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Dr. Bernd Niquet

Kann ein Fonds eigentlich auf null fallen?

Ich gebe es zu: Wenn im Kinderkanal nichts läuft, dann schaue ich manchmal immer noch die Börse auf n-tv. Der Unterschied ist allerdings nur noch in den seltensten Fällen zu bemerken, denn würde beim KiKa ebenfalls unten ein Infoband laufen, dann wäre der Unterschied gleich null. Am Sonntag jedoch läuft auf dem KiKa meine Lieblingssendung „Dresdner Sonntagsbörse“, bei der jeweils eine Schar aufgeweckter Kinder Börsianer nachäffen. Am vorletzten Sonntag war es wirklich so gut gemacht, dass ich tatsächlich glaubte, Heiko Thieme ins Gesicht zu sehen. Dabei war es natürlich nur ein Laienschauspieler. Doch als dieser dann sagte, er sei nicht nur optimistisch, sondern regelrecht euphorisch, erreichte er fast schon Balzac´sche Qualitäten.

Dazu gehört natürlich auch eine gewisse Tragik und Tiefe, die sich dadurch ergibt: Die Hose ist so weit herunter, dass es kaum mehr tiefer geht. Heiko Thieme ist sicherlich der einzige bekannte Börsianer, der die Höhe seines Privatvermögens in regelmäßigen Abständen veröffentlicht. Denn da ist ein Haus in der Nähe von New York und eben der "Thieme Fonds International", bei dem mit ziemlicher Sicherheit davon ausgegangen werden kann, dass außer Thieme selbst niemand anders mehr Anteile hält, schließlich ist dieser Fonds der schlechteste der Welt.

Aktuell verfügt der Fonds noch über ein Volumen von 1,17 Millionen Dollar, doch man kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass diese Million, gleich Millionärsgrenze, schon bald fallen wird. Von diesen 1,17 Millionen Dollar verdient Thieme im Jahr 1,5 Prozent Vermögensvernichtungsgebühr, also derzeit jährlich 17.550 Dollar, die er folglich an sich selbst zahlen würde – ein wunderprächtiges Geschäft mithin.

Im Jahr 2000 ist dieser Fonds um 14 Prozent gefallen, 2001 um 48,1 Prozent und in diesem Jahr bisher um 65,9 Prozent. Ein klar ansteigender Trend also, so dass – rein charttechnisch gesprochen – für 2003 ein Verlust in Höhe von etwa 80 Prozent erwartet werden kann. Das bringt einen natürlich sofort zu Achilles und der Schildkröte und damit der Frage, wie lange man eigentlich so hohe Verluste machen kann, ohne die finale Null zu erreichen.

Achilles Antwort lautet selbstverständlich – ewig! Man kann sich der Null zwar annähern, sie aber niemals erreichen. Es sei denn, auch Grenzwerte würden bald ihre Börsenzulassung erhalten. Und das sollte uns allen eine frohe Botschaft zum Jahreswechsel sein, denke ich. Heiko Thieme muss so bald nicht ausscheiden aus dem Großen Spiel, sondern er wird uns auch weiter mit seinem Optimismus erhalten bleiben. Denn nehmen wir an, er würde es schaffen, sich auf dem Verlustlevel des Jahres 2003 zu stabilisieren, dann würde sein Fonds auch in den Folgejahren noch ein respektables Volumen aufweisen – nämlich 234.000 Dollar in 2003, 46.800 Dollar in 2004, 9.360 Dollar in 2005, 1.872 Dollar in 2006, 374,40 Dollar in 2007, 74,88 Dollar in 2008 und 14,98 Dollar in 2009. Bis zum Ende der Dekade ist also weit und breit keine Null zu sehen. (Wobei jedoch gesagt werden muss, dass die zweite Nachkommastelle für 2009 nach oben gerundet wurde.)

Was mich sofort auf den kleinen, noch nicht einmal dreijährigen Sohn von Bekannten bringt. Plötzlich steht er auf vom Tisch, läuft zum Sofa, bückt sich, schaut herunter und sagt erleichtert: „Kein Wolf unter dem Sofa!“ Er schaut noch einmal: „Auch keine Großmutter unter dem Sofa.“ Welche Erleichterung! Seitdem muss ich immer daran denken, wie Heiko Thieme wohl morgens ins Büro kommt, sich kurz auf den Boden kniet, unter das Sofa in der Ecke guckt und sich anschließend befreit sagt: „Ein Glück, kein Wolf unter dem Sofa. Und auch keine Großmutter.“ Und anschließend mit gestärktem Selbstbewusstsein zum Telefonhörer greift und stundenlange Kauforders gibt. Denn ohne den Wolf unter dem Sofa, mit dem Fernsehen im Rücken und Achilles auf seiner Seite kann ihm nun wirklich nichts passieren.

Berlin, im Februar 2003

Bernd Niquet
Ja, wenn sämtliche Aktien die er abbildet Konkurs anmelden und das Eigenkapital nach Abschluß der Verfahrens 0 beträgt.
Wann hat Bernd Niquet eigentlich das letzte Mal etwas Relevantes zur Börse geschrieben?

Kann mich gar nicht erinnern, muß verdammt lange her sein...

Ich frage mich, wer dem eigentlich Zeilenhonorar bezahlt
Einfach genial der Bernd Niquet, und das mittlerweile
seit über 15 Jahren, mit immer dem richtigen Riecher!

Journalistisch sowieso unübertroffen!

Respekt, Gruß an Dich Bernd und alle....... Aborigine


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