Immaterielle Vermögensgegenstände - 500 Beiträge pro Seite

eröffnet am 23.06.02 20:13:35 von
neuester Beitrag 29.06.02 22:32:57 von


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23.06.02 20:13:35
aus: Bilanzen richtig lesen; E. Scheffler; Verlag C. H. Beck, München, 1997


Nur entgeltlich erworbene immaterielle Anlagengegenstände dürfen bilanziert werden. Zu den immateriellen Vermögensgegenständen rechnen u.A. Datenverarbeitungsprogramme, Patente, Nutzungs- oder Lieferungsrechte. Ein Geschäfts- oder Firmenwert ist der Unterschiedsbetrag, um den das Entgelt oder eine sonstige Leistung für die Übernahme eines Unternehmens oder Teilbetriebes den Wert des übernommenen Reinvermögens (Vermögensgegenstände abzüglich Schulden) übersteigt.
[...]
Auch immaterielle Anlagegegenstände sind planmäßig abzuschreiben, soweit ihre Nutzung zeitlich begrenzt ist. Dabei ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass immaterielle Werte schwer abschätzbar sind und sich wirtschaftlich oft sehr schnell abnutzen. So sind zwar Patente zehn Jahre geschützt, doch kann die wirtschaftliche Nutzungsdauer wesentlich kürzer anzusetzen sein.
[...]
Die Einschätzung des Wertes immaterieller Vermögensgegenstände ist schwierig, weil für sie in der Regel kein Markt existiert. Die Wertansätze sind daher vorsichtig zu beurteilen, da sich der Wert immaterieller Güter leichter verflüchtigt als von materiellen Gegenständen. Lizenzen und Konzessionen können für die Aufrechterhaltung des Betriebes von großer Bedeutung sein. Insofern sind ihre Laufzeit und ihre Marktgängigkeit wichtig.
Der Geschäftswert ist Ausdruck der Marktposition des Unternehmens, seiner Kundenbeziehungen, Organisation, seines selbst geschaffenen Know-hows u.Ä. Er entspricht der Differenz zwischen dem höheren Ertragswert eines Unternehmens oder Betriebs und dem Zeitwert seines Reinvermögens. Nur ein erworbener Geschäftswert darf aktiviert werden. Er ist in seiner Werthaltigkeit kritisch zu beurteilen.
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23.06.02 20:18:49
Wie bewertet man die Aussagekraft des EBITA oder EBA?

Wäre es nicht sinnvoll, wenn Unternehmen mit hohen Immateriellen Vermögenswerten (i.d.R. Firmenwerten) diese im Rahmen einer Sonderabschreibung mit einem Abschluss weit gehend aus der Bilanz entfernen, an Statt sie planmäßig über 20 Jahre abzuschreiben? (und damit das KGV für diesen Zeitraum "optisch" zu erhöhen...)

Eine hohe Einmalabschreibung auf Immaterielle Vermögenswerte ändert doch nichts an den Grund legenden Sachverhalten des Unternehmens?
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23.06.02 21:17:47
@Simonswald
Wenn Du eine Aktie über Buchwert kaufst, bezahlst Du einen Goodwill. Angenommen, Du kaufst morgen z.B. eine W.E.T-Aktie für 38 Euro. Dann zahlst Du ca. 21 Euro für das erworbene Eigenkapital und weitere 17 Euro für den Firmenwert.

Würdest Du es für sinnvoll halten, nun in Deiner persönlichen Erfolgsrechnung den Wert Deiner W.E.T.-Aktie auf 21 Euro abzuschreiben, also anzunehmen, dass Du durch den Kauf einen Verlust von 17 Euro erwirtschaftet hast?

Genauso, wie wenn Du eine Aktie kaufst, verhält es sich, wenn ein Unternehmen ein anderes übernimmt. Nehmen wir z.B. an, die Webasto AG übernimmt die W.E.T. AG für 38 Euro je Aktie. Nach Deinem Vorschlag müsste Webasto nun den Goodwill von 17 Euro je W.E.T.-Aktie voll abschreiben und damit den Wert der neuen Beteiligung zum Buchwert statt zu ihrem wahren Wert bilanzieren. Dadurch würden zwar die laufenden Goodwill-Abschreibungen vermieden, aber die Bilanz von Webasto würde nicht den wahren Wert der neuen Beteiligung wiedergeben; der Goodwill würde komplett in stille Reserven umgewandelt.

Das HGB sieht übrigens diese Möglichkeit vor: Statt linearer Abschreibungen kann der Goodwill auch gleich nach Erwerb erfolgsneutral mit dem Eigenkapital verrechnet werden. Siehe z.B. Koehler & Krenzer AG.

Ich denke, die neue US-GAAP-Regelung, die demnächst auch für IAS gelten soll, ist die sinnvollste Lösung: Der Wert jeder Beteiligung muss regelmäßig neu ermittelt und nur dann eine Abschreibung vorgenommen werden, wenn dieser gefallen ist. Natürlich gibt es immer Bewertungsspielräume, aber damit kommt man doch dem tatsächlichen wirtschaftlichen Gewinn des Mutterunternehmens näher als mit einer pauschalen linearen Abschreibung oder mit einer einmaligen Komplettabschreibung.
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24.06.02 03:36:08
@Simonswald

Bei kleinen Firmenwerten mag ja eine einmalige außerplanmäßige Abschreibung noch vertretbar sein, bei größeren wird es aber schwierig. Wird in diesem Fall auf eine Aktivierung des Goodwills verzichtet, so könnte dies die Bilanz sehr stark belasten bzw. zur buchmäßigen Überschuldung führen.

Auch ich halte die von Mandrella skizzierte Regelung für sinnvoll.

Grüße
adelbert.
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24.06.02 12:13:23
Stichwort goodwill.
Hat sich eigentlich schon jemand mit der Frage beschäftigt, wie man das Bewertungsrisiko goodwill (nach US-GAAP) aus der Sicht des externen Bilanzlesers eingrenzen kann ?
a) welche Bewertungsspielräume gibt es konkret (bei nicht börsennotierten Beteiligungen)?
b) ist ein zukünftiger Abwertungsbedarf ggf. vorhersehbar (z.B. Zugang latente Steuern, FW-EK-Verh. etc.) ?
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29.06.02 22:32:57
In der Stadtbücherei lese ich in der Börse Online:

„Ab diesem Jahr verlangt US-GAAP keine regelmäßigen Abschreibungen auf den Goodwill mehr. Stattdessen muss die Gesellschaft die Werthaltigkeit der zugekauften Töchter im Rahmen von „Impairmenttests“ überprüfen.
Nur wenn dabei niedrigere Werte ermittelt werden, muss künftig abgeschrieben werden.

Nur optisch wird eine Aktie damit billiger, der Wert ändert sich dadurch natürlich nicht.“

Wichtig ist, zu prüfen, was sich hinter dem Goodwill verbirgt, ob es eher "ewig" nutzbare Lizenzen oder Marken handelt oder aber um nach wenigen Jahren wertlose Patente.

Der Wert der Töchter bemisst sich wohl nach dem "Cash Earnings", den sie liefern, in Beziehung gesetzt zu einem bestimmten Zinsniveau?


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