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so mal nebenbei, was Gier nicht alle bewirken kann, auch so
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Einen schönen Sonntag wünscht

Anglo

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Enrique Ernesto Perusquia: Aufstieg und Fall eines Brokers


Wie der Lebemann und Investor an Wall Street viele Millionen Dollar verspekulierte, die ihm gar nicht gehörten
Von Martin Halusa
New York - Es gibt viele Menschen, die sich wünschen, Enrique Ernesto Perusquia niemals in ihrem Leben getroffen zu haben. Dabei gilt der 47 Jahre alte Mexikaner als äußerst charmant, als großzügig, als spontan, als ein Hansdampf, der es ordentlich krachen lässt. Seine Partys zu Halloween waren legendär, ein Wochenende im Privatjet nach Paris? Kein Problem. Eine Cartier nur so als kleines Dankeschön für einen netten Abend zu zweit - eine Selbstverständlichkeit.

Doch der erfolgsverwöhnte Mann, dem die Frauen zu Füßen lagen, hatte sein Reich auf wackliges Fundament gebaut: Es war nicht nur sein eigenes Geld, das er nach Lust und Laune verpulverte; es waren auch die Millionen von Investoren, die einen Großteil ihres Familienvermögens in die Hände des Mannes gelegt hatten, der an Wall Street vom Glück geküsst schien. Enrique Perusquia war - so stellt sich heraus - ein Betrüger, ein Hochstapler, ein Fälscher.

Nun geht es dem Porschefahrer an den weißen Kragen: Die Schlichtungsstelle der New Yorker Börse verhängte gegen den ehemaligen Broker der renommierten Finanzfirmen Paine Webber und Lehman Brothers soeben eine Strafe von insgesamt 429,5 Mio. Dollar (486,3 Mio. Euro) - so viel wie noch nie zuvor in der amerikanischen Geschichte. 208 Mio. Dollar davon sind für den Schaden, den der Gauner angerichtet hat, weitere 208 Mio. sind die Strafe für seine Vergehen, der Rest geht in die Taschen der Anwälte.

Francisco Lerma etwa, ein 69 Jahre alter Immobilienunternehmer aus Mexiko City, verflucht seinen Landsmann aufs Bitterste. Fast sein gesamtes Vermögen - eine Summe von mehr als 85 Mio. Dollar - ist hinfort; verzockt, vergeigt, verspielt von E. E. Perusquia. Statt Mitte bis Ende der 90er-Jahre in hochsichere amerikanische Staatsanleihen und konservative Aktien zu investieren - wie ursprünglich geplant, steckte der Broker das Geld in spekulative Geschäfte wie Dritte-Welt-Anleihen. Das meiste Geld legte der Wall-Street-Banker in ebenso riskante wie zwielichtige kanadische Goldminen an - "American Resource" und "Rea Gold". Beide Firmen fusionierten später, und gingen dann bankrott.

Schlimmer noch: Perusquia soll durch diese Investitionen die Kurse manipuliert haben. Die Aktien waren nach dem Einstieg des Brokers von einem auf acht Dollar gestiegen. Genau zu diesem Zeitpunkt verkauften andere Investoren - von denen Perusquia eine Provision erhält - ihre Anteile zu Höchstkursen. An der Börse wird dieses Vorgehen "pump-and-dump" genannt ("pumpe es auf, dann schmeiß es weg"). Die Folge: Die Kurse brachen zusammen, das Geld der gutgläubigen Kunden war weg, die übrigen hatten sich auf ihrem Rücken eine goldene Nase verdient.

Um seine krummen Geschäfte zu verschleiern, legt Perusquia seinen Anlegern manipulierte Kontoauszüge vor, fälschte Unterschriften, benutzte fremde Briefköpfe, schleuste den Geldstrom über Schweizer Bankkonten - ein übliches Verfahren beim Umgang mit wohlhabenden ausländischen Kunden. Thomas Ajamie, ein texanischer Anwalt, der ein Dutzend Geschädigte vertritt, findet eine wenig schmeichelhafte Beschreibung für den Broker: "Enrique Perusquia ist ein Finanz-Serien-Killer, der das Vermögen all jener zerstört, mit denen er in Kontakt kommt".

Eine solche Person ist auch Donna Bloomfeld. Zuerst war die Sachbearbeiterin der Bekleidungskette Ann Taylor hin und weg von dem weltoffenen Mexikaner. Schon kurz nach dem ersten Treffen waren die beiden ein Paar, der Sohn einer wohlhabenden Baufirma jettete mit seiner neuen Freundin zum Skifahren in die Schweiz, zum Surfen nach Hawaii.

Die junge Dame, die als Tochter eines Soldaten vor allem in der Nähe trostloser Armee-Stützpunkte aufwuchs, war imponiert von dem Lebemann und umgekehrt: Ein Jahr später heiraten beide. Zwei Jahre später reicht er die Scheidung ein. Zwar trennt sich das Paar in Freundschaft - sie durfte das Wochenendhaus in Vermont behalten; doch all das Geld, das sie aus dem Verkauf erhielt, vertraute sie Enrique an. Nun ist fast alles weg, wegen der kanadischen Goldaktien.

Leute, die ihn kennen beschreiben Perusquia als "habgierig". Er habe in der gleichen Liga wie die Investmentlegenden George Soros oder Warren Buffett spielen wollen. Auch die hätten schließlich schon mal schlechte Geschäfte gemacht, nimmt Enriques Mutter ihren Sohn in Schutz. "Auch ich habe Geld verloren", so die Mutter.

Neben dem Geld liebt Sohnemann das weibliche Geschlecht. Seine erste Frau war die mexikanische Soap-Opera-Schauspielerin Lourdes Monguia; drei Mal war Perusquia schon verheiratet. Geschäftfreunde nennen ihn einen "Playboy". In seinem Büro habe er eine Schuhschachtel im Schreibtisch aufbewahrt, in der Fotos aller Frauen waren, mit denen er schon ausgegangen war.

Niemand glaubt ernsthaft, dass Enrique Ernesto Perusquia jemals die verordneten 429,5 Mio. Dollar zahlen wird - weil er das Geld schlicht gar nicht besitzt. Anwalt Ajamie erwartet höchsten "einen kleinen Betrag". Dennoch sei der Spruch des Börsenschiedsgerichts ein Sieg. Die Geschädigten hatten sich bereits mit beiden ehemaligen Arbeitgebern Perusquias - Paine Webber und Lehman Brothers - auf eine Entschädigung geeinigt; Einzelheiten unbekannt.

Eine Haftstrafe hat der Mexikaner vorerst nicht zu erwarten, die Bundespolizei FBI und die Staatsanwaltschaft ermitteln jedoch. Deshalb scheut er wohl auch das Licht der Öffentlichkeit. Derzeit lebt Enrique Ernesto Perusquia mit unbekannter Adresse im noblen Wintersportort Jackson Hole in den Rocky Mountains. Er hatte eben schon immer ein Faible fürs Skifahren.


http://www.welt.de/daten/2002/01/07/0107un306339.htx?search=…

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