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Heard in New York am Montag - 500 Beiträge pro Seite



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Fast fühlt man sich in das Jahr 2000 zurückversetzt und ist gewillt, die ganzen schlechten Nachrichten der letzten Wochen und Monate zu vergessen. Die Kursanstiege seit Mitte letzter Woche waren so rasant, dass nur wenige Marktteilnehmer die Chance hatten in den steigenden Markt hineinzukaufen. Oft waren es schon vor Handelsbeginn die Aktienindexfutures welchen die zu Börsenbeginn in die Höhe schnellen liessen. Ach ist das schön, wenn der Schmerz nachlässt, wenn man sein Portfolio betrachtet. So waren es weiter die grossen gefallenen Engel der letzten Wochen, welche uns zum Wochenauftakt starke Kursgewinne bescherten (GE, MSFT, IBM). Dazu gesellten sich dann noch die Käufer von Indexoptionen und –futures. Teils wurden diese gekauft um möglichst schnell und diversifiziert mit dem Markt mit nach oben zu tendieren, zum Teil mussten Fondsmanager ihre Hedgepositionen auflösen, was für die meisten sehr teuer war. So wurde an den steigenden Kursen nicht nur verdient. Der Optionsvolatilitätsindex des S&P100 fiel denn so am Montag auch stark ab, und notiert nun wieder unter seinem Ausbruchsniveau von 35, bei 33,73 Zählern (ein Minus von 6m71Punkten). Der Rentenmarkt verlor zum Wochenauftakt an Qualität als sicherer Hafen und die Renditen stiegen in allen Laufzeitbereichen. Ebenso erging es dem Goldpreis, welcher um $ 1 nachgab ($302,75/pro Feinunze).

Das Vertrauen in Investmentbanken und Makler in den USA ist weiter sehr niedrig. Nun stellt sich die Frage, :“Ist etwas faul im Staate Goldman Sachs (stellertretend für Dänemark)“. Am Donnerstag vergangener Woche kaufte Goldman Sachs 10.000 Kaufoptionen auf den Semiconductor HOLDRs Trust (ein Korb aus 20 Chipherstellern). Dies fiel auf, da es bis dahin von der entsprechenden Option nur 1.400 Kontrakte offen ausstanden. Ein Kauf von 10.000 Kaufoptionen, welcher das „open interest“ so stark ansteigen lässt fällt da schnell auf. Ist es als nur ein Zufall, dass am folgenden Freitag, zwei Stunden vor Handelsbeginn, Goldman Sachs Analyst James Covello, eine kurzfristige Handelsempfehlung für den Chipbereich ausspricht? Am Wochenende auf diesen Zufall angesprochen, reagiert Goldman Sachs mit einem klaren JA. Wir werden sehen, ob Goldman mit ihrer eingegangenen Position in Calls, wie mit ihrem Statements richtig liegen werden. Während die Chiphersteller zwar meist noch über Cashreserven verfügen, welche sie Nachfragedurststrecken durchstehen lassen, machen sie sich Sorgen um die Cashposititionen ihrer Kunden und deren Endkunden. So jedenfalls der CEO von Novellus Systems (NVLS) auf einer Semiconductor Trade Show in der vergangenen Woche.

Der finanziell angeschlagene US-Telekommunikationskonzern Qwest Communications International (Q: WKN 907671) hat die Anwendung unzulässiger Bilanzierungspraktiken zugegeben. Das Unternehmen hat in den Jahren 1999 bis 2001 1,16 Milliarden Dollar an Umsätzen und anderen Positionen unrechtmäßig verbucht. Nun werden die Geschäftszahlen erneut vorgelegt. Eine große Überraschung ist das nicht, da das Unternehme schon seit längerem auf der Liste der SEC, der zu überprüfenden Unternehmen steht und somit litt die Börse nicht unter der Meldung und zeigte sich trotzdem freudig. Die US-Staatsanwaltschaft hatte bereits vor einigen Wochen strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen. Qwest zieht seine bisherige Geschäftsprognose für das Jahr 2002 ebenfalls erst einmal zurück. Grund für diesen Schritt ist die anhaltende Flaute in der Telekommunikationsbranche, der harte Wettbewerb sowie die Schwäche in der regionalen Wirtschaft. Nach dem bisherigen Ausblick wollte das Unternehmen im Gesamtjahr 2002 einen Umsatz von 18,4 Milliarden Dollar erzielen. Die Kreditverträge von Qwest könnten allerdings gefährdet sein, wenn das Unternehmen die vorherige Ergebnisprognose nicht erreicht. Am 31. März beliefen sich die Schulden von Qwest auf 26,5 Milliarden Dollar. Davon werden etwa 6,5 Milliarden Dollar zwischen Mai 2003 und Ende 2004 fällig. Qwest will die neuen Finanzziele des Unternehmens am 8. August bekannt geben. Nachdem die Staatsanwaltschaft vor einigen Wochen bekannt gegeben hatte, strafrechtliche Ermittlungen gegen das Unternehmen aufzunehmen, kündigte der viertgrößte US-Telekomanbieter seine uneingeschränkte Kooperation an. Wegen fragwürdiger Buchungspraktiken ermittelt die Börsenaufsicht SEC bereits ebenfalls bei Qwest. Am Dienstag soll Qwest-Präsident Afshin Mohebbi vor dem Handels-, Wissenschafts- und Transport-Ausschuss des Senats dazu befragt werden. Neben ihm muss auch ein Vorstandsmitglied des inzwischen insolventen zweitgrößten US-Telekomkonzerns WorldCom aussagen. Es soll festgestellt werden, ob die Unternehmen mit unrechtmäßigen Buchungsmethoden ihre Umsätze künstlich aufgebläht haben. Die Aktien von Qwest schlossen mit minus $ 0.01 bei $ 1.49.

Gruss aus New York, das US-Aktien Team der DG European Securities, Claudia, Thomas und Jerry

Die vorangegangenen Marktbeobachtungen und Aktienbesprechungen basieren auf den subjektiven Einschätzungen der Mitglieder des US-Aktienteams der DG European Securities und sind ohne jede Gewähr sowie ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Das Risikoprofil eines jeden individuellen Investors ist verschieden. Anleger sollten vor der Tätigung von Investitionsentscheidungen den Anlageberater ihrer Bank um zusätzliche Informationen bitten und das angedachte Investment auf ihre Risikotoleranz hin überprüfen lassen. Weitere Informationen zu den Weltfinanzmärkten finden Sie auf www.dzbank.de, www.wgzbank.de, sowie auf www.union-investment.de

Wertpapiere des Artikels:
WORLDCOM INC. DL-,01
QWEST COMM. INTL DL-,01


Autor: (© wallstreet:online AG / SmartHouse Media GmbH),07:51 30.07.2002



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