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    Verängstigte Sparer plündern ihre Bankkonten - 500 Beiträge pro Seite

    eröffnet am 29.05.02 21:30:27 von
    neuester Beitrag 30.05.02 21:34:53 von
    Beiträge: 8
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      schrieb am 29.05.02 21:30:27
      Beitrag Nr. 1 ()
      Japan: Verängstigte Sparer plündern ihre Bankkonten


      Faule Kredite wachsen in den Bilanzen wie die Krebsgeschwüre, Japans Banken haben immer mehr Leichen im Keller - und die Sparer bangen um ihr Geld.



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      TOKIO. Japans Banken haben im jüngsten Geschäftsjahr, das Ende März endete, erneut massig Geld verloren. Allein die sieben führenden Finanzinstitute weisen zusammen umgerechnet 35 Bill. Euro Verlust aus. Schuld an den blutroten Zahlen der Bilanzen 2001/02 sind vor allem die drastisch gestiegenen Rückstellungen für faule Kredite, die wie ein Krebsgeschwür wachsen - bei den 13 Großbanken im abgelaufenen Finanzjahr um 76 Mrd. Euro auf die Rekordsumme von 232 Mrd. Euro. Bisher konnte ein Mega-Kollaps verhindert werden, aber immer mehr Sparer plündern nun aus Angst vor einem Bankrott die Konten.

      Seit die Regierung ab 1. April 2002 nur noch private Guthaben bis zu 10 Mill. Yen (87.000 Euro) garantiert, wurde in allen Geldinstituten die Zahl der Sicherheitskameras mindestens verdoppelt. In zwei Jahren soll das Limit auch für Gehaltskonten und Sparbücher gelten, deren Total-Absicherung bisher einen Sturm der Bankschalter verhinderte. Vor den meisten großen Filialen zogen dennoch während der Bilanzlegung am vergangenen Freitag bewaffnete Posten auf. Wer jetzt größere Summen abhebt, erntet statt eines Lächelns eisige Blicke.


      Geld im Schuhkarton

      Finanzexperten finden es gar nicht komisch, daß immer mehr Japaner ihr Geld im Schuhkarton unter dem Bett horten, weil es ihnen dort sicherer scheint als im Banktresor. Nach jüngsten Erkenntnissen der Bank von Japan haben Nippons Haushalte allein zwischen März und Dezember vergangenen Jahres knapp 50 Mrd. Euro von ihren Konten abgehoben und zu Hause gelagert. Allein im Februar stieg der Bargeldumlauf um ein Zehntel. Der private Cash-Bestand ist damit auf rund 340 Mrd. Euro angewachsen. Diese Summe entspricht etwa dem Betrag, den die 126 Mill. Japaner in Investmentfonds gesteckt haben. Sogar die bisher als sicher geltenden Einlagen bei der staatlichen Postbank sanken im abgelaufenen Fiskaljahr um 4,2 Prozent.


      Eine Umfrage des Werbegiganten Dentsu ergab, daß 70 Prozent aller Sparer, die mehr als das geschützte Limit besitzen, ihr Vermögen aufspalten wollen. "Nicht auszudenken, wenn die japanischen Normalverbraucher nun die Panik erfaßt und sie ihre Konten massenweise plündern", alarmierte Bankexperte Brian Waterhouse seine Kunden von HSBC Securities in Tokio. Er glaubt, daß mindestens zwei Dutzend japanische Geldinstitute wegen Zahlungsunfähigkeit auf der Strecke bleiben werden.


      Mickrige Zinsen

      An dem beängstigenden Kapitalabfluß ist die Notenbank mit ihrer jahrelangen quasi Null-Zins-Politik maßgeblich mitschuldig. Aktuell erbringen frei verfügbare Spareinlagen eine jährliche Bruttorendite von 0,001 Prozent. Oder anders gerechnet: An den durch staatlichen Einlegerschutz abgesicherten 10 Mill. Yen verdient der Sparer pro Jahr ganze 100 Yen (85 Euro-Cent) - weniger, als in Tokio eine innerstädtische Busfahrkarte kostet. Der Jahreszins reicht nicht einmal, um nach Schalterschluß oder am Wochenende Geld am Automaten abzuheben. Dabei werden jedesmal Gebühren von 105 Yen fällig.


      Am Tokioter Kapitalmarkt kursiert bereits ein böser Witz: "Was ist der Unterschied zwischen Japan und Argentinien? Antwort: vielleicht noch drei Jahre." Die größten Risiken für das globale Finanzsystem erwachsen dabei paradoxerweise aus Japans Reichtum. Nach jüngsten Angaben der Tokioter Regierung ist Japans Netto-Vermögen im Ausland Kapitalanlagen der öffentlichen Hände und von Privatinvestoren vor allem in mittel- und langfristigen Staatsanleihen im vergangenen Fiskaljahr um fast 35 Prozent auf mehr als 1,6 Bill. Euro gestiegen. Brutto haben Nippons Regierung und Privatsektor sogar die doppelte Summe im Ausland geparkt. Dieser Kapitalabfluß ist eindeutiger Ausdruck des wachsenden Mißtrauens, denkt Kenneth Curties, Vizepräsident bei Goldman Sachs Asia. Wenn die Japaner einmal so in Not kommen, daß sie ihr Geld zurückholen müssen, drohe ein unvorstellbarer Crash.
      Avatar
      schrieb am 29.05.02 21:59:04
      Beitrag Nr. 2 ()
      Hey bura,
      in drei jahren sollen Nippons Schulden bei rd 128% des BSP liegen......:), stand mal in der WiWo!
      dann haben wir also nur noch drei Jahre Zeit;)
      und ich weiss jetzt warum die Japaner plötzlich so heiss auf Gold sind!!


      Gillybaer
      Avatar
      schrieb am 29.05.02 21:59:20
      Beitrag Nr. 3 ()
      burakiye, du findest immmer wieder interessante Artikel. Dumm ist, daß Du sie halt selbst nicht verstehst. Oder warum sonst postest Du sie so ohne jeden Kommentar? :confused:
      Avatar
      schrieb am 29.05.02 22:41:18
      Beitrag Nr. 4 ()
      @Teeth

      Ich möchte euch noch schlauer machen.........

      burakiye
      Avatar
      schrieb am 30.05.02 02:20:13
      Beitrag Nr. 5 ()
      Gibt es einen Zusammenhang zwischen der in #1 beschriebenen Entwicklung und der explosionsartigen Zunahme der japanischen Geldmenge?

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      schrieb am 30.05.02 08:45:02
      Beitrag Nr. 6 ()
      #5, wenn Du ein paar Fakten zu Deiner Aussage lieferst (welche Geldmenge, M0, M1, M2, M3, absolute Zahlen der letzten Jahre, relative Steigerungen der letzten Jahre ?) oder eine Quelle nennst, kann ich dir was dazu sagen.

      Gruß Teeth
      Avatar
      schrieb am 30.05.02 17:40:58
      Beitrag Nr. 7 ()
      @Teeth
      Ich meinte den 50%igen Anstieg der Geldmenge M1 im Vergleich zum Vorjahr:

      Avatar
      schrieb am 30.05.02 21:34:53
      Beitrag Nr. 8 ()
      Mandrella, hier vorerst folgendes. Wenn ich noch mehr finde und Zeit habe, wirds nachgeliefert.

      Zunächst mal sind wichtig die Geldmengendefinitionen. Ich hab nur die von der Bundesbank, Japan kann ein bißchen anders sein...

      M0: Bargeld (Banknoten + Münzen) + Mindestreserve der Geschäftsbanken bei der ZB. Die Mindestreserve ist abhängig von den Sichteinlagen, Termineinlagen und Spareinlagen.

      M1: M0 + Sichteinlagen, d.h. alles worüber sofort und uneingeschränkt disponiert werden kann, zB. Girokonten. Nicht zu M1 zählt der Teil des Bargeldumlaufs, den die Geschäftsbanken als Kassenreserve halten müssen.

      M2: M1 + Forderungen an Geschäftsbanken mit Laufzeit unter 4 Jahren.

      M3: M2 + Spareinlagen.


      Deine Grafik ist schon ganz ok und zeigt ja den starken Anstieg von M1. Besser wärs noch, man hätte auch die absoluten Zahlen, sowie die anderen Geldmengen.


      Aber mal zu dem, was da ist:

      Es kann gut sein, daß die Japaner fürchten, vor geschlossenen Schaltern zu stehen wie die Argentinier. Trotzdem ist Japan nicht Argentinien. Aber die langfristigen Zinsen in Japan sind nicht der Rede wert. Also ist es für die Japaner sehr vernünftig, ihr Geld kurzfristig zu halten, sei es als cash, sei es als täglich fälliges Bankguthaben. Das würde den Anstieg von M1 erklären. Ob das Vertrauen soweit hinüber ist, daß sie es sogar abziehen, also cash mit nach Hause nehmen, dazu müßte man noch den Vergleich mit M0 haben.

      Wenn die Japaner ihr Geld von den Banken abziehen, müssen die Banken es auszahlen und sich bei der japanischen Zentralbank, der BOJ, refinanzieren. Dort müssen sie Sicherheiten hinterlegen. Diese Sicherheiten können nur ihre Forderungen, ihre Ausleihungen sein, von denen allerdings wieder ein erheblicher Teil notleidend ist.

      Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten:

      1. Die BOJ akzeptiert diese unzureichenden Sicherheiten. Das würde zu vermehrter Inflation und zur Yen-Abwertung führen.

      2. Die BOJ akzeptiert sie nicht, und ein paar Banken gehen pleite. Dann wäre die Sache innerjapanisch erledigt. Aber vermutlich müssten die Verlierer dann irgendwoher Geld nehmen, und wenn sie Anlagen im Ausland haben, US-treasuries und Aktien, könnte das Druck auf die Kurse machen. Ich hab ein Papier von der DB, das sagt, die Menge sei nicht groß genug, um ernsthaft Druck auf die Kurse zu machen. Aber wer weiß...
      Es wäre von der BOJ auch abzuwägen, ob eine Bankenschließung nicht zur Panik führen könnte.

      Eine weitere interessante Frage ist: woher kommt das Geld, das den M1 - Anstieg verursacht hat? Es kann ja nicht sein, daß Sichteinlagen in cash umgewandelt wurden, das ließe M1 ja unbeeinflußt. Deswegen wäre M0 noch interessant. In dem Artikel wird ja auch erwähnt, daß der Bargeldbestand, also M0, stark zunehme. am besten wärs, den Monatsbericht der BOJ zu lesen. Aber wer kann schon japanisch....

      Zur Zinspolitik wäre auch noch zu sagen, daß die BOJ, wie jede ZB, nur die Zinsen am kurzen Ende beeinflussen kann. Aber auch die langen Zinsen sind niedrig. Ne spannende Frage ist, warum niemand diese niedrigen Zinsen nutzt.

      Japan ist höchst kompliziert und manipuliert. Ich selbst würde einer Kreditaufnahme in Yen, um damit Euro-Anleihen zu kaufen, ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis geben. Die Zinsen für den Yen sind niedrig, und wegen der möglicherweise schlechten hinterlegten Sicherheiten ist er auch noch unter Abwertungsdruck. Aber ich hab mich noch nicht ausreichend in die Problematik eingearbeitet, um das wirklich empfehlen zu können.


      Was auch noch interessant ist: Deine Grafik hat die Überschrift: Geld treibt ddie Börse. Aber gerade für den jüngsten M1-Anstieg gilt das nicht.


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