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An alle Rationalisten und Wissenschaftsgläubige - Bitte nicht lesen!!!
Die Aktien, vor allem diesseits des Atlantik, machen mehr und mehr einen guten Eindruck. Dennoch muß die ganz kurzfristige Entwicklung noch mit einigen Fragezeichen versehen werden.



Hinweis:
Wie Sie als langjähriger Leser sicherlich bemerkt, hat sich die Chartanalyse Weekly seit der Erst-Erscheinung im Januar 2000 stark gewandelt. Zwar steht die Chart- bzw. die Technische Analyse nach wie vor im Vordergrund, allerdings betrachten wir die Märkte an dieser Stelle auch zunehmend unter anderen Aspekten, wie zum Beispiel fundamental-analytischen, marktpsychologischen oder auch politischen Gesichtspunkten. Nicht zuletzt auch aufgrund vieler Gespräche mit Lesern haben wir uns daher entschlossen, dieser Rubrik ab der nächsten Ausgabe einen neuen Namen zu geben. In Anlehnung an den Börsenteil des monatlich erscheinenden GoingPublic Magazins mit dem Namen „Smart Investor“ wird diese Rubrik ab kommenden Dienstag unter „Smart Investor Weekly“ geführt. Ansonsten bleibt alles wie gehabt.

Mittelfristig keine schlechten Aussichten
Die Aktienmärkte haben in den letzten Tagen teilweise recht konstruktive Chartmuster ausgebildet. Der Dax-Index beispielsweise hat gestern intraday nahezu exakt sein Tief vom 9. Oktober 2002 angesteuert, um den Tag schließlich mit einer Ein-Tages-Umkehr (Intraday-Reversal) zu beenden, welche heute – zumindest bis jetzt – durch eine weitere Aufwärtsbewegung bestätigt wurde. Das ist eine typische, fast schon eine ideal-typische Konstellation für eine nachhaltigere Wende. Auch viele andere Indices in Europa, in Asien und in den Emerging Markets machen momentan vielversprechende Anstalten, die auf ein baldiges Ende der Baisse seit dem März 2000 hindeuten. Bitte verstehen Sie mich hierbei nicht falsch. Womit in den kommenden Monaten in Europa gerechnet werden kann, ist keinesfalls eine neue Hausse wie in der zweiten Hälfte der 90er Jahre, welche im Nachhinein als größte Aktienblase diese Jahrhunderts bezeichnet werden kann. Vielmehr geht es um eine Gegenbewegung auf die fast dreijährige Baisse, die in punkto kursmäßigem aber auch zeitlichem Ausmaß durchaus nicht zu verachten sein dürfte. Bei einigen asiatischen Märkten sehen wir dagegen Anzeichen für den baldigen Beginn einer mehrjähriger Aufwärtsbewegungen. Beispielsweise könnte der japanische Markt, welcher bereits eine 13jährige Baisse hinter sich hat, in den kommenden Wochen die Basis für einen längeren Aufschwung legen.
Der Pit Bull kommt! Nur wann?
Wie hier schon des öfteren erwähnt wurde, haben die fundamentalen Kennziffern und die sentimenttechnischen Indikatoren für die europäischen Märkte mittlerweile Niveaus erreicht, die zumindest eine längere scharfe Gegenbewegung nach oben (Stichwort Pit Bull Market) nicht mehr ausschließen lassen. Allerdings fehlen uns trotz der als konstruktiv zu bezeichnenden jüngsten Kursentwicklungen noch die konkreten Hinweise, daß die Baisse tatsächlich jetzt schon zu Ende ist. Was wir aber mit einiger Wahrscheinlichkeit jetzt schon behaupten wollen, ist, daß wir damit bis spätestens Ende März rechnen können. Die momentan größte Gefahr ist derzeit am US- Markt zu sehen. Dort herrscht immer noch ein viel zu hoher Optimismus (zumindest unter längerfristigen Gesichtspunkten), die Aktien sind zum großen Teil immer noch zu hoch bewertet und obendrein ist die in den letzten Wochen herausgestellte negative Charttechnik noch immer nicht revidiert worden, d.h. die drohenden SKS-Formationen (inzwischen auch beim der zuletzt besprochenen Cisco und bei der Nasdaq) sind nach wie vor gültig. Aufgrund dieser inzwischen fast gegensätzlichen Konstellationen zwischen die amerikanischen Märkten und „dem Rest der Welt“ sollte man daher nicht ausschließen, daß zukünftig hier eine Entkopplung stattfinden könnte, d.h. daß die US-Börse über kurz oder lang ihre Leitfunktion für die europäischen und asiatischen Börsen mehr und mehr einbüßen wird. Ich persönlich kann mir gut vorstellen, daß sich Europa unter langfristigen Gesichtspunkten mehr an Japan oder Hongkong, denn an den USA orientieren wird.

Neuer Markt
Unter mittelfristigen Gesichtspunkten als sehr interessant könnte sich der „todgeweihte“ Neue Markt herausstellen. Wie die Abbildung am Beispiel des Nemax All Share-Index zeigt, notiert dieser nur knapp unterhalb seines langen Baissetrends. Ein Bruch des selbigen könnte den Startschuß für eine vehemente Rallye geben. Es läßt sich zudem beobachten, daß einige NM-Aktien verheißungsvolle Charts haben. Allerdings muß man auch feststellen, daß die technisch aussichtsreichsten Aktien genau diejenigen sind, die nur äußerst geringes Handelsvolumen aufweisen. Von Empfehlungen solcher Titel wollen wir aber in Zukunft Abstand nehmen. Am Neuen Markt heißt die Devise für uns also vorläufig ebenfalls noch: abwarten.

Wir schauen noch zu
Da wir also mittelfristig mit steigenden Kursen rechnen, aber unter Timing-Gesichtspunkten noch zu wenige Anhaltspunkte dafür haben, daß die Baisse nun schon vorbei ist, wollen wir uns vorerst mit Investments zurückhalten, betonen aber gleichzeitig, daß das Restrisiko für den Dax wahrscheinlich nicht mehr sehr groß ist, zumindest nicht im Vergleich zum bisherigen Ausmaß der dreijährigen Baisse. Ein erfahrener Börsianer sagte einmal einen sehr klugen Satz: „Keine Position ist auch eine Position“. Will heißen: Ein Nicht-Investment heißt nicht unbedingt, daß man arm an Anlage-Ideen ist, sondern daß man sich hinsichtlich des exakten Zeitpunktes für ein Investment noch zu unsicher ist. Selbstverständlich müssen wir bei unserer momentan „enthaltsamen“ Vorgehensweise damit rechnen, daß die Aktien unter Umständen schon jetzt „ohne uns“ nach oben gehen. Aller Erfahrung nach gibt einem der Markt aber dann immer noch eine gute Chance zum Einstieg. Vermutlich sehen wir die Sache in einer Woche schon etwas klarer, zu deutsch: Wir stehen zwar in den Startlöchern, warten aber noch auf das Signal zum Loslaufen. Nicht vergessen wollen wir bei alledem, daß demnächst ein Krieg bevorsteht. Vor und während Kriegszeiten konnte man aber an den Märkten schon immer heftige Kursbewegungen beobachten.

Wann beginnt der Krieg?
Mittlerweile wurde es in den Medien schon bis zum Geht-nicht-mehr durchgekaut. Die Kurse sollen demnach dann steigen, wenn der Krieg im Irak beginnt. Als Begründung wird herangezogen, daß dann die Unsicherheit weg sei und letztere sei genau das, was man an den Börsen am allerwenigsten leiden kann. Auch wenn diese Erklärung dem einen oder anderen zynisch vorkommen mag, es könnte etwas Wahres dran sein. Allerdings wissen wir damit immer noch nicht, wann die Kurse aufhören zu fallen. Wir müssen uns also damit beschäftigen, wann der Krieg beginnen bzw. die kriegslose Zeit zu Ende gehen könnte, so unangenehm diese Aufgabe auch ist.

Fakten und Gerüchte
Die Bush-Krieger stehen bei ihrem Vorhaben unter zeitlichem Druck, da ein zu später Kriegsbeginn zu Folge hätte, daß die Kampfhandlungen durch klimatische Bedingungen (zu viel Hitze) stark beeinträchtigt werden könnten. Folglich kommt angeblich nur der Februar oder spätestens der März für die US-Boys in Betracht. Da haben wir als wichtiges Datum zum einen den 14. Februar, an dem der nächste und vermutlich letzte Bericht der UN-Inspektoren erfolgt. Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, daß davor nichts passieren wird. Zudem befinden sich zu dieser Zeit viele Muslime auf ihren Pilgerfahrten nach Mekka und Medina und zurück (Hajj), die erst am 18. Februar zu Ende gehen. Um es sich mit der arabischen Welt nicht zu „verscherzen“ (dazu wird es früher oder später sowieso kommen), kommt wohl ein Kriegsbeginn bis dahin nicht in Frage. Laut einer britischen Zeitung (angeblich der „Sunday Express“, eine genaue Quellenangabe fehlt mir), sollen sich die Regierungschefs von England, Israel und USA schon Ende Dezember (!) des vergangenen Jahres auf den 21. Februar 2003 um Mitternacht als Termin für den Kriegsbeginn verständigt haben. Da es keine Beweise für diese Abmachung gibt, verbuchen wir diese Information vorerst unter der Rubrik „Gerücht“. Nur am Rande: Freitag, der 21. Februar, ist obendrein kleiner Verfallstermin für Optionen, und solche Verfallstage sind erfahrungsgemäß nicht selten auch Wendetage.

Crawfords Zeitfenster
Schon seit zwei Monaten spricht der Amerikaner Arch Crawford, der Herausgeber des Börsenbriefes „Crawford Perspectives“, davon, daß im Zeitfenster zwischen dem 16. und 22. Februar etwas ansteht, was die Welt erschüttern wird. Aus seiner Sicht wäre also ein Kriegsbeginn in der Nacht vom 21. auf den 22. Februar durchaus logisch, oder besser astro-logisch. Mister Crawford ist nämlich Sternendeuter oder um genau zu sein: Börsen-Astrologe. Was? Sie halten von Astrologie nichts? Nun ja, das gilt wohl für die meisten Menschen. Dies soll uns aber nicht davon abhalten, einmal zu beleuchten, wie sich dieser Herr Crawford in der Vergangenheit mit seinen Prognosen geschlagen hat. In den USA gibt es ein Institut mit dem Namen Hulbert Financial, welches die Güte von Börsenbriefen mißt, und zwar anhand der abgegebenen Empfehlungen. In dessen „Timer Digest“ kann alljährlich nachgelesen werden, welcher Börsenbrief die beste Jahres-Performance zustande gebracht hat. Und nun dürfen Sie dreimal raten, welcher Börsenbrief in fast jedem der letzten Jahre auf Platz 1 der „Timer Digest“-Rangliste lag: „Crawford Perspectives“ (für Interessierte: www.astromoney.com). Soviel zum Thema Astrologie.

Eine kleine Randnotiz
Eine Anmerkung möchte ich dazu doch noch machen: Nur weil ein Thema vom „Establishment“ mißachtet, verniedlicht oder tabuisiert wird, heißt das noch lange nicht, daß dieses Thema keine Bedeutung hat. Ich habe kein Problem damit, wenn jemand mit einem bestimmten Thema, z.B. Astrologie, nichts zu tun haben will. Wenn jemand aber behauptet, daß an Astrologie nichts dran ist, diese Meinung aber nur ungeprüft von anderen übernommen hat, dann begibt sich dieser Mensch meiner Meinung nach in gefährliches Fahrwasser. Im übrigen gilt dies auch für viele andere Thematiken, nämlich für alle die, die tabuisiert werden. Ich lese „Crawford Perspectives“ seit vielen Jahren immer mal wieder einmal, wenn ich eine Ausgabe in die Hände bekomme. Nicht alle Prognosen sind eingetreten. Aber viele eben schon und dann auch noch mit Datums- und teilweise sogar mit Uhrzeitangabe. Ich will hier keine Lanze für die Astrologie brechen. Wenn wir uns aber erfolgreich mit der Prognose zukünftiger Ereignisse beschäftigen wollen, müssen wir Denk-Scheuklappen ablegen. Darum ging es mir hier.

Die Zahl 55
Irgendein bekannter Börsianer – ich kann mich leider beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wer es war – hat vor vielen Jahren in einer Börsenzeitschrift eine ungewöhnliche Feststellung gemacht: Seiner Beobachtung nach liegen zwischen markanten Hoch- und Tiefpunkten (oder auch umgekehrt), die sich vor und nach einem Crash-artigen Kursrückgang ereignen, oftmals 55 Tage. Klingt irgendwie merkwürdig, oder? Ich habe dies anhand historischer Daten überprüft und komme zu folgendem Schluß: Es handelt sich beim 55-Tage-Phänomen keinesfalls um eine Gesetzmäßigkeit. Allerdings hat es in einigen Fällen tatsächlich zugetroffen, wenngleich ich noch hinzufügen möchte, daß auch die Abstände von 34 und 89 Tagen manchmal beobachtet werden können (jeweils plus/minus einen Tag). Was haben diese drei Zahlen miteinander gemein? Nun, es handelt sich jeweils um sogenannte Fibonacci-Zahlen. Aus Platzgründen kann hier darauf zwar nicht näher eingegangen werden, nur soviel: Sie bilden sozusagen das zahlentheoretische Grundgerüst der Elliottwellen-Theorie, einem Verfahren, welches sich mit der Struktur von Kursbewegungen beschäftigt.

Zur Praxis:
Beispiel 1: Der Kursabschwung im Dax in der zweiten Hälfte 1998 um ca. 35 % erstreckte sich vom Hoch am 21.7.1998 bis zum Tief am 2.10.1998 (es war das erste Tief eines Doppelbodens) über 54 Börsentage. Beispiel 2: Vom Hoch am 19.5.2001 bis zum Tief am 21.9.2001 (nach den WTC-Attacken) vergingen exakt 89 Börsentage. Beispiel 3 ist aus der jüngeren Börsengeschichte und kann im Chart mitverfolgt werden: Vom Hoch des vergangenen Jahres am 19.3.2002 bis zum ersten markanten Zwischentief am 24.7.2002 vergingen 89 Börsentage, und von dort aus bis zum Tiefpunkt am 9.10.2002 gingen weitere 55 Börsentage ins Land. Diese Aufzählung könnte noch um einige weitere Beispiele aus früheren Zeiten erweitert werden, wir wollen uns aber nun der ganz nahen Vergangenheit bzw. der Zukunft widmen. Vom letzten markanten Tief am 9.10.2002 bis zum Hoch am 2.12.2002 vergingen 38 Börsentage. 38 ist zwar keine eigentliche Fibonacci-Zahl, im etwas weiter gefaßten Fibonacci-System spielt sie aber dennoch eine – wenn auch nur untergeordnete – Rolle (Erklärung muß aus Platzgründen entfallen). Aber etwas anderes ist viel verblüffender: Gehen wir einmal von der Betrachtung der Börsentage weg und zählen die Kalendertage, so erhalten wir zwischen diesen beiden Daten 9.10.2002 und 2.12.2002 einen Zeitraum von 55 Kalender-Tagen! So, und ab jetzt rechnen wir in die Zukunft: Vom Hoch am 2.12.2002 addieren wir 55 Börsentage, und was glauben Sie, welches Datum sich ergibt? Es ist der 21. Februar 2003! Gemäß dieser Methode wäre also ein Tiefpunkt am Freitag, den 21.2.2003, nicht überraschend.

Nicht gerade wissenschaftlich
Selbstverständlich entbehren diese Methoden (Astrologie, Fibonacci) zur Berechnung eines möglichen in der näheren Zukunft liegenden Tiefpunktes jeder wissenschaftlichen Basis. Aber was soll’s. Mit Wissenschaft war an der Börse noch selten ein Blumentopf zu gewinnen. Und da mein Ruf in wissenschaftshörigen Kreisen ohnehin schon ramponiert ist, habe ich auch keine Hemmungen, solche etwas ungewöhnlichen Methoden hier vorzustellen. Im Übrigen gibt es einige Investoren, die so etwas zumindest als groben Anhaltspunkt verwenden (mehr mache ich ja auch nicht), nur sprechen tun eben die wenigsten darüber. Bedenken Sie: Der 21. Februar muß nicht das nächste Tief markieren, denn wir haben es hier nicht mit unumstößlichen Gesetzen zu tun. Behalten wir daher dieses Datum einfach im Hinterkopf und lassen uns von der Realität überraschen.

Exkurs: Über Enthüllungen eines Schotten und üble Propaganda
In einem Online-Artikel der schottischen Zeitung „Sunday Herald“ (aus Glasgow) vom 15. September 2002 (http://www.sundayherald.com/27735) beschreibt der Journalist Neil Mackay daß Cheney, Rumsfeld, Wolfowitz und Jeb Bush (der Bruder von George W. Bush) bereits bevor die Republikaner im Januar 2001 die Regierungsgeschäfte in den USA übernahmen, einen Plan ausarbeiteten, das Regime im Irak zu stürzen, und zwar unabhängig davon, ob dann Saddam Hussein noch an der Macht ist oder nicht. Aus einem Dokument, welches Mackay vorliegt, gehen auch noch einige andere Dinge hervor, die man in unseren Breitengraden anscheinend immer noch nicht wahrhaben will. Wen’s interessiert, der lese die angegebene Quelle nach. Aber etwas anderes scheint mir an dieser Stelle sehr interessant. Der Grund für den Afghanistan-Krieg waren die Attentate vom 11. September 2001. Und ohne WTC-Attacken würde die US-Regierung wohl kaum eine internationale Zustimmung für den jetzt anstehenden Krieg Nr. 2 in dieser Region bekommen. Und auch Krieg Nr. 3 (vermutlich gegen den Iran; sh. letzte Chartanalyse Weekly) wird anzunehmenderweise wieder mit WTC und Terror begründet werden. Wenn die Behauptungen von Neil Mackay also wahr sein sollten, dann meint es das Schicksal mit Bush und Co. wahrlich „gut“. Immerhin hat es ihnen einen wirklich triftigen Grund geliefert (wohlgemerkt, nachdem der Plan gefaßt wurde), um ihre „Vorhaben“ auch nach und nach problemlos in die Tat umzusetzen. Neil Mackay ist übrigens kein dahergelaufener Schmierfink. Er hat vier Monate vor diesem Artikel den „BT Scotland Media Awards“ verliehen bekommen. Er wurde zum „Nachrichten-Journalisten der Jahres“ gekürt.

Die Rede von Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat zum Stand der US-Beweise gegen das irakische Regime war nicht gerade erhellend. Sicherlich wurden dabei einige Dinge genannt, die es nachzuprüfen gilt. Aber Powell stellte seine Tonband- und Satellitenaufnahmen als Beweise dar, was sie definitiv nicht waren. In jedem Strafgerichtsprozeß eines zivilisierten Landes hätte sich bei einer solch dürftigen „Beweislage“ der Richter vor Lachen auf die Schenkel geklopft und „im Zweifel für den Angeklagten“ geurteilt. Aber Powell war sich nicht einmal zu schade, ein Fläschchen demonstrativ in die Höhe zu halten, mit dem Hinweis, daß eine solch kleine Menge Anthrax, die vom Irak an Terroristen weitergegeben werden könnte, im Stande ist, die Bevölkerung von halb Manhattan zu vernichten. Bravo Herr Powell, an Theatralik war das kaum zu überbieten. Kein Hollywood-Regisseur hätte das wohl besser inszenieren können. Was uns aber Herr Powell in diesem Zusammenhang verschwiegen hat, ist, daß das Anthrax, welches nach dem 11. September in Briefen an US-Abgeordnete und andere Personen verschickt wurde, inzwischen erwiesenermaßen aus US-Labors stammte. Nur nebenbei: Meines Wissens hat kein ranghohes US-Regierungsmitglied ein solches Briefchen erhalten, wohl aber einige Mitglieder der Opposition (Demokraten), unter anderem Oppositionsführer Tom Daschle. Dieser zählte von Anfang an zu den schärfsten Kritikern der US-Regierung in Sachen Aufklärung des Geschehnisse um den 11. September. Warum sollten irgendwelche moslemische Terroristen ausgerechnet demjenigen einen „Todesbrief“ schicken, der noch am ehesten gewillt ist, die bis heute mysteriösen Hintergründe der WTC-Attacken aufzuklären? Es ist auch anzumerken, daß Chef-Inspektor Hans Blix in einem Interview mit der Zeitschrift „Junge Welt“ einige Anschuldigungen, die in letzter Zeit von Bush und Powell gegenüber dem Irak gemacht wurden, als aus seiner Sicht nicht zutreffend bezeichnet haben soll, z.B. die Behauptung, daß sich irakische Geheimdienstagenten gegenüber den Inspektoren als Wissenschaftler ausgegeben hätten. Natürlich könnte man anführen: Woher will denn Hans Blix wissen, wer seinen Inspektoren da gegenüberstand? Dann muß man fairerweise aber auch anführen: Woher wollen es denn Bush und Powell wissen, die doch in der Öffentlichkeit solches behauptet hatten? Peinlich auch, daß das britische angebliche „Geheimdienst-Papier“, mit welchem ein Krieg gegen den Irak gerechtfertigt werden sollte, zum großen Teil aus einer inzwischen veralteten und öffentlich zugänglichen Arbeit eines Studenten wortwörtlich abgeschrieben wurde, sogar inclusive grammatikalischer Fehler (www.n-tv.de/3098996.html).

Das alles sollen also die Beweise sein, die zum Führen eines Angriffskrieges und dem damit verbundenen Tod von hunderttausenden Irakis berechtigen sollen?! Ich sage Ihnen, das ist Propaganda von der übelsten Sorte, mit dem Ziel einen längst gefaßten Plan in die Tat umzusetzen. Sehr verehrte Leserinnen und Leser, über das, was in der Weltpolitik derzeit geschieht, kann man nur sagen: Da stimmt was nicht! Sie haben sicher bemerkt, daß mein Ton in den vergangenen Wochen harscher geworden ist und daß ich mich Themen widme, die eigentlich nicht hierher gehören. Und dennoch glaube ich, daß man diesem Propaganda-Müll, der da auf uns einprasselt, die tatsächlichen Fakten gegenüberstellen muß. Ich möchte diesen Exkurs mit einem Zitat des früheren amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln beenden:

"Man kann alle Leute einige Zeit und einige Leute alle Zeit,
aber nicht alle Leute alle Zeit zum Narren halten."

Fazit:
Es ist mir durchaus bewußt, daß ich Ihre Fähigkeit bzw. Ihren Willen, aus gewohnten Bahnen zu denken, heute etwas strapaziert haben könnte. Falls doch, so muß ich zu meiner Entschuldigung sagen, daß Sie in der Überschrift ausdrücklich gewarnt wurden. Dennoch hoffe ich, daß es sich für Sie gelohnt hat, diese CW zu lesen. Mainstream-Artikel können Sie schließlich an jeder „Ecke“ des www (word wide web) finden. Noch ein gutgemeinter Rat: Glauben Sie nicht einfach, was Sie hier gelesen haben (und schon gar nicht das, was Sie von der Presse untergejubelt bekommen). Prüfen Sie es nach, überschlafen Sie es und stellen Sie das hier Geschriebene in den Kontext dessen, was Sie täglich im wirklichen Leben beobachten können. Und erst dann fassen Sie Ihre eigene Meinung.

Viele fruchtbare Gedanken wünscht Ihnen

Ralf Flierl
Going Public Media AG

Diese Rubrik erscheint jeden Dienstag nachmittag.
Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Beitrag? Dann schreiben Sie an flierl@goingpublic.de
:( :confused: burakiye
Hallo, Ralf!!
Wenn es auch keiner bestätigen möchte, ich werde es aber tun: Du hast völlig recht, vor allem im letzten Absatz!

Ciao
S.
Natürlich in allen Punkten richtig. Der Beschluss der
USA im Zuge der neuen Weltordnung diverse Länder zu
übernehmen war nicht in 2001 sondern in 2000.

Gruß Aborigine.


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