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Manchmal erwischt es auch die Großen - 500 Beiträge pro Seite


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Manchmal trifft das Schicksal einen richtig hart. So zum Beispiel die Infomatec AG, genau genommen einen Vorstand und einen Ex-Vorstand des Unternehmens. Diese beiden Manager zeichnen einem Gerichtsentscheid des Landgerichts Augsburg zufolge für die merkwürdige Informationspolitik des Unternehmens im Jahr 1999 verantwortlich, in Folge derer sich ein Privatanleger aus dem Ruhrgebiet für einen Preis von 100.000 Mark Aktien des Unternehmens kaufte.

Er verließ sich im speziellen auf eine Ad-Hoc Meldung des Unternehmens vom 19. Mai, in dem ein Auftrag von Mobilcom von „mindestens rund 55 Mio. Mark“ für die Lieferung von 100.000 Internetdecodern als „großartiger Erfolg“ angekündigt worden war. De facto existierte zwar, wie sich bald darauf herausstellte, ein Auftrag, aber lediglich über eine Summe von 9 Mio. Mark für die Lieferung von 14.000 Geräten. Die restliche Summe beruhte lediglich auf wie auch immer gearteten mündliche Absprachen. Diese Pleite war nur eine von mehreren, die den Kurs des Unternehmens, und damit auch seine Attraktivität für Investoren und Anleger, nach unten trieben.

Im November 2000 teilte Infomatec den Rücktritt der Vorstände Häfele und Harlos mit, nachdem gegen diese nun auch wegen Insiderhandels ermittelt wurde. Wie die Augsburger Allgemeine treffend ergänzen konnte, wanderten beide zunächst in das Untersuchungsgefängnis, nachdem die Staatsanwaltschaft von gegebener Fluchtgefahr ausging.

Im Januar schritt das Unternehmen unter dem neuen Vorstand Karl Gruns zur Gegenoffensive. Zuerst drohte man der Wirtschaftswoche, die in einem Artikel über die nun konkrete Formen annehmende Schadensersatzklage von Häfele und Harlos als „Informatec-Vorständen“ sprach, mit rechtlichen Schritten. Beide seien seit ihrem Rücktritt im November nicht mehr für das Unternehmen tätig, hieß es. Daraufhin reichte Infomatec in Augsburg Widerklage gegen Mobilcom ein, durch deren fehlerhaftes Verhalten sie in der Öffentlichkeit der Anschein entstanden, Infomatec habe „falsche Angaben“ gemacht. Das sei ein „kaum ersetzbarer Schaden“ für Infomatec.

Wenigstens die Fähigkeit des Unternehmens, irgendetwas zu ersetzen wurde völlig zutreffend beurteilt. Als das Unternehmen nämlich am 30. April seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlichte, mag so manchem Anleger endgültig die Luft weggeblieben sein. Parallel zu einem Umsatzeinbruch von 50,6 auf 21,9 Mio. Euro explodierte der Fehlbetrag von 16,4 auf 103,8 Mio. Euro.

Infomatec musste am 9. Mai die Insolvenz beantragen, was gleichzeitig zur Folge hatte, dass das Verfahren gegen das Unternehmen selber wegen der bewusst falsch formulierten Ad-Hoc Meldungen sofort nach Prozessbeginn am 6. August ausgesetzt und nur noch gegen die beiden Ex-Vorstände fortgeführt wurde.

Hier hätte die Geschichte aus Sicht von Infomatec enden können. Das Unternehmen hätte interessiert zur Kenntnis nehmen können, dass erstmals in der Geschichte des deutschen Aktienrechts ein Kleinanleger Schadensersatzansprüche wegen unzutreffender Unternehmensangaben hat durchsetzen können. Der Mann hat durch das Urteil des Landgerichts Augsburg Anspruch auf die Rückerstattung der 100.000 Mark, die er damals in das mittlerweile insolvente Unternehmen gesteckt hat.

Doch wie gesagt, hier hätte die Geschichte enden können. Hätte der Aufsichtsrat von Infomatec nicht am 12. September nach dem Rücktritt des zwischenzeitlichen Vorstands just Gerhard Harlos als „sachkundige und engagierte Person“ wieder in den Vorstand berufen. Manche trifft das Schicksal wie gesagt hart, aber manche sind auch selber schuld daran.

Autor: Gerrit Nawracala (© wallstreet:online AG),14:04 24.09.2001

Paßt wie die Faust aufs Auge zur Firmengeschichte der letzten Jahre.


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