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Der DRAM-Markt: Option auf die Zukunft der Informationstechnologie - 500 Beiträge pro Seite


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Fusionen und Neuausrichtungen sind wieder an der Tagesordnung. Die PC-Anbieter Compaq und HP proben, ob man zu zweit besser schwimmen kann oder genauso baden geht wie alleine. Die Händler im Halbleitergeschäft ce Consumer und ACG führen dem Vernehmen nach freundschaftliche Gespräche. Der Mobilfunk-Betreiber E-Plus soll angeblich verkauft werden . Und im Chip-Segment der dynamischen Speicher, die in Hauptspeichern von PCs, Servern und Telekommunikations-Equipment eingesetzt werden, redet auch jeder mit jedem.

Jüngst ist erst die japanische Toshiba in die Schlagzeilen geraten. Man sei mit Samsung und Infineon im Gespräch. Worüber? Nein, nicht über einen Verkauf der defizitären Speicher-Sparte. Man wolle kooperieren, um die Kosten zu senken. Das klingt wenig plausibel angesichts eines übersättigten Marktes, in dem die Hersteller vielleicht gerade noch ihre variablen Kosten decken. Kostensenkungs-Potenzial erstreckt sich denn auch höchstens auf Vertrieb, Marketing, vielleicht noch teilweise auf die Entwicklung. Die Produktionsprozesse sind dagegen im Detail so unterschiedlich, dass nicht einfach ein Toshiba-RAM bei Infineon gefertigt werden kann oder umgekehrt. Wozu auch? Es gibt sowieso überall zu viel Kapazität.

Noch kündigt kein bedeutender DRAM-Hersteller offen seinen Rückzug aus dem Markt an. Man versucht, sich durch Optimierung der Produktion, Kostensenkungen und Entlassungen über Wasser zu halten. Hier und da wird versucht, mit geringerem Ausstoß den Preisverfall zu stoppen. Diese Strohfeuer verlöschen immer wieder sofort, wenn die Konkurrenten nicht mitziehen. Jeder will um jeden Preis seinen Marktanteil halten.

Der DRAM-Bereich ist seit jeher das zyklischste Chip-Segment. Diesmal ist es allerdings besonders heftig, räumt auch Sean Mahoni, Pressesprecher von Micron Tech ein. Im laufenden Jahr soll nach den Marktforschern von Dataquest das Marktvolumen um mehr als 55 Prozent auf 14 Mrd. Dollar einbrechen und damit das Niveau von 1998 erreichen . Die Stärke des Einbruchs erreicht die Größenordnung des Jahres 1985.

Auf den ersten Blick ist unverständlich, warum nicht schon längst ein größerer Anbieter das Handtuch geworfen hat. Auf den zweiten Blick stellt sich die Situation aber so dar: Die Produktion von DRAMs ist relativ einfach. Wenn der Markt läuft, kann schnell viel Geld verdient werden. Zweitens sehen Anbieter, die auch andere Chip-Segmente bedienen, in der Herstellung von DRAMs ein ideales Testfeld für die Erprobung neuer Technologien. Aktuell sollen Wafer mit 300 mm Durchmesser die älteren 200 mm Siliziumscheiben ablösen. Außerdem werden die Strukturbreiten weiter verkleinert. Jetzt stehen 130 Nanometer an. Das verschärft die Konkurrenz auf dem DRAM-Markt letztlich noch weiter: In einem Arbeitsgang können alleine auf den größeren Wafern mehr als doppelt so viele Chips hergestellt werden.

Damit konzentriert sich alles auf die Frage: Wann geht die Nachfrage wieder hoch? Was in der Vergangenheit Hoffnung gemacht hatte, trog schon im vergangenen Jahr. Es gibt kein Weihnachten mehr, jedenfalls nicht für den PC-Markt.

Infineon hat mit eigenen Prognosen unterstrichen, dass der prozentuale Anteil der Nachfrage nach DRAMs im PC- und Workstation-Bereich von 69 Prozent im laufenden auf 51 Prozent im Jahre 2005 zurückgeht. Der Entertainment-Bedarf (Spielekonsolen und Set-Top-Boxen) hält sich bei 8 bzw. 9 Prozent. Zulegen soll hingegen die Nachfrage seitens PDAs, Internet Appliances und SmartPhones von 2 auf 7 Prozent. Und auch die Infrastruktur der Telekommunikation soll anziehen: Router, Server und Netzwerk-Speicher-Systeme steigern ihren Anteil von 17 auf 30 Prozent.

Laut Dataquest wird aber auch das Jahr 2002 keine signifikante Besserung für die Anbieter bringen. Erst 2003 soll die Nachfrage wieder an die Grenzen des Angebots stoßen und starkes Wachstum erwarten lassen, das sogar die hohen Steigerungsraten der 90er Jahre übertreffen könnte. Damit stehen die fünf wichtigsten Anbieter -Samsung, Micron Tech, Hynix, NEC und Toshiba mit ihren zusammen rund 80 Prozent Marktanteil vor schwierigen Zeiten.

Der DRAM-Markt blickt mit banger Hoffnung auf das neue Betriebssystem Windows XP. Immerhin benötigt es mindestens 256 Mbyte DRAM-Speicher, damit es vernünftig läuft. Es müsste aber schon einschlagen wie eine Bombe, wenn es das Ruder herumreißen soll. Jürgen Thiel, Europa-Direktor von Intel setzt denn auch darauf, dass XP plus neue Anwendungen wie die digitale Fotografie, Informationstechnologie und Konsumelektronik weiter zusammenwachsen lassen. Höhere Rechnerleistung und eine bessere Speicherausstattung würden den PC-Markt alsbald beleben. Wann? Noch dieses Jahr, sagte er auf der diesjährigen IFA in Berlin und hofft auch auf die allmählich wieder beginnenden Anschaffungszyklen bei den Unternehmen.

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube: Die Aktionäre von DRAM-Herstellern jedenfalls haben erst einmal alle Hoffnung fahren lassen. Ein "Optionsschein" auf die Zukunft des PC-Marktes, die Micron-Aktie, ist z.B. von über 50 Euro im August auf aktuell 35 Euro gefallen.

Autor: Klaus Singer (© wallstreet:online AG),16:36 10.09.2001



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