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So macht man richtig Geld

BNP Paribas und Royal Bank of Scotland zeigen, wie man trotz Kapitalmarktflaute gut verdient

Allen Banken geht es schlecht. Allen? Mitten in der Konjunkturflaute liefern zwei Geldhäuser Supergewinne ab. Zur Freude ihrer Aktionäre.

Er ist nicht nur ein Fan, sondern auch Autor von Science-Fiction-Romanen. Folgerichtig klingt manches utopisch, was Michel Pébereau, der Vorstand der BNP Paribas, als Zukunftsplan beschreibt: "Wir wollen die europäische Citigroup werden", sagt der Chef der größten Bank Frankreichs. Wirklich nur eine Phantasie?

Das Vorbild aus den USA bringt es auf 1,1 Billionen Euro Bilanzsumme und ist damit das größte Geldhaus der Welt. BNP Paribas spielt zumindest in Europa in der ersten Liga. Der 62-jährige Pébereau hat die Bank zu einem der größten und profitabelsten Finanzinstitute gemacht. Und das in Zeiten, in denen die meisten Konkurrenten mit stagnierenden Umsätzen und sinkenden Gewinnen kämpfen.

Der Durchbruch gelang vor drei Jahren: Pébereau, seit 1993 an der Spitze des französischen Finanzriesen Banque National de Paris (BNP), übernahm die Bank Paribas - und düpierte den ewigen Konkurrenten Société Générale. Denn damit war BNP Nummer 1 in Frankreich und ein ernstzunehmender Konkurrent für die anderen europäischen Großbanken. Heute bringt es die BNP Paribas auf 820 Millionen Euro Bilanzsumme. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank schaffte im vergangenen Jahr 920 Millionen.

Doch nicht nur schiere Größe brachte der Deal. Durch Paribas stieg die Profitabilität. Denn beide Partner sind stark im Privatkundengeschäft. Und dort wird das Geld verdient. Sechs Millionen Privatkunden haben ihr Konto bei BNP Paribas und ein Drittel der mittelständischen Unternehmen Frankreichs.So konnten die Franzosen trotz der Börsenflaute des Jahres 2001 den Jahresüberschuss konstant hoch halten. Investmentbanking, also das Geschäft rund um Aktien und Anleihen, Übernahmen und Fusionen, trägt bei BNP Paribas nur etwa 20 Prozent zum Geschäft bei. Die Deutsche Bank, Europas Nummer 1, macht hier 40 Prozent. Die Talfahrt der Börsen und die stagnierende Konjunktur schlägt sich hier jedoch voll nieder.

Auch im ersten Quartal 2002 lag das Nettoergebnis der Pariser mit einer Milliarde Euro erneut über den Prognosen der Analysten. Die meisten Finanzhäuser konnten in diesem Zeitraum gerade mal so schwarze Zahlen schreiben. Die Börsianer honorierten Pébereaus Strategie, auf das margenstarke Privatkundengeschäft zu setzen. BNP Paribas ist an der Börse derzeit 50 Milliarden Euro wert. Die Marktkapitalisierung der Deutschen Bank stagniert bei rund 45 Milliarden Euro.

Zudem ist das Privatkundengeschäft in Frankreich besonders lukrativ: "BNP profitiert davon, dass die Margen deutlich höher sind als etwa in Deutschland", sagt Fabian Brunner, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg. Grund: "Der Markt ist nicht so umkämpft und zersplittert wie in hier zu Lande."

Alleinherrschaft in Frankreich?

Doch Michel Pébereau hat nicht vor, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Vor kurzem präsentierte der Vorstand den Strategieplan "Project 2005". Ziel ist es, in den nächsten Jahren den Gewinn um 45 Prozent zu steigern. "Auf dem Weg zum großen europäischen Player schließen wir eine Allianz mit der Konkurrenz nicht aus", meint der Banker mit Blick auf die künftigen Ziele.Das Gerücht von einer Fusion mit der Société Générale hält sich hartnäckig. "Diese Übernahme würde riesige Synergieeffekte freisetzen", meint Analyst Konrad Becker von Merck Finck. Die Hochzeit würde allerdings kaum den Segen der französischen Kartellbehörden bekommen: "Der Riese hätte auf dem französischen Markt für Privatbanken beinahe die Alleinherrschaft", so Becker.Eine Alternative wäre Fortis. Der belgisch-holländische Finanzkonzern ist stark im Versicherungsgeschäft vertreten. Eine Verbindung wäre ein Meilenstein auf dem Weg der BNP hin zum umfassenden Finanzdienstleister à la Citigroup.

Die Bereiche Investmentbanking und Firmenkunden will BNP mittelfristig durch Zukäufe stärken. In dieses Vorhaben investieren die Franzosen in den nächsten drei Jahren zwischen sieben und zehn Milliarden Euro. Notgedrungen: Andernfalls besteht die Gefahr, dass die europäische Konkurrenz vom nächsten Konjunkturaufschwung stärker profitiert und BNP den Gewinnvorsprung verliert. "Pébereau setzt auf ein freundlicheres Konjunkturszenario und nimmt dabei das Risiko eines weiter schwachen Kapitalmarkts in Kauf", sagt Analyst Brunner. Ein Vorstoß ins Investmentbanking muss nicht immer den erhofften Erfolg bringen. "Die Deutsche Bank hat Jahre gebraucht, um dort Gewinne zu erzielen", so Brunner. Bis die Übernahmen von Alex Brown und Morgan Grenfell erfolgreich integriert waren, ist viel Zeit vergangen. Pébereau schreckt dies nicht, er war unlängst auch auf diesem Feld aktiv. Vor drei Wochen kaufte BNP die britische Investmentgesellschaft Cogent für 360 Millionen Euro.

Das bisher beste Geschäft machten die Pariser aber wohl mit dem Kauf von Consors. "Das war ein strategischer Volltreffer zum Schnäppchenpreis", lobt Brunner. Mit der Übernahme haben die Franzosen auch in Deutschland Fuß gefasst. In Verbindung mit der BNP-Tochter Cortal entsteht der größte europäische Online-Broker mit 1,2 Millionen Kunden. Beim Internet-Aktienhandel soll es nicht bleiben. Der Chef von Cortal Consors, Olivier Le Grand, plant den umfassenden Vertrieb von Finanzdienstleistungen via Web. 2003 will er damit schwarze Zahlen schreiben.

Sein Chef Pébereau gibt auch für den Gesamtkonzern große Ziele aus: Der Gewinn je Aktie soll bis 2005 um 45 Prozent auf 6,75 Euro gesteigert werden, die Eigenkapitalrendite dann mehr als 16 Prozent betragen. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank hofft, in drei Jahren zehn Prozent Eigenkapitalrendite vorweisen zu können. "Wenn Pébereaus Szenario zutrifft", ist sich Brunner sicher, "dann sind seine Ziele keineswegs übertrieben."

Schotten kopieren die Erfolgsstrategie

Pébereaus Erfolgsrezept findet Nachahmer. Paradebeispiel: die Royal Bank of Scotland. Auch bei den Schotten war eine Übernahme wegweisend für den zukünftigen Erfolg. Im März 2000 verleibte sie sich die National Westminster Bank (NatWest) ein. Ein bemerkenswerter Deal, weil NatWest viel größer war, als die Royal Bank. Die Synergieeffekte überraschen sämtliche Experten: Bis 2003 soll die Gesamtsumme bei 5,5 Milliarden Pfund liegen. "Diese Zahlen sind realistisch, wahrscheinlich werden sie sogar noch größer sein", glaubt Robert Minde, Analyst der BHF-Bank.

Auch bei dem Geldhaus aus Edinburgh ist es die Konzentration auf das Privat- und Firmenkundengeschäft, die für beachtliche Gewinnmargen sorgt. Die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2001 waren entgegen dem Branchentrend hervorragend: Der Gewinn vor Steuern lag mit 5,8 Milliarden Pfund um 32 Prozent über dem Vorjahresniveau. Zudem profitiert die Royal Bank of Scotland vom guten ökonomischen Umfeld in Großbritannien. Die Kreditnachfrage beispielsweise ist höher als auf dem Kontinent, die Arbeitslosenquote geht kontinuierlich zurück. Und: Den britischen Markt teilen nur fünf Institute komplett unter sich auf. Die Gewinnmargen sind die höchsten im europäischen Vergleich.

Die Börse hat diese guten Ergebnisse im Aktienkurs inzwischen honoriert. Vor kurzem markierte der Titel ein neues Allzeithoch bei 34,50 Euro, was einem Kursanstieg von mehr als 20 Prozent seit Jahresanfang entspricht. Die US-Investmentbanker von Merrill Lynch sehen das Papier mittelfristig schon bei 38 Euro. BHF-Analyst Minde rechnet mit einem dauerhaften Kursanstieg spätestens bei Bekanntgabe der Zahlen im August. "Wenn die Ergebnisse das bisherige Wachstum bestätigen, geht der Kurs weiter nach oben. Denn die Royal Bank of Scotland gehört zu den besten Banken Europas." Und das hat mit Science Fiction nichts zu tun.

Wertpapiere des Artikels:
ROYAL BK SCOTLD GRP LS-25
BNP PARIBAS EO 2


Autor: (© wallstreet:online AG / SmartHouse Media GmbH),10:06 16.06.2002



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