America Online - wieder einmal Revolutionär - 500 Beiträge pro Seite



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Vor einiger Zeit hatten wir hier Diskussionen, ob America Online bei einer Marktkapitalisierung von 2 x DaimlerChrysler und in seiner Größer überhaupt noch ein Revolutionär sein kann, oder ob das Unternehmen längst über diese Phase hinaus ist.

Nun, mit der TimeWarner Fusion hat das Unternehmen noch einmal eine Revolutionärstat getan. Es hat die Goldgräber Phase des Internets begarben - von heute an werden Internet-Unternehmen zunehmend mit normalen Maßstäben gemessen: sie müssen z.B. auch Geldverdienen.

Schauen wir mal, wie sich die Internet-Firmen der zweiten und dritten Generation entwickeln.

Mit seiner letzten Revolutionärstat hat sich AOL selbst aus dieser Liga katpultiert und muß nun um den Königs-Rang kämpfen.

Max
Manfred --

in der Tat, AOL hat jetzt im Revoluzzer Depot wirklich nichts mehr zu suchen. Wir müssen schauen, ob das Unternehmen in´s Königs-Depot aufgenommen wird (dann müßten wir da aber was anderes verkaufen, da wir ja einen festen Betrag haben.)

Ich kündige wohl bald einen Trade an.

Auf einmal haben wir sehr viel Geld, um in Neue Revoluzzer zu investieren.

Max
America Online´s letzte Revolution
-- und Ankündigung eines Trades


von Dr. Max


Eigentlich wollten wir für unser Revolutionärsportfolio ja erst einmal KAUF-Kandidaten durchchecken und einen Kauf im Werte von gut 6600 Euro durchführen. Jetzt müssen wir aber einen Verkauf bekannt geben: America Online. Durch die Ankündigung der Fusion mit Time Warner – das ist ein revolutionärer Akt – katapultiert AOL sich selbst aus der Liga der Revolutionäre und muß nun um den Königsrang kämpfen. (Bei gelingen der Fusion entsteht der bei weitem weltgrößte Medienkonzern, das heißt aber nicht automatisch, dass dieser Konzern auch ein „König ist. Um ein König zu sein, muß ein Unternehmen acht sehr strenge Kriterien erfüllen. S. „10 Schritte zum richtigen Investieren“).

Also: hiermit wird sich das Revolutionärs-Portfolio in Zukunft von America Online lösen. Wir können aber noch nicht sagen, wann dies geschieht. Ebenso können wir noch nicht sagen, ob wir dann einen Teil von AOL-Warner in das Königsportfolio aufnehmen. Das müssen wir in Ruhe durchchecken. Für den Verkauf können wir also noch kein Datum bekanntgeben.

Was war nun das revolutionäre an America Online’s Ankündigung der Fusion mit Time Warner, an welcher AOL die Mehrheit halten wird. Dabei erzielte Time Warner im letzten Jahr einen Umsatz von 26,8 Mrd. $, AOL lediglich 4,8 Mrd. $. Wie ist das möglich?

Nun, America Online wird derzeit von der Börse – wie viele Internet-Aktien – sehr hoch bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt über 200, während das von Time Warne bei ca. 100 liegt. Das heißt auch, das das viel kleinere America Online prozentual gesehen wesentlich profitabler ist, das heißt, das es höhere Gewinnmargen hat. Und tatsächlich: die Nettomarge von AOL war im letzten Jahr 16%, die von Time Warner nur 5%. Je größer ein Unternehmen ist, desto schwieriger, wird es normalerweise, hohe Margen zu halten. Wir lieben daher Unternehmen, die trotz einer beachtlichen Unternehmensgröße hohe Margen halten können – das ist ein wichtiges Kriterium für unsere Könige.

Das Kurs-Gewinn-Verhätnis von Time Warner liegt immer noch bei 100, im traditionellen Vergleich ein stolzer Preis. (Die Automobilfirmen liegen bei gut 10.)

Die Fusion soll im Wege des Aktientauschs vollzogen werden: für das neu entstehende Unternehmen werden neue Aktien ausgegeben. AOL Aktionäre erhalten pro AOL-Aktie (im Wert von gut 70 Euro) jeweils eine neue Aktie, Timer Warner Aktionäre erhalten pro Time-Warner Aktie im Wert von gut am 10.1. ca. 70 Euro jeweils 1,5 Aktien erhalten würden. Rein rechnerisch machen also die Time Warner Aktionäre einen Gewinn. Und das honorierte die Börse auch mit einem Kurssprung von 65% am 11.1., während die AOL Aktie Verluste machte.

Warum hat AOL Chef Steve Case sich zu diesem Schritt entschlossen?

AOL ist die bekannteste, bei weitem größte und älteste Internet-Firma in den USA. So ist AOL z.B. fünfmal so umsatzstark wie Yahoo.

Alle Internet-Aktien werden von der Börse sehr hoch bewertet. AOL als größtes Internet-Unternehmen ist sogar noch eine der billigsten Internet-Aktien. Yahoo hat ein Kurs-Gewinn-Verhältnis, das mehr als zehnmal so hoch ist wie bei AOL. Und viele Internet-Unternehmen machen gar keine Gewinne, werden aber in der Hoffnung auf zukünftige Entwicklungen sehr hoch bewertet.

Die Fusion mit Time Warner ist ein Geständnis, dass das Internet endgültig aus seinen Kinderschuhen getreten ist und mit zunehmend normalen Maßstäben gemessen werden sollte. AOL, das bereits wesentlich mehr Geld verdient, als die anderen Internet-Unternehmen, will und muß mehr Geld verdienen. Die Fusion ist ebenso ein Geständnis, dass die traditionellen Medienunternehmen gegenüber den Internet-Unternehmen unterbewertet sind, oder dass die Internet-Unternehmen überbewertet sind.

Theoretisch ergänzen sich beide Unternehmen optimal: AOL hat die Internet-Nutzer und Internet-Inhalte, Time Warner hat eine Vielzahl von anderen Inhalten (Fernsehen, Bücher, Film), ist aber im Internet schwach. Außerdem hat Time Warner Stationen für das Kabelfernsehen, über die in Zukunft Hochgeschwindigkeits-Internetzugänge bereitgestellt werden können.

Es wäre auch eine alternative Strategie für AOL denkbar gewesen – AOL hätte weltweit der Internet-Provider werden können. Dies hat aber nicht funktioniert: wie viele amerikanische Internet-Unternehmen hat AOL Schwächen bei der internationalen Expansion gezeigt und lokalen Anbietern Marktanteile überlassen. In Deutschland ist T-Online z.B. der klare Marktführer.


Ausblick: AOL-Warner, ein potentieller König?

AOL-Warner bedeutete für AOL eine Konzentration auf den Heimatmarkt. Mit AOL-Warner entsteht ein Konglomerat, dessen einzelne Teile sich bei erstem Betrachten optimal ergänzen.

Die Aktienmärke lieben aber derzeit Unternehmen, die sich auf ihre Kernkompetenzen beschränken und sich dort einem harten Wettbewerb stellen. Solche Unternehmen können jederzeit scheitern (das ist z.B. bei Nokia auch denkbar), aber solange sie erfolgreich sind, werden diese Unternehmen mit überproportionalen Wertsteigerungen belohnt. AOL-Warner ist ein Konglomerat und daher für den Privatinvestor nicht gut zu überschauen, geschweige denn zu kontrollieren. Die einfache Story, und die Messbarkeit des Managementerfolges gehen verloren.

Im Medienbereich ist die Gewinnsituation außerdem äußerst instabil, was auch gegen eine Aufnahme in das Königsportfolio sprechen würde. Das Unternehmen produziert eben nicht nur Massen-Markenprodukte, sonder auch Filme und ähnliche Produkte mit einem sehr hohen Risiko.

Letztlich bleibt abzuwarten, ob das Konglomerat die hohen Gewinnmargen produzieren kann, die wir von einem König erwarten.

Wir wollen dies beizeiten genau prüfen, aber es sieht nicht so aus, als ob AOL-Warner in unser Königsportfolio aufgenommen wird.

America Online hat aber seine letzte Revolutionärstat getan, indem es alles folgenden Unternehmen gezeigt hat, dass das Internet jetzt zu einer „normalen“ Branche wird. Wir glauben deswegen nicht, dass es bei den Internet Unternehmen der dritten Generation insgesamt eine ähnliche Euphorie geben wird, wie das bei den ersten Generationen der Fall war. Es wird zunehmend wichtiger eine solide, langfristige und fundamental ausgerichtete Anlagestrategie zu verfolgen. Dem versuchen wir u.a. damit Rechnung zu tragen, dass wir nur Unternehmen im Portfolio haben, die auch Gewinne machen.
Hab ich ja echt glück gehabt.Bin noch bei 73,50 rein.Muß ich wohl ein
bißchen warten,bis der Kurs wieder steigt.Oder besser verkaufen??
Eure Meinung bitte!!
Habe selber bei 76 € gekauft. Ich dachte, nachdem das Hoch vom Vortage bei ca. 88 € sich abgebaut hatte, daß jetzt ein noch nicht allzu teurer Zeitpunkt ist. Die Prognosen waren sind ja auch nicht schlecht; obwohl andere ja sagen, daß der Übernehmer "runtergehen" muß da hohe Kosten. Nun gut, vielleicht habe ich etwas vorschnell gekauft, und den Markt noch etwas beobachten müssen. Dennoch halte ich langfristig viel von AOL und würde Dir raten zu halten und auszusitzen. Ausser Du willst einen Verlust realsieren und Du brauchst das Geld. Dann war es ein Vorschneller übereilter Kauf. Also halten und warten. Ist zwar eine Pauschale Standardaussage, aber stimmen tuts!
Viele Grüße

L.
Schlurf und S. Linder --

im Wallstreet-Village machen wir ja kein schnelles "rein - raus" sondern überlegen uns, ob die Aktie zu einer unserer langfristigen Stratgeien passt.

AOL Time Warner ist ein Powerhouse und ein Königsanwärter. Die Wachstumsgeschwindigkeiten der ersten Internet-Phase sind wohl vorbei.
Aber das kombinierte Unternehmen hat natürlich sehr viele Möglichkeiten.

Ich werde mir in aller Ruhe überlegen, was ich mit meinen AOL Aktien mache - aus dem Revoluzzer-Portfolio fliegen Sie heraus - aber vielleicht halte ich ja AOL Warner im Königsportfolio. (Das muß ich aber in Ruhe prüfen.)

Max
Das war von mir auch gänzlich nicht als "Rein" "Raus" gedacht gewesen. Sorry falls es sich so angehört hat... Ich meine nur ich habe im Moment zu vorschnell gekauft, und hätte noch länger beobachten sollen, bis eine gewisse Konsolidierung eingetreten ist. Gekauf hätte ich sie so oder so! Nur vielleicht a bisserl billiger.


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