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K P M G

"Keine Einwendungen"


Das Unternehmen prüfte auch die Bilanzen der KirchMedia, ehe sie Insolvenzantrag stellen musste.

Hamburg - Die Berliner Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft KPMG war auch bei dem gerade gestürzten Münchner Medienunternehmer Leo Kirch für die Prüfung von Jahresabschlüssen zuständig. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL hatte Kirch die Gesellschaft schon 1998 zu Bilanzprüfern bestellt.

Noch im Frühjahr 2001 sahen die Prüfer bei der nun in die Insolvenz gerutschten KirchMedia keinen Anlass zur Beunruhigung. Mit Datum vom 25. Mai testierte KPMG in einem "Bestätigungsvermerk" die KirchMedia-Bilanz für das am 31. Dezember 2000 abgelaufene Geschäftsjahr uneingeschränkt: "Unsere Prüfung hat zu keinen Einwendungen geführt."

Kein Hinweis auf Liquiditätsprobleme

Claus-Peter Weber, Professor für Wirtschaftsprüfung an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken, nennt das Kirch-Urteil der KPMG "zumindest ungewöhnlich". "Schon die im Geschäftsbericht veröffentlichten Zahlen", so Weber gegenüber DER SPIEGEL, "zeigen doch, dass KirchMedia auf eine erhebliche Liquiditätsenge zumarschierte - darauf wird nicht hingewiesen."


Unterdessen hat sich KPMG-Chef Harald Wiedmann für eine stärkere Kontrolle der Wirtschaftsprüfer ausgesprochen. Mit Ausnahme der Geldwäsche, wo Anzeige erstattet werden muss, stünden die Prüfer zumeist alleine da. "Ich würde mir schon wünschen, dass der Gesetzgeber uns in anderen Konfliktfällen ebenfalls klare Regeln an die Hand geben würde", sagte Wiedmann dem "Handelsblatt".

"Der Gesetzgeber könnte dem Wertpapieraufsichtsamt die gleichen Prüfungsrechte geben, wie sie das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen hat", erklärte Wiedmann. Eine solche Behörde könnte sich an dem Vorbild der US-Wertpapieraufsicht SEC orientieren. In strittigen Fällen könnte diese Einrichtung dann auch in Deutschland ein weiteres Prüfungsteam zu dem betroffenen Unternehmen schicken.

"Vertrauen in den Berufsstand bewahren"

Wiedmann räumte ein, er wisse selbst, dass diese Forderung nicht auf Gegenliebe stoße. Ihm gehe es aber darum, das Vertrauen in den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer zu bewahren. Kritische Wirtschaftsprüfer seien derzeit wichtiger denn je. Darum müssten die Prüfer vor allem "genau einsteigen und auch hartnäckig sein, wenn sie mit einer Bilanzierung nicht einverstanden sind", sagte Wiedmann.

Die KPMG steht derzeit wegen der Skandale bei Phenomedia und Comroad in der Kritik. Comroad hat nach jetzigen Erkenntnissen einen Großteil der Umsätze erfunden. Daraufhin hatte KPMG am 24. April die Bestätigungsvermerke für die Jahresabschlüsse 1998 bis 2000 widerrufen und will nun rückwirkend alle im vergangenen Jahr erteilten Testate für rund drei Dutzend Nemax-Firmen noch einmal überprüfen.
N E U E R   M A R K T

"Bei uns gibts keine Nachprüfungen"





Von Christian Buchholz

Nachprüfungen werden vorerst auf KPMG-Mandate beschränkt bleiben - die Mitbewerber drücken sich noch vor einer Antwort.

Frankfurt - Während der Wirtschaftsprüfer KPMG keinen Aufwand scheut, um den Verdacht von fehlerhaften Testaten am Neuen Markt auszuräumen, sehen die anderen vier namhaften Prüfer keinen Handlungsbedarf. "Es gibt für uns keinen Anlass, rückwirkend Mandate erneut zu prüfen, weil unsere Testate grundsätzlich mit einem sehr hohen Qualitätsstandard durchgeführt werden", sagte ein Sprecher der Geschäftsführung von Deloitte & Touche gegenüber manager-magazin.de.

Nicht in einem Fall sieht das Münchener Unternehmen eine Notwendigkeit, bereits erteilte Bilanz-Beurteilungen noch einmal zu überprüfen - und dies gelte "nicht nur für Mandate am Neuen Markt", so der Deloitte & Touche-Sprecher weiter.

KPMG hat angeblich schon mehrere Mandate verloren

Die Prüfer Arthur Andersen, Ernst & Young und PricewaterhouseCoopers noch keine eindeutige Linie gefunden und zieren sich, gegenüber mm.de eine eindeutige Antwort zu geben. Aus Unternehmenskreisen heißt es, dass es auch bei diesen Adressen keine Pläne für ähnliche Aufroll-Aktionen wie bei KPMG geben werde.

"KPMG versucht mit einer Nach-Vorne-Verteidigung, das Abwandern von Mandanten zu verhindern", schildert ein Börsenexperte gegenüber manager-magazin.de die Motivation für die in der deutschen Unternehmensgeschichte einmalige Aktion des Prüfers. Angeblich haben nach dem Comroad-Skandal bereits mehrere Unternehmen ihre KPMG-Verträge gekündigt.
K P M G

Die Liste - neuer Bilanztest für fast 40 Firmen





Das gab es noch nie: Bei über drei Dutzend Nemax-Firmen will die KPMG ihre bereits erteilten Testate überprüfen - rückwirkend bis 2001 einschließlich.




Unternehmen
Bilanzierungsmethode
Chart


Abit AG
IAS



AC-Service AG
IAS



Ad Pepper Media N.V.
US-GAAP



Advanced Photonics AG
IAS



Articon Integralis AG
IAS



Asclepion-Meditec AG
US-GAAP



BEKO Holding AG
IAS



BETA Systems Software AG
US-GAAP



Bipop-Carire S.p.A.
IAS



BRAINPOOL TV AG
IAS



Buch.de Internetstores AG
US-GAAP



Caatoosee AG
US-GAAP



ComRoad AG
HGB/US-GAAP ÜLR



Concept AG
US-GAAP



Constantin Film AG
US-GAAP



Dialog Semiconductor Plc.
US-GAAP



Dino Entertainment AG
HGB/US-GAAP ÜLR



Easy Software AG
IAS



Edel music AG
HGB/US-GAAP ÜLR
Die Liste - neuer Bilanztest für fast 40 Firmen (2)



Unternehmen
Bilanzierungsmethode
Chart


Euromicron AG
US-GAAP



Evotec Biosystems AG
US-GAAP



Gericom AG
US-GAAP



I-D Media AG
US-GAAP



IM Internationalmedia AG
IAS



In-Motion AG
HGB/US-GAAP ÜLR



Integra S.A.
US-GAAP



Intertainment AG
IAS



Lycos Europe N.V.
US-GAAP



Musicmusicmusic Inc.
US-GAAP



Pankl Racing Systems AG
IAS



Paragon AG
IAS



Phenomedia AG
IAS



Pixelpark AG
HGB/US-GAAP ÜLR



Rücker AG
US-GAAP



TDS Informationstechnologie AG
US-GAAP



Technotrans AG
IAS



TePla AG
US-GAAP



Update.com Software AG
US-GAAP



Web.de AG
US-GAAP




Quelle: Institut für Wirtschaftsprüfung an der Universität des Saarlandes (www.iwp.uni-sb.de), Stand Juni 2001.
Lesetipp: Küting, Karlheinz - "Bilanzierung und Bilanzanalyse am Neuen Markt"; Markt, Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2001.
C O M R O A D

Erstunken und erlogen




Von Lutz Reiche

Der Skandal weitet sich aus. Auch bei den Umsätzen von 1998 bis 2000 hat Gründer Bodo Schnabel offenbar getrickst. Aktionärsschützer sehen für den Neuen Markt nur noch wenig Hoffnung. Wirtschaftsprüfer von KPMG verblüffen indes mit späten Einsichten.


Frankfurt - Die schlimmsten Befürchtungen von Aktionärsschützern und Investoren haben sich bestätigt: Der Bilanzskandal bei dem Telematik-Anbieter Comroad im vergangenen Jahr war nur die Spitze des Eisberges. Auch in den Jahren 1998 bis 2000 hatte das Unternehmen einen Großteil seiner Umsätze frei erfunden. Das ergab jetzt eine Sonderprüfung des Unternehmens durch die Wirtschaftsprüfer Rödl & Partner.

Allein im Jahr 2000 seien 97 Prozent des damals genanten Umsatzes von 85,8 Millionen Mark über die Firma VT Electronics Ltd. in Hongkong abgewickelt worden, die vermutlich nicht existierte. Im Jahr 1999 seien es 86 Prozent der ausgewiesenen Umsätze von 20,01 Millionen Mark gewesen. 1998 gab das Unternehmen an, 63 Prozent seiner Umsätze von angeblich 2,86 Millionen Mark Umsatz mit der Firma in Honkong abgewickelt zu haben.

Keine Hinweise für Geschäfte mit VT Electronics

"Das ist der Gipfel der Skandale am Neuen Markt", sagte Reinhild Keitel, Sprecherin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), gegenüber manager-magazin.de. Der stellvertretende SdK-Vorstandchef Markus Straub sprach von "Komplettbetrug".


Die von den den KPMG-Wirtschaftsprüfern testierten Bilanzen hätten sich als "Lug und Trug" erwiesen. Straub: "Das ist eine neue Dimension. So krass war es noch nie."

Den Wirtschaftsprüfern von Rödl & Partner zufolge konnten keine Anhaltspunkte gefunden werden, dass tatsächlich Geschäfte mit VT Electronics ausgeführt wurden und diese Gesellschaft zu "irgendeinem Zeitpunkt" existierte.

Wegen der gefälschten Bilanzen war Comroad von der Deutschen Börse vergangenen Freitag fristlos aus dem Nemax 50 verbannt worden. Die Zulassung der Comroad-Aktie zum Geregelten Markt bleibe von der Entscheidung zunächst unberührt, hieß es seitens der Börse.

Die Aktie war nach den ersten Gerüchten über Bilanzfälschungen deutlich unter die Marke von einem Euro gefallen und notierte zuletzt bei etwa 0,20 Euro. Eine baldige Insolvenz des angeschlagenen Unternehmens ist nach Ansicht von Experten sehr wahrscheinlich.

Comroad-Gründer und Vorstandschef Bodo Schnabel sitzt wegen des Vorwurfs des Kursbetrugs seit Ende März in Untersuchungshaft. Auch gegen seine Frau Ingrid, die Mitglied des Aufsichtsrates war, wird ermittelt.
Erstunken und erlogen (2)




Von Lutz Reiche



Das Unternehmen hat unterdessen nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" veranlasst, dass Vermögenswerte des Ehepaares in Höhe von 21 Millionen Euro eingefroren wurden. Das Amtsgericht Pfaffenhofen habe auf Antrag von Comroad-Aufsichtsratschef Andreas Löhr einen so genannten Arrestbeschluss gegen Grundstücke und Konten der Schnabels erlassen.

Sein Antrag sei erfolgreich gewesen, obwohl Ingrid Schnabel ihrerseits mit einer vorsorglichen Schutzschrift das Vermögen vor dem Zugriff des Gerichts sichern wollte, ergänzte Löhr.

Strafanzeige gegen KPMG

Vor dem sich nun ausweitendem Skandal stehen die Wirtschaftsprüfer von KPMG mehr denn je in der Schusslinie. Die Münchener Kanzlei Rotter hatte bereits Strafanzeige gegen den Prüfer erstattet. Sie wirft KPMG vor, "bedingt vorsätzlich falsch" testiert zu haben.

Jeder Laie hätte angesichts der überzogenen Angaben in den Abschlüssen stutzig werden müssen, argumentieren die Anwälte. Experten räumen Schadensersatzklagen allerdings wenig Chancen ein.

"Verheerendes Zeugnis für die Aktienkultur"

Mit diesem Gedanken könnte sich die SdK allerdings nur schwer abfinden. "Wenn sich aus so einem Betrug keine Schadensersatzmöglichkeit für Anleger ergibt, weder bei KPMG, noch den Konsortialbanken oder dem Unternehmen selbst, wäre dies ein verheerendes Zeugnis für die Aktienkultur", sagte Straub. "Dann haben wir einen Punkt erreicht, wo man jeden, der Geld in Aktien anlegt nur noch für verrückt erklären kann."

Im Hause KPMG ist man indes aufgewacht. Unabhängig von dem Ergebnis der Sonderprüfung sei man zu der Erkenntnis gekommen, dass ein Großteil des Umsatzes bei Comroad vorgetäuscht worden sei. KPMG wiederrief am Dienstag ihre Bestätigungsvermerke für die Bilanzen der Jahre 1998 bis 2000.

Neuer Markt: Das Stigma der Lüge überschattet alles

Aktionärsschützer hatten die Wirtschaftsprüfer dazu bereits vor Wochen aufgefordert. Ihnen waren zudem Hinweise zugegangen, dass KPMG bereits lange vor Aufkündigung des Mandats im Februar dieses Jahres Kenntnis von den Scheingeschäften hatte.

Die Zukunft des Neuen Marktes schätzten die Aktionärsschützer als besorgniserregend ein. "Jetzt wird sich kein Unternehmen mehr an dieses Segment wagen", mutmaßte Straub. Auf allen dort bereits notierten Firmen laste das Stigma der Lüge und Unseriosität allein durch ihre Zugehörigkeit zu diesem Segment und beschere ihnen einen negativen Abschlag. "Das wird kein potentieller Börsenkandidat auf sich nehmen", sagte Straub.

Börse plant "Neuemissions-Kodex"

Als äußerst gering schätzte Keitel auch die Chancen von Unternehmen ein, sich an dem Markt neues Kapital zu besorgen. "Wer sich gegebenenfalls durch einen Kapitalerhöhung zwischenfinanzieren muss, wird das vermutlich nicht können, weil am Neuen Markt nichts mehr läuft", sagte Keitel. Wenn hier nicht sehr bald die Wende eingeleitet, die Regeln und die Zugangsvoraussetzungen deutlich verschärft würden, sei der Markt tot.

Aktionärsschützer erhofften sich nun neue Impulse von der Deutschen Börse, die am Dienstag nach einer Niederlage vor Gericht die Ausschluss-Regeln ausgesetzte hatte. Am morgigen Mittwoch wolle die Börse nach Informationen der SdK einen Neuemissions-Kodex vorstellen, der strengere Regeln für die Platzierung von Aktien am Neuen Markt vorsehen soll.

Straub zweifelt allerdings daran, dass damit das Vertrauen in das Segment wieder hergestellt werden könne. "Der Ruf ist derart ramponiert, so schnell wird das nicht gehen", sagte er.
"Große Parallelen zum Fall Flowtex"




Neue Indizien deuten darauf hin, dass die Zahlen der AG bereits seit geraumer Zeit falsch waren. Damit geraten die Wirtschaftsprüfer von KPMG, die die Bilanzen von Comroad jahrelang testierten, zunehmend unter Druck. Nun prüfen Juristen die Möglichkeit von Schadensersatzklagen.

München - Der Bilanzskandal bei dem Nemax50-Unternehmen Comroad im Jahr 2001 war offensichtlich nur die Spitze des Eisbergs. Es gebe deutliche Hinweise darauf, dass auch die Umsätze in den Jahren 1998 bis 2000 zu einem Großteil nicht existierten, sagte ein Finanzexperte am Freitag der Nachrichtenagentur dpa in München.


"Wahrscheinlich sind Aktionäre, Analysten und der Aufsichtsrat von Anfang an betrogen worden", sagte er. Anders als der Abschluss 2001 seien die Bilanzen vor 2001 von Wirtschaftsprüfern der Gesellschaft KPMG testiert worden. "Die Parallelen zum Fall Flowtex sind sehr groß", sagte er.

Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) räumte KPMG indirekt ein, dass auch die früheren Bilanzen unrichtig gewesen sein könnten. Es bestehe der Verdacht, dass "mit hoher Wahrscheinlichkeit" auch Umsätze in den Jahren vor 2001 fingiert wurden.

KPMG hatte den Comroad-Bilanzen 1996 bis 2000 uneingeschränkte Testate erteilt. Nach SZ-Angaben erklärte die Gesellschaft, sie habe Comroad bereits vor 2001 auf Probleme hingewiesen, ohne das ein "begründeter Anlass zur Testatseinschränkung" erkennbar gewesen sei. Für eine endgültige Beurteilung müssten jedoch die Ergebnisse der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgewartet werden.

Aktionärsschützer hatten KPMG bereits am Donnerstag aufgefordert, ihre Rolle im Fall Comroad umfassend aufzuklären. Die Wirtschaftsprüfer hatten ihr Mandat vor wenigen Wochen wegen des Betrugverdachts niedergelegt. Nach einer Sonderprüfung durch die Gesellschaft Rödl & Partner gab der neue Comroad-Vorstand am Mittwoch bekannt, dass wohl nur ein Bruchteil des Umsatzes aus dem Jahr 2001 tatsächlich existierte.

98 Prozent des Umsatzes seien hingegen über Geschäftspartner in Asien verbucht worden, die es anscheinend nicht gab. Die Münchner Staatsanwaltschaft sieht ihren Verdacht durch das Ergebnis der Sonderprüfung erhärtet.
X E R O X - B I L A N Z S K A N D A L

KPMG in der Schusslinie





Die US-Börsenaufsicht SEC erhebt schwere Vorwürfe gegen den Kopiererhersteller Xerox. Das Management habe die Investoren systematisch in die Irre geführt. In die Kritik geraten auch die Wirtschaftsprüfer von KPMG.



Xerox: Der Kopiererhersteller soll Investoren systematisch betrogen haben


Washington/Stamford - In der Klageschrift, die am Donnerstag bei einem New Yorker Gericht eingereicht wurde, übt die SEC ungewöhnlich scharfe Kritik an der Xerox-Führung. Das Management habe "Investoren in die Irre geführt und betrogen", heißt es in dem 39-seitigen Papier. Nach Erkenntnissen der Ermittler sei dazu über vier Jahre hinweg ein weitreichendes System von Bilanzierungstricks genutzt worden, das der Bereicherung der Topmanager diente.

Xerox hatte sich Anfang der Woche bereit erklärt, die geforderten zehn Millionen Dollar Strafe zu zahlen und seine Geschäftsergebnisse für die Jahre 1997 bis 2000 neu zu ermitteln. Es handelt sich nach SEC-Angaben um die bisher höchste Strafe für solche Verstöße. Der Xerox-Verwaltungsrat muss außerdem ein Untersuchungsgremium zur Überprüfung der Buchführungsmethoden des Unternehmens einrichten. Dies hat die SEC am Donnerstag in Washington mitgeteilt.

Dubiose Buchführung über Jahre hinweg

Bei den SEC-Vorwürfen geht es vor allem um die vorgezogene Verbuchung von Umsätzen für das Leasing sowie für Wartungs- und Finanzierungseinkünfte für verleaste Xerox-Geräte. Xerox konnte zwar den Wert der verleasten Geräte sofort verbuchen, doch hätten die Wartungs- und Finanzeinnahmen über die Laufzeit der Leasingverträge verrechnet werden müssen. Xerox verbuchte stattdessen mit Hilfe seiner Buchführungspraktiken die Einnahmen aus der Wartung und Finanzierung schneller als erlaubt.


Die SEC warf Xerox vor, mindestens von 1997 bis 2000 Buchführungsaktionen durchgeführt zu haben, mit deren Hilfe die Firma die Erwartungen der Wall Street übertraf und den Anlegern die tatsächliche operative Leistung verheimlichte. Diese Aktionen hätten gegen die Rechnungslegungsregeln verstoßen. Hierdurch seien Ausrüstungsumsätze von mehr als drei Milliarden Dollar beschleunigt verbucht und die Vorsteuergewinne um rund 1,5 Milliarden Dollar erhöht worden.

"Xerox hat seine Buchführung verwendet, um seine operativen Ergebnisse zu polieren und zu verzerren, statt sie genau zu beschreiben", erklärte Stephen Cutler, der SEC-Aufsichtsdirektor.

Schwere Vorwürfe gegen KPMG

Mit schweren Vorwürfen muss sich auch KPMG, langjährige Wirtschaftsprüfer von Xerox, auseinander setzen. Nach Erkenntnissen der SEC hatte ein Prüfer von KPMG die Bilanzierungspraktiken zwar mehrfach kritisiert, dieser wurde aber auf Betreiben von Xerox von seinen Aufgaben entbunden.

Xerox-Chefin Anne Mulcahy hatte zuvor erklärt, der Vergleich lege die noch offenen Fragen mit der SEC bei. Die Behörde hat Xerox als Teil des Vergleichs insgesamt 90 Tage mehr Zeit zur Einreichung ihrer Geschäftsergebnisse für das Jahr 2001 und für das erste Quartal 2002 gegeben. Die Xerox-Aktien sind am Donnerstag um 2,4 Prozent auf 9,70 Dollar gefallen.
B A N K G E S E L L S C H A F T   B E R L I N

Ein klares Ungenügend




Abmahnung der Prüfer KPMG, PWC und Deloitte & Touche. Sie waren zu schlampig.

Berlin - Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (Bakred) hat laut "Tagesspiegel" (Freitagausgabe) die Bilanzprüfer der Bankgesellschaft und ihrer Töchter Landesbank sowie Berlin Hyp abgemahnt. Bakred-Präsident Jochen Sanio weist die Prüfer (KPMG, PWC und Wedit Deloitte & Touche) den Angaben zufolge auf deutliche Mängel ihrer Prüfberichte hin.

Risiken seien unterschätzt und das Risikomanagement der Institute zu positiv dargestellt worden, lauten die Vorwürfe. Das Bundesaufsichtsamt hat gesetzlich sogar die Möglichkeit, Bankenprüfer abzulehnen.

In einem Brief des Aufsichtsamts heißt es unter anderem, dass Prüfberichte der Landesbank Berlin (LBB) für 1998 und 1999 nicht "den aufsichtsrechtlichen Anforderungen" genügen. Die Bankenaufsicht will Berichte der abgemahnten Abschlussprüfer künftig "verstärkt auf Einhaltung der Vorschriften" überprüfen.
K P M G

4,75 Millionen plus Zinsen





Das Bankhaus Löbbecke verklagt die Wirtschaftsprüfer wegen der Flowtex-Pleite.

Berlin/Mannheim - Die Bank habe sich bei der Gewährung eines Kredits auf die Bestätigung von KPMG verlassen, dass die von Flowtex angegebene Zahl von Bohrmaschinen tatsächlich existiert habe, sagte Geschäftsführungsmitglied Birger Lassen am Mittwoch. Die Klage sei bereits vor einiger Zeit beim Landgericht Berlin eingereicht worden. Er bestätigte damit einen Bericht der Tageszeitung "Die Welt", wonach es um einen Betrag von 4,75 Millionen Mark plus Zinsen geht.

KPMG bezeichnete die Klage als unbegründet. Man werde alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um den vermeintlichen Ansprüchen entgegenzutreten. Extreme Betrugshandlungen wie bei FlowTex seien "mit den Mitteln und Maßnahmen im Rahmen einer Abschlussprüfung nicht aufzudecken". Auch KPMG werde von der zuständigen Staatsanwaltschaft zu den Geschädigten gezählt.

Im größten Wirtschaftsbetrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte mit einem strafrechtlichen Schaden von mehr als vier Milliarden Mark hatte die Flowtex-Gruppe über 3000 nicht existente Bohrsysteme an Leasingfirmen verkauft. Der Schwindel war trotz Betriebsprüfung und mehrerer Ermittlungsverfahren erst im Jahr 2000 endgültig aufgeflogen.

100 Millionen freiwillig gezahlt

KPMG-Prüfer hatten seit 1997 die Jahresabschlüsse der kriminellen Flowtex als einwandfrei testiert. Im Mai hatte sich KPMG zur Zahlung von 100 Millionen Mark an einen Pool von 76 geschädigten Banken und Leasingfirmen bereit erklärt, gleichzeitig jedoch betont, dass die KPMG-Mitarbeiter korrekt geprüft hätten. Dem Pool hatten sich jedoch das Bankhaus Löbbecke und einige andere Gläubiger nicht angeschlossen.

Als Sicherheit für den gewährten Kredit wären der Bank die Bohrsysteme im Notfall übereignet worden. Da es jedoch fast keine Maschinen gab, stand die Bank mit leeren Händen da.
KPMG: Außer Kontrolle
Von Sabine Rössing und Daniel Bögler, Frankfurt

Die Zunft der Wirtschaftsprüfer stolpert von Skandal zu Skandal. Jetzt werden erste Konsequenzen gezogen.

















Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Frankfurt








"Die Prüfer lockte ein riesiges Betätigungsfeld bei Start-ups", sagt Klaus Schneider, Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Blutjunge Wirtschaftsprüfer treffen auf noch jüngere Entrepreneure: Unerfahren stößt auf Unerfahren. Dabei müssen sie sich rumschlagen mit der kompliziertesten Materie nach der Kernphysik - der Bilanzierung eines Unternehmens, eines noch dazu, das vor kurzem erst aus dem Boden gestampft, heute an die Börse will.



Dieses Szenario zeichnen empörte Aktionärsschützer, wenn sie die Probleme geplatzter Anlegerträume am Neuen Markt beschreiben. Möglicher Weise zu recht.



Auf alle Fälle liegt das Wachstumssegment der Deutschen Börse den Wirtschaftsprüfern derzeit gewaltig auf dem Magen. Aufgeblähte Bilanzen, erfundene Umsätze mit Abnehmerfirmen, Produkte, die niemals produziert wurden, die Liste ist beeindruckend, die Fälle meist spektakulär: Comroad, Phenomedia, Ceyoniq, EM.TV, Metabox, Gigabell. Die Gefahren des Neuen Marktes, glaubt der Wirtschaftsprüfer und Vertreter der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK), Klaus Schneider, sei bei weitem noch nicht ausgestanden, weder für die Anleger noch für die, die ihre Interessen schützen sollten.





Grund zur Nervosität



Grund zur Nervosität haben alle, auch Banken, die die jungen Stars einst an die Börse brachten, Geldgeber, düpierte Aufsichtsräte, geprellte Mitgesellschafter. Aber bei der Suche nach den Schuldigen stehen die Wirtschaftsprüfer mal wieder ganz oben auf der Liste.



Sie erhalten jetzt die Quittung für den Aquisitionseifer vergangener Tage, finden ihre Kritiker wie der Aktionärsschützer Schneider oder der Nürnberger Wirtschaftsprüfer Bernd Rödl. Sie verweisen auf durchweg zweistellige Umsatzzuwächse bei den großen fünf marktbeherrschenden Wirtschaftsprüfungsunternehmen der Branche, den Big Five, im vergangenen Geschäftsjahr.



Die aufstrebenden Start Up-Betriebe aus den Wachstumsbranchen Biotech, Medien oder Internet sahen alle fünf Unternehmen noch vor einem Jahr als viel versprechendes Wachstumssegment auf einem hochkonzentrierten Markt: Es galt, künftige Börsenstars früh an das Unternehmen zu binden. "Future Power Companies" nannte E & Y die aufstrebende Klientel. Andersen und KPMG schwärmten öffentlich über ihre Erfolge bei den Gründer-Unternehmern. Es lockte, so formuliert es Klaus Schneider, "einfach ein riesiges Betätigungsfeld".





Versuchung Börsengang



Einen Börsengang zu begleiten, ist nicht nur wegen der eigentlichen Prüfung des letzten Abschlusses vor dem Gang aufs Parkett attraktiv. Es winkt eine lange Folge von Zusatzaufträgen, von der Schaffung börsenfähiger Strukturen bis zur steuerlichen Beratung zur Strukturierung der notwendigen Planungsrechnungen für Börsenprospekte. Zwar gilt der Grundsatz, nicht zu beraten, was später durch die eigene Gesellschaft geprüft wird. Doch, glaubt Schneider, sei der Übergang oft fließend.



Neben den Honoraren bescherten die Initial Public Offerings (IPO) interessante Arbeitsfelder für die Mitarbeiter, die sich als fähige Rechtsanwälte oder Steuerexperten beweisen wollen. Ein wichtiges Argument in einem Markt, in dem es über lange Zeit extrem schwer war, genügend qualifizierte Kräfte zu finden.



Die Auflistung der Marktanteile an den Prüfungsmandaten am Neuen Markt liest sich wie das Who is Who der Branche: Spitzenreiter ist nach einer aktuellen Statistik Andersen mit 19 Prozent, gefolgt von PricewaterhouseCoopers (PwC) mit 11,7 Prozent, Ernst & Young und KPMG mit knapp unter 11 Prozent.





KPMG unter Druck



Die Skandale der vergangenen Wochen bringen die Prüfer heute unter Druck. Allen voran die KPMG, die mit einem Gesamtumsatzwachstum von 25 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro den ewigen Marktführer PwC in Deutschland im letzten Jahr überholte. KPMG testierte seit 1998 die Comroad-Bilanzen, prüfte Moorhuhn-Erfinder Phenomedia und musste den Geschädigten des bankrotten Herstellers von Horizontalbohrsystemen, Flowtex, eine Rekordsumme von 100 Mio. Euro Schadensersatz zahlen.



Vor allem am Fall Comroad entlädt sich der öffentliche Zorn. Immerhin hatte die größte deutsche Prüfungsgesellschaft dem Hersteller von Navigationssystemen bis zum Jahr 2001 uneingeschränkte Testate ausgestellt. Und das, obwohl ein erfundener Abnehmer in Hong Kong für bis zu 97 Prozent des Umsatzes verantwortlich zeichnete. Die KPMG-Prüfer ließen sich per Fax die Aufträge bestätigen, einen Auszug aus dem Handelsregister verlangten sie nicht. Auch die Schwesterfirma in Hong Kong wurde nicht gebeten, die Existenz des wichtigen Kunden zu überprüfen. Von Anfängerfehlern spricht deswegen Branchenkritiker Karlheinz Küting und erhält dafür viel Beifall.



Eine Prüfungsgesellschaft könne nicht sämtliche Kunden als potenzielle Betrüger betrachten, wehrt sich KPMG-Chef Harald Wiedmann. Einem gekonnten Betrug müsse ein Wirtschaftsprüfer aufsitzen. Schließlich verfüge man nicht über das Instrumentarium staatlicher Strafverfolgungsbehörden.



Doch wissen die Prüfer natürlich, dass gerade bei Startup-Unternehmen immer Vorsicht geboten ist. Selbst wenn kein Betrug im Spiel ist: "Es handelt sich meist um junge Unternehmen mit einem jungen, in der Rechnungslegung unerfahrenen Management", sagt Ernst & Young-Vorstandsmitglied Norbert Pfitzer. "Die Betriebe wachsen zudem sehr schnell. Nicht selten halten die internen Kontrollsysteme nicht Schritt."





Stagnierende Honorare



Deswegen werden die rund 40 Neue-Markt-Mandate bei Ernst & Young automatisch einer höheren internen Risikoklasse zugeordnet. Das bedeutet zusätzliche Kontrollen durch erfahrene Partner, die in das Mandat nicht eingebunden sind, so Pfitzer.



Gerade bei jungen Unternehmen, die an die Börse strebten, geht es darum, Zukunftsaussichten hochzurechnen. Für Wirtschaftsprüfer sei das oftmals nicht leicht zu belegen, sagt der Vorstandschef der BDO Deutsche Warentreuhand, Christian Dyckerhoff.



Heute zeigt sich, dass solche Vorsicht angebracht ist. Spätestens jetzt werden die schwierigen Kunden bei allen großen Prüfungsgesellschaften genauer unter die Lupe genommen. Die KPMG sorgte vor wenigen Tagen für Aufsehen, als sie kund tat, alle 36 Neue-Markt-Unternehmen aus gegebenem Anlass komplett in die interne Nachkontrolle einzubeziehen. Üblich ist das bei KPMG eigentlich nur für rund 10 Prozent der geprüften Jahresabschlüsse.



Für Kritiker wie Rödl, Schneider oder Küting kommt diese Maßnahme entschieden zu spät. Ihrer Meinung nach machen die Prüfungsgesellschaften noch immer die selben Fehler, trotz der jedes Jahr heftigeren Schelte an ihrer Arbeit.



Häufigster Vorwurf: die fehlende Unabhängigkeit von den Firmen, die für die Durchsicht ihrer Bilanz ihre Prüfer schließlich bezahlen. Und der Druck auf die Honorare ist immens.



"Bei steigender Komplexität der Prüfung ist seit Jahren eine Stagnation der Honorare festzustellen", hieß es in einer Studie der Universität Saarbrücken bereits vor zwei Jahren. Daran hat sich offenbar bis heute nicht viel geändert.





Prüfungsqualität leidet



Natürlich hat das Auswirkungen auf die Prüfungsqualität. Indigniert berichten Finanzchefs von Heerscharen von Praktikanten und Auszubildenden, die mit riesigen Fragebögen hantierten und vor lauter Bäumen den Wald nicht sähen. Es fehle die Anleitung durch erfahrene Prüfungsleiter. Die aber seien überlastet und hätten viel zu wenig Zeit.



Unter diesem Missstand leide auch die durch das novellierte Aktienrecht geforderte Auseinandersetzung mit den Kontrollorganen der Firmen. Es braucht Mut, Erfahrung und Persönlichkeit, sich im Geschacher mit diesen um Interpretationen und Informationen durchzusetzen. Dabei fehle es Bilanzkontrolleuren oft an der kritischen Distanz, fürchtet Aktionärsvertreter Schneider.



Für ausbaufähig halten dagegen die Prüfer das Interesse der Aufsichtsräte. Eine lange Liste von Regelverschärfungen soll in den kommenden Jahren alle Beteiligten an der Unternehmensüberwachung in die Pflicht nehmen.



Ein Blick in die USA zeigt, dass der regulatorische Eifer - angeheizt durch die spektakuläre Pleite des Energieversorgers Enron - deutlich zugenommen hat. Der Fall Enron und das Misstrauen der Öffentlichkeit gegenüber Bilanztricksereien werde auch die Wirtschaftsprüfung in Deutschland massiv beeinflussen, glaubt KPMG-Chef Wiedmann. Am Donnerstag hat das Unterhaus des US-Kongresses in Washington ein neues Gesetz gebilligt, das die weitreichende Selbstregulierung der Branche drastisch einschränkt. In Zukunft stehen sie unter dem Kuratell der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission. Damit nicht genug: Demokraten im Senat fordern noch schärfere Regeln, inklusive einer strikten Trennung von Prüfungs- und Beratungsgeschäft. Auch auf europäischer Ebene ist das Nachdenken über Regelverschärfungen, die der Wirtschaftsprüfung zu alter Durchschlagskraft verhelfen sollen, wieder in vollem Gange. Im Gespräch ist ein obligatorischer Wechsel des Prüfungsunternehmens mindestens nach sieben Jahren. So alt müssen die Start-Ups von gestern allerdings erst einmal werden.
Comroad versucht Spieß umzudrehen

Der Bilanzskandal um Comroad geht in eine neue Runde. Jetzt erwägt das in die Schlagzeilen geratene Unternehmen rechtliche Schritte gegen die Wirtschaftsprüfer von KPMG.




KPMG hätte die Bilanzen jahrelang anstandslos testiert, sagte ein Comroad-Sprecher am Mittwoch in München. Darauf hätten sich sowohl die Mitarbeiter als auch Analysten und Aktionäre des Telematik-Unternehmens verlassen. Der wirtschaftliche Schaden, der Comroad durch die lange Zeit unbemerkten Bilanzfälschungen entstanden ist, sei enorm.





Damit versucht das schwer angeschlagene Unternehmen offenbar, den Ball zurückzuspielen. Experten sprechen im Falle von Comroad vom bislang größten Skandal in der fünfjährigen Geschichte des Neuen Marktes. Aktionärsschützer fordern Schadenersatz. Die Deutsche Börse hatte das Unternehmen am Freitag mit sofortiger Wirkung vom Neuen Markt ausgeschlossen.







Umsätze erfunden



Die Firma aus Unterschleißheim musste Mitte April ihre Umsatzangaben für das abgelaufene Geschäftsjahr drastisch nach unten revidieren und gab nach einer Sonderprüfung zu, dass der für das Jahr 2001 bilanzierte Umsatz von 93,6 Mio. Euro fast komplett erfunden war. Nach neuesten Meldungen hatte Comroad vermutlich auch in den Jahren 1998 bis 2000 so verfahren.



Zuvor hatte das Unternehmen angegeben, dass mehr als 96 Prozent der Umsätze mit der chinesischen VT Electronics in Hongkong abgewickelt worden waren. Bei der Überprüfung der Comroad-Bilanz fanden Wirtschaftsprüfer jedoch keinen Beleg für die Existenz dieser Firma. Stattdessen gingen sie davon aus, dass die Umsatzzahlen mit Scheinrechnungen und vorgetäuschten Zahlungen frisiert wurden.



Nach dem Skandal um die gefälschten Bilanzen will die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG alle 36 von ihren Prüfern bereits kontrollierten Unternehmensbilanzen am Neuen Markt nochmals unter die Lupe nehmen, teilte KPMG mit.
Neuer Markt wird zum Tummelplatz für Verbrecher
Von Oliver Wihofszki

Die unablässige Reihe von Skandalen am Neuen Markt bringt Wirtschaftsprüfer, Bankanalysten, die Deutsche Börse und sogar den Gesetzgeber in Erklärungsnot. Es stellt sich die Frage, was getan wird, um solche Skandale in Zukunft zu verhindern.




Klaus Pollmann sah das Gewitter schon am Freitag aufziehen. "Als Ceyoniq Insolvenzantrag stellte, war mir klar: Da kommt noch was." Am Montag bestätigten sich die Vermutungen des Oberstaatsanwalts aus Bielefeld. Aus dem Fax schob sich eine Anzeige gegen die beiden Ceyoniq-Vorstände. Der Vorwurf: Betrug.



Bereits am Nachmittag kamen die beschuldigten Manager bei Pollmann vorbei und stellten sich freiwillig. Seither sitzen Jürgen Brintrup und Thomas Wenzke hinter schwedischen Gardinen. Sie sollen Bilanzen manipuliert haben, um bei Banken Kredite zu erschleichen. Wenzke hat bereits gestanden. Den beiden droht eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Der Traum vom Software-Millionär endet wohl hinter Gittern.



Die Betrügereien bei Ceyoniq sind leider kein Einzelfall am skandalträchtigen Neuen Markt. Auch die Unternehmen Comroad und Phenomedia stehen unter dem dringenden Verdacht, bei ihrer Buchführung allzu kreativ vorgegangen zu sein. Der frühere Comroad-Chef Bodo Schnabel sitzt deshalb bereits seit Ende März im Knast. Er soll fast den kompletten Umsatz für 2001 in Höhe von 93,6 Mio. Euro mit Luftbuchungen über eine nicht existierende Firma in Hongkong vorgetäuscht haben.



Beim Spielehersteller Phenomedia, der einst die deutschen Büros mit dem legendären Baller-Spiel "Moorhuhn" eroberte, wurden Vorstandschef Markus Scheer und Finanzchef Björn Denhard vom Aufsichtsrat fristlos entlassen. Grund: frisierte Bilanzen. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und die Pleite des Unternehmens sind ausgesprochen wahrscheinlich.





Kontroll-Mechanismen versagen

Die Skandale am Neuen Markt bringen Wirtschaftsprüfer, Bankanalysten, die Deutsche Börse und sogar den Gesetzgeber in Bedrängnis. Warum wurden die Bilanzschwindeleien nicht entdeckt? Warum wird noch immer nichts getan, um solche Skandale in Zukunft zu verhindern?



Die Versäumnisse der Kontrollbehörden bezahlen Aktionäre und seriöse Firmen am Neuen Markt mit barer Münze: Der Ruf ist ruiniert, Investoren scheuen das Segment, die Kurse sinken, Geld geht verloren. "Es ist schade, aber der Neue Markt ist zu einem Tummelplatz für Verbrecher und Betrüger geworden", meint ein resignierter Händler.



Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) befürchtet schlimme Folgen, wenn nicht bald etwas passiert: "Die Betrügereien sind nicht nur eine Katastrophe für den Neuen Markt. Sie gefährden die gesamte Kapitalmarktkultur in Deutschland." Der Aktionärsschützer hat wenig Hoffnung, dass ein Ende der Skandale abzusehen ist: "Wir rechnen mit weiteren Betrugsfällen. Die Bilanzsaison hat ja gerade erst angefangen."





Anleger verunsichert

Das Vertrauen in den Wahrheitsgehalt von Bilanzen hat stark gelitten - und damit das Vertrauen in die Wirtschaftsprüfer, die Geschäftsberichte von börsennotierten Unternehmen auf ihre Richtigkeit hin untersuchen. "Offensichtlich sind die Wirtschaftsprüfer dazu nicht in der Lage", sagt SdK-Vorstand Schneider. Besonders in der Schusslinie steht KPMG. Das renommierte Unternehmen prüfte sowohl bei Phenomedia als auch Comroad jahrelang die Bilanzen. Ohne dass irgendetwas auffiel.



Erst als die KPMG-Prüfer die Zahlen für 2001 untersuchten, wurden sie stutzig und verweigerten das Testat. Es besteht der Verdacht, dass die in den Vorjahren von KPMG abgenickten Abschlüsse ebenfalls fehlerhaft sind. Sonderuntersuchungen sollen jetzt Klarheit bringen.



Auch Bankanalysten haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein oder AC Research empfahlen beispielsweise die Aktie von Phenomedia noch Ende März zum Kauf. Seither ist der Aktienkurs von Werten um die acht Euro auf unter einen Euro eingebrochen. Die Analysten hatten sich vom vorläufigen Jahresabschluss der Moorhuhn-Erfinder täuschen lassen. Offenbar wurde der dort angegebene Jahresumsatz von 25,7 Mio. Euro mit angeblichen Forderungen von 22,5 Mio. Euro künstlich aufgeblasen.





"Deutsche Börse viel zu passiv"

Die ehrwürdige Deutsche Börse muss sich die Frage gefallen lassen, warum sie nicht reagiert. Mark Pohlmann, Sprecher des am Neuen Markt notierten Unternehmens Sinner Schrader, fühlt sich im Stich gelassen. "Die Börse ist viel zu passiv. Wir haben nicht das Gefühl, dass dort etwas gegen die Betrügereien getan wird."



Experten, wie der Analyst Marcus Blask von GBC Research, fordern jetzt schärfere Bilanzregeln und ein hartes Eingreifen des Gesetzgebers: "Wirtschaftsprüfer sollten genauso wie auch Vorstände oder Aufsichtsräte strafrechtlich verfolgt werden können. Zudem müssen die Rechtsgrundlagen für Schadensersatzforderungen schnellstens verbessert werden." Dann, so Blasks Hoffnung, läge die Hemmschwelle für Betrügereien höher, und die verunsicherten Aktionäre hätten bessere Chancen, bei betrügerischen Firmenpleiten wenigstens einen Teil ihres Geldes einzuklagen.
KlöCo-Geld liegt in Genf und Hamburg
Von Tasso Enzweiler, Hamburg

Die Affäre um die verschwundenen Millionen beim Duisburger Stahlhandelskonzern Klöckner & Co (KlöCo) beginnt sich aufzuklären. Einige Fragen bleiben aber.




Nach Informationen der Financial Times Deutschland ist der größte Teil jener 120 Mio. Euro, die seit Anfang Februar 2002 bei KlöCo vermisst werden, auf den Konten von zwei Banken gelandet: bei der Bank Melli, einer iranischen Handelsbank, in Hamburg, sowie bei der Union Bancaire Privée (UBP), einer noblen Schweizer Privatbank in Genf.



Wie übereinstimmend aus Kreisen von Banken, Klöckner und Wirtschaftsprüfern zu erfahren war, liegen bei Bank Melli rund 47 Mio. Euro der gesuchten Klöckner-Millionen. Bei dem Hamburger Kreditinstitut war am Montag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch von Seiten der UBP gab es auf Anfrage dieser Zeitung keine offizielle Reaktion.



Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf bestätigte, dass ihr die Aufenthaltsorte des Geldes bekannt sind. "Große Teile der gezahlten 120 Mio. Euro sind auf verschlungenen Wegen auf verschiedene Konten gelangt", sagte Sprecher Johannes Mocken. Zu Einzelheiten nahm er nicht Stellung. Er sagte allerdings: "Wir prüfen derzeit, ob wir die bei verschiedenen Banken identifizierten Gelder einfrieren lassen, um weitere Transaktionen zu verhindern."



Hintergründe unklar

Die Hintergründe für die Geldtransaktionen sind noch nicht eindeutig geklärt. Speziell die Frage, wer die Millionen transferiert hat und ob er dies überhaupt durfte, wurde bislang weder von der Staatsanwaltschaft noch vom Bundeskriminalamt noch von den Wirtschaftsprüfern der KPMG, die seit dem 14. Februar im Auftrag des KlöCo-Aufsichtsrates nach den Geldern suchen, abschließend beantwortet. "Allerdings ist jetzt immerhin klar, dass die KlöCo-Millionen an identifizierbaren Orten sind und nicht in irgendwelchen Steueroasen herumgeistern", sagt ein Kenner der Materie, der mit den Details der Geldsuche betraut ist.



Im vergangenen Oktober war Klöckner durch das Londoner Handelsunternehmen Balli übernommen worden. Zwischen beiden Firmen gab es erstmals erhebliche Irritationen, als der KlöCo-Vorstand Anfang Februar 2002 plötzlich feststellte, dass ein Betrag von rund 120 Mio. Euro in den Kassen der Duisburger Unternehmenszentrale fehlte. Am 14. Februar 2002 traten Hassan Alaghband, Miteigentümer von Balli und bis dahin Finanzvorstand von KlöCo, sowie David Spridell, bis dahin stellvertretender KlöCo-Vorstand für Rechnungswesen und Steuern, von ihren Posten zurück. Seit 18. Februar ermittelt der Staatsanwalt wegen des Verdachts der Untreue gegenüber KlöCo und wegen möglichen Betruges zum Nachteil der WestLB, die als Geschädigte in Frage kommt, da sie den KlöCo-Verkauf an Balli zu einem wesentlichen Teil finanziert hat.



Balli wollte den aktuellen Sachverhalt am Montag nicht kommentieren. Ein Sprecher verwies darauf, dass Balli von den Ergebnissen der KPMG-Prüfung, die in den kommenden Wochen präsentiert werden soll, eine klare Entlastung ohne Wenn und Aber erwarte.



Die Bank Melli Iran bezeichnet sich als "größte iranische Bank im Mittleren Osten". Für das Geschäftsjahr 2000/01 gibt die Bank ein Geschäftsvolumen für Deutschland von 629 Mio. Euro an. Als "Hauptgeschäftsfeld" werden auf der Website "Finanzdienste für Handel und Industrie" genannt.



Die Schweizer UBP gilt als sehr seriöses Geldinstitut. Die Bank mit Sitz in der Rue du Rhône in Genf bezeichnet sich als eine der führenden Schweizer Banken "speziell bei Asset Management und Securities".
MG Technologies: Neue Front im Bilanzfälschungsstreit

Im Schlagabtausch zwischen dem Vorstand der Frankfurter MG Technologies und dem Großaktionär Otto Happel hat MG-Chef Kajo Neukirchen nun die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Stellung gebracht.




Damit ist es nun auch zu einem offenen Streit zwischen zwei Prüfungsgesellschaften gekommen, ein in dieser Branche ungewöhnlich seltener Vorgang. Der Einzelaktionär Happel (Kapitalanteil 10 Prozent) hat - unterlegt mit einem Gutachten der renommierten PricewaterhouseCoopers (PwC) - beim Amtsgericht Frankfurt eine Sonderprüfung des Jahresabschlusses 1999/2000 beantragt. Darin wird dem MG-Vorstand Bilanzfälschung unterstellt. Nach der teilweisen Veröffentlichung dieses Gutachtens war es zu einem Kurseinbruch der MG-Aktien gekommen.





"Unseriöse Geschäftspraktiken"



In der Stellungnahme zu den PwC-Vorwürfen wirft die KPMG ihrer Konkurrenz unseriöse Geschäftspraktiken vor. Mit den Angaben aus dem MG-Geschäftsbericht würden Spekulationen über Zahlen und Sachverhalte angestellt. "Diese Spekulationen werden anschließend als unterstellte Tatsachen einer Beurteilung unterzogen, wobei zum Teil willkürlich gewählte Beurteilungsmaßstäbe zu Grunde gelegt werden." Die KPMG hatte dem umstrittenen Jahresabschluss ein uneingeschränktes Testat ausgestellt.



"Ich habe noch nie erlebt, dass jemand mit einem gesunden Halbwissen der tatsächlichen Sachverhalte ... zu solchen Schlussfolgerungen gelangt und diese auch noch als gutachterliche Stellungnahme verkauft", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" den KPMG-Vorstand Wienand Schruff.



Neukirchen unterstellt dem Großaktionär Happel eigene finanzielle Interessen. Happel hatte erst vor gut zwei Jahren sein eigenes Unternehmen - den Bochumer Anlagenbauer GEA - für eine Mrd. DM in bar und ein MG-Aktienpaket an den Konzern veräußert. Der von Happel später beabsichtigte Rückkauf der GEA-Landtechnik scheiterte jedoch am Einspruch Neukirchens. Der von Happel gebotene Kaufpreis war dem MG-Chef zu gering.
KPMG leidet unter Imageverlust

Trotz einem Rekordjahr 2000 rechnet das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG mit einem schwierigen Jahr.




Nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2000 mit einem Umsatzplus von 27 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro rechnet Vorstandssprecher Harald Wiedmann 2001 mit einem abgeschwächten Wachstum, das jedoch dennoch zweistellig ausfallen werde. "Bei vielen großen Mandanten ist Zurückhaltung zu spüren", sagte Wiedmann auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in Frankfurt.



Grund war die Kritik an den Wirtschaftsprüfern im Zusammenhang mit der Krise des Baukonzerns Philipp Holzmann und der FlowTex-Affäre. In beiden Fällen war ihnen vorgeworfen worden, auf wirtschaftliche Schieflagen nicht rechtzeitig aufmerksam gemacht zu haben. "Bei Holzmann ist von den Vorwürfen nichts übrig geblieben. Wir haben korrekt geprüft", sagte der Vorstandssprecher. Im Fall FlowTex würde KPMG von der Staatsanwaltschaft zu den Geschädigten gezählt.

Holzmann war Ende 1999 knapp dem Bankrott entgangen. KPMG war damals vorgeworfen worden, Altlasten von 2,4 Mrd. DM übersehen zu haben.



Im Kerngeschäft Wirtschaftsprüfung hatte KPMG Deutschland im Vorjahr einen Zuwachs von fast 16 Prozent auf 567 Mio. Euro erzielt. Das stärkste Wachstum verzeichnete das Beratungsgeschäft bei Unternehmenskäufen und -verkäufen sowie Sanierungen mit über 70 Prozent auf 53,5 Mio. Euro.





Möglicher Börsengang der Consulting-Tochter



KPMG will seine Tochter KPMG Consulting wahrscheinlich an die Börse bringen. "Ein Börsengang in Europa ist möglich", sagte Wiedmann. Denkbar sei aber auch die Einbringung in die bereits börsennotierte amerikanische KPMG-Consultinggesellschaft.



Durch die Umwandlung der KPMG Consulting GmbH in eine Aktiengesellschaft wurden die Voraussetzungen für einen möglichen Börsengang geschaffen. Die Beratungsgesellschaft, nach eigenen Angaben die drittgrößte im deutschsprachigen Raum, trug mit 362 Mio. Euro mehr als 30 Prozent zum Gesamtumsatz von KPMG Deutschland bei.
Nachprüfungspläne am Neuen Markt
Aktionärsschützer spotten über KPMG
Der Vorstoß der Wirtschaftsprüfer von KPMG, alle bereits testierten Jahresabschlüsse am Neuen Markt noch einmal zu überprüfen, hat bei Experten deutliche Reaktionen hervorgerufen. Sie reichen von Verwunderung bis Spott.



lü DÜSSELDORF. Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) bezeichnet das Vorgehen "als das blanke Eingeständnis, dass man seinen eigenen Fähigkeiten nicht vertraut." Für Karlheinz Küting, Chef des Instituts für Wirtschaftsprüfung an der Uni Saarbrücken ist dies wiedereinmal ein klarer Fall von Schlamperei "Wenn die Gesellschaft ordnungsgemäß geprüft hätten, wäre, eine nochmalige Kontrolle überflüssig."

Für Aktionärsschützerin Keitel stellt sich nach dem Skandalen um Comroad oder Phenomedia zudem die Frage, warum nur Neue Markt-Unternehmen erneut unter die Lupe kommen "Werden die etwa anders geprüft? Da kann man nur den Kopf schütteln".

Unternehmen, denen falsche Bilanzierung nachgewiesen werden kann, drohen Strafmaßnahmen bis hin zum Delisting. Allerdings komme es, so ein Sprecher der Gruppe Deutsche Börse, auf den Einzelfall an, etwa ob mit dem Entzug des Bestätigungsvermerks der gesamte Jahresabschluss nichtig wird.

Entdeckt der Prüfer nachträglich gravierende Mängel - etwa eine Überbewertung von Aktiva - so hat dies freilich die Nichtigkeit des Jahresabschlusses zur Folge, bestätigt Klaus-Peter Feld vom Institut der Wirtschaftsprüfer in Düsseldorf.

Dass mehr Bilanzen als zunächst angenommen falsch sind, aber dennoch als richtig abgehakt werden, zeigen auch Untersuchungen von Experten. Studien der Universität des Saarlandes und der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) kommen zu dem Ergebnis, dass Wirtschaftsprüfer immer mehr Fehler übersehen. So nahm Bilanzexperte Küting 342 Geschäftsberichte von Nemax-Titeln unter die Lupe. Sein Fazit: Wirtschaftsprüfer haben bei Unternehmen im Neuen Markt eklatante Verstöße gegen einschlägige Bilanzierungsvorschriften akzeptiert. "Es hat vor Fehlern nur so gewimmelt. Sie stehen allerdings in keiner Relation zu dem, was jetzt an Prüfungspleiten offenkundig wird."

Auch die in Berlin ansässige WPK entdeckte in einer Untersuchung von Abschlüssen des Geschäftsjahres 2000 unrichtige oder fehlende Angaben sowie falsche Testate. In einigen Fällen hat die Kammer gegen Prüfer berufsrechtliche Schritte eingeleitet. Für Küting ist die Negativ-Serie am Neuen Markt nicht verwunderlich: "Die Unternehmen konzentrieren sich in erster Linie auf ihr Kerngeschäft und weniger auf eine den Anforderungen des Kapitalmarktes genügende Rechnungslegung."
In den USA, auf europäischer Ebene und in Deutschland wird der Ruf nach schärferen Kontrollen lauter
Prüfer müssen sich warm anziehen
Enron, Tyco und jetzt Xerox - die Liste der Firmen, bei denen Wirtschaftsprüfer für eine geschönte Bilanz sorgten, wird ständig länger. Weltweit wächst der Druck, die Branche stärker zu kontrollieren.


lü/rut/tor DÜSSELDORF. Das weltweite Vorgehen gegen Wirtschaftsprüfer gleicht einer konzertierten Aktion: In den USA nimmt die Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) spätestens seit dem Enron-Debakel verstärkt Bilanzmanipulationen von US-Unternehmen ins Visier. Sie hat jetzt auch ihre Untersuchungen gegen Xerox ausgeweitet. Aber nicht nur ehemalige Manager des Kopiergeräteherstellers sind davon betroffen. Die Bilanzprüfer von KPMG müssen ebenso mit zivilrechtlichen Klagen rechnen.

Aufgeschreckt von den jüngsten Bilanzskandalen fordern Politiker in Washington eine grundlegende Reform der Branche. Im US-Kongress arbeiten Abgeordnete bereits an einem Gesetz, das die Wirtschaftprüfer zwingen würde, ihr Beratungsgeschäft abzugeben. Die lukrativen Beratungshonorare gefährden die Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfer, so der Vorwurf. Nicht nur die betroffenen Gesellschaften, auch SEC-Chef Harvey Pitt hält jedoch nicht viel von diesem Vorschlag. Pitt, der als Anwalt früher selbst in Diensten der Wirtschaftsprüfer stand, will lieber eine unabhängige Aufsichtsbehörde installieren. Die bisherige Kontrollinstanz, der so genannte Public Oversight Board, war ausschließlich mit Branchenvertretern besetzt und ist nach dem Enron-Skandal zurückgetreten.

In Europa beobachtet die Politik mit wachsender Ungeduld die Rolle der Wirtschaftsprüfer bei den sich häufenden Firmen-Finanzskandalen. Es gebe für diesen Berufsstand in der EU keine verbindlichen Verhaltensregeln und auch keine Qualitätskontrolle, klagen die EU-Finanzminister. Immerhin arbeitet die EU-Kommission an einem Verhaltenskodex für die Branche. Er sieht vor, dass Wirtschaftsprüfungsgesellschaften alle sieben Jahre einen neuen Senior-Partner für ihr Unternehmen bestellen müssen. Unheilige Allianzen zwischen dem Bilanzprüfer und dem geprüften Unternehmen sollen so vermieden werden. Die EU will diesen Verhaltenskodex allerdings bislang nicht verbindlich vorschreiben.

Auch in Deutschland sollen Wirtschaftsprüfer in die Pflicht genommen werden. Dies geht aus einem Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums zur Schaffung eines Transparenz- und Publizitätsgesetzes (TransPuG) hervor. So sollen sich Prüfer künftig auch dann melden, wenn sie die Bücher ihres Mandanten zwar abgesegnet haben, ihnen aber Unregelmäßigkeiten im Detail aufgefallen sind. Ferner sind Bewertungsänderungen und wesentliche Bewertungsgrundlagen ausführlich zu erläutern. Dargelegt werden soll zudem, welchen Einfluss Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechte auf die Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben. Dies gilt auch für die "sachverhaltsgestaltenden Maßnahmen".

Für eine bessere Kontrolle der Wirtschaftsprüfer soll in Deutschland auch der seit Anfang vergangenen Jahres geltende so genannte Peer Review sorgen. Dabei wird das interne Qualitätssicherungssystem von Wirtschaftsprüferpraxen durch andere Wirtschaftsprüfer kontrolliert. Wer sich nicht mindestens alle drei Jahre einer solchen Kontrolle unterzieht, wird von den gesetzlichen Abschlussprüfungen ausgeschlossen. Experten wie dem Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung der Universität des Saarlandes, Karlheinz Küting, geht das angesichts der jüngsten Skandale nicht weit genug. "Wir haben in Deutschland faktisch keine wirksame Kontrolle. Weder die Wirtschaftsprüferkammer noch der Peer Review sind wirksame Waffen gegen Betrug und Schlampereien", sagt Küting. Er fordert eine "staatliche neutrale Instanz", die das gesamte Bilanz- und Prüfungswesen überwacht "und die auch mit scharfen Sanktionen ausgestattet ist". Dabei solle auch die Möglichkeit geschaffen werden, gegenüber Wirtschaftsprüfern hohe Geld- oder Haftstrafen zu verhängen.

Besonders betroffen von dem härteren Kurs der Behörden dürfte das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Arthur Andersen sein. Die Gesellschaft hat nicht nur die geschönten Bilanzen des Pleite gegangenen Energiekonzerns Enron abgesegnet, sondern auch die Bücher der drei Telekommunikationsunternehmen Global Crossing, Qwest und Worldcom geprüft. Gegen alle drei ermittelt die SEC wegen Bilanztricksereien. Aber auch die KPMG ist nicht erst seit den Xerox-Ermittlungen kein unbeschriebenes Blatt mehr. Die Wirtschaftsprüfer wurden kürzlich von der SEC scharf zurechtgewiesen, weil sie in einen Investmentfonds investiert hatten, dessen Bücher sie gleichzeitig prüften.
Flowtex: Gläubiger wollen KPMG verklagen

Im Betrugsskandal um die Ettlinger Flowtex-Gruppe kommen auf die Prüfgesellschaft KPMG möglicherweise Schadenersatzforderungen in Milliarden-Höhe zu. Der Anwalt einer Gruppe von Flowtex-Gläubigern, Christian Wolf, bestätigte, dass seine Mandanten Forderungen in Höhe von insgesamt rund zwei Milliarden Mark an die KPMG stellten.

Er sei sehr zuversichtlich, dass seine Mandanten Schadenersatz von KPMG erhalten würden, denn die Prüfungsgesellschaft habe "gravierende Fehler" bei Flowtex gemacht, sagte Wolf.

Die KPMG wies indes jegliche Schuld von sich. "Bei Flowtex sind durch kriminelle Machenschaften der Flowtex-Gesellschafter alle Beteiligten - Banken, Leasinggesellschaften, Prüfer - über viele Jahre massiv getäuscht worden", sagte eine KPMG-Sprecherin.

Gläubiger-Anwalt Wolf schloss eine außergerichtliche Einigung der Flowtex-Gläubiger mit der KPMG nicht aus. Die Anwälte beider Seiten würden am Mittwoch in Frankfurt zusammentreffen, sagte er auf Reuters-Anfrage. Er habe allerdings noch keine Signale, ob KPMG eine außergerichtliche Einigung anstrebe oder es auf einen Streit vor Gericht ankommen lassen wolle. Dresdner und Commerzbank bestätigten auf Anfrage, dass sie zu der Gläubiger-Gruppe gehören. "Die Gruppe der Gläubiger ist zu dem Schluss gekommen, dass eine Schadensersatzforderung gerechtfertigt ist. Jetzt müssen erst einmal die Juristen sprechen", sagte ein Commerzbank-Sprecher. Zur Höhe ihres Kreditengagement bei Flowtex machten beide Banken keine Angaben.

Die KPMG hatte früher bereits angekündigt, sich gegen jegliche Schadenersatzforderungen zur Wehr setzen zu wollen. "KPMG trifft keine Schuld", sagte die Sprecherin der Prüfungsgesellschaft. Bei dem am Mittwoch anberaumten Treffen der Anwälte beider Seiten gehe es um die Erörterung der Sach- und Rechtslage, "nicht mehr und nicht weniger". Das ganze Ausmaß des "kriminellen Handelns" werde erst dann auf dem Tisch liegen, wenn die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgeschlossen seien, sagte die KPMG-Sprecherin. Sie verwies auch darauf, dass ihre Gesellschaft das Mandat bei Flowtex erst 1998 für die Erstellung des Jahresabschlusses 1997 übernommen habe.

Die KPMG war bereits als Prüfer des beinahe in die Firmen-Pleite gegangenen Baukonzerns Philipp Holzmann sowie im Zusammenhang mit umstrittenen Immobilien-Bewertungen bei der Fusion der Bayerischen Vereinsbank und der Münchner Hypotheken- und Wechselbank zur HypoVereinsbank in die Schlagzeilen geraten.
PLEITEN

Aktion Reißwolf

Bei fast allen Wirtschaftsskandalen der vergangenen Jahre spielten Wirtschaftsprüfer eine unselige Rolle. Im Fall Enron haben sie sogar wichtige Akten vernichtet.

Am 12. Oktober vergangenen Jahres erhielt Michael Odom, bei Arthur Andersen der verantwortliche Mann für das Büro der Wirtschaftsprüfer in Houston, eine dringende E-Mail aus der Rechtsabteilung: "Mike, es könnte sinnvoll sein, darüber nachzudenken, das Team an unsere Dokumentations- und Aufbewahrungsrichtlinien zu erinnern."

Für Odom und seine Kollegen, die gerade über den Zahlen des texanischen Energiekonzerns Enron für das dritte Quartal saßen, war damit der Notfall eingetreten. Was sich für Außenstehende wie eine Ermahnung liest, ihren Prüfauftrag besonders gewissenhaft zu erledigen, verstanden sie als Alarmruf. Das firmeninterne "policy statement", das der E-Mail per Link beilag, legt fest, welche Unterlagen die Wirtschaftsprüfer in einer Zentralakte abzulegen haben und welche Papiere zu beseitigen seien: "Alle Arbeitspapiere und vorläufigen Versionen werden umgehend zerstört."

So begann, wenige Tage bevor die Firmenleitung von Enron die Börse mit einem Quartalsverlust schockierte, bei der Andersen-Filiale eine wohl einmalige Vernichtungsaktion. Hunderte Dokumente wurden geschreddert, Festplatten von Computern und Memos auf Diktiergeräten gelöscht - bis am 9. November eine weitere E-Mail ("Stop the shredding") die Säuberung beendete.

Die Aktion Reißwolf markiert den bisherigen Höhepunkt in einem Wirtschaftsskandal, der die Schlagzeilen der amerikanischen Medien beherrscht. Alles an dem Fall des Energieriesen Enron, der sich Anfang Dezember überraschend zahlungsunfähig erklären musste, sprengt den Rahmen des Üblichen: die Summe des vernichteten Anlegervermögens (70 Milliarden Dollar), die Höhe der Parteispenden (6 Millionen), die Gier des Managements, das rechtzeitig vor dem Konkurs 1,2 Milliarden Dollar an Prämien und Erlösen aus Aktienverkäufen auf die eigenen Konten schaufelte.

Vier Untersuchungsausschüsse hat allein der US-Kongress eingesetzt, um zu klären, wie ein Konzern, der vor kurzem noch zu den wertvollsten des Landes gehörte, sich binnen Wochen buchstäblich in nichts auflösen konnte. Börsenaufsicht und Justizministerium ermitteln ebenfalls, und je tiefer sie graben, desto mehr richtet sich ihr Interesse auf die Wirtschaftsprüfer, die das Energiehandelsunternehmen seit 1983 betreuten. Aus dem Fall Enron ist auch ein Fall Arthur Andersen geworden.

Denn der Schlüssel zum Aufstieg des ehemaligen Gas-Transporteurs zu einem umjubelten Branchenstar waren die scheinbar blendenden Ertragszahlen, die das Management in schöner Regelmäßigkeit verkündete. Inzwischen weiß man, dass sie nur möglich waren, weil Enron anfallende Milliardenverluste in eigens gegründeten Partnerfirmen versteckte. Und es waren eben die Prüfer von Arthur Andersen, die Quartal für Quartal die Richtigkeit der Erfolgsmeldungen testierten.

Noch ist nicht ganz klar, inwieweit Andersen von den Enron-Vorständen selber über die wahre Finanzlage getäuscht wurde - was Andersen-Chef Joseph Berardino nun behauptet. Oder ob die Wirtschaftsprüfer mit ihren Bilanztestaten Gefälligkeitsdienste leisteten - worauf die Aktenvernichtung hinweist. In jedem Fall ist das Versagen einer der größten Wirtschaftsprüfungsfirmen der Welt eine Riesenblamage für die gesamte Branche.

Beherrscht wird das Geschäft mit dem Prüfen und Testieren von Bilanzen von fünf Konzernen mit einem Gesamtumsatz von rund 65 Milliarden Dollar. Auf deren Seriosität und Unbestechlichkeit, auf die Richtigkeit ihrer Stempel und Unterschriften in den Geschäftsberichten verlassen sich weltweit Banken, wenn sie Kredite vergeben, und Anleger, wenn sie Aktien kaufen.

Bei nahezu allen großen Wirtschaftsskandalen der jüngeren Zeit spielten die Prüfer eine unselige Rolle, auch in Deutschland. Ob die Bankgesellschaft Berlin plötzlich nur noch mit Milliardenhilfen des Landes vor der Pleite zu retten war, beim Baukonzern Philipp Holzmann nahezu über Nacht ein Verlust von 1,3 Milliarden Euro auftauchte, bei der Hypo-Bank die Immobilien 1,8 Milliarden Euro zu hoch bewertet waren oder die Firmen FlowTex und Balsam ihren Umsatz durch Scheingeschäfte und Luftbuchungen in grandiose Höhen trieben - "regelmäßig merkten die Prüfer nichts und testierten alles" ("Manager Magazin").

Dabei riefen Wirtschaftpolitiker den Berufsstand einst ins Leben, um betrügerische Pleiten zu verhindern. Nachdem in der Weltwirtschaftskrise Tausende von Banken und Firmen Bankrott gegangen waren, sollten in den USA wie in Deutschland Wirtschaftsprüfer künftig für mehr Transparenz und Kontrolle sorgen. Aktiengesellschaften müssen ihre Bilanzen seitdem von einem unabhängigen Experten bestätigen lassen.

Die Prüfer werden noch heute gern als "Häkchenmacher" bezeichnet, als würden sie wie einst in einem ruhigen Kämmerchen mit ihrem Bleistift endlose Zahlenkolonnen kontrollieren und abzeichnen. Tatsächlich ist Wirtschaftsprüfung längst ein hartes Geschäft, in dem ein scharfer Verdrängungskampf herrscht. Längst auch haben sich die Prüfungsfirmen in Unternehmensberatungskonzerne verwandelt. Sie bereiten Fusionen vor, helfen bei Steuerfragen oder der Installation neuer Finanz-Software.

So erhöhen sie ihren Umsatz, aber auch die wirtschaftliche Abhängigkeit von jenen Kunden, deren Bilanzen sie kritisch prüfen sollen. Wer bei der Buchprüfung durch hartnäckige Nachfragen nervt oder sogar wegen anhaltender Differenzen das Testat einschränkt, riskiert unweigerlich, einen guten Klienten zu verlieren.

Welche Dimensionen diese Zusatzaufträge mitunter annehmen, zeigt der Fall Enron. Rund 25 Millionen Dollar kassierte Andersen im vergangenen Jahr an Gebühren für die Bilanzprüfung, 27 Millionen Dollar dagegen für so genannte andere Leistungen.

Die Prüfer stehen zudem unter wachsendem Zeitdruck. Anleger und Analysten fordern von den Konzernen, ihre Bilanzen möglichst schnell vorzulegen, nicht mehr im April oder Mai des folgenden Jahres, sondern möglichst noch im Februar. Für intensive Nachfragen bleibt oft wenig Zeit.

In Deutschland hatte es bislang kaum Konsequenzen, wenn die Kontrolleure Tricks und Täuschungsmanöver im Zahlenwerk übersahen. Das Gesetz schränkt den möglichen Schadensersatz auf knapp vier Millionen Euro ein. Anspruchsberechtigt sind zudem nur die geprüften Unternehmen selbst. Aktionäre und Gläubiger können allenfalls auf eine außergerichtliche Einigung hoffen wie beispielsweise bei der Pleite von FlowTex.

Dessen Wirtschaftsprüfer von der KPMG hatten jahrelang nicht mitbekommen, dass diese Firma mit Bohranlagen, die nur auf dem Papier existierten, Banken, Leasinggesellschaften und Anleger um rund zwei Milliarden Euro geprellt hatte. In einem außergerichtlichen Vergleich verpflichtete sich KPMG, 51 Millionen Euro zu zahlen. Doch dies ist hier zu Lande noch die Ausnahme.

Kritiker fordern bereits seit langem, Wirtschaftsprüfer sollten bei Fehlern und Versäumnissen zu höheren Schadensersatzzahlungen verurteilt werden. Zudem sollte eine Aufsichtsbehörde die Prüfer überprüfen. Bislang kontrollieren sich die Firmen nur gegenseitig. Dabei wird auch nicht die Richtigkeit eines Bilanztestats gecheckt. Die Kollegen fragen nur nach den Prüfstandards und -methoden.

Als geradezu vorbildlich galten dagegen bislang die Regeln in den USA. Dort drohen Wirtschaftsprüfern Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe. Zudem unterliegen sie der Kontrolle durch die Börsenaufsicht SEC. Der Fall Enron zeigt nun allerdings, dass auch in den USA Handlungsbedarf besteht. Die SEC schreitet erst ein, wenn ein konkreter Verdacht vorliegt. Und dann ist es meist zu spät.

An Vorschlägen, wie die Qualität der Bilanzprüfungen verbessert werden könnte, besteht kein Mangel. Prüfmandate könnten auf vier bis fünf Jahre beschränkt werden. Die Börsenaufsicht müsste personell so aufgerüstet werden, dass sie die Arbeit der Wirtschaftsprüfer routinemäßig überwachen kann. Zudem könnte man die Prüfkonzerne zwingen, ihr Beratungsgeschäft aufzugeben, um eine Interessenkollision zu vermeiden. Selbst Andersen-Vorstand Berardino mahnt nun "strengere Regeln und Strafen" an.

Vor Gericht sind bereits eine Reihe von Sammelklagen geprellter Anleger gegen Arthur Andersen anhängig. Dass die Prüfer nun allerdings selbst in finanzielle Bedrängnis geraten, wie eine Reihe von Wall-Street-Analysten spekuliert, ist fraglich. Schon zweimal hat Arthur Andersen im vergangenen Jahr Unternehmen eine ordentliche Bilanz bescheinigt, die kurz darauf Konkurs anmelden mussten. Jedes Mal erklärte sich Andersen in einem Vergleich zur Zahlung einer Millionenstrafe bereit, ohne dass dies nennenswerte Auswirkungen auf Umsatz und Aufträge gehabt hätte.

Ein Wirtschaftsprüfer der Konkurrenz spottete im Nachrichtenmagazin "Time": "Ein Vergleich in einem Betrugsfall scheint doch eher eine Empfehlung für Kunden zu sein, die bei der Bilanzkontrolle Nachsichtigkeit erwarten."
Prüfer versprechen mehr Transparenz

Wirtschaftsprüfer in der Kritik - Haben die Kontrolleure den Zustand des Unternehmens richtig bewertet?

Hamburg cdo - Was haben Unternehmen wie Balsam, Telekom, Flowtex, Holzmann, HypoVereinsbank und mg technologies gemeinsam? In jedem dieser Fälle sind die Wirtschaftsprüfer umstritten. Haben die Kontrolleure den Zustand des Unternehmens richtig bewertet? Die Experten werden mit Schieflagen, möglichen Risiken im Immobiliengeschäft oder drohenden Pleiten von Unternehmen in Verbindung gebracht, deren Bilanzen sie testiert hatten. Das Image ist "angekratzt", beklagen Kenner. Im gleichen Atemzug wird der Ruf nach einer "Kontrolle der Kontrolleure" laut. Jetzt endlich reagiert Branche und verspricht mehr Transparenz.

Es wurde Zeit. "Alle sechs Monate kommt das Thema wieder hoch", schimpft der Würzburger Professor Hansrudi Lenz. "Immer häufiger müssen sich die Prüfer rechtfertigen." Immerhin, so betont Lenz, konnten den Prüfern keine Fehler nachgewiesen werden. Ein fader Beigeschmack bleibt dennoch. Die Öffentlichkeit fragt sich, ob die Prüfer, zuweilen als "zahme Wachhunde" (Financial Times Deutschland) tituliert, ihren Auftrag gründlich genug erfüllen.

In der Tat klafft zwischen Erwartungshaltung und Wirklichkeit eine große Lücke, so Harald Kessler vom Institut für Wirtschaftsprüfung an der Uni Saarbrücken. "Die Öffentlichkeit denkt, dass mit einem Testat die Wirtschaftlichkeit des Unternehmen garantiert ist. Es geht bei der Prüfung aber vor allem darum, ob die Bilanz den Vorschriften der Rechnungslegung entspricht", erklärt Kessler, der für den renommierten Bilanzprofessor Karlheinz Küting arbeitet, die negative Wahrnehmung.

Die Branche hat das Problem erkannt. Harald Wiedmann, Sprecher des Vorstandes von KPMG, spricht von einer "Erwartungslücke" und empfiehlt Offenheit und Transparenz. Christian Dyckerhoff, Vorstandssprecher der BDO Deutsche Warentreuhand, selbstkritisch: "Die Branche muss die Öffentlichkeit besser über ihre Arbeit und die Qualitätssicherheitssysteme informieren und erklären, warum sie was testiert hat."

Zumindest ein erster Schritt ist getan: Seit Jahresanfang müssen sich Wirtschaftsprüfer laut Gesetz einer Kontrolle durch einen Mitbewerber unterziehen, dem so genannten Peer Review. In diesem Rahmen wird das System der Prüfung, die Abwicklung und die interne Qualitätssicherung kontrolliert. Zudem gründete die Wirtschaftsprüferkammer eine unabhängige Kommission für Qualitätskontrolle. Für die Berufsvertretung sind dies "große Schritte in Richtung Qualität und Transparenz".
BDO will die Peer Review, nach einem Probelauf, im nächsten Jahr offiziell starten. KPMG hatte sich nach dem Holzmann-Skandal bereits im Jahr 2000 einem freiwilligen Check durch das Haus Ernst & Young unterzogen. Ergebnis: Alles in Ordnung.

Für Kritiker Lenz ist die gesetzliche Neuregelung unzureichend: Er fordert eine übergeordnete, möglicherweise staatliche Institution, die die Prüfer kontrolliert. Als Vorbild sieht er Großbritannien und die USA, wo diese Art von Schiedsrichtern schon arbeitet. Sie schlichten im Streitfall, korrigieren Jahresabschlüsse, können ermitteln und Sanktionen verhängen. "Solche Gremien könnten gerade im Fall mg helfen", so Lenz, "wenn verschiedene Gutachten existieren, die der Kleinanleger nicht mehr versteht."

Mit der Forderung nach mehr Transparenz hat Lenz die Zunft an seiner Seite: KPMG-Chef Wiedmann bezeichnet zwar die gesetzlichen Regelungen bei der Testierung als ausreichend, begrüßt aber zugleich die internationalen Rechnungslegungsstandards, weil sie deutlich höhere Anforderungen an den Informationsgehalt des Jahresabschluss stellen. Zudem befürwortet er eine Einrichtung wie das britische Panel Review, das bei Hinweisen Jahresabschlüsse untersucht und öffentlich kritisiert.

Trotz aller guten Vorsätze: An der aktuellen Diskussion über die mg technologies will sich Wiedmann als Betroffener jedoch nicht beteiligen und sagt lediglich: "Unsere Prüfer haben einwandfreie Arbeit geleistet."

BDO-Chef Dyckerhoff sieht die Branche mit der Novelle zwar auf dem richtigen Weg, regt aber an, dass sich "Prüfgesellschaften in Intervallen bei einem Unternehmen abwechseln, um mehr Transparenz zu schaffen". Und beklagt zugleich die Oligopol-Situation der Branche, in der mit KPMG und PricewaterhouseCoopers zwei Unternehmen rund 80 Prozent aller Dax-30-Firmen betreuen und in der sich das gesamte Geschäft überwiegend auf sechs Spieler verteilt.
Schlecht geprüft



Der mutmaßliche Betrugsskandal um FlowTex kann für die Wirtschaftsprüfer sehr teuer werden.

Stuttgart/Berlin - Rund 70 Banken und Leasingfirmen fordern nach Angaben aus Gläubigerkreisen in Höhe von etlichen Millionen von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Nach einer erfolglosen Korrespondenz mit KPMG werde es nun voraussichtlich im Laufe des Februars Gespräche zwischen den beiden Parteien geben. KPMG erklärte, sie werde sich gegen vermeintliche Ansprüche zur Wehr setzen.

Die beiden Firmenchefs der Ettlinger FlowTex-Gruppe, Manfred Schmider und Klaus Kleiser, sitzen seit Anfang Februar vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Sie werden verdächtigt, nicht existierende Bohrmaschinen an Leasinggesellschaften verkauft und anschließend wieder zurück geleast zu haben.

Schaden wird auf 3,4 Milliarden Mark geschätzt

Die Insolvenzverwalter und das Oberlandesgericht Karlsruhe schätzen den entstandenen Maximalschaden bei den betroffenen Gläubigern auf etwa 3,4 Milliarden Mark. KPMG hatte als Wirtschaftsprüfer die Jahresabschlüsse der Gruppe testiert.

Bereits Ende Oktober habe die Arbeitsgruppe der Gläubiger ein Schreiben an KPMG gerichtet, in dem grundsätzlich Schadensersatz verlangt worden sei, hieß es in den Kreisen weiter. Eine genaue Summe sei dabei allerdings nicht genannt worden.

KPMG lehnt Forderungen ab

KPMG habe in einer schriftlichen Antwort die Forderungen abgelehnt. Nach einem vor kurzer Zeit versendeten neuerlichen Brief der Gläubiger werde nun noch im Februar ein Gespräch zwischen Vertretern der Gläubiger und von KPMG angestrebt, verlautete aus den Kreisen weiter.

Obwohl eine Klage gegen KPMG nach Angaben aus den Kreisen nicht endgültig ausgeschlossen wird, sei man bestrebt, die Angelegenheit auf dem Gesprächsweg zu lösen. Zur angestrebten Schadensersatzsumme hieß es, diese sei noch nicht beziffert worden.

Die Summe könnte aber nach Einschätzungen der Gläubigerkreise höher ausfallen als bei dem Präzedenzfall des Sportbodenherstellers Balsam, bei dem die Wirtschaftsprüfer rund 50 Millionen Mark bezahlt haben sollen.

KPMG: Haben erst 1997 Auftrag erhalten

KMPG erklärte in einer Stellungnahme, sie werde sich gegenüber vermeintlichen Ansprüchen und Anschuldigungen mit allen gebotenen Mitteln zur Wehr setzen. Sie habe erst im Jahr 1997 den Auftrag zur Jahresabschlussprüfung der Gruppe erhalten.

Die betrügerischen Machenschaften der Flowtex-Gesellschafter hätten allerdings schon zu Beginn der 90er Jahre begonnen.
Die Serie geht weiter;

Quellen:www.manager-magazin.de,www.ftd.de,www.wiwo.de,
www.handelsblatt.com,www.spiegel.de,www.welt.de
Wirtschaftsprüfer: "Alle Big Five in Skandale verwickelt", Unternehmensberater Marek Wojcicki übt heftige Kritik an ganzer Zunft
(2002-04-12)


Die Vernichtung der Enron-Akten durch Mitarbeiter von Andersen, die zur Zersplitterung des Wirtschaftsprüfers geführt haben, stellen laut Unternehmensberater Marek Wojcicki keinen einmaligen Ausrutscher dar. "Alle Big Five (Anm.: PricewaterhouseCoopers, Andersen, KPMG, Deloitte & Touche, Ernst & Young) sind in ähnliche Skandale verwickelt", meint der langjährige Prüfer von Pricewaterhouse und leitende Mitarbeiter von Arthur Andersen im Interview mit dem manager-magazin.de heute, Freitag. Grund dafür sei die gleichzeitige Durchführung von Buchprüfungs- und Beratungsdiensten. Die Prüfer seien nicht unabhängig und agierten oft nicht mehr im Sinne des Kunden http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,191… .




Die Trennung des Prüf- vom Beratungsbereichs, wie von Andersen vollzogen und von PwC geplant, bezeichnete Wojcicki als "Augenauswischerei". Mit Prüfungsaufträgen würden die Big Five zwar 40 Prozent des Umsatzes , aber nur zehn Prozent des Gewinns erwirtschaften. Rechts-, Steuer- und Managementberatungen machten dagegen 90 Prozent des Gewinns aus. "Für dieses wesentlich lukrativere Geschäft braucht man seit zehn Jahren keine voll ausgebildeten Wirtschaftsprüfer mehr", wird Wojcicki weiter zitiert. Der einzige Weg, diesen oligopolistisch aufgebauten Markt zu knacken, sei ein gesetzliches Verbot von Prüfungs- und Beratungsdiensten aus einer Hand. Die US-Börsenaufsicht und der Senat wollen ein solches ausarbeiten.

Heftiger Kritik sieht sich seit ein paar Tagen auch der Wirtschaftsprüfer KPMG im Zusammenhang mit dem Skandal des Telematiknetzwerk-Anbieters ComRoad ausgesetzt. KPMG brach die Bilanzprüfung für das Jahr 2001 wenige Tage vor der geplanten Veröffentlichung des Jahresergebnisses ab. Eine anschließende Sonderprüfung ergab, dass nur 1,4 Prozent der ausgewiesenen Umsätze tatsächlich erwirtschaftet worden waren (pte berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=020410021 ). KPMG testierte aber die Bilanzen der Jahre zuvor. KPMG-Deutschland-Chef Harald Wiedmann verteidigte sich damit, dass Wirtschaftsprüfer mit Ausnahme der Geldwäsche keine Betrugsfälle anzeigen dürfen. ComRoad-Chef Bodo Schnabel sitzt seit Wochen in U-Haft. Die Zeitschrift "Der Aktionär" wählte das ComRoad-Papier 1999 noch zu "den besten Aktien für das nächste Jahrtausend".
Dienstag, 6. November 2001 - 16:15 Uhr
Dr. Haferbeck: Jetzige Prüfer in Skandale verwickelt (Dr. Haferbeck)
Wirtschaftsprüfer aus der Region nutzen

Schwerin - Dieser Tage stehen die Bestätigungen für die zukünftigen Wirtschaftsprüfer für städtische Betriebe an, u.a. WGS, Medizinisches Zentrum, Kita gGmbH. Doch statt erneut Aufträge an "umstrittene Prüfer", so die Bündnisgrünen, zu vergeben, sollen regionale Firmen beauftragt werden. In der letzten Sitzung der Stadtvertretung vor der Sommerpause hatten die Bündnisgrünen eine Zusammenstellung von Skandalen über eine der größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt vorgelegt, die KPMG.

Diese prüft seit mehreren Jahren unter anderem die Wohnungsgesellschaft Schwerin. Dr. Edmund Haferbeck, Fraktionsgeschäftsführer der Bündnisgrünen: "Mit der KPMG verbinden sich Betrugs- und Wirtschafts-Skandale vor allem in Deutschland - wie Metallgesellschaft, Holzmann, Hypo Bank, Flowtex. Die KPMG, mit kräftigen Umsatzsteigerungen auf 2,4 Milliarden Mark gesegnet, zahlte 100 Millionen Mark an die sich geschädigt fühlenden Banken im Flowtex-Skandal."

Auch die Price Waterhouse-Coopers (PwC) soll trotz abgelaufener Zeit und des anstehenden Wechsels für einige städtische Betriebe wie das Medizinische Zentrum und die Kita gGmbH wieder bestellt werden, sagt Haferbeck. "PwC, die die Stadtwerke prüft und den Eurawasser-Beschluss begleitet hat, war involviert in dem bislang zweitgrößten Wirtschaftskriminalitätsfall Deutschlands, dem Fall Balsam, auch wenn der mit angeklagte PwC-Wirtschaftsprüfer später vom Landgericht Bielefeld freigesprochen wurde." Weit mehr Skepsis löst PwC bei den Bündnisgrünen aus, weil sie die Wirtschaftsprüfer bei der Berliner Bankgesellschaft gewesen ist, über dessen Skandal die Landesregierung Berlin gestürzt wurde. Der Berliner Bankenskandal mit Bestechung u.a. reicht auch bis nach Schwerin: Die Gruppe Aubis (um deren Kreditierung mit der 40.000-Mark-Spende ging es) kaufte auch Plattenbaublöcke auf dem Schweriner Dreesch.

Haferbeck, Aufsichtsratsmitglied der WGS: "Die Landeshauptstadt Schwerin hat es mit ihren Gesellschaften nicht nötig, auf solch zweifelhafte Prüfungsinstitute zurückzugreifen. Regional ansässige Wirtschaftsprüfer beherrschen das Geschäft genauso gut wie die Großen der Branche." Deshalb fordern die Bündnisgrünen eine Rückbesinnung auf eigene, regionale Potenziale, deren Verpflichtung möglicherweise auch kostengünstiger werden kann.

Eine öffentlich-rechtliche Körperschaft muss Flagge zeigen und sich von zweifelhaften Vorgängen im Wirtschaftsleben distanzieren.

(Quelle: Schweriner Volks Zeitung vom 13.09.2001)
"Wir sind keine Rambos"

Tarnen, weichklopfen und ermitteln: Die führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland bauen derzeit Anti-Korruptionsabteilungen auf. Der Aufklärungsbedarf bei Wirtschaftskriminalität ist groß - und für Berufseinsteiger karrieretauglich.

Von Daniel Hagmann

Die Tür fliegt auf, zwei Männer in grauen Anzügen stürmen auf den Geschäftsführer zu, der nicht die Spur einer Ahnung hat, was jetzt auf ihn losbricht: "Guten Tag, wir sind von Ernst&Young. Der Holdingvorstand hat uns mit einer Sonderprüfung beauftragt, für die Ihre Anwesenheit nicht erforderlich ist. Sie sind beurlaubt, bitte packen Sie Ihre Sachen." So redet sonst keiner mit dem Chef. Teamleiter Frank Marzluf und sein Assistent Dirk Verwohlt strecken dem verdutzten 55-Jährigen ihre Visitenkarten entgegen: "Forensic Services". Der Herr hinter dem Schreibtisch versteht nur Bahnhof.

Die Überraschung weicht schnell dem Ärger, und die Luft reicht nun wieder, um ordentlich Wind zu machen. Doch berühren seine Beschimpfungen die Männer von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nur wie ein laues Sommerlüftchen. Sie sind die Stärkeren. Im Auftrag der ausländischen Holding sollen sie prüfen, ob der Geschäftsführer der deutschen Niederlassung bei seinen Spesenabrechnungen im großen Stil betrogen hat. Projekt "Spencer" hat begonnen.

Marzluf und Verwohlt sind weder Polizisten noch Staatsanwälte. Sie arbeiten bei Ernst&Young Forensic Services und decken Wirtschaftsdelikte in Unternehmen auf. Gegründet im Frühjahr 1999 mit zwei Personen, sind es mittlerweile 23, und am Jahresende sollen es "mindestens 30" sein, hofft der zuständige Partner Klaus Fischer. Doch nicht nur Ernst&Young hat das Potenzial entdeckt. Alle großen Prüfungshäuser bauen derzeit Spezialabteilungen mit geheimnisvollen Namen auf: Integrity Services bei KPMG, Dispute Analysis & Investigations bei PricewaterhouseCoopers, Business Fraud & Investigation Services bei Arthur Andersen und Dispute Consulting & Forensic Services bei Deloitte&Touche.

150 Mrd. Euro Schaden

Der Bedarf an Aufklärung ist groß: Fast jedes zweite Unternehmen ist von Wirtschaftskriminalität betroffen, und drei Viertel der Firmen sieht sich in Gefahr, ergab eine PwC-Studie. Den Schaden für die Wirtschaft schätzt Investigation-Chef Thomas Spemann von Arthur Andersen auf "mindestens zehn Milliarden Euro plus eine Dunkelziffer von zehn bis 30 Milliarden Euro".

Horrendere Summen setzt "Business Crime Control" an. Die gemeinnützige Organisation, die nach eigenen Angaben über Wirtschaftsverbrechen sowie deren Sozialschädlichkeit und Demokratiefeindlichkeit aufklärt, rechnet mit 150 Milliarden Euro. Ihr Vorsitzender, Professor Hans See, erklärt die Unterschiede dadurch, dass die Prüfer "nur die Kriminalität der Mitarbeiter gegen ein Unternehmen bekämpfen, nicht aber die Kriminalität der Unternehmen selbst". Er meint damit die Delikte, die der Gewinnsteigerung der Betriebe dienen. Dagegen verfolgen die Auftragsermittler nur Straftaten, die von den Unternehmen zur Überprüfung freigeben sind. See: "Kein Manager mit schmutzigen Händen lässt die Spürnasen freiwillig in seine Chefetage." Außerdem sieht er "starke Tendenzen zur Privatisierung des staatlichen Gewaltmonopols", weil die Unternehmen selbst entscheiden, ob sie die gegen sie gerichteten Verbrechen der Polizei melden.

Beauftragte Verschwiegenheit

Meist kommen die Täter aus dem Unternehmen, sind langjährige Mitarbeiter und sitzen sogar in der Führungsetage. Sie wissen, wo die Schlupflöcher sind. Prominente Wirtschaftsskandale sind die Luftbuchungen bei Flowtex, die Betrügereien beim Sportbodenhersteller Balsam, der Immobiliensumpf der Berliner Bankgesellschaft und das Gaunerstück des Baulöwen Schneider. Ernst&Young fand in einer Studie heraus, dass hierzulande "in 17 Prozent der Fälle der Geschäftsführer der Täter war - im Vergleich zu nur 5 Prozent international". Der Grund: mangelhafte Kontrollen.

Auch "Spencer" ist so ein Fall. Der Chef von 1.500 Mitarbeitern fühlte sich zu sicher: Familienmitglieder flogen auf Geschäftskosten nach Australien, Gartenmöbel wurden als Büroausstattung über Firmenkonten bezahlt, Mitarbeiterschulungen veranstaltete seine Freundin an exklusiven Orten und mit hohen Tagessätzen. Die Buchhaltung bemerkte das Absahnen, konnte aber selbst nicht hinter dem Rücken des Chefs ermitteln. Die Holding wollte Gewissheit und beauftragte die externen Fachleute. Sie durchschauen das Bilanzierungsdickicht und garantieren Verschwiegenheit.

Beweissicherung erhält oberste Priorität. Der Geschäftsführer bleibt keinen Augenblick mehr unbeobachtet, bis er das Firmengebäude verlassen hat. 20 Ordner mit potenziellem Belastungsmaterial werden gesammelt. In Metallkisten mit dicken Schlössern. Abgestellt in einem Konferenzraum, dessen Türschlösser ausgewechselt wurden. Hier kommen nur zwei rein: Marzluf und Verwohlt.

Drei Wochen lang durchforsten sie Belege, Verträge und sonstigen Schriftverkehr. Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung. Doch hunderte von Plausibilitätsprüfungen ergeben weitere Unregelmäßigkeiten: Am selben Tag in Hamburg das Firmen-Cabrio volltanken und gleichzeitig in München zum Geschäftsessen - das stinkt. Mitarbeiter werden befragt. "Die waren alle sehr kooperativ", sagt Verwohlt, "schließlich hatten die nichts zu verbergen und wollten ihren Arbeitsplatz retten". Ansonsten gilt: Wer mauert, wird weichgeklopft. "Wir sind keine Rambos, aber wir treten den Leuten so lange auf die Füße, bis wir Klarheit und gerichtsverwertbare Informationen haben", meint Chefforensiker Fischer hemdsärmelig.

Der weiße Elefant

Auch Assistent Verwohlt haut manchmal mit der Faust auf den Tisch - wenn er weiß, dass er gerade angelogen wird. Interne Schulungen lehrten ihm das Wadenbeißen in Interviews, aber auch, wo seine Grenzen beim Ermitteln liegen. Polizeiliche Hoheitsrechte hat er keine. Er darf niemanden festnehmen, darf nicht mit Kündigung drohen. Seine Waffen sind Neugier und Jagdinstinkt. Eigenschaften, die den 29 Jahre alten Diplom-Kaufmann ins Team brachten. Das ist interdisziplinär zusammengesetzt: Betriebs- und Volkswirte, Wirtschaftsprüfer, Politologen, Juristen, Gesundheits- und Immobilienexperten, Physiker, Informatiker und ehemalige Kriminalbeamte.

Bei PwC ist der Senior Manager der Investigations-Abteilung, Steffen Salvenmoser, sogar ehemaliger Staatsanwalt. "Der weiße Elefant ist momentan der Kriminologe mit BWL-Wissen", umschreibt der Leiter von Integrity Services KMPG, Dieter John, seine Rekrutierungswünsche. Gesucht sind bei den Kölnern aber auch Bau-Ingenieure, Umweltfachleute sowie Betriebswirte mit Schwerpunkt Controlling und Rechnungswesen.

Der Kampf um die Marktführung ist inzwischen voll entbrannt: KPMG beschäftigt 45 Sonderermittler, PwC 30, Arthur Andersen 25, Ernst&Young 23 und Deloitte&Touche 6. Ausbauen wollen sie ihren Personalbestand alle, hinken die deutschen Niederlassungen doch durchweg auf diesem Gebiet hinterher. PwC London kümmert sich schon seit 15 Jahren um die Aufdeckung von Wirtschaftsdelikten in Unternehmen, KPMG schickt allein in den USA 350 Mitarbeiter in den lohnenden Markt.

Gut für die Karriere

"Für die eigene Karriere ist es besser, in einem Bereich zu arbeiten, der dicke schwarze Zahlen schreibt", meint der prädikatsexaminierte Verwohlt. Schnell merkte er, dass die Geldwäsche der anderen auch für den eigenen Aufstieg taugt. Nach seinem Projekt als studentischer Unternehmensberater bei der Deutschen Bank in Frankfurt stieg er bei Ernst&Young im Sommer 2000 in das Investment Banking ein. Als er von den Forensikern für einen Fall angefordert wurde, konnte er überzeugen und kurz darauf ganz in die Ermittlungsabteilung wechseln. Gleich am ersten Tag schob ihm sein Chef einen zweiten Stapel Visitenkarten über den Schreibtisch - wegen der Legendenbildung. Einmal ist er Dirk Verwohlt, der Assistant Forensic Services, einmal Dirk Verwohlt, der Diplom-Kaufmann. Denn manchmal müssen sich die Teams als harmlose Wirtschaftsprüfer tarnen.

Für das Projekt "Spencer" recherchieren zwei Prüfer. Nach vier Wochen liegt der Abschlussbericht vor. 30 Seiten plus 80 Seiten Anhang. Haarklein weisen sie darin manipulierte Spesenabrechnungen von über 250.000 Euro nach. Überraschend kommt zu Tage: Der Chef schloss auch millionenschwere Scheinverträge mit Freunden und Bekannten. Die Forensiker haben gute Arbeit geleistet - die sie sich gut bezahlen lassen. Tagessätze zwischen 1.200 und 3.500 Euro pro Person sind bei den großen Häusern üblich. Die Dauer der Projekte variierte bislang zwischen drei Tagen und anderthalb Jahren.

"Unternehmen geben heute eher zu, dass sie übers Ohr gehauen wurden, und sie wollen sich das nicht gefallen lassen", ist PwC-Chefermittler Salvenmoser überzeugt. So wollen sie Vorwürfe entkräften, ihre Kontrollpflicht vernachlässigt zu haben, und das Vertrauen von Banken, Kunden und Lieferanten stärken. Denn wen erst einmal der Hauch des Unseriösen umgibt, der steht schnell vor dem Aus.

Die Prüfungsgesellschaften profitieren in jedem Fall. Sie waren zuletzt selbst in Skandale wie Enron verwickelt und können nun Imagepflege betreiben. Außerdem erwarten sie beim Geschäft mit den Anti-Korruptionsabteilungen einen Boom. "Wachstumspotenziale bis zu 300 Prozent" veranschlagt Volker Barth von Deloitte&Touche für die nächsten drei Jahre. Zudem offenbaren die Betrügereien meist Sicherheitslücken, so dass sich häufig Beratungsaufträge anschließen. Allerdings bleibe es - gemessen an den Umsätzen der Wirtschafts- und Steuerprüfung - "ein Boutiquengeschäft", ist Fischer von Ernst&Young überzeugt.

Fristlose Kündigung

Dennoch wäre es trügerisch, den Wunsch der Geschädigten nach Transparenz mit dem Gang in die Öffentlichkeit gleichzusetzen. Zuallererst geht es um interne Aufklärung und Prävention: Kontrollen sollen verbessert, Mitarbeiter sensibilisiert, Leitlinien zur Unternehmensethik entwickelt werden. Viele Firmen wünschen keine Strafverfolgung durch die Staatsanwaltschaft, weil sie negative Publicity und lange Prozesse befürchten, und weil viele nicht damit rechnen, den Schaden jemals ersetzt zu bekommen.

Allerdings werden in 90 Prozent der Fälle die Betrüger vor die Tür gesetzt. So auch im Fall "Spencer": Fristlose Kündigung für den 55-jährigen Geschäftsführer und zivilrechtliches Vorgehen auf Schadenersatz vor Gericht. Das Verfahren läuft noch.
Das jüngste Gerücht

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat angekündigt, alle von ihr testierten Jahresabschlüsse von Unternehmen des Neuen Markts noch einmal gründlich zu prüfen

Das stellt die Konsequenz aus den Skandalen um die Bilanz-Akrobatik beim Telematikspezialisten Comroad und beim Softwareanbieter Phenomedia dar. Zu den Firmen, die von KPMG genau unter die Lupe genommen werden sollen, zählt Gerüchten zufolge auch der Musikproduzent Jack White. Angeblich sei es nur den umfangreichen Aktivitäten des PR-Beraters zu verdanken, dass der Aktienkurs noch nicht unter vier Euro gefallen sei. Würde die Notierung die Marke durchbrechen, wäre dies aus charttechnischer Sicht ein Verkaufssignal. Jack White habe hohe Forderungsbestände, die zum Teil schwer einbringbar wären, heißt es an der Börse. Auf dem gegenwärtigen Kursniveau seien die Berliner deshalb zu hoch bewertet. W.S.
Der Verrat Von Winand von Petersdorff

Die Binsenweisheit eignet sich vortrefflich als Wahlspruch der Wirtschaftsprüfer: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das leuchtet irgendwie jedem ein, dem der Wirtschaftsalltag den Glauben an den Immer-gut-Menschen längst geraubt hat.


Und deshalb ist ja auch nichts dagegen einzuwenden, daß die Wirtschaftsprüfer von KPMG noch einmal die Zahlen sämtlicher Neue-Markt-Unternehmen durchleuchten, die sie schon geprüft und mit einem Testat abgesegnet hatten. Nachprüfungen sind überdies Usus im deutschen Revisionswesen.


Und ohnehin käme niemand auf die Idee, KPMG habe keinen Grund zum Mißtrauen. Schließlich haben sich die wackeren Prüfer in unvorstellbarer Weise vom Mandanten Comroad in die Irre führen lassen. Der hatte seinen gesamten Umsatz offenbar frei erfunden. Schon der Skandal um die Firma Flowtex, deren Vermögen vor allem aus nicht vorhandenen Erdbohrern bestand, ließ die mit der Prüfung betraute KPMG, ehrlich gesagt, wie einen Haufen von Idioten dastehen - wenn auch zu unrecht.


Der eigentliche Skandal liegt also nicht darin, daß die KPMG bereits testierte Jahresabschlüsse noch einmal kontrolliert. Sondern er besteht darin, daß KPMG, wenn auch indirekt, die Namen der Mandanten preisgibt, die einer abermaligen Überprüfung für würdig befunden werden. Die Zahlen sämtlicher Neue Markt-Gesellschaften unter den KPMG-Klienten werden öffentlich unter den Verdacht gestellt, es könnte etwas mit ihnen nicht stimmen.


Die Prüfer nähren damit die üblichen Vorurteile gegen die New Econ0my. Haffa läßt grüßen. Schlimmer noch: KPMG hat damit die delikate rechtlich geschützte Vertrauensbeziehung zwischen Kontrolleur und Mandant verraten. Die hoheitliche Aufgabe, Bilanzen zu prüfen, um Gläubiger, Anteilseigner und die Öffentlichkeit vor falschen Zahlen zu bewahren, versetzt die Wirtschaftsprüfer in eine Machtposition, die die KPMG jetzt mißbraucht hat.


Man will den Wirtschaftsprüfern noch zubilligen, daß sie nicht böswillig sind, sondern lediglich überfordert mit einer Vertrauenskrise, die die ganze Zunft befallen hat.


Enron, Flowtex, Holzmann: Spektakuläre Unternehmenszusammenbrüche scheinen immer häufiger mit Bilanzmanipulationen einher zu gehen, die von Prüfern nicht rechtzeitig aufgedeckt wurden.


Doch diese wenden zurecht ein, daß ihnen häufig die Instrumente fehlen, betrügerische Machenschaften zu entlarven. Und es gibt hierzulande kein Anzeichen dafür, daß Wirtschaftsprüfer mit Bilanzbetrügern gemeinsame Sache machen. Das unterscheidet die deutschen Fälle vom Enron-Skandal.


Dieser Befund kann aber keine Legitimation dafür sein, Mandanten ins schlechte Licht zu setzen. Kontrolle ist gut. Vertrauen ist in diesem Fall essentiell.Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.4.2002
Enron-Skandal
"Das Wirtschaftsprüfer-Testat ist fast bedeutungslos"
 
 
18. Jan. 2002 In den Vereinigten Staaten schwindet bei vielen Investoren das Vertrauen in die Branche der Wirtschaftsprüfer. Deren Job ist es, die Unternehmensbilanzen einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Aber das Versagen von Arthur Andersen, die Unregelmäßigkeiten beim zusammengebrochenen Energiekonzern Enron rechtzeitig aufzuspüren, ist offenbar nur die Spitze des Eisbergs."Früher hatte ein testierter Finanzausweis noch einen Wert," beklagt Edmund Cowart, Fondsmanager bei Eagle Asset Management in St. Petersburg. "Mittlerweile ist das Testat eines Wirtschaftsprüfers fast bedeutungslos." Heutzutage fragen sich die Anleger, wem sie noch trauen können. Einige Experten warnen, dieser Vertrauensverlust könnte dramatische Auswirkungen auf die US-Finanzmärkte haben.Verlust an Glaubwürdigkeit"Das Enron- Debakel wird die Finanzmärkte destabilisieren, denn die Anleger glauben den Finanzausweisen nicht mehr," beklagt Thomas Tribunella, Vorsitzender der Abteilung Rechnungslegung an der State University of New York in Utica. "Die Wirtschaftsprüfer sollten eigentlich über die Qualität dieser Informationen wachen." Nach dem Börsencrash von 1929 hatten die USA eingeführt, dass die Unternehmen ihre Finanzausweise einem externen Prüfer vorlegen müssen.Im Dezember beantragte Enron Gläubigerschutz, nachdem der Energiehändler den Gewinn über viereinhalb Jahre zu hoch ausgewiesen hatte und auf Grund eines "Bilanzierungsfehlers" das Aktienkapital um 1,2 Milliarden Dollar aufgebläht hatte. Die amerikanische Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde SEC und der Kongress untersuchen nun Andersens Prüfungstätigkeit bei Enron.Die Branche der Wirtschaftsprüfer räumt selbst ein, dass die Anleger zunehmend skeptisch werden. "Seit dem Zusammenbruch von Enron stehen wir Wirtschaftsprüfer, unsere Rolle an den Finanzmärkten und unsere Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit im Rampenlicht des Interesses," erklärten die fünf großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Andersen, Ernst & Young, KPMG, Deloitte Touche Tohmatsu und PricewaterhouseCoopers.WiederholungstäterAber Enron ist nicht der einzige Fall, bei denen Unternehmen die Bilanzen geschönt haben und die Wirtschaftsprüfer ihnen nicht auf die Schliche gekommen sind. Auch in einigen anderen Fällen taucht der Name Andersen auf. Im letzten Jahr erklärten sich die Bilanzprüfer bereit, 100 Millionen Dollar zu zahlen, um eine Aktionärsklage über ihre Prüfungstätigkeit bei dem Gerätehersteller Sunbeam beizulegen. Im November beendete die Gesellschaft durch eine Zahlung von 20 Millionen Dollar einen Rechtsstreit über ihre Prüfungsaktivitäten bei dem Entsorgungskonzern Waste Management.Angesichts der wiederholten "Bilanzierungsirrtümer" verlassen sich immer weniger Anleger auf die Wirtschaftsprüfer. Der Investor Irwin Jacobs von Jacobs Trading macht seine eigenen Untersuchungen und führt stichprobenartig Prüfungen bei den Unternehmen, die er analysiert, durch. "Heutzutage müssen Sie sich genau ansehen, wohin Sie investieren wollen," rät er.Mehr Kontrollen, weniger InteressensverquickungMichael Granoff, Professor für Bilanzierung an der University of Texas in Austin, sagt dazu: "Nie hatten die Wirtschaftsprüfer einen schlechteren Ruf. Die Politiker sind aufgewacht, und sie werden erhebliche Veränderungen in der Branche herbeiführen." Der frühere SEC-Vorsitzende Arthur Levitt verlangt stärkere Kontrollen in der Branche. So soll es Wirtschaftsprüfern nicht mehr erlaubt sein, ihren Prüfungskunden Beratungsleistungen anzubieten.Selbst ihr Honorar wirft Probleme auf. "Ich glaube nicht, dass sie objektiv prüfen können, wenn sie dafür von ihrem Kunden bezahlt werden," befürchtet Frederic Russell, Präsident bei Fredric Russell Investment Management. Kommen noch Beratungstätigkeiten hinzu, verschärft sich das Problem. "Aufgrund dieser Interessenverquickung ist eine saubere, unvoreingenommene Beurteilung praktisch Utopie." Auch Tribunella sieht dies mit Skepsis: "Die Aufgabe eines Wirtschaftsprüfer besteht darin, misstrauisch zu sein und jeden Stein umzudrehen, und nicht darin, Beziehungen zu pflegen."


Text: Bloomberg
KPMG - ein arroganter Haufen
wer sie mal im Wirtschaftsleben erlebt hat, weiss davon ein Lied zu singen.....

dat tut mir richtig gut ! :laugh:
KPMG ade!





Früher standen Rechtsanwälte auf der Beliebtheitsskala ganz unten. Sie rangierten noch hinter Gebrauchtwagenhändlern und Aktienanalysten. Heute nehmen Wirtschaftsprüfer die Juristenposition ein. Sie haben es sich verdient. Was sich die so genannten Bilanzexperten in den vergangenen Monaten an Skandalen erlaubt haben, ist haarsträubend. Dass die KPMG jetzt alle Testate am Neuen Markt neu checken will, ist ein weiteres Armutszeugnis.


Jedes siebte Unternehmen am Neuen Markt kam in den Genuss der Wirtschaftsprüfer von KPMG. Diese so genannten "Bilanzkontrolleure" zeichneten sich in der jüngsten Vergangenheit hauptsächlich dadurch aus, auch dreisteste Betrügereien - siehe aktuell Comroad - nicht zu bemerken. Vielleicht haben sie auch einfach weggeschaut und mitgespielt beim großen Anleger-Abzocke-Spiel. Das wird noch zu ermitteln sein.

In jedem Fall zeigt das Beispiel KPMG, dass der Berufsstand des Wirtschaftsprüfers einer gründlichen Überprüfung bedarf. Die Nähe der Prüfer zu den zu prüfenden Unternehmen ist ein Grundübel.

Für KPMG ist die Ankündigung, noch einmal alle Testate für den Neuen Markt unter die Lupe zu nehmen, ein Schlag ins eigene Gesicht. Bedeutet das doch, dass auch hausintern inzwischen alles angezweifelt wird, was den Stempel KPMG bekam. Es ist eine Tatsache, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nicht nur sich geschadet hat, sondern auch vielen tausend Anlegern.

Schadenersatz zu zahlen ist das mindeste, was KPMG leisten kann. Auch die "sauberen" Unternehmen vom Neuen Markt sind gefordert: Professionelle Zahlenverdreher gehören gefeuert. Sie machen alles kaputt, was sich Mitarbeiter und Management aufgebaut haben. Erst die Bilanz, dann den Ruf und parallel dazu den Kurs.
vom 4. Mai 2000





Hauptversammlung der HypoVereinsbank





Aktionäre äußern sich zufrieden - Immobilienskandal ist kein Thema mehr tmh













Die Bayerische Hypo- und Vereinsbank (BHV) AG, München, kann sich nach der Bewältigung ihres Immobiliendesasters überwiegend wieder in der Gunst ihrer Aktionäre sonnen. "Der Kurs stimmt", bescheinigte ein Aktionärsvertreter vor der Hauptversammlung am Mittwoch dem Management um Konzernchef Albrecht Schmidt. Kritische Stimmen blieben die Ausnahme. So monierte ein Aktionär, dass der Wirtschaftsprüfer KPMG weiter die Bilanzen prüfe, obwohl er sich beim Immobilienflop "nicht mit Ruhm bekleckert hat". Ein anderer rügte Fehler bei der Vermittlung von Privatimmobilien sowie Beratungsdefizite im Zuge der Fusion von Hypo- und Vereinsbank zur BHV.

Der ehemalige Hypo-Vorstand Hans Fey klagte Schmidt an, "die Hypo zu verwenden, um eigenen Schrott zu entsorgen". In der hohen Risikovorsorge der BHV für 1999 vermutet er viele Geschäfte, die die frühere Bayerische Vereinsbank zu verantworten habe. Neben der KPMG hätte sich nun auch die Wedit als Prüfer der früheren Hypo-Bank angesichts ihrer Rolle bei der BHV-Immobilienpleite zur Zahlung von Schadensersatz verpflichtet, entgegnete Schmidt. Die Summen soll dem Vernehmen nach bei je knapp zehn Millionen Mark liegen. Zudem habe die KPMG ihr BHV-Prüferteam gewechselt, begründete Aufsichtsratschef Kurt Viermetz das Festhalten an der Gesellschaft. Im Komplex privater Immobiliengeschäfte seien bislang 119 Fälle vor Gericht gegangen und dabei 107 Urteile zugunsten der BHV gefällt worden. In den restlichen zwölf Fällen sei die BHV teils in Berufung gegangen.

Eine Aufgliederung der Risikovorsorge für 1999 auf die BHV-Vorgänger Hypo- sowie Bayerische Vereinsbank lehnte Schmidt ab und schaute lieber in die Zukunft. Die soll im Zeichen europaweiter Zukäufe und Kooperationen stehen. Um "unsere Einkaufskasse bei Bedarf zu füllen", bat Schmidt die 3500 anwesenden Anteilseigner um die Ermächtigung zu Kapitalerhöhungen im Umfang von gut 1,1 Milliarden Mark. Das bestehende finanzielle Polster der BHV bezifferte er per Ende März 2000 auf rund 25 Milliarden Mark. Konkret wurde er mit seinen Kaufplänen jedoch nicht. Einer Fusion mit der Dresdner oder der Commerzbank erteilte Schmidt erneut eine Absage. Das würde nicht in das Profil der BHV als Bank der Regionen passen. Zudem verfüge die BHV über eine ausreichende Größe. Intensive Kooperationen sieht Schmidt dagegen mit der Assekuranz, wobei vor allem die Töchter der Münchener Rück gemeint sein dürften. Auch operativ sei die BHV wieder voll im Markt präsent, sagte Schmidt mit Blick auf die bewältigte Fusion. Jedoch werde sich das Wachstumstempo der ersten drei Monate 2000 bis Jahresende kaum durchhalten lassen. So peilt der Konzern bis Ende 2000 eine Eigenkapitalrendite von neun (Vorjahr 4,4) Prozent an, nachdem diese Quote im ersten Quartal 2000 bereits auf 9,9 Prozent gestiegen war. 2001 stünden weitere "spürbare" Verbesserungen an.
Hauptversammlung von Holzmann





Die Aktionäre fordern Konsequenzen - Neuee Vorwürfe gegenüber der Deutsche Bank Rolf Obertreis













Rund 1000 der etwa 15 000 Aktionäre haben sich trotz des ungünstigen Termins angemeldet. Die außerordentliche Hauptversammlung von Philipp Holzmann an diesem Donnerstag im Congress Center der Frankfurter Messe wird so gut besucht sein wie keines der früheren Aktionärstreffen. Aber jetzt geht es um das blanke Überleben "ihres" Konzerns. Wenn Kapitalschnitt und die anschließende Kapitalerhöhung am Donnerstag oder möglicherweise erst am Freitag - Holzmann hat den Saal vorsorglich auch für den 31. reserviert - nicht durchgehen und damit der Verlust von rund 2,4 Milliarden Mark im laufenden Geschäftsjahr nicht abgefangen wird, ist der Baukonzern am Ende. Ob ein positives Votum zustande kommt, ist fraglich. Vor allem die Deutsche Bank muss sich neuer Vorwürfe erwehren. Der "Stern" berichtet in seiner neuesten Ausgabe, die Bank habe den Baukonzern zu Beginn der 90er Jahre bei einem millionenschweren Bauprojekt übervorteilt. Ein Sprecher der Deutschen Bank bezeichnete die Vorwürf am Dienstag als "völlig verfehlt".

Günther H. wird nicht zu den 1000 Aktionären gehören, die nach Frankfurt kommen. 60 Holzmann-Aktien liegen in seinem Depot. Mitte der neunziger Jahre waren sie einmal über 60 000 Mark wert. Mit einem Schlag wurden daraus vor sechs Wochen rund 1300 Mark, dank jüngster Spekulationen sind es jetzt 3900 Mark. Nach der Hauptversammlung könnte der Wert durch den Kapitalschnitt auf ein 26stel schrumpfen. Dann bleiben Günther H. noch gut 150 Mark. Verkaufen will er trotzdem nicht. "Das lohnt jetzt nicht mehr, die Aktien lasse ich liegen", sagt er und schüttelt den Kopf darüber, wie Holzmann im 150. Jahr seines Bestehens in den Abgrund rasen konnte.

Die Banken würden am liebsten das Vergangene übergehen. Der Kapitalschnitt im Verhältnis 26:1 und die Kapitalerhöhung ist für sie entscheidend. Wegen der Mitte November angeblich plötzlich aufgetauchten Verluste in Höhe von 2,4 Milliarden Mark ist das Eigenkapital des Baukonzerns aufgezehrt. Mehr noch: Holzmann ist mit 1,3 Milliarden Mark überschuldet. Die ersten Schritte zur Rettung haben die Banken - durch Druck des Bundeskanzlers und gnädiger Finanzhilfe aus Berlin - getan, ihre Forderungen an Holzmann zurückgestellt und mit eine Milliarde frisches Geld zur Verfügung gestellt. Der dritte Schritt - Kapitalschnitt und Kapitalerhöhung - soll Holzmann weitere 1,265 Milliarden Mark bringen. Allein entscheiden können die Banken aber nicht. Mit 30,4 Prozent hält die belgische Gevaert AG seit einem Jahr das größte Aktienpaket. Sie kann alle Beschlüsse blockieren. Ob Gevaert-Chef André Leysen, der in gutem Vertrauen auf die Angaben von Holzmann und der Banken rund 400 Millionen Mark investierte, dies tun wird, ist zumindest offen.

Daneben sollen die Aktionäre auch der Berufung eines zusätzlichen Wirtschaftsprüfers für das Geschäftsjahr 1999 zustimmen. Ernst & Young soll der KPMG zur Seite gestellt werden. Letztere war für das Desaster mitverantwortlich - behauptet zumindest Aufsichtsratschef Carl von Boehm-Bezing. Er vor allem wird sich vor den Aktionären rechtfertigen müssen. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat das Vorstandsmitglied der Deutschen Bank längst zum eigentlich Verantwortlichen abgestempelt. Boehm-Bezing, der seit 1997 den Aufsichtsrat leitet, soll seinen Sessel räumen. Die Rücktritte von Vorstandschef Binder und Finanzchef Klee betrachtet die DSW als Bauernopfer. Boehm-Bezing und Binder haben zwar 1997 Verlustlöcher von über drei Milliarden Mark gestopft, aber weitere Verluste von 2,4 Milliarden Mark bis Mitte November "übersehen". Sagt die DSW. Wer im Fall Holzmann wann welchen Fehler begangen hat, lässt sich derzeit nur schwer sagen. Unklar ist, ob sich die Deutsche Bank durch dubiose Eingriffe bei Holzmann finanzielle Vorteile verschafft hat. Genauso offen ist, ob die Verluste nur aus Geschäften stammen, die Lothar Mayer, der bis 1997 amtierende Vorstandschef, schon Anfang der 90er Jahre eingefädelt hat, oder ob zumindest ein Teil auch aus dem laufenden Geschäft stammt, was Binder und Boehm-Bezing bestreiten. Offen ist auch, ob Vorstand, Banken und Aufsichtsrat von dem Desaster vor sechs Wochen wirklich total überrascht wurden. Fest steht allerdings, dass auch die Banken bei Holzmann Milliarden verloren haben.

Doch auch ein positives Votum der Aktionäre wird noch nicht der Schlusspunkt im Fall Holzmann sein. Gerettet ist der Bauriese noch lange nicht: Betriebsrat, Gewerkschaft und Arbeitgeber ringen immer noch um eine tarifkonforme Lösung für den Sanierungsbeitrag der Arbeitnehmer, und Brüssel muss seinen Segen für die Bundeshilfen geben. Sonst wollen auch die Banken Holzmann nicht halten. Selbst wenn: Ohne Partner wird Holzmann nicht überleben. Verkaufsverhandlungen laufen angeblich schon.
...noch ein anderer Aspekt:

die KPMG prüft ja nicht nur die Klitschen am NM, sondern auch viel bedeutendere Firmen, die sogar richtige Gewinne erwirtschaften.
Die Finanzbehörden vertrauen in aller Regel den Testaten der Wirtschaftsprüfer, und prüfen selber, wenn überhaupt, nur noch Stichprobenartig....

wenn es nun möglich ist, 96% des Umsatzes herbeizulügen, könnte es eventuell auch möglich sein, ein paar % des Gewinns verschwinden zu lassen und so, sozusagen `mit Testat` die Steuern zu verkürzen :confused:

eins jedenfalls sollte sofort unterbunden werden:

gleichzeitige Beratungstätigkeit und Prüfungstätigkeit durch das gleiche Unternehmen !
@The Canadien

Es sollen Abit und JAck White nochmals geprüft werden.
Was denkst du wird man eventuell entdecken und wie wird sich der Kurs entwickeln?
Hier noch hervorgeholt aus dem W : O Archiv...


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 #1  von kopfrechner   12.04.01 18:59:22  Beitrag Nr.: 3.298.293   3298293
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COMROAD AG



...folgende eMail erhielt ich am 31.März 2001, nachdem Platow sich über ComROAD hergemacht hatte:

Sehr geehrte ComROAD Aktionäre,

seit dem IPO im November 1999 war die Geschäftsentwicklung
der ComROAD AG sehr erfolgreich. Im Jahr 2000 konnte der
Umsatz um mehr als 400 % auf 43,8 Millionen Euro gesteigert
werden. Der Zuwachs im Ebitprofit war mit über 600 % auf 9,2 Mio.
noch höher.

Trotz der Turbulenzen am Neuen Markt ist der Aktienkurs seit dem IPO
um mehr als 400 % gestiegen. Aufgrund der innovativen Technologie
und des herausragenden Geschäftskonzeptes konnten bisher 33
Lizenzpartner gewonnen werden.

Wir möchten Ihnen als Aktionäre für Ihre Unterstützung und Ihr
Vertrauen danken.

Aufgrund der Unsicherheit bei einigen Firmen im Neuen Markt
werden von unbekannten Quellen auch Gerüchte über die
ComROAD AG in Umlauf gebracht, die die Kursentwicklung negativ
beeinflusst haben. Dies betrifft Sie als Aktionäre wie auch unsere
Mitarbeiter und Altaktionäre.

Die ComROAD AG hat bisher alle Planzahlen übertroffen. Die Bilanzen
der ComROAD AG sind von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG
testiert. Die Bilanz für das Jahr 2000 steht auf unserer Webseite sowie
auf der Webseite des Neuen Marktes zur Information bereit.

Die mit den Partnern abgeschlossenen Verträge wurden im Rahmen der
Due Diligence von den Banken sowie im Januar 2001 von der KPMG ein-
gesehen.

Im Interesse aller Aktionäre möchten wir Sie bitten bei Gerüchten nach
Fakten und Details zu fragen und uns die Quelle mitzuteilen, damit wir die
notwendigen Massnahmen ergreifen können.

Die ComROAD AG ist eine der wenigen Firmen am Neuen Markt die
ansehliche Gewinne und hohe Wachstumsraten erzielen.

Diese Fakten werden im Interesse aller ComROAD Aktionäre langfristig
durch steigende Aktienkurse zum Ausdruck kommen.

Ich freue mich, Sie auf unserer Hauptversammlung am 28. Mai 2001
im Hilton Hotel Tucherpark, München, um 10.30 Uhr, begrüssen zu
können.

Mit freundlichen Grüßen
ComROAD AG
Bodo A. Schnabel
Vorstand




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 #2  von Richy   12.04.01 19:02:08  Beitrag Nr.: 3.298.324   3298324
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COMROAD AG



Jetzt müßte man nur noch überprüfen, inwiefern die E-Mail korrekt ist.
Ob man eine Möglichkeit hat an die Wirtschaftsprüfer zu kommen, daß die die Aussage bestätigen?



 #3  von 369   12.04.01 19:04:14  Beitrag Nr.: 3.298.341   3298341
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COMROAD AG



KPMG ist auf jeden Fall eine international hoch geschätzte Firma, mit einem sehr guten Ruf.

Sobald der Comroad Vorstand aus Amerika zurück ist, wird Platow verklagt!



 #4  von Richy   12.04.01 19:08:47  Beitrag Nr.: 3.298.382   3298382
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COMROAD AG



Ich zweifele nicht an KPMG, ich würde mir nur gerne die
Aussage von KPMG bestätigen lassen.



 #5  von Aktienkrieger   12.04.01 19:09:26  Beitrag Nr.: 3.298.386   3298386
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COMROAD AG



Falls es sich wirklich um falsche (absichtlich gestreute) Gerüchte handelt wird es sicherlich ein Strafverfahren/Anzeige bei der Staatsanwaltschaft geben. Zahlreiche geschädigte Kapitalanleger könnten Ansprüche geltend machen.



 #6  von nasdaq10.000   12.04.01 20:34:46  Beitrag Nr.: 3.299.043   3299043
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COMROAD AG



KPMG (www.KPMG.com) ist eine der grossen, seriösen und renommierten Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften weltweit.

Obiges Email bekam jeder auf Anfrage von Comraod zugesandt.

Gruss



 #7  von Jebbedaia   12.04.01 21:01:52  Beitrag Nr.: 3.299.212   3299212
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COMROAD AG



Mische mich bewußt nicht in den eigentlichen "Comroadstreit" ein, obwohl ich mir inzwischen eine Meinung gebildet habe, nur:

Wenn die Anschuldigungen von Plateau (jaja die Rechtsschreibung) und die einhergehenden Gerüchte an Board zutreffen, dann können da 20 Wirtschaftsprüfer die Zahlen prüfen und alles scheint für sie in bester Ordnung...Ist also nicht der eigentliche Kriegsschauplatz.

Schaue mir aus Vorsicht die Sache entspannt und von außerhalb an...

mfg



 #8  von Neidhammel   13.04.01 16:07:49  Beitrag Nr.: 3.302.574   3302574
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COMROAD AG



19. Februar 2001



K P M G

Gläubiger fordern zwei Milliarden Mark Schadenersatz

Die durch die FlowTex-Pleite geschädigten Banken und Leasingfirmen formieren sich gegen die Wirtschaftsprüfer-Gesellschaft KPMG. Auch Dresdner Bank und Commerzbank lassen offenbar Schadenersatz-Ansprüche prüfen.


© DPA

FlowTex-Zentrale in Ettlingen

Frankfurt am Main - Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" gehören die beiden Großbanken zu jenem bisher anonymen Pool von Kreditinstituten und Leasingfirmen. Insgesamt zählen zu dem Interessenkreis, den der Freiburger Rechtsanwalt Christian Wolf vertritt, 78 Banken Sparkassen und Leasingfirmen aus dem gesamten Bundesgebiet.
Dass die Commerzbank und die Dresdner Bank gegen die KPMG mobil machen, sei deshalb interessant, weil sie noch kurz vor dem FlowTex-Zusammenbruch eine Anleihe im Volumen von 300 Millionen Euro auflegen wollten, heißt es in dem Bericht weiter. Der "Anti-KPMG-Pool" beziffere seine Forderungssumme gegenüber der Prüfgesellschaft auf rund zwei Milliarden Mark.

Die KPMG weist die Forderungen kategorisch zurück. Die Gesellschaft habe sich keinerlei Pflichtverletzungen vorzuwerfen. Alle seien Opfer des Schneeballsystem bei FlowTex geworden. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ist für diesen Mittwoch ein Treffen der Juristen beider Parteien geplant, bei dem ersten Möglichkeiten einer außergerichtlichen Einigung ausgelotet werden sollen.



 #9  von THECANADIEN   13.04.01 16:10:25  Beitrag Nr.: 3.302.581   3302581
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COMROAD AG



zur Wiederholung KPMG auch bei Balsam und bei Holzmann mit an Board gewesen;


Gruss


THE CANADIEN



 #10  von Neidhammel   13.04.01 16:13:52  Beitrag Nr.: 3.302.590   3302590
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COMROAD AG



K O N Z E R N E

Verluste bei MG Technologies?



© DPA

Kajo Neukirchen

Kajo Neukirchen, Vorstandschef der Frankfurter Metallgesellschaft, muss auf seiner nächsten Hauptversammlung am 30. März mit dem Widerstand erboster Aktionäre rechnen. Besorgte Miteigner des Chemie- und Anlagenbauspezialisten, der neuerdings unter dem Namen MG Technologies firmiert, wollen Neukirchen und seinen Kollegen die Entlastung verweigern und eine Sonderprüfung des letzten Jahresabschlusses durchsetzen. Sollte der Antrag abgelehnt werden, wollen die beunruhigten MG-Aktionäre, die sich bislang noch bedeckt halten, notfalls sogar vor Gericht ziehen.
Die Kritiker werfen Neukirchen vor, er habe durch laxe Kontrolle als Aufsichtsratschef bei seiner Anlagenbautochter Lurgi Milliardenwerte vernichtet und die MG-Ergebnisrechnung durch die Veräußerung von Firmen und die Umstellung auf US-Bilanzregeln geschönt. Auch durch Verkäufe von Forderungen an Banken im großen Stil in Höhe von über einer Milliarde Mark kurz vor dem Bilanzstichtag sei die wahre Situation des Unternehmens verschleiert worden, rügen sie. Anhand eigener Berechnungen wollen die Gegner des MG-Chefs nachweisen, dass Neukirchen für das vergangene Jahr statt des ausgewiesenen Gewinns von rund 550 Millionen Mark operativ sogar einen Verlust erwirtschaftet hat.

MG-Finanzvorstand Karlheinz Hornung bleibt dagegen bei seiner Rechnung und verweist darauf, dass die Prüfgesellschaft KPMG den Abschluss uneingeschränkt testiert hat. Unangenehme Fragen wird der MG-Chef zu seinem Großanlagenbauer Lurgi beantworten müssen, der im vergangenen Jahr tief in die Verlustzone abglitt und den Aktienkurs der MG zeitweise um bis zu 40 Prozent absacken ließ. "Die Schieflage im Anlagenbau", kritisiert die Investmentbank UBS-Warburg in einer kürzlich veröffentlichten Studie, rechtfertige "Zweifel am Kontrollsystem des Konzerns".



 #11  von THECANADIEN   13.04.01 16:14:10  Beitrag Nr.: 3.302.591   3302591
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COMROAD AG



von THECANADIEN 28.03.01 17:03:31 3193594
KPMG steht im übrigen auch DEUTLICH im Zusammenhang mit FLOWTEX


K P M G

Holzmann-Prüfer am Pranger

Der Fall Holzmann könnte ein neues Kapitel in der Wirtschaftskriminalität eröffnen. Mit KPMG steht erstmals eine renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in der Gefahr, sich in Deutschland strafrechtlich verantworten zu müssen.

Frankfurt am Main - Für die Frankfurter Staatsanwälte gibt es zumindest Anhaltspunkte, dass Mitarbeiter der KPMG Konzernabschlüsse des Baukonzerns testiert haben, obwohl notwendige Wertberichtigungen und Rückstellungen nicht vorgenommen worden waren.
© DPA

Die Konzernzentralen von Holzmann und Deutsche Bank

Der Vorwurf geht sogar so weit, dass dies den Abschlussprüfern bekannt gewesen sei. Damit war auch die Basis gelegt, mit frisierten Bilanzen ohne erkennbare Milliarden-Risiken neue Kredite bei den Banken abzuholen.
Die KPMG war seit Beginn der Beinahe-Pleite des Frankfurter Bauriesen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Aber selbst auf der außerordentlichen Hauptversammlung Ende Dezember versicherte der Aufsichtsratsvorsitzende Carl von Boehm-Bezing, zugleich Vorstand der Deutschen Bank: "Eine Öffnung früherer Jahresabschlüsse ist nicht erforderlich. Die Bestätigungsvermerke der KPMG für die Vorjahre stehen ... nicht in Frage."

Aktenstudium bestätigte Verdacht

Nach der Lektüre der ersten 30 Aktenordner, mit denen der Holzmann-Vorstand seine Anzeige gegen frühere Vorstandsmitglieder unterlegte, sind die Spezialisten des Bundeskriminalamtes offensichtlich zu einem anderen Urteil gekommen. Deshalb fuhren die Staatsanwälte am Donnerstag auch bei der KPMG vor, um weiteres Beweismaterial zu sichern.

Dabei ist die Ausgangslage für Wirtschaftsprüfer ohnehin prekär. Sie stehen immer in einem schwierigen Interessenkonflikt. In kritischen Fällen müssen sie ihren Auftraggeber dazu bringen, eine notwendige Risikovorsorge zu bilden und in den Bilanzen Farbe zu bekennen. Allzu heftiges Drängen kann allerdings rasch mit dem Verlust der Geschäftsbeziehungen enden. Dabei geht es häufig nicht nur um die Jahresabschlüsse, sondern um einen Rattenschwanz zusätzlicher Aktivitäten wie Steuerberatung und juristische Vertretung.

Hinzu kommen die verschärften Konkurrenzbedingungen, die mittlerweile schon in Dumping-Angeboten ausarten. Dies könne aber "nur zu einer Prüfung minderer Qualität und zu einem Testat ohne Wert" führen, moniert etwa die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Anderson. Nach Darstellung ihres Deutschland-Chefs tritt die Konkurrenz teilweise mit Gebührensätzen von 1200 Mark pro Mann und Tag an. Dabei gelten Sätze zwischen 2000 und 2500 in der Branche als Faustregel.

Milliardenverluste wurden verschleiert

Ganz schwierig wird es, wenn mit krimineller Energie versucht wird, dubiose Tatbestände zu verschleiern. Bei Holzmann wurden Milliarden-Verluste bereits seit Anfang der 90er Jahre systematisch versteckt. Dazu wurde eine schweizerische Gesellschaft benutzt, bei der die Philipp Holzmann AG allerdings mit weniger als 50 Prozent engagiert war. Deshalb brauchte sie nicht in den Bilanzen des Konzerns aufzutauchen.

Erste Unregelmäßigkeiten fielen im Spätsommer 1995 auf. Die Aussagen des Holzmann-Vorstandes über die Verschuldung des Konzerns wiesen damals erhebliche Widersprüche zu parallel erstellten Berichten der Bundesbank über die Schuldensituation auf. Das hohe Minus ergab sich im wesentlichen aus Projektgeschäften, die über die schweizerische Vebau/Vebag-Gruppe abgewickelt worden waren.

Auch die interne Revision bei Holzmann stieß 1995 schon auf dubiose Immobiliengeschäfte mit drohenden Verlusten in der Größenordnung von einer Milliarde Mark. Als ihr Leiter darüber berichten wollte, wurde ihm die Kompetenz für die entdeckten Fälle entzogen.

Wolf Pampel

von THECANADIEN 28.03.01 17:04:32 3193600
Hier anbei die Rolle der KPMG im FLOWTEX-Skandal


F L O W T E X - S K A N D A L

KPMG sollen zahlen

Der mutmaßliche Betrugsskandal um FlowTex kann für die Wirtschaftsprüfer sehr teuer werden.

Stuttgart/Berlin - Rund 70 Banken und Leasingfirmen fordern nach Informationen aus Gläubigerkreisen Schadenersatz in Höhe von etlichen Millionen von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Nach einer erfolglosen Korrespondenz mit KPMG werde es nun voraussichtlich im Laufe des Februars Gespräche zwischen beiden Parteien geben. KPMG erklärte, sie werde sich gegen vermeintliche Ansprüche zur Wehr setzen.
Die beiden Firmenchefs der Ettlinger FlowTex-Gruppe, Manfred Schmider und Klaus Kleiser, sitzen seit Anfang Februar 2000 in Untersuchungshaft. Sie werden verdächtigt, nicht existierende Bohrmaschinen an Leasinggesellschaften verkauft und anschließend wieder geleast zu haben.

Schaden wird auf 3,4 Milliarden Mark geschätzt

Die Insolvenzverwalter und das Oberlandesgericht Karlsruhe schätzen den entstandenen Schaden bei den betroffenen Gläubigern auf maximal 3,4 Milliarden Mark. KPMG hatte als Wirtschaftsprüfer die Jahresabschlüsse der Gruppe testiert.

Vertreter der Gläubiger erklärten, sie hätten bereits Ende Oktober ein Schreiben an KPMG gerichtet, in dem grundsätzlich Schadenersatz verlangt worden sei. Die Wirtschaftsprüfer-Gesellschaft habe in einer schriftlichen Antwort die Forderungen abgelehnt.


Inzwischen zeigt sich die KPMG offenbar gesprächsbereiter. Wie die FlowTex-Gläubiger mitteilten, soll es noch im Februar zu einem Gespräch kommen.

Gütliche Einigung angestrebt

Obwohl eine Klage gegen KPMG nicht endgültig ausgeschlossen wird, sei man bestrebt, die Angelegenheit auf dem Gesprächsweg zu lösen. Zur angestrebten Schadenersatzsumme hieß es, diese sei noch nicht beziffert worden.

Die Summe könnte aber nach Einschätzungen der Gläubigerkreise höher ausfallen als bei dem Präzedenzfall des Sportbodenherstellers Balsam, bei dem die Wirtschaftsprüfer rund 50 Millionen Mark bezahlt haben sollen.

KMPG erklärte in einer Stellungnahme, sie werde sich gegenüber vermeintlichen Ansprüchen und Anschuldigungen mit allen gebotenen Mitteln zur Wehr setzen. Sie habe erst im Jahr 1997 den Auftrag zur Jahresabschlussprüfung der Gruppe erhalten. Die betrügerischen Machenschaften der FlowTex-Gesellschafter hätten dagegen schon zu Beginn der neunziger Jahre begonnen.



 #12  von metzki   13.04.01 16:14:45  Beitrag Nr.: 3.302.595   3302595
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COMROAD AG



Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Rette sich wer kann. Dienstag minus 75 % auf dann ca. 4,00 Euro.



 #13  von THECANADIEN   13.04.01 16:22:22  Beitrag Nr.: 3.302.620   3302620
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COMROAD AG



von THECANADIEN 31.03.01 22:06:39 3216012
Prüfer versprechen mehr Transparenz

Wirtschaftsprüfer in der Kritik - Haben die Kontrolleure den Zustand des Unternehmens richtig bewertet?

Hamburg cdo - Was haben Unternehmen wie Balsam, Telekom, Flowtex, Holzmann, HypoVereinsbank und mg technologies gemeinsam? In jedem dieser Fälle sind die Wirtschaftsprüfer umstritten. Haben die Kontrolleure den Zustand des Unternehmens richtig bewertet? Die Experten werden mit Schieflagen, möglichen Risiken im Immobiliengeschäft oder drohenden Pleiten von Unternehmen in Verbindung gebracht, deren Bilanzen sie testiert hatten. Das Image ist "angekratzt", beklagen Kenner. Im gleichen Atemzug wird der Ruf nach einer "Kontrolle der Kontrolleure" laut. Jetzt endlich reagiert Branche und verspricht mehr Transparenz.
Es wurde Zeit. "Alle sechs Monate kommt das Thema wieder hoch", schimpft der Würzburger Professor Hansrudi Lenz. "Immer häufiger müssen sich die Prüfer rechtfertigen." Immerhin, so betont Lenz, konnten den Prüfern keine Fehler nachgewiesen werden. Ein fader Beigeschmack bleibt dennoch. Die Öffentlichkeit fragt sich, ob die Prüfer, zuweilen als "zahme Wachhunde" (Financial Times Deutschland) tituliert, ihren Auftrag gründlich genug erfüllen.

In der Tat klafft zwischen Erwartungshaltung und Wirklichkeit eine große Lücke, so Harald Kessler vom Institut für Wirtschaftsprüfung an der Uni Saarbrücken. "Die Öffentlichkeit denkt, dass mit einem Testat die Wirtschaftlichkeit des Unternehmen garantiert ist. Es geht bei der Prüfung aber vor allem darum, ob die Bilanz den Vorschriften der Rechnungslegung entspricht", erklärt Kessler, der für den renommierten Bilanzprofessor Karlheinz Küting arbeitet, die negative Wahrnehmung.

Die Branche hat das Problem erkannt. Harald Wiedmann, Sprecher des Vorstandes von KPMG, spricht von einer "Erwartungslücke" und empfiehlt Offenheit und Transparenz. Christian Dyckerhoff, Vorstandssprecher der BDO Deutsche Warentreuhand, selbstkritisch: "Die Branche muss die Öffentlichkeit besser über ihre Arbeit und die Qualitätssicherheitssysteme informieren und erklären, warum sie was testiert hat."

Zumindest ein erster Schritt ist getan: Seit Jahresanfang müssen sich Wirtschaftsprüfer laut Gesetz einer Kontrolle durch einen Mitbewerber unterziehen, dem so genannten Peer Review. In diesem Rahmen wird das System der Prüfung, die Abwicklung und die interne Qualitätssicherung kontrolliert. Zudem gründete die Wirtschaftsprüferkammer eine unabhängige Kommission für Qualitätskontrolle. Für die Berufsvertretung sind dies "große Schritte in Richtung Qualität und Transparenz".



BDO will die Peer Review, nach einem Probelauf, im nächsten Jahr offiziell starten. KPMG hatte sich nach dem Holzmann-Skandal bereits im Jahr 2000 einem freiwilligen Check durch das Haus Ernst & Young unterzogen. Ergebnis: Alles in Ordnung.
Für Kritiker Lenz ist die gesetzliche Neuregelung unzureichend: Er fordert eine übergeordnete, möglicherweise staatliche Institution, die die Prüfer kontrolliert. Als Vorbild sieht er Großbritannien und die USA, wo diese Art von Schiedsrichtern schon arbeitet. Sie schlichten im Streitfall, korrigieren Jahresabschlüsse, können ermitteln und Sanktionen verhängen. "Solche Gremien könnten gerade im Fall mg helfen", so Lenz, "wenn verschiedene Gutachten existieren, die der Kleinanleger nicht mehr versteht."

Mit der Forderung nach mehr Transparenz hat Lenz die Zunft an seiner Seite: KPMG-Chef Wiedmann bezeichnet zwar die gesetzlichen Regelungen bei der Testierung als ausreichend, begrüßt aber zugleich die internationalen Rechnungslegungsstandards, weil sie deutlich höhere Anforderungen an den Informationsgehalt des Jahresabschluss stellen. Zudem befürwortet er eine Einrichtung wie das britische Panel Review, das bei Hinweisen Jahresabschlüsse untersucht und öffentlich kritisiert.

Trotz aller guten Vorsätze: An der aktuellen Diskussion über die mg technologies will sich Wiedmann als Betroffener jedoch nicht beteiligen und sagt lediglich: "Unsere Prüfer haben einwandfreie Arbeit geleistet."

BDO-Chef Dyckerhoff sieht die Branche mit der Novelle zwar auf dem richtigen Weg, regt aber an, dass sich "Prüfgesellschaften in Intervallen bei einem Unternehmen abwechseln, um mehr Transparenz zu schaffen". Und beklagt zugleich die Oligopol-Situation der Branche, in der mit KPMG und PricewaterhouseCoopers zwei Unternehmen rund 80 Prozent aller Dax-30-Firmen betreuen und in der sich das gesamte Geschäft überwiegend auf sechs Spieler verteilt.



 #14  von Neidhammel   13.04.01 16:22:42  Beitrag Nr.: 3.302.625   3302625
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Marktführer vor dem Aus

Der Weltmarktführer für Spracherkennungssoftware, Lernout & Hauspie, steht offenbar kurz vor dem Ruin. Nach der Staatsanwaltschaft treiben nun auch die Gläubiger das Unternehmen in die Enge.

Ieper - Das belgische Unternehmen bat in den USA um Schutz vor den Gläubigern und beim Handelsgericht im belgischen Ieper um einen Insolvenzverwalter zur Umstrukturierung. Vier Banken teilten am Donnerstag mit, dass sie von dem Software-Unternehmen bereits am Montag Kredite von mehr als 400 Millionen US-Dollar zurückgefordert hatten.

© AP

L&H-Zentrale in Ieper: "Fehler und Unregelmäßigkeiten"

Die Kreditgeber Deutsche Bank, Fortis Bank, KBC Bank und Artesia teilten in einem gemeinsamen Schreiben mit, dass sie "nicht mehr an die Bonität des Unternehmens glaubten". Sie gaben als Grund eine Gewinnwarnung, Unregelmäßigkeiten in der Bilanzierung und bedeutende Änderungen in der Unternehmensleitung an. "Darüber hinaus ließ der Revisionsbericht von KPMG auf sich warten und wurde kein akzeptabler Restrukturierungsplan vorgelegt."



 #15  von Neidhammel   13.04.01 16:26:57  Beitrag Nr.: 3.302.646   3302646
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COMROAD AG



15. Januar 2000 P O L I T I K | W I R T S C H A F T | N E T Z W E L T




H O L Z M A N N

Wer kontrolliert die Kontrolleure?

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG muss sich nach Ansicht des Bilanzexpertens Karlheinz Küting im Fall des Milliardenverlustes des Holzmann-Konzerns schwere Versäumnisse vorwerfen lassen. Küting forderte in der Samstagsausgabe der "Welt" die Bundesregierung auf, eine "Kontrollinstanz für Kontrolleure einzurichten". Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" drohen dem angeschlagenen Holzmann-Konzern weitere Millionenverluste.



 #16  von Neidhammel   13.04.01 16:27:59  Beitrag Nr.: 3.302.651   3302651
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13. Januar 2000 P O L I T I K | W I R T S C H A F T | N E T Z W E L T




K P M G

Holzmann-Prüfer am Pranger

Der Fall Holzmann könnte ein neues Kapitel in der Wirtschaftskriminalität eröffnen. Mit KPMG steht erstmals eine renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in der Gefahr, sich in Deutschland strafrechtlich verantworten zu müssen.

Frankfurt am Main - Für die Frankfurter Staatsanwälte gibt es zumindest Anhaltspunkte, dass Mitarbeiter der KPMG Konzernabschlüsse des Baukonzerns testiert haben, obwohl notwendige Wertberichtigungen und Rückstellungen nicht vorgenommen worden waren.
© DPA

Die Konzernzentralen von Holzmann und Deutsche Bank

Der Vorwurf geht sogar so weit, dass dies den Abschlussprüfern bekannt gewesen sei. Damit war auch die Basis gelegt, mit frisierten Bilanzen ohne erkennbare Milliarden-Risiken neue Kredite bei den Banken abzuholen.



 #17  von jimmydix   13.04.01 16:45:02  Beitrag Nr.: 3.302.718   3302718
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COMROAD AG



Hat jetzt nichts mit comroad zu tun. Ist es normal oder rechtens wenn der Wirtschaftsprüfer auf der Hauptversammlung entlastet wird? Wenn ja, heißt das dass der Prüfer später nicht mehr belangt werden kann?

MfG
jimmydix



 #18  von GoldSTAR   13.04.01 16:49:45  Beitrag Nr.: 3.302.739   3302739
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COMROAD AG



hi alle zusammen,

Testate von WPs haben gar keinen Wert!!!!!!!!!
Der einzige Wert daran ist, daß man gegen den entsprechenden WP klagen kann.
lt. Regelwerk NM haften WPs für NM-Unternehmen bis 10 Mio.

Vorsicht!!!

Kursverlauf läßt auf Unregelmäßigkeiten bei comroad schließen!!
Heiße Luft in Tüten
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Das Versagen deutscher Wirtschaftsprüfer

von Marie-Luise Hauch-Fleck



Mitte 1999 schien bei der Philipp Holzmann AG alles in bester Ordnung. Pünktlich zum 150-jährigen Bestehen des zweitgrößten deutschen Bauunternehmens verkündete Vorstandschef Heinrich Binder frohgemut, die finanzielle Lage des Unternehmens sei zufrieden stellend, und die Geschäfte liefen gut. Den Aktionären stellte er einen Gewinn in Aussicht. Ein halbes Jahr später klang alles ganz anders. Aus der Tiefe war - angeblich ganz plötzlich - in der Holzmann-Bilanz ein Verlust von 2,4 Milliarden Mark aufgetaucht und der Konzern mit weltweit 28 000 Mitarbeitern praktisch pleite.

Sexy Story statt dröger Fakten

Eine Schockwelle, ähnlich der, die der Fall Enron jetzt in den USA ausgelöst hat, rollte damals durch die deutsche Republik. Ein Thema, bis dahin allenfalls in Fachzirkeln diskutiert, fand plötzlich auch hierzulande breites Interesse: die Rolle der Wirtschaftsprüfer und der Aufsichtsräte bei der Kontrolle von Unternehmen. Schließlich hatte die Prüfungsgesellschaft KPMG den Jahresabschluss von Philipp Holzmann uneingeschränkt abgesegnet. Und auch der Aufsichtsrat hatte das Zahlenwerk abgenickt. Eilends zimmerte die rot-grüne Regierung daraufhin verschiedene Gesetze, die die Qualität der Prüfungen und die Kontrollmöglichkeiten von Aufsichtsräten verbessern sollen. Einen vollkommenen Schutz der Anleger vor Unternehmenspleiten und herben Vermögensverlusten bieten aber auch die nicht. Vor allem Unternehmen am Neuen Markt, ganz im Stile Enrons, seien noch immer weltmeisterlich darin, "heiße Luft in Tüten zu packen", spottet der Heidelberger Wirtschaftsjurist und Universitätsrektor Peter Hommelhoff über die Art der Bilanzierung des amerikanischen Energiekonzerns. Bislang zählt bei den allmächtigen Analysten vielfach eine "Story" mehr als dröge Fakten - auch wenn einige Finanzexperten nach dem Kursrutsch etwas nachdenklicher geworden sind.

Einer derjenigen, die auch während der New-Economy-Euphorie lieber die Rechenwerke der Unternehmen penibel prüften, als sich auf kühne Zukunftserwartungen zu verlassen, ist Karl-Heinz Küting, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung der Universität Saarbrücken. Der Kurssturz des ehemaligen Shooting-Stars am Neuen Markt, der ostdeutschen Intershop AG, hat ihn deshalb auch gar nicht überrascht. Schon Anfang 2000, als nahezu alle Analysten und Fondsmanager die Aktie empfahlen, hatte er akribisch ausgerechnet, dass lediglich 0,5 Prozent der damaligen Bewertung durch reale Zahlen abgesichert waren - der Rest basierte auf der Hoffnung auf das große Geschäft irgendwann in der Zukunft. Diese Hoffnung ist inzwischen geplatzt. Und mit ihr der Glaube vieler junger Studenten der Wirtschaftswissenschaften, dass die alten Lehrbuchweisheiten über die Gesetze der Ökonomie nicht mehr gelten.

Eine "sexy Story", also eine medienwirksam verkaufte Zukunftsvision aufzubauen, ist - darin sind sich viele deutsche Experten einig - nach amerikanischem Bilanzrecht ganz legal leichter als nach deutschem. So hätte Softwareriese Microsoft laut Economist 1998 statt eines Gewinns von 4,5 Milliarden Dollar einen Verlust von 17,8 Milliarden Dollar ausweisen müssen - wenn die Aktienoptionen der Mitarbeiter als Personalkosten verbucht worden wären. Das aber macht in den USA kaum ein Unternehmen. "Bei Bilanzen, die nach deutschem Recht aufgestellt werden, kann man genau sehen, wohin der Hase läuft", sagt Professor Küting. Und zwar unabhängig davon, wie "kreativ" die Buchhalter ihre Spielräume nutzen. Lange vor dem plötzlichen Zusammenbruch von Holzmann hatte Küting davor gewarnt. Nach US-Regeln sei eine solche Analyse der Bilanzpolitik nicht möglich, und das US-Recht ist inzwischen auch bei bundesdeutschen Großunternehmen auf dem Vormarsch. Herauszufinden, ob diese Firmen in Wahrheit Verluste oder tatsächlich Gewinne machen und wie hoch diese sind, wird deshalb selbst für ausgewiesene Experten immer schwerer - jedenfalls dann, wenn der Vorstand sich nicht wirklich in die Karten sehen lassen will.

Der Fall Enron hat deshalb auch hierzulande die Diskussion, wie Anleger vor bösen Überraschungen besser geschützt werden können, neu angefacht. Wirtschaftsjurist Hommelhoff warnt vor zu hoch gesteckten Erwartungen: "Ein System, das absolut wasserdicht ist, wird es nicht geben." Sollte sich jetzt rausstellen, dass Enron seine Bücher nicht wirklich gefälscht, sondern die Vorschriften lediglich extensiv ausgenutzt hat, um Risiken zu kaschieren, "wäre das eine viel größere Gefahr" für den Ruf des US-Kapitalmarktes. Denn der galt, bis zur Enron-Pleite, weltweit als Vorbild für Unternehmenskontrolle und Anlegerschutz.

Anders als in den USA müssen bundesdeutsche Arbeitnehmer jedoch selbst im Falle eines Konkurses ihres Unternehmens nicht um ihre Betriebsrenten bangen: Die sind über eine Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft, den Pensionssicherungsverein, geschützt. Selbst wenn die Fondsmanager sich künftig verspekulieren sollten, ist im Rahmen der Riester-Rente garantiert, dass die eingezahlten Beitrage auch wieder ausgezahlt werden.
Refugium


Eine ganz sichere Sache

Von all den vielen Geschäftsideen, die am Neuen Markt nach Anlegern suchten, war die von Refugium am leichtesten zu verstehen: Altenheime für eine alternde Gesellschaft. Ein Wachstumsmarkt. Zweifellos. Tatsächlich schaffte es die Aktie in achtbare Höhen - und stürzte ab. Vordergründig: eine von vielen. Dahinter: eine Geschichte, die für ein Drehbuch taugt.










Text:

Christiane Sommer
 










----- All is well, that ends well, sagen die Amerikaner. Nur: Wie es endet, weiß man vorher nicht.
Zum Beispiel bei Refugium. Nehmen wir den Gründer Paul Kostrewa, seinen Finanzvorstand Franz-Ludwig Solzbacher, den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Dietrich Walther, Chef von Gold-Zack, den amtierenden Vorstandsvorsitzenden Klaus Küthe und die Aktionäre. Sie alle hätten sich eine Menge Ärger erspart, hätten sie gewusst, was sie heute wissen.
Im Fall Refugium geht es nicht nur um persönliches Scheitern und dramatische Fehleinschätzungen. Es geht auch um den Vertrauensverlust am Neuen Markt. Sicher, längst nicht überall geht es so turbulent zu wie bei der Firma aus Königswinter bei Bonn mit ihren rund 3500 Mitarbeitern, die erst zum Börsenliebling wurde und dann jäh abstürzte, nachdem sich herausgestellt hatte, dass sie sich nur mit Hilfe von Scheingeschäften über Wasser hielt. Refugium zeigt, wozu Vorstände getrieben werden im verzweifelten Bemühen, ihrer Firma das Überleben an der Börse und zum Schluss überhaupt zu sichern.

Ein Architekt, der gern baut, schafft sich einen nimmersatten Auftraggeber.

Angefangen hat die Sache bei Refugium viel versprechend. Im August 1997 geht der Altenheimspezialist als zehntes Unternehmen an den gerade gegründeten Neuen Markt. Die Wachstumschancen sind leicht zu vermitteln: Die Zahl der Senioren, die ihren Lebensabend in Alteneinrichtungen verbringen wollen oder müssen, steigt ständig. Entsprechend freundlich reagieren die Anleger - das Papier notiert bei Börseneinführung zehn Mark über seinem Ausgabepreis von 25 Mark. Das Problem ist nur: Refugium kränkelt bereits, als es an die Börse geht.
Gegründet wurde das Unternehmen 1994 von dem Architekten Paul Kostrewa mit einer eleganten Konstruktion: Refugium sollte die Senioreneinrichtungen bauen und betreiben. So konnte der leidenschaftliche Architekt seine Baufreude ausleben - und gut daran verdienen.
Gründer Kostrewa ist ein Getriebener. Der Job ist seine Droge, auf mehr reagiert er mit mehr. Plant immer neue Heime, baut und renoviert. Er schont weder sich noch andere. Fährt nachts vom Rheinland nach Norddeutschland, um den Schichtwechsel in seinen Heimen zu kontrollieren. Der ist um 6.30 Uhr. Sitzungen mit seinen Managern finden oft um sieben Uhr morgens statt, für ihn schon zwei Stunden nach Arbeitsbeginn.
Er kontrolliert, kümmert sich um alles. "Ohne Zucht und Ordung läuft nichts", ist er noch heute überzeugt. Seine Angestellten fürchten und lieben ihn dafür.
Trotz seines Eifers - Kostrewa stößt an seine Grenzen. Die Banken wollen seine Expansionswut nicht mehr finanzieren. Sie wollen weniger Tempo, mehr Solidität von dem jungen Unternehmen. Kostrewas Passion ist zu teuer geworden.
Er holte sich Rat von Franz-Ludwig Solzbacher, einer lokalen Finanzgröße aus Bad Honnef, ganz in der Nähe von Königswinter. "Kostrewa brauchte dringend finanzielle Expertise", sagt Solzbacher. Aber: "Die Sache hatte Potenzial." So wird er Finanzchef bei Refugium.
Aber auch Solzbacher kommt gegen Kostrewas Passion nicht an: "Es war, als ob er die Häuser sammelte." Immer wieder habe er Kostrewa gewarnt, er solle doch erst mal ein Objekt abschließen und auf eine solide Basis stellen. Das aber dauert. Das Geschäft mit den Senioren ist vom Gesetzgeber reglementiert: Pflegesätze müssen ausgehandelt und Genehmigungen erteilt werden, bevor das Geldverdienen losgehen kann. Paul Kostrewa aber will nicht warten, baut weiter. Größer, schöner. Das Geld wird immer knapper.
Da kommt Solzbacher die rettende Idee: Wie wäre es mit einem Börsengang? Die Gründung des Neuen Marktes muss Kostrewa mit seinem mächtigen Kapitalhunger wie ein Schlaraffenland erschienen sein. Frisches Geld - noch dazu welches, das nicht zurückgezahlt werden muss wie bei den elenden Bankkrediten. Der Börsengang wird beschlossen. Ob sich alle Beteiligten über die Konsequenzen im Klaren waren, scheint heute zweifelhaft, damals jedenfalls schien die Börse ein Gottesgeschenk.
Gleich vier Banken sind bereit, den IPO zu begleiten: die Bayerische Vereinsbank, die Norddeutsche Landesbank, das Bankhaus Gontard und die Metallbank, ein ehemaliger Ableger der Metallgesellschaft. Den Deal fädelt Gold-Zack-Chef Walther ein, der auch an der Metallbank beteiligt ist.

Ein Vorstand, der die Baulust finanzieren soll, hat eine gute Idee.

Doch noch vor dem IPO kommt das Unternehmen ins Stolpern. Die Analysten der Bayerischen Vereinbank und der Norddeutschen Landesbank geraten mit ihren Prüfungen in Verzug. Heute ist nicht mehr klar, ob sie kalte Füße bekamen, weil ihnen das Zahlenwerk dubios erschien, oder - wie Franz-Ludwig Solzbacher sagt - die Experten der Banken Schwierigkeiten mit der für sie fremden Branche hatten. Jedenfalls steigen die Institute kurz vor dem geplanten IPO Ende August 1997 aus. Walther sorgt für Ersatz. Das Investmenthaus Robert Fleming steigt ein.
Manche behaupten, die Refugium hätte damals schon an der Wand gestanden. Finanzmann Solzbacher bestreitet das. Aber ein paar Sätze weiter sagt er auch, dass es schließlich um Kostrewas Lebenswerk gegangen sei.
Die Frage ist, warum das weder den Analysten von Gontard und Fleming noch den Verantwortlichen an der Börse aufgefallen war. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Dietrich Walther, bis Juni 1998 Aufsichtsratschef bei Refugium, sieht in der Kapitalknappheit der Refugium nichts Ungewöhnliches: "Natürlich haben Unternehmen, die an die Börse gehen, Kapitalbedarf", sagt er. In der Theorie ist das korrekt - aber es macht einen Unterschied, ob ein Unternehmen Kapital braucht, um zu investieren oder um zu überleben.
Die Börsenzulassung sieht zum Misstrauen keinen Grund: Rein formal erfüllt die Refugium alle Kriterien. Zudem ist man 1997 froh über jeden Kandidaten, der den Neuen Markt in Schwung bringt.
Nach außen hin läuft bei Refugium auch erst einmal alles nach Plan. Die Firma legt ordentliche Quartalszahlen vor und gedeiht scheinbar nicht schlecht. Der Aktienkurs allerdings dümpelt vor sich hin, rutscht kurzzeitig sogar unter den Emissionskurs von 25 Mark. Aber schließlich ist auch der Hype am Neuen Markt noch nicht ausgebrochen.
Die Analysten nennen allerdings noch andere Gründe für die maue Kursentwicklung: die Immobilien und Fachkliniken, die wie ein Klotz am Bein der Refugium hängen. Die teuren Gebäude müssen vorfinanziert werden, das Bauträger-Modell der Refugium scheint vielen suspekt. Die Bankexperten machen Kostrewa klar, dass der Aktienkurs nicht steigen wird, wenn er sich nicht von den Häusern trennt.
Kostrewa, genervt, beruft eine Sitzung ein. An einem Montag, Solzbacher erinnert sich noch genau ("seine Ideen hatte er immer am Wochenende, wenn er durch die Einrichtungen lief"), verkündete er seinem Finanzvorstand, dass er sich von den Reha-Kliniken trennen wolle. Solzbacher sagt, er habe diese Montage immer gehasst. Diesen ganz besonders. Er behauptet, mit diesem Tag gingen die Schwierigkeiten los.
Es kam zu einer Auseinandersetzung. "Die Immobilien waren die Substanz des Unternehmens, eines der Standbeine - ich war absolut dagegen." Aber auch einer wie Franz-Ludwig Solzbacher, der in seinem Wohnort Bad Honnef als graue Eminenz gilt, zahllose Firmen und einen legendären Ruf als Finanzjongleur besitzt, dem viele alles zutrauen, um seine Interessen durchzusetzen, ausgerechnet Solzbacher, kuscht vor Kostrewa. "Wenn der seine Launen hatte, kam man gegen ihn nicht an."
Kostrewa beginnt damit, die Immobilien loszuschlagen. Das Kerngeschäft der Refugium ist nun das Betreiben von Senioren- und Pflegezentren. Im März 1998 verabschiedet sich Solzbacher aus dem aktiven Geschäft, bleibt der Refugium aber als Berater verbunden.
Die Börse ist von Kostrewas Entscheidung begeistert: Der Kurs geht nach dem Strategiewechsel richtig ab, hat sich nun seit dem Börsengang verdreifacht.
Auch in der Zentrale hinterfragt niemand den neuen Kurs des Chefs. Die Analysten müssen es ja wissen. Zudem sind es die Mitarbeiter nicht gewöhnt, ihrem allgewaltigen Chef zu widersprechen. Der Chef denkt, wir machen, ist die Devise. Nur nicht auffallen. Und die Zahlen sehen ja nicht schlecht aus, in der Zentrale sind rund 130 Leute beschäftigt, die Häuser werden vom Chef direkt kontrolliert. Das gibt ihnen Sicherheit. Bodo Kerstin, ein ehemaliger Refugium-Mann: "Er war wie ein Vater. Er vermittelte uns das Gefühl, er wisse schon, was gut für uns ist."
Ohne Paul, wie ihn seine Mitarbeiter heimlich nennen, läuft nichts, aber mit ihm bald auch nichts mehr. Nur hat das bis 1999 kaum einer seiner Getreuen geahnt. Um das von der Börse geforderte Wachstum zu schaffen und die Zahlen weiter positiv aussehen zu lassen, hatte Kostrewa mit ein paar Vertrauten bereits 1997 begonnen, allerlei wilde Geschäfte zu machen.

Zwei Partner, die Geld brauchen, machen es sich einfach selbst.

Einige Namen tauchen bei den Deals immer wieder auf: die von Kostrewa und Solzbacher. Am 30. Dezember 1997 etwa beschließen die beiden ein eher unübliches Geschäft. Die beiden treffen sich bei Stefan Weber, Notar in Königswinter, und lassen zwei eigenwillige Optionsgeschäfte beurkunden. Dabei geht es um das Seniorenwohnheim Nöpke, das von der Refugium 1996 für acht Millionen Mark gekauft worden war. Mit der ersten Urkunde erwirbt Kostrewa als Privatperson von der Refugium, vertreten durch Solzbacher, für fünf Millionen Mark das Recht, die Immobilie Nöpke spätestens bis zum 31. Dezember 1998 zu kaufen. Der Optionspreis soll bei Ausübung zusammen mit dem Kaufpreis von 7,988 Millionen Mark fällig werden. Wird die Option nicht ausgeübt, ist der Optionspreis von fünf Millionen Mark gleichwohl fällig, zahlbar spätestens zum 31. Dezember 1998.
Einen ähnlichen Deal schließen sie über das Refugium-Objekt Wendeburg ab. Nur gewährt diesmal die Refugium, vertreten durch Kostrewa, der Skorpion Vermögensverwaltung, vertreten durch Solzbacher, das Ankaufsrecht. Als Optionspreis werden vier Millionen Mark vereinbart.
Die satten Optionsprämien werden im Abschluss 1997 als Forderungen gegen Kostrewa und Skorpion eingebucht und als "Verkaufserlöse Gebäude" unter den normalen Umsatzerlösen ausgewiesen. Die Bilanz strahlt freundlicher - nur reichen die Beträge offenbar nicht, um den angekündigten Gewinn zu erzielen. Jedenfalls treffen sich Solzbacher und Kostrewa am 17. März 1998 wieder beim Notar und lassen sich eine Erhöhung der Nöpke-Prämie von fünf auf 10,3 Millionen beurkunden. Eine Begründung findet sich in der Urkunde nicht.
Damit nicht genug: Die Mehr-Prämie von 5,3 Millionen Mark wird - obwohl erst im März vereinbart - noch ertragswirksam für das Jahr 1997 gebucht. Damit stecken im Abschluss für 1997 insgesamt 14,3 Millionen Mark aus diesen kreativen Geschäften. Genug, um aus dem angefallenen Verlust von 5,8 Millionen Mark einen ausgewiesenen Gewinn von 8,5 Millionen Mark zu machen.

Ein Lagebericht, der wenig mit der Realität zu tun hat, lässt die Aktie fliegen.

Furchtbar kompliziert? Es geht noch weiter. Und nur um einen Eindruck der Geschäfte zu vermitteln, noch dies: Nachdem Kostrewa den Strategiewechsel beschlossen hat, fragt er sich natürlich, wohin mit den ganzen Immobilien? Ganz einfach: Er verkauft sie an die Pako, eine Gesellschaft, die ihm zu 100 Prozent gehört. Die Pako wiederum vermietet die Einrichtungen an Refugium. Die Wertgutachten für die Verkäufe und die Mieten lässt er die Kölner Wirtschaftsprüfer Sauerland, Rybka und Partner machen. Sie bescheinigen die Marktgerechtigkeit der Preise. Wie sich allerdings im Nachhinein herausstellt, sind die Mieten höher als die von den Pflegekassen erstatteten Baukosten-Anteile im Pflegesatz. Ende 1998 hat Paul Kostrewa nahezu alle Refugium-Immobilien an Pako verkauft. Das bedeutet: Alle Einrichtungen zahlen mehr Miete, als die Pflegekassen erstatten.
Im Lagebericht zur Bilanz 1998 ist das nicht erwähnt. Dort steht auch nicht, dass 42 Millionen Mark Ertrag aus den Grundstücksgeschäften mit Pako stammen. Im Gegenteil: Im Lagebericht ist von einer erfreulichen Entwicklung die Rede. Kein Wort davon, dass die 55,4 Millionen Forderungen gegen Pako zumindest als gefährdet einzustufen sind. Kostrewas Pako verfügt bei einem Gesamt-Engagement von 450 Millionen Mark gerade mal über ein Eigenkapital von 45 Millionen Mark, Gesellschafterdarlehen inklusive.
Dem positiven Lagebericht folgt im Januar 1999 die stolze Meldung, Refugium habe 1998 ein Umsatzplus von rund 40 Prozent auf gut 143 Millionen Euro geschafft und damit sogar 25 Millionen mehr als geplant. Auch die Eigenkapitalquote sei von 23 auf über 30 Prozent gestiegen.
Das zeigt Wirkung: Die Aktie steigt. Am 1. Februar allein um fast 14 Prozent. Auf N-TV empfiehlt ein Vermögensverwalter die Aktie zum Kauf, er sieht ein Kurspotenzial von 150 Prozent.
Bei Refugium ist man guter Dinge: Die Mitarbeiter sehen, dass der Kurs steigt, und der Chef verbreitet eitel Sonnenschein. Der Wirtschaftsprüfer setzt ein uneingeschränktes Testat unter den Abschluss. Der Refugium geht es nun auch offiziell gut.
Hat er denn nicht gesehen, dass die Gesellschaft sich nur noch mit Scheingeschäften über Wasser hält? Auf Nachfrage bezeichnet der Prüfer die Buchungen als ganz normale Geschäftsvorfälle. Die Rückbuchung der Optionserhöhung vom März 1998 in die alte Rechnung beschreibt er als "Wertaufhellung".
Gegen den Wirtschaftsprüfer wird mittlerweile wegen Beihilfe ermittelt, wie Oberstaatsanwalt Fred Apostel bestätigt. Und was ist mit dem Notar? Hat er nicht gesehen, dass das Optionsgeschäft zumindest fragwürdig war? Hätte er nicht darauf hinweisen müssen?
Hier zeigen sich die Grenzen der Rechnungslegung. Und der Transparenz, die sie für Außenstehende schaffen soll: Steht erst mal das Testat unter dem Jahresabschluss, gibt es keinen Grund zum Zweifeln und auch wenig Möglichkeit zum Eingriff. Das ist ein Verfahren, das gut läuft, wenn jeder seinen Job ordentlich macht. Wenn.

Ein Vorstandschef, der unter Druck gerät, hat mit allem nichts zu tun.

Solzbacher jedenfalls findet weder die Optionsgeschäfte anrüchig noch die anderen Transaktionen irgendwie ungewöhnlich. Kostrewa sagt heute: "Ich bin Architekt, ich kenne davon nichts."
Die Frage ist, wie er als Chef dann auf solch komplizierte Transaktionen verfallen konnte. Leute, die beide kennen wie Hartmut Ostermann von Pro Seniore, heute an der Refugium beteiligt und im Vorstand: "Also, Kostrewa war Architekt." Andere wie Dietrich Walther sagen: "Der Kreativere in finanziellen Dingen war Solzbacher." Das kann alles und nichts heißen. Und alles, was herauskommt, wenn man darüber nachdenkt, wäre justiziabel.
Ob die Geschäfte in Ordnung waren, klärt inzwischen die Bonner Staatsanwaltschaft, die zunächst Anklage in acht Punkten erhob und die Vorwürfe nun auf über 30 Tatkomplexe auch abseits der Refugium ausgeweitet hat. Laut Hausdurchsuchungsbeschluss gegen Kostrewa, Solzbacher und fünf weitere Personen, zum Teil Ex-Vorständen der Refugium, wird wegen "des Verdachts der Untreue, des Kapitalanlagebetruges und der unrichtigen Darstellung gemäß § 331 HGB" ermittelt. Unter anderem hält die Staatsanwaltschaft auch Solzbachers Beratervertrag für fragwürdig.
Was die Staatsanwaltschaft interessiert, irritiert den Aufsichtsrat erst im März 1999. Die Pako trudelt, und den Aufsehern dämmert: Irgendetwas stimmt hier nicht.
Warum erst jetzt? Dietrich Walther, bis Juni 1998 Aufsichtsratsvorsitzender und heute einer der potenziellen Retter der Refugium, sagt: "Na, bei den vielen Aufsichtsratsjobs, die man hat - wie soll man da alle Zahlen einzeln kontrollieren? Das ist die Aufgabe des Wirtschaftsprüfers." Zudem seien die Bestimmungen für Aufsichtsräte zu lax.
Tatsächlich offenbart sich bei Refugium ein Grundproblem des Systems: Ist der Vorstand auch Mehrheitsaktionär, bestimmt er seinen Aufsichtsrat selbst. Oft sind es Freunde und Bekannte, die ihren Freund oder Bekannten kontrollieren sollen. So kommt es, dass gerade bei Neuen-Markt-Unternehmen viele die Aufsicht über etwas haben, was sie nicht verstehen.
Bei der Refugium jedenfalls stimmt im Frühjahr 1999 gar nichts mehr. Die Substanz ist weg, die Zahlen sind so in Unordnung geraten, dass niemand mehr den Durchblick hat. Der überforderte Vorstandsvorsitzende schon gar nicht.
Da endlich handelt der Aufsichtsrat und holt externe Hilfe. Er beauftragt die Wirtschaftsprüfer von Arthur Andersen und den krisenerfahrenen Klaus Küthe, Ex-Finanzvorstand von Alcatel SEL, das Zahlenwerk zu ordnen.
Die Experten rücken am 11. Mai an. Was sie finden, verschlägt ihnen die Sprache. Und dabei haben sie, wie sich hinterher herausstellt, zwar vieles erkannt, aber längst nicht alles.
Am 25. Mai 1999 findet die Hauptversammlung statt. Laut Tagesordnung soll es unter anderem um eine Kapitalerhöhung gehen - stattdessen erfahren die Aktionäre von der desolaten Lage ihres Unternehmens. Über die von Kostrewa versprochene Dividende kann sich niemand mehr freuen, und überhaupt ist Kostrewa weg: Das Unternehmen wird ab dem 1. Juni von Klaus Küthe geleitet.
Die Belegschaft ist fassungslos, erinnert sich die ehemalige Pressechefin Simone Stein. Sie ist erst wenige Monate vor der Hauptversammlung von Kostrewa eingestellt worden, genauso, wie der Rechtsanwalt Ulrich Lêmoine und der Controller Uwe Entchelmeier, den Kostrewa von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG holte.
Ob Kostrewa ahnte, dass er es nicht mehr schafft? Er sieht sich zu Unrecht ins trübe Licht gerückt: "Das wird sich noch herausstellen, wer am Ende Recht hat. Ich jedenfalls habe immer im Sinne des Unternehmens handeln wollen."
Auf der Hauptversammlung geht es hoch her. Die Aktionäre sind entsetzt über die Zustände bei Refugium. Die Mitarbeiter dagegen sind überzeugt: "Sie haben den Paul irgendwie gelinkt." Dem neuen Vorstandsvorsitzenden Küthe machen Teile der Belegschaft gleich bei Amtsantritt unmissverständlich klar, wer immer noch der Herr im Haus ist. "Paul kommt zurück", raunt es. Das ist Verheißung und Drohung zugleich.
Der Neue watet im Sumpf. Ihm ist klar: Die Lage ist "verdammt ernst", und er weiß, dass er gnadenlose Aufklärung betreiben muss, wenn er das Vertrauen in Refugium wiederherstellen will. Kostrewa, formal noch der Gesellschaft zugerechnet, wird im August 1999 wegen des Verdachts "unüblicher Bilanzierung" fristlos gekündigt. Seine Anteile an Pako und Refugium hatte er bereits zurückgegeben. Gleichzeitig meldet Küthe Schadensersatzansprüche gegen den ehemaligen Vorstand beim Landgericht Bonn an.
Gemeinsam mit Pressechefin Simone Stein und ihrem Nachfolger Thomas Kleyboldt entwickelt er gegen die Widerstände im Unternehmen eine Transparenz-Strategie. Sie wissen, dass nicht der kleinste Makel an der Refugium kleben bleiben darf.
Man ringt sich schließlich dazu durch, alles aufzurollen. Die Belegschaft ist nicht begeistert. Königswinter ist klein und der Arm von Kostrewa, aber auch von Solzbacher, so scheint es, lang. Immer wieder tauchen vertrauliche Informationen bei den beiden Altgesellschaftern auf, immer wieder werden gezielt Gerüchte gestreut. Was das soll? Viele erhoffen sich einen guten Stand, falls die alte Riege doch wieder im Unternehmen auftaucht. Solzbacher, der in Bad Honnef ein exklusives Hanggrundstück direkt über dem von Küthe hat, lässt den neuen Vorstand wissen: "Ich habe Sie stets im Blick." Es wird gemunkelt, nur deshalb habe er seine Tannen gekappt.
Auch Drohungen vor allem gegen den Hausjuristen Lêmoine tauchen immer wieder auf. Er wird mit angeblich dubiosen Geschäften in Ostdeutschland in Verbindung gebracht. Vorwürfe, die er entkräften kann. Aber der Druck steigt. Lêmoine erhält Drohbriefe. Die Strategie scheint klar: Die Neuen sollen eingeschüchtert werden. Weder Küthe noch Lêmoine lassen sich beirren.
So kommt ihnen wohl auch ganz gut zupass, dass die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre gerichtlich verlangt, die Bilanzen für 1997 und 1998 für nichtig erklären zu lassen. Refugium bemüht sich gar nicht erst, gegen die Klage anzugehen. Die Bilanzen werden neu aufgestellt. Sie ergeben: 1997 machte die Refugium 21,4 Millionen Mark Verlust. Die alte Bilanz hatte einen Gewinn von 8,5 Millionen Mark ausgewiesen. 1998 betrug der Fehlbetrag 43,3 Millionen Mark anstatt eines Gewinns von 10,4 Millionen Mark.

Ein Staatsanwalt, der endlich handelt und zwei Ex-Vorstände ins Gefängnis steckt.

Die Aufstellung der neuen Bilanzen ist ein Schlag ins Gesicht der Kostrewa-Getreuen im Unternehmen und eine Kriegserklärung an die Altvorstände. Doch es kommt noch schlimmer: Am 19. Januar 2000 ordnet die Staatsanwaltschaft Hausdurchsuchungen bei Kostrewa, Solzbacher, Ex-Finanzvorstand Werner Düll und vier weiteren an. Oberstaatsanwalt Bernd König lässt 65 Beamte 18 "Örtlichkeiten" auf den Kopf stellen.
Solzbacher und Kostrewa landen für eine Nacht in Untersuchungshaft, müssen ihre Ausweise abgeben und sich seitdem regelmäßig bei der Polizei melden. Solzbacher findet das mittlerweile ein "bisschen kurios". Die örtliche Polizeistation ist sein Nachbar, man wohnt sozusagen Tür an Tür: "Das klingt amüsant, lustig ist es nicht."
Auch bei der Refugium kommt es zu einer Hausdurchsuchung. Man findet aber nichts, außer Material, das Kostrewa und Solzbacher belastet, sagt Küthe. Und lächelt fein. Im Sommer 2000 endlich ist bei Refugium so etwas wie Ordnung eingekehrt. Zumindest stimmen die Zahlen, rosig sind sie dennoch nicht. Die Aufklärung kostet Energie und bindet die guten Kräfte.
Auf der Hauptversammlung am 28. August 2000 kommt es zum Eklat. Ein Aktionär stellt rund 30 Fragen. Die Informationen dafür können eigentlich nur von Insidern kommen. Alle zielen auf die Desavouierung des Vorstandsvorsitzenden ab: Wieso fährt Küthe ein so großes Dienstfahrzeug? Warum die hohen Spesen? Weshalb hat er eine bestimmte Dame befördert - und wieso hält er auch ansonsten einen "sehr engen persönlichen Kontakt" mit ihr? Warum bekommen Lêmoine und Entchelmeier nun mehr Geld?
Vor der Hauptversammlung kursiert ein mittlerweile wohl bekanntes Gerücht: "Der Küthe macht nicht mehr lange." Auf der Hauptversammlung wird heftig diskutiert. Aber Küthe bleibt.
Dennoch: Der Aktienkurs bröckelt. Und während man bei vielen Unternehmen am Neuen Markt sagen kann, es liegt an der allgemeinen Börsenentwicklung, ist bei Refugium der Fall anders: Das Unternehmen leidet unter seinem Ruf und an den internen Querelen. Die Aktionäre wollen endlich schwarze Zahlen sehen.
Fieberhaft arbeiten Küthe und seine Leute an einem Sanierungskonzept für das angeschlagene Unternehmen. Auch der Betriebsrat zieht mit: Akzeptiert verspätete Gehaltszahlungen, um das Unternehmen bei der Sanierung zu stützen.
Der Plan: Der Altenheim-Betreiber Pro Seniore und sein Chef Hartmut Ostermann sollen zusammen mit Dietrich Walthers Gold-Zack Großaktionäre bei Refugium werden. Pro Seniore soll 92 Prozent ihrer Tochtergesellschaft Victor`s Health Care Services einbringen. Damit lägen dann 100 Prozent der Gesellschaft bei Refugium, und Pro Seniore wäre mit 52 Prozent Mehrheitsgesellschafter. Die Gold-Zack soll ihre Pako-Anteile, die sie 1999 von Kostrewa übernahm, einbringen. Die Sacheinlagen würden das Grundkapital der Refugium von 52 Millionen auf 157 Millionen Mark erhöhen. Durch eine Barkapitalerhöhung sollen noch mal 40 Millionen Mark in die leeren Kassen des Unternehmens kommen. Damit wäre die Refugium gerettet.

Eine schreckliche Geschichte, die noch nicht zu Ende ist und aus der sich dennoch etwas lernen lässt.

Guter Plan, doch auf der Hauptversammlung am 31. Januar 2001 stellen sich Aktionäre quer. Am heftigsten leistet der Hamburger Anwalt Michel Bohndorf Widerstand. Bohndorf, der zu Protokoll gibt, dass seine in den USA lebende Familie rund drei Millionen Mark mit den Aktien des Altenheim-Betreibers in den Sand gesetzt hat, bezweifelt die erstellten Wertgutachten für die Sacheinlagen.
Zwar wird die Kapitalerhöhung von der Hauptversammlung genehmigt, aber Bohndorf und noch drei weitere Aktionäre erheben Anfechtungsklage gegen den Beschluss. Das ist bitter für die Gesellschaft: Wenn der zuständige Registerrichter den Klagen stattgibt, kann die Refugium vorerst nicht saniert werden.
Die Zeit drängt. Die Retter sind ungeduldig und zeigen Nerven: Von Ostermann ist zu hören, dass er sich den Sanierungsplan noch einmal hat durch den Kopf gehen lassen und nachverhandeln will. Walther, der die leidige Angelegenheit endlich vom Tisch haben will - wohl auch, weil sein Name immer wieder im Zusammenhang mit dem Desaster bei Refugium fällt - drängt zur Einigung, stellt aber seinerseits wechselnde Forderungen. Klaus Küthe kämpft an allen Fronten gleichzeitig um sein Unternehmen: Er muss Mitarbeiter und Aktionäre beruhigen und nicht zuletzt Walther und Ostermann bei der Stange halten. Zwar stehen beide im Interview immer noch hinter Refugium - aber noch hat keiner von ihnen den erforderlichen Einbringungsvertrag unterzeichnet. Vor allem Ostermann blockt. Auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am 7. März wird ihm eine siebentägige Frist eingeräumt, die er aber verstreichen lässt.
Längst schon kursieren wieder Gerüchte: Küthe wird es nicht schaffen. Das Unternehmen muss Insolvenz anmelden. Einige Verlierer stehen jetzt schon fest: Kostrewa musste Insolvenz anmelden und erleidet im Februar einen Herzinfarkt; Solzbacher beklagt, Refugium mache ihm das Leben schwer - für seinen Restart in der Seniorenbranche geben die Banken nur noch ungern Geld.
Schreckliche Geschichte? Noch ist sie nicht vorbei, und vielleicht wird am Ende doch noch alles gut.
Was aber lässt sich aus dem Drama von Refugium lernen?
Erstens: Es ist gefährlich, wenn der Börsengang für vergangene, nicht für zukünftige Investitionen genutzt wird. Zweitens: Es ist nicht gut, wenn der Vorstandschef zwar das Kerngeschäft betreiben will, aber von Bilanzen keine Ahnung hat. Drittens: Es ist nicht ratsam, auf einen Rat zu hören, den man nicht versteht. Viertens: Verschleierung ist nur kurzfristig eine gute Taktik. Fünftens: Wer manipuliert, muss damit rechnen, zur Verantwortung gezogen zu werden. Sechstens: Aufklärung ist gut, hilft aber nicht immer. Siebtens: Aufsichtsräte, die in schwerer Zeit nicht raten können, sind keine. Achtens: Ein Wirtschaftsprüfertestat bedeutet nicht, dass die Bilanz stimmt. Neuntens: Auch Notare irren. Zehntens: Die Mitarbeiter und die Anleger stehen am Ende für die Fehler des Managements gerade.
Comroad: Der Betrugsskandal zieht jetzt auch Emissionsbanken in den Strudel

Es ist schlimmer als bei Enron: Der Fall Comroad bringt nicht nur KPMG, den Wirtschaftsprüfer des Telematikunternehmens, in Bedrängnis. Den an der Emission beteiligten Kreditinstituten Concord Effekten und Hauck & Aufhäuser drohen möglicherweise Prospekthaftungsklagen.

Die Financial Times Deutschland schreibt: "Geprellte Anleger könnten Schadensersatz fordern, wenn sich herausstellt, dass ihnen im Börsenprospekt wesentliche Informationen vorenthalten wurden." Eine Sonderprüfung der Nürnberger Wirtschaftsprüfer Rödl & Partner hätte ergeben, dass der Hauptgeschäftspartner von Comroad, die Hongkonger VT Electronics Ltd., gar nicht existiert. Von den für 2001 ausgewiesenen Umsatzerlösen von 93,6 Millionen Euro konnten nur 1,3 Millionen Euro nachgewiesen werden."

Wer den Skandel in voller Breite nachlesen will, dem seien die Beiträge von Börse Online empfohlen. Das Anlegermagazin hatte schon Mitte 2001 vor Comroad gewarnt. Die Rolle des Wirtschaftsprüfers KPMG beschreibt das Manager-Magazin.

Analysten: Merrill-Lynch-Star-Analyst Henry Blodget korrupt?

Es wird eng für Henry Blodget und sein Team. Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat einen 38-seitigen Bericht mit haarsträubenden Erkenntnissen über die Sitten bei Merrill Lynch vorgelegt. Demnach seien Analysten dafür bezahlt worden, mit geschönten Empfehlungen neue Kunden für das Investment Banking anzulocken. Aktien, die intern längst als "Stück Scheiße" bezeichnet wurden, wurden in der Öffentlichkeit mit den höchstmöglichen Bewertungen zum Kauf empfohlen. Umfangreiches Material hierzu liefert Spiegel Online.

Wer der Analystenzunft trotzdem noch traut, kann ja in der Financial Times Deutschland die neue Rennliste von Starmine, einem der fünf großen Analysten-Checker, nachlesen. Der erfolgreichste Stockpicker ist demnach Joel Houck von A.G. Edwards. Mit dessen Aktienempfehlung lagen die Anleger seit zwei Jahren kein einziges Mal daneben.
Bodo Schnabel hatte keine Angst. Der Kaufmann gründete 1995 in der Nähe von München die Telematik-Firma Comroad. Als die Firma vier Jahre an die Börse ging, kam Schnabel zugute, dass am Neuen Markt Euphorie herrschte - Anleger steckten jede Mark in beinahe jede Geschäftsidee. Nach der Devise klotzen statt kleckern hatte sich Schnabel für Comroad nicht etwa einen unbekannten Prüfer ausgesucht, sondern sich gleich an den Primus der Branche gewandt. Ein Testat von KPMG - das sollte demonstrieren, dass es sich um ein solides Unternehmen handelt, auf die Erfahrung der KPMG-Prüfer vertrauten die Anleger blind. Zu blind, wie sich inzwischen herausstellt und wie der Münchner Anwalt Klaus Rotter vor Gericht beweisen will.

Im Auftrag von zwei Mandanten, die bei Comroad 50 000 Euro verloren, hat Rotter eine Strafanzeige gegen die KPMG eingereicht. Die Wirtschaftsprüfer hätten bei Comroad ?bedingt vorsätzlich falsch testiert?, meint Rotter. Die Jahresabschlüsse waren seiner Ansicht nach zum Teil so überzogen, ?dass eigentlich jeder Laie hätte stutzig werden müssen?. Auch der Bilanz¦experte Karl-Heinz Küting wirft der KPMG ?Sextanerfehler? vor.

KPMG-Chef Wiedmann verteidigte seine Mannschaft vor diesen Vorwürfen. Gegen Betrug seien auch sie nicht gefeit und außerdem hätten Wirtschaftsprüfer wegen ihrer Verpflichtung zur Verschwiegenheit kaum Instrumente, um einen Betrugsverdacht von sich aus den Ermittlungsbehörden zu melden. Nur durch die Niederlegung des Mandats könne man auf Missstände hinweisen. Im Fall Comroad hat die KPMG dies getan - und das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel wurde umgehend tätig.

Schnabel sitzt in Untersuchungshaft, und die Prüfungsgesellschaft Rödl & Partner hat eine Sonderprüfung bei Comroad durchgeführt. Die Erkenntnisse sind erschreckend. 98 Prozent der Umsätze des Herstellers von Bordcomputern für Autos sind wohl frei erfunden. Der größte Geschäftspartner war die Firma VT Electronics in Hongkong - doch die existiert gar nicht. Kollegen von KPMG wundern sich, dass dies den Prüfern nicht aufgefallen ist. Schließlich, so meint ein Prüfer, habe KPMG auch eine Vertretung in Hongkong. Weltweit setzt KPMG 11,7 Milliarden Dollar um und zählt zu den Großen der Branche. Doch scheinbar scheuten die Prüfer aus Deutschland das Ferngespräch. Wiedmann selbst erzählt, dass die Comroad-Manager die KPMG-Kollegen bei ihren Nachforschungen über VT Electronics immer wieder vertröstet hätten - in Hongkong sei chinesisches Neujahrsfest und daher das Büro nicht besetzt, habe man gesagt. Ein Anruf bei den eigenen Kollegen in der ehemaligen Kronkolonie hätte dieses ?Missverständnis? schnell aufgeklärt, spötteln KPMG-Konkurrenten.

Die Pannen bei Comroad haben Wiedmann und sein Team gründlich verunsichert. Jetzt trauen sie sich offenbar selbst nicht mehr - alle Abschlüsse der 45 Firmen, die am Neuen Markt notiert sind und von KPMG geprüft werden, stehen erneut auf dem Prüfstand. Das ist nicht nur für den Bilanzexperten Küting ein einmaliger Vorgang.

Nicht erst seit Comroad ist das Image der Wirtschaftsprüfung arg in Mitleidenschaft gezogen - auch bei Holzmann oder Flowtex haben sich die Prüfer von KPMG kräftig blamiert. Küting sieht durch das Misstrauensvotum in die eigene Arbeit die Bedeutung des deutschen Testats insgesamt in Frage gestellt.

Allerdings sind Versäumnisse der Wirtschaftsprüfer kein allein deutsches Phänomen - ausgelöst wurde die Diskussion um Rechte und Pflichten der Prüfer vor allem durch den Niedergang des US-Energiekonzerns Enron. Die Prüfungsgesellschaft Andersen hatte nicht erkannt, welches Risiko durch diverse Bilanztricks und die Übertragung von Schulden auf Tochterfirmen dort entstanden ist. Nun steht Andersen vor riesigen Schadenersatzforderungen - und die eigene Existenz ist in höchster Gefahr.

Die Enron-Pleite habe die Sensibilität in der Branche spürbar erhöht, meint daher Hugo Rautert von Pricewaterhouse Coopers. Rückfragen bei den Unternehmen hätten deutlich zugenommen. Gerade in wirtschaftlich schwächeren Zeiten würden viele Unternehmen dazu neigen, durch Bilanzverschiebungen ihr Bild zu ?schönen?. Das geht sowohl innerhalb des rechtlichen Rahmens als auch darüber hinaus.

Aufgabe der Wirtschaftsprüfer ist es, hier besonders kritisch hinzu schauen, meint Bernd Rödl von der Prüfungsgesellschaft Rödl & Partner. Die Qualität der Prüfungsarbeit müsse gesteigert werden. Aber wie? Schon nach der Holzmann-Pleite vor drei Jahren war die Diskussion um die Wirtschaftsprüfer entbrannt. KPMG entschloss sich damals zu einer freiwilligen Qualitätsprüfung durch einen Konkurrenten.

Bei diesem ?Peer Review? kamen die Prüfer von Ernst & Young insgesamt zu einem für KPMG positiven Ergebnis. Organisation und Ausbildung der Mitarbeiter seien in Ordnung, nur einige Kleinigkeiten müssten noch verbessert werden. In der Branche jedoch steht man solchen Urteilen skeptisch gegenüber. ?Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus?, heißt es.
Neuer Chef bei KPMG...


KPMG setzt seine Hoffnungen auf O Kelly. Er hat die schwierige Aufgabe, KPMG aus der Krise zu steuern. Skandale um die Unternehmen Comroad, Phenomedia und Holzmann machen dem Prüfer zu schaffen. O Kelly soll nun für ein besseres Krisen-Management sorgen. Er sei nicht so naiv zu glauben, dass so etwas wie bei Arthur Andersen nicht auch bei einem anderen Wirtschaftsprüfer geschehen könnte, meint O Kelly.

Natürlich will der Manager auch die Krise bei seinem Konkurrenten auch ausnutzen. Immerhin sind Andersen rund 60 Kunden abgesprungen. Ob O Kelly einen Großteil davon für sich gewinnen kann?
STRAFE muss sein...





Quartalsgewinn bei KPMG um 20 Prozent gesunken







New York, 1. Mai (Reuters) - Die anhaltend schwache konjunkturelle Entwicklung hat dem US-Wirtschaftsberater KPMG Consulting Inc im dritten Quartal seines laufenden Geschäftsjahres einen Rückgang seines Gewinns um rund 20 Prozent beschert.

KPMG teilte am Dienstag in New York mit, der Gewinn habe auf 23,7 Millionen von 29,5 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum abgenommen. Dieser entspreche einen Gewinn je Aktie von 15 (34) Cent. Die Einnahmen seien um 22 Prozent auf 582,3 Millionen Dollar gesunken. Analysten hatten im Durchschnitt pro Aktie einen Gewinn von 15 Cents vorausgesagt.

Das Unternehmen begründete die Entwicklung damit, dass die Nachfrage nach Technologie- und Management-Beratungs- Dienstleistungen seit den Anschlägen vom 11. September stark zurückgegangen sei, weil die Unternehmen Investitionen verschoben hätten oder derartige Aufwendungen reduzierten.

Nach Angaben des Unternehmens strebt KPMG die Stärkung seines Europageschäfts an und habe dazu bereits Akquisitionen in Erwägung gezogen. Zu einer möglichen Übernahme des Andersen-Beratungsgeschäfts in den USA lehnte KPMG-Chef Rand Blazer eine Stellungnahme ab. Die Zeitung "Wall Street Journal" hatte am Dienstag berichtet, KPMG Consulting wolle die US-Andersen-Sparte für 250 Millionen Dollar übernehmen.

KPMG-Aktien gingen am Dienstag mit 17,50 Dollar um knapp neun Prozent höher aus dem Nasdaq-Handel.
Frankfurt - Es läuft zurzeit extrem schlecht für Harald Wiedmann. Üblicherweise ist der 57-Jährige Chef der größten deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ein emsiger Verfechter seines Berufsstandes. Unermüdlich wirbt der Professor bei den Studenten an den Unis dafür, dass die Ausbildungszeiten für Wirtschafts- und Steuerprüfer in Deutschland verkürzt werden müssten, weil sonst die deutschen Absolventen gegenüber ihren internationalen Konkurrenten in Rückstand geraten würden.

Ebenso unermüdlich nutzt er jede Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, dass der Bedarf an jungen Prüfern riesig sei, dass dieser Beruf für junge Leute ?ungeheure Chancen? biete. Doch viel Gehör findet Wiedmann mit seinen Lobesreden derzeit nicht. Im Gegenteil: Es grassieren vielmehr bittere Witze, die Wiedmann und seine Berufskollegen mitten ins Mark treffen: ?Hast du Prüfungsangst? Dann nimm Dir einen Wirtschaftsprüfer, vor dem muss niemand Angst haben.?
Haben die eine an der Waffel???

SAP trennt sich von Arthur Andersen und wechselt zu KPMG

MANNHEIM (dpa-AFX) - Der Softwarekonzern SAP will sich von seiner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen trennen und stattdessen zu KPMG wechseln. Das sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Dietmar Hopp am Freitag auf der Hauptversammlung in Mannheim. Hopp bestätigte damit seit geraumer Zeit kursierende Gerüchte. Die Entscheidung für den Wechsel sei auf einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates getroffen worden, sagte Hopp. Grund sei die Rolle, die Arthur Andersen beim Pleiteskandal des US-Energiekonzerns Enron gespielt habe. Die Beratungsfirma muss sich in den USA wegen des Vorwurfs, "tonnenweise" Dokumente und elektronische Aufzeichnungen vernichtet zu haben, vor Gericht verantworten./FX/sh/sf/tw
Weiteres Ungemach für Andersen

SAP wechselt per sofort zu KPMG

Der Walldorfer Softwarekonzern SAP hat seinen Abschlussprüfer Andersen fallen gelassen und setzt künftig auf KPMG, den Branchenführer in Deutschland. Andersen hat sich in Deutschland gegen eine Fusion mit KPMG entschieden.









(Reuters) SAP-Aufsichtsratschef Dietmar Hopp sagte am Freitag auf der Hauptversammlung in Mannheim, das Aufsichtsgremium habe seinen ursprünglichen Vorschlag kurzfristig revidiert, nachdem sich der Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen in Deutschland gegen eine Fusion mit KPMG entschieden hatte. Andersen verliert damit den einzigen Kunden unter den 30 grössten deutschen Unternehmen.

Andersen hatte die Konzernabschlüsse von SAP seit sieben Jahren geprüft. Nachdem Andersen nach dem Prüfungsskandal um den US-Energieriesen Enron angeklagt wurde, hatte sich SAP trotz der Kritik von Kleinaktionären zunächst noch hinter seinen Wirtschaftsprüfer gestellt. Hopp sagte nun, der internationale Verbund des Prüfungskonzerns sei stärker zersplittert worden als erwartet.

Andersen Deutschland hat sich für eine Fusion mit der Stuttgarter Ernst & Young entschieden und sich eigentlich mehr Mandate unter Grossunternehmen erhofft. Aktionäre kritisierten die Wahl von KPMG, die als Prüfer durch Bilanzbetrügereien bei Flowtex und wohl auch bei Comroad in die Schlagzeilen geraten war. KPMG prüft die meisten DAX-Firmen.
Auf Kritik stieß zudem die am Freitag zur Wahl vorgeschlagene KPMG als neuer Wirtschaftsprüfer. Angesichts deren Versagens bei der Comroad AG sei dies sicher nicht die beste Wahl, hieß es.

Negativ kommentiert wurden auch die Vorschläge, den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, sowie Gründer und Hauptaktionär der IDS Scheer AG, August Wilhelm Scheer, in den Aufsichtsrat zu wählen. Auf Mehdorn bezogen meinte Anneliese Hieke vom Verein Aktionärinnen e.V., die "Unkultur" in Deutschland, persönliche Freunde in Aufsichtsräte zu hieven, müsse aufhören. Gegen die Wahl Scheers in das Kontrollgremium spreche dessen mögliche Befangenheit bzw Abhängigkeit. Zum einen sei SAP noch mit fünf Prozent an IDS Scheer beteiligt, zum anderen seien beide Unternehmen in der gleichen Branche vertreten, hieß es.
Es geht weiter...



Die Mehrheit der deutschen Wirtschaftsprüfer arbeitet fachgerecht. Gleichwohl haben sich zuletzt offenkundige Prüfungsfehler gehäuft. Wenn etwa - wie bei Flowtex - nicht aufgedeckt wird, dass mehr als 75 Prozent der bilanzierten Bohrer fehlen oder - wie bei Comroad - mehr als 95 Prozent der ausgewiesenen Umsätze auf Luftbuchungen basieren, sind das Sextanerfehler, die nicht unterlaufen dürfen. Dadurch wurde das Image des gesamten Berufsstandes beschädigt, der Wert des Bestätigungsvermerks noch mehr infrage gestellt.

Anlass genug, das deutsche Prüfungswesens zu verbessern:

Die Jahresabschlussprüfung darf nicht zur bloßen Belegprüfung abgewertet werden. Verdachtsmomenten auf Bilanzdelikte nachzugehen, gehört vielmehr zu den klassischen Aufgaben des Abschlussprüfers. Die Prüfungshonorare sollten sich nach aufgewendeter Zeit und Wert des Prüfobjektes ausrichten. Wenn ausgehandelte Pauschalhonorare zu Kampfpreisen führen, ist eine sachgerechte Prüfung fraglich.

Objektivität ist gefährdet

Abschlussprüfer verfügen über Instrumente, Testate zu ergänzen, einzuschränken und zu versagen - diese müssen sie auch einsetzen. Der Wirtschaftsprüfer darf nicht zum bloßen Testatstempler degradiert werden. Werden Beratung und Prüfung verzahnt, kontrolliert der Prüfer auch die Ergebnisse seiner Beratertätigkeit. Diese Verquickung gefährdet die Objektivität der Prüfung. Beratung und Prüfung müssen strikt getrennt sein. Dagegen wird in Deutschland zurzeit immer wieder verstoßen.

Die Konzentration im Prüfungswesen muss gestoppt werden, da sie besonders für multinational agierende Unternehmen die Wahl der Anbieter stark einengt. Vor allem in Streitfällen ist es schwierig, eine neutrale Prüfungssituation zu finden.

Mehr interne Kontrolle

Bei bestandgefährdeten Bilanzdelikten sollten Prüfer außer interne Gremien auch Aufsichtsbehörden informieren. Die Eigenkontrolle des Wirtschaftsprüfers (Peer Review) muss außerhalb des Berufsstandes organisiert und überwacht werden. Bislang ist dies Aufgabe der Wirtschaftsprüferkammer - damit kontrolliert sich der Berufsstand letztlich selbst, frei nach dem Motto: "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus".

Eine neutrale Kapitalmarktaufsicht sollte Bilanzierung und Prüfung der ihr unterliegenden Unternehmen überwachen und sanktionieren können. Nur so können die Interessen der Anteilseigner geschützt werden - denn auch das ist Aufgabe der Prüfer.

Für Wirtschaftsprüfer sollte die Dritthaftung diskutiert werden; Die USA können dabei als Modell dienen. Diese Forderung gilt auch für Vorstände und Aufsichtsräte.
Druck auf die Unternehmen des Wachstumssegmentes steigt von allen Seiten
Für Vorstände am Neuen Markt wird die Luft dünner
Von JOSEF HOFMANN, Handelsblatt
Ungemütliche Zeiten warten auf die Firmen des Neuen Marktes: Wirtschaftsprüfer drehen nach den Skandalen jeden Beleg zweimal um, Anleger klagen. Auch auf Hauptversammlungen wird es künftig härter zugehen.


FRANKFURT/M. Am Dienstag kommt es in Freiburg zu einer Premiere: Auf der Hauptversammlung des Biotech-Unternehmens Biotissue wird sich erstmals bei einer Firma des Neuen Marktes ein Vertreter der Fondsgesellschaft Invesco zu Wort melden. Mit einer Reihe unangenehmer Fragen wird er Vorstand und Aufsichtsrat auf den Zahn fühlen. Bislang haben die großen Fondsgesellschaften auf Veranstaltungen von kleinen Unternehmen geschwiegen. Informationen wurden im Vier-Augen-Gespräch mit dem Management ausgetauscht.

Der öffentliche Druck auf die Verantwortlichen in den Firmen steigt von allen Seiten: Fonds fürchten ebenso wie Aktionärsschützer und Wirtschaftsprüfer um ihr Image. Die Fondsgesellschaft Invesco, die am Neuen Markt mit einem Volumen von 120 Mill. Euro engagiert ist, geht als erstes aus der Deckung: "Wir wollen mit dazu beitragen, dass Vorstände und Aufsichtsräte begreifen, dass Transparenz bei einem börsennotierten Unternehmen zu ihren Pflichten gehört. Für manche ist das noch immer ein Kulturschock", sagt Invesco-Portfoliomanager Jochen Mathée.

Die Gesellschaft hofft darauf, dass andere Institutionelle Investoren ihrem Beispiel folgen und sich der Druck auf die Firmen so sukzessive erhöht: "Allein die Möglichkeit, dass sich Fondsvertreter zu Wort melden, könnte schon eine heilsame Wirkung entfalten", glaubt Mathée.

Der Vorstoß von Invesco ist nur ein Beispiel dafür, dass am Neuen Markt die Daumenschrauben fester angezogen werden. Auch die Sprecher der Aktionärsschützervereinigungen werden auf den Hauptversammlungen alles andere als Zurückhaltung üben: "Wir haben die Neue-Markt-Firmen besonders auf dem Kieker und schauen bei allem noch schärfer hin", bestätigt ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre rechnet mit turbulenten Aktionärstreffen. Schließlich seien die Anleger in der Vergangenheit zum Teil "eklatant belogen worden". Ein besonderes Augenmerk wird er dabei auf die Vergütung der Wirtschaftsprüfer richten, um Interessenskonflikte der Prüfer durch die Verzahnung zwischen Beratungs- und Prüfungsumsätzen aufzudecken.

Prüfer schauen genauer hin

Doch auch die Wirtschaftsprüfer selbst wollen etwas für das Image des Marktes tun - nicht zuletzt, um auch ihr eigenes lädiertes Ansehen wieder aufzupolieren. So hat KPMG angekündigt, nach den Bilanzskandalen bei Comroad und Phenomedia alle Bilanzen ihre Mandanten am Neuen Markt noch einmal zu prüfen. Unternehmensvertreter berichten, dass auch andere Wirtschaftsprüfungsgesellschaften mittlerweile die Bilanzen stärker unter die Lupe nehmen als noch vor Jahresfrist. Und schließlich versucht auch die Deutsche Börse AG, das Renommee des Neuen Marktes durch Regelwerksänderungen wieder zu verbessern. Bei dem Versuch, die Billigaktien vom Neuen Markt zu verbannen, ist die Börse zwar vor Gericht gescheitert. Doch Börsenaspiranten müssen sich schon ab dem 1. Juni verschärften Regeln unterwerfen.

Invesco hofft, dass die Schlagkraft der Fonds - bei einigen Unternehmen könnte das Abstimmungsgewicht durch die oft geringe Anwesenheitsquote deutlich im zweistelligen Prozentbereich liegen - verhindert, dass die Verantwortlichen in den Firmen bei den Aktionärstreffen allzu leichtfertig ausweichende Antworten geben. Ein Signal will Invesco aber nicht nur in Richtung Vorstand und Aufsichtsrat, sondern auch Richtung Kleinaktionäre senden. Sie sollen ermuntert werden, Fragen zu stellen oder ihre Anliegen den Vertretern der Depotbank mit auf den Weg zu geben. "Nicht der Chatroom, sondern die Hauptversammlung ist der Platz, Fragen klären zu lassen", fordert Mathée.

Grundsätzlich wird der Vorstoß in der Branche begrüßt. Auch andere Gesellschaften wie die DWS besuchen Hauptversammlungen - bislang aber keine des Neuen Marktes. Die Vertrauenskrise hat jedoch auch sie noch kritischer als zuvor werden lassen: "Die Zahl der Manager, die auf Grund ihrer bisherigen Leistungen einen Goodwill-Bonus genießen, ist kleiner geworden", sagt Raik Hoffmann von DWS. Bei Union Investment traut man der Invesco-Idee durchaus eine positive Wirkung zu. Eigene Auftritte bei Aktionärsversammlungen von Neue-Markt-Firmen seien aber nicht geplant.

Es gibt auch kritische Stimmen: Da es nicht im Interesse eines Fonds sein könne, eine Beteiligung öffentlich abzuwerten, befänden sich die Fonds-Vertreter bei Auftritten auf Hauptversammlungen in einem Interessenskonflikt. Es bestehe daher die Gefahr, dass die Auftritte einzig zu Marketingzwecken genutzt würden, warnt ein Branchenkenner.






HANDELSBLATT, Montag, 06. Mai 2002, 19:04 Uhr
Russisches Roulette   

Die großen Wirtschaftsprüfer schlittern von einem Skandal in den nächsten. Kaum eine Insolvenz, bei der sie nicht versagt hätten. Auswirkungen auf ihr Geschäft hat die Pannenserie nicht





Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG: Neuer Kunde SAP   Foto: APVon Ulrich Reitz

Frankfurt - "Spieglein, Spieglein an der Wand. Wer macht die wenigsten Fehler im ganzen Land?"

Wer in diesen Tagen einen Wirtschaftsprüfer sucht, der sein Häkchen unter die Bilanz macht, der wäre froh über einen Spiegel à la "Grimms Märchen". Denn das makellos schöne Schneewittchen sucht man in der Gilde der bislang Unantastbaren vergeblich. Einen Wirtschaftsprüfer ohne Skandale gibt es nicht, zumindest nicht bei den Big Five der Branche. Da kann es nur noch um den kleinsten gemeinsamen Fehlerquotienten gehen.

Ist es PriceWaterhouseCoopers (PwC)? Ist es Deloitte & Touche? Oder gar Ernst & Young, zu der bald auch die Deutschland-Prüfer der Großer-Fehler-Kanzlei Andersen gehören? Derzeit, so scheint es, traut man gerade mal am ehesten KPMG. Derzeit. Das kann morgen schon wieder anders sein.

Die Prüfer von PriceWaterhouseCooper checken bei zehn der 30 Dax-Konzerne, ob alles mit rechten Dingen zugeht, bei der Hälfte aller Dax-Werte aber guckt KPMG auf die Zahlen. Marktführer, könnte man da sagen. Und jüngst bekam KPMG mit großem Paukenschlag einen neuen Kunden dazu, SAP.

Die spöttelnden Branchenwitzchen auf das KPMG-Akronym "Keiner prüft mehr genau", "Kinder prüfen mein Geld" - den Wallauer Softwareschreibern war das egal. Sie wollten einfach die Prüfer von Andersen Deutschland loswerden, deren US-Brüder im Fall Enron kläglich versagt hatten.

Kirschen gegessen, Wasser getrunken - wieder ein Punkt für KPMG. Dem Konkurrenten eins weniger, mir eins mehr. Die Mandate wechseln, der Marktanteil bleibt gleich. Ein Nullsummenspiel im Reich derer, die bislang mehr, mehr, mehr gewohnt waren.

Doch mehr ist eben nicht immer gut. So hat vor allem das Engagement am Neuen Markt den Großen der Branche neben den zweistelligen Umsatzzuwächsen eben auch viel Negativwerbung eingebracht: In immer kürzeren Abständen haben die Bilanzexperten aufgeblasene Bilanzen und vielfach übertriebene Umsatzzahlen übersehen. Flowtex, Comroad, Phenomedia - Beispiele gibt es zuhauf.

In Zeiten der Pannenserie bei den Großen schlägt die Stunde der Kleinen. Könnte man meinen. Irrt aber.

Denn den Mandaten der Big Five tut das Pfuschen keinen Abbruch. Ein Blick auf die Marktanteile am Neuen Markt: Andersen 19 Prozent, PwC 11,7 Prozent, Ernst & Young und KPMG gut zehn Prozent.

Der Name ist alles, für das Image muss es schon ein großer sein. Das sagt Tom Sommerlatte, graue Eminenz der deutschen Berater-Szene: "Es ist schick, eine der ganz großen Beratungsfirmen im Haus zu haben." Werde die Konkurrenz von einem der Big Five geprüft, ziehe man nach. "Dass es in Deutschland darüber hinaus hunderte exzellenter Wirtschaftsprüfungsgesellschaften gibt", werde dabei häufig übersehen.

So stehen trotz aller Skandale die Chancen, dass kleinere Prüfungsgesellschaften künftig häufiger zum Zug kommen, noch immer nicht gut. Vor allem weil sie von den Großen gleich in den Strudel mit hineingezogen werden: "Unter dem angekratzten Image leiden auch wir", ist gerade bei kleineren Kanzleien ein oft gehörter Satz.

Und dummerweise machen eben auch die kleinen mal einen Fehler. Selbst bislang unbekanntere Adressen, wie der Nürnberger Prüfer Bernd Rödl - in den vergangenen Jahren zum größten Mittelständler der Branche mutiert - sind vor Pannen nicht gefeit. "Je mehr Mandate man übernimmt, desto größer ist die Gefahr, dass man sich auch faule Eier ins Nest legt", sagt ein Prüfer, der nicht genannt werden will. Weil das natürlich schlecht für das Image ist.

Der Kummer der Prüfer. Auch bei den Großen ist man nicht glücklich: "Der Druck wird immer größer, vor allem bei börsennotierten Gesellschaften", jammert ein anderer, der natürlich auch nicht genannt werden will.

Immer mehr Vorstände wollten, so unser Anonymus, die testierten Bilanzen möglichst frühzeitig an die Analysten weitergeben und machten Zeitdruck. "Wenn man nicht aufpasst, geht das zulasten der Qualität." Das ist klar. Und kommen die Wirtschaftsprüfer dem Wunsch des Unternehmers nach Flottheit nicht nach, verliert der Prüfer sein Mandat. Das ist auch klar. Und damit mindestens seine Aufstiegsmöglichkeit. Auch das ist klar.

Der Prüfer in der Falle. Strengere Prüfungen, härtere Strafen und zeitlich befristete Mandate - Forderungen von Kritikern gibt es genug. Auch hier herrscht Reformstau.

Doch wenigstens an einer Stelle kündigt sich jetzt Erleichterung an: Auch die letzten Großen gründen ihre Beratungseinheiten aus. Die Gefahr, durch die Einnahmen aus dem Beratungsgeschäft anfällig für Gefälligkeitstestate gar zu gutmütiger Gutachter zu werden, wolle man künftig vermeiden. Angeregt wird die Trennung in den USA. Die US-Börsenaufsicht SEC will 2005 die Trennung von Beratern und Prüfern vorschreiben.

Allerdings sorgt die Branche schon vor, wie in Beraterkreisen zu hören ist. Ein Insider: "Kaum sind die Consultants verkauft, bauen die Prüfer neue Beratereinheiten auf." Der Grund liegt auf der Hand. In den vergangenen Jahren, so ist in der Branche zu hören, hatten die Big Five mehr Beratungsleistungen als Wirtschaftsprüfungen verkauft.

"Spieglein, Spieglein an der Wand. Was bringt das meiste Geld im ganzen Land."
Mal wieder etwas zum Sachverhalt;



Durch die Übernahme von Andersen würde KPMG in Deutschland attraktive Hightech-Klienten wie SAP oder IDS Scheer gewinnen und den Abstand zum Branchenzweiten PwC vergrößern; die beiden rangeln seit Jahren um die Spitzenposition.

Nur zu gern deckt der eine Stümpereien des anderen auf; jeder neidet dem Konkurrenten den Erfolg. So grämte sich PwC, dass KPMG im vergangenen Jahr trotz etlicher Prüf-Flops neue Großkunden gewinnen konnte, wie zum Beispiel den Industriekonzern ThyssenKrupp.

Wo soll das alles enden?

Falls Andersen vom Markt verschwindet, dann, glaubt ein Wettbewerber, sei "endgültig Schluss"; eine weitere Fusion werde es nicht geben. WP-Kunde Feuerhake hört solche Worte gern ­ vier sind schließlich besser als drei.
Die Blenderwirtschaft
Das Testat als Null-Lektüre
Von Ulrich Siebert
 
 
8. Mai 2002 Wirtschaftsprüfer prüfen nicht die Rentabilität, sondern nur die Ordnungsmäßigkeit des Rechnungswesens. Das alles so ist, wie es ist. Plötzlich meldet das Unternehmen Insolvenz. Eine unbekannte Risikoposition in Milliardenhöhe ist aufgetaucht. Den Abnehmer, mit dem jahrelang Millionenumsätze abgewickelt wurden, den gibt es nun doch nicht. Jüngstes Beispiel: der Telematikausrüster Comroad.Keiner will ein Warnsignal erkannt haben. Auch Banken und Analysten nicht, können sie doch bequem die Ursachen ihrer Fehlentscheidung an die Wirtschaftsprüfer delegieren. Ist der Schwarze Peter dort einmal angelangt, beginnt eine juristische Wortschlacht - mitunter mit konventionellen Mitteln.Zu den effektivsten Verbalwaffen gehört ein ganzes Arsenal an Vorbehalten und Erklärungen. Letztlich werden die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften und ergänzende Bestimmungen aus Gesellschaftsvertrag oder Satzung geprüft. Außerdem sind bei Vorlage des Jahresabschlusses die Geschäfte nicht selten schon drei bis sechs Monate weiter gelaufen. In dieser Zeit kann freilich viel passieren. Verkommt das Wirtschaftsprüfer-Testat zur Null-Lektüre?Das Scheuklappen-DilemmaEine aufgescheuchte Öffentlichkeit fordert die Trennung von Beratung und Prüfung. Zeitgleich aber appelliert der Chef einer der größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im Kanon seiner Kollegen, die Scheuklappen abzulegen: Eine effektive Prüfungsdienstleistung erfordere heutzutage Kenntnisse und Fähigkeiten, die über die Prüfungstätigkeit im engeren Sinne hinausgingen, heißt es in einer internen Losung. Gefragt seien insbesondere Kenntnisse, die sich auf Risiken im Unternehmen beziehen wie Finanzmanagement oder Restrukturierung. "Diese Kenntnisse und Fähigkeiten zu besitzen und anzuwenden ist für uns integraler Bestandteil einer guten Prüfungsleistung." Gesagt, getan?Hat der Prüfer wirklich Durchblick, wird er lenkend - also beratend - einwirken und dafür auch klingende Münze erhalten. Oder er macht gute Miene zum bösen Spiel. Aber auch dafür wird er bzw. die Prüfungsgesellschaft in Form der Mandatsverlängerung belohnt. Das Dilemma geht weiter: Steht doch im Bestätigungsvermerk - also der Zusammenfassung des Prüfungsergebnisses - dass der Abschlussbericht die tatsächlichen Verhältnisse der Ertrags- und Vermögenslage vermittelt. Zwar heißt "vermitteln" nicht, dass es wirklich so ist. Hat aber der wackere Prüfer über den Tellerrand geschaut und hat er tatsächlich Ungemach abseits bestehender Papiere gewittert, wird er sich dennoch im Bestätigungsvermerk sehr zurückhaltend äußern. Schließlich gibt es die Verschwiegenheitspflicht im Handelsgesetzbuch und in den Standesrichtlinien.Sagen, ohne etwas zu sagenDer Abschlussprüfer erklärt, "dass der von den gesetzlichen Vertretern (!) der Gesellschaft aufgestellte Jahres- oder Konzernabschluss ... nach seiner Beurteilung (!) unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage vermittelt (!)." Drei Vorbehalte auf engstem Raum. Ideale Rückzugspositionen, sollten sich einmal Aktionäre zum anschwellenden Bockgesang erheben. Allerdings erklären die Prüfer auch, "dass der Abschluss mit hinreichender Sicherheit frei von Fehlaussagen ist". Grundlage der hinreichenden Sicherheit ist freilich die eigene Auffassung und die eigene Überzeugung, mit den richtigen Methoden geprüft zu haben. Diese wiederum werden nicht selten im wissenschaftlich Diskurs kontrovers diskutiert - vor allem dann, wenn das Wesen angelsächsischer Bilanzierungspraxis in deutsche Unternehmen diffundieren soll.Die RückversichererWissenslücken sind menschlich und damit auch bei Abschlussprüfern und ihren Gehilfen. Man darf daher auch nicht zu viel erwarten. Schließlich sind WP-Gesellschaften selbst Gewinn-Maximierer. Und an kleineren Mandaten wie beispielsweise bei Unternehmen am Neuen Markt lassen sich hervorragend Jungakademiker ohne höhere WP-Weihen ausbilden. Trainee on the Job. Sicherlich trainieren so manch waghalsigen Geschäftsmodelle der verblassenden New Economy und deren Bilanzierungspraxis ganz besonders. Sollte trotz des eingesetzten, immer besonders erfahrenen Prüfungsleiters etwas schief gehen, trägt sowieso der Vorstand die Verantwortung oder das faule Papier war eben nicht in der Stichprobe, mit der die Rechtmäßigkeit der Buchführung überprüft worden ist.Keineswegs böse Zungen warnten schon vor Jahren, dass die Wirtschaftsprüfung sich zunehmend zum Rückversicherer profilierungssüchtiger Manager entwickelt. Vorstände könnten das Testat als eine Art Versicherungsschein für ihre Abenteuer nutzen. Die Ehrenberufler bekommen dazu einen internationalen Fundus dehnungsfreudiger Rechtsgrundlagen auf den Tisch und dürfen fürstliche, als Prüfung deklarierte Beraterhonorare liquidieren.
Quelle: Die Welt 15.05.2002



Firmen geizen mit Information 

Jahresabschlüsse der Neuen-Markt-Unternehmen weisen Lücken auf Von Alexander Antonoff

Frankfurt/Main - Die meisten Jahresabschlüsse von Unternehmen des Neuen Marktes sind mangelhaft. Dies geht aus einer aktuellen Studie hervor, die das Deutsche Aktieninstitut (DAI) jetzt veröffentlicht hat. Gerade einmal zwei von insgesamt 200 untersuchten Konzernabschlüssen aus dem Geschäftsjahr 2000 enthielten alle geforderten Angaben. Im Durchschnitt offenbarten die Unternehmen des Neuen Marktes nur 83,7 Prozent der geforderten Angaben, ein Unternehmen veröffentlichte sogar nur 41,6 Prozent der geforderten Angaben. Untersucht wurden je 100 Unternehmen des Neuen Marktes, die nach den Offenlegungsvorschriften IAS (International Accounting Standards) oder nach US-GAAP (Generally Accepted Accounting Principles) bilanzieren.

Aber auch auf den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer wirft die Studie wenig ruhmreiches Licht. In keinem einzigen Fall wiesen diese nämlich in ihrem Testat auf die fehlenden Angaben im Abschluss hin. "Zumindest bei den eklatanteren Fällen hätten die Wirtschaftsprüfer das Testat verweigern oder einschränken müssen", sagt Professor Martin Glaum von der Universität Gießen, der zusammen mit Professor Donna Street von der Madison University Harrisonburg die Studie verfasst hat. Seiner Meinung nach lautet deshalb die entscheidende Frage: Wer kontrolliert in Zukunft, dass auch die Regeln eingehalten werden?

"Bislang ist das in Deutschland faktisch einzig und allein der Wirtschaftsprüfer", sagt Glaum. Seiner Meinung nach spräche einiges deshalb für den Aufbau einer staatlichen Einrichtung nach dem Vorbild der US-Aufsichtsbehörde SEC. Denn sowohl die Zunft der Wirtschaftsprüfer als auch die Deutsche Börse agierten in einem Spannungsverhältnis zwischen ihren hoheitlichen Aufgaben und ihren Interessen als Wirtschaftsunternehmen.

"Im Zweifel wird der Wirtschaftsprüfer versuchen, sein Mandat zu erhalten, weil das seine Einkommensquelle ist", sagt Glaum. Im Interesse der Börse liege es, dass möglichst viele Unternehmen an der Börse notiert sind, sagt Glaum. Schließlich stehe die Börse in einem intensiven internationalen Wettbewerb. Diese hat nach eigenen Angaben bereits im vergangenen Jahr auf die mangelhafte Berichtsqualität reagiert und Quartalsberichte nach IAS oder US-GAAP verbindlich vorgeschrieben. Mit positivem Ergebnis, wie eine Börsensprecherin versichert.

Doch bereits für das Jahr der Untersuchung gilt: Unternehmen mit einer Zweitnotierung in den USA fielen bei der Ausübung ihrer Offenlegungspflichten besonders positiv auf. "Unternehmen, die bei der SEC gelistet sind, haben einen starken Schulungsprozess durchlaufen", erklärt Bernd Rödl. Der Chef der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner bemängelt allerdings an der Diskussion über die Güte der Wirtschaftsprüfer, dass die nur formellen Aspekte und das "Abhacken" der vorgeschriebenen Daten im Vordergrund stehe. Schließlich beginne die eigentliche Wirtschaftsprüfung erst dann, wenn es um die Inhalte und deren Plausibilität gehe.
ftd.de, Mi, 15.5.2002, 12:32
Studie: Jahresabschlussberichte vieler Nemax-Firmen sind mangelhaft

Nur zwei von 200 Unternehmen, deren Aktien am Neuen Markt in Frankfurt gelistet sind, haben für das Jahr 2000 einen vollständigen Konzernabschluss veröffentlicht. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Aktieninstitut (DAI), das die Bilanzierungspraxis der Firmen untersucht hat. Wirtschaftsprüfer zeichneten die fehlerbehafteten Berichte trotzdem ab.




In der Studie haben Prof. Martin Glaum (Universität Gießen) und Prof. Donna Street (Universität Harrisonburg, USA) untersucht, in welchem Maße die Unternehmen des Neuen Markts die Offenlegungsvorschriften nach IAS und US-GAAP befolgen. Auf der Grundlage detaillierter Checklisten wurden die Konzernabschlüsse des Geschäftsjahres 2000 von insgesamt 200 Unternehmen analysiert. 100 der Unternehmen erstellten Abschlüsse nach IAS, die andere Hälfte bilanziert nach US-GAAP.



Da fast alle untersuchten Jahresabschlüsse uneingeschränkte Bestätigungsvermerke erhalten haben - und in keinem Fall eine Einschränkung aufgrund fehlender Angaben erfolgte -, kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Studie ernsthafte Fragen nach der Qualität der Abschlussprüfungen am Neuen Markt und der Angemessenheit der deutschen Kapitalmarktaufsicht aufwirft.
Risiken bei 65 Unternehmen des Neuen Marktes

Das Anleger-Magazin "Die Telebörse" hat in einer Studie herausgefunden, dass bei 65 Neuer-Markt-Unternehmen Hinweise Risiken in den Bilanz-Testaten bestehen. So hat zum Beispiel Bipop-Carire bislang kein Testat der Wirtschaftsprüfer erhalten.





DÜSSELDORF. Nach einer Studie des Anlegermagazin "Die Telebörse" (Donnerstagausgabe) enthalten 65 von insgesamt 301 Jahresabschluss-Testaten der am Neuen Markt in Frankfurt notierten Unternehmen versteckte oder deutliche Hinweise der Wirtschaftsprüfer auf Risiken.

Bei den Recherchen stellte "Die Telebörse" unter anderem fest, dass der Jahresabschluss, den die Bipop-Carire S.p.A. Brescia, der Deutschen Börse übergeben hat, nicht das gesetzlich vorgeschriebene Testat enthält. Die Deutsche Börse habe daraufhin Ermittlungen aufgenommen. Außerdem müsse bei der Group Technologies AG, Karlsruhe, nach Unternehmensangaben die Abgabe des Jahresabschlusses weiter verschoben werden, weil einer der Aufsichtsräte inhaftiert worden sei.

52 und damit die meisten Prüfungen bei den Neuen-Markt-Unternehmen seien von der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft Arthur Andersen vorgenommen worden, schreibt "Die Telebörse". Ein Drittel ihrer Testate habe Andersen mit aufschlussreichen Kommentaren versehen. KPMG habe 30 Unternehmensbilanzen geprüft und es nur einmal für nötig gehalten, auf eventuelle Risiken hinzuweisen.

Die Unternehmen mussten bei der Deutschen Börse AG spätestens bis Ende April die testierten Jahresabschlüsse (bei Bilanz-Stichtag 31.12.2001) einreichen. Die Auswertung der Abschlüsse und Testate nahm "Die Telebörse" gemeinsam mit Experten vor.
Immer mehr US-Unternehmen finden Fehler in ihren Bilanzen



New York, 14. Mai (Bloomberg) - Mit Rekordtempo wächst die Zahl der US-Unternehmen, die ihre Finanzausweise korrigieren müssen, weil sie Fehler in ihrer Bilanzierung gefunden haben. Laut einer Studie der Stern School of Business der Universität New York haben sich diese Korrekturen zwischen 1997 und 2001 fast verdreifacht auf 878. Für die Anleger summieren sich die Bilanzfehler seit 1997 auf 200 Mrd. Dollar an Kursverlusten.

Auch die Vorjahreszahl von 158 Fällen dürfte in diesem Jahr übertroffen werden. Seit Januar haben ausser Enron Corp. auch Kroger Co., die größte Lebensmittelkette in den USA, das Möbelhaus Restoration Hardware Inc. und Homestore.com Inc, die größte online- Immobiliengesellschaft des Landes, ihre Finanzausweise korrigiert. Investoren und Aufsichtsbehörden führen die Zunahme auf den Börsenboom Ende der neunziger Jahre zurück. Damals standen die Unternehmen unter starkem Druck, Gewinne zu präsentieren, während die Bilanzierungsvorschriften lasch waren.

Auch Andersen und die SEC haben die Fehler in den Finanzausweisen unter die Lupe genommen. Sie fanden zwischen 1997 und 2000 insgesamt 720 Korrekturen. Nach dem Zusammenbruch von Enron Corp. im letzten Jahr drängen die staatlichen Behörden die Unternehmen, Bilanzunsauberheiten zu beseitigen. "Die Öffentlichkeit reagiert sehr sensibel auf die Risiken aus unsauberer oder unkorrekter Bilanzierung," berichtet Stephen Cutler, Direktor bei der SEC. "Jeden Tag taucht wieder ein Unternehmen auf, dass Fehler in seinem Zahlenwerk eingesteht oder andeutet. Das erschüttert das Vertrauen der Anleger in die Zuverlässigkeit der Finanzausweise."

In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben laut der Studie der Stern School bereits 62 Unternehmen ihre Finanzausweise revidiert. "2002 könnte ein Rekordjahr bei den Bilanzkorrekturen geben," schätzt Jack Ehnes, Vorstandsvorsitzender des Pensionsfonds der kalifornischen Lehrer.

"Korrekturen der Finanzausweise sind mit Flugzeugabstürzen zu vergleichen," erklärte Chrstopher Allen, Sprecher der Stern School. "Ihre Auswirkungen sind schlimm, aber in Relation zu der Gesamtzahl der Flüge passieren sie recht selten."

Die SEC-Studie fand heraus, dass die Anleger erhebliche Kursverluste erleiden, wenn die Unternehmen Fehler in der Bilanzierung zugeben. Bei Enron, das im November gleich zweimal die Bilanzzahlen korrigierte, war der Marktwert innerhalb von drei Wochen um 97 Prozent abgesackt.

MicroStrategy Inc. büßte innerhalb von drei Tagen 11,9 Mrd. Dollar an Marktwert ein, nachdem die Gesellschaft eingestand, Software-Umsätze im Jahr 2000 unkorrekt verbucht zu haben. Der Aktienkurs von Restoration Harware purzelte am 21. März um 8,3 Prozent, nachdem die SEC eine Korrektur des Gewinnausweises für zwei Geschäftsjahre verlangt hatte.

Homestore.com brachen innerhalb eines Monats 81 Prozent ein. Das Unternehmen erklärte am 21. Dezember, dass es seine Bilanzierung überprüfen würde und Korrekturen notwendig seien. Über ein Dutzend Aktionäre haben unter der Führung des kalifornischen Lehrerpensionsfonds das Unternehmen und drei Top- Manager verklagt, es hätte die Anleger in die Irre geführt.

Die SEC forderte im letzten Monat Xerox Corp. auf, einen Fehler in der Bilanzierung zu bereinigen und verhängte eine Strafe von 10 Mio. Dollar. Der weltgrößte Hersteller von Kopiergeräten hatte 3 Mrd. Dollar an Leasingeinnahmen für Geräte für einen Vier- Jahres-Zeitraum zu früh verbucht. Die Börsenaufseher untersuchen auch, ob KPMG LLP, die seit 30 Jahren die Bücher von Xerox prüfen, ihnen ein Testat hätte geben dürfen.

Bei der Lebensmittelkette Kroger haben Finanzmanipulationen früherer Manager den Gewinn der Tochtergesellschaft Ralphs Grocery Co. im Jahr 2000 um 24,6 Prozent geschönt. "Eine kleine Gruppe von Mitarbeitern hat bewusst Zahlen mehrfach eingegeben, um Vorgänge zu verschleiern," berichtete Rodney McMullen, Executive Vice President bei Kroger.

Die Schuld für die Bilanzierungsfehler trifft die Wirtschaftsprüfer, Analysten und Investmentbanker gleichermaßen. "Ende der neunziger Jahre ging es den Leuten zu gut, weder die Anleger noch die SEC schauten sich die Finanzausweise gut genug an," konstatiert Anthony Rosenthal, Fondsmanager bei TimeSquare Capital Management in New York. Einige Bilanzexperten warnen jedoch, nicht alle Korrekturen gleich als Betrug oder Verschleierung einzustufen. Das Bilanzierungswirrwarr und komplizierte Transaktionen könnten auch zu solchen Fehlern führen.

Ein weiterer Anstieg bei den Korrekturen wird nicht ausgeschlossen. Die SEC untersucht derzeit 49 Fälle, im Vorjahr waren es nur 18. In einigen Fällen prüft sie, ob Global Crossing Ltd., Qwest Communications International Inc. und andere Telekomkonzerne ihre Einnahmen aufgebläht haben, in dem sie Tauschgeschäfte bei Übertragungskapazitäten als Einnahmen verbuchten.

Die Anzahl der Fälle könnte aber auch steigen, weil die Unternehmen stärker unter Druck stehen, alle Zahlen auf den Tisch zu legen. "Die Unternehmen wissen, dass strengere Maßstäbe angelegt werden," erklärt William Rutherford, der 100 Mio. Dollar bei Rutherford Investment Management LLC verwaltet. "Es würde mich nicht überraschen, wenn noch einige Unternehmen die Gelegenheit beim Schopfe ergreifen würden, um reinen Tisch zu machen."
Na Bitte...



U N I T E D   I N T E R N E T

"Nicht auf unserem Rücken"






Kein weiteres Mandat - die Web-Holding feuert ihren Wirtschaftsprüfer KPMG.

Frankfurt - United Internet feuert seinen Wirtschaftsprüfer KPMG. Einen entsprechenden Antrag legte das Unternehmen aus Montabaur am Donnerstag der Hauptversammlung in Frankfurt vor. Damit zog der Vorstand die Konsequenz aus der öffentlichen Ankündigung der KPMG nach dem ComROAD-Skandal, pauschal alle Bilanzen von Neuen Markt-Unternehmen noch einmal zu überprüfen.











[M]mm.de








Gute Prognose: United Internet


"Die KPMG wollte da ihre Fehler auf unserem Rücken wieder gutmachen", sagte Vorstandssprecher Ralph Dommermuth. Das Mandat hatte ursprünglich verlängert werden sollen.

Außerdem erhöhte Dommermuth nach einem erfolgreichen ersten Quartal nun auch die Prognosen. Der Vorsteuergewinn soll 2002 auf 26 Millionen Euro steigen - 4 Millionen Euro mehr als geplant. Der Umsatz soll 301,6 Millionen Euro erreichen. Bislang hat United Internet 1,8 Millionen Kunden, die für Mehrwert-Dienste auch bezahlen. Noch in diesem Sommer soll deren Zahl auf mehr als zwei Millionen steigen.



Dommermuth stellte seinen Aktionären die neue Strategie des Unternehmens vor. United Internet konzentriert sich künftig darauf, Kunden den Internet-Zugang und Extra-Dienste zu anzubieten. Von der ursprünglichen Geschäftsidee, sich an jungen Internet-Firmen zu beteiligen, rückte das Unternehmen 2001 ab. Es trennte sich von defizitären Beteiligungen oder stellte deren Finanzierung ein.

2001 hatte das Unternehmen 230,7 Millionen Euro erlöst und den Verlust auf 42,6 Millionen Euro reduziert. Zu den Konzerntöchtern zählt unter anderem der E-Mail-Spezialist GMX sowie der Internet- Anbieter 1&1.
Was für eine Sensation,diesmal geht es nicht um KPMG;




Prüfungskonzern drohen Sanktionen wegen unprofessionellen Verhaltens
Börsenaufsicht wirft Ernst & Young Verstöße vor
Die amerikanische Wertpapier- und Börsenaufsicht SEC hat der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (E & Y) die Verletzung von SEC-Regeln bei der Prüfung der US-Software-Firma Peoplesoft vorgeworfen. Die Anschuldigungen sollen vor einem Gericht behandelt werden. Das teilte die SEC jetzt mit.


dpa/HB NEW YORK. Während Ernst & Young als Prüfer von People Soft fungierte, hätten das Wirtschaftsprüfungs-Unterneh men und People Soft gemeinsam ein Softwareprodukt entwickelt und vertrieben. E & Y habe sich bereit erklärt, Peoplesoft Gebühren von 15 % bis 30 % für jeden Verkauf des neuen Software-Produktes zu zahlen. Außerdem sei eine garantierte Mindestsumme von 300 000 $ ausgehandelt worden.

Zusätzlich habe E & Y "Hunderte von Millionen Dollar" an Beratungs-Gebühren vereinnahmt, die aus der Einführung von Peoplesoft-Software bei anderen Geschäftspartnern resultierten. Wie weiter verlautete, handle es sich um den Zeitraum von 1994 bis 2000. E & Y habe die Unabhängigkeitsauflagen für Buchprüfer verletzt, erklärte die Aufsichtsbehörde. Die SEC verlangt eine Anordnung, dass E & Y von solchen Verstößen Abstand nimmt. E & Y soll zudem die in dem Zeitraum erhaltenen Buchprüfungs-Einkünfte abgeben. Die SEC fordert darüber hinaus Sanktionen wegen unprofessionellen Verhaltens.

E & Y zeigte sich "überrascht und enttäuscht", dass die SEC in dieser Sache aktiv geworden sei. Dies erklärte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in einer ersten Stellungnahme. "Unser Verhalten war nach den Branchenregeln völlig angemessen und zulässig", betonte der Wirtschaftsprüfungskonzern. Das Unternehmen verwies auch darauf, dass die Ereignisse keine Relevanz für das gegenwärtige Geschäft hätten. Das Consulting-Geschäft sei im Mai 2000 an Cap Gemini verkauft worden. E & Y wies auch die Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Software-Lizenzabkommen zurück und bezeichnete das eigene Verhalten als "völlig angemessen". E & Y werde sich "energisch verteidigen", kündigte das Unternehmen in seiner Stellungnahme an.

Ernst & Young ist mit einem Umsatz von rund 10 Mrd. $ der viertgrößte Wirtschaftsprüfungskonzern. Peoplesoft beschäftigt weltweit bei einem Umsatz von rund 1,7 Mrd. $ mehr als 8 500 Mitarbeiter in über 50 Niederlassungen. Die Aktie hat an der New Yorker Börse Anfang der Woche die im Handelsverlauf begonnene Talfahrt auch am Dienstag um 3,1 % auf 21,16 $ fortgesetzt. Marktbeobachter erklärten die Abschläge mit den Fragen über die Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers, die die SEC in ihrer neuen Untersuchung aufgeworfen habe. Nach dem Enron-Skandal wird in den USA die Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfer lebhaft diskutiert.

Quelle: Handelsblatt






HANDELSBLATT, Dienstag, 21. Mai 2002, 19:02 Uhr
Diesmal nicht KPMG;




KMART-PLEITE

PwC-Wirtschaftsprüfer wussten angeblich Bescheid

Unter den Augen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers haben ehemalige Top-Manager der insolventen Supermarktkette Kmart offenbar vorsätzlich Bilanzen gefälscht. Dies enthüllt ein Brief, den Kmart-Angestellte Anfang Januar an die SEC geschickt haben.




Troy - "Uns wurde deutlich gesagt, dass es als unakzeptable Teamwork angesehen werde, die Bilanztechniken in Frage zu stellen", schrieben Kmart-Angestellte der Finanzabteilung am 9. Januar 2002 an die amerikanische Börsenaufsicht SEC. Der zwei Seiten lange Brief, der nun der amerikanischen Zeitung "Detroit News" vorliegt, legt nahe, dass Bilanztricksereien zu dem finanziellen Desaster bei Kmart geführt und Anleger in die Irre geleitet haben. Nach Eingang des Briefes hatte die SEC im Januar sofort Ermittlungen bei der zweitgrößten amerikanischen Supermarktkette eingeleitet. Die Staatsanwalt hat bereits bestätigt, dass der anonyme Brief, der den "Detroit News" vorliegt, mit dem Schreiben an die Börsenaufsicht identisch ist.

Auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers sei demnach in die Vorgänge eingeweiht gewesen. "Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhouseCoopers zögern, diesen Dingen nachzugehen oder zumindest offensichtliche Änderungen bei Einnahmen und Ausgaben zu hinterfragen", heißt es in dem Brief weiter. Eine Kopie des Briefes ging auch an die Wirtschaftsprüfer selbst. "Wir haben eine Kopie des Briefes erhalten und arbeiten mit dem Unternehmen bei der Aufklärung der Vorgänge zusammen", bestätigt der Sprecher von PriceWaterhouseCoopers in New York. Außerdem behaupten die Verfasser des Briefes, Aufzeichnungen von Gesprächen zu haben, in denen Vorstandsmitglieder über finanzielle Unregelmäßigkeiten diskutieren.

Neben der Börsenaufsicht SEC und der Staatsanwaltschaft von Ost-Michigan hat auch das FBI in der vergangenen Woche Ermittlungen eingeleitet. Das einstige Vorbild für den Handelsriesen Wal-Mart steht im Verdacht, sich durch seine Bilanzierungspraktiken strafbar gemacht zu haben. Kmart hatte am 22. Januar diesen Jahres Gläubigerschutz beantragt. Die Kmart-Insolvenz ist die größte Handelspleite der amerikanischen Geschichte. Als Teil des Sanierungsprogramms will Kmart 284 der 2114 Filialen schließen und 22.000 Mitarbeiter entlassen. Die Aktie hat inzwischen 90 Prozent an Wert verloren und notiert derzeit bei etwas über einem Dollar.
KPMG trennt sich von Beratungssparte Berlin (dpa). Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG trennt sich in Deutschland von ihrer Beratungssparte. Die Beteiligung an der KPMG Consulting AG (KCA) wird für 685 Millionen US-Dollar (726 Mio Euro) an die börsennotierte US-Gesellschaft KPMG Consulting, Inc. (KCIN) mit Sitz in McLean (Virginia) verkauft, teilte die KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft AG am Montag mit.

Damit vollzieht KPMG jetzt auch die eigentumsrechtliche Trennung von ihrer Consulting-Sparte. Mit der Entscheidung trage KPMG den Anforderungen an die Unabhängigkeit von Abschlussprüfung und Unternehmensberatung Rechnung, hieß es. Die Trennung von Prüfung und Beratung in der Branche war nach jüngsten internationalen Bilanzierungsskandalen wieder lauter geworden.
Pricewaterhouse Coopers am aufmerksamsten
Wirtschaftsprüfer übersehen jede zweite Pleite
Die "Big Five" der internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (WP) haben in ihren Jobs teilweise kläglich versagt: Bei knapp der Hälfte ihrer Unternehmenskunden, die seit Anfang 2001 Gläubigerschutz beantragen mussten, übersahen die Prüfer finanzielle Schwierigkeiten, statt eine Warnung abzugeben und die so genannte Red Flag (rote Flagge) zu hissen.


bba/wsj PALM BEACH GARDENS/DÜSSELDORF. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Weiss Ratings Inc., einer US-Gesellschaft für Fondsresearch und Fondsbewertungen aus Palm Beach Gardens, Florida.

Die Bilanz ist alarmierend: 42 % der 228 börsennotierten Unternehmen, die seit dem 1. Januar 2001 Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt hatten, bescheinigten die WP-Gesellschaften zuvor eine intakte Finanzstruktur. Den Großteil ihrer Prüfungsberichte, so die Studie, hatten sie zwischen neun und 12 Monate vor Beantragung des Gläubigerschutzes angefertigt.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG LLP schloss bei der Studie am schlechtesten ab. Bei 16 der von ihr geprüften 28 Unternehmen, die später Gläubigerschutz beantragten, gab sie keinen Warnschuss in Form der so genannten "Going-concern Warnings" ab. Als erfolgsreichste Gesellschaft ging Pricewaterhouse Coopers LLP aus der Studie hervor: Sie wies bei 24 von 38 untersuchten Unternehmen darauf hin, dass das Unternehmen künftig in finanzielle Schwierigkeiten kommen könnte. Deloitte & Touche, die zweitgrößte Gesellschaft, rangiert in der Studie zusammen mit Arthur Andersen und einer Fehlerquote von 44 % auf Platz drei. Zweitbeste Gesellschaft war mit 35 % Ernst & Young.

Dass Wirtschaftsprüfer an den Jahresabschlüssen meist erst dann etwas korrigieren, wenn den Unternehmen das Wasser schon bis zum Hals steht, liegt nach Ansicht von Douglas Carmichael, Professor für Rechnungslegung am Baruch College in New York, an der engen Beziehung zwischen den Auftraggebern und ihren Prüfern. "Je wichtiger der Kunde, desto mehr Druck kann er auf die WP-Gesellschaft ausüben", bringt es Carmichael auf den Punkt.

Genau diese Abhängigkeit ist derzeit das Thema von Anhörungen im US-Kongress. Die Abgeordneten wollen Lösungen erarbeiten, wie die Tätigkeit von Wirtschaftsprüfern in Zukunft strenger kontrolliert und überwacht werden kann.

In Deutschland waren solche Studien zur Performance von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wegen gesetzlicher Regelungen bislang nicht möglich. Dies hat sich seit einiger Zeit geändert, erklärt Gerhard Gross vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) in Düsseldorf: "Seit 1999 müssen WP-Gesellschaften nicht mehr nur im Prüfungsbericht, sondern auch im so genannten Bestätigungsvermerk auf Risiken gesondert hinweisen, die den Fortbestand des geprüften Unternehmens gefährden könnten. Das ist die Red Flag-Funktion der WP-Gesellschaften."

Der Bestätigungsvermerk wird mit dem geprüften Abschluss veröffentlicht. Das heißt: Bald könnte auch bei deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften untersucht werden, ob sie den Hinweis auf die Bestandsgefährdung rechtzeitig gegeben haben, die Red Flag also früh genug gehisst haben. Quelle: Handelsblatt






HANDELSBLATT, Montag, 15. Juli 2002


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