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Konjunkturzyklus
Am Ende ist alles wie immer


25. April 2001 Wahrscheinlich wird Hollywood im Jahr 2050 Filme über den Glamour des New York der neunziger Jahre drehen. Vermögende Investmentbanker tummeln sich in schwarzer Kleidung mit schlanken Models in Bars, schlürfen Cocktails und hüpfen zur Music der Spice-Girls. Ganz so wie Paris und Berlin als Kulisse für den großen Aufschwung der zwanziger Jahre herhalten müssen.

Und wie in den zwanziger Jahren die Bürger an das Ende von Konjunkturzyklen glaubten und auf den immer währenden Aufschwung twisteten, so sollte auch die New Economy den Wirtschaftsschwankungen endgültig das Aus erklären. Denn immerhin blicken die Amerikaner seit 1991 auf einen Aufschwung zurück, der ungewöhnlich lange ist. William Dudley & Edward Kelvey, Volkswirte von Goldman Sachs, machten 1997 vier Faktoren für den langen Aufschwung aus: Mangelnde Preisflexibilität der Unternehmen, die zum Trimmen der Kostenseite zwingt und damit Inflation verhindert. Mobile Arbeiter und Freizügigkeit des Kapital schmälern die Lohnforderungen und setzen die aus den siebziger und achtziger Jahren bekannte Lohn-Preis-Spirale nicht in Gang. Deregulierungen der Finanzmärkte sowie internationale Diversifizierung stützten ebenfalls den Aufschwung, da geschlossene Volkswirtschaften auf Grund von Protektionen zur Inflation neigen. Die Wissenschaftler warnten aber zugleich davor, dass das Ende eines verlängerten Wachstums in einem heftigeren Abschwung münde und einer langsameren Erholung.

Greenspan steuert vergeblich

Mit der vierten Zinssenkung in Folge versucht Fed-Chairman Alan Greenspan verzweifelt, das Ende des Aufschwungs abzuwehren. Vergeblich meint Anirvan Banerji, Direktor of Research beim Economic Cycle Research Institut (ECRI) in New York, denn der längste Aufschwung in der amerikanischen Geschichte sei nun beendet. Die von dem Wirtschaftsforschern erhobenen wöchentlichen und monatlichen Frühindikatoren zeigten, dass eine Rezession „nicht länger zu verhindern ist“. Das letzte Mal, dass das ECRI, dessen Gründer Geoffrey H. Moore ein Lehrer von Alan Greenspan war, das von den Amerikaner so verhasste R-Wort verlauten ließ, war im Februar 1990 - kurz bevor die vergangene Rezession einsetzte.

Jeder Zyklus hat seine Eigenheiten

Gustav Horn, Leiter Konjunkturforschung beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, macht zwischen den historischen Zyklen und dem aktuellen keine Unterschiede aus. „Jeder Zyklus hat seine eigenen Besonderheiten, aber eine außergewöhnliche Abschwächung sehe ich als Folge des langen Aufschwungs nicht“, meint Horn, der betont, dass er nicht mit einer Rezession in den USA rechnet. Die fetten Jahre haben die US-Bürger nach Meinung von Horn einem zu verdanken: Alan Greenspan, der großzügig den Geldhahn aufdrehte. Die Globalisierung dämmte die mit einer expansiven Geldpolitik früher einhergehende Inflation ein und öffnete dem Währungshüter damit breiten Spielraum. Da die Federal Reserve Bank seit Januar aber wieder aggressiv die Zinsen gesenkt hat, rechnet der Volkswirt gegen Ende des Jahres wieder mit steigenden Wachstumsraten in den USA.

Leverage-Effekt besorgt

Eine Hoffnung, die Heino Ruland von Ruland Research nicht teilt. Den einzigen Unterschied zum derzeitigen Konjunkturabschwung zu früheren Zyklen sieht er darin, dass die Fed diesmal nicht mit ihrer expansiven Geldpolitik das Ruder rumreißen kann. Denn Auslöser für das nachlassende Wachstum in den USA ist nicht die Geldpolitik, sondern eine verlangsamte Nachfrage, die aus der Überinvestition in den neunziger Jahren resultiert. Ob der Abschwung in Amerika nun besonders lange oder heftig ausfällt, sei derzeit noch nicht abzusehen. Aber wie Dudley und McKelvey bereits 1997 prognostiziert, sieht Ruland die größte Gefahr in dem Leverage-Effekt. In langen Aufschwungphasen gewinnen die Wirtschaftssubjekte an Zuversicht und weiten ihre Verschuldung aus. Dreht sich der Wind, so bekommen sie Probleme, ihren Verpflichtungen nach zu kommen.

Der Zyklus bleibt

Ein Punkt, der auch Alan Greenspan unter den Nägeln brennt, denn in der vorherigen Woche verwies er ausdrücklich auf den negativen Vermögenseffekt. Um diesen aufzuhalten, brauche es wahrscheinlich mehr als nur einen Aufschwung an der Börse. Denn Entlassungen bei den großen Konzernen könnten die Kreditzahlungen in Gefahr bringen. Auch das ifo-Institut sieht die Risiken für die amerikanische Wirtschaft in der Sparneigung der Bürger sowie im hohen Leistungsbilanzdefizit. „Aber die Wahrscheinlichkeit einer langen Abschwächung stufen wir geringer ein als die Chance auf eine Erholung zum Jahresende“, meint Willi Leibfritz, Konjunkturexperte beim ifo-Institut. Die Amerikaner sollten im kommden Jahr wieder zum Trendwachstum zurück kehren, dass er mit drei Prozent angibt. „Aber mit einer ähnlichen Boomphase wie in den späten neunziger Jahren rechnen wir auch nicht mehr“, so Leibfritz. Die in der Hochphase aufgekommenden Theorien über das Ende der Konjunkturzyklen seien mittlerweile ad acta gelegt, wobei das ifo-Institut nie daran geglaubt habe.

Auch wenn es den Experten schwer fällt, die Dauer des Abschwungs zu prognostizieren. Einig sind sie sich, dass die Zyklen bleiben: Dem Boom folgt der Abschwung und eine Depression. Und erst wenn das Tal der Tränen durchschritten ist, setzt der neue Aufschwung an bis zum Boom. Technologien, Notenbänker und Konsumgewohnheiten ändern sich, doch der Zyklus bleibt.


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