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Bilanzstreit

Die Befangenheit des „MLP-Kronzeugen“

Bei der Hauptversammlung verteidigte Professor Albrecht MLP - als Dekan der Uni Mannheim freute er sich über üppige Spenden des MLP-Gründers Lautenschläger.
Von Martin Hesse


Am 28. Mai tritt Professor Peter Albrecht vor die Aktionäre des Finanzdienstleisters MLP. Das Unternehmen steht seit Wochen im Kreuzfeuer der Kritik, nachdem ein Anlegermagazin den Vorwurf erhoben hat, die Heidelberger blähten mit Bilanztricks ihre Gewinne auf.

Albrecht ist Versicherungsexperte an der Universität Mannheim und von MLP als neutraler Gutachter bestellt worden, um den Aktionären zu erklären, wie MLP Rückversicherungsgeschäfte bilanziert und warum die Rechnungslegung ihre Richtigkeit hat.

Peter Albrecht tut dies nach eigenem Bekunden gern. Es habe seinen Reiz, vor solch einem Publikum „eine versicherungswissenschaftliche Miniaturvorlesung“ zu halten. Außerdem sei er selbst MLP-Aktionär und daher „zurückhaltend formuliert, ungehalten“ ob der Vorwürfe, die gegen das Unternehmen erhoben würden.

KPMG und Deloitte sprangen ab

Erst kurz vor Beginn der Hauptversammlung hatte MLP erklärt, es würden nicht - wie ursprünglich geplant - Vertreter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften KPMG und Deloitte & Touche auftreten. Der Grund: Es könnte den beiden ein Interessenkonflikt unterstellt werden. Die eine, KPMG, weil sie die österreichische MLP-Tochter MLP Leben prüft; die andere, Deloitte, weil sie einen der Rückversicherer testiert, mit denen MLP Geschäfte macht.

Warum diese Erkenntnis erst unmittelbar vor der Hauptversammlung reifte, bleibt ungeklärt. Dass Professor Albrecht als MLP-Aktionär ebenfalls in einen Interessenkonflikt geraten könnte, schien dagegen nicht ins Gewicht zu fallen.

Doch damit nicht genug.

Am 19. Oktober wurde an der Universität Mannheim der Manfred Lautenschläger-Hörsaal eingeweiht. Er trägt seinen Namen nach dem MLP-Gründer und aktuellen Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger.

Warum? Im Rahmen des Renovierungsprojektes „Renaissance des Barockschlosses“ hatte Lautenschläger als erster und größter Spender 750.000 DM gespendet. Auch das Unternehmen MLP reihte sich unter die Mäzene. Das Geld floss in die Renovierung eines Teils des Schlosses, in dem die Uni Mannheim untergebracht ist.

Als Kronzeuge ungeeignet

Der Lautenschläger-Hörsaal ist mit 244 Plätzen der größte der betriebswirtschaftlichen Fakultät, deren Dekan noch im vergangenen Jahr Peter Albrecht hieß.

Die Empörung Albrechts darüber, dass der Name MLP in den vergangenen Wochen Schaden erlitten hat, ist verständlich. Er leidet darunter als Aktionär wie als Mitarbeiter der Uni Mannheim.

Als Kronzeuge für ein Unternehmen, das erklärt hat, es wolle den Aktionären angesichts der erhobenen Vorwürfe künftig größtmögliche Transparenz bieten, ist Albrecht jedoch nicht geeignet.

Kleines 1x1

Zumal Albrecht, der den Kritikern vorwarf, grundlegende handwerkliche Regeln verletzt zu haben, in seiner Rede vor der Hauptversammlung auf konkrete Zahlen in der MLP-Bilanz gar nicht einging, sondern, Zitat: „das kleine Versicherungs- bzw. Rückversichernugs-1x1“ erörterte.

Dabei steht längst außer Frage, dass die Bilanzierungspraxis MLPs grundsätzlich üblich ist. Gefragt wäre jedoch eine Sonderprüfung des gesamten Zahlenwerks. Sie muss belegen, dass die Bilanz insgesamt ein „den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Kapitalgesellschaft“ vermittelt.
Warum unternimmt MLP nichts um Transparenz zu schaffen?

These 1: Wo es raucht ist auch Feuer: Die Bilanz ist zwar korrekt erstellt, verschleiert aber die Tatsachen. Zukünftiges Wachstum wird bereits heute als Gewinn ausgewiesen.

These 2: Die Vorwürfe sind nicht berechtigt. Befreundete Institutionelle (Morgan Stanley, Fonds),Mitarbeiter und Management nutzen die Gunst der Stunde um Positionen zu günstigen Kursen aufzubauen. Klarheit wird zu einem späteren Zeitpunkt geschaffen.
Durch die Intransparenz wird auch das Vertrauen der Kunden beschädigt. Das spricht gegen These 2.
Nun ist diese Meldung wahrlich nicht neu und in diversen Stellungnahmen, z.B. bei sharper.de und einigen Zeitungen beschrieben worden, doch sieht man hieran und an der MLP-eigenen Meldung, dass der Vorstand "mit überwältigender Mehrheit" entlastet wurde, wie MLP und die Vorstände das ganze Hick Hack sehen: wie einst Helmut Kohl - aussitzen und weitermachen - nachkaufen, ist doch schön billig!

Schade, man hätte mehr Rückgrat, Offenheit und Standing von den Versicherungsvetretern aus Heidelberg erwartet.


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