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„Aufbau-Spritze“ nützt dem Dax wenig
Index unterliegt trotz Einberechnung von Dividenden der europäischen Konkurrenz
von Jens Wiegmann

Berlin - Allen Hoffnungen von Anlegern und aufbauenden Worten von Analysten zum Trotz macht der deutsche Leitindex Dax keine besonders gute Figur. Selbst wenn er an einem Tag mal die Muskeln spielen lässt – am nächsten Tag verlässt ihn meistens schon wieder die Kraft. Ein Ende der kläglichen Vorstellung scheint nicht in Sicht: Fast täglich zittern die Börsianer dem Moment entgegen, in dem der angeschlagene Dax auch noch seine letzte technische Unterstützungsmarke von 2519 Zählern nach unten durchbricht.

Dabei hat der deutsche Aktienmarkt schon längst diese Abgründe erreicht – zumindest wenn man, wie in anderen Ländern üblich, den so genannten Preisindex zugrunde legt. Dieser misst nur die Kursentwicklung der 30 größten Dax-Titel; Dividendenzahlungen werden nicht berücksichtigt. Der Dax-Preisindex notiert aktuell in etwa auf dem Niveau von März 1990 bei 1938 Punkten. Das ist immerhin 694 Zähler niedriger als der bekanntere Dax-Performance-Index, der am Dienstagnachmittag bei 2632 Punkten notierte.

Mit der Konzentration auf den Performance-Index hat die Deutsche Börse einen außergewöhnlichen Weg eingeschlagen. Fast alle großen Aktienindizes – vom britischen FTSE-100 („Footsie“) über den Dow-Jones-Index und den Nikkei-225 bis zum französischen CAC-40 – berücksichtigen die Dividenden nicht, sind also Preisindizes (auch Kursindizes genannt). Der Schweizer SMI wird in beiden Varianten ermittelt, maßgeblich ist aber der Preisindex. Lediglich bei der Stoxx-Index-Familie sind wie bei der Deutschen Börse die Performance-Varianten die üblicherweise zitierten Marktbarometer. Allerdings sind hier ebenfalls beide Versionen abrufbar.

Experten halten die Fokussierung der deutschen Börsianer auf den Performance-Index für sinnvoll. „Der Performance-Index ist wichtig für die Beantwortung der Frage, was ich effektiv mit meinem Aktien-Engagement verdient habe, zum Beispiel im Vergleich zu Renten“, sagt Aktienstratege Hendrik Garz von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Wichtig sei schließlich die Gesamtrendite, die sich aus der Aktienkurs-Entwicklung, aus Dividendenausschüttungen und aus möglichen Zusatzzahlungen (Boni) summiere.

Allerdings hat auch der Preisindex seine Berechtigung. Viele Charttechniker zum Beispiel legen ihn bei ihren Analysen zugrunde, da er den „reinen“ Kursverlauf darstellt. Und auch bei einigen Fondsmanagern erfreue sich der Preisindex als Benchmark größerer Beliebtheit als der Performance-Index, sagt ein anderer Aktienstratege. „Schließlich ist er leichter zu schlagen.“

Für problematisch halten die Experten allenfalls, dass sich viele Marktteilnehmer des Unterschiedes zwischen Preis- und Performance-Indizes nicht bewusst sind. Denn dadurch bestehe die Gefahr, dass Äpfel mit Birnen verglichen würden. Dass sich die deutschen Börsianer den internationalen Gepflogenheiten anpassen und künftig der Dax-Preisindex zum Leitbarometer wird, halten sie dennoch nicht für notwendig. Der Dax-Performance-Index habe sich in der Finanzwelt etabliert und werde allgemein akzeptiert, heißt es. Daher ergebe es keinen Sinn, mitten im Rennen das Pferd zu wechseln. Dies würde nur Verwirrung stiften.

Bei Anlegern dürfte das Plädoyer für das Festhalten am Performance-Index für Erleichterung sorgen. Schon allein aus psychologischen Gründen: Bereits jetzt notiert das Aktienbarometer schließlich niedrig genug. Allerdings kommen sie nicht umhin sich einzugestehen, wie schlecht der deutsche Aktienmarkt tatsächlich im internationalen Vergleich dasteht. Denn ein Blick auf die Kursentwicklung zeigt deutlich: Der Dax konnte seinen Wettbewerbsvorteil nicht nutzen. Obwohl er durch die Einberechnung der Dividendenzahlungen ein kräftige Aufbauspritze bekommt, schneidet er wesentlich schlechter ab als die anderen europäischen Marktbarometer ohne „Doping“.

Quelle: Welt.de


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