US-NEBENWERTE Paradies für den Stock-Picker - 500 Beiträge pro Seite

eröffnet am 20.03.02 01:25:14 von
neuester Beitrag 14.05.02 12:54:35 von


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20.03.02 01:25:14
Die USA sind, so glaube ich, das Paradies für den „Stock-Picker“.

Nur dort gibt es so viele börsennotierte Unternehmen mit verschrobenen, aber profitablen Geschäftsideen. Nur dort gibt es so viele börsennotierte Ein-Produkt-Unternehmen, bei denen es Sinn macht auf den Erfolg oder Misserfolg dieses einen Produktes zu spekulieren.
Das Unternehmen Mobile Mini (Ticker: MINI)beispielsweise hat als Geschäftsidee die relativ simple Tatsache, dass große Einzelhandelsketten oftmals zu wenig Lagerraum haben. Deshalb vermietet MINI Container an diese Handelsketten, die damit Lagerraumengpässe umgehen können. Die Idee ist so simpel und gleichwohl arbeitet MINI sehr profitabel. Der Aktienkurs steigt seit mehreren Jahren beständig an.
In Europa gibt es viele Konzerne und Konglomerate. Hier ist es viel schwieriger, auf den Erfolg eines bestimmten Produktes zu spekulieren. Welchen Einfluss hat schon ein neues Produkt auf die Erfolgsbilanz eines großen Konzernes.

Das Wichtigste aber scheint mir zu sein, dass in den USA die Kursverläufe der Aktien mit den Geschäftsverläufen, d.h. den zugehörigen fundamentalen Daten, Schritt halten. Und das gilt insbesondere auch für kleine Unternehmen, für Nebenwerte also.

Wenn ein Unternehmen in den USA mehrere Jahre hintereinander Umsätze und Gewinne steigert, so wird das an der Börse durch einen steigenden Aktienkurs honoriert. In Deutschland hingegen gibt es im Bereich der Nebenwerte doch so einige Fälle, in denen eine sich verbessernde Geschäftslage des Unternehmens mit sinkenden Aktienkursen einher geht, z.B. bei Boewe Systec.

Die USA also das Paradies für den Stock-Picker.
Widerspruch?
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20.03.02 22:51:35
Die USA haben in den letzten 20 Jahren eine beispiellose Börsenhausse erlebt. Nie ging es so lange so stark nach oben. Kein Wunder, dass man dort viele Aktien mit langfristig stetigem Kursanstieg und - durch den Rückkopplungseffekt zwischen Börsenkursen und Investititionen sowie Konsum - Gewinnzuwachs findet:



Nun hat sich eine ungesunde Kombination aus hohen Aktienbewertungen und niedrigem Zinsniveau herausgebildet - eine schlechte Voraussetzung für die nächste Hausse. Warren Buffet erwartet nun eine lange Phase der Stagnation, so wie in 1965 bis 1980.

Sicher bieten die USA die größte Auswahl an Aktien für Stock-Picker, und sicher wird man auch in schlechten Zeiten darunter viele Gewinner finden. Einfach die Zahlen der letzten 20 Jahre in die Zukunft zu interpolieren, ist aber sehr gewagt. Die nächsten 20 Jahre werden anders sein. Stock Picking heisst: Für jedes einzelne Unternehmen die Zukunftsperspektiven abschätzen. Und das fällt zumindest mir bei einem Unternehmen in New Mexico wesentlich schwerer als bei einem ein Baden-Württemberg.

In Deutschland hingegen gibt es im Bereich der Nebenwerte doch so einige Fälle, in denen eine sich verbessernde Geschäftslage des Unternehmens mit sinkenden Aktienkursen einher geht

Daraus entstehen zusätzliche Gewinnchancen! Früher oder später wird die Unterbewertung der Aktie vom Markt erkannt und ausgeglichen.
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21.03.02 10:16:31
@Simonswald

der Kapitalmarkt in den USA ist trotz (oder wegen) ENRON der effizienteste überhaupt.

Das ganze gleicht einem Haifischbecken in dem viele große (KKR, Morgan Stanley, Goldman Sachs, Enron, Tyco, ...) und kleine Haie schwimmen und darauf warten, dass irgendwelche Anleger (am besten Nichtamerikaner) ihnen Geld geben. Was dmait dann passiert ...

Kurz gesagt: Wenn es irgendwo in den USA tatsächlich Unterbewertungen geben sollte, halte ich die Wahrscheinlichkeit extrem gering, dass gerade Deutsche Kleinanleger diese entdecken und auch ausnutzen könnten ....
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21.03.02 20:25:55
@memyselfandi007: wie lässt sich denn die Internetblase und die Entwicklung von Philip Morris erklären wenn der US Kapitalmarkt so effizient ist?
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21.03.02 22:50:33
@Mandrella

Nicht dass ich dafür plädiere, in kleinkapitalisierte US-Aktien zu investieren, natürlich ist es auch mir lieber, nach Gosheim zu fahren, um mich vor Ort über die Entwicklung bei Hermle zu informieren als dies über das Internet bei einem Wert aus "Wyoming" zu tun, aber in einem Punkt muss ich widersprechen:

Du schreibst die USA hätten eine 20-jährige Hausse erlebt und deswegen seien dort auch im Nebenwertebereich viele Unternehmen bzw. Aktien vorhanden, die über Jahre einen stetig ansteigenden Kurs haben.

Ich sehe es so, dass auch Europa und Deutschland eine ebenso lange Haussephase hinter sich hat. Und gleichwohl finde ich hier deutlich weniger Titel im Nebenwertebereich, die einen stetig steigenden Kursverlauf haben, was für mich, nachdem ich mir die übrigen Daten und das KGV angesehen habe, auch ein Kriterium bei der Investitionsentscheidung sein kann.
Im Bereich der Standardwerte kann man auch in Europa einige Werte mit einem solchen Kursverlauf finden.
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21.03.02 23:48:45
@memyselfandi0007


Kann man deine Anmerkung so verstehen, dass die Institutionellen über Jahre den Kurs bestimmter kleiner Werte zum Haussieren bringen, um sie dann am Ende dieser Entwicklung, mit dem Argument, diese Aktie habe ja bereits bewiesen, dass sie "nur steigen könne", an die Kleinanleger zu verkaufen im Stande zu sein.
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22.03.02 00:35:43
Du findest in Europa, mal abgesehen von den Großkonzernen, wenige überschaubare Konsumentenfirmen, die Erfolg bewiesen haben und deren Geschäft man leicht verstehen kann, weil es in den letzten Jahrzehnten ziemlich schwierig war, in Europa zu expandieren. Es gibt hier zigverschiedene Sprachen, Gesetze, Kulturen, Vorschriften, Zölle, Steuern, Wirtschafts- und Sozialsysteme, uvm. Wenn ein britisches Unternehmen daheim sehr erfolgreich war, muß das auf Sizilien oder in Portugal nicht viel heißen. Wenn ein amerikanisches Unternehmen in einem Bundesstaat erfolgreich ist, hat es einen riesigen Markt mit über 250 Mio Leuten vor sich, der sich frei von obigen Hürden erschließen lässt. Von daher lassen sich im Rückblick viel mehr "Erfolgsstories" drüben identifizieren als in Europa. Ich würde allerdings überhaupt nicht drauf achten, ob der Kurs längere Zeit gestiegen ist. Das bedeutet nur, daß es teurer geworden ist und dementsprechend weniger Chancen vorhanden sind (wie Mandrella schon sagte). Die Börse ist nur begrenzt effizient, denn sonst würden alle Aktienanleger auf lange Sicht etwas mehr als eine Anleihenrendite erzielen. Ich glaube, daß es da von Anleger zu Anleger ganz unterschiedliche Ergebnisse gibt. Allerdings sehe ich auch, daß europäische Börsen noch wesentlich ineffizienter sind, nur gibt es aus o.g. Gründen weniger interessante Firmen.
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22.03.02 14:11:46
@DimStar

Du schreibst, ein über längere Zeit gestiegener Kurs bedeutete lediglich, dass die Aktie teurer geworden ist.

Ich sehe es so, dass ein längere Zeit (>6Jahre) ansteigender Kurs mir einen ersten Anhaltspunkt geben kann, dass sich das Unternehmen fundamental gut entwickelt hat.

Wenn dann noch das aktuelle KGV und das KGV von vor 6 Jahren in etwa den selbeb Wert haben, so bedeutet der stetig angestiegene Kurs eben gerade die gute fundamentale Entwicklung der Gesellschaft. In diesem Sinn ist die Aktie nicht teurer geworden. Z.B. hat sich bei einem 10-Bagger lediglich der Gewinn in diesem Zeitraum verfünf- bis verzehnfacht.
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22.03.02 14:59:05
Ok, das müsste man sich im Einzelfall ausrechnen und insofern könnte es ein Zeichen sein, aber kein Kriterium. Ich habe mir zuletzt z.b. BBBY angeschaut. Da sieht man ein gutes Beispiel für einen schönen Chart und das Unternehmen ist ja auch eine Renditebombe, 35 % Eigenkapitalrendite, schuldenfrei, Expansionsgrenzen nicht in Sicht. Aber der Börsenkurs ist selbst dem eben weit vorausgeeilt (KGV 50 für eine Möbelkette), weil das ganze Wachstum der nächsten Jahre bereits im Kurs enthalten ist, denn in den letzten Jahren hat die Expansion ja auch wunderbar funktioniert. Auf lange Sicht ist bei solchen Kursen nicht mehr viel zu holen und so ist es nach meiner Beobachtung noch bei sehr vielen dieser Firmen mit langanhaltend steigenden Kursen.
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22.03.02 16:16:00
@PhillipSteinhauer
Internetblase: eigenes Thema, war zumindest effizient (bzw. profitabel) für Investmentbanken und VC-Gesellschaften sowie die Firmengründer. Ich habe nicht behauptet, dass der Markt für alle teilnehmer gleich effizient ist. Für die einen mehr, für die andern weniger...

@Simonswald
Wollte damit ausdrücken, dass es in den USA eine große Menge von Profis gibt (Buyout Funds, Smallcap Funds) oder auch z.B. der große WarrenB und seine Jünger die den ganzen Tag nichts machen, ausser "unterbewertete" Unternehmen zu suchen, zu kaufen, von der Börse zu nehmen, wieder an die Börse zu bringen etc.

Als Deutscher Privatanleger da sein Glück zu versuchen - viel Spaß !!!!

Da gibt es hier vor der Haustür sicher bessere Möglichkeiten.

Die von Dir verfolgte Strategie scheint mir eher eine Art "Momentum"-Strategie zu sein. Wehe, das "momentum" lässt dann mal nach ..............
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23.03.02 18:03:15
Völlig richtig. Es ist unter Anderem eine "Gewinnmomentumsstrategie".

Aber auf welch anderes Kriterium als auf das Gewinnmomentum soll bei der Anlageentscheidung abstellen? Mit Ausnahme bestimmter Sondersituationen (Spekulations-Blase etc.) führen in aller erster Linie steigende Gewinne zu steigenden Kursen, sofern die Gewinnerwartungen noch nicht "eingepreist" sind.
Mit meiner Strategie sehe ich mich in einer guten Umgebung, da auch Peter Lynch und Buffett, die beide viel zu gerne zitiert werden, in etwa so verfuhren.

Natürlich kann man auch auf unterbewertete Unternehmen setzen, in der Hoffnung, dass der Markt diese Unterbewertung irgend wann einmal abbaut. Aber diese Strategie ist mir zu ungewiss.


Wenn man zum Kaufzeitpunkt darauf achtet, dass das KGV der Aktie in Erwartung stark steigender Gewinne nicht zu hoch ist (z.B. <25) so führt das Abreissen des Gewinnmomentums nicht unbedingt zu furchtbaren Kursstürzen.
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23.03.02 18:07:39
Ich möchte mich korrigieren. Genau betrachtet ist es eine Strategie, Unternehmen mit "planbar" steigenden Gewinnen zu kaufen, deren Aktien aber noch zu einem vernünftigen Preis (KGV max.25, in Ausnahmen 30) zu bekommen sind.
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23.03.02 21:05:09
> Natürlich kann man auch auf unterbewertete Unternehmen setzen, in der Hoffnung, dass der Markt diese Unterbewertung irgend wann einmal abbaut. Aber diese Strategie ist mir zu ungewiss.

Mir wäre es zu riskant, fair bewertete Aktien zu kaufen, weil deren Kurs noch viel Spielraum in Richtung einer Unterbewertung hat. Starke Unterbewertungen werden dagegen erfahrungsgemäß innerhalb von 1-2 Jahren zumindest teilweise abgebaut. Die Schwierigkeit besteht natürlich darin, eine Unterbewertung zu erkennen. Man muss ähnliche Bewertungsmaßstäbe anwenden wie der Gesamtmarkt, und diese Maßstäbe können sich über die Jahre hinweg ändern. Also wer z.B. heute noch mit der altertümlichen Formel "fairer Wert = Buchwert" rechnet, kann ewig lange auf den Abbau der vermeintlichen Unterbewertung warten.

Buffet und Lynch waren mit der von Dir beschriebenen Strategie erfolgreich, aber die hatten ja auch gar keine andere Wahl: Wegen der Größe ihrer Fonds mussten sie auf Blue Chips setzen, und die sind nunmal eher selten unterbewertet. Bei einer Beschränkung auf niedriger bewertete Aktien wären sicher noch ein paar Prozent mehr Rendite pro Jahr dringewesen.
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26.03.02 13:41:35
Ich möchte meine Aussage, ein mäßiges KGV schütze vor starken Kursstürzen einschränken.

Z.B. hatte Procter & Gamble laut BörseOnline vom Januar 99 ein KGV von 28. Dieser Wert ist per se noch nicht zu hoch. Trotzdem stürzte der PG-Kurs Anfang 2000 wegen Abreißens des Gewinnsmomentums um über 40% ab.

Dennoch sollte ein KGV> ca.22 stets besonders aufmerksam werden lassen. Siehe eben auch P&G.
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26.03.02 14:30:54
@Simonswald,

eine Sache stört mich ein bischen an dieser Diskussion.

Ich selbst habe 1986 zum ersten mal in Aktien investiert. Wenn jemand zu diesem Zeitpunkt gesagt hätte, ein KGV von 28 ist nicht hoch ..... und das ohne die ganzen Verzerrungen durch Stock options, Goodwill(nicht-)abschreibungen etc. (das waren noch mehr oder weniger "echte" Earnings").

Auch unter Berücksichtigung von jetzt niedrigeren Zinsen im Vergleich zu damals ist für mich ein KGV von über 20 schon verdammt hoch.

Memy
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26.03.02 17:02:00
Ich schrieb: Ein KGV > 22 sollte besonders aufmerksam werden lassen.

Ich meinte dies natürlich in dem Sinne, dass bei solchen KGV besonders strenge Untersuchungen angestellt werden müssen, ob dies überhaupt noch gerechtfertigt sein kann.

Die KGV sind gegenwärtig zwar hoch, aber wie ich meine "fair".
Es gibt eigentlich kaum unterbewertete Aktien. Und damit wenig Aussicht auf sehr hohe Renditen durch Aktienkauf. Die Gründe hast du schön beschrieben.
Auf der anderen Seite ist die Bewertung eben fair. Und wenn man Unternehmen finden kann, die über einige Jahre hinweg noch expandieren oder Kosten senken können, kann man auf diesem Weg gut fahren.

Ich werde noch in einen Beitrag beschreiben, weshalb ich viele Werte fair bewertet sehe (auch unter dem Aspekt der langjährigen Durchschnittszinsen, nicht nur der aktuellen).
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26.03.02 17:07:12
Diesen Beitrag habe ich ursprünglich in einer anderen Diskussion geschrieben:


Du schreibst, die Marktteilnehmer wüssten bei bestimmten Unternehmen bereits über deren Eigenschaft als „klassische Wachstumsunternehmen“ und haben dieses besondere Charakteristikum bereits „eingepreist“, Wachstumstitel seien somit bereits zu teuer. Die KGV bei diesen Unternehmen seien für das aktuelle konjunkturelle Umfeld zu hoch und deshalb sei es angeraten, hier auf fallende Kurse zu spekulieren.

Ich habe mir deine Gedanken am Beispiel dreier „typischer“ Wachstumsunternehmen einmal auf Plausibilität hin angesehen.


Die Unternehmen waren Automatic Data Processing ADP (quartalsweise steigende Gewinne seit rund 30 Jahren), Medtronic und Abbott Labs ABT (ansteigender Kursverlauf seit ca. 1973/75).

Abott hat ein für 2003 erwartetes KGV von rund 22. Bei ADP beträgt der Wert ca. 24. Bei Medtronic ca. 29.
Geht man vom aktuellen bzw. dem historisch durchschnittlichen Marktzins von Staatsanleihen aus, so liegt ein „faires“ KGV zwischen 13 und 19.

Wenn ich unterstelle, dass diese beiden „klassischen Wachstumsunternehmen“ noch zumindest für 5 weitere Jahre ihre Gewinne jährlich steigern können und danach eine Stagnation eintrete, so liegt das KGV für 2008 bei:

Abott
Szenario (5 Jahre Wachstum mit 8%) : 14,9


ADP
Szenario (5 Jahre Wachstum mit 10%): 15


Medtronic
Szenario (5 Jahre Wachstum mit 14%): 16




Unter der Annahme, dass diese Unternehmen noch für fünf Jahre ihre Dynamik beibehalten und dann stagnieren, ist die aktuelle Bewertung der Unternehmung im Grunde fair. Zum selben Ergebnis kommt man, wenn man das aktuelle KGV mit dem Durchschnitts-KGV dieser Unternehmen in den letzten 20 Jahren vergleicht.
Ich sehe somit keine Anzeichen für eine Überbewertung bei diesen Wachstumsunternehmen, es sei denn ihre Margen und Gewinne würden dereinst sinken.

Geht man davon aus, dass die Wachstumsdynamik noch länger als 5 Jahre anhält, sind die Unternehmen sogar in meinen Augen unterbewertet.


Du schreibst ebenfalls, die Kapitalisierung der Wachstumsunternehmen sei bereits zu hoch. Dies ist im aktuellen Vergleich mit ehemaligen Wachstumsbranchen (Automobil, Kunststoff), die nach ihrer Expansionphase aber Rückgänge im Margenbereich zu verarbeiten hatten, zwar wahr, geht man aber davon aus, dass heutige Wachstumsunternehmen ihre Margen und Gewinne zumindest aufrecht erhalten können, so ist die Bewertung nicht unter- aber eben auch nicht überbewertet.


Ich weiss natürlich auch, dass diese KGV eben eine noch mehrjährige positive Entwicklung voraus setzen. Und eben in diesem Punkt sind viele anderer Ansicht
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26.03.02 17:11:59
Letztlich muss man für sich die Frage beantworten, für wie realistisch man es erachtet, dass Unternehmen mit erhöhten KGV noch einige Jahre (vielleicht 5) die Gewinne steigern können (am Besten "echte earnings" wie memy richtig schreibt) oder ob diese Unternehmen bereits stagnieren oder ihren Zenit überschritten haben, womit eine deutliche Überbewertung vorläge.
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26.03.02 17:38:03
Aber ist es überhaupt sinnvoll, bestimmte KGV rechtfertigen zu versuchen?

Viel versprechender könnte es sein, nach interessanten an Statt fair bewerteten Aktien Ausschau zu halten.
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26.03.02 23:46:04
<Aber auf welch anderes Kriterium als auf das Gewinnmomentum soll bei der Anlageentscheidung abstellen?<

Ich würde einfach eine persönliche und realistische Renditevorstellung finden. Vergiss die Börse und all die Kurse. Kein Mensch weiß, wieviel andere Anleger in einer Woche oder in einem Jahr für eine Aktie bezahlen. Stelle dir mal vor, du findest ein Unternehmen, daß nach deiner Einschätzung in jedem künftigen Jahr mit großer Sicherheit 2 $ Dividende zahlt. Wenn du zum Kurs von 10 $ kaufst, kannst du 20 % Rendite p.a. erwarten. Wenn du 20 $ zahlst, werden es nur 10 % sein. Wenn du nur mit 20 % Renditechance investieren magst, darfst du nur für 10 $ kaufen. Fertig. Wenn dir das gelingt würd ich die Aktie liegen lassen, einen trinken und sehr zufrieden sein. Sollen die Leute Kurse handeln wie sie wollen, deine Verzinsung bleibt bei hervorragenden 20 %. Vielleicht sind nach deinem Kauf ja andere Leute auch mit 20 % Rendite zufrieden, vielleicht sind sogar Leute mit 10 % Rendite zufrieden, dann steigt der Kurs auf 20 $. Kurse müssen nicht steigen, weil die Gewinne steigen, die Kurse können auch vorher einfach günstig gewesen sein. Viele Firmen behalten Gewinne ein und zahlen nicht den ganzen Gewinn als Dividende aus. Dann kommt es darauf an, wie die Firma die einbehaltenen Gewinne verzinst, sprich es kommt auf den langfristig erzielbaren ROI an. Bei der Renditevorstellung bräuchtest du dir kein Unternehmen ansehen, daß realistisch betrachtet Gewinne mit weniger als 20 % reinvestieren kann. Wenn sie langfristig mit 30 % ROI arbeiten, könntest du sogar mehr bezahlen als 10 $ um 20 % Rendite zu erhalten, aber solche Firmen sind sehr selten. Außerdem liegt die Verzinsung für risikolose Anlagen derzeit sehr niedrig, d.h. es gibt viele Anleger, die schon mit Minirenditen wie 3 oder 4 % zufrieden sind und dementsprechend hohe Preise bezahlen. Cola z.b. zahlt mittlerweile fast den ganzen Gewinn aus und die Leute sind offenbar auch mit 1.6 % (Div.-)Rendite zufrieden, obwohl Cola kaum neu erwirtschaftetes Kapital gewinnbringend mehr anlegen kann. Steigen die Zinsen, werden auch die Aktien früher oder später in Relation zu den Renditeaussichten auf günstigere Preise zurückkommen. Wenn du von daher derzeit schon mit 10 % Rendite zufrieden wärst, kämen nun wieder viel mehr Unternehmen für dich in Frage, usw.
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27.03.02 00:00:33
zu ergänzen wäre vielleicht:
man könnte insofern natürlich auf Kurssteigerungen hoffen, indem man annimmt, daß Anleger mittel-langfristig mit 10 % Rendite zufrieden wären. Um beim Bsp. zu bleiben, könntest du o.g. Aktie zu 15 $ kaufen und bei 20 $ verkaufen, da es ziemlich schnell gehen kann, daß Leute eine 10 % Renditechance wieder erkennen und den Kurs als zu niedrig begreifen. Wenn du eine andere Firma findest, die entsprechend obigem Bsp. sogar mindestens 3 $ Dividende auszahlen dürfte, könntest du diese Aktie für sagen wir 22 $ kaufen und hättest noch eine bessere Wahl getroffen, denn von 22 auf 30 $ sind mehr als von 15 auf 20 $. So mache ich es eigentlich derzeit, weil ich nicht viele Langfristinvests finde (hohe Div.rendite, hoher ROI). Ansonsten sind all die Kursziele, Stoppkurse, Chartsignale oder technischen Daten die man irgendwo zu hören bekommt absolut unseriöser Blödsinn. Jeder Anleger muß selber wissen, ob er eine Renditechance wahrnimmt oder nicht, da können keine Analysten mit ihren saublöden Quartalsupdates für eine undefinierte Masse sprechen.
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27.03.02 11:02:57
Ein anderer Vorteil ist die größere Vergleichsgruppe bei den US-Werten. Dies liegt aber in der angelsächsischen Kapitalmarkttradition begründet. Dort gehen mehr Unternehmen den Weg zur Eigenkapitalbeschaffung über die Börse.
Hat man einen interessanten US-Titel gefunden, gibt es gleich noch eine Anzahl an Unternehmen aus der selben Branche, die man hierzu vergleichen kann.


Eine Statistik mag dies belegen: In den USA werden ca. 20% der Häuser von börsennotierten Gesellschaften erstellt. Zwar habe ich keine Daten, doch scheint es mir aus der Erfahrung sehr wahrscheinlich, dass dieser Wert in Deutschland wesentlich niedriger liegt. Hier ist die Baubranche eher noch in Familiengesellschaften organisiert. Auf Anhieb fallen mir in Deutschland aus diesem Bereich nur drei Fertighausproduzenten (Kampa-Haus) sowie einige Immobilienbestandsgesellschaften (z:B. GBH) ein, die börsennotiert sind.




Eine Zusammenfassung der bisher besprochenen Vorteile und Nachteile des US-Kapitalmarktes im Nebenwertebereich folgt.
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27.03.02 11:41:30
@Simonswald,

bei Deiner letzten Aussage beisst sich ein bischen die Katze in den Schwanz.

Wenn ich viele Vergleichswerte habe, wie in den USA, dann heisst das, dass in der Regel zwar nicht alle gleich aber einigermassen fair bewertet sind (innerhalb Ihrer Peer Group).

Es ist ja keine so große Kunst, die Kennzahlen nebeneinander zu stellen und zu vergleichen.

Interessanter ist das aber bei Unternehmen wo es eben keine Vergleichswerte gibt. hier ist die Wahrscheinlichkeit von Abweichungen zum fairen Wert (nach unten und nach oben !!) deutlich größer, weil sich eben keine Benchmark finden lässt.

Denke mal darüber nach ......
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27.03.02 16:27:54
zu #20+#21:

sehr schön geschrieben! Besser hätte es Buffett selbst nicht ausdrücken können.

M.f.G. thomtrader
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10.04.02 10:40:51
Kennt Ihr in Europa ein börsennotiertes Unternehmen, das in etwa die folgenden Tätigkeiten ausübt und diese als Kernkompetenz hat. Entsorgungstöchter großer Energiekonzerne sind dabei ausgeschlossen.


Das Unternehmen bietet Tankstellen eine Maschine zur Reinigung verölter Autoteile an. Von Zeit zu Zeit kommen die Leute dieses Unternehmens vorbei, um den dreckigen Ölschlamm aus den Maschinen zu entleeren und in eine Raffinerie zu bringen.
Oder aber das Unternehmen ist in der Entsorgung der Fettabfälle der Restaurants und anderer „Schweinereien“ tätig.


In den USA gibt oder gab es solche börsennotierten Unternehmen.
Auch wenn ich zustimme, dass us-amerikanische Aktien vielleicht zu teuer sind und man aus Europa die Entwicklung dieser Unternehmen relativ schwer verfolgen kann, glaube ich auf Grund der Tatsache, dass es dort solche „sonderbaren“ Nischenunternehmen gibt, dass die USA das Paradies für den Stockpicker sind.
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10.04.02 17:45:33
B.U.S.(528573)

M.f.G. thomtrader
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29.04.02 01:08:08
In angelsächsischen Geschäftsberichten findet man regelmäßig "Ten Year Overviews", die Gewinn- und Umsatzreihen über einen langen Zeitraum.

Obwohl diese Angaben in meinen Augen wichtig sind, finde ich sie hierzulande noch nicht allzu oft angegeben.
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14.05.02 12:54:35
Auch die Schweiz ist unter dem Gesichtspunkt Auswahl ein „Paradies“ für den Anleger.
Dort sind rund 250 Gesellschaften börsennotiert, davon rund 180 mit einer Kapitalisierung von über 100 Mio. Euro.

Um auf ein ähnliches Verhältnis (börsennotierte AG je Einwohner)zu kommen, müssten in
Deutschland annähernd 3.000 Gesellschaften notiert sein! In den USA müssten es über 10.000 Gesellschaften sein.


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