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MICHEL BON - Sag Adieu, Monsieur - 500 Beiträge pro Seite



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Das Ende eines Helden. Wieder mal in diesen Börsenzeiten. Der kommende Donnerstag wird voraussichtlich der letzte Arbeitstag von Michel Bon als Chef der France Telecom sein. Glaubt man französischen Medien, ist der Rauswurf des 59-Jährigen bereits beschlossene Sache.Michel Bon, der Mann mit dem akkuraten Seitenscheitel, will die Spekulationen nicht kommentieren. \"Solche Gerüchte tauchen auf und verschwinden\", lässt er verbreiten. Große Sprüche waren nie die Stärke des wortkargen Wirtschaftswissenschaftlers.

Doch was könnte der meist kühl und distanziert wirkende Bon überhaupt zu seiner Verteidigung vorbringen? Der ehemalige Staatskonzern ächzt unter der Last von 70 Milliarden Euro Schulden. Allein für das erste Halbjahr 2002 wird France Telecom nach Expertenschätzung ein Rekordminus von zehn bis 15 Milliarden Euro ausweisen. \"Ohne Rückendeckung des Staates wäre der Konzern ein klarer Pleitekandidat\", heißt es aus Finanzkreisen.

Die Börse hat ihr Urteil längst gesprochen. Der Aktienkurs verlor allein seit Jahresbeginn 80 Prozent. Fondsmanager fordern inzwischen sogar öffentlich den Kopf des Vorstandsvorsitzenden. Dabei war Bon noch vor wenigen Jahren einer der populärsten Wirtschaftsbosse Frankreichs.Mit sprödem Charme und mutigen Visionen hatte der Absolvent der Pariser Elite-Universität ENA vor sieben Jahren die Führung der France Telecom übernommen. Seine wichtigste Aufgabe: Er sollte den trägen Staatsbetrieb für den harten Wettbewerb des liberalisierten Telekom-Marktes fit machen.

Schon nach anderthalb Jahren hatte der für Fleiß und Disziplin bekannte Anti-Alkoholiker ein wichtiges Etappenziel erreicht: Der Konzern ging an die Börse. Frankreichs Finanzminister freute sich über Erlöse in Milliardenhöhe, die Aktionäre über rasante Kursgewinne der französischen T-Aktie.

Denn Monsieur Bon wusste, was die Finanzmärkte in der Boomphase der New Economy verlangten: Wachstum, egal zu welchem Preis.Für 60 Milliarden Euro ging Bon auf Einkaufstour. Wie so viele in der Branche erkannte aber auch er zu spät die aberwitzige Spekulationsblase. Viel zu teuer bezahlte Beteiligungen, wie die marode Kabelgesellschaft NTL, müssen jetzt in den Bilanzen abgeschrieben und Schulden mit immer höheren Zinsen getilgt werden.

Symptomatisch für das Verhängnis des Michel Bon ist die Beteiligung bei Mobilcom. Für 7,3 Milliarden Euro hat sich France Telecom bei den Büdelsdorfern eingekauft, um auf dem deutschen Mobilfunkmarkt Fuß zu fassen. Gemeinsam ersteigerte man eine der UMTS-Lizenzen und spekulierte auf lukrative Geschäfte mit der vermeintlichen Wundertechnologie. Die Euphorie ist längst verflogen. Unter dem Druck der Schuldenlast würde Bon die Beteiligung am liebsten sofort abstoßen. Die Regierung aber, mit 55 Prozent der Anteile noch immer Hauptaktionär der France Telecom, favorisiert eine vollständige Übernahme von Mobilcom, um den deutschen Markt nicht preiszugeben.Bon habe in der Mobilcom-Affäre \"Anfänger-Fehler\" gemacht, heißt es aus Regierungskreisen. Vor allem die öffentliche Schlammschlacht mit Firmengründer Gerhard Schmid habe das Ansehen der France Telecom schwer beschädigt und die deutsch-französischen Beziehungen belastet.Bis Donnerstag soll Bon dem Aufsichtsrat ein überzeugendes Konzept für die Zukunft der France Telecom präsentieren. Als einziger Ausweg gilt nach Ansicht vieler Experten eine Kapitalerhöhung in Höhe von zehn Milliarden Euro. Die Regierung hat bereits angekündigt, die Hälfte der Summe zu übernehmen. Der Rest müsste von institutionellen Anlegern getragen werden. Doch die haben längst durchblicken lassen, dass sie das Vertrauen in Michel Bon verloren haben.

Wahrscheinlich wird der 59-Jährige deshalb sehr bald sehr viel Zeit für seine Frau und die vier Kinder haben. Um die persönlichen Finanzen dürfte er sich - ähnlich wie Ron Sommer - dabei keine Sorgen machen müssen.

von Sven Parplies / Euro am Sonntag

Wertpapiere des Artikels:
FRANCE TELECOM INH. EO 4


Autor: (© wallstreet:online AG / SmartHouse Media GmbH),11:22 08.09.2002



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