Wer hat die Besten Analysen? - 500 Beiträge pro Seite

eröffnet am 04.03.02 07:15:46 von
neuester Beitrag 02.09.02 16:10:48 von


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04.03.02 07:15:46
Wer hat die Besten Analysen? Credit Suisse First Boston glänzt bei Titelempfehlungen
3.3.2002

Die Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) hat mit ihren Empfehlungen zum Kauf und Verkauf von Aktien im vierten Quartal 2001 am besten abgeschnitten. Das zeigt eine Analyse von 15 führenden Investmenthäusern in den USA.

Die Untersuchung wurde im Auftrag des "Wall Street Journal" von der Firma Zacks Investment Research in Chicago durchgeführt. Sie will zeigen, wie das Aktienportefeuille eines Investors aussehen würde, wenn er allen Kauf- und Verkaufempfehlungen der untersuchten Investmenthäuser gefolgt wäre.

Im dritten Quartal 2001, das durch die Terroranschläge vom 11. September und die Konjunkturflaute gekennzeichnet war, wiesen sämtliche Wertpapierhäuser bei ihren Empfehlungen negative Ergebnisse auf. Im vierten Quartal 2001 jedoch gelang es allen Effektenhäusern, ein positives Resultat zu erzielen.

Am besten schnitt die CSFB ab. Das von ihr empfohlene Portefeuille stieg in diesem Zeitraum um 20 Prozent. Wesentlich zu diesem guten Ergebnis trug bei, dass CSFB viele Technologiewerte abstieß und eine Reihe Titel der "alten Wirtschaft" empfahl, wie Best Buy und Liz Claiborne.

Am Schluss der Rangliste der Effektenhäuser für das vierte Quartal steht UBS Warburg. Zwar wies auch die UBS-Tochter ein positives Ergebnis auf. Das von ihr zusammengestellte Portefeuille stieg um 7,6 Prozent.

Das liegt aber noch hinter der Entwicklung des Standard & Poor- Index von 500 Aktien zurück, der im vierten Quartal um 10,7 Prozent zugelegt hatte. "Problemaktien" wie Verizon Communications und Chugai Pharmaceutical machten UBS Warburg zu schaffen.

Die Untersuchung von Zacks Investment Research erbrachte jedoch auch, dass, über das ganze Jahr betrachtet, mit Bear Stearns nur ein einziges Effektenhaus mit seinen Kauf- und Verkaufempfehlungen im positiven Bereich blieb. Wer dem Rat von Bear Stearns folgte, konnte sein Aktienportfeuille 2001 um 0,5 Prozent steigern. Alle anderen Investmenthäuser wiesen negative Ergebnisse auf.

Der Standard & Poor-Index fiel 2001 um 11,9 Prozent. Nur vier der untersuchten 15 Effektenhäuser konnten den Rückgang ihres bevorzugten Portfolio unter dieser Grenzmarke halten. Weder CSFB noch UBS Warburg gehörten dazu. Das UBS-Portefeuille verlor 2001 13,7 Prozent, bei CSFB betrug die Abnahme 23,1 Prozent.

Quelle: APA
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02.09.02 16:10:48
Behavioral Finance

Warum sich Analysten überschätzen


Die oftmals fehlerhaften Aktieneinschätzungen von Analysten lassen sich häufig mit Interessenkonflikten begründen. Schließlich diente ihre Arbeit zumindest in der Vergangenheit nicht selten dazu, die Verkaufsmaschinerie der Investmentbranche am Laufen zu halten.

Doch mit Interessenkonflikten alleine lassen sich die Fehlurteile nicht erklären. Vielmehr haben sie auch mit psychologischen Urteilsverzerrungen zu tun. Dies ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie der Behavioral Finance-Experten Olaf Stotz und Rüdiger von Nitzsch von der Technischen Universität Aachen. Darin kommen die Autoren nämlich zu der Erkenntnis, dass Analysten wie alle anderen Anleger dazu neigen, sich und ihre Fähigkeiten an der Börse zu überschätzen.

Fehlender Lernprozess

Überraschend dabei ist nicht die Tatsache der Selbstüberschätzung an sich. Schließlich ist dieses Verhalten nur allzu menschlich und zeigt sich in vielen Lebenslagen. So ist hinlänglich bekannt, dass sich auch die Mehrheit der Führerscheinbesitzer als überdurchschnittliche gute Autofahrer einschätzen, was alleine schon rein rechnerisch nicht sein kann.

Interessant ist im Falle der Analysten aber, dass es im Laufe der Zeit nicht zu mehr Realismus kommt. In anderen Fällen, in denen eine Gruppe ständig eine Rückmeldung auf ihre Prognosesicherheit bekommt, wie etwa Bridge-Spielern, Pferde-Wettern oder Meteorologen, lässt die Selbstüberschätzung im Laufe der Zeit nach. Nicht so dagegen bei den Analysten. Und das, obwohl sie eigentlich täglich anhand ihrer Performance-Ergebnisse sehen müssten, wie oft sie irren.

Überschätzung bei Gewinnprognosen am höchsten

Besonders hoch fällt die Selbstüberschätzung der Studie zufolge bei der Prognose der Unternehmensgewinne aus. Etwas realistischer ist man dagegen in Sachen Kursprognosen. Laut Stotz und Nitzsch hat dies mit einer Kontrollillusion zu tun. Diese kommt dadurch zustande, dass sich Menschen erfahrungsgemäß in einem Umfeld, das sie im Griff haben, wohler fühlen.

Als Folge davon unternehmen sie einiges, um das Gefühl der Kontrolle auch zu erreichen. Und bei der Erstellung von Gewinnprognosen fühlen sich die Analysten eben auf sichererem Terrain als bei Kursprognosen, weil sie denken, dass sie die Variablen bei der Gewinnprognose, zum Beispiel Detailkenntnisse über das Unternehmen und die Branche, besser im Griff haben.

Als Resultat daraus liegt die Selbstüberschätzung bei Gewinnen bei 67,94 Prozent. Das heißt im Schnitt schätzt ein Analyst die Qualität seiner Gewinnschätzungen so ein, dass mehr als zwei Drittel seine Kollegen schlechtere Arbeit abliefern. Der Koeffizient als Maß für die Selbstüberschätzung bei Kursprognosen liegt demgegenüber etwas niedriger bei 61,34 Prozent.

Gute Gründe für Skepsis gegenüber Analysten

Für die Autoren der Studie steht damit fest, dass Analysten nicht oder zumindest zu wenig aus ihren Erfahrungen lernen. Den Anlegern raten sie deshalb, Analystenstudien nicht nur wegen der Interessenkonflikte mit einer gewissen Vorsicht zu begegnen. Denn die Selbstüberschätzung fördere nicht die gesunde Einsicht, lernen zu müssen, da man sich bereits besser als die Konkurrenten wähnt.

Auch der oft an Analysten gerichtete Vorwurf, zu sehr auf die Konsensmeinung zu schielen und den Marktentwicklungen immer hinterherzuhinken, führen Stotz und Nitzsch zumindest teilweise auf die Selbstüberschätzung zurück. Denn Selbstüberschätzung führe vermutlich zu Trägheit und verhindere es, einmal getroffene Entscheidungen kritisch zu hinterfragen und eventuell auch wieder zu verwerfen.

Um sich besser gegen das Phänomen der Selbstüberchätzung zu wappnen, raten die Autoren den Analysten ein Prognosetagebuch zu führen. Darin sollen alle Prognosen, am besten ergänzt um Wahrscheinlichkeitsintervalle, den tatsächlichen Ergebnissen gegenüber gestellt werden. Oberstes Ziel müsse es dabei sein, selbstkritischer und analytischer zu werden sowie weniger mit der Masse zu schwimmen, ohne dabei gleich wieder übermütig zu werden.


© F.A.Z. Electronic Media GmbH 2002.


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