Warum die Indizes fallen werden. - 500 Beiträge pro Seite (Seite 6)

eröffnet am 12.03.02 01:46:04 von
neuester Beitrag 07.08.05 13:04:25 von


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10.04.03 18:38:17
Beitrag Nr. 2.501 ()
Will die Opec dem Rest der Welt wirklich den Ölkrieg erklären ?

(10.04.2003)

Die Opec wird am 24. April zusammentreten, um darüber zu beraten, ob sie ihre zuletzt grenzenlose Förderung wieder drosseln soll, damit eine, wie sie behauptet, Ölschwemme im zweiten Quartal verhindert wird. Einer der großen Wortführer in dieser Sache scheint Saudi Arabien zu sein.

Jetzt, da der volle militärische Teil des Irak-Konflikts weitgehend beendet ist, kann mit Anspruch auf eine hohe Treffsicherheit erklärt werden, dass die Ölversorgung aus dem gesamten Mittleren Osten nicht mehr gefährdet ist. Die irakischen Exporte bleiben zwar auf unabsehbare Zeit stark gedrückt, doch werden sie (noch) durch höhere Ausfuhren besonders der Saudis gut ausgeglichen.

Sollte sich das Kartell wirklich entschließen, seine Produktion im zweiten Quartal zu verringern, wäre dies eine Art Kriegserklärung an die Verbraucherländer. Was nämlich bei der Diskussion über und bei der Argumentation für eine Produktionsdrosselung beflissen unterschlagen wird, ist die Tatsache, dass sich die Weltvorräte an Rohöl auf einem extrem niedrigen Niveau befinden.

Eine Produktionssenkung der Opec würde es verhindern, dass der Weltbestand im Laufe des zweiten und des dritten Quartals auf ein hinreichend hohes Niveau aufgebaut werden könnte, um dem nächsten Winter auf der nördlichen Halbkugel gelassen ins Auge blicken zu können.

In diesem Fall wäre spätestens im Herbst mit neuerlichen Preissteigerungen zu rechnen, die einer sich dann vielleicht wieder leicht erholenden Weltwirtschaft rasch das Wasser abgraben würde. Dies sollte eigentlich nicht im Interesse des Kartells sein.


Arnd Hildebrandt
Taurosweb.de
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10.04.03 18:50:52
Beitrag Nr. 2.502 ()
Was ist los?

von Jochen Steffens

Ich bin ein wenig irritiert. Ich bin schon seit einigen Jahren an der Börse als Trader tätig. Dabei weiß ich meistens warum die Börse so oder anders reagiert. Nicht unbedingt immer vorher, aber spätestens nachher. Im Moment weiß ich allerdings nicht, warum die Kurse nicht steigen. Ich versuche es mit verschiedenen Erklärungsansätzen, aber keiner befriedigt meine Zweifel. Es sind hauptsächlich die schwachen US-Börsen, die jeden Rallyeansatz zunichte machen. Doch gerade die patriotischen US-Anleger müssten nach diesem Sieg eigentlich kaufen oder zumindest ihre Shortpositionen glatt stellen. Doch nichts dergleichen geschieht. Selbst die positive Nachricht von Yahoo gestern, deren Zahlen und sogar Ausblick besser als erwatet waren, konnte keine Kursgewinne verursachen. Was ist los?

Auf jeden Fall habe ich eben meine Longpositionen verkauft. Ein Aktion, die weniger auf Vorgaben, sondern auf Erfahrung beruht. Es hat sich bisher häufig genug gezeigt, dass fast immer, wenn ich diese Fragezeichen im Kopf hatte, es besser war Positionen glatt zu stellen. Handeln ist angesagt, denn gerade Zweifel sind in der Lage, einen Anleger handlungsunfähig zu machen. Vielleicht kennen Sie das: Eine Aktie entwickelt sich seltsam. Sie sitzen vor den Kursen und sehen zu wie die Gewinne schrumpfen, obwohl eigentlich der Kurs steigen müsste. Anstatt zu handeln, schauen Sie mit Fragezeichen zu. Und genau da beginnt der Fehler. Die Gewinne schrumpeln weiter zusammen und die Fragezeichen werden größer. Es entsteht eine Art Hasenstarre. Handlungsunfähig schaut der Anleger auf die Kurse und fragt sich: Was soll ich denn jetzt tun? Die Antwort ist so einfach gegeben, wie schwierig umzusetzen.

Ein Anleger muss lernen zu handeln. Obwohl es sich komisch anhört: Es ist langfristig gesehen besser falsch zu handeln als zu spät zu handeln. Denn: Lieber zu früh einen Gewinn mitgenommen, als zu spät einen Verlust realisiert. Es ist unerheblich, ob die Kurse danach weiter steigen. Der Grund des Handelns war das Fragezeichen. Und ganz ehrlich, keiner weiß zu keinem Zeitpunkt mit Sicherheit, wohin die Kurse wirklich gehen werden. Traden ist ein umgehen mit Wahrscheinlichkeiten. Daraus folgt: Bei zu großer und nachhaltiger Unsicherheit stellen Sie ihre Position glatt.

Apropos glatt. Irgendwie scheint ein Ruf durch die Regierung Saddams gegangen sein. Überall haben sich Regierungsbeamte und sogar Diplomaten im Ausland plötzlich zurückgezogen. Es ist wie ein unheimliches Signal. Ein Signal, dass sich wohl in Windeseile verbreitet hat. Ist dieser Rückzug ein Rückzug einer Schlange, den sie macht bevor sie zubeißen will? Oder ist es die feige Flucht eines gar nicht so großen Diktators? Ich kann Ihnen keine Antwort darauf geben. Ich kann nur die Kurse beobachten und mich fragen, warum sie nicht steigen.

Es sieht so aus, als wollten auch die Institutionellen ihre Shortpositionen nicht weiter abbauen. Zudem fielen gestern die Kurse in Amerika unter steigenden Umsätzen. Alles keine guten Signale. Aber vielleicht wird auch nur die Masse der Anleger rausgedrückt, um die Rallye später zu starten. Dann habe ich diesmal das Spiel als Teil der Masse mit verloren.

Sicherlich ist die kommende Ertragssaison mit für diesen Kursverlust verantwortlich. Aber dann hätten heute die Futures nach den positiven Zahlen von Yahoo reagieren müssen. Aber vielleicht hat auch die Masse aller Anleger gleichzeitig begonnen nachzudenken und ist dabei zu einem vernünftigen Schluss gekommen, nämlich nicht zu kaufen. Nein, das wäre das erste Mal in der Geschichte der Börse, dass die Masse vernünftig handelt.

Es bleibt: Irgendetwas stimmt nicht. So lange ich nicht weiß was, halte ich meine Euro-Call und verkaufe wie oben beschrieben, meine Longpositionen. Rein aus Sicherheit. Die eine ist dabei leicht im Minus, die andere dick im Plus, es bleibt ein Gewinn.

Ich überlege nun in Gold einzusteigen. Doch das eilt nicht. Ich habe mir gestern ein paar übel ausgebrannte, weit aus dem Geld liegende Goldcalls in Gold/US-Dollar angesehen. Bei denen allein der Spread schon zum Grausen gereicht. Die Kennzahlen schreien einem ins Gesicht: Rühr mich bloß nicht an. Aber wenigstens die Laufzeit ist ausreichend lang. Nein, ich kann Ihnen das nicht empfehlen und werde natürlich auch keine WKN angeben. Es sind "Harakirischeine". Allein wenn man sich die Totalverlustwahrscheinlichkeit ansieht wird einem übel. Eigentlich sollte ich nicht mal darüber schreiben, dass ich mit dem Gedanken spiele, eine kleine Miniharakiriposition einzugehen. Aber hin und wieder kommt auch der Zocker in mir hervor. Zum Glück nicht allzu oft.

Nach diesem kurzen Einblick wieder zur Weltpolitik: Kritisch wird vielleicht noch der Türkei/Kurden Konflikt. Kirkuk befindet sich nun in kurdischer Hand. Die Türkei beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. Die Amerikaner befinden sich dabei in der Zwickmühle. Sie sind beiden Seiten "verpflichtet". Wahrscheinlich werden sie einer der beiden Parteien vor den Kopf stoßen müssen. Wenn sie dazu gezwungen werden, werden sie sich für die Partei entscheiden, die weniger von Nutzen ist. Welche der beiden Parteien das sein wird, brauche ich wohl kaum zu erwähnen.

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Nokia mit weiteren Entlassungen

von Jochen Steffens

Nokia (WKN 870737) will weiter sparen. Nach Angaben des Unternehmens soll der Personalbestand im Bereich Netzwerk um 10 % gesenkt werden. Das dürften ca. 1800 Arbeitsplätze sein. Der Arbeitsplatzabbau soll besonders im Bereich Forschung und Entwicklung stattfinden, aber auch im Vertrieb und Marketing sollen Stellen abgebaut werden. Die Zahlen zum ersten Quartal wird Nokia nächste Woche veröffentlichen.

Nokia sinkt um 3,94 % auf 13,40 Euro. Diese Nachricht lässt Böses ahnen, was die Zahlen anbetrifft. Das ist wohl auch der Grund für diesen deutlichen Abschlag. Aktuell kein Kauf.

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Erwartungen

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

Erwartungen bewegen die Märkte. Nicht das, was wirklich heute passiert ... sondern das, was die Investoren für morgen hoffen oder fürchten.

Erwartungen bewegen auch sonst die Massen. Viele Leute haben Angst vor dem, was die Zukunft bringen wird, und sie wollen "etwas für die Zukunft tun". Aber sie denken oft, dass sie rational handeln ... und bemerken nicht, dass andere Gründe sie steuern. Zum Beispiel denken solche Leute, dass sie Aktien kaufen, weil sie den Aktienmarkt rational analysiert haben ... aber in Wirklichkeit veranlasst sie eine versteckte Furcht zum Kauf. Die Furcht, dass sie etwas verpassen könnten und dann wie ein begossener Pudel dastehen, wenn jeder andere reich wird.

Was immer solche Investoren bei Umfragen auch sagen ... die Erwartungen in Amerika sind gegenüber Aktien ... und gegenüber dem Krieg ... sehr hoch. Man muss sich nur die Kurs-Gewinn-Verhältnisse ansehen ... und die Schlagzeilen amerikanischer Zeitungen.

Das Magazin "Fortune" berichtet, dass die Gewinne der Unternehmen des Fortune 500 im letzten Jahr um 66 % gefallen sind – auf ein Niveau, das man seit 10 Jahren nicht mehr gesehen hat. Und erst das sechste Mal seit 1955 sind auch die Umsätze im Durchschnitt gefallen.

Dass die Kurse dennoch so hoch bleiben, ist natürlich verrückt ... und kann nicht durch Logik und Verstand erklärt werden, sondern nur durch den Fortbestand "bullischer" Erwartungen.

Währenddessen gehen die Einzelhandelsumsätze weiter zurück ... obwohl die Schulden der US-Verbraucher weiter steigen. Die Kredite der amerikanischen Konsumenten sind im Februar um 1,5 Mrd. Dollar gestiegen (die Hypotheken noch nicht einmal berücksichtigt). Die Hypotheken erreichten 74 % des zusammengefassten verfügbaren Einkommens ... verglichen mit nur 59 % vor 10 Jahren.

Die Amerikaner haben auch Erwartungen in Bezug auf den Irakkrieg. Militärisch gesehen gab es eigentlich nie einen Zweifel daran, dass sie ihren einfüßigen Gegner in den Hintern treten könnten. Wir sehen jetzt, dass die Macht von Saddam Hussein in der Öffentlichkeit höher eingeschätzt wurde, als sie wirklich war ... sobald dieser besondere "Luftballon" durch amerikanische Tanks angestochen war, entwich die Luft schneller als an der Nasdaq (mehr dazu weiter unten).

Aber die Erwartungen betreffen nicht nur das Militärische, Offensichtliche. Die Amerikaner scheinen zu fühlen, dass der Krieg mehr ist als nur ein militärisches Abenteuer ... nämlich dass er auch Amerikas Fähigkeit, Ereignisse zu kontrollieren, repräsentiert ... und dass man durch Krieg die Zukunft verbessern kann. Und wenn der militärische Oberbefehlshaber unsere Sicherheit verbessern kann ... könnte er nicht auch etwas für unseren Reichtum tun? An dieser Einschätzung ist natürlich nichts Logisches oder Vernünftiges ... aber die Tiefen der Massenstimmung brauchen keinen Beweis, keine Rechtfertigung; das sind Expressionen von Hoffnungen und Ängsten, die einfach nicht weggehen, sondern die öffentlichen Erwartungen bestimmen, unterbewusst und unbewusst ...

Also was jetzt? Werden die Aktienkurse explodieren ... und wird ein neuer Wirtschaftsboom beginnen ... jetzt, wo der Krieg vorbei ist? Oder ist die Zukunft immer noch unvorhersehbar und unkontrollierbar?

Wir werden sehen ...

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Wirtschaftliche Probleme bleiben

von unserem Korrespondenten Eric Fry in New York

Ist er tot oder lebt er? Ich beziehe mich damit auf den Aktienmarkt. Die relative Inaktivität an den US-Börsen zeigt, dass die Investoren von ihrem "Bagdad High" herunterkommen. Jetzt, wo die Siegesmeldungen langsam verblasst sind, müssen die Investoren wieder Tag für Tag die weniger schillernden Schlagzeilen von der wirtschaftlichen Front ansehen.

Die Wirtschaftslage war vor dem Krieg nicht gerade blendend. Und ich bezweifle, dass die teure Irak-Kampagne etwas dazu beigetragen hat, die amerikanischen wirtschaftlichen Aussichten zu verbessern. Stephanie Pomboy von Macro Mavens schreibt dazu: "Da unsere Truppen die ultimative Herausforderung in Bagdad wohl überstanden haben ... werden wir bald herausfinden, ob sich – sobald sich der Kriegsstaub verzogen hat – der ökonomische Frühling in voller Blüte einstellen wird, wie allgemein erwartet. Jede Erinnerung daran, dass wir uns vor dem Krieg in einer Rezession befanden, ist aus dem allgemeinen Bewusstsein vertrieben worden. Vielleicht reflektiert das nur die Fortschritte mit den neuen Waffen, die einen eindeutigen militärischen Sieg erzielen können und simultan alle wirtschaftlichen Schwierigkeiten beseitigen können."

Pomboy ist skeptisch, genau wie ich. Die amerikanischen Konsumenten und Unternehmen haben jetzt schon so viele Monate auf ihren Händen gesessen, dass sie sich wahrscheinlich an diese Haltung gewöhnt haben. Die Sparraten steigen (von niedrigstem Niveau aus), und die Unternehmensinvestitionen rutschen weiter ab. Die Eroberung von Bagdad wird diese Trends wahrscheinlich nicht umkehren.

"Der wirtschaftliche Schaden an der Heimatfront könnte erst beginnen", so CBS Marketwatch. "Die amerikanischen Unternehmen und Arbeiter bezahlen den Preis bereits jetzt durch Arbeitsplatzverluste und Gewinnwarnungen. Ängstliche Investoren, Firmenlenker und Kunden sind nur ein Teil des Problems. Die Invasion des Irak hat eine Welle des Anti-Amerikanismus in der Welt hervorgerufen, die sich in den Bilanzen der amerikanischen Mega-Konzerne widerspiegeln könnte."

Zusammengefasst: Die Besetzung des Irak könnte – wie das Zusammenziehen mit seiner Freundin – größere Schwierigkeiten schaffen, als sie verspricht, zu lösen.

Übrigens: In den USA steigt die Zahl der Aufsichtsräte drastisch an. Ich glaube, dass diese nachträgliche Vorsichtsmaßnahme besser ist als gar keine. Aber ein bisschen Prävention wäre vielleicht besser gewesen, als jetzt die Funktion des Aufsichtsrates zu verbessern, NACHDEM die amerikanischen Aktionäre durch skrupellose Manager betrogen worden sind. Und nebenbei – "Meetings" der Aufsichtsräte bedeuten nicht notwendigerweise eine funktionierende Kontrolle. Sind nicht die meisten Meetings einfach nur kosmetische Affären, die den Beteiligten erlauben, sich vorzustellen, dass sie etwas Sinnvolles tun (auch wenn dies gar nicht der Fall ist)? Wie viel Zeit bleibt bei solchen Meetings eigentlich (nachdem man seine Handicaps beim Golf verglichen hat), um finanzielle Statements zu überprüfen?

Ich würde einmal schätzen, dass eine ununterbrochene Stunde intensiven Überprüfens der Unternehmensbilanzen ungefähr 10 Aufsichtsratssitzungen entspricht. Leider werden die Aufsichtsratsmitglieder auch bei bester Arbeit kein Kurs-Gewinn-Verhältnis des Gesamtmarkts von 30 rechtfertigen können.

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Mehr britische Soldaten durch Amerikaner als durch Iraker getötet

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

*** "Mehr wie Ceaucescu als wie Stalin."

Lord Rees-Mogg (ein einflussreicher Abgeordneter im britischen Oberhaus) hat mit diesem Satz das Regime beschrieben, das gerade untergeht.

Die amerikanische Militärmaschine scheint ihre mehr oder weniger erwartete Leistung hingelegt zu haben. Was unerwartet war, war die Inkompetenz des Feindes. Es stellt sich jetzt heraus, dass Saddam für die Welt keine Bedrohung war – sondern nur für sein eigenes Volk. Seine Armee hat es nicht geschafft, die Ölfelder in Brand zu setzen ... und sie schaffte es nicht, die wichtigen Brücken zu besetzen, die in die Hauptstadt führen ... und sie schaffte es nicht, den Häuserkampf zu leisten, den man von ihr erwartete. Auf den Dächern der Häusern waren Journalisten platziert – und keine irakischen Scharfschützen.

Saddam Hussein war überschätzt worden ... aber diese Blase ist jetzt geplatzt. Und jetzt kann der Irak nach und nach wieder aus den Schlagzeilen verschwinden.

"Es sieht so aus, als ob er vollkommen überschätzt wurde ..." so Lord Rees-Mogg weiter, über Saddam Hussein sprechend. "Er war nur ein weiterer kleiner Diktator mit goldenen Wasserhähnen im Badezimmer ..."

"Ich war für diesen Krieg ... ich dachte, dass er so grausam gegenüber dem eigenen Volk war, dass er eliminiert werden müsste. Aber, natürlich, wenn man diese Regel zur Richtschnur der Außenpolitik machen würde, dann müssten wir als nächstes Simbabwe angreifen."

*** Die Einzelhandelsumsätze fallen weiter, berichtet die Fed. Die Geschäftsketten verkaufen weniger.

Wenig überraschend! Denn die Amerikaner haben weniger, das sie ausgeben können. Sie verlieren ihre Jobs ... aber ihre Fixkosten steigen weiter. Z.B. sind die Kosten zum Betrieb eines Autos sind im letzten Jahr um rund 3 % gestiegen.

*** Wenn die Bush-Administration die Welt und ihre Zukunft kontrollieren kann ... dann kann sie doch sicher auch die Weltwährung Dollar kontrollieren, oder? Der Dollar ist wegen dieser Erwartung letzte Woche gestiegen. Ich weiß natürlich nicht, ob das wirklich der Fall sein wird, ... aber ich würde jetzt etwas Gold kaufen – zu den heutigen Kursen –, nur für alle Fälle.

Gold ist eine Versicherung gegen Dinge, die man nicht kontrollieren kann. Lange Zeit ist diese Versicherung unnötig. Aber dann, wenn die Leute glauben, dass sie alles unter Kontrolle haben ... dann geht etwas schief und sie hoffen, dass sie versichert wären. Wieviel Gold sollte man besitzen? Richard Russel sagt, dass man 7–10 % seines Vermögens in Gold anlegen sollte. Wenn sich die Dinge wirklich mies entwickeln werden ... dann wird man wünschen, dass man mehr in Gold investiert hätte.

*** "Im Irakkrieg sind mehr britische Soldaten durch Amerikaner als durch Iraker getötet worden", so ein Moderator im britischen Fernsehen gegenüber einem Militärexperten.

Die unverständliche Antwort des Militärexperten: "Nun, mit all diesen Hightech-Waffen und so vielen Truppen auf dem Boden und in der Lust sind Fehler leider unvermeidbar."
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Tödlich, aber nicht ernst

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

Anmerkung in eigener Sache: Dieser Beitrag von Bill Bonner ist ein Klassiker, der zuerst am 8. April 2002 veröffentlicht wurde – aber schon damals ging es um Krieg und Frieden, weshalb dieser Beitrag auch heute noch überraschend aktuell ist.

"Der Mensch ist schlecht zusammengesetzt." Diese Erkenntnis vermittelte mir Dr. Moreau vom American Hospital in Paris, als ich mich dort wegen gesundheitlicher Probleme aufhielt und er mir ein paar Bilder zeigte: "Wie Sie sehen können, muss dieser Körper einfach Ärger machen, früher oder später."

Was für eine verrückte Sache. Gott oder Mutter Evolution, der/die ein so exquisites Universum geschaffen hat, scheint das Interesse verloren zu haben, als es um die Innereien des Menschen ging. Warum zum Beispiel gibt es den Blinddarm? Und wären die Innereien etwas ordentlicher angelegt worden, dann hätte ich das American Hospital nicht besuchen müssen.

"Und sehen Sie sich das an", sagte mir Dr. Moreau, als er eine Röntgenaufnahme hochhielt, als ob sie eine Luftaufnahme aus Afghanistan sei, "damit werden Sie noch Probleme haben." Es ging um meine Wirbelsäule.

"Sie müssen von Zeit zu Zeit Rückenschmerzen haben", bemerkte er.

Es ist nicht an mir, mich zu beschweren und zu kritisieren. Aber es wäre schön gewesen, wenn der Konstrukteur im 1948er Modell der Bandscheiben dauerhafteres Material verwendet hätte. Und flexibleres.

"Aber das ist das Problem", meinte meine Französischlehrerin Sylvie. "Die Menschen sind nicht so, wie man sie sich wünscht; sie sind, wie sie sind." Dieser Satz von Sylvie bezog sich nicht auf meine Wirbelsäule, sondern auf meine Gedanken über Krieg und Frieden.

Ich hatte ihr gesagt: "Fast jeder Krieg, den die Amerikaner jemals geführt haben, hat sich als Fehler erwiesen." Ich hatte ihr einen kurzen Überblick der amerikanischen Militärgeschichte gegeben. Jeder Krieg hatte seine "Gründe", aber diese waren alle absurd. "Was erreichte der Unabhängigkeitskrieg Gutes, wenn die anderen britischen Kolonien durch Verhandlungen auch die Unabhängigkeit erreichten? Was war mit dem Bürgerkrieg? Wenn es wirklich nur darum ging, die Sklaverei abzuschaffen, dann war dies ein armseliger Grund. Denn die Sklaverei verschwand im Rest der Welt auch ohne Krieg. Oder wurde der amerikanische Bürgerkrieg zum Zusammenhalt der Union geführt? Dann war er ein Betrug; denn die Union war auf dem Grundsatz gegründet worden, dass die Leute selbst entscheiden dürften, welche Regierung sie schröpfen dürfte."

"Und zum Spanisch-Amerikanischen Krieg ... wer weiß schon, warum er geführt wurde ... und wer kümmert sich schon darum?"

"Und der Erste Weltkrieg ..."

Sylvie unterbrach mich hier: "Nun, zumindest dafür hattet Ihr doch einen guten Grund. Ihr kamt, um uns Franzosen zu helfen ..."

"Ja, aber was ist der Punkt? Wenn die USA nicht soviel Geld und Kriegsmaterial und später Soldaten in den Krieg gesteckt hätten, dann hätte der Krieg wahrscheinlich schon früher geendet. Und besser. Beide Seiten waren fast erschöpft. Sie hätten über ein Ende des Kriegs verhandelt. Aber Amerikas Kriegseintritt gab den Alliierten Munition und den Deutschen Ziele für ihre Waffen. Amerika ermutigte die Briten und die Franzosen, dass sie den Krieg gewinnen könnten, deshalb wollten sie keinen Verständigungsfrieden mehr akzeptieren. Deshalb ging der Krieg weiter, bis Deutschland schließlich kapitulierte. Und es war die deutsche Niederlage ... und der Versailler Vertrag ... die schließlich zur deutschen Hyperinflation 1923 führten ... und zum Aufstieg der Nazis, zum Zweiten Weltkrieg und zum Holocaust ..."

"Dem durchschnittlichen Amerikaner war die Ermordung von Erzherzog Ferdinand in Sarajewo (Auslöser des Ersten Weltkriegs) absolut egal. Er wusste nicht, wer das war ... oder wo in der Rangordnung der europäischen Politiker er stand. Er war gegenüber Österreich-Ungarn so ignorant wie gegenüber dem Inhalt von Wiener Würstchen."

"Aber sobald die Presse das Thema aufgriff – und die große Idee aufkam, `die Welt sicher für Demokratie zu machen` – war dieser durchschnittliche Amerikaner dazu bereit, in den Krieg zu ziehen und in Stücke gebombt zu werden, weil er glaubte, dass er die westliche Zivilisation vor der Invasion der Hunnen beschützte."

Ich fuhr fort: "Der Zweite Weltkrieg war aus US-Sicht eine Ausnahme. Denn Amerika war angegriffen worden. Sowohl Japan als auch Deutschland hatten den USA den Krieg erklärt. Es machte Sinn, zurückzuschlagen. Aber für die Leute, die den Krieg gegen die USA begannen – die Deutschen und die Japaner – war er ein komplettes Desaster. Es ist schwer, sich etwas Dümmeres vorzustellen, als die USA anzugreifen. Beide Nationen, die den Krieg gegen die USA begannen, wurden durch diesen Krieg komplett ruiniert."

Sylvie hatte sich meinen Vortrag ruhig angehört. Da ich ihn auf Französisch gab (sie ist meine Französischlehrerin) hatte sie mich nur gelegentlich unterbrochen, um sprachliche Fehler zu korrigieren. Aber jetzt antwortete sie ruhig:

"Natürlich stimmt das alles. Krieg macht nicht viel Sinn. Aber was soll es? Wer hat jemals gesagt, dass Krieg viel Sinn machen muss?"

Ich muss hier etwas weiter ausholen. Philippe Simonnot erklärt das Scheitern der Logik der Ökonomen mit einer Serie von Fehlern. Ich hatte schon einmal über Normal Angell berichtet, der 1910 viele Intellektuelle davon überzeugt hatte, dass der Krieg aus Gründen der Verflechtung der Weltwirtschaft unmöglich geworden sei (später erhielt er den Friedensnobelpreis). Seine Argumentation war vernünftig, logisch ... und, natürlich, lächerlich. 1914 begann der Erste Weltkrieg.

Der Mensch ist nicht nur körperlich schlecht zusammengesetzt. Auch die Gabe der Vernunft hätte besser konstruiert werden können. Denn weil der Mensch zur Vernunft fähig ist, stellt er sich vor, dass die Welt – und er selbst – so handelt, wie er es für vernünftig halten würde. Und oft führt ihn diese Vernunft in die Absurdität.

Simonnot analysiert die großen Fehler der Wirtschaftswissenschaftler, und er hat noch einen langen Weg vor sich. Der zweite große Fehler dieses Jahrhunderts (nach dem Fehler des Ökonomen Angell im Jahr 1910) kam 1914, als der Erste Weltkrieg ausgebrochen war: "Der Krieg ist teuer, deshalb wird er kurz sein." Simonnot beschreibt die damalige "vernünftige" Einschätzung: "Die Deutschen wollten die Franzosen so schnell wie möglich besiegen, um sich dann auf die Russen konzentrieren zu können (sog. Schlieffen-Plan). Die Österreicher wollten Serbien so schnell wie möglich besiegen, um sich auch auf die Russen konzentrieren zu können. Die Russen mussten so schnell wie möglich in die Kämpfe eingreifen, um den Franzosen Entlastung zu bringen. Und die Franzosen bereiteten eine eigene Offensive in Lothringen vor. Jeder glaubte, dass Schnelligkeit der Schlüssel zum Erfolg sei." Der französische Figaro schrieb am 2. August 1914: "Unsere Soldaten ziehen los. Sie wissen, was sie tun." Die französischen Reporter sagten einem Reporter von Le Temps: "Wir werden zurückkommen ... der Krieg wird schnell vorbei sein." Auch in Deutschland sagten die Soldaten Vergleichbares.

Es wurde allgemein geglaubt, dass der Krieg kurz sein würde. Es gab keine Zeit zu warten ... keine Zeit zu Denken ... keine Zeit für einen zweiten Gedanken. Es war Zeit, loszuschlagen. Der französische Kommandeur Joffre glaubte an "die Offensive, koste es was es wolle." Warum nicht? Der Krieg würde schnell vorbei sein, warum also abwarten? Colonel Grandmaison erklärte, dass "in der Offensive die Dummheit die größte Sicherheit ist."

Die Logik war eindeutig. Wenn der Krieg schnell entschieden würde, dann würde der Gewinner der sein, der am schnellsten die größte Feuerkraft ins Feld schicken könnte. Ein Abwarten könnte fatal sein.

Colonel Grandmaison war ein wirklicher Denker. Aber seine Gedanken konnten die Welt nicht dazu bewegen, sich so zu verhalten, wie er dachte, dass sie es sollte. Der Krieg dauerte 4 Jahre, und das Ergebnis wurde nicht durch die ersten Attacken bestimmt, sondern durch das, was in Reserve gehalten worden war: Material, Geld und Zahl der Rekruten.

Das Gehirn von Grandmaison hatte einen Designfehler – wie alle menschlichen Gehirne. In seinem Fall könnte es ein fataler Defekt gewesen sein. Er wurde in einer der ersten Schlachten des Krieges getötet, in Reims.

Ganz bestimmt wird man auf einem vergessenen Monument in einem Dorf irgendwo in Frankreich seinen Namen unter der Bezeichnung "A Nos Héros ... Mort Pour La France" finden.
investorverlag.de
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10.04.03 18:53:00
Beitrag Nr. 2.503 ()
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10.04.03 19:50:30
Beitrag Nr. 2.504 ()
Martin Weiss




Kommentar vom 10.04.2003

Rechnen Sie mit dem Schlimmsten!

Obwohl die US-Truppen im Irak einen Erfolg nach dem anderen melden, kommen die Börsen nicht mehr richtig in Gang. Die Welt hat einen Sieg der Verbündeten bereits fest eingeplant, das Thema abgehakt. So lange Präsident Bush nicht den Kopf von Saddam Hussein in die laufenden Kameras hält, werden die Märkte wohl kein Kursfeuerwerk mehr zünden.

Das Interesse der Marktteilnehmer gilt wieder der heimischen Wirtschaft und um die steht es nicht gut. Die Industrie baut massiv Stellen ab und der einzige Grund, weshalb die US-Arbeitslosenquote im letzten Monat stagnierte, ist der, dass sich viele Arbeitssuchende in ihr vermeintliches Schicksal ergeben haben, die Suche einstellten und damit aus der Statistik rausfielen.

Seit Ende letzter Woche muss klar sein, dass die Firmen mit ihren Ergebnissen für das erste Quartal keine Bäume ausreißen werden. Am Donnerstag warnten mehr als ein halbes Dutzend Gesellschaften vor dem Verfehlen der Prognosen, darunter das Biotechunternehmen Affymetrix und der Softwarekonzern PeopleSoft. Am Freitag sprach Siebel eine Warnung aus, gefolgt von Microchip und RF Micro Devices am Montag.

Teilweise abenteuerliche Bewertungen

Für das erste Quartal haben bislang 440 Firmen Warnungen ausgesprochen. Das klingt im ersten Moment gut, denn im ersten Quartal 2002 waren es noch 538 und im Jahr davor sogar mehr als 700 gewesen. Fakt ist aber, dass noch etliche Gesellschaften warnen werden, sich die Zahl also weiter erhöht.

Und damit nicht genug. Von den renommierten Firmen, die keine Klageschrift á la der-Krieg-hat-uns-das-Geschäft-verhunzt aufsetzen, sind einige so abenteuerlich hoch bewertet, dass wohl auch die Erfüllung der Prognosen eine Korrektur nicht verhindern kann. In diese Kategorie sind Amazon, eBay und Yahoo einzuordnen.

Alles in allem sollten Sie die Aktivitäten an Wall Street mit einer guten Portion Skepsis verfolgen. Die US-Wirtschaft hat im ersten Quartal unter dem hohen Ölpreis gelitten und das schlägt sich nun in den Ergebnissen nieder. Bauen Sie also keine Luftschlösser und rechnen Sie mit dem Schlimmsten!

In diesem Sinne

Martin Weiß

© 10.04.2003 www.stock-world.de
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10.04.03 19:59:01
Beitrag Nr. 2.505 ()
Eichel steht ohne Geld da


Steuerkompromiss reißt Riesenlöcher



Der nach monatelangem Feilschen in der Nacht zu Donnerstag erzielte Steuer-Kompromiss verschont Bürger sowie Mittelstand und trifft nur noch Kapitalgesellschaften. Damit kommt es zu wesentlich geringeren Staatseinnahmen als ursprünglich geplant und so zu riesigen Löchern in den Haushalten von Bund, Ländern und Gemeinden.






HB/dpa BERLIN. Dies geht aus Berechnungen des Bundesfinanzministeriums hervor, die dpa am Donnerstag vorlagen. Danach fehlen in den vier Jahren 2003 bis 2006 zusammen 30 Milliarden Euro. Dies löste neue Diskussionen über den Europäischen Stabilitätspakt aus.

Dabei hatten Koalition und Opposition in Bund und Ländern - mit Ausnahme von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) und der FDP - den um Mitternacht erzielten Kompromiss über das Gesetz zum Abbau von Steuervergünstigungen als „Erfolg“ verbucht. Allerdings blieb von dem ursprünglichen Gesetzentwurf Eichels kaum etwas übrig. Das von 30 der 32 Mitglieder des Vermittlungsausschusses beschlossene Steuerpaket gilt jetzt als sicher. Den endgültigen Segen geben an diesem Freitag Bundestag und Bundesrat, der das Gesetz gekippt hatte.

Mit der Beschränkung auf die Stabilisierung der in den letzten beiden Jahren eingebrochenen Körperschaftsteuer-Einnahmen wurde endgültig zur Gewissheit: Unangetastet bleiben die Eigenheimzulage, die Dienstwagensteuer, die weitgehende Steuerbefreiung bei Gewinnen aus Immobilien- und Wertpapierveräußerungen und das Bankgeheimnis. Dies wurde von den entsprechenden Verbänden mit viel Lob quittiert, während die Wirtschaft vor allem die Konzentration auf eine schärfere Körperschaftsteuer verurteilte. Die Union begrüßte vor allem, dass in letzter Minute zu Gunsten des Mittelstandes auf eine Verschlechterung der Abschreibungsbedingungen verzichtet wurde.

Eichel, der selbst nicht an den Vermittlungsverhandlungen teil genommen hatte, kritisiert den gefundenen Kompromiss als unzureichend. Er griff die Union in einer von ihr veranlassten Bundestagsdebatte scharf an, weil sie einen weitergehenden Abbau von Steuervergünstigungen verhindere und ihm andererseits eine Verletzung der EU-Stabilitätskriterien vorhalte. Dabei deutete er an, dass angesichts der jetzt aufgerissenen Lücken im Sommer weitere Sparmaßnahmen erforderlich sein werden. Eichel muss am 21. Mai in Brüssel einem Bericht über die Fortschritte der verschiedenen deutschen Reformen abliefern und darlegen, wie der Abbau des Defizits bis 2006 auf Null gelingen soll. Nach 3,6 Prozent im vergangenen Jahr geht die EU-Kommission für 2003 von 3,4 Prozent aus, die CDU/CSU laut ihrem Abgeordneten Otto Bernhardt erneut von 3,6 Prozent.

Der Steuerkompromiss sieht Einnahmen von 1 Milliarde Euro in diesem Jahr, 2,95 Milliarden in 2004, 4,04 Milliarden in 2005 und 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2006 vor. Auf den Bund entfällt jeweils die Hälfte. Vom Rest ist kaum etwas für die Kommunen vorgesehen: 53 Millionen im nächsten Jahr und 380 Millionen 2006.

Gegenüber den ursprünglich eingeplanten Einnahmen des Gesetzes entsteht nunmehr eine Gesamtlücke von 30 Milliarden, die sich auf die einzelnen Jahre so verteilt: 2,44 Milliarden in 2003, 7 Milliarden in 2004, 9,6 Milliarden in 2005 und 11,5 Milliarden in 2006. Für den Bund allein bedeutet dies 2003 einen Fehlbetrag von 1,1 Milliarden. Die Lücke öffnet sich jährlich weiter bis auf 4,7 Milliarden in 2006. „Die SPD ist auf der ganzen Linie gescheitert“, sagte die CDU- Partei- und Fraktionschefin Angela Merkel. Die Union habe dagegen verhindert, dass Menschen mit massiven Steuererhöhungen belastet werden. Ähnlich äußerte sich Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber: „Mit Geschlossenheit und engem Zusammenhalt können CDU und CSU ökonomischen Unsinn verhindern.“

Im Mittelpunkt des jetzigen Gesetzes stehen Änderungen bei der Körperschaftsteuer. Hier werden die alten Steuerguthaben für die Unternehmen bis höchstens 2019 gestreckt. Damit soll erreicht werden, dass diese Steuer Bund und Ländern wieder mehr Einnahmen bringt.

Abschreibungsverschlechterungen sind nicht vorgesehen. Dagegen werden entsprechend den Vorstellungen der SPD die Möglichkeiten für Verlustverrechnungen mit Gewinnen der Konzerne eingedämmt. Eichel und die SPD äußerten die Erwartung, dass sofort weitere Gesetze zum Abbau steuerlicher Vergünstigungen gemäß Protokollerklärung mit Hilfe der Union in Angriff genommen werden können, wie SPD-Finanzsprecher Joachim Poß verlangte. Dagegen erklärte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD): „Für die Bundesregierung gilt, dass wir das, was nicht akzeptiert worden ist, jetzt nicht durch neue Vorschläge ersetzen.“


HANDELSBLATT, Donnerstag, 10. April 2003, 18:43 Uhr
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10.04.03 20:04:08
Beitrag Nr. 2.506 ()
Für Anleger lohnt der genaue Blick in den Geschäftsbericht


In Pensionsfonds lauern Luftbuchungen
:( :eek:


Von Tobias Moerschen, Handelsblatt


Im Ergebnis 2002 verbuchte der US-Multi General Electric (GE) einen Ertrag von 806 Mill. $ aus seinem Pensionsfonds. So viel hätte das Unternehmen mit dem größten Börsenwert der Welt verdient, wenn der Fonds sich exakt gemäß der Renditeprognose entwickelt hätte.


NEW YORK. Erst fünf Tage nach Bilanz-Veröffentlichung merkte ein Reuters-Journalist: In der Realität schrumpfte der Fonds für GE-Betriebsrentner im schlechten Börsenjahr 2002 über 5 Mrd. $. Zwischen Buchgewinn und realem Verlust klafft eine Lücke von gut 6 Mrd. $. Der Fehlbetrag fiel aber wohl tagelang niemandem auf.

Nun kann niemand behaupten, GE hätte gegen Bilanzregeln verstoßen oder den Verlust unter den Tisch fallen lassen. 73 Seiten hinter dem virtuellen Millionenertrag zeigt eine Fußnote genau, wie die düstere Wirklichkeit aussieht. Nicht nur bei GE verwechseln Finanzmarktakteure häufig hübsche Bilanzen mit der hässlichen Realität. Zwei Statistikexperten der US-Notenbank wiesen nach: Investoren berücksichtigen die Buchgewinne aus Pensionsfonds im Schnitt genau so wie normale Unternehmenserträge. Ein schwerer Fehler. Denn bei den Pensionserträgen vergangener Jahre handelt es sich oft um rein bilanzielle Konstrukte, die in Wirklichkeit gar nicht existieren.

Das Ergebnis legt nahe, dass Anleger das Gewinnpotenzial der US-Firmen im Boom überschätzt haben. Womöglich droht eine negative Kursreaktion, wenn die zum Teil riesigen Löcher in den Pensionsplänen sich mit der Zeit in den Bilanzen niederschlagen. „Obwohl die Bilanzangaben über Pensionspläne manchmal sehr irreführende Indikatoren für die tatsächliche Wertentwicklung sind, scheinen die Investoren sich darauf zu verlassen“, stellen die Fed-Experten in ihrer Studie fest.

Die US-Unternehmen sparen Rücklagen für ihre Betriebsrentner in Pensionsfonds an. Diese investieren einen Großteil ihrer Mittel am Aktienmarkt. So profitierten die Firmen massiv von der fast 20 Jahre langen Börsenhausse. Manche Unternehmen konnten jahrelang „Beitragsurlaub“ nehmen, weil sich die Betriebsrenten durch die steigenden Kurse praktisch von selbst finanzierten. Doch seit die Kurse fallen, sind die Überschüsse stark gesunken. Seit 2001 weisen die US-Pensionspläne sogar eine wachsende Lücke auf.

In der Gewinn- und Verlustrechnung macht sich das bisher kaum bemerkbar. Denn die bilanziellen Pensionserträge spiegeln nicht die reale Entwicklung der Fonds und Zahlungsverpflichtungen wider. Stattdessen verwenden die Konzerne eine geschätzte Langfristrendite für die Fonds. Je höher diese ausfällt, desto höher sind die Pensionserträge. Kein Wunder, dass US-Firmen sehr optimistische Schätzungen benutzen, die aber zuletzt völlig unrealistisch waren. Daran liegt es, dass die Firmen im S & P-500 sogar 2001 positive Pensionserträge auswiesen. Dabei verschlechterte sich die Nettoposition von 2000 bis 2002 um 40 %, so die Unternehmensberatung Towers Perrin.

Für einzelne Unternehmen können clevere Anleger selbst nachrechnen. Diese Mühe machen sich viele Analysten – wie im GE-Beispiel – nicht. Wer die Fußnoten studiert, kann daher für einige Tage einen Informationsvorteil genießen. Wer dagegen die virtuellen Pensionserträge wie reale Gewinne bewertete, der liegt oft um einige Millionen oder Milliarden daneben.:( :eek:


HANDELSBLATT, Donnerstag, 10. April 2003, 07:02 Uhr
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10.04.03 20:06:06
Beitrag Nr. 2.507 ()
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10.04.03 21:23:04
Beitrag Nr. 2.508 ()
"Reichtum gleicht dem Seewasser: Je mehr man davon hat, desto durstiger wird man." Arthur Schopenhauer
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10.04.03 21:24:30
Beitrag Nr. 2.509 ()
"Manche Menschen geben Geld aus, das sie nicht haben, für Dinge, die sie nicht brauchen, um Leuten zu imponieren, die sie nicht mögen." Danny Kaye
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10.04.03 22:17:55
Beitrag Nr. 2.510 ()
(Auszug aus Gerhoch Reisegger

Nach Bagdad: Teheran, Damaskus, Riad

Ausweitung des Krieges





Der wohl wichtigste Grund für den Beginn des Krieges - nochmals konzentriert zusammengefaßt: es geht um die Aufrechterhaltung des Privilegs des Dollars als Reservewährung, die durch den Euro (und seit einiger Zeit auch erfolgende Gold-Deckung: Mahathirs Gold-Dinar uns Silber-Dirham) dadurch angegriffen wurde, weil der Irak und andere OPEC-Länder entweder auf den Euro umgestiegen sind oder dies ernsthaft planen.

Nur: Die Lage wird von den USA aber nicht mehr auf den status quo ante zurückzudrehen sein. Zu viele wissen, was es geschlagen hat, und die Notenbanken, die schon eine Umschichtung – aus dem Dollar heraus - begannen, haben wohl nur kurzfristig – und auf massiven erpresserischen Druck der USA hin – zu Beginn dieses Raubkrieges vorläufig darauf verzichtet, und den weiteren Abbau von Dollar und Treasury-Bonds ausgesetzt. Deren stiller, quasi Unter-der-Hand-Abbau dürfte ja der wahre Grund gewesen sein, daß der Dollar bis kurz vor dem Krieg massiv an Wert verloren hatte! Was heutzutage den Leuten eingeredet – aufgeschwätzt – wird, der „Krieg“ sei Ursache für die Auf- und Abbewegungen an Börsen und bei Währungen, verschleiert den wirklichen Grund: die FED und Treasury haben angekündigt, die langfristigen T-Bonds aufzulassen[12]. Hier liegt die nächste – alle anderen weit übersteigende - Finanzblase, deren Platzen das Ende des "Amerikanischen Jahrhunderts“ einläuten wird, bevor es noch so recht begonnen hat. Die Notenbanken und Investoren der ganzen Welt haben ja begriffen, daß dies eine Zeitenwende bedeutet, und begannen, sich von diesen „Wert“-Papieren zu trennen.

Der derzeitige gegensätzliche Trend: Dollar steigend, Euro fallend, wird sich ähnlich wie nach dem 11. September, als man die senkrecht abstürzenden Kurse wieder nach oben manipulierte, ins Gegenteil wieder verwandeln – mit dann noch tieferen Abstürzen. Wo wären auch die realen Gründe für einen „starken“ Dollar? Die USA sind so unerhört bankrott, daß man sich das in Europa – in der breiten Öffentlichkeit inklusive bei vielen Unternehmern – gar nicht vorstellen kann (und die Politik schweigt ob der dann drohenden Panik; also weiter panem et circcenses). Dieser Krieg ist eigentlich ein Vabanquespiel; die USA setzten alles auf eine Karte, aber selbst die militärischen Ressourcen sind in der Tat erschöpft, denn etwa im Pazifik – z.B. vor Korea – haben sie keine Trägersysteme mehr! Sie könnten sich jetzt gar nicht der „atomaren Bedrohung“ Nord-Koreas widmen. Des Kaisers neue Kleider betreffen nicht nur seine Ökonomie und geistige Leere[13], sondern auch seine Gewaltmittel. (Gewiß sind sie fürchterlich, aber wir glauben, die USA würden den Schwanz einziehen, wenn die wahre Koalition gegen den Terror – des "Schurkenstaates" USA! – sich zu einer gleichartigen Drohung entschlösse. Offenbar genügten Nord-Korea dessen (angeblich) drei Atomsprengköpfe, die Cowboys auf Distanz und gesprächsbereit zu halten.)

Um mit Carl Schmitt zu sprechen: der Krieg hat auch Aufklärung über Freund und Feind geschaffen. Englands Establishment ist nach wie vor der Hauptwohnsitz des Raubtierkapitalismus. – Ganz unbemerkt, oder zumindest nicht allgemein bekannt ist ja, daß die Londoner Börse ein bei weitem größeres (doppeltes!) Volumen an Währungs-Derivaten (Wechselkurs-Spekulationen) als die New Yorker Börse abwickelt. Man könnte also rätseln, wo nun der eigentliche Kopf der Krake ist. - England ist aber zumindest – als halbes Mitglied der EU (ohne Euro-Teilnahme) – die Fünfte Kolonne des US-Imperialismus. In den anderen nicht namentlich erwähnten Ländern sind die „Eliten“ von USA oder IMF (was ja ident ist) gekaufte „Staatsmänner“ ohne irgend eine Legitimation.

All diese Subalternen und Systemerhalter haben anscheinend noch nicht begriffen, daß sie im falschen Boot sitzen. Das gibt nicht nur ein Zeugnis von ihrem verkommenen Charakter, sondern - für uns viel entscheidender - Aufschluß über ihren minderwertigen geistigen Horizont. Sie haben offenbar keine Ahnung was los ist, wie die Lage wirklich ist, und daß der Sturz des amerikanischen Kapitalismus unvermeidlich – und fürchterlich sein wird. Wer begibt sich denn freiwillig und bei Trost auf ein sinkendes Schiff?

Für uns ist es erstmals seit langem wieder vorstellbar, daß Deutschland mit Rußland zu einer echten Kooperation und politischen Zusammenarbeit kommen könnten. Die dämliche Rhetorik von Bush und seinen Spießgesellen war und ist dafür wie ein warmer Regen im Frühling. Etwas, das früher mit aller Macht be- und verhindert wurde. (Wer dächte nicht an den dt. Botschafter in Moskau zu Adenauers Zeit, Kroll, der sich hier bemühte, aber brutal gestoppt wurde.)

Die USA stehen so derartig ausweglos mit dem Rücken zur Wand, daß es nur des Entschlusses bedürfte, die ohnedies schon lange vorgeformten politischen und ökonomischen Bindungen der wahren Koalition gegen den Terror auch öffentlich zu machen. Von den erwähnten Lakaien und dem englischen Kopf einmal abgesehen, ist das der „Rest der Welt“.

Hat denn bei uns irgend jemand registriert, daß erst im November des vergangenen Jahres die FED mit „legaler Autorität“ gewappnet („armed“ = bewaffnet!) sei (also vom Kongreß gedeckt!), im Wert verfallende Schuldtitel (Staatsobligationen, T-Bonds) mit bis zu 10 Trillionen (= 10.000 Mrd.!) Dollar neuer Federal Reserve Noten (= zusätzlicher US-Dollar) aufzukaufen. Also, es wird eine Operation gestartet, bei der Papier mit Papier gekauft wird. Wer nicht begreift, was hier Wirtschaftskriminelle vorhaben, dem sei die Dimension erklärt: Die – gewiß ohnehin nach oben manipulierte - Leistung der US-Volkswirtschaft (das BIP) macht angeblich 10 Trillionen Dollar aus. (Angeblich, weil hier nur mehr 32% aus Produktion stammen, der Rest sind sogenannte Dienstleistungen, wie sie z.B. die betrügerischen US-Banken und Investmenthäuser erbringen: in Wahrheit Abzockerei, aber niemals ein Beitrag zum „wealth of nations“)

Innerhalb von nur sechseinhalb Jahren hatte das US-Finanzsystem die Kreditblase um 12 Trillionen Dollar ausgeweitet! Nun sollen mit einem Federstrich sozusagen weitere 10 Trillionen dazukommen! Es ist totaler Bankrott. Und die US-„Lösung“ eine ununterbrochene Serie von Kriegen „gegen den Terror“. Der „ununterbrochene Krieg zur Schaffung des Ewigen Friedens!“

Noch ein Zitat von Michael A. Ledeen aus einem anderen Beitrag[14]:

„Wenn wir die Herren des Terrors in Bagdad, Damaskus, Teheran und Riad vernichten, könnten wir eine Chance haben, einen dauerhaften Frieden zu vermitteln. Ohne dies ist das aussichtslos. Der Terror, der nun Israel heimsucht, ist nicht nur eine palästinensische Operation. Der Irak, Iran und Syrien sind tief hierin verwickelt und Saudi-Arabien bezahlt zahlreiche Rechnungen. Darum kann kein „Friede“ sein, bis und wenn wir erst einmal den Krieg gewonnen haben werden.

So laßt uns nun mit dem Krieg anfangen. Schneller, bitte.“


Die Koalition der Willigen ist also die eigentliche Gegenwelt. Noch versucht sie sich moralisch zu geben. Aber es gelingt nicht.
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11.04.03 00:40:22
Beitrag Nr. 2.511 ()
Bücher statt Bomben!
Amerikas Schulkindern fehlen Bücher und Lehrer als Folge der Kriegskosten


Die beiden Kammern des amerikanischen Kongresses haben mit grosser Mehrheit das von Präsident Bush geforderte Kriegsbudget von über 80 Milliarden Dollar gutgeheissen. Millarden von Dollars, die an anderen Orten fehlen. Mit Beginn des Irak-Krieges ist in den USA die zweithöchste Terror-Alarmstufe «Orange» ausgerufen worden - das bedeutet, dass das Personal von Polizei, Feuerwehr und Spitälern Überstunden leistet, die viele Millionen Dollar kosten und für die der Staat aufkommen muss.

Gravierende Folgen haben die kriegsbedingten Ausgaben des Staates für den gesamten Erziehungs- und Bildungsbereich. Hier wird jetzt massiv gespart: Lehrer verlieren ihre Stelle, Schülern fehlen die Bücher, die sie zum Lernen brauchen.

Der Bundesstaat Kalifornien hat ein Defizit von etwa 34 Milliarden Dollar, das heisst, die Städte bekommen weniger Geld. Viele Städte sind aber selbst schon verschuldet, San Francisco zum Beispiel mit 300 Millionen Dollar. Und auf diesen Schuldenberg kommen jetzt noch die Kosten für den verstärkten Schutz von Brücken, Spitälern, Kraftwerken, Trinkwasserreservoirs usw. vor möglichen Terroranschlägen. In den letzten zwei Wochen hat San Francisco knapp 5,5 Millionen Dollar für zusätzliche Sicherheitsmassnahmen ausgegeben. Sonderpolizeieinsätze für Friedensdemonstrationen sind hier nicht einmal mit eingerechnet. Irgendwann sollten die Städte und die Bundesstaaten das Geld von der US-Regierung zwar zurückbekommen, aber diese macht im Moment auch Schulden, weil sie ja einen Krieg führt. Und das Geld brauchen die Städte und die Bundesstaaten jetzt. Weil sie es aber nicht haben, greifen sie zu drastischen Sparmassnahmen. Am meisten spart Kalifornien im öffentlichen Schulwesen. Rund 25000 kalifornische Lehrerinnen und Lehrer haben ihre Kündigung, nach Einschätzung der Gewerkschaft, schon erhalten. Sparen an öffentlichen Schulen heisst, den Kinder fehlen die Bücher, die sie brauchen, sie haben zuwenig Lehrer, aber auch eine zu geringe oder gar keine Krankenversicherung mehr, weil bei der staatlichen Gesundheitsversorgung für arme Kinder ebenfalls gespart wird. Ab und zu müssen Kinder von den Lehrern heimgeschickt werden, weil sie es vor lauter Zahnweh in der Schule nicht mehr aushalten. Die Kinder haben so schlechte Zähne, weil für ihre Zahnpflege nicht mehr gesorgt wird.

Die Sparmassnahmen treffen in erster Linie die Ärmsten. Aber im Moment ist so wenig Geld vorhanden, dass auch Notfallabteilungen von Spitälern und Feuerwehrlokalen geschlossen und Polizisten entlassen werden müssen. Ironischerweise wird also auch im Bereich der Sicherheit gespart, worauf sich die Nation im Fall eines Terroranschlages verlässt.

Quelle: Rendez-vous am Mittag, Radio DRS vom 4.4.2003

* * *

ks. Die Regierung Bush führt ihren Krieg nicht allein gegen ein fremdes Volk, sondern ebenso gegen ihre eigene Bevölkerung. Auch die politisch Verantwortlichen in den USA wissen um die immense Bedeutung von Erziehung und Bildung. Wissentlich und willentlich wird hier wieder einmal eine Generation für einen Krieg geopfert, werden persönliche Interessen einer Machtclique zum Schaden der Kinder verfolgt. Die Kinder im Irak und die amerikanischen Kinder haben etwas anderes verdient. Sie haben, wie alle jungen Menschen, ein Recht auf eine sorgfältige Einführung ins Leben, ein Recht darauf, in Frieden heranwachsen zu können und in Schulen, die ihrer würdig sind, zu lernen, genauso wie sie ein Recht auf Fürsorge und Gesundheit haben, für das nicht allein die Familie, sondern auch ein zivilisierter Staat Sorge zu tragen hat.



Artikel 12: Zeit-Fragen Nr.13 vom 7. 4. 2003, letzte Änderung am 8. 4. 2003
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12.04.03 23:17:58
Beitrag Nr. 2.512 ()
Habe mal in einige Artikel hier reingeschaut - sieht ja
düster aus, wenn`s denn so kommen sollte wie prophezeit.

Eigentlich müßten doch die USA jetzt versuchen, das irakische Öl wieder auf Dollarbasis zu bekommen - sehe ich das richtig?

Gruß,
hermann39
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13.04.03 17:54:02
Beitrag Nr. 2.513 ()
Eigentlich müßten doch die USA jetzt versuchen, das irakische Öl wieder auf Dollarbasis zu bekommen - sehe ich das richtig?


Versuchen ist gut!:laugh:

Weg mit dem Euro des Bösen!
;)
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14.04.03 08:59:53
Beitrag Nr. 2.514 ()
Eigentlich müßten doch die USA jetzt versuchen, das irakische Öl wieder auf Dollarbasis zu bekommen

so einfach ist die Sachlage nicht

im Irak sind islamische Gruppierungen

und welche Religion lässt sich gerne die
sprudelnde Geldquelle aus den Händen nehmen

überlege mal welche Kraftanstrengung die katholische
Kirche in Deutschland machen würde, wenn man
in Deutschland versuchen würde die Kirchensteuer
abzuschaffen.

So werden verschiedene islamische Obergurus versuchen
auch an die Geldquelle des Rohöls zu gelangen

Und das freizügige Leben von US-Soldaten dürfte
dem Islam ein Dorn im Auge sein.

Die Sache funkioniert nicht so einfach wie auf
einer US-Basis auf den Philipienen.

der Islam ist da schon ein grösseres Kaliber
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14.04.03 14:35:18
Beitrag Nr. 2.515 ()
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14.04.03 14:45:06
Beitrag Nr. 2.516 ()
Anstößige Texte zum Runterladen und Weiterverbreiten
Aktuelle Literatur: 13.04.2003 spatzseite.de


DIESE WOCHE
Diese Woche empfiehlt der Spatz ein Buch, das Hintergründe zu den Themen liefert, über die hier in der letzten Zeit nachgedacht wurde. Sie sind eingeladen, selbst mitzudenken - und es mit dem bekannten Buch von Huntington zu vergleichen. Aktuelle Lektüre zur Osterzeit!


Feindbild Islam?

ABDULHAY Y. ZALLOUM: Feindbild Islam? Kapitalismus und Globalisierung in der Krise.
414 Seiten, 19,90 € zzgl. Porto zu bestellen über Dr. Böttiger Verlag Fax 0611-7786118



Das Buch steckt voller Fakten, welche die Neue Weltordnung bloßstellen. Man muß es gelesen haben" urteilte der Fernsehsender Al-Jazeera über den arabischen Bestseller als er kürzlich den Verfasser und seine Buches eine Stunde lang vorstellte. Zalloum hat mit seinem Buch Bill Engdahls: "Mit der Ölwaffe zur Weltmacht" fortgeschrieben. Er kennt beide Welten, den Islam und den Westen, aus eigenem Erleben. Er besuchte die Volksschule in Jerusalem, als die Stadt noch die Hauptstadt von Palästina war, studierte Technik und besuchte renommierte Schulen für Business und Advanced Management in den USA. Dort gehörte er der Projektleitung zur Errichtung der ersten Wasserstoffgewinnungsanlage der Welt auf Erdölbasis an. Als Betriebsleiter der ersten Raffinerie der OPEC im Nahen Osten stand mit den meisten internationalen Öl-Konzernen in Kontakt, seine eigene Ingenieursfirma beriet mehrere nationale Ölfirmen der OPEC im Nahen Osten. Geschäftlich lebte er längere Zeit in den USA, in Europa und in der früheren Sowjet Union.

In den ersten 16 Kapiteln seines Buches stellt er nicht nur die Degeneration der amerikanischen Demokratie und Gesellschaftspolitik nach innen und ihre Machtpolitik nach außen dar, sondern auch, wie die USA über Geld und die Kontrolle der Energieversorgung Einfluß auf die meisten Länder genommen haben.

In den einzelnen Kapiteln wird materialreich nachgezeichnet, wie die moderne Massendemokratie in Etappen weltweit durchgesetzt wurde. Dem stellt er in den beiden letzten Kapiteln die sozialen und gesellschaftlichen Lehren der islamischen "Ummah" (Gemeinde) gegenüber, von denen er meint, daß sie im Westen verkannt, oder aufgrund einer nachwirkenden Kreuzzugsmentalität absichtlich mißverstanden werden. Der Islam zielt wie alle Religionen auf Gerechtigkeit, Gleichheit und Mitgefühl unter den Menschen. Diese zentralen Werte des Islam und die Überzeugungskraft, die sie durch eine Islamische Erneuerungsbewegung wieder gewonnen haben, teilen 1.2 Milliarden Moslems. Sie stören die Globalisierung der kapitalistischen Werte derer, die an das Evangelium der Wall Street glauben. Aus diesem Grund und, um in der Systemkrise der westlichen Welt die abhängigen Länder enger an sich zu binden, wird der Islam zum Feind erklärt und seine Anhänger des Terrorismus verdächtigt.


Der 11. September, ein stümperhaftes Verbrechen - Supermann gegen Superstaat
Die Neue Weltordnung - ein amerikanisches Imperium
Der Boom der Illusionen - Enron-economics
"Wehe denen, die das Böse gut heißen" - Heuchler für einen ungerechten Krieg
Neokolonialisierung durch Globalisierung - ein System aus Betrug und Illusion
Kasinowirtschaft - Fallstudien
Kontrolle über das Öl (1973-2002) - Schuldenfalle und Wirtschaftsordnung "Schwarzes Gold"
Kontrolle über das Öl (1855-1973) - Von der Medizin zum Treibstoff der Machtergreifung
Rußland: Vom Kommunismus zum Kapitalismus - Supermafia statt Supermacht
Japan nach dem Kalten Krieg - Die aufgezwungene Kasinowirtschaft
Dankt Israels sein Heil Propheten oder Generälen?
Zionismus - Imperialismus statt biblischer Prophetie
Vom Traum zum Alptraum - Wall Street wird Main Street
Die Umwandlung Amerikas - Die Machtstruktur hinter den Kulissen
Nicht gewählt! - Demokratie des Geldes nicht der Menschen
Der Kapitalismus versagt - wirtschaftlich, gesellschaftlich und moralisch
Islam als Lebensweise und
Islam als Religion

Leseprobe aus dem ersten Teil von Kapitel 16:
Das Problem des 21. Jahrhunderts ist, daß der angloamerikanische Kapitalismus so aggressiv geworden ist, daß er von den Menschen aller Kulturen verlangt, ihre Kultur aufzugeben und sich seinen Prinzipien, die er für die universellen und für die ganze Welt richtigen Prinzipien erklärt, unterzuordnen...

Die Menschen haben ein gemütliches Leben gegen eines in Angst und Sorge eingetauscht.... Das läßt sich an Hand einer Ortschaft beschreiben, in der Bill Clinton aufgewachsen ist. Der Junge Bill Clinton wohnte mit seiner Mutter und seinem Stiefvater in Hot Springs, Arkansas. Seit den 1920er Jahren bildeten Spielkasinos und Prostitution der Gangstersyndikate das kriminelle Rückgrat der Wirtschaft dieser Stadt. ‚In den 1950er Jahren`, schrieb Roger Morris, ‚war die Korruption ein gutes Stück über die Spielautomaten- oder Callgirl-Ringe hinausgewachsen. Im Ort brachen Kämpfe zwischen den Banden um die Beute aus. Wie im übrigen Amerika wurden auch in Hot Springs die Laster in die Geschäftsstruktur des organisierten Verbrechens eingegliedert. Die Stadtverwaltung spielte bei der Kontrolle des einträglichen Schwarzhandels in Kasinos und dergleichen mit. Zur gängigen Handelsware gehörten auch Politiker`...

Die Organisation der Unternehmen, die inzwischen mächtiger als Regierungen sind, wurde so eingerichtet, daß sie den Kapitalanlegern dienen, und zwar den etwa 400 Haushalten, die mehr als doppelt soviel besitzen wie 90% der amerikanischen Haushalte zusammen. Ihr politischer und sonstiger Einfluß steht im unmittelbaren Verhältnis zu ihrem Reichtum. Außerdem züchteten sie sich eine besondere Klasse von Menschen heran, die über die Medien den Konsens der Massen, ihre Meinungen und Illusionen zu erzeugen hatten... Präsident Andrew Jackson meinte 1832: "Viele unserer Reichen sind nicht damit einverstanden, daß jeder den gleichen Schutz und die gleichen Vorteile genießen kann. Sie haben uns bedrängt, sie mit Hilfe der Gesetzgebung des Kongresses reicher zu machen als die anderen." Und genau das hat der Kongreß bis heute auch getan...

Präsident Lincoln schrieb in einem Brief vom 21. November 1864: "Ich sehe in naher Zukunft eine Krise auf uns zukommen, die mir Sorgen macht und mich um die Sicherheit meines Landes fürchten läßt. Im Zuge des Krieges sind die Unternehmen auf den Thron gehievt worden. Sie werden ein Zeitalter der Korruption folgen lassen und die Geldmacht des Landes wird sich bemühen, ihre Herrschaft dadurch zu verlängern, daß sie die Vorurteile der Menschen solange bearbeiten, bis aller Reichtum sich in wenigen Händen gesammelt hat und die Republik zerstört ist"....Senator Simon Cameron, während des Kriegs Lincolns Sekretär, sagte lakonisch: "Ein ehrlicher Politiker ist einer, der, wenn er gekauft wurde, auch das tut, wofür er gekauft worden war." Und Präsident Rutherford B. Haye meinte: "Dies ist nicht mehr eine Regierung der Leute, von den Leuten und für die Leute. Es ist eine Regierung der Unternehmen, von den Unternehmen und für die Unternehmen."...

Die Fernsehkampagne des Verbands der Krankenversicherungen würgte 1993 mit einer 15 Million US$ teuren Medienkampagne mit falschen Behauptungen das Gesetzespaket Clintons zur Gesundheitsfürsorge ab. Bei immer teureren Fernsehzeiten können es Politiker sich nicht mehr leisten, denen zu widersprechen, die sie finanzieren... All das -- die Verachtung des Kongresses, die Übertretung der Gesetze, die riesigen Schiebereien und Profite, die geheimen Bankkonten, die finsteren Gestalten, der Sturz ausländischer Regierungen, die Mitschuld an Tod und Zerstörung, -- geschieht im Dunkeln, weil es dem Tageslicht nicht standhält."...

John B. Judies schreibt in seinem Buch Das Paradox der Amerikanischen Demokratie: "Die Wahlbeteiligung an den Präsidentschaftswahlen von 1996 war die niedrigste seit 1924 und brachte es nur auf 48.9 Prozent. Dagegen schießt die Macht des Kapitals, die 1997 allein in Washington 11.500 Lobbyisten unterhält, in den Himmel. Sie geben jährlich 1.26 Milliarden US$ aus, um auf den Kongreß Einfluß zu nehmen, das sind 2.4 Millionen US$ pro Kongreßabgeordneten. Das politische System wird von den großen Wahlspendern beherrscht"...

Professor Carroll Quigley, bei dem Bill Clinton an der Georgetown-Universität "Geschichte der Zivilisationen" gehört hat, und der auch als Berater im Pentagon gedient hatte, schrieb in seinem Buch Tragödie und Hoffnung: Eine Geschichte der Welt in unserer Zeit, daß politische Parteien "einfach zu benutzende Organisationen" seien und das große Kapital "in beiden Parteien seit 1900 das bestimmende Element" sei. "Das Argument, daß die zwei Parteien unterschiedliche Ideale und Politikfelder vertreten sollen, ist dummes Zeug. Die beiden Parteien sollten eine nahezu identische Politik vertreten, so daß das amerikanische Volk einzelne Halunken abwählen kann, ohne die Politik grundlegend und weitreichend zu verändern. Über die Politik, die lebenswichtig und notwendig für Amerika ist, gibt es kaum noch bedeutende Zerwürfnisse. Zu streiten wäre allenfalls über Details, Verfahren, Prioritäten und die Methode".
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14.04.03 14:47:50
Beitrag Nr. 2.517 ()
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14.04.03 14:55:22
Beitrag Nr. 2.518 ()
Die Baisse dauert an!

“Angeblich sei der Krieg beendet”!


In den Städten des Irak herrschen Chaos, Anarchie und Plünderungen. Der Krieg dauert an. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Parole ausgegeben: “Wer plündert wird erschossen”. Die Kriegskoalition hat den Befehl bekommen, für Ordnung zu sorgen. Es wird noch eine längere Zeit dauern, bis die Kriegsinitiatoren die Lage in den Griff bekommen werden.

Die Aktienmärkte laufen wieder in die “überkaufte” Zone. Da ist sehr schnell wieder die Gegenrichtung zu erwarten.

Die Aktienmärkte bleiben weiter im unsicheren Fahrwasser auf dem grundsätzlichen Weg nach unten. Die hohe Volatilität macht es den Akteuren schwer, die richtige Einschätzung zu treffen.

Nach dem Krieg treten wieder die fundamentalen Gegebenheiten in den Vordergrund, diese sind extrem negativ. USA rutscht abermals in eine Rezession.

George W. Bush und Tony Blair werden persönlich unangenehme Erfahrungen machen müssen. Sie werden von dem Rest der Welt in “die Ecke gestellt.” Ignoranz und Arroganz kommen vor dem Fall”!

Jedenfalls haben Bush und Blair dafür gesorgt, daß sie beide in ihr “politisches Grab” fallen werden.



evotrade.de
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14.04.03 15:08:40
Beitrag Nr. 2.519 ()
Nach dem Krieg ist vor dem Krieg

von Jochen Steffens

Ich habe gestern einige Gespräche geführt. Es herrscht allgemein etwas Verwirrung. Selbst in den Medien wird deutlich, dass niemand so genau weiß, warum diese Ereignisrallye ausgeblieben ist. Einige Händler haben sie verschoben: Wenn Saddam Hussein gefunden oder tot ist, dann werden die Kurse explodieren. Andere sehen große Verkäufer, die in die steigenden Kurse verkauft haben sollen und vermuten dahinter amerikanische Pensionsfonds oder sogar größere arabische Adressen.

Eigentlich sind Rallyes, die sich auf ein plötzlich eintretendes politisches Ereignis stützen, recht zuverlässig. Sie sind zumeist steil und fast immer wenig nachhaltig. Das schnelle Ende des Irak-Krieges hätte also eigentlich dazu führen müssen, dass der Dax steigt. Wie Sie wissen, ich rechnete mit Kursen bis mindestens 3000 Punkten im Dax. Aber Sie kennen auch meinen gerne (verkürzt) zitierten Satz: An den Börsen kann alles geschehen – auch das Gegenteil.

Und auffallend war, dass nur die amerikanischen Indizes sich bremsend ausgewirkt haben. Der Dax wollte nach oben. Wie geht es also weiter?

Die Charts geben im Moment wenig Auskunft und zeigen die aktuelle Unsicherheit. Gestern stoppte der Nasdaq100 an einer inneren Trendlinie und drehte, ohne ein deutliches Umkehrsignal zu generieren. Der Dow generiert hingegen ein kleines Umkehrsignal, aber der Umsatz stimmt nicht und insgesamt ist die Aussagekraft gering. Doch scheint es zu reichen, um den Dax heute ins Plus zu drücken.

Deutlich erkennt man die Seitwärtsbewegung, die der Dax seit dem kleinen Kursfeuerwerk von Montag dieser Woche vollzieht. Wie ich geschrieben habe: Kampf zwischen Bullen und Bären. Dabei hält sich die Seitwärtsbewegung im Moment zwischen ca. 2700 und 2820 Punkten auf. Der wichtige Widerstand bei 2750 (2800) wird hart umkämpft. Noch ist keine Entscheidung gefallen! Aber seien Sie versichert, die Entscheidung wird fallen.

Im Moment überlege ich einen viel tieferen und nachhaltigeren Grund für das etwas seltsame Verhalten der Indizes: Ich befürchtete vor einigen Tagen bereits, dass die Amerikaner aufgrund des relativ einfachen Erfolges etwas zu optimistisch ihre Befreiungsaktivitäten fortsetzen könnten. Nach dem Krieg ist vor dem Krieg. Dazu passt natürlich die Aussage des früheren US-Generals und Ex-Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark. Er schließt einen Angriff der Amerikaner auf Syrien nicht aus. Insbesondere wenn es der syrische Regierung nicht gelänge amerikanische Bedenken auszuräumen, so Clark. Er wies besonders darauf hin, dass die Präsenz der amerikanischen Streitkräfte in der Region nun zu einer geostrategischen Realität geworden sei. Das werde natürlich Auswirkungen haben. Oder auf Deutsch: Wenn wir jetzt schon einmal im Irak sind, warum sollten wir nicht mit Syrien einfach weitermachen.

Ich befürchte, dass diese Möglichkeit einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Verhalten von institutionellem, amerikanischen Anlegern haben könnte. Es dürften sich einige fragen, was Bush anderes machen soll als Krieg führen. Jeder weiß, dass er mit seiner Wirtschaftspolitik nicht wirklich auf Stimmenfang gehen kann. Viele wissen, dass Schulden, ein mögliches Platzen der Immobilienblase, ein Wegbrechen der Wirtschaft in die Rezession, Inflation und andere wirtschaftliche Szenarien den Präsidenten schnell die Mehrheit kosten könnte. Also was liegt näher, als die seit jeher gerne angewandte Taktik, von innenpolitischen Schwierigkeiten mit Kriegen abzulenken.
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Bagdad und die Römer

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

Die modernen Parther oder Mesopotamier sind fast unterworfen. Die heutige imperiale Armee ist der Herr über Bagdad, so wie es der römische Kaiser Trajan vor 1900 Jahren war, und Alexander der Große noch ein paar Jahrhunderte früher.

Ein Geschichtsbuch von Mommsen lässt uns wissen, dass Trajan, wie Bush, nur mit schwachem und unorganisiertem Widerstand konfrontiert wurde.

Aber die Parther waren verräterisch und nicht vertrauenswürdig – auch in ihrem unterworfenen Staat. Als die Dinge für die Römer wie geplant liefen ... und die Erwartungen von Trajan besonders hoch waren ... hatten die Götter ihre eigenen Pläne ...

Mommsen erklärt: "In diesem Moment, als Trajan alles erreicht zu haben schien, was es zu erreichen gab, und er auf dem Höhepunkt seiner Macht war, brachen alle jüngst unterworfenen Nationen gleichzeitig ihre Gefolgsversprechen ..."

Trajan selbst wurde fast getötet ... und er starb nur wenig später ...

" ... was seine Pläne letztlich halbfertig ließ.", so Mommsen weiter.

Vielleicht liegt die Tatsache, dass ich meinen Artikel mit dem römischen Kaiser Trajan begonnen habe, daran, dass ich derzeit in Rom bin. Ich bin hier gerade angekommen ... und bin gerade von den Ruinen der Stadt beeindruckt. Von meinem Zimmer aus kann ich das Kapitol auf der einen Seite und unidentifizierte alte Steine auf der anderen Seite sehen. Kein Imperium hat jemals so lange bestanden ... und war so grandios ... und so absurd extravagant ... wie das Römische Reich. Kein Imperium hatte jemals mit so vielen potenziellen Terroristen in so vielen unterschiedlichen Regionen Probleme ... und brachte die meisten von ihnen zur Strecke.

Was kann man vom römischen Beispiel lernen? Wahrscheinlich nichts. Aber ich muss Sie, liebe(r) Leser(in), warnen: Das wird mich nicht davon abhalten, einige Passage so zu zitieren, als ob sie wichtig wären.

Doch zurück zum aktuellen Geschehen: Sind die Probleme der US-Wirtschaft dadurch verschwunden, dass einige Abrams-Panzer und B1-Bomber Bagdad befreit haben? Haben die amerikanischen Konsumenten jetzt weniger Schulden ... oder mehr Geld, das sie ausgeben können? Werden die Unternehmensgewinne steigen ... und die Firmen wieder Leute einstellen?

Die Investoren hatten große Erwartungen. Aber die gestrige Entwicklung am Aktienmarkt hat gezeigt, dass der Sieg am Tigris schon "eingepreist" war. Der Goldpreis ist sogar wieder ein bisschen gestiegen. Die Leute kaufen Gold, wenn ihre Erwartungen ein bisschen zurückhaltender werden. Es würde mich nicht überraschen, wenn sie in den nächsten Jahren noch mehr Gold kaufen würden.

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Risiken am US-Immobilienmarkt


von unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street

"Die Trader hofften, dass die Aktienkurse steigen würden, wenn die Statue von Saddam Hussein fällt", so Maria Bartiromo in der Morgensendung von CNBC. Aber die Euphorie währte an den Börsen nur kurz, und die grünen Kursveränderungen wurden bald rot.

Ken Brown schrieb prophetisch in der Mittwochausgabe des Wall Street Journal: "Ab einem gewissen Punkt – und diesen Punkt haben wir vielleicht gerade erreicht – werden Fernsehbilder von fallenden Saddam Hussein Statuen keine 100-Punkte-Rally mehr verursachen. Stattdessen werden diese ärgerlichen kleinen Dinge wie Unternehmensergebnisse, Wachstumsaussichten und Bewertungen wieder den Markt dominieren." Dieser gefürchtete Moment scheint da zu sein, und die wachstumsgefährdete US-Wirtschaft hat ihre Finger an der Kehle des Aktienmarktes.

Jetzt, da die "Schock und Ehrfurcht" Phase des Irakkriegs zu Ende geht, müssen sich die Investoren an die "Besetzen und Wiederaufbau" Phase gewöhnen. Ich bezweifle, dass diese Phase die Kurse an der Wall Street beflügeln wird. Aber auch von der Heimatfront können die Investoren nicht allzu positive Nachrichten erhoffen, denn die Nachwirkungen der geplatzten Spekulationsblase wirken immer noch.

Aber was ist mit dem ganzen Geld, das in den letzen paar Monaten in Geldmarktfonds geparkt wurde? Könnte dieses Geld den Aktienmarkt nicht retten? Laut dem Investment Company Institute sitzen auch die Aktienfondsmanager auf 110 Mrd. Dollar Bargeld – und sie sind bereit, diese Reserven zu investieren, um den Dow Jones für die Bullen zu sichern. Hinzu kommen 2,2 Billionen Dollar (!), die in Geldmarktfonds geparkt sind.

Einige Marktbeobachter verweisen auf diese Milliarden (und Billionen) Dollar, und sagen: "Ah! Seht Euch doch mal diese Summen an, die in den Aktienmarkt stürmen könnten!" Ich hingegen verweise auf dieselben Bargeld-Berge, die in den Rentenfonds stecken, und sage: "Wow! Seht auch diese Summen an, die aus dem Anleihenmarkt fliehen könnten!" Natürlich KÖNNTE das Bargeld in den Aktienmarkt fließen. Aber dazu müsste es erst einmal aus dem Rentenmarkt (Geldmarktfonds) abgezogen werden. Mit anderen Worten: Nicht jeder, der seine Rentenfonds verkauft, will mit dem freigewordenen Geld 100 Cisco Aktien kaufen. Einige könnten mit diesem Geld vielleicht auch ihre Steuern bezahlen, oder ihren Konsum.

Wer weiß? Einige Rentenmarktfonds-Verkäufer könnten das Geld sogar dazu nutzen, ihre Hypotheken etwas abzubezahlen (normalerweise werden die Hypotheken seit Monaten und Jahren nur erhöht). Gibt es bei den US-Anleihen oder am US-Immobilienmarkt derzeit eine Spekulationsblase? Lassen Sie uns mal hören, was die Experten dazu sagen: Alan Greenspan ist dabei keine Hilfe. Der Fed-Vorsitzende hat selbst zugegeben, dass er eine Spekulationsblase nicht erkennen könnte, selbst wenn sie auf seiner Morgenzeitung landen würde. Im Gegensatz dazu bezieht der Internationale Währungsfonds IWF klar Position: Am US-Immobilienmarkt entsteht laut IWF eine Spekulationsblase.

Die Financial Times schreibt: "Den Aufschwüngen am amerikanischen und britischen Immobilienmarkt folgten in der letzten Dekade oft drastische Abschwünge. Ken Rogoff, Chefvolkswirt beim IWF, warnte davor, dass der langfristige Boom der Immobilienpreise – in den USA sind sie seit 1996 um 28 % gestiegen, in GB seit 1994 um 70 %, beides mal inflationsbereinigt – die dortigen Immobilienmärkte in gefährliches Territorium geführt hat. Mr. Rogoff sagte, dass auf 40 % aller Aufschwünge am Immobilienmarkt ein Abschwung folge, in dem die Preise zwischen 25 und 30 % zurückgingen."

Warum sollte man sich Sorgen machen? Laut der Statistik von Mr. Rogoff hat ein solcher Abschwung schließlich nur eine Wahrscheinlichkeit von 40 % – d.h., dass er mit 60 %iger Wahrscheinlichkeit NICHT eintritt ... ich wünsche den amerikanischen Immobilienbesitzern einen guten Schlaf!

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Deflation oder Inflation?

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

*** Mein alter Freund Rick Ackermann hat mir einen Brief geschickt, den er von einem amerikanischen Leser erhalten hat:

"Es mag ja eine Deflation bei einigen Dingen geben, aber meine Autoversicherung ist gerade um 20 % gestiegen, meine Krankenversicherung um 18 % und meine Hausbesitzer-Versicherung um 20 %. Ja, die Computerpreise fallen. Und Idioten glauben, dass man die 0 %-Finanzierung eines Autokaufs wirklich günstig ist – aber in Wahrheit bezahlt man die Zinsen mit dem Kaufpreis. Wenn man Cash bezahlt, wird der Kaufpreis um einige Tausend Dollar billiger. Nichts gibt es umsonst. Sie sagen, dass es eine Deflation gibt, und ich sage, dass die Lebenshaltungskosten steigen. Was mich interessiert, sind nicht die offiziellen Zahlen, sondern das, was es mich kostet, jeden Tag zu leben. Das ist es, was ich Inflation nenne."

Mein Freund Rick meinte dazu: "Ja, das stimmt, aber was wirklich passiert, ist, dass die Lebenshaltungskosten der Konsumenten zu einer Zeit steigen, in der sie es sich am wenigsten leisten können – nämlich in einer Zeit, in der die Konsumenten so hoch wie noch nie verschuldet sind.

Wenn ein US-Verbraucher eine College-Rechnung über 30.000 Dollar erhält, dann kann er sie nicht bezahlen, wenn er Wertgegenstände verkauft oder seine Hypotheken nicht erhöht – was seine Schuldenlast weiter erhöht. Oder er geht Pleite. Der Effekt könnte eine Schuldenexplosion und keine Inflation sein."

Und Rick weiter: "Nehmen Sie zum Beispiel die Ausbildungs- und die Gesundheitskosten, die so stark gestiegen sind, dass diese Notwendigkeiten für viele Haushalte die Grenze des Finanzierbaren erreicht haben. Wie könnte man diese Kosten als nicht inflationär bezeichnen?

In den 1970ern war es für eine Inflation noch charakteristisch, dass steigende Kosten durch das gesamte Preissystem weitergereicht werden konnten. Das ist heute nicht mehr der Fall – eigentlich seit einem Jahrzehnt schon nicht mehr. Viele Unternehmen in den USA – besonders die Produzenten – können ihre steigenden Kosten nicht mehr einfach an den Konsumenten weitergeben; stattdessen spiegeln sich diese steigenden Kosten in fallenden Gewinnen wieder. Und in dieser sich weiter verschlechternden Wirtschaftslage sollte es klar sein, dass fallende Gewinne deflationär sind, da sie zu niedriger Beschäftigung und niedrigeren Aktienmarktbewertungen führen."

*** Als ich am Flughafen in Rom in der Warteschlange stand, habe ich die ersten Auswirkungen der SARS Seuche bemerkt. Eine Flugzeugladung chinesischer Touristen wartete vor der Zollabfertigung – viele von ihnen trugen Gesichtsmasken. Die Zollbeamten mussten zweimal nachdenken, bevor sie sie durchließen.

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Die Realität des Kriegs

von Dr.Marc Faber

Es gibt einen wichtigen Punkt, den Investoren beachten sollten, aber der in den friedlichen Jahren der Spekulationsblase in den 1990ern übersehen worden ist: Kriege sind in der Weltgeschichte durchaus üblich; es sind die Friedenszeiten, die die Ausnahme sind. Laut dem Historiker Will Durant ist der Krieg eine der Konstanten der Geschichte, und er ist mit der Zivilisation oder der Demokratie nicht untergegangen. In den letzten 3.421 Jahren der aufgezeichneten Weltgeschichte gab es nur 268 Jahre ohne einen Krieg auf der Welt.

Nehmen Sie nur den Zeitraum von 1895 bis 1918. In dieser kurzen Spanne gab es zahlreiche Konflikte in der Welt, inklusive des russisch-japanischen Kriegs (1895), den Krieg zwischen der Türkei und Griechenland wegen Kreta (1897), den spanisch-amerikanischen Krieg von 1898, den Krieg der Briten gegen die Buren (1899–1902), den "Boxeraufstand" und China und die folgenden militärischen Expeditionen der Großmächte in China im Jahr 1900, den russisch-japanischen Krieg von 1905, die türkische Revolution von 1908, die französische Besetzung von Marokko (1907), den militärischen Konflikt zwischen Italien und der Türkei über Tripolis (1911), den ersten Balkankrieg (1912), den zweiten Balkankrieg (1913), die chinesische Revolution von 1911, den Ersten Weltkrieg (1914–1918), die Revolution in Russland (1917) und den russischen Bürgerkrieg (1917–1921).

Laut Durant waren die Kriegsgründe die gleichen Gründe, die zu Wettbewerb unter Individuen führen: Stolz, der Wunsch nach Land, Rohstoffen, und Machtstreben. Der Staat hat unsere Instinkte ohne Einschränkung übernommen. Beim Individuum sind diese Einschränkungen wegen Moral und Gesetzen vorhanden; auf Ebene der Individuen wird der Kampf durch Verhandlungen ersetzt, denn der Staat garantiert den Individuen den Schutz ihres Lebens, des Besitzes und der gesetzlichen Rechte. Aber der Staat selbst erkennt keine Begrenzungen an, entweder weil er stark genug ist, um jede Einmischung abweisen zu können, oder weil es keine übergeordnete Institution gibt, kein internationales Richt oder keine effektive supranationale moralische Instanz.

Was im Fall des Irak zutrifft, überlasse ich Ihrer Einschätzung.

Ich bin nicht der Ansicht, dass die nächsten 20 Jahre notwendigerweise so turbulent werden müssen wie die ersten 20 Jahre des 20. Jahrhunderts. Aber wir müssen realisieren, dass die späten 1980er und die 1990er aus historischer Sicht extrem ungewöhnlich waren, denn abgesehen von einigen kleineren Konflikten gab es keine größeren Kriege oder Revolutionen. Aus Gründen der Wahrscheinlichkeit sollten die Investoren deshalb nicht erwarten, dass die Friedensdividende, die wir die letzten 15 Jahre genießen konnten, für immer weitergezahlt wird.

Diese Friedensdividende, die auf den Kalten Krieg folgte, war sicherlich ein Beitrag zu den höheren Aktienkursen weltweit (neben den fallenden Zinssätzen und den steigenden Gewinnen). Wenn die Welt sich jetzt in eine Ära der steigenden Spannungen bewegt, dann wird das hingegen ein zusätzlicher negativer Faktor für die Bewertungen der Aktienkurse sein. Hinzu kommt, dass der Frieden in den 50 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg einen rapiden Anstieg des Welthandels erlaubte, was einen wirklichen globalen Kapitalmarkt geschaffen hat. Beides war für die Entwicklung der Weltwirtschaft positiv. Der Handel als Anteil am Bruttoinlandsprodukt der Welt stieg von ca. 5 % im Jahr 1950 auf derzeit über 20 %.

Hinzu kommt, dass die internationalen Kapitalströme seit den späten 1980ern (als ein wirklich globaler Kapitalmarkt geschaffen worden war) den Investment-Boom in den sogenannten "Emerging Markets" Anfang der 1990er finanzierten. In den letzten paar Jahren haben diese Kapitalströme den exzessiven Konsum der US-Verbraucher finanziert, was sich im wachsenden amerikanischen Leistungsbilanzdefizit widerspiegelt.

Wenn wir annehmen, dass der wachsende Welthandel und der Anstieg der globalen Finanzströme etwas mit dem Weltfrieden der 1990er zu tun haben, dann sollten wir auch annehmen, dass diese Trends durch wachsende geopolitische Spannungen und besonders durch einen größeren Konflikt negativ beeinflusst werden. Im schlimmsten Fall könnten ernste geopolitische Spannungen zu einer Unterbrechung des Freihandels und der internationalen Finanzströme führen, was Güterknappheit, Handelsembargos und Handelskriege bringen würde, Devisenkontrollen und im allerschlimmsten Fall die Enteignung von ausländischen Anlagegütern.

Kurz gesagt,: Die Finanzmärkte scheinen mir besonders verwundbar zu sein, denn sie sind im Vergleich zur "realen Wirtschaft" überproportional groß geworden. Ein Punkt ist mir klar geworden. Es ist wahrscheinlich, dass der Derivatemarkt beim nächsten großen Konflikt in der Welt aufhören wird zu existieren, denn überall in der Welt halten Finanzinstitutionen Derivate. Deshalb wird es eine Kettenreaktion geben, wenn ein großer Mitspieler irgendwo in der Welt seinen Lieferverpflichtungen nicht nachkommt – als Resultat davon werden diese Märkte geschlossen werden.

Es ist nicht meine Absicht, Alarm zu schlagen, aber ich denke, dass Investoren, die in den letzten 50 Jahren aufgewachsen sind, keine Ahnung haben, was für unangenehme finanzielle und wirtschaftliche Konsequenzen ein großer Konflikt bringen kann. In der Geschichte waren das Einfrieren von Vermögen, die Aufstellung von Devisenkontrollen und Enteignungen durchaus normal, und ich auch habe keine Zweifel, dass wir in der Zukunft solche Notmaßnahmen wieder sehen werden. Deshalb sollten die Investoren nicht nur darüber nachdenken, wie sie ihr Vermögen diversifizieren, sondern auch, wie sie dieses Vermögen überhaupt erhalten können.

Wenn man sein gesamtes Vermögen in nur einem Land anlegt, dann könnte das im Zeitalter steigender Risiken internationaler Konflikte nicht klug sein. Konsequenterweise sollte man auch über Anlagen bei einer ausländischen Bank oder über Immobilienbesitz im Ausland nachdenken.

Eine solche diversifizierte Allokation ist eine wichtige – wenn nicht essentielle – Absicherung gegen die negativen Konsequenzen eines großen Konflikts.



investorverlag.de
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14.04.03 15:42:05
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14.04.03 15:52:41
Beitrag Nr. 2.521 ()
US: Lagerbestände steigen
(©GodmodeTrader - http://www.godmode-trader.de)



Die Lagerbestände bei US-Unternehmen wuchsen im Februar laut dem Commerce Department um 0.6% (Prognose: 0.4%). Im Januar waren die Lagerbestände um 0.3% angestiegen, nach 0.2%, die ursprünglich berichtet wurden.
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14.04.03 16:03:58
Beitrag Nr. 2.522 ()
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14.04.03 23:31:28
Beitrag Nr. 2.523 ()
Firmenbilanzen enttäuschen


Wenig Hoffnung für japanische Aktien



Von Nicole Bastian, Handelsblatt


Die realen Wirtschaftsdaten entwickeln sich derzeit in Japan besser als in vielen anderen Ländern. Dennoch fällt der Nikkei auf ein neues 20-Jahrestief. Langfristig scheinen die Investoren wenig Vertrauen in die japanische Wirtschaftsentwicklung zu haben. Experten erwarten bereits weitere Kursrückgänge.





TOKIO. Viele Monate galt die Marke von 8 000 Punkten als unteres Limit für den Nikkei-Index aus 225 führenden Aktienwerten. Fällt das Börsenbaromter darunter, würde es für die Banken in Japan knapp, hieß es bei einigen Analysten. Nun wird bereits über die Marken von 7 500 oder gar 7 000 Punkten und deren Auswirkungen spekuliert. Die Analysten sind einmal mehr auf der Suche nach neuen Unterstützungslinien. Nach einem kleinen Zwischenhoch, das die Regierung den Banken und Unternehmen pünktlich zum wichtigen Buchungstag 31. März durch kurzfristige Regeländerungen bescherte, hat der Nikkei-Index aus 225 führenden Aktienwerten die 8 000-Marke wieder schnell nach unten durchbrochen. Mit traurigen 7 816 Punkten startet der Nikkei in die Woche (– 2,1 %). So niedrig stand er zuletzt im Januar 1983.

Trotz aller realwirtschaftlicher Probleme im Land des Lächelns scheint die schlechte Entwicklung am Aktienmarkt verwunderlich. Die Industrieproduktion etwa habe sich in den vergangenen Monaten besser als in den USA entwickelt, argumentieren Analysten. Die Schätzungen für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts werden derzeit eher herauf- als herabgesetzt. Großunternehmen wie die Technologiefirmen sind auf Erholungskurs.

Die Aktienbewertungen seien derzeit auffällig nach unten verzerrt, sagt Ökonom Chotaro Morita von der Deutschen Securities. Langfristig scheinen die Investoren wenig Vertrauen in die japanische Wirtschaftspolitik und -entwicklung zu haben. Neben der anhaltenden Verunsicherung über die Schwierigkeiten im Banken- und Versicherungsgewerbe drücken jedoch auch andere, eher technische Faktoren auf die Kurse, und dürften dies in den kommenden Wochen weiter tun.

Da sind zum einen massive Umschichtungen in den Pensionsfonds. Viele Firmen verwalten bisher in ihren Pensionsfonds den staatlichen Rentenanteil für Arbeitnehmer mit. Wegen der fallenden Kurse belasteten Verluste daraus die Bilanzen. Vor zwei Jahren hat die Regierung den Rücktransfer dieses staatlichen Anteils erlaubt. Dafür müssen Papiere verkauft werden, denn die Gewichtung des vom Wohlfahrtsministerium betriebenen Rentenfonds ist eine andere. Global tätige Unternehmen wie Toyota oder Honda seien in den privaten Rentenfonds übergewichtet, erläutert Aktienstratege Kiichi Fujita von Merrill Lynch. Entsprechend lastet auf ihnen der Verkaufsdruck. Die Sony-Aktie etwa verlor in der vergangenen Woche fast 9 %, Fuji Photo 14 %. Von den Umschichtungen profitieren im Gegenzug die Aktien kleinerer und mittelgroßer Unternehmen. Während der Index für Großunternehmen innerhalb des breit gestreuten Topix-Index in den vergangenen drei Monaten stark gefallen ist, legte der für Small Caps zu. Wegen deren geringen Gewichtung unter den rund 2 000 Werten im Topix fiel der Gesamtindex aber. Er ging mit 782 Punkten in die Woche. Einige Beobachter sehen den Höhepunkt der Aktienverkäufe für Pensionsumschichtungen erst einmal erreicht. Fujita ist jedoch überzeugt, dass die Verkäufe die Kurse noch weiter belasten und den Nikkei im schlimmsten Fall auf 7 500 Punkte drücken könnten.

Auch ausländische Investoren trennen sich von Aktien. Mit dem Beginn des neuen Geschäftsjahres haben zudem die Banken wieder angefangen, Papiere zu verkaufen. Die Regierungsvorgabe, dass sich die Banken von den Paketen trennen müssen, während sie die faulen Kredite abbauen, wird zunehmend kritisiert. Die Regierung, meinen Analysten, sei zudem derzeit zu sehr mit sicherheitspolitischen Fragen beschäftigt. „Solange die Regierungsvertreter immer nur den Satz wiederholen, dass die Kurse nicht die Fundamentaldaten widerspiegeln, sind die Chancen auf eine genuine Verbesserung der Situation null“, sagt Morita von der Deutschen Securities.


HANDELSBLATT, Montag, 14. April 2003, 08:22 Uhr
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14.04.03 23:36:18
Beitrag Nr. 2.524 ()
Euro-Sentiment:



Polarisierung nimmt ab

Ratlosigkeit zwingt zum Abwarten


gol Frankfurt - Der Euro ist gerade einmal um 1,4 % im Vergleich zur Vorwoche gestiegen - die Schwankungsbreite im Befragungszeitraum lag mit gut 2 % sogar unter dem Durchschnitt. Trotzdem haben sich erneut starke Verschiebungen bei der jüngsten Stimmungserhebung ergeben: Sowohl Bären als auch Bullen wechselten gemeinsam ins Lager derjenigen, die davon ausgehen, dass der Euro auf Sicht von drei Monaten auf dem heutigen Niveau verharrt. Per saldo ist der Optimismus, gemessen am Bull/Bear-Index, auf den niedrigsten Stand seit 20. Januar gefallen.
Wussten die Marktteilnehmer noch vor einigen Tagen, wie sie jede Meldung aus dem Irak zu bewerten hatten, ist dieses Verhalten zuletzt nicht mehr zu beobachten gewesen. Offenbar fehlt es an neuen, leicht verfügbaren Symbolen des Kriegserfolgs, wie man sie noch vor Wochenfrist über die Medien wahrnehmen konnte. Die Statuen sind gefallen, und man spricht über den Frieden. Angst vor Frieden gibt es bekanntlich nicht, und somit werden auch keine "Friedenspositionen" etabliert. Auch die Kursentwicklung selbst, die von einigen als der Spiegel des Verhaltens der anderen Akteure betrachtet wird, scheint den Händlern wenig Greifbares zu vermitteln.

Die ökonomischen Daten sind in den USA zuletzt weithin besser ausgefallen als erwartet, so dass man sich auch bei dieser Betrachtung noch keinen rechten Reim auf den Euro machen kann. Nur so ist die sinkende Polarisierung bei der jüngsten Sentiment-Erhebung zu interpretieren.

Die sinkende Bereitschaft, sich zu positionieren, hat aber auch ihr Gutes: Die Marktteilnehmer sind zumindest in der Lage, Informationen weitgehend unverzerrt wahrzunehmen. Lediglich die Konsolidierung selbst, also die Erwartung, dass alles bleibt, wie es ist, wird von einigen schon wieder gehandelt. Und genau deswegen sollte man sich auf die ruhigen österlichen Zeiten nicht verlassen.



Börsen-Zeitung, 15.4.2003
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14.04.03 23:40:29
Beitrag Nr. 2.525 ()
Bushs Wirtschaftspolitik stößt auf heftigen Widerstand

US-Kongress von Kriegssieger-Bonus des Präsidenten unbeeindruckt

Von Sandra Louven, Washington - Mit dem Ende des Irak-Krieges naht für US-Präsident George W. Bush die Stunde der Wahrheit in der Innenpolitik und damit für seine politische Zukunft. Seine demokratischen Gegenkandidaten haben den Wahlkampf um das Präsidentenamt, das Ende nächsten Jahres neu vergeben wird, bereits begonnen. Die Vergangenheit legt nahe, dass ein erfolgreich geführter Krieg nicht ausreicht, um die Stimmenmehrheit zu sichern - gepunktet wird in amerikanischen Präsidentschaftswahlen vor allem mit der Wirtschaftspolitik. Doch ausgerechnet Bushs ambitioniertestes Projekt, die Abschaffung der Dividendenbesteuerung, besitzt im US-Kongress kaum mehr Realisierungschancen. Selbst über die Kriegsausgaben wachen die Abgeordneten genau und versagten Bush die geforderte Freiheit bei der Verwendung der Gelder ...
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14.04.03 23:41:22
Beitrag Nr. 2.526 ()
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Brüssel will Ausnahmen für EU-Wirtschaftsprüfer

USA sollen Aufsichten gegenseitig anerkennen

cr Brüssel - Die EU-Kommission erhält den Druck auf die US-Börsenaufsicht SEC aufrecht, um Ausnahmeregelungen in der Umsetzung des Sarbanes-Oxley Act für europäische Wirtschaftsprüfungsgesellschaften durchzusetzen. In einem Schreiben an den neuen Vorsitzenden der SEC, William H. Donaldson, droht der für Finanzdienstleistungen zuständige EU-Kommissar Frits Bolkestein mit verschärften Registrierungspflichten für US-Wirtschaftsprüfer in der EU, sollte die SEC der EU-Forderung nach einer gegenseitigen Anerkennung der Aufsichtspflichten für die Wirtschaftsprüfungsunternehmen nicht nachkommen. Dies könne zu "zusätzlichen Spannungen mit negativen Auswirkungen auf Vertrauen und Performance der Finanzmärkte führen" ...

boersenzeitung.de
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14.04.03 23:46:47
Beitrag Nr. 2.527 ()
Handwerk

Krise im Handwerk verschärft




14. April 2003 Die Krise im deutschen Handwerk hat sich im vergangenen Jahr verschärft. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes beschäftigten die deutschen Handwerksbetriebe 2002 rund 5,3 Prozent weniger Menschen. Schon 2001war die Zahl der Beschäftigten um 3,9 Prozent gesunken, im Jahr zuvor um 3,3 Prozent.

Laut Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) brach die Zahl der Stellen 2002 bundesweit um 287.000 gegenüber dem Vorjahr ein. Angesichts der Entwicklung im ersten Quartal erwartet der Verband in diesem Jahr einen ähnlichen Rückgang bei den Beschäftigtenzahlen.

Der ZDH beziffert die Zahl der Beschäftigten für 2001 auf 5,65 Millionen; dabei ist auch das handwerkähnliche Gewerbe berücksichtigt. Neuere absolute Zahlen liegen nicht vor. Die stärksten Personaleinschnitte gab es laut Angaben des Bundesamts im vergangenen Jahr im Baugewerbe mit minus 9,6 Prozent.

Der Wegfall von Stellen seien Folge der schlechten Konjunktur- und Auftragslage, erklärte Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des ZDH. Er machte die politischen Rahmenbedingungen für den Abwärtstrend verantwortlich, insbesondere die Lohnnebenkosten und die Zurückhaltung der öffentlichen Auftraggeber. Schleyer warnte vor weiteren Steuererhöhungen: „Hier hätte vor allem eine Erhöhung der Mehrwertsteuer katastrophale Auswirkungen auf das größtenteils konsumabhängige Handwerk.“

Der Umsatz im Handwerk fiel nach Angaben des Statistischen Bundesamts 2002 um 4,9 Prozent. 2001 gab es Einbußen um 2,4 Prozent. Laut Angaben des ZDH schrumpften die Umsätze im vergangenen Jahr um 25 Milliarden Euro.

Handwerk kämpft für Meisterbrief

Handwerkspräsident Dieter Phillip wandte sich derweil in der Zeitung „Die Welt“ gegen die völlige Abschaffung des Meisterbriefs. „Ohne Meisterbrief würde die Ausbildungsleistung im Handwerk erheblich sinken“, sagte Phillip.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (CPD) will die Pflicht zum Meisterbrief vor der Selbständigkeit im Handwerk nur noch auf „gefahrengeneigte Berufe“ beschränken. Zudem sollen Gesellen sich nach zehn Jahren auch ohne Meisterbrief selbständig machen dürfen. Phillip lehnt das ab. Bundeskanzler Schröder hatte in seiner Reformagenda 2010 zudem angekündigt, die Vorbedingungen für Ausbilder zu verringern. Das Handwerk ist zu Änderungen beim Meisterbrief bereit, seine Vorstellungen gehen aber weniger weit als die von Clement.

@pwe
faznet.de
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14.04.03 23:51:07
Beitrag Nr. 2.528 ()
Finanzmarkt
Die Markttechnik warnt Anleger vor zu viel Optimismus


14. April 2003 Was haben die Indizes an den verschiedenen Börsen im Moment gemeinsam? Sie befinden sich nach deutlichen Kursgewinnen in den vergangenen Wochen an technisch entscheidenden Marken, die darüber mitentscheiden dürften, wie es in der näheren Zukunft - womöglich nach gewissen Verzerrungen auf Grund einer österlich bedingten kurzen Handelswoche und dem anstehenden Verfall an den Terminbörsen - weiter gehen könnte.

Der Dax knabbert beispielsweise nach einem Kursgewinn von 25 Prozent in gerade einmal vier Wochen an seinem seit dem April des vergangenen Jahres etablierten mittelfristigen Abwärtstrend und gleichzeitig mit dem 90-tägigen gleitenden Durchschnitt. Beinahe identisch sieht die Situation im Dow Jones EuroStoxx aus. Dagegen haben der Dow Jones und der S&P 500 in den vergangenen Wochen nur etwa 14 Prozent zulegen können und stehen kurz davor, die mittelfristigen Abwärtstrends als auch die 90- und 200-tätigen gleitenden Durchschnitte zu überwinden. Die beiden Indizes waren in den vergangenen Monaten weniger stark gefallen als die europäischen Börsen und zeigten in den vergangenen Wochen aus diesem Grund einen geringeren Zug nach oben.

Märkte stehen vor technischen Hürden

Die große Frage ist nun, ob es den Märkten gelingt, diese technischen Hürden deutlich zu überwinden. Im S&P 500 liegt die Widerstandszone bei 900 Punkten, die 200-Tagelinie bei 905 Zählern. Der Dax sollte sich über der Marke von 2.800 Zählern etablieren. Sollte das der Fall sein, könnte der Anreiz für viele stark technisch orientierte Anleger und Händler groß sein, auf weiter steigende Kurse zu setzen. Wenn nicht, dann sind erneute Kursverluste eher wahrscheinlich. Dabei stören sich Analysten wie Mark Arbeter von S&P an den Bewegungen innerhalb der vergangenen Tage. Vor allem die am Montag, Mittwoch und Freitag, als zumindest die amerikanischen Märkte zunächst stark begannen, nur um dann im Tagesverlauf die Kursgewinne wieder aufzugeben und im Minus zu enden. Das sei generell kein allzu gutes Zeichen und deute eher auf schwächere Kurse hin.

Der S&P 500 bewegt sich seit vergangenem Juli in einer Handelsspanne zwischen 965 Zählern auf der oberen Seite und 776 auf der Unteren, die sich immer mehr verengt. Das heißt, die aufeinander folgenden Hochs sind immer etwas tiefer, als das jeweilige davor. Das letzte lag noch etwa bei 900 Zählern. Solche Dreiecksformationen waren im Dow Jones in den 30er- und 40er-Jahren zu beobachten und endeten mit einem Ausbruch nach unten. Das jüngste Dreieck allerdings - im Jahr 1994 - wurde mit einer Bewegung nach oben aufgelöst.

Zuviel Optimismus im Markt

Dagegen sprechen in der aktuellen Situation verschiedene Faktoren. Zum einen ist das der Mangel an Branchen oder Einzelaktien, die die Indizes nach oben ziehen. Zum anderen ist es auch die Marktstimmung. Denn mit einem Anteil von 51,1 Prozent ist die Mehrheit der Verfasser von Börsenbriefen in den USA nach einer Umfrage von Investor`s Intelligence optimistisch und setzt auf steigende Kurse. Die Pessimisten kommen auf einen Anteil von 31,1 Prozent, das Put-Call-Verhältnis ist relativ gering. Das heißt, der Optimismus ist hoch, gleichzeitig befinden sich die Rentenmärkte längerfristig noch im Aufwärtstrend, auch wenn die Trends kurzfristig gebrochen sind.

Insgesamt fragt sich Arbeter, was die Anleger trotz eines übergeordneten, säkularen Bärenmarktes, so optimistisch werden lässt. „So lange sie nicht deutlich pessimistischer werden und für längere Zeit bleiben, so lange ist der Bärenmarkt noch nicht überwunden“, lautet seine Prognose.







Die Charts zeigen die Kursentwicklung des Dax, des Dow Jones und des S&P 500-Index (von oben nach unten) in den vergangenen fünf Jahren

@cr
faznet.de
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14.04.03 23:52:38
Beitrag Nr. 2.529 ()
Anlageverhalten
Die Deutschen halten dem Sparbuch die Treue


11. April 2003 Wer glaubt, dass das Sparbuch eine antiquierte Vermögensanlage aus Omas Zeiten ist, der irrt. Zumindest dann nicht, wenn es nach dem Urteil der Deutschen geht. Denn jeder dritte Deutsche zwischen 18 und 45 Jahren besitzt ein Sparbuch.

Bei den 18 bis 25-Jährigen legt sogar fast jeder Zweite sein Geld auf dem Sparbuch an. Das ergab eine vom Fondsmagazin „Der Fonds“ bei der F&S Internet Infotainment GmbH, Hamburg, in Auftrag gegebenen Umfrage, bei der rund 500 Deutsche zu ihrem Anlageverhalten befragt wurden.

Geringe Risikoneigung

Dass die Deutschen auf Nummer sicher gehen, spiegelt sich auch im Risikobewusstsein wider: 61 Prozent nehmen geringe Renditen in Kauf, um Wertverluste zu vermeiden. Bei Frauen ist die Risikofreude noch weniger ausgeprägt: 72 Prozent der Frauen setzen ihr Geld keinen Gefahren aus. Demgegenüber scheuen nur 49 Prozent der Männer jegliches Risiko.

Auch in diesem Jahr wollen die Deutschen kein Wagnis eingehen. 26 Prozent sagen: „Was übrig ist, lege ich aufs Sparbuch“. 57 Prozent sind überzeugt, dass das Sparbuch die sicherste Anlageform ist. Nur sieben Prozent der Befragten wollen dieses Jahr ihr Geld in Aktien anlegen, sechs Prozent in Aktienfonds und vier Prozent in Rentenfonds.

Für mehr als die Hälfte sind die unterschiedlichen Anlagemöglichkeiten jedoch ohnehin graue Theorie: 51 Prozent legen in diesem Jahr überhaupt nichts an. Sie sagen, dass sie schon froh sind, wenn sie über die Runden kommen.

@JüB
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15.04.03 00:01:15
Beitrag Nr. 2.530 ()
DGB sieht Aufgabe verfehlt

"Abschlussbericht will Arbeitslosenhilfe abschaffen"




rb FRANKFURT A. M. Im Anhang D des Berichts der Gemeindefinanzreformer formulieren die Gewerkschaften ihre geharnischte Kritik: Die Kommissionsbeschlüsse "sehen weitere, drastische Absenkungen der Leistungen vor, ohne dass auch nur ansatzweise eine arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitische Konzeption zu erkennen wäre."
Durch eine Fusion von Arbeitslosen- und Sozialhilfe werden die Erwerbslosen mit rund drei Milliarden Euro pro Jahr belastet. Die Arbeitsgruppe, die sich mit der Zusammenlegung beider Leistungen beschäftigt, empfiehlt der Bundesregierung in ihrem Abschlussbericht ein so genanntes Stufenmodell (FR vom 5. April). Danach sollen 2,7 Millionen Menschen vom kommenden Jahr an das Arbeitslosengeld II erhalten. Die neue Leistung soll grundsätzlich nicht über der heutigen Sozialhilfe liegen, kann aber durch Zu- und Abschläge deutlich variieren. Offen bleibt die Finanz-Verschiebung zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Darüber soll das Plenum der Gemeindefinanzreform-Kommission anhand beider Arbeitsgruppen-Ergebnisse (Fusion der Hilfeleistungen und Gewerbesteuer) entscheiden. In zwei Punkten konnten sich die Experten und Interessenvertreter nicht einigen: Sie lassen die Frage offen, wer sich um die Bezieher der neuen Leistung kümmern soll - die Bundesanstalt für Arbeit oder Kommunen und Landkreise. Zudem habe die Kommission auch nicht die Frage beantwortet, ob Bezieher rentenversichert werden.

Erwerbsfähige Arbeitslose, die sich gegen eine Weiterqualifizierung sperren oder die eine zumutbare Arbeit ablehnen, sollen mit Abschlägen von maximal 30 Prozent bestraft werden. Jungen Erwachsenen unter 25 Jahren soll das Geld dann komplett gestrichen werden.

Kommentar des DGB: "Ins Auge gefasst ist nicht die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, sondern die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe."

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15.04.03 00:06:58
Beitrag Nr. 2.531 ()
"Enronitis" greift um sich

Neuer Bilanzskandal um US-Klinikkonzern Healthsouth


Von Lucian Caspar



Das Verhängnis kam mit außerordentlicher Geschwindigkeit, selbst für amerikanische Verhältnisse: Noch Anfang März versicherte der 50 Jahre alte Firmenchef Richard Scrushy einer Versammlung von 1000 Healthsouth-Angestellten in einem Hotel in Florida, sie hätten nichts zu befürchten. Healthsouth habe die Erwartungen der New Yorker Börse seit mehr als zehn Jahren noch jedes Quartal erfüllt. Doch am 19. März flog ein Team von Kriminalbeamten aus Washington ein und durchsuchte den Hauptsitz des Healthsouth-Konzerns in Birmingham im US-Staat Alabama.

Am nächsten Tag erklärte sich ein ehemaliger Finanzchef für schuldig, die Bücher gefälscht zu haben. Inzwischen haben neun weitere Healthsouth-Manager ein Geständnis abgelegt. Für den Konzern, der in den USA und drei weiteren Ländern 1700 Krankenhäuser und Ambulanzkliniken betreibt und 50 000 Angestellte zählt, muss mit dem Schlimmsten gerechnet werden. Die Aktien, die vor zwei Jahren noch bei mehr als 30 Dollar notierten, sind inzwischen nur noch ein paar Cent wert und seit Ende vergangenen Monats vom Kurszettel in New York gestrichen. Seit 1999 haben Healthsouth-Manager die Gewinne des Konzerns um mindestens 1,4 Milliarden Dollar hochfrisiert. Aber was am meisten frappiert, ist die Unverfrorenheit, mit der sie das taten. Sie stellt alles in den Schatten, was die US-Öffentlichkeit von Enron oder Worldcom kennt.

Quartal für Quartal versammelte Vorstandschef Scrushy sein Finanzteam um sich, um zu bestimmen, welches Gewinnziel (earnings per share) man den Wall-Street-Analysten präsentieren wolle und was zu tun sei, um es zu erreichen. Die Buchhalter mussten dann hunderte von Bilanzposten manipulieren, um auf das erwünschte Ergebnis zu kommen. Die Sitzungen wurden als "family meetings" bezeichnet, und die Fantasiezahlen, die die "Löcher" stopften, nannte man "dirt" (Dreck).

Die Bilanzprüfer von Ernst & Young, die inzwischen ihr Mandat verloren haben, behaupten, sie hätten nichts gemerkt. Ihnen seien gefälschte Dokumente vorgelegt worden, und wenn sie Fragen hatten, bekamen sie einfach neue Unterlagen vorgesetzt. Mit Belohnungen und psychologischem Druck hielt Scrushy seine Mitarbeiter bei der Stange. Ihre Loyalität gründete sich unter anderem darauf, dass er den engeren Führungskreis vornehmlich in unbekannten kleinen Colleges in Alabama persönlich rekrutierte. Dann führte er sie in die große weite Welt seines Konzerns ein: Konferenzen in vornehmen Hotels, Flüge mit den zwölf Firmenjets, die sich Healthsouth hielt, Wochenend-Ausfahrten auf Scrushys Yacht namens "Chez Soirée". "Die Gehälter, die Reisen, das ganze Drum und Dran - es war einfach berauschend", schwärmte ein Angestellter einer US-Zeitung vor. Und die engsten Vertrauten lud Scrushy ein, in seiner Band mit zu spielen. William Owens zum Beispiel, der lange Finanzchef war und kürzlich ein Geständnis abgelegt hat, setzte Scrushy ans Schlagzeug. Den Buchhaltern, die wegen der Bilanzmanipulationen Fragen stellten, wurde bedeutet, es handle sich nur um "vorläufige" Korrekturen; die Verantwortlichen in der Chefetage würden später alles wieder zurecht rücken. Und jene, die dennoch moralische Skrupel zeigten, bekamen zur Antwort, rechtlich seien nur die obersten Manager haftbar, denn diese müssten schließlich die Bilanzausweise unterschreiben.

Aber nachdem der Enron-Skandal ruchbar geworden war, als immer mehr US-Manager ins Gefängnis wanderten oder sich vor Gericht wiederfanden, wurden einige der Scrushy-Vertrauten nervös. Vor einem Jahr wollte eine kleine Gruppe den Konzernchef überreden, mit den Manipulationen aufzuhören und sich öffentlich zu seinem Fehlverhalten zu bekennen. Aber Srushy weigerte sich: Zunächst müsse er seine Aktien verkaufen. Kurz bevor Healthsouth im August erstmals beichtete, die Gewinnziele nicht zu erreichen, löste er Optionen auf fünf Millionen Aktien ein und kassierte dabei 52 Millionen Dollar. Aber auch diese Meldung war manipuliert: Wegen zu erwartender Nachforderungen der staatlichen Krankenversicherung Medicare werde der Gewinn künftig um 175 Millionen Dollar jährlich niedriger ausfallen, hatte das Unternehmen erklärt. In Wirklichkeit sind es jedoch, wie Experten glauben, nur etwa 25 Millionen. Die Aktien fielen an einem einzigen Tag um 44 Prozent. Dies rief die Behörden auf den Plan: Sie begannen wegen des Verdachts auf Insider-Handel zu ermitteln. Aber die Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) fand nichts heraus.

Mehr Wirkung hatte jedoch das Sarbanes-Oxley Gesetz, das im vergangenen Sommer verabschiedet wurde. Es verpflichtet jeden Konzern- und Finanzchef, die Richtigkeit der Abschlüsse schriftlich zu verbürgen. Da wurde es dem ehemaligen Finanzvorstand Weston Smith zu heiß. Er könne nicht länger an den Bilanzmanipulationen mitwirken, gestand er seiner Frau. Kurz nach der ersten Sarbanes-Oxley-Bescheinigung ließ er sich auf einen untergeordneten Posten in einer anderen Abteilung versetzen. Aber es dauerte noch mehr als sechs Monate, bis er sich dazu durchrang, mit der inzwischen aktiver gewordenen Finanzpolizei Kontakt aufzunehmen und sie darüber zu informieren, dass die Geschäftszahlen von Healthsouth seit mehreren Jahren systematisch gefälscht werden.



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Dokument erstellt am 14.04.2003 um 17:48:53 Uhr
Erscheinungsdatum 15.04.2003




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das Land der unbegrenzten Möglichkeiten
Betrug und Lug ist dort Alltag!:(
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15.04.03 00:14:28
Beitrag Nr. 2.532 ()
Börsenflaute trotz Blitzsieg im Irak

Der Imperialismus triumphiert. 1999 die Kapitulation Jugoslawiens, 2001 das Ende der Taliban-Herrschaft, jetzt in Rekordzeit die Niederwerfung des Irak. Der Imperialismus triumphiert? An den Börsen ist man anderer Ansicht. »Die Friedensdividende fällt aus«, faßte die FAZ am Sonnabend zusammen, »statt zu feiern, herrscht Katerstimmung (...) Der aufgewirbelte Staub in Bagdad beginnt sich zu legen – und der Blick wird frei auf die alten Probleme.«

Das dickste der alten Probleme hat der vermeintliche Sieger, die USA. Ausdruck der Misere ist die Leistungsbilanz der USA: Während im Außenhandel noch bis Anfang der achtziger Jahre schwarze Zahlen geschrieben wurden, hat sich seither ein Defizit entwickelt. Dessen Wachstum ist exponentiell. Lag es 1992 bei 50 Milliarden, so waren es 1998 schon 245 Milliarden und im letzten Jahr wohl über 450 Milliarden US-Dollar. Der marode Laden läuft nur weiter, weil ständig Leihkapital aus dem Ausland zufließt. Die Netto-Auslandsschuld der USA summierte sich im September 2001 auf knapp 3,5 Billionen US-Dollar, das sind etwa 35 Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung. Notabene: Die DDR wurde im Herbst 1989 für bankrott erklärt, weil ihre Auslandsschuld 16 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung betrug ...

Warum wollte der DDR 1989 niemand mehr Kredit geben, während Schatzbriefe und andere Wertpapiere der USA weggehen wie warme Semmeln? Warum hoffen Milliardäre auf der ganzen Welt, von Bush und Greenspan ihr Kapital mit Zins und Zinseszins zurückzubekommen, obwohl die immer tiefer im Defizitmorast versinken? Weil die Vereinigten Staaten, im Unterschied zur damaligen DDR oder anderen Schuldnerstaaten, ihre wirtschaftliche Schwäche mit militärischer Stärke ausgleichen können. Der überlegene Weltpolizist ist in der Lage, mit vorgehaltener Maschinenpistole jederzeit und an jedem Ort der Welt den Tausch von dollarnominierten Papierschnipseln in materielle Werte zu erzwingen. Daß die USA 1991 Kuwait freigekämpft und damit Saddams Zugriff auf die Ölreserven am Golf abgewehrt haben, erhöhte ihre Bonität an den internationalen Anlagemärkten. Die Folge war ein Kursfeuerwerk an der Wall Street, ausländisches Leihkapital schuf die Grundlage für die New Economy und den Boom der Clinton-Jahre.......



http://www.faktinfo.de/forum/messages/5367.htm
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15.04.03 00:17:33
Beitrag Nr. 2.533 ()
Hier mal der DAX mit den Retracement-Levels.
Wie man sieht, haben wir bis 3600 noch `ne Menge Platz.:) :) :)


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15.04.03 00:20:30
Beitrag Nr. 2.534 ()
Der Spiegel; IWF, Global Financial Stability Report)

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet in der jüngsten Ausgabe, die Europäische Kommission habe gerade ein vertrauliches Papier über "Ungleichgewichte" und "Abwärtsrisiken" für die Finanzmärkte erstellt. Darin heiße es: "Das internationale Finanzsystem, das in den vergangenen Jahren durch eine Reihe negativer Ereignisse getroffen wurde, erscheint durch weitere Schocks verwundbar." An den Aktienmärkten bleibe die Stimmung "fundamental negativ". Banken, Versicherungen und Rentenfonds wären dadurch gezwungen, ihre Beteiligungen zu verkaufen. Dies könne "eine Abwärtsspirale aus fallenden Vermögenswerten und weiteren Verkäufen in Gang bringen".

Zusätzliche Gefahr drohe durch neue Blasenbildungen, etwa bei Anleihen und Immobilien. Wenn diese platzen, würde die Weltwirtschaft schwer getroffen. Ein weiteres hohes Risiko für das Finanzsystem und die Weltwirtschaft sei die Gefahr einer "plötzlichen Anpassung" des gigantischen amerikanischen Zahlungsbilanzdefizits. Bisher halten die stark verschuldeten amerikanischen Haushalte und Unternehmen die Importe aufrecht, auch wenn dies die Verschuldung weiter erhöht. Ginge den Amerikanern das Geld aus, wäre dies "nicht nur für die US-Wirtschaft, sondern für die gesamte Weltwirtschaft ein bedeutsames Risiko". Hinzu komme noch die Fragilität des Bankensystems in der EU. Es sei unsicher, wieviel zusätzliche Spannung das Bankensystem verkraften könne. Die Studie kommt zu dem Schluß, die Risiken für das Finanzsystem seien "substantiell" und die Herausforderungen für die Regierungen "überaus groß", insbesondere weil diese ihr "klassisches" Arsenal an Instrumenten zur Wirtschaftsbelebung längst aufgebraucht haben - die Zinsen haben bereits einen historischen Tiefstand und die öffentlichen Haushalte hohe Defizite.

Eine Woche, nachdem der IWF in seinem halbjährlichen Global Financial Stability Report auf die systemischen Finanzrisiken hingewiesen hatte, warnte der Fonds nun am 3. April in seinem jüngsten World Economic Outlook vor den "beträchtlichen Risiken" der Immobilienblasen. In dem Kapitel "Wenn Blasen platzen" wird festgestellt, daß die Häuserpreise in Großbritannien inflationsbereinigt um fast 70% gestiegen sind, in den Niederlanden um 78%, in Irland um 102% und in den USA um 27%. Der IWF betont, platzende Immobilienblasen könnten schlimmere makroökonomische und finanzielle Folgen haben als Aktieneinbrüche. Solche Folgen wären u.a.: drastisches Sinken der privaten Nachfrage, Rückgang der Investitionen in Maschinen und Anlagen sowie tiefe Einschnitte bei den Bauinvestitionen. Die IWF-Studie beruht auf Datenreihen über Immobilienpreise aus 14 Ländern vom 1. Quartal 1970 bis zum 3. Quartal 2002.

Das US-Finanzministerium und die Federal Reserve wollen eingreifen, wenn der Irakkrieg Schocks für die US- und die Weltwirtschaft auslöse. Am 31. März wurde Finanzstaatssekretär John Taylor gefragt, ob die G-7 einen Plan für koordiniertes Handeln habe, falls der Irakkrieg länger andauere? Taylor antwortete, "wenn es irgendeinen Schock für die Wirtschaft gibt", seien die G-7-Regierungen vorbereitet; sie hätten darüber "viel diskutiert". Am selben Tag sagte die Fed-Gouverneurin Susan Bies in New Orleans, die Fed verfolge den Krieg und dessen wirtschaftliche Folgen sehr genau. "Wir werden ihn beobachten, und wenn wir an irgendeinem Punkt das Gefühl haben, daß etwas zu tun ist, werden wir angemessene Maßnahmen ergreifen."

http://f7.parsimony.net/forum9673/messages/25263.htm
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15.04.03 00:48:09
Beitrag Nr. 2.535 ()
Home : Malik aktuell



Malik Aktuell

13.04.2003
Krieg gewonnen - Wirtschaft verloren?

- Kriegsrally schwach
- trotz manischer Kaufaktionen
- Bearmarket noch lange nicht zu Ende


Wie schon bisher dargelegt, war die Kurserholung vor und während der Kriegsereignisse bemerkenswert schwach. Die gesamte innere Verfassung des US-Aktienmarktes kündigt m. E. das Gegenteil dessen an, was die Mehrheit der Kommentatoren und Experten zu vermitteln versucht, nämlich eine Psychologie des Aufschwunges und das Ende des Bear-Markets. Der Bearmarket ist - obwohl er schon 3 Jahre dauert - noch lange nicht zu Ende.

Bereits am 21. März, einen Tag nach Kriegsbeginn, hatte der erste Erholungsschub seinen Höhepunkt erreicht. Der zweite Schub kuliminierte am 7. April in einem 200 Punkte Opening Gap. Es war der Tag, an dem die US-Truppen in Baghdad einmarschierten. Am Tagesschluss war der Markt aber zurückgefallen auf den Vortagesstand und deutlich unterhalb des Schlusskurses vom 21. März.

Vieles spricht dafür, dass damit eine Doppelspitze entstanden ist, und die Kurse nun fallen werden, vielleicht dramatisch.

1. Die meisten Wirtschaftsindikatoren sind schwach bis miserabel. Das wurde durch die Kriegsnachrichten verdrängt, kommt jetzt aber wieder ins Bewusstsein.

2. Noch immer halten rund 57% der Amerikaner Aktien und Fonds, gleich viel wie 2000, obwohl die meisen Konten Verluste zeigen. Über 50% der Investmentberater sind auf steigende Kurse eingestellt - eine Marke, die regelmässig Kursabschlägen vorausgegangen ist. Beides ist - gerade weil das allgemein für "bullish" gehalten wird - in Wahrheit das Gegenteil, nämlich ein starkes Verkaufssignal.

3. Mehrere andere Indikatoren zeigen ebenfalls Verkaufssignale, darunter die Kaufwut der Kleinspekulanten bei Aktien-Terminkontrakten.

4. Im Gegensatz dazu sind die Insider auf der Verkäuferseite. 90% aller Insider- Transaktionen während der letzten 3 Wochen waren Aktien-Verkäufe.

5. Dazu kommt, dass die Cash-Reserven der Mutual Funds auf Rekord-Tiefständen sind. In den letzten 30 Jahren gab es nur dreimal Niedrigstände, wie jetzt, im Mai 72, im September 76 und im März 00. Jedesmal waren schwere Kursrückgänge die Folge. Das Pulver ist verschossen, das Geld investiert, die Kaufkraft aufgebraucht.

6. Die europäischen und asiatischen Märkte haben wenig Kurserholung gezeigt. Der japanische Index ist auf einem 20-Jahres-Tief.

Ich warne eindringlich vor den Kaufempfehlungen, die jetzt mehrheitlich gemacht werden. Es ist Zeit - vielleicht für lange - auszusteigen und - wenn man das Geschäft versteht - short zu gehen.

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15.04.03 00:59:11
Beitrag Nr. 2.536 ()
Nach dem Krieg ...

von Martin Weiss

Letzte Woche gingen die beiden amerikanischen Indizes, Dow und Nasdaq im Wochenvergleich jeweils mit Verlusten aus dem Handel, obwohl die Nachrichtenlage für die Wall Street auf dem ersten Blick eigentlich nicht allzu schlecht war. Aber es zeichnete sich bereits am Montag ab, daß die "Irak-Rallye" wohl ausfallen bzw. auf spätere Zeit verschoben werden wird. Es war an jenem Montag schon mehr als ein Warnzeichen, als in den letzten Handelsstunden die breiten US-Indizes allesamt ihre hohen Gewinne abgeben mußten und nur noch knapp im Plus schlossen.

Wie ich Ihnen letzte Woche schon so andeutete, scheint die Aufwärtsbewegung bereits vor dem endgültigen militärischen Sieg – ähnlich wie vor dem Krieg, als der Anstieg ja vier Tage vor den kriegerischen Handlungen begann – ins Stocken zu geraten. Der Hauptblickwinkel Irak dürfte nunmehr für die Aktienmärkte endgültig Vergangenheit sein. Jedoch war es für die Bullen wohl wirklich ernüchternd und sehr enttäuschend, als die Märkte nicht einmal bei der endgültigen Einnahme Bagdads mit einem zumindest kurzfristigen Kursfeuerwerk reagierten. Wie auch immer, der Irak-Krieg ist für die Masse der Investoren abgehakt. Nicht unterschätzt sollten aber mögliche Folge-Konflikte, etwa mit Syrien oder dem Iran werden. Ebenfalls sollte die Nachrichtenlage bezüglich der Gemengelage auf der koreanischen Halbinsel genau beobachtet werden. Auch hier schwelt noch ein Konflikt, der ebenfalls keineswegs ausgestanden und gelöst ist. Die möglichen schwerwiegenden Konsequenzen einer stärkeren Ausbreitung des SARS-Virus seien an dieser Stelle gänzlich unbeachtet.

An der wirtschaftlichen "Heimatfront" in den USA hingegen zeichnet sich weiterhin keine Wende hin zum dauerhaften Aufschwung ab. Zwar waren am Freitag die Wirtschaftsdaten, Verbrauchervertrauen und Einzelhandelsumsätze, leicht verbessert, jedoch dürfte diese Entwicklung – mitunter durch die Erfolgsnachrichten vom Persischen Golf begünstigt – eher zeitlich sehr begrenzt wirken.

Es sollte immer wieder klar betont werden, daß der wirtschaftliche Boden der einzig verbliebenen Supermacht alles andere als solide ist. Allein in den letzen beiden Monaten gingen mehr als 500 000 Arbeitsstellen verloren. Zudem sind selbst die Vorstandsvorsitzenden der großen Firmen keineswegs euphorisch, was die künftige Entwicklung angeht. Nurmehr 56 % der Bosse glauben daran, daß die Umsätze in ihren Unternehmen steigen würden. Im November letzten Jahres waren es noch 70 %. Schlimmer aber ist die Tatsache, daß nicht einmal 10 % der Unternehmen mittelfristig Neueinstellungen vornehmen wollen, wohingegen 45 % Arbeitnehmer entlassen wollen! Nicht zuletzt werden bei einem knappen Drittel der Firmen die Investitionen zurückgehen. Dies ist auch ganz gut verständlich, zumal mehr als 220 größere US-Aktiengesellschaften ihre Ertrags- und Umsatzprognosen im ersten Quartal des neuen Jahres nach unten hin revidieren mußten.

Es ist schon richtig, daß die führenden Köpfe der US-Wirtschaft erkennen, in welch schlechtem Zustand sich die Wirtschaft wirklich befindet. Denn sie sehen und spüren tagtäglich, wie sich höhere Erzeugerkosten, ein schlechtes Verbrauchervertrauen, höhere Ausfallquoten bei den Kreditkarten und immer mehr Probleme im Immobiliensektor auf Umsätze und Erträge auswirken. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, daß die Investitionsneigung so gering ist. So lange aber die Verantwortlichen nicht wieder deutlich mehr Neueinstellungen und Investitionen tätigen, wird auch an den Aktienmärkten der Bärenmarkt nicht beendet sein. Im Gegenteil, ziemlich rauhe Zeiten liegen vor uns. Denn es gibt angesichts der immer noch mehr als nur ambitioniert hohen Bewertung der breiten Indizes keinerlei Grund, auf einen gesunden Aufwärtstrend der Aktien zu hoffen.

Diese Baisse hat es wahrlich in sich und es wird noch sehr lange dauern, ehe wir wieder von einem tragfähigem Fundament aus uns gen Norden aufmachen können.

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Wo ist der Nachkriegsboom?

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

Nun? Wo ist er? Ich meine den Nachkriegsboom.

Das US-Verteidigungsministerium hat bewiesen, dass es das Schlachtfeld kontrollieren kann ... zumindest eine Zeitlang ... aber bis jetzt hat keine Regierungsabteilung und auch nicht die Zentralbank bewiesen, dass sie die gesamte amerikanische Volkswirtschaft kontrollieren kann.

Soweit ich sehen kann, befindet sich die Wall Street immer noch im 4. Jahr ihres Bärenmarktes ... und die US-Wirtschaft folgt immer noch dem japanischen Beispiel ... hin zu einer langen, soften, langsamen, miserablen Korrektur.

Der Dollar fällt wieder. Es scheint so, dass der anfängliche Enthusiasmus für die Operation "Irakische Freiheit", die den Dollar nach oben gezogen hatte, nun verpufft ist.

Und es gab wieder zahlreiche Gewinnwarnungen. Von den Gesellschaften, die ein Update ihrer Geschäftsentwicklung präsentierten, haben 59 % schlechte News vermeldet ... verglichen mit 49 % vor einem Jahr. Nur 20 % sagten, dass sich die Dinge besser als erwartet entwickeln würden.

Die US-Unternehmensgewinne fallen, weil die amerikanischen Konsumenten nicht mehr so viel wie früher konsumieren. Der Rückgang der Konsumausgaben spiegelt sich in den Einzelhandelsumsätzen wider – die normalerweise um 1 oder 2 Prozentpunkte fallen – und im schrumpfenden Handelsbilanzdefizit ... das im Februar leicht auf 40,3 Mrd. Dollar zurückgegangen ist.

Was auch auf die Gewinne drückt, sind die Nachwirkungen der Fehler, die die Unternehmenslenker gemacht hatten, als sich niemand darum gekümmert hatte. Jetzt ist die Zeit der großen Firmenwertabschreibungen, und es wird zunehmend zu einer ehrlichen Bilanzierungspraxis zurückgekehrt.

Ich weiß, dass ich Ihnen, liebe(r) Leser(in), das nicht zu sagen brauche – aber solange die Unternehmen nicht wieder Geld verdienen, werden sie keine neuen Leute einstellen oder ihre Netto-Investitionen ausweiten. Das lässt die Bürde der Wirtschaft auf dem Rücken des Konsumenten – eine Bürde, die er immer weniger schultern kann.

Keiner dieser Trends – bei den Konsumausgaben und bei den Unternehmensgewinnen – wird schnell enden. Stattdessen wird der langsame, softe Abschwung wahrscheinlich weitergehen ... was vielleicht das Beste ist, worauf man hoffen kann.

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Ernüchternde US-Wirtschaftsdaten

von unserem Korrespondenten Eric Fry in New York

Laut einer Umfrage des "Business Roundtable" wollen die Vorstandsvorsitzenden der großen US-Gesellschaften in den nächsten 6 Monaten weiter Arbeiter entlassen. Nur 9 % wollen neue Arbeiter einstellen, während 45 % Leute entlassen wollen. Autsch!

Hinzu kommt, dass 27 % der Top-Manager sagen, dass sie in den nächsten 6 Monaten ihre Netto-Investitionen herunterfahren werden ... und nur 18 % wollen sie erhöhen. Doppeltes Autsch!

Angesichts dieser Umfrageergebnisse könnte man denken, dass die tatsächliche Wirtschaftslage schlechter ist, als es die offiziellen Zahlen zum US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) zeigen. Vielleicht ist die Wirtschaft schwächer, als es aussieht, weil sie niemals so stark war, wie es in den Jahren der Spekulationsblase ausgesehen hatte.

Mit anderen Worten: Auch wenn die Wirtschaftslage damals gut war, war sie nicht SO gut, sagt Dr. Kurt Richebächer (der gelegentlich Gastartikel für den Investor`s Daily schreibt). Dr. Richebächer meint: "Was für die Gesundheit und Stärke einer Volkswirtschaft zählt, ist nicht nur die Höhe des BIPs, sondern auch dessen Qualität, womit ich die Wachstumsquelle und das Wachstumsmuster meine. Wirklich gesundes und nachhaltiges Wachstum wird durch den Ansporn `attraktive Gewinne durch Investitionen` geschaffen. Aber das hat in den USA sehr gefehlt."

Dr. Richebächer verweist auf die Jahre 1997–2001, als der Konsum für 82,6 % des amerikanischen BIPs verantwortlich war. "Dieser Anteil lag 15 Prozentpunkte über dem langjährigen Durchschnittswert", so Dr. Richebächer. "Laut der offiziellen Interpretation und der allgemeinen Wahrnehmung wurde das Wachstum der US-Wirtschaft in diesen Jahren durch starke Investitionen und Produktivitätswachstum angeführt. Aber die schmutzige Realität war, dass das Wachstum wie üblich durch die Konsumausgaben angeführt wurde, mit einem wichtigen Unterschied zu früher: Dieses Mal verschuldeten sich die Konsumenten extrem."

Natürlich können wir alle beklagen, dass der Anteil der Konsumausgaben am BIP zu hoch geworden ist – aber es gibt keinen Zweifel, wenn diese Konsumausgaben nicht da sein würden, dann würden wir sie vermissen. Zuletzt ist der amerikanische Konsument aber so ängstlich geworden wie ein irakischer General. In der Woche, die am 5. April endete, sind die Einzelhandelsumsätze um 0,5 % gefallen. In der Vorwoche hatte es bereits einen Rückgang von 1,4 % gegeben.

Dr. Irwin Kellner, Chefvolkswirt der North Fork Bank, schreibt dazu: "Eins ist sicher: Im Februar hat die US-Wirtschaft aufgehört zu wachsen, und seitdem ist sie zurückgegangen. Der Verlust von fast einer halben Million Arbeitsplätzen in den letzten beiden Monaten hat die Leute mehr verunsichert, als jede Unsicherheit wegen des Krieges ... der Prozentsatz der Leute, die seit 6 Monaten oder länger ohne Arbeit sind, steht so hoch wie noch nie in den letzten 50 Jahren. Die Umsätze mit relativ teuren Konsumgütern wie Autos gehen zurück, und der Tourismus und Flüge haben zu leiden ... nicht überraschend ist es da, dass die Fabriken derzeit so niedrig ausgelastet arbeiten wie seit 20 Jahren nicht mehr ..."

Es gibt Gerüchte, dass der US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld demnächst Syrien angreifen will. Und warum nicht? Es ist schließlich viel billiger, die Bomben, die vom Irakkrieg übriggeblieben sind, auf irgendwelche Nachbarländer des Irak zu schmeißen, als sie den ganzen Weg nach Hause zurückzuschippern.

Wen sonst könnte der Falke Rumsfeld noch im Visier haben? Iran? Saudi Arabien? Die Bahamas? Und was ist mit diesen Kanadiern? Natürlich sehen die Kanadier derzeit wie nette Leute aus. Aber wer weiß, was für böse Pläne sie in der Zukunft ausbrüten könnten. Wäre es da nicht besser, das potenziell böse kanadische Regime zu stürzen, BEVOR es böse Taten vollbringen kann? Und nebenbei – Kanada ist reich an Bodenschätzen, die die USA gut gebrauchen könnten. Angesichts der kriegerischen Planung von Rumsfeld könnten die Investoren darüber nachdenken, US-Aktien zu verkaufen, um danach auf zwei Ereignisse zu warten: Zuerst einmal auf vernünftige Bewertungen am Aktienmarkt (entweder durch fallende Kurse oder steigende Unternehmensgewinne) und dann auf die Rückkehr von so etwas wie Vernunft ins amerikanische Verteidigungsministerium.

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Kriegsmonumente

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

"Eine der außergewöhnlichsten militärischen Kampagnen, die jemals durchgeführt wurden."

- Dick Cheney

Was am Irakkrieg so außergewöhnlich war, das war nicht die Leistung der US-Truppen ... denn die war erwartet worden ... sondern die Inkompetenz ihrer Gegner.

Es war auch nicht so sehr überraschend, dass das irakische Militär ein so armseliger Gegner für die US-Truppen war ... aber es war überraschend, dass der Irak überhaupt kein Militär zu haben schien. Die kleinen Widerstandsgruppen schienen selbständig zu handeln, ohne Generäle und ohne einen koordinierten Verteidigungsplan. Die Brücken in Bagdad wurden für den Feind intakt gelassen. Vereidigungspositionen wurden aufgegeben ... oder niemals besetzt. Die Ölpumpen arbeiteten weiter ... und Saddam Hussein erschien nicht auf dem Schlachtfeld, um seinen Truppen Kampfgeist zu geben – wie Napoleon oder General Lee (im amerikanischen Bürgerkrieg).

Schon vor Kriegsausbruch berichteten die ausländischen Korrespondenten im Irak von nur geringen Kriegsvorbereitungen. Und dann, als der Krieg begann, eilten die irakischen Soldaten nicht in ihre Verteidigungsstellungen – denn die gab es gar nicht.

Es war so, als ob Goliath David angreifen würde, und David würde zwar die Schleuder finden, aber keinen Stein. Schlimmer noch – der unglückliche David wusste gar nicht, wie man eine solche Schleuder benutzen sollte.

Letzte Woche habe ich meine Enttäuschung über George W. Bush zum Ausdruck gebracht. Heute schreibe ich, um meine Verehrung für ihn auszudrücken. Ich sehe jetzt die Genialität der Falken in seiner Administration: Man muss den Feind mit Krieg bedrohen, wenn er nicht abrüsten will ... man sendet dann Inspektoren in sein Land, die kontrollieren sollen, ob Waffen vorhanden sind ... und dann greift man an, wenn die Waffeninspektoren nichts finden können.

Diese Taktik haben schon die alten Römer benutzt. Niemand wollte als erster angreifen; denn die Kriegsgötter bevorzugen Aggressoren nicht. Aber wenn man schon zuerst angreift, dann sollte man einen guten Grund haben ... oder einen guten Grund vortäuschen.

Michel, ein französischer Freund von mir, erklärte mir vor einigen Wochen dazu: "Die Römer sendeten Barbaren gesegnete Hühner als `Friedensgeste`. Natürlich aßen die Barbaren diese Hühner dann auf – sie wussten nicht, dass es geheiligte Hühner waren. Das war für die Römer ein Kriegsgrund – denn der Feind hatte die geheiligten Hühner gegessen!"

Im modernen Rom (wo ich mich gerade aufhalte) sind überall Monumente, die an die Kriege Roms und die Kaiser und Feldherren, die sie geführt haben, erinnern. Ich merke gerade, dass die Kriege der USA gegen den Irak und gegen Afghanistan zwar außergewöhnlich sein mögen, aber sie sind nicht ohne Vorgänger in der Geschichte.

Rom musste von Beginn an – seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. – seine Grenzen gegen wirkliche und potenzielle Feinde verteidigen. Die Etrusker, die Sabiner, die Sardinier, die Illyrer, die Kelten, die Germanen, die Parther, die Meder, die Karthager ...

Die Liste geht immer weiter, und jeder Name bedeutet Schlachten, Kriege und Triumphe ... und gelegentliche Niederlagen ...

Aber wir müssen nicht in die Antike zurückgehen, um so außergewöhnliche Kriege wie den Irakkrieg zu finden. Die Kolonialkriege, die Großbritannien im 19. Jahrhundert führte, um sein Imperium zu erweitern, waren nicht so unterschiedlich. In diesen Kämpfen – wie der Schlacht bei Khambula gegen die Zulus im Jahre 1879 – schafften es zahlenmäßig unterlegene, gut ausgerüstete und disziplinierte britische Truppen, die mit der damals neuesten Technologie ausgerüstet waren, erheblich größere Armeen zu besiegen ... und sie schafften es, Länder zu unterwerfen, die ein Vielfaches der Größe Großbritanniens betrugen.

Man kann den Irakkrieg auch mit dem griechischen Unabhängigkeitskrieg Anfang des 19. Jahrhunderts (Griechenland war damals Teil des Osmanischen Reichs) vergleichen ... in dem die Briten gegen die Türken intervenierten. Die Türken waren so schlecht organisiert und so schlecht ausgebildet, dass die britischen Marineoffiziere meinten, "der sicherste Platz sei direkt vor den türkischen Kanonen." Man hätte diesen Krieg damals "Operation griechische Freiheit" nennen können, wenn die Briten mehr auf Umfragewerte geachtet hätten. Die Befreier dachten, dass sie die Nachkommen von Plato und Euklid von ihren muslimischen Unterdrückern befreien würden. Die Briten waren militärisch bald Herr der Lage ... aber sie hatten keine Idee, in was sie sich da eingelassen hatten.

Beispielsweise ging Lord Byron nach Griechenland, um persönlich den Unabhängigkeitskrieg zu unterstützen. Aber er war bald abgeschreckt – denn die Griechen nutzten die Unabhängigkeit als Ausrede dafür, um den Türken die Hälse durchzuschneiden ... der Krieg, den die Briten begonnen hatten, war nicht so sehr ein edler Freiheitskampf, sondern ein allgemeines Blutbad – in dem sich die Türken und Griechen gegenseitig zu Tausenden töteten.

In London wurden ein oder zwei Gedenksäulen aufgestellt ... und dann war die ganze Affäre schnell vergessen.

Aber wohin haben diese imperialen Kriege geführt? Wurden die imperialen Staaten dadurch sicherer ... oder die Bürger dieser Staaten reicher?

Gibt es wirklich nicht mehr als diese Monumente ... diese Relikte aus Zement und Stein ... die wie die Knochen eines ausgestorbenen Raubtiers in der warmen italienischen Sonne vor sich hin liegen?

Mehr dazu demnächst ...

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investorverlag.de
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15.04.03 01:11:08
Beitrag Nr. 2.537 ()
Ein Gesundheitswesen nur für Gesunde?

Die Schönrederei der neuesten Entwürfe überdeckt nicht den Mangel an Realitätsorientierung der damit befaßten Kommissionen. Zudem sind die Vorschläge an sich unsinnig, denn Kranksein ist weder planbar noch "durchökonomisierbar".


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Benachteiligung der chronisch Kranken
"Deutsches Zentrum für Qualität in der Medizin"
Schöne Bescherung

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"Unser Gesundheitswesen droht die Tradition der Nächstenliebe und der Zuwendung zu verlieren, wenn wir es allein den Ökonomen und Theoretikern überlassen", erklärte der Präsident der Bundesärztekammer Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe bei der Delegiertenversammlung der Ärztekammer Nordrhein am 22.März in Aachen. Der Ärztepräsident warnte vor der strengen Durchökonomisierung bei der Behandlung von kranken Menschen. Nach der Gesundheitsreform 2003 dürfe das Gesundheitswesen nicht nur ökonomischen Wettbewerbsregeln folgen. "Kranke Menschen zu versorgen, erfordert zunächst einmal ärztliche Verantwortung und Menschlichkeit", sagte Hoppe.

Wie recht er mit seiner Warnung hatte, zeigt sich an der Rohfassung zur neuen Gesundheitsreform. "Mehr Wettbewerb" scheint auch die neue Parole der Reform in diesem Jahre zu werden. Danach soll ein verbesserter Wettbewerb unter den Leistungserbringern zu mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit führen. Das hat bisher in keinem Bereich funktioniert, egal welchen man sich näher betrachtet - und dabei ging es "nur" um Infrastruktur, Energieversorgung etc. Aber im Gesundheitswesen hat man es bekanntlich mit Menschen zu tun und nicht mit Maschinen.

Trotzdem soll jetzt ausgerechnet mehr Wettbewerb unter den Krankenkassen, den Krankenhäusern und den Ärzten zur Rettung des Gesundheitswesens führen. Wobei man sich inzwischen fragen muß, ob die gute Gesundheitsversorgung der Bevölkerung überhaupt noch die Absicht dieser Bundesregierung ist.

Das Ziel ist in jedem Fall, daß Krankenkassen mit den Ärzten nun Einzelverträge abschließen können und dies nicht mehr über die Kassenärztlichen Vereinigungen tun müssen. In der Folge entstünde ein Wettbewerb unter den Leistungserbringern um Vertragsabschlüsse mit den Kassen. Und auch die Krankenkassen gerieten in einen Wettbewerb untereinander. Diesen Wettbewerb, das gibt man inzwischen auch offen zu, werden nicht alle Ärzte und Kassen überleben. Also beste Versorgung für die Bevölkerung?!

Der erklärte Hauptfeind der Krankenkassen und der Bundesgesundheitsministerin sind auf diesem Wege die Kassenärztlichen Vereinigungen. Im Gesetzesentwurf zur neuen Gesundheitsreform will Ulla Schmidt den Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigungen auch nur noch auf die hausärztliche Versorgung beschränken. Man muß davon ausgehen, daß die Krankenkassen die Ärzte zunächst mit guten Angeboten locken werden. Nach Abschluß eines Einzelvertrages aber kann der Arzt nicht mehr in den bisherigen Kollektivvertrag zurücktreten - es wird für ihn nur noch den Kampf ums Überleben geben.



Benachteiligung der chronisch Kranken
Auch sonst birgt der Entwurf zur Gesundheitsreform viel Sprengstoff. So will die Ministerin das System der Zuzahlungen neu ordnen. Wenn sich Versicherte in Hausarzttarife ihrer Kassen einschreiben und nicht mehr ohne Überweisung einen Facharzt aufsuchen, sollen sie mit geringeren Zuzahlungen belohnt werden. Sie zahlen künftig, unabhängig von der Höhe ihres Einkommens, nur noch einen Euro pro Medikament. Für diese Versicherten gibt es keinen direkten Zugang zum Facharzt, da sowohl ein Überweisungsvorbehalt als auch die Berichtspflicht des Facharztes an den Hausarzt zur Regel wird. Dem Hausarzt soll damit eine "kostensenkende Lotsenfunktion" im Gesundheitswesen zukommen.

Chronisch Kranke, die auf den Facharzt angewiesen sind, werden dabei wohl von vornherein ausgeschlossen. Aber es wird sie noch härter treffen, wenn die bisherige Härtefall-Regelung, nach der chronisch Kranke und Einkommensschwache generell nichts zuzahlen, entfällt. Der Präsident des Sozialverbandes VDK, Walter Hirrlinger, bezeichnete diese Pläne richtigerweise als "ungerecht", da chronisch Kranke benachteiligt würden: "Dann sind diejenigen, die am wenigsten besitzen und am meisten krank sind, die Dummen." Er fügte hinzu: "Man kann doch nicht sagen: Wer mehr braucht, hat Pech gehabt." Wer allerdings auch künftig den freien Zugang zu allen Fachärzten haben will, zahlt weiterhin bis zu 5 Euro für ein Medikament.

Während Hausärzte künftig grundsätzlich eine Kopfpauschale erhalten sollen, werden die Fachärzte nach Fallpauschalen und Leistungskomplexen honoriert: "Die Vergütung erfolgt in Abhängigkeit von der Beachtung bestimmter Leitlinien." Diese Leitlinien soll das geplante Zentrum für Qualität in der Medizin ausarbeiten. Dieses Zentrum soll nicht nur Patienten informieren, sondern auch Behandlungsleitlinien für Ärzte erarbeiten und die Preise neuer Medikamente unter die Lupe nehmen. Damit tut man so, als könnte man Patienten in Schemata pressen. Es ist also nicht genug damit, daß die freie Ausübung des Arztberufes durch festgelegte Budgets beschnitten wird, nun soll auch noch festgeschrieben werden, wie behandelt werden darf. Das aber ist "Staatsmedizin" im negativsten Sinne.



"Deutsches Zentrum für Qualität in der Medizin"
Diese Entwürfe beschneiden den Einfluß der Kassenärztlichen Vereinigungen und des Kassenärztlichen Bundesverbandes (KBV) derart, daß in Zukunft das neu zu schaffende Deutsche Zentrum für Qualität in der Medizin zu einem Machtfaktor wird, da es "für die Bewertung des medizinischen Nutzens und der Qualität sowie der Wirtschaftlichkeit der Leistungen" in vielen Bereichen die Leitlinien aufstellen wird:

Bereitstellung von Informationen für Versicherte über Leistungen, Qualität und wissenschaftliche Erkenntnisse in der ambulanten und stationären Versorgung,
Erstellung von evidenzbasierten Leitlinien und pflegerischen Standards für ausgewählte Krankheiten,
Erstellung von wissenschaftlichen Arbeiten und Stellungnahmen zur Qualität der Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV),
Abgabe von Empfehlungen an die Bundesausschüsse,
Abgabe von Empfehlungen zur Anerkennung von Fortbildungsmaßnahmen für den Nachweis der Fortbildungspflicht der Ärzte (an ihre Erfüllung soll der Bestand der Zulassung geknüpft werden),
Abgabe von Empfehlungen an die Spitzenverbände der GKVen über Referenzarzneimittel zur Bildung eines vorläufigen Festbetrages und
von 2005 an die Abgabe von Empfehlungen, für welche chronischen Krankheiten Disease-Management-Programme entwickelt werden sollten und welche Anforderungen an diese zu stellen sind.
Das Zentrum soll den Autoren nach "eine wichtige Hilfestellung für die Selbstverwaltung" werden, d.h. die Entscheidungsgewalt über Art und Umfang der medizinischen Versorgung sowie die künftige Arzneimittelversorgung in Deutschland läge in letzter Konsequenz beim Zentrum. Dieses gibt dann "Empfehlungen zum Nutzen einschließlich seiner finanziellen Bewertung sowie zur Anwendung der Arzneimittel" an die Bundesausschüsse, ebenso auch bei Erstzulassungen von patentgeschützten Arzneimitteln und für Medikamente, "die von erheblicher Bedeutung für die Patientenversorgung sind oder erhebliche Ausgaben verursachen". Dabei wären politische Vorgaben leichter vorzuschreiben und durchzusetzen. (Bei der gegenwärtigen finanziellen Lage der GKV beträgt das vorläufig berechnete Defizit für das abgelaufene Jahr 2002 2,96 Milliarden Euro.)


Schöne Bescherung
Bei der geplanten Praxisgebühr von 10 bis 15 Euro sind Ausnahmen vorgesehen. Diese Abgabe soll demnach nur erhoben werden, wenn ein Patient ohne Überweisung einen Spezialisten aufsucht. Aber schon wird geunkt, daß die Hausärzte dann wieder die Kosten in die Höhe treiben, da sie für jede Überweisung eine Beratung in Rechnung stellen würden. Und überhaupt: Erst wählt man den Tarif, der freien Zugang zu den Fachärzten gewährt, zahlt auch schön seine 5 Euro pro Medikament, um dann an der nächsten Tür noch einmal zur Kasse gebeten zu werden.

Falls Sie in der nächsten Zeit eine Blindarmoperation hätten, könnte es Ihnen passieren, daß Sie um die Kostenübernahme durch ihre Krankenkasse streiten müßten. Meistens passieren Blindarmoperationen aber spontan, da die Beschwerden erst im Akutstadium auftreten, und sie lassen sich schlecht planen. Trotzdem schlägt die AOK das Unmögliche vor. Die Bedarfsplanung der Länder, die die Betten- und Leistungskapazitäten festlegt, solle durch bundeseinheitliche Vorgaben ersetzt werden, was z.B. bedeutete, daß auf Bundesebene ermittelt und festgeschrieben würde, wie viele Blindarmoperationen in einer Region benötigt werden. Nach Bedarf könnten die Kassen dann Verträge mit ausgewählten Krankenhäusern über die notwendigen Operationen abschließen. ("Blinddarmoperation? Vorgaben für dieses Jahr leider schon erfüllt!") Die Idee dahinter ist natürlich die langfristige Schließung von Krankenhäusern und ein weiterer Bettenabbau.

Daß den Patienten und Ärzten noch einiges blüht, zeigte sich kürzlich in Hamburg. Da hatte die BKK Ende März eine Liste mit zehn Arztpraxen veröffentlicht, die durch besonders häufiges Krankschreiben "auffällig" geworden seien. Diese Liste schickte die Kasse an mehr als 2000 Hamburger Unternehmen und forderte die Firmenchefs auf, Blaumacher-Verdachtsfälle unter den Mitarbeitern an die Kasse zu melden. Nicht nur, daß Ärzte auf niedrigste Art und Weise diffamiert werden und daß Leute aufgefordert werden, andere zu denunzieren, es werden auch Patienten auf bloßen Verdacht hin für gesund erklärt. Das ist eine klare Grenzüberschreitung. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, Michael Späth, sieht indes den Straftatbestand der Verleumdung erfüllt. Wenn die Sanierung einer Krankenkasse solche Ausmaße annehme, "dann muß man sie endlich schließen". Die BKK Hamburg ist mit 40 Millionen Euro stark verschuldet.. ...

Frauke Richter
Aus der Neuen Solidarität Nr. 16/2003
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15.04.03 01:44:20
Beitrag Nr. 2.538 ()
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Operettenimperialismus

Ulrich Berger und Christoph Stein 14.04.2003
Zu Emmanuel Todds Nachruf auf die Weltmacht USA

Allenthalben hört man von der unendlichen Überlegenheit der USA, von ihrer ökonomischen Übermacht, ihrer waffentechnischen Einzigartigkeit, ihren unendlichen Ressourcen. An einem beliebigen TV-Abend hört man dieses Mantra mindestens ein dutzendmal, teilweise drei- viermal kurz hintereinander. Im scharfen Kontrast zur angeblichen Allmacht der USA stand das Vorspiel zum Irak-Krieg im UN-Sicherheitsrat: Die USA und Großbritannien standen allein. Mexiko, Chile und Deutschland sagten nein, selbst politische und wirtschaftliche Zwerge wie Angola muckten auf und zum Schluss verweigerte gar die Türkei die Gefolgschaft. Und auch jetzt geht das Gezerre in der UNO munter weiter. Zwei Fragen drängen sich auf: Sind die USA wirklich so mächtig? Braucht die Welt diese Macht überhaupt?






Emmanuell Todd, französischer Demograf und Historiker, der in einer Studie schon 1976 den Untergang der Sowjetunion vorhergesehen hat, beantwortet in seinem Essay "Weltmacht USA. Ein Nachruf", beide Fragen mit einem klaren Nein. Das Buch wurde bisher schon in 11 Sprachen übersetzt und hat eine lebhafte Debatte ausgelöst. Unter anderem auf der webpage der schweizer Wochenzeitung WOZ.






Die globale Schwäche der USA


Das Buch steht in einer Reihe verschiedener Theoretiker, für die die USA sich eher im Niedergang als im Aufstieg befinden. Erinnert sei an einige Stimmen aus den letzten Zeit (s. a. Defense Strategy Review):

Immanuel Wallerstein, einer der führenden Historiker an der Yale-Universität, schrieb in der Zeitschrift Foreign Policy einen langen Aufsatz The Eagle Has Crash Landed unter der Frage: "Werden die Vereinigten Staaten lernen, ruhig zu verblassen, oder wird der Widerstand der Konservativen den langsamen Niedergang in einen raschen und gefährlichen (für die ganze Welt gefährlichen) Fall verwandeln?"
Anatol Lieven von der Carnegie-Stiftung beschreibt das Dilemma eines amerikanischen Imperiums: Er ist entweder zu teuer, oder es funktioniert nicht.
Charles Kupchan, Professor an der Georgetown University stellt die Frage nach dem Ende des Westens und dem Beginn einer Entfremdung zwischen Europa und den USA mit ungewissen Ausgang für die USA.
Martin Walker, Fellow am World Policy Institute, spricht von Amerikas virtuellem Imperium aus Microsoft und Coca Cola, und warnt vor dem Bestreben nach einem realen Imperium, das dann ebenso verwundbar wird, wie alle Imperien die in der Geschichte schon untergegangen sind.
Michael Hardt warnt die globalen Eliten, dass der US-Imperialismus nicht in ihren Interesse ist, da er dem alten und stets gescheitertem hybriden Glauben eines jedem Imperialismus folgt, er könne die Welt nach seinem Bilde formen.
Todd sieht in dem martialischen Auftreten der USA auf der Weltbühne den Versuch die eigene Schwäche zu überspielen und sich unentbehrlich zu machen. Tatsächlich brauche die Welt die USA nicht als Weltmacht, auch nicht im Kampf gegen den Terrorismus. Dieser werde sich ganz von selbst erledigen, meint Todd.


Der weltweite Sieg der Demokratie


Für Todd befindet sich die Welt auf einem eigentlich guten Wege. Es gibt einen gewaltigen kulturellen Fortschritt, der alle Länder, auch und gerade die ärmsten, erreicht hat, die anhaltende Alphabetisierung und die Geburtenkontrolle. Im gleichen Maße, wie die Alphabetisierungsquote weltweit gestiegen ist, ist die Geburtenrate weltweit gesunken.

Beide Tendenzen zusammen bewirken eine kulturelle Revolution, die die Menschen aus ihren traditionellen Verwurzelungen heraus- und sie hineinreißt in eine Übergangskrise aus Orientierungslosigkeit und Leid sowie Aufbruch und Hoffnung. Diese Übergangskrise ist nicht sehr verschieden von der Krise, die wir in Europa vor 200, 300 Jahren durchlebt haben. An Ende dieser Übergangskrise, die in den islamischen Ländern den Terrorismus hervorgebracht hat, wird ebenso wie in der europäischen Vergangenheit eine Stabilisierung und eine Demokratisierung eintreten, in welcher Form auch immer. Der Terrorismus ist ein vorübergehendes Phänomen, das in nächster Zukunft von selber verschwinden wird, ganz ohne jegliche Intervention von außen. Die Welt befindet sich unaufhaltsam auf dem Weg zu Demokratie und Liberalität. Todd fügt mit diesen Überlegungen demografisches Fleisch an die dürren, spekulativen Thesen Francis Fukuyamas .

Für die USA bedeutet dieser Prozess der Demokratisierung der Welt eine ernsthafte Bedrohung: Sie wird als Weltpolizist überflüssig.


Verlust der Hightech-Überlegenheit


Zu diesem Funktionsverlust kommt nach Todd noch eine weitere Kränkung hinzu: Die USA befinden sich wirtschaftlich in einer Situation zunehmender Schwäche. Todd begründet dies mit dem schon vielfach diskutiertem Fakt des immensen Außenhandelsdefizits. Dieses Defizit wird in der deutschen linken Debatte gerne als Menetekel des bald bevorstehenden endgültigen Zusammenbruchs des Kapitalismus angesehen, Todd interpretiert es jedoch auf eine neue und theoretisch interessante Weise.

Zum Verständnis des Außenhandelsdefizits der USA bieten wir im folgenden einige Grafiken, wirtschaftliche Daten und zusätzliche Überlegungen, die sich zwar nicht bei Todd finden, die uns aber die Darstellung seiner Überlegungen erleichtert.




Quelle: Hypovereinsbank






Die deutschen Lohnstückkosten sinken mit geringen Schwankungen, seit 1993 kontinuierlich, die Folge der stetig steigenden Produktivität und der stagnierenden Löhne. Das Resultat ist der deutsche Exportboom und der deutsche Kaufkraftschwund.. Die US-Lohnstückkosten dagegen steigen im gleichen Zeitraum, ihre Produkte sind auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig.





Eigene Grafik nach Daten des Bureau of Economic Analysis






Als Folge bleibt das Wachstum der industriellen Güterproduktion der USA seit Mitte der 1980er Jahre hinter den anderen Branchen, insbesondere Handel, Dienstleistungen und Finanzdienstleistungen weit zurück.



Quelle: Hypovereinsbank






Im gleichen Maße wächst das Handelsbilanzdefizit. Es hat im letzten Jahr die astronomische Summe von 500 Milliarden $ pro Jahr angenommen.

Diesen Daten entspricht auch die Alltagserfahrung: Computer stammen aus Taiwan. Werkzeugmaschinen und Autos stammen aus Deutschland. Roboter stammen aus Japan.

Einzig in dem schmalen Segment der CPUs halten die USA noch ein Monopol und auch Microsoft behauptet sich noch im Markt der Betriebssysteme und Bürosoftware, obgleich bedroht von Linux und Konsorten. Ansonsten kämpfen die USA um ihre Pfründe aus vergangenen Zeiten, um Urheberrechte und Patente. Der amerikanische Kapitalismus ist auf dem Weg in den Rentierkapitalismus. Die USA haben ihre Produktion ausgelagert, damit aber haben sie auch ihren Entwicklungsvorsprung verloren.

Die USA haben ihre Überlegenheit auf dem Hightech-Sektor nicht kampflos aufgegeben, sie haben alles, was ihnen möglich war, versucht: Geheimhaltung, Exportbeschränkungen, Industriespionage. Es hat alles nichts genutzt. Grund war vermutlich, neben rein ökonomischen Faktoren, ein kultureller Faktor.

"Ökonomie" ist nach unserer Überzeugung keine ontologische Wesenheit, die man aus sich selbst heraus begreifen könnte, sondern bestenfalls eine Betrachtungsweise mit begrenzter Aussagekraft. In das tatsächliche Wirtschaften gehen politische, mentale, demografische etc. Faktoren mindestens gleichgewichtig ein.

Am Beispiel der Softwareentwicklung wird dies anschaulich. Im US-amerikanischen, wenn auch vielleicht nicht im kalifornischen Verständnis ist Software, wie jede andere geistige Schöpfung auch, eine Ware wie alle anderen, verdammt dazu, ein Handelsartikel zu sein und seinem Produzenten Geld, möglichst viel Geld einzubringen. In einem alteuropäischen und auch asiatischen Sinn ist eine geistige Schöpfung, also auch Software, Gemeineigentum der Menschheit. Dieser geistige Krieg zwischen einem proprietären und besitzegoistischen und einem universalistischen und kooperativen Verständnis der neuen Technologien ist unserer Überzeugung nach im Begriffe, zugunsten des universalistischen und kooperativen Zugangs auszugehen.

Neue Technologien, also wissensbasierte Technologien, üben einen stummen Zwang zur Kooperation, zum Universalismus aus. Kein Konzern, kein Land kann sich dieses Wissen monopolistisch aneignen. Ein Unilateralismus auf dem Gebiet des Hightech ist nach unserer Überzeugung zum Scheitern verurteilt. Im Fall der USA ist dieser Versuch bereits geschehen. Da dies der neoliberalen Ideologie, dem Glauben an die Macht des Egoismus und der Abgrenzung widerspricht, dürfte diesem Glauben auch keine große Zukunft beschieden sein.


Der amerikanische Aktienboom


Die USA haben ihren technischen Vorsprung auf fast allen Gebieten eingebüßt. Todd erwähnt in seinem Buch exemplarisch das europäische Satellitennavigationssystem Galileo und die Stärke von Airbus.

Die USA sind den Weg der geringsten Mühen gefolgt. Sie haben ihre Position als letzte Supermacht sowie die Rolle des US-Dollar als faktische Weltwährung ausgenutzt und eine Politik des starken Dollar verfolgt. Dieser schwächte zwar die US Industrieproduktion und begünstigte die Importe, mit der Folge eines wachsenden Handelsbilanzdefizits, auf der anderen Seite aber war der US-Dollar ein natürlicher sicherer Hafen, eine globale Anlagewährung. Die USA konnten so ihre defizitäre Handelsbilanz über Kapitalimport finanzieren, mit der Folge stetig steigender Aktienkurse, was wiederum neues Kapital anlockte und die Kurse weiter in die Höhe trieb. Ein über 10 Jahre sich ständig selbst verstärkender Kreislauf. Die Kurve des Dow Jones Index zeigt dies anschaulich. Man erkennt deutlich den seit Mitte der 80er Jahre stetig ansteigenden Kursverlauf (aufsteigender Korridor) und den Bruch in dieser Kurve seit Ende 1999. Die Kurve bewegt sich "seitwärts", aber mit deutlichem Trend nach unten (rot gezeichneter Korridor).




Quelle: Grafik nach Elliott Wave Technical Analysis and Market Timing for Dow Jones






Die USA exportieren keine Waren, sie exportieren Aktien. Dieser Export stieg von 35 Milliarden US-Dollar im Jahre 1991 auf 502 Milliarden US-Dollar im Jahre 2001. Der Kauf einer Aktie ist aber nur in Ausnahmefällen, bei den eher seltenen Aktienemissionen, eine Investition in ein Unternehmen. In den meisten Fällen ist der Aktienhandel ein Second-hand-Handel, der Kauf einer Aktie von einem Vorbesitzer. Und dieser kann sich für das Geld dann Beliebiges kaufen, Truthahnbraten, Rotwein oder auch einen neuen Porsche. Das Resultat ist eine historisch bisher einzigartige Situation: Die USA bilden den globalen Endverbraucher im Sinne der Keynesschen Theorie, der die ganze Welt für sich arbeiten lässt und diesen Megakonsum mit dem Profit der Eliten der anderen Länder finanziert. Dieses Geld fehlt dann trivialerweise in den anderen Ländern, mit der Folge, dass dort die Nachfrage zusammenbricht. Diese schwelende Deflation kann jederzeit in eine akute deflationäre Abwärtsspirale umschlagen.

Todd beschreibt das als eine globalen keynesianischen Situation: Das weltweite Zinskapital wird von den USA aufgesogen und in Konsum verwandelt. Diese Interpretation der amerikanischen Verschuldung erscheint uns bemerkenswert. Sie beantwortet eine Reihe von ansonst nicht beantwortbaren Fragen:

Warum befinden sich alle Industrieländer, außer den USA, hart am Rande der Deflationskrise?
Warum scheitern alle Versuche, wirtschaftspolitisch von den USA zu lernen?
Warum gibt es keine keynesianische Wirtschaftspolitik mehr in Europa?
Warum scheint Deutschland in einer unaufhaltsamen Abwärtsbewegung gefangen zu sein?
Die Situation der USA erinnert an das römische Imperium. Auch Rom hat die Produkte der ganzen damaligen Welt konsumiert und selbst nichts produziert, jedoch mit einem wesentlichen Unterschied: Die damaligen unterworfenen Völker, ihre Eliten ebenso wie deren Untertanen, wussten sehr genau, welchen Tribut sie Rom entrichten mussten. Heute wird stattdessen in populistischen Wirtschaftsmagazinen der naive Glauben genährt, das Geld, das an die Wallstreet fließt, würde in produktive Anlagen investiert. Ein Glaube, der unserer Ansicht nach, durch diverse Mythen noch verstärkt wird:

Der Mythos von der postindustrielle Gesellschaft


Die Mythen über das Wunder der amerikanischen Wirtschaft lassen sich in eine einfache Formel fassen: Wir sind noch nicht so weit. Man stilisiert die einzigartige Situation der USA zum historischen Trend, liest etwa aus dem Niedergang der amerikanischen Industrie und dem Aufblähen des Dienstleistungssektors und des Konsums eine neue historische Epoche heraus und erfindet eine neue Gesellschaftsformation: Die postindustrielle Dienstleistungsgesellschaft.

Tatsächlich bedeutet der technische Strukturwandel das Ende der fordistisch organisierten Industrie. Also nicht die Abkehr von der Industrie überhaupt, sondern eine anders organisierte Industrie. Ihre Kennzeichen sind enge kooperative Strukturen aus Grundlagenforschung, Entwicklung und Produktion, organisiert in kleinen, flexiblen Einheiten.

Der Untergang der fordistischen Industrie hat eine immense Zahl von Arbeitskräften in die Arbeitslosigkeit entlassen. Ob die neuen Produktionsstrukturen eine gleichwertige Zahl neuer Arbeitsplätze schaffen, ist noch offen, auf jedem Fall wird sich das Qualifikationsprofil entscheidend wandeln. Für unqualifizierte Hilfskräfte besteht kaum noch Bedarf.

Die verselbständigten Kapitalströme hingegen verzerren das Bild, sie bewegen sich konträr zur tatsächlichen wirtschaftlichen Entwicklung.

Die Krise der New Economy hat gewisse Zweifel geweckt an der Zukunftsfähigkeit der US-Ökonomie. Der Enron-Skandal, der Offenbarungseid des US-Besitzegoismus beim Umgang mit den neuen Technologien, demonstrierte den Eliten der Vasallen die Brüchigkeit der amerikanischen Wunder (vgl. den roten Korridor in der Kurve des Dow Jones oben).


Die amerikanische Paranoia


Das Resultat der Entwicklung der letzten 15 Jahre ist für Todd eine allseitige wirtschaftliche Abhängigkeit der USA. Sie sind abhängig vom Warenimport, nicht nur beim Öl, sondern bei allen Produkten und sie sind abhängig vom Kapitalimport. Diese Abhängigkeit ist für die USA eine neue Erfahrung. In ihrer gesamten bisherigen Geschichte waren sie wirtschaftlich autark. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam zu dieser Stärke, die aus der Autarkie stammte, noch ihre Rolle als Schutzmacht der kapitalistischen Nationen gegenüber der Sowjetunion hinzu. Sie waren stark und sie wurden gebraucht. Mit dem Ende der Sowjetunion haben sie ihre Funktion als Schutzmacht verloren und ihre Autarkie eingebüßt.

Der bequeme Weg, den die USA nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gegangen sind, führte sie in eine kontradiktorische Situation. Die Auslagerung der Produktion in die Peripherie widerspricht dem Wunsch nach Beherrschung der Peripherie.

Die Peripherie gewinnt technische Kompetenz und damit Macht und Selbständigkeit, die Zentrale des globalen Kapitals verliert dagegen ihre Suprematie. Mit dem Euro droht der Verlust des US-Dollar-Monopols und damit das mögliche Ende des scheinbar unendlichen Kapitalimports. Europa entgleitet der Kontrolle, Russland erholt sich wieder, China entwickelt sich unaufhaltbar zur Wirtschaftsmacht und Japan ist unverwüstlich.

Dies stürzt die USA in eine tiefe paranoide Krise. Ihre Antwort ist der verzweifelte und hybride Wille zur imperialen Weltgeltung.

Innenpolitisch schwindet das universelle, der Gleichheit zugewandte Bewusstsein, es steigt die Diskriminierung, etwa der Schwarzen und der Hispanos. Dieser innenpolitische Rassismus geht einher mit dem Willen nach imperialer Herrschaft über die Welt. Israels Diskriminierung der Palästinenser wird so zum Vorbild. Bemerkenswerterweise nutzt die ZEIT in ihrer Rezension vom 27. März 2003, die die wesentliche Argumente noch nicht einmal zutreffend referiert, diese kritische Beobachtung von Todd, um den Autor als "antiamerikanisch" und "antiisraelisch" abzuqualifizieren.

Jedoch reicht die tatsächliche Stärke der USA zu einem offenen, weltweiten Imperialismus nicht aus. Aus dieser Schwäche heraus und dem paranoiden Wunsch nach Stärke folgt eine theatralische Simulation der Überlegenheit, ein theatralischer Mikromilitarismus. Die USA haben keine imperiale Strategie, sie schaffen nur, wo sie können, Unordnung, um sich dann als angeblich unverzichtbare Ordnungsmacht ins Spiel zu bringen. Es war unserer Ansicht nach schon immer eine Strategie der USA, die eigene Stärke durch die Schwächung des Gegners zu sichern. Diese Strategie setzt aber eine tatsächliche eigene Stärke voraus. In dem Maße, in dem diese schwindet, wird diese Strategie irrational.

Der theatralische Mikromilitarismus der USA treibt die euroasiatischen Mächte in ein gemeinsames Boot.

Absehbare Folge wird eine multipolare Welt sein, in die sich auch die USA einordnen werden. Die regionalen Wirtschaftszentren werden wieder einen eigenen Keynesianismus entwickeln müssen, samt einem die Demokratie fördernden neuen wirtschaftlichen Protektionismus. Die UNO wird zukünftig eine wesentlichere Rolle spielen

Damit wird aber der globale Wallstreet Keynesianismus unhaltbar. Die USA werden sich also umorientieren und wieder selbst produzieren müssen. Todd sieht dies aber nicht als prinzipielles Problem an. Zwar schätzt er, dass der Lebensstandard der USA um 15 bis 20 Prozent sinken dürfte, wenn es sein Handelsbilanzdefizit ausgleichen muss, weil der Kapitalimport ausbleibt. Die amerikanische Flexibilität wede auch dieses Problem meistern. Wir denken, dass man an diesem Punkt skeptischer sein sollte. Immerhin gibt es in den USA einen recht militanten bewaffneten Rassismus.

Die USA besitzen vielleicht noch die globale Lufthoheit, auch in den Köpfen, aber auf dem Boden sieht es schon anders auf. Diese Kluft zwischen theatralischem Auftreten und beschworenem Bewusstsein und der tatsächlichen Stärke erinnert fatal an die letzten Jahre der Sowjetunion. Die Gebetsmühle von der "transatlantischen Freundschaft" weckt Assoziationen zur "unverbrüchlichen Freundschaft mit der Sowjetunion". Die Ähnlichkeit geht bis in die Details der Wortwahl. Todd sieht diese Parallele bei den Wirtschaftdaten der USA: Sie sind heute ähnlich zuverlässig wie die Planziffern der späten UdSSR.


Eine Alternative Sichtweise: Neoliberale Diktatur der Eliten


Die Züricher WOZ hat eine Debatte über das Buch von Todd eröffnet. Den Anfang macht ein Artikel von Oliver Fahrni Die Burg zieht die Zugbrücke hoch. Die Grundthese ist: Es geht nicht primär um die USA, sondern um den Weltbürgerkrieg einer globalisierten Elite gegen den Rest der Menschheit.



Tatsächlich ist Globalisierung ein soziales Erdbeben: die Lösung eines entscheidenden Teils des Kapitals von ihren Gesellschaften, also die Emanzipation von jener Form der politischen Organisation der Menschheit, die das Kapital mitgeschaffen hatte. Zwischen 1985 und 1995 entstanden mehr transnationale Konzerne als in den zweihundert Jahren zuvor. Sie erwirtschaften heute fünfzig Prozent der Wertschöpfung. Da ist eine Ökonomie entstanden, die sich jedem politischen Zugriff entzieht. (...)
Die rechten Revolutionäre um Wolfowitz & Kristol glauben, dass die Menschheit vor der Alternative steht, entweder mit der Marktwirtschaft zu brechen - was sie nicht wollen - oder mit zunehmenden sozialen Differenzen, zunehmender Gewalt, dem molekularen Bürgerkrieg zu leben. Dafür rüsten sie. Die Burg zieht die Zugbrücke hoch. Gated Communities sind das künftige Lebensmodell für die Eliten. Amerika sucht keine territoriale Ausdehnung. Sein Imperialismuskonzept ist nicht mehr amerikanisch - es ist das Unterfangen, sich den globalisierten Eliten als Gewaltmonopolist anzubieten. Um das durchzusetzen, werden Feinde geschaffen.





Wir haben an diesen Überlegungen unsere Zweifel. Ist "Marktwirtschaft" dasselbe wie Globalisierung? Wie sollen die strukturellen Nachfrageprobleme der Marktwirtschaft gelöst werden, ohne keynesianische Lösung, wie auch immer sie aussieht, also ohne Transformation des Zinskapitals in Konsumnachfrage? Dies ist die Stärke der Toddschen Überlegungen, auf die Oliver Fahrni leider nicht eingeht. Eine Diktatur der Elite bringt zur Lösung dieses prinzipiellen Problems nichts

Kann eine postfordistische Industrie als Diktatur einer Elite funktionieren? Gibt es kooperative Strukturen in einer neoliberalen Situation? Technologisch führend sind Japan und Deutschland, also Länder, in denen der Neoliberalismus umstritten ist. Die "Gated Communities" gibt es in den USA und in einigen Ländern Südamerikas, also Ländern mit ruinierter bzw. mit schrumpfender Industrieproduktion.

Emmanuel Todd: Weltmacht USA. Ein Nachruf. Piper. 265 Seiten. EUR 13,-

heise.de
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15.04.03 20:34:17
Beitrag Nr. 2.539 ()
15.04. 20:03
Wirtschaftsdaten - Überblick
(©GodmodeTrader - http://www.godmode-trader.de)



Nachfolgend eine Zusammenfassung der heutigen Wirtschaftsdaten aus dem BörseGo US NewsFeed:


Die Stimmung in der produzierenden Industrie in New York hat sich im April weiter eingetrübt. Die Notenbank von New York berichtet, dass der Index zur so genannten „Empire State Manufacturing Survey“ von -2.8 auf -20.4 gefallen sei. Gleichzeitig ging die Auftragseingangskomponente fiel von -4.7 auf -15.9, während die Erwartungskomponente von 30.2 auf 37.9 anstieg. Werte unter 0 deuten darauf hin, dass die Mehrheit der befragten Unternehmer keine Besserung oder gar eine Verschlechterung erwartet.


Der aktuelle BTM-UBSW Bericht zum US-Einzelhandelsumsatz zeigt, dass ein besseres Wetter und das anstehende Osterfest die Aktivität im Einzelhandel in der vergangenen Woche erhöht hat, doch sei noch nicht von einer Erholung zu sprechen. Der US-Einzelhandelsumsatz wuchs in der vergangenen Woche um 1.3%, nachdem er in den vorigen zwei Wochen um 0.5% respektive 1.4% gefallen war. Gegenüber dem Vorjahr liegt der Umsatz 1.7% im Plus. In einer Stellungnahme teilten die Berichterstatter mit, dass der Umsatz allgemein „unter Plan“ gewesen sei.



Die Industrieproduktion in den USA im März fiel um 0.5% (Prognose: -0.2%), was hauptsächlich durch einen starken Produktionsrückgang im Energiesektor um 4.1% ausgelöst wurde. Die Kapazitätsausnutzung lag bei 74.8% (Prognose: 75.3%) nach 75.3% im Februar. Die Produktionsmenge in der herstellenden Industrie fiel um 0.2%, während die Produktion von langlebigen Gütern um 0.4% nachgab. Der Bereich Automobile und Autoteile verzeichnete einen Rückgang um 1.8%. Die Fabrikenproduktion ohne den Automobilsektor fiel um 0.1%. Die Produktion von Hochtechnologiegütern stieg um 1.6%, was von einem zweiprozentigen Anstieg im Bereich Computerprodukte und einem 2.1 prozentigen Anstieg im Bereich Kommunikations-Equipment ausgelöst wurde.
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15.04.03 20:38:30
Beitrag Nr. 2.540 ()
15.4.03 Umsatzeinbruch und Stellenabbau im Handwerk - Düsterer Ausblick für 2003

Wiesbaden/Berlin - Nach Umsatzrückgängen und Stellenabbau im vergangenen Jahr blickt das deutsche Handwerk düster in die Zukunft. Nachdem sich der Abbau der Beschäftigung im vergangenen Jahr beschleunigte, sei auch 2003 mit einem ähnlichen Rückgang zu rechnen, teilte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) mit. 2002 beschäftigten die Handwerksbetriebe 5,37 Millionen Menschen und damit im Vergleich zum Vorjahr 287.000 weniger. Die Umsätze gingen um 25 Mrd. Euro auf 484 Mrd. Euro zurück.

Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamtes verschärften sich 2002 die Stellenstreichungen. Der Rückgang belief sich auf 5,3 Prozent nach 3,9 Prozent im Jahr zuvor. Die stärksten Personaleinschnitte gab es im vergangenen Jahr im Baugewerbe mit einem Minus von 9,6 Prozent. Bei den Gewerben für Gesundheits- und Körperpflege sowie bei Reinigungsbetrieben fiel der Beschäftigungsrückgang mit 2,6 Prozent am geringsten aus.

Auch die Umsätze sackten 2002 mit 4,9 Prozent stärker als im Vorjahr ab. Damals betrug das Minus 2,4 Prozent. Für 2002 seien die Befürchtungen des Handwerks bestätigt worden, sagte ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer. Als Gründe für die Krise im Handwerk nannte er den "ungebremsten Anstieg der Lohnzusatzkosten" sowie eine zurückgehende Investitionsbereitschaft, die das Handwerk bei Unternehmen aber auch bei der öffentlichen Hand spüre. dpa (Welt, 15.4.03)
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Grundig sucht weiter nach Investor

Nürnberger Traditionsunternehmen meldet Insolvenz an - Banken setzen Finanzierung fort


Nürnberg - Das zahlungsunfähig gewordene Elektronik-Unternehmen Grundig ist nach Einschätzung seines Vorstandssprechers Eberhard Braun ohne einen neuen Investor nicht zu retten. Die Bemühungen von Insolvenzverwalter und Management würden sich deshalb in den nächsten Wochen auf die Suche nach einem finanzkräftigen Käufer konzentrieren, sagte Braun. Die Investorensuche habe sich mit dem am Montagmorgen gestellten Insolvenzantrag erheblich verbessert. Eine Reihe von Belastungen sei dadurch weg gefallen.

Auch die Gläubigerbanken wollen dem überschuldeten Elektronik-Herstellers noch eine Chance geben. Die Banken hätten mit dem Vorstand eine Fortsetzungsfinanzierung bis zum Abschluss der Prüfung des Insolvenzantrags vereinbart, so Braun. Grundig sei damit in der Lage, die Geschäfte uneingeschränkt fortzusetzen.

Grundig musste den Insolvenzantrag stellen, nachdem mehrere Rettungsversuche gescheitert waren. ... (Welt, 15.4.03)

Kommentar: In zunehmendem Ausmaß müssen nun auch traditionsreiche Großunternehmen Konkurs anmelden. Langfrsitig sind alle Unternehmen zum Bankrott verirteilt, weil die Kaufkraft der Leute sinkt und die Kapitalkosten nicht mehr finanzierbar sind. Noch schlimer sieht es bei den Kleinunternehmen und im Handwerk aus, da diese noch weniger Möglichkeiten haben, Kosten zu verlagern und zu “sparen”.
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Viele Arbeitslose fallen aus neuer Hilfe

360 000 Haushalte werden Arbeitslosengeld II nicht bekommen


Berlin - Nach der geplanten Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum neuen Arbeitslosengeld II werden knapp 360 000 Haushalte mit 930 000 Menschen überhaupt keine staatliche Unterstützung mehr erhalten. Das geht aus dem Abschlussbericht der zuständigen Arbeitsgruppe im Wirtschaftsministerium für die Kommission zur Reform der Gemeindefinanzen hervor, der der WELT vorliegt. Die Einkommenseinbußen für die Betroffenen belaufen sich insgesamt auf 2,6 Mrd. Euro. ... (Welt, 15.4.03)
Kommentar: Indem nun bei den unteren Klassen eingespart wird, wird gerade bei denen gekürzt, welche noch Kaufkraft direkt in die Wirtschaft brachten. Mit Kürzungen in diesem Bereich wird vor allem wieder der Einzelhandel getroffen, da die Armen alles Einkommen sofort in Konsum verwandeln. Es hilft alles nichts: Man sollte nicht fragen, wo man “sparen” kann, sondern warum kein Geld mehr da ist?
Kommentare von Günter Hannich
Geldcrash.de
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15.04.03 20:55:46
Beitrag Nr. 2.541 ()
Big Brother: Ist Orwell`s Traum bald verwirklicht?

Wenn die Weltverschwörung tatsächlich real wäre, woran wäre sie dann zu erkennen? Wir stellen hier den Vergleich zwischen Theorie und Wirklichkeit an. Im übrigen: Ja, sie findet statt. Ganz entspannt im Hier und Jetzt. Lesen Sie unseren fünfteiligen Report dazu. Denn es gehört zu den Plänen ‚Jener`, daß wir wegsehen. Also: Hinschauen ist Pflicht!





Von Ursula und Benjamin Seiler

Wer sich nicht mit der alltäglichen Desinformation durch die Medien zufriedengibt und nach Hintergrundinformationen sucht, stößt irgendwann auf die berühmt-berüchtigten Verschwörungstheorien. Davon gibt es ja auch eine ganze Menge. Staunend liest der Uneingeweihte über außerirdische Rassen, die die Menschheit genetisch manipulieren, von heimlichen Nazi-Divisionen, die von der Gegend um den Südpol aus ihre Feldzüge gegen die Menschheit planen - und wenn der geschockte Leser dies gerade knapp verdaut hat, liegen ihm die ‚Dracos` (Reptilienwesen) schwer im Magen, die angeblich in Menschengestalt auf Erden ihr Unwesen treiben.
Wieder andere Verschwörungstheoretiker vermuten hinter den führenden Weltpolitikern sogenannte ‚Walk-In`s` -also Außerirdische, welche sich kurzerhand den Körper beispielsweise eines Präsidenten namens Bush oder anderer berühmter Persönlichkeiten übergezogen haben. Trashige Hollywoodfilme wie ‚Men in Black` lassen grüßen! Kein Wunder, daß viele politisch Interessierte nach solcher Lektüre alle Verschwörungstheorien in Bausch und Bogen ins Reich Fantasién verbannen.
Allerdings gibt es dann immer die rein irdischen Weltverschwörer. Ihnen wird unterstellt, daß sie bis zu 85 Prozent der Weltbevölkerung auszurotten trachten - und die restlichen Überlebenden mittels Genmanipulation, Lobotomien und dergleichen zu hirnlosen, gefühlsarmen Biorobotern verstümmeln, die, als willige Sklavenarbeiterklasse den Wohlstand der wenigen Herrschenden sichern.
Wer nach der (sehr empfehlenswerten) Maxime des GMV lebt - des Gesunden Menschen-Verstandes -, tut solche Schreckensszenarien als hirnverbrannt ab. Denn viele Theorien, die auf dem Verschwörungsmarkt herumgeboten werden, sind nichts weiter als eben dies - Theorien. Papiertiger. So wendet sich dann manch einer angewidert von allem ab, was als ‚geheime Hintergrundinformation` feilgeboten wird, und man kann`s ihm nicht einmal verdenken. Womit der Sache aber nicht wirklich gedient ist. Denn wer den Rücken kehrt, mischt sich nicht länger ein, interessiert sich nicht, will nicht verändern, akzeptiert den Status quo. Und dies wiederum würde den Interessen allfälliger Weltverschwörer, so es sie eben doch gäbe, wunderbar dienen.
In der Tat ist diese Taktik ebenso alt wie simpel: Wenn man eine Tatsache nicht länger verheimlichen kann, schmückt man sie mit so vielen, möglichst abstrusen, leicht nachweisbaren Unwahrheiten aus, daß vernünftig denkende Menschen sie unmöglich mehr ernst nehmen können. Sie glauben nicht einmal mehr, daß in der ganzen Geschichte vielleicht doch ein großes Korn Wahrheit stecken könnte.
Auf diese Weise werden wir täglich mit größeren und kleineren Desinformationen gefüttert, die uns von der zugrundeliegenden, häufig offensichtlichen Wahrheit ablenken sollen.

Die Welt - ein Sandkasten
Kocht man das Süppchen der vielen Verschwörungstheorien auf seine Essenz ein, so entsteht ein Substrat, das plötzlich erschreckend einfach ist: Kleine Gruppierungen von unvorstellbar reichen und einflußreichen Personen - die Namen dieser Gruppen variieren - möchten die Menschheit versklaven. Hierfür soll der ganze Planet in einen einzigen Megakonzern umgebaut werden, dessen Management über das Werkzeug einer Weltregierung die globalen Geschicke einheitlich lenkt. Nationalstaaten sind dabei ebenso hinderlich wie ein relativ wohlhabender und gebildeter Mittelstand. Deshalb muß beides zuerst eliminiert werden, bevor die sogenannt ‚Neue Weltordnung` fest etabliert werden kann. Eine kleine Elite von Herrschenden und eine Masse von abhängigen, unfreien Arbeitern ist das anvisierte Ziel jener zukünftigen Feudalgesellschaft - ein globaler Megakonzern eben, der seinen Besitzern möglichst viel Profit einbringen soll.
Eine Frage, die oft auftaucht, lautet: "Warum sollten diese immens reichen und mächtigen Männer auch noch die Weltherrschaft wollen? Sie haben doch ohnehin schon mehr als genug?"
Nun - erstens haben sie sich ihr Imperium nicht durch Genügsamkeit aufgebaut. Zweitens ist ein Zuviel von allem ungesund. Wer zuviel Geld hat, wird geizig oder immer noch geldgieriger, häufig auch beides zugleich. Und wer zuviel Macht hat, der wird von einem immer stärker werdenden Machthunger angetrieben. Wann immer etwas nicht durch Weisheit aufgewogen wird, kippt es ins Maßlose. Hinzu kommt die Gier, die sich bis ins Unermeßliche steigern kann. Und drittens ist es auf Erden immer noch so, daß das, was theoretisch machbar ist, auch gemacht wird.
Im Grunde genommen ist es bloß die konsequente Weiterführung der Sandkastenspiele kleiner Jungen (und Mädchen), die groß geworden sind. Präsident Bush will nach eigenen Aussagen nicht zögern, Atombomben auf das irakische Volk zu werfen - nur um sicherzustellen, daß er und seine Spezis die Kontrolle über das irakische Öl erhalten.
Große Macht korrumpiert, wenn sie nicht durch eine starke Moral im Zaum gehalten wird. Doch ist der Hunger nach Macht die größte Fessel überhaupt. Wer ihm verfallen ist, kann gar nicht anders, als immer noch mehr Macht an sich zu reißen.
Und diese Tatsache - in ihrer ganzen Banalität und Offensichtlichkeit - ist das Fundament, auf welchem der wahre Kern aller Verschwörungstheorien ruht. Gerade weil die ‚Rockefellers` und ‚Rothschilds` dieser Welt bereits über unermeßliche Macht verfügen, gieren sie nach der absoluten Herrschaft.

Von dummen, nutzlosen Essern
Gibt es also eine Weltverschwörung? Die Antwort lautet ‚Ja`. Sie wird jedoch nicht von unheimlichen Reptilienwesen oder Außerirdischen vorangetrieben, sondern von Männern in maßgeschneiderten Anzügen, die die Öffentlichkeit zwar nicht unbedingt suchen, sie aber auch nicht fliehen, wenn es denn sein muß. Sie ist hierarchisch in verschiedenen Logen und Geheimbünden organisiert, und es gibt viele Spekulationen über ihre Identität. Obwohl wir hier seitenweise Namen von Menschen, Firmen und Organisationen publizieren könnten, die (angeblich) dazugehören, erscheint es uns vordringlicher, die Ziele dieser Weltverschwörer und die Wege, die dorthin führen, zu erläutern.
Grundsätzliche Vorsicht allen Machtballungen gegenüber - seien sie industriell, finanziell oder politisch - ist sicher angebracht, denn natürlich verfügen jene, die die absolute Macht wollen, heute schon über sehr, sehr viel Macht in Form von Geld und Einfluß. Diese Männer (nur wenige Frauen scheinen dazu zu gehören) unterliegen jedoch zwei großen Irrtümern. Sie glauben, daß:

der Mensch ist nicht viel mehr als ein Tier sei, ausgestattet mit etwas instinkthafter Intelligenz. Also müsse er zu seinem eigenen Vorteil auf dieser Stufe gehalten werden.
Die größte Bedrohung dieser Erde sei die Übervölkerung. Also müsse die Reproduktionsrate gesenkt, bzw. die Erde von ‚nutzlosen Essern` (ihr Jargon) befreit werden.
Wie schon erwähnt, ist das Ziel dieser Weltverschwörer eine relativ kleine Weltbevölkerung (etwa eine Milliarde Menschen), aufgeteilt in zwei Klassen: Eine kleine, erlesene Elite von Machthabern und ein riesiges Heer von ‚Arbeitsbienen`, das, indem seine Triebe mit freiem Sex und freien Drogen gefüttert werden, leicht regier- und lenkbar ist.
Dieses hier bloß angedeutete Schreckensszenario läßt dem Menschen weder Wahl noch Würde noch irgendeine Freiheit - und schon gar nichts von dem, wofür zu leben es sich lohnte. Das Wort ‚Sklave` wäre angemessen für die Art von Leben, die die Leibeigenen der Zukunft zu fristen hätten. Glücklicherweise wird sich der Wille ‚Jener` nicht erfüllen, wenn wir es ihnen nicht zugestehen.
Mit unserem 16-seitigen Report wollen wir mit vielen Fakten aufzeigen, was hier und heute unternommen wird, um dieses Schreckensszenario zu verwirklichen. Warum es sich trotzdem nicht verwirklichen wird, was der Einzelne tun kann, und was sozusagen sein ‚Rettungsseil` ist - darüber können Sie in einem weiteren Artikel in derselben ZeitenSchrift-Ausgabe lesen.
Um ein mittelalterlich anmutendes Feudalsystem einer kleinen, exklusiven Herrscherklasse und einer riesigen, recht- und machtlosen Arbeiterklasse zu erschaffen, müssen die Verschwörer auf drei Ebenen wirken:

Erstens werden sie versuchen, die gesamte Mittelschicht zu zerstören.
Zweitens greifen sie die Moralvorstellungen und die moralischen Werte wie Ehe und Familie an, um diese vollkommen zu zerrütten.
Drittens werden sie das Bildungsniveau stetig weiter hinuntersenken, bis es dem Status von ‚Tier-Menschen` entspricht. Denn Wissen ist Macht, und die Arbeiterklasse soll in Ohnmacht gehalten werden.
Unser in fünf Artikel gegliederte Report befaßt sich mit folgenden Schwerpunktthemen:

Die Zerstörung des Mittelstandes:
Immer mehr Menschen werden arbeitslos. Längst trifft es auch die gut Ausgebildeten, deren Jobs als sicher galten. Eine schleichende Verarmung weiter Bevölkerungsschichten ist die Folge. Gleichzeitig findet eine gigantische Umverteilung des Vermögens statt, zugunsten der wenigen Superreichen. Unter dem Deckmantel der Globalisierung fusionieren die Konzerne zu Mega-Konglomeraten, die den Arbeitnehmer auf der ganzen Welt immer schlechter behandeln. Wir bringen die gesammelten Fakten und Zahlen.
Ausserdem decken wir am Beispiel der Vereinigten Staaten von Amerika auf, wie die US-Staatsfinanzen nichts anderes sind als ein Betrug am Volk und wie der Steuerzahler um Tausende von Dollarmilliarden betrogen wird. Nicht grundlos bezeichnet ein führender US-Ökonom das Weiße Haus als korrupt und Teil jener Plutokratie, welche das amerikanische Volk um sein Geld bringt.

Gebt ihnen Drogen statt Arbeit:
Obwohl Milliarden in den Kampf gegen Drogen gesteckt werden, wird man ihnen je länger je weniger Herr. Das will man auch gar nicht, denn durch den Drogenhandel kann die Machtelite nicht nur viel Geld verdienen (eine der größten Drogenorganisationen ist beispielsweise der US-Geheimdienst CIA), sondern auch den rebellischen Geist einer verzweifelten und verarmten Bevölkerung brechen. Drogensüchtige sind bekanntlich nur noch auf ein Ziel fixiert - die Droge.

Die Zerrüttung von Ehe und Familie:
Eine der größten Ängste der Machtelite ist die angebliche Bevölkerungsexplosion. Wir legen nicht nur dar, ob diese Furcht tatsächlich begründet ist, sondern belegen auch durch viele Fakten, was alles geplant ist, um die Weltbevölkerung zu reduzieren. Ein Aspekt unter vielen stellt beispielsweise die Untergrabung von Moral und Ethik dar, deren Grundpfeiler sich in der Institution der Ehe und Familie offenbaren. Ganz nach dem Motto: Have Sex, not Babies!

Überwachung total:
Der 11. September 2001 wurde dazu mißbraucht, überall in der Welt eine Polizeistaat-Mentalität einzuführen. Unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung verlieren die Menschen immer mehr von ihren Bürgerrechten. Das geschieht nirgendwo schlimmer als in den USA, dem einstigen Land der Freien. Wir zeigen detailliert auf, wie sich die innenpolitische Lage in Amerika - und nicht nur dort - verschlechtert hat. Die Konsequenzen jagen einem eisige Schauer über den Rücken.

Der Angriff auf die Erziehung:
Gerade das amerikanische Erziehungssystem hat versagt. Studien belegen, daß die Schulabgänger immer dümmer und ungebildeter werden. Wir haben diese seit Jahrzehnten andauernde Tendenz eingehend betrachtet und analysiert. Der Schluß liegt auf der Hand: Hinter dem Niedergang des Bildungswesens steckt Absicht - ebenso, wie hinter der subversiven Jugend- und Drogenkultur, die in den Sechziger Jahren von der Machtelite bewußt eingeführt wurde. Lesen Sie, auf welch vielfältige Weise uns zu gut funktionierenden Rädchen des Systems machen will - zu Robotern statt Gelehrten, die alles glauben, was in den Medien steht und Präsident Bush in seinen Reden zur Lage der Nation sagt.

Die Politik der ständigen Schocks:
Ob Attentate in den Ferien, Morde zuhause durch Heckenschützen oder globaler, unfaßbarer Terrorismus - wir scheinen nirgends mehr sicher zu sein. Die Massenmedien schüren diese Angsthysterien nicht bloß aus Quotengeilheit, sondern auch, weil sie längst Teil des Systems sind. Laufend falsche Terrorwarnungen, beispielsweise durch die US-Regierung, sollen die Menschen in einem Zustand der ständigen Angst halten - dann nämlich rufen sie freiwillig nach Bewachern. Und während die Sicherheitskräfte wegen der angeblichen Terrorgefahren massiv aufgestockt werden, versucht man gleichzeitig, das Volk durch immer restriktivere Waffengesetze zu entwaffnen.
Wir entlarven nicht nur, wie man die Gesellschaft durch systematische Schocks destabilisiert - eine Taktik, die übrigens von führenden Think Tanks schon vor Jahren beschrieben und gefordert wurde, sondern gehen auch der Frage nach, ob ein grundsätzliches Waffenverbot in Privatbesitz, wie man es beispielsweise in Großbritannien kennt, die Gesellschaft tatsächlich sicherer macht - oder ob die Kriminalität im Gegenteil dadurch nicht erst recht ansteigt.
Wie sagte doch Benjamin Franklin, einer der Gründerväter Amerikas: "Wer bereit ist, grundlegende Freiheiten aufzugeben, um sich kurzfristig Sicherheit zu verschaffen, der hat weder Freiheit noch Sicherheit verdient."


Lesen Sie den vollständigen Report mit vielen Fakten in unserer Ausgabe Nr. 38.




zeitenschrift
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15.04.03 21:15:09
Beitrag Nr. 2.542 ()
Viele Versicherer scheitern am Stress-Test
Verbraucherschützer fordert mehr Transparenz von der Finanzdienstleistungs-Aufsicht

von Michael Fabricius

Berlin - Die deutschen Lebensversicherungen ächzen unter der Last des Kapitalmarktes. Die eigenen Geldanlagen schwinden, die Aktionäre sind sauer, Ratingagenturen lauern auf jede falsche Bewegung. Jetzt mussten die Assekuranzen auch noch Rechenschaft gegenüber der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) ablegen. In einem "Stress-Test" wurden zwei Szenarien mit weiteren Kursstürzen am Aktien- und Rentenmarkt simuliert, und in diese Simulation wurde die Aktiva-Seite der Versicherungen geschickt. Die Prüfer wollten herausfinden, ob die Kapitalstärke der Gesellschaften auch nach weiteren Kurseinbrüchen ausreichen würde, um die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Kunden erfüllen zu können.


In einem ersten Ergebnis gibt die BAFin nun Entwarnung: Zwar hätten "einige Unternehmen" den Test nicht bestanden, sagt BAFin-Sprecher Michael Trommeshauser. Allerdings habe es in keinem dieser Fälle Anlass für "aufsichtliche Maßnahmen" gegeben. "Der Test dient in erster Linie der Information für die Versicherungsaufsicht", betont Trommeshauser. Zudem seien die vorgegebenen Marktszenarien "unwahrscheinlich".


In dem Test werden zwei Varianten durchgespielt: Im Szenario A fallen die Aktienkurse vom 31. Dezember 2002 an bis zum Jahresende 2003 noch einmal um 35 Prozent, Rentenpapiere verliere zehn Prozent an Wert. Szenario B, die abgeschwächte Version, setzt einen Kursrückgang von 20 Prozent bei Aktien und fünf Prozent bei Renten voraus.


Diese Hürden sind nicht leicht zu nehmen, und etliche Gesellschaften scheiterten vor allem am Szenario A. Jüngstes Beispiel: Die zum Ergo-Konzern gehörende Victoria Lebensversicherungs AG - der siebgrößte Anbieter in Deutschland. "Der Test zeigt, dass viele Gesellschaften eine Unterdeckung der Kundengelder aufweisen. Das ist kein gutes Zeichen", sagt Marco Metzler, Versicherungs-Analyst bei der Ratingagentur Fitch. Die Ratingagentur schätzt, dass zwei Drittel der deutschen Gesellschaften den Test nicht bestanden haben.


Zu den prominenten Beispielen gehören neben Victoria noch Axa, Gothaer und die Deutsche Ärzteversicherung, wie eine Stichprobe des Branchendienstes Versicherungsjournal.de ergab. Bestanden hätten dagegen Allianz, WWK, Debeka, Hamburg-Mannheimer und Volksfürsorge.


Die Sitzenbleiber müssen nun Maßnahmen ergreifen, um die Kapitalausstattung auf der Aktiva-Seite der Bilanz zu stärken, also beispielsweise die Aktienquote senken, Aktienbestände durch Hedge-Positionen für die Zukunft absichern oder die Überschussbeteiligung weiter absenken.


Der Bundesverband der Versicherten (BdV) sieht in dem Test allerdings nicht nur für die Versicherungsaufsicht, sondern auch für die Kunden eine gute Orientierungsmöglichkeit. "Wer insgesamt schlecht abschneidet, kann mit Sicherheit auch keine besonders gute Rendite anbieten", sagt BdV-Geschäftsführer Frank Braun. Da die BAFin jedoch die Namen der Unternehmen, die den Test nicht bestanden haben, zurückhalte, sei dies für den Verbraucher ohne Wert. "Die BAFin sollte ihrer Transparenzpflicht besser nachkommen", sagt Braun.


Artikel erschienen am 16. Apr 2003
welt.de


Alle Artikel vom 16. Apr 2003
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15.04.03 21:22:50
Beitrag Nr. 2.543 ()
Mehrwertsteuererhöhung "wäre schädlich"


Institute rechnen mit neuen Steuerlöchern



Die Wirtschaftsforscher erwarten Mindereinnahmen in Milliardenhöhe. Auch für den Arbeitsmarkt zeigen sie sich pessimistisch.


asr DÜSSELDORF. Die sechs großen Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten im Mai eine deutliche Korrektur der amtlichen Steuerschätzung. „Dieses Jahr wird das Steueraufkommen rund 452 Mrd. Euro betragen“, sagte Kristina van Deuverden, Steuerschätzerin des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, dem Handelsblatt. Das wären 6 Mrd. Euro weniger, als in der November-Schätzung prognostiziert. Dabei unterstellen die Institute, dass einem konjunkturbedingten Minus von 11 Mrd. Euro Steuererhöhungen von 5 Mrd. Euro gegenüberstehen. Dazu zählen vor allem Mehreinnahmen aus dem jüngst erzielten Kompromiss bei der Körperschaftsteuer sowie dem Abbau von Steuervergünstigungen. Die Daten dienten den Instituten zur Schätzung des Haushaltsdefizits.

Pessimistisch sind die Forscher auch für den Arbeitsmarkt. Für 2003 rechnen sie in ihrem Frühjahrsgutachten im Schnitt mit 4,45 Mill. Arbeitslosen, „so dass der Bund einen deutlich höheren Zuschuss als im Vorjahr (5,6 Mrd. Euro) überweisen muss“. Aus Institutskreisen erfuhr das Handelsblatt, dass die Ökonomen intern bereits mit einem Defizit von 7 bis 8 Mrd. Euro kalkulieren. Daher erwarten sie für dieses Jahr eine Defizitquote von 3,4 %. Vor diesem Hintergrund fürchten die Institute eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. Dies wäre allerdings „schädlich“ für die Konjunktur.


HANDELSBLATT, Dienstag, 15. April 2003, 19:43 Uhr
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15.04.03 21:27:27
Beitrag Nr. 2.544 ()
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AOL Time Warner wegen Insiderhandels verklagt


Zwei institutionelle Anleger von AOL Time Warner (NYSE: AOL) haben den Medienkonzern und dessen Topmanagement wegen Insiderhandels bei der Übernahme von Time Warner durch AOL verklagt. In der Klage werden neben dem ehemaligen Chairman Steve Case auch sein Nachfolger und Vorstandschef Richard Parsons, Vizechairman und größter Einzelaktionär Ted Turner, Ex-Vorstandschef Gerald Levin sowie das Ex-Vorstandsmitglied Bob Pittman genannt.

Zudem richtet sich die Klage der University of California und der Amalgamated Bank gegen den Bilanzprüfer des Konzerns, Ernst & Young, berichtet die "New York Times" (NYT). Den Managern wird vorgeworfen, sie hätten bei der Fusion durch den Verkauf von Aktien Gewinne erzielt und gleichzeitig durch "Tricks, Erfindung und gefälschte Transaktionen" den Wert der Aktien in die Höhe getrieben.

Die Klage behauptet, dass AOL seine Einnahmen zwischen dem Jahr 2000 und 2001 um rund eine Milliarde Dollar überbewertet habe. Auch die Angaben zur Abonnentenzahl seien völlig übertrieben gewesen. Die Umsätze aus E-Commerce und Werbung seien aufgebläht worden, um die Übernahme von Time Warner zu finanzieren, dessen Umsatz viermal größer als jener von AOL selbst war. Nach der Fusion sollen laut den Klägern die genannten Topmanager ihre Aktien verkauft haben, die dann wiederum von AOL Time Warner mit der Begründung, sie seien unterbewertet, aufgekauft wurden. Den Gewinn der Manager geben die Klagen laut NYT mit insgesamt 936 Millionen Dollar an. Die beiden Gesellschafter von AOL Time Warner sehen sich dadurch geschädigt.

Gegen AOL Time Warner laufen derzeit auch Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC wegen möglicher falscher Bilanzierung. Dabei soll AOL Time Warner Werbeeinnahmen in der Höhe von 400 Millionen Dollar aus einem Geschäft mit Bertelsmann falsch verbucht haben.
[ Dienstag, 15.04.2003, 10:25 ]
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15.04.03 21:31:48
Beitrag Nr. 2.545 ()
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Wem steht die neue Mode?

Von Claus Vogt
Auch volkswirtschaftliche Zahlen und Statistiken unterliegen deutlichen Modetrends. Bis Anfang der 1990er fand beispielsweise die Veröffentlichung von Geldmengenzahlen ein sehr großes und interessiertes Publikum. Diese Statistiken wurden seinerzeit regelmäßig für Kursveränderungen an den Wertpapiermärkten verantwortlich gemacht. Wir können uns nicht erinnern, wann genau das öffentliche Interesse an diesen Zahlen schwand. Dies um so weniger, da wir als offensichtlich ewig Gestrige auch heute noch reges Interesse an Geldmengenveränderungen zeigen. Speziell in bezug auf diese Marotte lasen wir kürzlich in einem relativ aktuellen Lehrbuch folgende für uns tröstliche Passage: „Die quantitätstheoretische Erklärung der Inflation läßt sich danach in dem Satz zusammenfassen: Inflation ist der Ausdruck und die zwangsläufige Folge eines Anstieges der Geldmenge pro Produktionseinheit. Insofern ist also die Inflation stets ein monetäres Phänomen. Die monetäre Natur nachhaltiger Inflationsprozesse geht auch deutlich aus dem engen Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Wachstumsrate der Geldmenge und der durchschnittlichen Inflationsrate hervor, wie er sich beispielsweise in einer Stichprobe von 53 Industrie- und Entwicklungsländern für 1960 bis 1995 zeigt.“ (Quelle: Otmar Issing, Einführung in die Geldtheorie, 12. Auflage; Vahlen, München 2001). Wir betrachten diese Zeilen als willkommene Rechtfertigung unserer vielleicht starrsinnig wirkenden Haltung, nicht jede Mode mitzumachen.

Seit einiger Zeit reden nun alle Woche für Woche über die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA als dem Indikator du jour. Wir messen dieser Statistik keine allzu große Bedeutung bei, sondern ziehen den „Help Wanted-Index“ des Conference Board vor. Dieser gehört nämlich zu den verläßlichsten Frühindikatoren für einen bevorstehenden Aufschwung nicht nur am Arbeitsmarkt, sondern für die gesamte Volkswirtschaft. Per Ende Januar, dem letzten verfügbaren Datum, stand dieser Index bei depressiven 40 Punkten. Er befindet sich damit weiterhin in der Nähe seiner Ende vergangenen Jahres erreichten Tiefststände. Seit den 1960er Jahren lagen Wendepunkte typischerweise bei etwa 50 oder sogar deutlich höher. Dieser Index, der in der Vergangenheit sehr gute prognostische Dienste geleistet hat, deutet somit noch immer nicht auf einen baldigen Aufschwung hin.

Eine weitere, zur Zeit auf der „In“-Liste zu findende Statistik ist der Consumer Confidence-Index. Als dieser im Februar für die meisten Analysten überraschend von 78 auf 64 Zähler sank, wurde das überwiegend als negative Entwicklung kommentiert. Dieser Index findet auch Eingang in unsere Arbeit. Da er zu den Sentiment-Indikatoren gehört, interpretieren wir ihn allerdings als Kontra-Indikator. In der Vergangenheit signalisierten Indexstände von etwa 50 ein bevorstehendes Ende des Abschwunges. Insofern warten wir förmlich auf weiterhin schwindendes Konsumentenvertrauen, um endlich bullish werden zu können.



Claus Vogt leitet das Research der Berliner Effektenbank.
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15.04.03 21:45:39
Beitrag Nr. 2.546 ()
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1300 Quartalsberichte

von Jochen Steffens

In dieser Woche werden rund 1300 US-Firmen ihre Quartalsberichte vorlegen. Im Moment sieht es gut aus für die Bullen unter Ihnen. Die Zahlen von IBM und die Gewinnzuwächse der Citigroup, Bank of Amerika und Fannie Mae lassen viele Anleger hoffen. Ich will es noch einmal betonen: Das US-Verbrauchervertrauen ist besser geworden, mit dem Ende des Krieges könnten auch die Einkaufsmanagerindizes besser werden.

Ganz besonders sollten Sie nun auf den Ausblick der verschiedenen Firmen und Branchen achten. Der Krieg im Irak ist vorbei. Jetzt müssen die Firmen beim Ausblick konkreter werden und können sich nicht mit geopolitischen Unwägbarkeiten herausreden. Diese Ausreden würden die Anleger schnell abstrafen. Es werden also sehr interessante Wochen. Beim Ausblick der Firmen wird ein maßgebliches Puzzelteilchen für den Fortgang an den Börsen zu finden sein: Sollten der Ausblick auf die nächsten Quartale besser werden, dann besteht die Aussicht, dass es bis zum Sommer zu mäßig steigenden Kursen kommen wird. Ich favorisiere allerdings immer noch ein große Seitwärtsbewegung, deren obere Grenze gerade gesucht wird.

Wie sehr man Dinge "vermisst", merkt man zumeist erst, wenn man sie nicht mehr hat. Da ich umgezogen bin hatte ich letztes Wochenende weder Fernsehen und Telefon, noch Internet. Ich habe das Gefühl, eine Woche lang weit weg gewesen zu sein. Andererseits habe ich auch bemerkt, wie sehr traden mit Nachrichten, Stimmungen, weltpolitischem Geschehen und Reaktionen auf Unternehmensnachrichten zu tun hat. Sobald ich wieder "online" war, wusste ich zuerst gar nichts mit den Kursen anzufangen. Es ist erstaunlich, wie sehr man ohne Zugang zu den Kommunikationsmedien abgeschnitten ist und wie fremd einem alte Nachrichten erscheinen können. Aber jetzt bin ich wieder "up to date".

Ich habe die gestrige Nacht damit verbracht Charts zu studieren. Die europäischen und amerikanischen Indizes entziehen sich im Moment einer klaren Analyse. Gerade in der Charttechnik gibt es immer wieder Phasen in denen eine Formation entsteht, diese aber noch nicht zu erkennen ist. Ein typischer Anfängerfehler ist es, dann auf Biegen und Brechen irgendetwas hinein zu deuteln. Es ist eine Zeit, in der Sie sich lieber zurücklehnen sollten und abwarten was geschieht. Denn deuteln ist Roulette und beim Roulette gewinnt immer die Bank. Ich zitiere unsere amerikanischen Korrespondenten: Inaktivität ist manchmal gewinnbringender als Aktivität.

In der deutschen Politik ist ein erneuter Kraftakt von Bundeskanzler Schröder angesagt. Wiedereinmal wirft er sein gesamtes Gewicht in die Waagschale, nicht das erste Mal. Ich weiß nicht, ob die Waagschale noch einmal zugunsten von Gerhard Schroeder ausschlägt. Sollte es zu einem Ende der Ära Schröder kommen, würden die Börsen es mit einem 40–70 Punkte Aufschlag feiern. Vielleicht sogar diesmal zwei Tage lang. Dann wäre schnell alles wieder business as usual. Politische Börsen sind kurze Börsen. Zumal die Probleme in Deutschland vielleicht zu 30 % hausgemacht und zu 70 % weltwirtschaftlich/-politisch verursacht sind. Aber ob die Regierung sich so leicht selber aushebeln wird? Warten wir es ab.

Der Frühling naht in großen Schritten. In Köln ist herrlichstes Wetter und dabei so warm, dass kaum noch jemand in Pullover zu sehen ist. Die Jacken werden dünner, die Gesichter freundlicher und die Farben intensiver. Vielleicht erleben wir diesen Frühling auch an den Börsen. Natürlich, wenn Sie bei blauem Himmel und von zwitschernden Vögeln begleitet zur Börse fahren würden, hätten Sie auch eine ganz andere Sicht auf die Dinge. Die Probleme erscheinen weniger problematisch und die erfreulichen Nachrichten um so erfreulicher. Wer weiß, vielleicht ist dieser Zusammenhang wesentlich tiefgreifender als wir alle annehmen. Und wer weiß, vielleicht geht auch mit diesem Frühling die düstere Stimmung an den Börsen. Doch nach jedem Sommer kommt ein Winter und bis jetzt kann ich noch nicht erkennen, dass sich die fundamentale Situation der amerikanischen Wirtschaft zum Besseren verändert hat ... Eher das Gegenteil!

Zumal erneute geopolitische Faktoren dem Zauber sehr schnell eine Ende bereiten könnten: Syrien wurde von den Amerikanern nun auf die Liste der "Schurkenstaaten" gesetzt. Amerika wirft Syrien vor, Mitglieder der irakischen Führung einreisen zu lassen. Schlimmer noch, Syrien solle nach Aussagen von Bush chemischen Waffen besitzen. Syrien bestreitet naturgemäß diese Vorwürfe. Die US-Rhetorik erinnert an die Phase vor dem Irakkrieg. Und aus amerikanischen Kreisen kann man Stimmen hören, die durchaus einen Krieg gegen Syrien befürworten würden, wenn man schon einmal dabei ist.

Zum Glück lehnen wenigstens die Briten einen solchen Krieg ab. Ich glaube auch nicht, dass Blair einen weiteren Krieg politisch überstehen würde. Auch die UN dürfte einen weiteren Krieg wiederum nicht unterstützen. Amerika stände also alleine da. Doch eins wird Amerika aus dem Irak-Krieg gelernt haben: Notfalls können sie auch ohne den Rest der Welt einen solchen Krieg gewinnen. Zudem wer sollte denn Amerika auch aufhalten können? Doch ob Amerika schon so weit ist, sich mit der gesamten Welt anzulegen ... ich glaube nicht. Zumindest nicht in diesem Jahr.




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US-Bankenbranche besser als erwartet

von Jochen Steffens

Überraschend gute Quartalsergebnisse haben die Banken Citigroup und Bank of Amerika so wie auch der US Hypothekenfinanzierer Fannie Mae vorgelegt. Sie trumpften mit deutlichen Gewinnsteigerungen auf. Citigroup konnte einen Anstieg des Gewinns im ersten Quartal um 18 % erzielen. Auffallend: Das Ergebnis wurde zum Teil durch eine hohe Kreditnachfrage gestützt.

Der Gewinn der Bank of America stieg im ersten Quartal um 11 % auf 1,59 Dollar je Aktie. Mit diesem Ergebnis übertraf die Bank die Erwartungen der Analysten um 11 Cent je Aktie. Aber auch der größte US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae konnte seinen Gewinn steigern. Im ersten Quartal erreichte Fannie Mae einen Gewinnzuwachs von 60 %. Begründet wurde dieser Gewinn mit der starken Bauaktivität in den USA. Händler vermuten, dass diese Zahlen ein deutlicher Hinweis darauf sein könnten, dass die Quartalsergebnisse der gesamten Branche besser ausgefallen seien.

Auffallend ist, dass die Gewinne durch neue Kredite und neue Hypotheken so stark steigen konnten. Es werden mehr Schulden gemacht. Nicht zu klären ist, ob neue Schulden gemacht werden um mehr zu konsumieren oder um den Standart aufrecht zu erhalten. Auf jeden Fall steigt die Schuldenbelastung der amerikanischen Haushalte weiter an.

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Bärenmarkt wird weitergehen

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

"Wo ist die Friedensdividende?"

Die Washington Post fragt sich das Gleiche wie ich. Der Krieg lief wie geplant ... es ging so schnell und leicht, dass ein weiterer Krieg fast unausweichlich ist.

Aber bis jetzt hat der Aktienmarkt weder Konfetti geworfen noch Champagner verschüttet. Der Markt – der ja normalerweise nach vorne schaut – scheint nicht gerade überglücklich zu sein. Was sieht er?

Das Magazin "Barron`s" versucht es zu erraten. Laut der aktuellen Ausgabe ist eine neue Spekulationsblase auf dem Weg. Amazon notiert bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 80. Natürlich ist 80 eine Verbesserung gegenüber den Jahren der letzten Spekulationsblase ... als Amazon noch rote Zahlen schrieb. EBAY hat ein KGV von 65, Yahoo eins von 69.

Der S&P 500 wird mit einem durchschnittlichen KGV von 30 bewertet. Basierend auf den "Kernergebnisse" (bereinigt um Sonderfaktoren, was der Wahrheit näher kommt) errechnet sich ein KGV von fast 40.

Die Aktienkäufer mögen zuversichtlich für Amerika und sein Militär gestimmt sein ... aber nicht notwendigerweise zuversichtlich für Amerikas Währung oder Amerikas Aktien.

Die Zahl der Aktienfonds ist im Februar das erste Mal seit 1996 gefallen. Im Jahr 1997 gab es 3.000 amerikanische Aktienfonds. Heute sind es 4.750 – und ihre Zahl fällt. Aber das ist relativ normal: Im letzten größeren Bärenmarkt ist die Zahl der Aktienfonds 9 Jahre lang zurückgegangen ... 1981 gab es in absoluten Zahlen weniger Aktienfonds als 1970.

Wir sind jetzt im 4. Jahr des Bärenmarktes. Die Aktienkurse stehen heute tiefer als zu Jahresbeginn. Auch mit dem Krieg hinter uns ... scheint der Markt keinen ausreichenden Grund für eine Kursänderung zu sehen ...

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Unternehmensgewinne unter Druck

von unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street

"Wochenlang, vielleicht Monatelang war der Markt eine Geisel des Krieges – zuerst in ängstlicher Antizipation, dann in Hochstimmung bei Kriegsausbruch", so Alan Abelson vom Barron`s Magazin. "Aber sobald es klar war, dass die guten Jungs gewonnen hatten und dass Saddam Hussein Geschichte war, wurde die Feier abrupt gestoppt und der Krieg mit seinen Triumphen und den bevorstehenden Konsequenzen war nicht länger im Zentrum des Bewusstseins der Investoren."

Der Tag des Sieges über den Irak inspirierte keine euphorische Reaktion am Aktienmarkt. Vielleicht ist der Grund der, dass der durchschnittliche GI bei seiner Rückkehr in die USA keine süße Volkswirtschaft finden wird, die ihn mit offenen Armen empfangen wird. Stattdessen wird er diese Volkswirtschaft in einer Affäre mit steigender Arbeitslosigkeit und fallenden Unternehmensgewinnen finden.

Abelson beobachtet: "In den letzten beiden Monaten ist die Zahl der Beschäftigten um 465.000 zurückgegangen, in den letzten zwei Jahren um fast 2,5 Millionen. Und die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe weigert sich hartnäckig, wieder unter die Marke von 400.000 zu fallen."

Um es noch schlimmer zu machen – Dan Denning meint, dass die in den USA so genannte "Europäisierung" des amerikanischen Arbeitsmarktes auf Jahre hinaus das Entstehen neuer Jobs behindern wird. Denning: "Besonders die Gesundheitskosten und die Beiträge zur Rentensicherung machen es für amerikanische Unternehmen immer teurer, neue Arbeiter einzustellen. Der amerikanische Arbeitsmarkt wird zunehmend wie der europäische, im allgemeinen wie im besonderen. Im allgemeinen ist es so, dass politischer Druck hin zu höheren Gesundheitsausgaben der Unternehmen und sonstigen Vorzügen für die Arbeiter führt, was aber die realen Einstellungskosten für die Unternehmen erhöht, was es für sie schwieriger macht, zu expandieren."

Deshalb expandieren sie auch nicht; sie entlassen weiter Arbeiter. Und das führt zu leeren Büros. Der Anteil der leerstehenden Büroflächen an der gesamten Bürofläche ist im ersten Quartal auf 16,2 % gestiegen – das neunte Quartal in Folge hat dieser Wert zugenommen.

Zu den Unternehmensgewinnen schreibt Ken Brown vom Wall Street Journal: "Es wird erwartet, dass sich die Gewinne der im S&P 500 enthaltenen Energiegesellschaften (besonders Ölgesellschaften) im ersten Quartal fast verdreifachen werden, was erheblich mehr ist als das durchschnittliche erwartete Gewinnwachstum von 7,2 % für alle im S&P 500 enthaltenen Unternehmen. Ohne die Gewinnexplosion bei den Energiegesellschaften wären die Gewinne der restlichen im S&P 500 enthaltenen Gesellschaften im ersten Quartal um 7,1 % gefallen."


Ich habe Sie ja bereits darauf hingewiesen, dass es ziemlich überraschend ist, dass gerade die Energieaktien der Entwicklung des S&P 500 hinterhergehinkt haben. Die Investoren scheinen mit fallenden Energiepreisen zu rechnen ... sogar mit relativ stark fallenden Energiepreisen. Wer weiß, vielleicht könnte es sich auszahlen, wenn man stattdessen auf steigende Energiepreise setzen würde.

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Probleme der Pensionsfonds – und Impressionen aus Rom

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

*** Mein alter Freund Martin Spring berichtet aus England: "In den nächsten Wochen werden viele Tausend Briten schockierende Nachrichten erhalten – nämlich ihre jährliche Rentenvorhersage. Das ist der Betrag, mit dem sie rechnen können, wenn sie in Rente gehen. Und dieser Betrag wird bis zu 75 % unter den Erwartungen liegen!"

Und was für Großbritannien gilt, kann auch für die USA gelten. Martin dazu: "In den USA muss zum Beispiel General Motors 900 Dollar von jedem verkauften Auto für die bereits pensionierten ehemaligen Angestellten ausgeben. Und für die kommenden Pensionäre hat General Motors einen Pensionsplan eingerichtet, dem 70 Mrd. Dollar fehlen. Das wird den gesamten Cash Flow der nächsten Jahre auffressen, so dass für die Aktionäre nichts übrigbleiben wird."

*** Ich sage immer wieder ... ohne mich zu erinnern, warum ... dass die glorreichen Tage des amerikanischen Kapitalismus vorüber sind. Dieses System belohnt nicht länger die Kapitalisten – sondern das Proletariat, die Anwälte, ... ihre Politiker ...
(auszug)
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Schuldengeneration

von Porter Stansberry

Man hätte einen Film über das Leben von David Wittig machen sollen.

9 Jahre nach seinem Studienende (er studierte Volkswirtschaftslehre in Kansas) war Wittig auf dem Cover des Fortune-Magazins (am 24. November 1986). Er war der Held eines Artikels mit dem Titel "Die überbezahlten jungen Stars der Wall Street". Mit 31 verdiente Wittig bereits 500.000 Dollar pro Jahr, bei Kidder Peabody.

Auf dem Cover des Fortune-Magazins saß er mit einer Zigarre in der Hand, damit jeder sehen konnte, wie reich er war. Ich frage mich, ob seine Mutter stolz war ... oder ob ihr das peinlich war.

Aber was für den Aktienmarkt gilt, gilt auch für einzelne Personen: Was steigt, fällt normalerweise auch.

Wittig war Anleihenhändler bei Kidder Peabody – und nachdem er dort so ziemlich alles erreicht hatte, was er dort erreichen konnte, wechselte er zum großen US-Broker Salomon Brothers. Bei Salomon Brothers gab es damals eine Devise – die Michael Lewis in seinem Buch "Liar`s Power" sehr gut dargestellt hat. Ich kann es für sie zusammenfassen, um was es damals bei Salomon Brothers ging: Von den Kunden soviel wie möglich zu stehlen und darüber bei Freunden zu prahlen.

Wie ging es mit der Karriere von Wittig weiter?

1995 wurde Wittig von John Hayes, dem Chef des größten kanadischen Energieunternehmens Westar Energy, abgeworben. Wittig sollte der Kopf der Abteilung Unternehmensstrategie werden.

Bald war Wittig dabei, mit Westar Energy (die damals noch Western Resources hießen) in mehrere hochkarätige Übernahmeschlachten zu starten. Unter anderem kaufte er ADT, eine Firma, an der auch Tyco interessiert war. Nachdem er ADT gekauft hatte, verkaufte er dieses Unternehmen mit deutlichem Gewinn an Tyco weiter. Das war ein sehr glücklicher Deal, und Wittig wurde zum Vorstandsvorsitzenden (CEO) von Westar Energy/Western Resources gemacht.

Als CEO versuchte er es noch einmal mit einer Übernahme. Aber dieses Mal gab es keine Tyco, an die er weiterverkaufen konnte. Seine Firma kostete das 2 Mrd. Dollar und eine Untersuchung der Finanzaufsicht. Währenddessen erhielt Wittig Gehälter und Bonuszahlungen in Millionenhöhe. Und er soll auch ein bisschen mehr genommen haben, als ihm der Aufsichtsrat zugebilligt hatte. Wittig wurde wegen Geldwäsche angeklagt, nachdem er sich "fälschlicherweise 1,5 Millionen Dollar geliehen hatte". (Für die meisten von uns bedeutet "fälschlicherweise geliehen" stehlen).

Wittig stand für die schlechten finanziellen Ideen seiner Generation. Er hat seinen Weg gefunden, um reich zu werden ... aber nur auf Kosten seiner Geschäftspartner.

Wittigs Generation hat viele schlechte Ideen freudig begrüßt. Keine andere amerikanische Generation hat jemals soviel Geld gemacht ... mit so wenig Gegenleistung.

Die Presse nennt die Generation der Amerikaner, die in den 1950ern geboren wurde, die "Baby Boomer". Ich nenne sie "Schuldengeneration".

Die Schulden der Unternehmen und der privaten Haushalte (hauptsächlich von den "Baby Boomers") sind die größte Bedrohung für den Reichtum Amerikas. Seit die "Baby Boomer" die Schalthebel übernommen haben, sind überall die Schulden gestiegen. Sogar die besten amerikanischen Unternehmen sind von Schulden abhängig geworden. General Electric zum Beispiel ist seit 1992 ein Netto-Schuldenmacher.

Die Amerikaner haben so hohe Hypotheken wie nie zuvor in der Geschichte. In den letzten 19 Quartalen ist die Summe der Hypotheken um 3 Billionen Dollar gestiegen (+58 %). Um das in die Perspektive zu setzen: Vor 1997 dauerte es 13 Jahre, um die Hypothekensumme um 3 Billion zu erhöhen. Mit anderen Worten: Vor 1997 erhöhten sich die Hypotheken um 50 Mrd. Dollar pro Quartal. Heute liegt diese Rate bei 200 Mrd. Dollar pro Quartal – dem Vierfachen. Die Verschuldung der privaten Haushalte liegt jetzt bei 8,2 Billionen Dollar, und sie wächst weiter mit fast zweistelligen Wachstumsraten (Prozentbereich).

Die gesamte Verschuldung – öffentlich und privat – steht jetzt bei rund 20,3 Billionen Dollar – fast das Dreifache des amerikanischen BIPs. Alleine die Zinszahlungen erreichen 7 % des BIPs.

Diese Zahlen wirken etwas abstrakt, da sie so groß sind. Aber stellen Sie sich einen typischen Vertreter dieser Schuldengeneration vor. Ein typischer David Wittig, der in einer amerikanischen Kleinstadt lebt, gibt mehr als die Hälfte seines Einkommens für Zinsen und Steuern aus. Seine gesamten Ersparnisse – darunter die Rücklagen für die Altersvorsorge – liegen bei 40.000 Dollar. Wenn irgendetwas schief geht, dann hat er kein finanzielles Sicherheitsnetz. Über 400.000 Amerikaner sind im dritten Quartal 2002 "pleite" gegangen.

In ihren Teenagerjahren brachten uns die Mitglieder der "Schuldengeneration" Woodstock und "flower power". In den 1980ern entdeckten sie das Geld, und es gab eine nie zuvor gesehene Konsumwelle. In den 1990ern wählte diese Generation Bill Clinton.

Letzten Monat suchte ich nach einer Aktie, die ich meinen Lesern empfehlen könnte. Ich konnte fast keine finden. Es gibt zwar jede Menge guter Gesellschaften – sogar im Technologiesektor –, aber fast keine von diesen Gesellschaften hat das Ziel, für ihre Aktionäre einen realen Gewinn zu erwirtschaften.

Nehmen wir zum Beispiel die Software-Firma Adobe Systems. Die Umsätze erholen sich. Die Gewinne steigen. Aber die Gewinne, über die die Aktionäre verfügen können, haben sich in Luft aufgelöst. In den letzten 5 Jahren ist das Nettoeinkommen von 105,1 Millionen Dollar auf 191 Millionen Dollar gestiegen. Das klingt gut, oder? Und das wäre es auch, wenn nicht auch die Aktienoptionspläne im gleichen Zeitraum von 50 Millionen auf 184 Millionen Dollar gestiegen wären. Wenn man das berücksichtigt, dann ist der Nettogewinn sogar gefallen, von 54 Millionen auf 6 Millionen Dollar. Adobe, eine Firma, die an der Wall Street mit 7 Milliarden Dollar bewertet wird, kann pro Jahr nur 6 Millionen Dollar Nettoeinkommen generieren. Bruce Chizen, Vorstandsvorsitzender von Adobe, ist Jahrgang 1956. Schuldengeneration.

Ein weiteres Beispiel für einen typischen Vertreter der Schuldengeneration ist Steve Jobs. Er gründete und leitet immer noch Apple Computer. 2001 machte die Gesellschaft Verluste in Höhe von 25 Millionen Dollar. In diesem Jahr zahlte Apple für Aktienoptionspläne 371 Millionen Dollar. 2002 war das Ergebnis besser: Die Gesellschaft verdiente 65 Millionen Dollar. Aber das Ergebnis war für die Aktionäre de facto kaum besser, denn Apple gab für Aktienoptionspläne 229 Millionen Dollar aus. Aufsichtsratsvorsitzender ist übrigens Al Gore. Steve Jobs gab ihm dafür 30.000 Aktien. Und warum nicht? Er hat das Internet erfunden, also muss er eine Menge über das Computergeschäft wissen ... oder?

Allerdings hat Yahoo am meisten das Bilanzrecht missbraucht. Das ist eine Schande, denn diese Gesellschaft hat einen weltweit bekannten Namen, und sie hat das Potenzial dazu, die erste wichtige Mediengesellschaft des Internet zu werden. Im letzten Jahr erzielte Yahoo einen Nettogewinn von 42 Millionen Dollar. Aber für Aktienoptionspläne wurden 482 Millionen Dollar ausgegeben. Seit 1998 hat Yahoo 3 Mrd. Dollar Verlust gemacht – wenn man die Aktienoptionspläne mitberücksichtigt. Offiziell hat die Gesellschaft in diesem Zeitraum 55 Millionen Dollar verdient. Ich könnte Ihnen viele andere, vergleichbare Beispiele nennen ... aber sie führen alle zur selben Schlussfolgerung: Die besten Unternehmen einer ganzen Generation produzieren keinen langfristigen Reichtum. Stattdessen produzieren sie nur Konsum und Aktienoptionspläne für die Top-Manager.

Die "Baby Boomer" kommen jetzt ins Rentenalter – mit nichts auf ihren Sparkonten. Ihre Aktiendepots sind eingedampft worden. Aber am gefährlichsten ist es, dass die Gesellschaften, die von "Baby Boomers" geführt werden, sogar jetzt noch keine realen Gewinne und realen Dividenden für ihre Aktionäre erwirtschaften können.

Ohne eine Revolution auf Vorstandsebene werden die "Baby Boomer" niemals zurücktreten. Die Gesellschaften, die von diesen Leuten in den 1980ern und 1990ern gegründet wurden, produzieren einfach keine Gewinne.

Die "Baby Boomer" gehen ins Rentenalter, ohne Ersparnisse oder produktive Gesellschaften, die sie unterstützen könnten, zu haben. Die "Schuldengeneration" ist eine tickende Zeitbombe ... und der Zeitzünder zeigt an, dass es noch ungefähr 10 Jahre bis zur Explosion dauern wird.

investorverlag.de
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15.04.03 21:51:27
Beitrag Nr. 2.547 ()
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Konjunkturoptimismus ist fehl am Platz – Es muss noch schlimmer werden bevor es besser werden kann
(15.04.2003)

Jetzt, da sich der "Nebel des Krieges" verzieht, erhoffen sich nicht wenige einflussreiche Ökonomen und Anlagestrategen nicht nur mehr Klarheit über die Situation der Weltwirtschaft, sondern auch eine nachhaltige Besserung der konjunkturellen Verhältnisse.

Für Westeuropa erklärt zum Beispiel Goldman Sachs, der Konjunkturpessimismus sei übertrieben. Schon im weiteren Verlauf des Jahres könne eine Erholung einsetzen. 2004 sei sogar mit einem Wachstum zu rechnen, das über dem Trend liege. Daraus folgert die Investmentbank, dass die EZB ihren Leitzins wohl nicht weiter senken wird.

Das Kontrastprogramm zu dieser Sicht liefert Merrill Lynch. Diese Investmentbank erwartet einen Kollaps des Verbrauchs in den USA, den auch Westeuropa zu spüren bekommen werde. Da Westeuropa in seiner gegenwärtigen Verfassung aus sich heraus keine konjunkturelle Erholung zustande bringen könne, würde ein Niedergang des Verbrauchs in den USA schwer auf der europäischen Wirtschaft lasten.

Wir haben den Eindruck, dass sich die Optimisten zu sehr von überkommenen Modellen leiten lassen. Diese Modelle berücksichtigen die deflationären Gefahren offenkundig nicht oder nicht angemessen.

Es ist leichtfertig, wenn jetzt so getan wird, als seien die Schuldenprobleme im Privatsektor der amerikanischen und der europäischen Volkswirtschaften unter Kontrolle. Alle einschlägigen Daten sprechen gegen eine solche Deutung. Die Realität zeigt ferner, dass der Abbau so immenser Schulden, wie sie noch bis in die jüngste Zeit hinein aufgebaut wurden, in sechs oder neun Monaten für erledigt erklärt werden kann.

Was hier auf eine Liquidation mit unzweifelhaft deflationären Folgen wartet, kann nur über Jahre hinweg bewerkstelligt werden. Daraus folgt, dass es nur besser werden kann, wenn es zuvor noch einmal schlimmer wird.


Arnd Hildebrandt

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taurosweb.de
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15.04.03 21:56:27
Beitrag Nr. 2.548 ()
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Big Politics meet Big Business

Thomas Pany 15.04.2003
Zahllose personelle und institutionelle Verflechtungen werfen ein trübes Licht auf die amerikanischen Pläne zur Nachkriegsordnung im Irak



Die irakischen Oppositionsgruppen wollen sich heute unter der Schirmherrschaft des amerikanischen Außenministeriums in Nasirija treffen. Erste Differenzen werden deutlich. Fraglich ist, ob die stärkste Vertretung der Schiiten, die SCIRI, am Treffen teilnimmt. Achmed Tschalabi, Führer der Dachorganisation INC, will ebenfalls nicht persönlich teilnehmen; die amerikanischen Pläne zum Wiederaufbau des Irak stoßen auf Kritik. Die große Frage heißt: Geht es der US-Administration wie angekündigt um die Befreiung und Demokratisierung des Irak oder um eine militärische Besatzung, die der Supermacht strategische und wirtschaftliche Vorteile sichert ?



Selbst die amerikanische Administration, so die englische Sonntags-Zeitung "The Observer", sei über das weitere Vorgehen im Irak gespalten. Es gebe drei Lager. Das Außenministerium unter Colin Powell favorisiert eine vorübergehende Militärherrschaft, in dem der intakt gebliebene Regierungsapparat des bisherigen Regimes so weit als möglich mit einbezogen wird. Dagegen will eine zweite Fraktion, die Protagonisten hier sind Vizepräsident Cheney und Verteidigungsminister Rumsfeld, die Truppen so bald wie möglich abziehen und so wenig wie möglich in die weiteren politischen Prozesse involviert werden. Die ideologisch-strategische Arbeitshypothese hierzu, bringt der Autor Ivo Dalder in seinem Buch "America Unbound" auf folgende Formel:




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Aus dieser Sicht gibt es einige sehr böse Leute in dieser Welt und unsere Arbeit besteht darin, sie anzugreifen und zu zerstören, bevor sie uns angreifen. Wenn das erledigt ist, ziehen wir bald möglichst wieder ab.






Die dritte Gruppe sind die Neokonservativen um den Chefideologen Wolfowitz, deren Credo lautet, dass Diktaturen in Demokratien umgewandelt werden können. "Sie wollen etwas investieren, eine Anstrengung machen, sich verpflichten."

Die beiden letzten Fraktionen haben ihren Sitz im Pentagon und stehen in scharfem Widerspruch zu den Ansichten, die im Außenministerium zirkulieren. Es seien zu wenig vertrauenswürdige Leute im irakischen Verwaltungsapparat, um sich darauf zu stützen, wird von Wolfowitz et al. moniert. Ein Blick in die Geschichte der Entnazifizierung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg mache deutlich, dass eine völlige Neustrukturierung im Irak nötig sei.


Was ist geplant


Wie das Machtvakuum bis zur Übernahme der Regierungsgewalt durch eine demokratisch legitimierte irakische Regierung aussehen soll, wurde letzte Woche bekannt. Die Liste der Personen und Unternehmungen, die am Wiederaufbauprogramm der USA beteiligt werden sollen, wirft ein zweifelhaftes Bild auf die demokratischen Ideale von Wolfowitz. Es sieht ganz danach aus, als ob die Vorschläge zum "Office of Reconstruction and Humanitarian Assistance" (ORHA) das alte Schlagwort vom "militärisch-industriellen Komplex" mit neuem Leben füllen.


Ganz oben in der Hierarchie stehen Generäle: der Chef des Centcom, General Tommy Franks, hat oberste Befehlsgewalt. Ihm unterstellt ist der pensionierte General Jay Garner ( Der US-General a.D., der den zivilen Wiederaufbau des Post-Hussein-Irak leiten soll), ein alter Freund von Donald Rumsfeld. Er ist Chef der ORHA und soll möglichst bald sein Hauptquartier in Bagdad beziehen und (übergangsweise) die Regierungsgeschäfte im Irak führen.

Der Irak soll in drei große Verwaltungszentren unterteilt werden. Im Norden, in Mosul, soll der pensionierte General Bruce Moore die Verwaltung leiten. In Bagdad wird die ehemalige US-Botschafterin im Jemen, Barbara Bodine, amtieren und im Süden der pensionierte General und texanische Geschäftsmann Roger "Buck" Walters, der sich in einem BBC-Fernsehinterview schon für einen längeren Aufenthalt im Irak ausgesprochen hat.




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Meine Anstellung dauert wahrscheinlich bis zum Ende des Jahres. Aber ich habe mir vorsorglich ein Jahr frei genommen. Ich glaube, diese Organisation wird hier eine Weile bleiben.






Während Roger "Buck" Walters vom Pentagon bestimmt wurde, gehört die Karrierediplomatin Barbara Bodine zur Riege der "klassischen Arabisten", die im State Department und in der CIA ihre politische Heimat haben. Dieser Gruppe wird nachgesagt, dass sie risikoscheu sei; sie orientiert sich an dem Diktum des ehemaligen Sicherheitsberaters Brent Scowcroft, wonach es vorzuziehen sei, mit einem "business-as-usual-Diktator" zu verhandeln als mit neuen Kräften. Scowcroft war übrigens der Berater von Bush-Senior, der "Bush 41" dazu geraten hatte, Saddam Hussein 1991 Helikopter zur Verfügung zu stellen, damit dieser den Aufstand, der kurz nach dem letzten Irak-Krieg ausbrach - und von Bush-Senior ermutigt wurde -, niederschlagen konnte.

Jeder dieser drei administrativen Einheiten soll mit einer Kerngruppe von 12 Leuten agieren, die von "Freien Irakern" unterstützt werden. Mit kurzfristigen Verträgen ausgestattet sollen die Leute der ORHA-Truppe "theoretisch" die 17 Provinzen des Irak repräsentieren und 23 Ministerien besetzen.


Seilschaften


Neben den Provinzchefs und ihrem Apparat stehen "Sheriff" Jay Garner noch drei weitere "Deputies" für größere Aufgaben zur Seite. George Ward, ein ehemaliger Marine und US-Botschafter in Namibia, für humanitäre Belange. Lewis Lucke für den Wiederaufbau und Michael Mobbs für die Zivilverwaltung.


Gerade bei dem letztgenannten Michael Mobbs, fällt es schwer, daran zu glauben, dass sich die US-Administration um die Besten und Kompetentesten bemüht und nicht um die, welche in einer Seilschaft die besten Plätze haben.

Denn Michael Mobbs` Qualifikation für seine neue Aufgabe als Leiter der Zivilverwaltung ist nicht offensichtlich; Mobbs ist ein Pentagon-Jurist, der sich im Kampf gegen den Terror einen Ruf als unbarmherziger Hardliner u.a. mit der Forderung verschafft hat, des Terrorismus verdächtige US-Bürger ohne Anklage unbegrenzt zu inhaftieren. Auch der rechtliche Rahmen für die unbegrenzte Inhaftierung der Al-Qaida-Verdächtigen in Camp X-Ray in Guantanamo Bay geht auf Mobbs zurück. Der neue Hilfssheriff im Irak, dem künftig 11 Ministerien unterstehen sollen, hat schon - wie viele der Falken im Pentagon - für Ronald Reagan gearbeitet und ist ein enger Freund von Richard Perle und ehemaliger Mitarbeiter der Anwaltskanzlei von Douglas Feith.

Die Nummer drei im Pentagon, Douglas Feith bestimmt die Mitglieder des Defence Policy Boards, eines wichtigen Beratungsgremiums im US-Verteidigungsministerium, dessen Leiter bis vor kurzem Richard Perle war (siehe dazu Erosionserscheinungen in der Bush-Regierung). Als Anwalt vertrat Feith die Firma Northrop Grumman, eine der größten Gewinner von Präsident George W. Bush`s Anhebung des Verteidigungshaushaltes; die Rüstungsfirma soll Aufträge im Wert von 8,5 Milliarden Dollar erhalten haben. Mit einem Stars-and-Stripes Schleifchen auf der Homepage erklärt Northrop Grumman, dass man stolz auf die Unterstützung der Männer und Frauen bei der Operation Iraqi Freedom sei.


Auch General Garners Chef für den Wiederaufbau, Lewis Lucke, entstammt einer Organisation mit bemerkenswerten Verbindungen: USAid (United States Agency for International Development). Die "unabhängige Regierungsorganisation" unter der Leitung von Andrew Natsios ist für die Aushändigung lukrativer Verträge für den Wiederaufbau zuständig. Natsios werden gute Verbindungen zur amerikanischen Baufirma Bechtel nachgesagt . Die Firma Bechtel wurde u.a. mit dem Anlagenbau von Guantanamo Bay betraut, hat aber auch schon bei Wiederaufbauarbeiten in Kuwait nach dem ersten Krieg gegen den Irak gunt verdient. Im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des Irak erwartet man, so die englische Zeitung Sunday Herald, Verträge im Wert von 900 Millionen Dollar. Das Direktorium der Firma führt bekannte Namen wie George Shultz, ehemaliger Außenminister unter Nixon und Berater von Bush Senior. Im letzten Wahlkampf flossen reichlich Spenden (1,3 Millionen Dollar) für die Republikaner von Bechtel. In den achtziger Jahren sollte Bechtel unter der Vermittlung von Donald Rumsfeld eine Pipeline durch den Irak bauen.

Umstritten ist auch die Firma DynCorp, die laut Observer auch viel Geld an die Republikanische Partei gespendet und jetzt einen millionenschweren Vertrag für die Polizeiaufgaben im Nachkriegs-Irak erhalten hat. DynCorp, das u.a. auch die Leibwächter des afghanischen Präsidenten Karsai stellt, ist vor kurzem in die Schlagzeilen geraten, weil Mitarbeiter in einen Prostitutionsskandal in Bosnien verwickelt waren, wo DynCorp ebenfalls im Auftrag der US-Regierung für Ruhe und Ordnung sorgen soll. Dyn Corp beschäftigt ungefähr 25 000 Mitarbeiter, die meisten von ihnen sind ehemalige US-Militärs ( Privatarmeen in Goldgräberstimmung).

heise.de
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15.04.03 22:00:24
Beitrag Nr. 2.549 ()
http://www.bogen-gmbh.de/unser_know-how_.html#Irak-Krieg

Am 27.03.03 neu eingefügt: Der Irak-Krieg

Die FAZ vom 27.03.03, S. 39, schreibt unter “Friedenspoker”: “Schon 1996 beschrieb Richard Perle, heute Chefberater des Pentagons, in einem Vermerk für den damaligen israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu den Sturz Saddams als eine Voraussetzung für den Frieden im Nahen Osten. Seither hat sich der Gedanke des Regiemewechsels im Irak als Auftakt einer grundlegenden Neuordnung Arabiens in vielen Köpfen festgesetzt. . . In groben Zügen soll sich die Runderneuerung des Mittleren Ostens folgendermaßen abspielen: Die Niederlage Saddams und die Befreiung der arabischen Schiiten ermutigt deren Glaubensbrüder im Iran, sich gegen die Mullahs in Teheran zu erheben. Nach deren Vertreibung wollen die Amerikaner Iran überreden, auf sein Atomprogramm zu verzichten und jede Hilfe für Terroristen zu streichen. Auch den westlichen Nachbarn des Iraks, Syrien, so die Hoffnung, wird die Demokratisierung Bagdads erschüttern. Sollte die dortige Baath-Partei wider Erwarten nicht stürzen, so wäre sie doch künftig von prowestlichen Staaten - der Türkei, Israel, Jordanien und dem befreiten Irak - eingekreist. . . Um das Glück komplett zu machen, müsste auch Saudi-Arabien, von dessen Ölreserven Amerika fürderhin unabhängiger wäre, Reformen erwägen, jedenfalls die Finanzierung von Hamas und Al Qaida einstellen. Der Weg zum Frieden im Nahen und Mittleren Osten führt über Bagdad.”
Am 20. März begannen die USA die oben beschriebene Neuordnung des Nahen Ostens mit dem Irak-Krieg. Dies geschah mit “erfundenen Gründen”, so der Oscar-Preisträger Michael Moore am 23. März anlässlich der Preisverleihung in Hollywood. Denn weder atomare oder sonstige Massenvernichtungswaffen wurden gefunden. Auch die angeblichen Urankäufe waren ebenfalls nur vorgeschoben. Dabei wurde keinerlei Rücksicht auf die Vereinten Nationen, den Sicherheitsrat, die öffentliche Meinung und die Kosten genommen. Syrien und der Irak, die nächsten Betroffenen der Neuordnung, wurden bereits vor Ende März vom US-Verteidigungsminister vorgewarnt. Und der ehemalige US-Präsidentschaftskandidat Pat Buchanan sprach von einer Serie von Kriegen, die zu erwarten sei.
Aus heutiger Sicht steigen dadurch die Zinsen und die hochverschuldeten USA geraten angesichts ihres kaum noch finanzierbaren Außenhandelsdefizits in einen ausweglosen die Aktien- und Kapitalmärkte belastenden Teufelskreis. Sollten darüber hinaus die bisher mit Millionen Dollar gestützten amerikafreundlichen Regierungen in den muslimischen Ländern gestürzt werden, kommt es im Endeffekt zum Gegenteil der angestrebten Entwicklung, was die Lage weiter zuungunsten der USA verändert.
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Derartige sich aufschaukelnde Entwicklungen sind ein Aspekt der Zyklik. Sie entstehen, weil typischerweise Aktionen in Gang gesetzt werden, die nicht die Ursachen beheben, sondern das Gegenteil des angestrebten Effektes erreichen. Sie sind, wo man auch nur hinsieht, kontraproduktiv. Folglich ist zum Schluss des 70-Jahres-Zyklus ein Jahrhundert-Kurseinbruch an den Börsen der Welt zu erwarten, der das Jahr 1932 in den Schatten stellt. Wie es bei uns in Berlin aussieht, wenn es soweit ist, prognostizierten wir vor zwei Jahren in einem unserer Börsenbriefe: “So könne man sich vorstellen, dass 2010 die Schaufensterscheiben auf dem Kudamm mit Brettern vernagelt sind.”
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15.04.03 22:05:49
Beitrag Nr. 2.550 ()
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Deutscher Bundestag übt Kritik an GATS-Verhandlungen



In der Nacht vom 13. auf den 14. März hat der Deutsche Bundestag einen gemeinsamen Antrag der Fraktionen der SPD und von Bündnis 90/Die Grünen angenommen, der die bisherigen GATS-Verhandlungen deutlich kritisiert.

nr. Der Antrag hält fest, dass die stärkere Einbeziehung des Dienstleistungshandels in den Welthandel den Charakter der Welthandelsorganisation WTO grundlegend verändert habe. Die Regelungs- und Schlichtungsstreitverfahren der WTO «greifen zunehmend tief in die Innenpolitik der Nationen ein» und berührten dabei «sensible Bereiche wie geistiges Eigentum, persönliche Dienstleistungen, Banken und Versicherungen ebenso wie Telekommunikation, Transport, Kultur, audiovisuelle Dienstleistungen, alle Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge und des öffentlichen Beschaffungswesens.» Die Regelungen der WTO hätten einen zunehmenden Einfluss auf das nationale Gesundheitswesen, auf Bildung, Weiterbildung und Forschung, Beschäftigung, Qualität der Lebensmittel und Umwelt, aber auch auf den Umgang mit natürlichen Ressourcen wie Wasser, Meere und Wälder.

Dies habe umfassende Auswirkungen auf die nationale Gesetzgebung und die Fähigkeiten der Nationalstaaten, «wichtige Politikfelder nach den Bedürfnissen ihrer Bewohner, ihren sozialen und kulturellen Wertvorstellungen, ihren ökologischen Rahmenbedingungen sowie den jeweiligen, durch Wahlen legitimierten politischen Mehrheitswillen zu regeln und zu verändern.» Die Möglichkeiten der nationalen Parlamente, diese Politikfelder zu gestalten, seien «deutlich eingeschränkt.» Die Macht, so der beschlossene Antrag, wurde «von den Parlamenten auf die Exekutiven verlagert.» Dies sei «wegen des Verlustes an Demokratie nicht mehr vertretbar.» Dies gelte umso mehr, als die innerhalb des GATS getroffenen Vereinbarungen «praktisch nicht rückholbar sind und daher Fehlentscheidungen nicht mehr korrigiert werden können.»

Deutliche Kritik wird an der EU-Kommission geübt. Diese habe am 7. Februar «weitreichende und neue Verpflichtungen zur Liberalisierung des Dienstleistungssektors [...] angeboten». Die Frist zur Stellungnahme der nationalen Parlamente sei äusserst knapp gewesen und hätte «den beteiligten Parlamenten keine angemessene Möglichkeiten, sich sorgfältig zu informieren» geboten. Beratungen und Verhandlungen würden zudem durch eine vereinbarte Vertraulichkeit erschwert: «Die Vorstellung, internationale Verhandlungen Ðhinter verschlossenen Türenð führen zu können, entspricht weder der Bedeutung des Themas noch einschlägiger Erfahrungen mit anderen international verhandelten Regelwerken und Konventionen.»

Begrüsst wird, dass die Europäische Union die Bereiche Bildung, Kultur und audiovisuelle Dienstleistungen sowie Gesundheitsdienstleistungen von den Liberalisierungsverhandlungen ausgenommen hat. Gefordert wird unter anderem, die Zeitabläufe der nationalen Parlamente stärker zu berücksichtigen und bei der EU-Kommission darauf hinzuwirken, «geeignete Formen der Transparenz der GATS-Verhandlungen für eine breitenwirksame Partizipations- und Diskussionsmöglichkeit zu finden».

Die «schwerwiegenden Bedenken» des Deutschen Bundestages gegen die Liberalisierungsangebote der EU-Kommission vom 7. Februar sollen in die Willensbildung eingebracht werden. In diesen Bereichen soll die deutsche Regierung kein abschliessendes Votum abgeben, bis sich der Bundestag intensiv damit befasst hat. Dies betreffe unter anderem die Pläne zur Öffnung der Arbeitsmärkte und eine damit einhergehende Verschlechterung des Arbeits- und Sozialrechts sowie Pläne zur Liberalisierung der Wasserversorgung. Es gehe darum, «die öffentliche Daseinsvorsorge nach Massgabe der politischen Entscheidungen in Deutschland zu sichern» und um eine «Gewährleistung und Sicherstellung eines hohen Qualitätsstandards beim Zugang zur staatlichen Daseinsvorsorge.» «Qualitätssicherung» dürfe sich nicht allein auf staatliche Angebote beschränken, «sondern muss alle in- und ausländischen privaten Angebote miteinbeziehen.» In der Europäischen Union soll darauf hingewirkt werden, dass die EU-Kommission daran festhält, auch künftig keine weiteren Zugeständnisse in den Bereichen Bildung, Kultur, audiovisuelle Dienstleistungen, Gesundheitsdienstleistungen und Liberalisierung der Wasserversorgung zu machen.

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Der Deutsche Bundestag hat mit seinem Beschluss vom 13. März die grossen Bedenken der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland und in vielen anderen europäischen Staaten aufgegriffen. Ähnlich harsche Kritik an den GATS-Verhandlungen hatte es kurz zuvor aus dem französischen Parlament gegeben. In der Bundestagsdebatte hat die Abgeordnete Ulla Burchhard merkenswerte Sätze gesprochen: «Bei den Verhandlungen geht es [...] entscheidend darum, was an Leistungen künftig öffentlich erbracht wird bzw. erbracht werden darf und welche Kriterien ausser der reinen Gewinnerzielung Geltung haben sollen. Gerade in der Daseinsvorsorge, bei den Leistungen, die in unseren Städten und Gemeinden erbracht werden, sind die Fragen existentiell, wieviel Gestaltungsspielraum die öffentliche Hand noch haben wird, wieviel Zuschüsse noch erlaubt bzw. ob jeder private Anbieter ebenso Anspruch auf öffentliche Subventionen hat wie gemeinnützige Organisationen [...] Die Sorge um diese weltweiten Entwicklungstendenzen, das schrittweise Zurückdrängen des öffentlichen Raums und der demokratischen Entscheidung hat uns Sozialdemokraten zu diesem Entschliessungsantrag bewogen [...] Wir wollen deutlich machen: Entscheidungen von solcher Tragweite können und dürfen nicht hinter verschlossenen Türen der Bürokratien von nationalen Regierungen und der Europäischen Kommission fallen.»

Dann weiter: «Volle Transparenz, eine umfassende Information und Diskussion der Betroffenen und der breiteren Öffentlichkeit sind unabweisbar [...] Alles andere widerspricht den demokratischen Traditionen der europäischen Völker.» Und schliesslich: «Der Mangel an Demokratie in der Spitze der Europäischen Union und die Arroganz der Brüsseler Bürokratie und ihre Missachtung demokratischer Informations- und Entscheidungsprozesse kann und wird so nicht mehr hingenommen werden.»

So wie dieser Beschluss des Bundestages wohl nicht ohne die massive Kritik zahlreicher Bürgerinnen und Bürger sowie verschiedener Initiativen zustande gekommen wäre, so werden sich auch immer mehr Menschen gegen jegliche andere undemokratische Bevormundung zur Wehr setzen. Wenn sich Abgeordnete wie Frau Burchard wirklich als Volksvertreter verstehen, dann werden sie dem Volk auch nicht mehr das entscheidende Recht vorenthalten können: die Möglichkeit der Volksinitiative, des Volksbegehrens und des Volksentscheids. Verträge wie das GATS müssen von den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert und entschieden werden können. Dann ist die Gewähr am grössten, dass nicht gegen das Volk entschieden wird.



Artikel 23: Zeit-Fragen Nr.14 vom 14. 4. 2003, letzte Änderung am 15. 4. 2003
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15.04.03 23:26:13
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16.04.03 00:09:48
Beitrag Nr. 2.552 ()
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Vom „Krieg für Freiheit und Frieden“
– und anderen Lügen



Der 2. Golfkrieg (historisch korrekt eigentlich der 3. der Neuzeit) begann am 20. März 2003, kurz nach 3:30 (MEZ) mit einem ‚Enthauptungsschlag’ durch zwei Raketen in einen der drei großen (von über 70) Präsidentenpaläste Saddam Husseins. Soweit die nüchternen Tatsachen.

Vorausgegangen waren diesem Moment Monate der Verhandlungen, innerhalb derer keine Lüge gescheut, keine Drohung unausgesprochen blieb. In dieses Verwirrspiel, das Buhlen um Zustimmung in den einzelnen Ländern wie auch in den internationalen Gremien und gegen-seitige Schuldvorwürfe ließen sich speziell die Medien wunderbar einflechten - sei es, um im Kampf um Marktanteile, Einschaltquoten, Sendeplätze und (damit) Werbequoten Boden gegenüber der Konkurrenz gutzumachen, sei es, um der eigenen Regierung und konkurrie-renden Parteien Bonuspunkte im In- und Ausland zu sichern oder Wahlen zu beeinflussen. Das Manipulations- und Korruptionskartell feierte fröhliche Urständ.

Selbstverständlich bedienten sich dazu alle - Politiker wie Medien - des gesamten Arsenals euphemistischer Begriffe und heroischer „Werte“, um das eigene Vorgehen zu rechtfertigen und den Gegner zu desavouieren. Selbst gut informierte BürgerInnen sahen sich flugs einem schier undurchdringlichen Geflecht von implizierten Tatsachen, Widersprüchen und Vermutungen gegenüber, aus denen es galt, sich eine eigene Meinung zu bilden, Wahrheit von Fiktion zu trennen, um daraus einen Standpunkt zu generieren. Die meisten hingegen resignierten früher oder später; sie übernahmen den von der Mehrheit vertretenen „Standpunkt“, opferten dem nationalen Gemeinschafts“gefühl“ eigenes Denkfühlen oder schotteten sich von jeglichem Standpunkt ab, steckten also den Kopf nur noch ängstlich in den ‚Sand’ - in der Hoffnung, daß sich das dräuende Gewölk unverständlicher (aber sehr wohl empfundener) Gefahr bald verzöge. Andere wiederum vergewisserten sich durch einen Blick in den Atlas, daß der Irak rund 5.000 km entfernt ist, eine unmittelbare Gefahr also mutmaßlich nicht gegeben sei.

Doch diese Ansicht - so dienlich sie den Kontrahenten und Beteiligten ist - könnte sich schon bald als höchst fatal erweisen. Dies wollen wir im folgenden näher beleuchten, denn das Ende des am 20. März begonnenen Golfkriegs ist der Beginn einer Aera völlig neuer Konflikte.

Der Ursprung des 2. Irakkrieges....
..liegt in einem nie abgeschlossenen 1. Irakkrieg (1991) und dessen bis heute nicht gelösten Problemen, zu denen sich in den letzten 12 Jahren nur noch ein Kranz weiterer hinzugesellte.

a) Diente der irakische Präsident bei den Auseinandersetzungen der USA mit dem Iran (nach

dem Sturz des Schah, mit dem die USA trefflich und zu beiderseitigem Vorteil kollabo-

rierten) noch als verläßlicher und deshalb zuvorkommend - mit Waffen und Krediten -

unterstützter Partner (obwohl er bereits damals ein brutales Regime führte), so lief eben

jener Hussein - in Verkennung der veränderten Weltlage und seines gesunkenen Wertes für

seine Gönner, die USA - ungeplant aus dem Ruder, zeigte sich zunehmend egoman, ja

geradezu unverschämt; er forderte eine Autarkie und Autonomie ein, die ihm die USA nie

und nimmer gewähren wollten. Vor allem Husseins Rolle als zweitgrößter Erdölförderer

(nach dem Nachbarn Saudi Arabien) und Besitzer der ergiebigsten (bis heute bekannten)

Erdgaslager ergrimmte den mit Abstand größten Energieverbraucher, die USA, zunehmend.



b) Hussein, Führer der nicht-islamischen Baath-Partei und Herrscher über das einzige

laizistische Land im Vorderen Orient, kam den USA, die den aufkeimenden fundamen-

talistischen Strömungen (nicht nur, aber vor allem im arabischen Raum) - insbesondere

mit Blick auf das wirtschaftlich am Tropf hängende Israel - gut zupaß. Hinzu kam die

(berechtigte) Sorge der USA, daß im Zuge der Renaissance des Islam auch der ’Traum-

partner’ Saudi Arabien, ein mittelalterlicher Feudalstaat, in dem 0,12% der rund 21 Mill.

Einwohner (allsamt Angehörige des Königshauses) über 95% des gesamten Reichtums des

Landes verfügt, ein zunehmend unsicherer Kandidat zu werden drohte. Unpäßlich für

Hussein kam auch der Zusammenbruch des Sozialismus und der Sowjetunion, womit sich

der strategische Wert des Irak für die USA erübrigte. Hier verpokerte sich der irakische

Diktator schlicht.

Die wachsende EU, ihre Tendenz, sich im Osten neue Mitglieder einzuverleiben, eine sich überlebende NATO, eine (weltweite, seit 1989) negative Energie-Rohstoffbilanz, der aufkeimende Islamismus und die Tatsache, daß die USA sich energiemäßig abzusichern trachteten, gebar nun in den Köpfen der Schöpfer der TWP [1] , der Folgeorganisation des MAI [2] (siehe hierzu: http://www.dbsfs.de/download/mai.doc ) - hinter beiden ‚Vereinen’ stecken die großen internationalen Finanzfamilien - einen genialen Plan: Gelänge es, den Drang der asiatischen (teil)autonomen Republiken der ehemaligen UdSSR nach Autonomie für die USA dienlich zu fördern und diese wirtschaftlich (und durch Waffenlieferungen!) zu stärken - also von der ungeliebten ‚Mutter’ Rußland abzunabeln -, könnte man ein direktes Versorgungs- und Transportnetz durch den zentralasiatischen Raum aufbauen. Unter der Kontrolle der großen US-Ölmultis stehend, würde es die USA ihres Energieversorgungsproblems entheben. Zudem könnt es deren Einfluß - nota bene im Hinblick auf das ungeliebte OPEC-Kartell und die sich schamlos ausbreitende, zunehmend mit dem Osten (= ehemaliges ‚Reich des Bösen’) fraternisierende EU - sichern und den wahren Herrscher der Welt, die USA, strategisch bestens positionieren.

Bei diesen Überlegungen stand auch der Gedanke Pate, daß die kommende Wirtschafts-, Industrie- und Konsumnation Nr 1, China, sowie der noch im Dornröschenschlaf dämmernde indische Subkontinent (mit seinem schwelenden Konfliktpotential Pakistan/Indien) früher oder später die ihnen bevölkerungsmäßig zustehende Rolle im Weltkarussell beanspruchen würden. Dem galt es, wollte man den globalen Herrschaftsanspruch der USA sichern, frühzeitig und höchst vorsorglich - mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und Methoden(!) - Rechnung zu tragen. Hier geht es nämlich nicht mehr um Milliarden, sondern um Billionen und die Sicherung einer Jahrhundertstrategie, deren Wirkungsparameter in sämtliche Bereiche ragen: Energie- und Kreditwirtschaft, Waffen- und Rüstungsindustrie, Freizeit, Medien und Tourismus, Forschung und Entwicklung, Medizin und Pharmaindustrie, also Produktion-, Distribution und Konsum - kurz: alle, das Leben von demnächst 8 bis 9 Milliarden Menschen betreffende Belange und die Festigung eines vielleicht nie wieder einzuholenden, heute bestehenden Vorsprungs der restverbliebenen Supermacht USA.

Die weltweite Korruption der Illuminaten.
Die ‚Illuminaten’ (lat. für ‚die Erleuchteten’) sind ein ’elitärer’ Kreis höchst klandestin verwobener Finanzoligarchen, die - sehr hierarchisch sortiert - als die wahren Strippenzieher in sämtlichen relevanten Feldern die Macht kontrollieren. Dies gilt beileibe nicht nur für so profane Dinge wie Großkonzerne in der Industrie, der Medien- und Finanzwirtschaft, dem Pharmazie-, Transport-, Logistik- und Rüstungswesen, vielmehr unterhalten sie - über entsprechende Vereinigungen, Bruderschaften und Institute - beste Kontakte zu weltlichen und geistlichen Organisationen. Sie füttern, wie dereinst die Fugger und andere Geldfürsten, die ihnen genehmen Personen und Organisationen, die durch sie oftmals überhaupt erst an die Spitze von Konzernen, politischen Parteien und Machtpositionen aller Art gelangen. Dafür unterhalten sie Stiftungen und Eliteuniversitäten, ’Kultur’zentren und Museen. Sie vergeben Stipendien und finanzieren Karrieren, sie subventionieren patriotische Vereine und pflegen einen intimen Korpsgeist, in den aufgenommen zu werden schon eine Art Karrieregarantie darstellt. Zentralen dieser Illuminaten sind die Eliteschulen und -universitäten der US-Ostküste, Englands und der Niederlande, aber auch die französische ENA, aus deren Kreis nahezu alle Spitzen der französischen Wirtschaft und Politik kommen (und seit mehr als 100 Jahren kamen). Diesen Illuminaten verdanken wir die ‚Transatlantische Brücke’, das ‚CFR [3] ’, die ‚Bilderberger’, den ‚Ritterorden vom heiligen Grabe zu Jerusalem’ und Hun-derte weiterer Vereinigungen unterschiedlichster Art, den EZB-Präse Duisenberg ebenso wie Altmeister Kohl und die Herren Kissinger und Cheney, Rumsfeld und Mrs. Rice, um nur ein paar zu nennen.

Diese Kamerilla, intern bisweilen höchst eifersüchtig, aber im Geiste geteilter Gier höchst kooperativ, besetzt in weltlichen - politischen und militärischen, bildungs- und medienrelevanten, geheimdienstlichen und juristischen -, strategisch wichtigen Belangen alle Spitzenpositionen mit höchst willigen (ergo: abhängigen) Figuren, die nach außen den kecken Harlekin abgeben, in Wahrheit aber billige Befehlsempfänger sind. Warum sollten sich die Strippenzieher auch den Tort antun, sich den neugierigen Fragen und der Häme, Wut und Unbill der Massen auszusetzen, sich in der Nichtigkeit des öffentlichen Lebens zur Schau zu stellen? Das überlassen sie der Eitelkeit von Selbstdarstellern aus Politik und Pop, den Popanzen der ‚Prominenz’ aus Kultur, der glamourösen Welt der Stars und Starlets.

Natürlich ist die Masse zumeist viel zu sehr mit der Wahrung ihres Lebensstandards, dem Erhalt des Jobs, der Aufzucht, Hege und Pflege der Nachkommenschaft, dem eigenen Rentenanspruch und den familieninternen Problemen beschäftigt, als daß sie über die immer komplexer werdende Welt insgesamt nachdenkt. Aber ein paar Querulanten gibt’s immer wieder, die sich den Luxus zeitaufwendigen Hinterfragens und unbotmäßiger Neugier erlauben, die nach Erklärungen lugen und verstehen wollen, was hinter den - im großen und ganzen geschickt verschobenen - Kulissen läuft.

Zur Abwehr dieser Querdenker, Nörgler und Fragensteller genügte es vollkommen, den verlächerlichenden Begriff vom ‚Weltverschwörertum’ zu kreieren. Damit stellt man diese Unbequemlinge ins Abseits und an den Pranger - zur allgemeinen Belustigung freigegeben - und bietet dem leicht verunsicherten Mitglied der breiten Masse eine willkommene (weil bequeme) Entschuldigung (vor sich selbst), tunlichst wieder in alltägliche Gewohnheitlichkeit zurückzukehren (‚Drei-Affen-Prinzip’: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen), geistig wie seelisch die „Türen“ und „Fenster“ vor Unliebsamkeiten zu verrammeln, die stören, verun-sichern und beunruhigen könnten. Wer wirklich Näheres hierzu erfahren möchte, natürliche Neugier nicht ins Korsett der Bequemlichkeit zwängen möchte, dem sei das anno 2000 im Fouque-Verlag erschienene Buch „Korruption – die Entschlüsselung eines universellen Phänomens“ anempfohlen.

USA – ideales Spielfeld der Illuminaten.
Kein anderes Land ist als Nährboden und Spielwiese für die Illuminaten, die ja irgendwo auch eine physische Zentrale unterhalten müssen, besser geeignet, als die ’Vereinigten Staaten von Amerika’. Das hat vielfältige Gründe (sh: „Die USA – der Anfang vom Ende“, abrufbar unter www.dbsfs.de), fußt aber vor allem auf einem seit mehr als 200 Jahren wie in keinem anderen Land gepflegten calvinistischen Praedestinationsglauben, demzufolge - auf den protestantischen Reformer Calvin zurückgehend - der christliche Gott denjenigen bereits zu Lebzeiten besonders begünstigt, den er favorisiert; anders ausgedrückt: Irdischer Reichtum, weltliche Wohltat und Besonderheit - Reichtum, Gesundheit, Ehre und Ruhm sowie sonstiges Wohlergehen - sind augenfälliger Beweis göttlicher Bevorzugung und mithin keineswegs verwerflich. Genau hierin liegt die tiefere Ursache für den in den USA so hemmungslos (und für „gesittete“, kulturell europäisch geprägte Menschen geradezu dümmlich) zur Ikone stilisierten Gigantismus, die Hybris eines weltweit teils bewunderten, teils verachteten Größenwahns US-amerikanischer Prägung. Reichtum und dessen Zurschaustellung ist oberste Bürgerpflicht und schlagender Beweis göttlicherseits gewährter Besonderheit. „Money is what really counts, brother!“

Lebensgenuß und -freude [sinnstiftender Beweis göttlicher Auserwähltheit („God’s own country“)] wurden - nicht frei von Häme gegenüber dem zersplitterten, vom Zweikampf der beiden Konfessionen und hundertfachen weltlichen Diadochenkämpfen gebeutelten Europa -

zur ‚benchmark’ irdischer Lebenskunst erhoben, der sich zu unterwerfen kleinen US-Amerikanern bereits mit der Muttermilch (später mithilfe des in fast jedem Zimmer stehenden Fernsehers) verabreicht wird: „You got to be beautiful and rich! If you can’t make it – tough luck!“ Auf diesen verkürzten Nenner kann - Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel - das generelle Selbstverständnis des US-Amerikaners subsummiert werden.

Doch das alleine ergäbe eine zu fade ‘Suppe’. Man garniere das Ganze noch mit jeder Menge Religiosität, einem alles verbindenden Korpsgeist (vulgo: alles überschattender, irrealer, bisweilen schon faschistisch anmutender Nationalismus), viel Patriotismus, einer sehr einseitigen Eroberungsmythologie der ‚Neuen Welt’ (dargestellt in bisweilen regelrecht putzigen „Museen“, die selbst im kleinsten Dorf zu finden sind), gegen den sich die heute in Reservate zwangsumgesiedelten Indianer nie wehren konnten, dem generellen unerschütter-lichen Maximalanspruch (’American’ steht generell für „the world’s best/finest/greatest.....“) - psychologisch interpretiert: ein seit der ersten Einwanderungswelle sorgsam gepflegter Trennungshaß gegenüber dem ‚Alten Kontinent’ - und einen geradezu kindlichen Glauben an die suggerierte Märchenwelt, schon hat man ein Volk ’konstruiert’, mit dem man virtuell, quasi ’in vitro’, alles ausprobieren kann, was dann in die Restwelt exportiert wird - notfalls auch zwangsweise. Die USA als gigantisches Labor für die perfekte Manipulation eines (zumeist) leicht lenkbaren Menschengeschlechts, des idealen Staatsbürgers der Zukunft. Heureka!

Erste Versuche, auch den ‚Restmenschen’ US-amerikanische Lebenskultur überzustülpen, boten sich den USA nach dem 2.Weltkrieg (Japan, Korea, Thailand, die Philippinen und Taiwan, Indonesien und Malaysia, Hongkong und Singapur, Lateinamerika, Südafrika, sukzessive auch Schwarzafrika und Mittelamerika, Deutschland, Österreich und - trotz bis heute spürbarer störrischer Gegenwehr - auch Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland, die Benelux-Staaten und Skandinavien), nach dem Fall der Mauer auch in der ex-DDR, dann nach der Perestroika (1992) auch in Rußland, den baltischen Ländern sowie im ex-sozialistischen Osteuropa und nun zunehmend auch im früheren Rotchina. Die US-amerikanische ‚Mickey Mouse’-Kultur, der Hamburgerismus und das Cyber-Denken galoppieren, fröhliche Unbeschwertheit vermittelnd, durch den Rest der Welt. Wen kümmern da Umweltschutz und Ressourcen-orientierte Sorgsamkeit?! „Everything is possible – we’ll show you“!

Nota bene: Der bereits unter Bush sen. agierende Paul Wolfowitz dürfte heute der mächtigste Verbindungsmann zwischen der Bush-Administration und den Illuminaten sein.

Der Preis des Größenwahns
Kein Besucher der USA, den nicht das Land selbst, mit seinen einzigartigen Naturschönhei-ten, seiner Flora und Fauna, begeistert hätte; keiner, der nicht die Bombastik der Millionen-städte bestaunt, die phänomenale Gastfreundlichkeit der US-Amerikaner und die ‚Leichtig-keit’ des ‚American Way of Life’ registriert hätte. Doch wer etwas länger und genauer hinsieht, registriert auch das krasse Mißverhältnis zwischen dem Anspruch einer Supermacht, dem Rest der Welt den Weg zu weisen, und der sich erst bei zweitem Hinsehen offenbarenden Realität. Unglaubliches Schwelgen in Reichtum, Sattheit und Überfluß geht einher mit einer sprunghaft steigenden Armut – speziell in den Slums der Metropolen und hier speziell bei nicht-kaukasischen Einwohnern. Nirgendwo weltweit wird mit natürlichen Ressourcen und Energie derart verschwenderisch geaast, so bedenkenlos die belebte und unbelebte Natur menschlicher Hybris - ausschließlich nach den Prinzipien von Nützlichkeit und Bequemlichkeit - geopfert, wie in den USA. Was Umsatz, Wohlstand (für genügend Kaufkräftige), Wachstum und Gewinn verspricht, wird realisiert - Hauptsache, es dient der Unterhaltung, regt an, ist neu, verspielt und glitzert. Wer sich das eine oder andere nicht leisten kann, ist selber schuld (Calvin läßt grüßen). Eltern verschulden sich bis unter die Augen, um den „gesellschaftlichen Voraussetzungen“, die vor allem Werbung und Medien in die Kinderzimmer tragen, zu genügen. „Be part of it“ bestimmt den Rhythmus der Erziehung, des Gemeinschaftslebens - privat und im öffentlichen Leben. „Life is a party, and you better join in“ gilt als Richtmaß - für Familien und Kommunen jeder Größe. Kein Wunder, daß die USA seit Jahrzehnten völlig über ihre Verhältnisse leben. Die durchschnittliche Verschuldung der Privathaushalte, aber auch der Gemeinden und des Federal Government würde europäischen Bankern, die nach den Basel-II - Richtlinien schielen, den Atem stocken lassen, und die USA hätten nicht den Hauch einer Chance, der EU beizutreten.

Die öffentliche Gesamtverschuldung der USA liegt bei etwa 800% des Bruttoinlandsprodukts

(von derzeit ca 12 Billionen $), wobei der öffentl. Investitionsstau - allein beim Straßenbau sind dies nach internen Schätzungen etwa 1,8 Billionen $ - noch gar nicht eingerechnet ist. Die letzten drei Jahre haben Vermögenswerte auf Wertpapierbasis von etwa 2,65 Billionen $ vernichtet, hinzu kommen Pensionswerte von weiteren ca 1,3 Billionen $, die in den Bilanzen der Gesellschaften innerhalb der nächsten drei Jahre abgeschrieben werden müssen. Doch all dies tangiert die US-Amerikaner nur sehr peripher. Dann wird eben der Ruhestand um ein paar Jahre verschoben, ein zweiter oder dritter Job gesucht oder das Konto noch ein bißchen mehr überzogen und die Kreditkarte gezückt; notfalls packt man seine Siebensachen, verschwindet bei Nacht und Nebel - eine Meldepflicht nach europäischer Lesart gibt es in den USA nicht - und fängt irgendwo ganz neu an. Viele warten einfach auf den großen Durchbruch („There is always a new chance“), um dann bereitwillig zuzuschlagen („Sooner or later I’ll make it!“). Dieser alles beiseite wischende Optimismus („Everything is possible!“) läßt europäische ‚Realisten’ (speziell deutsche) nur noch den Kopf schütteln, ficht aber nur wenige US-citizens an. Selbst die gefährliche soziale Schieflage, das Fehlen eines auch nur vergleichbaren Sozialversicherungssystems, eine wachsende Armut in „God’s own country“ läßt das Gros der US-Bürger nicht an der Überlegenheit des eigenen Systems zweifeln. Wohl nirgendwo wird das Sprichwort „Jeder ist seines Glückes Schmied“ derart brutal gelebt wie in den USA. Schon der eigene Stolz verbietet es, sich hilfesuchend an den Staat, ja selbst an die Gemeinde zu wenden, und der Regierung in Washington nebst ihren Ablegern traut man ohnehin nicht - was sich nicht zuletzt in der Wahlbeteiligung zur Präsidentschaft niederschlägt (ca 40 %). Hauptsache ist, man hält die Idee vom ‚American Dream’ aufrecht - dafür gibt’s Hollywood, Comics und Disneylands (in Jedermann zumut-barer Nähe) -, pflegt die familiäre Nähe und gute Beziehungen zu den Nachbarn, wahrt sein Recht auf die eigene Waffe und glaubt ganz fest an Amerikas Größe. Sport, Show und Superiorität (über den Rest der Welt) - was sollte einen rechten US-Amerikaner sonst groß kümmern?

Kein Wunder, daß 90% der US-Bürger überzeugt davon sind, daß ihr System das weltweit beste ist. Zur Schulausbildung selbst in Junior High Schools gehört nicht, das US-Lebens-prinzip in Frage zu stellen, sondern morgens den Eid auf die Fahne abzulegen. Um Zusammenhänge im Rest der Welt kümmern sich Johnny und Martha herzlich wenig.

- Wenn Bush dem Irak vorwirft, Massenvernichtungswaffen zu produzieren, trifft dies zwar

mutmaßlich zu, daß aber die USA mehr biologische, chemische und nukleare Massenver-

nichtungswaffen halten, als alle anderen Staaten der Welt zusammen, finden die US-Bürger

o.k. – quod licet jovi, non licet bovi!

- „Wer nicht unserer Meinung ist, ist unser Feind“ - das Gros der US-Bürger nickt sofort;

- Daß die USA weder das Kyoto- Protokoll noch die IACW [4] -Charta sowie Dutzende anderer

Abkommen zum Schutz gegen Umweltverschmutzung, Kindersterblichkeit, Hunger, den

Drogenhandel, die Beschneidung von Frauen, das Abholzen der Regenwälder, Walfang und

Energiemißbrauch etc. ratifizierten, stört in den USA wenig – „Whatever serves America’s

economy, is good for us“;

- Gegen eine UN-Resolution zu verstoßen, ist Bush Grund genug, den gesamten Irak an den

Pranger zu stellen; daß Israel sich um mehr als zwei Dutzend UN-Resolutionen keinen

Deut kümmert fällt für den braven US-Bürger nicht weiter ins Gewicht;

- Der Irak hat (vielleicht) schon die Atombombe – Aufschrei der Entrüstung. Nun ja, Israel

hat sie bereits seit etwa 10 Jahren und auch Nordkorea, Indien und Pakistan dürften sie be-

sitzen; immerhin sind die USA bislang die einzige Nation, die (bereits zweimal) die Atom-

bombe auch gegen Menschen eingesetzt haben, und gegen das Waffenarsenal der USA und

ihre pathologisch-paranoide Entwicklungsmanie immer fürchterlicherer Waffensysteme

wirkt der Rest der Welt wie ein Klub von Steinschleuderern;

- mit einem Rüstungs- und ‚Verteidigungs’-Budget von mehr als 600 Milliarden $ übertreffen

die USA die Etats der gesamten restlichen Welt addiert;

- Allein das US-Marine Corps, eine der vier Streitkräfte der USA, übertrifft die Gesamtheit

aller europäischen Armeen, die Seestreitkräfte der USA alle Kriegsmarinen der Welt;

- Dank einer ausgefeilten Medien- und Desinformationstaktik endet das Weltbild der meisten

US-Amerikaner unmittelbar an den Grenzen Nordamerikas – allenfalls um Kanada, Mexico

und Hawaii ergänzt. Informationen drehen sich zumeist um ‚local affairs’ und derart ist

auch der Bedeutungshorizont. Dahinter steckt Methode; je begrenzter die Sichtweise, desto

leichter fällt die Kontrolle und umso eher fällt auf, wer sich dem ‚local mainstream’ zu

entziehen versucht. Die Familie - neben ‚God’ und ‚America’ die wichtigste Größe im

Leben eines ‚Good American’ - als ausgelagerte Disziplinierungsinstanz des ‚Big Brother’,

gefolgt von den High Schools, Colleges und Universities, deren Renomée für US-citizens

ungleich bedeutsamer ist als in Europa und denen man auch im weiteren Leben stolz die

Treue hält, sowie der militärischen Einheit, die Mann und Frau erst zu einem/r solchen

werden läßt....... Ganz wichtig ist dabei das Wort ’Elite’;

- Die USA insistieren in befremdlicher Arroganz auf ihrer Ausnahmeposition, was ihnen nach

eigener Überzeugung das Recht einräumt, sich jeder internationalen Konvention zu verwei-

gern, die mit jedweden Nachteilen für die eigene Wirtschaft und seine BürgerInnen - in

exakt dieser Reihenfolge - verbunden sein könnte. Ob es sich dabei um den Internationalen

Strafgerichtshof, Zoll-, Subventions- oder Handelsabkommen, die Menschenrechte oder

internationale Statuierungen sonstiger Art handelt, spielt keine Rolle; „America comes

first“ – notfalls bleiben die USA ihre Beiträge schuldig;

- Ihre Rolle als Weltpolizist und einzig berechtigte Entscheidungsinstanz leiten die USA aus

ihrem Selbstverständnis als maßgebender Förderer der Demokratie ab - aus einer 200 Jahre

alten, eurozentristischen Perspektive. Hingegen sehen Dutzende von Staaten Lateinamerikas

und Asiens, zunehmend auch der Karibik und Afrikas den “Weltpolizisten“ vor allem als

gnadenlosen Plünderer. Gore Vidal listet in seinem Buch „Ewiger Krieg für ewigen

Frieden“ (S.26 –39) alleine zwischen 1948 und 1999 mehr als 200 Einsätze von US-

Truppen in Vorderasien, Südosteuropa, Mittel-/Südamerika und Afrika auf, die vielfach bis

heute andauern, und zur Sicherung US-amerikanischer Belange in militär- und wirtschafts-

strategischer Hinsicht sind die USA inzwischen in über 100 Ländern dauerhaft präsent –

notfalls auch gegen den Willen der betroffenen Länder! Deren Rechte zählen für ‚Uncle

Sam’ ebenso wenig wie deren Bedürfnisse. „We sacrifice ourselves and the lifes of our kids

(! - gemeint sind die Stationierungstruppen) for the rest of the world, and get nothing but

ingraditude!“, schimpfte kürzlich einer meiner US-Bekannten, und er meinte das ernst.

Dabei ist den US-Bürgern nur schwer zu vermitteln, daß oftmals erst ihr Eingreifen das

Problem schuf, bzw. bestehende eskalieren ließ. Man denke hierbei an die Terrorregime

in Argentinien, Uruguay, Chile, Indonesien, Korea, Paraguay, Guatemala, Bolivien,

Honduras, Nicaragua u.v.m., den ‘CONDOR’- Plan der US-Geheimdienste, mithilfe

derer Massenmörder vom Schlage eines Pinochet und Noriega, Videla und Stroessner,

Savimbi, Mobutu und auch Saddam Hussein - jeweils solange sie für die USA zum

Vorteil agierten - in wahrlich höchst undemokratischer Weise aber zur Interessens-

wahrung der USA an der Macht gehalten wurden. An dieser grundsätzlichen Hybris hat sich

auch unter Bush sen., Clinton und Baby-Bush nicht das mindeste geändert;

- Kaum ein US-Amerikaner weiß, dass es sich bei der ‚School of the Americas’ (Fort

Benning, Georgia) tatsächlich um eine zentrale Ausbildungsstätte für terroristische Einsätze

lateinamerikanischer Militärs – geschützt, organisiert und finanziert von CIA und NSA (u.a.

aus Drogengeldern und gegen Geheimverträge) - handelte;

- Denken Sie an die an Arroganz und Größenwahn nicht mehr zu überbietende Äußerung des

Vorzeige-Fürthers und ‚Friedens’(!)-Nobelpreisträgers Kissinger, der den von den USA

(resp. ihm) initiierten Sturz des demokratisch gewählten chilenischen Präsidenten Allende

mit dem Satz ’verteidigte’: „Ich sehe nicht ein, warum wir untätig zuschauen sollen, wie

ein Land kommunistisch wird wegen der Verantwortungslosigkeit des eigenen Volkes“;

- Seit 1973 sank das Einkommen von zwei Drittel der US-Bevölkerung dramatisch. Daran

änderten auch die Boom-Jahre (1995 und ’99) wenig. Würden nicht die Kommunen und

eine beispiellose Bereitschaft zur Nachbarschaftshilfe das Schlimmste verhindern, stiege

die Zahl der Diebstähle und Raubdelikte noch wesentlich und große Teile der USA gewär-

tigten längst Übergriffe und bürgerkriegsähnliche Zustände.

Doch all das besorgt Washington und seine Leitfiguren wenig – die Illuminaten schon gar

nicht. Die US-Finanzwirtschaft vertraut auf seine Kredibilität im Ausland und verschuldet

sich eben weiter - zur ’Auslandsverschuldung’ verweigert Washington seit 20 Jahren jede

Auskunft(!).

So wie erst das Eingreifen des Menschen in die Natur und das ökologische Gleich-

gewicht in Fauna und Flora der Erde die Notwendigkeit von Korrekturen schuf, so

werden heute Völker und Ethnien, weltliche wie geistige Kulturgemeinschaften ihrer

Lebensgrundlage und originären Identität beraubt, vergewaltigt und mit dem „Recht“

des Stärkeren durcheinandergewürfelt und destabilisiert, gegeneinander ausgespielt

und verfeindlicht.



Wie verlogen und heuchlerisch die Haltung der US-Regierung in vielen Bereichen der Politik, wie löcherig der nach außen bekundete Moralkatalog ist, erfahren US-Bürger allenfalls, wenn sie - für viele ein einmaliges, oftmals einerseits großartiges, andererseits schockierendes Erlebnis in ihrem Leben - nach Europa reisen. Manche flüchten entsetzt, andere reisen nachdenklich zurück in die USA, nur wenige hingegen durchdringen den Kern der Kluft zwischen dem ‚Alten Europa’ und dem schier ‚forever young America’. ’Big’, neben ’business’ und ’beautiful’ die Zauberworte der US-amerikanischen Alternativkultur, hat seinen Preis:

- Die USA sind das einzige Land der OECD, in dem die Bevölkerung heute länger arbeitet

als vor 30 Jahren; der Analphabetismus steigt; das sowohl von der ILO [5] als auch der UN-

Menschenrechts-Charta postulierte Streikrecht sowie das Recht auf gewerkschaftliche

Organisation sind faktisch nicht mehr existent; mithilfe des ‚Homeland Security Act’ und

des TIA [6] - Computersystems sind - völlig nach Belieben der Geheimdienste - selbst durch

die Verfassung garantierte Basis-Rechte außer Kraft gesetzt. Den meisten US-Bürgern ist

nicht im entferntesten klar, daß sie bereits längst in einem nahezu perfekten Polizei- und

Überwachungsstaat leben, der ohne ihre weltfremde Reduzierung des Lebens auf ‚family,

fun and french-fries [7] ’, ‘business, big and beautiful’ und einen fanatischen ’Hurra’-Patrio-

tismus gar nicht überleben könnte.;

- Mehr als 5% der US-Bevölkerung sitzt in Gefängnissen - einsamer Weltrekord, an den

nicht einmal Rußland unter Stalin heranreichte. Nur: Mehr als 70% dieser Insassen sind

Farbige, obwohl die Weißen mehr als 75% der Bevölkerung stellen!

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Wir Europäer haben keinen Grund, überheblich auf ’die Amerikaner’ herabzublicken! Die Geschichtsbücher sind gespickt mit Grausamkeiten europäischer Machart - den Möglichkeiten der damaligen Zeit entsprechend. Fanatischer Nationalismus, menschenverachtende Grausamkeit und Befriedigung egoistischer Interessen, Genozide und bedenkenloses Ausnützen eigener militärischer Überlegenheit sind beileibe keine Erfindung der USA. Aber hätten wir nicht eher und ehrlicher den USA in den Arm fallen, den Mund aufmachen und Einhalt gebieten sollen, statt die Zeichen an der Wand zur Wahrung eigener Vorteile zu übersehen?

........
http://www.zeitreport.de/kriegirak.htm
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16.04.03 10:45:20
Beitrag Nr. 2.553 ()



H_S;) :laugh:
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16.04.03 13:38:06
Beitrag Nr. 2.554 ()
Erholung der Unternehmensergebnisse in Sicht
[ 15.04.03, 12:50 ]


Nach mageren Jahren stehen die Chancen wieder besser, dass sich die Erträge deutscher Unternehmen 2003 und 2004 positiv entwickeln.


Das Anlegermagazin BÖRSE ONLINE hat in Deutschlands größter Gewinnprognose exklusiv die 2004er-Ergebnisse für 550 deutsche Aktien geschätzt.

Dieses Jahr erfolgt dies drei Monate später als üblich, da aufgrund der außergewöhnlichen Risiken die meisten Ergebnisse des Geschäftsjahres 2002 für die Prognosen abgewartet wurden, um so eine verlässlichere Basis zu haben.

Nach vorsichtigen Schätzungen ist demnach 2004 ein moderater Gewinnaufschwung zu erwarten. Kostensenkungen und Restrukturierungsmaßnahmen beginnen zu greifen und sollten sich positiv auf die Erträge deutscher Unternehmen auswirken.

Für die DAX-Konzerne erwartet BÖRSE ONLINE ein Gewinnplus von 18 Prozent im laufenden und 17 Prozent im kommenden Jahr. Die einzelnen Prognosen wurden entsprechend der Marktkapitalisierung gewichtet.

Im Detail: Die Zuwächse gehen zum erheblichen Teil auf die Erholung des Finanzsektors zurück, für den ein durchschnittliches Gewinnwachstum für 2004 von 21,2 Prozent prognostiziert wird.

Für den Technologiesektor rechnet BÖRSE ONLINE mit einem Wachstum von 21,7 Prozent, für die Automobilbranche von 18,7 Prozent und für Versorger 14,2 Prozent. Für die Chemie- und Pharma-Unternehmen ist 2004 eine durchschnittliche Gewinnsteigerung auf 9,5 Prozent zu erwarten. Rote Zahlen erwartet BÖRSE ONLINE nur bei der Deutschen Telekom.

Auch Deutschlands Mid und Small Caps stehen vor höheren Profiten. BÖRSE ONLINE schätzt das gewichtete Gewinnplus der zweiten und dritten Reihe auf 24 Prozent im laufenden und rund 15 Prozent im Jahr 2004. Der Zuwachs der TecDAX-Gesellschaften 2003 wird auf acht und 2004 auf 37 Prozent geschätzt.

Grund für das magere 2003er-Wachstum ist laut BÖRSE ONLINE, dass dem neuen Technologie-Index viele Unternehmen aus dem zyklischen Investitionsgütergewerbe angehören, die besonders unter der schwachen Konjunktur leiden. Bemerkenswert: 2004 dürfte noch immer ein Fünftel der Tec-Dax-Unternehmen rote Zahlen schreiben.

Für den SDax wird das Gewinnplus im laufenden Jahr auf 23,7 Prozent, im Jahr 2004 auf 14,5 Prozent geschätzt.


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H_S;) ;)
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16.04.03 13:52:34
Beitrag Nr. 2.555 ()
Ah ja, da die übliche Zweitehalbjahrkonjunkturaufschwungvorhersage sich um drei Monate verzögert, muss man den Aufschwung natürlich (unter Beibehaltung des mehrfach bewährten 6-Monats-Abstands) diesmal ins nächste Jahr legen. :rolleyes:

Hoffentlich überfordert das die "Experten" nicht so, dass sie jetzt künftig den gewohnten Rhythmus verlieren.

An eine echte Wende glaube ich erst bei der Schlagzeile: "Aufschwung auch im nächsten Jahr nicht in Sicht".
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16.04.03 15:50:15
Beitrag Nr. 2.556 ()
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16.04.03 15:51:54
Beitrag Nr. 2.557 ()
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16.04.03 15:56:54
Beitrag Nr. 2.558 ()
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16.04.03 15:58:12
Beitrag Nr. 2.559 ()
Die Baisse dauert an!

Die Indizes machen immer wieder Ansätze, die 200 Tagelinie zu überspringen, jedoch mit wenig Erfolg. Die Märkte sind überkauft! Der “beendete Krieg” interessiert keinen mehr und so muss man sich wieder mit den “Fundamentals” beschäftigen.

Zwar rasselt die Bush-Regierung noch mit der Kriegstrommel gegen Syrien und Iran, jedoch wird diese Drohung von diplomatischen Kreisen nicht ernst genommen.

Im Markt bahnt sich wieder eine gefährliche Situation an.

Ende Mai 2003 tangieren wir ein Fibodatum (233 Tage seit 10.10.2002) und dort erwarten wir ein neues Tief. Es ist auch nicht auszuschliessen, dass nach Penetration der Supportlinie bei 7500, abermals ein Crash eintritt. Jedenfalls sind die Märkte noch mit viel zu hohen KGV´s behaftet, um einen neuen Auftrend einzuleiten.

Wir werden abermals erleben, dass die “Meute” wieder falsch liegt, denn die überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer ist “bullish” gestimmt. Jetzt kommt wieder die Zeit: “Sell in May and go away”!


Krieg ist und bleibt “Scheisse”! Jene Initiatoren, die Krieg machen, haben “Scheisse im Hirn”! Kriegsinitiatoren sind genauso “Massenmörder” wie Diktatoren!

evotrade.de
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16.04.03 16:03:06
Beitrag Nr. 2.560 ()
16.4.03 Rekordverlust bestätigt: Telekom veröffentlicht Zahlen für 2002

Bonn - Die Deutsche Telekom hat mit ihrem am Dienstag in Bonn veröffentlichten Geschäftsbericht für das Jahr 2002 die bereits Mitte März herausgegebenen vorläufigen Geschäftszahlen bestätigt. Danach verbuchte der bei einem Umsatz von 53,7 Mrd. Euro größte europäische Telekommunikationskonzern im vergangenen Jahr mit 24,6 Mrd. Euro den höchsten Netto-Verlust in der deutschen Unternehmensgeschichte. ... (Welt, 16.4.03)
Kommentar: Die Telekom fährt den größten Verlust der deutschen Geschichte ein. Und genau solch ein überschuldetes Unternehmen wurde noch vor wenigen Jahre als “heiße Kaufempfehlung” von “Experten” nahegelegt.
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Threadneedle glaubt nicht an Spekulationsblase bei Anleihen

Investmentgesellschaft setzt auf Anleihemarkt


Frankfurt/Main - Die britische Investmentgesellschaft Threadneedle schätzt die Möglichkeit einer Spekulationsblase an den Rentenmärkten als relativ unwahrscheinlich ein. "Das Verhalten des Marktes weist einfach keine blasenähnlichen Charakteristika auf", sagte der Londoner Anleihe-Chefstratege Laurence Mutkin auf einem Pressetermin in Frankfurt.

Als einen Grund hierfür nannte der Anleiheexperte die Tatsache, dass sowohl bei institutionellen als auch bei privaten Investoren der Wunsch nach Sicherheit bei der Rentenanlage im Vordergrund stehe. Und nicht etwa nach einer maximalen Performance, wie bei der Aktienanlage. "An den Rentenmärkten investiert man, weil es keine andere Alternative gibt", so Mutkin. Gegen eine Spekulationsblase an den Anlagemärkten spreche zudem die historische Renditeentwicklung etwa von Unternehmensanleihen. Seit den 50er Jahren sei diese zunächst über drei Jahrzehnte hinweg angestiegen, um dann ab dem Anfang der 80er Jahre wieder abzusinken. Anlegern empfehlen die Experten für den Fall einer deutlichen Erholung des Wirtschaftswachstums, zukünftig auf Hochzinsanleihen zu setzen. "Diese hätten dann nämlich überdurchschnittliche Renditechancen", sagte Mutkin.... (Welt, 16.4.03)
Kommentar: Weider ein gutes Beispiel, von welchen falschen Voraussetzungen “Experten” ausgehen: Einmal wird an einen zwangsläufigen Aufschwung geglaubt, ohne zu erklären, woher der bei unserer Überschuldung überhaupt noch kommen soll. Der zweite Fehler ist, nur die Inflationsrate als zinstreibenden Effekt zu sehen, nicht den Risikozuschlag, der in einer Krise auch ohne Inflation den Zinssatz nach oben und die Anleihenkurse nach unten bewegt.
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16.4.03 Eine Ministerin allein für Europa


Von CHRISTOPH NESSHÖVER, Valenciennes

Europa wird in Frankreich immer unpopulärer. Eine Ministerin bläst zur Charme-Offensive, aber sogar ihr Präsident fällt ihr in den Rücken. Frankreich droht eine Anti-Europa-Stimmung.

Riskant ist für französische Minister geworden, in der Provinz für Europa zu werben. An jeder Ecke scheinen zornige Bürger zu lauern

... Angst vor Arbeitslosigkeit durch Europa

In Frankreich grassiert die EU-Skepsis. Im Chor mit Frankreichs Bauern klagen immer mehr soziale Gruppen über die EU. Die Beamten verdächtigen Brüssel, an ihren Privilegien zu nagen. Viele Angestellte fürchten Arbeitslosigkeit wegen der Billigkonkurrenz aus den neuen Mitgliedstaaten. Mitarbeiter von Staatskonzernen wie EdF jammern über den Druck der EU, den Stromriesen zu privatisieren. Wenn am Mittwoch 25 Staats- und Regierungschefs in Athen ihre Paraphen unter die Beitrittsverträge von zehn neuen EU-Mitgliedstaaten setzen, bedeutet das für immer mehr Franzosen nur noch
mehr EU-Ungemach ... (Handelsblatt.com, 15.4.03)

Kommentar: Gerade in Frankreich, so hieß es immer, sei die EU-Begeisterung am größten. Wenn heute sogar schon dort immer mehr Widerstand gegen die EU entsteht, was sollen dann erst die DEutschen sagen, welche für den Großteil der Zwangsunion aufkommen müssen? Solch ein Gebilde, so beweist die Geschichte, kann dauerhaft nicht existieren.
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Privatisierungen sollen Kosten im Strafvollzug senken

Niedersachsens Justizministerin will sparen


Hannover - Die niedersächsische Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) will Teile der Haftanstalten und das Gerichtsvollzieherwesen privatisieren. Sie könne sich eine private Arbeitsverwaltung für Häftlinge oder eine private Berufsausbildung für Gefangene vorstellen, sagte sie der "Neuen Presse Hannover".

Die Gerichtsvollzieher sollten einen Status bekommen, der dem eines Notars ähnele. Sie unterlägen zwar der Rechtsaufsicht des Gerichts, würden aber im Wettbewerb mit anderen über Gebühren auf eigene Rechnung arbeiten. Davon verspreche sie sich, dass Maßnahmen schneller vollstreckt werden, sagte Frau Heister-Neumann. ... (Welt, 16.4.03)
Kommentar: Privatisierungen führen dazu, daß Haftanstalten Gewinne abwerfen müssen. Das kann dann dazu führen, daß zunehmend Leute eingesperrt werden, als Sklavenarbeiter für die Geldanleger. Dann steht nicht mehr das Verbüßen einer Strafe im Vordergrund, sondern die Ausbeutung der Arbeitskraft.

Kommentare von Günter Hannich
Geldcrash.de
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16.04.03 18:49:24
Beitrag Nr. 2.561 ()
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US-Dollar unattraktiv

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

Jeder erwartet, dass das Ende des Irakkriegs einen neuen Wirtschaftsboom bringen wird. Mein alter Freund Mark Hulbert hat berichtet, dass er noch nie einen so großen Stimmungsumschwung gesehen hat wie zwischen dem 10. März und dem 10. April ... denn sein Index zur Messung der Stimmung der Investoren ist in diesem Zeitraum von –19 % (einem Indikator für Pessimismus) auf +46 % (einem Indikator für Optimismus) gestiegen.

Aber letzten Monat hat es sich nicht ausgezahlt, auf die Bärenseite zu setzen. Vielleicht wird es sich diesen Monat nicht auszahlen, auf die Bullenseite zu setzen.

Paul Samuelson schreibt in der Newsweek: "Kriege bringen normalerweise Überraschungen und Enttäuschungen. Dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg folgte eine harsche Rezession – eine der schlimmsten der Nation, so der Historiker John McCusker von der Universität in San Antonio, Texas. Der Handel mit Großbritannien ging stark zurück; hartes Geld (damit ist Silber und Gold gemeint) war äußerst knapp. Die Regierung konnte die wirtschaftlichen Probleme des Landes nicht lösen."

"Der Krieg ließ das Land in einem Zustand, mit dem die Leute nicht umgehend konnten und womit sie nicht gerechnet hatten", so McCusker. "Aber das ist bei Kriegen oft so. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg gab es eine graduelle Deflation; nach dem Ersten Weltkrieg besonders in Deutschland eine Mega-Inflation, die zu einer tiefen Rezession überleitete (1920–21); der Vietnamkrieg förderte eine steigende Inflationsrate. Die Wirtschaft konnte dieser Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg entgehen."

Bis jetzt sieht der Krieg wie ein Erfolg aus – aber nicht für Amerika.

"Die globalen Investoren mögen US-Anlagen immer weniger", so eine Schlagzeile bei CNN/Money.com. Die ausländischen Aktienmärkte sind stärker gestiegen als die Wall Street, erklärt der Artikel. Und die ausländischen Staatsanleihen sind attraktiver geworden. 10jährige deutsche Staatsanleihen werden mit 4,2 % verzinst ... 4,5 % erhält man mit den britischen Pendants ... und nur 3,9 % mit vergleichbaren US-Titeln.

Während die amerikanischen Konsumenten sich Sorgen machen, weil sie nicht genug Dollar haben, machen sich die ausländischen Investoren Sorgen, weil sie zu viele Dollar haben. Wenn irgendetwas durch den schnellen militärischen Sieg der USA im Irak hätte steigen sollen, dann der Dollar. Einige Leute glaubten sogar, dass der Krieg nur ein Versuch war, den Wert der imperialen Währung zu erhalten. Aber der Dollar hat gestern etwas Komisches gemacht. Der Goldpreis ist gefallen. Der Dollar steigt in solchen Fällen normalerweise. Aber er fiel gegenüber dem Euro.

Jeder kleine Kursrückgang des Dollars erhöht die Furcht der Ausländer vor dem Dollar, was auch die Rückflüsse von Kapital aus den USA erhöht. Ein nochmaliger Rückgang des Dollar um 10–20 % – wie es in den letzten 12 Monaten passiert ist – würde amerikanischen Käufern von Eurobonds eine Rendite von 25 % ermöglichen. Wer will schon dollarnotierte Anleihen im Depot haben, wenn der Dollar so verletzlich ist?

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Das Beste, das passieren könnte ...

von unserem Korrespondenten Eric Fry in New York

Man könnte fast denken, dass der Irakkrieg ein "non-event" für den Aktienmarkt war. Eine andere Interpretation: Die Kurse ständen deutlich tiefer, wenn es den militärischen Erfolg der USA im Irak nicht gegeben hätte. Denn die News von der Heimatfront sind genauso schlecht wie vor 4 Wochen, als der Krieg begann. Und die Aktienkurse sind jetzt wieder genauso teuer wie vor 4 Wochen.

Die US-Wirtschaft und die amerikanische Börse wursteln so vor sich hin. Aber zumindest der Aktienmarkt hat sich nach oben hin weitergewurstelt. Das kann man von der Wirtschaftslage nicht sagen. Die Lagerbestände der US-Unternehmen sind im Februar stärker als erwartet (+0,6 %) auf das höchste Niveau seit September 2001 gestiegen. Währenddessen sind die Umsätze der Unternehmen im Februar im Durchschnitt um 1 % gefallen.

Kurioserweise steigen die Renditen der US-Anleihen wieder. Ist das ein Zeichen von erneuerter wirtschaftlicher Vitalität? Die Zinsen steigen schließlich meistens dann, wenn man mit einer Verbesserung der Wirtschaftslage rechnet.

Jim Grant schreibt dazu: "In New York sieht man diesen Frühling mehr Polizisten als Blumen." Und Tom Gallagher, Analyst bei der ISI Group, fragte in einer Rede am 24. März: "Den größten Teil der letzten 20 Jahre über ging man die Lösung von Problemen damit an, dass man die Rolle der Regierung reduzierte. Jetzt hat sich dieser Trend umgedreht ... Problemlösungen werden jetzt durch ein Ausweiten der Regierungsfunktionen angestrebt ..."

Paul McCulley von PIMCO geht davon aus, dass es einen "Bullenmarkt für Staatsaufgaben" gibt. "Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, mit denen Kapitalisten nicht fertig werden. Zum Beispiel können sie nicht mit Deflationsrisiken umgehen und die nationale Sicherheit gewährleisten. Das spricht für einen Bullenmarkt für die Regierung ..."

Das Fazit von McCulley: "Das Beste, das passieren könnte, wäre, dass die Aktienkurse auf dem jetzigen Niveau herumkrebsen ... für eine lange, lange Zeit."

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Im Griff der Angst

von James Davidson

Viele Kommentatoren haben angemerkt, dass der Irakkrieg neue Standards der Kriegsberichterstattung gesetzt hat. Das erste mal konnten die Zuschauer bei Gefechten live dabei sein. "Eingebettete" Reporter übermittelten hypnotisierende Kriegsbilder, so, als ob man wirklich bei den Bodenoperationen dabei wäre.

Das hatte zwei bemerkenswerte Konsequenzen: 1. Hat das Millionen Amerikaner von ihren Gewohnheiten abgehalten, also auch vom Einkaufen. Leute, die 17 Stunden am Tag CNN sehen, haben keine Zeit, einkaufen zu gehen. 2. Generäle in Rente und Militärhistoriker sind zu den gefragtesten Kommentatoren des Kriegsverlaufs geworden.

Der Aktienmarkt war so heiß darauf, den Krieg vorübergehen zu sehen, dass es eine bedeutsame "Erholungsrally" unmittelbar nach/vor Beginn der Kampfhandlungen gab. Am ersten Freitag der ersten Kriegswoche hatte der Markt einen perfekten Kriegsverlauf "eingepreist". In der folgenden Woche ging es bergab, als der militärische Vormarsch der USA ins Stocken kam. Die Aktienkurse und der Dollar gaben nach. Tag für Tag schien der IQ von Donald Rumsfeld zusammen mit dem S&P 500 Index zu steigen oder zu fallen.

Welche Schlussfolgerungen kann man daraus schließen? Die Dezimierung der irakischen Republikanischen Garde und deren Kollaps unterstützen das Faktum, dass selbst die besten irakischen Soldaten kein Gegner für die Truppen der USA sind. (Derzeit ist die militärische Strategie der USA wirklich unvorhersehbar – Stichwort Syrien). Aber wie überall im Mittleren Osten gibt es immer Fanatiker, die Selbstmordattentate begehen wollen. Da sowohl der Aktienmarkt als auch die Anleihen- und Devisenmärkte ein gutes Schlachtfeld-Barometer sind, kann man noch für einige Zeit mit außergewöhnlich hoher Volatilität rechnen.

Man kann damit rechnen, dass diese hohe Volatilität zu zumindest einem temporären Überspringen der oberen Begrenzung der Trading-Range führen wird. Ich erwarte, dass der Markt noch bis zum Widerstand von 965 Punkten beim S&P 500 weiterläuft. Ein Meister unter den technischen Analysten, Philip Erlanger, meint dazu: "Diese Marke ist ein sehr starker Widerstand, der die Nackenlinie einer Kopf & Schulter-Formation ist, die sich seit 5 Jahren herausgebildet hat." Das bedeutet, dass die Siegesrally noch etwas weiterlaufen könnte, aber dass es dann zu einem Rückzug aller Indizes kommen wird.

Wenn man sich die Marktentwicklung der letzten Wochen ansieht, dann hat man den Schlüssel für die zukünftige Entwicklung. An den ersten zwei Montagen des Krieges sind die Kurse zurückgegangen, weil die Wochenend-News die Bullen entmutigt hatten. Aber am Wochenende des 4. bis 6. April kamen im Fernsehen Bilder von amerikanischen Panzern, die durch Bagdad rollten. Den folgenden Montag hatten die Bullen die Kontrolle über den Aktienmarkt. Die Märkte sprangen nach oben. Die Höchstkurse waren schnell erreicht, im weiteren Handelsverlauf kam es bereits zu Gewinnmitnahmen.

Die Renditen der 10jährigen US-Anleihen stiegen auf ein 2-Wochen-Hoch, was ein Indikator dafür ist, dass die Investoren nach Kriegsende mit einem beschleunigten Wirtschaftswachstum rechnen. Eine Zinssenkung der Fed, die jederzeit drin ist, könnte die "Siegesrally" weiter unterstützen.

Es gibt zwei große Lager in Bezug auf die weitere Entwicklung, nach dem Irakkrieg. Die Bullen hoffen, dass durch das schnelle Kriegsende animalische Gefühle freigesetzt werden, was zu verstärkten Konsum- und Investitionsausgaben führen wird, da die Unsicherheit weggefallen ist. Die Bären rechnen damit, dass diese Ausgaben weiterhin keine besondere Wachstumsdynamik vorweisen werden. Im Zweifel für die Bullen – heisst es derzeit. Die robusten Gewinne der ersten Aprilwoche sprechen jedenfalls dafür.

Die meiner Ansicht nach derzeit wichtigste Frage lautet: Wie gute zukünftige Zeiten sollten derzeit im Aktienmarkt eingepreist sein? Das ist eine Frage, die man differenziert beantworten muss. Ich bin durchaus der Meinung, dass der Irakkrieg einige Wachstumshindernisse beseitigt hat. Ich rechne damit, dass der Ölpreis stetig fallen wird. Und niedrigere Ölpreise stimulieren die Konsumausgaben. Die fallenden Ölpreise sind das Äquivalent zu den geplanten Steuersenkungen im Volumen von Hunderten von Milliarden Dollar, verteilt über die nächsten Jahre.

Das Ende des Krieges dürfte auch die strapazierten Beziehungen zwischen den USA und Deutschland und Frankreich wieder verbessern. Da es sich hier um wichtige Handelspartner handelt, könnte das zentral für die weitere Entwicklung des Welthandels sein.

Das gilt auch für den Handel mit Kanada – an den kaum jemand denkt. Der Handel zwischen den beiden Staaten ist intensiver als der US-Handel mit irgendeiner anderen Nation. Jede Minute findet zwischen den USA und Kanada Handel im Volumen von 1 Million Dollar statt. Aber ab dem 12. September 2001 ist die Grenze zwischen den USA und Kanada weniger benutzerfreundlich geworden. Nach den Terrorattacken vom 11. September kam es an den Grenzen zu längeren Staus, die bis zu 12 Meilen lang waren.

Als ob das nicht schon schlimm genug wäre – die US-Regierung verlangte noch mehr Formalitäten und Papierkram an den Grenzen, insbesondere ein Register von US-Bürgern, die nach Kanada gingen. Thomas D`Aquino, Vorsitzender einer Gruppe der 100 führenden kanadischen Unternehmen, meint dazu: "Mir macht das Sorgen. Definitiv ist durch diese Entwicklung Schaden entstanden. Viele Leute machen sich Sorgen darüber, was noch kommen könnte. Jeden Tag findet ein kleiner Grenzhandel statt mit Millionen von kleinen Transaktionen." Je weniger Hindernisse man diesen Transaktionen in den Weg legt, desto reicher werden die Amerikaner sein.

Vielleicht wird das Ende des Irakkriegs zu einer gewissen Erleichterung führen, und die verrückte Absicht, die US-Wirtschaft im Namen der Sicherheit abzuschotten, wird etwas aufgegeben. Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass das auch nur mein Wunschdenken sein kann.

investorverlag.de
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17.04.03 16:31:42
Beitrag Nr. 2.562 ()
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17.04.03 16:33:07
Beitrag Nr. 2.563 ()
17.04. 14:31
US: Erstanträge auf 11-Monatshoch
(©GodmodeTrader - http://www.godmode-trader.de)



Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung stieg um 30,000 auf 442,000 (Prognose:420.000). Der glättende Vierwochendurchschnitt lag bei 424,750 und einem Zuwachs gegenüber der Vorwoche um 3,500 auf einem 11-Monatshoch. Die Zahl der anhaltenden Empfänger von Arbeitslosenunterstützung lag bei 3.574 Millionen und stieg um 76,000. Der saisonal angepasste Vierwochendurchschnitt der Zahl der anhaltenden Anträge stieg um 9,750 auf 3.525.
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17.04.03 16:47:21
Beitrag Nr. 2.564 ()
17.4.03 Europa macht einen historischen Schritt
Die Europäische Union hat die größte Erweiterung ihrer Geschichte besiegelt. Zehn künftge Mitglieder haben ihre Beitrittsverträge unterschrieben.

Reuters ATHEN. Mit der Unterzeichnung der Beitrittsverträge mit zehn neuen Mitgliedern hat die Europäische Union (EU) die größte Erweiterung ihrer Geschichte besiegelt.

Bundeskanzler Gerhard Schröder würdigte die Erweiterung am Mittwoch in Athen als Überwindung der Teilung Europas. Die Deutschen seien besonders froh, dass die Teilung Europas endgültig überwunden ist, sagte Schröder, bevor er am Fuße der Akropolis gemeinsam mit Außenminister Joschka Fischer den EU-Erweiterungsvertrag für Deutschland unterschrieb. ... (Handelsblatt.com, 16.4.03)
Kommentar: Mit der EU-Erweiterung wird die Teilung Europas nicht beseitigt, sondern verstärkt. Ein Umverteilungssystem wie es die EU darstellt, kann nur zu immer mehr Streitigkeiten führen.
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Lage der Krankenkassen wird dramatischer

TK-Chef warnt vor Beitragserhöhungen - Einige Versicherungen leben nur noch auf Kredit


von Kurt Kieselbach und Dorothea Siems

Berlin - Nach der Barmer Ersatzkasse hat nun auch die Techniker Krankenkasse (TK) vor einem weiteren Anstieg der Kassenbeiträge gewarnt.

... Die Prognose des TK-Chefs begründe sich darauf, dass derzeit "einige Kassen ihre Haushalte derzeit mit drei Mrd. Euro kreditfinanzieren". Des weiteren seien die gesetzlichen Mindestreserven der Kassen von einer Viertel Monatsausgabe aufgebraucht, deren Auffüllung weitere gut drei Mrd. Euro ausmachten.

... Barmer-Chef Eckart Fiedler warnte in einem Brief an den Kanzler vor einer "immer bedrohlicher werdenden Schieflage" der Kassen und forderte eine Einschränkung der privaten Krankenversicherung. ... (Welt, 17.4.03) Kommentar: Die Krankenkassen sind genauso vom System betroffen, wie jedes andere Unternehmen auch. Durch steigende Arbeitslosigkeit und sinkende Löhne werden auch dort die Einnahmen immer geringer.
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Mittelstand droht neuer Pleitenrekord

Bis zu 42 000 Betriebe in ihrer Existenz bedroht - Creditreform und KfW sehen keine Trendwende


von dpa/ddp/DW

Berlin - Im deutschen Mittelstand drohen weitere Umsatzeinbrüche, Arbeitplatzverluste und Pleiten. Nach Einschätzung der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geht es den Betrieben so schlecht wie seit sechs Jahren nicht mehr. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rechnet sogar mit einem erneuten Pleitenrekord.

Wegen der anhaltend schwachen Konjunktur müssen nach Prognosen von Creditreform in diesem Jahr 40 000 bis 42 000 Unternehmen Insolvenz anmelden. Schon 2002 hatte die Zahl der Firmenpleiten mit 37 700 (plus 16,4 Prozent) den höchsten Stand der Nachkriegsgeschichte erreicht.

"Eine Trendwende ist nicht in Sicht", sagte Creditreform-Hauptgeschäftsführer Helmut Rödl, der in Berlin die Ergebnisse einer Umfrage bei 4700 mittelständischen Betrieben vorstellte. Danach sind die Umsätze in allen Branchen eingebrochen. Besonders hart hat es die Bauwirtschaft getroffen. Hier meldeten sechs von zehn Betrieben sinkende Erlöse. Inzwischen habe diese negative Entwicklung aber auch die "robuste Dienstleistungsbranche" erreicht, sagte Rödl. Und auch der Handel, dem das schwache Weihnachtsgeschäft keine Impulse gebracht habe, gehöre zu den Sorgenkindern.

Der Umfrage zufolge beurteilen nur noch 20,5 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut oder sehr gut. Vor einem Jahr waren es noch fast 25 Prozent. Unverändert beklagt rund ein Fünftel der Betriebe mangelhafte oder ungenügende Aussichten. Daher sei auch auf dem Arbeitsmarkt keine Besserung in Sicht, sagte Rödl. Der Mittelstand entlasse nach wie vor mehr Mitarbeiter, als eingestellt würden. Der Saldo aus aufgestocktem und verkleinertem Personalbestand habe sich sogar noch von minus 15,5 Prozent im vergangenen Jahr auf minus 21,2 Prozent verschlechtert. Auch die Zahl der Ausbildungsplätze sei gesunken, und zwar um 6,8 Prozent.

Nach dem gestern veröffentlichten KfW-Indikator Mittelstandskonjunktur ist die Situation daher so kritisch wie seit sechs Jahren nicht mehr. Der Indikator, der Umsatz und Geschäftsplanungen von Unternehmen mit maximal 500 Beschäftigten und 50 Mio. Euro Umsatz berücksichtigt, ist um 2,3 Punkte gefallen. Mit 97 Punkten liege der Indexwert auf dem niedrigsten Stand seit Anfang 1997, teilte die KfW mit. ... (Welt, 17.4.03)
Kommentar: Die Arbeitslosigkeit und die Firmenpleiten müssen immer schneller ansteigen, weil die Kapitalkosten für die Unternehmen explodieren und gleichzeitig die Umsätze einbrechen, weil die Kaufkraft der Bevölkerung sinkt. Wie sich so ein Aufschwung entwickeln soll ist fraglich.


Kommentare von Günter Hannich
Geldcrash.de
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17.04.03 16:50:46
Beitrag Nr. 2.565 ()
Die Rallye hat begonnen

Es läuft, wie es schon oft gelaufen ist: Während die Mutigen bereits 30 Prozent im Plus sind, ist nun auch allgemein öffentlich der Ruf „Die Rallye hat begonnen“ zu hören. Damit wird die Sache für den Contrarian natürlich langsam brenzlig. Ich persönlich denke, dass es noch beinahe so viel zu spät Gekommene wie Kriegsgegner gibt (in unserem Land also beinahe 80 Millionen), so dass die Rallye noch deutlich an Fahrt zunehmen kann.

Positiv finde ich auch, wie sich selbst Super-Bullen wie Hans A. Bernecker mit anscheinend ziemlich verbrannten Fingern nur sehr zögerlich in diese Aufwärtsbewegung hineingetastet haben. Richtig köstlich und beinahe schon von literarischem Wert die Überschriften seines Tagestickers. Ein verwirrtes Protokoll vom Anfang einer Rallye:

Dienstag, der 8.: Ist der Spuk vorbei?
Mittwoch, der 9.: Rückkehr zur neuen Normalität.
Donnerstag, der 10.: War´s nur ein Spuk?
Freitag, der 11.: Denkpause.
Montag, der 14.: Atempause.

Von der Denkpause direkt zur Atempause. Und das war es dann wohl. Wenn da nur nicht Ralph Acampora wäre, von dem wir unlängst lesen konnten, dass er nun den Beginn einer neuen Rallye sieht. Und das ist natürlich das schlechteste Zeichen, das es für einen Markt gibt. Denn einen besseren Contra-Indikator als Acampora habe ich selten gefunden. Leider. Denn es wäre doch so schön, wenn es noch ein Stückchen weitergehen würde ...



Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.

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18.04.03 01:19:07
Beitrag Nr. 2.566 ()
Nokia beflügelt den Dax

von Jochen Steffens

Gewinnmitnahmen und dann im Rahmen der Nokiazahlen eine fast 100 Punkte Rallye. So liebe ich das ... Wirklich glücklich bin ich erst, wenn wir die 3000 Punkte im Dax sehen. Wenn ich schon nicht dabei bin, will ich wenigstens die Bestätigung, Recht gehabt zu haben. Heute ergeben sich interessante charttechnische Aspekte:

Gestern Abend hatte sich noch ein Umkehrsignal im Dax ausgebildet, ein sogenannter Shooting Star (ein Shooting Star ist eine Kerze, die entsteht, wenn es intraday zuerst zu einem starken Kursanstieg gekommen ist und darauf hin die gesamten Gewinne wieder abgegeben werden und der Kurs ins Minus rutscht. Dieser Ablauf wird auch Intraday-Reversal genannt. Zumeist ein Zeichen, dass den Bullen die Luft ausgeht und die Bären stärker werden).

Einige meiner Traderkollegen haben brav auf fallende Kurse gesetzt und sind heute nach den Nokiazahlen verbruzzelt. Es wird immer wieder vergessen, dass es eine Bestätigung dieser Einzelkerzen/Umkehrsignale geben muss. D.h. es muss am folgenden Tag zu fallenden Kursen kommen und am Besten zu einem Schlusskurs unterhalb des Vortagesschlusskurses.

Trotz alledem ist ein solcher Shooting Star ein Hinweis darauf, dass etwas nicht in Ordnung ist. Sollten sich nun weitere ähnliche Kerzen ausbilden, werden damit die Hinweise immer deutlicher, dass die Rallye nun endgültig zu Ende geht.

Aber etwas viel Wichtigeres und Bedeutenderes geschieht. Sie erinnern sich sicherlich an meinen Euro-Call zur Absicherung. Der Call steigt und steigt. Mittlerweile haben der Euro fast wieder die 1,10 Dollar erreicht. Ansonsten zeigt sich der Euro gegensätzlich zu den Kursentwicklungen im Dax. In dieser Woche verhält es sich genau anders. Sowohl der Dax als auch der Euro steigen. Ein gutes Zeichen dafür, dass der Euro noch weiter steigt. Trotzdem, das nächste wirklich bullishe Signal liefert der Euro, wenn er das letzte Hoch bei 1,1087 Dollar nachhaltig brechen kann. Bis dahin ist noch etwas Platz. Aktuell ist ein Kauf nicht sinnvoll, zumindest sollte der Euro die 1,0961 nachhaltig überwinden.

Und wenn ich schon einmal dabei bin: Gold sieht auch danach aus, als wolle es auf aktuellem Niveau einen Boden ausbilden. Die ersten deutlichen Ansätze sind zu erkennen. Hier kann man eine erste kleine Position wieder eingehen. Aber es sind immer noch Kurse bis 310(300)Euro denkbar. Also seien Sie wie immer vorsichtig.

Für die unter Ihnen, die die Gründe für meine Vermutung wissen wollen folgendes:

Erstens hat Gold von der Aufwärtsbewegung seit Anfang 2001 nun wieder genau 50 % abgegeben. Das würde einer normalen Konsolidierung in einem langfristigen Aufwärtstrend entsprechen. Eine Konsolidierung von 38,2 % spricht für einen starken Trend und eine Konsolidierung von 61,80 % ist zumeist ein erster Hinweis, dass ein Trend eventuell ein Top ausbildet. Sollte Gold nun wieder anfangen zu steigen, kann sich der zweijährige Trend wieder deutlich verstärken.

Der zweite Grund ist, dass die letzten Tiefs nicht mehr kraftvoll nach unten gehen, so dass es zu einer leichten Abflachung des seit Februar eingeleiteten Abwärtstrends kommt.

Und der letzte Grund: Seit Februar bildet sich eine Art Bullkeil heraus. Eine Chartformation, die auf steigende Kurse hinweist.

Nimmt man nun diese gesamten oben genannten Faktoren zum Dax, Euro und Gold zusammen, so sieht es danach aus, als ging der aktuellen Rallye des Dax so langsam die Luft aus. Hier sollten Sie noch eine klare Topformation abwarten, dann könnten Sie auf fallende Kurse setzten.

So nun aber zur Politik:

Zu einer Erleichterung an den Börsen wird auch die geplante Syrien-Reise von Außenminister Powell geführt haben. Powell will nach Damaskus reisen, um mit dem syrischen Präsidenten Baschar el Assad über die aktuelle Krise zu sprechen. Zudem wies Powell darauf hin, dass es viele diplomatische Anstrengungen gebe, um die Spannungen zwischen den beiden Ländern zu beseitigen. Powell gehört in der US Regierung sicherlich zu der gemäßigten Fraktion und verfügt im Gegensatz zu Rumpsfeld über diplomatisches Geschick. Eine gute Ausgangsposition, um den Syrienkonflikt zumindest zeitweise zu besänftigen.

Auch Nordkorea verhält sich auffallend still. Der schnelle Krieg im Irak dürfte seine abschreckende Wirkung nicht verfehlt haben. Trotzdem ist langfristig im mittleren Osten noch genug Konfliktpotential vorhanden. Hier wird es sicherlich immer wieder zu Störfeuer kommen.

Ab morgen geht es in die Ostertage. Ich freue mich, denn hier stehen immer noch viele unausgepackte Umzugskartons herum und einiges muss noch aufgebaut und umgerückt werden. So werden wir leider diese Tage nutzen müssen, um hier ein wenig Ordnung zu schaffen. Ihnen wünsche ich jedoch ein ruhiges und besinnliches Ostern.

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Kein klarer Trend nach Kriegsende

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

Seit Ende des Irakkriegs hat es weder an den Aktienmärkten noch bei der US-Wirtschaftslage einen klaren Trend gegeben.

Ich kann nicht in die Zukunft sehen, und ich kann nicht sagen, welcher Trend entstehen wird. Aber ich habe keinen Grund zu der Annahme, dass die Aktien in der Zukunft noch teurer werden. Normalerweise ist das Jahresdrittel bis Ende April das Beste für Aktien. Das könnte auch dieses Jahr der Fall sein ... oder auch nicht. Die Aktien könnten zwar steigen, aber die durchschnittliche Dividendenrendite von weniger als 2 % (auf Dow Jones Ebene) spricht nicht gerade dafür.

Ich habe auch keinen Grund dafür, den Dollar oder Dollar-basierende Investments besitzen zu wollen. Die Rendite der US-Anleihen ist geringer als die von Euro-Anleihen ... und sie könnte durch einen fallenden Dollarkurs noch unterminiert werden. Natürlich könnten die Kurse der US-Anleihen trotzdem noch etwas steigen, wenn die Fed die Leitzinsen noch einmal senken wird. Mein Kollege Eric Fry wird gleich erklären, dass das Einzige, das niedrigere Leitzinsen ... weitere Refinanzierungen bei den Hypotheken ... und höhere Anleihenkurse bringen kann – eine schwache Wirtschaftsentwicklung ist. Und das wäre nicht gerade gut für den Dollar.

Und sowieso – früher oder später verliert Papiergeld gegenüber dem Gold. Ich weiß nicht, ob es eher früher oder eher später sein wird. Aber früher oder später wird es so sein.

Da ich nicht mehr dazu zu sagen habe, übergebe ich jetzt an meinen Kollegen Eric Fry:

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Bärenmarkt noch nicht vorbei

von unserem Korrespondenten Eric Fry in New York

Zuletzt hat sich die Staranalystin Abby Joseph Cohen vom Brokerhaus Goldman Sachs so rar gemacht wie Saddam Hussein. Aber jetzt ist sie doch wieder da, und sie hat ihre bullischen Prognosen bestätigt. Sie prognostiziert, dass sich die Wirtschaftslage verbessern wird und die Aktienkurse steigen werden. Einen Tag lang hatte sie zumindest Recht. Am Dienstag legten sowohl Dow Jones als auch Nasdaq-Composite zu, gestern zumindest noch der Nasdaq-Composite.

Aber selbst überzeugte Bullen wie Abby Joseph Cohen würden einräumen, dass die US-Wirtschaftslage derzeit nicht rosig ist. Natürlich sei dies nicht allzu schlimm, da sich die Lage im Jahreverlauf bessern werde, so versprechen es diese Bullen. Laut der prophetischen Vision von Cohen wird sich die US-Wirtschaft später im Jahr erholen, die Konsumenten werden mit dem "Entsparen" beginnen, die Gesellschaften werden kein Geld mehr verlieren und die Aktienmärkte nicht mehr fallen.

Der Optimismus von Cohen könnte sich natürlich als korrekt erweisen. Aber hier und jetzt ist die Realität noch weit von dieser Vision entfernt. Die Industrieproduktion fiel im März um 0,5 %. Noch beunruhigender: Die Kapazitätsauslastung fiel um 0,5 % auf 74,8 % zurück – das liegt drastische 6,5 Prozentpunkte unter dem Durchschnittswert von 1972–2002.

Die Unternehmen reagieren auf diese Entwicklung damit, dass sie vorhandene Cash-Bestände möglichst nicht ausgeben und deshalb netto nicht investieren. Das kann auf Unternehmensebene sinnvoll aussehen, aber es hilft der gesamten Volkswirtschaft nicht. Wenn jeder das Geld nur noch spart, dann gibt es keinen mehr, der konsumiert und investiert.

Richard Berner von Morgan Stanley meint dazu: "Das Wachstum der Unternehmensschulden (ohne Finanzsektor) hat sich in den letzten beiden Quartalen des Jahres 2002 auf nur noch 0,7 % (aufs Jahr hochgerechnet) verringert".

Und Paul McCulley vom Pimco-Rentenfonds: "Jeder fragt sich, warum die Unternehmen nicht investieren. Nun, um Gottes Willen, sie haben halt in den Jahren der Spekulationsblase einfach zuviel investiert, und zwar mit Schulden – und dann ging alles den Bach runter. Deshalb ist die Kapazitätsauslastung jetzt so gering ... und warum sollte eine logisch denkende Person in diesem Umfeld zum Boss gehen und sagen `Lassen Sie uns die Investitionsausgaben erhöhen`?"

Auch die Konsumenten werden zurückhaltender. Comstock Partners meint: "Die Konsumenten fühlen bereits den Druck der niedrigen Zinssätze für ihre Ersparnisse und ihren riesigen Schuldenberg. Ohne große Preisnachlässe oder sonstige finanzielle Anreize wie 0 %-Finanzierungen kaufen sie nicht mehr so leicht, was die Gewinnmargen der Unternehmen unter Druck setzt und sie zu Entlassungen und Verschiebungen von Investitionen veranlasst. Die Entlassungen wiederum führen zu einem geringeren Wachstum der persönlichen Einkommen. Die Möglichkeit der Erhöhung der Hypotheken, die die Konsumenten weiterhin haben, hängt von weiter fallenden Zinsen ab. Aber die Zinsen werden nur weiter fallen, wenn die Wirtschaftslage weiter schlecht bleibt. Das – und nicht der Irakkrieg – sind die wirklichen Belastungsfaktoren für die Wirtschaft. Und das Kriegsende wird deshalb nicht automatisch zu einer wirtschaftlichen Erholung führen."

Aber lassen Sie mich einmal annehmen, dass die Bären von Comstock diesmal falsch liegen und die Bullen wie Abby Joseph Cohen Recht haben. Lassen Sie mich annehmen, dass sich die Wirtschaft schön erholt, was auch die Unternehmensgewinne steigen lassen wird. Aber selbst dann wäre die Bewertung des Aktienmarktes nicht niedrig.

Comstock dazu: "Die Technologieaktien haben immer noch hartnäckig hohe Bewertungen – die Spekulationsblase geht hier weiter. Wir haben die 16 Technologieaktien untersucht, die zu den 50 größten Titeln an der Nasdaq gehören. Durchschnittlich sind sie mit einem KGV `03 von 41 bewertet. 9 dieser Unternehmen hatte es bereits 1991 gegeben, und damals schrieben sie schwarze Zahlen. Damals lag ihr durchschnittliches KGV bei 19, verglichen mit 35 heute – und heute sind die Wachstumsaussichten bedeutend schlechter als damals. Unserer Ansicht nach ist der Bärenmarkt noch lange nicht vorbei."

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Top-Manager kassieren ab

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

*** "Es sind nur Gerüchte aus dem Dschungel", so mein Bekannter Evan Pickworth in Südafrika, "aber in Nigeria sollen die Moslems dafür eintreten, den Dollar gegen den Euro einzutauschen."

Scheich Ibrahim Umar Kabo, der Vorsitzende des nigerianischen Rates der muslimischen Lehrer, soll gepredigt haben: "Die europäischen Länder haben sich geweigert, von den USA zum Narren gehalten zu werden ... wir sollten es deshalb unterstützen, dass Transaktionen mit dem Euro und nicht mehr dem Dollar durchgeführt werden."

Der Ökonom und Nobelpreisträger Robert Mundell meint dazu: "Es wäre ein großer Fehler, wenn man diese Herausforderung nicht ernst nehmen würde."

Iran hat vor ungefähr 4 Jahren begonnen, sein Öl für Euro zu verkaufen. Ich habe die neuesten News nicht mitbekommen, aber es ist durchaus wahrscheinlich, dass das Land militärisch dazu gezwungen werden wird, wieder Dollar zu benutzen. Zu schade, dass die amerikanischen Abrams-Panzer nicht auch den Wert des Dollar garantieren können.

*** "Nach einem Jahr der Skandale und Betrugsvorwürfe für Merrill Lynch – den Aktienkursverfall der Merrill Lynch Aktie nur am Rande erwähnt – hätte man eigentlich erwarten können, dass sich das auch in der Bezahlung der Top-Manager dieses Brokerhauses schmerzlich widerspiegeln würde", so beginnt ein Artikel im Boston Globe. "Stattdessen haben der Vorstandsvorsitzende und der Aufsichtsratsvorsitzende von Merrill Lynch im letzen Jahr einen Bonus von jeweils 7 Millionen Dollar Cash mit nach Hause genommen – siebenmal so viel wie im Jahr 2001. Bei EMC konnte der Vorstandsvorsitzende Joseph Tucci die gesetzten Gewinnziele nicht erreichen. Aber das hinderte den Aufsichtsrat nicht daran, ihm 7,1 Millionen Dollar zuzubilligen, obwohl die Aktionäre in diesem Jahr einen Kursverlust von 76 % hinnehmen mussten. Sein in Bargeld ausgezahlter Bonus nahm zwar von 700.000 Dollar auf 675.000 Dollar ab, aber dafür erhielt er 75.000 Aktienoptionen, die ihn dazu berechtigen, die EMC-Aktie für nur 1 Cent je Aktie zu kaufen."

Ich habe diesen Artikel aufmerksam gelesen ... und jetzt erinnere ich mich wieder an den Grund, warum der amerikanische Kapitalismus nicht mehr die Kapitalisten belohnt. Stattdessen kommen die wirklichen Kapitalisten erst am Ende einer langen Warteschlange an die Reihe – hinter den Rechtsanwälten, Steuerbeamten, Angestellten, Pensionären. In den 1980ern und in den 1990ern – als sich diese Entwicklung abzeichnete – waren die Kapitalisten bereit, zu zahlen, da die Unternehmensgewinne stiegen. Aber das machte keinen Sinn; denn das goldene Zeitalter des Kapitalismus hatte nicht begonnen, wie sie gedacht hatten; es war gerade gegangen.

Und sogar heute, drei Jahre nach dem Beginn des Bärenmarktes, sind die Aktien so hoch bewertet, als ob ein Dollar an Unternehmensgewinnen 5 Mal so viel wert wäre als vor 20 Jahren.
(auszug)
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Hayek, die Fed und der Rückfall in die Rezession



von Andrew Kashdan

Selbst für flüchtige Marktbeobachter dürfte es klar geworden sein, dass die keynesianische Politik (nach dem Ökonom John Maynard Keynes benannt) des "Gelddrucken und Ausgeben" in den letzten 3 Jahren gescheitert ist.

Dennoch glauben die meisten Leute weiterhin an diese Wirtschaftspolitik, aber ein paar suchen eine bessere Erklärung dafür, warum wir so große Probleme haben, aus den Wirtschaftsproblemen wieder herauszukommen.

Heute liefere ich ihnen eine Erklärung, die vor rund 70 Jahren F.A. Hayek geliefert hat. Denn seine Erkenntnisse, die er nach dem Schwarzen Freitag gewonnen hat, sind meiner Meinung nach auch auf die heutige Situation anwendbar. Hayek baute auf die Geldtheorie von Ludwig von Mises auf und bekam später denn Nobelpreis. Meiner Meinung nach Grund genug, sich eins seiner Bücher anzusehen – wie "Preise und Produktion", das er im Depressionsjahr 1931 schrieb.

Die Versuche, die Weltwirtschaftskrise zu bewältigen, führten die Zeitgenossen von Hayek zu der Frage: Rechtfertigt die Existenz ungenutzter Ressourcen in der Volkswirtschaft nicht die Expansion der Geldmenge? Hayek antwortete mit "Nein", und er erklärte, dass jede übermäßige Expansion der Geldmenge die Struktur der Produktion verändert. Diese Antwort erklärt auch, warum die heutige Politik der US-Zentralbank und scheinbare starke Konsumausgaben uns nicht aus der Wirtschaftskrise herausgeführt haben.

Hayek argumentierte so: "Es sollte klar sein, dass das Schaffen von Kredit für die Konsumenten, was als Kur gegen die Rezession angeführt wurde, in Wirklichkeit sogar den gegenteiligen Effekt haben würde. Ein relativer Anstieg der Nachfrage für Konsumgüter könnte die Dinge noch verschlechtern." Der Grund ist zusammengefasst, dass die Struktur der Produktion (also die Verteilung der Kapitalgüter) anhand der wirklichen Sparpräferenzen der Konsumenten bestimmt werden muss. Mit anderen Worten: Der Wirtschaft würde es nicht zwangsläufig besser gehen, wenn sich jeder Amerikaner ein neues Auto kaufen würde – wenn dieses Geld stattdessen in Kapitalinvestitionen gesteckt würde, könnte dies besser sein.

Der Fed-Vorsitzende Alan Greenspan hat gesagt, dass er während der Boomjahre nichts hätte tun können, um den Abschwung zu verhindern, und jetzt könnte er nur die Folgen mildern. Hayek war da gegenteiliger Ansicht: "Die Ereignisse sind nur ein Beleg für die alte Wahrheit, dass man eine Krise vielleicht dann verhindern kann, wenn man die Expansion rechtzeitig unter Kontrolle bringt, aber dass man nichts mehr machen kann, wenn die Krise erst einmal eingetreten ist. Dann muss man sie zu ihrem natürlichen Ende kommen lassen." Man sollte nicht nur die Zentralbank und die Geldpolitik beschuldigen – auch die Politik verdient ihren Anteil an der Schuld. Hayek schrieb zu Ende seines Buchs: "Bestimmte staatliche Handlungen können eine Verlängerung der Stagnation hervorrufen, indem sie einen Wechsel weg von Produktionsgütern hin zu Konsumgütern veranlassen. Das kann für erhöhte öffentliche Ausgaben im Allgemeinen gelten, oder für besondere Formen der Besteuerung oder für besondere Staatsausgaben."

Also, wohin führt uns das alles? Kurz gesagt: Viele Investments müssen liquidiert werden, bevor eine nachhaltige Erholung beginnen kann. So ein Prozess ist schwierig, und unglückliche Kriege und weit ausgeweitete Staatsausgaben können Ressourcen von wirtschaftlich sinnvollen Verwendungen weglenken. Egal, wie viel "Stimulierung" diese Staatsausgaben bringen.

Die Symptome der noch immer laufenden Korrekturen der Nachwirkungen der Spekulationsblase sind überall zu sehen. Die Einzelhandelsumsätze sind schwach, ebenso das Verbraucherverrauen, die Unternehmensinvestitionen und die Lage am Arbeitsmarkt, um nur ein paar Problemfelder zu erwähnen. Die unsterblichen Optimisten unter uns sind schnell, wenn es um die Benennung der "temporären" Problemfaktoren (hohe Ölpreise, "Geopolitik" und das Wetter) geht. Aber ich möchte betonen, dass die erstgenannten Problemfelder klassische Anzeichen eines schwachen Wirtschaftswachstums sind, wenn die Wirtschaft gegenüber einem externen Schock verletzlich ist.

Es gibt auch gute Nachrichten: Der Ölpreis ist zurückgekommen, und er hat sein altes Top nicht wieder überschritten – ein weiterer Anstieg hätte die US-Wirtschaft sicherlich wieder in die Rezession geschickt. Die jüngsten ökonomischen Indikatoren zeigen, dass die US-Wirtschaft eine "weichen Landung" hingelegt hat (um mit Alan Greenspan zu sprechen) und jetzt stagniert.

Das Beige Book der US-Zentralbank schreibt über die ersten paar Monate des Jahres: "Die Unternehmensinvestitionen blieben sehr schwach, da die geopolitischen Bedenken und die Unsicherheit über die Nachfragestärke weiterhin Investitionen und neue Einstellungen behindern."

Stephen Roach von Morgan Stanley macht die Situation am Arbeitsmarkt für die "große und steigende" Wahrscheinlichkeit einer Rezession verantwortlich. Andere Indikatoren fallen auf den ersten Blick positiv auf. Zum Beispiel ist das Wachstum des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes immer noch positiv. Aber der vielbeachtete ISM-Index ist unter die Marke von 50 Punkten gefallen. Werte über 50 deuten auf eine wirtschaftliche Expansion hin, Werte unter 50 auf das Gegenteil. Im Januar stand dieser Index bei 53,9 Zählern, im Februar bei 50,5 Punkten und im März ging es auf 46,2 Punkte abwärts. Das ist das niedrigste Niveau seit dem 11. September 2001. Dieser Rückgang schien mehr als eine nur temporäre Entwicklung zu sein.

Die ISM-Umfrage hat gezeigt, dass sich die Jobs im produzierenden Gewerbe in den USA weiter in Luft auflösen. Nachdem es zwischenzeitlich so aussah, als ob sich die Situation verbessern würde, steigen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe jetzt wieder deutlich – und sie bleiben signifikant über der wichtigen Marke von 400.000 (pro Woche).

Die Bauausgaben der Unternehmen bleiben auch sehr schwach, sie stehen derzeit 15 % unter dem Wert des Vorjahres, und 30 % unter dem Höchstwert im Jahr 2000. Wie lange werden die niedrigen Zinsen noch die Lage am boomenden Immobilienmarkt unterstützen? Nicht für immer – das ist meine Einschätzung. Die Zahl der Hausneubauten geht bereits zurück, und der Bestand an nichtverkauften Häusern, die verkauft werden sollen, ist seit Jahresbeginn stark gestiegen.

Natürlich würde sich dies alles ändern können, wenn die Entfernung von Saddam Hussein wirklich die Antwort der amerikanischen wirtschaftlichen Probleme wäre. Ich würde darauf aber keine Wette abschließen. Wenn die jetzigen Probleme etwas Gutes haben, dann ist es vielleicht die Tatsache, dass man einige sehr alte Lektionen lernt.

Krieg ist niemals gut für die Wirtschaft.

investorverlag.de
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19.04.03 22:37:39
Beitrag Nr. 2.567 ()
@bluemoons

Hi Du treuer, unermüdlicher Einzelkämpfer hier.

Trotz aller Hiobsbotschaften, die Du hier einstellst - wofür da natürlich nichts kannst :D



Mic :)
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19.04.03 22:55:26
Beitrag Nr. 2.568 ()
Hallo,

der folgende Text ist von einem lesenswerten -kostenlosen Börsenbrief. Der Autor hat wie ich finde recht gute Gedanken,

Z.

Liebe Boersenfreunde,

vorweg ein paar Gedanken dazu, warum ich fuer die naechsten
Jahre keinen anhaltenden Aufschwung erwarte.

Mir scheint, selten zuvor war der Missmut in Deutschland so
gross wie heute. Sowohl Geschaeftspartner als auch Freunde
klagen ueber die schlechte Wirtschaftslage, fehlende Auftraege
bzw. Jobs. Sollten wir vor lauter Anstrengung der letzten
Jahrzehnte unser Ziel aus den Augen verloren haben?

Seit Jahrhunderten, ich denke sogar seit Jahrtausenden, arbeitet
die Menschheit daran, immer groessere Ertraege aus immer weniger
Arbeitseinsatz zu erzielen. Heute haben wir in Deutschland unter
unseren 80 Millionen Einwohnern 20,5 Mio. Rentner (nicht wenige
Rentner sind sogar unter 58), 22 Mio. Kinder, Schueler und
Studenten (ja, in Deutschland ist man keine Ausnahmeerscheinung,
wenn man mit 30 noch studiert), 4 Mio. Arbeitslose und taeglich
rund 1,7 Mio. Arbeitnehmer, die sich krank melden. Und noch
immer ist die Anzahl derer, die in Deutschland verhungern oder
erfrieren verschwindend gering.

Eigentlich, muss ich vor dem Hintergrund dieser Zahlen sagen,
sollte Deutschland stolz und gluecklich sein. Und noch immer
schaffen wir es, taeglich mehr Menschen, die unter der
taeglichen Last der Arbeit leiden, in die Arbeitslosigkeit zu
entlassen. Und dennoch ist das Gejammer gross.

Vielleicht schlaegt uns Deutschen das schlechte Essen auf die
Stimmung: Big Macs und Doener Kebabs, Pasta und Pizza haben
Hochkonjunktur. Wer hat schon Zeit fuer eine selbstgemachte
Suppe vorweg oder eine Nachspeise? Die Nahrungszufuhr muss nur
noch „effizient" sein: In kurzer Zeit den Hunger stillen.

Eingekauft wird bei Aldi oder Amazon. Der bestsortierte
Buchladen in Berlin, Kiepert, ist verschwunden. Weg sind die
unzaehligen Buchverkaeufer dieses Geschaefts, die stets das
richtige Buch fuer die eigenen Beduerfnisse aus dem Regal zogen.
Amazon ist guenstiger und bequemer.

Die Entwicklungen lassen sich kaum umkehren. Wir befinden uns
inmitten eines dramatischen Strukturwandels. Es lohnt sich
jedoch nicht, das Vergangene zurueckzusehnen, vielmehr muessen
wir uns neue Ziele setzen. Ohne neue Ziele wird die Wirtschaft
weiterhin orientierungslos dahinschlingern.

Bush hat fuer sein Land ein neues Ziel definiert: Homeland
Security, Heimatsicherung. Zum einen investiert er grosse Summen
in die Erhoehung der inneren Sicherheit seines Landes. Zum
anderen kuemmert er sich auch um alle Bewegungen auf der Erde,
die seinen Vorstellungen widersprechen koennten.

Da gefaellt mir das Ziel der 90er, welches weltweit auf grosse
Akzeptanz stiess, besser: Den Umbau unserer Erde hin zu
regenerativer Energieversorgung und umweltneutralem
Wirtschaften. Leider ist dieses Ziel in den vergangenen Jahren
in den Hintergrund gerueckt.

All dies schreibe ich Ihnen auf, um meine Boerseneinschaetzung
fuer die naechsten Jahre zu erklaeren: Ich denke, an den Boersen
wird es so lange keinen nachhaltigen Aufschwung geben koennen,
bis sich die nunmehr global vernetzte Welt auf ein neues Ziel
geeinigt hat. Erst dann wird die inzwischen ueberaus effizient
wirtschaftende Welt gemeinsame Anstrengungen unternehmen, die zu
einem Weg aus der Wirtschaftsschwaeche fuehren koennen.

Bis dahin werden wir die naechsten Jahre Wirtschaftsaufschwuenge
erleben, die hoechstens ein halbes oder dreiviertel Jahr
andauern, um anschliessend wieder zu verebben.

Ich werde immer wieder gefragt, wie ich denn gleichzeitig oder
bullish und bearish also gleichzeitig fuer steigende Kurse als
auch fallende Kurse argumentieren kann. Es ist alles eine Frage
des Betrachtungszeitraumes. Waehrend es kurz- und mittelfristig
immer wieder zu freundlichen Boersenmonaten kommen kann, so sehe
ich jedoch langfristig noch keine nachhaltige Wachstumschance,
solange die bestehende Ziellosigkeit nicht ueberwunden wird.

Viel Anregendes bei der Lektuere wuenscht

Stephan Heibel
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20.04.03 14:32:53
Beitrag Nr. 2.569 ()
Fruehling in Deutschland

Von Dr. Bernd Niquet

Meine Tochter ist zweieinhalb und hat die Angewohnheit, sich morgens im Bett ihre Milchflasche einzufordern. "Moechtest du noch etwas Milch?" habe ich daher neulich gefragt. "Pappa, ganz viel Milch!" hat sie geantwortet - mit der Betonung auf "ganz viel". Trotz ihres jungen Alters ist sie also bereits vollkommen in unserem Lande angekommen. "Ganz viel" und "alles haben" ... Doch woher weiss sie eigentlich, wie in unserem Lande die Dinge so laufen? Oder bleibt daher nur der Umkehrschluss uebrig? Die Einstellungen der Menschen in Deutschland entspricht zu beinahe hundert Prozent denjenigen von Kleinkindern.

Das erste Fruehlingswochenende in Berlin. Alles ist ausser Rand und Band: "Das ist mein Spielzeug, das darfst du nur von hinten sehen!" sagt der Cabriofahrer und beschleunigt mit quietschenden Reifen an der Ampel, als er merkt, wie die Fruehlingsgefuehle ihm anfangen, die letzten Reste des Verstandes zu rauben. Woraufhin der Fahrer des Gelaendewagens neben ihm ebenfalls Gas gibt, die Scheibe herunterkurbelt und dem Cabriofahrer zuruft: "Das ist mein Spielzeug, das darfst du nur von unten sehen!"

Ploetzlich ruft meine Tochter von ihrem Sitz auf der Rueckbank: "Guck mal Pappa, Pferde!" Ich drehe mich um. Eine junge Frau fuehrt zwei Doggen spazieren. Jede wird pro Tag wohl so viel Fleisch essen (und anschliessend auf dem Buergersteig ablegen) wie eine vierkoepfige Familie in einer ganzen Woche. Ist ja irgendwie auch folgerichtig: Wenn es so viel Fleisch im Ueberfluss gibt, schafft man sich konsequenterweise lieber Hunde und keine Kinder an. Denn Kinder brauchen einfach zu lange, bis sie richtig Fleisch essen koennen. Und ausserdem sind wir alle sowieso schon innerlich versauert von dem vielen tierischen Eiweiss. Ob ein bisschen von dieser Saeure auch mittlerweile nach aussen spritzt?

Doch was rede ich, in den USA ist das ja alles viel extremer als bei uns zu Hause. Deswegen liebe ich das Volk der Deutschen auch so sehr. Wir sind einfach moderater: Vollversorgung rundum - und mit einer Zukunftsperspektive, die nur noch als beneidenswert zu bezeichnen ist: Unsere zukuenftigen Renten werden die Hunde uebernehmen, unsere Gehaelter der Staat und unsere Landesverteidigung die Vereinigten Staaten von Amerika. Wenn nicht irgendetwas schief geht. Doch warum sollte das? Und selbst wenn. Dann haben wir eben wieder einmal von nichts gewusst.

Wenn es dann doch einmal knapp werden sollte, dann sparen wir eben. Das ist auch der entscheidende Punkt unserer Ueberlegenheit ueber die USA. Unsere Ueberlegenheit ist naemlich nicht nur moralisch begruendet, denn auch sparen koennen die Amis nicht. Die koennen nur die Welt erobern und ueber ihre Verhaeltnisse leben. Weil beides eben zwei verschiedene Seiten ein und derselben Medaille sind. "Nein", sagte deswegen auch neulich ein Freund zu mir, "zum Bio-Fleischer kann ich nicht gehen. Das ist viel zu teuer." So sieht Sparsamkeit aus! Gerade hat er sich fuer beinahe 500.000 Euro ein neues Reihenhaus gebaut. Doch das ist ja immerhin eine Investition. Ein weiterer Grund, dieses Volk und seine wirtschaftliche Tuechtigkeit und Aufbautaetigkeit zu lieben.

Wenn eine Autoreparatur 1.000 Euro kostet, dann zuckt hierzulande niemand mit der Wimper. Muss er jedoch beim Fleischer fuer vernuenftige Ware zehn Euro mehr hinlegen, dann faellt er beinahe in Ohnmacht. Und was ich zu guter Letzt so immens bewundere, ist, dass hierzulande tatsaechlich alle Menschen immer Recht haben: Die Regierung hat alles richtig gemacht, denn trotz des Erfolges des Irak-Kriegs war der Krieg ein Fehler, haette man mit friedlichen Mitteln viel, viel mehr erreicht. Und die Opposition schafft sogar die Quadratur des Kreises: Wenn alle so wie sie zu den Amerikanern gehalten haetten, denn waere der Krieg gar nicht notwendig gewesen. Man kann also durchaus fuer den Krieg gewesen und gleichzeitig dagegen sein.

Aus diesem Grunde habe ich vor einigen Wochen natuerlich auch ausschliesslich deutsche Aktien gekauft. Schliesslich sind wir einfach genial: Bei uns sinken naemlich die Oelpreise jetzt ebenso wie in den kriegerischen Staaten. Und dazu sind wir auch noch moralisch integer - haben ein reines Gewissen. Ein reines Kinderwissen, Kindergewissen.;) :D

*****
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20.04.03 16:50:28
Beitrag Nr. 2.570 ()
Aktuelle Analysen zu SPX,Dow,Nas,Dax im TI-Thread:
http://www.technical-investor.de/content.asp?p=cmy/forum/thr…
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22.04.03 15:10:25
Beitrag Nr. 2.571 ()
Malik Aktuell

19.04.2003
Bulle oder Bär? Orientierungspunkte

- Wirtschaftliche Gesamtlage
- Bullish Mood typisch vor Wende
- Anhaltspunkte für Beurteilung
- Hinweise zu umfassenderen Analysen


Wenn ich unter "Aktuell" konkrete Hinweise auf die mutmassliche Börsenentwicklung mache, so ist das immer ein Teil der wirtschaftlichen Gesamtlagebeurteilung. Die Finanzmärkte (Aktien, Zinsen, Rohstoffe, Edelmetalle, Währungen) sind darin wichtige Elemente.

Meine Grundauffassung ist, dass wir inmitten eines Prozesses der Korrektur der Fehlentwicklungen der 90er Jahre stehen. Die Blasen der 90er haben zu derart massiven Fehlallokation von Ressourcen geführt, dass der Korrekturprozess noch einige Zeit (wohl mehrere Jahre) dauern wird. Ich halte somit die Auffassung für falsch, der Boden der Aktienbaisse sei im wesentlichen gefunden und wir stünden vor einer Aufwärtsbewegung.

Aus dem (Schein-)Boom der 90er Jahre ist das Potential zu einer längeren Deflation entstanden. Die Wirtschaft wird sich in einer deflationären Rezession befinden, mit im wesentlichen sinkenden Preisen. Die Treibkraft sind die Schulden, mit denen der Boom finanziert wurde. Die verschiedenen Segmente - Aktien, Bonds, Immobilien, usw. - reagieren mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Dazu kommen die verschiedenen Gegebenheiten in den einzelnen Ländern, die zu berücksichtigen sind, sodass der konkrete Verlauf der Rezession je verschieden sein, aber überall dem Grundmuster entsprechen. Der Krieg im Irak und die weitere Entwicklung dort werden am Grundsätzlichen nichts ändern.

In meiner Einschätzung der Börse orientiere ich mich an den US-Märkten, weil sie die grössten und wichtigsten sind und weil sonst eine kurze Kolumne nicht ausreicht. Die anderen Börsen - ausgenommen Japan - folgen im wesenlichen den amerikanischen Börsen.

Der Kursanstieg zum Ende der Karwoche verändert meine grundsätzliche Einschätzung nicht. Die Stimmung, die herrscht und von den einschlägigen Medien gestützt wird, ist typisch für die Zeit vor wichtigen Wendepunkten.

Ich meine, dass die nächste grössere Bewegung abwärts sein wird. An den Märkten ist aber nichts gesichert. Daher muss man immer auch die gegenteilige Auffassung durchdenken, mental darauf eingestellt sein und die entsprechenden "Boundary Conditions" herausarbeiten.

Wie ich beobachte, ist das etwas, was viele nicht verstehen. Ich habe immer zu jeder meiner Prognosen sofort oder - falls mir die Lage nicht klar war - ganz kurz danach die jeweiligen Punkte angegeben, bei denen ich meine Auffassungen ändern oder sie mindestens gründlich neu durchdenken würde. Viele Leute lesen die Prognose und kümmern sich nicht mehr um das, was dazu gehört.

Entscheidende Bedeutung für die Beurteilung messe ich dem Tageshoch des 7. 4. 03 bei. Meine Erwartung ist, dass die Abwärtsbewegung unverzüglich einsetzt und die führenden Aktienindices nicht mehr über dem Hoch dieses Tages schliessen. (Dow Jones: 8520; S&P: 905; Nasdaq: 1430)

Sollte das dennoch der Fall sein, was ich nicht erwarte, aber vom Prinzip her nicht ausschliessen kann, dann würde ich vorerst in eine neutrale Position gehen. Es würde nicht bedeuten, dass ich meine grundsätzliche Beurteilung ändere. Aber es müsste dann mit einer etwas länger anhaltenden und auch höher gehenden Phase gerechnet werden, bevor sich die Baisse fortsetzt.

Wer an der Gesamtbeurteilung im Detail interessiert ist, findet ausführliche Information in meinen monatlichen Managementbriefen MOM-Malik on Management, z. B. Dezember 2000, Oktober 2001; Januar 2002 und Januar 2003. Alle sind via Internet erhältlich.

http://www.mzsg.ch
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22.04.03 15:13:52
Beitrag Nr. 2.572 ()
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22.04.03 15:15:10
Beitrag Nr. 2.573 ()
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22.04.03 15:18:11
Beitrag Nr. 2.574 ()
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22.04.03 15:23:00
Beitrag Nr. 2.575 ()
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22.04.03 15:33:33
Beitrag Nr. 2.576 ()
22.4.03 "Alle Subventionen müssen auf Null sinken"

Kieler Ökonom Alfred Boss: Abbau von Staatshilfen den Bürgern mit Steuersenkungen schmackhaft machen - Interview


Berlin - Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel beziffert die Staatshilfen in Deutschland auf zuletzt rund 156 Mrd. Euro im Jahr. Würden diese Subventionen gestrichen, könnten die Steuersätze deutlich sinken, rechnet IfW-Finanzexperte Alfred Boss vor. Die Verknüpfung von Subventionsabbau und Steuersenkungen könnte zugleich den politischen Widerstand gegen den Subventionsabbau entscheidend schwächen. Mit Boss sprach Stefan von Borstel.

... DIE WELT: Inwiefern hat die Bürokratie ein Interesse daran?

Boss: Subventionsprogramme müssen ausgearbeitet werden, die Vergabe muss koordiniert und die Verwendung der Subventionen kontrolliert werden. Dafür braucht man Personal im öffentlichen Dienst. Möglicherweise sind im Einzelfall die Personalausgaben und der sonstige Aufwand für ein Programm größer als der Nutzen, den man eigentlich damit erzielen wollte. ... DIE WELT: Sind alle Subventionen schädlich? Oder gibt es auch nützliche Subventionen?

Boss: Alle Subventionen, ob für Landwirtschaft, Bergbau, Verkehr oder Wohnungsvermietung, ob als Steuervergünstigung oder als Finanzhilfe, sind ökonomisch nicht zu begründen. Es gibt keine "guten" oder "schlechten" Subventionen. Grundsätzlich verzerren sie die Marktpreise und damit die optimale Verwendung von Ressourcen. In aller Regel dienen sie der Umverteilung, ein Ziel, das mit anderen Instrumenten besser erreicht werden könnte. Bei den Empfängern verursachen sie eine Subventionsmentalität. Notwendige Anpassungsprozesse unterbleiben. Subventionen können wie eine Versicherung gegen Folgen des unternehmerischen Misserfolges wirken. Und bei denen, die keine Subventionen bekommen, wecken sie Begehrlichkeiten. Letztlich müssen die Subventionen auf Null gekürzt werden. Das selektive Kürzen funktioniert nicht. Politisch geht das nur per Rasenmäher, also gleichmäßig um einen bestimmten Prozentsatz Jahr für Jahr. Je nachdem, wie viel man sich vornimmt, ist der Subventionsabbau dann nach einigen Jahren abgeschlossen. ... (Welt, 22.4.03)
Kommentar: Subventionen dienen letztlich immer dazu, einer kleinen Gruppe von Leuten finanzielle Vorteile zuzuschanzen. Dabei werden Großunternehmen bevorzugt behandelt. Damit verzerrt sich das Ungleichgewicht zwischen großen und kleinen Unternehmen noch mehr.
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20.4.03 Was würde Jesus kaufen?


Religiöse Aktienfonds investieren ihr Geld nach Glaubenskriterien. "Sündige" Firmen kommen nicht ins ethisch korrekte Depot

von Ulrich Machold

Geld hat kein Gewissen und die Finanzbranche ist ein gottloser Haufen? Mitnichten. Wer den Herrn sucht, wird ihn finden, und sei es im Depot. Geschätzte 2,5 Milliarden Euro stecken weltweit in Investment-fonds, die sich von den Kriterien religiöser Ethik leiten lassen. Sinn der Vehikel: Die Investoren sollen nicht aus Versehen Unternehmen unterstützen, die das eigentlich nicht verdient hätten. Denn wer den Glauben ernst nimmt, so der Grundgedanke, kann nicht wollen, dass sein Geld in Aktien von Waffen- oder Tabakkonzernen fließt.

"Den Menschen soll ermöglicht werden, ihre individuellen ethischen Überzeugungen auch bei der Geldanlage auszudrücken", sagt Peter van den Brock, Direktor der katholischen Pax-Bank in Köln, die selbst mehrere Religions-Fonds anbietet. "Manche Geschäftsfelder kann man dann nicht mehr unterstützen." ... (Welt, 20.4.03) Kommentar: Ethische Investments in einem an sich unethischen System sind unsinnig. Es gilt zu erkennen, daß der Zins, das Grundelement unseres Finanzsystems, an sich zu immer drückenderen Verhältnissen führt. Hier mit ethischen Investments entgegenwirken zu wollen ist mit “milden Gaben” der Reichen zu vergleichen. Außerdem sind auch die ethischen Fonds den Gesetzen des Zins-Kapitalismus unterworfen und müssen entsprechend handeln.
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19.4.03 Neues Loch in der Rentenkasse

Union: Beiträge steigen 2004 über 20 Prozent - Versicherer müssen im Herbst Kredite aufnehmen


In der gesetzlichen Rentenversicherung zeichnet sich trotz der Beitragssatzerhöhung am Jahresanfang bereits wieder eine finanzielle Schieflage ab. Nach Angaben des Verbandes der Deutschen Rentenversicherungsträger (VDR) ist die Schwankungsreserve der Rentenkassen Ende März auf die gesetzlich vorgeschriebene Mindesthöhe von einer halben Monatsausgabe geschrumpft. In den einnahmeschwachen Monaten im Herbst müssen die Versicherungen deshalb voraussichtlich Kredite aufnehmen, um die Renten zu zahlen. Die Union rechnet für 2004 bereits fest mit einem Anstieg des Beitragssatzes, der derzeit bei 19,8 Prozent liegt. "Die Schallmauer von 20 Prozent wird sicher durchbrochen", sagte der sozialpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Andreas Storm, der WELT. Da es noch erhebliche Risiken gebe, könne der Satz sogar noch über 20,0 Prozent liegen. Grund für die Finanzprobleme der Rentenkassen ist die Konjunkturschwäche. ... (Welt, 19.4.03)
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Kirchen leiden unter Finanznot

Austritte und Steuerpolitik der Regierung verursachen Einnahmeausfälle


von Cornelia Wolber

Berlin - Nicht nur die öffentlichen Haushalte klagen über Geldmangel. Auch bei den Kirchen wächst die Finanznot. Das Erzbistum Berlin ist inzwischen insolvent, bei der Nordelbischen Kirche gilt eine Haushaltssperre, und der Landesbischof von Bayern will bis 2006 1200 Stellen streichen.

Ende der 90er Jahre glaubten die Kirchen noch, das Schlimmste sei überstanden. Nach mageren Jahren nahmen Katholiken und Protestanten 1999 und 2000 wieder knapp 9 Mrd. Euro Kirchensteuer ein. Doch seitdem gehen die Einnahmen zurück. 2001 waren es nur noch 8,6 Mrd. Euro. Das hat einerseits den Grund, dass es immer weniger Kirchenmitglieder gibt. 2001 gehörten nur noch etwa zwei Drittel der Bundesbürger einer der beiden großen Kirchen an. 1970 waren es noch über 90 Prozent. Zum anderen sind die Mitglieder überwiegend älter und zahlen daher keine Lohn- und Einkommensteuer mehr. Deshalb sorgen sich die Kirchen auch um die steigende Zahl der Arbeitslosen: Die Steuerschuld ist Bemessungsgrundlage für die Kirchensteuer. ... (Welt, 19.4.03)
Kommentar: In den Sozialkassen, beim Staat, sogar bei den krichen fehlt Geld. Niemand fragt jedoch, warum keines mehr da ist. Stattdessen wird versucht, die Beiträge zu erhöhen und man vergisst dabei, daß damit nur wieder die Kaufkraft der Bevölkerung und damit in Folge die Unternehmensumsätze und Steuereinnahmen gesenkt werden. Es hilft alles nichts: Die Wirtschaft ist nur zu retten, wenn endlich das Zinssystem als große “Geldentzugsmachine” erkannt und gebrandmarkt wird.
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Bonitätsprüfer sehen große Gefahr für Deutschlands Triple-A-Rating


Agenturen rügen anhaltend hohes Haushaltsdefizit - Experten fordern Trendumkehr - Standard & Poor`s und Fitch wollen Informationen mit Bundesbehörden austauschen[/b]

von Bloomberg/DW

Berlin - Spätestens jetzt müssten in Hans Eichels Finanzministerium die Alarmglocken schrillen: Die Bundesrepublik Deutschland läuft Gefahr, ihre bisherige Spitzen-Bonität von AAA zu verlieren. Die Ratingagenturen Standard & Poor`s (S & P) und Fitch erklärten am Donnerstag, sie würden die Einstufung überprüfen, sollte es Bundeskanzler Gerhard Schröder und seiner Regierung nicht gelingen, das deutsche Haushaltsdefizit zu verringern. AAA ist die bestmögliche Einstufung, die Ratingagenturen verleihen.

... Die Bonität bezeichnet die Kreditwürdigkeit eines Schuldners, zum Beispiel eines Staates. Sie gibt Auskunft darüber, inwieweit er die Zinszahlungen und Tilgungen der aufgenommenen Gelder leisten kann. Eine Herabstufung der Bonität führt zu höheren Finanzierungskosten, denn Anleger erwarten aufgrund des gesteigerten Kreditausfallrisikos höhere Risikozuschläge. Das könnte auch den Benchmark-Status deutscher Anleihen gefährden.

... Vor sechs Monaten lag der Renditeabstand der spanischen Staatsanleihen zu deutschen Papieren mit zehn Jahren Laufzeit noch bei 15 Basispunkten. Dieser Abstand ist Anfang dieser Woche nahezu dahin geschmolzen. Beide Staatspapiere werden mit einer Rendite von 4,15 Prozent notiert, der Abstand ist auf 0,01 Prozentpunkte geschmolzen. ... (Welt, 19.4.03)
Kommentar: Wenn nun schon Deutschland in der Bonität herabgestuft wird, wie soll es dann erst mit anderen Staaten aussehen? Dabei wird durch die Herabstufung der Risikozuschlag für die Schulden größer und damit der zu zahlende Zinssatz. Damit wird das Defizit noch größer, was eine weitere Herabstufung nach sich zieht usw. Ein Teufelskreislauf direkt in den Bankrott.
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22.4.03 Indonesiens staatliche Ölgesellschaft setzt voll auf den Euro

Geschäfte werden möglicherweise bald in der europäischen Einheitswährung abgewickelt - Regierung: Dollar zu volatil


von Bloomberg

Tokio - Pertamina, die staatliche indonesische Ölgesellschaft, erwägt, ihre Öl- und Gashandelsgeschäfte in Euro abzuwickeln. Der Dollar sei zu volatil geworden, erklärte die indonesische Regierung. Sie setzt stattdessen auf die europäische Einheitswährung. Sollten andere asiatische Staaten dem Beispiel folgen, könnte das die amerikanischen Aktien- und Anleihemärkte langfristig belasten.

Die Ankündigung der Indonesier Anfang des Monats wurde angesichts Irak-Krieg und Lungenkrankheit SARS kaum beachtet; dabei sind die möglichen Folgen einer Dollar-Abkehr für die weltgrößte Volkswirtschaft beachtlich.

Asien hat sowohl wirtschaftliche als auch politische Gründe, sich vom Greenback zu distanzieren. "Eines ist dabei sicher, die Einführung des Euro als Zahlungsalternative zum Dollar könnte das Problem spekulativer Dollar-Geschäfte effizient lösen", betonte der indonesische Vize-Präsident Hamzah Haz letzten Monat.

Die Entscheidungen hätten nichts damit zu tun, dass auf Indonesien der weltgrößte Anteil der muslimischen Bevölkerung entfällt. Spekulationen, dass südostasiatische und arabische Moslems den Dollar schwächen, um es den USA heimzuzahlen, ignorieren die Tatsache, dass es unabhängig vom Irak auch schwerwiegende wirtschaftliche Gründe gibt. ... (Welt, 22.4.03)
Kommentar: Wenn Indonesien nun Öl in einer anderen Währung als Dollar ahndeln möchte, dann wird es mötglicherweise bald das Schicksal Iraks teilen. Im Irak-Konflikt ging es nicht zuletzt auch um die Vorherrschaft des US-Dollars für den Ölhandel.

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20.4.03 Wie Washington mit "Schurkenstaaten" umgehen will

US-Experten: Syrien wird nicht das nächste Ziel einer Militärintervention


von Sarah Means Lohmann

Washington/Berlin - Nicht jedem "Schurkenstaat" droht ein Krieg wie dem Irak. Wie in der vergangenen Woche aus Washington zu hören war, plant die US-Regierung, nicht mit allen gleich umzugehen. Der Irak soll mit dem Aufbau einer Zivilregierung befriedet werden. Syrien droht US-Außenminister Colin Powell mit Sanktionen. Im Falle Nordkoreas setzt die Bush-Regierung weiterhin auf Diplomatie. Sind die Sorgen vieler Staaten, die USA könnten nach einer erfolgreichen Intervention im Irak auch andere Länder auf militärischem Wege demokratisieren wollen,unbegründet?

"Die Hauptsäulen unserer Strategie sind Glaubwürdigkeit und Angst. Die Botschaft ist, dass wenn jemand Massenvernichtungswaffen hat oder es Anzeichen dafür gibt, dass Terroristen Zuflucht gewährt wird, wir dieses Land angreifen werden", sagte Chris Caldwell, Redakteur der regierungsnahen Zeitschrift "The Weekly Standard". "Der größte Vorzug dieser Strategie ist: Wir werden niemanden angreifen müssen", glaubt er. Mit der Stationierung von US-Soldaten an den Grenzen zu Syrien, dem Iran und Saudi-Arabien hätten die USA ihre Bereitschaft deutlich gemacht, diese Truppen notfalls auch einzusetzen. "Deshalb sollte es nun möglich sein, den Rest der Region sich selbst und der eigenen Kontrolle zu überlassen", so Caldwell zu WELT am SONNTAG. ... Ähnlich verfährt Washington derzeit mit Nordkorea. Zwar ist nach der Ankündigung Pjöngjangs, im Rahmen seines Atomprogramms mehr als 8000 abgebrannte Kernbrennstäbe wieder aufbereiten zu wollen, fraglich, ob die für kommende Woche geplanten Gespräche zwischen den USA, China und Nordkorea stattfinden werden. Dennoch will die amerikanische Regierung weiterhin an Verhandlungen mit Nordkorea festhalten.

"Die gute Nachricht ist, dass wir Nordkorea nicht angreifen werden", sagt Jeff Gedmin. "Die schlechte Nachricht ist: Was passiert, wenn die Diplomatie scheitert?" ... Brzezinksi hat Verständnis dafür, dass sich viele Europäer fragen, welches Land die USA als nächstes angreifen werden: "Das ist die Reaktion auf unverantwortliche Slogans einer kleinen Gruppe von Amerikanern, die glauben die Kontrolle über die gesamte US-Strategie zu haben." (Welt, 20.4.03)
Kommentar: Mit einer solchen Politik erreichen die USA letztlich das Gegenteil von dem was man vorgibt zu wollen: Die sich bedroht fühlenden Staaten werden aufrüsten und sich auf Krieg einstellen. Zusätzlich wird dadurch jede Friedenshoffnung im Keim erstickt. Das Ende kann nur wieder Krieg heißen.
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19.4.03 Neue Kontroverse zwischen USA und Uno


Zwischen den USA und den Vereinten Nationen bahnt sich in der Irak-Frage eine neue Kontroverse an. Washington will eine eigene, rund 1000 Mitglieder umfassende Truppe mit der Suche nach Massenvernichtungswaffen in dem Land beauftragen. Dagegen tritt der Chef der Uno-Waffeninspekteure, Hans Blix, dafür ein, die Experten der Vereinten Nationen wieder in den Irak zu schicken, um zu verhindern, dass die „Echtheit“ möglicher Waffenfunde angezweifelt werden könne. Strittig ist auch die von US-Präsident George W. Bush geforderte Aufhebung der Uno-Sanktionen gegen Bagdad.

... Dazu sollten Militärexperten, Geheimdienstleute, zivile Wissenschaftler und private Auftragnehmer gehören. Chefinspekteur Blix forderte dagegen im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ Kontrollen durch die von der Staatengemeinschaft legitimierten Uno-Spezialisten.

USA will Resolutionsentwurf zur Aufhebung der Irak-Sanktionen vorlegen

Die Aufforderung von US-Präsident Bush, die Wirtschaftssanktionen gegen den Irak aufzuheben, löste unter den Mitgliedern des Uno- Sicherheitsrates „intensive“ Diskussionen aus.

... Russische Politiker sprachen sich für einen Fortbestand der Wirtschaftssanktionen aus. In Uno-Kreisen hieß es, die Sanktionen des Weltsicherheitsrates seien völkerrechtlich bindend und könnten ohne Erfüllung der gestellten Bedingungen nicht einfach aufgehoben werden. So etwas habe es in der fast 60-jährigen Uno-Geschichte noch nie gegeben. ... (Handelsblatt.com, 18.4.03)
Kommentar: Die USA wollen nun nachträglich den nicht von der UNO genehmigten Krieg legitimieren. Wie bereits im Vorfeld des Waffengangs bekannt wurde, wurden schon damals Dokumente gefälscht, um angeblich Massenvernichtungswaffen nachzuweisen. Dies wird nun mithilfe von Geheimdienstleuten sicher nicht anders werden.

Kommentare von Günter Hannich
Geldcrash.de
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22.04.03 15:35:30
Beitrag Nr. 2.577 ()
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22.04.03 15:36:24
Beitrag Nr. 2.578 ()
Die Baisse dauert an!

Wenn man sich die fundamentalen Daten ansieht, die auf beiden Seiten des Atlantiks keineswegs rosig aussehen, wundert sich so mancher Analyst über die schrägen Bewegungen an den Börsen. In Realität hat sich wenig verändert.

In dieser Woche kam wieder etwas Euphorie über die Tech-Werte auf, nachdem die führenden Unternehmen gute Ergebniszahlen vorgelegt haben.

Das größte Problem der Zukunft ist die hohe Verschuldung des US-Staates und teils der privaten Unternehmen. Die Kriegskosten noch nicht eingerechnet. Der fallende Greenback und noch hohe Ölpreis kompoundieren das Problem. Ausländische Investoren ziehen sich immer mehr aus USA zurück. Uncle Sam verliert dadurch an Kreditwürdigkeit und Ansehen. Es fehlt das Kapital, welches dringend benötigt wird.

USA rutscht dadurch abermals in eine Rezession, die weltwirtschaftlich negative Folgen nach sich ziehen wird.

Die meisten Aktien sind weiterhin mit noch viel zu hohen KGV`s behaftet, was einen Start eines neuen Bullmarktes ausschliesst. Wenn auch die 200 Tagelinie nur beim Nasdaq mehrere Male gestreift wurde, so liegt die Tendenz weiter abwärts gerichtet.

Solange die 40 Tagelinie die 200 Tagelinie nicht nach oben durchfährt, solange bleiben wir im Bärenmarkt eingeschlossen. Nach Ostern rechnen wir wieder mit Rückzugsgefechten. Fibodatum 30. Mai 2003! Sell in May and go away!


evotrade.de
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22.04.03 15:38:25
Beitrag Nr. 2.579 ()
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22.04.03 16:28:25
Beitrag Nr. 2.580 ()
Der US-Dollar wird langsam heiß
(22.04.2003)

Jetzt, da die großflächigen Kampfhandlungen im Irak abgeschlossen sind, atmen die Märkte auf. Sie richten ihr Interesse nun mehr und mehr auf das, was die Militäraktion verdeckt hat und was man den "Nebel des Kriegs" nennt: die wirtschaftliche Lage.

Eines steht fürs erste schon einmal fest: Der vielerorts angekündigte Anstieg des US-Dollar ist ausgeblieben. Im Gegenteil, im Verhältnis zum Euro bewegt er sich knapp unter der Marke von 1,10 Dollar je Euro und hart unter seinem zyklischen Tief von rund 1,105 Dollar. Überschreitet er diese Barriere, droht wenigstens aus technischer Sicht ein Absturz.

Vor Ostern ist viel darüber geredet und geschrieben worden, dass der Dollar angesichts günstiger Zahlen aus der US-Wirtschaft und desolater Daten aus dem Euroraum vor einem Comeback stünde. Das waren stets Schwafeleien oder Wunschdenken. Die tatsächlichen Kurse sprachen eine andere Sprache.

Die Leistungsbilanz der USA ist trotz der brisanten konjunkturellen Situation des Landes eine Katastrophe. Die Amerikaner konsumieren unbeirrt ausländische Erzeugnisse und lassen sich dieses Vergnügen auch noch vom Ausland finanzieren. Und dann sind da auch noch die steil wachsenden Haushaltsdefizite, für deren Finanzierung die Ausländer ebenfalls herhalten sollen.

Doch schon lässt sich erkennen, dass die Qualität des in den Dollar fließenden und ihn somit stützenden Kapitals abnimmt. Dies bedeutet nichts anderes, als dass die in den Greenback gehenden Gelder ihrer Natur nach immer kurzfristiger und damit heißer werden. Im Klartext: Sie verlassen den Dollar eines nicht zu fernen Tages mindestens ebenso schnell, wie sie in ihn geflossen sind.

Und dann noch ein von uns immer wieder angeführter, wohl alles entscheidender Aspekt: Seit nunmehr etwa zwölf Monaten ist reges Interesse vor allem asiatischer Zentralbanken am Euro zu bemerken. Sie schichten ihre Devisenreserven um, weil ihnen der Dollar zu heiß wird. Dahinter stehen keine taktischen Manöver, sondern es handelt sich um strategische Entscheidungen, die nicht nur konsequent durchgesetzt werden, sondern auch langfristigen Charakters sind.

Und was geschieht im Falle einer anhaltenden Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar? Das ist wieder eine andere Geschichte ...



Arnd Hildebrandt

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taurosweb.de
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22.04.03 16:38:17
Beitrag Nr. 2.581 ()
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Weitere Bilanzmanipulationen bei AOL

(de.internet.com) Die US-Börsenaufsicht SEC weitet ihre Untersuchungen gegen den Onlinedienst AOL offenbar weiter aus. Im Visier der Ermittler stehen jetzt Werbebuchungen in Höhe von 100 Millionen Dollar durch die Online-Jobbörse Monster.com und den Gesundheitsberater Drkoop.com, berichtet die "Washington Post". Wie in einem ähnlich gelagerten Fall versuchte AOL demnach durch falsche Buchungen den Wert seiner Werbeumsätze zu erhöhen. Bereits vor einigen Monaten war bekannt geworden, dass AOL den Wert von Tauschgeschäften mit Worldcom, bei denen Werbung im gleichen Umfang mit Medialeistungen verrechnet wurde, als reale Einnahme verbucht hatte.

Die Untersuchungen der Börsenaufsicht bei AOL dauern nun bereits seit knapp einem Jahr an. Allein für die Prüfung der Werbegeschäfte müssen die Ermittler Verträge durcharbeiten, deren Umfang sich insgesamt auf mehrere Millionen Seiten belaufen soll. Als die Vorstände der US-Konzerne von der SEC im August 2002 aufgefordert wurden, für die Richtigkeit ihrer Bilanzen persönlich zu garantieren, hielt sich AOL Time Warner-Chef Richard D. Parsons zurück. Man könne nicht versichern, dass es keine weiteren falschen Buchungen gäbe, hieß es damals.

Im letzten Herbst hatte das Unternehmen schließlich umfassende Korrekturen der Bilanzen in Höhe von 190 Millionen Dollar vorgelegt. Eine weitere Wertberichtigung eines Geschäfts mit Bertelsmann über 400 Millionen Dollar folgte kurz darauf. Die beiden neu entdeckten Fälle sind darin allerdings noch nicht enthalten. Trotz der Vorfälle will AOL am heutigen Dienstag seine Quartalszahlen vorlegen. (ck)

[ Dienstag, 22.04.2003, 12:23 ]
instock.de
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22.04.03 16:47:46
Beitrag Nr. 2.582 ()
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Wie sich verhalten? 20.04.2003 saptzseite.de

DIESE WOCHE
Eine Geschichte zu haben, macht die Menschen schwerer regierbar, denn sie stiftet gemeinsame Werte. Ist das vielleicht der Grund, weshalb der Pöbel, der die Museen in Bagdad plünderte, so auffällig gebildet war, die Originale von den Kopien zu unterscheiden? Kein schöner Aspekt des Krieges, über den sich der Spatz da Gedanken macht...

Wenn der Bildschirm zurückschießt...


Simulatoren sind hervorragend, wenn es darum geht, standardisiertes Verhalten und Reflexhandlungen einzubleuen, zum Beispiel die Handgriffe beim Autofahren und ähnlichem. Das Training mit Simulatoren ist billiger als wirkliche Fahrstunden. Ähnliche Simulatoren werden für andere schwierige Situationen entwickelt, bei denen es auf schnelles Handeln ankommt. Am schwierigsten zu handhaben sind komplexe politische Strategien, die Entwicklung eines Landes unter der Vorgabe zum Beispiel von vorgetäuschten Klimaschutzzielen. Auch hierfür wurden raffinierte Computerspiele mit viel animierender Aufmache entwickelt. Sie können sich vorstellen, was in solchen Spielen passiert, wenn ein Spieler sich für den Bau von Kernkraftwerken entscheiden sollte. Es wird nicht lange dauern und wenigstens eines der geplanten Kraftwerke wird tschernobylen und dem Spieler den Punkterfolg vermasseln. Auf diese Weise wird vielfältig Propaganda gemacht und die punktegeilen Spieler bleuen sich scheinbar selbst das Verhalten und die Einstellungen ein, die man von Ihnen wünscht. Es ist also nicht nur kostensparend, wenn die US Armee Milliarden für die Entwicklung von Computerspielen ausgibt, an denen unter anderen auch unsere Kinder - je verbotener, desto besser - nicht nur trainieren, wie man treffsicher mordet, sondern auch ein dazugehöriges politisch korrektes Verhalten einüben - es wird ja nicht in allen Spielen nur gemordet.

Am 19 April jährt sich zum zehnten Mal der Überfall von US-Bundestruppen auf das Refugium einer der vielen spinnerten Sekte in Waco. Bei dem Unternehmen kamen nach 51tägiger Belagerung und dem Einsatz von giftigem CS-Kampfgas rund 70 Zivilpersonen, Männer, Frauen und Kinder um. Man hatte den Sturm damit gerechtfertigt, daß sich die Sekte sexuell an Kindern verginge (der Staat besorgte es dann mörderisch) und gegen die ohnehin schon laxen US-Waffengesetze verstoße. In den anschließenden Gerichtsverfahren konnte keiner dieser propagandistischen Vorwürfe erhärtet werden. Trotzdem wurde keiner der Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Ein verschwindend kleiner Teil der Amerikaner erinnert noch an den Zwischenfall, weil er zeige, daß die "Prinzipien, auf denen das Land gegründet wurde" in Gefahr seien. Der größte Teil schert sich einen Dreck um die Geschichte, weil er weiß, daß die Prinzipien eh nur Propaganda waren - nur was sich auszahlt, zählt.

Museumswärter und Altorientalisten haben vor Beginn des Irak-Krieges immer wieder und ausführlich auf die Gefährdung unwiederbringlicher Kulturgüter aus der 7000jährigen Geschichte des Irak und der menschlichen Zivilisation hingewiesen, die von Saddam Husseins Regime trotz großer Not in vorbildlicher Weise gepflegt worden sein sollen. Jetzt klagen sie die in Washington regierenden Taliban an, sie hätten es versäumt, solche Museen vor Plünderung zu schützen. Ein ausgehungerter Straßenmob hat während der kurzen Phase der Gesetzlosigkeit bei Eroberungen in der Regel anderes vor als Museen zu plündern. Lebensmittelgeschäfte sind ihm interessanter. Im Irak war der Mob aber auffällig gebildet, er unterschied fachmännisch zwischen echten Stücken und bloßen Duplikaten und zündete so gekonnt die Archive an, in denen die Objekte geführt und wissenschaftlich erfaßt worden waren, daß nichts mehr davon übrig bliebt, um später einen Diebstahl nachweisen zu können.

Manche wollen bemerkt haben, daß die Soldaten eigens von den Museen abgezogen worden seien. Ist das in der Hitze des Gefechts zu beweisen? Neben den Museumswärter und Altorientalisten, die dem Militär genaueste Lageskizzen ausgehändigt haben, um den Beschuß "auf Grund überholter Karten", wie im Falle der chinesischen Botschaft in Belgrad vorzubeugen, sind noch andere noch vor dem Krieg tätig geworden. Da gab es ein American Council for Cultural Policy (mit einem Sprecher William Perlstein und dem Vorsitzenden Astin Hawkins, einem früherer Syndikus des New York Metropolitan Museum). Diese Gruppe forderte im Auftrag "einflußreicher Sammler" die Liberalisierung des Kunstmarktes und behauptete "durch den Export aus Irak könnten die Kulturgüter von den Unwägbarkeiten der Nach-Saddam-Ära geschützt werden".

Die Objekte sind in Obhut genommen worden. Die Plünderer sollen mit schwerem Gerät vorgefahren sein, um die z.T. tonnenschweren Exponate zu bergen, und hatten genaue Listen, um nicht die teure Arbeitskraft an weniger gewinnbringende Duplikate zu verschwenden, wissen internationale Medien von der Financial Times bis zum Deutschlandfunk. Nicht einmal die "einflußreichen Sammler" sind unbekannt. Besagter Hawkins hat u.a. sein Gesetz zur Freigabe von Kunstschätzen mit Michael Steinhardt dem Förderer des Democratic Leadership Counil besprochen. Steinhardt selbst war wegen illegalen Imports verbotener Kunstgegenstände aus Italien durch die Distriktrichterin Barbara S. Jones vorbestraft, ohne deshalb aus dem Besucherkomitee der Abteilung für griechische und römische Kunst am New Yorker Metropolitan Museum of Art zu fliegen, denn er hat ein beträchtliches Vermögen. Er verdankt es seinem Vater, der es im Meyer Lanskys Syndikat mit unternehmerischem Risiko erworben hatte. Der Junior hat es dann mit weniger Risiken aber größeren Ehren durch Spekulation vermehrt. Es ist also sichergestellt, daß der freie Markt sich der die Kunstgegenstände im Sinne westlicher Zivilisation annehmen und dem dort anerkannt höheren Zweck zuführen wird.

Eroberungen sind wilde Zeiten. Darf man es computertrainierten Soldaten übelnehmen, daß sie, wenn die Bildschirme unverschämterweise Steine werfen oder sogar scharf zurückschießen, durchdrehen und auf alles reflexartig ballern, was sich bewegt - so wie sie es ihnen durch Computerspiele eingebleut worden war? Was ist aber von ihren Vorgesetzten wie Lt. Col John Charlton zu halten, der den Befehl ausgegeben haben soll: "Kill anything that moves". So geschieht es nun auch und immer häufiger in den Städten und Dörfern des Irak und dient dazu, den "Geist und die Herzen des Volkes zu gewinnen" Aber Reflexe können auch nicht auf Unterschiede zwischen Krankenhäusern, Einrichtungen der zivilen Versorgung oder gar Museen Rücksicht nehmen. Etwas anderes ist es, wenn es sich um wirkliche Dinge, die zählen, handelt. Vor dem Ölministerium und den Banken waren Wachen aufgestellt.

Öl, Geld und Macht sind real, das sind die Dinge, die zählen. Alles andere gilt mehr oder weniger als Geschwafel oder fällt unter die Phantastereien, mit denen man kleine Leute beglückt. Doch Vorsicht - so ganz ist das selbst für die "wirklichen" Menschen, die selbst längst über solche Ammenmärchen erhaben sind, nicht richtig. Schließlich handelt es sich in vielen Fällen um "ethisch wertvolle Mythen" aus dem Arsenal der "Strategie im Reich der Wünsche", die das Wohlverhalten der "Viel zu Vielen" preiswert steuern helfen. Was aber zählt unter den "wirklichen Leuten" noch? Ein Handschlag jedenfalls nicht mehr, nach dem Führungsmächte und ihr Außenminister ungestraft Dokumente fälschen, Studentenarbeiten abschreiben und als zuverlässige Geheimdiensterkenntnisse ausgeben und der UNO als Beweise für die Notwendigkeit eines Krieges anbieten dürfen. So etwas kann "ethisch konterproduktiv" wirken. Jedenfalls gehe es ein wenig zu weit in Richtung Betrug, meinte Oberst Jean Louis Dufour im Le Figaro am 15.4. Daher erwähnt kaum einer noch Powells beispielgebende UNO-Rede, wie man auch längst über die Ungereimtheiten der Anschläge vom 9.11.2001 hinweggegangen ist - nur keine Verschwörungstheorien mit unkalkulierbaren Folgen! Aber was zählt noch, um mit einander Geschäfte machen oder nur menschliche mit einander umgehen zu können. Ob diejenigen die sich durch Computerspiele auf das Leben vorbereiten lassen, auf die Frage tragfähige Antworten finden?

Krieg ist grausam und ungerecht, das wußte man vorher. "Und wo gehobelt wird, fliegen Späne", auch das ist nicht neu. In der Hitze des Gefechts geschieht vieles, was niemand eigentlich gewollt hat. Aber in der Hitze des Gefechts hat auch die Zerstörung der Kulturgüter, Hunger, Elend und der Tod in den Straßen einen "ethischen" - oder sagen wir eher "verhaltensprägenden" Wert. Diese Dinge gehören zur "Umerziehung", wenn diese sich tief im Gemüt verankern soll, wie zum Beispiel die Elektro- oder Ökoschock-Therapie der Einzel- oder der Massenpsychiatrie. "Iraker sind kranke Menschen und wir sind die Chemotherapie" zitierte sogar in "Welt am Sonntag" den großen Bruder. Sind diese umerziehenden Begleiterscheinungen vielleicht sogar "wissenschaftlich fundiert"? Wer kann so etwas annehmen und danach wieder ruhig seinen Geschäften weiter nachgehen?

Wir Deutsche vergessen zwar nicht unsere Schuld, wohl aber gerne, wie wir umerzogen wurden. Begann es damals nicht auch mit dem Ausmerzen von Kultur und Geschichte, weil sich Menschen an ihrer Geschichte hochziehen, um vom Leben mehr zu haben als "making money". So trafen die Bomben im zweiten Weltkrieg in erster Linie historischen Altstädte und nicht die Munitionsfabriken. Ich habe die Altstadt Nürnbergs 1946 erlebt und 1956 in der Dynamit Nobel AG in Fürth, wenige Kilometer davon entfernt, gearbeitet. Die Munitionsfabrik hatte keine Kriegsschäden aufzuweisen weder im Krieg noch 10 Jahre danach. Sie oder ihre (Groß)Eltern kennen ähnliche Beispiele. Was macht alte Kulturgüter beim Feind gefährlicher als Waffen und Munition? Eine gemeinsame Geschichte kann gemeinschaftsbildend sein. Geschichtslose Wesen bleiben vereinzelt und lassen sich leicht handhaben.

Wenn Sie alt sind, kennen Sie Deutsche Geschichte vor 1914. Wenn sie Jung sind und normal, beginnt alles mit den Gaskammern in Auschwitz und vielleicht mit ein paar Adeligen, Pfaffen und preußischen Junkern, die früher schon Kriege angezettelt und Bauern ausgebeutet haben. Vielleicht haben Sie noch was von Revolutionen gehört, die 1525 oder 1848 in die Hose gegangen waren oder von ein paar verrückten Kriegsbesessenen im alten Rom und noch älteren Griechenland. Wen juckt der alte Kram noch? Der "neue Mensch" macht tabula rasa, ihm war/ist die Geschichte die Hauptquelle allen Unglücks. Ihnen sagt der Begriff "neuer Mensch" nichts? Nun, Nietzsche hat ihn mit der Laterne zur Mittagszeit auf dem Markt gepredigt. Da haben es ihm die "Viel zu Vielen" weniger geglaubt, als das, was sie heimlich dem Geflüster, der Hobbes, John Lock, Darwin Adam Smith und der anderen ablauschen konnten, als diese sich die "eigentlichen" Verhaltensregeln des "neuen" Menschen hinter vorgehaltener Hand zu raunten.

Der "neue" Mensch lacht über Sokrates und Jesus, seine intimsten Feinde, er tummelt sich jenseits von Gut und Böse, hält sich zugute, den Nihilismus durchdacht zu haben und bedient sich der "fröhliche" Wissenschaft, die als richtig erkennt, was dem neuen Menschen gut tut. Das kann neben den Buhmännern bei den anderen zum Beispiel eine Klimakatastrophe sein oder der Schauer, den das Wort Kernenergie bei einfachen Leuten und Steuerzahlern auslöst. Hauptsache, es wird geglaubt und löst ein "ethisch wertvolles", das heißt vom "neuen" Menschen gewünschtes und goutiertes Verhalten der Viel zu Vielen aus. Mit dem neuen Menschen kam die "neue Zeit" und schuf sich die "neue Welt" und mit ihr Computerspiele als ehrlichere Form der "ethisch wertvollen Mythen". Mach Punkte, make money!

Wir leben in aufregend interessanten Zeiten. Wir sind - buchstäblich bei Strafe des Untergangs - gezwungen, uns wieder auf die Grundlagen unseres Menschseins zu besinnen. Glücklich, wer sie noch entdecken kann. Gibt es etwas Lebenswerteres als das?
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22.04.03 17:17:09
Beitrag Nr. 2.583 ()
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22.04.03 19:24:01
Beitrag Nr. 2.584 ()
Konrad Ege

Gewinnler des Imperiums

ÖL, RüSTUNG, WIEDERAUFBAU IM IRAKSeit dem Marshall-Plan für Europa dürfte es kein solches Projekt mehr gegeben haben - Bushs Freunde sind dabei

Kürzlich bei einem Interview in Texas mit Kent Hance, tätig im Ölgeschäft, und ein größerer Geldgeber des derzeitigen Präsidenten, wurde gefragt: Warum George W. Bush bei energiepolitischen Fragen fast nur Leute aus der Ölindustrie zu Rate ziehe? Sei doch klar, sagte Hance mit souveräner Selbstverständlichkeit, die Industrie kenne sich eben am besten aus. Und wörtlich: Man könne doch keine Obdachlosen einstellen. Nach dem Motto, nur Insider wissen Bescheid, machte das Weiße Haus auch Irak-Politik, und so wird jetzt »Wiederaufbaupolitik« und Irak-Erdölpolitik betrieben. Dass diese Insider und ihre Freunde dabei gut verdienen, nun, das könne man ihnen doch nicht zum Vorwurf machen.

Rumsfeld kann seinen Einkaufswagen weiterschieben

Billig war sie nicht, die »Befreiung« Iraks. Cruise Missiles, reingedonnert viele Male in leere Regierungspaläste, kosten ein paar Hunderttausend das Stück. Der Kongress hat mehr als 60 Milliarden Dollar extra bewilligen müssen. Im Golfkrieg von 1991 bestritten die Verbündeten den Löwenanteil der 62 Milliarden teuren Operation, nun kommen die Mittel aus der US-Staatskasse; El Salvador, Afghanistan, Eritrea und andere aus der »Koalition der Willigen« sind nicht so gut betucht. So erleben die USA eine imperiums-orientierte Marktwirtschaft, vorangetrieben von einer radikalen neokonservativen Gruppe um den Präsidenten, und angeführt von einem Politiker, der Zeit seines Lebens von Großunternehmern »gemietet« worden ist, wie Bushs Kritiker sagen. Im Irak sollte zur Schau gestellt werden, dass die neuen USA bereit sind, ihre Macht zu beweisen. Und wenn die Insider und ihre Freunde dabei gut verdienen ...

US-Steuerzahler finanzieren die Erweiterung des Imperiums, profitieren werden einige wenige. Rüstungskonzerne zum Beispiel. Der Krieg sei ein Werbefilm für die Industrie gewesen, erklärt ein Analyst der Investmentfirma Charles Schwab in der Zeitung Boston Globe. Zahlreiche Länder würden US-Firmen nun Einkaufslisten vorlegen. Bush verlangt bereits, der Kongress solle ihm Befugnis geben, dem Irak Munition zu verkaufen, wenn dies im »nationalen Interesse der USA« sei. Größter Kunde für Abrams-Panzer, Hellfire-Raketen, satellitengesteuerte Bomben und die dazu gehörenden Satelliten und was man sonst noch so braucht, ist freilich Donald Rumsfelds Ministerium. Mit 400 Milliarden im Portemonnaie (geplanter Pentagon-Haushalt für 2004) schiebt der rüstige Kriegsherr seinen Einkaufswagen durch den Rüstungssupermarkt und winkt dem Verkaufspersonal freundlich zu.

Dieses Personal in Gestalt von Lobbyisten, Wahlspendern und Publizisten hat prägenden Einfluss auf die politische Debatte in den USA. Schaltet man den Fernsehapparat ein, interpretieren Generäle a.D. die Lage der Welt, meist so, als gebe es keine Alternative zum Militärischen. Im Pentagon wimmelt es von Vertretern der Rüstungsindustrie - Leuten wie Jay Garner, nun US-Statthalter im Irak, ein Ex-General und Ex-Präsident der Rüstungsfirma SY Coleman, die Lenksysteme für Raketen und »Star Wars« entwickelt. Das Center for Public Integrity in Washington hat nachgerechnet: Neun der 30 Mitglieder des Defense Policy Board, eines einflussreichen Beratergremiums für das Verteidigungsministerium, beziehen Gehalts- oder Beraterschecks von Firmen, die 2000 und 2001 Pentagon-Aufträge im Wert von 76 Milliarden Dollar erhielten.

Zum Beispiel Lobbyist Richard Perle oder Chris Williams, früherer Sekretär für Rumsfeld und Lobbyist für Boeing, Lockheed Martin und TRW, oder General Jack Sheehan von der internationalen Baufirma Bechtel, die sich jetzt um Aufträge für den Irak bemüht. Im Aufsichtsrat von Bechtel sitzt Ex-Außenminister George Shultz, der zugleich den Beraterausschuss des kriegstreibenden »Komitees für die Befreiung des Irak« leitet.

50 Milliarden Dollar, 100 Milliarden Dollar, keiner kann wissen, wie viel der Wiederaufbau des Irak kostet. Irak wird alles brauchen, vom Telefonnetzwerk bis zu Bewässerungsanlagen. Seit dem Marshall-Plan für Europa dürfte es kein so großes Projekt mehr gegeben haben. Außenminister Colin Powell machte klar, US-Konzerne würden bevorzugt. Andrew Natsios, Direktor der Entwicklungshilfsbehörde AID, die einen Teil der Aufträge vergibt, legte nach: Firmen, die gegenwärtig im Irak tätig sein wollten, bräuchten eine »Security Clearance«, und die hätten nun mal nur US-Firmen. Langfristig gilt es, den Kuchen aufzuteilen: Kein Wunder, dass Spanien und Italien jetzt auch Posten in der amerikanisch/britischen Militärverwaltung anfordern.

Der Sumpf der Großaufträge treibt bunte Blüten: So hat Kellogg Brown & Root - Tochter der Erdöl-Servicefima Halliburton - einen Sieben-Milliarden-Dollar-Vertrag zur Bekämpfung von Ölbränden im Irak bekommen. KBB (hat unter anderem die Gefangenenlager in Guantanamo gebaut und US-Einrichtungen in Ex-Jugoslawien) bekam den auf zwei Jahre angesetzten Job ohne öffentliche Ausschreibung. Das wirft nach Angaben mehrerer Kongressabgeordneter Fragen auf: Halliburton wurde von 1995 bis 2000 vom derzeitigen Vizepräsidenten Cheney geleitet, der als Verteidigungsminister unter George Bush sen. die Privatisierung militärischer Funktionen stark forciert hatte.

Das soll sich der Rest der Welt hinter die Ohren schreiben

Halliburton ist inzwischen der größte Nutznießer dieses Prozesses. Halliburton kann wohl auch mit weiteren Aufträgen für die Modernisierung der irakischen Ölförderung rechnen. Cheney hat noch heute Anspruch auf Gehalt von Halliburton.

Diese Profite sind aber nur Peanuts verglichen mit der erwarteten Ölbonanza, kommentiert James Paul vom Global Policy Forum (New York). Iraks Erdöl werde in den kommenden Jahrzehnten Billionen Dollar abwerfen. Absahnen werden US-Konzerne. Exxon und Chevron (Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice war dort früher eine Direktorin, ein Tanker trägt ihren Namen) »öffnen den Sekt, weil die USA jetzt einen Platz in der OPEC kriegen«, sagt Paul. Irak hat die zweitgrößten Erdölreserven der Welt - mit dem ganz großen Vorteil, dass die Förderung aus geografischen Gründen etwa einen Dollar pro Barrel kostet, verglichen mit drei bis vier in der Nordsee, etwa sechs in Kanada, zehn bis zwölf in Russland, etwa 20 in Texas. Ahmed Chalabi, den Rumsfeld anscheinend gern zum neuen irakischen Präsidenten machen würde, hat angekündigt, US-Firmen hätten gute Chancen. Leer ausgehen werden wohl russische, französische und chinesische.

Im Irak ging es der US-Regierung freilich nicht um spottbilliges Öl; wird das Öl zu billig, fallen die Profite und heulen die texanischen Produzenten mit ihren hohen Förderkosten. Wer das Öl des Irak kontrolliert, kann allerdings die OPEC untergraben, die bislang dort stark ins Gewicht fallenden Saudis schwächen, Russland Angst machen und den stark auf Öl aus dem Nahen Osten angewiesenen Europäern zeigen, wer Herr ist im Haus. Vor allem würde ein langer »Traum« von US-Administrationen in Erfüllung gehen - niedergeschrieben in sämtlichen Strategiepapieren seit dem Zweiten Weltkrieg: Die USA brauchen »Stabilität« in Nahost, es muss ungehinderten und verlässlichen Zugang geben zu profitablen Ölquellen. Das soll sich der Rest der Welt mal hinter die Ohren schreiben.


http://www.freitag.de/2003/17/03170801.php
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22.04.03 21:28:54
Beitrag Nr. 2.585 ()
Anleger flüchten aus Aktienfonds

Angesichts der andauernden Unsicherheit an den Kapitalmärkten haben Anleger massiv Geld aus Aktienfonds abgezogen. Gefragt waren stattdessen vergleichsweise sichere Anlagen wie Geldmarkt-, Immobilien- und Rentenfonds.

Wie der Bundesverband Investment- und Asset- Management (BVI) am Donnerstag in Frankfurt mitteilte, flossen Fonds für Privatanleger im vierten Quartal insgesamt 17,9 Mrd. Euro zu, das verwaltete Vermögen stieg auf 387 Mrd. Euro.

Aktienfonds verzeichneten insgesamt Netto-Abflüsse in Höhe von 738 Mio. Euro. Das Vermögen dieser Fonds belief sich damit auf 103,2 Mrd. Euro. Während Fonds mit dem Anlageschwerpunkt Deutschland noch Geld zufloss, verloren internationale und Spezialitätenfonds Mittel. Auch an Garantiefonds, bei denen das Anlegergeld abgesichert ist, bestand Interesse.



Gefragte Geldmarkt- und Immobilienfonds


Gefragt waren aber vor allem Geldmarktfonds. Ihnen flossen von Januar bis März mit 7,5 Mrd. Euro beinahe doppelt so viel frisches Geld zu wie vor einem Jahr. Damit belief sich das Vermögen der 90 Geldmarktfonds Ende März auf 71,6 Mrd. Euro.


An zweiter Stelle folgten offene Immobilienfonds mit neuen Mitteln in Höhe von 7,1 Mrd. Euro. Das verwaltete Vermögen erreichte damit 77,4 Mrd. Euro. Nachdem Rentenfonds im vierten Quartal zwischenzeitlich an Bedeutung verloren hatten, gab es bei den Festverzinslichen nun wieder ein Plus um 4,7 Mrd. Euro auf 113,7 Mrd. Euro.



© dpa
ftd.de
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22.04.03 21:58:04
Beitrag Nr. 2.586 ()
22.04. 21:52
Angstindikator auf 11-Monats-Tief
(©GodmodeTrader - http://www.godmode-trader.de)



Der als Angstindikator bezeichnete CBOE`s Volatility Index ist zuletzt auf das niedrigste Niveau seit dem 31.Mai 2002 gesunken, während der S&P 500 Index auf ein neues 3-Monatshoch gestürmt ist. Marktbeobachter gehen davon aus, dass sich in den kommenden Wochen wieder mehr Anleger im Aktienmarkt engagieren könnten.
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24.04.03 14:17:03
Beitrag Nr. 2.587 ()
Sonnenschein macht Zockerlaune

Forscher entdecken einen bisher unbekannten Einflussfaktor auf die Börse: Die Jahreszeiten. Mit dem Frühling erwacht die Risikobereitschaft

von Doris Marszk

Toronto - Die Börse reagiert bekanntlich empfindlich. Jedes Gerücht, jede politische Stimmung, jede noch so vage Information beeinflusst den Aktienkurs. Über das Verhalten von Anlegern und seine Hintergründe haben Wirtschaftsforscher, Psychologen und Börsen-Gurus unzählige Theorien entwickelt. Manche dieser Arbeiten setzen die grundsätzliche Informiertheit der Aktionäre voraus. Andere unterstellen, dass Anleger einfach einem Herdentrieb folgen und das tun, was alle tun. Selten aber wird das Börsengeschehen mit der psychischen Befindlichkeit des Einzelnen in Verbindung gebracht. Genau das haben jetzt drei kanadische Wissenschaftler getan und dabei festgestellt: Das Verhalten der Investoren ist von den Jahreszeiten abhängig; genauer: von der Tageslänge.


Wenn die Tage ab dem 21. Dezember länger werden, erwacht nach drei Monaten der Unentschlossenheit allmählich die Risikobereitschaft zu neuem Leben. Es wird vermehrt in Zockerpapiere investiert. Im Herbst jedoch, wenn die Tageslänge unter zwölf Stunden fällt, regiert die Angst vor dem Risiko. Gekauft werden Papiere, die zwar nur wenig Gewinn versprechen, dafür aber relativ ungefährlich sind. Der Grund für diese Verhaltensunterschiede liegt in keiner Weise in der Wirtschaft, sondern darin, dass viele Menschen in den Monaten Oktober, November, Dezember den "Winter-Blues" haben (der eigentlich Herbst-Blues heißen müsste). Das fehlende Tageslicht drückt auf die Stimmung, bewirkt Lustlosigkeit und Zaghaftigkeit. Die Bereitschaft, irgendein Risiko einzugehen, sinkt.


"Wir haben ein sehr weit reichendes wirtschaftlich und statistisch signifikantes Jahreszeiten-Muster in den Aktienmärkten aufgedeckt, das bisher nicht erkannt worden war", erklärt Lisa Kramer, Wirtschaftsprofessorin an der University of Toronto. Allein in den Vereinigten Staaten leiden nach Schätzungen von Psychologen und Medizinern zehn Millionen an einer jahreszeitlich bedingten mentalen Störung ("Seasonal Affective Disorder", SAD). Weitere 15 Millionen Amerikaner kennen aus eigener Erfahrung die abgemilderte Form dieser Krankheit, den so genannten Winter-Blues. In der medizinischen Forschung hat man herausgefunden, dass SAD und Winter-Blues sich durchaus physiologisch festmachen lassen. Mithilfe der Positronen-Emissionstomographie (PET) hat man in einigen Regionen der Hirnrinde Auffälligkeiten entdeckt, die auf das verringerte Tageslicht im Winter zurückzuführen sind.


Mit diesem Wissen haben Lisa Kramer und ihre Kollegen Mark Kamstra von der Atlanta Federal Reserve Bank und Maurice Levi von der University of British Columbia die Gewinnentwicklung an neun wichtigen Börsenplätzen der ganzen Welt über einen längeren Zeitraum verfolgt. Darunter sind Länder mit extremen Tageslichtunterschieden im Sommer und im Winter (wie Schweden), aber auch solche in Äquatornähe wie etwa Australien oder Südafrika, in denen die Unterschiede zwischen Wintertagen und Sommertagen weniger stark in Erscheinung treten. Ihre Ergebnisse haben sie in der März-Ausgabe des "American Economic Review" veröffentlicht. Für die Länder der nördlichen Hemisphäre, besonders für Schweden und Deutschland können die Forscher zeigen, dass ab Herbstbeginn der Ertrag an der Börse ins Minus geht und im Januar und Februar auffallend ins Plus dreht. In Südafrika, Neuseeland und Australien bleiben solche jahreszeitlichen Schwankungen wegen der Äquatornähe nahezu vollständig aus.

Die Theorie von Lisa Kramer und ihren Kollegen wirft aber auch ein Licht auf die Globalisierung. Gerade beim Börsengeschehen könnte man annehmen, dass die internationalen Märkte solche geographischen Faktoren ausgleichen. Offenbar sind aber die Märkte noch nicht so miteinander verzahnt, dass beispielsweise die zeitlich um ein halbes Jahr gegeneinander versetzten Winter- und Sommerzeiten in der nördlichen und südlichen Hemisphäre die Unterschiede aufheben könnten. "Hinzu kommt", so die Forscher, "dass selbst in dem Fall, dass die internationalen Märkte miteinander völlig verzahnt wären, die Märkte der nördlichen Hemisphäre immer noch die dominanteren sind. Das heißt, wir dürften dann immer noch SAD-Wirkungen erwarten - zumindest auf der nördlichen Hälfte der Erdkugel."


Artikel erschienen am 20. Apr 2003


:D;)
..................................
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24.04.03 19:32:00
Beitrag Nr. 2.588 ()
Für die, die etwas englisch können.....:) :) :)


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NASDAQ 100>”Rising 200-day Moving Average”
Returning to Sanity


by Don R. Hays


Summary: The short-term nature of the stock markets is very overbought. In bear markets this is a sign to head for cover, but in bull markets is actually a sign of something special remaining on the upside. We all are afraid to say that word “b…b….b….b….bull-market,” afraid it will be the third big disappointment in the last two years. But the best news of yesterday was that the NASDAQ 100, the best p ro xy index for the Technology Revolution moved above a “rising” 200-day moving average for the first time since 9/11/2000 . If you remember, that was seven days before the Sign of the Bear signal was flashed that we gave headline attention to. This signal was forecasting the imminent second devastating phase of the bear market, and indeed it plummeted f ro m that 3706 level on September 11, 2000 to a low of 811 on October 9, 2002 .


Overbought/Oversold levels are good barometers of current condition, but always must be taken in context with the over-riding condition of psychology, monetary, and psychology. I’ll briefly review those indicators as of today’s calculation.

I almost entitled this report, “The Return to Sanity.” This would be a review of how dramatic conditions have changed in the world since the currency crisis in 1997. It is a phenomenal sign that those same currencies that were devalued so dramatically in the last 10 years are showing signs of moving back into more “normal” ranges. The most amazing and visible currency rally is occurring in the ……..Russian Ruble. Yes, that is what I said. You will be amazed at the chart of this first upward penetration by the Ruble of its 200-day moving average in the last 10 years.



Greenspan, Arafat and other old leaders that have over-stayed their welcome. Maybe it is just wishful thinking, but I don’t take Bush’s confirmation yesterday as anything more than a graceful exit for Greenspan. Arafat’s exit might not be so graceful.



Hallelujah!!!!!!!!!!!



According to strict chart analysis, a move up th ro ugh a 200-day moving average is not really considered a bullish omen that is pushing that index into a bull market status until the 200-day moving average is also “rising.” Yesterday was a day of rejoicing, as the p ro xy for the Technology Revolution blasted upward again, and was sufficient to p ro duce the first day when this condition existed when the 200-day moving average was rising since September 11, 2000 . That September 11th day has certainly gained a p ro minent day in history it seems. Take a look at this “good news” chart.



Yesterday was an outstanding day, especially for the technology stocks and the NASDAQ. It came a day after the market had experienced a very low-volume day with a very slight decline. And then yesterday, with traders believing that “another” selling opportunity had arrived, the put-call ratio moved up to 88%, and as shown in the chart links of our website, the equity put/call moved to 76.75%.



When you look at a wide assortment of charts, you will see similar but still somewhat lagging charts, except for the NASDAQ Telecommunication that is p ro bably the best short-term chart in the bunch. If you regularly read and review our sector analysis that is updated each Thursday, you know that we have moved f ro m a ze ro weighting in telecom stocks 26 weeks ago, and then about 3 months ago persistently moved it up to now when it is our most over-weighted sector recommendation vs. its S&P 500 weighting. This comes after the most devastation of all other sectors in the last three years. This index had hit a peak of 1250 in March 2000, and then over the next three years hit a low of 80.83, a decline of 93.5%. Several industries in this important, but dramatically over-capacity sector, have been showing some nice bottoming action for the last nine months. It now has moved up f ro m that low point by 56%. That sounds pretty exciting, but even that BIG Bounce only takes it back to 126, still dramatically under that all-time exaggerated peak in 2000.



The market is very, very overbought. Take a look at our chart links this morning, and you will see that our overbought/oversold index moved up to 69.88 and the NYSE McClellan oscillator is at +195. For the last three years this type of condition was a signal of an impending top, but remember, in all those times that a top was being fashioned the conditions of psychology and valuation had also deteriorated much more than they have at this point.



The CBOE Volatility index (VIX) did move to a lower low yesterday, but keep that 40-20 rule in mind. On every market weakness in the last three years, this index had fallen to at least the “20” level before any weakness had been allowed to enter. You also see that the 3-week ratio of bears to bulls compiled by the AAII sentiment survey is still at 74%, and in each “vulnerable” time this ratio has d ro pped to “at least” 30%. I could go on and on. We have been conditioned over the last three years to not trust any “new bull market” thesis. But now we also have this amazingly bullish valuation that we have not had on any of those previous instances.



I know, arguing valuation is a lot like arguing religion and politics. Everyone comes away still unconvinced to the other’s views. But how can you argue the amazing chart that we show of the earnings yield of the S&P 500 versus the yield of the 10-year T-Note? It has a phenomenal record at showing irrational exuberance (in October 1987 and March 2000), but then an equally accurate record at showing those periods when irrational fears have driven stocks to an abnormal under-valuation. Ultimately money goes where it treated the best, so if bonds or t-bills or money market yields are unusually low, then stocks trade at an equal earnings yield based on the next 12-month forward earnings. Hey, there is another argument that even helps the current bullish advice f ro m the valuation composite.



The guru’s of the world have been telling you that earnings are just not going to come th ro ugh. I believe this next chart will really surprise you as it shows the “daily” earnings estimate for this first quarter for the S&P 500 stocks.



The earnings estimate had been nudging upward in recent weeks, but on April 16, reality began to take hold and experienced a HUGE jump, f ro m $12.15 to $12.40 in only two days. This is the largest 2-day jump in earnings estimates in many a year, and is the fuel to start jolting the expectations f ro m its recent irrational fear back to at least a normal range.



We included an excellent chart f ro m a Wachovia report in Monday’s report showing the very dramatic d ro p in the quality yield spread in corporate bonds. That has been the first big hint that corporate cash registers are starting to heal themselves. This increase in earnings estimates is the second big sign.



I just get the feeling that the decade of crazy “happenings” is starting to heal itself. It was back in 1992 that the Eu ro pean currencies were very deeply devalued. For instance, the English Pound fell f ro m 197 to 140 against the dollar—a 25% devaluation. The German Mark fell f ro m 72 to 40. Very briefly in 1993-96, as the world became so convinced that the Eu ro pean Union was going to be a great thing for those countries, the currencies that joined in that Union experienced a temporary reprieve. But in 1997 came the “bursting” of the massive excesses and inefficiencies in the countries a ro und the globe. With the artificial monetary force-feeding by the U.S. , and the stoking of the U.S. consumer fire by Greenspan, Rubin and Summers, the world’s currencies against the dollar went into the tank.



The major Eu ro pean countries’ currencies were devalued anywhere f ro m 25-50%. But the Asian Pacific countries, and all third world countries saw their currencies absolutely devastated. That trend remained very persistent until finally in December 2000 when the Fed first started to lower interest rates, and Rubin and Summers were headed out of leadership positions.



At the same time, look at all the changes in the world. For this entire time when the dollar was making U.S. p ro duced goods much more expensive on the international markets despite our leading gains in p ro ductivity, the trade deficit started to go th ro ugh the ro of. This sent more dollars overseas, as U.S. consumers bought up those cheaper international goods. Of course, this dramatically weakened U.S. manufacturers, but all the while, Mr. Rubin, with Greenspan’s blessing, would repeat that “st ro ng dollar is good” theme to his gullible audiences.



So now, the currency market is actually starting to show a slow upgrade in those weak currencies of the world. I don’t think any are as impressive as the Russian Ruble. Take a look at these two charts. The one on the right shows the last 10 years and the unbelievable devaluation, while the one on the left shows the last two years. In the last few weeks, the upward move has been dramatic, and this is also occurring to “greater or lesser” degrees in most other under-developed countries. I’m not sure they will want to give up their cheap currencies that helped their lagging p ro ductivity gains, but this is the currency war that I’ve been talking about for the last year. Look at this chart.



This currency war will be the biggest encouragement to all the world to keep monetary liquidity freely available to p ro mote g ro wth.



That brings me to Mr. Greenspan, and Bush’s comment. This is another one of my “flaming” guesses. I obviously do not believe that the market rallied yesterday because of Bush saying that Greenspan would be reappointed “if he wants to be.” The market’s smarter than that….I certainly hope.



But my “guess” is that Greenspan has already told Bush he is going to retire at the end of this term, and Bush is giving him a graceful way for that decision to be greeted as being totally his own. Okay, I know you think my bias is influencing this guess, but we’ll see. I certainly have my fingers c ro ssed that I’m right. The next decade needs a “p ro -g ro wth” and a “non-manipulator” Fed and I think it is well past time for a change.



Yassir Arafat is not getting the same kind of “graceful” exit door, however. Maybe that is because everyone knows he won’t leave on his own. So with a successful Iraqi Operation Freedom out of the way, the vocal calls for a turnover of the Palestinian government has started f ro m all corners.



The U.S. and the U.K. realize how important it is for a successful resolution of the Israel Palestinian conflict to pull the Middle East into a Democracy where all people’s rights are p ro tected.



Speaking of all people’s rights, I am also hoping that American Air’s Donald Carty is fired today, sending a st ro ng message to other corporate boards. I believe companies should be run for three equal bosses: Clients, Employees, and Share-holders. And each should have st ro ng voices on the way Corporate Executives act. I believe the Corporate Executives should be very interested in each of those important classes, but for the last 20 years corporate operations has been so heavily slanted on what is good for the top Executives.



That’s it my friends, I’ll be back with you Friday morning.



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25.04.03 20:45:32
Beitrag Nr. 2.589 ()
SARS erzwingt weiter sinkende Zinsen
(25.04.2003)

Mit SARS, der asiatischen Lungenentzündung, haben die Märkte auf breiter Front ein neues Thema. Die Krankheit wird inzwischen für so gut wie alles, was schief geht oder gehen könnte, verantwortlich gemacht. Man fühlt sich an BSE erinnert. Solche Angstmacher haben die Eigenschaft, einen Rang in der Berichterstattung der Medien und im Denken so mancher Meinungsmacher einzunehmen, der ihnen letztlich nicht zukommt. Dafür sorgt die allzu menschliche Neigung zu Übertreibungen.

Man kann aber ohne weiteres nachvollziehen, dass SARS ein gewichtiger Aspekt für die Finanzmärkte ist. Die Krankheit berührt den Einzelhandel und den Tourismus direkt. Folgewirkungen auf andere Wirtschaftszweige und damit auch auf die Markoökonomie bleiben nicht aus. Stephen Roach, der von uns hoch geschätzte Chefökonom von Morgan Stanley, hat bereits vor Wochen erklärt, SARS könne der schwachen Weltwirtschaft den Stoß versetzen, der sie unweigerlich in eine Rezession treibe. Andere Ökonomen beginnen sich dieser Aussage anzuschließen.

Dies ist eine sehr ernst zu nehmende These. Wenn sie sich bestätigt, bietet sie einen zusätzlichen, gewichtigen Grund für weitere Zinssenkungen der führenden westlichen Notenbanken. Und diese Notenbanken werden dann auch notfalls auf unkonventionelle Weise dafür sorgen, dass die Kapitalmarktzinsen sinken.



Arnd Hildebrandt

Herausgeber


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Wussten Sie schon, dass...?
(25.04.2003)

Das Aktienvermögen der privaten Haushalte in den USA ist in den vergangenen drei Jahren um 5,8 Milliarden Dollar geschrumpft. Dagegen stieg in dieser Zeit der Nettowert der privat genutzten Immobilien (abzüglich Hypotheken) um 1,5 Milliarden Dollar.

(Quelle: Morgan Stanley)

taurosweb.de
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25.04.03 21:40:13
Beitrag Nr. 2.590 ()
25.4.03 Banker zeigen positive Gefühle

Immer mehr Strategen sprechen vom Ende des Bärenmarktes


von Holger Zschäpitz

Berlin - Endlich mal wieder gute Gefühle bei Investmentbankern. Peter Oppenheimer, Top-Stratege bei Goldman Sachs, glaubt in der Magengrube verspürt zu haben, dass der langjährige Negativtrend nun zu Ende ist. "Unser Gefühl ist, dass der Bärenmarkt im März diesen Jahres aufgehört hat", so Oppenheimer. Nun sind nach Einschätzung des Strategen bei den europäischen Indizes bis Mitte 2003 Gewinne von rund zehn Prozent möglich. Auch bei anderen Strategen ist Zeit für positive Gefühle. Rolf Elgeti von der Commerzbank proklamiert ebenfalls das Ende des Bärenmarktes und Tobias Levkovich, Stratege bei der Citigroup, war noch nie anderer Ansicht. ... Doch die Weltwirtschaft ist Lichtjahre davon entfernt, wieder mit durchschnittlichen Wachstumsraten zuzulegen. Und die erstmals wieder steigenden Gewinne bei einigen Konzernen sind auch eher auf striktes Kostenmanagement denn wachsende Aufträge zurückzuführen. Doch das Einspar-Schwert stumpft früher oder später ab, irgendwann muss die Nachfrage nach den Produkten und die Investitionstätigkeit der Unternehmen generell wieder anspringen. Hierfür gibt es zwar erste positive Anzeichen, wovon auch der Ifo-Geschäftsklimaindex am kommenden Montag zeugen dürfte, doch die harten Daten bleiben durchwachsen.

Albert Edwards, Stratege bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, wendet sich aus diesem Grund gegen die Gefühlsduselei seiner Kollegen. "Wir bleiben vorbehaltlos bei unserer negativen Einschätzung gegenüber Aktien." Seines Erachtens haben die Märkte ihren Tiefpunkt noch lange nicht gesehen. ... (Welt, 25.4.03)
Kommentar: Die meisten experten scheinen sich auf ihre “Gefühle” zu verlassen und wenig auf die realen Rahmenbedingungen. Würden sie diese beachten, waäre klar, daß eine dauerhafte Aufwärtsbewegung ausgeschlossen ist - zu groß ist die Überschuldung und die Kapitlkosten der Unternehmen. Darüberhinaus führen die Sparmasßnahmen in der Wirtschaft zu einer sinkenden Kaufkraft und damit in Zukunft zu rückläufigen Umsatzzahlen. Alles Faktoren, welche die Aktienkurse noch viel weiter nach unten drücken müssen.
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24.4.03 Immer mehr Menschen in der Schuldenfalle

Ostdeutsche und Familien besonders betroffen - DIW empfiehlt Ausbau der Schuldnerberatung


Berlin - Immer mehr private Haushalte in Deutschland verschulden sich. Fast jeder vierte Haushalt musste 2001 Konsumentenkredite abzahlen, vier Jahre zuvor war es nicht einmal jeder fünfte Haushalt. Das ergab eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Danach war der Anteil verschuldeter Haushalte in Ostdeutschland höher als in Westdeutschland. Überdurchschnittlich vertreten sind auch Familien mit Kindern. Ihre Verschuldung habe stark zugenommen, schreiben die DIW-Experten. Zwischen 1989 und 1999 verdoppelte sich der Umfang aller Konsumentenkredite auf 216 Mrd. Euro.

Während der Anteil der verschuldeten Haushalt an allen privaten Haushalten in Westdeutschland im Jahr 2001 nur 21,2 Prozent beträgt, sind es im Osten 27,4 Prozent. Die Forscher erklären die höhere Verschuldungsquote in Ostdeutschland mit dem Nachholbedarf an langlebigen Konsumgütern bei gleichzeitig niedrigeren Einkommen. So habe sich die Ausstattung der ostdeutschen Haushalte etwa mit Autos oder elektronischen Haushaltsgeräten, die besonders oft über Kredite finanziert werden, mittlerweile dem westdeutschen Niveau angeglichen. Allerdings geben die ostdeutschen Schuldner im Schnitt monatlich nur 140 Euro für die Bedienung ihrer Schulden aus, die Westdeutschen monatlich 202 Euro.

Familien sind unter den Haushalten mit Kreditbelastungen besonders stark vertreten, heißt es in der Studie. Während ihr Anteil an allen Haushalten nur 26,9 Prozent beträgt, liegt ihr Anteil an den verschuldeten Haushalten bei 38,8 Prozent. Manche junge Familien verschuldeten sich, wenn durch Kinder neue Ausgaben verursacht werden, heißt es in der Studie. Gleichzeitig sinke das Familieneinkommen, da ein Partner weniger arbeite oder seine Arbeit ganz aufgebe.

Besonders belastet durch Verschuldung seien arme Haushalte: Sie müssten durchschnittlich 23 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Begleichung ihrer Schulden aufbringen, bei anderen Haushalten seien es nur 16 Prozent. ... (Welt, 24.4.03)
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