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PONZI-SPIELE - 500 Beiträge pro Seite

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Frühe Ponzi-Spiele
John Laws ”Compagnie des Indes“ (auch Mississippi Company genannt) verfügte über das Monopol für den Handel am Mississippi und später mit China und den französischen Südsee-Kolonien. 1719 versprach er Anlegern eine 40%ige Rendite auf Anteile an der Gesellschaft – viel mehr als auf Dauer zu erwirtschaften war. Die Zahlungen wurden durch die Emission von Anteilsscheinen finanziert. Frühe Anleger realisierten eine annualisierte Rendite von 120%. Die South Sea Company, die die Monopolrechte für den Handel mit den britischen Südsee-Kolonien hatte, arbeitete in Großbritannien nach dem gleichen Muster, lieferte zwischen Februar und April 1720 sogar 100% Rendite, indem sie ständig neue Anteilsscheine emittierte.
(S. Bhattacharya (1999) und Valentine (1998)).

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2.2. ERSTE FINANZKRISEN UND DEREN FOLGEN 15

• 1719-20 die Mississippi Bubble in Frankreich und
• 1720 South Sea Bubble in Großbritannien.

Dies sind die ersten dokumentierten Fälle von Ponzi-Spielen (s. Kasten). Ponzi-Spiele funktionieren wie folgt:
Der Veranstalter verspricht den Teilnehmern hohe Renditen auf eine vorgegebene Einlage. Er verpflichtet die Teilnehmer, eine vorgegebene Anzahl neuer Teilnehmer zu gewinnen. Er bestreitet die versprochenen hohen Renditen aus den Einlagen der neuen Teilnehmer; dem Ponzi-Spiel liegt keine produktive Tätigkeit zugrunde. Weil der Veranstalter zunächst die versprochenen Renditen aus den Einlagen der neuen Mitglieder bestreitet, baut er sich eine Reputation für die Bedienung seiner Verpflichtungen auf. Das Ponzi-Spiel endet, wenn keine neuen Teilnehmer mehr gefunden werden.
Das ist etwas anderes als Spekulation, denn bei Spekulation ist ein ständiger Zustrom von Teilnehmern nicht notwendig, das betroffene Anlagegut muss während der Phase steigender Preise nicht den Besitzer wechseln. Ponzi-Spiele liefern einen sehr hohen Erlös für den Veranstalter und Verluste für die überwiegende Mehrzahl der Teilnehmer (s. das Beispiel im Anhang). Daher sind sie verboten. Vor allem in Transformationsökonomien mit unsicherer Rechtslage werden aber immer wieder Fälle von Ponzi-Spielen beobachtet. Die Ponzi-Spiele in Frankreich und Großbritannien um 1720 gaben Anlass zur Regulierung von Finanzmärkten:

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Ein Ponzi-Spiel
Teilnehmer müssen an den Veranstalter eine Teilnahmegebühr von Euro 100 entrichten und fünf neue Teilnehmer gewinnen. Für jeden seiner fünf Nachfolger und für jeden Nachfolger in der folgenden Stufe erhält er je Euro 10. Weil man 5 + (5 · 5) = 30 Nachfolger hat, kann man Euro 30 · 10 = Euro 300 erwirtschaften, d.h. Euro 200 Gewinn, eine Rendite von 200%. Der Veranstalter setzt das eingenommene Geld nur dazu ein, vorhergehenden Teilnehmern ihre Provisionen zu zahlen.
Der Veranstalter macht mit dem ersten Teilnehmer einen Gewinn von Euro 100. An den fünf Teilnehmern der zweiten Stufe gewinnt er je Euro 90, denn Euro 10 muss er als Provision an den ersten abführen. An den Teilnehmern der folgenden Stufen gewinnt er je Euro 80, denn Euro 20 muss er an die zwei Vorgänger abführen.
Gewinnen also alle – die Teilnehmer und der Veranstalter? Nein, denn das Ponzi-Spiel bricht zusammen, wenn keine neuen Teilnehmer mehr gefunden werden. Die Teilnehmer aus der letzte Stufe vor dem Zusammenbrechen verlieren dann ihren gesamten Einsatz in Höhe von Euro 100. Die Teilnehmer
aus der vorletzten Stufe verlieren Euro 50, weil sie nur ihre fünf direkten Nachfolger haben. Wegen der Pyramiden-Struktur des Spiels (die Anzahl der Teilnehmer wächst von Stufe zu Stufe geometrisch), verlieren die meisten Teilnehmer. Weil die meisten verlieren, macht der Veranstalter einen hohen Gewinn.
Angenommen, das Spiel bricht nach Stufe fünf zusammen. Von den 1 + 5 + 25 + 125 + 625 = 781 Teilnehmern verlieren 125 + 625 = 750, d.h. 96%. Die 625 Teilnehmer aus Stufe 5 (= 80%) verlieren ihren gesamten Einsatz. Der Veranstalter macht einen Gewinn von Euro 100 am ersten Teilnehmer, Euro 5 · 90 = Euro 450 in der zweiten Stufe, Euro 25 · 80 = Euro 2.000 in der dritten Stufe, Euro 125 · 80 = Euro 10.000 in der vierten Stufe und Euro 625 · 80 = Euro 50.000 in der letzten Stufe. Das ergibt einen Gesamtgewinn von Euro 62.550.
Beispiele für Ponzi-Spiele sind nicht schwer zu finden (s. Kasten).

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Ponzi
Der Namensgeber Charles Ponzi meinte in 1919, eine Arbitrage-Möglichkeit im Handel mit Coupons der International Postal Union entdeckt zu haben. Mit diesen Coupons konnte man Briefen oder Paketen ins Ausland das Porto für Rücksendungen beilegen. Ponzi attrahierte Kapital aus der italienischen Gemeinschaft in Boston mit dem Versprechen einer 50%igen Verzinsung innerhalb von 90 Tagen. Bald stellte er fest, dass er diese Rendite nicht erwirtschaften konnte, nahm aber weiterhin neue Einlagen entgegen. Als sein Ponzi-Spiel endete, schuldete er Einlegern $6 Millionen. Er wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt.

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MMM-Pyramide
1994 machte die MMM-Pyramide, die 2000% Verzinsung in Aussicht stellte, Sergej Mavrodi auf Kosten von fünf Millionen russischer Bürger zum sechstreichsten Mann Russlands. Nach dem Zusammenbrechen seiner Pyramide wurde er wegen seines Versprechens, die Verluste aus öffentlichen Mitteln zu decken, ins russische Parlament gewählt (als Nachfolger eines erschossenen Parlamentariers), tauchte aber später wegen Strafverfolgung aufgrund eines Steuervergehens unter.

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Albanien
1997 beteiligte sich in Albanien die Hälfte der Bevölkerung an einem Ponzi-Spiel, das 100% Verzinsung in sechs Monaten versprach. Beim Kollaps entsprach das Volumen der Einlagen dem albanischen Sozialprodukt eines Jahres. Ein sechstel der Bevölkerung verlor ihr gesamtes Vermögen, was gewalttätige Unruhen auslöste. Die Grenze zwischen illegalen Ponzi-Spielen und legalen Multilevel Marketing Programmen (MLMs) ist fließend. Amway Corp. vertrieb in den 70er-Jahren Reinigungsmittel und Haushaltswaren mit einem pyramidenförmigen MLM. Die US-Federal Trade Commission entschied 1979, dass dies legal ist.

(S. Bhattacharya (1999)).

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Der Neue Markt ist in einer Ausnahmesituation entstanden, als der Kapitalmarkt boomte, als es die New Economy gab und als die deutsche Volkswirtschaft eine Zwischenphase milden Wachstums erlebte. Ein ausschließlich auf kleine Wachstumsunternehmen spezialisiertes Segment konnte da florieren..... Schon in der Hochphase war das Segment allerdings für professionelle Anleger zu schmal..... Es musste sich daher auf die Privatanleger verlassen..... Sie haben dem Neuen Markt eine Weile lang Glanz und hohe Kurse, den Risikokapitalgebern, den Brokern und Banken erhebliche Gewinne beschert.


Was macht man mit der übrig gebliebenen Ruine aus alten Zeiten? Sie ist hässlich anzusehen, aber es ist teuer und mühsam, sie offiziell abzureißen. Die Börse kann eine tolerable Alternative in einem so genannten Premium-Segment bieten. Dort können die seriösen unter den verbliebenen Unternehmen des Neuen Markts als ganz normale Börsentitel weiterleben. Danach kann die Marke Neuer Markt langsam verschwinden. Die Ruine fällt dem Vergessen anheim.

Weitere Leitartikel zu den Themen "Guidos zweite Chance" und "Eichels Wahl" in der FTD-Ausgabe vom 26.09.2002.

© 2002 Financial Times Deutschland


MfG Percy

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Literatur
Allen, Franklin und Douglas Gale (2000), Comparing Financial Systems, MIT Press.
Bhattacharya, Uptal (1999) ”On the Possibility of Ponzi Schemes in Transition Economies“,
www.worldbank.org/html/prddr/trans/janfeb00/pgs24-26.htm
Garber, Peter M. (1989), ”Tulipmania“, Journal of Political Economy 97, 535-60.
Valentine, Debra (1998), ”Pyramid Schemes“, www.ftc.gov/speeches/other/dvimf16.htm


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