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Das ABC der Aktienanlage für die aktuelle Konjunktur- und Börsensituation - 500 Beiträge pro Seite


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Es gibt Kriterien, die sich generell jeder vor dem Einstieg in jegliche Aktie stellen sollte:

- Ist zu erwarten, daß der Gewinn und (positive!) operative Cash-Flow längerfristig ansteigen wird?
- Ist die Aktie nicht bereits auf dem aktuellen Niveau viel zu teuer? (Denn dann schützen auch keine noch so hohen Gewinnsteigerungen vor einem möglichen Kursverfall)
- Hat das Unternehmen ein im jeweiligen Bereich erfahrenes, kompetentes und vor allem erfolgreiches Management?
- Ist die Verschuldung, sofern gegeben, langfristig bezahlbar?
- Ist die Existenz des Unternehmens langfristig gesichert, hundertprozentig?
- Kann angenommen werden, daß aktuell ein günstiger Zeitpunkt für einen Einstieg in diese Aktie ist?
- Hilfreich (aber niemals einziges Kriterium) ist die Betrachtung der Dividendenrendite je Aktie in % (ansteigend oder konstant) und des Buchwerts je Aktie (starke Branchenunterschiede!)
- IMMER, IMMER, IMMER wichtig sind die AUSSICHTEN und die regelmäßige Überprüfung, ob die bisherigen Voraussetzungen, Annahmen und Rahmenbedingungen weiter gültig sind!


Besonders in Zeiten von Konjunkturflaute, Herabstufungen der Unternehmensbonitäten (höhere Finanzierungskosten), ansteigender Zahl an Entlassungen, schwindendem Verbrauchervertrauen und stark sinkender Börsenkurse kommt es häufig zu massiven Veränderungen im Ausblick der zukünftigen Erträge sowie Dividenden.

Daher muß sich ein verantwortungsbewußter Aktionär die Werte seines Depots erneut UNTER BERÜCKSICHTIGUNG dieser Veränderungen betrachten und die Wertpapiere verkaufen, bei welchen zu erwarten ist, daß (stark) negative "Überraschungen" anstehen. Denn dies schlägt sich oftmals massiv in abstürzenden Aktienkursen nieder. (Ein späterer Rückkauf bei erkennbar wieder positiven Aussichten ist ja keinesfalls ausgeschlossen!)

Essentielle Fragen, speziell in diesen Zeiten, sind also:
- Haben sich die bisherigen Annahmen und AUSSICHTEN geändert?
- Muß der erwartete Gewinn je Aktie oder der operative Cash-Flow nach unten revidiert werden?
- Ist mit Dividendenkürzungen zu rechnen?

Ebenso wie Unternehmen DIREKT von (beispielsweise) sinkender Konsumentennachfrage oder Einbruch der Werbeausgaben betroffen sein können, sind die Unternehmen, deren KUNDEN unter eben diesen Problemen leiden, INDIREKT betroffen.

Folglich ist es zur Vermeidung unnötiger Depot-Verluste (durch Halten oder Kaufen der Aktien solcher Unternehmen) elementar, sich die Frage zu stellen: Wer ist von diesen negativen Auswirkungen indirekt betroffen?


- Jeder weiß, daß die KFZ-Neuzulassungen rückläufig sind und die Automobilkonzerne (mit Ausnahme der Premiummarken, Beispiel: Porsche) schwierige Zeiten durchlaufen, was sich aller Wahrscheinlichkeit auch nicht in Kürze ändern wird.

- Jedem ist bekannt, daß es einige Pleiten großer Konzerne gab und gibt, sowie einige Unternehmen, die finanziell schwer angeschlagen sind und möglicherweise insolvent werden.

- Seit Monaten wird regelmäßig gemeldet: Werbeeinnahmen brechen ein, Abermillionen werden in diesem Bereich weniger verdient.

Also: Wer ist davon INDIREKT BETROFFEN?

Ein konkretes Beispiel für Letzteres wäre die Koenig und Bauer-Aktie: Ein Druckmaschinenhersteller.
Die Stammaktie kostet im HV-Monat Juni (scheinbar) unglaublich günstige €22,50 bei randvollen Auftragsbüchern, für 2001 gemeldetem Gewinn je Aktie von €2,87 und €1,00 Dividende, der Buchwert je Aktie beträgt derzeit €22,70. Das macht ein KGV für 2001 von 7,8 und eine Dividendenrendite von 4,44%.

Ist diese Aktie nun ein "strong buy" (also: Zukauf), eine Halteposition, oder sollte man sie schleunigst "bestens" aus dem Depot verbannen??

Schau genau! ;)

Nochmals: Koenig und Bauer stellt Druckmaschinen her, damit wird der Großteil des Gewinns erwirtschaftet. Wer also kauft diese Druckmaschinen?

Zum Beispiel Print-Verlage wie der Axel Springer Verlag. Dieser hatte bereits am 19.02.2002 mitgeteilt, nach einem Jahresüberschuß in 2000 von €98 Mio. und einer Dividende von €1,43 je Aktie in 2001 trotz positivem operativen Ergebnis nunmehr einen Jahresfehlbetrag von EUR 191 Mio. ausweisen zu müssen und die Dividende sogar komplett zu streichen. Oha.
Nichts neues ist auch die Tatsache, daß für Werbung (egal ob Print oder TV) weniger Budgets zur Verfügung stehen, was (unter anderem) keine rosigen Aussichten für die Gewinn- respektive Verlustsituation von Printverlagen bedeutet.

Folglich ist zu erwarten, daß diese wiederum nicht geneigt sind, ihre eigenen Ausgaben (z.B. für Druckmaschinen) demnächst zu erhöhen. Vielmehr wird Kostendruck herrschen, was bedeutet: Sparen, sparen, sparen.

Daher Fehlanzeige für erneut hohe neue Auftragseingänge im Bereich Druckmaschinen bei Koenig und Bauer, niedrigerer ausgewiesener Gewinn und somit ist außerdem eine geringere Ausschüttung an die Aktionäre zu befürchten.

Zusammenfassung: Ein massiv negativer operativer Cash-Flow (-2,59 Euro je Koenig und Bauer-Aktie), miese Aussichten (Auftragseingänge) und eine potentielle Dividendenkürzung von bis zu 30% lassen nur eine Antwort zu: SELL `EM ALL, NOW!

Wer nach der HV vom 27.06.2002 so verfahren ist, hat sich im Falle Koenig & Bauer einen Kurssturz binnen weniger als zwei Monaten von sage und schreibe über 30% erspart. Bislang. Wer weiß, wie tief in den Keller die Aktie noch stürzen und wie lange die Flaute bei Konjunktur sowie Werbeeinnahmen der Print-Verlage noch andauern wird...

Solche zyklischen Werte sollten erst (zurück-)gekauft werden, wenn erstens die Konjunktur die Aufschwungphase klar vor sich hat (z.B. 3x in Folge stark ansteigender ifo-Index) und zweitens die jeweiligen Kunden überhaupt beginnen, wieder Geld zu verdienen, das ausgegeben werden kann (und nach menschlichem Ermessen auch ausgegeben wird).

DANN - und erst dann - sind die Aussichten auf einen längerfristigen Kursanstieg wieder positiv und die Aktie kaufenswert.


Liest man dies alles so, hört es sich an wie eine Binsenweißheit, die einem doch selbstverständlich klar ist, nicht wahr?

Aber - mal ehrlich - ist dem wirklich so? Und handelt jeder Einzelne auch danach?

Ein genauer Blick, der das eigene Depot durchforstet, sollte hierauf die Antwort geben.

In diesem Sinne: Viel Erfolg und ein glückliches Händchen an der Börse wünscht allen Lesern

Euer
stock-specialist


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