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Artikel vom 22. September 2000

Store-Check

Wal-Mart nur Mittelmaß!

Vor zwei Jahren landeten die Amerikaner. Klotzen nicht kleckern, heißt die Devise von Wal-Mart - damals wie heute. Aber in den Büchern der fernen Firmenzentrale in Bentonville sind die Zahlen aus Deutschland nur kleine Flecke. Mäßige Läden und lahme Logistik. Hier zu Lande ist Uncle Sam noch ein Zwerg.

Seit wir den Rollback haben, ist der Kundenandrang noch größer geworden", lächelt Lars, Wal-Mart-Mitarbeiter, im Prospekt. Mit Tamtam haben Uncle Sams Marketing-Asse die Werbemaschinerie angeworfen. Dabei setzen sie auf Altbewährtes aus den Staaten. Dank Smart, Great-Value und Rollback greift Wal-Mart mittlerweile selbst Branchen-Größen wie Aldi an. Zumindest optisch.

Ein Store-Check der LP zeigt indes: Den direkten Vergleich mit dem amerikanischen Konkurrenten muss der deutsche Handel nicht fürchten. Was König Kunde (O-Ton Wal-Mart: "Wir sind für Sie da.") in den Verkaufshallen erlebt, mag einzigartig sein. Ein Grund, wiederzukommen ist es freilich nicht.

Vier Outlets in Aachen, Bad Kreuznach, Köln-Porz und Wiesbaden checkte die Redaktion im Vergleich mit Globus (Lahnstein), Hit (Andernach), Kaufland (Mayen), Real (Aachen, Mülheim-Kärlich) und Toom (Neuwied). Bewertet wurden: Zustand der Ware und ihre Präsentation, bauliche Beschaffenheit und Einrichtung, Orientierung im Markt, Beratungskompetenz der Mitarbeiter, Präsentation der Aktionsware und Preisniveau anhand eines festen Warenkorbes.

Wal-Mart in Wiesbaden befindet sich in vergleichsweise gutem Zustand. Doch trüben abgenutzte, schmutzig wirkende Fußböden die Laune. Der Bad Kreuznacher Markt ist offensichtlich einsturzgefährdet, weithin sichtbar wurden Stahlträger eingezogen (s. S. 30). Und in Aachen drohen die Kühlgeräte jeden Moment den Geist aufzugeben. Da wird z. B. auch mal eine zerschlagene Glasscheibe notdürftig mit Pappe geflickt. Die Märkte sind unübersichtlich, die Kundenführung in Aachen und Köln-Porz mangelhaft.

Bei der Konkurrenz sieht es besser aus. Alle Märkte sind sauber und aufgeräumt. Besonders die Frischeabteilungen bei Real, Hit und Globus wirken appetitlich. Die Inneneinrichtungen sind gepflegt. Allerdings verlangt Globus mit einer Riesenverkaufsfläche über drei Etagen schon einen gewissen Orientierungssinn, auch wenn am Eingang ein Marktplan hängt. Ebenso stören die vielen Deckenhänger die Übersicht. Jedoch helfen Kundentelefone, die überall aufgestellt sind. Real hat offenbar die gleiche große Vorliebe für Deckenaufhänger.

Von der ausgereiften Logistik, die Wal-Mart weltweit groß gemacht hat, ist vor Ort nur wenig zu spüren. Überall klaffen in den Märkten große Grifflücken (s. S. 30). Out-of-Stocks sind keine Seltenheit. Selbst in Wiesbaden, unter den vier Märkten noch der beste und von Wal-Mart Deutschland zur Ansicht empfohlen.

Unterm Strich befinden sich hingegen die Stores der Vergleichsmärkte in ordentlichem bis gutem Zustand. Die Ware wird sauber präsentiert, von Versorgungslücken keine Spur. Selbst bei Globus nicht, wo das Angebot fast schon erdrückend ist.

Thema Preisauszeichnung. Da greift man bei Wal-Mart (Aachen und Köln-Porz) auch gern mal zur Pappe und Stift. Mit Glück lassen sich auf den gedruckten Preisschildern die Kürzel (z. B. LI. für Langnese Iglo) entziffern. Bei der Aktionsware wurde auf jegliche Erläuterung verzichtet. Immerhin, Wiesbaden und Bad Kreuznach bewegen sich auf gleichem Niveau wie die Konkurrenz und preisen korrekt (inklusive Grundpreise) aus.

Das Personal ist einer der big Points, glaubt man der Werbung von Wal-Mart. Anhand zweier Fragen wurden Kompetenz und Freundlichkeit der Mitarbeiter überprüft. Wir fragten nach Sardellen im Glas und nach Wein für Diabetiker. Für die richtige Auskunft, ob es denn auch lieblichen Diabetiker-Wein gebe, gab es zusätzliche Punkte.

Aber das Personal der US-Supermacht ist nicht unbedingt ein Vorbild für Freundlichkeit und die Beratungskompetenz oft mangelhaft. In Wiesbaden folgte auf die Frage nach den Sardellen z. B. ein knappes: "Da hinten in der Ecke, wo`s kalt ist." Immerhin, es stimmte. Beim Wein bemühte sich wenigstens ein Regalfüller. Auf die Frage, ob es auch lieblichen Diabetikerwein gebe, folgte ein deutliches "keine Ahnung."

Dafür hatte Bad Kreuznach selbigen zwar im Angebot, das allerdings wurde vom dortigen Mitarbeiter bestritten. In den Weinabteilungen von Aachen und Köln-Porz war zunächst kein Mitarbeiter aufzufinden, der weiterhelfen konnte. Ohnehin war vom Personal eher wenig in den Märkten zu sehen.

Bei Hit gaben die Verkäuferinnen prompt und sachgemäß Auskunft. Gleiches bei Globus, Real (Aachen), Kaufland und Toom. Allerdings offenbarte sich auch hier keiner als wahrer Wein-Experte. Bei der Frage nach lieblichen Diabetiker-Wein passte man oder verneinte. Blieben noch die Preise, weshalb sich der Einkauf bei Wal-Mart lohnen könnte. Und auch hier bietet der Handelsriese nur Mittelmaß (vgl. S. 27). Die Redaktion stellte einen Warenkorb von 10 Artikeln zusammen. Durch die Wahl von vornehmlich Markenware (Milka, Jacobs, Coca-Cola) sollte die Vergleichbarkeit gewährleistet werden. Der teuerste Markt war mit einem Kassenzettel von 51,32 DM Real in Mülheim-Kärlich, während Real in Aachen erstaunlicherweise mit 46,10 DM am billigsten abschnitt. Doch Wal-Mart bewegte sich mit Bons zwischen 50,74 und 49,14 DM durchweg über dem Schnitt der übrigen Märkte.

Hinter den Kulissen von Wal-Mart dürfte es rumoren, wie der schnelle Abschied von Allan Leighton, Wal-Mart Chef in Europa und Deutschland (s. Seite 28), zeigt. Entweder musste Leighton wegen Erfolgslosigkeit gehen, oder er nahm den Hut freiwillig, da er mittelfristig nichts bewegen konnte und bessere Jobs in Aussicht hat. Beides keine guten Zeichen.

Die Märkte sind noch immer nicht auf der Höhe der Zeit, die Einbindung nicht vollzogen. Das Personal kann kaum durch allmorgendliche Cheerings und leere Worthülsen motiviert werden. Dazu bedarf es einer leistungsgerechten Entlohnung und der gezielten Förderung der Mitarbeiter, etwa durch Fortbildung (vgl. S. 32).

Weiterer Schwachpunkt: die Logistik. Überall schwärmen die Analysten vom satellitengestützten Datennetz, das Scanner-Kassen, Lager und Hauptquartier nahtlos verknüpft. Vom ausgefeilten Be- und Verladesystem und den tollen Videokonferenzen der Marktmanager. Nur - in Deutschland ist davon noch nichts zu spüren.

Was bleibt, ist die Finanzkraft und Einkaufsmacht von weltweit 165 Mrd. Dollar Umsatz und 5,3 Mrd. Dollar Jahresgewinn. Und wie sagte noch Dorina, Wal-Mart-Mitarbeiterin: "Soll ich mal ein Geheimnis verraten? 1.000 neue Rollback-Artikel - und das war noch nicht alles."


Autor: Markus Oess
Quelle: Lebensmittel Praxis


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