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Eine Branche in der Krise [SZ v. 1.3.2001]
Finanz-Portale im Internet: „Seite nicht gefunden“

Der Börsenboom hat sie groß gemacht. Doch nun, wo die Kurse fallen, geraten die von Banken und Verlagen unabhängigen Internet-Finanzportale in die Krise. Parallel zu den Börsen stürzten im Dezember erstmals die Nutzungszahlen ab. wallstreet:online, Boerse.de und OnVista verbuchten bei den abgerufenen Seiten Einbrüche von bis zu 35 Prozent. Gatrixx musste für sein TV-Angebot im Internet Konkursantrag stellen. Auch die Seite Fool.de, Ableger eines US-Angebots, machte dicht: „Vor einem Jahr hing der Himmel voller Geigen“, schreibt die Redaktion ernüchtert, „Motley Fool nicht fortzuführen, ist für uns alle schwierig und schmerzhaft.“

Schmerzhafte Abschiede stehen den Machern anderer Finanz-Portale wohl noch bevor. Zwar sahen die Klick-Zahlen im Januar wieder freundlicher aus. Aber der Einbruch hat die Anbieter vorsichtig gemacht. Sie überlegen, wie das Geschäft auf weniger wacklige Füße gestellt und endlich profitabel gemacht werden kann. Allen ist klar, die Fehlermeldung „Seite nicht gefunden“ dürfte bald manche Homepage ablösen.

Das Erkrather Unternehmen wallstreet:online setzt nun verstärkt auf die Zulieferung von redaktionellen Inhalten an Lizenznehmer. Die Analysen und Nachrichten des Redaktionsteams werden unter anderem von Comdirect und Focus-Online gekauft. Mit dem so genannten Content-Providing erzielt wallstreet:online 25 Prozent des Umsatzes. Mehr als 70 Prozent entfallen auf Werbeeinnahmen im Netz, die von den schwankenden Klick-Raten abhängen. Von Gewinnen ist das Unternehmen weit entfernt: 3,2 Millionen DM Verlust bei 2,1 Millionen Umsatz – das sind die letzten Zahlen.

Teure Echtzeitkurse

Auch die Berliner Gatrixx plant nach dem Aus für das TV-Angebot, das Content-Providing „überproportional“ auszuweiten. Die Firma bastelt zudem eifrig an einer Restrukturierung. Von ihren sieben Finanzseiten, darunter Finanztreff und Mainvestor, sollen Ende März einige zusammengelegt werden. „Es ist einfach zu teuer, so viele Marken zu positionieren“, sagt eine Sprecherin.

Die hohen Marketingkosten machen auch den andere Finanzportalen zu schaffen. Millionen wurden ausgegeben, um die Namen bekannt zu machen. Zudem stellten die Unternehmen in Zeiten der Börseneuphorie dutzende Mitarbeiter ein. Heute stöhnen sie unter hohen Personalkosten und müssen entlassen.

Selbst die Prunkstücke vieler Portale, kostenlose Echtzeit-Kurse, sind kaum refinanzierbar: Etwa einen Pfennig verlangt die Deutsche Börse pro abgefragtem Kurs. Ein teurer Service für Seiten wie Finanztreff: Hier kann der Kunde eine Watchlist von zehn Realtime-Kursen anlegen. Jeder Abruf dieser Liste kostet Gatrixx damit zehn Pfennige. Die Werbung bringt dagegen nur drei bis acht Pfennige. „Die Zeiten von so viel kostenlosen Realtime-Kursen sind vorbei“, kündigt das Unternehmen an.

Dass sich Wachstum und Gewinn bei den Finanzportalen nicht ausschließen, beweist aber OnVista. Das Kölner Unternehmen macht Gewinne. 65 Prozent des Umsatzes werden mit Content-Zulieferungen erwirtschaftet. Zu den 100 Mitarbeitern kommen jeden Monat zehn neue dazu.

Auch das Daytrading-Portal Tradewire trotzt der Krise und arbeitet profitabel. Die Umsatzrendite liegt bei 50 Prozent. Die Hamburger beschäftigen nur vier feste Mitarbeiter, verzichten auf teure Echtzeit-Kurse und konzentrieren sich voll auf das Thema Daytrading. Die Werbebanner auf der Seite verkauft das Unternehmen selbst und umgeht damit die Provisionen der Agenturen, die 30 bis 50 Prozent vom Werbeumsatz einstreichen. Für ihren Erfolg hat sich die Firma nun belohnt: Statt in einer Dreizimmerwohnung schreiben die Redakteure seit kurzem in einem Haus an der Elbe – mit offenem Kamin und finnischer Sauna.

Markus Preiß


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