Kontron nach Aktienplatzierung unter Druck - 500 Beiträge pro Seite



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Der Hersteller von embedded Computern Kontron will aus der heute Morgen bekannt gegebenen Aktienplatzierung mindestens 25 bis 30 Mio. Euro erzielen. Das teilte ein Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur Reuters mit. Das Kapital sei zur Sicherung einer soliden Kapitalbasis gedacht und solle das organische Wachstum des Unternehmens absichern. „Größere Akquisitionen sind nicht geplant", sagte der Sprecher. Die Transaktion hat auf Basis des gestrigen Schlusskurses ein Volumen von rund 33,5 Mio. Euro.

Die Platzierung von 2,42 Millionen Aktien erfolgt im Zuge eines beschleunigten Bookbuildings über die Dresdner Bank. Das Bezugsrecht der Aktionäre ist dabei ausgeschlossen. Die Kapitalerhöhung muss erst noch beschlossen werden. „Das ist eine sehr ungewöhnliche Vorgehensweise. Es deutet vieles auf dringenden Kapitalbedarf hin“, zitiert die Financial Times Deutschland einen Händler.

"...gilt als Bibel unter den Research-Profis"
Financial Times 2001

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Der, bzw. die Zeichner der Kapitalerhöhung stehen, nach dem Wortlaut der Unternehmensmeldung zu urteilen, wohl fest, die Aktien sind ausgegeben. Fehlt nur noch der Preis. Unterstellt man übliche Usancen beim Bookbuilding, ist der Durchschnittskurs der Aktie im zeitlichen Umfeld der Transaktion relevant. Also wird kräftig an der Aktie herumgezerrt. Kurz vor der Mittagszeit scheinen die Kräfte die Oberhand zu bekommen, die einen tieferen Kurs sehen möchten.

Das Ganze ist in der Tat ungewöhnlich und lässt Spekulationen ins Kraut schießen. Da wird z.B. vermutet, bei dem Fusionsgutachten seien Leichen im Keller aufgetaucht. Andere Stimmen sprechen gar von einer finanziellen Schieflage. Eines ist sicher: Die geringe Transparenz der ganzen Angelegenheit ist ausgesprochen anlegerunfreundlich, die große Eile zunächst einmal verdächtig.

Auf der anderen Seite: Wenn ein Investor bereit ist, in der aktuellen Situation einzusteigen, dokumentiert das die Erwartung auf künftige Wertsteigerung des Engagements. Das ist kein Freifahrschein für kräftige Kurssteigerungen des jeweiligen Unternehmens. Denn einerseits sind auch institutionelle Investoren nicht unfehlbar, andererseits muß sich Wertsteigerung für sie nicht zwangsläufig in steigenden Kursen von –in diesem Fall- Kontron äußern. Der oder die großen Unbekannten könnten ganz andere Interessen verfolgen. Für sie kommt es lediglich drauf an, dass sich ihr Engagement unter dem Strich rechnet. Was über dem Strich steht, wissen wir nicht. Der große Unbekannte kann auf vielen Hochzeiten tanzen: Synergieeffekte einmal anders.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unbekannter andere Positionen über dem Strich stehen hat, die bei einem Kontron-Engagement eine wichtige(re) Rolle spielen, steigt mit der Frage einer möglichen Schieflage von Kontron. Anzeichen hierfür gab es per September nicht. Die Liquiditätslage zeigte sich im Neun-Monats-Bericht weiter gut. Barmittel und kurzfristige Anlagen des Umlaufvermögens summierten sich auf 84 Mio. Mark, der operative Cashflow wuchs in den ersten drei Quartalen auf 24 Mio. Mark, lag im dritten Quartal allerdings bei nur 2 Mio. Mark . Danach kam im Oktober die Akquisition der ICS . Der Kaufpreis wurde mit 23 Mio. Dollar in bar angegeben. Umgerechnet sind das rund 50 Mio. Mark, womit 34 Mio. Mark an liquiden Mitteln verbleiben. Sollte der Trend des dritten Quartals im aktuellen fortbestehen, könnte der operative Cashflow negativ werden.

Ein unmittelbares Liquiditätsproblem eröffnet sich damit nicht. Aber die Argumentation, Kapital für die künftige Entwicklung des Unternehmens zu sichern, ist nachvollziehbar - besonders dann, wenn man nicht daran glaubt, dass die Konjunktur gleich zu Jahresbeginn 2002 durchstartet.

Daher dürfte die heute gemeldete Transaktion langfristig eher positiv zu sehen sein – immer vorausgesetzt, dass Leichen Leichen bleiben und nicht plötzlich in Gestalt von erheblichen Belastungen wieder auferstehen.

Wie groß ist das aus dieser Transaktion resultierende Abwärtspotenzial? Der Kontron-Sprecher sprach von 25 bis 30 Mio. Euro an erwarteten Erlösen. Das macht bezogen auf den gestrigen Schlusskurs ein Risikopotenzial von maximal 25 Prozent. Dabei ist allerdings noch kein Abschlag auf den Marktpreis berücksichtigt. Der aktuelle Kursverlust von rund 11 Prozent dürfte erst einmal einen gewissen Boden einziehen. Er entspricht in etwa auch dem Verwässerungseffekt .

Bleibt allerdings die Verunsicherung, die das eilige, intransparente Vorgehen ausgelöst hat. Sie wird die Kontron-Aktie und mit ihr das Papier von JUMPtec unter Druck halten, bis mehr über Ross und Reiter bekannt ist.

Autor: Klaus Singer (© wallstreet:online AG),13:33 14.12.2001



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