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Die Ratschläge des Börsengurus (1906-1999) mit 78 Jahren Börsenerfahrung basieren auf persönlichen Erfahrungen, nicht auf grundlegenden Studien der Volkswirtschaft, aus Fachbüchern oder in Universitäten. Kostolany Studierte Philosophie und Kunstgeschichte, wollte eigentlich Musiker werden („Musiker sind bessere Börsianer als Volks- oder Betriebswirte“).

Kostolany war einige Mal pleite und so in Schulden, dass er an Selbstmord dachte. Er erlebte Kriege, Revolutionen, Inflationen, Deflationen, Auf- und Abwertungen, Börseneuphorie und Kursrückschläge.

Aktien sind Anteilscheine von Unternehmen, die Aktiengesellschaften genannt werden.

In der freien Marktwirtschaft, dem Kapitalismus, ist die Aktiengesellschaft die Grundlage des Systems, und die Spekulation, das heißt die Börse, sein Motor. Der Brennstoff ist das Sparkapital. Die Hoffnung auf Gewinne und nicht nur Zinsertrag lockt den Sparern das zur wirtschaftlichen Expansion nötige Geld aus der Tasche. Nur das Streben nach Gewinn aus Abenteuerlust, verbunden mit Risikobereitschaft der Unternehmen in Form von individueller Initiative und freier Konkurrenz, ist der Antrieb, der die Welt mit Riesenschritten voranbringt. Das Credo des Kapitalismus sind also Abenteuerlust mit Risikobereitschaft, freie Konkurrenz und Hoffnung auf Gewinn.

Spekulanten und Spieler erwerben ihre Wertpapiere nur für einen kurzen bzw. sehr kurzen Zeitraum, während Anleger langfristig ihr Geld in den Unternehmen anlegen und auf ein permanentes Wachstum des Unternehmens hoffen. Die Aktionäre von IBM, die Ausdauer über viele Jahre hatten, haben ihr Einsatzkapital mehr als verhundertfacht. Die Spieler erhöhen den Umsatz, so kann ein Anleger leichter seine Aktien verkaufen.

Es gibt Zeiten, in denen die Börsenatmosphäre die Banken nicht besonders interessiert. In den siebziger Jahren gab es eine Periode steigender Zinsen, in der die Banken eher ein Interesse daran hatten, von den Kunden Festgelder zu bekommen, anstatt sie mit ihren Spargeldern Aktien ankaufen zu lassen. Die Zinsspanne zwischen Festgeldern und den dem Kunden eingeräumten Krediten war viel zu groß. An den Schaltern empfahl man den Kunden, ihr Geld in Spareinlagen oder Festgeldern anzulegen, anstatt es in Aktien zu investieren, obwohl die Aktienpreise auf einem sehr unterbewerteten, besonders tiefen Niveau waren. Damals wollten die Banken selber die Aktien aufkaufen.

Für einen Stimmungswechsel, die hysterischen Bewegungen am Aktienmarkt, gibt es keine wirtschaftlichen Gründe. Es sind technische oder psychologische Einflussfaktoren oder beides, die auf die kurz- und mittelfristige Kursentwicklung die größte Wirkung haben. Nicht die tatsächlichen Ereignisse selber, sondern die psychologische Reaktion des Publikums auf diese Ereignisse beeinflusst die Kurse. Ach die Liquidität spielt bei Kursbewegungen eine große Rolle.

Ein typisches Beispiel für die Gründe von Kursbewegungen: 1939 waren die europäischen Börsen in guter Stimmung. Hitler versprach Frieden.

Dich im März besetzte Hitler plötzlich Prag. Großbritannien drohte mit Krieg, wenn Hitler Danzig oder Polen angreifen würde. Die Kurse fielen bei jeder Drohung Hitlers weiter. Man hatte Angst, dass im Kriegsfalle die Börse und die Banken schließen würden.

Im September griff Hitler Danzig und Polen an. England und Frankreich erklärten Deutschland den Krieg. Plötzlich stiegen die Börsenkurse raketenhaft in die Höhe. Es war Krieg. Warum stiegen die Kurse? Krieg bedeutet Inflation, Geldentwertung. Also wollte man das Bargeld so schnell wie möglich in Sachwerte eintauschen. Es wurden also Aktien gekauft.

Als mit Hitlers Angriff auf Holland der heisse Krieg anfing, brach die ganze Börsenhausse in sich zusammen. Als Mitte Juni 1940 Hitler Paris besetzte wurde die Börse in Paris geschlossen und in einen unbesetzten Teil in Frankreich transferiert. Dort fanden nur minimale Umsätze mit einem Bruchteil der vorherigen Kurse statt. Das ist die Börse! Sie reagiert unberechenbar, hysterisch.

Der Zins und die Liquidität auf dem Kapitalmarkt haben erheblichen Einfluss darauf.

In der Geschichte der Börsen folgten Börsenboom und Börsenkrach aufeinander. In einem Boom entstehen viele neue Unternehmen, die dann nach einem Krach wieder verschwinden. Aber noch mehr von ihnen überleben und bleiben für die wirtschaftliche Entwicklung unentbehrlich. Meistens ist die Ursache eines Börsenkrachs nicht objektive Überlegung, sondern ein massenpsychologisches Phänomen.

Der Zinsentwicklung ist der wichtigste Einflussfaktor auf die Börsentendenz. Die soziale Lage, der Arbeitsmarkt, neue Handelsverträge mit dem Ausland, monetäre Ereignisse in den anderen Ländern, alles hat weine Wirkung auf das Handeln der Federal Reserve Bank. Sie ist ein Steuermann, die ihr Schiff sicher zwischen Inflation und Deflation, Krise und Hochkonjunktur, Optimismus und Pessimismus hindurchsteuern muss.

Der Spieler handelt auf ganz kurze Sicht. Er handelt emotionell, nicht intellektuell. Spieler machen 90 % des Börsenpublikums aus. Sie bilden die Masse, deren psychologische Reaktionen etwas ganz anderes sind als die Überlegungen der Spekulanten. Sie zu analysieren ist eher die Aufgabe eines Fachmannes, der in der Massenpsychologie spezialisiert ist, als die eines Volkswirts.

Hände weg von Tipps! 90 % der Tipps sind nichts anderes als Werbung oder Manipulation. Irgendeine Finanzgruppe, ein Syndikat oder Geldinstitut versucht, dem Publikum gewisse Papiere anzudrehen, verbreitet durch die Presse, durch Mund-zu-Mund-Propaganda und durch immer höher manipulierte Kurse eine günstige Stimmung für das Papier, damit das Publikum anbeißt.

Spekulanten handeln intellektuell, mit Überlegung, nicht nach dem Gefühl. Meistens sind seine Vorstellungen mittel- oder langfristig mit Argumenten untermauert. Er rechnet auf größere Kursschwankungen, manchmal auf Jahre, bis sich seine Vorstellungen bestätigen.

Nicht schätzungsweise jeder 10. Spekulant geht gegen die allgemeine Meinung, denn auch unter den Spekulanten ist die Zahl jener, die dazu fähig sind, sehr gering. Es ist besonders schwer, sich der vorherrschenden Stimmung zu entziehen. Erst nach langjährigen Erfahrungen habe ich meine Theorien und Prinzipien aufgestellt. Aber diese dann in die Praxis umzusetzen war außerordentlich schwierig. Nach langem Training und viel Lehrgeld bin ich heute dazu fähig, genau das Gegenteil von dem zu machen, was im Trend liegt.

Jeder Broker ist des Kunden Feind. Kaufen und verkaufen ist ihm egal. Hauptsache ist, dass er handelt.

Der gute Spekulant muss auch Geduld und Nerven haben, bis sich seine Vorstellungen verwirklichen. Er soll nach jedem Erfolg und Misserfolg überlegen, welchen Ereignissen er dieses Ergebnis zu verdanken hat. Erfolg oder Misserfolg, der Spekulant muss aus jedem Fall daraus lernen.

Der Börsianer wie auch der Arzt müssen zuerst die Diagnose stellen. Wie die Medizin ist auch die Spekulation keine Wissenschaft, sie ist eine Kunst. Der Spekulant phantasiert, der Ingenieur rechnet.

Bei keiner Aktie kann man solche Gewinne machen wie bei den Aktien von Unternehmen, die vor einer Umkehrsituation stehen (turn-around); denn die Marge zwischen Pleite und Solvenz eines Unternehmens ist viel größer als die zwischen einer guten Lage und einer besseren.

Große Potentiale kann man auch mit notleidenden Anleihen (das können Staats-, Stadt- oder Unternehmensschulden sein) machen, die durch eine Umkehrsituation wieder zahlungsfähig werden. Ich könnte kein besseres Beispiel nennen als die gesamten deutschen Auslandsanleihen, die Schuldverschreibungen von deutschen Städten, Ländern usw., die vor dem Krieg in den verschiedensten Währungen herausgebracht wurden und nach dem Londoner Schuldenabkommen 1952/53 100prozentig mit fünf Jahren Rückständigkeitszinsen zurückgezahlt wurden. Man musste doch schon viel Phantasie haben und in die weite Zukunft schauen können, um die Courage aufzubringen, in einem Moment, da die neue Bundesrepublik am Boden lag und über keinerlei Devisen verfügte, ihre Schuldverschreibungen in verschiedenen Währungen zu kaufen.

Ein großer wirtschaftlicher Aufschwung ist nicht zwangsläufig günstig für die Börsenkurse. Ein Wirtschaftsboom nimmt viel Kapital für direkte Investitionen in Anspruch und saugt einen großen Teil der Spargelder auf. Es bleibt weniger für die Anlagen in Wertpapieren übrig. Die Banken kommen der Kreditnachfrage schwer nach, um so mehr, als die Notenbank die Zinsen erhöht, um eine eventuelle inflatorische Wirkung des Booms zu bremsen. Die günstigen Folgen der Wirtschaftseuphorie wirken sich erst später aus. Wenn dann die Hochkonjunktur unter dem Druck der hohen Zinsen nachlässt, werden viele geplante Investitionen verschoben. Auf einmal gibt es mehr flüssiges Geld in den Banken, und die Zinsen gehen zurück. Die Notenbank muss auch nicht mehr bremsen, die Aktien können steigen.

In einer Rezession, einer Krise, fängt die Börse an zu steigen, weil bei flauer Geschäfts- und Investitionslage das zur Verfügung stehende Kapital und die Geldmenge nur teilweise verbraucht werden. Das Geld liegt in den Banken, und es wird ihm langweilig. Man kann es zwar aufs Sparkonto legen, aber die Zinsen sind eventuell noch tiefer als der Ertrag oder die Dividenden der Aktien.

Daher muss man antizyklisch handeln und auf die allgemeine Meinung des Börsenpublikums keine Rücksicht nehmen.

Damit die Börse steigt, müssen die beiden wichtigsten Faktoren Liquidität und Stimmung des Anlagepublikums positiv sein. Wenn das Publikum fähig und willens ist, Papiere zu kaufen, steigt die Börse. Wenn die Sparer knapp an Geld und unwillig sind, die Aktien zu kaufen, fällt die Börse.

Fallende Zinsen können die Stimmung verbessern, und umgekehrt kann eine schlechte Stimmung die Liquidität verknappen. So kann zum Beispiel die Angst vor einer politischen Weltkrise oder vor Spannungen den Anleihemarkt negativ beeinflussen, weil die Interessenten keine langfristigen Anlagen machen, sondern die Anleihen eher verkaufen wollen. Dann steigen die Zinsen als Folgen der Angst. Die größere Rolle kommt aber immer der Liquidität zu, und die können wir Börsianer eher verfolgen, den die Zinspolitik der Regierung ist ja öffentlich bekannt (jedenfalls auf kurze Sicht). Absolut unberechenbar ist dagegen die psychologische Lage.

Alles hängt von einer Sache ab: Ob mehr Papiere vorhanden sind als Dummköpfe oder mehr Dummköpfe als Papiere. Das ist das Ei des Kolumbus für die Analyse der Börsentendenz: Alles hängt davon ab, ob es für den Papierbesitzer wichtiger und dringlicher ist, seine Werte zu veräußern, oder für den Geldbesitzer, die Papiere zu kaufen. Nicht die Qualität der Papiere entscheidet, ob sie fallen oder steigen, sondern nur die Intensität der Nachfrage oder des Angebots. Der Spekulant muss also analysieren, woher das Angebot oder die Nachfrage kommen könnten.

Der Computer ist eine außerordentlich nützliche Hilfe für den Spekulanten, er kann seine Informationen auf Knopfdruck erhalten.

Ohne Liquidität kann die Börse nicht steigen. Das Geld ist der Brennstoff der Börse. Stellen Sie sich eine große und eine kleine Wanne nebeneinander vor; die große ist der gesamtwirtschaftliche Geldtopf, die kleine die Börse. Fließt viel Wasser in die große Wanne dank der Kreditpolitik, der Sparaufkommen, der Devisenzuflüsse, der Handelsbilanz und des Kapitalstroms aus dem Ausland usw. und fließt es parallel dazu nur langsam ab wegen des geringeren Kapitalbedarfs der Industrie, der öffentlichen und privaten Haushalte und niedriger Steuern, dann steigt der Wasserspiegel in der großen Wanne. Wenn das Wasser überläuft, fließt es in die kleine Wanne, die Börse, und treibt die Kurse in die Höhe. Umgekehrt aber: Wenn das Wasser aus der großen Wanne schneller abgezapft wird als es hereinfließt, dann bleibt für die kleine Wanne, die Börse, nichts übrig, und die Kurse fallen. Daher muss man den Wasserstand in der großen Wanne ständig verfolgen.

Eine besonders wichtige Bedingung für das kommende Steigen oder Fallen der Kurse ist die technische Verfassung des Marktes. Unter der technischen Verfassung des Marktes verstehe ich den Umstand, ob die große Masse der Papiere - nach einer langen Periode des Steigens oder Fallens - sich schon in den Händen der "Hartgesottenen" oder der "Zittrigen" befindet. Der Hartgesottene besitzt Gedenken, Geld und Geduld. Geld heißt dabei: keine Schulden. Der Zittrige ist derjenige, dem eines davon fehlt. Aus einem Zittrigen wird nur sehr selten ein Hartgesottener. Wenn sich die Papiere in großem Umfang in starken Händen, in vollbezahlten Depots befinden, ist der Markt überverkauft (oversold). Wenn sich dagegen große Mengen von Papieren in den Händen der Zittrigen befinden und sogar noch mit Schulden (Krediten) belastet sind, dann ist der Markt überkauft (overbought).

Ein überkaufter, mit Krediten belasteter Markt ist äußerst gefährlich, es besteht das größte Risiko, dass er jeden Moment zusammenbrechen kann, selbst wenn dazu kein sachlicher Anlass besteht. Wenn der Markt nach einer langen Aufwärtsbewegung stagniert und auf eine gute Nachricht nicht mehr reagiert, eventuell sogar etwas zurückgeht, ist das ein sehr schlechtes Zeichen. Der Markt ist übersättigt. Die Zittrigen haben ihr ganzes oder sogar geliehenes Geld angelegt, und neue Käufer melden sich nicht trotz der guten Nachricht. Wenn die Börse auch gute Nachrichten nicht mehr reagiert, herausgehen, und wenn schlechte Nachrichten keine Wirkung mehr haben, hereingehen.

Wenn die Papiere in großen Mengen in den vollbezahlten Depots der Hartgesottenen ruhen, dann kann dieser überverkaufte Markt sogar bei schlechten Nachrichten steigen. Wenn dann noch irgendeine gute Nachricht eintreffen sollte, wird der Markt raketenhaft in die Höhe steigen. Je mehr Papiere schon in den Händen der Hartgesottenen sind, um so heftiger wird die Explosion sein.

Wenn die Kurse seit Monaten mit immer wachsenden Umsätzen in die Höhe steigen, dann ist eine große Zahl von Papieren aus den Händen von den Hartgesottenen in die von Zittrigen übergegangen; je höher die Umsätze waren, desto mehr. Denn bei heftig steigenden Preisen kaufen nur die Zittrigen. Die Hartgesottenen verkaufen die Ware, die sie vorher bei fallenden Preisen ins Depot nahmen, und sie verkaufen nur bei steigenden Kursen. Diese Bewegung dauert so lange, bis sich die große Masse der Papiere wieder in den Händen der Zittrigen befindet, die darauf warten, dass andere, ebenfalls Zittrige, sie ihnen abkaufen. Dann verfügen die Hartgesottenen über Bargeld und warten, bis die Zittrigen ihre Papiere wieder veräußern wollen. Und das trifft immer ein; denn nach der Euphorie kommt die Ernüchterung.

Die Papiere werden an den Schaltern der Banken dem Publikum aggressiv empfohlen, und dazu werden leichte, billige Kredite angeboten, um so mehr, als die Banken keine bessere Möglichkeiten haben, ihre Liquidität auszunützen. Nachdem die neuen Zittrigen die Papiere eingekauft haben, warten sie, bis immer noch weitere Zittrige auftauchen. Dann kommt der Moment, da es nicht weitergeht. Die Kurse stagnieren oder bröckeln etwa ab. Viele Aktienbesitzer verlieren ihre Geduld. Für sie ist das eine unangenehme Überraschung. 90 % des Börsenpublikums, das einen Börsenboom hervorruft, ist untrainiert und ungeimpft gegen Verluste.

Bei einem Abbröckeln der Kurse können die mit Schulden belasteten Konten ihre Deckung verlieren. Die Verkäufe bringen weitere Kursrückgänge und die weiteren Kursrückgänge neue Verkäufe. So kann der Kursrückgang sich auch ohne sachliche Begründung nur unter dem psychologischen und technischen Druck entwickeln.

Die massenpsychologische Reaktion ist die gefährlichste. Wenn nun bei immer steigenden Umsätzen die Preise weiter fallen und die Umsätze stärker anschwellen, gehen immer mehr Papiere aus den Händen der Zittrigen in die Hände der Hartgesottenen über. Zum Schluss kommt der totale Ausverkauf bei den niedrigsten Preisen aus den Händen der Zittrigen. Die Panik ist da, und die Papiere gelangen wieder in die Depots der Hartgesottenen. Aus diesem Versteck kommen sie erst später wieder bei steigenden Preisen auf den Markt. Die Aufwärtsbewegung fängt wieder an.

Beim Tiefstand der Kurse haben nun die Hartgesottenen die Papiere und die Zittrigen das Geld, auf dem Höhepunkt des Booms die Hartgesottenen das Geld und die Zittrigen die Papiere. Dieses Schwanken zwischen Bargeld und Papieren stellt den ewigen Kreislauf der Börsen dar. Auf dem Höhepunkt haben die Hartgesottenen das Geld und die Zittrigen die Hoffnung.

Ein Kursrückgang bei kleinem Umsatz ist ein schlechtes Zeichen, weil er einen weiteren Rückgang signalisiert. Kursrückgang bei großem Umsatz ist gut, weil die Papiere in großem Mengen in die starken Hände gehen.

Steigende Kurse bei großen Umsätzen sind ein schlechtes Zeichen, weil schwache Hände die Papiere kaufen. Je größer der Umsatz, desto negativer für den Markt, denn je mehr Zittrige daran teilnehmen, um so schlechter. Steigende Kurse bei kleinen Umsätzen sind gut, denn die Kurse verschieben sich zwar, aber die großen Quantitäten sind aus den Depots der Hartgesottenen noch nicht herausgekommen. Bei steigenden Preisen kommt dann mit den hohen Umsätzen die Euphorie, bei fallenden Preisen erst das Abbröckeln und dann der totale Ausverkauf.

Die Qualität der Verkäufer ist wichtiger als die Qualität der verkauften Werte. Auch die besten Papiere können fallen, wenn die Aktienbesitzer von schlechter Qualität sind.

Ein besonders schlechtes Vorzeichen für den Markt ist, wenn sich das Tagesgespräch um die Börse dreht und jeder mit Kredit kauft. Ein schlechtes Zeichen ist auch, wenn man als Erklärung für die gute Börse Auslandskäufe zitiert. Die meisten ausländischen Spekulanten wollen, auch wenn es sich um Investmentfonds handelt, einen kurzfristigen Schnitt machen. Alle wollen sie immer zur gleichen Zeit kaufen oder verkaufen. So werden die Kurse erst angetrieben und dann bei den Verkäufen nach unten gezogen.

Die Geldmanager von Investmentgesellschaften, Pensionskassen und Versicherungen sind oft zittrig, da sie ihren Kopf riskieren.

Eigentlich sollte man unter keinen Umständen auf Kredit kaufen.

Das Vertrauen des amerikanischen Volkes zu seinem Präsidenten ist eines der wichtigsten Elemente für eine günstige Atmosphäre in Wall Street. 1955 erlitt Präsident Eisenhower eine Herzattacke. Am nächsten Tag fielen an der New Yorker Börse alle Aktien um 10 bis 20 Prozent in die Tiefe. Da ich auf meine Papiere Schulden hatte, musste ich schnell einen großen Teil der Aktien abstoßen. Als sich nach einigen Tagen der Gesundheitszustand des Präsidenten besserte beruhigte sich die Börse. In den kommenden Jahren erreichten die Kurse spektakuläre Gewinne. Für mich leider zu spät.

Als ich 1962 an der französischen Börse voll bezahlte Aktien hielt, geschah wieder das große Unerwartete (ich nenne es das Große I - für Imponderabilien): der Aufstand von vier französischen Generälen gegen die Regierung. In Paris herrschte Panik. Den nächsten Tag ging ich anstatt zur Börse in mein Lieblingsrestaurant, um meine Nerven zu schonen. Ein Börsenkollege berichtete entsetzt von der Börse. Ich genoss in aller Ruhe meinen Lunch, weil ich überzeugt war, dass die Regierung gewinnen würde. Der Krach stellte sich als Eintagsfliege heraus. Wäre ich zur Börse gegangen, so hätte ich mich mit Sicherheit ausverkauft.

Ich ziehe es vor, ein kleineres Quantum an bezahlten Aktien einer hochverschuldeten Gesellschaft (oder an zweiter Stelle Optionen, wobei man allerdings das ganze Geld verlieren kann) zu besitzen als ein großes Quantum an erstklassigen Papieren eines angesehen Unternehmens - aber auch Schulden gekauft. Mit einem kleinen Quantum an vollbezahlten Papieren kann man die Aufwärtsbewegung lange abwarten, während man mit großen Quantitäten auf Kredit gekaufter Papiere schon bei kleinen Gewinnen geneigt ist zu verkaufen.

Nach dem zweiten Weltkrieg und der großen deutschen Schuldenregelung habe ich einen spektakulären Gewinn mit der Aufwärtsbewegung der deutschen Auslandsanleihen gemacht. Mein ganzes Geld war in dieser Spekulation investiert. Die Spekulation basierte auf Deutschlands Zukunft und war mit dem persönlichen Image des Kanzlers Adenauer verbunden. Ich war sicher, dass die deutschen Anleihen bis zum letzten Pfennig bezahlt würden, aber die Schulden auf mein Depot verursachten mit eine permanente Angst.

In einer Rezession soll man Aktien kaufen, da die Regierung die Wirtschaft ankurbeln, die Zinsen ermäßigen und die Geldmenge erhöhen wird, wovon in erster Linie die Börse profitiert, noch früher als die Wirtschaft. Denn das Geld ist der Sauerstoff der Börse.

Die Kurse können trotz einer allgemeinen Steuererhöhung steigen, denn wenn die Regierung die Steuern erhöht, kann sie auf dem Geldmarkt liberaler handeln, was sich auf de Börse günstig auswirkt.

Man soll keine Aktien kaufen, wenn sie von den größten und bekanntesten Firmen aggressiv empfohlen wird. Eine Finanzgruppe will das Papier loswerden und läßt es durch die Baken oder die Maklerfirmen in Börsenbriefen und Medien, mit denen sie in Verbindung steht, empfehlen. Es ist eine Promotion, die mit Mundpropaganda unterstützt wird.

Den Transaktionen der Geldmanager großer Institutionen soll man keine Beachtung schenken. Wenn eine Institution von einem Papier eine besonders große Menge kauft oder verkauft, wird es vielleicht für einige Tage den Kurs in die Höhe oder Tiefe bringen, aber auf lange Sicht spielt das keine Rolle.

Den Empfehlungen der Experten auf lange Sicht hin ist keine Bedeutung beizumessen. Sie kennen die Situation eines bestimmten Unternehmens an dem Tage, an dem sie es geprüft haben oder aus der Vergangenheit. Was gestern gültig war, ist jedoch heute vielleicht ohne Berechtigung.

Von Empfehlungen eines Insiders über die Aktien seiner eigenen Gesellschaft ist gar nichts zu halten. Nach meiner Erfahrung müsste man fast immer genau das Gegenteil von dem machen, was ein Insider empfiehlt. Oft sind die Informationen willkürlich falsch, um das Publikum irrezuführen.

Ein Wirtschaftsboom ist für die Börse ungünstig. Wirtschaftstagnation ist für die Kursentwicklung günstig. Meistens ist die Börsentendenz ein Vorläufer der kommenden Wirtschaftsentwicklung. Aber nach einem Wirtschaftsboom, nach der Abkühlung und bei einer größeren Liquidität kann dank dieser Abkühlung der Börsenboom kommen.

Die Prognosen der Volkswirte sind meistens falsch. Ein Beispiel: Im Frühjahr 1962 gab es einen besonders heftigen Kurssturz in Wall Street und an allen Börsen der Welt, der von keinem Wirtschaftsexperten vorhergesehen worden war. Einige Monate später, als sich die Kurse auf dem tiefen Niveau etwas beruhigt hatten, organisierte die New York Harold Tribune (heute: International Harold Tribune) eine Konferenz mit den besten Wirtschaftsexperten. Einige waren pessimistisch, einige optimistischer. Die Experten hielten es für unmöglich, dass der Kurs zum Jahresende etwa 250 Punkte höher liegen könnte. Da lag er aber bereits 14 Tage später. Ein anderes Beispiel: das bedeutendste amerikanische Wirtschaftsmagazin Business Week behauptete im Heft August 1979, dass Aktien als Anlage endgültig tot seien. Niemand wolle mehr Finanzwerte besitzen, nur noch Sachwerte. Der Dow Jones stand damals bei etwa 800 Punkten. Zuerst kam eine sanfte und dann eine ständig zunehmende Besserung, nicht nur in Wall Street, sondern an allen Börsen der Welt. Was für ein Unsinn also zu behaupten, niemand sei willens zu kaufen.

Beim Einfluss der nationalen Politik ist wichtig, ob die Regierung, die eine Inflationswelle oder Deflation bekämpfen will, mit fiskalischen (steuerlichen) oder monetären Waffen (Steuerung der Geldmenge) vorgehen will. In den USA stehen die wichtigsten Parteien fest auf dem Boden des freien Kapitalismus. In Europa muss man jedes Mal zittern, wie die Wahlen ausfallen.

Der Einfluss der internationalen Politik ist gewaltig. Die Weltlage - Spannung oder Entspannung - beeinflusst die Psychologie des Publikums. Die Entwicklung der internationalen Lage beeinflusst ganze Branchen (Friedens- und Kriegsindustrie), internationale Zahlungsbilanzen, Handelsverträge, politische Kredite usw.

Man sollte niemals ein Papier auf kurze Sicht kaufen, auch wenn man auf lange Sicht davon eine schlechte Meinung hat oder darin sogar eine Gefahr sieht. So nahm man an der Pariser Börse keine Notiz davon, dass Hitlers Naziabgeordnete in den dreißiger Jahren in den Reichstag marschierten. "Was geht es uns an, was in Deutschland passiert!" war eine dumme Reaktion. Der Aufstieg von Hitler war kein Spaß, die Händler verloren die Lust, weiter auf Hausse zu spekulieren und es kam zu einen Krach. Ein Börsenspekulant muss immer in die Ferne schauen. Nicht daran denken, ob die Kurse morgen oder übermorgen steigen werden, sondern an das, was alles noch kommen kann und wird in den nächsten Monaten und Jahren. Wir können nichts wissen, nur ahnen. Man muss wissen, was heute ist und gestern war.

Man kann auch klein anfangen. Vor allem mit dem Kauf von total abgesackten Aktien, die fast pleite sind, die jedoch im letzten Moment gerettet werden. Diese Fälle nennt man Umkehrsituation. Der Käufer dieser Aktien kann ausharren, bis der Markt sich dreht, sogar wenn es Jahre dauert. Man kann auch mit Optionen viel Geld machen, wenn man die Tendenz genau im richtigen Moment unmittelbar vor dem Aufschwung erwischt. Nach einer Statistik der US-Börsenaufsicht verlieren 80 % der Optionskäufer das eingesetzte Geld. Der Sparer verliert alles, wenn die erwartete Kursentwicklung auch nur einen Tag zu spät eintrifft. Was die Käufer verlieren, kassieren die Stillhalter, die nicht zufällig meist mit den großen Banken und Versicherungen identisch sind. Ununterbrochenes Stillhalten ergibt automatisch eine Rendite von 20 bis 25 Prozent im Jahr. Wer viel Geld hat, kann spekulieren, wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren, wer fast gar kein Geld hat, muss spekulieren.

Es kann gefährlich sein, sich als Trittbrettfahrer an die Großspekulanten zu hängen: Oft plant eine Finanzgruppe den Erwerb der Mehrheit einer Gesellschaft und kauft an der Börse deren Aktien, gelingt es dann nicht, die zur Kontrolle ausreichende Menge an Aktien zu kaufen, stößt sie die Aktien wieder ab. Dann stürzt der Kurs dieser Aktie, die vorher raketenhaft hochgeschossen war, senkrecht in die Tiefe. Dieses Auf und Ab ist für den unschuldigen Zaungast ganz und gar unverständlich.

Wenn ein Unternehmen eine Kapitalerhöhung vornehmen will, manipuliert es den Kurs einer Aktien in die Höhe, um die neue Aktien für das Publikum schmackhaft zu machen. Solche Manipulationen sind gang und gäbe. Eine Kapitalerhöhung einer Gesellschaft bedeutet nicht, dass die Aktie steigen wird. Bei einer allgemeinen Tendenz nach unten auf dem Kapitalmarkt wirkt sich eine Kapitalerhöhung eher negativ aus, bei einer steigenden Tendenz dagegen positiv.

Falsche Anlagepropheten soll man nicht ins Haus lassen. Wenn sie anrufen, den Hörer auflegen. Die sensationellen Anlagemöglichkeiten sind fast immer Betrug. Der selbsternannte Guru Joe Granville sagte einmal einen Rückschlag des Dow-Jones-Index von dreißig Punkten voraus. Als der Dow-Jones-Index vor ein paar Jahren bei 750 stand prophezeite er, dass er auf 450 fallen würde. Statt dessen stieg er auf 1850. Der Guru Kurs Oligmüller behauptete, mit seiner Theorie die Kursentwicklung von Aktien voraussagen zu können. Er beging einige Monate später Selbstmord, nachdem er das ihm anvertraute Geld von Kunden vollständig verlor. Er hatte in Chicago auf dem Indexmarkt gespielt, wo er mit dem ganzen ihm zur Verfügung stehenden Geld auf den vom Guru Granville vorhergesagten Sturz der New Yorker Börse spekulierte.

Ich würde aufgrund der Charts nicht kaufen, aber unter keinen Umständen gegen sie operieren. Ich schaue mir gerne Charts über mindestens sechs bis zwölf Monate an, aber auch nur bei einzelnen Aktien und nicht bei den Marktindexen. Ich will mich nicht von den Tagesänderungen beeinflussen lassen und bewahre meine Ruhe. Die Charts sind die Fieberkurven einer Aktie, die mir ihren Zustand in den letzten Wochen und Monaten Auskunft geben. Das ist auch für die Zukunft eine gewisse Basis für die Beurteilung. Eine im Zickzack aufsteigende Linie deutet darauf hin, dass die Insider (Manager, Großaktionäre usw.) ihren Bestand an den betreffenden Aktien vergrößern willen. Eine im Zickzack fallende Linie zeigt dagegen, dass die Insider ihren Bestand vielleicht verringern oder sogar total ausverkaufen möchten. Die steigende Zickzacklinie - zwei Schritte hinauf, einen hinunter - lässt vermuten, dass die Käufergruppe mit ihren Käufern sehr vorsichtig vorgeht, damit nicht zu viele Mitläufer dabei sind. Nachdem der Kurs etwas gestiegen ist, stoppt man die Käufe, verkauft sogar einen Kleinigkeit, um die anderen zu täuschen, und fängt wieder an zu kaufen, wenn der Kurs zurückgegangen ist. Im umgekehrten Fall - zwei Schritte hinunter, einen hinauf etc. - gehen die verkaufenden Gruppen ebenfalls mit größter Vorsicht vor. Wie gesagt, es kommt oft vor dass eine Gruppe die Kontrolle über ein Unternehmen erwerben möchte, ihr das aber nicht gelingt.

Ich würde nicht gegen eine fallende Chart-Linie kaufen, wenn die gesamte Börsentendenz steigend ist. Dagegen ist es ein besonders gutes Zeichen für eine Aktie, wenn ihr Chart steigt, während die gesamte Tendenz fallen ist. Aber ich würde die Aktien nicht nur deshalb kaufen, weil ihr Chart steigt - das ist nicht genügend.

Wenn eine Aktie mit einem Zickzackkurs in die Höhe geht und auf einem gewissen Niveau eine Decke bildet, die der Kurs nicht durchbrechen kann, wenn also der Kurs sozusagen öfter an die Decke springt, wieder abfällt usw., könnte das bedeuten, dass bei einem gewissen Kurs große Mengen der Aktie aus irgendeiner Quelle auf den Markt kommen. Die Makler haben den Auftrag, bei einem bestimmten Kurs zu verkaufen. Dann kommt der Augenblick, wo der Kurs die Decke durchbohrt und in die Höhe geht. Das würde bedeuten, dass das zur Verfügung stehende Quantum verkauft ist und keine neu Ware herauskommt.

Wenn umgekehrt eine Aktie im Zickzackkurs tief abfällt, einen gewissen Boden aber nicht durchbricht, öfters auf den Boden fällt und wieder hochspringt, könnte das bedeuten, dass eine Gruppe Kurspflege betreibt, besser gesagt interveniert, um eine Panik bei den Besitzern zu verhindern. Wen der Kurs dann zu einem bestimmten Zeitpunkt den Boden durchbricht, hieße das, dass die intervenierende Gruppe nicht weiter kaufen will, sei es, dass sie dazu keine Mittel mehr hat oder nicht mehr aufwenden will.

Da es Tausende von Chartspieler gibt, können sie selber manchmal Kursbewegungen verursachen. Für Unsinn halte ich, aus verschiedenen Kurvenformen schwerwiegende Schlüsse zu ziehen, wie immer sie heißen mögen: "Untertasse", "Seitenflanke", "Schulter-Kopf-Schulter" usw. Solche Kennzeichnungen dienen nur den Tagesspielern, die kurzfristige Operationen durchführen wollen. Ich kannte in meinem Leben Hunderte von Spielern, die mit ihren Chartsystemen handelten, aber ich kannte nicht einen, der zum Schluss nicht all sein Geld verlieren hatte.

Auf exotischen Märkten kennt sich kaum jemand aus. Die Anfänger sollten sich an die großen westlichen Märkte halten. Ich habe mir zum Prinzip gemacht, dass ich an der Börse einen Landes nicht operiere, dessen Sprache ich nicht kenne.

Es spielt keine Rolle, ob amerikanische Werte in Mark oder Franken gehandelt werden, denn die Aktien entsprechen genau den jeweiligen Wechselkursen.

Der Preis einer Aktie ist das Ergebnis von Angebot und Nachfrage.

Im großen und ganzen ist es nicht sinnvoll, Limits für Gewinne oder Verluste und Terminlimits für Aktien festzusetzen.

Spekulation ist unentbehrlich für die Entwicklung der Wirtschaft.

Altes wiener Spekulanten-Sprichwort: "A Sach hat jeder Börsianer gern - schene Weiber und tiefe Zinsen." Der Preis für Kredite, Zinsen also, ist das wichtigste Faktum für die Wirtschaft - und natürlich für die Börse. Die größte Konkurrenz zu den Aktien sind die langfristigen Anleihen. Wenn deren Verzinsung attraktiv ist, dann werden die großen Geldanleger - die Pensionskassen, Versicherungen usw. - Anleihen den Aktien vorziehen. Ist die Verzinsung der Anleihen dagegen niedrig, werden diese Institute eher Aktien kaufen, da eine Hoffnung auf steigende Dividende berechtigt ist. Um so mehr, als die niedrigen Zinsen die Wirtschaft ankurbeln und die Gewinne der Unternehmen verbessern. Dieser Mechanismus funktioniert nur in einer Zeit ohne Inflation. Dann kann die Notenbank die Zinsen heruntersetzen. Während einer Inflation kann die Notenbank die Zinsen erhöhen, dadurch wird auch der Geldmarkt weniger liquid, es bleibt weniger Geld für den Aktien Kauf übrig. Erhöht die Notenbank die Zinsen nicht, profitiert der Aktienmarkt von der Inflation durch die immer weiter ansteigende Geldmenge. Die Aktien fallen während der Inflation oft nicht wegen der Inflation, sondern wegen der Maßnahmen gegen die Inflation: höhere Zinsen und strengere Kredit-Restriktionen (Kreditbeschränkungen).

Eine hohe Zahl von Neuemissionen, eine Vermehrung von Aktien durch Neugründungen oder Kapitalerhöhungen deutet fast immer auf einen späteren, dramatischen Rückschlag hin. Denn plötzlich sind mehr Aktien da als Dummköpfe. Die ganze Kunst besteht darin, dass man darauf vorbereitet ist und demnach handelt.

Der Entschluss, ob man ein Wertpapier verkauft oder nicht, ist von seinem vergangenen Verkaufspreis völlig unabhängig, sondern hängt von dem objektiven Urteil über seine künftige Entwicklung ab. Auch mit Verlust muss verkauft werden, wenn das objektive Urteil dafür spricht.

Über das Wochenende hat man Ruhe und Zeit, um sich Gedanken über die Börse zu machen, und dann kann man nach reifer Überlegung die Strategie entwickeln und Pläne schmieden. Man sollte abends planen, nachts und am Morgen den Entschluss fassen und dann handeln. Nach Gewinnen sollte man bescheiden bleiben. Auch der Dümmste kann gewinnen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Ein Papier kann steigen oder fallen.

Nach jeder erfolgreichen oder erfolglosen Spekulation soll der Börsianer seinen Erfolg oder Misserfolg analysieren. Warum war die Spekulation richtig, welche Argumente waren gut, und wie viel Glück war noch dabei. Oder: Warum war die Spekulation falsch?

Die Zeitungskommentare über Börsen, deren Tendenz und so weiter sind nichtssagend.

Wenn das Publikum und die Spekulanten bei einer Gesellschaft steigende Gewinne erwarten, vielleicht auch ihre steigende Dividende, kaufen sie in Massen diese Aktien. Wenn sie dagegen die Gefahr fallender Gewinne und sogar Dividenden sehen oder gar Verlust erwarten, verkaufen sie in Massen. Auf einem Tiefpunkt der Kurse und der Depression ist die Rendite der Aktien relativ hoch und auf der Spitze einer Aufwärtsbewegung am geringste. Die Aktien können also auch steigen oder fallen, wenn die Dividenden und Gewinne unverändert bleiben, aber die Zinsen auf dem Kapitalmarkt fallen oder steigen. Wenn also die Kapitalmarktzinsen im Fallen begriffen sind, zu gleicher Zeit die Gewinne der Unternehmen steigen und alle anderen Einflussfaktoren nicht störend wirken, entsteht die Aufwärtsbewegung. Wenn dagegen die Kapitalmarktzinsen steigen und parallel dazu die Gewinne der Unternehmen fallen, gibt es die große Baisse. So sind diese drei Faktoren: Zinsen, Psychologie und Unternehmensgewinne, dir die Börsenentwicklung ausschlaggebend.

Die Kursentwicklung verläuft so: Die Börse steht tief, die Kurse sind nach einer vorherigen Aufwärtsbewegung wieder sehr tief gefallen. Der Grund ist, dass die Zinsen gestiegen waren und die Liquidität abgeschöpft wurde. Es gibt weniger verfügbares Geld, um Aktien zu kaufen (der Wasserspiegel in der großen Wanne steht tief) und bei den Anlegern herrscht ein gewisser Pessimismus bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung und der zu erwartenden Gewinne der Unternehmen. Die Papiere, die in der letzten Zeit bei fallenden Kursen von den Zittrigen in die Hände der hartgesottenen veräußert wurden, liegen jetzt in festen Händen. Wenn nun auf weitere schlechte Nachrichten die Kurse nicht weiter zurückgehen, so ist das ein Beweis dafür, dass die Zittrigen alles ausverkauft haben. Die Hartgesottenen, in deren Händen die Papiere sich jetzt befinden, haben dagegen schon alle negativen Ereignisse ins Kalkül gezogen und auch, dass weitere schlechte Nachrichten eintreffen könnten. Der Markt kann auf diesem Niveau eine gewisse Zeit stabil bleiben, abgesehen von einigen kleinen Bewegungen, die ohne große Bedeutung sind.

Nach einer gewissen Zeit können wieder Nachrichten eintreffen über die Gewinne, die nicht schlechter geworden sind als erwartet, und die Notenbank setzt den Zins auf dem Geldmarkt herunter, um die Wirtschaft, die sich ja auch infolge der hohen Zinsen auf einer Talfahrt befindet, wieder anzukurbeln. Zu gleicher Zeit also wird durch sinkende Zinsen mehr Geld verfügbar, und die Relation zwischen Dividenden und Kapitalmarktzinsen wird für die Aktien günstiger. So kommen die ersten Spekulanten, die härtesten Profis, die Pioniere, die anfangen zu kaufen, natürlich bei schon steigenden Preisen; denn sonst würden die Aktien aus den festen Händen nicht herauskommen. Zuerst kauft man wenig und langsam, doch bei steigenden Preisen, die dann auch die pessimistische Stimmung mildern, mehr. Dadurch kommen neue Interessenten, die Kurse gehen wiederum etwas in die Höhe, und eine gewisse Kettenreaktion setzt ein: weniger Pessimismus - neue Käufe - höhere Preise - Optimismus - weiter steigende Preise usw. So entwickelt sich die erste Phase einer Aufwärtsbewegung. Dazu trägt auch bei, dass die Preise vorher durch den großen Pessimismus womöglich tiefer gefallen sind als berechtigt. Die Renditen waren bei den niedrigen Preisen zu hoch, und eine Korrektur könnte so aussehen, dass entweder die Dividenden gekürzt werden oder die Kurse steigen. Da sich aber die wirtschaftliche Lage eher verbessert als verschlechtert, setzt ein Kursanstieg ein. So erreichen in der ersten Phase der Bewegung die Preise ein realistischeres Niveau als vorher. Ich nenne dies die erste Phase der Korrektur.

Unter dem Einfluss er fallenden Zinsen wird die Wirtschaft auch angekurbelt, und nun kommen neue Nachrichten über langsam steigende Gewinne. Die Kurse begleiten diese neue optimistischere und auch wirtschaftlich begründete Entwicklung und gehen langsam parallel mit den Ereignissen in die Höhe: fallende Zinsen, steigende Gewinne und dadurch eine viel bessere Stimmung. Dies nenne ich: die Phase der Begleitung. Die Kurse begleiten die Gesamtentwicklung. Es kommen immer mehr Interessenten, Spekulanten und Spieler in den Markt. Auf einmal wird der Optimismus dank noch weiter fallender Zinsen und noch höherer Gewinne der Unternehmen fast euphorisch. Da springt die Bewegung von der zweiten in die dritte Phase über. Es kommen immer mehr Käufer, die die Kurse weiter in die Höhe treiben. Man sieht überhaupt keine Risiken mehr, es herrscht nur noch ein unbegrenzter Optimismus. Die Hausse nährt die Hausse. Dies nenne ich die Phase der Übertreibung. Alle Zittrigen sind übersättigt mit Papieren, und wenn die kein Geld mehr haben, kaufen sie auf Kredit. Da die Liquidität bei den Banken sehr hoch ist, geben diese den Kreditnehmern besonders günstige Bedingungen und stimulieren dadurch neue Käufe. Sie heizen damit die Aufwärtsbewegung an. Außerdem wollen die Banken größere Mengen von Papieren aus ihrem Bestand abladen. Die Hartgesottenen haben ihre Papiere verkauft, die sich nun bei den Zittrigen befinden.

Da eine solche Euphorie inflatorische Wirkung haben kann, wird die Notenbank vorsichtiger und beginnt, die Zinsen in die Höhe zu schrauben und die Liquidität abzuschöpfen. Die Papierbesitzer warten nun auf eine neue Schicht von Käufern, die die Aktien bei höheren Preisen abnehmen wurden. Aber als Folge der Geldpolitik der Notenbanken ist der Zufluss von frischem Geld gestoppt. Die Kurse steigen nicht weiter, selbst nicht bei guten Nachrichten aus der Wirtschaft (höhere Gewinne und Dividende). Da einige Spekulanten nicht höher verkaufen können, aber aus dem Markt heraus wolle, vielleicht auch Geld brauchen, verkaufen sie - am Anfang nur langsam und wenig - und verursachen dadurch negative Kursreaktionen, weil die Käufer ihr Kauflimit heruntersetzen. Das ist die erste Phase der Abwärtsbewegung.

Langsam treffen auch schlechtere Wirtschaftsnachrichten ein (kleinere Gewinne, eventuell auch Dividendenkürzungen), und diese begleiten weiter fallende Kurse. Dies ist die Zweite Phase der Abwärtsbewegung. Die fallenden Kurse und die schlechten Nachrichten machen die anderen ängstlich, und die Kettenreaktion, diesmal in umgekehrter Richtung, beginnt wieder: Die Kurse sind rückläufig - Angst - Verkäufe, die Kurse fallen weiter, und zum Schluss setzt Panik mit totalem Ausverkauf ein. Dies ist die dritte Phase der Abwärtsbewegung, die Phase der Übertreibung, denn die Kurse fallen unter dem Druck der Massenpsychologie noch tiefer, als es eigentlich berechtigt wäre. Fazit: Die Zittrigen verkaufen immer niedriger und niedriger, und die Hartgesottenen kaufen.

Je geschickter ein Spekulant ist, desto eher geht er gegen die allgemeine Tendenz. Er beginnt schon in der dritten Phase der Abwärtsbewegung zu kaufen, also gegen den Trend, und kauft sogar noch in der ersten Phase der Aufwärtsbewegung. Dann lässt er die Entwicklung laufen und fängt erst an zu verkaufen, wenn die Aufwärtsbewegung euphorisch wird. Man muss jedoch immer damit rechnen, dass die dritte Phase der Aufwärtsbewegung am Ende explosiv werden kann. Für viele Spekulanten besteht die große Gefahr darin, zu glauben, mit dem Verkauf einen Irrtum begangen zu haben. Ihr Schmerz ist groß, denn sie rechnen jeden Tag dem versäumten Gewinn nach. Sie entschließen sich dann plötzlich, wieder einzusteigen. Wenn viele von denen, die verkauft hatte, wieder einsteigen, kommt die große Wende. Ein altes Börsengesetz sagt: Wenn die verbissenen Baissiers auf einmal optimistisch werden, ist es das Signal aus dem Markt herauszugehen. Genau wie umgekehrt: Wenn die leidenschaftlichen Optimisten auf einmal pessimistisch werden, muss man in den Markt einsteigen. Bei der zyklischen Börsenbewegung muss man also zu zwei Dritteln gegen die Tendenz und zu einem Drittel mit der Tendenz gehen. Wie lange die Phasen und zyklischen Bewegungen dauern, lässt sich nicht festlegen. Eine Aufwärtsbewegung kann jahrelang dauern oder auch nur Monate.

Steigt die Geldmenge etwas mehr als geschätzt, klettern sofort die Zinsen. Zumindest den kurzfristigen Zins kann die Notenbank fast nach Belieben diktieren. Sie kauft oder verkauft Schatzanweisungen und pumpt somit Geld in die Wirtschaft hinein oder entzieht es ihr. Das hat natürlich auch Einfluss auf die Börse, und weil die Liquidität auf die Märkte eine ganz fatale Wirkung ausübt, sind alle Spieler und Spekulanten brennend daran interessiert, wie z.B. in den USA das Federal Open Market Commitee (FOMC) entscheidet. Dieses Gremium bestimmt den Kurs. Die Geldmengen-Spekulation ist für mich intellektuelle Armut, die eine Hälfte der Experten prophezeit steigende, die andere Hälfte fallende Zinsen. Die Geldmengen-Zahlen sind Eintagsfliegen, sie ändern sich dauernd. Die langfristigen Zinsen hängen nicht von der Notenbank (in den USA: FED) ab, sondern von dem Vertrauen zu dem Schuldner, zu der Währung, Finanzpolitik usw. Auch ie kurzfristigen Zinsen kann man nicht voraussehen, weil der Notenbankchef selber nicht wissen kann, wie seine Absichten in drei Wochen sind.

Ein Nachteil der Aktienanlage ist, dass der Anleger die Kurse seiner Aktien täglich verfolgen kann und dies zu seinem größten Schaden auch tut, denn das reizt zu unüberlegten Entscheidungen. Der Vorteil der Aktienanlage ist die absolute Liquidität. Ich bin ein Mann der Börse und optiere daher für die Anlage in Wertpapieren und nicht in Immobilien. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass für den kleinen Sparer der Kauf einer Eigentumswohnung das erste Gebot für die Geldanlage ist, da er damit seine ersten Ersparnisse inflationssicher angelegt hat.

Meine Spezialität während und nach dem 2. Weltkrieg waren europäische Staatsanleihen, weil ich ganz einfach zu den Schuldnern Vertrauen hatte. Es erfolgte eine brillante Aufwertung bei all diesen Papieren.

Die Finanzanalysen der besten Experten sind ebenso wertlos wie Insider-Informationen. Auf viele Jahre hinaus ist die technische Analyse eines Unternehmens sicherlich wichtig, jedoch ist das Firmenschicksal unzähligen Unwägbarkeiten unterworfen: ausländische Konkurrenz, neue technische Erfindungen usw. Am wichtigsten scheint mir, das Leben selbst zu studieren, man sollte viel reisen, die Welt und ihre Bewohner kennenlernen. Das beste Studium für den Spekulanten ist die Massenpsychologie (Psychologie der Massen, Le Bon, 1895). Denn der wichtigste Faktor der Börsen und Wirtschaftsentwicklung ist das Verhalten des Publikums. Und natürlich sollte der Spekulant die wichtigsten Sprachen der Welt beherrschen, in erster Linie Englisch. Das Börsenwissen ist das, was übrigbleibt, wenn es einem gelungen ist, alles andere zu vergessen: die Bilanzen, die Kurse, die Dividenden, die jährlichen Geschäftsberichte, das ganze Rüstzeug, das man in einer guten Bibliothek und noch viel mehr in einem gutgefütterten Computer findet. Man muss ein Denker sein, immer auf dem laufenden und global denken. Die Ideen kommen dann von selber.

Die Wucherpreise für Erdöl beschnitt (um 1974) die Kaufkraft des Westens und der Entwicklungsländer drastisch. Die Wertpapierbörsen litten dramatisch darunter. Die OPEC diktierte die Preise. Der Ertrag der Erdölproduktion von fünf Jahren wog das gesamte Industrieimperium des Westens samt Infrastrukturen auf, einschließlich Bergwerken, Landwirtschaft und Immobilien - ein Werk, das in 150 Jahren durch Millionen Menschen aufgebaut wurde. Ein Kartell muss platzen, wenn eine zu große Diskrepanz zwischen den Selbstkosten und den Kartell-Preisen besteht. Das war damals der Fall: 10 Cents pro Barrel gegen 30 Dollar. Der Westen konzentrierte sich mit allen Kräften und mit Hilfe der fortschreitenden Technologie darauf, Energie zu sparen und neue Quellen zu erschließen. Das gelang. Der Verbauch sank. Wenn eine Produktion nur 5 % höher ist als der Verbrauch, stürzen die Preise senkrecht in die Tiefe. So wie die Preise raketenhaft steigen, wenn der Verbrauch um 5 % über der Produktion liegt. Der Ölpreis sank, die Welt erholte sich von der Ölkrise.

Mein Rat: Hände weg von Warentermingeschäften: gewinnen kann man, verlieren muss man, das ist wie beim Roulettspiel.

Die Wirtschaft ist wichtiger für das Wohlergehen des Landes als die Finanzen. Auch eine leichtfertige Finanzpolitik kann eine robuste Wirtschaft nicht vernichten. Firmen können Konkurs gehen, aber neue Besitzer können die Fabriken dank ihrer Infrastruktur und Qualität wieder hochbringen und ein Bombengeschäft machen.

Die Volkswirte haben ihre verstaubten Theorien nicht vergessen, sie versagen. Für Börsen-Prognosen taugen sie nicht. Die Analysen der Wirtschaftsprofessoren waren irreführend, egal ob es sich um Inflation, Zinsen, Öl oder anderes handelte. Der wichtigste Faktor für die Wirtschaft und Finanzen ist das Vertrauen oder Misstrauen. Ohne Vertrauen geht alles kaputt, mit Vertrauen lässt sich jedes Problem lösen.

Mir ist ein starker Staat, der pragmatisch handelt, wichtig, in dem trotz Freiheit auch Recht und Ordnung herrschen, die Schwachen vor den Starken geschützt werden. Man kann die Wirtschaft unter Kontrolle halten, ohne die drei tragenden Säulen unseres kapitalistischen Systems zu gefährden: freies Unternehmertum, Profit und freie Konkurrenz. Ein maßvolles Eingreifen des Staates ist wünschenswert. Nachfrage und Angebot pendeln sich meistens früher oder später in ein Gleichgewicht ein. Die Wirtschaftsgeschichte verlief immer schon in zyklischen Bewegungen. Es ist unvermeidlich, dass diesen ups and downs viele zum Opfer fallen.

Kein Geldinstitut kann wegen Schulden in der eigenen Währung zahlungsunfähig werden, denn die Notenbank steht immer hinter ihn. Einer der Hauptgründe für die Inflation ist das horrende Kreditvolumen, das die kapitalistischen Staaten den Entwicklungsländern und dem Ostblock unverantwortlich, gegen eigene Interessen und ohne Hoffnung auf Rückzahlung eingeräumt hatten.

Wird die Inflation durch allgemeine Steuererhöhung, das heißt durch Abschöpfung von Kaufkraft gedämpft, wird die Börse nicht oder kaum darunter leiden. Dagegen kann die Regierung, das heißt die Notenbank, mit ihrer Geld- und Kreditpolitik jederzeit eingreifen und durch Restriktionen in Form von Verteuerung der Zinsen und Verknappung die Inflation der Geldmenge bekämpfen. In diesem Fall reagieren die Börsen sehr bald mit fallenden Kursen.

Es gibt mehrere Gründe für die Inflation. Wenn zum Beispiel die Nachfrage nach Gütern größer ist als das Angebot, treibt das die Preise in die Höhe. Die Preise steigen auch an, wenn die Arbeitnehmer ununterbrochen höhere Löhne fordern, und dadurch die Kosten der Waren steigen. Dies ist gefährlich, da die höheren Preise für die Waren wieder neue Lohnerhöhungen nach sich ziehen. Das nennt sich Lohn-Preis-Spirale. Um dieses zu stoppen, muss eine starke Regierung im Amt sein, denn demokratische Regierungen neigen oft zu Demagogie und würden nicht gern unpopuläre Gesetze einführen, ohne die man aber diese Spirale nicht stoppen kann. Der gefährlichste Faktor für die Inflation ist aber die Inflationserwartung. Da entwickelt sich eine psychologisch motivierte Kettenreaktion. Die Preise fangen an zu steigen aus den genannten fundamentalen Gründen, die Bevölkerung wird nervös, besonders in den Ländern, in denen sie verheerende Inflationen schon erlebt hat, die Spekulation greift ein, weil sie weitere Inflation erwartet, und mit ihrer Spekulation auf weitere Inflation treibt sie die Preise noch weiter und untergräbt damit auch das Vertrauen der Sparer. Die letzte große Welle der Inflation war eine Kosteninflation durch die künstlich in unangemessene Höhen manipulierten Ölpreise, an die sich dann auch die anderen Energiepreise anpassten. Ich habe in meinem Leben mehrere Währungsreformen erlebt, insbesondere zwei große, beide nach einem verlorenen Krieg in Zentraleuropa. Die Länder waren zerstört, Fabriken Schutthaufen, für Rohstoffimporte gab es keine Devisen, aber es gab eine Riesenproduktion von Banknoten.

Das Preis-Gewinn-Verhältnis einer Aktie ist der einzige Maßstab, mit dem man sich zumindest eine kleine Idee vom Wert der Aktie machen kann. Man kann so zwei Werte derselben Branche und desselben Landes zu vergleichen, doch kann ein Unterschied aus den verschiedensten technischen Gründen jahrelang erhalten bleiben. Die Aufgabe eines guten Spekulanten ist es, den Übertreibungen keinen Glauben zu schenken.

Kleiner Test, ob Sie Spekulant sind: Planen Sie Ihre großen Ferien erst kurz davor? Gehen Sie bei Rot über die Ampel, wenn kein Auto kommt? Gehen Sie in einem fremden Land zuerst in ein unbekanntes einheimisches Restaurant? Achten Sie bei der Wohnungssuche mehr auf die Umgebung als auf den Schnitt der Wohnung? Möchten Sie, dass Ihre Frau arbeitet, anstatt zu Hause zu bleiben? Viele Ja-Antworten zeigen: Sie sind ein typischer Spekulant.

Zitate von Kostolany:

"Ein Vollblutspekulant kauft nur Papiere, von denen er sich einen drei- oder vierfachen Kurs erhofft. Es kann jedoch auch das Zehnfache werden. (Diese Erfahrung habe ich oft gemacht.)"

"Bargeld in der Tasche und gleichzeitig die Absicht zu haben, bei niedrigen Kursen in die Börse einzusteigen, ist dasselbe Vergnügen, wie hungrig zu sein und sich auf dem Weg ins Restaurant zu befinden."

"Verkauft ein Börsenspekulant seine Papiere zum doppelten Kurs, nenne ich das normal."

"Einer Straßenbahn und einer Aktie darf man nie nachlaufen. Nur Geduld: Die nächste kommt mit Sicherheit."

"Ein Börsianer darf seine Papiere nie im Verhältnis zum Einkaufspreis, sondern muss sie zum Tagespreis einschätzen."

"Hat man eine schlaflose Nacht wegen eines Börsenengagements, soll man es sofort lösen."

"Aktien nehmen und Schlaftabletten nehmen!"

"Eine alte Börsenweisheit: Können die Kurse nicht weiter steigen, müssen sie fallen."

"Für die Kursentwicklung ist es nicht wichtig, was heute geschieht, sondern was sich morgen und übermorgen ereignen wird. Denn was heute geschieht, ist in den Kursen bereits enthalten."

"An der Börse sagt uns oft das Gefühl, was mir machen, und der Verstand, was wir vermeiden sollen."

"Die beiden schwersten Sachen an der Börse sind, einen Verlust hinzunehmen und einen kleinen Profit nicht zu realisieren. Am schwersten aber ist es eine selbständige Meinung zu haben, das Gegenteil von dem zu machen, was die Mehrheit tut."

"Steigt die Börse, kommt das Publikum, fällt die Börse, geht das Publikum."

"Die Börsenspieler gehen meist nur blind mit der Masse."

"Die Spekulanten setzen auf die Nachrichten und Ereignisse, die von Journalisten beschrieben werden."

"Staatsbankrott? Bankenkrisen? Darauf gibt es nur eine Antwort: Viel Lärm um nichts!"

"Je mehr eine Regierung eine eventuelle Maßnahme dementiert, um so sicherer wird sie später beschlossen."

"Für mich ist Musik zu hören die beste Begleitung zum Nachdenken und Kombinieren."

"Alkohol kann die Phantasie stimulieren, unnütze Hemmungen beiseite räumen, und das ist sehr oft besonders günstig."

"Eine gute Anlage ist eine gelungene Spekulation."

"Wen nicht fähig ist, selber eine Meinung zu bilden und eine Entscheidung zu treffen, darf nicht zur Börse."

"Ein Börsenspieler kann Gewinne machen aber kein regelmäßiges Einkommen. Auch ein guter Spekulant kann jahrelang erfolglos sein."

"Für einen Spekulanten ist es nützlicher, über eine Sache nachzugrübeln, ohne etwas zu unternehmen, als etwas zu unternehmen, ohne nachzugrübeln."

"Es gab keinen wirtschaftlichen Fortschritt, der nicht immer eine Folge der Spekulation gewesen wäre."

"Über das Wochenende hat man Ruhe und Zeit, um sich Gedanken über die Börse zu machen, und dann kann man nach reifer Überlegung die Strategie entwickeln und Pläne schmieden."

"Ein Autodidakt kann sich eine große Erfahrung erwerben und reagiert oft intuitiv besser als ein geschulter Theoretiker, ohne zu wissen warum, nur aufgrund seiner Erfahrungen."

"Ein erfahrener, intelligenter aber völlig erfolgloser Börsianer kann besonders gut Aktien beurteilen, obwohl er vielleicht in seine eigene Meinung kein Vertrauen oder Schulden hat."

"Wenn man über die Einzelheiten zuviel weiß, hat man keinen Überblick mehr über das Ganze." "Gold hat weder einen Ertrag noch eine Notwendigkeit in der Wirtschaft."

"Man sollte wissen, dass hinter den Fassaden großer Finanzinstitute keine Musterknaben sitzen."

"Mir imponieren nur die Millionäre, die mir auch imponieren würden, wenn sie keinen Knopf in der Tasche hätten."

"Das Wertvollste ist Unabhängigkeit, und Geld verschafft Unabhängigkeit.“
Zitat von Kostolany:

Der Neue Markt ist ein Spiel mit gezinkten Karten.
Zitat von Kostolany:

Am Neuen Markt wird es grrroßes Blutvergießen geben!


rrr steht für ein rollendes r


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