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Brainpool: Ra(a)benschwarzer Jahresauftakt - 500 Beiträge pro Seite



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Ein teurer Ausflug in Print-Geschäft: Nach wenigen Monaten stellt das Unternehmen die Publikation „tv-total“ wieder ein. Vor allem das zweite Quartal wird davon stark belastet, die Planungen für das Gesamtjahr werden verfehlt.

Ob Stefan Raab, der ungekrönte König der Schadenfreude im deutschen TV, auch über das erste Quartal von Brainpool seine Witze reißen wird? Das Unternehmen hat zum Auftakt des Geschäftsjahres eine Bilderbuch-Bauchlandung vollzogen. Statt der erhofften Gewinne steht für die ersten drei Monate unter dem Strich ein dickes Minus. Und das zweite Jahresviertel wird aller Voraussicht nach noch schlimmer. Insgesamt wird Brainpool die gesteckten Erwartungen weit verfehlen.

Die harten Fakten: Der Umsatz von Brainpool ist im ersten Quartal um 22% auf 28,1 Mio. DM gestiegen. Der vergleichbare Vorjahreszeitraum war im vergangenen Geschäftsjahr das zweitstärkste Quartal, das nur vom letzten Jahresviertel mit einem Umsatz von rund 33,5 Mio. DM übertroffen wurde. Das operative Ergebnis (Ebit) ist im Auftaktquartal 2001 von 3,6 Mio. DM auf –6,7 Mio. DM abgerutscht. Der Nettoverlust beläuft sich auf 3,9 Mio. DM nach einem Plus von 2,2 Mio. DM im ersten Quartal 2000.

Der Hintergrund des schauderhaften Auftakts ist das rasche Scheitern des Print-Engagements von Brainpool. Erst im Januar hat sich das Unternehmen in diesen Bereich vorgewagt. Mit dem Branding „tv-total“ sollte dieser Markt erschlossen werden. Der massive Einbruch der Werbeeinnahmen hat dem Vorhaben das Rückgrat gebrochen. Wie seitens des Unternehmens erläutert wird, sind es vor allem neu startende Publikationen, die in den Sog der sinkenden Werbeeinnahmen geraten: Diese verfügten nicht über die notwendigen Media-Leistungsdaten, die nur einmal pro Jahr veröffentlicht werden und der Industrie als Entscheidungsgrundlage für die Werbeplanung dienen.

Brainpool ist nicht die erste Company am Neuen Markt, die zu einem ungünstigen Zeitpunkt mit einem Printausgabe den Markteintritt versucht hat und gescheitert ist. In einem etwas anders gelagerten Fall hat Computec Media ein ähnliches Schicksal erlitten: Die US-Expansion des Unternehmens im vergangenen Jahr traf auf ein signifikant rückläufiges Geschäft mit Werbung seitens der Spieleunternehmen. In beiden Fällen sind die Reaktionen des Vorstands gleich: Das Engagement wird zum Zwecke der Verlustbegrenzung eingestellt. Offensichtlich hat sich Brainpool noch um einen Verkauf bemüht – angesichts kartellrechtlicher Bedenken war das Risiko des Abwartens einer entsprechenden Entscheidung wohl zu groß, sodass nur ein scharfer Schnitt blieb.

Die Folgen sind Verluste in Höhe von rund 28 Mio. DM, die für Entwickungs-, Anlaufs- und noch nicht genau fest stehende Abwicklungskosten entstehen. Das zweite Quartal wird hier die Hauptlast tragen, mit einem zweistelligen Minus muss gerechnet werden. Für das gesamte Jahr bedeutet das Debakel eine signifikante Rücknahme der Ziele: Statt eines Umsatzes von 161 Mio. DM und eines Ebits von 25 Mio. DM, wie noch Anfang Februar 2001 bestätigt, werden sich die Erlöse auf 90 Mio. DM bei einem ausgeglichenen Ergebnis belaufen. Im vergangenen Jahr hatte Brainpool 88,5 Mio. DM umgesetzt.

Der Kurs hat durch den Abstieg von 30 Euro auf das Niveau von 5 Euro bereits einen gehörigen Teil der Enttäuschungen vorweggenommen. Zum Handelsauftakt gibt die Aktie noch einmal ein gehöriges Stück nach und trägt zunächst die rote Laterne des Spitzenverlierers.






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