die japanische Notenbank (BOJ) hat die Fortsetzung ihrer De-facto-Nullzinspolitik beschlossen. Zugleich revidierte die Regierung ihre Konjunktureinschätzung erneut nach unten.


Die Notenbank bekräftigte am Freitag in Tokio, den Finanzmärkten falls nötig zusätzliche Liquidität bereitzustellen. Das Gutachten der Regierung bestätigt nach Einschätzung von Analysten, dass der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt eine Rezession droht. Erstmals seit rund sechs Jahren sprach die Regierung von einer sich "abschwächenden Wirtschaft". Japans problematische Wirtschaftslage spiegelt sich auch in gestiegenen Firmenpleiten wieder: Die durch Konkurse entstandenen Schulden erreichten im vergangenen Jahr das höchste Niveau der Nachkriegszeit. Der Yen gab wegen der Konjunktursorgen nach.

Die Bank von Japan teilte im Anschluss an ihre zweitägigen Beratungen mit, sie werde ihren im März eingeschlagenen Kurs einer De-facto-Nullzinspolitik nicht ändern. "Wenn an den Finanzmärkten Turbulenzen drohen, beispielsweise durch einen schnellen Anstieg der Geldnachfrage, werden wir ohne Rücksicht auf unser Zielvolumen zusätzlich große Mengen an Liquidität bereitstellen", hieß es in der Erklärung der BoJ. Anstatt wie zuvor den Zielsatz für Tagesgeld vorzugeben, hatte die BoJ im März zur Stimulierung der Wirtschaft und Bekämpfung der Deflation die Guthaben der Geschäftsbanken bei der Notenbank und damit das Kreditvergabevolumen erhöht. Sie betonte am Freitag erneut, sie wolle ihre Strategie solange beibehalten, bis die Preise nicht mehr sinken - im vergangenen Jahr betrug die Inflationsrate in Japan minus 0,7 Prozent. Erst im August 2000 hatte die BoJ gegen den Willen der Regierung ihre Nullzinspolitik beendet.



US-Konjunktur belastet

Eine pessimistische Darstellung der Konjunkturlage lieferte die japanische Regierung, die in ihrem monatlichen Konjunkturbericht zum dritten Mal in Folge ihre Einschätzung nach unten revidierte. Erstmals seit 1995 sprach die Regierung von einer "sich abschwächenden Wirtschaft" und bestätigte damit nach Aussagen von Analysten die Einschätzung der Märkte, dass der zweitgrößten Wirtschaft der Welt eine Rezession droht. Wirtschaftsminister Taro Aso sprach von einem möglichen Nachtragshaushalt im Falle einer Rezession: "Wenn sich die Wirtschaftslage wegen der Abkühlung der US-Konjunktur schnell verschlechtert, und es Zeichen einer Kontraktion gibt, sollten wir mit einem Nachtragshaushalt nicht zögern."


Die Haushaltspolitik wird nach Einschätzung von Analysten gegenüber der Geldpolitik mittelfristig als Konjunkturstütze der wichtigere Faktor sein, da die Notenbank mit ihrer Nullzinspolitik die Möglichkeiten zur Stimulierung bereits weitgehend ausgereizt habe. Trotzdem könne eine weitere Lockerung der Geldpolitik nötig sein, falls die Preise weiter sinken. "Zunächst muss die BoJ die Wirtschaftsdaten sowie die Haushalts-Vorschläge der LDP-Präsidentschaftskandidaten in Rechnung stellen. Trotzdem glauben wir, dass der Deflationsdruck die BoJ zu einer weiteren quantitativen Lockerung zwingen wird", sagte Tomoko Fuji von Nikko Salomon Smith Barney. Die BoJ könnte beispielsweise die Guthaben der Banken erneut erhöhen oder durch massive Rückkäufe langfristiger Staatsanleihen dem Bankensektor zusätzliche Liquidität zuführen.



Schuldenberg wächst

Durch die schlechte Wirtschaftslage in Japan war der durch Firmenpleiten entstandene Schuldenberg im vergangenen Jahr doppelt so groß wie im Vorjahr und stieg damit auf den höchsten Stand in der Nachkriegszeit. Die Konkursschulden beliefen sich nach Angaben des privaten Forschungsinstituts Teikoku Databank im Fiskaljahr bis Ende März auf rund 26 Billionen Yen (rund 236 Mrd. Euro), die Zahl der Pleiten sei zum Vorjahr um zwölf Prozent auf knapp 19.000 gestiegen. "Weil die Banken problematischen Schuldnern nicht mehr länger Kredite gewähren können, können wir wohl eine weitere Pleitewelle nicht vermeiden", teilte das Institut am Freitag mit. Drei Viertel der Pleiten sei auf Japans schwache Konjunktur zurückzuführen.



© 2001 Reuters Limited


Quelle: http://www.ftd.de/pw/in/FTDRL2IEGLC.html?nv=hpm

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15.04.01 22:32:06
Beitrag Nr. 87 ()
S C H W A C H E U S - K O N J U N K T U R

Großverlage setzen Mitarbeiter auf die Straße

Die schlechten Konjunkturaussichten in den USA erweisen sich auch bei den größten Wirtschaftsverlagen Dow Jones & Company und New York Times Company als Jobkiller. Beide Unternehmen kündigten Stellenstreichungen an.



New York - Der US-Wirtschaftsverlag Dow Jones & Company streicht 202 von mehr als 8000 Stellen. Das Unternehmen bietet unter anderem die Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal", die Börsenwochenzeitung "Barron`s" und andere Publikationen sowie Online-Produkte an.
Die New York Times Company will eine ungenannte Zahl von Stellen streichen. Das Unternehmen hat nach Angaben von Firmensprecher Toby Usnik 14 000 Beschäftigte. Der Stellenabbau soll alle Geschäftsbereiche treffen. Die Gesellschaft publiziert die großen amerikanischen Tageszeitungen "New York Times" und "Boston Globe", 15 andere Zeitungen, Fernseh- und Rundfunkstationen sowie Internet- Objekte.


Schlechte Konjunkturaussichten

Der Stellenabbau wurde von der New York Times Company am Donnerstag mit dem schwächeren Werbemarkt und mit den bewölkten Konjunkturaussichten für den Rest des Jahres begründet. Deshalb sei es angebracht, die laufenden Kostenkontrollbemühungen zu beschleunigen, einschließlich einem Personalabbau, erklärte Firmenchef Russel T. Lewis.

Die Stellenstreichungen sollen soweit wie möglich durch freiwillige Abstandsprogramme über die Bühne gehen. Es soll aber auch Entlassungen geben. Das Unternehmen rechnet damit, dass der Vollzug der Abstandsprogramme etwa zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen wird. Deshalb könne das Unternehmen nicht im Voraus schätzen, wie viele Mitarbeiter von dem Stellenabbau-Programm letztlich betroffen sind.

Die Gesellschaft hatte in ihrer Internetsparte New York Times Digital im Januar 69 Mitarbeiter oder 17 Prozent der Belegschaft nach Hause geschickt. Sie hat jetzt dort nach Angaben des Firmensprechers noch 325 Beschäftigte.

Bei Dow Jones ist der Personalabbau Teil eines Kostensenkungsprogramms von 60 Millionen Dollar (132 Mio DM) für das Jahr 2001. Dow Jones hat auf Grund stark gefallener Werbeeinnahmen im ersten Quartal 2001 nur noch 6,2 (Vorjahresvergleichszeit: 88,7) Millionen Dollar oder sieben (98) Cents je Aktie verdient.

Unter Ausklammerung von Sonderfaktoren verdiente die Gesellschaft 14,7 Millionen Dollar oder 17 Cents je Aktie. Der Quartalsumsatz schrumpfte um 17 Prozent auf 459,9 Millionen Dollar. Dow Jones erwartet für das zweite Quartal vor Sonderbelastungen 50 Cents bis 60 Cents Gewinn je Aktie.

© SPIEGEL ONLINE 2001

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,128342,0…
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15.04.01 22:37:44
Beitrag Nr. 88 ()
danke HSM :)
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15.04.01 23:05:53
Beitrag Nr. 89 ()
Sonntag, 15. April 2001

Japanische Monatsberichte
Bankrott-Rekord, Nullzinspolitik, Eingeständnisse


Die Bank von Japan (BOJ) hat am Freitag wie erwartet beschlossen, ihre Geldpolitik bis auf weiteres nicht zu lockern. Damit würde der im März eingeschlagene Weg einer De-Facto-Nullzinspolitik fortgesetzt werden. Das Institut wolle den Finanzmärkten jedoch zusätzliche Liquidität bereitstellen, falls diese Notwendigkeit eintreten sollte, teilte die BOJ weiter mit. Die derzeitige Geldpolitik solle so lange fortgeführt werden, bis sich der Verbraucherpreisindex wieder nahe Null stabilisiere. Im vergangenen Jahr betrug die Inflationsrate in Japan minus sieben Prozent.


März-Konjunkturbericht der Regierung

Die japanische Regierung mußte unterdessen zum dritten Mal in Folge ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Gesamtlage nach untern revidieren. erstmals seit 1995 sprach die japanische Führung dabei von einer "sich abschwächenden Wirtschaft". Wirtschaftsminister Taro Aso hält einen Nachtragshaushalt im Falle einer Rezession für möglich . Die Haushaltspolitik wird nach Einschätzung von Analysten gegenüber der Geldpolitik mittelfristig der wichtigere Faktor sein, da die BOJ mit ihrer Nullzinspolitik die Möglichkeiten zur Stimulierung bereits weitestgehend ausgereizt habe.


Rekord bei Konkurs-Schulden

Ein Indikator für die kritische Situation ist die Zahl der Firmenbankrotte in Japan. Im vergangenen Fiskal-Jahr 2000/01 (zum 31.März) wurden 12,1 Prozent mehr Konkursanträge gestellt als im Jahr zuvor. Damit mußten 18.926 Unternehmen schließen. Nach Untersuchungen eines privaten Forschungsinstitutes erreichte die Höhe der Schulden aus den Konkursen mit 210.2 Billionen Dollar ( 25,98 Trillionen Yen) den höchsten Stand der Nachkriegszeit.

Etwa 75 Prozent der Bankrotterklärungen seien der anhaltenden Schwäche der japanischen Wirtschaft geschuldet, während die Höhe der Schulden vornehmlich auf eine Folge bedeutender wirtschaftlicher Fehlentscheidungen zurückzuführen sei, berichtet das Institut weiter.


Quelle: http://www.n-tv.de/cgi-bin/show_doc.cgi?doc_id=2269230&tpl_i…
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15.04.01 23:14:54
Beitrag Nr. 90 ()
Ob die japanische Börse dies heute nacht als sehr schlecht interpretieren wird? Oder sind die Daten der Startschuss für eine Rallye nach dem Motto "Tiefer gehts nimmer"? :eek:
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16.04.01 15:26:52
Beitrag Nr. 91 ()
Die Bären herrschen noch lange



Von Thomas Schmitt, stellv. Ressortleiter, Handelsblatt, Finanzzeitung


Ein wenig Hoffnung. Der Ausverkauf bei Wachstumsaktien ist bis Anfang April ungebremst weitergegangen. Erst in den letzten Handelstagen erholte sich die Nasdaq deutlich von ihren Tiefständen. Ob dies mehr als eine der üblichen Korrekturbewegungen bleibt, muss sich erst noch erweisen.



Wieviel Leben hat der High-Tech-Crash? Bisher drei. Die erste Welle schwappte von März bis Mai 2000 über die Investoren. Als sich die Kurse dann ein paar Monate lang leicht erholten, keimte schnell wieder Hoffnung auf. Vergebens: Die zweite Welle dauerte immerhin vier Monate und entnervte viele Akteure. Einen Monat gönnten sich die Bären diesmal eine kleine Pause und überließen den Bullen vorübergehend das Feld. Wieder keimte Hoffnung auf. Erneut vergebens: Wieder schlugen die Bären erbarmungslos zu: Im Februar und im März 2001 fielen die letzten Bastionen der Optimisten. Der vor vielen Jahren begründete, langfristige Aufwärtstrend wurde in wenigen Tagen und ohne viel Widerstand geknackt. Die Marke von 2000 Punkten war für den Nasdaq-Index keine Stütze mehr, sondern nur eine Durchlaufstation. Erst bei knapp über 1600 Punkten stoppte Welle Nr. 3. Gegenüber den Höchstständen vom März 2000 entspricht dies einem Absturz von rund 70 Prozent.

War es das nun endgültig? Erneut keimt Hoffnung auf. Diesmal, weil der Nasdaq-Index innerhalb von wenigen Tagen wieder über 1900 Punkten gelandet ist. 14 Prozent plus in vier Tagen – das ist doch ein Wort, meinen alle jene, die dabei waren. Doch auch diesmal sollte die Wende nicht zu früh ausgerufen werden. Vier schöne Tage bedeuten nichts: Zu rasant war die Abwärtsbewegung. Da dürfen schnelle Korrekturbewegungen nicht verwundern und vor allem nicht überbewertet werden. Noch immer hat die Nasdaq ihren Boden nicht ausgebildet. Dies sollte eigentlich mehrere Monate in Anspruch nehmen. Innerhalb dieser Findungsphase haben mittel- und langfristig orientierte Anleger genügend Zeit, sich die künftigen Perlen heraus zu picken.

Wer jetzt schon kräftig mitmischt, weil er sein Geld einsetzen will, sollte sich der Risiken bewusst sein. Mittel- und langfristig sind die Abwärtstrends in jedem Fall noch intakt. Ob der kurzfristige Abwärtstrend (Februar/März) gebrochen ist, wird sich in den nächsten Tagen herausstellen. Viele hundert Quartalsergebnisse stehen an. Da wird sich zeigen, ob die Erwartungen schon so tief gefallen sind, dass dem Markt nur noch der Weg nach oben bleibt. Anlass zum Jubeln böte dies aber nur bedingt. Nicht nur zwei mächtige Burgmauern der Bären liegen auf dem Weg zu langfristigen Kursgewinnen, sondern auch viele kleine Hürden. Ein Blick in das Jahr 1998 lohnt bei der Analyse des Nasdaq-Index in jedem Fall.

Hinzu kommen die täglichen Piekser von den Unternehmen und der Konjunkturfront: Gewinnprognosen sinken, Geschäftsmodelle wanken, Geldquellen versiegen. Pleiten und Übernahmen sind vorprogrammiert. Der Ausleseprozess ist im Gange und wird weiter gehen. Wer ihn überlebt, ist schwer zu beurteilen. Tatsache bleibt, dass selbst die Marktführer der Internetwirtschaft zu kämpfen haben. Wann sie ihre Höchstkurse wieder erreichen, steht in den Sternen. Investoren sollten auf keinen Fall eine schnelle Erholung erwarten.

Kann es immer noch schlimmer kommen? Unverändert gilt die Einschätzung, die auch vor einem Monat gegeben wurde: „Nicht auszuschließen. Die größten Pessimisten sehen ein Ende des High-Tech-Crashs an der Nasdaq erst bei 1000 Punkten. Ob solche Prognosen wahr werden, dürfte entscheidend von der Entwicklung der US-Wirtschaft abhängen. Fällt sie in eine Rezession oder gelingt doch eine relativ sanfte Landung? Das ist die Frage, auf die im Moment niemand eine seriöse Antwort geben kann.“

Und unverändert ist auch diese Einschätzung: „Gut möglich, dass noch ein Jahr vergeht, bis sich an den Märkten für Wachstumsaktien wieder neues Vertrauen einstellt – von Euphorie gar nicht zu reden. Eine Spielwiese für das schnelle und große Geld dürften sie auf absehbare Zeit nicht mehr sein. Das gilt auch für den Neuen Markt in Frankfurt.“

Aber auch wenn die Bären noch lange herrschen sollten, wird der Markt viele neue Chancen eröffnen. Sie sind nur nicht unbedingt dort zu erwarten, wo gerade gelogen, betrogen und enttäuscht worden ist. Im Moment sind die Möglichkeiten eher dort zu suchen, wo Gewinne solide wachsen. Das können auch Wachstumsaktien sein, wenn ihre Bewertung nach traditionellen Maßstäben attraktiv sein sollte. Substanz ist entscheidend und bringt dauerhaft Erfolg an der Börse.


HANDELSBLATT, Montag, 16. April 2001


Quelle: http://www.handelsblatt.com/hbiwwwangebot/fn/relhbi/sfn/buil…
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17.04.01 02:43:54
Beitrag Nr. 92 ()
Die Diamantformation droht sich bei dem industrielastigen US-Index zu erfüllen


Charttechniker sehen auf den Dow weiteres Ungemach zukommen


ULF SOMMER


Für die meisten Charttechniker ist es die Königsformation: der Diamant. Die zeitlich ausgedehnte, seltene und nur nach langen Trendphasen auftretene Formation kündigt Ungemach an. In der langen Dow-Geschichte lassen sich sechs Diamanten ausmachen. Fünfmal ging es anschließend abwärts. Und auch diesmal scheint die Zukunft programmiert: Glaubt man den Analysten, dann werden die Aktienkurse weiter fallen.




DÜSSELDORF.

Nach einem ausgeprägten Bullenmarkt in den 80er und 90er Jahren stagnierte der Index in den vergangenen zwei Jahren. Die Kurse tendierten zwischen knapp 10 000 und 11 500 Punkten seitwärts. Charttechnisch bildeten sich zwei Dreiecke aus. Im ersten Dreieck verbreitern sich die Schenkel, indem die Hoch- und Tiefpunkte im Dow-Jones-Index auseinander gehen. Anfang 2000 schwankte der Dow innerhalb weniger Tage um 2 000 Punkte. Im zweiten Dreieck laufen die Kurse dann wieder zusammen.

Besser als jede andere Formation symbolisiert der Diamant den Kampf zwischen Bullen und Bären: Verkäufer wirken den Ausbrüchen nach oben ebenso heftig entgegen wie Käufer den Ausschlägen nach unten. Am Ende der Formation stehen sich Pessimisten und Optimisten beinahe auf demselben Kursniveau gegenüber. Bezeichnend für die Stärke des Diamanten: Die Flucht in defensive Werte, womit der Dow reichlich bestückt ist, kratzte nicht an der Außenschale des Edelsteins – also an den Begrenzungslinien der Dreiecke.

Für Charttechniker verlief dann der Ausbruch nach unten wie am Schnürchen Ein paar negative Unternehmensnachrichten reichten, damit der Dow unter hohen Umsätzen rasant einbrach. In wenigen Tagen wurden wichtige Unterstützungslinien im Bereich zwischen 10 300 und 9 500 Punkten gebrochen. Erst in den vergangenen Tagen kam es zu einer Gegenbewegung nach oben.


Erholung könnte Bullenfalle sein

„Jetzt entscheidet sich, wohin wir gehen. Bei 10 200 Punkten läuft die untere Begrenzungslinie des Diamanten. Überwinden wir diese, dann können wir bis zum nächsten Widerstand bei 10 600 Punkten oder sogar bis auf 11 070 Punkte, also bis zur oberen Begrenzung, laufen“, meint Michael Riesner von der DG Bank. Der Charttechniker bleibt aber skeptisch. „Für ein Ende des Baisse-Marktes ist nicht genügend negative Stimmung im Markt. Eventuell erweist sich die jetzige Erholung als eine Bullenfalle, und wir fallen auf die Tiefstände bei 9 100 Punkten zurück. Hält auch diese Marke nicht, entsteht eine sehr bearishe Konstellation.“ Wie viele seiner Kollegen erwartet Riesner bei einem Unterschreiten des alten Tiefpunktes das Zurückfallen auf das Niveau vom Herbst 1998. Während der Russlandkrise war der Dow auf 7 500 Punkte gefallen. „Wer jetzt in Aktien investiert, sollte sehr vorsichtig sein und diese mit Stopp-Marken absichern“, empfiehlt Riesner.

„Egal wie die Formation heißt, beim Dow riecht es nach einer Top-Bildung“, meint Charttechniker Wieland Staud. Er misst dem Diamanten keine große Bedeutung zu: „In jedem Fall riecht es beim Dow sehr stark nach einer Topbildung“. Nach einer „anständigen Erholung bis auf 10 800 Punkte drohen neue Tiefststände. Diese können uns auf 8 000 Zähler führen“, bleibt auch der Staud-Research-Analyst auf Sicht eines Jahres skeptisch.


HANDELSBLATT, Sonntag, 15. April 2001


Quelle: http://www.handelsblatt.com/hbiwwwangebot/fn/relhbi/sfn/buil…
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17.04.01 13:02:52
Beitrag Nr. 93 ()


(Die) Hard-Times. :D

MCCLAIN.
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17.04.01 19:47:28
Beitrag Nr. 94 ()
D O W 1 9 2 9 - 1 9 3 3



N I K K E I 1 9 8 7 - 1 9 9 9



N A S D A Q 1 9 9 7 - 2 0 0 1



Die Ähnlichkeit zu derzeitigen Indizes und Situationen ist
rein zufällig und frei erfunden.
:D

MCCLAIN.
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17.04.01 20:05:30
Beitrag Nr. 95 ()
Nikkei 1989 vs. Nasdaq 2000




Nasdaq KGV




Handelsrekorde vom 03.01.2001

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18.04.01 16:55:55
Beitrag Nr. 96 ()


18.04.2001: Nikkei 225 Versuch einer Bodenbildung
Unternehmen: Nikkei 225 WKN: - Signal: Neutral
Kurs/Umsatz 01e: - KGV: - Div.-Rend.: -



Beim Nikkei-Index wird eine Seitwärtstendenz im Bereich 12.000-14.500 Punkte erwartet. Das Verkaufsignal der Stochastik wurde durch eine seitwärts laufende Bewegung oberhalb der 38-Tage-Linie abgearbeitet, sodass das anschließende Kaufsignal ein Auslöser für eine weitere Erholung bis an den oberen Begrenzungsbereich bei 14.500 Punkten sein kann. Die Indikatoren auf Wochenbasis unterstützen dieses Szenario.

Wie bereits erwähnt notiert der Index über seiner 38-Tage-Linie, die sich bereits abflacht. Jetzt von einem Ende der Korrektur zu sprechen ist sicherlich noch etwas verfrüht. Es wird eher ein ähnlicher Verlauf wie im Jahr 1998 zu erwarten sein. Das Vertrauen von Seiten der Investoren ist noch nicht spürbar signifikant, was sicherlich auf die unveränderte Unsicherheit von Seiten der Regierung und ihren Plänen zur Stimulierung der Wirtschaft herrührt. Markttechnisch betrachtet ist auf Basis des verwendeten Langfristmodells mit einer Trendumkehr frühestens in 4-6 Monaten zu rechnen. Aus dieser Betrachtung heraus wird nach der Erholung ein weiterer Rückgang erwartet, der im Rahmen einer Bodenbildung zu sehen ist. Vorausgesetzt es kommt zu keinen neuen Indextiefständen.


Fazit

Der Japanische Markt versucht sich in seiner breiten Range zu stabilisieren und einen Boden zu bilden. Käufe aus Sicht einer mittel- bis langfristigen Perspektive sind vorerst auf Eis zu legen. Bestätigt sich die Bodenbildung, wird in den zukünftigen Analysen darauf hingewiesen und ein eventueller Einstieg in den Markt erörtert werden.

Signal 6-9 Monate: Neutral

Aktuelle Nachrichten zum Thema Nikkei

Von Torsten Asmus, FinanzNachrichten.de-Redaktion

Q: FN

gruß
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18.04.01 17:08:24
Beitrag Nr. 97 ()
Der neu in Deutschland gehandelte Fonds von Lupus Alpha, KNr.:589856
ist ein klassischer Selbstläufer. Eine Riesenchance.

1. Der Smax ist eh`das einzige Börsensegment, wo man in Deutschland
noch viele unterbewertet Aktien findet.

2. Ein Top-Management, geführt von dem sicher bekannten und ausgezeichneten
Fondsmanager Herrn Fickel.

3.Der Fonds ist NOCH relativ klein, jeder Mittelzulauf hat aber Auswirkungen, da in
verhältnismäßig marktenge Aktien investiert wird. Folge: Mittelzuflüsse sorgen für steigende
Kurse.
Das läuft so wie der Neue Markt 1998, vielleicht nicht ganz so drastisch, da keine Wachstumstitelkonzentration (dafür aber solider!).



Und das birngt den Effekt-je erfolgreicher der Fonds, desto höher die Zuflüsse, desto stärker steigen
die Kurse. Und die sind, weil die Geschichte neu ist, noch am Anfang!

Besser als Japan und Dow
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18.04.01 18:50:54
Beitrag Nr. 98 ()
Die charttechnische Analyse: Der Spread zwischen Aktien- und Devisenmärkten weitet sich




von Dr. Hans-Dieter Schulz


Spread-Charts haben den Vorzug, dass sie Zusammenhänge aufzeigen, die man sonst nicht entdecken würde. Ein lehrreiches Beispiel liefert hierfür der Quotient aus Dow und Dax, der im oberen Chart dargestellt ist. Wenn die Kurve fällt, so bedeutet dies, dass der Dow Jones, stellvertretend für den amerikanischen Aktienmarkt, in Relation zum Dax schwächer tendiert. Deutlich schwächer entwickelten sich amerikanische Aktien als die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession driftete, wie 1990, oder nur schwach wuchs, wie 1994.
Auch in Crashs und Krisen fiel die amerikanische Börse regelmäßig tiefer als die deutsche, wie der Krach von 1987 zeigt sowie die Russland-Krise vom August 1998.
Der Anstieg der Technologiebörsen von Oktober 1999 bis März 2000 ließ den Dow Jones alt aussehen. Die großen Technologietitel im Dax ließen die amerikanische Old Economy weit hinter sich, bis im März 2000 im Crash der Technologie-Aktien der Dow Jones wieder zulegen konnte. Augenblicklich befindet sich das Verhältnis der amerikanischen zur deutschen Börse in der Mitte der historischen Schwankungsbreite.





Der zweite Chart zeigt den Devisenkurs des Euro zum Dollar, von 1998 an rückwärts ist USD/DM umgerechnet worden. Man erkennt beim Vergleich beider Kurven eine gewisse wechselseitige Abhängigkeit. So war zum Beispiel der im Januar 1997 einsetzende starke Verfall der DM ein Frühindikator für einen relativ zum Dow stärker werdenden Dax, also für ein überproportional starkes Wachstum deutscher im Vergleich zu amerikanischen Aktien.
Eine umgekehrte Abhängigkeit scheint es nach der Russland-Krise gegeben zu haben. Hier wurden die relativ billigeren amerikanischen Aktien verstärkt nachgefragt. Auf das Ansteigen des Dow im Vergleich zum Dax hin stieg die DM damals deutlich an. Man kann dies wie folgt interpretieren: Die im Vergleich zu Amerika billiger gewordenen deutschen Aktien wurden verstärkt von Ausländern nachgefragt. Da deutsche Aktien in DM zu bezahlen sind, stärkte dies die heimische Währung. Der hier gezeigte Zusammenhang unterstreicht auch die These der "Abwertungsbörsen", die besagt, dass eine starke Börse eine schwache Währung mit sich bringt und umgekehrt.

Seit Anfang 2000 laufen beide Kurven auseinander, was temporär immer wieder vorkam, bis zum Einsetzen einer Korrekturbewegung. Somit ist auch in der näheren Zukunft eine drastische Gegenbewegung zu erwarten. Für diese Gegenbewegung gibt es nun zwei Möglichkeiten, eine deutliche Abnahme der relativen Stärke des Dow zum Dax oder eine deutliche Aufwertung des Euro.

Alternative 1: Der Dax wird in Relation zum Dow wieder stärker.

Hierfür spricht der bereits erwähnte Effekt, dass im Falle amerikanischer Rezessionen der Dax relativ zulegen konnte. Dies hieße noch nicht, dass der Dax nun zwangsläufig steigen muß, er würde zumindest weniger stark fallen als der Dow Jones. Neben der momentanen rezessiven Tendenz der amerikanischen Volkswirtschaft spricht hierfür die aktuelle Wochenstatistik der Mittelzuflüsse zu amerikanischen Investmentfonds. Stolze 60% der Cash-Zuflüsse der vergangenen Woche wurden in Fonds gesteckt, die außerhalb der USA investieren. Dies ist als eine kleine Wende zu werten nachdem schon seit Ende 2000 gerade aus diesen im Ausland investierenden Fonds Gelder abgezogen wurden.

Der Dow Jones könnte aus folgender Überlegung, die ebenfalls einen Spread betrachtet, bald schwächer tendieren: Seit 1995 war der Dow parallel zum S&P 500 gestiegen und hatte sich bis zur Spitze Anfang 2000 mit dem exakt gleichen Faktor vervielfacht wie der S&P 500. Auch die Index-Kurs/Gewinn-Verhältnisse waren Anfang 2000 gleich hoch. Seit dem drastischen Kursverfall ab September 2000 hat der S&P 500 deutlich mehr verloren als der Dow Jones.

Nimmt man den wie sonst üblichen Gleichlauf beider Indizes als Grundlage, so entsprechen 1200 Punkten im S&P 9150 Punkten im Dow und 1100 Punkten im S&P 8350 Punkte im Dow Jones. Eine Punkt-zu-Punkt Identität hat es freilich nie gegeben, dennoch ist eine Angleichung zu erwarten. Eine Erklärung für die momentane relative Stärke des Dow Jones ist die, dass die in ihm enthaltenen Unternehmen aufgrund ihrer Größe und Diversifiziertheit etwas resistenter gegen Konjunkturschwankungen sind. Die negativen Gewinnrevisionen als Motor des Bärenmarkts scheinen den Dow Jones noch langsam zu ereilen.

Alternative 2: Der Euro zum Dollar steigt deutlich an

Hierfür spricht die Charttechnik: Wie leicht zu erkennen bildet sich gerade eine rund einjährige umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Formation heraus. Der Abwärtstrend liegt bei lediglich 0,92 Dollar, die Nackenlinie knapp darüber bei 0,93. Ein Durchbrechen dieser beiden Marken könnte den Euro leicht bis über die Parität befördern. Bis 0,86 Dollar kann der Euro noch fallen sowie bis in den frühen Mai hinein, wobei die Voraussetzungen für eine intakte Kopf-Schulter-Formation erhalten blieben. Für einen bald steigenden Euro spricht auch das aktuell negative Sentiment. Wenn bald auch der letzte Euro-Bulle den Markt verlassen hat, kann nach dem Contrarian-Investment-Ansatz der Euro steigen.

Unterstützend für den Kurs des Euro wäre eine Zinssenkung durch die amerikanische Notenbank. Die Zinsdifferenz zu Europa wäre dann das erste Mal seit mehreren Jahren negativ, was kurzfristige Gelder in den Euroraum fließen lassen würde. Positiv ist auch, dass sich der Euro im Vergleich zu dreizehn anderen Hartwährungen sehr gut gegenüber dem Dollar gehalten hat. Beim kürzlichen zweiten Top im US-Dollar-Index notierte der Euro weit stärker als zum Zeitpunkt des ersten Tops im November 2000.

Der mit dem Euro positiv korrelierende Goldpreis notiert aktuell in der Nähe seiner Unterstützung bei 253 Dollar. Sentiment-Umfragen sowie Statistiken, die die Positionen großer Marktteilnehmer führen, lassen den Goldpreis auf dem aktuellen Niveau gut abgesichert erscheinen.

Und der nach wie vor inverse Markt in London vermittelt den Eindruck einer anhaltend starken kurzfristigen Nachfrage nach Gold (vgl. http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=26251 ). Also scheint der Euro von dieser Seite her allen Gold-Leerverkäufen zum Trotz Deckung zu erhalten.

Das zum Dollar korrelierende Rohöl erfährt momentan einen deutlichen Preisschub. Dies spricht eher für einen starken Dollar. Dennoch befindet sich der Ölpreis in einem Abwärtstrend, der, sofern er hält, den Dollar mittelfristig leichter werden ließe.

Dies alles spricht für einen Anstieg des Euro bis über die Parität zum Dollar. Ob allerdings der sechs-jährige Abwärtstrend bei ca. 1,07 Dollar geknackt werden kann ist eine andere Frage.

Fazit: Der hier vorgestellte Spread zwischen den relativen deutschen und amerikanischen Aktienpreisen und dem Euro/Dollar-Devisenkurs sollte sich bald wieder verengen. Neben den beiden hier erörterten Alternativen ist natürlich auch eine Mischreaktion denkbar.

Dr. H.-D. Schulz/Felix Pieplow

18.04.2001

Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=29881
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19.04.01 22:00:54
Beitrag Nr. 99 ()
Sollte man an Euro Calls denken?????????
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22.04.01 17:50:54
Beitrag Nr. 100 ()
Ohne Worte. :D

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23.04.01 04:32:24
Beitrag Nr. 101 ()
Keine Kaufpanik bitte!



von Hans A. Bernecker


Die amerikanische Zinsentscheidung ist die wichtigste
dieses Jahres. Warum? Die inverse Zinskurve ist beseitigt,
und ich hatte Ihnen vor einigen Wochen schon
geschrieben: "Noch nie begann eine Hausse ohne eine normale
Zinsstruktur, sprich niedrigere Kurse als hohe langfristige
Zinsen.
Das ist nun erreicht, und ich erwarte eine weitere
Zinssenkung um nochmals 50 Basispunkte im Verlauf des Mai
oder Juni. Erst dann wird die Zinsdifferenz zwischen kurz
und lang um 150 Punkte oder etwas mehr liegen und dann
beginnt auch der Dynamisierungseffekt für die Konjunktur in
den USA, die nun von der Börse vorweggenommen wird.
Alle Rahmendaten standen in der "AB". Insbesondere erinnern
Sie sich an den Verlauf der Konjunkturerholung 1990/91, den
ich als eine Art Vorbild bezeichnet hatte. Zur Sache:
Es herrschte Jubel, Trubel, Heiterkeit und die größten 15
Kursgewinner brachten es an einem Tag auf ein Plus zwischen
22 und 37 % am Big Board und zwischen 32 und 49 %
Tagesgewinn im Nasdaq. Das war eindeutig.

Aber: Bitte behalten Sie ruhig Blut:

Die Begründung der FED ist nicht ganz von der Hand zu
weisen. 1. Es ging darum, die Finanzmärkte zu stabilisieren
und 2. eine weitere Konjukturstützung zu veranlassen.
Das erscheint mir wie ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Demgegenüber sehe ich mich darin bestätigt: Die Art und
Weise, wie die amerikanischen Quartalsgewinne bzw.
Verluste zu interpretieren sind, belegt die These.
Hier wurde nach unten und vorsichtshalber übertrieben, und
mithin ist eine erkennbare Stabilisierung der Ergebnisse
der großen Unternehmen im Jahresverlauf ziemlich sicher
vorauszusagen. Das beginnt mit Intel über Cisco bis zu den
Blue Chips wie Eastman Kodak und andere.

Für Sie heißt das:

Wer ausreichend verloren hat ist jetzt ein Kaufkandidat.
Beispiel: Motorola, mit ich mich in den nächsten Wochen
noch näher beschäftigen werde. Kursverlust bis auf 11
Dollar war natürlich übertrieben, aber exakt der Boden, auf
dem diese Aktie wieder gerechnet werden konnte. Inzwischen
15 Dollar, und dies sind schon mal 36 % innerhalb von 2
Tagen.
Diese Aktie ist bei 15 vielleicht ein wenig teuer, aber
wenn Sie mit Glück 13 bis 15 Dollar erwischen, müßte es
noch reichen, denn das Potential geht nun in die Richtung
von 22/24 Dollar, und das sind wiederum 100 % gegenüber dem
Tiefstkurs. General-These für Sie: Meine mehrfach
zitierten Auffang-Limits rufe ich in Erinnerung. Die
Tiefstkurse werden nicht mehr erreicht.

Der Tennisball-Effekt ist jetzt wirksam, wie Sie aus den
obengenannten Zahlen entnehmen. Deutlichen Kursgewinnen
laufen Sie aber nicht hinterher, denn solchen Reaktionen
folgen wiederum Korrekturen. Legen Sie sich auf die Lauer
und limitieren Sie für sämtliche Empfehlungen der letzten
Wochen die Kaufkurse etwa 10 bis 15 % unter aktuellem
Niveau. Das ist natürlich eine Daumengröße, läßt sich aber
nicht anders darstellen. Leitlinien sind die letzten 3 bis
4 Ausgaben der "Actien-Börse", worin die Begründungen
stehen.

Bitte nicht vergessen: Die Blue Chip-Einschätzung ist
deutlich positiver und langfristig sicherer als die
zunächst als Erholungseffekte zu sehenden Möglichkeiten in
den Technik-Aktien.

Das bedeutet: Eine Aktie wie DuPont oder Eastman Kodak bzw.
Dow Chemical und Procter & Gamble sowie Philip Morris
werden in diesem Trend keine 100 % gewinnen, dafür aber
sichere 30 bis 35 %. Technik-Aktien haben aber ein
Erholungspotential bis zu 100 % und mehr, werden dies aber
längerfristig keineswegs durchhalten. Auf diese
Unterscheidung lege ich größten Wert.

Deutschland: Es folgt dem amerikanischen Muster. Alles, was
Technik ist, ist favorisiert. Aber: kurzfristige Erholung
gilt für diesen Bereich, langfristige Trendpositionen
bringen aber in anderen Titeln weitaus mehr.

Warum? Eine Aktie wie Daimler oder Deutsche Telekom
erscheint Ihnen langweilig, wird aber in den kommenden
Monaten deutlich mehr als 50 oder gar 100 % zulegen.
Das erscheint auf den ersten Blick phantastisch, obwohl es
überhaupt kein Wunder ist, wie ich begründet habe.
Können Epcos, Infineon, SAP oder Siemens ebenfalls 100 %
zulegen? Wohl kaum. Daraus folgt: Für kurzfristiges
Trading sind die Technik-Aktien jetzt hervorragend
geeignet.
Das können Sie aber mit Day-Tradings am besten ausprobieren
und auch wirksam umsetzen. Langfristige Investments
orientieren sich an anderen Kriterien, wie bereits gesagt.

Tip für heute: Laufen Sie nicht jeder Kurs-Rally nach.
Ruhig Blut bzw. eine ruhige Hand bei der Entscheidung
empfehle ich nach wie vor, wenn auch die aufgeregten
Kommentare von gestern abend und heute morgen natürlich
die Stimmung beeinflussen. Keine Änderung in meinen
Einschätzungen der letzten Briefe.

In den MDAX-Werten bzw. SDAX-Favoriten sehe ich nach wie
vor das gleiche Verlaufsmuster wie schon beschrieben.
Kurzfristig gehören sie natürlich nicht zu den
Tagesgewinnern. Längerfristig bleibt es aber bei den
erheblichen Potentialen, die allerdings nur Schritt für
Schritt realisiert werden.

Neuer Markt, was nun? Den Tennisball-Effekt hatte ich Ihnen
in der letzten Woche schon beschrieben. Er gilt natürlich
sowohl für die amerikanischen Technikwerkte als auch für
die Nemax-Papiere. Spitzengewinne bis zu 50 % gestern
waren vor allem Ursache von Eindeckungen bzw. von zu engen
Märkten, wo schon wenige Orders ausreichten, die
Notierungen explodieren zu lassen.
Bleiben Sie dabei: Was zu teuer ist, wird mit den
Erholungskursen ein Verkauf und kein Kauf.
Was umgekehrt negativ übertrieben worden ist, wird ein
erster Kauf, und ich hatte in den letzten Wochen schon eine
Reihe von solchen Papieren empfohlen, auf die ich erneut
verweise.

Hans A. Bernecker

19.04.2001


Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=29948

.
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23.04.01 04:42:16
Beitrag Nr. 102 ()
Viel Vergnügen auf der Achterbahn


von Roland Leuschel



Sie kennen sicherlich die bekannte Börsenphilosophie der
Rothschilds "Kaufen wenn die Kanonen donnern, verkaufen
wenn die Violinen spielen!"
Das habe ich versucht, als ich Ihnen im März zum
Wiedereinstieg bei Aktien, besonders bei den stark
gebeutelten Technologieakten, riet. Seitdem stieg allein
der Nasdaq um mehr als 25% und auch die anderen Märkte
hatten beträchtliche Zuwachsraten.

Aber Vorsicht, es handelt sich wahrscheinlich nur um eine
temporäre Kurserholung, und Dr. Jens Ehrhardt, den ich sehr
schätze, hat kürzlich in der Financial Times Deutschland
gewarnt: "Wer jetzt einsteigt, muss höllisch aufpassen."
Und in der Tat könnte die Zwischenerholung von einer
Fortsetzung der Baisse in der zweiten Jahreshälfte abgelöst
werden, und zwar ganz einfach, weil wir auf eine Rezession
zusteuern.
Also sobald der Dax um die 7.000 kreist, der Dow Jones auf
10.500 bis 11.000 zusteuert, der Standard & Poors 500
wieder zwischen 1.250 bis 1.300 pendelt, und der Nasdaq gar
auf 2.500 bis 3.000 emporschnellt sollen wieder die
Alarmglocken klingeln, und machen Sie es so wie ich es
handhabe: Wenn 15 bis 20% Nettogewinn auf meinen
Aktienengagements steht, dann nehme ich den Gewinn eben
mit.

Wenn man Cash besitzt, ist es so angenehm, die Börsenteile
der Zeitungen und die Analysen der Broker zu studieren, und
Sie werden entdecken, es gibt nicht nur viele "Opportunitäten",
sondern auch Zeit, um Ihre Auswahl zu treffen.
Im Gegensatz zum Crash vom Oktober 1987 wird es dieses Mal
mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem starken
Wirtschaftsabschwung kommen.
Damals war es anders, in Amerika fand der Crash in ein paar
Tagen statt, in Europa dauerte es etwas länger (4 bis 6
Monate), aber dem Oktober-Crash folgte keine Rezession.


Übrigens eine persönliche Anmerkung: Es wurde allgemein
bekannt, dass ich den Crash vom Oktober 1987 sechs Monate
vorher vorausgesagt hatte, dabei spielte das Glück mit dem
Timing eine erhebliche Rolle: Aber worüber man in der
Presse weniger schrieb, war die wichtige Prognose im
November und Dezember 1987, dass es zu keinem
Wirtschaftsabschwung kommen wird. Im Schweizer Verlag
Fortuna veröffentlichte ich damals eine Broschüre "Die
vorhersehbaren Überraschungen für 1985", in der dieses
Szenario ausführlich beschrieben wurde. Heute ist die Lage
völlig anders.

Wir haben es mit einem Salami-Crah zu tun, der spätestens
im Jahr 1997 begann, und von wenigen Anlegern eigentlich
richtig bemerkt wurde. Der mächtigste Mann für die
Finanzmärkte auf dieser Welt, den persönlich meistens
scharf kritisiere, weil er keinen Mut hat,
Ungleichgewichten in der Volkswirtschaft entgegenzutreten,
Alan Greenspan, hat dafür gesorgt, dass es zu keinem
plötzlichen Aktiensturz auf den Märkten kam.
In Kauf nehmen musste er dafür und er tat es bewusst und
bereitwillig, irrsinnige, in der Geschichte einmalige
Ungleichgewichte in der Volkswirtschaft der USA.
So fiel die Sparquote von über 9% im Jahr 1992 sogar unter
0% und wurde in diesem Jahr mit 1,3% negativ.
Das Leistungsbilanzdefizit der USA übersprang mittlerweile
die 4% der gesamten volkswirtschaftlichen Leistung.
Letzten Endes erreichte die Verschuldung der amerikanischen
Haushalte nie gekannte Größen (35% des verfügbaren
Einkommens), und sollte der amerikanische Verbraucher mit
etwas Vernunft anlegen, dass heißt den Abbau der
Verschuldung in Angriff nehmen und wieder sparen, dann
droht nicht nur der amerikanischen Wirtschaft eine
Rezession, sonder dann werden in Tokio die Lichter
ausgehen, und auch in Europa dürfte die Illusion einer
starken wachstumsorientierten Volkswirtschaft verfliegen.
(Lesen Sie bitte die Titelgeschichte im letzten Fortune
Magazine "Uh, Oh! There goes consumer convidence".)

Wie ernst es um die Wirtschaft steht, beweist die Panik,
die bei Alan Greenspan ausgebrochen ist. Und dabei sollte
er besser wissen als jeder andere, die schlechtesten
Ratgeber sind Euphorie und Panik. Jetzt hat die Fed den
Zielzinssatz für Tagesgeld aus Sorge um die wirtschaftliche
Entwicklung erneut um 50 Basispunkte zurückgenommen, und
das vor der geplanten Sitzung der Federal Reserve. Damit
hat die Fed die Leitzinsen seit Jahresbeginn schon 4 mal um
insgesamt 200 Basispunkte gesenkt.
"Was weiß die Fed, was wir nicht wissen?", fragt ein
bekannter Journalist. Ich kann versuchen, darauf Antwort
zu geben.

Ich habe in den Berichten der Federal Reserve "Flow of
Funds" die Entwicklungen des "net wealth" der privaten
Haushalte in Amerika angeschaut. Seit rund 25 Jahren hat
jedes Mal nach einem temporären Verfall (ausgelöst durch
fallende Immobilienpreise oder fallende Aktienkurse) in der
unmittelbaren Folge eine Rezession gegeben. Das war 1970,
1971, 1980 und 1990 so. Noch nie hat es einen derartig
scharfen Rückgang des "net wealth" gegeben wie im ersten
Quartal dieses Jahres: Das Nettovermögen der privaten
Haushalte fiel gegenüber dem ersten Quartal des Jahres 2000
um 10,75%, also noch schlimmer als nach dem 1974er
Ölschock.


Um es noch einmal klar zu formulieren: Auf Grund dieses
scharfen Rückgangs des Nettovermögens konnte Greenspan
einfach nichts anderes mehr tun, als die Zinsen rapide zu
senken. Weniger Zinsen für Sparen bedeutet im Grunde
genommen, noch weniger sparen ... und letzten Endes
stärkere Inflation. Und darauf stellen Sie sich bitte ein.
Ich habe in meinen vergangenen Beiträgen darauf
hingewiesen, dass für die Beseitigung der Ungleichgewichte
rund 10 Jahre gebraucht werden, und wir in diesen 10
Jahren unser Vermögen praktisch täglich verwalten müssen.
Bevor wieder ein fundamentaler Haussetrend einsetzt, werden
mit Sicherheit noch einige Monate vergehen.
Vergessen Sie nie, den Speck in der Falle bekommt in der
Regel erst die zweite Maus.

Aus meiner Aktienauswahl in meinem letzten Bericht stieg
besonders die Aktie Qiagen. Der Grund dürfte einfach sein,
die Analysten von Robeco haben aus dem ganzen
biotechnologischen Bereich 4 Aktien ausgewählt, darunter
Qiagen.
Übrigens, um bei den Rothschilds zu bleiben, James Mayer de
Rothschild tröstete einmal einen Freund, der sein Geld bei
Aktien verloren hatte: "Ihr Geld ist nicht weg, es hat nur
ein anderer." Versuchen Sie der andere zu sein!



Roland Leuschel

20.04.2001


Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=30034
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23.04.01 12:05:18
Beitrag Nr. 103 ()
Neuer-Markt-Tagesanalyse für Montag, den 23. April

von Andreas Büchler [23.04.01, 10:29]

In der vergangenen Handelswoche verbuchte der NEMAX 50 ein
respektables Plus von 6, 5 Prozent. Was bringt nun die neue
Handelswoche? Nach den Kursgewinnen der vergangenen Tage
legte der NEMAX 50 am Freitag eine kleine Verschnaufpause
ein. Diese war nach den vorangegangenen Kursgewinnen zu
erwarten. Der Index musste 24 Punkte oder 0,9 Prozent
abgeben und beendete den Handelstag bei 1685 Punkten.
Die Erholungsbewegung sollte nach einigen möglicherweise
bevorstehenden schwächeren Tagen wieder aufgenommen werden.


Kurzfristige Analyse

Der am Donnerstag im Candlestick-Chart
aufgetretene "Hanging-Man" scheint eine kleinere
Konsolidierung einzuleiten. Jedoch ist die
Kerzenchartformation noch nicht bestätigt.
Erst bei einem Schlusskurs unter dem Handelstief
des "Hanging-Man" (dieses lag bei 1635 Punkten) wäre dies
der Fall. Es fällt auf, dass der Kursverlust vom Freitag
im Vergleich zu der vorangegangenen Aufwärtsbewegung nur
minimal ausfiel. Dies ist als ein positives Signal zu
werten. Jetzt stellt sich die Frage, wie weit der Index im
Zug einer Konsolidierung noch fallen kann, ohne das
positive Szenario im kurzfristigen Zeitfenster zu
gefährden. Eine gesunde Korrektur kann den Index durchaus
zurück bis in den Bereich um 1510 Punkte führen.

Der Stochastik-Indikator, der sich gut zur Identifikation
von sehr kurzfristigen Überkauft-Zuständen eignet, zeigt
eine derartige Situation im Neuer-Markt-Index an. Diese
muss aber nicht zwangsläufig durch fallende Kurse abgebaut
werden. Erst wenn der Indikator den oberen Extrembereich,
in dem er sich momentan befindet, wieder nach unten
verlässt, würde dies auf einsetzende Gewinnmitnahmen
hindeuten. Die aktuelle Aufwärtsbewegung – ein
Aufwärtstrend hat sich noch nicht etabliert – kann auch
ohne größere Korrektur fortgesetzt werden. Die nächste
Widerstandsmarke liegt dann bei 1924 Zählern (nach Fibonacci).




Kurzfristige Handelsempfehlung

Die Call-Position vom 11. April sollte bei unverändertem
Stoppkurs von 1490 Punkten weiter gehalten werden.
Veränderung der Position seit Empfehlung: +175 Punkte.


Mittelfristige Analyse

Der NEMAX 50 hat jetzt die Chance, auch seine
mittelfristige Situation nachhaltig zu verbessern.
Dies ist jedoch nicht von heute auf morgen möglich.
Die Ausbildung einer mittelfristigen Umkehrformation kann
mehrere Wochen in Anspruch nehmen und ist zur Zeit noch
nicht erkennbar. Für weitere Anhaltspunkte kann die
Fibonacci-Analyse zu Rate gezogen werden. Danach bleibt
weiterhin ein Überwinden der Marke von 2115 Punkten
abzuwarten.




Wichtige Chartdaten

Zusammenfassung der Unterstützungen und Widerstände

Widerstand 2: 1924 (nächstes Kursziel nach Fibonacci)
Widerstand 1: 1720 (horizontale Widerstandszone)


NEMAX 50: 1685 Punkte (Schlusskurs vom Vortag)


Unterstützung 1: 1550 (horizontaler Bereich)
Unterstützung 2: 1494 (Tief vom 17. April)


Indikatoren

MACD (6/13/5): Kaufsignal seit 5. April; positive Divergenz seit 10. Januar
RSI (14 Tage): Kaufsignal seit 26. Februar; positive Divergenz seit 14. Februar


Quelle: http://www.boerse-online.bch.de/cgi-bin/gx.cgi/AppLogic+FTCo…
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25.04.01 14:08:39
Beitrag Nr. 104 ()
Geldpolitik allein kann Konjunktur nicht beleben
- 25.04.2001 13:38


HAMBURG (dpa-AFX) - Eine
Senkung der Notenbankzinsen ist nach
den Worten des Präsidenten der
Deutschen Bundesbank Ernst Welteke
nicht geeignet, die Konjunktur
anzukurbeln. Es sei ein "Irrglaube,
dass das Wachstum in Europa höher wäre,
wenn die Zinsen früher gesenkt worden
wären", sagte Welteke in einem
Interview mit der in Hamburg
erscheinende Wochenzeitung "Die Zeit"
(Donnerstagausgabe). Mit Geldpolitik
allein sei die Konjunktur nicht in Gang
zu bringen.

Es gebe auch "keinen einzigen Hinweis
darauf, dass irgendwo in Europa eine
Investition unterblieben ist, weil das
Geld zu teuer wäre", sagte Welteke, der
auch Mitglied im Zentralbankrat der
Europäischen Zentralbank (EZB) ist.
Vorrangiges Ziel der EZB sei die
Preisstabilität. Stabiles Geld sei "der
beste Beitrag, den eine Notenbank zu
Wachstum und Beschäftigung leisten
kann", sagte Welteke.

Um das Wachstum zu fördern, seien
strukturelle Reformen notwendig. In
Deutschland müssten neben der
Rentenreform auch Veränderungen im
Bildungsbereich , für die Hochschulen,
im Gesundheitswesen und für den
Arbeitsmarkt voran gebracht werden.
Dadurch würden Produktionspotenziale
freigesetzt, die bisher ungenutzt
seien, sagte Notenbankchef
Welteke./rw/jl/av




Quelle: Teledata Börsen-Informations-GmbH
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07.05.01 23:49:41
Beitrag Nr. 105 ()




Quelle: http://www.bullchart.de/


Nasdaq Composite aktuell 2.173,57 Punkte.
Das kurzfristige Kursziel beträgt ca. 1.950 Punkte.
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15.05.01 22:42:40
Beitrag Nr. 106 ()
Die Stagflation lässt grüssen !



von Roland Leuschel


« Es hat überhaupt nur einen Sinn, auf einen Crash zu
warten, wenn beim Eintreten desselben auch der Mut und
die Liquidität besteht, die Aktien, die man gerne hat, zum
Spottpreis zu erwerben. » Das habe ich Mitte März an
dieser Stelle geschrieben, und ich möchte die Erwartungen
auf steigende Aktienkursen in den kommenden Jahren etwas
relativieren. Zwar glaube ich, dass der grösste Crash in
der Geschichte der Menschheit (Kapitalvernichtung von mehr
als 5.000 Milliarden Dollar weltweit) stattgefunden hat,
auf der anderen Seite wird der Wiederanstieg der
Aktienmärkte steinig.

Grundsätzlich steigen Aktien langfristig nur, wenn auch
gleichzeitig die Gewinne der Unternehmen steigen. Um ein
Beispiel zu geben : Zwischen 1989 und 2000 stiegen die
Gewinne der Unternehmen des Standard & Poors 500 um 6,8%
p.a. Sie stiegen damit stärker als das Wirtschaftswachstum
insgesamt ; denn dort betrug die Steigerungsrate 5,6% p.a.
Was für die Aktienkurse wichtig war : Der Anteil der
Gewinne am Bruttoinlandsprodukt stieg von 7,2% auf 10% in
den Jahren 1996/97. Dies rechtfertigte auch ein Ansteigen
der P/E von 14,5 auf mittlerweile 23. In den kommenden
Jahren darf mit einem ähnlichen Anstieg nicht gerechnet
werden, und die Umverteilung in der Volkswirtschaft wird
mit grosser Wahrscheinlichkeit zu Lasten der Gewinnquote
gehen. Damit dürften auch die Gewinnmargen rückläufig
sein, und eine P/E von 23 wäre ebenfalls nicht mehr
gerechtfertigt. Es gibt aber immer noch Experten, die
behaupten und damit die Anleger in die Irre führen : « 15%
per annum Rendite sind in den nächsten Jahren
realistisch. » Ich kann Sie davor nur warnen. Wir werden
kleiner Brötchen an den Aktienmärkten backen, aber
kleinere Brötchen können auch knuspriger sein. Wenn Sie
mir nicht glauben, dann tun Sie es doch bei einem Mann wie
Warren Buffet, der in den kommenden 10 bis 15 Jahren einen
Return von 4 bis 6% pro Jahr als wahrscheinlich ansieht,
oder David Salisbury, CEO von der Investmentbank
Schroders, der in einem Interview mit der FAZ wörtlich
formulierte : « Die Leute müssen ihre Erwartungen
herunterschrauben : Es wird nicht wieder 20% Rendite
im Jahr auf Aktienkäufe geben. »

Misstrauen Sie vor allem den Bankanalysen. Ich wiederhole
mich, wenn ich sage, die Deutsche Bank prognostizierte vor
einem Jahr, der Dax werde im Juni 2001 bei 8.700 stehen,
oder als im November letzten Jahres die Experten der
DG-Bank in einer grossangelegten Studie den Nemax Allshare
Index auf über 8.000 Punkte klettern sahen. Der Dax kämpft
heute mit der 6.000er Marke und der Neue Markt mit 1.900.

Die Aufgabe der amerikanischen Notenbank wird immer
schwieriger. Alan Greenspan selbst hat immer behauptet,
dass in der New Economy die Inflation auf Grund steigender
Produktivität keine Gefahr darstelle. Inzwischen hat sich
aber das Umfeld geändert. Ein bekannter Marktanalyst von
Fleet Global Markets hat darauf hingewiesen, dass « die
Kombination von fallender Produktivität, niedrigeren
Leitzinsen, stark wachsender Geldmenge, Steuersenkungen und
höheren Energiepreisen ein unangenehmer Hexentrunk » sind.
Seiner Meinung nach wird die Fed ihre Geldpolitik
weiterhin lockern und « in den nächsten 12 Jahren ein
klassisches Stagflationsszenario entwickeln ». Inzwischen
haben wir rückläufige Produktivitätsveränderungen im
ersten Quartal (0,1%) bei steigenden Lohnkosten (Jahresrate
5,2%) zur Kenntnis genommen. Da die Notenbanken weiterhin
ihre kurzfristigen Zinsen senken, und am langen Ende der
Zinskurve eine immer höhere Inflationsprämie eingepreist
wird, kommt so die « Geldmaschine » richtig in Schwung.
Mit anderen Worten, schneller als der Markt und die
Anleger glauben, wird die Federal Reserve gezwungen
sein gegenzusteuern.

Leider gilt das auch für die EZB, die am letzten Donnerstag
(10.5.) überraschend die Leitzinsen um 0,25%-Punkte auf
4,5% senkte und damit begründete : « Alle derzeit
verfügbaren Daten und Prognosen deuten daraufhin, dass die
Inflationsrate im nächsten Jahr wie angestrebt unter die
Marke von 2% fallen wird. » Wer glaubt, wird selig, muss
aber aufpassen, am Ende nicht selbst daran glauben zu
müssen. Im Mai wird die Inflationsrate in Deutschland
wahrscheinlich auf die 3,1 bis 3,3% zugehen, und in der EU
dürfte die Jahresrate auf 2,9 bis 3% hochschnellen. Da
fällt es schwer, an die Prognose der EZB bzw. der
Bundesbank zu glauben.

Fazit für den Anleger : Rechnen Sie damit, dass in Amerika
die Leitzinsen bis auf etwa 3% fallen werden (das war das
Zinsniveau bei der letzten Rezession Anfang der 90er
Jahre) und die EZB dem Lauf dieser Politik folgen wird.
Sie hat übrigens ihre Glaubwürdigkeit verloren, und der
Kurs des Euro gegenüber dem Dollar spiegelt diesen
Glaubwürdigkeitsverlust wieder. Für Europa werden weitere
Wirtschafts- Wachstumsrevisionen kommen, und mit
steigenden Inflationsraten werden nicht nur die Zinsen
am langen Ende ansteigen, sondern auch die Notenbanken
gezwungen, Erhöhungen der Leitzinsen vorzunehmen, das
klassische Szenario der Stagflation. Wir haben eine solche
Periode in den Jahren 1966 bis 1981 erlebt. Am Ende dieser
Zeit suchten Investmentbanken weder Analysten noch
Portfolio-Manager sonders Psychologen und Seelsorger.

Wenn Sie meinem Rat Anfang März gefolgt sind und besonders
in Technologie-Aktien eingestiegen sind, zögern Sie nicht,
Ihre Gewinne glattzustellen, denn die jetzige Erholung
kann sich als temporär erweisen und nicht als
grundsätzliche Trendwende. Meiden Sie im Moment
langfristige Anlagen und erhöhen Sie Ihre Cashposition.
Es könnte sein, dass wir im Laufe der nächsten Monate bei
vielen Aktien neue Tiefstpunkte bekommen, und da ist es
gut, Liquidität zu haben, um Aktien-Lieblinge
einzusammeln. Ich wünsche Ihnen dabei viel Glück.

Roland Leuschel

15.05.2001

Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=32108
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21.05.01 10:12:42
Beitrag Nr. 107 ()
Hier ein weiterer Faktor, der Greenspan und FED in Bedrängnis bringen könnte.



Der Handlungsspielraum der FED wird durch den steigenden Ölpreis eingeschränkt.

.
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23.05.01 00:20:27
Beitrag Nr. 108 ()
Dow Jones: Dialektik der Indikatoren


von Dr. Hans-Dieter Schulz

Der bekannteste Aktienindex der Welt war als Sammelbecken für die größten Old Economy Werte vom Niedergang der überspekulierten Technologiemärkte nicht betroffen. Der Dow Jones Index hatte dadurch für Schlagzeilen gesorgt, dass eine zweijährige Diamantformation erkennbar war, die von Chartisten weltweit als obere Umkehrformation gedeutet wurde. Im März 2001 hatte sich die Diamantformation bestätigt, indem der Dow auf knapp 9400 Punkte fiel. Es bildete sich ein enges Doppel-Bottom heraus, das in Verbindung mit der zweiten außerplanmäßigen Zinssenkung der Fed die Kurse bis an den Abwärtstrend bei knapp 11000 Punkten stiegen ließ. In Folge der aktuellen Zinssenkung vom 15. Mai brach der Dow Jones aus seinem Abwärtstrend aus. Sind jetzt neue Höchststände zu erwarten?

Chart 1 zeigt den Dow Jones mit zwei technischen Indikatoren. Der als Trendfolgeindikator geltende MACD hat bereits seine Signallinie geschnitten und befindet sich bei ca. 200, was ein neuer absoluter Rekord für den Dow ist, aber nur eine notwendige Folge des nominal hohen Indexstands ist. In der jüngeren Vergangenheit bietet sich die Situation vom April 2000 als Vergleich. Auch damals war der MACD von extrem negativ nach extrem positiv geschwungen und hatte wie heute ein Verkaufsignal generiert. Die Marke bei 10300 hatte damals die folgende Abwärtsbewegung aufgefangen. Sämtliche im Chart eingezeichneten Senkrechten zeigen Verkaufsignale des MACD. Um mindestens 500 Punkte ist der Dow daraufhin immer gefallen, in zwei Fällen innerhalb eines Monats. Im Dezember 1999 allerdings ging es erst noch in die Höhe zum Allzeithoch bei knapp 10800 Punkten im Januar 2000. Dafür stand der Index dann drei Monate später 1500 Punkte tiefer.




Diese obere Extension war vor allem mit der zusätzlichen Liquidität begründet, die die Fed zur Lösung des Y2K-Problems bereitstellte. Der Wirkung des vorletzten Zinsschrittes ist es zuzuschreiben, dass Anfang April ein ansonsten gut funktionierender Indikator versagte. Die Rede ist vom Put/Call-Ratio, dessen 10-tägiger gleitender Druchschnitt in Chart 2 dargestellt ist. Wie man leicht erkennt, waren Hochpunkte bei dieser Kennzahl stets mit lokalen Hochpunkten im Dow Jones verbunden. Die Zinssenkung setzte diesen Mechanismus außer Kraft. Mittlerweile hat das Put/Call-Ratio wieder neue Rekordhöhen erreicht und könnte erwartungsgemäß an der aufwärts gerichteten Verbindungslinie ein weiteres Top ausbilden, was normalerweise im Dow ebenfalls zu einem Top führen sollte.




Daß das Put/Call-Ratio eigentlich andersherum funktionieren sollte, soll hier nicht weiter stören. Als man die Wirkungsweiseweise dieses Indikators ursprünglich interpretierte, waren die Aktiven Teilnehmer am Terminmarkt die Käufer von Optionen. Heute ist es jedoch fast genauso verbreitet, Optionen im Sinne einer aktiven Strategie zu schreiben und das Hedging mit Optionen hat zugenommen. So werden etwa short puts in Optionen auf einzelne Aktien mit long puts auf den Index abgesichert, wenn z.B. ein Investor vom Steigen einer einzelnen Aktie überzeugt ist, sich aber gegen das allgemeine Marktrisiko über den Index absichert. Wie man auch immer den Indikator zu interpretieren versucht, jedenfalls hat er mit einer Ausnahme gut funktioniert.

Ein weiterer Indikator, dessen Erwähnung der Bedeutung der Terminmärkte gerecht wird, ist die implizite Volatilität. Sie misst die Abweichungen der Optionspreise von den harten Fakten der Black/Scholes-Formel. Diese Abweichungen sind vor allem psychologisch zu interpretieren. Eine zunehmende Volatilität und damit steigende Optionspreise signalisiert die wachsende Befürchtung der Marktteilnehmer, die Kurse könnten heftiger ausschlagen als bisher. Da Abwärtsbewegungen als mit heftigeren Ausschlägen verbunden wahrgenommen werden, steigt hier die implizite Volatilität stärker an als bei Aufwärtsbewegungen. Im Chart ist erkennbar, dass die implizite Vola vor großen Abwärtsbewegungen im Index jeweils Tiefstände aufwies. Aktuell ist die Vola des Dow Jones bei einem mehrmonatigen Aufwärtstrend angelangt, während sie gleichzeitig noch im kürzeren Abwärtstrend läuft. Es wird nicht mehr lange dauern bis in dieser Dreiecksformation eine Entscheidung fällt.

Im Volatilitätschart für den S&P 100 Index, der ganz ähnlich aussieht, beginnt sich ein Ausbruch nach unten anzudeuten. Dies auf den Dow übertragen würde freilich für noch weiter steigende Kurse sprechen. Eine Entwicklung wie im Dezember 1999 ist denkbar. Erinnern wir uns: das Verkaufsignal des MACD brauchte knapp drei Monate bis zu seiner Bestätigung, während der Dow Jones zwischenzeitlich ein neue Allzeithoch markierte. Ein erneutes Allzeithoch ist im Rahmen des Möglichen, wenn auch zunächst noch der Widerstand bei 11325 Punkten genommen werden müßte. Aber selbst wenn es so käme, zeigen die Indikatoren, daß die Kurse nicht dauerhaft steigen sollten und eine umso schärfere Korrektur folgen müßte, ähnlich wie die Anfang 2000.

Aktuell sind viele Bären ins bullische Lager zurückgewechselt. Es ist bei den Sentiment-Befragungen durchaus Luft für noch größeren Optimismus und somit steigende Kurse, wenn auch der Anteil der Bullen bei einzelnen Befragungen deutlich über 50% liegt. So zu beobachten bei den amerikanischen Kleinanlegern, die ja auch nach Anteilsrückgaben im Februar und März seit April wieder in gewohnter Weise Fondsanteile erwerben. Dieser Umstand sorgt für Liquidität an den Märkten, in gleicher Weise wie der hohe Investitionsgrad in Geldmarktfonds, in der Vergangenheit gute Indikatoren für steigende Aktienkurse. Wer schließlich für die deutlichsten monetären Impulse sorgt, ist die amerikanische Zentralbank, die seit Jahresanfang in Rekordgeschwindigkeit die Zinsen senkt.

Dennoch gab es in der ereignisreichen Finanzgeschichte des vergangenen zwei Jahrhunderte Situationen, in denen monetäre Impulse der gleichen Art wie sie heute von der amerikanischen Fed erzeugt werden, nicht die gewünschte Wirkung zeitigten. Solche Situationen hatten überbewertete Aktienmärkte gemein sowie in Jahren billigen Kredits geschaffene Überkapazitäten in weiten Teilen der Wirtschaft. Heute ist die Lage in den USA ähnlich. Langfristig steigende Aktienkurse sind vor einer deutlichen Bereinigung solcher realwirtschaftlicher Mißstände nicht zu erwarten.

Fazit: Alle hier untersuchten technischen Indikatoren lassen den Aktienmärkten noch etwas Luft nach oben. Dennoch, so heftig wie Bear-Market-Rallies sind, so abrupt enden sie. Bleibt abzuwarten, durch welchen Auslöser diesmal der Taumel beendet wird. Realwirtschaftlich sind langfristig steigende Aktienkurse nicht mehr untermauert.

Dr. H.-D. Schulz/Felix Pieplow

18.05.2001

Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=32526
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23.05.01 00:23:14
Beitrag Nr. 109 ()
Aus der FTD vom 23.5.2001
Keynes lebt

Von T. Fricke, C. Schütte und H. Wetzel, Berlin, Y. Esterhazy, Washi

Nach den drastischen Zinssenkungen der Notenbank geben nun die US-Finanzpolitiker das Geld mit vollen Händen aus. Eine massive Steuerentlastung soll den Konsum ankurbeln und eine Rezession abwenden.

Das Biest hält die Welt noch in Atem, doch die US-Regierung verkündet bereits seit am Dienstag den Sieg über die Rezession: "Am Ende dieser Woche", erklärte Finanzminister Paul O’Neill am Dienstag im Börsenfernsehen, "werden wir die Bedingungen geschaffen haben, um in sehr naher Zukunft zu einem sehr hohen Wachstum zurückzukehren."

"The slowdown has ended", meldete die Agentur Bloomberg umgehend Klartext. Operation erledigt - Konjunkturkrise überwunden? Anzeichen einer Wende sind in den realwirtschaftlichen Daten der US-Wirtschaft bisher nicht zu erkennen. Und doch tut sich etwas: Amerikas Wirtschaftspolitiker greifen inzwischen so entschlossen und massiv in die Volkswirtschaft ein wie seit Jahren nicht mehr.


Ob Notenbank, Weißes Haus oder Kongress - nach dem längsten Aufschwung der US-Geschichte wird derzeit alles nur Mögliche getan, um das Abrutschen in eine Rezession zu verhindern. Reagierte bislang vor allem die Notenbank Federal Reserve mit fünf drastischen, schnell aufeinander folgenden Zinssenkungen, geben jetzt die Finanzpolitiker Vollgas - getreu der Lehre von John Meynard Keynes: Wenn die Nachfrage im privaten Sektor schwächelt, muss der Staat nachhelfen.



Große Konjunkturspritze

Während die US-Konzerne massenweise Stellen streichen, schafft der Staat unverdrossen neue Arbeitsplätze. Und die ganz große Konjunkturspritze steht erst noch bevor: Finanzminister O’Neill geht davon aus, dass bis Freitag ein Gesetz beschlossen wird, das die Steuerzahler in den nächsten elf Jahren um 1350 Mrd. $ entlastet. 100 Mrd. $ könnten noch in den nächsten beiden Jahren an die Bürger weitergereicht werden.


"Die Zutaten sind da, um dem amerikanischen Volk in kurzer Zeit beträchtliche Mittel zufließen zu lassen", schwärmt Finanzminister O’Neill. Die Bürger werden es zu schätzen wissen, denn die Wirtschaft steht inzwischen für alle sichtbar auf der Kippe. Kaum jemand wagt sich vorzustellen, wie das Bild aussähe, wenn Notenbank-Chef Alan Greenspan nicht seit Januar die Leitzinsen um 250 Basispunkte nach unten getrieben hätte. Die Liquiditätshähne sind voll aufgedreht, die Geldmenge wuchs im ersten Quartal mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 15 Prozent - so schnell wie seit den 70er Jahren nicht mehr.


Dass Greenspan nicht lange fackeln will, hat er offiziell wissen lassen. Die Flexibilität und die erhöhten Anpassungsgeschwindigkeiten in der New Economy zwängen auch die Notenbank, "aggressiver zu handeln, als es in den vergangenen Jahrzehnten üblich war", erklärte er Anfang des Jahres im Kongress.


Das Ziel ist nicht nur die Stabilisierung der Wirtschaft knapp oberhalb des Nullwachstums. Die Banker wollen möglichst rasch zurück zu den hohen Wachstumsraten der zweiten Hälfte der 90er. Ohne eine weitere Lockerung, so begründete die Fed ihre letzten Zinsschritte, sei nicht damit zu rechnen, dass sich das Wachstum auf ein "akzeptables Tempo" beschleunige.


Inflationsbedenken werden erst mal beiseite geschoben. Obwohl die Stückkosten der Unternehmen kräftig steigen und die Inflationsrate fast 3,5 Prozent erreicht, verweisen die Notenbanker vorerst auf die Stabilitätsvorteile der Krise: "Angesichts des nachlassenden Drucks an Arbeits- und Gütermärkten wird die Inflation voraussichtlich im Rahmen bleiben." Obwohl die Zinsen bereits stark gefallen sind, erwarten die meisten Ökonomen zumindest noch einen weiteren kleinen Schritt. Die Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter etwa rechnet in diesem Zinssenkungszyklus mit einem Tiefpunkt von 3,75 Prozent.


Nach dem ökonometrischen Modell, das die Notenbank verwendet, erhöht eine Zinssenkung um jeweils 100 Basispunkte das Wachstum um 0,6 Prozent im ersten und um 1,6 Prozent im zweiten Jahr. Gilt diese Regel auch in Zukunft, hat die Fed bereits jetzt ein gewaltiges Konjunkturprogramm aufgelegt.


Die Politiker wollen jetzt noch einen drauflegen. 13 Blocks östlich der Fed, am anderen Ende des Washingtoner Regierungsbezirks, kämpft inzwischen auch der Kongress gegen die Konjunkturflaute. Noch in dieser Woche will das Parlament das größte Steuersenkungspaket seit 20 Jahren beschließen. Kein Wunder, dass O’Neill triumphiert: Bereits am nächsten Montag könnte das Gesetz Präsident George W. Bush zur Unterschrift vorliegen.


Fest steht bisher allerdings nur die Gesamtsumme: Über die Aufteilung der 1350 Mrd. $ streiten Republikaner und Demokraten weiterhin. Nach der Vorlage, die am Dienstag im Senat debattiert wurde, sollen 100 Mrd. $ bereits in den Fiskaljahren 2001 und 2002 an die Bürger zurückfließen - ein Kick, den konservative Demokraten in das Steuerpaket gedrückt haben.



Chancen

Ob und wie dieses Programm Gesetz wird, muss sich in den Schlichtungsverhandlungen mit dem republikanisch dominierten Repräsentantenhaus zeigen. Bushs Parteifreunde würden die 100 Mrd. $ lieber verwenden, um den Spitzensteuersatz noch deutlicher zu senken.


Die Chancen für eine massive Steuerentlastung noch in diesem Jahr stehen aber nicht schlecht. Die Anhänger der raschen Entlastung sitzen am längeren Hebel; ohne die Demokraten gibt es im Senat keine Mehrheit für das Gesamtpaket.


Die Aussicht auf eine rasche Kaufkraft-Infusion lässt Ökonomen bereits euphorisch zum Taschenrechner greifen. Als es vor zwei Wochen so aussah, als würden die 100 Mrd. $ - immerhin rund ein Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts - schon ab Herbst in Form von Schecks an die Bürger verteilt, errechnete Bernhard Gräf, US-Experte bei Deutsche Bank Research, eine ganz erhebliche Schubwirkung: "Selbst wenn nur knapp die Hälfte des Geldes ausgegeben würde, könnte dies im dritten Quartal 2001 ein zusätzliches Wachstum von drei und im vierten Quartal von 2,5 Prozentpunkten bringen."


Der Senat favorisierte zuletzt allerdings einen anderen Weg, der die Mittel langsamer fließen lässt: Gut 80 Prozent der 100 Mrd. $ sollen die Bürger erhalten, indem rückwirkend zum 1. Januar der Eingangssteuersatz von 15 auf 10 Prozent sinkt und der Kinderfreibetrag steigt. Die Bürger würden davon durch niedrigere Abzüge profitieren. Hinzu kämen im Frühjahr 2002 Rückzahlungen über den Lohnsteuerjahresausgleich. Der Gesamteffekt könnte sich nach Berechnungen aus dem US-Kongress im laufenden Jahr auf immerhin fast 50 Mrd. $ belaufen, für das gesamte Jahr 2002 werden noch einmal 75 Mrd. $ erwartet.


Ob die Bürger das Geld tatsächlich voll in den Konsum stecken werden, ist unter Ökonomen umstritten. Erfahrungen mit früheren Ankurbelungsprogrammen lassen eher erwarten, dass mancher Dollar einfach auf die hohe Kante gelegt wird. Zudem könnte ein Großteil der Entlastung durch die explodierenden Energiepreise geschluckt werden.


Nach dem ökonometrischen Modell der Fed würde das Steuerpaket allerdings immerhin einer weiteren Zinssenkung um 75 Basispunkte entsprechen, rechnen die Volkswirte von Morgan Stanley vor. "Die Kombination aus Geld, das sofort fließt, und der Aussicht auf künftige Entlastungen wird einen neuen Wachstumsschub der US-Wirtschaft unterstützen", wirbt O’Neill.


Solange das Steuerpaket noch auf sich warten lässt, scheint sich die Regierung zumindest bei ihren eigenen Ausgaben nicht mehr ganz so streng zu geben. Beispiel Bildungsetat: Die monatlichen Ausgaben lagen hier zuletzt um rund ein Drittel höher als im Sommer 2000. Gestiegen sind auch die Militärausgaben, deren Ausweitung - um 84 Mrd. $ bis 2005 - Clinton schon 1999 gefordert hatte. Im Februar und März schossen die Aufträge für militärische Güter sogar um 26 und 62 Prozent in die Höhe.


Auffällig ist auch, dass die Zahl der Beschäftigten beim Staat seit einigen Monaten stetig steigt, während Jobs in der Privatwirtschaft abgebaut werden. Seit Februar steht einem kumulierten Minus von 645.000 Beschäftigten im Privatsektor ein Plus von 128.000 neuen Staatsjobs gegenüber.



Dank an Vorgänger Clinton

Auch wenn Bush aktive Konjunkturprogramme ablehnt und als Sparkommissar angetreten ist - angesichts der Krise kommt es ihm zupass, dass so manche expansive Maßnahme aus der Endzeit seines Vorgängers Bill Clinton jetzt die Konjunktur stützt.


Die Washingtoner Ankurbelungsversuche scheinen inzwischen zumindest die Börsianer überzeugt zu haben. Steigende Aktienkurse, vor allem bei zyklischen Titeln, und eine Ausweitung des Abstands zwischen kurz- und langfristigen Zinsen gelten als klares Signal für die Wende.


Dagegen stehen freilich hohe Überkapazitäten und die eskalierende Jobkrise. So hält Stephen Roach, Chefvolkswirt bei Morgan Stanley und einer der führenden Skeptiker an der Wall Street, unbeirrt an Rezessionsszenarien fest. "Die Frage ist, ob diese traditionellen Instrumente greifen."



© 2001 Financial Times Deutschland


Quelle: http://www.ftd.de/pw/in/FTD29EI41NC.html?nv=hpm
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23.05.01 00:23:32
Beitrag Nr. 110 ()
Mensch HSM, Du treibst Dich auch den ganzen Tag bei w:o rum, oder?! ;)
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23.05.01 10:29:18
Beitrag Nr. 111 ()
@ Tisc

Du doch auch ? :eek::eek::eek:
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23.05.01 11:28:48
Beitrag Nr. 112 ()
NEMAX-All-Share-Tagesanalyse [23.05.01, 09:16]

Von Andreas Büchler

Der Dienstag war einer der wenigen Tage, an denen der
NEMAX ein Eigenleben entwickelte. Obwohl die Leitbörse
Nasdaq nur leicht im Plus lag, gelang es dem Index sich
abzukoppeln und zu Handelsschluss einen Kursgewinn von
2,8 Prozent oder 52 Zählern aufzuweisen.





Kurzfristige Analyse

Die positive Dynamik deutet darauf hin, dass die obere
Begrenzung des aktuellen Seitwärtstrends in den nächsten
Tagen getestet wird. Diese verläuft bei der psychologisch
wichtigen Marke von 2000 Zählern.

Die Indikatoren deuten bisher nicht darauf hin, dass es zu
einem Durchbruch kommt. Der AROON, ein Indikator für
Trendphasen, zeigt eine Seitwärtsbewegung an. Der DSS
(Double Smoothed Stochastik), ein Oszillator, der als
Signalgeber in solchen Phasen eingesetzt wird, gab am 15.
Mai ein Verkaufssignal. Um die 2000er-Marke zu erreichen,
ist jedoch noch ein Kursanstieg von 2,5 Prozent
erforderlich. Dadurch kann sich die Lage der Indikatoren
durchaus zum Besseren wenden.

Kommt es zu einem Durchbruch, liegt der nächste leichtere
Widerstand bei der Fibonacci-Marke von 2033 Zählern
(bezogen auf die Abwärtsbewegung vom 24. Januar bis 3.
April). Die nächste stärkere Barriere bildet der Bereich
um 2200 Zähler. Dort befindet sich sowohl die nächste
Fibonacci-Marke als auch der horizontale Widerstand,
der sich aus dem Januartief bei 2233 Zählern ableitet.

Prallt der Index von der 2000er-Marke ab, dürfte der
Kurssturz spätestens bei der unteren Begrenzung der
Seitwärtsrange bei 1800 Zählern stoppen. Eine erste
leichtere Unterstützung liegt bereits zwischen 1823
und 1849 Zählern, der Notierungslücke vom 17. Mai.


Kurzfristige Handelsempfehlung

Vorerst keine Neupositionierung sinnvoll.

Mittelfristige Analyse

Ein erstes positives Signal lieferte der Bruch der
langfristigen Abwärtstrendlinie, die seit dem Allzeithoch
vom 10. März bei 8559 Zählern bestand. Das allein kann
jedoch noch nicht als mittelfristiges Kaufsignal
herangezogen werden. Sämtliche Indikatoren befinden sich
auf Wochenbasis berechnet noch im Verkaufsmodus, wobei
sich ein beginnender mittelfristiger Seitwärtstrend
abzeichnet.


Wichtige Chartdaten

Zusammenfassung der Unterstützungen und Widerstände


Widerstand 2: 2200 (horizontaler Widerstand)
Widerstand 1: 2000 (horizontaler Widerstand)


NEMAX-Allshare-Index: 1947 Punkte (letzter Schlusskurs)


Unterstützung 1: 1849 – 1823 (Notierungslücke vom 17. Mai)
Unterstützung 2: 1800 (horizontaler Bereich)

Quelle:http://www.bch.de/servlet/ContentServer?pagename=bch/StoryRe…
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23.05.01 11:37:06
Beitrag Nr. 113 ()




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23.05.01 12:11:26
!
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25.05.01 23:31:10
Beitrag Nr. 115 ()


Die Entscheidung steht bevor.... :D

MCCLAIN.
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31.05.01 14:54:38
Beitrag Nr. 116 ()
Droht ein neues Börsengewitter?



von Roland Leuschel


In meiner Kolumne von Ende März dieses Jahres
(« Die Hartgesottenen in der Echternacher
Springprozession ») habe ich empfohlen, den
Cash-Anteil Ihres Portefeuilles zu reduzieren und
« ausgewählte Qualitätsaktien im Technologiebereich zu
sammeln ».
Obwohl der von mir angepeilte Indexstand von 1.600 beim
Nasdaq nicht ganz erreicht wurde (die Nasdaq-Baisse hielt
Anfang April bei 1.638,80 an) empfahl ich damals Aktien
wie Oracle ($ 13,50), Cisco ($ 15), STM Microelectronics
($ 42), Double Click ($ 10), Qiagen (Euro 20), sowie die
Standardwerte IBM ($ 90) und Siemens (Euro 70). In meinem
letzten Beitrag « Die Stagflation lässt grüssen » empfahl
ich Ihnen, nicht zu zögern und Ihre Gewinne
glattzustellen, denn die jetzige Erholung kann sich als
temporär erweisen. Die Gewinne auf diese Werte liegen
zwischen 25 und 50%. Schon allein aus diesem Grund
rechtfertigt sich eine Gewinnmitnahme. Inzwischen hat sich
die allgemeine Lage an den Börsen so verschlechtert, dass
ich heute nochmals verstärkt auf das Mitnehmen von
Gewinnen pochen muss. All diese Aktienkurse laufen Ihnen
nicht weg, im Gegenteil in Perioden der Stagflation kann
nur der Investor Erfolg haben, der den Mut hat, seine
Aktien mit Portefeuille zu traden.
Es stimmt zwar, Kostolany riet « Aktien zu kaufen und
Schlaftabletten zu nehmen », aber er hat dabei vergessen
zu sagen, dass so mancher nach den Schlaftabletten zwar
einen tiefen Schlaf hatte, jedoch nach dem Aufwachen
feststellen musste, dass er Pleite war.

Was veranlasst mich zu glauben, dass wir in den nächsten
Jahren das Szenario einer Stagflation erleben? Einmal
lehnen dieses Szenario die meisten Experten vehement ab.
Zum anderen muss ich feststellen, dass das Szenario einer
Stagflation mehr und mehr in den Medien behandelt wird.
Vor allen Dingen in Amerika sprechen immer mehr Analysten
von der nahenden Phase der Stagflation, also stagnierender
Konjunktur mit relativ hohen Inflationsraten (4 bis 6%),
eine Periode, die wir Ende der 60er und in den 70er Jahren
hatten, und der sich dann eine kurze Periode der
Hyperinflation anschloss. Anfang der 80er Jahre begann
die amerikanische Notenbank mit einer massiv restriktiven
Geldpolitik gegenzusteuern (Tagesgeld kostete bis zu 20%),
und die neue Regierung unter Reagan begann mit einer
spektakulären, angebotsorientierten Wirtschaftspolitik.

Schauen Sie sich die Bundesrepublik an, es gibt praktisch
keine Bundesbankpolitik mehr (der jetzige Bundesbankpräsident
ist eher ein schwaches Abziehbild früherer
Persönlichkeiten), und die EZB hat sich zwar das Ziel
gesetzt, die Inflationsrate nicht über 2% im Euroland
steigen zu lassen, aber im April dieses Jahres stieg die
Inflationsrate in der Bundesrepublik auf stolze 3,5%.
Der Euro hat seit Jahresbeginn rund 10% gegenüber dem
Dollar verloren, und Politiker weisen darauf hin, dass
ein schwacher Euro gut für unsere Exportwirtschaft sei.
Ist es nicht verwunderlich festzustellen, wie leicht und
problemlos die Arbeitnehmer sich heutzutage über den Tisch
ziehen lassen? Da stimmen die Gewerkschaften des privaten
Bankgewerbes einem Vertrag zu, der den Angestellten vom
1. Mai an eine Gehaltserhöhung von lächerlichen 2,8%
zugesteht. Ein Vertrag der übrigens 13 Monate laufen soll,
das heisst also, die nominale Erhöhung für ein Jahr ist
2,6%. Praktisch am selben Tag wird veröffentlicht, dass
die Inflationsrate inzwischen 3,5% beträgt, und somit ist
die reale Gehaltsabnahme mindestens -1%, und die
Arbeitgeber scheuen sich nicht, zu behaupten, sie wären
mit dieser Gehaltsverringerung « an die Grenzen des
Vertretbaren » gegangen. Ich kann mich darüber nur wundern
und befürchten, dass in nicht allzulanger Zeit die
Reaktion heftig sein wird.

Greenspan und viele seiner Jünger haben immer wieder
behauptet, dass der jetzige Konjunktureinbruch eine V-Form
hat, das heisst, dass auch der Wiederanstieg auch sehr
rasch und steil stattfinden wird. Ich halte dies für
Wunschdenken. Natürlich wird Greenspan und in seinem
Fahrwasser die EZB die kurzfristigen Zinsen weiterhin
kräftig senken, aber sie werden alle erfahren, dass,
wie übrigens am Beispiel von Japan abzulesen ist, in
gewissen Phasen Zinssenkungen kein Allheilmittel sind.
In einem bemerkenswerten Artikel in der FAZ vom Montag den
28. Mai « Der Bulle tanzt blind auf den Klippen der
Goldilock-Ökonomie » schreibt der Verfasser Hanno Beck :
« Aus der Goldilock-Ökonomie wird eine Wirtschaft, in der
dann möglicherweise auch Zinssenkungen ihre gewohnte
Wirkung verlieren. Weder Konsum noch Investitionen lassen
sich nun durch Zinssenkungen in Gang bringen:
Im schlimmsten Fall droht Stagflation ». Bereiten Sie sich
seelisch darauf vor. Übrigens auch Greenspan (der
Hohepriester des Geldes) scheint lernfähig zu sein.
Er stellte in der vergangenen Woche in einer Rede in
New York die rhetorische Frage : « Do we have the
capability to eliminate booms and busts? The answer,
in my judgment is no, because there is no tool to change
human nature or to predict human behaviour with great
confidence. » Wie wohltuend wirkt diese Aussage, wenn man
daran denkt, dass vor ein paar Monaten der MIT Professor
Rüdiger Irving Dornbusch sagte : « Die Angst vor einer
Rezession ist typisch europäisch, aber unbegründet.
Streichen Sie deshalb das Wort Rezession aus Ihrem
Sprachschatz, es wird sie in den USA nicht mehr geben.
Die US-Wirtschaft strotzt vor Kraft. »

Roland Leuschel

31.05.2001

Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=33470
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17.06.01 14:17:05
Beitrag Nr. 117 ()
:D Börsengewitter? Ich glaube nicht.
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20.06.01 19:58:48
Beitrag Nr. 118 ()
Neue Welle von Gewinnrevisionen rollt an

Nach Infineon müssen Analysten zum Rechner greifen. Die hartnäckige Konjunkturflaute dürfte viele Prognosen über den Haufen werfen


Von Henning Kruse und Holger Zschäpitz


Berlin - Nun auch Infineon. Eine saftige Gewinnwarnung des Chipherstellers versetzte die Märkte am Mittwoch in Angst und Schrecken. Der Dax büßte zeitweise knapp zwei Prozent ein. Für zusätzlichen Stunk sorgten Äußerungen von Wirtschaftsminister Werner Müller. Er hatte von einem möglichen Nullwachstum im zweiten Quartal gesprochen und das von der Bundesregierung anvisierte diesjährige Wachstumsziel von zwei Prozent in Frage gestellt. Der Chef der Landeszentralbank Hessen-Thüringen, Hans Reckers, wollte sogar eine Rezession nicht ausschließen.
Trübe Aussichten für die Börse. Denn die hartnäckige Konjunkturflaute dürfte viele Prognosen über den Haufen werfen - und damit auch die Analysten auf dem falschen Fuß erwischen. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate senkten die Experten zwar ihre durchschnittlichen Gewinnerwartungen 2001 für die 30 Dax-Unternehmen um ein Viertel. Doch in vielen Prognosen ist immer noch ein gutes Stück Hoffnung drin. "Eine längere konjunkturelle Durststrecke hat noch kaum einer auf der Rechnung", sagt Oliver Günter von der Bankgesellschaft Berlin.

Infineon könnte nun der Auftakt für eine neue Runde von Gewinnrückstufungen sein. Nach einer WELT-Umfrage besteht der größte Korrekturbedarf bei den zyklischen Unternehmen der alten und neuen Wirtschaft. Gefährdet sind vor allem die Branchen Technologie, Auto, Chemie und Maschinenbau. "Eine schwache Konjunktur führt zu stagnierender Nachfrage, rückläufigen Margen und erhöht den Kostendruck", sagt Günter.

Gerade Infineon zeigt die prekäre Lage vieler Unternehmen. Sie haben ihre Kostenstruktur auf Wachstum ausgelegt. Nun bleiben die Aufträge aus, die Ergebnisse stürzen ab. So könnte der einstige Börsenliebling Infineon in diesem Jahr in die Verlustzone rutschen - obwohl vor Monaten noch Milliardengewinne versprochen wurden. Theo Kitz von Merck Finck will weiteren Revisionsbedarf bei der Siemens-Familie nicht ausschließen. Sollte insbesondere die neue Handy-Generation schlecht laufen, sehe es für Siemens samt Töchter düster aus.

Auch den Zyklikern der Old Economy droht Ungemach. Sorgenkind im Autosektor ist Volkswagen. "Die konjunkturellen Risiken sind nicht im Kurs eingepreist", meint Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank. Als Massenfabrikant seien die Wolfsburger besonders von einem wirtschaftlichen Einbruch betroffen. "Luxushersteller wie BMW und Daimler-Chrysler halten sich dagegen stabil."

Kritisch sehen Analysten die Chemietitel. Hier könnte vor allem BASF unter Druck geraten. Aber auch Degussa und Henkel werden vermutlich nicht ungeschoren davon kommen. Besser sieht es für Bayer aus, die einen Großteil des Ergebnisses aus dem stabilen Pharmageschäft erzielen. "Medikamente werden immer gebraucht", sagt Meng Si von der Bankgesellschaft Berlin auch mit Blick auf Fresenius und Schering.

Entwarnung geben Analysten für die beiden Volksaktien Deutsche Post und Deutsche Telekom. "75 Prozent der Post-Gewinne stammen aus dem Briefgeschäft", sagt Thomas Köbel von SEB. Das Logistik- und Frachtgeschäft spiele - im Gegensatz zur Lufthansa - eine untergeordnete Rolle. Auch T-Aktionäre könnten zumindest von Konjunkturproblemen verschont bleiben. "Telekommunikation ist nicht den Wirtschaftslaunen unterworfen", sagt Joeri Sels von Julius Bär. Die Telekom stehe damit fast auf einer Stufe mit den ertragsstabilen Versorgern. Schutz vor einem wirtschaftlichen Abschwung versprechen sich Experten auch von der Versicherungsbranche. Ein Infineon-Schock ist hier so gut wie ausgeschlossen.


Quelle: http://www.welt.de/daten/2001/06/21/0621fi262185.htx
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22.06.01 20:43:48
Beitrag Nr. 119 ()
Sie kommt, sie kommt nicht, sie kommt - die Stagflation!


von Roland Leuschel



Ende Mai, als so mancher Börsenstratege, sowie viele
Marketing-Strategen von Investmentbanken angesichts
schrumpfender Börsenumsätze den Sommerbeginn herbeisehnten
und Anleger mit oft reisserischen Parolen anreizten, Fonds
und Aktien zu kaufen, um an der kommenden Sommer-Rallye
teilzuhaben, warnte ich in meiner Kolumne vor einem neuen
Börsengewitter : « Inzwischen hat sich die allgemeine Lage
an den Börsen so verschlechtert, dass ich heute nochmals
verstärkt auf das Mitnehmen von Gewinnen pochen muss ... »
Es fiel mir nicht leicht, diese Warnung auszusprechen.
Einmal hatte ich gerade Ende März mich zum Wiedereinstieg
bei Aktien entschlossen, nachdem ich so lange (seit 1996)
vom Crash gesprochen hatte, zum zweiten lag mir eine
Studie der SSSB (Schroder Salomon Smith Barney) vor mit
der Prognose : Dax in 12 Monaten bei 8.000 (Ende Mai
6.220) und Eurostoxx bei 5.800 (Ende Mai 4.513), das wären
immerhin 30% Kurszuwachs.

Ausserdem wusste ich wie jeder, der sich mit Aktienbörsen
beschäftigt, dass seit Monaten enorme Mittelzuflüsse,
besonders bei institutionellen Anlegern wie Pensionsfonds
und Versicherern, in die Geldmarktfonds strömen.
Das Vermögen der institutionellen Geldmarktfonds stieg
seit Jahresbeginn um 200 Milliarden Dollar, verglichen mit
den kümmerlichen 17 Milliarden Dollar im Jahre 2000.
Damit liegen in Geldmarktfonds über 2.000 Milliarden
Dollar, was fast 15% des Marktwerts aller Aktien an der
NYSE bedeutet. Das lässt viele Börsianer träumen, und die
Verkaufsstrategen bei den Investmentbanken ebenso. Aber
vielleicht träumen einige Aktionäre inzwischen vom
Immobilienvermögen.

Hätte SSSB recht und würden sich diese Geldmarktfonds in
die Aktienfonds ergiessen, dann dürfte der « Hohepriester
der Blasen » Alan Greenspan Freude an der Bubble II haben.
Der prognostizierte Kursanstieg von 30% beim Dax zum
Beispiel würde bei gleichzeitigen unveränderten Gewinnen
der Unternehmen in diesem Jahr die KGV, die gerade von
Analysten als Anlagekriterium wiederentdeckt wurde, auf
die schwindelnde Höhe von 30 bringen. Zur Erinnerung :
1995 lag die KGV des Dax bei 12 bis 13 und stieg auf 30
im Jahre 2000. Ähnliches kann natürlich auch von der KGV
des Standard & Poors 500 gesagt werden, die 1995 zwischen
15 und 16 lag und im Zuge der « irrational exuberance »
bei 35 landete. Wenn Greenspan weiterhin die Geldschleusen
öffnet, und die EZB trotz hoher Inflationsraten die Zinsen
ebenfalls senkt, dann kommt nicht nur die Bubble II zur
vollen Blüte, sondern dieses Mal hat der Anleger gelernt
und wird verstärkt Immobilien kaufen und vielleicht dort
für eine Blase sorgen. In einem Land wie Portugal, in dem
die Inflationsrate inzwischen bei 5% ist, haben wir seit
über einem Jahr an der Algarve einen Immobilienboom, der
seinesgleichen sucht.

Das Schönste an den Börsen aber ist die Tatsache, dass man
mit Aktien 100, 200 ja 1.000 und mehr Prozent verdienen,
aber nie mehr als 100% verlieren kann, die « risk reward
ratio » ist also traumhaft. Im Moment gehen die Börsen auf
und ab, je nachdem welche Meldung von Unternehmen gerade
in den Vordergrund gestellt wird. Am vergangenen Freitag
wurden die Börsen durch die Verlustankündigung von über
19 Milliarden Dollar des führenden kanadischen
Telekommunikationsausrüsters Nortel (einer der grössten
Quartalsverluste eines Unternehmens in der Geschichte der
Wall Street) erschüttert. Der Aktienkurs der Nortel, der
noch im vergangenen Jahr stolze 89 Dollar errreichte, fiel
unter 8 Dollar. Mehr als 250 Milliarden Dollar Kapital
wurden vernichtet. Am vergangenen Montag konnten sich die
Börsianer dagegen wieder richtig freuen, nachdem Oracle
die geschätzten Quartalsergebnisse auch erreichen konnte.
Dabei spielte keine Rolle, dass der Reingewinn und der
Umsatz eingebrochen sind. Gestern kündigte Infineon seinen
Aktionären an, dass ein Verlust für das laufende dritte
Quartal von 600 Millionen Euro droht und der Umsatz um 30%
gegenüber dem Vorquartal sinken wird. Prompt bekam die
Börse wieder einen Knacks. Der Kurs von rund 28.50 Euro
ist ungefähr ein Viertel weniger als der Kurs, bei dem
sich Anleger glücklich schätzten, einige Stücke bei der
Emission zu erhaschen.

Während die Inflationsrate im Euroraum im Mai auf 3,4% bzw
in Deutschland auf 3,5% gestiegen ist, werden die
Wachstumsraten der Wirtschaft ständig revidiert. Der
Anleger braucht also seine Margeriten im Garten nicht
zu pflücken um abzuzählen, ob die Stagflation kommt
oder nicht : Sie ist schon da. Wie verworren unsere
Notenbankpolitiker bereits sind, beweisen zwei Dinge :
Einmal erklärte der britische Notenbankchef Eddie George
bei der monatlichen BIZ Sitzung am 7. Mai in Basel, dass
« im zweiten Semester 2001 der Aufschwung in Amerika
einsetzen wird ». Derselbe Mann, der übrigens der Sprecher
der Zentralbanken ist, sagte am 31. Mai in Wien auf einem
Währungskolloquium : « Der amerikanische Aufschwung wird
nicht vor 2002 stattfinden ». Wir werden sehen, was uns
Herr George das nächste Mal zu sagen hat. Oder was soll
man vom Euro halten, der von einer Zentralbank gemanagt
wird, die noch vor einem Jahr behauptete und immer
wiederholte, dass die Preisstabilität von 2,0% Inflation
im Euroland nicht überschritten wird. Und nun toleriert
sie 3,4% !

Fazit für den Anleger : Halten Sie Ihr Pulver trocken, die
Tiefststände von Ende März dieses Jahres werden noch
einmal getestet, und erst dann sollten Sie sich
entscheiden, ob Sie wieder einen Teil Ihres Cash in Aktien
anlegen. In der Zwischenzeit müssen Sie sich in Geduld und
Geldmarktfonds üben. Wenn dabei die Kurse der
Lieblingsaktien fallen, kann das auch sehr reizvoll sein.

Roland Leuschel

22.06.2001


Quelle: http://nachrichten.boerse.de/anzeige_kolumne.php3?id=35102
Avatar
07.07.01 11:11:41
Beitrag Nr. 120 ()
Indexentwicklungen seit Thread-Eröffnung (16.12.00)







.
Avatar
10.07.01 20:59:15
Beitrag Nr. 121 ()
10.07. 10:12

Nemax 50 unter 1000 Punkte ?

--------------------------------------------------------------------------------
(©BörseGo - http://www.boerse-go.de)



Auch hier haben wir erneut einen Detailcheck mit Fokus auf
mittelfristige Sicht vorgenommen, um das bisher von uns
gezeichnete bearishe Bild zu überprüfen. Charttechnisch
bestätigt sich unser deutlich bearishes Bias
voraussichtlich schneller als erwartet.

Nemax 50:

Langfristiger Wochenchart:

Charttechnisch zeigt sich auch der Nemax 50 stark
angeschlagen. Die Korrektur steht vor einer Fortsetzung.
Von einer Bodenbildung kann keine Rede sein. Ein neues
Allzeittief wurde erreicht. Die ehemalige sekundäre
Abwärtstrendlinie wurde wieder nach unten gebrochen. Der
MACD dreht im überverkauften Bereich wieder nach unten ab,
ebenso der OBV, der auf dem stark ermäßigten Kursniveau
weiteren Kapitalentzug aus dem Index anzeigt. Größere
kapitalstarke Marktteilnehmer scheinen nicht, wie sonst
in starken Korrekturphasen üblich, langsam Positionen
einzusammeln, sondern trennen sich ganz im Gegenteil von
ihnen. Der Kursverfall könnte in den nächsten Wochen durch
eine langfristige innere Trendlinie, welche im
beiliegenden Wochenchart grün markiert ist, etwas
aufgehalten werden. Unser mittelfristiges Kursziel für
den Nemax 50 liegt im Bereich der 1000 Punktemarke.




Mittelfristiger Tageschart:

Hier der mittelfristige Abwärtstrendkanal in voller Länge.
Sie erkennen auch hier den sich nach unten "aufweitenden
Charakter". Es handelt sich um ein "Broadening Wedge". Wir
haben den Bereich rosa markiert zwecks besserer
Darstellung. Der Support bei 1254 Punkten ist nach unten
durchbrochen, der Index nun im freien Fall. Außer der
langfristigen inneren Trendlinie existieren keine
charttechnischen Unterstützungen mehr!




Quelle: http://195.94.69.233/news/?show=27497
Avatar
10.07.01 21:05:09
Beitrag Nr. 122 ()
10.07. 10:12

Nemax-All-Share - Detailcheck
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(©BörseGo - http://www.boerse-go.de)



Nemax-All-Share:

Langfristiger Wochenchart:

Der Allzeithöchstkurs vom Nemax-All-Share wurde am
10.03.2000 erreicht und lag bei 8583 Punkten. Aktuell
notiert der Index im Bereich von 1300 Punkten mit weiter
fallender Tendenz. In einer der vergangenen Wochenanalysen
hatten wir ein mittel- bis langfristiges Kursziel von
zunächst 1030 Punkten, anschließend von 820 Punkten
genannt. Im beiliegenden Wochenchart sind die wichtigen
charttechnischen Marken, die alle im Sog des seit Monaten
laufenden Kursverfalls unterschritten wurden markiert. Im
Falle einer nachhaltigen Kurserholung in den nächsten
Jahren werden diese charttechnischen Key Level, welche bei
1638, 2000, 2734 und 4000 Punkten liegen, als
Widerstandszonen wirken. Die gesamte bisher abgelaufene
Korrektur im Nemax spielte sich in Form eines übergeordneten
langgezogenen steil nach unten abfallenden Abwärtstrendkanals
mit divergierender Ober- und Unterkante ab. Ein sogenannter
"Broadening Wedge" Auffällig auch die relativ schmale
Trading Range. Damit weist der Abwärtstrendkanal fast alle
nur denkbaren bearishen Attribute auf. Auch auf dem
aktuellen stark ermäßigten Kursniveau möchten wir bewußt
vor einen Einstieg warnen !

Der Index ist charttechnisch extrem angeschlagen. Die
mancherorts als positives Argument ausgegebene Losung, daß
zu dem Zeitpunkt, wenn in der Öffentlichkeit der
Pessimismus am weitesten verbreitet ist, sich ein guter
Kauftermin ergebe, dürfte im Falle des Nemax-All-Share
nicht greifen. Die vergangenen mittlerweile 18 Monate
haben gezeigt, daß es immer und immer wieder eine Stufe
tiefer ging. Der MACD baut aktuell im Wochenchart ein
Verkaufssignal, welches massive weiter nachgebende Kurse
nach sich ziehen wird. Das Kursziel von 1030 Punkten wird
voraussichtlich schneller als erwartet erreicht. Der Nemax-
All-Share underperformt seinen US Leitindex Nasdaq während
der Korrekturphase deutlich. Abwärtsbewegungen werden
stärker "mitgeschwungen" als die kurzfristigen Upmoves.




Mittelfristiger Tageschart:

Hier ist der sekundäre Abwärtstrendkanal in voller Länge
dargestellt. Im Zuge der Kurserholung der zurückliegenden
3-4 Monate konnte die sekundäre Abwärtstrendlinie leicht
überwunden werden. Allerdings nicht signifikant. Das
Resultat des Ausbruchs ist jenes, daß die Abwärtstrendlinie
leicht nach oben geklappt wurde und damit nun etwas
weniger steil nach unten abfällt. Das Resultat hat aber
auch eine vordergründig von den meisten Marktteilnehmern
nicht wahrgenommene deutlich bearish zu wertende
Komponente. Der eingangs erwähnte sich nach unten aufweitende
Abwärtstrendkanal ("Broadening Wedge") hat sich damit noch
weiter aufgeweitet, was negativ zu werten ist. Der Index
notiert auf einem neuen Tief innerhalb des Abwärtstrends.
Dies alleine für sich ist laut technischer Analyse bereits
als Verkaufssignal zu werten.




Quelle: http://195.94.69.233/news/?show=27498
Avatar
16.07.01 20:26:40
Beitrag Nr. 123 (