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"Der Hass der Muslime auf die USA" - 500 Beiträge pro Seite


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Samstag, 22. September 2001

Gastbeitrag von Prof. Dr. Adel Theodor Khoury (Universität Münster)

Der Hass der Muslime auf die USA


Der Hass der Muslime auf den Westen ist eine Folge noch
nicht überwundener Demütigungen der islamischen Welt.

Zunächst ist die tiefe negative Erfahrung der Entfremdung
in der Kolonialzeit zu erwähnen, in der die damaligen
Kolonialherren versucht haben, ihnen politische und
soziale, erzieherische und kulturelle, ja sogar religiöse
Vorstellungen und Anschauungen aufzuzwingen. Die Muslime
sind heute auf der Suche nach ihrer eigenen Identität.

Diese Identität wollen sie eben nicht in einem westlichen
Kulturgut finden, das mit ihrer eigenen kulturellen
Tradition nicht in jedem Punkt übereinstimmt. Außerdem
empfinden sie den Vorsprung des Westens auf dem Gebiet
der Wissenschaft und der Technik als eine ständige
Bedrohung ihrer Zukunftsvisionen.Dabei gehen sie von
der Vorstellung des Korans aus, dass die islamische
Gemeinschaft "die beste ist, die je unter den Menschen
hervorgebracht wurde". Aber dies wird in ihren Augen
täglich vereitelt, weil der Westen ständige Hindernisse
auf den Weg des Islams lege, so dass die Muslime in den
verschiedenen Belangen ihrer Völker unterdrückt und jeder
Chance beraubt würden, je an der Schaltstelle der
internationalen Macht direkt mitwirken zu können.

Gleichwohl leben sie in einer Tradition, in der der Islam
betont, als Religion und als Gesellschaftsordnung eine
universale Aufgabe zu erfüllen und die bessere Alternative
gegenüber allen anderen Ordnungen in der Welt zu sein.
So werden die Wortführer der Islamisten nicht müde, den
Westen in seiner Gesellschaftsordnung anzuprangern. Sie
verurteilen seine aggressive säkularistische Ideologie
und werfen der westlichen Zivilisation vor, einen starken
Menschen, aber einen Menschen ohne Seele produziert zu
haben.

Das sei die Welt der Stärke und der Macht, aber ohne
geistigen und spirituellen Inhalt, eine dekandente
Gesellschaft, die an sittlichem Verfall leide.
Außerdem pflege der Westen eine Doppelmoral in Fragen der
Menschenrechte; bei den Angaben über Motive des Handelns:
Moralische Motive würden vorgeschoben, wo es um handfeste
politische und wirtschaftliche Interessen gehe; bei der
Betonung der Gleichheit, welche jedoch nicht zwischen
den westlichen und den anderen Menschen gelte; bei der
Herstellung einer Allgemeingültigkeit von Recht und
Gerechtigkeit in der Welt.

Endlich rügen die Islamisten das, was sie als die ständige
Bestrebung des Westens - vor allem der Vereinigten Staaten
von Amerika - nach Herrschaft und Hegemonie bezeichnen; so
würden z.B. internationale Beschlüsse ohne Beteiligung der
Dritten Welt, zumal der islamischen Welt, gefasst. Auch
werde deutlich, dass die viel beschworene demokratische
Freiheit nur eine Illusion sei.

Trotz aller Berechtigung mancher Anliegen der Islamisten
bleibt es bedenklich, dass militante Gruppen den Islam
benutzen, um radikale politische Ziele durchzusetzen. Bei
einigen Schichten der muslimischen Bevölkerung hat dies
zur Verstärkung fanatischer Gefühle beigetragen. In der
Wahrnehmung muslimischer Gelehrter scheint die
Verwestlichung bzw. die Anpassung an die westliche
Zivilisation ein kaum noch abwendbarer Fluch zu sein.
Denn Leben und Überleben können heute nur noch durch
Importe aus dem Westen gewährleistet werden.

Dies führt zu einer Abhängigkeit von Völkern und Ländern,
die in der Geschichte nicht gerade Freunde des Islams
und der Muslime waren.

Quelle: http://www.n-tv.de/2723758.html


all time high
HSM
Gut kopiert!!
Was der sackblöde Kronensmilie da zu suchen hat,
solltest du vielleicht noch kurz erklären.

Nudler
Das heißt wahrscheinlich nur, daß HSM sich als grenzdebilen König der Blaupause sieht.
oh Henry
Danke HSM fùr den guten Artikel.
Aber solange der Westen den Orient nicht verstehen will,
eine Politik betreibt, das Oel und das Arabische Land vollstàndig in die Finger zu bekommen, wird eben von beiden Seiten getòtet.
Fùr den Orient ist es wie es im Artikel heisst,
Notwehr.
Fùr den Westen ist es Terroristenbekàmpfung.
Hi, McKlein, zieh die Kotze noch etwas runter, dann trifft sie
die Smilies, aber im Ernst, man sollte wichtige Texte nicht durch diese
Urinflecken verunzieren.
Habt ihr denn nicht anderes im Hirn, ihr Schwackels ?



@Henry, der Text ist ja oK, es geht um diesen Kronenkorkensmilie.

Nudler
Wie sieht es eigentlich mit dem Hass der Muslime auf radikale Fundamentalisten aus? Kann mir kaum vorstellen, dass alle Muslime Terror als Mittel adäquat finden, auch wenn wir das gern glauben sollen.
Die psychosoziale geistige Onanie dieses durchlauchten Professors geht mir quer den Hals herrunter.
Es grenzt schon an einer intellektuellen Verblödung, wenn als Höhepunkt am Ende dieses geistigen Ergusses folgende Formulierung steht:
"...trotz aller Berechtigung mancher Anliegen der Islamisten bleibt es bedenklich,daß militante Gruppen den Islam benutzen, um radikale politische Ziele durchzusetzen..."
Wenn der Kamikazeangriff auf New York mit 6000 Toten lediglich als "bedenklich" eingestuft wird, betreibt diese Sozialschwuchtel -harmlos ausgedrückt- eine unverantwortlich gefährliche Verharmlosung der Terrorakte.

Solche Sozialschwätzer, die sich auf ihre geschichtlichen Recherchen womöglich noch etwas einbilden können mir gestohlen bleiben.
@Nudler
War ja nicht zu überlesen, daß es um den Kronensmilie geht.
Daß der unter dem Text unpassend ist, darüber besteht wohl Einigkeit.
Und sicher ist der von HSM kopierte Text nicht blöd. Nur: Er ist schon wieder 9 Tage alt, und die zugrundeliegende Tatsache auch nicht erst seit dem 11. September gegeben. Mich ärgert ziemlich, daß es immer erst so n Hammer braucht, daß die Leute mal die Augen aufmachen.
Wobei man dann eigentlich froh sein müßte, daß nicht alle "Plattbomben!" schreien, wie in den ersten Tagen nach dem Anschlag.

oh Henry
@Broeselhighländer

Wer spricht von diesem Terroranschlag?

Es geht im wesentlichen um die Suche nach der eigenen Identität
der islamischen Staaten. Die USA hat von Anfang an immer die
feudalistischen Regierungen unterstützt, die das Volk dumm hielten
und die für einen ungehinderten Erdölfluss sorgten.
Das Blatt wendet sich, allerdings langsam...

Der WTC Anschlag steht ausserhalb dieser Diskussion, allerdings findet er
in der arabischen Welt sicherlich da und dort Bewunderer.

Nudler
Und wieder wird versucht, den Terror mit den Ereignissen der Kolonialzeit zu begründen. Wenn diese Theorie stimmt, müssten doch Spanier, Griechen, Bulgaren, Rumänen, Serben oder Kroaten in Scharen als lebende Bomben durch die Nachfolgestaaten des Osmanischen Reiches fahren, und alles in die Luft jagen, was an ihre verhaßten Besatzer erinnert.
Eine ziemlich perverse Theorie!

Sektion 31
@ Nudler
Mensch Nudler, lies doch bitte den Text genau.
Wenn der Professor von militanten Gruppen spricht, die den Islam benutzen um ihre radikalen politischen Ziele durchzusetzen sind doch die Mordbuben von Bin Laden, Saddam und Gaddafi usw. gemeint. Oder gibt es da noch andere militante Gruppen, die man auf die Stufe der Ehrwürdigkeit stellen muß, um sie nicht mit Massenmörder von Bin laden & Co zu verwechseln...das erklär mir mal bitte wie dieser Prof das gemeint hat.
Mir kommen bald die Tränen ab dieser Minderwertigkeitskomplex-Theorie. Ob das bei allen friedlichen Islamangehörigen der Fall ist wage ich zu bezweifeln. Das scheint mir eher ein Ventil für die Massenmorde der Terroristen zu sein. Die friedlichen Islamanhänger ,die ich hier in Deutschland kenne und hier seit Jahren wohnen schleppen einen solchen Minderwertigkeitskomplex nicht mit sich herum.
@BHL

Gaddafi hat seine schlimme Zeit hinter sich, Saddam Hussein unterdrückt sein Volk, er ist ein Diktator
wie Hitler oder Stalin. Mit ihnen hat sich der Westen auch immer wieder solidarisiert(z.B. Franzosen, aber auch andere)
aus wirtschaftlichen Gründen.
Dem einfachen Volk in den arabischen Staaten(Ausnahme: Golfstaaten) geht es schlecht(Paradebeispiel:Palästinenser)
und da ist auch der Nährboden für Radikal-islamische Ideen mit Rekrutierung von Selbstmordattentäter etc.
Die Muslime, die Du kennst, denen gehts hier bei uns auch sicherlich gut und im übrigen verurteilen ja
auch die überwiegende Zahl aller Moslems auf der ganzen Welt diese Terroranschläge.

Zitat Prof:Trotz aller Berechtigung mancher Anliegen der Islamisten
bleibt es bedenklich, dass militante Gruppen den Islam
benutzen, um radikale politische Ziele durchzusetzen.

Er ist also durchaus für eine friedliche Auseinandersetzung.

Nudler
@Nudler

Ich bin mit dir einer Meinung, daß dem Prof unterstellt werden kann, daß er für friedliche Auseinandersetzungen ist. Ich habe hart kritisiert, daß er im Zusammenhang mit der soziologischen und geschichtlichen Entwicklung des islamischen Volkes, MILITANTE GRUPPEN, die zur Durchsetzung ihrer radikalen politischen Ziele den Islam benutzen, lediglich als BEDENKLICH einstuft.
Wer 6000 unschuldige Zivilisten ermordet, hat keinen Anspruch mehr darauf, daß sein Verhalten nur noch als BEDENKLICH eingestuft wird. Was immer auch an religiösen, politischen und soziologischen Hintergründe als Triebfeder ihrer perversen Handlung gegolten haben mag. Die Mittel der Mordbuben sind pervers und brauchen keinen Vergleich mit Hitlers KZ-Schergen zu scheuen.
Der größte Teil des islamischen Volkes ist friedlich und würde im traum nicht daran denken, diese Taten nachzuahmen. Leider vermisse ich deren Distanzierung von ihrem Krebsgeschwür. Massendemos und Lichterketten gegen die Anschläge aus ihrem Umfeld könnten deren Sebstwertgefühl im Angesicht der ganzen Welt aufbessern.
Daß der Imperialismus als Nährboden für den terroristischen Sumpf der Islamisten herhalten muß lehne ich rundherum ab.
Damit öffne ich Tür und Tor für die Rechtfertigung solcher perversen Gewalttaten, für die es nicht einmal den Hauch einer Rechtfertigung geben darf.
@BHL,
genauer lesen: der Prof stuft nicht die gewalttätigen Gruppen lediglich als bedenklich ein, sondern die Methode der Radikalen, die Religion Islam für ihre Ziele einzuspannen. Das ist etwas anderes und schon gar keine Verharmlosung der Anschläge.

Gruß
kpk
@kpk
Dann frage ich mich allen Ernstes nach welchen Kriterien dieser Prof militante Gruppen auf seiner Werteskala einstuft.
Hervorzuheben, daß MILITANTE Gruppen die Religion des Islam für ihre Ziele mißbrauchen wirkt auf mich geschmacklos, wie die Tatsache, daß eine Terrorbande zuerst wegen Sachbeschädigung angeklagt wird, und die Ermordung von Unschuldigen hinten an gestellt wird.
MILITANTE Gruppen sind ZUERST und nur ZUERST wegen der Tötung von Menschen als "bedenklich" einzustufen.
Merkst du denn gar nicht welche aberwitzige Rangfolge dein Prof hinsichtlich der Verbrechen militanter Gruppen hier vornimmt ? Der Mißbrauch einer Religion ist doch völlig unbeachtlich, wenn MILITANTE Gruppen MORDEN um ihre Ziele zu erreichen.
@Boersenhighlander,

ja warum macht das einfache Volk in Afghanistan nicht mal eine schmucke Lichterkette ?
Du scheinst noch nicht unter einer Diktatur gelebt zu haben.
Oder schau Dir mal die Ketten an, die die Flüchtlinge dort gerade bilden.

Gruß
GerhardS
@Gerhard
Dann wird es höchste Zeit, daß dieses Volk von seinem Joch befreit wird. Offensichtlich ist dazu nur der imperialsitische Erzfeind Nr 1 -die USA- dazu in der Lage. Eine Bankrotterklärung der islamischen Welt ihren eigenen Dreck vor der Haustüre aus eigener Kraft wegzukehren; wohlgemerkt mit dem Anspruchsdenken ohne Einsatz von Gewalt.

Übrigens: Es gibt noch eine Reihe von anderen islamischen Staaten mit gesunden Bürgern in dreistelliger Millionenzahl und friedfertigen Absichten, die zu Massendemos und Lichterketten in der Lage wären.
Die Deutschen lagen auch nicht im Bett mit Heuschnupfen als es um die Verurteilung der rechtslastigen Mordanschläge auf ausländische Wohnheime in den 90er Jahren gab.
BörsenHighLander,

Bravo ! Kann Dir in Deinen Aussagen vollkommen beipflichten.

Den Artikel des Professors kann man m.E. nicht ernst nehmen.

Absolut tendenziös, ein Skandal. Man meint ja beinahe, dass wir die wahren Terroristen seien.
Dass unsere ideologie des Kapitals zur Erklärung herhlaten muss, halte ich für zu einfach und abwegig.

Die ganze Thematik ist äusserst komplex und bedarf vieler kleiner Schritte zur Auflösung des Dilemmas.
Ein Schritt in die richtige Richtung wäre beispielsweise wahren Frieden zu schaffen in Israel und im Gazastreifen.
es geht darum , dir richtigen zu unterstützen.
Es geht um Menschen auf beiden Seiten, darunter viele Frauen und Kinder.
Weg aus den heiligen Gebieten. warum die Muslims provozieren ?
Weg mit kriminellen Ausländern in ihre Heimatländer oder drittländer. Abkommen müssen überdacht werden.
Wer hierher kommt, um illegal abzusahnen, kann nicht länger geduldet werden. Mit recht hat das nicht mehr zu tun.
Keine Waffenlieferungen in instabile Länder !
Aber was soll das. Lachhaft....ein Milliardengeschäft.
kaum ein Land wird sich danach richten, wenn das Volk sich an der Nase herumführen lässt. Das Rüstungsgeschäft ist das effizienteste und profitabelste.

Eine Verharmlosung, wie sie der Professor hier vorbringt ist genausowenig hilfreich wie die Panikmache, die viel Ärger bringen wird. Aber aus einer anderen Richtung.
Habe daher genauso Angst vor latenten Psychopathen und sonstigen Trittbrettfahrern.

Nun.....lassen wirs....ich hole mir meine wohlverdiente Ruhe...

machts gut... :)
Hailänder,
MILITANTE Gruppe, die den Islam missbraucht.

Die USA waren sich nicht zu schade, die MILITANTE Gruppe Mudjahidin und die MILITANTE Gruppe Taliban inkl. Bin Laden mithilfe der Geheimdienste CIA und ISI aufzubauen.

Wenn die USA das nicht gemacht hätten, würden 5000000 afghanische Menschen noch leben.

Wer ist hier eine MILITANTE Gruppe?
@Peace-Boxer
Wohl gerade erst eingeschaltet. Ich würde den Thread mal von 1-22 aufmerksam durchlesen, bevor ich eine Stellungnahme abgebe.
Wo habe ich in diesem Thread Partei für die USA ergriffen ??

M.E. haben die 5 Mio Afghanen, die du ansprichst ihren Tot der Sowjetarmee zu verdanken. China hat hier auch schon mal sein Unwesen getrieben. Von amerikanischen GI`s habe ich noch nichts gehört.
Ja Boersenhighlander,

in der iranischen Diktatur hat es mutige Menschen gegeben, die für das Gedenken an die Opfer in den USA die ersten proamerikanischen Demonstrationen seit der Machtergreifung der Mullahs organisiert und durchgeführt und deren Genehmigung von den iranischen Machtahbern erstritten haben. Das nenne ich Mut angesichts der Staatsmacht des Fundamentalismus im Iran ! Da gehort mehr Rückgrat dazu als hier die Telefonseelsorge anzurufen, ob man denn sich erlauben dürfe, einen Kindergeburtstag angesichts der vielen Toten in den USA zu feiern.

Ich hasse es, wenn andere Völker und deren einfache und unterdrückte Angehörige in Bausch und Bogen von überheblichen Mitteleuropäern verdammt werden.

Gruß
GerhardS
@BoersenHighlander,
Aus #12:
"Oder gibt es da noch andere militante Gruppen, die man auf die Stufe der Ehrwürdigkeit stellen muß, um sie nicht mit Massenmörder von Bin laden & Co zu verwechseln...das erklär mir mal bitte wie dieser Prof das gemeint hat."

Es ging mir um die "anderen" militanten Gruppen und um die Massenmörder.
Inzwischen zähle ich die USA zu einer "Militanz" erzeugenden Gruppe.

Afghanistan hatte einen Beistandspakt mit der UDSSR, deshalb sind die Amis mit den Mudjahidin da rein.

Ich bin zwar kein Kommunist, nehme aber zur Kenntniss, dass es dem Afghanischen Volk unter der kommunistischen "Knute" recht gut ging und wirklich etwas für das Volk gemacht wurde.
Und sowas können die Cowboys leider nicht ab.
Dazu fehlt ihnen Stärke.
Wenn man`s auf den Punkt bringen müßte: eigentlich ist der Islam frustriert, weil er nicht selbst "an den Schalthebeln der Macht sitzt". Also wenn es das ist, dann hat er eben Pech gehabt, im Moment haben sie eben eine schlechte Spielzeit. Bis zum Fall von Granada war das noch anders. Damals waren eben noch Omajaden und Abassiden an den Hebeln und nicht ihre heruntergekommenen Nachfolger.

Dazu:
Die Reden von "den Muslimen" stimmt mich schon bedenklich: denken alle so bzw. müssen alle qua Religione so denken? Wenn ja, dann steht uns ein heißer Kampf bevor. Im übrigen sollte man den Prof. bei Gelegenheit einmal an die Tatsache erinnern, daß er auf einem verdammt abendländischen, u.a. von meinen Steuergeldern bezahlten, äußerst bequemen Lehrstuhl sitzt, der ihn auf gewisses Maß an Objektivität und Wissenschaftlichkeit verpflichtet!

Gruß, QCOM
Wenn der Weltgeist mit dem Fahrrad kommt
Anmerkungen zum Gastbeitrag von Prof. Dr. Adel Theodor Khoury (Universität Münster)

Die Muslime
sind heute auf der Suche nach ihrer eigenen Identität.

Vielleicht hätten sie zunächst auf dem Boden suchen sollen, statt gleich in die Luft zu gehen.
Wer bislang glaubte, die ziellose Suche nach halluzinierten Identitätsphantasmen sei ein Privileg New Yorker Psychologen-Swinger, darf aufatmen – auch der Muselman hat Raum für eitle Leere.


Identität wollen sie eben nicht in einem westlichen
Kulturgut finden, das mit ihrer eigenen kulturellen
Tradition nicht in jedem Punkt übereinstimmt.

Was gibt es für eine größere Demütigung als den Zwang, einen gebrauchten 3-er BMW lenken zu müssen, dessen Felgen schon der Großvater als leistungsmindernd erkannt hatte.

.....Vorsprung des Westens auf dem Gebiet
der Wissenschaft und der Technik als eine ständige
Bedrohung ihrer Zukunftsvisionen.

Wie glücklich können wir uns also schätzen, daß nicht die Internationale der
Kerzenhändler anläßlich der Edisonschen Glühbirnenzumutung uns weltweit die Talgdrüsen entzündet hat;
Grund genug hätten sie doch wohl gehabt.


Dabei gehen sie von der Vorstellung des Korans aus,
dass die islamische Gemeinschaft "die beste ist,
die je unter den Menschen hervorgebracht wurde"

und unterscheiden sich somit natürlich signifikant von all jenen
Gesellschaftsformationen, die sich bewußt entschieden haben, in der nur viert-
oder elftbesten Ordnung zu leben.


Aber dies wird in ihren Augen täglich vereitelt,
weil der Westen ständige Hindernisse
auf den Weg des Islams lege, so dass die Muslime in den
verschiedenen Belangen ihrer Völker unterdrückt und jeder
Chance beraubt würden, je an der Schaltstelle der
internationalen Macht direkt mitwirken zu können.

So wie auch der deutsche Fußball schon lange wieder Weltspitze wäre, wenn, ja wenn nicht, immer wieder Kroaten, Engländer, Italiener, Dänen oder gar Albanerer ihn seiner Torchancen berauben statt an den Schaltstellen des Mittelfeldes zum freien Zug kommen lassen würden.

Auch werde deutlich, dass die viel beschworene demokratische
Freiheit nur eine Illusion sei.

Weshalb man in seinen eigenen vier Wänden den faulen Zauber schon vor seinem
Auftritt ertränkt.


Bei einigen Schichten der muslimischen Bevölkerung hat dies
zur Verstärkung fanatischer Gefühle beigetragen

und damit eine ebenso große wie ursächliche Verantwortung für den Terror als
das Treppensteigen für die Niederkunft jeder Hochschwangeren.


Abhängigkeit von Völkern und Ländern,
die in der Geschichte nicht gerade Freunde des Islams
und der Muslime waren.

Eine noch quälendere Abhängigkeit von Völkern und Ländern, die in der Geschichte nicht gerade Freunde des Ach-So-Geschundenen waren, hat wohl nur das deutsche Volk nach seiner vereitelten Großchance auf Stiftung einer visionären Gemeinschaft überlegener Identitätssucher erdulden müssen.
Danken wir dem Heiligen Christopherus, daß dessen Racheengel seine Höllenmaschine bislang nur in den nächstbesten Reifenstapel lenkte.


Und ich dachte immer, Adel verpflichtet.

Euer Tony
@TonyClinton,

Du hast Dir ja viel Mühen gemacht, aber um BMW-Felgen, Talgdrüsen, Fußball, Hochschwangere und Reifenstapel geht es in diesem Thread wohl nicht. :laugh:

Gruß
GerhardS
WIRBEL UM WICKERT



TV-Moderator vergleicht Bush mit Bin Laden

Was haben der amerikanische Präsident und der Terroristenführer
Osama Bin Laden gemeinsam? "Intolerante Denkstrukturen",
sagt "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert in einem "Max"-
Beitrag - und zieht damit den Zorn der CDU auf sich.



In der Zeitschrift "Max" hatte Wickert dem amerikanischen
Präsidenten George W. Bush und dem Terroristenführer Osama
Bin Laden die "gleichen Denkstrukturen" bescheinigt. Die
CDU forderte daraufhin Wickerts Rücktritt. Der Moderator
wies jedoch die Kritik zurück und sagte, er habe mit der
Äußerung die Aussage einer indischen Schriftstellerin
interpretiert.

CDU-Chefin Angela Merkel erklärte gegenüber der "Bild"-
Zeitung von Donnerstag: Sollten die Äußerungen Wickerts
zutreffen, "dann ist er absolut nicht mehr tragbar als
Nachrichtenmoderator im öffentlich-rechtlichen Fernsehen".
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Friedberg Pflüger forderte -
ebenfalls in der "Bild"-Zeitung, Wickert solle sich sofort
entschuldigen. Außerdem müsse sich der Rundfunkrat des
Norddeutschen Rundfunks mit den Äußerungen befassen.

Wickert hatte in dem Beitrag dem Westen vorgeworfen, die
tieferen Ursachen für die Terroranschläge nicht verstanden
zu haben. Diese hätten nicht auf die ethischen Werte des
Westens, "sondern auf dessen Überheblichkeit und
Materialismus" gezielt.
Der Moderator zitierte die indische
Schriftstellerin Arundhati Roy mit den Worten: "Osama Bin
Laden ist das amerikanische Familiengeheimnis, der dunkle
Doppelgänger des amerikanischen Präsidenten."

Dann fährt Wickert in dem Beitrag mit den Worten fort:
"Bush ist kein Mörder und Terrorist. Aber die Denkstrukturen
sind die gleichen."

Nach den scharfen Angriffen verteidigte sich Wickert und
erklärte: "Der Präsident der Vereinigten Staaten George
Bush ist nicht vergleichbar mit dem Terroristen Osama Bin
Laden." Er vergleiche den "Führer der freien Welt nicht
mit dem Drahtzieher des internationalen Terrorismus".

Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,160592,00.h…
Wickert hatte in dem Beitrag dem Westen vorgeworfen, die
tieferen Ursachen für die Terroranschläge nicht verstanden
zu haben. Diese hätten nicht auf die ethischen Werte des
Westens, "sondern auf dessen Überheblichkeit und
Materialismus" gezielt.


Stimmt genau!

MCCLAIN
Berlusconi bezeichnet Islam als große Religion

Rom (Reuters) - Nach seinen umstrittenen Äußerungen über
die islamische Welt hat der italienische Ministerpräsident
Silvio Berlusconi den Islam als große Religion bezeichnet,
die eine bedeutende Rolle für die Zivilisation spiele.
Berlusconis Büro teilte am Dienstag mit, der Ministerpräsident
habe in einem Gespräch mit moslemischen Diplomaten seinen
tiefen Respekt für den Islam zum Ausdruck gebracht. Der
Islam predige nach Berlusconis Worten Toleranz, den Respekt
der Menschenrechte und ein friedliches Zusammenleben der
Völker. Berlusconi hatte in der vergangenen Woche gesagt,
die westliche Zivilisation sei der islamischen Welt überlegen.

Die Äußerungen waren auf internationale Kritik gestoßen.


Der palästinensische Botschafter in Italien, Nemir Hammad,
bezeichnete das Treffen mit Berlusconi als "herzlich und
freundlich". Neben Hammad nahmen unter anderem auch
Diplomaten aus Saudi Arabien, Ägypten, Pakistan und
Tunesien an dem dreistündigen Treffen teil. Berlusconi
betonte in dem Gespräch, dass klar zwischen Islam und
Terrorismus unterschieden werden müsse. Italien werde
weiter ein Freund arabischer und moslemischer Nationen
sein, fügte er hinzu.


Berlusconi hatte seine Äußerungen vor Journalisten in
Berlin bereits zuvor als falsch interpretiert bezeichnet.
Sie seien aus dem Zusammenhang gerissen und daher falsch
verstanden worden.


Quelle: http://de.news.yahoo.com/011003/71/21arf.html
>Die CDU forderte daraufhin Wickerts Rücktritt.

Scheint bei denen irgendwie ein auf Wortzusammenstellungen reagierender pawlowscher Reflex zu sein. Nachdenken, wir doch nicht...

Wickert selbst ist großartig, nicht wegen dieser Äußerung, aber auch...

WBB
Wickert nimmt Vergleich von Bush und Bin Laden zurück

Was haben der amerikanische Präsident und der Terroristenführer Osama Bin Laden gemeinsam? Intolerante Denkstrukturen, schreibt "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert in einem "Max"-Beitrag - und zog damit den Zorn der CDU auf sich. Am Abend nahm Wickert seine Äußerung zurück.

Hamburg - Der Tagesthemen-Moderator entschuldigte sich am Mittwochabend für seine "missverständliche und misslungenen" Äußerungen über US-Präsident George Bush öffentlich. Zugleich wies er die Vorwürfe zurück, er habe Bush mit dem islamischen Extremisten Osama Bin Laden verglichen. "Ich vergleiche den Führer der freien Welt nicht mit dem Drahtzieher des internationalen Terrorismus", betonte Wickert in einer Erklärung, die er auch in den ARD-"Tagesthemen" verlas.

Scharfe Angriffe der Union

Zuvor hatte die Union eine Entschuldigung für einen Beitrag Wickerts in der Zeitschrift "Max" verlangt, in dem es heißt: "Bush ist kein Mörder und Terrorist. Aber die Denkstrukturen sind die gleichen." Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel sagte der "Bild"-Zeitung, sollten die Äußerungen zutreffen, dann sei Wickert "absolut nicht mehr tragbar als Nachrichtenmoderator im öffentlich-rechtlichen Fernsehen".


Wickert verwies nun darauf, dass der kritisierte Satz lediglich seine Interpretation einer Äußerung der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy gewesen sei. Sie habe erklärt: "Osama Bin Laden ist das amerikanische Familiengeheimnis, der dunkle Doppelgänger des amerikanischen Präsidenten." Dieser Satz sei ungeheuerlich, doch da ihn die wichtigste Autorin Indiens schreibe, habe er sich überlegt, was sie damit meinen könnte, sagte der Moderator. Seine Formulierung sei aber offenbar missverständlich und misslungen. "Dafür entschuldige ich mich, und ich nehme sie mit Bedauern zurück", erklärte Wickert.

In dem "Max"-Beitrag warf der Journalist gleichwohl Bush vor, intolerant zu sein. Der US-Präsident rufe zum Feldzug unter dem Motto "unendliche Gerechtigkeit" auf, ohne daran zu denken, dass dies jeden Gläubigen zumindest im Islam beleidigen müsse. Denn die "unendliche Gerechtigkeit" stehe nur Allah zu.
Muslimisches Arabien und die Angriffe auf die USA . Von Mario Kupries
Eine Bestandsaufnahme von Motiven

Vorwort
Determinierung, sowohl linguistisch als auch geographisch
Das Heilige Land Saudi-Arabien und der Heilige Kriegdagegen
Wie interpretieren muslimische Araber die Geschehnisse in den USA?
Kooperation und Dialog der Kulturen : Deutschland
Über den Autor

Determinierung, sowohl linguistisch als auch geographisch

Der Grund des Anschlags vom vergangenen Dienstag wird durch die USA auf islamistische Motive zurückgeführt.
Dabei wird davon ausgegangen, dass der Islam als gespenstischer Despot keine andere Religion als die eigene akzeptiert.
Als Beispiel dient, dass religiös Andersorientierte von "moderaten" Muslimen als misguided (dt.: fehlgeleitet),
von "konservativen" als not worth living (dt.: lebensunwürdig) bezeichnet werden.
Die US-Regierung suchte nach einem geeigneten Begriff für die Beschreibung der Angriffe. Es ist der Term
"muslimisch-arabischer Terror" gefallen. Der Grund für diese Benennung ist die territoriale Begrenzung des Horts dieses Wahnsinns: Arabien. Bei 200 Millionen Muslimen in Nordamerika, Asien, Nordafrika, Europa und Arabien hat die US-Regierung damit den geographischen Raum für den anstehenden Krieg bestimmt. Mit der begrifflichen Determinierung wird im multikulturellen Arabien der Islam eindeutig und sehr wohl begründbar in die Pflicht für diesen Horror genommen.
An dieser Stelle ist wichtig zu verdeutlichen, dass die islamische Religion eine Gesetzesreligion ist.
Sie basiert auf dem Bemühen, mit Hilfe von Erlassen (ar.: Fahtwa, eigentliche Übersetzung: Todesbann) Regeln,
Auffassungen, Zusammenleben, etc. zu normieren und vorzuschreiben.
Beispiel: Ende der 90er Jahre gab es den folgenden Erlass: "Jeder US-Amerikaner ist zu töten. Sein Geld ist zu stehlen.
Egal, wo es sich befindet."
Derartige Erlasse werden durch einen Muezzin verkündet, der fünfmal täglich zum Gebet ruft. Mit einem blinden Fanatismus
werden sie den Gläubigen eingeschärft. Die Rechtmäßigkeit derartiger Erlasse wird auf wissenschaftliche Arbeiten,
die spezielle Interpretationen des Korans sein können, zurückgeführt.
Damit begründet sich die territoriale und kulturelle Determinierung der Hauptverdächtigen :
Wer als geistiger Brandstifter gegen Andersdenkende und Andersfühlende hetzt und nach Aktionen gegen diese ruft,
der ist für die Konsequenzen in die Pflicht zu nehmen.


Das Heilige Land Saudi-Arabien und der Heilige Krieg dagegen

Noch heute wird die Herrschaft über ganz Arabien (= hier symbolisch und nicht geographisch aufzufassen)
an der Inhabe des Titels "Beherrscher der Gläubigen und Beschützer der Heiligen Städte Mekka und Medina" gemessen.
Lange wurde diese Herrschaft mit der Inhabe von Riyadh verbunden.
Prinzipiell haben sich seit Jahrhunderten die Sippen des Hauses ar-Rashid und as-Saud einen sportlichen Wettstreit
um die Inhabe der Stadt Riyadh geliefert. Dass heute die Familie des Hauses as-Saud Beschützer der Heiligen Städte ist,
ist Ergebnis einer verklärten Saga.
Wichtig erscheint mir der Fakt, dass der heutige Inhaber eines Titels, der eine Religion im Sinne Wahhabs verkörpert,
die Andersglaubende ganz selbstverständlich als Feinde des Muslime definiert, auch der Inhaber eines westlichen Titels ist:
Seine Königliche Hoheit. Dieser Fakt beschreibt gerade für den amtierenden Inhaber, King Fahd,
eine zum Verdammnis bestimmte Orientierung an den Westen. King Fahd, durch seine Alkoholexzesse unfähig ,
die Regierungsgeschäfte zu führen, überließ diese seinem Bruder Abdullah, Kronprinz von Saudia.
Abdullah, durch seine Distanz zu den USA in der muslimisch-arabischen Öffentlichkeit wesentlich beliebter als Fahd,
sollte aufgrund seiner US-Abstinenz auch von der vorgeschriebenen Erbfolge ausgeschlossen werden.
Der Versuch von Fahd wurde jedoch vereitelt.
Von seinen Nachbarn und eigenen Brüdern hat Saudia allerdings nichts Gutes zu erwarten. Irak, Iran,
Ägypten, Afghanistan, etc., erheben Anspruch auf die Beherrschung der beiden Heiligen Städte.
Ihre Hauptmotive sind Neid auf Profite aus dem Ölgeschäft und der Vorwurf der Materialisierung des Islams.
Als ein weiterer Grund dient selbst die bloße Anwesenheit Ungläubiger (bspw. US-Ingenieure in Damman,
UK-Architekten in Dubai, etc.). Sie, die bloße Anwesenheit, entweihe den einzig wahren Glauben.
Das Heilige Land Saudi-Arabien als Beschützer des Islams, das die Regeln Wahhabs praktiziert,
wird also durch den Heiligen Krieg seiner eigenen Brüdern gegen ihn bedroht.
Dies ist der Bezug zu den Angriffen aus der vergangenen Woche: In ihrem Fanatismus gehen sie mit aller Macht
gegen interne und externe "Feinde" (i.S.v. Abweichlern) innerhalb der muslimischen Welt
- selbst gegen den Heiligen Beschützer des Islams - mit Krieg und Mord vor (siehe Saddams Heiliger Krieg, 1991).
Die eigentlichen Motive verklären sich dabei. Sie missbrauchen einander. Das macht die Analyse und Diskussion kompliziert.
Auch herrscht - von einem Außenseiter betrachtet - ein völliges Wirrwarr in dieser arabischen Welt :
Warum dürfen beispielsweise in dem einen islamischen Staat Frauen arbeiten, am öffentlichen Leben teilnehmen,
und im anderen nicht einmal das Haus ohne Begleitung eines erstgradigen Verwandten verlassen?
Warum, wenn sich beide auf die selbe Gesetzesreligion berufen?
Man wird keinen einzigen Muslimen finden, der eine klare Antwort zu geben bereit ist. Sie desavouieren.
Sie belügen sich, denken im Kreis. Bauen Argumentationstaktiken auf, die Geschichtenschreiber
nicht besser haben formulieren können.
Selbst emanzipierte muslimische Araberinnen, organisiert in deutschen Frauennetzwerken, beginnen beispielsweise ihre Ausführungen über Frauen im Islam damit, dass nur und ausschließlich nur im Islam die Stellung der Frau zu deren Gunsten spezifiziert wurde und dass nur im Islam die Frau ein wahres, erfülltes Leben führen kann.
Und das natürlich schon seit ca. 1500 Jahren. Spätestens nach 5-7 Minuten wird im gleichen Zusammenhang
(aber diesmal mit entsetzten Gesichtszügen) darauf aufmerksam gemacht, wie furchtbar doch das Leben der Frauen
in islamischen Staaten ist - als Beweis gilt die Verätzung von Frauen in Malaysia, Saudia, etc.
(ca. 500-700 registrierte Fälle pro Jahr). Ja, was denn nun?


Wie interpretieren muslimische Araber die Geschehnisse in den USA ?

[i9"Allah vergisst nichts! Allah zahlt heim. Nicht sofort, aber im rechten Moment!" [/i]
Dies ist eine aus dem Koran zitierbare Interpretation. Sie wird von den meisten hier geteilt.
Es wird also nicht wirklich getrauert, Anteil genommen. Es wird Rechtschaffenheit und Befriedigung gefühlt.
(Soeben habe ich ein Memorandum des Vorstands der Universität erhalten, an der ich lehre. Mir wird darin mitgeteilt,
dass es zu Übergriffen und Demonstrationen kommen kann.
Weiterhin ist anzuführen, dass sich die muslimisch-arabische Welt vor allem von den demokratischen Innovationen
(gewählte Regierung, zweifach kontrolliertes Parlament, Emanzipation der Frau, etc.) bedroht fühlt.
Denn neben den Religionen stoßen auch zwei Gesellschaftstypen aufeinander, die in ihrer Entwicklung mehr als tausend Jahre auseinander liegen: Stammesgesellschaft und funktional differenzierte Gesellschaft ( = Moderne ).
Merkmale der Stammesgesellschaft sind Einschränkung der weiblichen Souveränität, Sippenkultur,
simples Familiengrundmuster des gesamten Lebens (1 Frau - 3 Männer: Vater, Mann, Sohn). Status wird vererbt.
Religion ist Gesetz. Regierung ist nicht justitiabel. Etc.
Merkmale der Moderne sind Aufhebung der Sippengesellschaft (Adlige und Bürgerliche), Arbeitsteilung (Justiz, Verwaltung, Wissenschaft). Der Mensch integriert sich über seine Werte, Bildung und Engagement in die Gesellschaft (= Freiheit).
Seinen Status (i.S.v. Stellung, Ansehen) muss er sich neu erarbeiten und verteidigen. Religion ist Bestandteil der Kultur,
zu dem nur eine geringe Minderheit Zugang findet. Religion ist von Wissenschaft und Administration entkoppelt.
Gesetz ist eine demokratisch legitimierte Verfassung. Regierung ist justitiabel. Etc.
Die muslimisch-arabische Gesellschaft sieht die Moderne ausnahmslos als eine Bedrohung an (es fällt auch gelegentlich der Begriff: "exotische Absonderlichkeit"). Gleichzeitig ist sie an ihren technologischen Innovationen sehr interessiert.
Beispiele sind Medizin, Kraftfahrzeugtechnik, landschaftliche Bewirtschaftung, etc. Aber sie ist nicht daran interessiert,
um ihre Kultur zu entwickeln und technologischen Fortschritt selbst zu vollziehen. Sie ist daran interessiert,
den technologischen Stand anzuwenden, um ihn zur Vernichtung der Moderne zu benutzen.
(VAE-Bildungsminister Sheikh Nahyan hat vor einigen Tagen gesagt :
"The protection of our culture is the world’s greatest challenge!")
Hier widerspiegelt sich auch ein Grundkonflikt in den Denkmustern zwischen Clangesellschaft und Moderne :
In der muslimisch-arabischen Welt werden alle Innovationen auf Interpretationen des Korans zurückgeführt.
So wird durch Gelehrte ausführlich dargestellt, dass Darwins Erkenntnisse, Einsteins Aussagen, von Brauns Nukleararbeiten,
etc. bereits im Koran geschrieben sind. Es geht sogar soweit, dass Definitionen von Algorithmen (z.B. das Fahren eines Autos)
aus dem Koran zitiert werden.
Dabei bieten (Bibel und) Koran bestenfalls Bilder. Und immer ist es so, dass zunächst die Innovation erarbeitet (gefunden)
und dann ein passendes Bild gesucht werden musste. Auch sind ( Bibel und ) Koran keine Wissenschaften,
sondern Geschichten gewesen. Dass sie zur Wissenschaft verpfuscht worden sind, motivierte sich durch den eigenen Missbrauch. Sie ermöglichen Bilder wie z.B. das Ertragen von Schmerz, die Gewissheit auf Linderung, die Notwendigkeit des Selbstzweifels. Und glücklich ist der, der in Interpretation dieser Bilder zu einem glücklichen, friedlichen Leben findet.
Nach eigenen Bedürfnissen, Gefühlen und Streben.
Das Grundmuster muslimisch-arabischen Denkens ist es, alles so zu belassen wie es Prophet Mohammed
bei seiner Abreise vorgefunden hat. Die Veränderungen, die durch die Moderne "aufgezwungen" worden sind,
sind durch Studium der Technologien zu vernichten.
Jedoch ist Arabien heute mehr als je zuvor der Moderne ausgeliefert. Arabien ist von der Moderne vollständig technologisch, intellektuell und finanziell abhängig.
"We have everyone proven wrong. But in fact we can even not protect us and our brothers", hat Malaysias PM,
Dr. Mohammed, erst vor einigen Wochen auf einem Kongress in Dubai gesagt.
Dies bedeutet also, dass die einzig wahren Gläubigen total von den Fehlgeleiteten und Nichtlebenswürdigen abhängig sind.
Das schmerzt und facht den Hass gegen die Moderne um so mehr an.
Somit ist auch ein weiteres Grundmotiv des Angriffs zu verstehen, wenn Arabien sagt, dass es sich
um einen Kampf der Unterdrückten gegen die Unterdrücker handelt. Es handelt sich im eigentlichen Sinne aber
um den Kampf der Gläubigen gegen die Ungläubigen.
Es ist ableitbar, dass es sich bei dem Anschlag gegen die USA nicht um einen Terroranschlag á la carte,
sondern um eine Kriegshandlung der muslimisch-arabischen Welt gegen die Moderne handelt.
Es handelt sich um die aktive Ausführungen eines bisher mental geführten Krieges.

Kooperation und Dialog der Kulturen : Deutschland

Gibt also das Kabinett der gegenwärtigen Bundesregierung einen öffentlichen Empfang für Kronprinz Abdullah
und schwärmt von ausgebauten Kooperationen mit Saudia, dann haben sich
- prosaisch formuliert - die Kälber ihren Schlächter selber gewählt und das Fleischermesser überreicht.
Die angewärmte Schwärmerpolitik "Austausch und Dialog der Kulturen" (Welcher Kulturen in diesem Zusammenhang ?)
unseres Außenministers ist mit diesem Hintergrund (Hass, Stammesgesellschaft, etc.) nicht nachvollziehbar.
Viele Intellektuelle weltweit rufen dazu auf, den in Arabien praktizierten Islam nicht zu unterschätzen
und diesen beim Namen zu nennen : gespenstischer Despot.

Mario Kupries, 18. September 2001
Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate


Über den Autor

Mario Kupries wurde 1970 in Eberswalde-Finow in Deutschland geboren.
1996 diplomierte er in Informatik an der Universität Potsdam, 2000 folgte der Doktortitel in praktischer Informatik.
Zur Zeit lebt und arbeitet er in Abu Dhabi in den Vereinten Arabischen Emiraten.

aus : http://www.henryk-broder.de/html/fr_kupries01.html fff
Aufstand der Massen oder Kulturrevolution?

Die Geburt des Islamismus aus dem Geist der Krise


Von Wolfgang Günter Lerch


FRANKFURT, 12. Oktober. Nicht erst seit dem 11. September beschäftigt sich die Welt mit einem beunruhigenden Phänomen: dem Islamismus. Im Windschatten der Ereignisse in Iran seit den späten siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begann der Westen die Furcht zu hegen, in der islamischen Welt breite sich eine Militanz aus, die auch ihn eines Tages bedrohen könne. Das Phänomen wurde zunächst als "islamischer Fundamentalismus" beschrieben, dann jedoch wegen religionsgeschichtlicher Einwände in andere Vokabeln gekleidet: Islamismus, Integrismus (im arabischen Maghreb) oder schlicht islamisches Zelotentum.

Die Literatur darüber ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten im Islam selbst wie im Westen ungeheuer angeschwollen, nachdem man sich zuerst verwundert die Augen gerieben hatte. Kaum jemand hatte es für möglich gehalten, daß ausgerechnet eine Religion - und dann noch der Islam, den man als gesellschaftlich und kulturell wirksame Kraft schon weitgehend abgeschrieben hatte - eine vor allem politische Vitalisierung diesen Ausmaßes erleben könne. Doch genau dies geschah. Einen Höhepunkt erlebte die Analyse des Islamismus in dem zwar einseitigen, oft aber zu Unrecht geschmähten Buch des Amerikaners Samuel P. Huntington "The Clash of Civilizations", erschienen 1997. Dieses Buch war vielen schon aus gesinnungsethischen Motiven unsympathisch. Es störte die Prinzipien von Konsens und Dialog, deren Durchbrechung als "Panikmache" und Schaffung eines "Feindbildes" interpretiert wurde. Huntingtons These war wohl mehr als Warnung vor zu großer Naivität denn als historisch sichere Vorhersage gedacht. Nach dem 11. September sieht man manches anders: Eilfertig versichern jetzt alle, mit einem Konflikt der Kulturen, gar mit dem Islam habe das alles nicht das geringste zu tun - als beziehe sich Bin Ladin auf den Buddhismus.

Es bleibt wahr, daß es vor allem in der islamischen Welt Entwicklungen und Ereignisse gab, die zur Sorge Anlaß geben mußten. Den meisten westlichen Fachleuten konnte man nicht unterstellen, daß sie eine grundlegende Aversion gegen die Weltreligion des Islams zur Leitlinie ihrer Analysen gemacht hätten. Im Gegenteil: Je weiter die Forschung in diese Materie eindrang, desto deutlicher wurde, daß klar zwischen der Weltreligion des Islams und dem Islamismus als einer politischen Kampfideologie unterschieden werden mußte. Das konnte bis in die von den Propagandisten des Islamismus verwendete Sprache hinein nachgewiesen werden, denn die Islamisten haben eine Begrifflichkeit entwickelt, die in der islamischen Tradition nicht vorkommt.

Als zeitlichen Ausgangspunkt für die Entstehung des Islamismus haben orientalische Denker wie der Marokkaner Abdallah Laraoui das Jahr 1967 ausgemacht. Nach der Niederlage der Araber im Sechs-Tage-Krieg gegen Israel war ein Wendepunkt erreicht. Der bis dahin alles dominierende arabische Nationalismus, eine weltliche Ideologie, die Sozialismus, arabische Unabhängigkeit und Einheit miteinander verbinden wollte, hatte eine schwere Niederlage erlitten und begann, ihre Anziehungskraft auf die Massen zu verlieren. Der Glanz des ägyptischen Staatschefs Nasser verblaßte, der neuerliche Aufstieg Saudi-Arabiens mit seiner strengen islamischen Lehre des Wahhabismus begann, gefördert durch dessen exorbitante Erdöleinnahmen. Zur Schlüsselfigur wurde der saudische König Feisal, der nicht nur sein Land sichtbar modernisierte, was Technik und Wohlstand betraf, sondern auch alle islamischen Bewegungen finanzierte oder unterstützte, die das wollten.

Parallel dazu verlief die Entwicklung bei den Schiiten. Das Kaiserreich Iran wandelte sich immer mehr zum Fokus eines islamistischen Widerstandes. Dieser Widerstand dauerte fort, obschon Schah Mohammad Reza Pahlewi die wichtigsten Prediger wie Ajatollah Ruhollah Chomeini oder Ali Schariati ins Exil geschickt oder vertrieben hatte. Mit der islamischen Revolution von 1979 erlebte der Islamismus den ersten spektakulären Triumph. In den achtziger Jahren wurde in Iran ein dezidiert "islamisches" System etabliert, das nach außen ausstrahlte. In der Nachbarschaft Irans standen die Zeichen auf Sturm, denn es sah zunächst so aus, als werde Chomeini die neue Integrationsfigur für große Teile auch des sunnitischen Islams werden. Die von Teheran ausgestrahlten Propaganda-Sendungen konnten überall am Golf empfangen werden - ein Albtraum für die dortigen Herrscher, deren patriarchalische, paternalistische Herrschaft sich auch von einheimischen islamischen Revolutionären herausgefordert sah. Es gab in den achtziger Jahren kein Land im Kernraum des Islams, in dem nicht eine nennenswerte islamistische Bewegung entstanden wäre. In der Türkei waren dies die Männer um Necmettin Erbakan, in Ägypten radikale Gruppen jenseits der - ohnehin schon illegalen - Muslimbrüder, in Pakistan kam der islamistische General Zia ul-Haq an die Macht. In Sudan war die islamistische Propaganda eines Hasan al Turabi erfolgreich. Unter den Schiiten Bahreins, 70 Prozent der Bevölkerung immerhin, kam es immer wieder zu schweren Unruhen, die ohne Zweifel ihren Ursprung in Teheran hatten. Auch im Maghreb regten sich starke islamistische Kräfte. Selbst im strengen Saudi-Arabien sorgten zunächst die Schiiten, dann islamistische Bombenleger für Unruhe. Gelegentlich tauchte schon der Name Usama Bin Ladins auf.

Im Jahr 1979 hatte ein "Mahdi" aus dem Jemen für zwei Wochen die Große Moschee in Mekka, das höchste Heiligtum des Islams, besetzt gehalten, bevor er von auswärtigen und einheimischen Spezialeinheiten überwältigt werden konnte. In den achtziger Jahren schien es, als sei der Aufstieg des Islamismus unaufhaltsam, als werde das iranische Beispiel Schule machen - trotz der längst sichtbar gewordenen Mängel islamistischer Herrschaft. In den neunziger Jahren erreichte der Islamismus in Algerien wohl seinen Zenit - auch was die Anwendung von revolutionärer Gewalt anging. Wenigstens 80 000 Menschenleben forderte der Bürgerkrieg dort. Einzig in Marokko und Oman waren keine nennenswerten islamistischen Verwerfungen zu beobachten, während in Afghanistan radikal-islamistische "Koranschüler", die Taliban, in wenigen Jahren an die Macht gelangten.

Das Phänomen des Islamismus ist auf unterschiedliche Weise gedeutet worden. Eine Erklärung lautet: Es gibt überhaupt keinen Islamismus, sondern nur den Islam. Der Islam ist eine wehrhafte Religion (religio triumphans), die schon immer solche Ausschläge zu verzeichnen hatte, die einmal mehr Opfer, dann wieder mehr Täter gewesen ist. Man erinnert dabei an islamische Erneuerungsbewegungen wie die Almoraviden und Almohaden im Mittelalter, an den Mahdismus in Sudan oder an den Wahhabismus, um diese Auffassung zu illustrieren. Der Islamismus sei weitgehend eine Erfindung westlicher Denker, die den Islam pauschal als aggressiv und überholt denunzieren wollten.

Doch einige Merkmale des Islamismus widersprechen dieser These. Einmal ist er keine Schöpfung der traditionellen ulema, der Schriftgelehrten, sondern ein Phänomen der Laien. Nur in Iran waren, neben Schriftstellern wie Dschalal Al-e Ahmad und Ali Schariati, auch führende Schriftgelehrte wie Ajatollah Chomeini, Ajatollah Taleghani oder Ajatollah Motahhari an der Schaffung der islamischen Bewegung beteiligt. Anderswo traten meist theologiefremde Propagandisten in Erscheinung: Soziologen, Philosophen, theologische Autodidakten wie Abul Ala al Maududi in Pakistan oder Erbakan in der Türkei. Letzterer ist Ingenieur. Überhaupt sind es oft Laien aus der dünnen Mittelschicht, die zum Islamismus neigen. Auch hat der Islamismus eine eigene Begrifflichkeit hervorgebracht, die sich im traditionellen Islam gar nicht findet: Neologismen wie "islamische Republik", "islamische Ordnung" oder "Herrschaft des obersten Rechtsgelehrten".

Andere erklären den Islamismus zu einem vor allem sozialen Phänomen. Mit Religion, mit dem Islam, habe er nichts zu tun. Die Verfechter dieser Lehre betrachten die islamische Welt vorwiegend mit den Mitteln der Sozialwissenschaft. Sie verweisen auf die ökonomischen Unterschiede und Verwerfungen, auf die wachsenden sozialen Diskrepanzen, auf die Bevölkerungsexplosion in Ländern wie Algerien, Marokko, Iran oder Ägypten und die damit einhergehende Pauperisierung breiter Massen, besonders der Jugend. Diese sozialen Verwerfungen suchten sich ein gesellschaftliches Ventil für ihren Protest gegen die Herrschenden, und sie fänden es im Islam. Wenn es gelinge, den Wohlstand zu mehren und die sozialen Unterschiede auszugleichen, werde der "Spuk" des Islamismus verschwinden. Dies ist das im Westen am häufigsten verwendete Erklärungsmuster. Es entspricht jener wissenschaftlich-positivistischen, reduktionistischen Sichtweise, die Europäern und Amerikanern zur zweiten Natur geworden ist. Es hat bei der Erklärung und Erfassung vieler gesellschaftlicher Phänomene seinen Wert bewiesen und kann selbstverständlich auch auf den Islam angewendet werden. Dies um so mehr, als es wirklich demokratische, institutionalisierte Ventile zur Äußerung des Unmuts für die verarmten Massen in den meisten islamischen Ländern tatsächlich nicht gibt.

Möglicherweise berücksichtigt die Gesellschaftswissenschaft aber zu wenig die kulturell-religiösen Faktoren einer Kultur (Zivilisation). Es ist richtig: Der Islamismus konnte sich vor allem dort dynamisch entwickeln, wo untragbare soziale Verhältnisse zu beobachten waren, im Süden Teherans, im Kairiner Imbaba-Viertel, in den Bidonvilles von Casablanca, in der Kasba in Algier und so weiter. Aber eben nicht nur dort. Kräftige Impulse kamen aus dem Geistesleben oder von intellektuellen Gruppen, deren soziale Stellung alles andere als pauperisiert war, etwa von den reichen Basaris in Teheran. Hier spielten auch deren traditionelle Verflechtungen mit der Kaste der Mullahs und Ajatollahs eine Rolle. In Saudi-Arabien gab es islamistische Prediger zu einer Zeit, da alle Untertanen in materiell gesicherten, oft wohlhabenden Verhältnissen lebten. Motiv des islamistischen Widerstandes war dort die Ablehnung der von den saudischen Königen und Prinzen betriebenen prowestlichen Politik sowie ihres hedonistischen Lebensstils. Moralische Erneuerung im Zeichen strenger Zucht wurde gepredigt. In diesen Umkreis gehört Bin Ladin.

Er und seine Anhänger deuten ihre islamistische Aktivität als islamischen Widerstand gegen die "Ungläubigen", als "Aufstand gegen den Westen". So hat es auch der amerikanische Politologe Hedley Bull genannt. In den Augen der Verfechter dieser kulturalistischen Theorie ist der Islamismus nichts anderes als eine Kulturrevolution. Dem dürften auch die meisten Propagandisten des Islamismus selbst zustimmen, haben sie doch den Kampf gegen die westliche Kultur, die in ihren Augen eine atheistische Unkultur in christlicher Verkleidung geworden ist, auf ihre Fahnen geschrieben. Kampf den Parabolantennen, Kampf der Sittenverderbnis der westlichen Lust-Gesellschaft, Kampf gegen Rockmusik, ja Musik und Bildende Kunst an sich. Kurzum: Kampf der Weltlichkeit der Welt, die alles Glaubensgemäße verwässert, bis es am Ende nicht mehr erkennbar ist.

An die Stelle des Begriffes "Verwestlichung" ist heute "Globalisierung" getreten. Verbreitet ist die Ansicht, der Westen mit seiner säkularen Zivilisation sei zwar technisch dem Islam überlegen, aber menschlich herabgesunken. Diesem Verhängnis gelte es zu widerstehen. Nicht der Technik, wohl aber dem technisierten, rein auf weltlichen Gewinn zentrierten Geist müsse man sich entgegenstellen. Insofern ist das Stichwort von der "Revolte gegen den Westen" treffend. Man macht in der islamischen Welt häufig die Erfahrung, daß gerade die Islamisten die modernsten Möglichkeiten der Kommunikation nutzen - nur, um jenem Denken zu widerraten, das diese erst ermöglicht hat.

Eindeutig spricht dies einer der wichtigsten Denker der islamistischen Bewegung aus: der 1966 unter Nasser hingerichtete Führer der Muslimbruderschaft, der Ägypter Sajjid Qutb. Als er sich in Amerika zum Studium aufhielt, nahm er die dortigen demokratischen Freiheitsrechte gar nicht auf, sondern wurde ganz von den "Dekadenzerscheinungen" der amerikanischen Gesellschaft überwältigt. Der Islamismus versteht sich als Alternative zur "ungerechten" Demokratie mit ihrer menschlichen Fehlbarkeit und Fehlerhaftigkeit, der er das "Gottesgesetz" entgegenhält, das allein die Souveränität Gottes anerkennt. Nicht anders sieht das Hasan Hanafi, ein ägyptischer Denker, der zunächst der radikalen Linken angehört hatte, dann aber zum Islamismus gelangte - eine Konversion, die nicht selten ist. Zusammen mit anderen, die als Ursache der eigenen Krise die "Entfremdung durch den Westen" beklagen, anstatt umgekehrt die eigene Schwäche einer eigenen Krise zuzuschreiben, glaubt er wie die anderen an die Parole: Der Islam ist die Lösung.

Der Islamismus bot den vom Nationalismus Enttäuschten eine Vision: daß die Muslime zwar nicht materiell, aber dem Geiste und der Moral nach überlegen seien, mochte der Westen auch an Machtmitteln und Waffen auffahren, was immer er wollte. So läßt sich eine große Krise, in die der Islam geraten ist, allemal besser ertragen, und so kann man auch, etwa als Angehöriger eines entstehenden Mittelstandes, der nach westlichen Methoden ausgebildet wurde, die eigene Identität und das Überlegenheitsgefühl bewahren, das besonders der Islam seinen Angehörigen mitgibt. Er gilt ihnen als die "beste aller Gemeinschaften". Wenn man nur "authentisch" bleibe, könne man den Westen sozusagen durch einen "moralischen Mehrwert" schlagen.

Die jüngsten Katastrophen im Islam (die Metzeleien in Algerien, das Regime der Taliban, die ökonomischen Krisen) können auch als Anfang vom Ende, als Beginn einer Stagnation des Islamismus ausgelegt werden. Manches spricht tatsächlich dafür, daß der Islamismus seinen Höhepunkt überschritten hat, mag er sich jetzt auch wieder terroristisch regen. Nachdem er im Zentrum der islamischen Welt weitgehend gescheitert ist, drängt er stärker zur Peripherie. Nordnigeria, Südsudan, Tschetschenien, Mindanao sind vom Herzen des dar al-islam ziemlich weit entfernt. Einstweilen freilich hat Usama Bin Ladin den Islamismus wieder neu ins Gespräch gebracht.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2001, Nr. 238 / Seite 6

Quelle: http://www.faz.de/IN/INtemplates/faznet/default.asp?tpl=faz/…
Frage: Warum gehen die Hardliner dieses Threads eigentlich
nicht zur Fremdenlegion? Da könnten sie sich richtig austoben
und ihre große Schnauze wäre auch bald gestopft, wenn ihnen
vor Angst der Arsch auf Grundeis geht.
Maulhelden!

twq


ISLAM

Mohammeds zornige Erben


Es sieht ganz so aus, als hätte Osama bin Laden die erste Schlacht bereits gewonnen. Da mögen amerikanische Bomber Nacht für Nacht die Flugabwehr-Stellungen der Taliban demolieren und Hubschrauber die Verstecke der Al-Qaeda-Kämpfer unter Beschuss nehmen. Da mag George W. Bush so viel Zustimmung im eigenen Land erfahren wie kaum ein Präsident je vor ihm. Mit jedem Tag, an dem die Alliierten Afghanistan noch mehr in Schutt und Asche legen, wächst die Kluft zwischen Morgenland und Abendland, zwischen Dritter Welt und Erster Welt, zwischen Islam und Christenheit. Genau darauf hat Osama bin Laden von Anfang an gesetzt. Schon sein erster erfolgreicher Gegenangriff, Stunden nach Beginn der Luftschläge vor drei Wochen, brauchte keine Waffen, sondern nur ein Video. Denn sein Heiliger Krieg zielt nicht auf die Eroberung eines Landes, er zielt auf die Eroberung von Hirnen und Herzen.

Fast jeder Muslim kennt eine Szene wie diese von Kindheit an: Osama bin Laden vor einer Felsenhöhle, umgeben von den Treuesten der Treuen, bedrängt von seinen Feinden, in der Stunde größter Not auf einer Art Gebetsteppich kniend, die Stimme voller Zuversicht - wie Mohammed, der Prophet der Propheten, im Jahre 622, als er vor den Ungläubigen aus Mekka geflohen war. In einer Grotte hatte er mit seinem engsten Gefährten Abu Bakr Unterschlupf gefunden und war damit den Mörderbanden knapp entgangen. Es war der Moment der größten Gefahr für den Propheten, eine Bedrohung durch die Kräfte des Bösen, aus der er bald siegreich hervorgehen sollte. Es war der Beginn einer neuen, der islamischen Zeitrechnung.
Natürlich wäre es unsinnig, Osama bin Ladens Popularität unter den Muslimen der Welt auf die symbolische Kraft eines Videos zu reduzieren. Aber dass die Worte so viel stärker als die Waffen wirken, hat viele überrascht. Vor allem die Amerikaner. Geblendet von der Überlegenheit ihrer Wirtschaft, ihrer Technik, ihrer Gesellschaftsordnung, hatten sie das tiefe Misstrauen in weiten Teilen der Welt gegen ihren "Way of life" gar nicht mehr zur Kenntnis genommen.

"Wer kann die Wut stoppen?"

Nun geht in der pakistanischen Stadt Islamabad ein Schnellrestaurant der US-Imbiss-Kette "Kentucky Fried Chicken" in Flammen auf. In Makassar und Yogyakarta in Indonesien verwüsten Demonstranten McDonald`s-Filialen. Coca-Cola-Manager fürchten um den Absatz ihrer Limonade, seit ein muslimischer Mob Werbetafeln in mehreren Ländern umstürzte. Und überall in der islamischen Welt werden Strohpuppen des US-Präsidenten und Sternenbanner verbrannt. "Weshalb sie Amerika hassen" - das Thema war dem Nachrichten-Magazin "Newsweek" in der vergangenen Woche eine Titelgeschichte wert. Und das Konkurrenzblatt "Time" erschien mit der ratlos klingenden Frage "Wer kann die Wut stoppen?"

Denn es sind nicht bloß ein paar Verblendete, die den Hass auf Amerika und seine Verbündeten predigen. Während die einen durch die Straßen von Quetta oder Gaza ziehen und unter Bin-Laden-Postern "Tod den Ungläubigen" skandieren, sitzen andere beim Cappuccino im "Starbucks" von Doha am Persischen Golf oder bei süßem Tee in einem Cafe des feinen Kairoer Vororts Heliopolis und können eine klammheimliche Freude nicht verhehlen.

"Wir lehnen den Terror islamischer Fundamentalisten vollkommen ab, aber der Terror Israels ist für uns genauso schlimm", sagt Abdulaziz, ein junger Mann in Katar, der wie viele andere junge Araber aus den Golfstaaten bis zum 11. September in Amerika studiert hat. Tags drauf kam das FBI und fragte ihn, ob er Bin-Laden-Leute kenne. Abdulaziz verkaufte überstürzt seinen Lexus, flog nach Hause und diskutiert seither mit den ebenfalls zurückgekehrten Freunden jenes Thema, um das sich seit Wochen jedes Gespräch, jede Talkshow und jeder Zeitungskommentar in arabischen Staaten dreht: Amerikas Doppelmoral.

Selbst in den Zeitungen der arabischen Alliierten der USA ist das Thema präsent. So zitiert die saudische Zeitung "Riyadh Daily" Präsident Bush, weil er vom "einsamen Pfad" der Taliban-Terroristen redet, und fügt im nächsten Satz hinzu: "Israel verfolgt diesen einsamen Pfad seit Gründung des Staates."

"Politisches Manöver"

Nach Umfragen des arabischen Fernsehsenders "Al Jazeera" sind 90 Prozent der arabischen Bevölkerung gegen eine Beteiligung islamischer Staaten am westlichen Anti-Terror-Krieg. Nur knapp ein Zehntel sieht in den Bemühungen des US-Präsidenten, einen unabhängigen Palästinenser-Staat zu schaffen, eine Kursänderung. Für 90,3 Prozent ist es ein "politisches Manöver".

Eisern versuchen viele arabische Staaten, die antiamerikanische Stimmung unter der Decke zu halten. So sind in den Golf-Staaten, im Jemen und in Saudi-Arabien Demonstrationen gegen das US-Bombardement in Afghanistan verboten. Aus Angst vor Unruhen im eigenen Land will kein islamischer Staat Basis alliierter Militäroperationen sein. 80 Prozent der Bevölkerung im Nato-Land Türkei sind grundsätzlich gegen die Aktion. In den meisten anderen islamischen Ländern gibt es keine Umfragen; wahrscheinlich, weil man die Ergebnisse scheut. Denn allabendlich sehen Millionen Muslime zwischen Nigeria und Indonesien im Fernsehen, wie amerikanische Flaggen und Bush-Puppen in Flammen aufgehen.

"Amerika ein Hort des Bösen"

Zwar distanzieren sich die wankelmütigen arabischen Eliten vom Protest des Pöbels, doch in den Unterschichten herrscht vielfach blinder Hass. "Afghanistan ist gut, Amerika ist ein Hort des Bösen", sagt ein Gemüsehändler auf dem Markt von Doha. Genüsslich verfolgt ein libanesischer Ingenieur auf CNN die Berichte über die Angst vor Anthrax in Manhattan. "In New York geht es jetzt zu wie in Israel", sagt der CNN-Reporter. Da freut sich der Libanese: "Amerikaner haben lange genug auf der Welt den lieben Gott gespielt, endlich haben die auch mal so richtig die Hosen voll."

Die Genugtuung kommt nicht von ungefähr. Seit jeher fühlen sich vor allem arabische Muslime vom Westen erniedrigt, ausgegrenzt, nicht ernst genommen. "Wir alle", befand während der Islamischen Weltkonferenz der katarische Außenminister Hamad al-Thani, "sollen uns jetzt am Krieg gegen den Terrorismus beteiligen, weil die Amerikaner attackiert wurden. Aber wenn es Opfer unter den Palästinensern gibt, kümmert das niemanden."

Es ist vor allem die selektive Art amerikanischer Außenpolitik, hier Menschenrechte einzufordern und dort korrupte Potentaten an der Macht zu halten, mal von Demokratie zu reden und dann wieder knallhart die Interessen der Öl-Industrie zu unterstützen, die viele bis aufs Blut reizt. Der Frust ob all der Ohnmacht, gepaart mit kulturellem Stillstand und dem Fehlen jeglicher Demokratie im eigenen Land, bildet den idealen Nährboden für den islamischen Extremismus. Und für Verschwörungstheorien.

"Eine amerikanischjüdisch-indische Weltverschwörung"

Immer wieder sind in diesen Tagen zwischen Dubai und Damaskus die unglaublichsten Geschichten zu hören: Mal hat Israels Geheimdienst die Anschläge in den USA geplant, und seine Agenten haben die Flugzeuge gesteuert. Dann haben jüdische Geschäftsleute das World Trade Center zum Einsturz gebracht. Und im fernen Pakistan erklärt Sayed Khalid Ahmed Banori, Leiter einer der größten Koranschulen, in bestem Englisch und zwischen Schlucken von Coca-Cola, dass die USA kein Recht hätten, Afghanistan anzugreifen, weil bin Laden nicht hinter den Anschlägen vom 11. September stecke. "4000 Juden, die in den beiden Türmen arbeiteten, sind an diesem Tag zu Hause geblieben! Das Ganze ist eine amerikanischjüdisch-indische Weltverschwörung!"

Niemand profitiert von diesem Gemisch aus Unterlegenheitsgefühl und Rachlust mehr als Osama bin Laden. In seinen Videos tritt er als Herold der unterdrückten Palästinenser auf, wohl wissend, dass ihm dies viel neuen Zulauf beschert. Dann wieder spricht er von den "mehr als achtzig Jahren Erniedrigung und Schande" in der muslimischen Welt - eine Erinnerung an die Friedenskonferenz von 1920, als die Siegermächte des Ersten Weltkriegs, Großbritannien und Frankreich, den Arabern nicht den versprochenen eigenen Staat gaben. Sie teilten den Nahen Osten lieber unter sich auf. Die Bemerkung bin Ladens mag Zuhörern in Amerika und Europa weit hergeholt scheinen. Die Menschen in Arabien haben ein längeres Gedächtnis, als vielen im Westen lieb ist.

Kein Wort davon

Wenig ist allerdings in arabischen Medien davon zu erfahren, dass sich der Gotteskrieger in der Vergangenheit kaum je um die Nöte der eher weltlichen Palästinenser gekümmert hat. Selten auch weisen arabische Zeitungen darauf hin, dass die Terroranschläge vom 11. September zu einer Zeit geplant wurden, als in Nahost nicht die Intifada wütete, sondern ein Frieden in greifbarer Nähe schien. Kein Wort davon, dass die Träume von der panarabischen Nation nicht bloß am bösen Westen, sondern auch an den Widerständen im eigenen Lager gescheitert sind. Umso mehr wirkt bin Laden wie der Prophet im Besitz der Wahrheit.

"Die arabischen Regime befinden sich in einer sehr schwierigen Lage", sagt Ahmed Salama, Kolumnist der Kairoer Zeitung "Al Ahram", "bin Laden macht sich eine Problemzone nach der anderen zunutze: Palästina, Irak, die US-Präsenz in Saudi-Arabien." Damit könnte er manches Land aus dem Gleichgewicht bringen.

Aus den Reihen des "Ägyptischen Islamischen Dschihad" und der "Gamaat al-Islamiya" stammen etwa ein Drittel jener Terroristen, die das amerikanische FBI seit den Anschlägen vom 11. September sucht. Einige sind mit Osama bin Laden in Afghanistan abgetaucht. Denn im eigenen Land sind die Führer der radikalen Bewegungen entweder zerstritten oder sitzen, zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt, im Gefängnis. Dafür hat Präsident Hosni Mubarak gesorgt, als er mit "außergewöhnlicher Brutalität" (so der Kairoer Soziologe Mohamed Said) das Netzwerk der Terroristen zerschlagen ließ.
Seither herrscht Ruhe im Land. Doch der innenpolitische Druck auf Mubarak - von den USA als verlässlicher Verbündeter mit jährlich zwei Milliarden Dollar Militär- und Wirtschaftshilfe belohnt - wächst. Ein Großteil seiner Untertanen lebt weiter in bitterer Armut und spürt kaum Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufschwung - genau die rechte Mischung für islamistische Eiferer.

Größte Gefahr für das Regime

Die fundamentalistischen Muslimbrüder, 1928 vom ägyptischen Lehrer Hassan al-Banna gegründet, sind gut organisiert und stellen für das Regime heute die größte Gefahr dar. Ihre Kritik an der wuchernden Korruption und Unfähigkeit von Behörden und Regierung findet immer mehr Zuspruch, vor allem im Bürgertum. Deshalb versucht Staatschef Mubarak mit einer riskanten Doppelstrategie, den Erfolg der Islamisten zu unterlaufen. Einerseits stellt er seine Herrschaft als die wahre islamische dar, andererseits gibt er manchen ihrer Forderungen nach. Und lässt Mitglieder der Muslimbruderschaft als unabhängige Kandidaten zur Wahl zu.

So wurde auch Jihan El-Halafawi ins Parlament in Kairo gewählt. Ungeschminkt, das Gesicht von einem grauen Kopftuch umhüllt, nippt die 50-Jährige in einem Caf? an der Strandpromenade von Alexandria am Mangosaft. Neben ihr liegt ein Handy. Sie ist mit dem Hautarzt Mohamed El-Zaafarani verheiratet und hat fünf Kinder. Ihr Mann war bei den Wahlen als unabhängiger Kandidat der Muslimbrüder angetreten. Kurz vorher wurde er vom Geheimdienst verhaftet und ohne Anklage drei Monate eingesperrt. Da entschloss sich die studierte Volkswirtin und Theologin Jihan, statt seiner anzutreten. Gleich im ersten Wahlgang erhielt sie über 50 Prozent der Stimmen. Doch der Staat annullierte, angeblich wegen Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenzählung, den Entscheid. Nun müsste es laut Verfassung eine Nachwahl geben. Die ist aber auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

"Spüren immer mehr brennenden Zorn"

Dass es in Ägypten außer einigen Studentendemonstrationen weitgehend ruhig geblieben ist, könnte sich bald ändern, sagt sie. "Wir spüren immer mehr brennenden Zorn", ergänzt ihr Mann. Zorn über den Westen, der "uns Islamisten nun weltweit in die Ecke des Terrorismus stellt, obwohl wir strikt gegen Gewalt sind". Zorn über die autoritären Herrscher im Nahen Osten, die sich "nur mit Hilfe des Westens an der Macht halten, islamische Werte verraten und uns Gläubige nun für ihre Sünden bestrafen lassen." Und Zorn über die "Dummheit und Arroganz Amerikas und seiner Verbündeten, die mit ihren unbewiesenen Behauptungen Osama bin Laden erst zum großen Helden gemacht haben".

Auf dem Basar von Peshawar verkaufen Kinder T-Shirts mit Bin-Laden-Bild. An den Kiosken in Beirut, Kairo oder Sanaa gibt es bunte Blätter, in denen der Terrorist als Robin Hood verherrlicht wird. So ist auf der ägyptischen Postille "al-Hawadeth" ein mild dreinblickender bin Laden zu sehen, Gebetskette zwischen den Fingern, bewaffnet mit einem armseligen Geschütz auf Holzrädern. Im Hintergrund fallen amerikanische Bomben. Dabei, heißt es in den Basaren, habe es der reiche Gotteskrieger gar nicht nötig, sich im rauen Afghanistan zu plagen. Aber der fromme Mann scheue keine Entbehrung, um die Belange des Islam zu fördern.

Propaganda zeigt Wirkung

Die Freitagsgebete der orthodoxen Geistlichen und die Propaganda ihres neuen Propheten zeigen Wirkung. Nach einer Online-Umfrage des TV-Senders "Al Jazeera" ist Osama bin Laden nur für 8,7 Prozent der 4600 Befragten ein Terrorist. Den meisten gilt er als "Mudschaheddin" - ein Kämpfer im Heiligen Krieg.

Bernd Dörler, Hans-Hermann Klare, Tilman Müller, Uli Rauss, Christoph Reuter

Quelle: http://www.stern.de/politik/news/tagesthema/artikel_38141.ht…


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