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John Maynard Keynes These von sanften Tod des Rentiers - 500 Beiträge pro Seite

eröffnet am 12.01.03 12:57:26 von
neuester Beitrag 01.05.09 15:07:45 von


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12.01.03 12:57:26
Beitrag Nr. 1 ()


In seinem Hauptwerk "Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes" (1936) geht der "Jahrhundertöko-nom" John Maynard Keynes auch recht ausführlich auf die Ideen Silvio Gesells ein, den er als "zu Unrecht übersehenen Propheten" be-zeichnet. Auf den folgenden Seiten soll aufgezeigt werden, daß auch Keynes, obwohl er der wahrscheinlich meistdiskutierte Ökonom unseres Jahrhunderts ist, im Grunde genommen ein übersehener Prophet geblieben ist, daß die wesentlichen Aussagen seiner "Allgemeinen Theorie" kaum beachtet wurden. Aussagen, die denen des ökonomischen Außenseiters Gesell verblüffend ähnlich sind.

Keynes war kein Keynesianer, das ist die Erkenntnis vieler Ökonomen. Was aber ist überhaupt der "wahre" Keynes? Eine letztendliche Antwort darauf wird es wohl nie geben; dazu ist Keynes in vielem zu unklar, zu inkonsistent, zu widersprüchlich. Keynes wollte nicht nur die Vollbeschäftigung durch staatliche Lenkung der Investition sichern, glaubte nicht an die wunderbaren Selbstheilungskräfte des Marktes; er wollte nicht weniger als die "Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals" (etwas vereinfacht gesagt: die erwarteten Erträge neuer Investi-tionen) auf Null bringen. Das aber wäre tatsächlich nichts anderes als das Ende des Kapitalismus, denn wer wollte noch von Kapitalismus sprechen, wenn das "Kapital" nichts mehr abwirft.

Das Sinken der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals (nicht zu verwechseln mit dem Gewinn, sondern ein rechnerischer Teil von diesem), war für Keynes ein natürlicher und zwangsläufiger Vorgang in einer florierenden Wirtschaft. Das Kapital, so Keynes, wirft nämlich nur solange eine Rendite ab, wie es knapp ist. Es gibt aber keinen Grund, warum Kapital immer knapp sein müßte. Und mit jeder (Erweiterungs-) Investition nimmt seine Knappheit tendenziell ab, und damit sinken auch die Kapitalrenditen. Keynes meinte sogar, daß es relativ einfach sein sollte, die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals innerhalb von ein bis zwei Generationen auf ungefähr Null zu bringen. Damit würde der Zustand eines quasi statischen Gemeinwesens erreicht. Keynes zeigt sich auch hier unglaublich pro-gressiv und düpiert die Ökonomen aller Couleurs, denen etwas anderes als ein dynamisches Gemeinwesen, sprich eine wachsende Wirtschaft, ein Greuel ist.

Keynes war allerdings klar, daß dem Verschwinden des "Verdienstsatzes auf angehäuftem Reichtum" ein mächtiger institutioneller Faktor entgegenstand in Form eines Geldes, dessen Haltung keine oder nur unbedeutende Kosten verursacht. Unter dieser Bedingung nämlich sei dem Sinken des Geldzinses eine Grenze gesetzt, weil bei zu niedrigen Zinsen die Geldbesitzer die "echten oder vermeintlichen Vorteile" der Liquidität vorziehen würden. Den Geldbesitzern müsse also eine Mindestprämie für die Aufgabe der Liquidität geboten werden, die "Liquiditätsprämie", um die krisenauslösende "Liquiditätsfalle", volkstümlich ausgedruckt: das "Horten" von Geld, zu verhindern. Der Geldzins setze damit aber den Standard, den auch die Renditen von Sachkapital erreichen müßten. Das Sach-kapital müsse deshalb knapp gehalten werden, um eine dem Geldzins vergleichbare Rendite abwerfen zu können.

Wie problematisch ein Geld ohne Haltekosten werden würde, wenn sein erklärtes Ziel zu nahe kam, hat Keynes deutlich ausgesprochen. Was, fragt er, würde es "für eine Gesellschaft bedeuten, die so gut mit Kapital ausgestattet ist, daß dessen Grenzleistungsfähigkeit Null ist. Dann, so lautet die beunruhigende Antwort von Keynes, würden "die Unternehmer notwendigerweise Verluste machen, wenn sie fort-fahren, Beschäftigung auf einer Skala anzubieten, die den gesamten bestehenden Bestand an Kapital ausnützt. Der Bestand an Kapital und das Niveau der Beschäftigung werden folglich schrumpfen müssen, bis das Gemeinwesen so verarmt ist, daß die Ge-samtersparnis Null geworden ist".

Die sich zwangsläufig ergebenden Störungen in der Beziehung zwischen der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals, die mit jedem wirtschaftlichen Boom durch Kapitalvermehrung und Bedarfssättigung die Tendenz hat zu sinken, und dem nach un-ten starren Geldzins waren für Keynes die Ursache für die periodisch wiederkehrenden Wirtschafts- und Beschäftigungskrisen. Die Unfähigkeit der Beschäftigung, ein Optimum zu erreichen, so formulierte er, ergebe sich aus der Verbindung "eines konventionellen und ziemlich beständigen langfristigen Zinsfußes und einer unzuverlässigen und höchst unbeständigen Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals". Leider, so beklagte er, werde die "Unfähigkeit der Beschäftigung, ein Optimum zu erreichen, in den Gedanken der Bevölkerung oder der Regierung in keiner Weise mit dem Vorherrschen einer ungeeigneten Reihe von Zinssätzen verbunden". Eine Klage, die heute, wo sich die Diskussion über die Arbeitslosigkeit im wesentlichen um angeblich zu hohe Lohnkosten und Steuern dreht, so berechtigt ist wie damals.

Was das "deficit spending" angeht, das Rezept der sogenannten "Keynesianischen` Wirtschaftspolitik gegen die Arbeitslosigkeit, also staatliches Schuldenmachen zum Ankurbeln der Konjunktur, so wird damit die Keynes`sche Vision geradezu konterkariert. Denn Schuldenmachen wirkt natürlich zinstreibend, und man kann nicht den Zins des Geldes in die Höhe treiben und gleichzeitig die "Grenzleistungsfähigkeit des (Sach-)Kapitals" auf Null bringen wollen, denn was das Geld an Zinsen einbringt, muß natürlich das Sachkapital erst recht abwerfen. Wenn dessen Erträge gegen Null gehen sollen, muß auch gleichzeitig der Geldzins gegen Null gehen.

Die Analyse des "Jahrhundertökonomen" gleicht fast aufs Haar derjenigen Silvio Gesells. Gesell, dessen Hauptwerk "Die natürliche Wirtschaftsordnung" 20 Jahre vor der "Allgemeinen Theorie" erschienen war, hatte die gleiche Anschauung, daß die Renditen des Sachkapitals auch in einer auf Wettbewerb und privatem Gewinnstreben aufgebauten Wirtschaftsordnung verschwinden könnten, und daß es nur der nach unten starre Geldzins ist, der nicht zuläßt, daß den Sachkapitalrenditen durch beharrliches Arbeiten der Todesstoß versetzt wird.

Keynes und Gesell betrachten den Kapitalismus also als "monetäres Syndrom". Nicht das Privateigentum an den Produktionsmitteln ist danach das Problem, sondern unser traditionelles Geld. Nicht das Produktionsvermögen, sondern das Geld ist das "Urkapital" (Gesell). Geld wirft nicht nur deshalb einen Zins ab, weil es das Produktionsvermögen tut, sondern das Produktionsvermögen muß deshalb etwas abwerfen, weil es das Geld auch tut.

Anders als Keynes, der aus dieser Analyse keine praktischen Konsequenzen zog, entwickelte Gesell daraus seinen "berühmten Vorschlag" - so jedenfalls bezeichnete ihn Keynes vom "gestempelten Geld" als Mittel zur Veränderung der "Liquiditätsfalle". Auch wenn Keynes sich nicht so weit vorgewagt hat, und letztendlich auch Einwände gegen diesen Vorschlag vorbringt, bestätigte er immerhin, daß "diejenigen Reformatoren, die in der Erzeugung künstlicher Haltekosten ein Heilmittel sahen auf der richtigen Spur gewesen" sind und ihr Vor-schlag verdiente, erwogen zu werden.

Für die Anhänger Gesells war die Allgemeine Theorie jedenfalls stets Wasser auf ihre Mühlen, und sie sehen sich als die konsequenteren Keynesianer. Keynes hat die Leistung des "zu Unrecht übersehenen Propheten" Gesell auch ausführlich gewürdigt, und kein anderer Öko-nom wird in der "Allgemeinen Theorie" so oft zustimmend erwähnt wie dieser.

Ganz losgelassen hat Keynes die Idee von Geldhalte- oder Liquiditätskosten denn auch nicht. Für die Konferenz von Bretton Woods 1944 machte er den Vorschlag, Guthaben seiner neu zu schaffenden internationalen Währung "bancor" ab einer be-stimmten Höhe mit Strafzinsen zu belasten. Da sein "bancor" reines Buchgeld sein sollte, wären die Strafzinsen auf "ban-cor"-Guthaben Liquiditätskosten und somit eine Entsprechung zu Gesells Haltekosten auf Bargeld.

Diese Idee hatte ja schon die Unterstützung von Keynes` berühmtem amerikanischen Kollegen Irving Fisher gefunden, der immerhin als bedeutendster Geldtheoretiker seiner Zeit galt. Während der Weltwirtschaftskrise verfaßte dieser einen Leitfaden für die kommunale Ein-führung von "gestempeltem Geld", nachdem sein Versuch, die amerikanische Notenbank von der Idee zu überzeugen, keinen Erfolg hatte.

Das Schicksal der Keynes`schen Lehre ist bekannt. Dabei haben die zentralen Anschauungen seiner "Allgemeinen Theorie" - die Störfunktion eines Geldes ohne Haltekosten niemals wirklich Beachtung gefunden. Es gilt im Grunde wieder - als hätte Keynes nie gelebt Der für Keynes fundamentale Unterschied, die Untergrenze des Zinses in der heutigen Geldwirtschaft mit ihren gravierenden Konsequen-zen, ist von Freund und Feind einfach unter den Teppich gekehrt worden. So unglaublich es klingen mag: im Grunde genommen teilt der "Jahrhundertökonom" Keynes - jedenfalls der Keynes der "Allgemeinen Theorie" das Schicksal seines Vorläufers Gesell, ein übersehener Prophet geblieben zu sein.

Dabei wäre angesichts des sozialen Unheils, das eine neoliberal-angebotsorientierte Wirtschaftspolitik heute anrichtet, eine Besinnung auf den "echten", den monetären Keynes dringender denn je. Hat Keynes nicht vorausgesagt, daß sich das Problem der Diskrepanz zwischen Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals und Zinsfuß in Zukunft, bei immer reichlicherer Kapitalausstattung und nicht beliebig steigendem Hang zum Konsum, noch verschärfen werde? Könnte es nicht sein, daß wir nach 50 Jahren fast ununterbrochenen Wirtschaftswachstums in den Industrieländern an dem Punkt angelangt sind, wo Kapital so reichlich geworden ist, daß die Kapitalrenditen allmählich verschwinden müßten und die Keynes`sche Vision vom {b]"sanften Tod des Rentiers"[/b] Wirklichkeit werden könnte?
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12.01.03 13:12:56
Beitrag Nr. 2 ()
www.geldcrash.de

Warum ist unser System zum Scheitern verurteilt und Ihr Vermögen in Gefahr?

In der Anlageberatung werden Ihnen überwiegend Aktien, Anleihen und Lebensversicherungen empfohlen. Kaum bekannt ist, daß unser Geldsystem ein System mit festem Verfalldatum darstellt. Ihr Vermögen wird dabei langfristig, abhängig von der Anlageform, weitgehend entwertet.

Nebenstehende Grafik zeigt den explosiven Effekt unseres Finanzsystems beispielsweise in der immer schneller werdenden Entwicklung der Schulden hier im Lande - wie auch überall auf der Welt. Demgegenüber kann das Bruttosozialprodukt, also die Wertschöpfung weitaus weniger schnell wachsen - die Schulden wachsen mehr als 2,5 mal schneller als die Produktivität.. Logische Folge davon ist, daß schon bald die Zinslasten für den Schuldenberg nicht mehr bezahlt werden können und es zu einer schweren krise kommen muß. Auch “Sparen” hilft hier nicht weiter, weil eine Unterbrechung der Kreditaufnahme unmittelbar eine Depression zur Folge hätte. Frage an Sie: Kann je-mand dauerhaft überleben, dessen Schuldenberg 2,5 mal schneller wächst als sein Einkommen - oder muß nicht der Bankrott die unmit-telbare Folge davon sein?



Wo liegt die Ursache?

Der Großteil des Geldes, welches heute exisitiert, ist verzinst angelegt. Das bedeutet, daß die Geldvermögen jedes Jahr um den Zinssatz wachsen. Dabei werden die gewonnenen Zinsen wieder angelegt und im nächsten Jahr wieder verzinst. Das fatale bei einer solchen Zin-seszinsentwicklung ist, daß der Zuwachs immer schneller vor sich geht, letztlich explodiert. Beispiel “Josefspfennig” :Hätte beispielsweise jemand im Jahre 0 nur einen Pfennig zu 5% Zins angelegt, so wäre daraus durch Zinseszins, im Jahre 1466 der Wert einer Erdkugel aus Gold und heute bereits über 200 Milliarden Erdkugeln aus Gold geworden. (“Josefspfennig”)



Eine ähnliche Rechnung brachte der Investmentexperte Marc Faber, als er betonte, daß noch keine einzige Geldanlage je langfristig funktioniert hätte. Das Zinssystem funktioniert immer nur wenige Jahrzehnte funktionieren, bis es von neuem zusammenbricht. Da das Zinssystem nur begrenzte Zeit funktioniert, stellt es ein System mit Verfalldatum dar.

Sie investieren heute in ein Schneeballsystem

Während jeder bei Zinsversprechen von 100% im Jahr an ein “Schneeballsystem”denkt, also einem System, welches nur durch neue Anleger überhaupt die versprochene Rendite bezahlen kann, wird kaum jemand bei einem Zins von 5% mißtrauisch. Dabei explodiert jedes auf Zins aufgebaute System, wie obige Rechnungen verdeutlichen. Nur läuft das 100 Prozent System zwanzig mal schneller als das 5 Pro-zent System. Während das 100 Prozent Schneeballsystem innerhalb weniger Jahre zusammenbricht, dauert es bei unserem Zinssystem mehrere Jahrzehnte. Weil der Zerfall nur alle 2 Generationen (siehe unsere Geschichte) stattfindet, erkennen nur die wenigsten die Zusammenhänge.

Die meisten verlieren schon heute ständig Geld

Wenn Sie an Ihr Vermögen denken, hört sich der Zinseszinseffekt noch sehr angenehm an, Sie gewinnen Geld, ohne dafür Leistung erbringen zu müssen, man läßt sein “Geld arbeiten”. Was häufig vergessen wird ist die andere Seite, die Verschuldung: Jede Mark, welche jemand als Zinsgewinn verbuchen kann, muß ein anderer als Verschuldung registrieren. Dabei wachsen die Vermögen und die Schulden jeweils um den gleichen Betrag. Wenn jemand viel Geld besitzt, hat er hohe Zinsgewinne und kann entsprechend mehr Geld anlegen, womit sein Zinsertrag im nächsten Jahr noch größer ausfällt. Auf der anderen Seite steigt die Verschuldung der breiten Bevölkerung, wel-che für die Zinslasten von Staat, Wirtschaft und privaten Krediten aufkommen muß. Es entsteht ein Umverteilungseffekt von der Bevölke-rung zu wenigen Superreichen. Wenn Sie nicht gerade Multimillionär oder Milliardar sind, haben Sie durch das Zinssystem erhebliche fi-nanzielle Nachteile zu erleiden. So müssen Sie zur Zeit im Jahr fast 18.000 Euro nur für die Verzinsung des Kapitals abtreten. Nur wenn Sie höhere Zinseinnahmen als 18.000 im Jahr haben, gewinnen Sie beim heutigen System überhaupt. Sogar als Spitzenverdiener haben Sie durch unser System nur Nachteile, vor allem wenn Sie Ihr Vermögen im Zusammenbruch verlieren. Auch Ihr laufendes Einkommen wird zunehmend durch die Zinslasten reduziert. Man kann bei diesem System sogar von einem richtigen “Enteignungsprogramm” spre-chen, bei dem Sie am Ende unter Umständen völlig mittellos dastehen werden.

Nebenstehende Grafik zeigt die Entwicklung der Gesamtgeldvermögen und gesamten Schuldenlast in Deutschland. Deutlich ist die immer schnellere Entwicklung nach dem Zinseszinsmechanismus zu erkennen. Dieses Wachstum der Vermögen und Schulden vollzieht sich un-abhängig von der realen Wirtschaftsleistung. Auch die Inflation ändert nichts am Verlauf, da der Inflationssatz jeweils auf den Zins aufge-schlagen wird und damit den Gläubiger vor Wertverlusten schützt. Die Inflation bedroht damit sogar den Schuldner, welcher den Kredit nicht mehr bedienen kann.

In solch einem explodierendem System müssen die Probleme immer schneller zunehmen, weil für die Schuldnerseite die “Bedienung” der Kredite mit der Zeit schwieriger wird. Da die Unternehmen immer höhere Zinslasten zu tragen haben, muß an anderer Stelle “gespart” werden - Arbeitskräfte werden “freigesetzt”. Genauso ergeht es dem Staat: Mußte 1950 nicht einmal 1% des Bundeshaushaltes für den Schuldendienst aufgewandt werden, sind es heute schon 30%. Eine Schuldenkrise ist damit in jedem Land nur eine Frage der Zeit. Die Entwicklung der Staatsverschuldung verdeutlicht den Ernst der Lage.

Dabei liegt das Problem nicht bei der “Verschwendungssucht” einzelner Politiker oder der “Anspruchshaltung” in der Bevölkerung, sondern die Schulden müssen im gleichen Umfang zunehmen, wie sich die Geldvermögen durch die Zinseszinsrechnung vervielfachen, egal wieviel “gespart” wird. Würde nun niemand mehr Schulden machen, so müßte der Zinssatz auf 0% sinken, da den wachsenden Geldvermögen keine Nachfrage nach gleichhohen Krediten mehr gegenübersteht. Bei 0% Zins wird jedoch Geld überhaupt nicht mehr zur Verfügung ge-stellt, sondern es zieht sich aus dem Wirtschaftskreislauf zurück. Es entsteht eine “Deflation”, welche in einer Wirtschaftskrise endet.

Ein gewaltiger Crash droht und gefährdet Ihr Vermögen

In der Endphase eines Zinssystems explodiert im allgemeinen immer der spekulative Sektor - die Aktienkurse steigen scheinbar unaufhörlich. Die Ursache liegt in der rückgängien realen Rendite aus der Wirtschaft, welche das Kapital in riskante Börseninvestments drängt - die Folge ist ein Börsencrash. Auch Ihr Vermögen ist in diesem Verlauf zunehmend vom Verlust bedroht. So erzwingt das System ein immer schnelleres Wachstum der Börsenwerte, um dann beim Zusammenbruch beispielsweise Ihre Aktien zu entwerten. Jedoch ist auch Ihr weiteres Vermögen in Gefahr, im Crash verloren zu gehen.

Der Euro

In diesem Szenario spielt die Einführung des “Euros” eine verhängnisvolle Rolle: Durch Beseitigen von Wechselkurspuffern, bauen sich Spannungen zwischen den unterschiedlichen Nationen auf, welche sich in einer gewaltigen Währungskrise entladen werden. Für Sie be-deutet dies die Gefahr eines massiven Vermögensverlustes.

Kaum bekannt ist, daß bereits seit 100 Jahren diese Zusammenhänge bekannt sind und nach wie vor von Expertenseite ignoriert werden. Der Schweizer Wirtschaftsprofessor Ruhland und der deutsche Geldreformer Silvio Gesell warnten bereits zur damaligen Zeit vor den katastrophalen Auswirkungen des Zinssystems. Genausowenig wissen die meisten Menschen, daß Arbeitslosigkeit von unserem System erzwungen wird, weil die Unternehmen dazu gezwungen sind zu rationalisieren, um die steigenen Zinslasten bedienen zu können.
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12.01.03 13:29:43
Beitrag Nr. 3 ()


Greenspan:"Wenn nötig, scheiße ich den Markt mit Geld zu!"



John Maynard Keynes:"Geld wirft nur solange eine Rendite ab, wie es knapp ist."
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12.01.03 13:35:24
Beitrag Nr. 4 ()
silvio gesell will ja eine sog. freiwirtschaft.....alles geld soll dem wirtschaftskreislauf zugeführt werden.
und der zins bewirkt das das nicht geschieht.

aber das ist schlichtweg falsch.....das geld was die leute anlegen wird ja von den banken wieder verliehen und so dem wirtschaftskreislauf zugeführt...und das auf sehr effektive weise....
außerdem ist der zins notwendig um kapitalflucht zu vermeiden.
ich gebe dir aber in vielen punkten recht, ich habe mich auch schon damit beschäftigt.....aber humanwirtschaft und freigeld sind keine lösung für unsere probleme......
der zins wird mit dem wirtschaftswachstum auf 0 gehn und alles wird stagnieren.....wir steuern früher oder später in einen sozialsimus.....das ist auch recht so......geld besitzt eine viel zu große priorität.....die arbeit selbst ist schon lohn genug...!
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12.01.03 13:50:24
Beitrag Nr. 5 ()
#4 von fallencommunist

Das Thema ist sehr stark ideologisch belastet, weil sich dahinter natürlich auch die Frage der Vermögensverteilung
verbirgt und der Zins die Achillesferse des Kapitalismus darstellt, auf die die Sozialisten ihre Angriffe starten.

Für mich ist es aber zunächst nichts anderes als Logik und Mathematik. Allerorten höre ich, daß in 2003 die Kurse wieder steigen müssen, weil Aktienkurse noch nie länger als drei Jahre hintereinander gesunken seien. Diese Leute haben aber den Paradigmenwechsel, in dem wir uns befinden, noch nicht erkannt.

aber das ist schlichtweg falsch.....das geld was die leute anlegen wird ja von den banken wieder verliehen und so dem wirtschaftskreislauf zugeführt...und das auf sehr effektive weise....

Das ist ja gerade das derzeitige Problem. Die Banken verleihen kein Geld mehr (Basel II) und wenn, dann nicht mehr auf effektive Weise. Der ganze Immobiliensektor ist überfinanziert und die Blase, die am Aktienmarkt bereits geplatzt ist, besteht dort noch. Das werden wir 2003 am Beispiel der Commerzbank anschaulich erleben. Die Banken haben noch jede Menge fauler Kredite in ihren Bilanzen. Deutschland wird japanische Verhältnisse bekommen.

der zins wird mit dem wirtschaftswachstum auf 0 gehn und alles wird stagnieren.....

Volle Zustimmung
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13.01.03 18:27:40
Beitrag Nr. 6 ()
Hey, starke Verlinkung! Gibts noch mehr Mitstreiter?



Habe noch Thread: Das Ende des Finanzsystemes wie wir es kennen... in Erinnerung, da stand etwas von einem Lietaer drin!
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14.01.03 00:49:41
Beitrag Nr. 7 ()
Hurra, wir drucken Geld

Von Claus Vogt
„But the U.S. government has a technology, called a printing press (or, today, its electronic equivalent), that allows it to produce as many U.S. dollars as it wishes at essentially no cost.“
(Aber die US-Regierung hat eine Technologie, genannt Druckerpresse , die es ihr gestattet, ohne Kosten so viele US-Dollar zu produzieren, wie sie will.).
Ben S. Bernanke, Mitglied im Gouverneursrat der Fed, am 21. November 2002.

Mit seiner Rede „Deflation: Making sure „It“ doesn’t happen here“ (Deflation: Sicherstellen, daß „das“ hier nicht passiert) macht Ben S. Bernanke, ein Neuling im Machtzentrum der US-amerikanischen Notenbank, vehement auf sich aufmerksam. Nachdem er die in den vergangenen Monaten vermehrt diskutierte Gefahr einer Deflation in den USA als „in der vorhersehbaren Zukunft extrem klein“ bezeichnet, stellt er auf den übrigen Seiten seines Manuskriptes detailliert das Waffenarsenal der Fed vor, das sie für diesen Fall bereithalte. Er nennt den Ankauf langfristiger US-Staatsanleihen mit dem Ziel, langfristige Zinsen direkt nach unten zu manipulieren, den Kauf von Schuldverschreibungen des Privatsektors und ausländischer Staatsanleihen sowie die Bereitstellung niedrig oder gar unverzinslicher Kredite für den Privatsektor. Damit öffnet Bernanke für alle gut sichtbar die zentralbankeigene Büchse der Pandora, deren Inhalt aber nicht neu ist.

Bereits im Juli 1999 und dann noch einmal im Juni 2002 erschienen in der von der Notenbank herausgegebenen Schriftenreihe „International Finance Discussion Papers“ ausführliche Darstellungen des jetzt von Bernanke einer breiten Öffentlichkeit Vorgetragenen. Wir kommentierten im August 2002: „Dieses Arbeitspapier interpretieren wir einerseits als Rechtfertigung der seit rund 1 1/2 Jahren erneut heißlaufenden sprichwörtlichen US-Dollar-Geldpresse, also der durch die Fed initiierten Ausweitung von Geld und Kredit. Andererseits sehen wir darin die Ankündigung, alle in der Vergangenheit selbst von gläubigen Keynesianern, Politikern und Notenbankern herkömmlicherweise eingehaltenen Grenzen überschreiten zu wollen.“

Wir teilen den anscheinend in der Fed herrschenden Glauben, mit der Gelddruckmaschine mehr Probleme lösen zu können als zu erzeugen, dezidiert nicht. Wir sind allerdings einigermaßen erstaunt, wie weit sich die modernen Notenbanker von den Grundsätzen ihrer eigenen Vorgänger entfernt haben, ohne einen Aufschrei der Entrüstung zu erzeugen. Gewissermaßen beiläufig überschreitet Bernanke aber noch eine weitere Grenze, die von Notenbankern in ihren Sonntagsreden bisher geflissentlich beachtet wurde. Er bezeichnet die Notenbank systematisch als einen „Teil der Regierung“, bemüht sich also erst gar nicht, den Schein der vorgeblichen Unabhängigkeit dieser Institution zu wahren. Für die Kritiker des Notenbanksystems ist diese Erkenntnis natürlich nicht neu. Für sie waren und sind der Sinn und Zweck des Zentralbankwesens schon immer die staatlich verordnete Inflation und nicht etwa deren Bekämpfung. Als Liebhaber der Wahrheit erfreuen wir uns an der neuen und ungewohnten Offenheit der modernen Notenbanker und empfehlen weiterhin den Kauf von Gold und Goldminenaktien.

Claus Vogt leitet das Research der Berliner Effektenbank.

[ Montag, 13.01.2003, 16:04 ]
instock.de
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14.01.03 01:01:43
Beitrag Nr. 8 ()


Bernard A. Lietaer

Berater der peruanischen Regierung in den 70er Jahren zur Optimierung von Währungsgeschäften

Verantwortlich führ die Einführung des ECU bei der belgischen Zentralbank

Präsident des elektronischen Zahlungssystems in Belgien

1987 - 1991
Geschäftsführer und Währungshändler des erfolgreichsten Hedge Fonds (Gaia Hedge II)

Gastprofessur an der Sonoma State University für archetypische Psychologie und Forschungsmitglied am Institute for Sustainable Resources and Agriculture der Universität Berkeley nachhaltiges Wirtschaften
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14.01.03 12:56:10
Beitrag Nr. 9 ()
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14.01.03 15:16:16
Beitrag Nr. 10 ()
"Das Armutszeugnis"

Rezepte gegen Krisen gibt es nicht, weil einseitige Denkmuster dominieren.




Im Jahre 1908 schrieb ein junger österreichischer Ökonom namens Joseph Schumpeter ein umfassendes Werk über den Stand der Wissenschaft von der Ökonomie nach den ersten 100 Jahren. Diese Zeitrechnung bot sich an, weil zu Beginn des 19. Säkulum David Ricardo die Ökonomie als Wissenschaft begründet hatte - auf den Säulen des großen, aber noch unsystematischen Werkes von Adam Smith. Schumpeters Resümee fiel zwiespältig aus: Die Ökonomie habe eines ihrer beiden "völlig verschiedenen Gebiete", nämlich das der statischen Betrachtung der Wirtschaftsprozesse, "einigermaßen befriedigend bearbeitet", das andere aber, die Dynamik, sei noch ein "Land der Zukunft".

Schumpeter konnte nicht ahnen, wie verhängnisvoll dies schon wenig später werden sollte. 1929 stürzte die Weltwirtschaftskrise nicht nur Völker ins Elend, sondern auch die Ökonomie in ihre größte Krise. Gegen Deflation und Arbeitslosigkeit hatte das klassische Modell der Wirtschaftswissenschaft kein Mittel. Die falschen Ratschläge der meisten Ökonomen offenbarten den erbärmlichen Zustand der herrschenden Theorie, die noch immer der alten, statischen Betrachtungsweise verhaftet war.

Zwar hatte Schumpeter schon lange vor diesem Einschnitt eine dynamische Theorie der Wirtschaftsentwicklung vorgelegt und vor den falschen Propheten der Neoklassik gewarnt. Doch es war erst John Maynard Keynes, der die richtigen Lehren aus der großen Depression zog und die ricardianische Schule der Ökonomie in ihren Grundfesten erschütterte. In der realen Geldwirtschaft, so Keynes, ist die Zukunft nicht exakt vorhersehbar, anders als im neoklassischen Modell. Insbesondere in Zeiten der Unsicherheit dient Geld als Wertaufbewahrungsmittel, nicht nur als Tauschinstrument. In einer solchen Welt kann ein Individuum beschließen, mehr zu sparen, ohne dass ein anderes gleichzeitig mehr investieren müsste.

Noch schlimmer: Der Entschluss, auf ein Essen im Restaurant zu verzichten, verdirbt das Geschäft der Restaurantbesitzer und ihre Bereitschaft zu investieren. Selbst wenn durch vermehrte Ersparnis und gesunkene Zinsen an anderer Stelle Investoren ermutigt sein sollten, ist das Gesamtergebnis nicht vorherzusagen. Die neoklassische Hoffnung vom ultrastabilen System ist also widerlegt. Folge: Wirtschaftspolitische Abstinenz ist riskant. Sinken die Zinsen aber nicht, etwa weil mehr Liquidität nachfragt wird oder die Geldpolitik die Zinsen erhöht, statt sie zu senken, ist das statische Modell am Ende. Die Politik muss handeln. Tut sie es nicht, muss in der Gesamtwirtschaft das Realeinkommen schrumpfen, um die größeren Sparwünsche den abgespeckten Investitionsplänen anzupassen.

Diese Überlegungen stellten das Anfang der dreißiger Jahre geltende Bild der Ökonomie in gleicher Weise auf den Kopf wie einst in der Astronomie das kopernikanische Weltbild das ptolemäische. Nicht den Gürtel enger schnallen und ein harter Kurs in der Geldpolitik waren fortan die Rezepte gegen Krisen und Schwächeperioden. Geld ausgeben, großzügig Liquidität bereitstellen hieß statt dessen die Devise - auch für den Staat. vier Jahrzehnte dominierte Keynes` Theorie und Wirtschaftspolitik. Dann aber, in den Siebzigern, löste ihn ein neues Modell ab. Woran scheiterte Keynes` Idee? Zunächst offenbar an der Tatsache, dass es erstmals in diesem Jahrhundert plötzliche Schocks gab, die nicht in die Kategorie schwächelnder Nachfrage passten. Die Ölkrisen 1973 und 1979 trafen auf eine Weltwirtschaft, die sich im Gefolge von Voll- und Überbeschäftigung immer weiter vom Keynesschen Modellfall der Depression entfernte, die mit Inflation statt mit Deflation kämpfte. Hinzu kam, dass Keynes` Nachfolger, dessen Ideen von "interest and money" in den Wind schlugen und die Rolle des Geldes fast ignorierten.

Milton Friedman entdeckte die Bedeutung des Geldes aufs Neue. War Inflation nicht stets die Folge von "zuviel Geld, das zuwenigen Gütern hinterherjagte"? Was lag näher, als die inflationären Schocks der siebziger Jahre mit einer rigorosen Verknappung des Geldes zu bekämpfen? Was war einleuchtender, als die hohen Lohnsteigerungen dieser Zeit als Ursache für die steigende Arbeitslosigkeit zu sehen? Was war überzeugender, als nüchtern festzustellen, dass sich die Wirtschaft nicht steuern lässt - angesichts der kläglichen Versuche der Staaten, mit immer neuen Konjunkturprogramrnen bei immer schneller steigenden Defiziten dem Jobmangel Herr zu werden.

Der Sieg der Monetaristen war zwar beeindruckend, reichte aber für eine neue wirtschaftspolitische Doktrin nicht aus. Flugs wurde der Monetarismus ergänzt um eine reale Seite, die "Angebotspolitik". Abermals eine kopernikanische Wende? Mitnichten - eine ptolemäische! Die Angebotspolitiker stützten sich blind auf die Behauptung von Jean Baptiste Say aus dem 18. Jahrhundert: "Das Angebot schafft sich seine Nachfrage." Tatsächlich war Ricardo seinerzeit der wichtigste Protagonist dieses Zusammenhangs, und Keynes hatte alle Mühe, den damit gemeinten Sachverhalt zu entkräften.

Den Schwachpunkt dieser Doktrin haben schon die Klassiker selbst erkannt: Für Ricardo belegte das Gesetz von Say nur, dass es keine Sättigung der Bedürfnisse und keinen Mangel an Arbeit gibt, solange die Menschen sich ökonomisch verhalten, sich also bemühen, Güter effizienter und pfiffiger zu produzieren. Nie aber musste Say herhalten als allgemeiner Beleg für die Stabilität einer Volkswirtschaft oder die Überlegenheit staatlicher Eingriffe. Gab es nunmehr neue Argumente für eine weitergehende Gültigkeit?

Kaum - es genügte offenbar, die Saysche These auf einen Schlachtruf zu reduzieren, um den Monetarismus für die reale Welt tauglich zu machen. Nach der neuen Lehre konnte der Rückzug des Staates private Kräfte mobilisieren, selbst mit einer automatisierten Geldpolitik ohne Rücksicht auf die Verhältnisse. Mit der neoklassisch-monetaristischen Konterrevolution ist tatsächlich der in anderen Wissenschaften untypische Fall eingetreten, dass ein überwundenes Paradigma den Überwinder überwindet.

Aber auch das ist schon wieder Geschichte. In vielen Regionen der Welt hat die neoklassische Wirtschaftspolitik Probleme, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Daher gibt es längst eine Rückkehr zu Keynes, oder zumindest einen Pragmatismus in der Geldpolitik, den man keynesianisch nennen kann. Deutschland und Europa hinken dabei wie so oft hinterher. Vor allem hierzulande predigt die Politik ricardianischen Rigorismus in Sachen Sparen - trotz hoher Arbeitslosigkeit und nahe an der Schwelle zur Deflation, als gelte es, wie zu Ludwig Erhards Zeiten, durch "Maßhalten" Inflation und überbordenden Konsum zu bändigen. Die zentrale Botschaft der bedeutenden Nachkriegsökonomen um Erhard und Walter Eucken aber ist untergegangen: die Aufforderung an den Staat, einer sich dynamisch entwickelnden Wirtschaft national wie international einen Ordnungsrahmen zu geben, der Wettbewerb und sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft sichert.

Die Aussage Schumpeters, die Dynamik in der Ökonomie sei ein Land der Zukunft, gilt leider am Ende ihres zweiten Jahrhunderts noch immer. Die kopernikanische Wende nach der Weltwirtschaftskrise und die Vorarbeiten Schumpeters haben nicht zu einer Entwicklung der Ökonomie geführt, die es erlauben würde, von eindeutigen Fortschritten hin zu einer dynamischen Theorie zu sprechen. Vielmehr gab es einen Rückfall in die Statik des vorigen Jahrhunderts: Die Wirtschaftspolitik glitt zurück in uralte Denkmuster, was nach der Erfahrung der dreißiger Jahre kaum nachvollziehbar ist. Noch immer beherrschen zu sehr Freund-Feind-Schemata wie "Markt versus Staat" das Denken und zu wenig die Suche nach einer kohärenten und empirisch wasserdichten dynamischen Theorie.

Die statischen Ansätze zu überwinden ist nicht nur wissenschaftlich geboten, sondern Voraussetzung für den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Das gilt vor allem für das europäische Tabu, dafür der Geldpolitik eine zentrale Rolle zuzuweisen. In den USA gibt es solche Tabus nicht mehr. Amerika hat die neunziger Jahre dominiert, weil es den Aufschwung behutsam aber bestimmt, mit der Geldpolitik gesteuert hat. Das wäre in Europa undenkbar. Weil die USA dabei Investitionen und Nachfrage Hand in Hand ausweiteten, ist dort Wachstum in einem Maße möglich geworden, wie es kein Ökonom für möglich gehalten hätte.
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14.01.03 20:37:15
Beitrag Nr. 11 ()
Lebensversicherer versprechen Überschussbeteiligung von 5%



Lebensversicherer: Überschussbeteiligungen


ftd.de, Do, 26.12.2002, 9:00
Spendable Anbieter zocken weiter

In den letzten Wochen haben fast alle Lebensversicherer ihre Überschussbeteiligungen gesenkt. Aber nach Ansicht von Experten verspricht die Branche ihren Kunden immer noch zu viel. Die Krise geht weiter.

Die magische Zahl ist die Fünf. Ende November hat die Allianz Leben ihre Überschussbeteiligung von 6,8 Prozent auf 5,3 Prozent gesenkt und damit die Messlatte für die Branche gelegt. Wer als Lebensversicherer etwas auf sich hält, wird versuchen, nicht unter fünf Prozent zu fallen. Dieser Satz ist noch immer viel zu hoch, meint der Versicherungsexperte Manfred Poweleit, Herausgeber des Branchendienstes Map-Report. Die Versicherer können auch die fünf Prozent kaum verdienen. "Die Branche hat ihre Lektion noch nicht gelernt", sagt er.

Die Überschussbeteiligung ist das wichtigste Instrument der Versicherer im Kampf um Neukunden. Mit ihr erhält der Kunde einen Teil der Rendite, die das Unternehmen mit den eingenommenen Prämien erwirtschaftet. Den Zinssatz berechnen die Versicherer aus einer bei Vertragsabschluss für die Laufzeit der Police garantierten Mindestverzinsung (zur Zeit 3,25 Prozent) und der zusätzlichen Gewinnbeteiligung, die sie jeweils im Herbst für das kommende Jahr festlegen.

Wie hoch die zusätzliche Gewinnbeteiligung ausfällt, sollte vor allem von der Entwicklung der Kapitalerträge abhängen. Tatsächlich wird die Entscheidung oft unter Marketinggesichtspunkten getroffen.

Das hat Geschichte. Bis 1994 waren die Versicherer staatlich reguliert - Preise und Bedingungen mussten genehmigt werden, Erträge waren garantiert. In der Zeit gewannen in den meisten Unternehmen die Vertriebe die Oberhand. Wenn der Gewinn sicher ist, bedeutet mehr Volumen automatisch mehr Gewinn - und Einkommen für die Vertriebe. Die hoch verprovisionierten Lebensversicherungen sind der entscheidende Bestandteil des Einkommens der Vertreter. Nach der Liberalisierung versuchten die Unternehmen ab 1995, genau so weiter zu machen und hohe Volumen an Neugeschäft einzufahren. Trotz sinkender Zinsen hielten sie deshalb die Überschussbeteiligungen hoch - auch getrieben von Verbraucherschützern und Vergleichen in Zeitschriften, die vor allem auf die Gewinnbeteiligung abhoben. Die Differenz von Zinseinnahmen und versprochenen Gutschriften, so das Kalkül der Versicherer, sollte aus den boomenden Aktienmärkten kommen. In die Kapitalverwaltungsabteilungen vieler Versicherer zogen junge, aktienbegeisterte Leute aus Investmenthäusern ein, die nur eine Bör-senrichtung kannten und kennen wollten: aufwärts. "Die haben das Platzen der Blase nicht gehört", sagt Poweleit.

· Debeka ließ sich nicht anstecken

Die Versicherer, die sich nicht vom Börsenfieber anstecken ließen, stehen heute besser da. Die Koblenzer Debeka ist eine der wenigen Gesellschaften, die sich nicht vom Börsenboom beeindrucken ließ. Sie hält an einer Überschussbeteiligung von 6,8 Prozent fest. Aber auch der Debeka machen das anhaltend niedrige Zinsniveau, der schwache Immobilienmarkt und das schlechte wirtschaftliche Umfeld zu schaffen. Die Anfang der 90er Jahre gekauften Anleihen mit hohen Verzinsungen von sieben oder acht Prozent laufen jetzt aus.

Schon 2001 hätten die Versicherer merken müssen, dass der Boden unter ihnen zu schwanken begann. Zwar haben sie im vergangenen Jahr die Überschussbeteiligung gesenkt, aber nur auf durchschnittliche 6,2 Prozent. "Das war weltfremd", findet Poweleit. "Sie hätten schon vergangenes Jahr auf fünf Prozent gehen müssen." Aber vielen steht vor Augen, wie es den wenigen Gesellschaften erging, die wie die Hannoversche Leben schon im vergangenen Jahr auf fünf Prozent reduzieren mussten. Sie bezogen öffentliche Prügel, das schadet dem Neugeschäft.

Internationale Versicherungsanalysten zweifeln am ganzen Geschäftsmodell. "Deutsche Lebensversicherer zahlen zu hohe Überschussbe-teiligungen und Provisionen", glaubt William Hawkins von der Londoner Investmentbank Fox-Pitt Kelton. Vor allem die garantierten Gut-schriften an die Kunden machen ihnen Sorgen: In Japan sind schon sieben Lebensversicherer im Konkurs, weil sie die versprochenen drei bis vier Prozent wegen der Niedrigzinsphase nicht erwirtschaften.

Nach Poweleits Auffassung müssten die deutschen Versicherer die Überschussbeteiligung auf das Minimum senken, Verluste auf Aktien ordentlich abschreiben und nicht verstecken und aufhören zu zocken.

Sonst könnte es ihnen gehen wie der Detmolder Familienfürsorge, dem ersten Opfer der Krise. Ihr Bestand ist auf die HUK-Coburg über-gegangen. Poweleit ist sicher: "Die Familienfürsorge war erst die Ouvertüre, im Frühjahr folgt die Tragödie."

· Erste Krisenanzeichen

Opfer Der kirchliche Versicherer Familienfürsorge hatte sich gründlich mit seinen Kapitalanlagen verzockt. Die Finanzaufsicht BAFin ent-machtete den Vorstand, das Unternehmen wurde von der HUK-Coburg übernommen.

Aufgabe Nach schweren Verlusten an der Börse gibt die Mannheimer-Gruppe das eigene Geschäft mit Kapitallebensversicherungen auf und verkauft nur noch Policen anderer Versicherer. Bestehende Kunden erhalten nur noch die Mindestverzinsung.

© 2002 Financial Times Deutschland

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15.01.03 23:11:29
Beitrag Nr. 12 ()
Schadenfreunde ist doch die schönste Freude
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17.01.03 17:13:32
Beitrag Nr. 13 ()


Ralph Netzker
Der Renten-Krieg
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Teil 1: Warum die umlagefinanzierte Rente weg muss - koste es, was es wolle...


Dass in sozialpolitischen Auseinandersetzungen mit harten Bandagen gekämpft wird, ist nichts neues. Was sich allerdings in der Debatte über die gesetzliche Rentenversicherung abspielt, ist ohne Beispiel. Den Startschuss hat vor einigen Jahren Prof. Dr. Norbert Walter, Chefökonom der Deutschen Bank, gegeben, als er in Rundfunkinterviews und Zeitungsartikeln eindringlichst davor warnte, noch irgendwelche Hoffnungen in die gesetzliche Rentenversicherung zu setzen. Er hat damit einen Generationenkrieg ausgerufen, der in seinen Auswirkungen noch gar nicht abzuschätzen ist.

Die gesetzliche Rentenversicherung wird in der öffentlichen Diskussion häufig als eine Art "Sparkonto" dargestellt, auf das man Einzahlungen für seine eigene Rente tätigt. Diese Darstellung ist in der Sache falsch, und in der Absicht irreführend: Die eingezahlten Beiträge liegen nicht auf einem Konto, wo sie sich "verzinsen" könnten - und müssten! Ganz im Gegenteil ist es so, dass die jeweils erwerbstätigen Generationen die Renten der nicht mehr erwerbstätigen Generation direkt bezahlen - dies bezeichnet man als Umlagefinanzierung oder "Generationenvertrag". Diese Art der Finanzierung hat eine Reihe von Vorteilen, die in der Rentendebatte immer und absichtlich unter den Tisch fallen:

Das anfallende Geld wird lediglich umverteilt, es werden keine Anlagemöglichkeiten benötigt.
Daher entsteht kein Druck auf die Finanzmärkte und die Gelder unterliegen keinem Marktrisiko.
Weil kein Zeitversatz zwischen Ein- und Auszahlung der Umlage besteht, existiert auch kein Inflationsrisiko.
Die Umverteilung funktioniert verlusstarm: Es müssen keine Vorstandsgehälter abgezweigt werden.
Die Umlagefinanzierung ist daher die mit Abstand sicherste Methode der Altersvorsorge.
Träger der gesetzliche Rentenversicherung sind die Bundes- und Landes-Versicherungsanstalten. Bei diesen handelt es sich um Körperschaften des öffentlichen Rechts mit dem Recht auf Selbstverwaltung. Zusammengefasst sind sie im VDR (Verband deutscher Rentenversicherungsträger). Die Organe der Selbstverwaltung sind Vertreterversammlung und Vorstand, die je zur Hälfte aus Vertretern der Versicherten und der Arbeitgeber bestehen. Es handelt sich bei den Versicherungsanstalten also um demokratische, paritätisch besetzte Organisationen. Die alle sechs Jahre stattfindenden Sozialwahlen ermöglichen den Versicherten die Mitbestimmung über Einnahmen, Ausgaben und Leistungen der Versicherungsträger. Darüber hinaus regeln Regierung und Parlament die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Rentenkassen. Regierung und Parlament stehen alle vier Jahre zur Wahl, zwischendurch werden die Landesparlamente gewählt - Wählerbetrug hat also kurze Beine...

Gehen wir recht in der Annahme, dass Sie auch alle sechs bzw. vier Jahre den Vorstand und die Leitungsgremien der Deutschen Bank und der Allianz-Versicherung wählen, dass Sie somit eine paritätische Mitbestimmung über die Arbeit dieser Organisationen ausüben? Nein? Im Kern wissen Sie jetzt bereits, warum der erwähnte Chefökonom alle Hebel in Bewegung setzt, um die gesetzliche Rentenversicherung madig zu machen: Demokratische Selbstverwaltung und Arbeitnehmer-Mitbestimmung verabscheuen die Herren nämlich wie der Teufel das Weihwasser.

Die Vorreiter der privaten, kapitalbasierten Rente sind, wie bereits erwähnt, die Deutsche Bank und seit einiger Zeit die Investmenthäuser Merrill Lynch und Morgan Stanley. Da man davon ausgehen kann, dass die leitenden Angestellten dieser Bankhäuser weder auf eine gesetzliche noch eine private Rentenversicherung angewiesen sind, hat ihr Vorstoß sicher nichts mit persönlichen Zukunftsängsten zu tun. Man versetze sich einmal in die Lage dieser Herren: Pro Tag verschieben die gesetzlichen Rentenkassen etwas über eine Milliarde Mark von der heute erwerbstätigen Generation zu der nicht mehr erwerbstätigen - und Merrill Lynch, Morgan Stanley und die Deutsche Bank verdienen daran keinen roten Heller! Der bereits zweimal erwähnte Chefökonom knirscht nachts mit den Zähnen und kaut tags an den Fingernägeln, weil er an diese Gelder einfach nicht herankommt...

Was man damit machen könnte! Statt das Geld im Umlageverfahren einfach nur umzuschichten, könnte man es als Kapital anlegen und in Zukunft einfach von den Zinsen leben... Natürlich müsste es dazu erst eine Zeit lang festliegen, um tüchtig zu "arbeiten".

Merke: Geld arbeitet im Liegen.

In der Zwischenzeit zahlen die Erwerbstätigen halt doppelt, was soll`s...

Dummerweise ist das mit der "Verzinsung" aber gar nicht so einfach: In der produktiven Wirtschaft gibt es für derartige Summen gar keine profitablen Anlagemöglichkeiten mehr. Die größeren Unternehmen zahlen ihre Investitionen seit Jahren aus dem cash flow, d.h. den laufenden Einnahmen - Bankkredite benötigen sie nicht. Was übrig bleibt, wird zum Aufkauf der Konkurrenz verwendet. Kleinere Unternehmen erwirtschaften häufig nicht die erwünschten Renditen und kommen daher als Anlage nicht in Frage. Die Banken können die Verzinsung derartiger Summen auf dem Wege der Kreditvergabe also gar nicht mehr garantieren.

Dann eben ab mit dem Geld auf den Aktienmarkt - da kommt richtig Freude auf! Fragt sich nur bei wem...

Die Aktienkurse sind in den letzten Jahren nicht etwa explodiert, weil die Unternehmen so viel an Wert zugelegt haben. Der Kursanstieg kam zustande durch das Prinzip von Angebot und Nachfrage: Viel Geld wollte noch mehr Geld werden und kaufte alles, was nicht niet- und nagelfest war. Selbst Aktien von Unternehmen, die noch keine müde Mark verdient haben - darunter viele Internet-Anbieter - die also nur von ihren Schulden leben, gehen an den Börsen weg wie warme Semmeln. Wenn zu viel Geld auf zu wenige Anlagemöglichkeiten trifft, dann steigen die Preise der Aktien, nicht jedoch ihr Wert - der ist auf ewig an die reale Wertschöpfung der Unternehmen gebunden. Es leuchtet somit ein, dass die zusätzlichen Mittel aus privaten Rentenfonds in dieser Situation gerade noch gefehlt haben: Allein der Versuch, diese Gelder auf dem Finanzmarkt zu plazieren, würde die ohnehin weit überhöhten Aktienkurse in neue, noch irrealere Höhen treiben. Die mühsam erarbeiteten Einkommen der Arbeitnehmer würden auf diese Weise in Spielgeld umgewandelt, und allen Risiken und Gefahren der internationalen Finanzmärkte unterworfen werden. Das ist natürlich Wahnsinn, hat jedoch Methode. Hierzu Jörg Huffschmid, Professor für Politische Ökonomie und Wirtschaftspolitik, Universität Bremen:

"... vor allem bemühen sich die Investmentbanken um die Erschließung der großen neuen Vermögenspools, die durch eine Umstellung der Alterssicherung vom umlagefinanzierten Solidarsystem zum Kapitaldeckungsverfahren entstehen. (...) Als potentielle zukünftige Fondsverwalter gehören die Banken zu den entschiedenen Befürwortern einer solchen Rentenumstellung. (...) Die Einrichtung der Pensionsfonds löst kein einziges Finanzierungsproblem besser als das aktuelle Umlagesystem. Es bedient jedoch die Banken in ganz besonderer Weise."
(Jörg Huffschmid, "Politische Ökonomie der Finanzmärkte", VSA-Verlag, Hamburg, S. 81)

Die Behauptung, dass in der gegenwärtigen Form unsere Renten "nicht sicher" und "nicht finanzierbar" seien, wird durch ihre gebetsmühlenhafte Wiederholung nicht wahrer:

Unser gegenwärtiges umlagefinanziertes Rentensystem ist so sicher - oder so unsicher - wie unser demokratisches Staatswesen.
Ein privates kapitalfinanziertes Rentensystem ist so "sicher" wie die internationalen Finanzmärkte.
Wir haben - noch! - die Wahl...
Eine private zusätzliche Alterssicherung ist auch heute schon für jeden möglich, der sie sich leisten kann und will. Ist jedoch das auf Generationen angelegte Solidarsystem Rentenversicherung einmal bleibend beschädigt, dann ist seine Wiedererrichtung teuer und schwierig. Bleibend beschädigt kann es jedoch nur werden durch einen um sich greifenden Vertrauensverlust - und genau dieser Vertrauensverlust wird von Finanz- und Wirtschaftsführern seit Jahren mit steigendem Erfolg herbeigeredet.

Dass für die zukünftige Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung einige Änderungen und Erweiterungen notwendig sind, werden wir in Kürze ausführen - allerdings ganz anders, als unser Chefökonom sich das vorstellt.
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17.01.03 17:45:03
Beitrag Nr. 14 ()
Merke: Geld arbeitet im Liegen.

Dummerweise ist das mit der "Verzinsung" aber gar nicht so einfach: In der produktiven Wirtschaft gibt es für derartige Summen gar keine profitablen Anlagemöglichkeiten mehr. Die größeren Unternehmen zahlen ihre Investitionen seit Jahren aus dem cash flow, d.h. den laufenden Einnahmen - Bankkredite benötigen sie nicht. Was übrig bleibt, wird zum Aufkauf der Konkurrenz verwendet. Kleinere Unternehmen erwirtschaften häufig nicht die erwünschten Renditen und kommen daher als Anlage nicht in Frage. Die Banken können die Verzinsung derartiger Summen auf dem Wege der Kreditvergabe also gar nicht mehr garantieren.
:p
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17.01.03 17:53:28
Beitrag Nr. 15 ()
Unser gegenwärtiges umlagefinanziertes Rentensystem
ist so sicher - oder so unsicher -
wie unser demokratisches Staatswesen. ;)
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20.01.03 20:44:56
Beitrag Nr. 16 ()
hier eine Zusammenfassung des Buches von Lietaer, welches ich gerade lese...


http://werner.stiffel.bei.t-online.de/Geld2.htm
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12.02.03 13:38:59
Beitrag Nr. 17 ()


Montag, 10. Februar 2003

USA: Droht der japanische Weg - oder wird es wie in Argentinien?

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

Laut Financial Times fielen die US-Einzelhandelsumsätze im Januar
schwach aus. Das musste ja so kommen ... seit der Rezession 2001 haben
schließlich 2 Millionen amerikanischer Konsumenten ihren Job verloren.
Als die Jobs noch zahlreich waren, florierte der Konsum. Die Situation
am Arbeitsmarkt hat sich inzwischen gründlich verschlechtert.

Es wird allgemein angenommen, dass die Rezession und der Bärenmarkt an
der Wall Street die Exzesse des Booms mittlerweile korrigiert
haben ... und jetzt der Weg frei wäre für eine neue Wachstumsphase.

Aber was für eine Erholung sehen wir gerade?

Antwort: Die derzeitige Erholung ist so minimal, wie es zuvor im Jahr
2001 die Rezession war.

Die Aktien sind trotz des mehrjährigen Bärenmarktes immer noch nicht
auf ein günstiges Niveau gefallen - die Bewertungen sind 2 bis 3 Mal
so hoch wie normalerweise beim Tief eines Bärenmarktes. Und die
Konsumenten haben auch noch nicht begonnen, ihren Konsum
einzuschränken, um ihre Schulden zurückzubezahlen. Stattdessen
verschulden sie sich immer weiter. In den späten 1990ern gab es schon
viele faule Kredite - im neuen Jahrtausend sind es noch mehr geworden.

Und jetzt sinkt die ganze Weltwirtschaft Schritt für Schritt in einen
langsamen, sanften Abschwung - à la Japan.

Aber warten Sie. Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Amerika
von 2003 und dem Japan von 1993. Japan war ein großer Netto-Gläubiger.
Amerika ist ein großer Netto-Schuldner. Japan hatte ein Interesse
daran, die eigene Währung stabil zu halten; die Japaner hatten
Ersparnisse, und der Rest der Welt schuldete ihnen Geld. Amerika ist
in einer gänzlich anderen Situation - mit Billionen Dollar Schulden
(in der eigenen Währung!). Man könnte diese Schulden abbezahlen, indem
man die Ausgaben etwas zurückfährt und Schritt für Schritt den
Schuldenberg abbaut. Man könnte diese Schulden aber auch auf eine
andere Weise loswerden - indem man einfach die Notenpresse anwirft und
die Schulden mit einfach neu gedruckten Dollar bezahlt. In Deutschland
führte dies nach dem Ersten Weltkrieg zu einem totalen Wertverlust der
Reichsmark.

Ein aktuelleres Beispiel: Argentinien geriet in eine große Krise, weil
das Land dem Ausland massive Beträge schuldete. Was war das Ergebnis?

Letzte Woche konnte ich lesen, dass der argentinische Peso im letzten
Jahr 70 % an Wert verloren hat. Die Inflationsrate liegt in
Argentinien bei ca. 40 % pro Jahr. Das argentinische
Bruttoinlandsprodukt ist im letzten Jahr um 12 % geschrumpft.

Sind wir in den USA auf dem Weg in die Pampas? Oder werden wir den Weg
des Landes der aufgehenden Sonne gehen?

WIR GEHEN DEN WEG ALLE!!!
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12.02.03 15:45:36
Beitrag Nr. 18 ()
#17 ist wieder einmal der totale Schwachsinn.
Es ist doch viel eher so das Deutschland den Weg Japans gehen könnte(Deflation) oder den Weg Argentiniens(Verschuldung in fremder Währung)
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12.02.03 15:54:01
Beitrag Nr. 19 ()
thomtrader, richtig, nur was ist mit dem Handelsbilanzdefizit und der Ausweitung der Neuverschuldung in den USA?

Wie lange zahlt der Rest der Welt Amerikas Überkonsum?

Wie sehr können die USA den Rest der Welt weiter dazu zwingen?
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12.02.03 17:00:26
Beitrag Nr. 20 ()
>Wie lange zahlt der Rest der Welt Amerikas Überkonsum?
Weiß ich nicht. Der fallende Dollar deutet darauf hin das der Rest der Welt nicht mehr soviel Kapital zur Verfügung stellt wie noch vor zwei Jahren.

Wie sehr können die USA den Rest der Welt weiter dazu zwingen?
Zwingen kann die USA überhaupt niemanden.
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12.02.03 22:28:05
Beitrag Nr. 21 ()
http://www.staatsverschuldung.de





Eigentlich ist es ganz einfach: Niemand kann auf Dauer mehr Geld ausgeben, als er einnimmt - auch der Staat nicht. Aber wenn es so einfach ist, warum hat unser Gemeinwesen dann so astronomisch hohe Schulden? Ist das gefährlich? Kann man etwas dagegen tun?
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12.02.03 22:29:48
Beitrag Nr. 22 ()
Die Gläubiger: Wer leiht dem Staat soviel Geld?



Es gibt eine offizielle Statistik der Bundesbank über die Gläubiger.

Insbesondere die Banken finanzieren die deutsche Staatsverschuldung. Daneben sind es Lebensversicherungen, die die Beiträge der Versicherungsnehmer in Staatsanleihen anlegen. Aber auch Privatleute und Firmen erwerben Bundesschatzbriefe, kommunale Schuldverschreibungen und andere Wertpapiere, die der Staat ausgibt.

Diese Papiere werden auf dem Rentenmarkt gehandelt. Dieser ist für den Staat von ungeheurer Bedeutung. Denn der Staat tilgt nicht wirklich, er schuldet immer nur um: Woche für Woche zahlt er Anleihen in Milliardenhöhe zurück und muss dafür sofort neue Anleihen aufnehmen. Wenn die Gläubiger das Vertrauen verlieren, dass alles pünktlich zurückgezahlt wird, werden sie neue Anleihen nicht zeichnen: Dem Staat ginge binnen Wochen das Geld aus; die Gehälter im öffentlichen Dienst, die Renten, die Sozialhilfe, alles könnte nicht mehr vollständig und pünktlich bezahlt werden.
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12.02.03 22:32:51
Beitrag Nr. 23 ()
Welche Höhe hat die Staatsverschuldung gegenwärtig?

Auch im Jahre 2001 haben die Staatsausgaben die Staatseinnahmen bei weitem überstiegen. Es wurden neue Schulden aufgenommen, und es war ein wesentlicher Anteil der Staatsausgaben, der auf diese Weise finanziert wurde. Endabrechnung für 2001 laut Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts:

Staatseinnahmen 922 Mrd. EUR
Staatsausgaben -971 Mrd. EUR
------------------------------
Fehlbetrag -49 Mrd. EUR (=Neuverschuldung)

Die Finanzpolitik strebt an, in einigen Jahren die Einnahmen und Ausgaben eines Jahres ins Gleichgewicht zu bringen ("ausgeglichener Haushalt" , "Neuverschuldung Null" ). Die obigen Zahlen machen deutlich, wie gewaltig die Steuererhöhungen und/oder Sparmaßnahmen sein müssen, um dieses Ziel zu erreichen.

Ende 2001 hat die Gesamtverschuldung der öffentlichen Haushalte in Deutschland eine Höhe von 1195 Milliarden EUR erreicht (knapp 1,2 Billionen EUR). Das sind etwa 15.000 EUR pro Kopf der Bevölkerung, vom Säugling bis zum Greis.

Diese Gesamtverschuldung zieht eine gewaltige Zinslast nach sich. Unser Staat gab 2001 jeden siebten Steuer-Euro für Zinsen aus! Ohne diese Last könnten also Lohnsteuer, Umsatzsteuer, Mineralölsteuer usw. jeweils um 1/7 niedriger sein.
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12.02.03 22:36:22
Beitrag Nr. 24 ()
Thread: Meta-Thread Über alles, hauptsächlich Verschuldung


Thread: Vorschlag für unser nächstes Grundgesetz

Gehört Staatsverschuldung verboten?
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12.02.03 22:36:31
Beitrag Nr. 25 ()
Die ungebremste Staatsverschuldung -
was kann passieren?


Aufbau der Schulden: Wenn ein Staat keine oder geringe Schulden hat, kann er jahrzehntelang Schulden aufbauen, ohne dass dies fühlbare Folgen für die Bürger hat. Außer den eigentlichen Staatsausgaben können auch die Zinsen aus neuen Schulden bezahlt werden. Die Bürger gewöhnen sich an überhöhte Staatsausgaben. Deutschland 1955-1995.

Reformstau: Die Zinsen können nicht mehr aus der Neuverschuldung bezahlt werden, sondern allgemeine Steuermittel werden eingesetzt. Folge sind staatliche Sparprogramme, Steuererhöhungen und härtere Verteilungskämpfe. Schwarzarbeit breitet sich aus. Reformen, die Geld kosten, unterbleiben. Wechselnde Regierungen versuchen sich an demselben Problemen. Deutschland heute.

Der geschwächte Staat: Finanzierungsprobleme führen dazu, dass einige Gesetze nur noch auf dem Papier stehen; dem Staat entgleitet teilweise die Kontrolle. Aus verbreiteter Schwarzarbeit entwickelt sich eine komplette Schattenwirtschaft. Zudem wird das staatliche Gewaltmonopol durch mafiose Strukturen ausgehöhlt. Italien in den 80er Jahren.

Finanzkrise: Die ausländischen Gläubiger der Staatsanleihen zweifeln, ob die laufenden Anleihen pünktlich und vollständig zurückgezahlt werden können. Die Zinsen schießen in die Höhe, Währung und Börsenkurse stürzen ab. Argentinien 2001/2002.

Wirtschaftskrise: Die Störung greift auf die private Wirtschaft über. Konkurswelle, Massenentlassungen. Deutschland Ende der 20er Jahre.

Staatskrise: Gigantische Einnahmeausfälle machen es dem Staat unmöglich, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Verelendung des Teils der Bevölkerung, der sein Einkommen vom Staat bezieht: Rentner, Beamte, Soldaten, Arbeitslose, die Beschäftigten im Gesundheitswesen. Begünstigt werden radikale, autoritäre politische Strömungen. Zunehmende Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt nach innen und außen. Deutschland Anfang der 30er Jahre; Russland Mitte der 90er Jahre.

Mit dieser Darstellung soll keineswegs behauptet werden, dass Staatsverschuldung geradewegs in die Staatskrise führt. Auch waren in den oben genannten historischen Situationen viele andere Faktoren beteiligt, in Russland etwa die Schwäche des Staatssozialismus. Aber Staatsverschuldung begünstigt derartige Entwicklungen.
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12.02.03 22:38:54
Beitrag Nr. 26 ()
Unser heutiges ungedecktes und unkontrollierbares Kreditgeldsystem verursacht eine mega-gigantische Kreditblase. Der Zinseszinseffekt bewirkt eine trotz Sparmaßnahmen stetig wachsendes Haushaltsdefizit. Kein Land wird je seine Schulden zurück zahlen können.

Am Ende steht der unausweichbare Staatsbankrott und mit ihm der Zusammenbruch der Währungen. Die weltweite Verflechtungen der Wirtschaft, der Währungen und der Staaten untereinander werden diese Krise als Weltwirtschaftskrise, ähnlich wie 1929 - nur etwas schlimmer, in die Geschichtsbücher eingehen lassen.

Die derzeit für so "sicher" gepriesen Staatsanleihen (Obligationen, Schatzbriefe,...) werden sich in Luft auslösen.
Vielen Bürgern ist nicht bewußt, daß sie sowohl Schuldner (sie sind der Staat, der das Geld ausgibt), als auch Gläubiger (die dem Staat das Geld geben, damit er es ausgeben kann), in ein und derselben Person, sind.

Etwas anders ausgedrückt:
Anleihen sind nichts anderes, als ein Versprechen eines heutigen Politikers, daß erhaltene Geld in x-Jahren plus Zinsen zurück zu zahlen! Ob es gut geht, wir werden es sehen...

Die Sparguthaben werden gegen Null tendieren, da die Währungen ebenfalls zusammenbrechen werden. Ob Dollar, DM, Euro, Yen, Pfund oder jede andere Währung wird gegen Null streben, daß sie beliebig vom Staat aus dem Nichts erzeugt worden und somit wertlos sind.

Quelle: http://www.goldseiten.de/geschichte/standard.htm

Zur Quelle: sicher hat goldseiten.de ein Interesse daran, Gold stark zu reden, und gleichzeitig Währungen und alle anderen Anlageformen etwas schlechter zu machen, dennoch kann ich keinen logischen fehler in diesem Textausschnitt erkennen. Es passierte so schon unzählige Male. Was sollte jetzt anders oder besser sein? Goldseiten.de gewann übrigens unlängst einen Preis einer renommierten Wirtschaftszeitschrift für deren Internetpräsenz!
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12.02.03 23:00:28
Beitrag Nr. 27 ()
Staatsverschuldung
- ein Zinseszins-Teufelskreis

Verfasser: Dieter Meyer


Neuverschuldung, Zinseszinswachstum, steigender Schuldenstand - das sind die Triebkräfte der Staatsverschuldung, ein ohne ihre Rückführung eigendynamisch bis zum Kollaps wachsendes gigantisches Schneeballsystem.

Die ausgeuferten Staatsschulden des öffentlichen Gesamthaushalts in Deutschland sind seit Jahrzehnten - abgesehen von der Verwendung der UMTS-Lizenzerlöse zur Schuldentilgung - wirtschaftlich nicht getilgt worden. Fällige Tilgungsausgaben wurden und werden mit neuen Krediten refinanziert. Darüber hinaus wurde und wird der Schuldenberg (Stand Ende 2001 rd. 1,23 Mrd.EUR) zur vollen bzw. teilweisen Deckung der von ihm selbst verursachten wachsenden Zinseszinslasten um die jährliche Neuverschuldung erhöht. Diese erzeugt infolge gewachsener Zinslasten wieder neuen Kreditbedarf, dieser wieder neue Defizite infolge gewachsener Zinslasten usw. usw., und das mit steigender Tendenz in einer teufelskreisähnlichen Spirale. "Damit nährt sich die Verschuldung aus sich selbst heraus" (Deutsche Bundesbank, Monatsbericht März 1997, Zitat).

Von 1965 bis 2001 betrug auf der Ebene des öffentlichen Gesamthaushalts die Summe aller Nettokreditaufnahmen (Neuverschuldung) 930,2 Mrd.EUR und die Summe aller Zinsausgaben 1.057,1 Mrd.EUR. Die riesigen Blöcke Kreditaufnahmen und Schuldendienst halten sich also im langfristigen Mittel etwa die Waage.

Im Jahre 1990 betrugen die Zinsausgaben des öffentlichen Gesamthaushalts noch 33,1 Mrd. EUR. Im Jahre 2001 waren sie auf 66,5 Mrd.EUR angewachsen. Das zinseszinsbedingte Haushaltsloch hat sich also nach 11 Jahren um 33,4 Mrd.EUR erhöht. Es entsteht nicht einmalig, sondern jährlich wiederkehrend und wird weiter wachsen, solange es mit neuen Schulden finanziert wird. Die staatliche Kreditfinanzierung wird faktisch nicht mehr für Investitionen eingesetzt. Sie dient nur noch der Finanzierung des von ihr selbst verursachten wachsenden Schuldendienstes (Zins- und Tilgungsausgaben) und ist damit zum sinnlosen und gefährlichen Selbstzweck entartet.

Lesen Sie die nachfolgenden Ausführungen und folgen Sie dem großen Linkfeld am Ende dieser Seite, um sich umfassender über Hintergründe und Perspektiven der Staatsverschuldung zu informieren !

In Erkenntnis der großen Gefahren ihrer ausgeuferten öffentlichen Verschuldung haben sich die EU-Mitgliedstaaten zur Wahrung der Stabilität des EURO bereits 1997 in Amsterdam in einem Stabilitäts- und Wachstumspakt u. a. dazu verpflichtet, ihre Verschuldung nicht nur auf die Maastrichter Konvergenzkriterien (Schuldenstände maximal 60% und jährliche Defizite bzw. Neuverschuldung maximal 3% des nominalen Bruttoinlandsproduktes -BIP-) zu begrenzen, sondern ihre jährlichen Defizite auf null zurückzuführen und Haushaltsüberschüsse zu erwirtschaften, um diese in Zeiten einer Rezession ohne Neuverschuldung einsetzen zu können. Die Maastrichter Grenzwerte für die öffentliche Verschuldung in Höhe von 60% bzw. 3% des BIP sind auch nicht willkürlich gesetzt, wie manche meinen. Sie stellen eine notwendige Bremsmarke für die bis dahin auf ein bereits zu hohes Niveau angewachsenen Schuldenberge dar mit dem Gebot: bis hierher und nicht weiter !

Im Jahre 2001 hatten das Ziel, Haushaltsüberschüsse zu erwirtschaften, bereits 10 EU-Mitgliedstaaten erreicht. Deutschland dagegen ist im Jahre 2001 - trotz aller Sparbekundungen und -bemühungen - wieder auf ein gesamtstaatliches Defizit von 2,8% des BIP (57,5 Mrd.EUR) zurückgefallen, was im Wesentlichen auf eine erhebliche Zunahme der Neuverschuldung der Bundesländer (Anteil 47,6% im Jahre 2001 gegenüber 28% im Jahre 2000) zurückzuführen ist.

Das hatte die EU-Kommission bereits zu Beginn des Jahres 2002 veranlaßt, Deutschland auch ohne einen formellen "blauen Brief" öffentlich zu verwarnen. Über die dadurch hervorgerufenen Turbulenzen und die zur Abwendung eines "blauen Briefes" eingegangene Selbstverpflichung der Bundesregierung, ab dem Jahre 2004 einen nahezu ausgeglichenen öffentlichen Gesamthaushalt anzustreben, hatten die öffentlichen Medien ausführlich berichtet.

Die Realisierbarkeit dieser Selbstverpflichtung wurde vielfach bezweifelt. Den jüngsten von den öffentlichen Medien veröffentlichten Verlautbarungen der Bundesregierung und der EU-Kommission zufolge ist es nun Gewißheit: Deutschland wird im Jahre 2002 eine Defizitquote von bis zu 3,8% des BIP erreichen und muß damit ein Sanktionsverfahren aus Brüssel über sich ergehen lassen. Müßte ein solches Sanktionsverfahren bis zur letzten Konsequenz realisiert werden, weil - was zu befürchten ist - das öffentliche Defizit auch im Jahre 2003 den Grenzwert von 3% des BIP überschreitet, würde Deutschland einen Betrag bis zu 0,5% des BIP als nicht rückzahlbare Geldbuße an die EU zahlen müssen. Bezogen auf das BIP 2001 in Höhe von 2.063 Mrd.EUR würde dann ein weiteres zusätzliches Haushaltsloch in Höhe von rd. 10,3 Mrd.EUR entstehen.

Unter dem Eindruck der gegenwärtigen Konjunkturschwäche bei angespannten Haushaltslagen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, Italien und Portugal, mehren sich die Stimmen, die eine Lockerung der Defizitgrenze von 3% des BIP und eine vorübergehend kreditfinanzierte Ankurbelung der Konjunktur fordern. Die dadurch höhere Staatsverschuldung, so wird argumentiert, könnte dann mit den Steuermehreinnahmen abgebaut werden, die nach dem Anspringen der Konjunktur wieder fließen würden. Das sind Rezepte von vorgestern, die sich als untauglich erwiesen haben. Die Idee, in Zeiten einer Rezession zwecks Ankurbelung der Konjunktur Schulden zur Ausweitung der staatlichen Ausgaben aufzunehmen und diese dann bei (hoffentlich) auflebender Konjunktur mit Einnahmeüberschüssen wieder zurückzuzahlen (antizyklische Haushalts- und Finanzpolitik), hatte die Bundesrepublik Deutschland bereits mit der Haushaltsreform 1967 gem. Art. 109 Abs. 2 GG in das "Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft" (StWG) vom 08.06.67 aufgenommen. Die Regeln sind auch folgerichtig, wenn sie nur befolgt worden wären. Im Jahre 1965 betrug der Schuldenstand des öffentlichen Gesamthaushalts 43,16 Mrd.EUR (18,4% des BIP, Zinssteuerquote 3,3%). Im Jahre 2001 war der Gesamtschuldenstand auf 1.232.84 Mrd.EUR angewachsen (59,8% des BIP, Zinssteuerquote 14,8%). In den letzten 36 Jahren seit Einführung des Verfahrens der "antizyklischen Haushalts- und Finanzpolitik" wurde entgegen den Regelungen im StWG auch in konjunkturell guten Zeiten nicht eine einzige Mark vom angehäuften Schuldenstand getilgt (ausgenommen die Verwendung der UMTS-Lizenzeinnahmen zur Schuldentilgung). Im Gegenteil: die Neuverschuldung erhöhte sich von Jahr zu Jahr und diente - soweit sie nicht von den entsprechend angewachsenen und von ihr selbst verursachten Zinskosten aufgezehrt wurde - auch in konjunkturell besseren Zeiten zur Finanzierung staatlicher Aufgaben. Bereits seit Mitte der achtziger Jahre deckt die jährlich steigende Neuverschuldung nur noch einen Teil der von ihr selbst erzeugten immer weiter steigenden Zinslasten. Zur Finanzierung staatlicher Aufgaben blieb und bleibt davon nichts übrig.

In ihrer Einschätzung der Hauptursache für die immer wieder entstehenden neuen und größeren Haushaltslöcher und des Grundrezepts zu ihrer Beseitigung stimmen Regierungs- und Oppositionsparteien weitgehend überein: Schuld allein sei das zu niedrige Wirtschaftswachstum, das angekurbelt werden muß, damit alles wieder gut wird. Nur über Schuldzuweisungen und Detailrezepte zur Wachstumsförderung wird erbittert gestritten. Daß aber primär das verschuldungsbedingte jährliche Zinseszinswachstum und nur sekundär ein zu schwaches Wirtschaftswachstum für die immer größer werdenden Haushaltslöcher ursächlich ist, wird dabei übersehen. Es wurden Steuersenkungen realisiert und es werden weitere gefordert in der Hoffnung, Steuersenkungen würden Steuermehreinnahmen bewirken durch steigendes Wirtschaftswachstum. Das Prinzip Hoffnung soll den öffentlichen Gesamthaushalt aus der Schuldenkrise herausführen, was aber nicht gelingen kann, wenn sich die Hoffnungen nicht erfüllen und die Wirtschaft trotz vorangegangener Steuersenkungen nicht wächst. Dann führen die Steuersenkungen selbstverständlich zu Steuermindereinnahmen, die jetzt beklagt werden. Wirtschaftswachstum kann und muß unter anderem mit finanzpolitischen Maßnahmen gefördert werden, aber es läßt sich damit nicht erzwingen. Solche Maßnahmen erzeugen keinen Wachstumsautomatismus. Für eine Wachstumsschwäche können durchaus auch andere Gründe maßgeblich sein, wie z. B. ein gewisser Sättigungungsgrad, politisch unsichere Verhältnisse, hohe Sparquoten. Wachstumszwang kann, darf und muß nicht Voraussetzung für den Bestand unserer Gesellschaft sein. In Deutschland betrug im Jahre 1999 das BIP je Einwohner 24.150 EUR und lag damit deutlich über dem EU-Durchschnitt von 21.140 EUR (Quelle: Stat. Bundesamt - Datenreport 2002). Es ist nur langsamer gewachsen. Das darf kein Rechtfertigungsgrund dafür sein, Steuermindereinnahmen wie seit Jahrzehnten weiterhin mit höherer Neuverschuldung auszugleichen, denn die Schulden von heute sind die Steuererhöhungen und Sparpakete von morgen. Angesichts des immer noch überdurchschnittlichen Bruttoinlandsprodukts je Einwohner in Deutschland muß es möglich sein, dieses im Rahmen ohnehin notwendiger tiefgreifender Reformen so umzuverteilen, daß ein ausgeglichener öffentlicher Gesamthaushalt ohne Neuverschuldung erzielt werden kann. Die Mehrzahl der EU-Mitgliedsstaaten hat dies trotz teilweise geringeren Bruttoinlandsproduktes geschafft und damit neue Spielräume für die Bewältigung von Wirtschaftskrisen gewonnen.

Die derzeit eskalierenden Diskussionen darüber, ob und seit wann Kenntnis über die Höhe der Defizite und der zu ihrer Beseitigung notwendigen Sparopfer besteht, sind grotesk und unglaubwürdig. Die dazu relevanten Zahlen werden jährlich veröfffentlicht und stehen jedermann zur Verfügung. Man muß kein Fachmann sein und es genügen sogar Papier und Bleistift, um zumindest grob überschlägig die verschuldungsbedingten jährlichen Defizite und die jährlichen Belastungen jeden einzelnen Bürgers auszurechnen, die erforderlich werden, damit das gesamtstaatliche Defizit, wie es der EU-Stabilitätspakt fordert, auf null zurückgeführt werden kann. Das Statistische Amt der Europäischen Union (EUROSTAT) hat für 2001 für den öffentlichen Gesamthaushalt Deutschlands folgende verschuldungs- und konvergenzrelevante Daten veröffentlicht: nominales BIP = 2.071.200 Mio.EUR, Schuldenstand = 1.232.820 Mio.EUR, Defizit = 57.520 Mio.EUR, Zinsausgaben = 66.482 Mio.EUR. Ende 2000 hatte Deutschland 82.260.000 Einwohner (Quelle: Stat. Bundesamt - Datenreport 2002). Heruntergerechnet ergeben sich für 2001 folgende Jahresdaten je Durchschnittseinwohner: nominales BIP = 25.179 EUR, Schuldenstand = 14.987 EUR, Defizit = 699 EUR, Zinsausgaben = 808 EUR. Daraus folgt: auf den Schuldenstand von 14.987 EUR, den die öffentlichen Gesamthaushalte in den vergangenen Jahrzehnten für jeden einzelnen Einwohner aufgetürmt haben, müssen sie für jeden jährlich 808 EUR Zinsen zahlen. Damit der Durchschnittseinwohner die jährlichen Belastungen in Höhe der steigenden Zinsausgaben nicht in voller Höhe tragen muß und ihm die jährlichen BIP-Wachstumsraten weitgehend ungeschmälert zugute kommen, haben die öffentlichen Gesamthaushalte in den vorangegangenen Jahrzehnten jährlich neue Schulden für ihn aufgenommen. Für 2001 waren das 699 EUR. Aus Steuermitteln wurde 2001 für Zinsausgaben nur ein Bruchteil in Höhe von 109 EUR aufgebracht. Welche Belastungen ergeben sich nun für den Durchschnittseinwohner aus dem Zwang, gemäß EU-Stabilitätspakt das öffentliche Defizit bis 2006 auf null zurückzuführen ? Dazu ist es erforderlich, daß bis zum Jahre 2006 die jährliche Zinsbelastung für jeden Einzelnen (2001 = 808 EUR) nicht mehr mit neuen Krediten, sondern voll aus Eigenmitteln (Ausgabeeinsparungen und / oder Steuererhöhungen) finanziert wird. Selbstverständlich wird diese Belastung durch steigendes BIP-Wachstum gemildert. Von dem bei wachsendem BIP steigenden Steuereinnahmen sollen aber schon Steuersenkungen und Mehrausgaben für Bildung, Forschung usw. finanziert werden. Eines steht jedoch fest: Die BIP-Wachstumsraten und die damit steigenden Steuermehreinnahmen, ob hoch oder niedrig ausfallend, werden nicht voll, sondern geschmälert um mindestens 808 EUR jährlich (das sind 67,30 EUR monatlich) dem Durchschnittseinwohner zugute kommen, wenn das Defizit auf null zurückgeführt wird. Die Belastung wird umso höher, je später mit der Rückführung der Neuverschuldung begonnen wird. Damit wird jedoch nicht ein einziger Euro vom aufgehäuften Schuldenberg getilgt. Dieser und die jährlich dafür anfallenden Zinslasten bleiben dann lediglich langfristig konstant und verringern sich nur relativ im Verhältnis zum steigenden BIP. Der Durchschnittseinwohner ist keine real existierende Person, sondern nur eine statistische Größe. Die Einwohnerschaft setzt sich aus mehr oder weniger verdienenden Erwerbstätigen, Kindern, Rentnern, Arbeitslosen, Millionären u. a. zusammen. So kann die Belastung z. B. alleinverdienende Erwerbstätige mit Kindern durchaus wesentlich härter treffen. Es ist Aufgabe der Politik, eine sozialverträgliche Umverteilung der Belastung auf alle Einwohner vorzunehmen. Opfer müssen jedoch alle bringen. Das wird sich nicht vermeiden lassen. Die politisch Verantwortlichen aller Parteien in diesem Lande müssen die Bevölkerung darüber uneingeschränkt aufklären, und zwar sowohl vor als auch nach Wahlen.

Der schnelle Rückfall Deutschlands in einen so hohen Defizitbereich trotz immer wieder bekundeten eisernen Sparwillens hat nicht nur die vorstehenden Ursachen, sondern ist auch auf eine nicht ausreichende Steuerung der Gesamtverschuldung aller öffentlichen Haushalte in Deutschland zurückzuführen. Wenn Bund, 16 Bundesländer und zehntausende von Kommunen im Rahmen ihrer Finanzhoheit die Höhe ihrer Verschuldung im Wesentlichen selbst bestimmen können bzw. müssen, ist eine Steuerung mit dem Ziel der Einhaltung der 3%-Defizitgrenze auf der Ebene des öffentlichen Gesamthaushalts allein aus praktischen Gründen schwierig. Hierzu bedarf es der Einschränkung der vielfältigen dezentral wahrgenommenen Finanzhoheiten mit dem Ziel einer zentralen Kontrolle der Verschuldung der öffentlichen Gebietskörperschaften in Deutschland. Bund, Länder und Gemeinden müssen sich deshalb zusammensetzen und im parteiübergreifenden Konsens Wege zur Befreiung aus der Schuldenfalle erarbeiten, wozu auch eine Reform der Finanzbeziehungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden unerläßlich ist.

Hochkarätige wirtschaftswissenschaftliche Lehrmeinungen pro und kontra Staatsverschuldung sind wenig hilfreich, solange sie so gegensätzlich sind wie bisher. Der Zwang zur Rückführung der öffentlichen Verschuldung ist unausweichlich, damit Deutschland nicht noch tiefer in die Schuldenfalle abgleitet und die Stabilität des EURO nicht gefährdet wird. Dabei geht es primär nicht um Schuldenabbau, sondern um eine Begrenzung der jährlichen Neuverschuldung auf 3% des BIP und bis 2006 um die Erzielung ausgeglichener Haushalte ohne Neuverschuldung bzw. um die Erwirtschaftung von Haushaltsüberschüssen, um sie in konjunkturell schlechteren Zeiten anstelle einer Neuverschuldung für zusätzliche staatliche Aufgaben einsetzen zu können (überschußorientierte und nicht defizitorientierte antizyklische Haushalts- und Finanzpolitik). Steuerentlastungen und Mehrausgaben für Bildung, öffentliche Sicherheit, Bundeswehr, Arbeitsbeschaffung, Verkehr usw. usw. - so wünschenswert und notwendig die Erreichung dieser von den Parteien propagierten Ziele auch ist - sie stehen im Zielkonflikt mit dem Zwang zur Rückführung der Neuverschuldung. Eine nachhaltige Finanzierung solcher Vorhaben ist nur möglich, wenn das jährliche Haushaltsdefizit als Hauptursache für die zinslastbedingt wachsenden Haushaltslöcher nachhaltig auf null zurückgeführt worden ist.

Der unausweichliche Zwang zur Rückführung der öffentlichen Verschuldung belastet uns alle in steigendem Maße - insbesondere die nachwachsenden Generationen.

Die Schuldenfalle - eine Untersuchung der Staatsverschuldung ab 1965 bis 2025
hat es sich der Verfasser dieser Webseite bereits seit mehreren Jahren zur Aufgabe gemacht, die interessierte Öffentlichkeit und insbesondere die legislatorisch und exekutiv Verantwortlichen auf die Sinnlosigkeit und großen Gefahren der ausgeuferten Staatsverschuldung sowie die Notwendigkeit ihrer Rückführung aufmerksam zu machen und Lösungsansätze aufzuzeigen.

Das Problem berührt auch Sie, denn Staatsschulden sind auch Ihre Schulden !

Auch Sie werden dafür bezahlen müssen, und zwar umso mehr, je später die Verschuldungsrückführung vollzogen wird !

Überzeugen Sie sich davon, daß wir in der Schuldenfalle stecken und daß wir uns unter Aufbringung großer Opfer jetzt daraus befreien müssen, um in der Zukunft den sonst unvermeidlichen und folgenschweren Zusammenbruch der öffentlichen Finanzwirtschaft zu verhindern.
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16.02.03 20:44:16
Beitrag Nr. 28 ()
wer ist schuld an der Staatsverschuldung

nur der Bürger selber
und das mit Sicherheit

er fordert zuviel vom Staat

K+V
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16.02.03 22:34:55
Beitrag Nr. 29 ()
@ K + V

Ja und nein.

Das Anspruchsdenken ist zwar ein Problem, aber gleichzeitig auch so gewollt, denn irgendwoher mußte doch das Wachstum kommen, welches in der gesättigten Wirtschaft Ende der Sechziger das erste Mal erlahmte...


Fast alles Wachstum seitdem ist Illusion, weil über Schulden erkauft. Schulden, die zwar gleichzeitig auch Guthaben sind, was diese Guthaben wert sind, wird sich aber zeigen, wenn wir uns "totsparen" müssen,
um die Zinsen für die Schulden zu bedienen...

Wachstum als unbedingter Zwang einer Wirtschaft ist doch der blanke Hohn, wenn es Dutzende von Faktoren gibt, die das weitere Wachstum gefährden können.

Sei es die Gefahr der Umweltzerstörung, weil das Wachstum den Regelkreisen der Natur widerspricht, sei es durch die natürliche Begrenzung des Wachstums auf Grund endlicher Ressourcen, sei es aber auch durch eine Nichtmehrmögliche Steigerung des Wachstums, weil wir einen hohen Sättigungsgrad haben, weil schon alle Prozeße des menschlichen Lebens zu Geldprozeßen geworden sind, und wir nicht die Möglichkeit haben, diese noch mehr zu bezahlen, da unser Einkommen nur einmal verteilt werden kann,
und dieses auch noch sinkt, weil wir uns global den Effizienzkriterien stellen müssen.
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17.02.03 12:38:40
Beitrag Nr. 30 ()
schaut mal in die geschichte zurück und es werden spiegelbilder aufgezeigt.
transformiert man das geschehene in die heutige gesellschaft, dann könnte man schon angst bekommen.

letztlich zwang immer das machtstreben in politik und wirtschaft zum absoluten ungleichgewicht zwischen soll und haben und das ergebnis war der untergang eines staates oder eines wirtschaftsimperiums.
immer das gleiche spiel mit gleichem ausgang
:mad:
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18.02.03 14:03:17
Beitrag Nr. 31 ()
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07.03.03 00:33:09
Beitrag Nr. 32 ()

Zinswahnsinn
von Klaus Popp


"Die Schwierigkeit liegt nicht in den neuen Ideen, sondern darin, den alten Vorstellungen zu entkommen."
John Maynard Keynes

Wenn die Rentabilität des Finanzkapitals eines Tages nicht mehr gewährleistet werden kann, wird das Finanzsystem kollabieren und unsere Gesellschaft in Not und Elend stürzen. Es wird eine Situation eintreten, die der im heutigen Rußland nahe kommt. Obwohl dem Land beinahe alles zur Verfügung steht, was für eine funktionierende Wirtschaft nötig ist, versinkt das Land im Chaos. Es gibt ausreichend arbeitswillige Menschen, es gibt ausreichend gut ausgebildete Fachleute und Wissenschaftler; es existiert ein recht hohes Bildungsniveau; auch an Produktionsgütern und Rohstoffen ist kein Mangel und die Nachfrage in Form von Bedarf ist derzeit nahezu grenzenlos. Und doch kommen Arbeit und Verbrauch, Angebot und Nachfrage, nicht zueinander. Es fehlt an einer Währung die stabil und damit verläßlich ist, die die zahllosen Tauschvorgänge ermöglicht, ohne die eine arbeitsteilige Gesellschaft nicht funktionieren kann.

Die Probleme bei der Lösung ökologischer Aufgaben fangen immer dann an, wenn die Rentabilitätsgrenze des Kapitals erreicht wird. So rigoros das Kapital nach rentablen Investitionen sucht, so rigoros verweigert es sich, wenn die Renditeerwartung zu gering ausfällt. Durch diese Fähigkeit zwingt es Regierungen in aller Welt, ökologische Standards so gering wie irgend möglich anzusetzen. Mit Umweltkatastrophen und ganz alltäglichen Verseuchungen, die in Ausmaß und Folgen häufig noch viel schwerwiegender sind, werden maximale Renditen erkauft.

Die Kapitalbesitzer benutzt den Staat, um mit Steuergeldern Investitionen und Renditen zu ermöglichen, die ohne ihn nicht zustande kämen. So sichern sie ihren Vermögens- und Machtzuwachs.

Vieles, was uns als staatliche Wohltat oder als notwendige Infrastrukturmaßnahme verkauft wird, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als Subventionierung des Kapitals.

Aber auch dann, wenn es durch Übersättigungsprozesse zu einem rückläufigen Wirtschaftswachstum kommt, überläßt man den Markt nicht seinen Gesetzmäßigkeiten. Der Bund springt ein, wenn der Markt von selbst nicht ausreichend expandiert. Im Klartext heißt dies, wenn die Verbraucher durch ihre Nachfrage signalisieren, daß sie keinen Bedarf an zusätzlicher Wirtschaftsleistung haben, geht der Staat hin und nimmt ihnen mehr Geld ab, um künstlich Wachstum zu stimulieren. Oder er nimmt Kredite auf, die er dann zeitversetzt und zuzüglich der anfallenden Zinsen, beim Steuerzahler eintreiben muß.

Interessanterweise sind es in aller Regel die selben Personen und Kreise, die laut das hohe Lied der freien Marktwirtschaft singen, um dann hemmungslos Steuergelder für immer absurdere Investitionen zu verpulvern. Und dies in einer Größenordnung, die die Praxis der meisten planwirtschaftlichen Staaten längst in den Schatten gestellt hätte. In den USA haben es die Regierungen Reagan/ Bush geschafft, durch Ausgaben für ökonomisch und sozial unsinnige sowie ökologisch schädliche Projekte, die Schuldenlast zu vervierfachen. Daß sie dabei noch den Eindruck aufrechterhalten konnten, für einen Abbau des Staates zu kämpfen, ist eine propagandistische Meisterleistung.

Das Gros des staatlichen Engagements besteht heute darin, Verzerrungen die durch die falsche Geld- und Bodenordnung verursacht werden, auszugleichen. Mit immer größerem Aufwand versucht der Staat, die immer größer werdenden Diskrepanzen durch eine De-Regulierung der Umverteilung zu begrenzen. Zunehmend leidet der Patient Gesellschaft mehr unter der Therapie als unter der Krankheit. Der Staat selber ist zum Krebsgeschwür geworden.

Wenn das Kapital unter Angebotsdruck gerät, wird es sich überall dort anbieten müssen, wo ein Bedarf existiert. Investitionswilligen steht immer ausreichend billiges Geldkapital zur Verfügung. Unabhängig von hohen Renditeforderungen können so sinnvolle Projekte finanziert werden, die sich derzeit für Anleger nicht rechnen. So kann sich der Staat nach und nach aus vielen Bereichen zurückziehen und sich auf seine hoheitlichen und ordnungspolitischen Aufgaben konzentrieren.

Entsprechend können auch die Steuern gesenkt werden. Die Bürger werden erheblich mehr Kaufkraft erhalten und können viele Dienstleistungen privat nachfragen. So können diese ohne den Umweg über den Staat finanziert werden. Die Endnachfrage durch die Verbraucher entscheidet stärker als heute über das Angebot.

Im Bereich der sozialen Dienstleistungen kann der Staat sein Engagement tendenziell verringern. Die sinkende Kapitalrendite macht in Zukunft viele Investitionen rentabel und privatwirtschaftlich durchführbar. Einrichtungen, die heute der Staat unterhält, weil sie betriebswirtschaftlich unrentabel sind, werden mit billigem Geld finanzierbar. Private Investoren bzw. Unternehmer können so Alternativen zur staatlichen Infrastruktur aufbauen.

Das Ziel einer echten Geldreform besteht darin, den Ertrag des Geldes, den Guthabenzins für langfristige Ausleihungen, bei ausreichendem Angebot, gegen den Wert Null zu drücken. Mit einem derartigen Zinsniveau würde sich auch der Kapitalmarktzinssatz auf einem erträglichen Niveau um die zwei Prozent einpendeln.

Der Fehler im System des kapitalistischen Geldwesens besteht darin, daß das Geld der Ware und der Arbeit überlegen ist. Dadurch erzwingt es die immerwährend positiven Zinssätze. Durch eine konstruktive Nutzungs- oder Umlaufgebühr wird ihm diese Überlegenheit genommen. In der Folge sinken die Zinssätze und die mit ihnen gekoppelten Größen wie Umlaufrendite und Schuldenentwicklung.

Mit dem Instrument der Umlaufgebühr kann die Notenbank auch bei fallenden Zinssätzen die umlaufende Geldmenge gezielt steuern. Sie bildet damit die Basis einer inflationsfreien Währung mit marktwirtschaftlichen Zinssätzen.

Die entscheidende Auswirkung der Geldreform besteht darin, daß die Zinssätze unter die heute üblichen Größenordnungen fallen. Wenn die Zinsen sinken, werden die Kassen der Schuldner entlastet. Mit Erleichterung werden dies zunächst all jene zur Kenntnis nehmen, die verschuldet sind. Die fälligen Zins- und Hypothekenraten werden deutlich geringer ausfallen. Das spüren die Betriebe, die Kämmerer der öffentlichen Haushalte und die verschuldeten Bürger.

Die Stabilität, die von einer dauerhaft inflationsfreien Währung ausgeht, beruhigt ebenso die Geldmärkte, Investoren und Anleger. Betriebliche Kalkulationen werden sicherer und damit seriöser. Das krisenbedingte Auf und Ab der Konjunktur und die damit verbundenen heftigen, meist kurzfristigen Reaktionen auf den Finanzmärkten, können vermieden werden.

Die Wirtschaftskrise ist die Folge eines nicht funktionierenden Geldwesens, dies gilt für alle Länder und Währungsbereiche und in gleicher Weise für den internationalen Handel. Die Möglichkeit der Kapitalbesitzer, durch eine zögerliche Investitionsbereitschaft eine Rendite zu erzwingen, die der Entwicklung der Kapitalmenge nicht angemessen ist, löst die Krise aus. Daß die Anleger dabei einzelne Kommunen, Länder Staaten und mittlerweile sogar Kontinente gegeneinander ausspielen können, um Subventionen zu erpressen, ist lediglich eine Folge dieses Systemfehlers. Wenn sich das Geldkapital auch bei minimalen Sachkapitalrenditen zu entsprechenden Konditionen anbieten muß, werden Investitions- und Nachfrageausfälle vermieden. Zu einem heute üblichen, oft ruinösen Buhlen der Politiker um Investitionen und Investoren kommt es gar nicht erst.

Sowohl die Planwirtschaft als auch der Kapitalismus basieren auf der Unterdrückung und Bedrohung des Individuums.

Die planwirtschaftliche Gesellschaft beraubt ihre Bürger der freien beruflichen und politischen Entfaltung. Sie unterdrückt individuelle Leistungsbereitschaft und Kreativität. Damit die Bürger bereit sind, die Einschränkungen zu ertragen, ist dieses System darauf angewiesen, Angst zu erzeugen.

Das kapitalistische System selektiert durch einen extrem beschränkten Zugang zu Kapital und Boden und damit zu den Produktionsgütern. Durch die ungebremste Akkumulation von Besitz und Macht werden immer größere Teile der Bevölkerung ihrer Existenzgrundlagen beraubt. Damit entzieht es dem Gros der Menschen die Möglichkeit, sich frei zu entfalten. Zwingender Weise müssen derartige Verhältnisse durch physische und strukturelle Gewaltanwendung abgesichert werden. Nur Angst und Resignation lassen die Menschen ein unwürdiges Schicksal akzeptieren.

Die Forderung der traditionellen Sozialisten, den Arbeitenden ihren vollen Arbeitsertrag zu gewährleisten, rückt mit den freiwirtschaftlichen Veränderungen in greifbare Nähe. Die automatisierten Produktionsstätten werden nicht mehr Quelle der Umverteilung von den Arbeitenden zu den Besitzenden sein. Mit dem Absinken des Geldzinses wird auch die Sachkapitalrendite kräftig fallen. Auf diese Weise verlieren die Produktionsmittel ihren ausbeuterischen Charakter.

In dem Filmklassiker "Denn sie wissen nicht, was sie tun" rasen junge Männer mit durchgetretenem Gaspedal auf einen Abgrund zu. Der Nervenkitzel begeistert die Zuschauer und bringt den Akteuren Anerkennung. Allerdings ist allen klar, daß sie rechtzeitig vom Gaspedal auf die Bremse wechseln müssen. Auch das Raumschiff Erde rast mit immer höherem Tempo auf einen Abgrund, ein schwarzes Loch, zu. Den Lenkern in Politik und Ökonomie ist dabei jedoch noch nicht klar, wo das Bremspedal ist. Und im Unterschied zum Film sitzt das vom Fortschrittsglauben geblendete Publikum mit im Wagen.






http://inwo.fairconomy.org/archiv/zinswahn.htm
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07.03.03 17:48:15
Beitrag Nr. 33 ()


Die amerikanische Verschuldungsmaschine

Die meisten Schulden wurden gemacht, um den Hightech-Boom in den USA zu finanzieren

Betrachtet man das amerikanische Wirtschaftswunder etwas näher, so sieht man immer weniger ein Wunder und ist zunehmend verwundert über das Ausmaß der Verschuldung, das sich dieses Land leistet. Fast hat es den Anschein, also ob die vor allem auf Technologie basierende Net Economy sich auf einem Drogentrip befände. Zumindest kamen einem die Bewertungen zahlreicher Technologiefirmen im Frühjahr 2000 wie eine Halluzination vor, an der Timothy Leary seine helle Freude gehabt hätte. Das als Aktienkapitalismus gefeierte System hat bei näherem Hinsehen jedoch gravierende Mängel. Der Hauptmangel ist der immense Schuldendienst, den die Amerikaner leisten müssen.

Am 18. August 2000 betrug der öffentliche Schuldenstand 5.670.329.490.959,40 US-$ oder, anders ausgedrückt, etwa 5,7 Billionen US-$. Bei einer Bevölkerungszahl von etwa 276.200.220 Amerikanern entspricht dies einer Verschuldung von etwa 20.450 US-$ pro Bürger. Die Schulden nehmen pro Tag um weitere 45 Millionen US-$ zu und haben mittlerweile etwa 350 % des Sozialproduktes der USA erreicht. Am 17.1. 2001 betrug der Schuldenstand bereits 5,718,517,343,351.92 Dollar.

Man kann es drehen, wie man will: Nach den klassischen Buchhaltungsprinzipien wäre Amerika pleite, wenn wir nicht wissen würden, dass ein Staat nicht pleite gehen kann, da er ja jederzeit die Notenpresse ankurbeln oder im Falle aller Fälle eine Währungsreform durchführen kann. Betrachtet man die Verschuldung pro Fiskaljahr seit 1989, so sieht man, dass sich in den zurückliegenden 10 Jahren die Verschuldung von 2,86 auf 5,66 Billionen US-$ zwar verdoppelt hat, was jedoch nichts im Vergleich zur Verschuldungsexplosion während der Reagan- und Bush-Ära ist, als sich die Schulden in etwa vervierfachten.

Die Kehrseite des amerikanischen Wirtschaftswunders

Für Ludwig Erhard war es unvorstellbar, dass ein Volk mehr an Werten verzehren kann, als es geschaffen hat. Da der gemessene Produktivitätsanstieg in den USA zwischen 1970 und 1995 deutlich niedriger ist, als während der gesamten Phase der Nachkriegszeit bis zum Ende der 60er Jahre, muss man sich die Frage stellen, warum in den USA von einem anhaltenden Produktivitätswunder gesprochen wird.

Der US-Ökonomom Robert Gordon von der Northwestern University entlarvte diese Thesen als statistische Manipulationen, da sich außerhalb der Computerindustrie keine Beschleunigung des Produktivitätswachstums feststellen ließ. Die Euphorie speist sich im Wesentlichen aus dem Mythos der New Economy, bei der mittlerweile ein riesiger spekulativer Bubble geplatzt ist, der im Kursverlauf Ähnlichkeiten zum Platzen der japanischen Blase Ende der 80er Jahre aufweist.

Die Auftürmung eines gigantischen Schuldenberges bei Unternehmen und privaten Haushalten, die Aushöhlung des Sozialhaushaltes, Reallohnverluste sowie die Vernachlässigung der Erneuerung von Infrastrukturen haben den Lebensstandard der Amerikaner trotz angeblichen Wirtschaftswunders mittlerweile deutlich sinken lassen. So stieg die Verschuldung der privaten Haushalte in den 90er Jahren von etwa 3,3 auf mehr als 6 Billionen US-Dollar. Die Unternehmen weiteten ihre Schulden von ebenfalls 6 Billionen US-$ auf etwa 13 Milliarden US-$ aus. Und auch die Schulden des Staates belaufen sich mittlerweile, wie bereits erwähnt, auf etwa 6 Billionen US-$. Zusammen also etwa 25 Billionen US-$ oder zum Mitschreiben: 25.000.000.000.000 US-$.

Zu dieser bereits beeindruckenden Zahl kommen noch einmal etwa 60 Billionen US-$ an kurzfristigen Verbindlichkeiten von US-Banken hinzu, die vorwiegend aus Finanzderivaten resultieren. Das elektronische Wirtschaftswunder offenbart sich deshalb zunehmend als Verschuldungswunder, dessen besondere Leistung darin besteht, dass die Schulden etwa drei Mal so schnell wachsen wie das Bruttosozialprodukt. Da die privaten Haushalte in den USA mehr ausgeben, als sie einnehmen, und die amerikanische Wirtschaft mehr Güter und Dienstleistungen einnimmt, als sie selbst produziert, war die starke Ausweitung des Handelsbilanzdefizits die logische Folge.

Gefangenendilemma

Das Problem mit Schulden ist, dass diese die Entwicklung blockieren, da ein immer größerer Betrag für den Schuldendienst aufgebracht werden muss. Während in den letzten 4 Jahrzehnten keine führende Industrienation eine Verschuldung des öffentlichen Sektors von mehr als 135 % des Bruttosozialproduktes hatte, kommen die USA heute diesem Wert mit 132 % gefährlich nahe. Auch Amerikas Verschuldungsproblem der privaten Haushalte ist wegen der mittlerweile negativen Sparquote der Amerikaner (sie geben mehr aus, als sie einnehmen) ein zunehmendes Problem. Zwar werden momentan in den USA Haushaltsüberschüsse erwirtschaftet, jedoch reichen diese aufgrund der hohen Tilgungslasten für die Schulden nicht aus, das Gesamtdefizit zu senken.

Die meisten Schulden wurden gemacht, um den Hightech-Boom in den USA zu finanzieren, d.h. der Produktivitätsboom ist vor allem kreditfinanziert und erinnert fatal an den berühmten Schweinezyklus, den Peter Senge in seinem Buch "Learning Organizations" beschrieben hat. Wer zu schnell wächst, muss dieses hohe Wachstum mit Jahren der Stagnation bezahlen. Eine ähnliche Erfahrung musste in den 90er Jahren Japan machen. Während es dort die Immobilienseifenblase war, die platzte, könnte in den USA eine Technologieseifenblase platzen und zwar dann, wenn viele der kreditfinanzierten Hightech-Firmen nicht in die schwarzen Zahlen kommen.

Gemäß einem Bericht des Economist erhöhten "Non-financial-Unternehmen" in den USA ihre Schulden um 900 Milliarden US-$. Die steigenden Aktienpreise und die Bezahlung von Mitarbeitern mit Aktienoptionen haben in den USA den Eindruck erweckt, dass die Haushalte reicher geworden seien, was den Konsum noch mehr angekurbelt hat. Die Zahlen sind jedoch ernüchternd. So ist die Verschuldung der Haushalte von 85 % des persönlichen Einkommens auf 103 % im letzten Jahr angestiegen. Hierin dürfte auch einer der Hauptgründe für den starken Kursverfall der Nasdaq-Börse im Jahr 2000 liegen.

Papiergewinne versus reale Verluste

Das eigentliche Problem beim Schuldenmachen auf steigende Vermögenswerte ist, dass die Schulden bleiben, die Buchgewinne jedoch bei sinkenden Aktienkursen dahinschmelzen. Da alles, was sehr stark in den Kursen steigt, sich auch wieder nach unten bewegen kann - der sogenannte Wellenaspekt von Angebot und Nachfrage -, gilt es, exponentiellen Bewegungen in der Verschuldung Einhalt zu gebieten. Da Schulden nur durch Einnahmen zurückgeführt werden können und Gewinne erst dann tatsächlich eingetreten sind, wenn die Papiere verkauft sind, muss spekulativen Auswüchsen frühzeitig begegnet werden, wenn der Staatshaushalt und die Haushalte der Privatpersonen nicht aus dem Ruder laufen sollen.

Wer in Zeiten einer boomenden Ökonomie keine Rücklagen bildet, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Rechnung im Falle einer wirtschaftlichen Abschwächung höher als erwartet ausfällt. Die Venture-Capital-Szene in Amerika wäre zwar ohne den Rückgang der Sparquoten sicherlich nicht so reichlich mit Kapital versorgt worden. Es muss jedoch die Frage gestellt werden, ob dies angesichts der mittlerweile ausufernden Verschuldung nicht vielleicht besser gewesen wäre, da eine Konkurswelle bei Start-Up-Firmen die Liquiditätslage einer Vielzahl von Investoren auch in den USA dramatisch verschlechtern würde.

Kein Aufschwung dauert ewig

In Amerika hat die langanhaltende Phase wirtschaftlichen Aufschwungs und geringer Zinsen zu einer ausufernden Ausleihmentalität von Kapital geführt. Doch kein Boom dauert ewig. Phasen des wirtschaftlichen Aufschwunges werden stets von wirtschaftlichen Abschwüngen abgelöst, die oftmals völlig unerwartet einsetzen.

Konnte man in Zeiten hoher Inflation darauf hoffen, dass das geliehene Geld weniger wert sein wird und so in Zukunft leichter zurückbezahlt werden kann, so gilt dies nicht in Zeiten sehr geringer Inflation. Wer sich aktuell überschuldet, muss den Ausleihwert Pfennig für Pfennig mit Zins und Zinseszins zurückbezahlen. Die Frage, ob es langfristig ein sogenanntes Soft-Landing der US-Wirtschaft gibt, wird mit ziemlicher Sicherheit mit Nein zu beantworten sein. Dies heißt nicht, dass sich mittelfristig der Aufwärtstrend nach einer Wachstumsdelle nicht noch einige Jahre fortsetzen kann. Ohne Veränderung der Verschuldungssituation besteht dann jedoch die Gewissheit, dass ein Niedergang der US-Ökonomie die gesamte Weltwirtschaft in eine tiefgreifende Krise führen wird.

Es war kein Geringerer als Thomas Jefferson, der folgende Worte sagte: "I place economy among the first and most important virtues, and public debt as the greatest of dangers. To perserve our independence, we must not let our rulers load us with perpetual debt."

Verhinderung der Kettenreaktion

Einer der bedenklichsten Indikatoren der amerikanischen Volkswirtschaft ist die rückläufige persönliche Sparquote. Betrug diese Anfang der 80er Jahre noch 10 bis 12 %, so fiel diese bis Anfang 2001 auf unter Null zurück.

Dies ist in zweierlei Hinsicht alarmierend. Einerseits wird durch das ausufernde Kaufverhalten der Amerikaner das Rückschlagspotential für die Finanzmärkte immer größer, andererseits dürften im Falle einer Rezession eine Vielzahl von Haushalten vor dem Konkurs stehen. Die Kombination von rapidem Wachstum der Schulden und steigenden Zinsen in den letzten Monaten hat die Schuldenbelastung der Haushalte auf eine Ebene angehoben, die seit Ende der 80er Jahre nicht mehr gesehen wurde. Erkennbar wird die ausufernde Verschuldung auch am amerikanischen Aktienhandelsvolumen im Vergleich zum Bruttosozialprodukt. So wird mittlerweile für jeden erwirtschafteten Dollar etwas das Dreifache in Aktien investiert. Da man jedoch nur das ausgeben kann, was man einnimmt, stellt sich natürlich die Frage nach der Rückzahlung der Schulden.

Amerikas Wirtschaft wandelt auf einem gefährlichen Grat. Ein Absturz bedeutet die Gefahr einer Kettenreaktion, die die wirtschaftliche Krise noch weiter verstärken könnte.

Artur P. Schmidt 19.01.2001
aus: Telepolis, heise-Verlag
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/4718/1.html
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12.03.03 09:53:51
Beitrag Nr. 34 ()
Mit dem Geld ist das so eine eigene Sache. Da müßte man genauer eingehen, welches Geld, wo es herkommt, wie und wo es entsteht.

Grundsätzlich ist Geld die Monetarisierung einer Forderung bzw. einer Sache. Notenbanken schöpfen Notenbankgeld. Geschäftsbanken schöpfen auf dieser Grundlage Geschäftsbankengeld. Nichtgeschäftsbanken schöpfen auf dieser Grundlage "Nichtgeschäftsbankengeld". Wir haben also prinzipiell 3 Arten von Geld, abhängig davon, wo es geschöpft wurde. Unterscheiden kann man es in der Praxis schwer, weil Geld kein Mascherl hat. Vielmehr hat man 3 "Blasen" von Geld, die atmen. Die gesamte Geldmenge ist die Monetarisierung der Spitze eines Kapitaleisbergs, der sich aus dem Wasser hebt und wieder senkt, wobei der Eisberg gleichzeitig schmilzt und wächst - Werte werden geschaffen und vernichtet, Werte werden monetarisiert und demonitarisiert.

Es ist also gar nicht so leicht, die gesamte umlaufende Geldmenge zu kennen. Die Zentralbanken führen Statistiken über M1, M2, M3 etc., aber das ist wiederum nur ein Teil der gesamten umlaufenden Geldmenge.

Jede Deutsche Mark, jeder Euro und jede andere in Umlauf befindliche nationale Währung hat als Bankdarlehen begonnen. Wenn Sie z. B. die Bedingungen für eine Hypothek über 100 000 Euro erfüllen, die Sie für einen Hauskauf brauchen, überträgt die Bank einen Kredit in dieser Höhe auf Ihr Konto und schafft diese 100 000 Euro buchstäblich aus dem Nichts. Dies ist die wahre Geburtsstunde des Geldes. Natürlich sind solche Darlehen üblicherweise durch einen Vermögenswert wie ein Haus, ein Auto, eine Bürgschaft o. dgl. gesichert. Sobald Sie den Kredit haben, können Sie den Betrag wiederum auf das Konto des Hausverkäufers überweisen; und so zirkuliert das Geld immer weiter, bis eines Tages jemand ein Darlehen zurückbezahlt. Dann verschwindet das Geld, kehrt es wieder in das Nichts zurück, aus dem es geschaffen wurde.

Darum ist Papiergeld in der Tat »der Teil der Staatsschuld, auf den keine Zinsen bezahlt werden«, wie es die Radcliff Commission des britischen Parlaments einmal zusammengefaßt hat.1 Dieser einfache Vorgang der Geldschöpfung wird im Englischen mit dem passenden, aus dem Lateinischen abgeleiteten Begriff fiat money (»Fiat«-Geld ohne Edelmetalldeckung) bezeichnet. Fiat lux, »Es werde Licht, waren nach der Genesis die ersten Worte, die Gott sprach. Weiter heißt es: »Und es wurde Licht. Gott sah, daß das Licht gut war.« Wir haben es hier mit der wahrhaft gottähnlichen Funktion zu tun, etwas aus nichts (ex nihilo) durch die Kraft des Wortes zu schaffen.

http://www.holis.de
WISO, Alchemie des Geldes
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13.03.03 14:34:39
Beitrag Nr. 35 ()
Geldanlageberater preisen bei ihren Anlagestrategien
immer den Zinseszinseffekt als achtes Weltwunder.
Stimmt, die Schuldner erleben früher oder später
ihr blaues Wunder.

Ich würde mal endlich gern eine Geschichte hören,
die die Geschichte des Josephpfennigs wirklich
widerlegt! Hier ist zumindest hier im Board absolut Fehlanzeige.

Zinssätze um 0% wie in Japan ohne unmittelbare Kriegsfolgen wären ja ok, aber zusätzlich müßten international noch Haltekosten für das Geld implementiert werden. Da die Vermögenden zugleich die Mächtigen sind, lassen sich solche Haltekosten auf das Geld aber politisch vermutlich nicht umsetzen. Wer von den Millionarios verzichtet schon gern freiwillig auf sein müheloses Einkommen?

Solange das System noch intakt ist, zahlt der kleine Mann die Zeche, bei einem Crash die Reichen, die ihre Kohle nicht rechtzeitig in Gold oder ähnliches umschichten.

Deshalb wird unser derzeitiges Finanzschneeballsystem früher oder später unweigerlich zusammenbrechen. Ist im Grunde auch nicht weiter schlimm, es wird wieder durch ein neues ersetzt und alles geht von vorn los. Manche werden dabei aber ziemlich dumm aus der Wäsche schauen.:eek: :D :p :lick:
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15.03.03 09:27:27
Beitrag Nr. 36 ()
Einen Scheck vom Desaster entfernt

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

Zwei Meldungen vom Mittwoch fand ich besonders aufschlussreich:

Eine Umfrage von ABC/Money kam zu dem Ergebnis, dass sich die Amerikaner unwohl fühlen – das "Komfortniveau" der Konsumenten steht bei 9-Jahres-Tiefs, so die Umfrage.

Währenddessen haben die Refinanzierungen (also das Erhöhen bestehender Hypotheken) im Gegensatz zu den Hauskäufen einen neuen Rekordwert erreicht.

Wie passt das zusammen? Warum sollten Leute, die Angst vor der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung haben – und vielleicht auch Angst um ihren Job – sich noch mehr verschulden wollen? Die Antwort: Sie brauchen das Geld.

Fast die Hälfte der amerikanischen Kreditkartenbesitzer leistet auf ihre Schulden nur die Minimalzahlung. Und 44 % von ihnen rutschen immer weiter in die Schuldenfalle, weil sie nicht genug Geld haben, um die laufenden Zinsen bezahlen zu können.

Letzten Freitag meldete die Fed, dass die Konsumentenschulden derzeit mit einer Jahresrate von 9,1 % wachsen – das ist drei Mal so schnell wie das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes, und es ist das schnellste Wachstum seit November 2001.

Viele dieser amerikanischen Konsumenten sind "nur einen Scheck vom Desaster entfernt".

Vielleicht ist das der Grund, warum McDonald`s – diese Gesellschaft ernährt viele dieser Leute – für Februar erneut zurückgehende Umsätze vermelden musste. Den 12. Monat in Folge. Und auch Walmart – dieses Unternehmen bekleidet diese Leute – teilte mit, dass die Umsätze zurückgehen.

Wenn es dem Konsumenten schlecht geht, geht es auch der gesamten Wirtschaft schlecht. Was könnte sonst zu einer Verbesserung der Wirtschaftslage führen? Antwort: Unternehmensinvestitionen. Aber warum sollten die Unternehmen neue Projekte beginnen und neue Arbeiter einstellen? Die Konsumenten fahren ihre Ausgaben zurück. Die Energiekosten steigen deutlich. Die Defizite der unternehmenseigenen Pensionsfonds fressen die Gewinne der Unternehmen auf.

Dr. Richebächer, der gelegentlich Beiträge für den Investor`s Daily schreibt, meint dazu: "Aus der gesamtwirtschaftlichen Perspektive gesehen können höhere Gewinne nur durch steigende Investitionen zustande kommen – oder durch ein Zurückfahren der Sparraten der Konsumenten. Ich sehe keins von beiden. Die Investitionen zeigen kein Lebenszeichen. Und auf der anderen Seite steigen die Sparraten der Konsumenten sogar wieder, da die für die Konsumenten negativen Vermögenseffekte des Aktienmarktes die positiven Effekte der Spekulationsblase am Immobilienmarkt übertreffen." Ich bleibe bei meinem "fuchsienfarbenen Alarm": Die gesamte US-Wirtschaft und ihr Aktienmarkt sind nur einen Scheck vom Desaster entfernt. Die Investoren könnten jeden Tag in Panik verfallen. Und auch die Konsumenten werden nervös. Der Dollar könnte kollabieren – ohne Vorwarnung.
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18.03.03 11:58:21
Beitrag Nr. 37 ()
Moin, Moin!
Sehr interessant eure Beiträge. Habt ihr Quellen, wo ich eine gestiegene Volatilität der Finanzmärkte der letzten 30 Jahre (nach Bretton Woods)nachweisen kann. Grafik oder Text egal. Vielen Dank im Voraus
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18.03.03 12:46:02
Beitrag Nr. 38 ()
@ TotoNY


nicht so einfach. 1970 fällt einem aber immer und überall auf...


den Artikel solltest du dir mal anschauen:


http://www.geldcrash.de/Aktuelles/Artikel/Buchergilde/bucher…


Mit Grafiken...
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18.03.03 14:01:26
Beitrag Nr. 39 ()
Danke, brauche möglichst noch genaueres (zum Thema passend)Material
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18.03.03 20:45:27
Beitrag Nr. 40 ()
So, sehr interessant die Jahresberichte aus Basel.

Gibt es im Netz:
BIZ (2000) : Bank für internationalen Zahlungsausgleich, 70. Jahresbericht. 1. April 1999-31. März 2000, Basel
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18.03.03 21:20:38
Beitrag Nr. 41 ()
#20

wieso weigerst du dich zu sehen und zu denken?

oder hat dir das goldman sachs verboten?
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18.03.03 22:05:50
Beitrag Nr. 42 ()
viprom

die kritik und deren berechtigung ist natürlich bei den goldmännern, in der fed, im dortigen(und hiesigem)finanzministerium, bei wto, iwf u.s.w. bekannt.

bekannt ist auch, daß - neben dem dollarschwindel - diejenigen, die zumindest einen us oder englischen paß besitzen durch ihre "shorterei" und anderes weltweit firmen angeeignet haben, insbesondere neuerdings auch die "privatisierten" ehemaligen volksvermögen.

gleichfalls ist bekannt, daß ohne kriege die stets nachfrage pushen, der kapitalismus längst implodiert wäre.

neben dem öl der turkrepubliken der ehemaligen sovjetunion eignen sie sich nun das iraköl und hernach das des gesamten nahen ostens an.

ist solches nicht der zauberstab, und damit komme ich zu meiner frage, der jedwede einrede zu den ungleichgewichten, die ja gegenstand der ökonomischen kritik sind, ins leere laufen lassen werden?

und werden ganz konkret aus verschuldungen, nicht die der kleinen leute, nicht vermögen, das die grünen fed-papiere wieder "aufzugolden" in der lage ist?
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19.03.03 00:30:25
Beitrag Nr. 43 ()
ja, das ist der zauberstab, der
den knock out zumindest hinauszögert.
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19.03.03 18:18:36
Beitrag Nr. 44 ()
@Erika:

Wieso weigerst du dich zu denken?
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27.03.03 07:08:26
Beitrag Nr. 45 ()


Stephen Roach (Morgan Stanley): "multi-year Federal budget forecasts are usually not worth the paper they are printed on"
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27.03.03 07:10:29
Beitrag Nr. 46 ()
Zweifel an der amerikanischen Wirtschaftskraft

Schon beim Auftakt des Weltwirtschaftsforums in New York streiten sich die Experten über die Überwindung der schlechten Wirtschaftslage weltweit

Von Thomas Fischermann

New York, 31. Januar 2002, 12:00 Uhr
Das Weltwirtschaftsforum hat gerade erst begonnen, und die Teilnehmer geraten sich schon kräftig in die Haare - im speziellen Fall: zum Thema wirtschaftlicher Aufschwung in den USA.

"Die US-Rezession ist vorbei", verkündete mit Nachdruck Gail Fosler, Chefökonomin des Conference Board, und zwar schon seit Ende 2001.

"Die US-Rezession ist nicht vorbei", sagt Stephen Roach, Chefökonom der Investmentbank Morgan Stanley, "schreckliche Wirtschaftsdaten". Schlimmer noch: "Die Welt muss sich einen neuen Weg zum Wachstum suchen". Auf die USA könne da nämlich so schnell keiner bauen.

Bei der Pressekonferenz am Mittag waren sich die Teilnehmer wenigstens in einem Punkt einig: Auf die etwas überraschende Frage des japanischen Fernsehens, ob Nippon in der nahen Zukunft wieder mal "die Lokomotive der Weltwirtschaft" spielen könne, wusste sich eigentlich kein Sprecher höflich aus der Affäre zu ziehen ...

Versuch von Stephen Roach: "Sag niemals nie".
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27.03.03 07:13:12
Beitrag Nr. 47 ()
18.09.2002

Das Wort vom Double Dip dürfte zu den meist strapazierten Wörten des Jahres 2002 zählen. Stephen Roach, Chef-Volkswirt von Morgan Stanley, hat es Anfang des Jahres geprägt und damit vor einem möglichen erneuten Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession gewarnt. An den europäischen Aktienmärkten geht diese Diskussion nicht spurlos vorüber. Richard Webb, Europa-Fondsmanager bei JPMorgan Fleming winkt aber ab und setzt auf Dividendentitel.

Die Mehrheit der Fondsmanager will nicht an das negative Szenario von Stephen Roach glauben. Das belegt die jüngste Umfrage unter 298 Fondsmanagern, die Merrill Lynch monatlich durchführt. Insgesamt rechnen etwa 75 Prozent der Fondsmanager mit einem Aufschwung der Weltwirtschaft. Im August lag der Wert noch bei 70 Prozent.

Double Dip unwahrscheinlich

Richard Webb, Chef-Fondsmanager für kontinentaleuropäische Aktien bei JPMorgan Fleming (JPMF), hält ebenfalls wenig davon. "Das Szenario eines Double Dip beruht auf einem Rückgang des US-Konsum. Diese Gefahr sehe ich aber nur dann, wenn die US-Unternehmen weiter eine hohe Zahl von Mitarbeiter entlassen", erklärt er. Das hält er jedoch für unwahrscheinlich.

Richard Webb baut auf Alan Greenspan

Zudem vertraut Webb auf US-Notenbank-Chef Alan Greenspan. "Alan Greenspan hat 2000 verstanden, dass das Internet deflationär wirkt. Heute weiß er um die Gefahren der Aktienbaisse", sagt er. Die Zinspolitik der US-Notenbank sorge daher für eine steigende Liquidität, obwohl diese noch nicht ausreichend sei. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) ist Richard Webb schon weit skeptischer. "Die EZB hat Spielraum für Zinssenkungen", sagt er. Nur sie tue womöglich nichts.

Sorgenkind Deutschland

Sorgenvoll blickt der JPMF-Fondsmanager vor allem auf Deutschland. Denn der starke Euro schwäche die Exportindustrie und Deutschland werde die Stabilitätskriterien von Maastricht verletzen. In den Ausgang der Bundestagswahl setzt er ebenfalls keine große Hoffnung: "Ob Stoiber oder Schröder Bundeskanzler wird, macht keinen großen Unterschied."

JMPF European Strategic Value setzt auf Dividendentitel

Im JPMF Europe Strategic Value sind gleichwohl etliche Aktien aus Deutschland enthalten. Webb favorisiert dabei Aktien mit einem günstigen KGV und einer attraktiven Dividendenrendite: BMW, Continental, E.ON, DaimlerChrysler, Deutsche Bank oder K+S. "Deutsche Telekom oder France Telecom zahlen keine Dividende, weil sie hohe Schulden haben. E.ON kann aus seinem Gewinn aber Dividenden ausschütten", erläutert Webb und fügt an: "Anders als während der Börsenblase achten Anleger heute stärker auf die Dividendenrendite."

Nebenwerte sind günstig bewertet

Insgesamt setzt Webb in Europa stark auf Nebenwerte. "Viele Aktien sind nicht günstig bewertet, vor allem Blue Chips nicht. Bei den Nebenwerten ist die Bewertung günstiger", sagt er. Im JPMF European Strategic Value liegt der Anteil der Nebenwerte deshalb bei hohen 30 Prozent.

Europa hängt an den USA

In den vergangenen Monaten ist der breite europäische Markt tiefer gefallen als der in den USA. "Europa hat eine höhere Konzentration an Finanzwerten", lautet die Erklärung von Webb. Titel wie Allianz, Aegon und Axa litten unter ihren hohen Aktienpositionen "Ich glaube jedoch nicht daran, dass Europa sich von den USA abkoppeln kann. Die Korrelation beider Märkte liegt bei rund 90 Prozent."
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27.03.03 07:22:05
Beitrag Nr. 48 ()
Vom Ende der US-amerikanischen Arbeiterbewegung…
…und ihrem Neuanfang


Das Ende des 20.Jahrhunderts scheint geprägt von der Erneuerung der Hegemonie des nordamerikanischen Kapitals über die Weltwirtschaft nach dem Ende des Kalten Krieges. Die USA und ihre bedeutendsten multinationalen Konzerne haben noch jede Krise nutzen können, um Hindernisse für ihre Akkumulationsziele zu beseitigen und neue Strukturen und Beziehungen zu schaffen, die ihre neuen Errungenschaften festigen. Von der Verabschiedung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) zur neuen Welthandelsorganisation (WTO), vom "Krieg gegen die Drogen" in Lateinamerika zur kriminellen Bombardierung des Irak und Jugoslawiens ist scheinbar niemand in der Lage gewesen, der Macht der USA etwas entgegenzusetzen.

Wurzeln für eine neue Revolte

Die Stärkung ihrer wirtschaftlichen und politischen Hegemonie hat dennoch nicht zu einer neuen Vorherrschaft der Art geführt, die die USA nach dem Zweiten Weltkrieg entfalteten. In zweifacher Hinsicht ist der neue Aufstieg der US-Macht wackliger als in der Periode des Wirtschaftswachstums, die die USA zusammen mit den anderen führenden Wirtschaftsmächten nach dem Krieg ein Vierteljahrhundert lang erlebt haben.

Erstens wirkt der Neoliberalismus, d.h. die Politik, die von der Mehrheit der Regierungen in der Welt praktiziert wird, vom Standpunkt des Kapitalismus aus nicht mehr als politisches Phänomen und als stabilisierender Faktor. Die wirtschaftlichen Turbulenzen in Ostasien und vor allem die lang andauernde und augenscheinlich irreversible Stagnation einer ehedem so mächtigen Wirtschaft wie der Japans sind Anzeichen dafür, dass jede Hoffnung auf eine stabile Weltlage schwindet.
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27.03.03 07:30:38
Beitrag Nr. 49 ()
Amerikas neue Last mit alten Defiziten

Die Amerikaner kaufen gerne ein. Mehr, als ihre heimische Wirtschaft produzieren kann und mehr als ihr Budget eigentlich her gibt. Dies führt zwangsläufig zu einem Leistungsbilanzdefizit, denn die Importe sind größter als die Exporte. Ausgeglichen wird die Außenbilanz dadurch, dass auf der anderen Seite Ausländer ihre Gelder in den USA anlegen, so dass die amerikanische Kapitalbilanz einen Überschuss ausweist und somit die Zahlungsbilanz, also die amerikanische Außenhandelsrechnung, ausgeglichen ist.

Während des amerikanischen Wirtschaftsbooms hat sich auch niemand an dem Leistungsbilanzdefizit gestört. Immerhin sorgte die im internationalen Vergleich hohe Produktivität sowie die Aussicht auf Kursgewinne dafür, dass Amerika als Mekka für die Kapitalanleger galt, das Kapital strömte aus allen Kontinenten in die Staaten. Dies war ökonomisch sinnvoll, schließlich soll das Kapital dahin fließen, wo es die größte Rendite erzielt. Das gilt dann gemeinhin als optimale „Faktorallokation“.

Das Ende des Hort des Dollar

Diese Wirtschaftsstruktur sorgte auch dafür, dass der Dollar in den vergangenen Jahren stetig zulegte. Er war ein Hort der Sicherheit. Ausländische Investoren mussten zumindest keine Angst haben, dass ihre Kursgewinne durch Wechselkursverluste aufgefressen wurden. Seit einigen Wochen nun scheint sich die Stimmung zu drehen. Die tendenzielle Abschwächung des Dollar gegenüber Euro und Yen erklären immer mehr Beobachter mit den strukturellen Ungleichgewichten in der amerikanischen Wirtschaft - zumal seit Jahresbeginn die Kapitalströme nach Amerika deutlich zurück gegangen sind.

„Die Begeisterung ausländischer Investoren für amerikanische Vermögensgegenstände hat nachgelassen. Dahinter steckt die Frage, ob an den amerikanischen Finanzmärkten in Zukunft tatsächlich höhere Erträge erzielt werden können“, meint Gregor Beckmann, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Wenn die Ausländer aber ihr Geld nicht mehr in die USA lenken, dann bekommen die USA Schwierigkeiten, ihr Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren. Dieses machte immerhin selbst im Rezessionsjahr 2001 noch vier Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes aus. Grob gilt die Außenwirtschaft als ausgeglichen, wenn das Leistungsbilanzdefizit nicht mehr als ein Prozent vom Bruttosozialprodukt ausmacht.

Dollar-Abwertung wünschenswert

Der Dollar wiederum würde diese Ungleichgewichte durch eine Abwertung korrigieren. Denn dadurch würden die Importe für die Amerikaner teurer, das Leistungsbilanzdefizit würde schrumpfen. „Die Abkehr ausländischer Investoren von den USA dürfte allerdings nicht abrupt vonstatten gehen. Denn trotz der Zweifel an den Gewinnaussichten an den US-Märkten müssen die Anleger erst noch überzeugt werden, dass sich beispielsweise in Euroland und Japan höhere Erträge erzielen lassen“, so die Einschätzung von Beckmann.

Für Stephen Roach, Chefstratege bei Morgan Stanley wäre ein schwächerer Dollar sogar wünschenswert, um den Teufelskreis der weltweiten ökonomischen Ungleichgewichte aufzubrechen. „Der starke Dollar ist ein Relikt aus einer Welt, die nicht länger existiert“, erklärt Roach. Der Dollar sei nach der IT-Bubble am Aktienmarkt die letzte spekulative Blase. Langfristig hätte ein schwächerer Dollar sogar heilende Wirkung für die Weltwirtschaft. Zum einen würden die höheren Importpreise den Preiserhöhungsspielraum der amerikanischen Wirtschaft erhöhen und somit deflationären Tendenzen entgegenwirken.

Heimische Konjunkturtreiber gesucht

Da die Amerikaner gemeinhin als Konjunkturlokomotive für den Rest der Welt gelten, würde mit einem schwächeren Dollar für die europäischen und asiatischen Staaten zunächst die Tür zu einer schnellen wirtschaftlichen Erholung zugeschlagen. „Aber schlussendlich könnte dies der Erfolgsschlüssel für einen neuen weltwirtschaftlichen Aufschwung sein“, meint Roach.

Denn die vom Außenhandel abhängigen Volkswirtschaften müssten sich neue heimische Wachstumsfelder erschließen.:eek: :eek: :eek:
Und würden damit die längst fälligen Reformen in der heimischen Wirtschaft durchboxen müssen.
:laugh: :laugh: :laugh: „Immerhin war es auch der Einbruch des Dollar in den achtziger Jahren, der den Grundstein für den Aufschwung in den neunziger Jahren ebnete“, erinnert Roach.
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27.03.03 07:35:16
Beitrag Nr. 50 ()
"Die US-Rezession kann noch Jahre dauern"

Auf dem Weltwirtschaftsforum in New York wird klar, wie uneinig sich Ökonomen über den Zustand der Weltwirtschaft sind. Im Gegensatz zu seinen Kollegen malt Stephen Roach, Chefvolkswirt von Morgan Stanley, ein düsteres Bild von den USA - und ein helles von Europa. AP Volkswirt Roach beim World Economic Forum: Die Industrie angeschlagen wie nie, die Verschuldung der Haushalte liegt auf Rekordniveau New York - "Es wird einen Doppel-Dipp am Ende des Winters geben", sagte Roach gegenüber SPIEGEL ONLINE nach einer Pressekonferenz am Donnerstag. Die Wahrscheinlichkeit liege bei über 50 Prozent. Das Szenario, mit dem ein erneuter Einbruch des US-Wirtschaftswachstums gemeint ist, hat inzwischen einige Anhänger an der Wall Street. Doch Roach geht noch viel weiter. "Die US-Wirtschaft könnte mehrere Jahre lang rein und raus aus der Rezession rutschen", sagt er voraus. Für einen nachhaltigen Aufschwung müsste die US-Regierung zunächst die hohen Staatsschulden abbauen. Auch die Privathaushalte hätten zu viel Schulden. Das werde sich zunächst nicht ändern. Deshalb sei jeder Aufschwung im Moment "im besten Fall zitterig". Echtes Wachstum sei für die nächsten paar Jahre nicht zu erwarten.

Roach ist ein bekannter Pessimist, vielleicht der bekannteste an der Wall Street. Doch so extrem fällt selbst sein Urteil selten aus. Deshalb ist es leicht vorzustellen, dass die voran gegangene, nicht öffentlich übertragene Diskussion "ziemlich heiß" war, wie Gail Fosler vom Conference Board auf der Pressekonferenz anmerkte. An der Diskussion zum Thema "Ausblick für die Weltwirtschaft" hatten neben Roach und Fosler auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, und der Präsident von Merrill Lynch International, Jacob Frenkel, teilgenommen.

In der Pressekonferenz verbreiteten Fosler und die anderen Ökonomen Optimismus, während Roach konsequent dagegen hielt. Fosler erklärte die Rezession in den USA für beendet. Die gerade veröffentlichten vorläufigen Zahlen zum Wirtschaftswachstum zeigten, dass die Wirtschaft im vierten Quartal nicht weiter geschrumpft sei. Der Turnaround bei den Gewinnen stehe bevor. Eine "signifikante" wirtschaftliche Erholung sei jedoch erst 2003 zu erwarten. Das liege unter anderem daran, dass der industrielle Sektor einen schweren Schlag erlitten hat, den schwersten seit der Rezession 1981/82. Auch Frenkel glaubt, dass die Rezession in den USA "auf dem Rückzug" ist. Er verwies auf die starken monetären und steuerlichen Impulse.

In der Einschätzung Europas blieb der Gegensatz zwischen Roach und den anderen bestehen, doch mit anderen Vorzeichen. Zimmermann prognostiziert eine "bescheidene Erholung" im Vergleich zu den USA. Auch Frenkel glaubt, dass der Aufschwung in Europa langsamer sein wird, "auf Grund der geringeren Flexibilität".

Roach hingegen ist überzeugt, dass Europa die USA beim Wirtschaftswachstum überflügeln wird. Der Dollar werde fallen, der Euro steigen. Sein Fazit: "Der American Way funktionierte sehr gut in den Neunzigern, vielleicht zu gut. Aber die Welt kann sich nicht länger auf die US-Wirtschaft verlassen. Die Welt braucht einen neuen Wachstumspfad".
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07.05.03 23:20:22
Beitrag Nr. 51 ()
Bernd Senf:


Zinssystem und Staatsbankrott


Um es gleich vorwegzunehmen: Der folgende Beitrag rührt an einem Tabu, das sich auf erstaunliche Weise in einer ansonsten doch recht aufgeklärten Gesellschaft hat halten können. Gemeint ist das Zins-Tabu, die Tabuisierung der Zinsproblematik, d.h. des Zusammenhangs zwischen Zinssystem und vielfältigen Krisensymptomen. Dazu gehören Krisen der Wirtschaft, der Umwelt, der Gesellschaft, des Staates und der Dritten Welt. Hier soll es vor allem um die Krise des Staates - genauer: des Staatshaushalts - gehen, um die Eskalation der Staatsverschuldung und deren Finale, den Staatsbankrott.
Zweimal Staatsbankrott in Deutschland
In Deutschland hatten wir ihn in diesem Jahrhundert schon zweimal, und jedesmal verbunden mit sozialen Katastrophen: Im Gefolge des Ersten Weltkriegs die Inflation von 1923, und nach dem Zweiten Weltkrieg der Zusammenbruch der Währung 1948. Beide Male hatte die Währung den an sie gestellten Anspruch - nämlich zu währen, d. h. ihre Kaufkraft zu bewahren - eingebüßt.
Auf dem Höhepunkt der Inflation 1923 konnte man für 1 Billion Mark gerade mal noch ein Brot kaufen, in so astronomische Höhen waren die Preise gestiegen. Bis im November 1923 eine Währungsreform stattfand und die alte Währung im Verhältnis 1 Billion : 1 in die neue »Rentenmark« umgerechnet und umgewechselt wurde. Von dieser Umrechnung waren alle Geldgrößen betroffen, Geldvermögen ebenso wie Schulden, auch Staatsschulden, die der Staat u. a. zur Finanzierung des Ersten Weltkriegs aufgenommen hatte. Durch die große Inflation und anschließende Währungsreform hat sich demnach der Staat auf "elegante" Art, aber mit dramatischen Folgen, seiner gigantischen Staatsschulden entledigt, im wahren Sinne des Wortes »für`n Appel und `n Ei« - denn mehr waren die Staatsschulden und ihre Rückzahlung nicht mehr wert.

Die Inflation hatte die Forderungen derjenigen, die dem Staat freiwillig oder per Zwangsanleihe Geld geliehen hatten, aufgefressen. Die Leidtragenden waren die Inhalber von Sparguthaben, von Lebensversicherungen und anderen Geldvermögen, deren Kaufkraft praktisch auf Null zusammengeschrumpft waren; und die Gewinner waren die Schuldner und die Eigentümer von Realvermögen (Boden, Mietshäuser, Fabriken oder andere Wertgegenstände), die all dies unbeschadet über die Inflation hinüberretten konnten. Und wer vor der Inflation über große Geldvermögen verfügte, war früh genug in Sachwerte umgestiegen, im Unterschied zu den kleinen Sparern und Lebensversicherten, denen derartige Möglichkeiten verbaut waren.

Der verdeckte Staatsbankrott, abgewickelt über die galoppierende Inflation, ging mit einer dramatischen Umverteilung einher, deren Opfer insbesondere das Kleinbürgertum war. Seine Existenzgrundlagen wurden in einer Welle von faktischen Enteignungen zerstört, während das große Kapital davon profitierte. Daß zunächst vor allem das Kleinbürgertum in der Weimarer Republik anfällig für faschistische Ideologie war, lag auch in dessen ökonomischem Absturz und in seiner dadurch verursachten Identitätskrise begründet.

Unter der Herrschaft des Nationalsozialismus wurde der sich erneut anbahnende Staatsbankrott auf andere Weise verschleiert. Die über Geldschöpfung »finanzierten« gigantischen Rüstungsprogramme trugen zunächst zu einer »Belebung der Wirtschaft« bei (welche Sprachverwirrung!). Unter marktwirtschaftlichen Bedingungen wäre die Folge eines wachsenden Nachfrageüberhangs - nach Auslastung der Produktionskapazitäten - eine Inflation gewesen; und unter demokratischen Verhältnissen hätten die Gewerkschaften um einen Inflationsausgleich gekämpft. Beides fand unter der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus nicht statt: Die Gewerkschaften wurden zerschlagen, und der Wirtschaft wurde ein Lohn- und Preisstop aufgezwungen. Dadurch kam die Inflation nicht an die Oberfläche, sondern- blieb "zurückgestaut« und brach erst durch, nachdem die nationalsozialistische Gewaltherrschaft zusammengebrochen war - nach dem Zweiten Weltkrieg.

Hier erst wurde mit einiger Verzögerung offensichtlich, daß die Währung nichts mehr wert war. Die Konsequenz davon war die Währungsreform 1948, bei der eine Umstellung der alten Reichsmark auf die neue D-Mark in den drei westlichen Besatzungszonen im Verhältnis 10: 1 (zum Teil 6,5: 1) erfolgte. Und wiederum waren Geldvermögen und Schulden gleichermaßen entwertet, zum Nachteil der Inhaber von Geldvermögen und zum Vorteil der Schuldner. Der Staat hatte sich zum zweiten Mal durch Bankrott aus seinen Schulden herausgestohlen, hatte sich durch den Zusammenbruch der Währung entschuldet - aber mit keinem Wort bei den Geschädigten dafür entschuldigt, geschweige denn sie dafür entschädigt.

So ist es eben bei einem Bankrott: Der eine kommt seinen Verpflichtungen nicht mehr nach, und andere haben davon ihren Schaden und müssen auf die Einlösung ihrer Forderungen ganz oder teilweise verzichten. Und wenn es nicht ganz so schlimm kommt, können sie sich noch aus einem Teil der Konkursmasse bedienen. Aber was ist denn eigentlich die Konkursmasse des Staates, wenn er bankrott macht? Und wird der Laden danach wirklich dicht gemacht, wie beim Konkurs eine Privatunternehmens? Irgendwie scheint es doch Unterschiede zu geben zwischen dem Bankrott eines Privatunternehmens und einem Staatsbankrott. Aber worin liegen sie, und worin sind sie begründet? Und was zum Teufel hat die Staaten immer wieder in den Bankrott getrieben, und wird sie vielleicht auch künftig dahin treiben?

Auf dem Weg in einen neuen Staatsbankrott?
Oder sind wir gar schon mitten auf dem Weg dorthin? Die USA z. B., die Ende 95/Anfang 96 zeitweise nicht einmal in der Lage waren, ihre Staatsbediensteten zu bezahlen, und sie deshalb mehrmals vorübergehend in unbezahlten Zwangsurlaub schickten? War das schon der Anfang eines Staatsbankrotts? Oder bei uns die sich verschärfenden Auseinandersetzungen um die Sparpakete der öffentlichen Haushalte - auf Bundesebene, bei den Ländern und den Gemeinden, um die Gefährdung der Renten, um die Demontage des Sozialstaats? Sind das alles Vorboten eines neuerlichen Staatsbankrotts? Und wenn ja: Wie könnte er diesmal abgewickelt werden? Und mit welchen Folgen? Wir wollen diesen Fragen etwas systematischer nachgehen, und das erfordert zunächst einige etwas trockene Modellüberlegungen. Aber sie werden uns helfen, die wesentlichen Zusammenhänge besser zu verstehen und den Nebel zu durchdringen, der normalerweise über sie gelegt ist.
Der Bankrott privater Unternehmen und seine Folgen
Betrachten wir zunächst die Rolle des Bankrotts bei privaten Unternehmen. Der drohende Bankrott ist sozusagen die Peitsche, mit der das Unternehmen auf Trab gehalten wird. Das Zuckerbrot sind die Gewinne, über die das Unternehmen - nach Steuerabzug - frei verfügen kann. Aber so ganz frei auch wieder nicht: Denn wenn die Gewinne z. B. vollständig konsumiert oder ausgeschüttet werden und damit Nettoinvestitionen (die über die Ersatzinvestitionen hinausgehen) unterbleiben, fällt das Unternehmen im Konkurrenzkampf gegenüber anderen investierenden Unternehmen zurück. Weil es nicht - wie die anderen - z. B. mit modernen Produktionsmethoden die Stückkosten und damit die Preise senken kann und ihm die Käufer davonlaufen. Ihm ergeht es wie einer Figur auf einem abwärts laufenden Band: Wer stehenbleibt, dem droht der Abgrund, eben der Konkurs oder Bankrott. Die gesunkenen Erlöse reichen schließlich nicht mehr aus, um die Kosten zu decken, um den eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen, um die Lieferanten und die Beschäftigten zu bezahlen und die Schulden zu bedienen.
Was bleibt einem privaten Unternehmen angesichts des drohenden Konkurses? An zwei Seiten kann die Sanierung ansetzen, nämlich an der

- Senkung der Kosten und/oder

- Steigerung der Erlöse.

Was die Kostenseite anlangt, läuft es vielfach auf Rationalisierung und entsprechende Senkung der Arbeitskosten hinaus, z. B. durch Kurzarbeit oder Entlassungen. Auch Material- und Maschinenkosten geraten unter Druck und erzwingen Material- (und Energie-) Einsparungen und die Erschließung billiger Bezugsquellen. Oder unrentable Teile des Unternehmens werden ganz stillgelegt. Nur bei den Finanzierungskosten läßt sich relativ wenig einsparen, weil sie sich aus den "Altlasten" des Schuldenbergs und dem über Jahre hinweg aufzubringenden Schuldendienst ergeben.

Ein vom Konkurs bedrohtes Unternehmen könnte natürlich auch versuchen, anstelle der unangenehmen Sanierungsmaßnahmen neue Kredite aufzunehmen, um die Lücke zwischen Erlösen und Kosten zu schließen. Aber es wird dafür kaum Banken finden, die unter solchen Bedingungen bereit wären, ihm Kredit zu geben. Denn die Banken achten in der Regel sehr genau darauf, daß ihre Kredite auch mit Zinsen bedient und zurückgezahlt werden, und sie sichern sich ihre Kredite mit dinglichen Sicherungen wie Grundstücken, Häusern und Produktionsanlagen ab. Im Fall der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners wird auf solche Sicherheiten zurückgegriffen, sie werden versilbert, d. h. verkauft und in Geld verwandelt, und aus dem Erlös werden die Ansprüche der Banken bedient. Ihre Forderungen werden sozusagen mit Unbarmherzigkeit eingetrieben, und sei es denn, daß das Unternehmen selbst dabei auf der Strecke bleibt und sich die Banken aus dem Unternehmensleichnam noch ihre Teile herauspicken - natürlich auch im Interesse der Geldanleger, die ihnen ihr Geld gegen Sparzinsen überlassen haben.

An die Rolle des Zinses - des Kreditzinses wie des Sparzinses - haben wir uns alle gewöhnt. Und dennoch verbindet sich mit ihm eine Dynamik, die in vieler Hinsicht langfristig verheerende Wirkungen hervortreibt und die eine wachsende Zahl privater Unternehmen und auch den Staat in Richtung Bankrott treibt wobei sich die Abwicklung des Staatsbankrotts allerdings grundsätzlich von der des Unternehmensbankrotts unterscheidet. Wir kommen später darauf zu sprechen.

Zur Problematik des Zinssystems
Betrachten wir zunächst einmal die Rolle des Zinses aus der Sicht der Geldanleger. Jede Bank oder Lebensversicherung rechnet einem vor und stellt es in entsprechenden Grafiken anschaulich dar, wie sich festverzinslich angelegtes Geld im Laufe der Zeit - scheinbar wie von selbst - vermehrt. »Geld wächst und wächst und wächst« oder »Lassen Sie Ihr Geld arbeiten« sind Werbeslogans, die jeder kennt. Werden die jährlichen Zinserträge nicht entnommen und für Konsumausgaben verwendet, sondern auf das angelegte Geldvermögen jeweils draufgepackt, dann ergibt sich gemäß der Zinseszinsformel ein exponentielles Wachstum des Geldvermögens, das sich von Jahr zu Jahr immer weiter beschleunigt.
Zinssystem, Wachstumsdruck und monetärer Teufelskreis
Wo aber kommt dieses Wachstum her, worin hat es seine Grundlage? Letztlich muß es irgendwo an anderer Stelle in der Produktion von Gütern und Dienstleistungen erwirtschaftet werden. Denn die angelegten Gelder fließen als Kredite z.B. an Unternehmen, die damit investieren. Um die aufgenommenen Kredite mit Zinsen zu bedienen und zurückzuzahlen, müssen die Unternehmen ihre Produktion, ihren Absatz und ihre Erlöse ausweiten. Gesamtwirtschaftlich bedeutet das: Das Zinssystem setzt die Produktion unter einen permanenten Wachstumsdruck. Dem exponentiellen Wachstum der Geldvermögen steht im übrigen ein entsprechendes exponentielles Wachstum der Schulden gegenüber. Helmut Creutz hat diesen Zusammenhang als »monetären Teufelskreis« bezeichnet.
Indem das angelegte Geldvermögen als Kredit weiterverliehen wird, begründet es an anderer Stelle eine entsprechende Verschuldung. Deren Bedienung (Tilgung plus Zinsen) führt zu vergrößerten Rückflüssen, und die auf diese Weise vergrößerten Geldvermögen suchen sich neue Schuldner, usw. Als Schuldner kommen in Frage: private Unternehmen, private Haushalte und Staat im Inland sowie »das Ausland«.

Betrachtet man die Entwicklung der Verschuldung im Verhältnis zur Entwicklung des Sozialprodukts in der Bundesrepublik von 1950 - 1993, so zeigt sich (ebenfalls nach Creutz) ein ungleich viel schnelleres Anwachsen der Schulden: Während sich das Sozialprodukt in diesem Zeitraum um das 8-fache erhöht hat, ist die Verschuldung (von Unternehmen, Haushalten und Staat zusammen) auf das 18-fache angestiegen.

Der wachsende Schuldenberg fordert in wachsendem Maße seinen Tribut in Form von Zinslasten, die von den Schuldnern im Durchschnitt immer schwerer aufzubringen sind, die immer größere Teile des Sozialprodukts beanspruchen und an die Geldvermögensbesitzer bzw. an die Banken fließen.

Zinssystem und Wirtschaftskrise
Solange das Sozialprodukt (SP) noch kräftig wuchs und die Zinslasten nur einen geringen Prozentsatz ausmachten (aufgrund der durch die Währungsreform 1948 zusammengeschrumpften Schulden), fiel das Wachstum der Zinslasten nicht weiter auf. Es blieb immer noch ein absolut wachsender Rest des Sozialprodukts zur Verteilung übrig. Aber in einer Welt begrenzter Ressourcen und Absatzmärkte kann die Produktion auf Dauer unmöglich mit dem vom Zins geforderten exponentiellen Wachstum mithalten. Wenn sich das Wirtschaftswachstum aber verlangsamt, drücken die weiter wachsenden Zinslasten immer mehr auf das Sozialprodukt - und drängen andere Ansprüche an das Sozialprodukt immer mehr in die Defensive. Die Schuldner geraten dadurch immer mehr in die Klemme. Bleiben die erforderlichen Erlössteigerungen aus, denn müssen die privaten Unternehmen andere Kosten senken - mit der Folge von Entlassungen, gesamtwirtschaftlichem Nachfragerückgang, einer steigenden Zahl von Konkursen usw., kurz: mit der Folge einer Wirtschaftskrise (in Abb. 1 dargestellt durch den Blitz). Die Zinslasten wachsen demnach wie ein Tumor, zuerst ganz langsam und unauffällig, dann immer dramatischer, und entziehen dem »sozialen Organismus« immer mehr Lebenskräfte, bis er daran zusammenbricht. Das Erstaunliche ist, daß die Wirtschaftswissenschaftler diesen Zusammenhang bisher so gründlich übersehen haben. Für sie ist der Zins eine Grundlage für die »Optimale Allokation der Ressourcen« und für das »Gleichgewicht am Kapitalmarkt« zwischen Sparen und Investieren. Sie verstehen das Wesen dieser wuchernden Schulden ebenso wenig wie die Schulmedizin das Wesen der Krebskrankheit.
Zinssystem und Staatsverschuldung
lm Unterschied zu privaten Unternehmen muß der Staatshaushalt auf Dauer und im Durchschnitt keine Gewinne erzielen, sondern die Staatsausgaben durch entsprechende Einnahmen decken. Er erzielt diese Einnahmen nicht in erster Linie durch Verkauf von öffentlichen Gütern und Dienstleistungen, sondern vor allem durch Steuereinnahmen, die einen grundsätzlich anderen Charakter haben als die Erlöse der privaten Unternehmen. Sie entstehen kraft hoheitlicher Gewalt des Staates, der seinen Bürgern Steuern auferlegen kann. Wenn sich laufende Ausgaben und laufende Einnahmen die Waage halten, handelt es sich um ein ausgeglichenes Budget.
Es gibt aber auch für den Staat gute Gründe, sich zu verschulden, insbesondere dann, wenn damit langfristige Zukunftsinvestitionen finanziert werden, deren Früchte auch noch von späteren »Generationen« von Steuerzahlern als öffentliche Leistung in Anspruch genommen werden (z. B. Verkehrssystem, Bildungssystem). Würden derartige Investitionen allein aus Steuermitteln finanziert, so müßten die jetzigen Steuerzahler für etwas aufkommen, was zum erheblichen Teil auch von späteren Generationen genutzt wird, und im übrigen ließe sich ein Großteil dieser Investitionen ohne Kredite gar nicht finanzieren und müßte entsprechend unterbleiben. Ohne Verschuldung könnte der Staat demnach einen wesentlichen Teil seiner Funktionen gar nicht erfüllen, und ob diese Funktionen hinreichend durch privatwirtschaftliche Aktivität erfüllt werden könnten, ist äußerst fraglich. Durch Kreditfinanzierung werden die Lasten auch auf spätere Steuerzahler verteilt. Denn zur Verzinsung und Tilgung der Staatsschulden bedarf es späterer Steuereinnahmen, die über die späteren laufenden Staatsausgaben hinausgehen.

Das Aufbringen wachsender Steuereinnahmen und die Bedienung der Staatsschulden ist solange kein Problem, wie das Sozialprodukt entsprechend wächst - und mit ihm (selbst bei gleichbleibenden Steuern und konstanten Steuersätzen) das Steueraufkommen. Angesichts der Dynamik der Zinseszinses und der entsprechend exponentiell wachsenden Zinslasten müßte aber das Sozialprodukt auf Dauer ebenfalls exponentiell anwachsen, was aus besagten Gründen unmöglich ist. Mit nachlassendem Wirtschaftswachstum fallen aber die Steuereinnahmen geringer aus, als es für die Bedienung der Staatsschulden erforderlich wäre. Damit gerät auch der Staat in die Schuldenklemme.

Unterschiede zwischen Privat und Staatsschulden
Ähnlich wie bei privaten Unternehmen gibt es auch für den Staat zunächst einmal zwei Ansatzpunkte, auf die Schuldenklemme zu reagieren:
- Steuererhöhung und/oder

- Staatsausgabensenkung (Sparprogramme)

Bezüglich der Einnahmenerhöhung befindet sich der Staat in einer prinzipiell anderen Situation als die privaten Unternehmen, denn er kann die Steuererhöhung hoheitlich durchsetzen. Aber es schafft politische Konflikte, und in demokratischen Gesellschaften ist die Regierung spätestens bei den nächsten Wahlen auf ausreichende Mehrheiten angewiesen - oder in laufenden Legislaturperioden auf das Mitziehen von Koalitionspartnern bzw. auf ausreichende Mehrheiten im Parlament. Was die Ausgabenkürzungen anlangt, sieht es ähnlich aus. Auch sie schaffen politische Konflikte, wenn auch an anderen Stellen, und auch hier geht es um die Angst vor dem Verlust an Wählerstimmen und Mehrheiten.

Was also liegt für die Regierungen näher, als sich eines anderen Mittels zu bedienen, das den Privatunternehmen so nicht zur Verfügung steht: der wachsenden Neuverschuldung, diesmal aber nicht nur zur Finanzierung von Zukunftsinvestitionen, sondern zum Teil auch zur Bedienung der Altschulden. Früher aufgenommene Kredite werden teilweise mit neu aufgenommenen Krediten zurückgezahlt - eine scheinbar elegante Lösung. Die Politik vermeidet auf diese Weise das Austragen der sonst unvermeidlichen Konflikte an der Einnahmen- bzw. Ausgabenfront. Nur: das Problem der Staatsverschuldung und ihrer Bedienung wird dadurch nicht gelöst, sondern in die Zukunft verlagert - und vergrößert. Und wenn in den folgenden Jahren der gewachsene Schuldenberg einen wachsenden Schuldendienst fordert, der nun noch weniger aus den laufenden Steuereinnahmen gedeckt werden kann, dann wird die Neuverschuldung eben noch weiter erhöht. Und so fort.

Keynesianismus: Geldschöpfung als Droge
Aber wer wird denn einem solchen Staat noch weiterhin Kredite geben? Wenn die versprochenen Zinsen hinreichend attraktiv sind, finden sich vielleicht genügend private Geldanleger, die entsprechende Staatsanleihen kaufen und auf diese Weise dem Staat ihr Geld leihweise zur Verfügung stellen.
Sie vertrauen darauf, daß der Staat zur Bedienung der Schulden - anders als Privatunternehmen - notfalls die Steuern erhöhen und/oder die Staatsausgaben senken kann. Und wenn sich nicht genügend private Geldanleger finden, bleibt immer noch die Zentralbank (von der bisher überhaupt noch nicht die Rede war). Sie braucht im Prinzip nur den Geldhahn aufzudrehen, zusätzliches Geld zu drucken und dieses Geld an den Staat fließen zu lassen, damit dieser zusätzliche Staatsausgaben tätigen oder alte Schulden bedienen kann. Vornehm ausgedruckt heißt das: »Der Staat hat sich bei der Zentralbank verschuldet«, oder: »Die Zentralbank hat im Zuge ihrer Offenmarktpolitik Staatspapiere angekauft«.

Rein technisch bestehen seit Abkoppelung des Geldes vom Gold keinerlei Schwierigkeiten oder Grenzen für eine solche Art von zusätzlicher Geldschöpfung, der kein entsprechendes Sozialprodukt gegenübersteht. Und die Zentralbanken der westlichen Industrieländer haben nach dem Zweiten Weltkrieg auch mehr oder weniger davon Gebrauch gemacht - mit der Folge schleichender Inflation in den 60er und 70er Jahren. Das war die Blütezeit des Keynesianismus, einer auf Keynes zurückgehenden Wirtschaftspolitik, die mit geldschöpfungsfinanzierten Defiziten im Staatshaushalt (deficit spending) die Konjunktur ankurbeln wollte - und es anfangs auch geschafft hat.

Nur: Über Risiken und Nebenwirkungen gab es damals keine Packungsbeilage, und auch keinen Arzt oder Apotheker, den man diesbezüglich hätte fragen können. Die Nebenwirkung des Keynesianismus, die schließlich immer mehr zum Hauptproblem wurde, war die schleichende Inflation. Das System war süchtig geworden nach Geldspritzen, die zur Überwindung oder Vermeidung wirtschaftlicher Depression von den Zentralbanken verabreicht wurden - und die anfänglich tatsächlich wie Wunder wirkten (z. B. in der Bundesrepublik bei der Überwindung der ersten Nachkriegsrezession 66/67). Allerdings, wie das bei Drogen so ist: Nach einer Weile läßt die Wirkung nach, und um erneut die gleiche Wirkung zu erzielen, muß die Dosis gesteigert werden; und dadurch werden die Nebenwirkungen immer bedrohlicher.

Die Entziehungskur der Monetaristen
Bezogen auf die immer schneller schleichende Inflation gab diese Entwicklung ab Mitte der 70er Jahre denjenigen Auftrieb, die dringend das Absetzen der Geldspritze, d.h. eine Antiinflationspolitik forderten: den Monetaristen. Sie schoben die ganze Schuld an der Inflation den Keynesianern zu, und in den Wirtschaftswissenschaften und später in der Wirtschaftspolitik entbrannte ein heftiger Streit zwischen Monetaristen und Keynesianern, wobei die Monetaristen mehr und mehr die Oberhand gewannen.
Ausgerüstet mit monetaristischer Munition führte Ronald Reagan 1980 seinen Wahlkampf um die amerikanische Präsidentschaft, forderte drastische Sparmaßnahmen und einen Abbau von Staatsverschuldung und Haushaltsdefizit und wurde zweimal zum Präsidenten der USA gewählt. Das Resultat seiner 8-jährigen Amtszeit bestand darin, daß im sozialen Bereich rigorose Kürzungen durchgezogen wurden, während der Rüstungshaushalt ins Gigantische gesteigert wurde - und damit insgesamt das Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung sich nicht verminderten, sondern im Gegenteil dramatisch anwuchsen. Darüber hinaus wechselten die USA ihre Rolle vom bis dahin größten Auslandsgläubiger zum größten Auslandsschuldner.

Droht eine erneute Inflation?
In Deutschland ist die Situation nicht so dramatisch, aber schwierig ist sie mittlerweile auch. Die Nachrichten über Defizite in den öffentlichen Haushalten von Bund, Ländern und Gemeinden und über wachsende Staatsverschuldung überschlagen sich in letzter Zeit geradezu, und die vor diesem Hintergrund eingeleiteten Sparmaßnahmen der öffentlichen Haushalte dürften erst der Anfang einer Entwicklung sein, die sich immer weiter zuspitzen wird. Bislang hat die Deutsche Bundesbank die geldpolitischen Zügel noch relativ straff gehalten und eine allzu inflationäre Geldschöpfung vermieden, sicherlich auch deshalb, weil die Inflationsangst aufgrund der historischen Erfahrungen in Deutschland besonders tief sitzt - und weil die Bundesbank als Konsequenz aus diesen Erfahrungen eine relative Autonomie gegenüber der Regierung bekommen hat, mehr als die Zentralbanken anderer Ländern. Aber ob diese stabilitätsorientierte Geldpolitik auf Dauer durchgehalten werden kann, ist äußerst fraglich. Schon jetzt sind - von der Öffentlichkeit fast unbemerkt - die Weichen gestellt worden, um im Bedarfsfall dem Staat neu geschöpftes Geld direkt zufließen zu lassen, was in der Bundesrepublik bisher nur indirekt möglich war. Denn die Bundesbank durfte nur solche Staatspapiere aufkaufen, die schon vorher vom Kapitalmarkt aufgenommen und insofern auf ein hinreichendes Vertrauen gestoßen waren. Inzwischen kann sich die Bundesbank aber mit dem Staat kurzschließen und in beliebiger Höhe neu ausgegebene Staatspapiere gegen neu gedrucktes Geld hereinnehmen.
Sollte gar die für 1999 geplante Europäische Währungsunion mit einer Europäischen Zentralbank Wirklichkeit werden (was ich bezweifle und worin ich - sollte sie doch realisiert werden - große Gefahren für Europa sehe), dann ist mit einer Stabilitätspolitik nach Art der Bundesbank sowieso nicht mehr zu rechnen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß die Euroäische Zentralbank ihren Sitz ebenfalls in Frankfurt/Main haben soll. Als hinge die Qualität der Geldpolitik vom geografischen Standort der Zentralbank ab!

Die Verdrängung der Zinsproblematik
Aber ganz gleich, wie die Handhabung der eskalierenden Staatsverschuldung und der krebsartig wuchernden Zinslasten der öffentlichen Haushalte in Zukunft erfolgen wird, über immer drastischere Sparmaßnahmen, Steuererhöhungen oder über weiter wachsende Neuverschuldung und inflationäre Geldschöpfung: die wesentliche zugrundeliegende Ursache wird weder auf die eine noch auf die andere Art thematisiert oder gar behoben, sondern verdrängt. Es ist die destruktive Dynamik des Zinssystems, von der - entgegen dem ersten Anschein - nur ein verschwindend kleiner Teil der Gesellschaft profitiert.
Dazu gehören nicht etwa die kleinen und mittleren Sparer und Geldanleger, die sich über ihre jährlichen Zinserträge freuen und dabei gar nicht merken, daß ihnen - über unsichtbare Zinsanteile in den Preisen, Mieten und Steuern - pro Jahr eine viel größere Summe an Zinslasten auferlegt und aus der Tasche gezogen wird. Offizielle Zahlen darüber gibt es bezeichnenderweise nicht, und deshalb ist man bislang auf Schätzungen angewiesen. Helmut Creutz schätzt den Anteil der Zinskosten, den die Unternehmen auf die Preise überwälzen und in die Preise einkalkulieren, auf durchschnittlich ungefähr 1/3 der Konsumgüterpreise. Um zu den Gewinnern des Zinssystems zu gehören, müßte man also jährlich Zinserträge beziehen, die 1/3 der eigenen jährlichen Konsumausgaben übersteigen. Und das sind in der Bundesrepublik nur ganze 10 % der Einkommensbezieher. Bei weiteren 10% halten sich Zinserträge und unsichtbare Zinslasten in etwa die Waage, und 80% der Einkommensbezieher zahlen drauf, tagtäglich, unsichtbar, unbewußt - und tragen auf diese Weise mit dazu bei, daß sich die Geldvermögen in den Händen dieser 10% immer weiter vergrößern - während Teile der Wirtschaft, der privaten Haushalte und der Staat von der gleichermaßen wachsenden Schuldenlast immer mehr erdrückt werden. Der Vergleich mit einem wachsenden Tumor drängt sich immer mehr auf.

Und irgendwann bleibt nur noch der Schnitt: Einschnitte ins soziale Netz oder - als Endstation einer galoppierenden Inflation - der Währungsschnitt, die Währungsreform. Oder der Staat erklärt offen seine Zahlungsunfähigkeit, aber nicht nur - wie in jüngerer Zeit mit drastischen Sparmaßnahmen - gegenüber den sozial Schwachen, sondern auch gegenüber denjenigen, von denen er sich das Geld für seine Staatsschulden geliehen hat: indem er die Schulden nicht mehr bedient und für sich einen teilweisen oder vollständigen Schuldenerlaß verkündet.

Das Besondere um Staatsbankrott
Wie war es doch gleich bei Privatunternehmen, wenn sie zahlungsunfähig werden? Die Gläubiger treiben das Unternehmen in den Konkurs und holen sich aus der Konkursmasse ihren Anteil, allen voran die Kreditgeber mit ihren dinglichen Sicherungen. Und beim Staatsbankrott? Die Gläubiger, d.h. die Inhaber von Staatspapieren, müßten gegenüber dem Staat das Konkursverfahren einleiten. Aber wo ist in diesem Fall die Konkursmasse, wo sind die dinglichen Sicherungen? Sollten etwa der Staat oder Teile seines Vermögens zwangsversteigert werden, und sollte der Staat dann ein für allemal von der Bildfläche verschwinden - wie ein Privatunternehmen im Falle des Konkurses? Nein! Es gibt in diesem Sinn kein öffentliches Konkursrecht, und es gibt keine dinglichen Sicherungen für Staatsanleihen, außer das Vertrauen auf die hoheitliche Gewalt des Staates und darauf, daß er das Geld für die Bedienung der Schulden schon irgenwie eintreiben wird.
Und selbst wenn der Staat bankrott macht: Er wird als Staat nicht verschwinden, sondern nach dem Bankrott wie Phönix aus der Asche steigen - mit einer neuen Regierung, vielleicht sogar mit einer neuen Staatsform und Verfassung, vielleicht auch als mehrere neue Staatengebilde, in die der alte Staat zerfallen ist; aber in seiner Funktion als Staat bleibt er erhalten. Und von allen Schulden (wenn auch nicht von aller Schuld) befreit, kann er das makabre Staatstheater mit dem Finale »Staatsbankrott« von neuem beginnen - mit einer Spieldauer von einigen Jahrzehnten. Die ökonomischen und sozialen Spannungen, die sich im Gefolge dieses Prozesses immer weiter erhöhen, tendieren dahin, sich nach außen und/oder innen gewaltsam zu entladen. Optimale Allokation der Ressourcen? Nein - Destruktion! Die dazu notwendigen Objekte des Hasses sind bisher noch immer gefunden worden, und die dazu notwendigen Rechtfertigungen auch. Das Zinssystem schafft Pulverfässer, weltweit, und der Zinssatz wirkt wie ein sozialer Sprengsatz. Aber kaum einer schaut hin. Obwohl die Sprengsätze tagtäglich mitten unter uns, direkt vor unseren Augen, gelegt werden wie bei »Biedermann und die Brandstifter«.

Die Befreiung des Geldes vom Zins
Der Zusammenhang zwischen Zinssystem und Krise der öffentlichen Haushalte (sowie weiteren Krisensymptomen) wird bis heute in der Wirtschaftswissenschaft, in der Politik oder in der Öffentlichkeit kaum diskutiert. Und dies, obwohl die Grundlagen für diese Einsicht schon vor rund 100 Jahren gelegt wurden - von Silvio Gesell, dem Begründer der sogenannten Freiwirtschaftslehre. Ein wesentlicher Gedanke dieser Schule liegt in der Forderung nach Überwindung des Zinssystems - durch eine Befreiung des Geldes vom Zins. Aber nicht einfach durch Zinsverbot; denn das würde nur dazu führen, daß das nicht für Konsum verwendete, überschüssige Geld nicht mehr dem Kapitalmarkt zufließt, sondern stattdessen gehortet und dadurch dem Wirtschaftskreislauf entzogen wird mit der Folge gesamtwirtschaftlicher Kreislaufstörungen und eines entsprechenden Kollapses der Wirtschaft.
Vielmehr sollte das Geld auf andere Weise als mit dem destruktiven Zins in Umlauf gehalten werden: durch eine sogenannte konstruktive Umlaufsicherung des Geldes, durch eine Art Parkgebühr für gehortetes Geld. Diese Liquiditätsgebühr sollte etwas höher sein als die Liquiditätsvorteile des Hortens (die sich z. B. aus Spekulationsmöglichkeiten ergeben). je länger das Geld durch Horten dem Kreislauf entzogen und dadurch seiner öffentlichen Funktion als Tauschmittel beraubt wird, umso höher sollte die Gebühr werden. Unter solchen Bedingungen würde das überschüssige Geld nicht erst dann zum Kapitalmarkt weiterfließen, wenn es einen hinreichenden Zins bekommt, sondern allein schon deshalb, um der "Umlaufsicherungsgebühr" zu entgehen. Als Folge dieses wachsenden Geldangebots am Kapitalmarkt würde der Zins ganz von selbst immer weiter absinken - und mit ihm die vielfältigen destruktiven Tendenzen, die er langfristig hervortreibt.

Angesichts der eskalierenden Staatsverschuldung, aber auch anderer Krisensymptome, die durch das Zinssystem hervorgetrieben bzw. verstärkt werden und sich derzeit in atemberaubendem Tempo immer weiter zuspitzen, scheint es mir dringend geboten, am bislang so wohl gehüteten Zins-Tabu zu rütteln und die Problematik des Zinssystems verstärkt in die öffentliche Diskussion zu rücken. Auch wenn die Grundlagen dafür schon vor 100 Jghren gelegt wurden, sind die entsprechenden Gedanken nicht veraltet, sondern werden im Gegenteil von Tag zu Tag aktueller. Es ist an der Zeit, sie wieder aufzugreifen und bezogen auf die heutigen Verhältnisse weiterzuentwickeln.



Artikel aus: Ästetik & Kommunikation; Heft 93; Jahrgang 25; Oktober 1996; Verlag Elefanten Press Berlin; ISSN 0341-7212; Seite 19 bis 28; Hefttitel: Staatsbankrott

Weitere Information: Bernd Senf: "Der Nebel um das Geld"
Zinsproblematik, Währungssysteme, Wirtschaftskrisen - Ein Aufklärungsbuch, Gauke-Verlag, Lütjenburg 1996
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31.05.03 13:39:54
Beitrag Nr. 52 ()
LaRouche warnt vor "geplantem Finanznotstand"
(EIR, Financial Times, New York Times)


Die Art und Weise, wie höchste Vertreter der Bush Administration derzeit den abrupten Sturz des Dollar öffentlich und gezielt beschleunigen sowie die immer lauter werdenden Warnungen anglo-amerikanischer Kreise vor einer Deflation der Weltwirtschaft stützen die Befürchtungen des amerikanischen Oppositionspolitikers und demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Lyndon LaRouche, daß die internationale Finanzoligarchie - ähnlich wie in den 30er Jahren - bewußt kurzfristig ein völliges Chaos auf den Weltfinanzmärkten anrichten will, um den in Panik geratenen Europäern und Asiaten dann - anstelle des von LaRouche vorgeschlagenen "neuen Bretton Woods" - eine Finanzdiktatur aufzuzwingen. Dafür spricht einmal die Tatsache, daß der weitere Sturz des Dollar (z.B. auf 1,40 oder 1,50 zum Euro) den völligen Kollaps des gesamten Finanzsystems mit sich bringt, aber auch, daß inzwischen selbst einige angelsächsische Kreise öffentlich die Vermutung äußern, hinter dem finanzpolitischen Wahnsinn in Washington könne Methode stecken. Es hat den Anschein, daß sich bei amerikanischen und britischen Liberalen plötzlich mit Grauen die Erkenntnis durchsetzt, daß sich das Weiße Haus in der Hand von Extremisten befindet, die zur Durchsetzung ihrer utopischen Zielsetzungen weder vor dem Zusammenbruch der internationalen politischen Ordnung noch vor dem Untergang des Weltfinanzsystems zurückschrecken.

So verfaßte die Londoner Financial Times am 23. Mai einen höchst ungewöhnlichen Leitkommentar mit dem Titel "Steuer-Wahnsinn". Bei der amerikanischen Fiskalpolitik ginge kein Weg an der Feststellung vorbei, "daß die Verrückten nun die Leitung des Irrenhauses übernommen haben." Die US-Administration habe mit dem Steuersenkungspaket "die Vernunft aus dem Fenster geworfen." Die stimulierende Wirkung für die Wirtschaft sei "vernachlässigbar". Aber zugleich werde zukünftigen Generationen eine schwere Bürde aufgelastet. Die Maskerade des Gesamtumfangs des Pakets mithilfe zeitlicher Begrenzungen, an die man sich vermutlich nicht halten wird, sei "eine Beleidigung für die Intelligenz der US-Bevölkerung." Aber vielleicht steckt ja etwas ganz anderes hinter alledem. "Sehr extreme Republikaner", so die Financial Times weiter, hätten ja schon des öfteren betont, große Staatsdefizite seien durchaus in ihrem Interesse: "Vorschläge zur Kürzung von Regierungsausgaben, besonders von Sozialprogrammen, sind bei Wahlen eine heikle Angelegenheit. Aber eine Fiskalkrise bietet die verlockende Gelegenheit, diese Kürzungen durch die Hintertür durchzusetzen." Für diese Kreise, so die Financial Times, "ist es nicht genug, die multilaterale internationale Ordnung zu untergraben. Langgehegte Ansichten über die Einkommensverteilung bedürfen ebenfalls einer radikalen Revision. Zur Beantwortung dieses Anschlags gibt es wenig, was die vernünftige Mehrheit tun könnte: Vernunft bricht kein Eis; ökonomische Theorie wird abgelehnt; und widerstreitende Fakten werden ignoriert." Es sei erscheckend, mitanzusehen, wie die wirtschaftliche Supermacht ihre noch vor kurzem allseits beneidete fiskalische Position - noch vor wenigen Jahren rechnete man ja mit gewaltigen Überschüssen im Regierungshaushalt - der Zerstörung preisgibt.

Am 27. Mai verfaßte der bekannte US-Ökonom Paul Krugman einen Kommentar in der New York Times, in dem er sich direkt auf die ungeheuerlichen Behauptungen der Financial Times bezog: "Es ist kein Geheimnis, daß rechte Ideologen Programme abschaffen wollen, die Amerikaner für selbstverständlich halten. Aber wer noch vor kurzer Zeit die Vermutung geäußert hätte, die Politik der Bush-Administration werde von diesen Ideologen gesteuert - daß die Administration bewußt das Land in eine fiskale Krise stürze, um dann die populären Sozialprogramme zusammenzustreichen - der wäre der Verbreitung von Verschwörungstheorien bezichtigt worden." Doch inzwischen habe sich die Lage verändert, so Krugman weiter. "Das Offensichtliche auszusprechen ist jetzt, endlich, hoffähig geworden", nachdem die Financial Times exakt diesen Punkt gemacht hat. Indem sie eine weitere riesige Steuersenkung trotz des rekordhohen Haushaltsdefizits durchsetzte, "machte die Administration klar, daß sie entweder vollständig verantwortungslos ist, oder daß sie tatsächlich eine Fiskalkrise herbeisehnt. (Oder vielleicht beides.)" Die Financial Times behauptet, die Bush-Administration handele "vorsätzlich (und ich stimme zu)," erklärt Krugman ausdrücklich.

Doch wie ist das möglich, fragt Krugman? "Die meisten Leute, selbst die meisten Liberalen, sind selbstgefällig. Sie verstehen nicht, wie schlimm die fiskalische Entwicklung wirklich ist, und sie lesen nicht, was die Ideologen schreiben. Sie stellen sich vor, die Bush-Administration wolle, wie die Reagan-Administration, unser System lediglich an den Rändern modifizieren, daß sie nicht das über 70 Jahre aufgebaute soziale Netz zerstören will. Aber die Leute, die jetzt Amerika beherrschen, sind keine Konservativen: es sind Radikale, die das heutige soziale und wirtschaftliche System abschaffen wollen. Und die fiskalische Krise, die sie ansteuern, würde ihnen dazu den benötigten Vorwand liefern. Es scheint, die Financial Times hat nun erkannt, was gespielt wird, aber wann wird die Öffentlichkeit aufwachen?"

Wie EIR betont, steht der fiskalische Notstand tatsächlich kurz bevor. Selbst die US-Regierung schätzt das diesjährige Haushaltsdefizit auf 300 Mrd. Dollar. Allerdings ist diese Zahl stark "geschönt", da u.a. auch die kurzfristigen Überschüsse bei den Sozialversicherungen in Höhe von rund 150 Mrd. Dollar eingerechnet wurden, die man in wenigen Jahren dringend benötigen wird, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen. Wenn man außerdem noch die Folgen des Steuersenkungspaket für das laufende Jahr berücksichtigt, dürfte das tatsächliche Defizit bei mindestens 500 Mrd. Dollar liegen. Zwar hat der US-Kongreß am 23. Mai nach monatelangem Tauziehen - andernfalls hätte in wenigen Wochen der formelle Staatsbankrott erklärt werden müssen - die Obergrenze für die Regierungsverschuldung von 6,4 Billionen Dollar auf knapp 7,4 Billionen Dollar hochgeschraubt. Aber bei dem jetzigen Tempo des öffentlichen Schuldenwachstums dürfte auch diese Grenze in weniger als zwei Jahren überschritten sein.

Was soll dann erst passieren, wenn in Kürze auch die Sozialversicherungen keine Überschüsse mehr machen? In diesem Zusammenhang enthüllte wiederum die Londoner Financial Times am 29. Mai ein peinliches Detail. Der Ende des letzten Jahres gefeuerte US-Finanzminister Paul O`Neill hatte nämlich eine Studie in Auftrag gegeben, der die demographischen Auswirkungen auf den Regierungshaushalt einmal genau untersuchen sollte. Die Studie, verfaßt vom damaligen Topbeamten des Finanzministeriums Kent Smetters sowie dem Berater des Finanzministers Jagdessh Gokhale, liegt inzwischen vor und sollte eigentlich in den im Februar veröffentlichten Jahresbericht zum Haushalt 2004 erscheinen. Nun kam die Studie aber zu katastrophalen Schlußfolgerungen: Aufgrund der in wenigen Jahren dramatisch ansteigenden Kosten für Gesundheitsversorgung und Renten der "Baby-Boomer"-Generation werde die US-Regierung dauerhaft riesige Haushaltsdefizits einfahren. Das Gesamtvolumen werde sich, abgezinst und in heutigen US-Dollars berechnet, auf 44,2 Billionen Dollar belaufen, und damit zehnmal so viel wie die gesamte heutige Staatsverschuldung der USA, oder 400% des amerikanischen Sozialprodukts. Um die Löcher zu stopfen, so die Autoren, sei eine sofortige und permanente Anhebung sämtlicher Steuern um 66% erforderlich.

Langzeitschätzungen dieser Art enthalten stets eine große Portion Willkür, insbesondere über die Wirtschaftsentwicklung der nächsten Jahrzehnte. Da Smitters ein erklärter Gegner staatlicher Sozialversicherungssysteme ist, kann man getrost davon ausgehen, daß die Studie eine gezielte Panikmache bei den Sozialausgaben betreibt. Es wäre allerdings ungeschickt gewesen, diese Botschaft gleichzeitig mit dem Werbefeldzug des Präsidenten für das Steuersenkungsprogramm zu verkünden. Folglich verschwand die Studie zunächst einmal "in der Schublade", wie sich die Financial Times ausdrückte. Erst am 26. April wurde sie veröffentlicht und zwar vom American Enterprise Institute, einer Brutstätte für die radikalen wirtschaftlichen Ideologien der "extremen Republikaner". Diese Kreise fordern freilich ganz offen einen anderen Ausweg als Steuererhöhungen: die Abschaffung von staatlicher Gesundheitsversorgung und Renten. Die Arbeitsteilung wird deutlich: Die Regierung sorgt für den fiskalischen Notstand. Und die radikalen Denkfabriken bereiten schon einmal den Weg für ihre Art von "Krisenbewältigung".
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07.06.03 16:16:37
Beitrag Nr. 53 ()
Die Fehler der Freigeldtheorie – Teil 2: Soziales

Im ersten Thread des Themas habe ich versucht, mich vor allem auf systematische und logische Fehler aus volkswirtschaftlicher Sicht zu beziehen. Es gibt aber noch andere Probleme der Freiwirtschaft.

Was sind eigentlich die Auswirkungen der Freiwirtschaft auf den einzelnen? Da fallen mir als Beispiel die Versicherungen ein. Sie zählen zu den größten Kapitalverwaltern, vielleicht zu den größten überhaupt, des Landes. Die von ihnen verwalteten Guthaben in den Kapitallebensversicherungen sind in der Hauptsache in Rentenwerten angelegt, wie Staats- und Unternehmensanleihen. Vielen Menschen sichern diese Anlagen eigentlich erst ein Auskommen in der Rente – und die Bedeutung (etwa zusammen mit der Riesterrente, Betriebspensionen usw.) wird noch weiter steigen. Nun hören wir, daß die Versicherer in Probleme geraten und die Garantieverzinsung senken müssen. Liegt das vielleicht daran, daß viele Versicherer zum falschen Zeitpunkt den Aktienanteil hochgefahren hat? Das gilt eher für einen Teil der Branche. Oftmals gravierender (und das führt ja auch formal zur Senkung der Garantierendite) ist das Sinken des Zinsniveaus, das z.B. für inflationsbereinigte Staatspapiere in Frankreich auf 2% gesunken ist. Man muß sich dabei mal vor Augen halten, daß selbst in den Vorstellungen der Freigeldtheorie dies ein in bestimmten Bereichen geduldeter Zins wäre, in jedem Fall aber ein sehr niedriger Zins. Es ist einleuchtend, daß hier die Perspektiven für die Altersversorgung vieler Menschen düster werden. Von den angeblichen positiven Auswirkungen der niedrigen oder fehlenden Zinsen kann hier keine Rede sein.

Nirgendwo besser als hier wird klar, welche Rolle Zinsen spielen können: der augenblickliche Konsumverzicht führt zur Schaffung von Kapital, das Investitionen zur Verfügung gestellt werden kann, die die Wirtschaftsleistung steigern, damit den Konsumverzichtern später dafür eine auskömmliche Altersversorgung zur Verfügung steht. Formal ist es der Gewinn aus Zinsen, in der Realität aber werden hier die Produktivitätsgewinne aufgebaut, die die späteren Rentner ausnutzen. Und nirgendwo besser als hier sieht man auch die Gefahren eines fehlenden Zinses: ohne den Zinseszinseffekt wird entweder der erforderliche Konsumverzicht, um sich die Altersvorsorge aufzubauen, so groß, daß die Wirtschaftsleistung nur gedrosselt aufgebaut wird und auch später den Rentnern nur in bescheidenerem Maße dienen kann. Oder der Konsum ist erheblich höher, wie lder Anreiz zur Vorsorge ganz fehlt und man lieber darauf vertraut, daß eine funktionierende Gesellschaft ihre Alten schon nicht verhungern lassen wird.

Gegen diese Ansichten könnte man zwei Einwände formulieren:

Einwand 1: man könnte ja auch die Rentner im Umlageverfahren versorgen.

Allerdings: Bei demographischen Veränderungen, wie sie jetzt in vielen Ländern anstehen, funktioniert das aber gar nicht.

Einwand 2: den Rentnern, die Kapital angesammelt haben, hilft es auch nichts, wenn es nicht genug junge Menschen gibt, um sie zu versorgen. Wenn keine entsprechende Wirtschaftsleistung vorhanden ist, ist auch das angesammelte Kapital nicht mehr viel wert, Zinszinseffekt hin oder her.

Der Einwand wäre dann berechtigt, wenn es keine Produktivitätssteigerungen gäbe. Tatsächlich ist aber die benötigte Arbeiterstundenzahl, um einen Rentner zu versorgen, stetig zurückgegangen. In den letzten 100 Jahren um fast einen Faktor 4, und für die nächsten Jahrzehnte erwarten manche Wirtschaftswissenschaftler mindestens einen Faktor 2. Dieser Produktivitätszuwachs erfordert eine stetig steigende Aufwendung von Kapital, ein ständiges Ersetzen von Arbeit durch Maschinen, also ziemlich genau das Gegenteil von dem, was Sozialpolitiker und auch die Freiwirtschaftler propagieren. Die gegenwärtigen Probleme am Arbeitsmarkt kommen aber keineswegs durch Produktivitätsfortschritte, sondern vor allem dadurch, daß das Wirtschaftswachstum hinter dem Produktivitätsfortschritt zurückbleibt. Menschen ohne Berufsausbildung und ohne eigenen Antrieb lassen sich nämlich immer weniger in eine hochproduktive Wirtschaft eingliedern und strukturelle Probleme, wie Überbürokratisierung, verhindern, daß aus Ideen Produktion wird.

Es gilt in der Wirtschaft mit gelösten strukturellen Problemen:

Zins -> Kapitalbildung aus Konsumverzicht -> Investitionen -> mehr Produktivität -> Mehrwert zur Abdeckung des gebildeten Kapitals -> Erfüllen sozialer Ziele
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07.06.03 16:23:58
Beitrag Nr. 54 ()
Worum geht es in der Freiwirtschaft?

Es wird festgestellt, daß es ein Problem sei, daß für geliehenes Geld Zinsen genommen werden (analoges gilt bei der Rente für Boden). Es wird behauptet, daß dies zu wachsender Vermögensumverteilung führe und dabei angenommen, daß dies etwas schlechtes sei. Es wird nämlich zum einen vermutet, daß Geld dem Geldkreislauf entzogen und gehortet werden könne. Dadurch soll dann Geld für Investitionen fehlen – mit den Gesamtzinszahlungen steige die Arbeitslosigkeit und die ärmeren Menschen (wohl relativ zu den Reichen) hätten immer weniger Geld. Sie behaupten zugleich, daß das ständige Wirtschaftswachstum irgendwann zum erliegen kommen müsse, da ja nichts unbegrenzt exponentiell steigen könne, daß aber die Zinsen dieses exponentielle Wachstum aufgrund der Zinseszinsrechnung irgendwie nötig machten. Irgendwann könnte die stagnierende Volkswirtschaft die wachsende Zinslast nicht mehr tragen und würde dann in irgendeiner Weise katastrophal enden – in der Tat passierte dies immer wieder, weshalb es immer wieder Krisen und Kriege gebe.

Dies wolle man mit Freigeld verhindern. Dabei solle der Wachstumszwang beseitigt werden, indem man das umlaufende Geld mit einer verordneten Entwertung belege, die die Hortung verhindere. Auch Guthaben sollten keine Zinsen bringen, um die Vermögensumverteilung zu verhindern. Insgesamt sollen die Zinsen (ganz verschwunden sind sie nicht) so gestaffelt werden, daß niemand allein durch Geldbesitz reicher werden könnte, aber es attraktiv sei, in Unternehmen zu investieren. Dadurch sei billiges Geld für Investitionen vorhanden, die Wirtschaft würde gut laufen, alle würden reicher.

Warum dieses Szenario die Wirtschaftswissenschaftler in den vergangenen 70 Jahren nicht überzeugen konnte, können die Freiwirtschaftler nicht recht erklären. Betriebsblindheit der Experten, wird gesagt. Die Wissenschaftler seien gekauft oder ideologisch verblendet. Oder: sie hätten nur nie davon gehört, wären aber sofort überzeugt, wenn sie vorurteilsfrei darüber nachdächten. Irgendwie sind diese Wirtschaftswissenschaftler inkompetente Tröpfe, während diese Freigeldverfechter alle helle, vorurteilsfreie Köpfe sind. Jedenfalls erwecken ihre Schriften diesen Eindruck.
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11.06.03 20:28:56
Beitrag Nr. 55 ()
Lunch with the FT: Milton Friedman By Simon London
FT.com site; Jun 06, 2003
Quelle: http://search.ft.com/search/article.html?id=030606003906&que…

Hold on to your hats and prepare to be amazed: Milton Friedman has changed his mind.

"The use of quantity of money as a target has not been a success," concedes the grand old man of conservative economics. "I`m not sure I would as of today push it as hard as I once did." Granted, this is hardly a conversion of Damascene significance. But, heck, it`s a start. It also shows that, at the age of 91, Friedman still has his critical faculties intact. The man once described as "the most consequential public intellectual of the post-war era" is still engaged - and engaging.

We are at the North Beach Restaurant in San Francisco. While he will be forever linked with the "Chicago school" of economics, Friedman and Rose, his wife and sometime co-author, moved to the area in the late 1970s when he retired from teaching.

The restaurant is only a couple of blocks from Friedman`s home and, it transpires, is a regular haunt. He receives a voluble welcome.

Those under the age of 40 are probably unaware how consequential Milton Friedman has been. His mild recantation on monetary targeting would have caused a sensation - and perhaps saved a lot of grief - had it been uttered 20 years ago. In the early 1980s, both the US and the UK set interest rates according to Friedman-style targets for money-supply growth. The common aim was to bring down inflation without the pain of recession.

The common outcome, however, was partial success. Inflation fell, but at enormous cost in terms of unemployment.

The fact that central banks the world over have given up trying to "fine-tune" economies to an imaginary perfect pitch is a measure of his wider influence. Money-supply targets may have been replaced by inflation targets - but the Friedman influence remains strong.

If this was not enough for one lifetime, Milton Friedman the polemicist has been at least as influential as Milton Friedman the economist. His championing of small government, low taxes and market forces helped set the terms of public policy debate through the 1980s and beyond.

It comes as no surprise to find he has strong views about the menu, too. On Friedman`s recommendation, I order sand dabs, a flatfish said to be something of a house speciality. The professor opts for eggplant and we agree on two green salads to start, with iced water all round.

Free To Choose, the "personal statement" published with Rose in 1979, closed with the observation that the intellectual climate was shifting away from collectivism in favour of free market ideology. What has happened in the 20 years since, I wonder? "The fall of the Berlin Wall, which occurred 10 years after Free to Choose was completed, means that support for socialist, collectivist forms of social organisation has all but disappeared...

"On the other hand, anti-collectivism has not meant anti-big government. In terms of the attitude towards big government, it is very hard to say that there has been any improvement. There may have been backsliding." I point out that government spending fell as a proportion of national income during the 1990s, reversing a long upward trend. Surely this was a sign of big government in retreat? More a sign of political gridlock in Washington, he responds, with President Clinton`s Democrat White House pitched against a Republican-controlled Congress.

He adds, with an air of disappointment, that spending under George W Bush is back on an upward trend. "The second President Bush appears to have inherited the free-spending tendencies of the first," he says dismissively. What, then, of the tax cuts that the president recently signed into law? "His insistence on tax cuts is good," he concedes. "That is the only real way of bringing pressure on Congress to hold down spending. In my view, the size of government is determined much more by how much they can raise in taxes than by any ideological theory." The entrees arrive very, very hot.

"To go back to your original question, the tide of public opinion has continued to go against government. People are as suspicious as ever of government - big or small. Unfortunately, the slowness with which public opinion affects policy has not changed."

His favourite example of the mismatch between public opinion and public policy is school vouchers. Such a scheme, he says, would unleash market forces in the education sector by giving parents the right to choose which school their child attends. Funding would be granted in the first instance to the child, not the school. Schools would then have to compete for business by raising standards or pleasing parents in other ways.

"There is no doubt about public opinion," he says, tucking in to his eggplant. "Everyone knows that the public school system is lousy. The solutions proposed are all ineffective with one exception: a greater degree of parental choice - more competition. The majority of the American public is in favour of child-centred financing. But the teachers unions exercise such strong political control that it is very, very difficult to make any progress."

Listening to him it is easy to understand why his formula appealed to political leaders - think Margaret Thatcher and Ronald Reagan - who craved black-and-white answers to complex questions. As well as turning out academic papers and polemics, Friedman in his prime was also a prolific producer of newspaper articles. One of his most influential appeared in The New York

Times Magazine circa 1970, arguing that business should keep its nose out of social affairs and concentrate on maximising returns to shareholders.

"The only responsibility of companies is to make a profit," he wrote - providing thousands of future MBA students with an easy starting point for essays on the topic of corporate purpose.

This is one area, I suggest, in which the tide of opinion has surely turned against him. Recent scandals involving Enron, WorldCom and others have added to the interest in "business ethics" started in the late 1990s amid growing concern about environmental degradation and globalisation.

Nonetheless, Friedman`s passion for shareholder primacy remains undiminished. The fashionable idea that companies should balance the needs of shareholders, employees, customers, communities and other "stakeholders" strikes him as wrong-headed.

"The stakeholder notion is a very dangerous notion. It is a socialist notion. It says that employees are major stakeholders. It is really a movement towards employee-run enterprises." But what about the claim that human capital is as important to businesses as financial capital? Surely employees - the providers of human capital - should have some say in the way businesses are run?

His answer is twofold. First, human capital is not new. The share of wages and earnings in national income has been remarkably stable through the decades. Second, the best system of corporate governance is one that provides the best incentives to use capital efficiently. The self-interest of employees in retaining their jobs will often conflict with this overriding objective. Besides, shareholders enjoy none of the contractual protection enjoyed by employees. Thus, they bear the residual risk when a company fails.

"You want control... in the hands of those who are the residual recipients because they are the ones with the direct interest in using the capital of the firm efficiently. How do you like the sand dabs?" Sand dabs, it turns outs, are a favourite in the Friedman household. Rose`s sand dabs are unmatched even by the North Beach Restaurant.

I ask whether he has changed his famously sceptical views about European monetary union. After all, the euro has been around for a couple of years and is, as we speak, kicking sand in the face of a weak dollar. Surely this suggests that the European single currency could be a long-term success.

"I`ve been wrong so far, so I don`t have too much confidence in my view. But I think within the next 10 to 15 years the eurozone will split apart. The British government, on balance, should stay out of it." I remark that Friedman the economist seems less sure of himself these days than his polemicist alter ego.

After a long pause, he agrees: "You form a philosophy at a certain stage and for the rest of your life it dominates. On the big issues of policy I don`t think there is anything I`ve changed my mind about."

Simon London is the FT`s US management writer, based in San Francisco



Dazu Yokome, Systemfehlerforum:


>"The use of quantity of money as a target has not been a success,"

Ich hoffe, du röchelst noch ein bisschen und kriegst meine kleine Leichenrede mit.
Ist es nicht schön, dass ein Mainstream-Ökonom im hohen Alter von 91 zu einer Erkenntnis kommt, die ihm ein gewisser Silvio Gesell schon vor hundert Jahren hätte vermitteln können? Die Geldmengensteuerung ist im gegenwärtigen Geldsystem kein Erfolg, alle Achtung, was für eine Erkenntnis! Das bedeutet nichts weniger, als dass die Quantitätsgleichung im bestehenden Geldsystem nichts taugt. Und weshalb nicht? Am besten gleich bei Silvio Gesell nachschlagen. Weil es für einen Parameter in der Quantitätsgleichung keinen zuverlässig ermittelbaren Wert gibt und das ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Deshalb ist die Quantitätsgleichung bei konventionellen Ökonomen umstritten. Die einen lehnen sie prinzipiell ab, weil GIGO=garbage in, garbage out, die anderen mogeln sich so durch mit Hunderttausend Ausreden und Wenns und Abers.
Nun, wenn ein Mainstream-Ökonom heute im hohen Alter erkennt: "The use of quantity of money as a target has not been a success", sollte man ihm wirklich gratulieren. Aber seine Erkenntnis gilt halt nur für das bestehende System. Und einmal das Buch jenes unbedeutenden Kaufmanns namens Silvio Gesell, der noch nicht mal eine wirtschaftswissenschaftliche Grundausbildung hatte (igitt!) in die zarten Fingerchen zu nehmen, dafür war sich der Herr Nobelpreisträger zu fein.
Trotzdem herzlichen Glückwunsch zur späten Erkenntnis.

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15.06.03 13:09:10
Beitrag Nr. 56 ()
"Wirtschaftsweiser" Bert Rürup anerkennt die Denk- und Rechenfehler des Kapitalismus. :look:
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"Kapitalismus ist das hässliche Gesicht einer Marktwirtschaft, die das
Interesse einzelner über das der Gesellschaft stellt. Er ist ein Krieg der
Starken gegen die Schwachen, des Geldes gegen die Leistung und der gesamten
Ökonomie gegen die natürlichen Grundlagen des Lebens."
Eine fast prophetische Aussage, bereits zwei Jahre vor den Ereignissen des
11. September 2001.
Bemerkenswert an dem Buch von Gero Jenner ist die Behandlung des
fehlerhaften Geld- und Zinssystems und die Erklärung der Zins-/Wachstumsfalle als
entscheidende Krisenherde des Wirtschaftssystems.
:rolleyes: Um diese Krisenherde wird immer
ein großer Bogen gemacht, was eine Sanierung des Wirtschaftssystems unmöglich
macht. Und Jenner räumt auch mit geheiligten Kühen der Marktwirtschaft auf.
So z. B., dass der entfesselte Markt und die sogenannte unsichtbare Hand zum
Gleichgewicht führen, während in Wirklichkeit ein unkontrollierter Markt immer
starkes Ungleichgewicht hervorbringt. Ferner räumt er mit dem Mythos auf,
dass der Weg von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft unser Weg in
die Zukunft ist, während es in Wirklichkeit ein Irrweg des Westens ist.
Was hat nun Bert Rürup mit dem Buch von Gero Jenner zu tun? Prof. Rürup,
seines Zeichens "Wirtschaftsweiser" und Vorsitzender der Reformkommission für
Renten und Gesundheit, ist der fachliche Berater des Jenner-Buches gewesen. Und
über das Vorgängerbuch über Globalisierung von Jenner ("Die arbeitslose
Gesellschaft" schreibt Rürup: "Das Intelligenteste zum Komplex der
Globalisierung seit Robert B. Reichs Die neue Weltwirtschaft ".
Bert Rürup kennt also die Thesen von Jenner, lobt seine Bücher über den
grünen Klee, aber weigert sich aus den Thesen von Jenner die entsprechenden
Konsequenzen zu ziehen. Alle seine Vorschläge als "Wirtschaftsweiser" und
Kommissionspräsident bauen weiterhin auf den Irrtümern des Systems auf und können
daher die Lösung der Probleme nicht bewerkstelligen. Man dreht sich im Kreise
seit etwa zwanzig Jahren, weil man sich nicht eingestehen will, dass das System
bisheriger Prägung grandios gescheitert ist und nicht reparierbar ist.
Innerstaatlich führt das zu immer mehr Repression, Abbau von Freiheitsrechten und
Wohlstandsverlusten und zwischenstaatlich zu Terror, Gegenterror, Krieg und
zur Zerstörung unserer natürlichen Grundlagen und Grundwerte.

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http://www.kapitalismusfehler.de
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15.06.03 13:18:11
Beitrag Nr. 57 ()
Denk- und Rechenfehler des Kapitalismus
Rat- und Hilflosigkeit allerorten. Warum funktioniert der Kapitalismus nicht?

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Systemfehler unserer Wirtschaft sollen mit Sozialabbau beseitigt werden. Aber nur anders herum wird ein Schuh daraus. Sozialabbau kann vermieden werden, wenn die Systemfehler des Kapitalismus beseitigt werden. Und zusätzlich erhalten wir eine funktionierende Wirtschaft. Nach Auffassung vieler "Chefmodernisierer" gehört jetzt alles auf den Prüfstand.

Dann machen wir das doch. Aber nicht nach dem Muster: Das gemeine Volk hat über seine Verhältnisse gelebt, das gemeine Volk muss nun den Gürtel enger schnallen (mit Ausnahme der meist mit öffentlichen Geldern gut ausgestatteten "Eliten" ).
Verträge und Leistungsversprechen müssen gebrochen werden (Haushaltssicherungsgesetz) nach Vorstellungen der Opposition. Dann machen wir das doch. Am besten fangen wir bei den Systemfehlern an.
Da ist zunächst das Schneeballsystem der wertlosen Staatsschulden. Fangen wir hier gleich mit Vertragsbruch an und beseitigen das System durch Zerstörung, das heißt mit dem Ausbuchen der wertlosen Schulden und der ihnen gegenüber stehenden Pseudogeldvermögen.
Alles muss auf den Prüfstand. Dann machen wir am besten gleich mit dem Zinssystem weiter. Die Belastung durch die Zinsausgaben sind fast doppelt so hoch wie die Rentenleistungen. Das (und nicht die Rentenleistungen) können wir uns nicht mehr leisten. Außerdem ist das Zinssystem das System mit dem größten ungerechten Umverteilungsfaktor. Über 80% der Bevölkerung sind die Verlierer des Systems. Ein unglaublicher Skandal, der bisher im Dunkeln gehalten werden konnte.
Wenn wir radikale Veränderungen brauchen, wie auch unser Bundeskanzler meint, dann fangen wir doch gleich damit an. Der Autor hat die wichtigsten Systemveränderungen in seinen Büchern dargestellt. Aber dem Trend der Zeit folgend, sind zwei der Systemfehler in Kurzberichten beschrieben, die sofort herunter geladen werden können.

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Der Haushaltsausgleich ist ein weiterer Schritt in die falsche Richtung bei der Bewältigung des Staatsschuldenproblems. Eine Diskussion über den Haushaltsausgleich findet nicht statt, weil die Missstände nicht publik werden dürfen. Denn wie jedes Kettenbriefsystem überlebt auch die Staatsverschuldung nur, wenn die Käufer der Staatsanleihen im Unklaren gelassen werden über die Wertlosigkeit dieser Finanztitel.
P.S. In diesem Zusammenhang wäre zu prüfen, ob die Werbung zum Zeichnen der Staatsanleihen nicht irreführend und daher verboten ist.

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Die Zins-/Wachstumsfalle beschert uns erdrückende Zinslasten, die in ihrer Höhe die Rentenzahlungen bei weitem übertreffen. Außerdem steigen die Zinslasten viel schneller als die Wirtschaftsleistung. Ein bedrohliches Krisenelement, das aber bei unseren "Chefmoderniserern" und in den Altmedien überhaupt nicht auftaucht. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass deren Lösungen immer haarscharf an den wichtigen Problemen vorbei gehen und die Situation immer schlechter statt besser wird.

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Deutschland hat vielfältige Wirtschaftsprobleme. Das Lösungsspektrum ist dagegen stark eingeschränkt auf Sozialabbau, niedrigere Löhne und niedrigere Steuern. Aber kann mit diesen Mitteln überhaupt etwas bewirkt werden oder wird durch diese Rezepte die Arbeitslosigkeit sogar noch steigen? Was ist von der zur Zeit betriebenen Voodoo-Ökonomie zu halten? Können Billigjobs Deutschland aus der Krise führen und sind eigentlich diese Billigjobs tatsächlich vorhanden?
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15.06.03 13:28:04
Beitrag Nr. 58 ()


http://www.kapitalismusfehler.de

"Zins, Wachstum und die Zins-/Wachstumsfalle - Denk- und Rechenfehler des Kapitalismus"
Das Buch "Zins, Wachstum und die Zins-/Wachstumsfalle - Denk- und Rechenfehler des Kapitalismus" ist ein Buch für Fortgeschrittene. Es ist quasi Band 2 von "Michel erwache - Wirtschaften ohne Katastrophen" und sollte tunlichst erst nach dessen Lektüre gelesen werden.
Das Buch Denk- und Rechenfehler des Kapitalismus beschäftigt sich u.a. mit dem Geheimnis des Entstehens von wertlosen Krediten und Geldvermögen, mit der monetären Geisterwelt, die in ihrem Umfang längst die reale Welt übertroffen hat und damit bedroht. Folgende Fragestellungen werden behandelt.

Die reale Welt im Würgegriff der monetären Scheinwelt
Mechanisches Wachstum von Schulden und Zinslasten
Luftbuchungen
Die monetäre Scheinwelt
Aufschuldung - absurd, aber praktiziert
Belastung der Wirtschaft mit Schulden und Zinslasten
Der Wert von Gegenwarts- und Zukunftsgütern
Kettenbriefsystem
Ausbuchung von Schulden und Geldvermögen

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Diese Geisterwelt bestimmt unser Wirtschaftsgeschehen. Denn insbesondere Devisenkurse und Zinsraten müssen danach bestimmt werden, dass die Schulden und Vermögen gigantischen Ausmaßes weltweit im Gleichgewicht bleiben. Ob diese Zinsraten oder Devisenkurse gut oder schlecht für die reale Wirtschaft sind, spielt keine Rolle mehr. Die erste Geige muss in einem fehlerhaften Kapitalismus die monetäre Scheinwelt spielen, deren Aufschuldungspotential quasi unbegrenzt ist. Das ist möglich auf Grund der Systemfehler bei Geld und Zins. Deshalb ist das Geld und die Geldpolitik das erste Kapitel des Buches "Zins, Wachstum und die Zins-/Wachstumsfalle - Denk- und Rechenfehler des Kapitalismus". Keine geringere als die Deutsche Bundesbank ist die Stichwortgeberin, um die Ungereimtheiten des Zins- und Geldsystems zu entdecken, die diese Ungeheuerlichkeiten der weitgehend wertlosen Geldvermögen und Kredite hervorgebracht hat.

Schuldenexplosion und Ratlosigkeit in der Realität
Ein ganz aktueller Bezug zum Buch "Kapitalismusfehler" ergibt sich, weil festgestellt wurde, dass es bei den Unternehmen weltweit geradezu eine Schuldenexplosion gegeben hat, eine Steigerung um 140 Prozent innerhalb eines Jahres auf 1,43 Billionen Dollar bei den 250 größten Schuldnern der Welt.

Dabei wird es dem Chef der Deutschen Bank schwindlig: "Ich spüre, dass etwas nicht in Ordnung ist", sagte der Finanzmanager, "aber keiner kann mir sagen, was es ist." Viele der Tagungsteilnehmer des IWF in Prag im September 2000 können ihre Befürchtungen nicht rational begründen. "Doch derartige Ahnungen muss man als Banker sehr ernst nehmen", sagt auch der Chef der Dresdner Bank, "sie sind oft die besten Indikatoren." (Spiegel 40/2000). Die Topmanager spüren etwas, ahnen etwas, wissen aber offensichtlich nichts. Das ist ja sehr beruhigend. Aber sie fliegen trotzdem im Blindflug weiter. Das ist sehr beunruhigend. Die Topmanager der Banken ratlos unter der Zirkuskuppel. Dabei wiederum kann es dem deutschen Michel ganz mulmig werden. Aber vielleicht versucht man es einmal damit, die Fehler des Kapitalismus zunächst zumindest einmal zuzugeben und dann abzustellen. Bücher, die Ihnen auf dieser Webseite angeboten werden, werden auch die spürenden und ahnenden Bänker in die Enge treiben. Und vielleicht wird man sie eines (nicht zu fernen) Tages zur Rechenschaft ziehen, dass sie trotz selbst eingestandener Ahnungslosigkeit die inzwischen zahlreichen Bücher nicht beachtet haben, in denen die fatalen Fehler des Kapitalismus schonungslos und widerspruchsfrei dargestellt werden.

Die unsinnigste Konsequenz dieser Fehlentwicklung ist die Zins-/Wachstumsfalle. Mit dem künstlichen Wirtschaftselement Zins haben wir eine Messlatte geschaffen, die das Wachstum Jahr für Jahr überspringen muss, wenn unser Wirtschaftssystem nicht zusammen brechen soll. Wir haben also eine Wirtschaftsgröße erdacht, den Zins, der einer realen Wirtschaftsgröße (Wachstum) vorschreibt, welche (meist unerreichbar hohen) Werte das Wachstum erreichen muss, damit der Wirtschaftskreislauf nicht zusammenbricht. Das ist nun wirklich an Dummheit und Verantwortungslosigkeit nicht mehr zu toppen.
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17.06.03 08:40:08
Beitrag Nr. 59 ()


Sie investieren heute in ein Schneeballsystem

Während jeder bei Zinsversprechen von 100% im Jahr an ein “Schneeballsystem”denkt, also einem System, welches nur durch neue Anleger überhaupt die versprochene Rendite bezahlen kann, wird kaum jemand bei einem Zins von 5% mißtrauisch. Dabei explodiert jedes auf Zins aufgebaute System, wie obige Rechnungen verdeutlichen. Nur läuft das 100 Prozent System zwanzig mal schneller als das 5 Prozent System. Während das 100 Prozent Schneeballsystem innerhalb weniger Jahre zusammenbricht, dauert es bei unserem Zinssystem mehrere Jahrzehnte. Weil der Zerfall nur alle 2 Generationen (siehe unsere Geschichte) stattfindet, erkennen nur die wenigsten die Zusammenhänge.

Die meisten verlieren schon heute ständig Geld

Wenn Sie an Ihr Vermögen denken, hört sich der Zinseszinseffekt noch sehr angenehm an, Sie gewinnen Geld, ohne dafür Leistung erbringen zu müssen, man läßt sein “Geld arbeiten”. Was häufig vergessen wird ist die andere Seite, die Verschuldung: Jede Mark, welche jemand als Zinsgewinn verbuchen kann, muß ein anderer als Verschuldung registrieren. Dabei wachsen die Vermögen und die Schulden jeweils um den gleichen Betrag. Wenn jemand viel Geld besitzt, hat er hohe Zinsgewinne und kann entsprechend mehr Geld anlegen, womit sein Zinsertrag im nächsten Jahr noch größer ausfällt. Auf der anderen Seite steigt die Verschuldung der breiten Bevölkerung, welche für die Zinslasten von Staat, Wirtschaft und privaten Krediten aufkommen muß. Es entsteht ein Umverteilungseffekt von der Bevölkerung zu wenigen Superreichen. Wenn Sie nicht gerade Multimillionär oder Milliardar sind, haben Sie durch das Zinssystem erhebliche finanzielle Nachteile zu erleiden. So müssen Sie zur Zeit im Jahr fast 18.000 Euro nur für die Verzinsung des Kapitals abtreten. Nur wenn Sie höhere Zinseinnahmen als 18.000 Euro im Jahr haben, gewinnen Sie beim heutigen System überhaupt. Sogar als Spitzenverdiener haben Sie durch unser System nur Nachteile, vor allem wenn Sie Ihr Vermögen im Zusammenbruch verlieren. Auch Ihr laufendes Einkommen wird zunehmend durch die Zinslasten reduziert. Man kann bei diesem System sogar von einem richtigen “Enteignungsprogramm” sprechen, bei dem Sie am Ende unter Umständen völlig mittellos dastehen werden
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28.06.03 22:48:23
Beitrag Nr. 60 ()
Ein Systemfehler unseres Geldsystems

In allen Preisen in Deutschland steckt heute durchschnittlich ein Zinsanteil von 30%

Zu Regierung ohne Konzept (FR S. 3 vom 12. Mai)

"Die Regierung kann auf die Einnahmeausfälle mit radikalen Kürzungen reagieren, die Steuern erhöhen, eine höhere Neuverschuldung hinnehmen oder die Kreditlinie zusätzlich ausweiten." Es scheint mir evident, dass alle diese angeblich einzig möglichen Lösungen nur vom Regen in die Traufe führen können. Unsere Staatsschulden nehmen ohnehin gegenwärtig pro Sekunde um 1332 Euro zu.
Die Abhilfe muss an anderer Stelle liegen. Unser heutiges Geldsystem ist so konstruiert, dass der Zinsanteil am BSP dann von selber zu Lasten aller anderen Anteile zunimmt, sobald die Wirtschaftsleistung nicht mehr stetig um wenigstens 2,5 Prozent jährlich wächst, sich also innerhalb von 28 Jahren verdoppelt. Es verhält sich wie mit einem Flugzeugmotor, der nur wenn man ständig mehr Gas gibt, nicht zu stottern anfängt. Er wird natürlich irgendwann auseinanderfliegen. Durchschnittlich steckt heute in allen Preisen einschließlich der Mieten, die in der Bundesrepublik bezahlt werden, ein Zinsanteil von ca. 30 Prozent.

Wenn man alle Haushalte Deutschlands in zehn gleich große Gruppen mit steigendem Einkommen aufteilt, haben die acht unteren Gruppen einen negativen Zinssaldo. Selbst wenn sie selber ein paar Bankzinsen bekommen, müssen sie, ohne es zu ahnen, ungleich mehr in den Preisen für die Zinsen fremder Schuldner ausgeben. Die neunte Gruppe hat einen ausgeglichenen Zinssaldo. Der positive Zinssaldo der obersten Gruppe dagegen dürfte täglich bei ungefähr 200 bis 300 Millionen Euro liegen.

Es wäre sinnlos, Zinsen verbieten zu wollen. Sie sind der durchaus gerechte Marktpreis für den Liquiditätsvorteil des Geldes. Letzterer besteht darin, dass Geld gegenüber Waren und Leistungen, für die man Reklame-, Transport- und Durchhaltekosten hat, auf dem Markt immer privilegiert ist. Nur kommt dieser Liquiditätsvorteil nicht durch die Leistung des Geldbesitzers zustande, sondern durch die öffentliche Leistung aller derer, die Geld annehmen und weitergeben. Gegenwärtig verhindern die Zinsen zumindest, dass man das Geld als Wertaufbewahrungsmittel zu Hause hortet und es so überhaupt dem Umlauf entzieht. Damit würde ja die Wirtschaft erst recht abgedrosselt.
Aber dasselbe Ziel einer Umlaufsicherung könnte viel eleganter dadurch erreicht werden, dass für liquides Geld eine Bereitstellungsgebühr eingerichtet würde (John Maynard Keynes schrieb von Geldhaltekosten, "Carrying costs". Dadurch würde die Privilegierung des Geldes gegenüber Waren und Leistungen aufgehoben und es würde zum neutralen Tauschmittel. Wer Kasse halten will, hätte dann für den Genuss des Liquiditätsvorteils des Geldes Kosten zu tragen; wer Geld verliehe, würde diesen Kosten entgehen, aber das verliehene Geld würde nicht von alleine auf Kosten der übrigen Wirtschaft wachsen.

Das gegenwärtige Zinssystem sorgt übrigens auch dafür, dass alle Unternehmen, die nicht die Rentabilität des Geldes erreichen, von vornherein unterbleiben. Dadurch ist die Arbeitslosigkeit im Geldsystem selbst vorprogrammiert. Könnte eine Regierung sich nicht (vielleicht zusammen mit anderen Regierungen) auch einmal mit diesen Zusammenhängen befassen, auf die bereits vor Jahren der ehemalige bayerische Verfassungsrechtler Prof. Dieter Suhr hingewiesen hat?

Prof. Dr. Peter Knauer SJ, Frankfurt a.M.

Wirtschaftskrisen, Rezession und Währungs-chrashes
sind nicht unabwendbar wie Jahreszeiten oder Naturkatastrophen,
sondern auf Denkfehler der Politiker und Währungshüter zurückzuführen.
Unsere Regierenden wissen zu wenig über Geldwirtschaft oder sie wissen das Falsche!!
Davon gehe ich mal aus. Denn wenn die Herren wüßten, was sie da für eine Geldwirtschaft betreiben, dann müßte man ihnen ja kriminelle Absichten aus niedrigen Beweggründen unterstellen. Da ich aber gerne an den guten Kern von Politikern und Währungshütern glaube, gehe ich davon aus, daß sie einfach bloß keine Ahnung von Geldwirtschaft haben.

Hier die Probleme:
www.staatsverschuldung.de
www.staatsverschuldung-online.de

Und hier die Lösung:

www.systemfehler.de
www.Geldreform.de
www.medienberufe.com/Politik.htm
www.geldcrash.de
www.23x.de
www.subventionsberater.de/creutz/index.html
www.goldseiten.de/ansichten/saiger-02.htm
www.sozialoekonomie.info/Zeitschrift_fur_Sozialokonomie/LeseProben/Page12177/page12177.html#cr128_kap1
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28.06.03 22:55:44
Beitrag Nr. 61 ()
1.277.000.000.000 Euro Schulden
28.06.2003

Deutlich gestiegene Ausgaben im ersten Quartal haben die Schulden der öffentlichen Haushalte am Kreditmarkt bis Ende März auf gut 1,27 Billionen Euro wachsen lassen. Das waren 5,9 Prozent mehr als vor Jahresfrist, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Im ersten Vierteljahr 2003 hätten die Ausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden die Einnahmen um 55,2 Milliarden Euro überstiegen. Damit war das Finanzierungsdefizit 5,5 Milliarden Euro höher als ein Jahr zuvor. Die Einnahmen der öffentlichen Haushalte (einschließlich Sondervermögen des Bundes und Sozialversicherung) lagen mit 204,7 Milliarden Euro 0,8 Prozent über dem Vorjahr, die Ausgaben lagen mit 259,9 Milliarden Euro um 2,8 Prozent höher als Anfang 2002.

Mehr als die Hälfte schuldet der Bund

Von den Kreditmarktschulden von insgesamt 1,277 Billionen Euro entfielen 735 Milliarden Euro auf den Bund, auf die Länder 399,8 Milliarden Euro und auf die Gemeinden 82,9 Milliarden Euro. Die gesamte Staatsverschuldung wird nach Angaben des Bundes der Steuerzahler (BdSt) im August oder September die 1,3-Billionen-Grenze übersteigen. Pro Sekunde steigt die Schuldenlast dem BdSt zufolge um 1669 Euro, die Verschuldung pro Kopf beträgt derzeit 15.739 Euro. Allein die für die Schulden des Bundes fälligen Zinsen sind mit knapp 40 Milliarden Euro der zweitgrößte Posten im Bundeshaushalt.

Quelle: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID1991724…

Weitere Nachrichtenseiten: http://www.Germany-Pool.de
.
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28.06.03 23:08:50
Beitrag Nr. 62 ()
"Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten!" - so locken die Banken deine hart erarbeiteten Moneten in ihren Tempel. Wenn du zu denen gehörst, die Geld niemals arbeiten sahen, könnte dieser Text für dich interessant sein. Wenn du Geld schonmal hast arbeiten sehen: Uns würde ein Foto davon interessieren...

Geld: Der heilige Mammon, dem wir alle hinterher rennen. Wir gehen "Geld verdienen" und nicht etwa "Urlaub verdienen" oder "Essen verdienen". Geld muß es schon sein. Aber unser Geld bringt ein "klitzekleines" Problem mit sich. Ein unscheinbares Problem, was immer größer wird, was aber oft übersehen wird: Der Zins.

Jeder von uns kennt die Freude, die um sich greift, wenn man sich vorstellt, man sei Millionär. 1.000.000 Euro auf dem Konto und läppische 5% Zinsen (bei Millionären sind die Banken weit weniger geizig als beim Kleinsparer!): Also "verdient" man ohne einen Finger krumm zu machen 50.000 Euro im Jahr. Soviel kriegen die wenigsten Menschen mit harter Arbeit!

Doch stellt sich die Frage: Woher kommen die Zinsen? Geld arbeitet nicht wirklich selbst, jemand borgt es sich und zahlt Zinsen. Die 50.000 die wir als Millionäre also kriegen würden, muß jemand anders bezahlen. Woher nimmt er diese Zinsen? Er kauft mit unserer Million Maschinen, bezahlt Leute und schlägt unsere Zinsen auf die Preise für die Produkte drauf, die er verkauft. Also: Nicht unser Geld erarbeitet mehr Geld, sondern die Menschen, die die Produkte kaufen bezahlen von ihrem Arbeitslohn unsere Zinsen. Obwohl sie also nicht einmal Schulden haben müssen, bezahlen sie die Zinsen der Millionäre. Und die Leute, die sich die Million geborgt haben, treten indirekt als Zinseintreiber auf.

Ein Beispiel: Die Deutsche Telekom zahlt 7,5% Zinsen auf ihre 64 Mrd. Euro Schulden. Das berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR). Leider hören die MDR-Leute dann auf mit rechnen, also machen wir hier mal ihren Job.
Die Telekom zahlt also ca. 4,8 Mrd. Euro Zinsen pro Jahr, wenn sie mit dem Schuldenabbau nicht hinterherkommt. Und in der aktuellen Situation fällt das der Telekom nicht so leicht. Die Telekom macht 40 Mrd. Euro Umsatz, das heißt, sie nimmt von ihren Kunden also 40 Mrd. Euro pro Jahr ein. Von diesem Umsatz muß sie die Zinsen bezahlen. 4,8 Mrd. Euro von 40 Mrd. Euro sind etwa 12%, was nichts anderes heißt, als daß jeder Telekom-Kunde 12% Zinsen auf den Betrag seiner Telekom-Rechnung bezahlt, obwohl er gar keine Schulden haben muß. Nun kann jeder mal seine Telefonrechnungen rauskramen und zusammenrechnen. Wenn jemand z.B. 100 Euro im Monat Telefonkosten hat, (bei Familien oder Internet-Nutzern kein Problem!) sind das im Jahr 1.200 Euro, 12% davon, also 144 Euro sind davon Zinsen. Um kein "Verlierer in diesem Zins-Spiel" zu sein, muß die Person also mindestens 144 Euro pro Jahr an Zinsen erhalten. Bei einem Zinssatz von 5% muß man dazu mindestens 2880 Euro angelegt haben, wer weniger hat, gehört also zu den Verlierern des Zinsspieles. Auf welcher Seite stehst du in diesem Spiel?
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29.06.03 11:59:04
Beitrag Nr. 63 ()
einfach toll deine beiträge !:)
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12.07.03 11:55:59
Beitrag Nr. 64 ()
die Geschichte mit dem Josefspfenning ist ja ganz witzig, aber die Sache ist doch die, dass Josef gar nicht das nötige Kleingeld hatte um seinen Pfennig (oder Euro Cent heute) zu investieren. Wenn die Inflationsrate dieser 2000 Jahre bestehenden Währung im Schnitt bei 2% lag - dies ist eine entscheidende Grösse und 2% ist ist nur eine Annahme -
dann hätte dieser Pfennig heute eine Kaufkraft von
0,01 * 1,02^2000 = 1,586 10^15 = 1586 Billionen (?) - bei solch grossen Zahlen kommt man schnell durcheinander ;-),
und soviel konnte Josef nun mal nicht investieren.

Ein weiterer Aspekt ist dass 5% recht hoch gegriffen ist, wenn man Verwaltungsgebühren etc mit einrechnet.., die
bestimmt bei 1% Punkt per anno liegen.

Was die Geschichte wohl erzählen will ist, dass es mit zunehmener absoluter Grösse immer schwieriger wird hohe Renditen zu erzielen, wie die Seerose im Gartenteich, die sich 20 Tage mit einer Wachstumsrate von 100% über den Teich ausbreitet und am 21 Tag feststellen muss, dass sie an die natürlichen Grenzen ihres Wachstums gestossen ist.

Aus dieser Geschichte aber etwas über unser heutiges Finanzsystem oder den Zusammenbruch dieses abzuleiten finde ich schon ganz schön abenteuerlich.
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16.07.03 11:08:43
Beitrag Nr. 65 ()
Die ganze Geschichte mit dem "Josefspfennig" klingt ja ganz nett, berücksichtigt aber leider nicht die folgenden Punkte:

-Alle paar Jahrzehnte gab (und gibt es übrigens, siehe Argentinien!) Währungskrisen und Staatspleiten, und dann ist der schöne Anfangsgewinn mitsamt Zinseszins weg.

-Selbst wenn keine Währungskrise vorkommt in 2000 Jahren (!!!) so kann immer noch die Bank von Joseph pleite gehen - mit denselben Ergebnissen.

-Selbst wenn Joseph seine Zinspapiere gut streut und damit Pleiten zumindest abfedern kann, so hat er seine Rechnung ohne Steuern und Inflation gemacht. So würde er heute zum Beispiel bei einer Infla von 1%, rund 50% Steuersatz und einer Nominalverzinsung von 4% in halbwegs sicheren Staatsanleihen nur rund 1% Realrendite erwirtschaften! Dann darf aber über einige Jahrzehnte kein Schuldner ausfallen!!!

-Selbst wenn man obige Argumente wegnimmt, bleibt noch die Praxis: die einzigen Institutionen, die über die Jahrhunderte praktisch ihre Vermögen behalten konnten, waren Adelsfamilien und die Kirchen, und das meist aufgrund von Grundbesitz.

Kurz gesagt: Zinsen sind zum großen Teil Risikoprämien, das Josephsmodell geht aber von einer risikofreien Welt aus.
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28.07.03 19:48:34
Beitrag Nr. 66 ()
Montag, 28. Juli 2003

Das Eis schmilzt ...

von Martin Weiss

In der vergangenen Handelswoche konnten sich die großen Indizes gut
behaupten. Das war nicht zuletzt deshalb der Fall, weil die
Quartalszahlen einiger Schwergewichte wie Siemens oder DaimlerChrysler
vom Markt durchweg positiv aufgenommen wurden.

Kein Wunder, konnten doch die beiden Unternehmen die vorher nach unten
revidierten Prognosen der Analysten übertreffen. Nichtsdestotrotz,
speziell bei den Autobauern aus Schwaben scheinen die Probleme in den
USA keinesfalls überwunden zu sein. Chrysler ist und bleibt das
"Milliardengrab", ja die Achillesferse für den deutschen
Premiumhersteller.

Seit der Fusion büßte die einst von fast allen Beobachtern zum Kauf
empfohlene Aktie mehr als zwei Drittel der Marktkapitalisierung ein.
Und, Besserung ist ob der immensen Schwierigkeiten bei Chrysler noch
lange nicht in Sicht.

Wie auch, angesichts der äußerst angespannten Lage jenseits des
Atlantiks. Mehr denn je kristallisiert sich nämlich heraus, dass die
bisher eher vage Hoffnung auf einen starke US-Konjunktur im zweiten
Halbjahr 2003 wie Eis in der Sonne dahin zu schmelzen scheint.

Apropos Achillesferse, der Kursverfall bei den amerikanischen Renten
wird immer bedrohlicher für den Immobilienmarkt, der ja in den letzten
drei Jahren die (!!!) Stütze schlechthin der US-Wirtschaft war.

Angesichts des rasanten Renditeanstiegs bei den Anleihen rückt ein
Platzen der gewaltigen Übertreibungen im Immobiliensektor, sprich der
Immobilienblase, immer näher. Seit Mitte Juno diesen Jahres ziehen die
Verzinsungen bei den Hypothekenkrediten scharf an.

Laut Freddie Mac nahm die Verzinsung bei 30-jährigen Darlehen allein
in den letzten fünf Wochen von 5,21 % auf 5,94 % zu! Es ist in diesem
Kontext also gewiss kein Zufall, dass in den vergangenen sechs Wochen
die Nachfrage nach Hypothekendarlehen bzw. Refinanzierungen um 30 %
einbrach.

Ja, um es deutlich hervorzuheben, es sieht mehr denn je danach aus,
dass ein Wegbrechen der letzten Bastion der US-Wirtschaft - nämlich
des Immobilienmarktes - unmittelbar bevorsteht.

Erst kürzlich berechnete eine einflussreiche US-Investmentbank, dass
die amerikanischen Verbraucher allein im letzten Jahr aufgrund der
Vorteile aus den günstigeren Refinanzierungsraten 300 Milliarden $
mehr an Kaufkraft zur Verfügung hatten! Nicht auszudenken, was
passiert, wenn diese Entwicklung abrupt zum Halt kommt. Richtig, dies
weiß natürlich auch die mächtige FED.

Nicht umsonst betonte ja FED-Gouverneur Ben Bernanke in dieser Woche
auch, dass die Notenbank ihr geldpolitisches Pulver noch nicht
verschossen habe. Will heißen, nötigenfalls sind die Verantwortlichen
bereit, die Zinsen auf NULL zu senken.

Bernanke konnte aber das eigentliche Ziel seiner Aussage - eine
Stabilisierung am Bondsmarkt - nicht erreichen. Im Gegenteil, denn die
Notierungen am Rentenmarkt gaben gerade nach diesen Aussagen weiter
nach.

Alles deutet also darauf hin, dass die Märkte langsam aber sicher das
Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der mächtigsten Notenbank der Welt
zu verlieren scheinen. Gerade vor dem Hintergrund der noch immer
vorhandenen Überbewertungen bei den breiten US-Aktienindizes bzw. den
sonstigen Problemen, speziell auch für den $ (es sei nur auf die
gigantischen Zwillingsdefizite exemplarisch hingewiesen), scheinen
immer mehr Investoren ins älteste Geld der Welt zu flüchten.

Wie ich schon oft betonte: Stellen Sie sicher, dass Sie auf keinen
Fall den Zug beim Gold verpassen. Denn er könnte schon in bälde in weit höhere Regionen abfahren!
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29.07.03 11:07:18
Beitrag Nr. 67 ()
Sehr geehrter Investor,

die amerikanische Inflation in den letzten Monaten betrug knapp unter 20%.
Was soll denn dieser Unsinn? Alle Welt weiss doch und Mr. Greenspan sagt
auch immer wir haetten deflationaere Gefahren und sein Kollege Mr. Bernanke
("im Zweifel muessen wir Dollars aus Flugzeugen abwerfen" ) bestaetigt dies
und da behauptet die G.A.M.A.G wir haetten Inflation?

Was die Konsumgueterpreise betrifft, so mag die Deflationsthese stimmen -
auch in den USA. Aber der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er hat zum
Beispiel auch ein Haus, lebt in diesem oder baut dieses. Und dort sieht die
Situation ganz anders aus. Die amerikanischen Haeuserpreise steigen aktuell
mit einer Jahresrate von 30%! Wir haben fuer Sie dazu eine Sammlung
amerikanischer Makro-Charts auf unserer Homepage bereit gestellt.

http://www.gamag.de/Rentencrash2.htm

Die dort ablesbare Story Chart fuer Chart:

Wir haben eine massive globale Ueberversorgung mit Geld. Die amerikanische
Geldmenge M3 waechst aktuell mit einer Jahresrate von rund 12%. Die
japanische Geldbasis-Expansion betrug fuer Juni (im Jahresvergleich) +20,3%
nach +16,7% fuer Mai und +11,5% fuer April.

Diese globale Ueberversorgung mit billigem Geld hat eine neue Blase im
amerikanischen Immobilienmarkt ausgeloest. 85% des amerikanischen
Immobilienmarktes machen umsatzmaessig die Verkaeufe gebrauchter Haeuser
aus. Diese Existing Home Sales stiegen von rund 3 Mio Stueck auf aktuell
rund 6 Mio Stueck, wobei eine deutliche Steigerung der Aktivitaet seit 1997
zu verzeichnen ist. Der Durchschnittspreis pro verkauftem Haus (Average Mean
Price Existing Home Sales) stieg dabei von noch rund 140 000 USD 1997 auf
rund 225 000 USD im Juni 2003. Besonders wichtig ist, dass nach der
Kriegsunsicherheit, die Anfang des Jahres 2003 die Preise noch bei 200 000
USD verharren lies, die Durchschnittspreise in den letzten Monaten um rund
13% gestiegen sind, was auf eine Jahresrate von 30% hinauslaufen wuerde,
sollte sich dies fortsetzen. Die Preise fuer gebrauchte Immobilien sind nur
noch 10% unter Neu-Niveau und beide Gruppen steigen seit Jahresanfang um
15%. 15% Preissteigerung ist nun sicher eines nicht: Deflation. Seit Mitte
1999 betraegt diese ueber 50%.

Der eigentlich bei einer solchen Situation zu erwartende Preisdruck wurde
auf der Ebene der Konsumentenpreise (Lebensmittel, Konsumtechnologie)
verdeckt/ gedeckelt durch Ueberkapazitaeten infolge der
End-90er-Technologie-Exzesse sowie Billigimporte aus Fernost und aufgrund
der Ueberbewertung des USD gg. EUR auch aus Europa.

Finanziert wurde die amerikanische Immobilien-Bubble schwerpunktmaessig mit
den asiatischen Exportueber-schuessen, die aufgrund ihrer Dollarbindung
bereit waren in die eigentlich ueberbewertete US-Waehrung auch zu
Mini-Zinsen zu investieren. Der Anteil von Kaeufen der amerikanischen
Hypotheken Finanzierer Ginni Mae und Freddi Mac durch asiatische Kaeufer
stieg in den letzten 4 Jahren von 25% auf ueber 50%.

Die Kapitalstroeme in Staatsanleihen wurden schwerpunktmaessig von
Panik-Ueberlegungen getrieben (Deflation, Kriegsangst etc.) Nachdem diese
Gruende entfallen sind, wendet man sich den sich verschlechternden
Bonitaeten zu und realisiert die exzessive Geldversorgung, die mangels
realwirtschaftlichem Wachstum zu Infaltion fuehren wird.

Folge:
Wir sind am Anfang des Anleihen-Crash. Eine Liquiditaetsblase galaktischen
Ausmasses ist abzuarbeiten. Der Dollar hat aus einem Niveau von 30%
Ueberbewertung gegen EUR Paritaet erreicht. 20% Untrebewertung duerften das
Ende der Bewegung bilden (EUR/USD=1,40) Gold explodiert. Aktien muessen sich
den Realitaeten anpassen. Ein Zins von 5% entspricht einem risikofreien
Kurs-Gewinn-Verhaeltnis von 20. Das S&P-KGV betraegt aktuell 38. Der NASDAQ
liegt je nach Index bei 60 - 240. Momentan bekommen Aktien ihre Rolle als
Sachwerte und Inflationsschutz. Eine grosser Bullmarkt ist jedoch
ausgeschlossen, solange die Zinsen steigen. Ein grosser Seitwaertsmarkt mit
heftigen Schwankungen wird die Folge sein.

Konsequenz: Verkaufen Sie alle Anleihen. Mindestens in jede Erholung. Setzen
Sie nicht auf die grosse Aktien-Rallye. Die Wahrscheinlichkeiten fuer den
falschen Trend sind zu hoch. Risikobegrenzung bleibt Trumpf.

Wir setzen weiter auf Long/Short und hedgen den Dollar konsequent zu 100%.

In der letzten Ausgabe beschrieben wir Ihnen den rasanten Anstieg der
Geldmenge um rund 180 Mrd. USD in den letzten 6 Wochen berichtet. Wir haben
einige Rueckfragen zu diesem Thema gehabt und moechten dieses daher noch
einmal in den Zusammenhang stellen. Anfang der 90er Jahre gab es einige neue
Mega-Technologien (Internet, Handy, Computer, Digitalisierung der
Information (CD, DVD, Digitalkamera etc.) die von einer akkomodierenden
Geldpolitik begleitet ein deutliches Wirtschaftswachstum produzierten. Im
Rahmen der Asien-Krise 1998 kam es zu einer Ueberversorgung mit Geld, die
die 2000er-Aktienrallye ausloeste. Als dies die Fed bemerkte, drehte sie
zunaechst Ende 1999 den Geldhahn zu um dann, nachdem die Aktienblase
platzte, Ende 2000 mit ihrer ihre erste Panikattacke von einer 1%igen
Zinssenkung innerhalb 3 Wochen die bisher groesste Zinssenkungsserie zu
beginnen, die den Zentralbankzins auf zuletzt 1% herabfuehrte.

Von dem kurzen Bremsmanoever 1999 abgesehen war die Geldpolitik in den
gesamten letzten Jahren expansiv. Die Geldmenge in der Abgrenzung M3 liegt
aktuell bei rund 9500 Mrd. USD und damit knapp unterhalb des amerikanischen
Bruttosozialproduktes von rund 11500 Mrd. USD. Sie steigt aktuell mit 12%
p.a.

Wenn sich die Geldmenge um 12% erhoeht und die Warenproduktion um 3% dann
bedeutet dies nach allen wirtschaftlichen Theorien l a n g f r i s t i g
Inflation von 9%, denn irgend wann wollen alle diese Geldbesitzer auch
irgend etwas fuer ihre Scheinchen kaufen. Aufgrund der speziellen Situation
haben wir dies zunaechst erst im Immobilienmarkt gesehen und beim Goldpreis.
Eine juengste Analyse der Produzentenpreise in USA kommt aber auch dort
schon zu 4,9% Inflation auf Jahresbasis.

Aufgrund der Inflation bei den Immobilien hat der amerikanische Verbraucher
stark ueber Hypotheken finanziert und sogar verstaerkt Konsumkredite
aufgenommen. Bildlich gesprochen: Er hat angefangen sein Haus zu
verkonsummieren. Deshalb ist der amerikanische Konsum nicht
rezessionsgetrieben zurueckgegangen, wie dies beispielsweise in Europa der
Fall war. Diese Entnahmepraxis ist dabei schon recht exzessiv wie der
nachfolgende Link belegt.

http://www.freep.com/realestate/renews/refie12_20030112.htm

Summa: Wir sehen keine Deflation. Wir sehen Stagflation. Das reale grosse
Wachstum kann ohne neue Schluesseltechnologie nicht kommen. Aber die
Inflation aus den Kuebeln von Geld, die ueber die Menschen ausgeschuettet
wurden mit der Behauptung dieses Wachstum zu produzieren.

Unsere Meinung: Raus aus Anleihen. Rein in Alternative Investments, die auch
short gehen koennen. Versuchen wir an dem absehbaren Desaster zu verdienen!

Mit freundlichem Gruss aus Frankfurt am Main

Ihr German Asset Manager Team

German Asset Managers AG
Bettinastrasse 30
60325 Frankfurt am Main
Tel: 069 97 46 11 34
FAX: 069 97 46 11 59
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31.07.03 16:46:27
Beitrag Nr. 68 ()
:D :cool: :yawn: :look: ;) :laugh: :kiss: :rolleyes: :p :( :eek:

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15.08.03 10:14:21
Beitrag Nr. 69 ()
Sehr geehrte Investoren,

wir haben auf unsere Aussagen eine Reihe von Emails erhalten - trotz
Sommerhitze - von denen einige ueberrascht andere wegen der Faktenlage
besorgt, einige kritisch waren und einige haben uns gebeten, zu diesem Thema
doch auch die Kritiker zu Wort kommen zu lassen, was wir hier gerne im
Rahmen einer qualifizierten Auseinandersetzung mit dem Thema machen wollen.
Nachstehend das Original-Email eines Lesers, eine "Gegenposition" und unsere
Anmerkungen dazu:

*** Beginn Leserbrief **

sgduh,

ihre zahlen sind sicher richtig. ich frage mich nur, warum wird ein Staat,
der einen Schuldenstand von ca. 70 % des bip hat so schlecht von ihnen
eingestuft wird. wo stufen sie denn die Festlands-Europäer ein, die liegen
zum teil doch jetzt schon weit ueber den maastrichkriterein
(Verschuldungskriterium) von 60% bip. soweit ich weis haben die
usa-gebietskoerperschaften keine grossen Kredite in ihren haushalten.

******

Anmerkung 1: Mit Kalifornien ist der groesste und reichste US-Bundesstaat
(dort liegt San Franzisco, L.A., Hollywood und das Silicon Valley!) an der
Grenze zum Junk-Bond-Status, da hier das Haushaltsdefizit so extrem und der
Schuldenstand so hoch ist, dass die Agenturen wie Standard+Poors nicht mehr
mitspielen wollen. Kalifornien ist uebrigens auch das Gebiet mit den
hoechsten Haeuserpreisen. Konsequenz: US-Bundesstaaten haben leider auch
Kredite und wie man sieht teilweise so viel, dass schon jetzt niemand mehr
mitspielt. Dies der Hintergrund fuer die Abwahl von Greg Davis als
Gouverneur und aktuelle Kandidaten wie Arnold Schwarzenegger. Unsere Kritik
richtet sich auch nicht gegen das US-Defizit (aktuell) sondern dessen Hoehe
und Wachstum zusammen mit den Privatschulden und derten Wachstum zusammen
mit der mangelnden internationalen Wettbewerbsfaehigkeit. Noch mal die
Zahlen:

Bruttosozialprodukt: ca. 10 Billionen Wachstum 2,5% (2003) davon 2%
Militaerausgaben fuer Irak 0,5% privat induziert aus
Hypothekenumfinanzierung
Staatsschulden: ca. 7,7 Billionen (Prognose 2004)
Staatsbudget (Bundesebene): ca. 2 Billionen. Unterdeckung 22% des
Staatshaushaltes = 450 Mrd./2 Billionen
Privatschulden: ca. 8,2 Billionen (Ist 2002) Wachstum 12% Jahresrate
Gesamtschulden in den USA (inkl. Bundesstaaten, Unternehmen, Organisationen
und die oben genannten): 33 Billionen
Geldmengenwachstum: 11-12% Juni 2003
Handelsbilanz: minus 450 Mrd. davon 120 Mrd. mit China bei 300 Mrd. gesamten
Warenaustausch mit China
Leistungsbilanz:minus 500 - minus 600 Mrd.
Notwendiger Kapitalimport: 1,5 Mrd. US-Dollar jeden Tag = Schuldenanstieg
gegenueber dem Ausland

Summa: Die USA sind schon laengst ueber 90% des Verschuldungskriteriums nach
Maastricht und machen froehlich weiter Schulden im Ausland um ihren Konsum
zu finanzieren.

zur historischen Entwicklung vergleichen Sie bitte

<http://www.gamag.de/Rentencrash2.htm>

******

warum sollte die usa pleite gehen? der Dollar wird fallen und sie werden uns
totproduzieren.

******

Anmerkung 2: Ihr Hauptdefizit machen sie mit Fernost und wohin soll denn der
Dollar fallen, damit die Amis mit den Chinesen wettbewerbsfaehig werden.
Ausserdem muss man auch die Kapazitaeten haben. Alle dollarabhaengigen
Produzenten haben die Waehrung abgesichert und teilweise
US-Produktionskapazitaeten. Die USA ist eine tertiaere Wirtschaft, die von
Services, Beratungsleistungen etc. lebt. Diese sind nur begrenzt
exportierbar und haben nicht die Skaleneffekte der Produktion. Die
Leistungsfaehigkeit eines Wirtschaftspruefers haengt kaum am Dollarkurs und
wenn Hollywood-Filme dollarbedingt billiger werden, dann werden auch nicht
soviel mehr gekauft. Der Preiseffekt amerikanischer Produkte ist damit
deutlich geringer als notwendig. Ein Dollarsturz um 50% wuerde vielleicht
das Defizit ausgleichen, aber dann steht der Ami-Zins aufgrund Panik-Abgaben
der Auslaender bei 20% und Amerika hat eine Rieseninflation.

*****

und warum zahlt sich die Militaerintervention nicht aus? was spart eine
Volkswirtschaft (usa) wenn der Oelpreis um 5 oder 10 Dollar sinkt? wir
hatten schon zweistellige us zinsen zur zeit von reagen und wem hat das
geschadet? warum zaehlen sie ein Wirtschaftswachstum was in
Militaerinvestitionen fliesst nicht und Wirtschaftswachstum was aus
Subventionen (Europa: Landwirtschaft und kohle allein ca., 200 mrd. ? / a )
besteht sehen sie unkritisch.

*****

Anmerkung 3: Momentan steigt der Oelpreis und der Grund ist, dass der Irak
nach 10 Jahren Embargo so kaputt ist wie die DDR. Ihre Wunschvorstellungen
von den grossen Oelprofiten sind so substantiell wie Kohl´s
Wunschvorstellungen von den bluehenden Laendern. Kein Multi investiert
momentan in Irak, weil viel zu unsicher und Oelinvestitionen
Amortisationszeitraeume von >10 Jahren haben und sich Frankreich und
Russland (Lukoil) mit 10 Mrd. dort in den Sand gesetzt haben. Zinsen: 1982
gehoerte dem durchschnittlichen Ami sein Haus zu 82% (Eigenkapital). Heute
zu 59% und dies auf Basis der massiv hochgezockten Haeuserpreise (Anstieg
50% seit 1997). Damals existierte ein ausgeglichener Haushalt und es wurden
erstmals hohe Schulden gemacht um die Wirtschaft anzuschieben. Damals hatten
wir extreme Einkommensteuern bis zu 80% Grenzsteuersatz. Wenn heute die
Zinsen auf 10% gehen, heisst dies das der Staat 770 Mrd. Zinsen = 7,7% des
BSP zahlen muss, die Privaten 900 Mrd. Zinsen = 9% des BSP zahlen muss
insgesamt 3,3 Billionen = 33% des BSP nur fuer Zinsen aufgebracht werden und
damit die USA schon zwei Jahre bevor dies passiert zahlungsaunfaehig ist.
Alleine auf die staatlichen Auslandschulden dieses und des naechsten Jahres
von rund 1 Billionen USD muessten dann statt heute 50 Mrd. 100 Mrd. Zinsen
gezahlt werden. Es muessten dann schon 5% des BSP an das Ausland nur zur
Zinszahlung abgeliefert werden, oder anderes ausgedrueckt, es muesste einen
Nettokapitalimport von 1 Billion/Jahr geben. Subventionen verteilen Geld
zwischen Buergern eines Staates um. Es wird damit festgelegt wer welchen
Anteil am BSP bekommt. Man kann die Verteilung richtig oder falsch finden.
Mit der Problematik hier hat sie nichts zu tun denn die lautet nicht: Wie
verteile ich das BSP unter meinen Buergern? Sondern: Kann ich jahrelang mehr
fressen, als ich produziere? Kann ich dafuer Geld von Fremden ausserhalb
meines Staates aufnehmen? Kann ich es mir leisten mir eine Prachtvilla zu
hochgezockten Preisen nach der anderen zu kaufen? Und wann werden meine
Glaeubiger mir den Hahn zu drehen. Kreditzockereien sind ein heisses Spiel.
Kirch hat es nicht ueberlebt. Maxwell war ein Betrueger und hat es nicht
ueberlebt. Die Steigerung von Bond ist: Bond - Junk Bond - Alan Bond (das
war der, der sich auf seiner Jacht erschossen hat). EMTV ist platt
gegangen - oder fast. Argentinien ist platt. Ecuador hat umgeschuldet. Peru
war platt. Und jetzt ist die grosse Frage: Glauben wir den USA, das sie dies
alles in den Griff bekommen? Und da sehen wir nur die zwei Szenarien:
Sanierung mit grossen Schmerzen oder der letzte Zock, der meistens zum
Konkursrichter fuehrt.

(vergleichen Sie dazu unsere Rentencharts unter

<." target="_blank" rel="nofollow ugc noopener">http://www.gamag.de/Rentencrash.htm>;).

******

ich stimme ihnen zu, der Dollar koennte in den Keller gehen. Das bedeutet,
aber die Amerikaner werden weniger importieren (real) und mehr exportieren
und das koennte sehr wohl zu einem Wirtschaftsaufschwung in den usa fuehren.
und dann koennen die usa auch leicht ihre Auslandsschulden abtragen.

******

Der Dollar-Effekt ist zu gering. Nur 10% des BSP sind exportfaehig. Das
amerikanische Defizit entsteht nicht weil die Amis 10 Billionen exportieren
und 10,5 Billionen importieren, sondern weil sie 750 Mrd. exportieren und
1,2 Billionen importieren.

Zu all diesen Daten empfehlen wir unseren werten Lesern einen Blick zur CIA,
konkret dem World Factbook:

<http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/us.html>…


Die Exporte muessten sich also v e r d o p p e l n, nur damit die
Handelsbilanz a u s g e g l i c h e n ist, von Tilgung nicht zu reden. Die
Auslandsschulden sind erst mal da und muessen verzinst werden und es sind
eine Billionen mehr nur fuer dieses und das naechste Jahr. Kommt der
Aufschwung, dann wird Amerika erst mal mehr importieren = mehr Defizit.
Amerika braucht einen massiven Aufschwung in Europa und eine Senkung der
Wechselkurse gegen Fernost. Beides sehen wir nicht.

Ein wichtiger Punkt fehlt nun noch und dies ist die Verteilung des
Vermoegens in den USA, die deutlich ungleicher ist als in Europa. Will
heissen: Es sind ein paar reiche Amerikaner und das Ausland, die Glaeubiger
dieser Schulden sind. Es sind die Masse der Kleinen, die Schuldner ist.
Nimmt man den Profitanteil am Bruttosozialprodukt heraus, dann reduziert
sich das verteilungsfaehige BSP noch mehr. Seit 1975 ging der gesamte
Einkommenszuwachs zugunsten der obersten 20% der Bevoelkerung, der gut
Gebildeten gerade im Bank- Computer- und Medien-Sektor und Bob Proll tuetete
weiter die Hamburger ein. (Quelle: Wieder das CIA Factbook. Bitte lesen!)
Bob Proll hat zu 21% keine Krankenversicherung. Bob Proll hofft auf
Leistungen aus den staatlichen Sozialprogrammen wie Medicare (Hilfe fuer
AEltere) etc. Leider ergibt sich beim aktuellen Zinssatz eine Unterdeckung
der amerikanischen Sozialsysteme aufgrund Barwertberechnung von 44 Billionen
USD = 4,4 * BSP. Originaltext der Veroeffentlichung des amerikanischen
Finanzministeriums (Treasury): "Taking present values as of fiscal-year-end
2002 and interpreting the policies in the federal budget for fiscal year
2004 as current policies, the federal government`s total fiscal imbalance is
equal to $44.2 trillion."
Eine Parallelanalyse kommt zu dem Ergebnis, dass wenn man die Kosten fuer
die medizinischen Hilfsprogramme Medicare und Medicaid, Militaer und die
schon beschlossenen und damit nicht mehr ohne Staatsbankrott aufhebbaren
Zinsen gleich laesst, schon 2007 alle anderen Posten des Budgets um 90%!
gekuerzt werden muessten, damit der Haushalt ausgeglichen wird. Will
heissen: Entweder Steuern massiv rauf = Konjunktur kaputt = ausgeglichener
Haushalt. Oder Staatsbankrott oder Hyperinflation. Greenspan versucht
momentan das letztere, weil ohne Inflation die Krise nicht mehr aufzuhalten
ist. Alle haben mit Wachstum und 7% Zinsen kalkuliert. Unter Deflation sind
die Sozialsysteme nicht finanzierbar. Und der beste Weg des sozialen
Ausgleichs in Amerika ist es den Bond-Besitzern ihr Vermoegen wegzunehmen.
Die einzige denkbare kapitalistische Loesung: Ueber Inflation.

*** Ende der Leserbrief-Antwort ***

Wir bleiben dabei. Es scheint uns sicher, das der Dollar faellt. Es scheint
uns sicher, dass die Bonds fallen entweder wegen Bonitaets- oder wegen
Inflationsrisiko. Amerikanische Anleihen sind daher ein klarer Verkauf und
ueber die starke Koppelung auch die europaeischen.

Wir empfehlen deshalb Glattstellung der Anleihenbestaende und Switch in
Alternative Investments als risikobegrenzte Alternative wie unsere
Zertifikate Vola+Value und Balck+White.

Mit freundlichen Gruessen aus Frankfurt am Main

Ihr German Asset Manager Team

German Asset Managers AG
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60325 Frankfurt
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www.gamag.de
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17.08.03 13:46:35
Beitrag Nr. 70 ()
jetzt haben wir in all den langatmigen postings erfahren,
das zins,zinseszins und verschuldung die probleme unseres wirtschaftens sind,
nur haben wir noch nicht erfahren woher denn die probleme der WELTWIRTSCHAFT stammen,
bekanntlich hat doch die weltwirtschaft KEINEN CENT schulden(es sei denn ich habe es verschlafen das neuerdings wirtschaftsbeziehungen mit ausserirdischen bestehen????),
daher ist auch kein cent an zinsen und zinseszinsen nach ausserhalb des sonnensystems zu bezahlen.

andererseits bedeutet das auch,das sehrwohl auch wirtschaftwachstum ohne zuflüsse von aussen geschafft werden kann,
solange investitionskapital von INNEN bereitsteht.

alles in allem sehe ich das die probleme der wirtschaft eher aus vertrottelten theorien entstehen,von leuten verbreitet die wohl gar nicht wissen was es heißt WERTSCHÖPFEND tätig zu sein.

die schulden des einen sind die guthaben des anderen,
es kommt nur darauf an auf der richtigen seite zu stehen.

ciao speedy
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18.08.03 16:05:06
Beitrag Nr. 71 ()
Ein Finanz- und Wirtschaftssystem funktioniert nur so lange, wie Gläubiger und Schuldner einander vertrauen.
Ohne Vertauenskapital kein Investitionskapital! Dieses Vertrauen schwindet aber von Tag zu Tag und eines Tages sind die "Schuldverträge" nicht mehr das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind. Dann ist es auch egal, auf welcher Seite Du stehst. Beide Seiten sind dann gleichermaßen betrogen und in einer Kettenreaktion wird die Welt nicht mehr so sein wie sie vormals war. Wenn die Amies eines Tages nicht mehr ihre Schulden bedienen, haben insbesondere deren Gläubiger ein Problem. Die Gringos sind jedenfalls hervorragend "gerüstet", sich ihrer Gläubiger zu erwehren. Aber ein prosperierender Welthandel wird auf dieser Basis nicht mehr möglich sein. Geld verloren, nichts verloren, Vertrauen verloren, alles verloren!

Amen ;)
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19.08.03 12:57:53
Beitrag Nr. 72 ()
Einen hab ich noch zum Thema Vertrauen: :D

Die wichtigste Kennzahl für die Aktienmärkte weltweit
ist bekanntlich das US-Verbrauchervertrauen.
Jeder Optimist muß daher dem durchschnittlichen
US-Verbraucher vertrauen: :rolleyes:

Zerschlissene Jeans, geschmackloses T-Shirt, Übergewicht durch übermäßigen Fast-Food-Konsum. Wäre nicht weiter schlimm, wenn nicht mehrere bis zu einem Dutzend Kreditkarten im Portemonnaie. :eek:

Gutes Vertrauen ;)
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19.08.03 13:38:01
Beitrag Nr. 73 ()
... und ab morgen verfasse ich
dann wieder seriöse Postings ... :)
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22.08.03 14:42:11
Beitrag Nr. 74 ()
Hallo Leute,
Ich hab mich jetzt ein bisschen mit einigen Thesen aus u.a. diesem Threat beschäftigt, hätte aber noch ein paar Fragen:
1. Ihr geht von der Tatsache, dass das augenblickliche System entweder in einer Hyper- Inflation oder einer Deflation endet. Sind das die einzigen Möglichkeiten, die auf das augenblickliche System folgen können?

2. Unter der Annahme, dass Anleger sich an einem Punkt(wenn Inflation abbsehbar ist, bzw. wenn Deflation aktuell ist) anscheiden, statt in Zinsen, massiv in Aktien Immobilen, Gold etc. investieren, wie würde sich das auf den weiteren Verlauf des Systems auswirken?

Danke für Antworten,
JanHendrik
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26.08.03 08:42:32
Beitrag Nr. 75 ()
DIE JUNGS LEHNEN SICH JA IMMER WEITER AUS DEM FENSTER: :eek: :eek: :eek:

Werter Investor,

wir moechten Ihnen einige wichtige Informationsstueckchen nicht
vorenthalten, die uns in der letzten Woche bei unserem permanenten Research
aufgefallen sind:

1. Technik. Seit Jahren beschaeftigen wir uns mit der Zyklenanalyse.
Interessant ist das Verhalten der Maerkte Ende August im Hinblick auf
wichtige Drehpunkte:

25. August 1987: >das exakte Top vor dem Crash

23. August 1988: <Tiefpunkt der nicht wieder erreicht wurde

24. August 1995: <Tiefpunkt der nicht wieder erreicht wurde

19. August 1998: >Top danach 18% Verlust in 2 Wochen

31. August 1998: <wichtiger Tiefpunkt

25. August 1999: >All-time High, dann 14% Minus

31. August 2000: >2 Tage vor All-time-High im New York Composite Index

24. August 2001: >Ende der Abwaertsrallye nach 22% Verlust in einem Monat

22. August 2002: >Exaktes Top der Rallye danach 21% Verlust in weniger als
einem Monat

22. August 2003: >Exaktes Top nach einer 50% Rallye in den wichtigsten
Maerkten?????

GAMAG-Wertung: 9 Ereignisse sind statistisch gesehen noch kein Beweis. Dazu
braucht man 30 oder mehr identische Faelle. Trotzdem ist die Haeufung
derartiger Extrempunkte im August bereits signifikant. Aber es gibt an den
Maerkten eine Tendenz im August einen Dreh nach unten einzuleiten und im
September/Oktober massive zu fallen. Garantiert? Nein. Aber haeufiger als
50:50.

2. 1987 stiegen die amerikanischen Zinsen um 1,5% von 8% auf knapp 10% im
Zeitraum von 2-3 Monaten und niemand interessierte sich dafuer. Die Aktien
stiegen froehlich weiter. Was folgte war der Crash vom 19 Oktober.

3. 1990 erreichte der NIKKEI 225 mit ueber 38000 Punkten sein Alltime-High.
1993 erreichte der NIKKEI mit rund 14000 Punkten das Tief, das fuer rund ein
Jahrzehnt den Boden markieren sollte. Danach folgte ein Anstieg auf 21000
Punkte = 50% und alle wussten, dass die wirtschaftliche Entwicklung ihren
Tiefpunkt erreicht hatte und es wieder nach oben gehen wuerde. Das Ergebnis
war.... ein Indexverlust auf 17000 Punkte innerhalb 3 Monaten=-25%! Mehr
dazu unter

<http://www.gamag.de/Nikkeicrash.htm>" target="_blank" rel="nofollow ugc noopener">http://www.gamag.de/Nikkeicrash.htm>

Unangenehmerweise laeuft der DAX voellig parallel zum NIKKEI. Wir haben eine
einfache Analyse gemacht. Dazu haben wir den NIKKEI um 10,25 Jahre auf der
Zeitachse nach rechts verschoben, d.h. in die Zukunft und die Werte von DAX
und NIKKEI angeglichen (DAX grob mit 4,8 multipliziert) Das Ergebnis sehen
Sie auch unter

<http://www.gamag.de/Nikkeicrash.htm>" target="_blank" rel="nofollow ugc noopener">http://www.gamag.de/Nikkeicrash.htm>

In allen wesentlichen Bewegungen folgte der DAX bisher dem NIKKEI. Damit
steht uns eine scharfe Korrektur jetzt oder spaetestens nach den naechsten
300 DAX-Punkten bevor. Scharf heißt dabei 25% minus und damit DAX 3000 oder
tiefer. Wer jetzt verkauft sieht also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die
heutigen Kurse wieder, wahrscheinlicher aber muss er deutlich weniger
bezahlen, als heute.

4. Was wird der Ausloeser sein? Das werden wir wie immer von den Historikern
erklaert bekommen. In ein paar Jahren. Es bieten sich die vielfaeltigen
Probleme der USA an, wo der Republikaner Ron Paul, Texas erst kuerzlich im
Kongress darauf hingewiesen, hat das die USA pleite sein, da zukuenftigen
Zahlungsverpflichtungen des Staates von 43 Billionen USD ein Gesamtvermoegen
der Haushalte von nur rund 40,6 Billionen gegenueberstehe. Wir haben dazu
auch ein paar neue Horrorcharts unter unserer Seite

<http://www.gamag.de/Rentencrash2.htm>" target="_blank" rel="nofollow ugc noopener">http://www.gamag.de/Rentencrash2.htm>

bereitgestellt. Sie zeigen wie die Scheere von Einkommen und Verschuldung in
Amerika immer weiter auseinander faellt. Ein hochgezockter Immobilienmarkt,
eine Nation, die auf Pump lebt, ohne dass die Kredite investiert werden und
damit Rendite abwerfen. Dies ist ein explosiver Cocktail. Das diese Nation
weitere Kredite aufnehmen muss, ist bei der jetzigen Ausgabenpolitik sicher.
Wie lange werden die Auslaender mitspielen? Schnee von gestern, weil jetzt
mit dem amerikanischen Wachstum alles besser wird? Die amerikanische
Bevoelkerung waechst um 1,9% p.a. Jedes Wachstum unter 1,9% bedeutet damit
Rezession, weil dann die Leute heute weniger produzieren pro Kopf, als im
Vorjahr. Damit hat Amerika seit Monaten Rezession und die hochgelobten 2%
erhofftes Wachstum sind nichts als Nullwachstum, wenn man diese um den
Bevoelkerungsanstieg korrigiert. Der durchschnittliche Amerikaner verdient
heute weniger und hat mehr Schulden als vor 3 Jahren. Die Finanzierung des
Konsums ueber Kreditaufnahme auf die hochgezockten Haeuser ist zum Erliegen
gekommen. Was wir jetzt sehen ist Wirtschaftswachstum aufgrund der
Kriegsproduktion der USA: 50 Mrd jeden Monat fuer LKWs, die dann
explodieren, und aehnliche "Investitionsgueter".

Die USA sind ein Land in dem der stellvertretende Zentralbankvorsitzende
Bernanke mit dem Ausspruch beruehmt geworden, ist, im Zweifel wuerde man
Dollars aus Hubschraubern abwerfen um zu reflationieren und ein
wiedererweckter Ex(?)-Alkoholiker das groesste Terroristen-Trainingscamp der
Weltgeschichte aufbaut (da ist doch noch eine Pipeline und da ist doch noch
ein Konvoi - gucken wir doch mal wie wir den gesprengt bekommen, wenn die
jetzt schon mal da sind). Saudi Arabien hat alleine in den letzten drei
Monaten die Kontrolle ueber 2500 ihrer Staatsbuerger verloren, die mit
unbekanntem Ziel das Land verlassen haben. Vielleicht sind diese ja nur mal
kurz ueber die Grenze in ein Nachbarland geschlendert, dass mit I. beginnt!?
Faktum ist: Die USA haben hoch gepokert. Anders als aus Somalia oder Vietnam
kann sich die USA aus Irak nicht zurueckziehen. Es waere ihr Ende (als
Weltmacht) nicht nur das ihres Praesidenten. Wir sehen hier also einen
Entscheidungskrieg, die Frage ob demokratische Staaten in der Lage sind,
deren Wertesystem der islamisch gepraegten Welt aufzuoktroyieren oder ob
dies nicht funktioniert. Kommt es zu einer polizeistaatlichen Loesung, so
hat Hussein im Nachhinein gewonnen und Vorgaenge wie die Ausschaltung
rechtlichen Gehoers bei den Guantanamo-Gefangenen zeigen: Das Ergebnis heißt
nicht zwangslaeufig mehr Demokratie fuer Arabien, sondern erst einmal schon
heute weniger Rechtsstaat und weniger Freiheit im Westen.

Wohlgemerkt: Wir reden hier ueber 10-Jahres-Perspektiven. Jede dieser
Entwicklungsstroemungen birgt jedoch jederzeit die Moeglichkeit groesserer
Desaster: Terroristische Angriffe im Westen, Firmenzusammenbrueche,
Verweigerung der Kreditoren zu weiterer Kreditvergabe u.v.a..

Kalifornien ist schon nur noch BBB im Kreditrating. Wann kommt der Punkt, wo
die USA ihr Tripple-A verlieren? Fuer Rating-Agenturen eine politisch
brisante Frage, da diese in den USA beheimatet sind. Nimmt man aber die
Fakten dann sind diese:

10 Billionen US-Bruttosozialprodukt (BSP)
2 Billionen US-Staatseinnahmen = 20 % des BSP
2,5 Billionen US-Staatsausgaben = 25% des BSP
0,5 Billionen Staatsdefizit = 5% des BSP
7,7 Billionen aufgelaufene Staatsschuld per 2004 = 77% des BSP bei 6% Zinsen
(Es gibt auch noch Altanleihen!) = 470 Mrd. Zinsen = 24 % der
Staatseinnahmen

Barwert weiterer Staatsverbindlichkeiten aufgrund von Sozialprogrammen etc.
36 Billionen

Zusammengefasst: Bei 25 Mrd. Euro Umsatz, 4 Milliarden einmaligem Verlust
aufgrund Restrukturierung und 63 Mrd. Euro Schulden waren Analysten der
Meinung die Deutsche Telekom haette ein Bonitaetsproblem und waere
moeglicherweise nur noch Junk. Bei 2000 Mrd. Einnahmen 500 Mrd. Verlust
permanent d.h. fuer 2003 und gesichert 2004 und 7700 Mrd. aktueller
Verbindlichkeiten aus Anleihen und weiteren 36000 Mrd. aus Sozialprogrammen,
Pensionsverpflichtungen etc. ist man der Meinung die USA seien erste
Bonitaet.

Konsequenzen:

Wer hier nicht gehedgt ist, ist selber schuld. Unsere Hedge-Strategien haben
seit Jahresanfang einen Gewinn von

+ 15,35% bei Black + White
+ 20,21% bei Vola + Value

erzielt und damit ziemlich genau DAX-Performance. Dabei ist aber Vola+Value
seit Monaten tendenziell short. Trotzdem haben wir in diesem Monat schon
2,5% verdient. Vor diesem Hintergrund eine klare Empfehlung: Stellen Sie
ihre Wertpapierbestaende glatt. Steigen Sie auf unsere alternativen
Investments um. Wenn Sie noch auf die große Aktienrallye setzen wollen:
Kaufen Sie sich ein paar Index-Calls/Optionsscheine zusaetzlich, aber
sichern Sie Ihr Kapital jetzt und profitieren Sie am moeglicherweise
kommenden Desaster.

Mit unseren komplexen Optionsstrukturen werden wir große Gewinne einfahren,
sollte es crashen und das Kapital auch noch vermehren, wenn es so weiter
laeuft, wie in den letzten Monaten. Unsere Manager bei Black+White sind in
der Gesamttendenz Risikoavers d.h. auf Gesamtportfolioebene neutral
(gleicher Anteil von Long- wie Short-Positionen) positioniert. Auch hier
erwarten wir für den Fall eines Desasters positive Renditen.

Es ist nicht mehr viel Spiel nach oben. Wenn erst die Märkte wieder im
freien Fall sind, ist es zu spät.

Handeln Sie jetzt.

Ihre German Asset Managers AG

German Asset Managers AG
Bettinastr. 30
60325 Frankfurt
Tel: 069 97 46 11 34
FAX: 069 97 46 11 59
<http://www.gamag.de>
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03.10.03 22:20:07
Beitrag Nr. 76 ()
Das mit dem August war diesmal wohl nicht so.
Aber folgendes kommt mir inzwischen sehr bekannt vor: :rolleyes:
`1993 erreichte der NIKKEI mit rund 14000 Punkten das Tief, das für rund ein Jahrzehnt den Boden markieren sollte. Danach folgte ein Anstieg auf 21000 Punkte = 50% und alle wussten, daß die wirtschaftliche Entwicklung ihren Tiefpunkt erreicht hatte und es wieder nach oben gehen würde. Das Ergebnis war.... ein Indexverlust auf 17000 Punkte innerhalb 3 Monaten=-25%!`
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24.04.09 21:23:21
Beitrag Nr. 77 ()
...
Avatar
01.05.09 15:07:45
Beitrag Nr. 78 ()
Antwort auf Beitrag Nr.: 37.038.468 von Das_Modul am 24.04.09 21:23:21 "Kein Boden in Sicht"
Tomasz Konicz 24.04.2009

Der freie Fall der Weltwirtschaft gewinnt an Dynamik - wie lange wird er andauern? Helfen Konjunkturprogramme bei der Überwindung der Krise?
Wirtschaftshistoriker dürften vergeblich nach einem ähnlich dramatischen Konjunktureinbruch in den Annalen des kapitalistischen Weltsystems suchen, wie er sich gerade zeitgleich global vollzieht. Die Industrieproduktion fällt in einem atemlosen Tempo. Weltweit füllen sich die Lagerbestände mit unverkäuflichen Warenbergen, während gleichzeitig Millionen von Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren. Die Welt werde plötzlich "mit nahezu allem überflutet: Flachbildfernsehern, Bulldozern, Barbie-Puppen...", lamentierte die Washington Post.


Auch der globale Handel, das wichtigste Merkmal der kapitalistischen Globalisierung der letzten Jahrzehnte, bricht ein. Im Zeitraum von August 2008 bis Januar sank der globale Warenaustausch um fast 20 Prozent. Wie der Economist meldet kann man inzwischen seine Fracht von Asien nach Europa in einem Schiffscontainer für 0 Dollar verschiffen lassen. Der Kunde habe nur noch die Treibstoffkosten zu tragen und die Verladung zu bezahlen, so der Economist.


Quelle: wirtschaftquerschuss.blogspot.com

Um abschätzen zu können, wie lange dieser "freie Fall" der globalen Ökonomie anhalten kann und ob die gegenwärtig überall aufgelegten Konjunkturprogramme zur Bewältigung der Krise beitragen können, muss man zuerst Klarheit über den Charakter der gegenwärtigen wirtschaftlichen Verwerfungen gewinnen. Es ist zuvorderst zu klären, was eigentlich jetzt passiert, welche sozioökonomischen Prozesse derzeit ablaufen. Einen ersten Hinweis hierauf liefert der britische Economist, der in einem jüngst publizierten Artikel den weltweiten Kollaps der Produktion beklagt:


--------------------------------------------------------------------------------

Die Industrieproduktion ist unbeständig, aber die Welt hat eine solche Kontraktion seit dem ersten Ölschock in den Siebzigern nicht gesehen – und nicht mal damals war diese so weit verbreitet. Die Industrie kollabiert in Osteuropa, wie in Brasilien, Malaysia und der Türkei. Tausende von Fabriken in Südchina sind nun verlassen. Die Arbeiter sind zurück auf das Land gegangen...
The Economist


April 2005 ist als Vergleichswert mit 100 definiert. Quelle: Eurostat

Das bereits verfügbare statistische Material, das den Zusammenbruch der Warenproduktion, wie auch die in dessen Gefolge einsetzende massenhafte Zunahme der Arbeitslosigkeit beleuchtet, ist in der Tat als historisch einmalig zu bezeichnen. In den USA ging die Industrieproduktion im Januar 2009 gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch um vergleichsweise moderate 10% zurück, in Russland waren es schon 16%, in Spanien 24%, Japan musste einen Rückgang um 31% verkraften, die Ukraine sogar um 34% - und Taiwans Industrieproduktion sackte um 43% ab! Deutschland, der einstmals von der hiesigen Presse gefeierte magersüchtige Exportweltmeister verzeichnete einen Rückgang der Industrieproduktion um 13%. Im ebenfalls auf den Export fixierten Südkorea waren es 21%.


Quelle: wirtschaftquerschuss.blogspot.com

Zeitgleich explodiert weltweit die Arbeitslosigkeit, deren Anstieg als einer der wichtigsten Faktoren gilt, die zur politischen Destabilisierung der bestehenden Gesellschafts(un)ordnung beitragen werden. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation ILO soll das weltweite Heer der Erwerbslosen um weitere 50 Millionen Menschen bis Ende 2009 anwachsen.

Die ILO warnt überdies, dass aufgrund der Krise in der Peripherie des kapitalistischen Weltsystems zusätzliche 200 Million Menschen in "absolute Armut" abrutschen. Weltweit würden 45 Prozent aller Beschäftigten, das sind 1,4 Milliarden Menschen, zu den "arbeitenden Armen" zählen. Diese Menschen verdienen weniger als zwei US-Dollar pro Tag. Doch der Aderlass hat schon längst eingesetzt: In China haben bereits an die 20 Millionen Wanderarbeiter ihre Arbeitsplätze verloren.


Quelle: Office for National Statistics (ONS)

Trotz eines öffentlichen Investitionsprogramms von umgerechnet 456 Milliarden Euro soll selbst staatlichen Prognosen zufolge das Arbeitslosenheer in den ländlichen Regionen Chinas noch auf 25 Millionen Menschen anschwellen In Großbritannien soll laut der ILO die Arbeitslosigkeit bis Mitte 2010 auf 9,5% ansteigen - von 6,3% im Januar 2009. Deutschland hingegen dürfte im kommenden Jahr laut der Internationalen Arbeitsorganisation wieder eine zweistellige Erwerbslosenrate von 10,5% aufweisen (und das, nachdem schon die Arbeitslosenstatistik massiv gefälscht wurde). Die Agenda 2010 der ehemaligen rot-grünen Koalition von Gerhard Schröder wandle sich nun in einen Albtraum 2010, jammerte jüngst die Financial Times Deutschland.

Wie der Economist nun in dem oben erwähnten Artikel konstatiert, sind oftmals Regionen und Länder besonders stark von den Einbruch in der Industrieproduktion betroffen, die – wie Japan, Südkorea, Deutschland oder China - eigentlich keine nennenswerten, mit massiver privater Verschuldung einhergehenden Spekulationsblasen im Immobiliensektor ausgebildet haben:


--------------------------------------------------------------------------------

Einige Einheimische (in den USA und Großbritannien) machen nun die Wall Street und die City verantwortlich. Aber der Kollaps ist viel schlimmer in den Ländern, die stärker von der Exportproduktion abhängig sind, die auf die Konsumenten in den Schuldnerstaaten angewiesen sind.
The Economist

Hier wirft der Economist ein bezeichnendes Schlaglicht auf die globale Außenhandelsstruktur, die tatsächlich von Defizitkreisläufen gekennzeichnet ist, bei denen exportorientierte Volkswirtschaften - wie China, Deutschland, Japan und Südkorea - ihre Produktionsüberschüsse in sich immer weiter verschuldende Zielländer exportierten, die zumeist auch Spekulationsblasen im Immobiliensektor aufwiesen.

Zu diesen "Schuldnerstaaten", wie der Economist sie nennt, gehörten unter anderem neben den USA auch Großbritannien, Spanien und Irland. Der wichtigste globale Defizitkreislauf bestand natürlich zwischen China und den USA. Die im Abstieg begriffenen Vereinigten Staaten und das aufstrebende Reich der Mitte sind durch diesen Defizitkreislauf trotz ihrer geopolitischen Rivalität zur ökonomischen Kooperation regelrecht verurteilt. Doch auch die Konjunktur in Osteuropa war hauptsächlich – durch westeuropäische, insbesondere österreichische Banken - auf Pump finanziert.

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Verstaatlichung der Defizitkonjunktur

Die gute Wirtschaftsentwicklung der letzten zwei Jahrzehnte wurde zum großen Teil durch Verschuldung, durch die Herausbildung einer kreditfinanzierten Massennachfrage befeuert. Und diese Nachfrage wurde gerade vom Finanzsektor generiert. Für die Banken ist eine Expansion der Verschuldung gleichbedeutend mit einer Ausweitung ihrer Märkte, da der Kredit die wichtigste "Ware" der Finanzbranche darstellt. Die wild wuchernden Finanzmärkte ließen somit nicht nur etliche Spekulations- und Finanzblasen aufsteigen, sondern seit den achtziger Jahren vermittels exzessiver Kreditvergabe ihre eigenen Märkte expandieren. Nach den Ursachen der gegenwärtigen Wirtschaftskrise befragt, benennt inzwischen beispielsweise der Nobelpreisträger Paul Krugman nicht mehr in erster Linie die Spekulationen auf dem Immobilienmarkt, sondern das Überhandnehmen der Kreditvergabe als den wichtigsten Faktor:


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Nun, ich wusste zwar, dass wir in Amerika gewaltige Probleme haben, etwa auf dem Immobilienmarkt mit seinen Billionen-Verlusten. Doch dann wurde klar, dass es sich um eine globale Kreditblase handelte, von den USA bis nach Europa.
Paul Krugman

Es ist inzwischen allgemein bekannt, dass die USA besonders hoch verschuldet sind. Dort erreichte die gesamte Verschuldung inzwischen mehr als 350% des Bruttosozialprodukts. Die Lohnabhängigen der Vereinigten Staaten müssten also dreieinhalb Jahre ohne jegliche Entlohnung arbeiten, um diese Verbindlichkeiten begleichen zu können. Doch die Kreditblase ist in einigen Regionen Europas in noch absurdere Dimension vorgerückt. Die externe Verschuldung Islands und Irlands beträgt wahnsinnige 900% des Bruttosozialprodukts. Im Fall Großbritanniens sind es 456%, bei der Schweiz 433%, die Niederlande weisen eine Auslandsverschuldung von 328%, Frankreich von 210% auf.

Es ist, wie gesagt, vor allem die private Kreditaufnahme, die die schuldenfinanzierte Massennachfrage der letzten Jahre generierte. Die Verschuldung der privaten Haushalte beträgt beispielsweise in Irland 179% des Bruttosozialprodukts! In Portugal sind es 143%, in Spanien 159%. Das noch vor wenigen Monaten als Boomregion abgefeierte Osteuropa steht mit 1,5 Milliarden US-Dollar bei westeuropäischen Banken in der Kreide.

Diese eigentlich seit Jahrzehnten kontinuierlich an Dynamik gewinnende Verschuldung schaffte somit die Massennachfrage, die zur Grundlage des Aufschwungs der letzten Jahre wurde. Der Zusammenbruch dieses kreditfinanzierten Schneeballsystems ließ die Nachfrage einbrechen, die Industrieproduktion kollabierte und dies hatte folglich auch die ersten massenhaften Entlassungen von Arbeitskräften zur Folge. Krugman sieht die einzige verbleibende Hoffnung für das kapitalistische Weltsystem in enormen Konjunkturprogrammen, vermittels derer ein wirtschaftlicher Zusammenbruch ähnlich dem in der großen Depression von 1929 verhindert werden könnte. Befragt nach der Finanzierung dieses Unterfangens antwortet er:


--------------------------------------------------------------------------------

Bitte verstehen Sie doch: Die Gefahr ist außerordentlich hoch, dass die Wirtschaft jetzt in eine deflationäre Abwärtsspirale gerät. Man kann die Lage eigentlich nicht schwarz genug malen. Zum ersten Mal seit zwei Generationen gibt es Defizite auf der Nachfrageseite der Wirtschaft. Wir konsumieren zu wenig, um die verfügbare Produktionskapazität auszunutzen. Dieser Umstand ist in weiten Teilen der Welt zur Wohlstandsbremse Nummer eins geworden. Und wenn wir nicht sehr rasch sehr viel mehr tun, dann entkommen wir dieser Spirale für viele Jahre nicht mehr.
Paul Krugman

Zur Verhinderung eines deflationären Absturzes der Weltwirtschaft soll sich laut Krugman also der Staat so massiv verschulden, wie es vormals der Privatsektor machte. In seiner ersten, oben zitierten Aussage machte aber der Nobelpreisträger gerade die "Kreditblase" für die derzeitige Krise verantwortlich. Krugman gibt hier auch die implizite Schizophrenie der öffentlichen Diskussion wieder. Zum einen wird die Ursache der Krise in dem wilden Wachstum der Finanzmärkte, in exzessiver Kreditvergabe und der "Gier" der Banker und Spekulanten verortet, die das anscheinend kerngesunde produzierende Gewerbe nun durch den Credit-Crunch mit in den Abgrund reißen. Andererseits beklagt Krugman den Einbruch der - durch die Kreditvergabe des Finanzsektors überhaupt erst jahrelang geschaffenen - Nachfrage, der ursächlich für den Zusammenbruch der Industrieproduktion ist. Zur Lösung dieser Krise regt der Nobelpreisträger also an, die nun zusammengebrochene private Kreditaufnahme in Staatsregie weiterzuführen. Nicht mehr der private Konsument, sondern "Vater Staat" soll sich verschulden. Man könnte hier von einer "Verstaatlichung" der vormaligen Defizitkonjunktur sprechen.

Selbst verknöcherte neoliberale Hardliner wie der Basarökonom Hans-Werner Sinn fordern vom Staat inzwischen immer neue Konjunkturprogramme, um die schnell fallende Massennachfrage erneut beleben zu können.

Es war aber gerade das wilde, unkontrollierte Wachstum der Finanzmärkte mitsamt massenhafter Verschuldung, das hauptsächlich zur Befeuerung der Konjunktur der letzten Jahre beigetragen hat. Um das "Rätsel" der gegenwärtigen Krise zu lösen, müssen wir nur noch klären, wieso sich dieses System einer kreditfinanzierten Defizitkonjunktur – mitsamt den beschriebenen Defizitkreisläufen - auf globaler Ebene etabliert hat. Auch hier hilft uns die zutreffende Bemerkung Krugmans weiter, der zufolge wir zu wenig konsumieren, "um die verfügbare Produktionskapazität auszunutzen". Doch offensichtlich können "wir" nicht mehr ohne massive Kreditaufnahme genug konsumieren, um die globalen Produktionskapazitäten auslasten zu können. Entweder vollzieht sich diese Verschuldung über die wild wuchernden Finanzmärkte, wie bis vor kurzem, oder die Politik folgt dem Rat Krugmans und lässt den Staat über kreditfinanzierte Konjunkturprogramme die "fehlende" Massennachfrage generieren.



Der Konsum bleibt hinter den Produktionskapazitäten zurück

Die Erzeugung der Massennachfrage vermittels ausufernder Verschuldung und eines beständig expandierenden Finanzsektors begann in den 1980er Jahren mit der Etablierung neoliberaler Politik unter dem US-Präsidenten Ronald Reagen und der britischen "Eisernen Lady" Margret Thatcher. Sowohl die US-Verschuldung wie auch der Dow-Jones weisen ab den Achtzigern eine regelrecht explosive Aufwärtsbewegung auf. Wir haben also mit einer Jahrzehnte langen Blasenbildung bei der Kreditaufnahme und Verschuldung zu tun, die in ihrer Dauer und ihren Ausmaßen einzigartig ist in der fünfhundertjährigen Geschichte des kapitalistischen Weltsystems.

Dieser enormen Blasenbildung - die eigentlich schon den Charakter einer von der Dominanz der Finanzmärkte charakterisierten Periode kapitalistischer Geschichte annahm - ging eine massive globale Wirtschaftskrise in den 70ern voraus, für die sich der Begriff der Stagflation etablierte.

Die Gewinne der Unternehmen gingen in allen Industrieländern rapide zurück, das Wirtschaftswachstum erlahmte und die Massenarbeitslosigkeit griff nach über zwei Jahrzehnten der Vollbeschäftigung ab den Siebzigern erneut um sich. Die Regierungen reagierten damals, wie sie es heute tun: Mit massiven Konjunkturprogrammen und mit expansiver Geldpolitik, also mit besonders niedrigen Leitzinsen. Dies führte nach einiger Zeit zur einer immer stärker sich beschleunigenden Inflation, da die im Umlauf befindliche Geldmenge immer weiter anwuchs. Genau diese Stagflation droht uns heute wieder. Es ist gerade so, als ob die Krise der Siebziger nun – um ein Vielfaches verstärkt – erneut über die Weltwirtschaft hereinbrechen würde.

Schon in den Siebzigern zeichnete sich ab, was auch Krugmann heute bemerkt, dass nämlich der Konsum nicht in der Lage ist, die "verfügbare Produktionskapazität auszunutzen". Das lag nicht an einem zu geringen Lohnniveau, da damals die Gewerkschaften durchaus substantielle Lohnerhöhungen durchzusetzen in der Lage waren. Vielmehr griff die früher zumindest noch breit diskutierte – heute aber weitgehend aus dem öffentlichen Diskurs verbannte - Krise der Arbeitsgesellschaft bereits um sich. Im Kern besagt diese These, dass der Arbeitsgesellschaft die Arbeit ausgeht. Oder, wie es der Soziologieprofessor Oskar Negt in Abgrenzung zu der klassischen, zyklischen Konjunkturkrise formulierte:


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Nicht nur die Krisenfolgen sind neuartig, auch die Struktur der Krise hat sich verändert; die Arbeitslosigkeit als gesellschaftliches Massenphänomen ist von den herkömmlichen Wellenbewegungen von Konjunktur und Rezession abgekoppelt. Es ist aus diesem Grunde immer unwahrscheinlicher, dass das Problem der chronischen Arbeitslosigkeit im begrenzten Horizont betriebswirtschaftlicher Kostenüberlegungen zu lösen ist.
Oskar Negt[1]

Bei der Krise der Arbeitsgesellschaft handelt es sich also um eine Strukturkrise der kapitalistischen Ökonomie in den letzten 30 Jahren. Ab den 1970er Jahren erwies sich der immer enger mit der Industrie verzahnte wissenschaftlich-technische Fortschritt als ein zweischneidiges Schwert: Konnten Produktivitätssteigerungen und neue Technologien bis in die 70er Jahre zur Erschließung neuartiger Märkte beitragen und immer mehr Arbeitsplätze schaffen, als durch Rationalisierungen in älteren Industrien wegfielen, so kippte diese Entwicklung ab 1973. Die immer schneller um sich greifende Rationalisierung und Automatisierung führte dazu, dass immer mehr Waren in immer kürzerer Zeit durch immer weniger Arbeitskräfte hergestellt werden konnten. Neue Industriezweige wie die Mikroelektronik und die Informationstechnik beschleunigten diese Tendenz in den kommenden Dekaden noch weiter, da die neuen Technologien weitaus weniger Arbeitsplätze schufen, als durch deren gesamtwirtschaftliche Anwendung wegrationalisiert wurden.

Inzwischen beschäftigt sich sogar das Institut für Zeitgeschichte mit diesem Phänomen, das nicht zufällig in etwa so alt ist, wie die Expansion der Finanzmärkte:


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Die Debatte über die Krise der Arbeitsgesellschaft begleitet den innenpolitischen Diskurs in der Bundesrepublik Deutschland seit gut dreißig Jahren, ohne dass man das Patentrezept gefunden hätte, um eine offensichtlich chronische Krankheit zu kurieren. [...] Waren 1973 im Bundesgebiet nur 270.000 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, so zählte man ein Jahr später schon 580.000; 1975 wurde erstmals die Grenze von einer Million überschritten. Es zeigte sich in diesen Jahren, dass die Maßnahmen des Staates unvollkommen griffen und der Arbeitsmarkt nur zögerlich auf Wachstumsimpulse, aber dafür überaus empfindlich auf Phasen konjunktureller Flaute reagierte. Der Sockel an Arbeitslosigkeit wuchs mit jeder neuen Krise weiter an. So stieg die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik bis 1983 auf knapp 2,3 Millionen an und fiel trotz günstiger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen bis zum Fall der Berliner Mauer nie mehr unter die Zwei-Millionen-Marke.
IFZ München

Die zerstörerische Dynamik dieser Krisenbewegung ist offensichtlich: Je weniger Arbeit durch Rationalisierung und Automatisierung zur Reproduktion der gesamten Gesellschaft aufgewendet werden muss, desto weniger Einkommen steht den Konsumenten zur Verfügung. Weniger Einkommen bedeutet ebenfalls, dass die Konsumnachfrage sinkt. Eine sinkende Nachfrage hat wiederum eine fallende Produktion, weitere Entlassungen und erneut sinkende Nachfrage zur Folge. Paul Krugman hat also vollkommen recht, wenn er feststellt, dass wir zu wenig konsumieren, "um die verfügbare Produktionskapazität auszunutzen". Nur liegt dies vor allem daran, dass immer weniger von "uns" notwendig sind, um eine immer größere Masse an Waren herzustellen.


Quelle: wirtschaftquerschuss.blogspot.com


Im Teufelskreislauf

Dieser verhängnisvolle, sich selbst verstärkende Kreislauf, diese Krise der Arbeitsgesellschaft, wurde durch die Expansion der Finanzmärkte abgemildert und überdeckt. Die "Defizite auf der Nachfrageseite der Wirtschaft", von denen Krugman spricht, wurden ja gerade durch die Kreditvergabe des Finanzsektors zumindest teilweise ausgeglichen. Die enorme globale Verschuldung deutet also im Endeffekt nicht darauf hin, dass "wir über unsere Verhältnisse gelebt haben", wie uns inzwischen Neoliberale einzureden versuchten.. Im Gegenteil, die Produktionskapazitäten sind inzwischen so enorm angewachsen, dass sie nicht mehr durch das Nadelöhr einer auf Gewinnmaximierung beruhenden Wirtschaftsverfassung hindurchgepresst werden können.


Quelle: wirtschaftquerschuss.blogspot.com

Diese Entwicklung ist im Rahmen der martkwirtschaftlichen Konkurrenz zwangsläufig: Jedes Unternehmen strebt danach, vermittels Automatisierung, Rationalisierung und Massenentlassungen seine Kosten zu minimieren und Gewinne zu maximieren. Die Gewinnmaximierung des eingesetzten Kapitals ist ja das oberste Ziel kapitalistischer Produktion. Da aber alle Unternehmen so verfahren müssen, untergraben sie die Massennachfrage nach ihren eigenen Produkten, da die entlassenen Lohnabhängigen ja auch Konsumenten waren. Wir haben also unter unseren Verhältnissen gelebt – innerhalb der bestehenden Wirtschaftsordnung können wir nur unter unseren Verhältnissen leben.

Die Schizophrenie der spätkapitalistischen Wirtschaftsverfassung wird hier offenbar: Während immer mehr Menschen arbeitslos werden, im Elend versinken oder ihre Häuser verlieren und obdachlos werden, stapeln sich anderswo die unverkäuflichen Warenberge, werden Häuser abgerissen, die zwangsgeräumt werden; und wir leben in einer Wirtschaftsordnung, die diese beiden Tendenzen - massenhaftes Elend und massenhafte Überproduktion – nicht in Einklang bringen, nicht auflösen kann.

Mit dem Zusammenbruch des globalen Finanzüberbaus, der die kreditfinanzierte zusätzliche Nachfrage generierte, brechen diese der spätkapitalistischen Warenproduktion immanenten Widersprüche somit erneut verstärkt hervor. Die ungeheuren Produktionskapazitäten der Wirtschaft treffen auf eine global rasch schwindende Nachfrage, deren fortgesetzter Absturz wiederum dazu beiträgt, dass die Unternehmen ihre verbliebenen Arbeitskräfte in diesem Teufelskreislauf entlassen müssen. Mittlerweile ist die gesamte kapitalistische Gesellschaft innerhalb der kapitalistischen Binnenlogik "unrentabel" geworden – sie lebte in den vergangenen Jahrzehnten nur noch auf Pump. Erst mit dem Zusammenbruch der durch den Finanzsektor finanzierten Verschuldungsorgie wird vielen Menschen diese Tatsache aufs schmerzlichste bewusst. Was wir nun erleben, ist die brutale Ausbildung einer 20:80 Gesellschaft, in der nur noch circa 20% aller arbeitsfähigen Menschen zur Reproduktion tatsächlich benötigt werden.

Wir können nun den Charakter der gegenwärtigen Krise bestimmen: Es ist eine in den Widersprüchen der marktwirtschaftlichen Warenproduktion zu verortende Systemkrise, die nun voll ausbricht und zu dem Einbruch der Massennachfrage, und folglich des Handels und der Industrieproduktion führt.

Was bedeutet dies für den Krisenverlauf, für die Tragweite dieses ökonomischen Weltmarktbebens? Der mit voller Wucht einsetzende selbstzerstörerische Prozess hat keine objektive Grenze, sondern kann durch eine positive Rückkopplung immer weiter an Wucht gewinnen. Der Teufelskreis aus sinkender Nachfrage, fallender Industrieproduktion und erneuten Massenentlassungen, die wiederum die Massennachfrage senken, erfährt ein Ende im ökonomischen Kollaps – oder seiner Überwindung auf höherer gesellschaftlicher Organisationsebene.

Eine dunkle Ahnung davon, dass es bei dieser Krise überhaupt keinen "Boden" geben könnte, sondern nur einen immerwährenden Fall, haben auch die intelligenteren Vertreter der globalen Wirtschafts- und Finanzelite. Der berüchtigte Finanzinvestor und Spekulant George Soros sprach bereits Ende Februar davon, dass die jetzige Krise das Ende des "Modells des freien Marktes" einläute, wie es sich seit den 80ern global durchsetzte:


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Ich glaube, wir sind in einer Krise, die wirklich die schwerste seit den 1930ern ist und die ganz anders ist all die Krisen, die wir bislang erlebten. [...] Die Ökonomie ging in einen freien Fall über und sie fällt immer noch und wir wissen nicht, wo der Boden ist und wir werden es nicht erfahren, bis wir dort aufschlagen und es gibt keinerlei Anzeichen, dass wir auch nur in der Nähe des Bodens sind.
George Soros



Der weiße Tod des Kapitalismus

Während sich die obersten Zehntausend über Milliardenverluste ärgern, marginalisiert die an Intensität gewinnende Krise der Arbeitsgesellschaft immer größere Teile der Weltbevölkerung – ohne dass ein Ende dieser Entwicklung absehbar wäre. Der Krisentheoretiker Robert Kurz hält beispielsweise im Falle Deutschlands mittelfristig eine Arbeitslosenzahl von acht Millionen für durchaus realistisch:


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Ab einer bestimmten Größenordnung verstärkt sich die Arbeitslosigkeit selbst wie eine abgehende Lawine. Die kritische Masse ist erreicht, sobald die qualifizierten Kernbelegschaften der großen Industriekonzerne erfasst werden, beginnend mit der Autoindustrie. Denn an jedem einzelnen High-Tech-Arbeitsplatz hängen nicht nur zahlreiche Arbeitsplätze in den tief gestaffelten Zuliefer- und Grundstoffindustrien, sondern noch weitaus mehr Beschäftigungsverhältnisse im Einzelhandel, bei den Humandienstleistungen oder in der Freizeitindustrie; vom Würstchenverkäufer bis zur Friseuse.
Robert Kurz

Hinzu käme der Kollaps der sozialen Sicherungssysteme, deren Finanzierung ebenfalls beschäftigungsabhängig sei. Der Wegfall dieser Transfereinkommen ließe die Massennachfrage weiter einbrechen. Zudem würden die massenhaft in Arbeitslosigkeit geratenden Menschen dazu übergehen, ihre Ersparnisse aufzulösen und so den Überresten des angeschlagenen Finanzsystems den Todesstoß zu versetzen. Bei einem derartigen "weißen Tod" des Kapitalismus ginge schließlich "nichts mehr", so Kurz: "Außer Zigarettenwährung und Stallhasen im Hinterhof natürlich."

An dieser Tendenz ändern auch die derzeit überall hektisch aus dem Boden gestampften Konjunkturprogramme prinzipiell nichts. Wie bereits erläutert, geht der Staat hierbei dazu über, die vormals private Verschuldung in Staatsregie weiterzuführen. Hier wird erneut nur kreditfinanzierte Nachfrage geschaffen, welche die in der Krise der Arbeitsgesellschaft innewohnenden Widersprüche eine Zeit lang mildern kann. Doch eine Überwindung der gegenwärtigen Krise ist hiermit nicht möglich.

Die Befürworter massiver Konjunkturprogramme, wie beispielsweise Krugman, pflegen ja immer noch eine falsche Vorstellung vom Charakter der gegenwärtigen Systemkrise. In den Reihen der nun eine Renaissance erlebenden Keynesianer geht man immer noch davon aus, dass die reale, warenproduzierende Industrie im Kern "gesund", also widerspruchsfrei sei, und dass im produzierenden Gewerbe keinerlei größeren Probleme zu verorten sind. Die Befürworter der Konjunkturprogramme glauben, dass es der in spekulativen Exzessen verfangene Finanzsektor war, der die warenproduzierende Wirtschaft in den Abgrund riss. Die staatlichen Konjunkturspritzen werden als eine Art "Starthilfe" für den Motor der Warenproduktion angesehen, der hiernach wieder von alleine ordentlich brummen werde.




Dabei wird in der öffentlichen Diskussion ignoriert, dass dieser nun schlapp machende Motor der Industrie einen Kolbenfresser in Gestalt der Krise der Arbeitsgesellschaft hat. Je offensichtlicher die ihre Produktionspotenziale beständig steigernde Wirtschaft nicht mehr in Lage ist, auch nur annähernd Vollbeschäftigung herzustellen, desto verbissener hält die öffentliche Debatte am Ziel der Vollbeschäftigung fest – und sei es durch Billiglohn und Zwangsarbeit. Es grenzt an einen Tabubruch, die Krisenursachen im Herzen der kapitalistischen Wirtschaftsweise, also in der Warenproduktion überhaupt zu thematisieren.

Die Konjunkturprogramme können nun die Krise tatsächlich abmildern, das Ende der Arbeitsgesellschaft hinauszögern, doch sie können nicht unendlich fortgeführt werden. Ihre objektive Grenze finden sie im Staatsbankrott. Die unzähligen privaten Pleiten von amerikanischen Hausbesitzern oder überschuldeten Konsumenten, die den gegenwärtigen Krisenverlauf charakterisieren, fänden bei einer staatlich finanzierten Defizitkonjunktur, wie sie jetzt forciert wird, in der Pleite eines sich immer weiter verschuldeten Staates ihren Kulminationspunkt. Auch dies ist keine graue Theorie, da mit Ungarn, der Ukraine, Rumänien, und Lettland bereits etliche europäische Staaten nur durch Notkredite des IWF, der Weltbank und der EU vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt werden konnten.

Ein weiteres Standbein der gegenwärtigen Krisenbekämpfung ist – ähnlich wie in den siebziger Jahren – eine expansive Geldpolitik. Um einen Credit-Crunch (eine Kreditklemme, da Banken aus angeblich übertriebener Risikoscheu sich weigern würden, Unternehmen Geld zu verleihen) zu bekämpfen, werden die Zinsen massiv gesenkt und die Schleusentore der Notenbanken geöffnet. Billiges Geld, so die Theorie, würde die Kreditklemme lockern. Wiederum herrscht hier die Vorstellung vor, dass der eigentlich gesunde produzierende Sektor sich im Würgegriff des "bösen" raffenden Kapitals befinden würde, das die warenproduzierenden Unternehmen durch mangelnde Kreditvergabe erdrosseln würde. Die Probleme des produzierenden Gewerbes sind aber – wie bereits erwähnt – in der zusammenbrechenden Nachfrage zu verorten, nicht in einem Mangel an Krediten. Der DIHK schätzte beispielsweise Ende Februar die Lage auf dem Kreditmarkt als "wenig dramatisch" ein, da nur drei Prozent aller Finanzierungsanfragen seitens der Banken abgelehnt werden.

Schlimmer sei die Lage bei den exportorientierten Großunternehmen und in der Automobilbranche, wo die Ablehnungsquote bei circa 21% liegen soll. Die Banken agieren also im Rahmen der kapitalistischen Binnenrationalität. Sie vergeben Kredite bevorzugt an Unternehmen, die sich in guter wirtschaftlicher Verfassung befinden, die noch nicht vom Zusammenbruch der Nachfrage betroffen sind, wie es ja bei den exportorientierten deutschen Konzernen in besonderer Weise der Fall ist. Die Finanzinstitute dazu aufzufordern, Kredite an Unternehmen zu vergeben, deren Absatzzahlen gerade zusammenbrechen, läuft schlichtweg jeglicher kapitalistischen Logik zuwider. Das Lamentieren über die angebliche "Kreditklemme" ist auch im höchsten Grade schizophren. Einerseits werden die Exzesse der Finanzmärkte gegeißelt, während deren Akteure zugleich aufgefordert werden, mit einer ausufernden Kreditvergabepraxis genau diese Exzesse fortzuführen. Die amerikanische Wirtschaftspresse plaudert den Zweck des staatlichen Aufkaufens all der inzwischen unverkäuflichen Derivate auch freimütig aus:


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Die Lösung des Problems der toxischen Wertpapiere würde den Banken erlauben, normalere Kreditvergabepolitik zu führen. Mit aufgetauter Kreditvergabe könnten die Konsumenten wieder an alle möglichen Arten von Krediten kommen, Geld, das wieder zurück in die Ökonomie fließen würde.
NECN.com

Auf ein Neues also - The same procedure as every year!? Dabei – und hier haben die letzten verbohrten Neoliberalen ausnahmsweise recht – droht durch die gegenwärtig von den Notenbanken initiierte Geldschwemme die inflationäre Entwicklung tatsächlich aus dem Ruder zu laufen. Einen Großteil ihrer Legitimation konnte die neoliberale Restauration in den Achtzigern gerade durch ihre Hochzinspolitik erhalten, mittels derer sie tatsächlich die seit den Siebzigern ausufernde Inflation bekämpfen konnte. Die diversen, in die Billionen US-Dollar gehenden Rettungsmaßnahmen der amerikanischen Geldpolitik werden zwangsläufig zu einer galoppierenden, wenn nicht sogar zu einer Hyperinflation führen.



Green New Deal

Bei Beibehaltung des gegenwärtigen, "keynesianischen", auf expansiver Geldpolitik und Konjunkturprogrammen fußenden Wirtschaftskurses droht mittelfristig eine Desintegration des kapitalistischen Weltsystems in Staatsbankrott und Hyperinflation. Innerhalb der kapitalistischen Systemlogik gibt es nur zwei – von vornherein prekäre, widerspruchsvolle und kurzzeitige – Möglichkeiten, die Agonie unserer Wirtschaftsverfassung zu verlängern. Zum einen könnte eine erneute spekulative Blasenbildung ausgelöst werden. Sollte tatsächlich in den USA eine Bad-Bank installiert werden, welche einen Großteil der faulen verbrieften Hypotheken aufkauft, die derzeit den Finanzsektor belasten, so wäre dieser Weg zumindest denkbar.

Eine andere Option verdient weitaus größere Beachtung. Insbesondere im angelsächsischen Raum gewinnt die vom UN-Umweltproramm beworbene Konzeption eines Green New Deal zunehmende Unterstützung ("Global Green New Deal" oder "Weiter wie bisher"?). In Anlehnung an den New Deal Roosevelts wird ein massives globales Investitionsprogramm gefordert, das dem Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaftsstruktur dienen soll. Ein wichtiger Pfeiler dieser Konzeption besteht in der Transformation der energetischen Basis unserer gesamten Zivilisation auf erneuerbare Energien.

Hier würden neue Wirtschaftszweige entstehen, so die Hoffnung der Initiatoren, die Wachstum und Massenbeschäftigung mit sich bringen und zugleich zur Bekämpfung des sich beständig beschleunigenden Klimawandels beitragen würden. Dieser Green New Deal rührt tatsächlich an den wirklichen, in den besagten Widersprüchen der Warenproduktion zu verortenden Ursachen der gegenwärtigen Krise. Tatsächlich würden neue Industriezweige, die auch massenhaft neue Arbeitsmöglichkeiten generieren, die Krise der Arbeitsgesellschaft überwinden. Somit würde es sich bei dem gegenwärtigen Weltmarktbeben um eine Durchgangskrise handeln, ähnlich der großen Depression in den Dreißigern, der ja auch die Phase des Goldenen Zeitalters des Kapitalismus in den Fünfzigern und Sechzigern folgte. Nur bei Erfüllung dieser Voraussetzungen hätten Konjunkturprogramme einen nachhaltigen Nutzen!


Quelle: wirtschaftquerschuss.blogspot.com

Seit dem Beginn der industriellen Revolution herrschte innerhalb der kapitalistischen Produktion die Tendenz vor, dass in etablierten Industriezweigen durch Rationalisierungen Arbeitsplätze wegfallen. Doch konnten diese Verluste bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts durch neue Arbeitsplätze in neuen Industriezweigen ausgeglichen werden. Dieser Prozess lief keineswegs widerspruchsfrei ab und löste oftmals Friktionen aus, die gewöhnlich unter dem Stichwort Strukturwandel zusammenfasst werden. Der technische Fortschritt zerstörte Arbeitsplätze, doch er schuf auch immer wieder neue Erwerbsarbeit. Dies änderte sich erst ab den siebziger Jahren. Auch in den letzten drei Jahrzehnten, als die Krise der Arbeitsgesellschaft offensichtlich wurde, entstanden neue Industriezweige die neue Produkte herstellten und auch Arbeitsplätze schufen. Nur erfuhren diese Technologien und Produkte – wie Computer und Telekommunikation - auch eine gesamtgesellschaftliche Anwendung, die zunehmend mehr Arbeitsplätze obsolet machte, als sie in den neuen Industriesektoren schuf.



Können grüne Technologien die Arbeitsgesellschaft reformieren?

Es stellt sich die Frage, ob die durch ein massives Investitionsprogramm geförderten, "grünen" Technologien, Industrien und Produkte tatsächlich wiederum massenhaft Arbeitsplätze generieren würden. Werden beispielsweise die langsam gegenüber fossilen Energieträgern konkurrenzfähigen Solarzellen unter einem ähnlichen Personalaufwand hergestellt, wie seinerzeit in den Fünfzigern die Autos, mittels derer die Massenmotorisierung unser Gesellschaften durchgesetzt wurde? Werden wiederum an endlosen Fließbändern hunderttausende von Arbeitern im Schweiße ihres Angesichts Solarmodule montieren, wie sie einstmals Fahrzeuge zusammenschraubten?

Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass beispielsweise bei den Ford Motorenwerken in der Nähe von Detroit bis zu 200.000 Menschen arbeiteten – Solarworld, der größte deutsche Solarzellenproduzent, hat gerade mal 2200 Mitarbeiter. Selbst bei einer Verzehnfachung der Mitarbeiterzahl – die aufgrund von Rationalisierungseffekten garantiert mit einer Verfünfzigfachung der Produktion einherginge – könnten schlicht aufgrund des hohen technischen Standards der Produktion nicht dieselben Beschäftigungseffekte erzielt werden.. Wenn überhaupt, so würde ein "grüner Kapitalismus" höchstens über einen begrenzten Zeitraum die Agonie der Arbeitsgesellschaft verlängern.

Überdies gilt es zu beachten, dass auf die Ausgestaltung der gegenwärtigen Konjunkturprogramme vor allem die Industrien Einfluss haben, die derzeit dominierend sind, wie beispielsweise die deutsche Automobilindustrie, deren Lobby gerade eine Verlängerung der ökologisch desaströsen Abwrackprämie durchgesetzt hat. Die potenziellen Träger eines neuen Aufschwungs der kapitalistischen Produktionsweise haben bislang kaum Einfluss auf die Ausgestaltung der Kulturprogramme nehmen können. Zudem müssten zur Finanzierung dieses gigantischen Unterfangens auch die Großvermögen, Konzerne und Spitzenverdiener massiv besteuert werden, die am Boom der letzten Jahre sehr gut verdienten – doch hiervon scheuen alle Regierungen der wichtigsten Industrieländer zurück. Deswegen werden die gegenwärtigen Investitionsprogramme höchstens zur Abmilderung der Krise beitragen.

Und wenn schon von den Initiatoren des Green New Deal die angemessenen Parallelen zur großen Depression der dreißiger Jahre gezogen werden, so gilt es zu bedenken, dass es keineswegs der New Deal war, der damals die Welt aus der Krise führte. Den Durchbruch zu der fordistischen Massenproduktion, Massenbeschäftigung und Massenkonsumtion vollführte erst die totale – und teilweise totalitäre – Mobilisierung des Zweiten Weltkrieges. Baute die Nachkriegsprosperität also auf 60 Millionen Leichen auf, so würde eine solche "Endlösung" der gegenwärtigen Krise angesichts des vorhandenen Zerstörungspotenzials mit Sicherheit nicht nur das Ende jeglichen Zivilisationsprozesses mit sich bringen, sondern auch das der Gattung Mensch selber.

Was tun also? Wir müssen uns von der Zwangslogik der Marktwirtschaft frei machen, der zufolge die menschlichen Bedürfnisse nur befriedigt werden können, wenn dies mit der Realisierung möglichst hoher Profite einhergeht und die gegenwärtige Situation ideologiefrei, mit einer gesunden Portion (Selbst-)Distanz betrachten: Angesichts nie dagewesener wirtschaftlicher Potenziale, einer in höchste Höhen hochgeschraubten Produktivität, stapeln sich derzeit überall Warenberge, während zeitgleich Millionen von Menschen ins Elend abrutschen. Das Einfache, das so schwer zu machen ist, bestünde darin, gesellschaftliche Strukturen zu entwickeln, die eben diesen schizophrenen - von der gegenwärtig herrschenden Ideologie naturalisierten - Zustand aufheben.


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