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Sittin Bulls elitärer Diskussionsthread für Biospohisten - 500 Beiträge pro Seite



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Geht heute abend los.

Ich möchte gerne mit euch diskutieren woher die Mißachtung des Lebens heutzutage kommt, oder etwas die ungenaue Wahrnehmung von Leben ( Beispiel: Katastrophe, wenn 3000 Amerikaner bei Anschlag sterben, egal, wenn tatäglich sogar noch mehr Menschen in der Welt verhungern, Frage: Wie viel mehr wert ist ein amerikanisches Leben )

Im Zuge der Diskussion werde ich ein paar Bogen schlagen, die euch schwindelig werden lassen.

Ohne Ressentiments, ohne Gnade, ohne politische Vorgabe.

Unwillige sollten hier lieber nichts posten, denn dann wird euch dieser Thread wenigstens dreißig Tage verfolgen! :D
"Ich denke, es ist eine sehr harte Entscheidung, aber wir finden, das ist es wert."
US-Außenministerin Albright 1996 auf die Frage, ob der Tod von 500.000 irakischen Kindern durch das Embargo der UN ein vertretbarer Preis sei.




Die Auswirkungen des Embargos

Die Last des Krieges tragen immer die Völker, in weit geringerem Maße die Kämpfenden und am wenigsten die jeweils herrschende politische Klasse. Die Menschenrechte der Unbeteiligten werden auf das blutigste verletzt. Den Golf-Krieg, bei dem die Infrastruktur des Landes weitgehend zerstört wurde, und das folgende Embargo, das nicht nur die Ölausfuhr, sondern auch die Einfuhr lebenswichtiger Produkte beschränkte, musste die Bevölkerung des Irak mit weit über einer Million Toten, darunter über 500.000 Kinder, bezahlen. Frau Madeleine Albright, gefragt nach den toten Kindern, sagte dazu in einer Fernsehsendung am 12.5.96: "Ich denke, dass das eine sehr schwierige Wahl war. Aber der Preis - wir denken, dass der Preis es wert ist." (zit. nach Biermann/Klönne: Ein Kreuzzug für die Zivilisation? Köln 2002, S. 36)



http://www.grundrechtekomitee.de/milit-03.htm
Wir leben in der gerechtesten welt die es je gab. noch nie ging es so vielen Menschen so gut. Niemals zuvor wurde ein Menschenleben höher geschätzt als heute. Deine "Missachtung des Lebens" ist ausgemachter Quatsch.
zu #4:

allerdings nicht überall:

Die Menschenrechtssituation im Irak

amnesty international hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder über massive Menschenrechtsverletzungen im Irak berichtet, von denen sämtliche Ebenen der Gesellschaft betroffen waren. Bei den meisten Opfern handelte es sich um mutmaßliche Oppositionelle und ihre Familien bzw. um Angehörige verschiedener religiöser und ethnischer Gruppen.

U.a. wurden von ai folgende Menschenrechtsverletzungen dokumentiert:

„Verschwindenlassen“
extralegale Hinrichtungen und andere Formen von staatlichem Mord, darunter Massenmord an Zivilisten unter Einsatz von chemischen Waffen
systematische Folter; darunter die Anwendung von gesetzlich vorgesehenen Strafen wie Auspeitschen, Amputation der Ohren, Brandmarken der Stirn
extensive Anwendung der Todesstrafe
Inhaftierung von „Gewissensgefangenen“
Langzeithaft ohne Anklage bzw. Gerichtsverfahren
grob unfaire Gerichtsverfahren
Zwangsausweisungen
Rekrutierung von Kindern in die bewaffneten Streitkräfte
#4
Der Spruch kommt ausgerechnet von dir, mouse-potato.:confused: Du kannst es doch gar nicht mehr erwarten, daß der Irak bombardiert wird.
@SBI,

Du bist für dieses Board zu schlau...(ernstgemeint!) Hoffe aber, dass du mit deinen Threads, z.B.: Geld-,Indianer, so weitermachst..... Ist für die stilllen Leser immer ein Genuß!

cu

mokos2
mouse, sehr gut, das ist richtig, was du in #fünf schreibst, und schärfstens zu verurteilen.

Das was du in #4 schreibst stimmt natürlich nicht, selbst in unseren Breitengraden nimmt die Gerechtigkeit eher ab,
anderen wird der freie Zugang zu allen Ressourcen und damit wirkliche Gerechtigkeit mit allen Mitteln gänzlich verwehrt.


US first, ich werde es dir beweisen.

Und eine Brefreiung, die keine ist, sondern einen unter ein anderes, weit schlimmeres Diktat stellt, ist keine Befreiung.

Auch das werde ich dir in diesem Thread zeigen.
Falsch, es ist nicht nur zu verurteilen, es ist mit allen mitteln zu kämpfen, damit dieses aufhört.


Aber der Schurkenstaat USA wäre wohl der schlechtest mögliche Befreier. Warum, siehst du an der Homeland Security, an der New National Security-Strategy,
an der Aushöhlung der demokratischen Grundrechte der USA,
an Folter u.ä. an Gefangenen, sowieso an der Todesstrafe,
an der Mißachtung sämtlicher internationalen Einrichtungen,
all in the Name of: US first


Und warum dies so ist, in einem Urland der Demokratie, wundert dich kein bischen?

Wegen eines einzigen zugebenermaßen furchtbaren und tragischen Terroraktes?

Einen Krieg gegen jeden, der nicht auf deren Seite ist?

Selbst gegen die eigene Bevölkerung?

Wozu wurde die UN überhaupt ( unter starker Mithilfe der USA ) überhaupt gegründet, wenn sie wenn sie gegen US first verstößt nicht mehr beachtet wird?


Die Stärke des Rechts wurde zum Recht des Stärkeren.


Das werde ich aufzeigen, und du solltest dir deswegen ernsthafte Sorgen um deine Zukunft machen!
....:) ,...mann Sitting Bull, was Du mit Deiner Überschrift anrichtest,...
....hab lang und breit überall rumgesucht was Biospohisten sind und begann mir die Haare zu raufen.
Stellte mich sogar selbst in Zweifel....anscheinend wissen hier alle was Biospohisten sind nur ich nicht.... :cry:
OK, OK ..ich hätte weiterlesen sollen Beitrag #2....:D
Du sorgst ech für Äckschn....
@sbi

"es ist mit allen mitteln zu kämpfen, damit dieses aufhört."
was meinst du damit, wer/was muss bekämpft werden?

das problem bei der un ist die gefahr, dass nur noch
paragraphenreiterei betrieben wird, anstatt sich um die
inhalte zu kümmern. und natürlich kommt diese
paragraphenreiterei aus den justizstaaten schlechthin,
aus deutschland und frankreich, diplomatie ist das imho
nicht mehr.

mfg,
Cole_T
Alles, was gegen Demokratie und Soziale Marktwirtschaft sowie in groberer Einteilung gegen Menschenrechte verstößt, muß bekämpft werden.


Aus Unrecht wird mit Vergeltung durch Unrecht aber kein Recht!


@ Cole_T: Sicher ist die UN nur ein paragraphenreitener, nicht wirklich demokratischer und schon längst kein gerechter Bürokratenhaufen, nur darf man ihn deswegen seine Legitimation absprechen?

Wenn ja, dann bitte nicht durch eine einsichte Wachablösung durch US-first

@ wolaufensie :p;)
Hier geht es schon los, hier fing es aber nicht an, und hier wird es nicht aufhören, wenn wir unsere Systeme weiter von uns feindlichen Kräften unterwandern lassen.

Thread: Spiegel: Bushs zweite Front

Welche feindliche Kräfte das sind?

Es ist so offensichtlich, es braucht gar keine Verschwörungstheorien, weil wir selbst glauben, es wäre das gute. Dabei hat es uns das Gute nur vorgespielt, so lange es seinen Interessen diente...
#10

Nun wolaufensie,

der Biosoph ist kein von sbi kreiierter Neologismus und bedeutet in etwa
Freund des Lebens, so, wie der Philosoph ein Freund der Sprache ist,
und der Apostroph ist eben ein Freund der Apo .(Ausserparlamentarische Opposition)

so easy

Fanny
Danke fanessa :)
wolaufensie meinte eher den Buchstabenverdreher, wie ich annehme!


Gott habe ich heute viele Schreib- und Syntaxfehler

ich mache mal Pause! :D
...hmmm Biosophie scheint ne neue Was-auch-immer-Schaft zu sein...steht bei mir niergendwo drin,
ist da mal wieder nen Privatdozent kreativ gewesen um sich ne Vollzeit-Stelle zu schaffen ?
Aber egal.....es ging mir eigentlich nicht so sehr darum zu wissen was Biosophisten sind , sonder Biospohisten.....:) ja, ja ...ich weiss..der Fehler liegt bei mir...:)
Hi,

den Dreher hatte ich gar nicht bemerkt, da mir der Terminus aus Diskussionen in der Kinderkrippe hochgeläufig war, und somit sofort richtig assoziiert wurde.

sorry

Fanny
was ist jetzt bull, wars das schon von der ach so elitären Biosophie-Gesellschaft?
. . .
er legt Zeugnis ab, über Verbrechen gegen die Menschen, über Verfolgung, Vertreibung, Massenflucht, Aussiedlung und Ausrottung
. . .

der Taten gegen die Menschlichkeit über fünf Jahrtausende hinweg´. Taten in Namen vön Königen, von Völkern, in Namen der Freiheit ebenso wie im Namen der Staatsräson oder der Religion.


Azszug über: Das Schwarzbuch der Menschheit, von Hans Dollinger


********************************************************


Bis heute ist es so, es ist egal, in welchem Namen unterdrückt und ausgerottet wird, es ist in jedem Fall ein Verbrechen.

Ich möchte jetzt hier erstmal anfangen, Zustände heute zu beschreiben, und dann auf die Ursachen eingehen.
II. Machtstrukturen der Globalisierung

1) Die neue Qualität der Globalisierung

"Was die Weltwirtschaft anlangt, so ist sie verflochten" ­ auf diesem analytischen Niveau des Satirikers Kurt Tucholsky bewegen sich die Verfechter der These, dass Globalisierung kein neues Phänomen sei, sondern nichts weiter als eben die altbekannte Tatsache der weltwirtschaftlichen Verflechtung. Gerne wird auch darauf verwiesen, dass der Außenhandelsanteil am Bruttosozialprodukt Großbritanniens 1913 mit 45% höher gewesen sei als heute. Tatsächlich jedoch handelt es sich bei der Globalisierung unserer Zeit um völlig neue Dimensionen und auch um eine völlig neue Qualität.

Während die Weltproduktion seit 1945 um das Fünf-fache gestiegen ist, wuchs der Welthandel um das Zwölffache (John Gray: Die falsche Verheißung. Berlin 1999, S.78). In Deutschland zum Beispiel gehen heute 30% des gesamten Bruttoinlandsprodukts in den Export. Doch noch drei mal schneller als der Handel mit Gütern und Diensten entwickelten sich weltweit die Ausländischen Direktinvestitionen (ADI), also der Aufbau von Produktionsanlagen im Ausland (Klaus Dörre: Globalisierung ­ Ende des rheinischen Kapitalismus? In: Dietmar Loch/Wilhelm Heitmeyer: Schattenseiten der Globalisierung. Frankfurt/Main, 2001. S. 67f.) Drei Viertel dieser ADI werden von den 300 größten globalen Unternehmen getätigt, den die Weltwirtschaft bestimmenden Transnationalen Konzernen (TNK). (Werner Biermann/Arno Klönne: Globale Spiele. Köln 2001, S.175)

Über 40 der hundert größten TNK realisieren bereits mehr als 50 Prozent ihrer Umsätze im Ausland. (Klaus Dörre, a.a.O., S. 72) Für die TNK geht es dabei keineswegs nur darum, im jeweiligen Ausland Produkte für den dortigen Markt herzustellen, sondern vor allem auch um die globale Diversifierung der Wertschöpfungskette des Konzerns. In ein Produkt, das schließlich weltweit vertrieben wird, gehen produktive Beiträge aus vielen Ländern ein.

Während Forschung und Entwicklung und das Geld- und Kreditgeschäft in der Regel im hochentwickelten Heimatland verbleiben, werden zum Beispiel arbeitsintensive Vorgänge eher in Länder verlegt, wo die Arbeitskosten niedrig sind.

Die Informationstechnologie ermöglicht die globale Abstimmung des Produktionsverlaufs und damit dem Management, die jeweils günstigsten nationalen Bedingungen an Löhnen, Steuern, Krediten, Subventionen, Transportkosten usw. auszuschöpfen. Diese globale Diversifikation ist so weit fortgeschritten, dass heute bereits ein Drittel des Welthandels sogenannter "intrafirm trade" ist, also innerhalb der TNK selbst stattfindet. (UNCTAD: World Investment Report 2000, S. 17)

Das Ausnutzen der globalen Extraprofite, das ihnen seit 1982 weit höhere Gewinne beschert, als der Rest der Unternehmen aufweisen kann, hat den TNK eine überragende Stellung in der Weltwirtschaft eingebracht:

Sie kontrollieren ein Drittel der Weltproduktion und zwei Drittel des Welthandels. (John Gray, a.a.O., S. 89) Mehr als ein Viertel der gesamten Wirtschaftsaktivität der Welt kommt als Einnahmen in die Kassen der 200 größten Konzerne zurück. (Der Spiegel, 30/2001). Ihre wirtschaftliche Potenz misst sich mit denen hochentwickelter Nationalstaaten. Unter den hundert größten Wirtschaftskomplexen der Welt befinden sich 49 Staaten, aber schon 51 Konzerne. Ein Konzern wie General Motors erzielt einen Jahresumsatz, der dem Bruttosozialprodukt Belgiens entspricht.

So gewaltig Umsätze und internationale Warenströme auch geworden sind, so werden sie doch noch weit übertroffen von den Werten, die das internationale Finanzkapital um den Globus bewegt.

98% aller Devisentransaktionen haben überhaupt nichts mit Warenaustausch zu tun, sondern sind in der Regel rein spekulativ. 95% weisen eine Anlagedauer von weniger als acht Tagen auf, beziehen sich also nicht auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes oder irgendein produktives Vorhaben, sondern sollen einen schnellen Schnitt machen im Manipulationsgeschäft mit Währungen und Kursen aller Art. Da die täglich bewegte Summe von 1,2 Billionen Dollar fast doppelt so hoch ist wie Reserven aller Zentralbanken zusammen genommen, ist die Manipulationsmacht des internationalen Finanzkapitals enorm.

Da es außerdem in der Regel auf Prozesse setzt, die es selbst nachhaltig beeinflussen kann ­ die Kursentwicklung von Devisen, Aktien, Rohstoffen usw. ­ entscheidet das Finanzkapital über das Geschick ganzer Volkswirtschaften und Regionen.

Für das Finanzkapital wie für die Trans-nationalen Konzerne ist allerdings entscheidend, dass eine internationale Wirtschaftsordnung hergestellt ist, worin sie sich möglichst ungehindert bewegen können.



2) Die "weichen" Machtfaktoren

Im Zentrum der Globalisierungsstrategie der Reichen Länder stand zunächst die Umfunktionalisierung von Institutionen der Vereinten Nationen zu Werkzeugen der Durchsetzung einer rigiden neoliberalen Weltwirtschaftsordnung. Internationaler Währungsfonds (IWF), Weltbank und Welthandelsorganisation (WTO) sind zwar formal Sonderorganisationen der UN, de facto aber reine Erfüllungsgehilfen der Reichen Welt.


Der IWF kontrolliert über "Supervision" und "Konsultationen" die Währungs- und Finanzpolitik der meisten Länder der Welt, und mit den "Sonderziehungsrechten" reguliert er die Bereitstellung internationalen Geldes.

Die USA, Deutschland, Japan, Frankreich und Großbritannien verfügen allein über 40% der Stimmrechte. Ähnlich funktioniert die Weltbank, die jährlich rund 30 Milliarden Dollar für Kapital-hilfe an Entwicklungsländer vergibt. (Vgl. dazu "Real exis-tierende Strukturen internationaler politischer Regulierung" in: BrandBrunnenbräber Schrade StockWahl: Global Governance. Münster 2000, S. 89­128)

Sind IWF und Weltbank die Instrumente für Währungs-, Finanz- und Strukturpolitik, so kommt auf dem Feld des internationalen Handels die WTO zum Zuge. Ihr offizielles Ziel ist die vollständige Liberalisierung des Welthandels durch den Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen. Die WTO mit ihren heute 142 Mitgliedsstaaten hat 1994 das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) abgelöst. Zu den wichtigsten Neuerungen zählt die Einrichtung des Dispute Settlement Body (DSB), der Streitfragen rechtsverbindlich schlichtet und auch Geldstrafen und Entschädigungsleistungen fest-legen kann. Nationale Versuche, die eigene industrielle Entwicklung vor dem Zugriff des globalen Kapitalismus zu schützen, können so von der WTO als "unerlaubte Handelshemmnisse" gebrandmarkt und in der Regel zu Fall gebracht werden (a.a.O., S. 105).

Den Gipfel dieser Institutionen, die dem internationalen System die Regeln der neoliberalen Marktwirtschaft, der Demokratie und Menschenrechte nach westlichem Verständnis auferlegen, bilden die G7, die Gruppe der sieben führenden westlichen Industrienationen (USA, Japan, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien, Kanada; die EU nimmt teil, Russland ist seit 1992 formal als achtes "Mitglied" dabei, hat aber keine Mitentscheidungsrechte).

Ohne ein Mandat oder gar die Kontrolle der Vereinten Nationen bestimmen die G7 mittlerweile nicht nur die Grundlagen der internationalen Wirtschaftspolitik, sie legen vielmehr die Parameter für alle relevanten Felder der Weltpolitik fest, von Sicherheitsfragen über den Umweltschutz bis zur Sozial- und Arbeitspolitik.

Mithilfe solcher und vieler ähnlicher nachgeordneter Einrichtungen ist es der Reichen Welt gelungen, dem internationalen System Strukturvorgaben zu verordnen, die es auch ohne die Ausübung direkten Zwangs in der gewünschten Richtung hält.

Für diese Herrschaftsausübung mittels "weicher" Machtfaktoren hat die Politologie den Terminus "strukturelle Macht" hervorgebracht. (Vgl. Susan Strange: The Persistent Myth of Lost Hegemony. In: International Organization 41, 1987, S. 551­574)

Solche "weiche" Macht kann aber nur funktionieren, wenn ihre ideologischen Grundlagen von den Unterworfenen anerkannt werden: die Werte des Westens wie Pluralismus, Individualismus und materieller Eigennutz als prägende Normen des gesellschaftlichen Zusammenlebens müssen als "universal", als überall und für jedermann verbindlich, anerkannt werden. Sobald dies nicht mehr gewährleistet ist, müssen "weiche" von harten Machtfaktoren abgelöst oder zumindest ergänzt werden.

3) Die "harten" Machtfaktoren der "neuen Weltordnung"

Von der Prägekraft seiner Werte war der Westen allerdings immer nur im Verbund mit den härtesten aller Machtfaktoren überzeugt.

Seine "neue Weltordnung" verkündete der damalige US-Präsident George Bush im Januar 1991 als Erläuterung der Bombenangriffe auf den Irak, dem umfangreichsten Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg und dem Vietnamkrieg der USA. Die USA hatten den Irak hoch gerüstet und zum Krieg gegen den Iran gedrängt und ihn dabei auch mit Aufklärung und direkten Militäraktionen unterstützt. Als Saddam Hussein dennoch die eigenen Ölvorräte selbst vermarkten wollte, wurde er zum "Wiedergänger Hitlers", und der Irak wurde zunächst mit Bomben und dann mit einem Embargo belegt, was möglicherweise zwei Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Für Bush gehörte dies zur "großen Idee", worin "verschiedene Nationen sich in einer gemeinsamen Sache vereinen, um die universellen Hoffnungen der Menschheit zu verwirklichen: Frieden und Sicherheit, Freiheit und die Herrschaft des Rechts" (vgl. Leo Mayer/Fred Schmid: "Kollektiver" Kapitalismus. Manuskript, S. 1. Das Buch "Die Macht der Multis" erscheint im Frühjahr 2002 im Neue Impulse Verlag, Essen.) Die USA, sagte Bush damals, "fühlen sich berufen, die Welt aus dem Dunkel und dem Chaos der Diktatur zur Verheißung besserer Tage zu führen".!!!!!!!

Auf welchem Wege man zur Verheißung gelangen würde, erklärte dann der Nachfolger Bill Clinton. In seiner Stellungnahme zur "NationalSecurityStrategyof Engage-ment and Enlargement" stellte der US-Präsident 1994 fest: "Unsere nationale Sicherheitsstrategie besteht darin, die Gemeinschaft der Marktdemokratien zu vergrößern und gleichzeitig eine Reihe von Bedrohungen gegen unsere Nation, unsere Verbündeten und unsere Interessen abzuwehren." (Vgl. Biermann / Klönne, a.a.O., S. 152).

Der Mann aus Arkansas, den mancher wegen seiner Frauengeschichten zu Unrecht für einen Liberalen hält, sprach Klartext: nicht um "die universellen Hoffnungen der Menschheit" ging es, sondern um die Schaffung neuer "Marktdemokratien"; nicht um die "Verheißung besserer Tage", sondern um "unsere Interessen". Zum ersten Mal verbanden die USA ihre "nationale Sicherheitsstrategie" offen mit dem Umsturz von Gesellschaftssystemen, die nicht in den Entwurf der imperialistischen Globalisierung passten: mehr Länder mit Marktdemokratie sollten her.

Drei Jahre später legt Clinton seine "National Security Strategy for a New Century" vor, worin nun alle Instrumente exakt auf die Bedürfnisse einer möglichst störungsfreien Globalisierung ausgerichtet sind:

Erstens müsse man gerüstet sein, regionale Konflikte, Terrorismus und Drogenhandel zu bekämpfen, die deshalb schädlich seien, weil US-Wohlstand und US-Arbeitsplätze von einer weltweit stabilen Wirtschaft abhingen;

zweitens müsse man die US-Armee umrüsten von einer Armee, die zwei Großkonflikte gleichzeitig führen könne, auf eine Streitkraft, die an vielen Punkten der Welt den jeweils sehr individuellen Herausforderungen gewachsen sei, die also jederzeit auf jede Herausforderung mit den nötigen Eingreiftruppen reagieren könne. (A.a.O., S. 169f.)

Kernstück dieser Strategie ist das Konzept der "strategischen Kontrolle", mit der "angestrebt werden (soll), sich durchsetzen zu können, ohne wie bisher das gegnerische Territorium zu besetzen. Vielmehr soll mittels einer gründlichen Durchleuchtung des Gegners die Möglichkeit geschaffen werden, durch eine präzise Zerstörung der militärischen, industriellen und politischen Ressourcen den Gegner zu besiegen.

Das soll durch den Einsatz der Luftwaffe geleistet werden. Bei Kampfhandlungen werden Bodentruppen kaum benötigt, höchstens im Rahmen der politischen Lösungen." (Paul-Marie de la Gorce: A New Balance of Power: Moving Targets. Le Monde Diplomatique (English Edition), September 2000. Zitiert nach Biermann/Klönne, a.a.O., S. 166)

Zur strategischen Kontrolle der einzelnen Konflikte addierten die USA die strategische Kontrolle des Globus schlechthin: Mit dem NMD, dem Nationalen Raketen-Programm, wollen die USA einen undurchdringbaren Schild um sich legen und gleichzeitig auch ihre Partner gegen jeden Raketenangriff sichern, weil sie überall auf der Welt die Raketen schon beim oder sogar schon vor dem Abschuss ihrerseits vernichten würden.

Ein perfektes Programm für den globalen Sheriff und Scharfrichter in Personalunion.

Parallel zu den USA qualifizierte die NATO ihre eigene Verteidigungsdoktrin. 1991 ­ wir erinnern uns: Golfkrieg, die neue Weltordnung von US-Päsident Bush ­ stellte auch die NATO ein "Neues strategisches Konzept" vor. Das "Verteidigungsbündnis" entdeckt völlig neue "Sicherheitsrisiken": die "Verbreitung von Waffenvernichtungswaffen, Unterbrechung der Zufuhr lebenswichtiger Ressourcen sowie Terror- und Sabotageakte". (Vgl. Mayer/ Schmid, a.a.O., S.28) 1999 schließlich, es ging um die Vorbereitung des Angriffs auf Jugoslawien, warf die NATO alle Fesseln von sich. Jetzt sollte es gar nicht mehr um die Verteidigung des NATO-Gebiets gehen, sondern um die Durchsetzung von "gemeinsamen Werten", von "Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit", wo auch immer in der Welt nach dem Befund der NATO solche Werte in Gefahr sein sollten. Der deutsche Außenminister Fischer wird seit dem Nato-Krieg gegen Jugoslawien nicht müde darauf hinzuweisen, dass die "westliche Wertegemeinschaft" aufgerufensei<%-3>, einneues"Auschwitz" zu verhindern. Mit dieser beispiellosen Relativierung des Nazi-Völkermords haben es Fischer und Co. verstanden, das deutsche Volk nach und nach kriegsbereit zu stimmen. Beim Golfkrieg waren nur 17Prozent für den Einsatz deutscher Bodentruppen vor Ort, beim Kosovo 19Prozent und jetzt gegen Afghanistan wünschen sich schon 58Prozent der Deutschen eigene Truppen im Hindukusch. (Spiegel, 41/2000).

Indem die NATO sich selbst das Recht zuspricht und auch in die Hände nimmt, im Auftrag der Menschheit zu handeln, hebelt sie natürlich das Privileg der UN aus, in eben diesen Fragen tätig zu werden. In Art. 53, §1, Satz 2 der UN-Charta wird zwar ausdrücklich verboten, ohne Ermächtigung des Sicherheitsrates der UN Zwangsmaß-nahmen auf Grund regionaler Abmachungen oder seitens regionaler Einrichtungen zu ergreifen. Dies hat aber zum Beispiel die NATO beim Angriff auf Jugoslawien nicht gestört, sie hat sich selbst "mandatiert". Wahrscheinlich ging sie davon aus, dass Russland, das als Ständiges Mitglied des Sicherheitsrates sein Veto hätte einlegen können, Schwierigkeiten machen würde.

In solchen Fällen müssen die weltweiten Verfechter der Menschenrechte natürlich Ausnahmen von den demokratischen Regeln machen. Normalerweise ist das seit dem Zusammenfall des Realsozialismus nicht mehr nötig, da der Sicherheitsrat der UN meist auf Zuruf der USA und ihrer Partner funktioniert. So durften die Russen im Auftrag des Sicherheitsrates in Georgien für "Sicherheit" sorgen, die Franzosen in Ruanda, die NATO in Bosnien und Herzegowina, die USA in Somalia und Haiti. Die UN haben, neben der globalen Wirtschaftspolitik, längst auch die "kollektive Sicherheitspolitik" aufgegeben. (Vgl. Berthold Meyer: Kollektive Sicherheit oder Weltinnenpolitik? In: Claus Leggewie/Richard Münch: Politik im 21. Jahrhundert. Frankfurt/Main 2001, S. 359-374)



III. Gewinner und Verlierer der Globalisierung

Ganz im Gegensatz zur Propaganda der Reichen - die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung überschrieb ihren Vorbericht zum WTO-Treffen in Katar:

"Globalisierung ist gut für die Armen" (FAZ, 28.20.01) ­ sorgt die Globalisierung für immer größere weltweite Ungleichheit. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. .

Der sogenannte GINI-Koeeffizient, mit dem die Diskrepanz zwischen dem obersten und dem untersten Fünftel der Einkommensverteilung gemessen wird, hat sich von 1960 bis 1990 von 1:30 auf 1:60 geöffnet, d.h. das reichste Fünftel der Erde hatte 1960 30mal mehr als das ärmste und 1990 60mal mehr. "Von 1990 bis 1997, als die Globalisierung sich beschleunigte, stieg er noch einmal von 1:60 auf 1:74." (Global Governance, a.a.O., S. 11 ­ die Daten wurden vom UN-Entwicklungsprogramm UNDP errechnet). Der Anteil des ärmsten Fünftels der Menschheit am Welteinkommen fiel von 1989 bis 1998 von 2,3% auf 1,4%. Das Pro-Kopf-Einkommen in 20 zentralafrikanischen Staaten ist heute niedriger als Ende der Siebziger Jahre (Anthony Giddens: Entfesselte Welt. Frankfurt 2001, S. 27f.)

Das Elend der Armen Welt ist nicht bloß auf den "Selbstlauf der Marktkräfte" zurückzuführen, die "sanften Machtfaktoren" des globalen Systems haben kräftig mitgeholfen.

Seitdem IWF und Weltbank ihre Programme der "Strukturanpassung" aufgelegt haben, hat die Verschuldung Schwarzafrikas um 400 Prozent zugenommen. (Biermann/Klönne, a.a.O., S. 220) Für die Gesamtheit der Entwicklungsländer ist die Verschuldung in den letzten zehn Jahren um 70% gestiegen.

Die Armen Länder haben jährlich sieben mal so viel an Schuldendienst in die Reichen Länder zu überweisen, wie sie an Entwicklungshilfe erhalten.

So entschieden die Reichen verlangen, dass die Entwicklungsländer alle Hemmnisse für ihre Produkte und ihre Investitionen aus dem Weg räumen, so skrupellos schotten sie die eigenen Märkte gegen Produkte aus der Armen Welt ab. Selbst der Chef der WTO, Mike Moore, muss zugeben, dass eine wirklich zweiseitige Handelsliberalisierung den Armen Ländern Hunderte Milliarden Dollar einbringen würde. Doch stattdessen subventionieren die OECD-Staaten ihre eigene Landwirtschaft.

Zunächst geht es beim Export der Armen überwiegend um Agrarprodukte ­ mit jährlich 300 Milliarden Dollar, was wiederum dem Siebenfachen der Entwicklungshilfe entspricht. Auch in der zentralen Frage der Patente, wo die Armen um Sonderkonditionen bitten, sind die Reichen bisher hart geblieben. Dies gilt auch bei Arzneimitteln, was ein millionenfaches Todesurteil für die Menschen in der Armen Welt bedeutet. 13 Millionen Afrikaner sind bereits an Aids gestorben, 23 Millionen sind infiziert, 10 Millionen Kinder sind durch Aids zu Waisen geworden. (FAZ, a.a.O.) Die Pharma-Konzerne hat dies nicht dazu bewegen können, diesen Ländern Ausnahmepreise für ihre Heilmittel einzuräumen. Die auf dem G7-Gipfel gewährte "Aids-Hilfe" ist lächerlich; die eine Milliarde Dollar müssen die Armen Länder an zwei Tagen an Zinsen und Tilgung für ihre Schulden leisten, und im übrigen werden die Mittel an die Pharma-Konzerne überwiesen, die bei ihren hohen Preisen bleiben.



Globalisierung tötet

Globalisierung tötet. Alle zwei Stunden verhungern mehr Menschen, als bei dem Anschlag auf das World Trade Center ums Leben kamen. Jeder siebte Mensch, jedes fünfte Kind ist unterernährt, obwohl die globale Produktion an Lebensmitteln den Bedarf bei weitem übertrifft.





Drei Milliarden Menschen, die Hälfte der Erdbevölkerung, müssen mit weniger als 2 Dollar pro Tag auskommen; 1,3 Milliarden haben nicht einmal einen Dollar am Tag. In Indonesien leben 40 Prozent der über 200 Millionen Einwohner unterhalb dieser offiziellen Armutsgrenze. Eine Milliarde Menschen, jeder vierte Erwerbsfähige, ist ohne Arbeit. Zwei Milliarden Menschen leiden an mangelbedingter Anämie (Vgl. u.a. die jeweiligen Ausgaben des "Human Development Report", die vom United Nations Development Programme, New York, zusammengestellt werden).

Während große Teile der Menschheit in Armut und Elend versinken, häufen die Nutznießer der Globalisierung in den Industrieländern phantastischen Reichtum auf. Die 15 reichsten Personen haben ein größeres Vermögen als das Bruttosozialprodukt aller Schwarzafrika-Staaten.

Das Privatvermögen der 225 Reichsten entspricht fast dem Jahreseinkommen der Hälfte der Menschheit.

Doch verdeckt die Formel von der "Reichen Welt" den Umstand, dass die Globalisierung dafür sorgt, dass auch in diesem Teil der Welt die Schere zwischen Arm und Reich sich immer weiter öffnet. Neoliberale Globalisierung, stellt Jonathan Gray, der frühere Wirtschaftsberater der britischen Premierministerin Thatcher fest, bedeutet den "Wettbewerb der Nationalstaaten um den Abbau von Lenkungsmaßnahmen und sozialen Sicherungssystemen" (Gray, a.a.O., S. 119). Da Arbeit in Billiglohnländer verlagert wird ­ "die Löhne werden jetzt in Peking gemacht" ­ erreicht der freie Markt in den Industrieländern genau das, was der Sozialismus nie geschafft hat: "er lässt das bürgerliche Leben absterben", führt zu Reproletarisierung und der Entbürgerlichung der Mittelschichten (a.a.O, S. 102). "Die Beschäftigung der armen Armen stürzt die reichen Armen ins Elend; noch ärmer geworden, und den armen Armen näher gerückt, werden sie ihrerseits geringere Ansprüche stellen." (Viviane Forrester: Der Terror der Ökonomie. München 1998, S. 147).

Aha, nicht unsere Sozialsysteme sind schuld an unserer mißlichen Lage, sondern Globalisierung und Neoliberalismus!

Die Zahlen bestätigen den düsteren Befund: In den USA ist der Durchschnittslohn von 80 Prozent der Beschäftigten von 1973 bis 1995 um 18% gesunken, während die Einkommen der Manager um 19% gestiegen sind. Top-manager verdienen mittlerweile das 150fache eines Arbeiters (Gray, a.a.O., S. 158f.; vgl. auch Richard D. Wolff: Die US-Wirtschaft im Jahr 2000. In: isw-report Nr. 43. S.11­15).

50 Millionen, fast 20Prozent der US-Bevölkerung, gelten offiziell als arm, 40 Millionen haben keine Krankenversicherung, 52 Millionen sind Analphabeten, schon deshalb zu Verlierern der Globalisierung verurteilt. (Vgl. Viviane Forrester: Die Diktatur des Profits. München 2001, S. 69ff) Die Europäische Union ist wie in der Glo-balisierung auch hier den USA auf den Fersen: Sie weist offiziell 20 Millionen Arbeitslose und 50 Millionen Arme auf. (Biermann/Klönne, a.a.O., S. 198f.)

Dem fortgeschrittenen Elend in den USA entspricht die wachsende "Anomie", das Auseinanderfallen der sozialen Beziehungen und die Zunahme der Kriminalität. Fünf Millionen Menschen befinden sich in den USA im Strafvollzug (was u.a. der Arbeitslosenstatistik aufhilft, denn Strafgefangene werden nicht zur erwerbsfähigen Bevölkerung gezählt).

In der Hauptstadt Washington, DC, sind 40 Prozent der männlichen Farbigen zwischen 18 und 35 Jahren entweder im Gefängnis, auf Bewährung, auf der Flucht oder vor Gericht.

Die Anwort der Reichen und Mächtigen besteht nicht etwa in der Entwicklung von Ausbildungs- und Arbeitsprogrammen, sondern in der Verschärfung der Gesetze und der Stärkung der polizei-lichen Schlagkraft. Gegen Elend und Kriminalität versuchen die Reichen sich in speziell bewachten Festungen abzuschotten. 28 Millionen Menschen, 10 Prozent der US-Bevölkerung, wohnen in sogenannten "gated communities", eigenen Wohnbezirken, die von privaten Wachgesellschaften geschützt werden. (Gray, a.a.O., S.161f)

In der Organisation ihrer eigenen Gesellschaft, Inseln des Reichtums zu sichern inmitten einer verrottenden Umgebung, die nach Bedarf polizeilich diszipliniert wird, lässt sich unschwer das Muster der nach dem 11.9.2001 angestrebten Globalisierung erkennen.

So wird es kommen, Townsends für alle!



IV. Der "Krieg gegen den Terror": Die neue Sicherheitsstrate…

1) Die ideologische Munition

Nichts hat die Verfechter des "Kriegs gegen der Terror" hierzulande mehr aufgebracht, als die Feststellung der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy, Osama bin Laden sei der "dunkle Doppelgänger des amerikanischen Präsidenten. Der brutale Zwilling alles angeblich Schönen und Zivilisierten.


Er ist aus der Rippe einer Welt gemacht, die durch die amerikanische Außenpolitik verwüstet wurde, durch ihre Kanonenbootdiplomatie, ihr Atomwaffenarsenal, ihre unbekümmerte Politik der unumschränkten Vorherrschaft, ihre kühle Missachtung aller nichtamerikanischen Menschenleben, ihre barbarischen Militärinterventionen, ihre Unterstützung für despotische und diktatorische Regimes, ihre wirtschaftlichen Bestrebungen, die sich gnadenlos wie ein Heuschreckenschwarm durch die Wirtschaft armer Länder gefressen haben. Ihre marodierenden Multis, die sich die Luft aneignen, die wir einatmen, die Erde, auf der wir stehen, das Wasser, das wir trinken, unsere Gedanken."

Entrüstet fragt der Kommentator der `Zeit`: "Welche Logik erlaubt es, beliebige Amerikaner für die Politik beliebiger Regierungen ihres Landes mit dem Tode zu bestrafen? Und welche Logik, umgekehrt, erlaubt es den Intellektuellen beliebiger Staaten der Dritten Welt, sich mit den (übrigens bloß unterstellten) Motiven eines beliebigen Terroristen zu identifizieren?" (Zeit, 4.10.2001) Von all dem, was da an rhetorischen Fragen aufgeworfen wird, ist bei Roy nichts zu lesen. Sie nennt Bin Laden einen "dunklen Doppelgänger des amerikanischen Präsidenten", den sie offenbar verabscheut. Sie sagt, Bin Laden, ist aus der Rippe einer Welt gemacht, deren ungeheuerlicher Zustand vor allem den USA zur Last zu legen ist. Offenbar missbilligt sie diesen Weltzustand, doch erkennt sie im Handeln der Terroristen die Obszönität der Zustände wieder. Dass dieser Zusammenhang, dieses Spiegelbild gezeigt wird, bringt den Zeit-Autor um den Verstand. Dass Roy "Amerika mit den Ursachen dieses Elends identifiziert", lässt ihn der indischen Schriftstellerin "paranoiden Beziehungswahn" bescheinigen.

Selbstverständlich muss er dies tun, wenn er die Haltung der USA und ihrer Partner rechtfertigen will. Denn, wie Erhard Eppler, der im übrigen Kritiker in seiner SPD zu Mitläufern des Terrorkriegs zu machen versucht, im zaghaften Konjunktiv konstatiert:


"Sollte es stimmen, dass die globalisierte Wirtschaft weltweit nur einen geringen Teil der arbeitsfähigen Menschen brauchen kann, so wäre dies nicht nur inhuman, es würde auch privatisierte, kriminalisierte und schließlich chaotische Gewalt freisetzen." (Spiegel, 41/2001). Nun ist es aber so, dass Arbeitslosigkeit und Hunger, Krankheit und Tod auf der Welt außerordentlich viel damit zu tun haben, dass ein großer, wachsender Teil der Menschheit "von der globalisierten Wirtschaft nicht gebraucht" bzw. entsprechend seinen Profitvorgaben verbraucht wird.


Wir haben schon festgestellt, dass jeder vierte Erdenbürger unter der Armutsgrenze lebt, dass jeder vierte Erwerbsfähige ohne Arbeit ist und dass jedes fünfte Kind Hunger leidet, und dass dieses Elend die Kehrseite der Produktionsmaschine des globalen Imperialismus darstellt.

Die imperialistische Globalisierung ist ein permanenter Bruch der elementaren Menschenrechte.

In Artikel 23 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ­ von den Vereinten Nationen im Dezember 1948 beschlossen ­ ist festgelegt: "Jeder Mensch hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf angemessene und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz gegen Arbeitslosigkeit." In Artikel22 wird die "Soziale Sicherheit" zu einem Grundrecht des Menschen erklärt: "Jeder Mensch hat als Mitglied der Gesellschaft Recht auf soziale Sicherheit; er hat Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit unter Berücksichtigung der Organisation und der Hilfsmittel jedes Staates in den Genuss der für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlichen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen."

Der neoliberale Kapitalismus und die neoliberale Globalisierung, die ideologisch eine Vielzahl von Modernisierungsverlierern postulieren, damit sich ihre Art von Fortschritt durchsetzen kann, und die in der Praxis schon mehr als die Hälfte der Menschheit zu Verlierern, zu Opfern gemacht haben, bilden eine monströse Struktur der permanenten Menschenrechtsverletzung. Andererseits reklamieren sie für sich unter Hinweis auf die Gefährdung oder Verletzung von Menschenrecht das Recht, ja die Pflicht zu militärischen Eingriffen überall dort, wo es ihren Interessen zuwiderläuft. Dass der Bock sich hier zum Gärtner aufschwingt, dass die Menschenverachtung von Terroristen dem Zugriff der Globalisierer entspringt und entspricht, darf nicht ausgesprochen werden. Wer dieses Tabu bricht, muss entweder auch zum Kriminellen ­ US-Präsident Bush: entweder man schließt sich dem Kreuzzug gegen den Terrrorismus an oder man steht an der Seite der Terroristen ­ oder aber zum Wahnsinnigen gestempelt werden, was die "Zeit" pflichtschuldigst erfüllt, wenn sie Roy und ihresgleichen als "paranoid" wegsperren will.

Natürlich sind nicht nur die Menschen, die das Elend der Globalisierung als Nährboden des Terrors ansehen, paranoid, sondern vor allem die Terroristen selber. Gelten sie als "geisteskrank", muss man sich um eventuelle Motive ihres Handelns jenseits der Psychiatrie nicht mehr kümmern. Für diese Art der propagandistischen Zurichtung ist in unserem Land seit längerem Hans Magnus Enzensberger zuständig, der schon Saddam Hussein als Hitlers Wiedergänger ausgemacht hatte, "Ausdruck einer stets mobilisierbaren Zerstörungs- und Selbstzerstörungsbereitschaft, die sich ihre Anlässe und Gegenstände nach Belieben sucht." (Zeit, 31.10.2001). Auch Bin Laden und Gefolgsleute sind höchstens Fälle für die Geschlossene Abteilung: "Auf die Frage, woher ihre psychische Energie stammt, die den Terror speist, kann die ideologische Analyse jedoch keine Antwort geben. Vorgaben wie links oder rechts, Nation oder Sekte, Religion oder Befreiung führen genau zu denselben Handlungsmustern. Der gemeinsame Nenner ist die Paranoia. Auch im Fall des New Yorker Massenmordes wird man sich fragen müssen, wie weit das islamistische Motiv trägt; jede beliebige andere Begründung hätte es auch getan." (A.a.O.)




Conrad Schuhler, Journalist (München) ist Mitarbeiter des isw e.V.




http://www.kulturkritik.net/Oekonomie/Globalisierung/txt_glo…
Die Globalisierung ist ein Segen. Sie fördert die Demokratie, den Wohlstand und macht Kriege unwahrscheinlicher.
Die Frage ist, wessen Wohlstand sie fördert.

Und wie lange freiheitliche Interessen den Interessen der jetzt Herrschenden entsprechen, Kriegswirtschaft und Antidemokratische Tendenzen in den USA sprechen ja Bände...


BUSHS ZWEITE FRONT

Angst vorm Dolchstoß aus der Heimat

Von Jochen Bölsche

Die "Achse des Bösen", fürchten US-Konservative, ragt tief hinein in God`s Own Country. Zur Festigung der Heimatfront forciert das Weiße Haus "schwarze" Propaganda-Aktionen, Terrorismus dient Hardlinern als Vorwand, Dissidenten einzuschüchtern und Bürgerrechte abzubauen. Ex-Präsident Jimmy Carter sieht Amerika schon auf dem Weg in den Unrechtsstaat.




What a wonderful war. "Intelligente Waffen" zischen über den Nachthimmel, mit "chirurgischer Präzision" lösen sie schaurig schöne Detonationen aus - Bagdad 1991.
Alles Schwindel. Ein Jahrdutzend nach dem Golfkrieg räumt der TV-Sender CNN ein, dass die einst gesendeten Bilder "genau das Gegenteil von dem suggerierten, was sie tatsächlich beinhalteten": 56.000 Tonnen Sprengstoff, rund 70 Prozent der von der Air Force auf den Irak abgeworfenen Bomben, verfehlten ihr Ziel, Zigtausende von Zivilisten kamen um.

Selbstkritisch bekennt der Sender auf seiner deutschen Website, damals von den Militärs instrumentalisiert worden zu sein, die das Fernsehen als Waffe entdeckt hatten: Nachdem Horror-Fotos aus dem Vietnamkrieg in den Sechzigern dazu geführt hatten, "dass die `Heimatfront` in den USA und im Rest der Welt zusammenbrach", habe sich führenden US-Militärs erschlossen, dass fortan "Kriege an den Fernsehern der Nation entschieden werden".

Der Nachrichtensender CNN mag seither etwas skeptischer geworden sein im Umgang mit den bunten Kriegsbildern. Dafür nimmt sich der in den USA mittlerweile dominierende Konkurrenzkanal "Fox" des Medienzaren Rupert Murdoch fast aus wie ein Soldatensender.

"Fürs Militär sein oder das Maul halten"

George W. Bushs Schwarzweiß-Parolen sind dort allgegenwärtig. "Wenn der Krieg beginnt", dröhnt ein Fox-Moderator, "erwarten wir von jedem Amerikaner, entweder für das Militär zu sein oder das Maul zu halten. Amerikaner und auch unsere ausländischen Verbündeten, die aktiv gegen uns sind, gelten dann als Staatsfeinde."

Das Weiße Haus operiert mittlerweile raffinierter denn je, um die Kriegsberichterstattung zu beeinflussen. So berief Washington mit der (jüngst aus Gesundheitsgründen zurückgetretenen) PR-Expertin Charlotte Beers eigens eine Staatssekretärin für "Public Democracy and Public Affairs", um die "weiße", halbwegs transparente Propaganda zu verstärken.

Beers, die einst "Uncle Ben`s Reis" beworben hat, verbreitete beispielsweise regierungsamtliche Hochglanzbroschüren mit Halbwahrheiten über den dämonischen Saddam; darin wird etwa dessen einstige Giftkriegsführung gegen die kurdische Minderheit beschrieben, sein damaliger Verbündeter, die USA, aber verschwiegen.

Psychoverteidigung in eigener Sache


DER SPIEGEL

Mediale Streitmacht: Das Murdoch-Imperium


Insbesondere war von Beers erwartet worden, das Ansehen der Vereinigten Staaten in der muslimischen Welt zu stärken - angesichts der Bush-Politik ein Ding der Unmöglichkeit. Als die PR-Expertin jüngst aus nicht näher beschriebenen gesundheitlichen Gründen zurücktrat, sahen Kenner der Szene darin einen Akt des Protests gegen den Irak-Kurs.

"Sie musste die amerikanische Politik in einem positiven Licht darstellen und hatte doch keine Möglichkeit, diese Politik in einer Richtung zu beeinflussen, dass diese für den Rest der Welt und vor allem für die muslimische Welt besser hätte akzeptiert werden können," zitierte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" einen Sprecher des Rates für Amerikanisch-Islamische Beziehungen.

Mehr als von offenen PR-Aktionen versprechen sich Hardliner wie der Pentagon-Chef Donald Rumsfeld offenbar von der "schwarzen" Propaganda. Als erstes allerdings musste sein voriges Jahr gegründetes "Office of Strategic Influence" (OSI) Psychoverteidigung in eigener Sache treiben.

"Zerstörung, Degradierung, Leugnung, Spaltung"

Nachdem die interne Aufgabenliste ("Zerstörung, Degradierung, Leugnung, Spaltung, Täuschung und Ausnutzung" durchgesickert war und internationale Proteste ausgelöst hatte, wurde die Märchenfabrik geschlossen - und flugs durch einen Bush direkt unterstellten Dienst mit einem weniger verfänglichen Titel ersetzt: "Office of Global Communications" (siehe SPIEGEL-Reportage "Mediale Mobilmachung".

Ausländische Beobachter meinen die Effekte derartiger Bemühungen bereits wahrzunehmen. In den USA, urteilt der deutsche Journalist und Geheimdienstexperte Hans Leyendecker, seien "Journalismus und Geheimdienst kaum noch von einander zu unterscheiden".

Ob von den Schattenkriegern des Pentagon lanciert oder von einem der vielen US-Geheimdienste gestreut - eine Fülle zweifelhafter, nie belegter Meldungen, etwa über angebliche Kontakte zwischen dem Terrorpiloten Mohammed Atta und Saddams Geheimdienst, dienten dazu, im Land eine "ständige emotionale Alarmbereitschaft aufrecht zu erhalten", glaubt der PR-Spezialist und Fachautor Sheldon Rampton.

Kritiker werden eingeschüchtert und mundtot gemacht

Denselben Effekt haben die diffusen, selten spezifizierten Warnungen vor allzeit drohenden Anschlägen, die Katastrophenübungen in Schulen und Kindergärten oder die Äußerungen über eine militärische Gefährdung der USA durch den Irak - obwohl es "gegenwärtig keine Bedrohung der Vereinigten Staaten durch Bagdad gibt", wie etwa Ex-Präsident Jimmy Carter erklärt, der sich in seinem Urteil im Einklang mit "den Verbündeten und verantwortlichen Politikern früherer Administrationen" sieht.

Die vorherrschende Alarmbereitschaft konserviert nicht nur die Zustimmung zum Kurs der Bush-Krieger, sondern schafft auch ein Klima, das geeignet ist, Regierungskritiker einzuschüchtern und mundtot zu machen - erkennbares Ziel der (weltweit 175) Zeitungen und der TV-Kanäle des Medienzaren Murdoch.

Und mouse-potatos bezahltes Ziel

"Die PR-Schlacht zu gewinnen ist fast ebenso wichtig wie der militärische Sieg", postuliert Murdochs "Sunday Times". Andere Blätter stellen Skeptikerinnen wie die CNN-Reporterin Christiane Amanpour als "Kriegsschlampe" an den Pranger.

Kritischen TV-Fragestellern wird mangelnder Patriotismus unterstellt und das Wort abgeschnitten, Pazifisten werden zu Talkshows gar nicht erst eingeladen.

"Hitler`s children" für den Frieden

"Sind die Medien tatsächlich ein Spiegelbild der Macht, ist die hegemoniale Rolle Amerikas schon jetzt von einer imperialen abgelöst", urteilt Thomas Nehls, Leiter des New Yorker ARD-Hörfunkstudios, über die Meinungsmache vieler Mainstream-Medien:

"Nicht einmal mehr das Freund-Feind-Denken wird thematisiert; die gedanklichen Feinde sind - auch von den Medien - für irrelevant erklärt."



"Leute, die wieder einmal "einem Mann mit Bart" folgen: Großdemo gegen den Krieg in Berlin am 15. Februar


Weitgehend weggefiltert oder verstümmelt werden auf diese Weise die Warnungen amerikanischer Mahner wie der Publizistin Susan Sonntag, des Schriftstellers Norman Mailer oder des einstigen Golfkrieg-Generals Norman Schwarzkopf, aber auch abweichende Stimmen aus dem Ausland, nicht nur von nonkonformen Regierungschefs.

Fotos von der Berliner Friedensdemonstration, an der 500.000 Menschen teilnahmen, erschienen mit dem Bildtext "Hitler`s children". Kommentatoren suggerieren, die widerspenstigen Deutschen seien entweder Nazis oder Saddam-Freunde - jedenfalls Leute, die wieder einmal "einem Mann mit Bart" folgen.




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Wer nicht für uns ist, ist gegen uns-

US first

All in the name of Jesus

Und Frieden, Freiheit, Wohlstand für alle.

Welch Farce, wenn sie es im eigenen Land noch nicht einmal für alle schaffen, dies weltweit anzunehmen!
Wenn man solche Leute um sich hat, ja auch kein Wunder!

Die "Think Tanks" der amerikanischen "Neokonservativen" und ihr Einfluss auf die US-Außenpolitik

von: Albrecht Metzger
Redaktion: Bernd Kallina




Die Vereinigten Staaten sind eine Weltmacht, und wenn sie ihre Interessen verfolgen, verfolgen sie auch die Interessen aller freiheitsliebenden Menschen. Wir suchen keinen Streit, anders als etwa Deutschland bei den letzten Wahlen. Wir sehen das als eine Pflicht an, die uns auferlegt ist, in unserem eigenen Interesse.


Frank Gaffney glaubt an das Gute in Amerika und an die Pflicht der Großmacht, die Welt von Despoten wie Saddam Hussein zu befreien. Er befürchtet, der irakische Diktator könnte Massenvernichtungswaffen besitzen und sie eines Tages gegen die USA einsetzen. Dem will er entgegenwirken. --Gaffney ist Direktor des "Center for Security Policy", einem kleinen, aber einflussreichen Think Tank für Sicherheitspoltik in Washington. Jede Woche schreibt er eine Kolumne in der erzkonservativen Washington Times, die von der Moon-Sekte in Südkorea finanziert wird. Oft spekuliert er darin über die möglichen Verbindungen Saddam Husseins zum internationalen Terrorismus.

Neulich brachte er den irakischen Diktator mit den Anschlägen von Oklahoma City des Jahres 1995 in Verbindung.


Als Bill Clinton noch im Weißen Haus residierte, galt jemand wie Gaffney als Extremist. Doch die Zeiten haben sich geändert. In der Regierung von George Bush sitzen Leute, die ähnlich denken wie der Leiter des erwähnten "Center for Security Policy". Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 bestimmen sie maßgeblich die amerikanische Außenpolitik.


Vertreter dieser Denkschule werden als Neokonservative bezeichnet. Damit sind ehemalige Demokraten gemeint, die im Laufe des Kalten Krieges nach rechts abwanderten. Unter Ronald Reagan waren sie die schärfsten Antikommunisten. Nach dem Fall der Berliner Mauer hielten die Neokonservativen an ihrer aggressiven Außenpolitik fest. Sie glaubten, Amerika müsse seinen militärischen Vorsprung gegenüber dem Rest der Welt ausbauen, um Konflikte gegebenenfalls auch im Alleingang lösen zu können.


Als Ziehvater der Neokonservativen gilt der mittlerweile gestorbene Senator Henry Jackson aus dem Staate Washington. Frank Gaffney arbeitete in den siebziger Jahren in seinem Büro. Auch Jim Lobe kannte Jackson persönlich. Er verfolgt die neokonservative Bewegung seit mehr als 20 Jahren und schreibt über sie für die alternative Nachrichtenagentur Inter Press Service.


Der traditionelle außenpolitische Instinkt in Amerika ist es, nach dem Ende eines großen Konfliktes sich zurückzuziehen. Der Kalte Krieg war so ein großer Konflikt. So gesehen war der Kommunismus nach dem 2. Weltkrieg sehr hilfreich, um Amerikas Präsenz in der Welt aufrecht zu erhalten. Sonst hätten die isolationistischen Impulse überwogen. Ich glaube, nach dem Ende des Kalten Krieges ist etwas ähnliches passiert. Die Neokonservativen befürchteten, dass sich die USA zurückziehen würden, und sie hielten das für eine schlechte Idee. Sie hatten dabei die Lektion des 1. Weltkriegs im Kopf: dass nämlich alles schief läuft, wenn sich die USA nicht in der Welt engagieren. Außerdem meinen sie, dass die USA eine Macht des Guten sind – und ich denke, sie glauben ehrlich daran, es ist fast wie eine religiöse Überzeugung.


Nach dem Ende des Kalten Krieges verblasste der Stern der Neokonservativen zunächst. Ihre aggressive Außenpolitik passte nicht in das Zeitalter der Harmonie, das nach dem Zerfall der Sowjetunion auszubrechen schien. Doch anstatt ihren Traum vom amerikanischen Empire aufzugeben, hielten die Neokonservativen an ihrer Vision fest. Sie zogen sich in ihre Think Tanks zurück, die sie in den siebziger Jahren gegründet hatten.


Think Tanks sind ein Phänomen der amerikanischen Politik. Es gibt Dutzende davon, aus allen politischen Lagern. Sie veröffentlichen Studien zu politisch relevanten Themen und versuchen damit, die jeweilige Regierung zu beeinflussen.


Einer der maßgeblichen Think Tanks der Neokonservativen nennt sich "Project for the New American Century". Er wurde 1997 von Bill Kristol gegründet, dem Chefredakteur des Weekly Standard. Der Weekly Standard ist eines des Sprachrohre der Neokonservativen und gehört dem australischen Medienmogul Rupert Murdoch. Bill Kristol hält nicht viel von internationalen Abkommen.


Wir glauben nicht, dass diese Welt besonders gut funktioniert. Denn wir hatten gerade eine Welt der Abkommen und der Waffenkontrollen, und das war die Welt von Saddam, Nordkorea und Milosevic. Wir glauben einfach nicht, dass das funktioniert. Die Europäer wollen eine Welt der Abkommen, aber am Ende mussten wir doch Gewalt gegen Milosevic anwenden.


Bill Kristol schwebt als Alternative eine Welt vor, in der die USA im Alleingang und notfalls mit Gewalt Diktatoren wie Saddam Hussein und Kim Jong Il in die Knie zwingen. Dahinter steckt auch die Überzeugung, dass man durch derartige Präventivschläge die Welt möglicherweise vor zukünftigem Unheil bewahren könne. "Making the world safe for democracy" heißt das Schlagwort seit den Attentaten vom 11. September 2001.


Den Grundriss für diese Welt legte der jetzige stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz – auch er ein Vordenker der Neokonservativen. Bereits in der Regierung von George Bush Sr. arbeitete er im Pentagon.


1992 verfasste Wolfowitz ein Strategiepapier, in dem er seine Vision von den USA als einziger Supermacht entwarf. Die USA müssten nach dem Ende des Kalten Krieges den Aufstieg von Regionalmächten verhindern, so Wolfowitz. Namentlich nannte er Deutschland und Japan. Amerika sollte seinen militärischen Vorsprung so weit ausbauen, dass kein Rivale es mehr einholen könne. Außerdem müssten die amerikanischen Streitkräfte in der Lage sein, mehrere Kriege gleichzeitig zu führen, um Diktatoren wie Saddam Hussein eigenhändig zu entmachten.


Ein Imperium Americanum – das war selbst den meisten Republikanern zuviel. Das Strategiepapier verschwand in der Schublade und geriet zunächst in Vergessenheit. Bill Kristol und sein Project for the "New American Century – kurz PNAC" "Neues amerikanisches Jahrhundert" – holten das Papier wieder aus der Versenkung. Im September 2000, kurz vor den Präsidentschaftswahlen, veröffentlichte PNAC einen Bericht mit dem Titel "Rebuilding America´s Defenses" - Wiederaufbau der amerikanischen Streitkräfte. Darin lieferten die Autoren eine verfeinerte Version der Strategie, die Paul Wolfowitz acht Jahre vorher entwickelt hatte: Ausbau der amerikanischen Streitkräfte, Entwicklung neuer Atomwaffen, Aufbau neuer Militärbasen in Asien, Vorbereitung auf Kriege gegen den Irak, Nordkorea und Iran. Wenngleich diese Ideen in der Clinton-Ära als extrem galten, verschafften sich die Neokonservativen immer wieder Gehör. Mit erstaunlichem Erfolg, wie Jim Lobe feststellt.


Sie sind sehr geschickt wenn es darum geht, Debatten ins Rollen zu bringen. Und sie machen das mit einer Disziplin wie sonst niemand in Amerika. Ihre Sprachrohre sind die Meinungsseite des Das Wall Street Journal und der Weekly Standard. Außerdem haben sie eine Reihe von Kolumnisten, die die Meinung der Neokonservativen vertreten und im ganzen Land verbreiten.


Nach Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Gallup bevorzugen die Amerikaner eine Welt, in der ihr Land mit Europa und den Vereinten Nationen kooperiert. Doch die Demokraten sind seit dem 11. September 2001 sehr zaghaft mit ihrer Kritik an der Außenpolitik des Präsidenten geworden. Sie befürchten, als unpatriotisch zu gelten. So gelingt es den Neokonservativen derzeit, die außenpolitische Debatte maßgeblich zu bestimmen. Charles Kupchan, Professor für Internationale Beziehungen an der renommierten Georgetown Universität, hat dafür eine einfache Erklärung.


Wenn es um Außenpolitik geht, gibt es in den USA ein Problem: Ein großer der Teil der Öffentlichkeit ist völlig desinteressiert und apathisch. Und dann gibt es kleine Interessengruppen, die ihren Einfluss maximieren können, weil der Rest die Simpsons guckt.


Charles Kupchan ist Mitglied des Council on Foreign Relations. Der Council ist auch ein Think Tank – aber ein "richtiger", wie Kupchan meint. Denn wenn der Council eine Podiumsdiskussion organisiere, säßen Vertreter verschiedener Meinungen am Tisch und würden sich die Köpfe heiß reden. Die Think Tanks der Neokonservativen hingegen würden nur Leute eigener Gesinnung einladen.


Besonders negative Erinnerung hat Kupchan an Jeffrey Gedmin, der früher für den neokonservativen Think Tank "American Enterprise Institute" arbeitete. Damals organisierte er Panels zum Thema NATO-Osterweiterung. Gegner dieser Idee seien dabei nicht zu Wort gekommen, so Kupchan. Heute leitet Gedmin das Aspen-Institute in Berlin. In der ZDF-Sendung "Eser und Gäste" plädierte er bereits vor einigen Monaten mit Nachdruck für den Sturz Saddam Husseins. Kupchan sieht liberale Denker gegenüber den Neokonservativen taktisch im Nachteil.


Um ehrlich zu sein: Was Jeff gemacht hat war sehr gut. Sie waren sehr professionell, sehr diszipliniert und übten einen immensen Einfluss auf die Debatte aus. Wir Liberalen hingegen sagen immer: "Lasst 100 Blumen blühen, lasst alle zu Wort kommen." Außerdem sind die Leute im rechten Lager besser organisiert. Sie kommen oft aus der Wirtschaft und können sehr gut Geld eintreiben. Und in geostrategischen Fragen haben die Republikaner mehr erfahrene Leute als die Demokraten. Das hat vielleicht ideologische Gründe. Sie fühlen sich wohler, wenn es um Themen wie Verteidigung, Geopolitik und das Gleichgewicht der Mächte geht.


Der Wahlsieg von George Bush spülte die Neokonservativen an die Macht. Ihre Hochburg ist das Pentagon, und auch Vizepräsidenten Dick Cheney hat in seinem Beraterstab eine Reihe neokonservativer Ideologen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Neokonservativen ihre Vision vom amerikanischen Empire nahtlos in die Tat umsetzen konnten. Dafür war ihre Vision zu revolutionär. Das erkannten die Neokonservativen selbst. So heißt es in dem Strategiepapier zur amerikanischen Verteidigungspolitik, das das Project for the "New American Century" im September 2000 herausgab:


Dieser Umwandlungsprozess wird wahrscheinlich sehr lange dauern, es sei denn, ein katastrophales Ereignis tritt, das als Katalysator dient – wie ein neues Pearl Harbor.


Dieses "katastrophale Ereignis" kam allerdings früher als erwartet, wie Bill Kristol vom Weekly Standard mit unterschwelliger Genugtuung feststellt.


Nach dem 11. September war klar, dass für Amerika eine neue Zeit begonnen hatte. Wir konnten Dinge umsetzen, die vorher politisch schwierig erschienen. Machen Sie sich das einmal klar: Drei bis vier Wochen nach dem 11. September führten wir in Afghanistan Krieg, wir hatten Militärbasen in Zentralasien. Wer hätte vorher gedacht, dass das möglich ist?


Die Neokonservativen erkannten die Chance, ihre Vision in die Realität umzusetzen. Noch bevor der Krieg gegen Afghanistan begann, hatten sie bereits das nächste Ziel im Visier: Irak. Wenige Tage nach dem 11. September 2001 suchten Strategen im Pentagon fieberhaft nach Beweisen, um Saddam Hussein mit den Terroranschlägen in Verbindung zu bringen. Morgen nun wollen die USA dem UN-Sicherheitsrat Dokumente vorlegen, die die Verbindungen des Irak zum Terrorismus und sein Programm zum Bau von Massenvernichtungswaffen belegen sollen. Bisher jedenfalls blieben sie der Öffentlichkeit die Beweise schuldig.


Kritiker der Neokonservativen, wie die Irak-Expertin Phyllis Bennis vom liberalen Think Tank The Institute für Policy Studies, sehen die jetzige Entwicklung mit Sorge.


Ich glaube, viele von uns hatten die Vorstellung, dass wenn die Ideologen an die Macht kommen, dass diese Macht sie mäßigen würde, dass der Realitätssinn siegen würde, egal wie stark sie von ihren ideologischen Überzeugungen getrieben sind. Ich glaube, der 11.September hat den Neokonservativen die Gelegenheit gegeben, diese These zu widerlegen. Unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Terror sind die Neonkonservativen in der Lage, an ihren extremsten Positionen festzuhalten.


Doch die Neokonservativen verfolgen nicht nur imperiale Ideen. Sie sind auch Idealisten. Sie glauben fest an das Gute in Amerika und daran, dass ihr Land die Demokratie in der Welt verbreiten müsse. Damit stehen sie in guter amerikanischer Tradition. Schon die ersten Einwanderer im 17. Jahrhunderten verfolgten mit missionarischem Eifer die "Zivilisierung" der Eingeborenen.

Und so macht sich Bill Kristol keine Sorgen um den Irak, nachdem Saddam Hussein erst einmal gestürzt ist.


Ich glaube, wir werden im Irak bleiben. Ich glaube, wir können dabei helfen, dort ein sehr viel menschlicheres Regime zu errichten, ein demokratisches, föderales System. Ich glaube, eine Menge anderer Länder werden sich uns dann anschließen wollen um beim Aufbau der Zivilgesellschaft zu helfen. Ich bin eher optimistisch. Es gibt keinen Grund, warum die Iraker nicht ein angenehmes leben führen sollen, und ich glaube, wir können ihnen dabei helfen, das zu erreichen.


Der erwogene Krieg gegen den Irak ist allerdings auch in den USA nicht unumstritten. Dass linke Intellektuelle wie die Schauspielerin Susan Sarandon oder der Linguist Noam Chomsky die imperialen Gedankenspiele der Neokonservativen ablehnen, ist kaum verwunderlich. Aber auch Militärs und Sicherheitsexperten erheben ihre Stimme. Brent Scowcroft, der Sicherheitsberater in der Regierung von George Bush Sr., warnte im August eindringlich vor einem amerikanischen Alleingang gegen den Irak. Selbst der jetzige CIA-Direktor George Tenet gab zu bedenken, dass ein Krieg Saddam Hussein erst dazu bewegen könnte, seine Massenvernichtungswaffen einzusetzen.


Auch Vincent Cannistraro arbeitete früher für die CIA. Er hält die Neokonservativen für naiv. Es sei absurd, den Nahen Osten mit vorgehaltener Waffe demokratisieren zu wollen. Schon der Irak sei kompliziert genug.


Wenn man morgen im Irak demokratische Wahlen abhält, dann würden die Schiiten gewinnen, denn sie sind die Mehrheit im Land. Es würde einen schiitischen Präsident geben. Was bedeutet das? Vielleicht bedeutet das die Ausdehnung des iranischen Einflusses in der Region. All das sind Konsequenzen eines Krieges, die bedacht werden müssen. Denn die Neokonservativen sagen ja nicht: Irak, und das war´s. Nein, sie haben Syrien auf ihrer Liste, sie haben Iran auf ihrer Liste usw. usw.. Aber einige dieser Dinge passen nicht zusammen. Sie haben das nicht durchdacht, sie haben keinen wirklichen Plan. Vielleicht wird das Ergebnis schlimmer sein als das, was wir jetzt haben. Die Neokonservativen haben nur diese wundersame Formel: Demokratie. Danach soll sich alles von selbst ergeben. Das ist naiv.


Vincent Cannistraro leitete früher die Abteilung für "Antiterrormaßnahmen" der CIA. Heute arbeitet er als Medienberater. Cannistraro ist mit Sicherheit keine Taube. In den achtziger Jahren war er für die CIA in Mittelamerika tätig. Seine Gegner, wie etwa der Medienkritiker Norman Solomon, werfen ihm vor, er sei für Folter verantwortlich gewesen. Umso erstaunlicher klingt aus seinem Mund die Kritik an der vermeintlichen Arroganz der Neokonservativen:


Wenn jemand sagt: Wir wissen es besser als du, wir sind stärker als du, und deswegen werden wir dir unsere Sichtweise aufzwängen, und deine Meinung ist uns ist egal dabei - dann ist das natürlich Imperialismus. Man muss vielleicht ein neues Wort finden, vielleicht ist es Neoimperialismus.


Kritiker der Neokonservativen wie Jim Lobe hoffen, dass der Krieg trotz allem nicht stattfinden wird. Denn selbst wenn er erfolgreich verlaufen sollte, befürchtet er für die Zukunft nichts Gutes.


Wenn der Irak-Krieg erfolgreich verläuft, wird es schwer sein, dem Druck nach weiteren militärischen Abenteuern zu widerstehen. Wir wollen dann mehr und mehr Territorium kontrollieren. Aber die neokonservativen Träume von imperialer Herrlichkeit sind nicht realistisch. Die USA repräsentieren nur drei Prozent der Menschheit. Je mehr wir diese Dinge tun, desto weniger Leute werden uns beistehen. ...the less people will be around us.


Ungeachtet der Kritik der Deutschen und Franzosen, die vor einem amerikanischen Alleingang warnen, halten die Neokonservativen an ihrem Fahrplan fest. Der Krieg wird kommen, so oder so. Davon sind sie überzeugt. Adam Garfinkle, Chefredakteur des neokonservativen Magazins The National Interest, hat dafür eine einfache Erklärung:


Sie brauchen nur dem Präsidenten zuzuhören. Er meint was er sagt. Er sagt, diese Leute werden von alleine abrüsten, oder wir machen es für sie. Schauen Sie sich an, wie sich die Baath-Partei in den vergangenen zwölf Jahren verhalten hat. Jeder der trotzdem glaubt, diese Typen werden freiwillig abrüsten, muss irgendetwas geraucht haben, ich weiß nicht was. Aber es wird nicht passieren, genauso wenig wie Nordkorea freiwillig auf seine atomaren Fähigkeiten verzichten wird. Was würden die Leute sagen, wenn wir wieder warten wie bei al-Qaida? Was würden die Leute sagen, wenn die Iraker Atomwaffen in die Hände bekämen und sie gegen irgendjemand einsetzten? Was, wenn sie sie gegen Amerika einsetzten? Bush sagt, ich bin Präsident der Vereinigten Staaten, die Welt hat mich nicht gewählt, sondern die amerikanischen Bürger. Ich habe eine Verantwortung für deren Sicherheit. Ende der Diskussion.
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DeutschlandRadio-Online
Diesen noch, dann habe ich genug zur aktuellen Situation gepostet, dann gehts darum, die Hintergründe zu klären, wie es soweit kommen konnte, wer dahinter steckt, wie man es erreichen konnte, eine faschistoide Plutokratie in den USA einzurichten und welche einzige Möglichkeit es gibt, die gesamte Menschheit vor unendlichen Kriegen, dem Diktat der Mächtigen und massenweises Elend, Leid, Krankheit, Hungern und Tod zu bewahren.

Und wird nämlich nur vorgemacht, dass es keine Alternativen gibt. Meistens ist und das eh` egal, solange das Sankt-Florians-Prinzip gilt, machen wir uns gar keine Gedanken. Doch wehe es trifft uns selbst, dann ist das zetern groß.

Die Zeichen der Zeit stehen deutlich an der Wand-
hier werden sie ganzheitlich betrachtet und damit enttarnt!

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Mit Krieg sichern sich die Bushs ihr Erbe


Der Bush-Clan profitiert ganz direkt von den exorbitanten
US-Militärausgaben.


Peter Hossli (New York)


Einen schnurgeraden Spaziergang vom Weissen Haus entfernt liegt das Zentrum der Macht. Man geht 15 Minuten entlang der Pennsylvania Avenue vom Regierungssitz des
US-Präsidenten zu den Büros der Carlyle Group, einer Investitionsfirma in Washington D.C.

Dort wird derzeit die Politik gemacht. «Die Carlyle Group, nicht Bush regiert die USA», sagt eine Vertreterin des New Yorker Think Tank Council on Foreign Relations. Sie will anonym bleiben. Andere teilen ihre Meinung. «Zum ersten Mal steht der Vater des US-Präsidenten auf der Lohnliste eines der grössten Rüstungsherstellers», sagt der Direktor des unabhängigen Centers for Public Integrity, Charles
Lewis.

Carlyle, 1987 mit 10 Millionen Dollar gestartet, verwaltet inzwischen 12,5 Milliarden, ist in 55 Ländern tätig und investiert vorwiegend in Waffen-, Luftfahrt- und Kommunikationsfirmen. Ausserhalb der USA ist die Gruppe
im Nahen Osten, in Asien und im arabischen Raum beim Persischen Golf besonders aktiv. George H. W. Bush, Präsidentenvater und Golfkrieger, fungiert als
wichtigster Lobbyist. Zum Beraterstab gehören auch der einstige britische Premier John Major und der Expräsident der Philippinen, Fidel Ramos. Zudem lenken – was das Ganze noch problematischer macht – enge Freunde und alte Bekannte von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Vizepräsident Dick Cheney die Carlyle Group.

Bush junior bleibt die Rolle, die er am ehesten beherrscht, die des Impressarios.

Die erledigt er bravourös. Letzte Woche stimmte der kleine Bush in einer kriegstreiberischen Rede die Nation auf Attacken gegen die «Achse des Bösen» ein. «Es ist nicht eine Frage ob, sondern wann der Irak angegriffen
wird», deutet der Historiker Walter Mead die Haltung Bushs. Es sei nebensächlich, ob die Alliierten die Aktion unterstützten. «Bush ist überzeugt, es im Alleingang zu schaffen», sagt Mead.

.....

Das US-Militär wächst wie nie zuvor, und die Army strotzt geradezu vor Sprengkraft. Bush sieht im neuen Haushaltsentwurf 379 Milliarden Dollar für das Pentagon vor, eine Steigerung von 14,5 Prozent. Nie mehr seit 20
Jahren schwollen die Militärausgaben derart stark an. Der Präsident nimmt erstmals seit vier Jahren auch ein Budgetdefizit in Kauf. – Aus Eigennutz, denn es erhöht sein Erbe.

Das geht so: Der Vater ist in eine Firma involviert, die private Unternehmen besitzt, die von jenem Staat militärische Aufträge einholt,
den der Sohn präsidiert.

Das jüngste Beispiel ist ein gepanzertes Artilleriefahrzeug namens Crusader. Trotz heftiger Kritik, der Panzerwagen sei veraltet, kauft ihn die Armee. Das Gefährt wird vom riesigen Rüstungskonglomerat United Defense Industries produziert, das der Carlyle Group gehört. Im vergangenen September, als Terroristen das World Trade Center
zerstört hatten, verlängerte das ebenfalls betroffene Pentagon den 11 Milliarden Dollar umfassenden Crusader-Vertrag. Carlyle nutzte den Kontrakt, um United Defense im Dezember an die Börse zu bringen.

«Die Beziehung zwischen Regierung und militärisch-industriellem Komplex ist heute enger denn je», sagt der Historiker Mead. Derzeit würden jene Kräfte die Aussenpolitik bestimmen, «die stets mit aller Kraft rücksichtslos zurückschlagen, nachdem das Land angegriffen worden ist».

Es sind dieselben Kräfte, die zu Beginn der Neunzigerjahre den Irak angegriffen haben. «Jetzt wollen sie beenden, was sie angefangen haben», sagt Mead.

Viele der Kriegsherren von damals arbeiten heute für Carlyle und verdienen daran. Bush senior berät die Firma, alte Bekannte von Bush führen sie, und Frank Carlucci, unter Ronald Reagan Verteidigungsminister, agiert als CEO. An der Princeton University gehörte er zusammen mit dem jetzigen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld
dem Ringteam der Universität an. Die beiden hätten oft ihre Kräfte gemessen. James Baker, einst Aussenminister von Bush senior und Kampagnenberater von Bush junor, ist Chefberater und leitender Manager. Der jetzige Vizepräsident, Dick Cheney, war während des Golfkriegs Verteidigungsminister.
Nun sollen auch die Nato-Staaten aufrüsten – mit US-Waffen
Das sind für Firmen von Carlyle nahezu perfekte Voraussetzungen, um Rüstungsaufträge aus der ganzen Welt anzulocken. Investiert ist Carlyle im Flugzeug- und im Hightechbereich. Die Gruppe spezialisiert sich vornehmlich auf den Kauf abgetakelter Rüstungsfirmen, versorgt sie mit neuen Aufträgen und verkauft sie Gewinn bringend.
Ins Konzept passt daher die neueste US-Losung, Nato-Partner zum Aufrüsten zu ermuntern – am besten mit US-Waffen. Nur Amerika könnte derzeit einen modernen Krieg führen, sagen US-Strategen. Die Nato drohe auseinander zu brechen, wenn die Mitglieder ihr Militär nicht modernisieren, rügte jüngst ein Leitartikler in der «New York Times». Das
hörten die Bosse der Rüstungsschmieden von Carlyle gerne.

Die US-Öffentlichkeit weiss wenig Bescheid über die Verflechtungen. Carlyle ist in privaten Händen und muss die Bücher daher nicht öffnen. Kurz für Aufsehen sorgte bloss die Meldung, die Familie von Osama bin Laden gehöre zu den Investoren, aber mittlerweile hat sie ihren Anteil
abgestossen. Auf der Website wird der einflussreiche Beraterstab erst nach aufwändigem Durchklicken ersichtlich.
James Baker als Koordinator aller Lobbyisten ist direkt aufgeführt. Während des Wahlgeplänkels in Florida wirkte Baker, dessen Anteil an Carlyle auf 180 Mio Dollar geschätzt wird, als Chefunterhändler und Sprecher der Republikaner. Mit dem Hintergedanken, dass Bush im
Weissen Haus den Carlyle-Einfluss festigen würde.
All das ist nicht verboten. Ein Jahr nach Amtsaustritt dürfen Ex-Regierungsmitglieder wieder Lobbymandate übernehmen. «Das Tun von Carlyle ist zwar nicht illegal», schreibt der Ökonom Paul Krugman, «aber es stinkt zum Himmel.»

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@sbi

"Alles, was gegen Demokratie und Soziale Marktwirtschaft sowie in groberer Einteilung gegen Menschenrechte verstößt, muß bekämpft werden."

das trifft doch eigentlich alles auf den irak zu, oder? ;)

mfg,
Cole_T
Cole_T: Zweifellos. Aber das heißt nicht, dass der Weg, den die USA zur "Befreiung" eingeschlagen hat, der beste ist.

Der Terror entsteht nicht aus dem Nichts. Es gibt Gründe dafür. Und die USA zementieren eher diese Gründe mit ihrem Verhalten, als wirklich konstruktiv eine friedliche Welt zu schaffen. Weil sie gar keine friedliche Welt brauchen können, weil es nicht ihren US-first Interessen entspricht.
Denk an die Rüstungsausgaben, die eine perfekte Legitimation für alles mögliche sind, denk an die NSS.

Wir schaffen mit einer Hegemomialmacht USA eher weltweite Israel-Zustände. Willst du das wirklich, solche Zustände im Namen der Freiheit und Demokratie?

Jeder noch so blödsinnige Krieg der Welt wurde durch falsche Ideale und Versprechungen geführt, um von etwas befreit zu werden, oder um die Welt von §bösen" Menschen zu befreien, doch wir sollten vorsichtig sein, hier zu pauschalieren. Denn der Mißbrauch ist schneller da, als man je denken würde.


Ich werde auch noch darauf eingehen, dass die US-Wirtschaft meilenweit entfernt ist von einer freien demokratischen Marktwirtschaft, wie sie wirklich allen nützt. Auch warum das so ist, dass nur ein kleiner Teil des Systems profitiert, werde ich noch eingehend beleuchten!


@ mouse: Sind das deine Argumente? Ich glaube, du weißt das viele mittlerweile auf der richtigen Spur sind, nur blockierst du mögliche Angstzustände durch wegleugnen von Tatsachen. Wie ein kleines Kind, welches im dunklen Raum vor sich hinpfeift, um keine angstmachenden Geräusche zu hören.

Sorry, aber wir müssen diesen Tatsachen ins Auge sehen, wenn wir nicht wie bei George Orwell oder schlimmer enden wollen. Und nur durch Verbreitung der Information besteht überhaupt nur eine Chance, den kommenden Szenarien zu entgehen.

Bevor du wieder anfängst, mich in eine Ecke zu stellen, spar die das gleich, ich könnte dir stundenlang aufzählen, was ich alles nicht bin, was du aber gerne hättest was ich wär, damit du dich mit dem "Unsäglich Unmöglichen" nicht zu beschäftigen brauchst...
jetzt hast du gesagt was du nicht willst sittin bull (die bösen USA usw.). Cole T stellt genau die richtige Frage. Also du meinst:

"Alles, was gegen Demokratie und Soziale Marktwirtschaft sowie in groberer Einteilung gegen Menschenrechte verstößt, muß bekämpft werden."

Cole T stellt völlig richtig fest, dass dies alles auf den Irak zutrifft.

Also wie willst du gegen den Irak vorgehen? Ganz konkret. Keine Seitenlangen Texte aus zweifelhaften Quellen. Wer in 3-4 Sätzen seine Meinung nicht darlegen kann hat auch nichts zu sagen.

Also: Wie den Irak bekämpfen?
mouse, von dir habe ich wirklich noch nie etwas konkretes gelesen.

Ich zeige es noch, was konkret gemacht werden kann.


Nur Geduld. Erstmal mußt du nur eine Sekunde die Realität begreifen, und dabei vor allem, dass die nicht rosig ist, auch wenn du das steif und fest behauptest.

Erst dann gehts hier für dich weiter.

Und weiche nicht immer auf den Irak aus, ist zwar tragisch was dort passiert, aber es passiert überall auf der Welt, ohne das jemand etwas dagegen unternimmt, weil es sogar in unserem Namen passiert.

Also ist der Irak nur ein bedauerlicher Nebenschauplatz.
du weichst aus sittin bull, du hast einfach keine Lösung!

Dieses letzte Posting von dir ist echt arm.
Quark, ich habe eine Lösung.

Es ist noch nicht Zeit für eine Lösung.

Ich habe bisher nur die Folgen versucht darzustellen, und dagegen kam von dir überhaupt nichts, außer Schlagwörtern.


Erst muß man sich des gesamten Ausmaßes der Lage, und der daraus resultierenden Probleme bewußt werden, bevor man an Ursachenforschung oder Lösungsvorschläge geht.


Würde ich dir jetzt die Lösung präsentieren, würdest mich doch nur für einen Spinner halten, was du ja ohnehin schon oft genug zum Ausdruck bringst!


Also, immer der Reihe nach, erst Zustandsbeschreibungen...

Da fehlt noch eine Richtung, die eher in Richtung Sozialpsychologigie geht!
sittin bull,

was orakelst du denn hier rum? "Es ist noch nicht Zeit" heisst nichts anderes als dass du noch nichts passendes im Netz gefunden hast. Du musst doch eine eigene Meinung zur Lösung des Irak-Konflikts haben, denn schliesslich und das sind deine Worte muss "Alles, was gegen Demokratie und Soziale Marktwirtschaft sowie in groberer Einteilung gegen Menschenrechte verstößt, bekämpft werden." Mich würde nur interessieren wie du den Irak bekämpfen würdest. Dein neustes Ablenkungsmanöver heisst jetzt "Sozialpsychologie". Das ist ganz sicher ein hervorragendes Instrument um mit seinem Gegner in sicherer Entfernung im Kreis zu laufen.
mouse, der Irak ist nur ein klitzekleines Feld und hat nicht im entferntesten die Bedeutung, die man uns gerne vorspielt. Es geht um ganz andere Dinge.

Das dort ein wahnsinniger Despot herrscht, ist ohne Frage, ohne Frage allerdings auch, wenn es den Interessen der Mächtigen entsprechen würde, dass er sogar heute noch Giftgaslieferungen erhalten würde- von uns.

Wie bis 1990 ja auch geschehen, und der Einsatz wurde damals zumindest gebilligt. Oder war es eine Rechtfertigung, dass es gegen den noch "böseren" Iran ging?

Wir sind hier verdammt nochmal nicht auf einen Schachspiel, auf dem Mann alle Figuren opfern kann.

Hier stehen Menschenleben dahinter! Auf allen Seiten!

Also kann man doch schon schön sehen, welche Bedeutung Frieden und Freiheit und Wahrheit für das Homeland der Demokratie haben...

keine, so lange es den eigenen Interessen widerspricht...
Wir haben bis heute keine schlüssige Erklärung, warum es so viel Krieg gibt auf der Welt.

Sicher ist ein kriegerisches Potenzial im Menschen vorhanden, nur ist sich die Soziologie einig, dass es erst das Ausschalten der Menschlichkeit ist, was den Menschen zu den grausamsten, bestialistischten und fürchterlichsten Kriegen geführt hat. Dabei wird der andere als "Unmensch" dargestellt. Und wenn es nur seine Anführer sind.

Denn unser direktes Opfer erfährt durch uns Mitleid, wenn wir ihn als Menschen wahrnehmen. Denn was sollte bei diesem Menschen anders sein als bei uns?

Der Gegner kämpft genauso für eine gerechte Sache, möchte das es schnell vorbei ist, kann sich evtl. noch nicht mal mit den Kriegsgründen identifizieren, hat Träume, Pläne, Hoffnung, Zukunft, eine Familie, Freunde...
Und einen Anführer, der ihm erzählt, wofür es sich zu sterben und zu kämpfen lohne...
Thema Krieg aus soziologischer Sicht:

. . .

Wie friedensfähig sind wir eigentlich?

Und wie steht es mit dem Krieg? Sind wir nicht von Natur so aggressiv veranlagt, dass wir das Abenteuer der Eroberung suchen, dass es uns zum Kriegführen treibt?

Auch diese Frage stellt sich, wenn wir die Paradiesfähigkeit des Menschen diskutieren. Als Konrad Lorenz sein Buch ,,Das sogenannte Böse" veröffentlichte und auf die angeborenen Grundlagen auch der menschlichen Aggression hinwies, meinten viele, er entschuldige den Krieg und stelle ihn, weil aus den Anlagen des Menschen entspringend, als unabwendbar hin und fördere damit eine fatalistische Grundhaltung.


Das war weder seine Intention noch seine Schlußfolgerung. Er schrieb vielmehr, dass er die innerartliche Aggression im gegenwärtigen Zeitpunkt der Menschheit für den gefährlichsten aller Antriebe halte, dass man ihm aber nicht beikomme, indem man ihn als etwas Mystisch-Unabwendbares hinnehme, sondern nur durch das Studium seiner Verursachung.

Dennoch wird es auch heute noch oft so dargestellt, als hätte Lorenz eine fatalistische Grundhaltung vertreten. Um dem Eindruck entgegenzuwirken schrieb ich ,,Liebe und Haß", worin ich aufzeigte, dass bei den Wirbeltieren mit der Evolution der individuell fürsorglichen Brutpflege die Fähigkeit zu Liebe und affiliativem Verhalten in die Welt kam, und dass diese positiven sozialen Verhaltensmuster und Motivationen fest in unserem biologischen Erbe verwurzelt sind. Mit der Entwicklung der Brutpflege kamen sowohl die Motivation zu Betreuen und die Verhaltensweisen zur Betreuung als auch beim Kind die Motivation, Betreuung zu suchen und die Fürsorge auslösenden Signale in die Welt.

[Immer wieder an kleine Kinder denken - die keinen tödlichen Krieg kennen, warum nicht?]


Anpassungen, die auch in den Dienst der Erwachsenenbindung gestellt werden konnten. Viele der Verhaltensweisen der Balz, Bandstiftung und Bandbekräftigung erwachsener Vögel und Säuger entstammen diesem Repertoire. Sie wurden im Dienste der Signalgebung weiter entwickelt und verändert, lassen aber noch ihren Ursprung erkennen.

Wir sind von Natur aus freundlich und zur Liebe, das heißt zu persönlicher Bindung, begabt.


[Jeder Mensch auf der Welt!]


In einem weiteren Buch (Krieg und Frieden) führte ich dann aus, dass der Krieg keineswegs in unseren Genen schlummere, sondern als strategisch geplante, mit Waffen durchgeführte, auf Destruktion des Gegners gerichtete Gruppenaggression ein Ergebnis der kulturellen Evolution sei. Der Krieg nütze zwar angeborene Verhaltensdispositionen, andere würden jedoch über Indoktrination ausgeschaltet. so die uns angeborenen Hemmungen des Mitleids, die normalerweise als natürliche Gegenspieler das Eskalieren von Aggressionen ins Destruktive verhindern.



Unter anderem beobachten wir bei den technisch zivilisierten Nationen ebenso wie bei Naturvölkern, dass Feinde zu Nicht-Menschen erklärt werden.

Man verschiebt gewissermaßen die Auseinandersetzung auf ein zwischenartliches Niveau. Als Produkt der kulturellen Entwicklung ist der Krieg daher durchaus auch kulturell unter Kontrolle zu kriegen. Man muß nur wahrnehmen, dass er bisher Funktionen wie die der Ressourcensicherung erfüllte, die es, wenn man den Frieden will, auf unblutige Weise zu erfüllen gilt.

Hier machen es sich manche Friedensengel zu einfach, indem sie den Krieg als Pathologie aburteilen und es beim Statement. sie seien für den Frieden, belassen. Damit haben sie sich als gute Menschen deklariert und mehr braucht es in unserer recht unkritischen Gesellschaft meist nicht. Der Applaus der Zuhörer ist ihnen nach einem solchen Friedensbekenntnis sicher. Nur der wirklichen Lösung bringt uns das nicht näher. Grundsätzlich ist der Mensch friedensfähig, ja ihn bewegt sogar Friedenssehnsucht und zwar nicht nur in der westlichen Welt.

. . .





http://www.estelmann.com/private/eibl1.htm



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Wenn man das verinnerlicht hat, muß die nächste Frage lauten, wem nützt der Krieg dann, wenn doch die Beteiligten wissen, welches Leid auch bei den eigenen Bevölkerung entstehen kann?
Und der krieg keineswegs in unseren Genen determiniert ist, sondern ein gewisse kriegerische Veranlagung durch irgendwen mißbraucht werden kann?
neonjäger hat es mal auf den Punkt gebracht:

#9 von Neonjaeger 22.02.03 13:21:41 Beitrag Nr.: 8.693.373 8693373


Der Grund für Kriege ist heute noch der gleiche, wie zu allen anderen Zeiten auch: Gier. Jemand möchte etwas haben, was ein anderer besitzt. Früher war man da ehrlicher, man sagte was man wollte, z.B. Gold, Land, Vieh etc. Seit einigen Jahrzehnten wird das hinter Worthülsen wie Ehre, Freiheit, Demokratie oder Menschenrechte, versteckt.





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In wessen Namen gibt es heute noch Krieg?

Und wer profitiert davon am meisten?

Wie sind die Mittel, dass wir es noch nicht einmal mehr wahrnehmen, was gespielt wird, ohne das es dafür eine Verschwörung braucht?


All das werde ich hier noch versuchen, zusammenzustellen!
ich bin sehr enttäuscht sittin bull.

Man reibt sich wirklich die Augen bei dem was du hier schreibst.

Liest man dein Posting #2 und die Postings #29 und #33 sieht man was für Purzelbäume du hier schlägst um eine eindeutige Aussage zu vermeiden.

Die 500 tsd. toten Kinder in #2 sind plötzlich ein "bedauerlicher Nebenschauplatz" (#29)auf dem "klitzekleinen Feld" Irak(#33).

Was mich interessieren würde: Nimm an du hättest die Zügel in der Hand. Du könntest darüber entscheiden was bzgl. des Irak getan werden soll. Was würdest du konkret tun? Jetzt. Sofort.
mousepotato, gut gekämpft.


2 Anmerkungen, erstmal nur kurz:

a) der Vergleich Opfer des WTC mit Hungeropfern oder AIDS-Opfern der 3.Welt ist völlig schief. Die einen sterben, die anderen wurden auf unglaublich menschenverachtende Weise ermordert. Man kann die Zahl ja auch mit Verkehrstoten vergleichen, soll man dann den Autoverkehr abschaffen?

b)der ganze Ansatz des sbi-Threads ist völlig schief. Weil er unterstellt, dass der Normalzustand ist, dass alle Menschen genug haben und es am System liegt, dass einige zu viel und andere zu wenig haben.

Das Gegenteil ist aber richtig. Der Normalzustand ist, dass der Mensch "ein hochentwickeltes Tier" ist. Mit guten und schlechten Eigenschaften. Er ist zum Beispiel in der Regel egoistisch. Er will für "Arbeit" eine Belohnung. Und so weiter.
Eine anarchischen regellose Gesellschaft würde sehr schnell da enden, wo das Buch endet, das fast alle in der Schule gelesen haben "Herr der Fliegen". Die Starken beherrschen die Schwachen, die Bösen die weniger bösen, die Rücksichtslosen die weniger Rücksichtslosen.
Das, was wir uns als Regeln gegeben haben, soll diese Tendenz bremsen. Man kann aber nicht davon ausgehen, dass die Menschen durch Regeln innerlich geändert werden könnten. Deshalb ist die "gerechte Weltordnung" eine Illusion.

Ganz einfach gesagt: ein durchschnittlicher europäischer Mittelstandbürger wird nie bereit sein, auf Wohlstand zu verzichten, damit ein Afrikaner von seinen 9 Kindern 7 statt 5 durchbringen kann. Und wenn es anders wäre, dann würden sich die Probleme nur in die Zukunft verlagern, weil dann die 7 Kinder der 7 Kinder (insgesamt schon 49) noch schwieriger zu ernähren wären.

Warum ich davon überzeugt bin: weil selbst die politisch überkorrekten nur zu einem sehr geringen Anteil bereit sind, zum Beispiel beim Einkaufen höher Preise für "fair gehandelte" Waren zu zahlen. Dann doch lieber Aldi.

So ist die Welt. Nicht so, wie sie einige gern hätten.
Die Frage ist nur, inwieweit man dies korrigieren kann. Das sind aber letztlich graduelle Unterschiede, die mit Globalisierungsangst nichts zu tun haben.



Kurz gefasst. Die Analyse der Fehler geht schon vom falschen Grundgedanken aus. Da kann letztlich nichts bei rumkommen, wenn es an die Lösung gehen soll.
xylo, deine Einwände sind richtig, doch soweit war ich hier noch gar nicht!

Trotzdem werde ich im weiterem Verlauf noch zeigen, mit welchen Mitteln wir selbst Systeme geschaffen haben, die ungerechte Zustände zementieren und warum diese zwangsläufig imemr wieder zum Krieg führen.

Eins hat der Mensch den Tierarten nämlich voraus- Bewußtsein über falsche und richtige Handlung.

Und trotzdem lebt er wie ein Tier.

Da steckt Absicht hinter, weil es einigen nützt.

Und zum ersten Punkt stelle ich die Verbindung auch noch her. Es ist direkte Folge davon, aus der Art wie die einen sterben, dass die anderen sterben. Wie in Israel und Palästina.


Und mouse: Schon wieder der Irak: die 500 Tausend toten Kinder sind sehr bedauerlich, aber sie sind ein Opfer einer gerechten Sache. Auf einem Nebenschauplatz.

So hat es Albright doch richtigerweise formuliert.

Was soll ich im Irak ändern, wenn 7/8 der Menschheit unter ähnlich menschenunwürdigen Zuständen lebt?
OK, steigen wir hart ein:

Das Gegenteil ist aber richtig. Der Normalzustand ist, dass der Mensch "ein hochentwickeltes Tier" ist. Mit guten und schlechten Eigenschaften. Er ist zum Beispiel in der Regel egoistisch. Er will für "Arbeit" eine Belohnung. Und so weiter.

Dem stimme ich vorbehaltlos zu- will er aber auch Krieg um seine Interessen gegen andere durchzusetzen?
Das entsteht i.d.R. nur, wenn Ressourcen knapp sind...


Eine anarchischen regellose Gesellschaft würde sehr schnell da enden, wo das Buch endet, das fast alle in der Schule gelesen haben "Herr der Fliegen". Die Starken beherrschen die Schwachen, die Bösen die weniger bösen, die Rücksichtslosen die weniger Rücksichtslosen.
Das, was wir uns als Regeln gegeben haben, soll diese Tendenz bremsen. Man kann aber nicht davon ausgehen, dass die Menschen durch Regeln innerlich geändert werden könnten. Deshalb ist die "gerechte Weltordnung" eine Illusion.


Nein, ganz einfach nein- genau so wie du es beschreibst ist der Ist-Zustand der Welt. Undemokratisch, ungerecht. Und zwar nicht weil der "Normalzustand" so wäre, sondern weil von uns geschaffene Systeme es so verlangen!

Ganz einfach gesagt: ein durchschnittlicher europäischer Mittelstandbürger wird nie bereit sein, auf Wohlstand zu verzichten, damit ein Afrikaner von seinen 9 Kindern 7 statt 5 durchbringen kann. Und wenn es anders wäre, dann würden sich die Probleme nur in die Zukunft verlagern, weil dann die 7 Kinder der 7 Kinder (insgesamt schon 49) noch schwieriger zu ernähren wären.

Hier ist einer der Hauptprobleme schwinderner Ressourcen, die Ursache für Knappheit und Gier. Überbordendes Bevölkerungswachstum, welches man bis heute nicht gelöst bekommen hat. Ich komme im nächsten Posting drauf zurück!




2 Dinge sind es, die zwar menschliche Eigenschaften sind, die man aber nicht großartig ändern braucht, um eine gerechtere Welt zu schaffen, weil man Menschen nicht ändern muß. Unsere Syteme, die dem entgegenwirken, müssen nur klitzekleine Änderungen erfahren,
und Menschen dürfen nicht mehr Nachkommen zeugen, als sie selbst an Zahl darstellen, also nur 2.

Hier schränkt der Biosophist die Möglichkeit des Lebens ein, um den Bestand des Lebens zu schützen.

Hört sich gefährlich an, weil damit auch schon Mißbrauch getrieben wurde, eine festgesetzte Geburtenkontrolle sollte es auch nicht geben, nur den moralischen Ansatz, dass nur 2 Kinder pro Familie wünschenswert sind. Im Zeitalter der Verhütung eigentlich gar kein Problem, wenn es nicht Kräfte geben würde, die das als ungewollt darstellen würden, dass der Mensch über die Anzahl seiner Nachkommen entscheidet, sowie teilweise finanzielle Zwänge, die dazu führen, dass man mehr Kinder braucht, um sich selbst im ALter anzusichern.
@sbi

ich verstehe schon (auch inhaltlich), worauf du
hinauswillst. das system des kapitalismus basiert
praktisch in der ausschöpfung ;) der rohstoffe und der
menschen nicht nur anderer länder, ob bewusst oder
unbewusst sei mal dahingestellt.
ach, wie wär das schön, wenn es allen menschen gut ginge,
wenn keiner hungern müsste, wenn keiner an therapierbaren
krankheiten sterben müsste. das muss das langristige ziel
der welt sein.
dafür brauchen wir aber eine altruistische welt, bis dahin
ist es aber ein sehr, sehr weiter weg, wie xylo richtig
feststellt.
wie kommen wir also zu dieser welt?
vielleicht, indem wir das aktuelle system zu bekämpfen
versuchen und dann ein neues system installieren?
wo bleibt dann aber die kriegserklärung an die usa? ;)
die wird natürlich nicht kommen...

das könnte wohl die ansicht der menschen sein, die -ich sag
mal- zu weit denken.

die andere seite, ich nenn sie banal die rechten, sieht
das aktuelle system bröckeln (ein irrglaube ;)) und sieht
ihre chance, ein veraltetes system installieren zu können.
das könnte die ansicht der menschen sein, die zurück
denken.

deswegen sieht man imho die `linken` und die `rechten`
derzeit vereint im `kampf gegen amerika`. wo ist die
kriegserklärung?

kommen wir zurück zu unserer altruistischen welt. wie
können wir ihr näher kommen? pauschal ganz einfach:
die menschen in der ganzen welt müssen selbstbestimmt
sein. die selbstbestimmung (freies denken, freies handeln)
kann aber imho nur über die demokratie erreicht werden.
wir sind uns sicher einig, dass in ländern wie dem irak
diese selbstbestimmung nicht gegeben ist.
das freie denken ist es ja auch gerade, was zu der idee
der idealen welt führt. wenn dies irgendwann alle denken,
dann dürfte die welt reif sein dafür. deswegen ist die
welt jetzt eben auch noch nicht reif dafür, weil dieses
denken weltweit nur eine minderheit ist.

(die art der marktwirtschaft ist hierbei lediglich ein
gradueller, kein systemimmanenter unterschied, deswegen
das system zu schwächen halte ich für einen fehler)

ich bin der ansicht, dass das aktuelle bremsen der
amerikaner bzw. die stagnation der ausbreitung der
demokratie hierbei natürlich in keinem fall hilfreich ist.
in keinem fall dürfen diktatorische systeme gestützt,
wenn nicht sogar gestärkt werden, nur um den amerikanern
`eins auszuwischen`.

die altruistische gesellschaft kann meines erachtens nur
auf systemnatürliche weise erreicht werden, d.h. das
system geht irgendwann von sich aus über in das nächste,
gerade weil es ein demokratisches ist.

just my 2 pence,
Cole_T
S O Z I O L O G I E



Die nachwachsende männliche Gefahr

Weltweit leben Millionen junger Männer in desolaten Verhältnissen ohne Zukunftsperspektive. Die Geschichte lehrt, dass dies zu einem ungeheuren Potential politischer Agressivität führen kann. Gedanken zu einem gravierenden, viel zu wenig beachteten Problem

Von Gunnar Heinsohn



"Vielleicht unser ganzes Leben lang"

I.
Als US-Präsident George Bush von einem Terrorkrieg auf "Jahre hinaus" sprach (20.9.2001) und Richard Myers, Vorsitzender der Oberkommandierenden aller US-Streitkräfte, sogar "unser ganzes Leben lang" dafür veranschlagte (21.10.2001), blieb der für diese enorme Kampfzeit unterstellte Hauptgrund meist unbenannt. Regierungsnahe Autoren hingegen bezeichnen ihn salopp gerne als youth bulge. Dieser Slang meint das Vorkragen der Gruppe der 15-29-Jährigen auf den demographischen "Bäumen" oder Pyramiden, mit denen die Altersverteilung einer Nation von den Neugeborenen bis zu den Höchstbetagten abgebildet wird. So ist Samuel Huntington bereits im 1996er Clash of Civilizations und dann wieder im Newsweek-Sonderheft zum Jahreswechsel 2001/2002 für den - von Davos nach New York verlegten - Weltwirtschaftsgipfel zuversichtlich, dass der islamistische Terror nur noch ein Vierteljahrhundert zuschlagen werde, weil die Länder seiner Herkunft bereits in den 2020er Jahren ihre "Jugendausstülpung" hinter sich hätten. Die islamischen Länder haben heute an die 700 Millionen Einwohner im Alter von 15 Jahren aufwärts. Mit 200 Millionen Kindern bzw. 100 Millionen Söhnen unter 15 Jahren würden sie immer noch auf einem deutlichen Wachstumskurs bleiben. Sie haben aber fast 500 Millionen Kinder, so dass sie mit 150 Millionen Söhnen im Überschuss gesehen werden, die in den kommenden anderthalb Jahrzehnten ihr bestes Kampfalter (15-29) erreichen. Und schon unter den jetzt 15-29-Jährigen seien 100 Millionen ohne zumutbare Perspektive.

Amerika hingegen, als mächtigstes und auch geburtenfreudigstes Land des Westens, hat heute - bei 280 Millionen Einwohnern - gerade 30 Millionen Söhne unter 15 Jahren, von denen in Zukunft niemand entbehrt werden könne - schon gar nicht zum kämpfen. (Eine Tabelle mit der Rangliste aller Nationen mit mindestens vier Millionen Kindern nach ihrer heutigen Kinderzahl im Vergleich zum Weltrang gemäß ihrer heutigen Gesamtbevölkerung findet sich am Ende des Textes.)


II.
Das angelsächsische Denken greift relativ unbekümmert zum demographischen Argument. Seit dem National Security Study Memorandum 200 (24.4.1974) über "Auswirkungen des weltweiten Bevölkerungswachstums auf die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Interessen in Übersee" bildet es eine feste Linie amerikanischer Strategie. Im deutschsprachigen Raum hingegen überwiegt Skepsis zur Reichweite solcher Analysen. Für eine differenzierte Mittlerposition gilt erst einmal, dass junge Männer nicht an sich eine tödliche Gefahr darstellen. Nicht um eine stürmische Jugend insgesamt, sondern um potentielle Krieger aus Ländern mit dem Zusatzproblem eines youth bulge geht es in der strategischen Analyse. Gewiss sind im Vergleich mit jungen Frauen die jungen Männer auch in ansonsten stabilen Nationen mit über 90 Prozent der Gewalttaten eindeutig das aggressivere Geschlecht. Aber unter den Jungen selbst sind die gewaltgetriebenen und dafür nach höheren Rechtfertigungen suchenden doch nur eine Minderheit von weniger als zehn Prozent.

Auch eine Nation mit absolut sehr vielen jungen Männern bedeutet nicht automatisch Gefahr für Minderheiten im eigenen Land oder gar für andere Nationen mit weniger jungen Männern. Ein Gebiet nähert sich - in der Terminologie der Völkermordfrühwarnung - erst dann dem dauerhaft zu beobachtenden red-alert-Bereich, wenn die Zahl der neu hinzukommenden jungen Männer über mehrere Generationen hinweg deutlich höher liegt als die Zunahme der für sie noch akzeptablen Lebenspositionen. Diese haben nichts mit absoluter Armut zu tun. Hungernde spielen bei Emigration und Aggression eine zu vernachlässigende Rolle.

Auch wenn lediglich eine Generation von Vätern zwei oder mehr Jungen in die Welt setzt, diese selbst dann aber auf einen Sohn zurückgehen, ergibt sich noch keine bedrohliche Situation, sondern lediglich ein Babyboom. Die westliche Studentenbewegung der 1960/70er Jahre stammte aus einem solchen demographischen Einmalereignis. Das Gewaltpotential dieser Generation hat sich nicht zuletzt deshalb schnell eindämmen lassen, weil ihrer großen Mehrheit erträgliche Karrieren angeboten worden sind.


III.
Der keineswegs erste, aber erstmals gut belegte youth bulge baut sich an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert in Europa auf. Er ist Ergebnis der Todesstrafen auf Geburtenkontrolle zur "Repöplierung" nach dem Bevölkerungsabsturz von 70 auf 40 Millionen in den Pestepidemien seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Gemäß der Bulla apostolica adversus haeresim maleficarum (Hexenbulle) vom 4. 12. 1484 werden erstmals europaweit mit dem Tode bestraft alle "Personen beiderlei Geschlechts, die [...] die Geburten der Weiber umkommen machen und verursachen, dass die [Menschen] nicht zeugen." Während das Hochmittelalter im Bereich der Sexualität und Nachwuchssicherung im wesentlichen nur den Kinderraub bestraft, weil der Nachwuchs wegen Geburtenkontrolle knapp ist, und qua Ehebruchsverbot auch noch die Zeugung von Bastarden ahndet, ist bereits in der Constitutio Criminalis des Bamberger Reichstages von 1507 jedes Verfahren der Verhütung, Abtreibung und sonstigen Kindesvermeidung von Ungarn bis nach Feuerland unter Todesstrafe gestellt. Allein der Sexualakt innerhalb einer Ehe mit dem ausschließlichen Ziel der Kindeszeugung bleibt in der europäisierten Welt bis in das 20. Jahrhundert hinein legal und moralisch unverwerflich.

Am besten statistisch nachvollziehbar, aber typisch für ganz Westeuropa ist die nun explosionsartige Entwicklung brisanter youth bulges für einige Grafschaften Englands. Im Zeitraum 1416-40 hinterlassen dort 100 Väter lediglich 82 Söhne. Im Zeitraum 1491-1505 hingegen folgen auf 100 Väter 202 Söhne. Ein Jahr vor der ersten Ausfahrt des Kolumbus (3.8.1492) haben England und die übrigen Länder Europas doppelt so viele Söhne zur Verfügung wie wegsterbende Väter Positionen freimachen. Und dabei handelt es sich eben nicht um einen einmaligen Babyboom, sondern um das Resultat einer dann über vier Jahrhunderte eisern durchgehaltenen Bevölkerungspolitik, an deren Ende der kleine Kontinent um 1900 mit 400 Millionen Einwohnern über ein Viertel der Menschheit beherbergt. Heute ist er längst wieder unter zehn Prozent abgesunken. Im gleichen Jahrhundert hat die islamische Bevölkerung von 160 Millionen (1900) auf 1,2 Milliarden (2001) zugenommen und dabei ihren Weltanteil von 10 auf 20 Prozent verdoppelt.

China als auch damals volkreichstes Land der Erde hat im Jahre 1500 mehr Söhne als Europa, aber es hält durch Geburtenkontrolle das Verhältnis zwischen Wegsterbenden und Nachwachsenden stabil. Europa tut das glatte Gegenteil. Seine Söhne erobern zwischen 1500 und 1700 - mit Restgebieten bis 1900 - sehr schnell über die Hälfte der Welt. Mit Methoden, die seit der UNO-Völkermordkonvention von 1948 als genozidal definiert sind, dezimieren und kolonisieren sie die einheimischen Bevölkerungen in den gewaltigen Territorien, die heute Anglo-Amerika, Lateinamerika, Russisch-Asien, Australien und Neuseeland sowie Burisch-Afrika heißen. Der weltweite Siegeszug der europäischen Medizin und Fortpflanzungsmoral (globale Durchsetzung des Kindestötungsverbotes gegen 1900) hat auch in den übrigen Gebieten der Erde dazu beigetragen, dass die Weltbevölkerung von ca. 500 Millionen im Jahre 1500 auf 6,2 Milliarden im Jahre 2002 angestiegen ist.


IV.
Kolonisation erweist sich bei genauem Zusehen fast durchweg als Euphemismus für eine Mixtur aus Ansiedlung und Tötung. Das gilt auch für das erste vorchristliche Jahrtausend, als Griechen, Phönizier und Römer ihre überzähligen Söhne - die gesunden wurden meist aufgezogen, während bereits der Erhalt eines einzigen Mädchens der Sitte Genüge tat - für die Kolonisation ausstatten. Die Siedler haben - nach Raub der Töchter - die Stämme um das Mittelmeer sehr schnell unterworfen oder eliminiert und stoßen dann in großen Kriegen unter Ebenbürtigen direkt aufeinander. Die von den Alten zu Recht gerühmte Pax Romana setzt erst ein, als im Jahre 146 v. Chr. mit der Schleifung und Ausmordung von Korinth (50.000 Tote von 120.000 Einwohnern) und Karthago (150.000 Tote von 250.000 Einwohnern) die größten Städte der Griechen und Phönizier ausgelöscht sind. Diese Vorgänge gehören selbstverständlich zum Bildungsgut der Verantwortlichen für die Pax Americana.


V.
So megablutig und riesenhaft selbst im Vergleich zur Antike die Umwandlung der Welt ab 1500 heute anmutet, so darf doch nicht vergessen werden, dass es mal gerade 50 Millionen Töchter und Söhne Europas waren, die sie als "Auswanderer" zwischen 1500 und 1900 exekutiert haben. So viele könnte das heutige Indien mit seinen bald 350 Millionen Kindern unter 15 Jahren an einem einzigen Tag zur Verfügung stellen und hätte - bei 700 Millionen Einwohnern über 15 Jahren - immer noch mit einem youth bulge fertig zu werden.

Die Verzwölffachung der Weltbevölkerung seit 1500 (bis 2025 mit 8 Milliarden eine Versechzehnfachung) hat in der Gegenwart ganz unstrittig zu mehr und massiveren youth bulges als je zuvor in der Geschichte geführt. Sie liegen überall dort vor, wenn man eine Faustformel gebrauchen will, wo auf sechs Einwohner zwei oder mehr Kinder unter 15 Jahren kommen. Mit Indien, der islamischen Welt, Schwarzafrika (700 Millionen Einwohner) sowie weiteren Staaten Asiens und Lateinamerika geht es um Gebiete mit etwa 3,5 Milliarden Menschen. Die haben heute über 600 Millionen Söhne, die im Jahre 2017 zwischen 15 und 29 Jahre alt sind. Zu jedem bestimmten Zeitpunkt könnten dann bis zu 350 Millionen von ihnen nach einer Existenz außerhalb ihrer Heimat streben.

Wo auf vier Einwohner ein Kind kommt - wie in China mit 320 Millionen Kindern bei 1280 Millionen Einwohnern -, ergibt sich tendenziell eine demographische Säule bzw. eine stabile Bevölkerung. Wo - wie in Westeuropa - auf sechs bis sieben Einwohner nur noch ein Kind kommt (Deutschland hat bei 83 Millionen ca. 13 Millionen), werden die über 50-Jährigen zur Bevölkerungsmehrheit, so dass man von einem Bevölkerungspilz bzw. von Schrumpfung spricht. Diese Gebiete werden bis 2050 womöglich Zigmillionen aufnehmen. Für Hunderte von Millionen jedoch wirkt ein solcher Weg eher unwahrscheinlich. Sie lassen sich auch schwerlich auf die Weise der alten Römer oder der neuzeitlichen Europäer durch Eroberung und Kolonisierung unterbringen.

Längst weisen zahllose youth bulge Länder Massenkriminalität, Innenterror, Dörferabschlachtungen, Bürgerkrieg, Völkermord, Staatszusammenbrüche, boat- und truck-Flüchtlinge, Außenterror und Krieg auf. Es konnte deshalb nicht ausbleiben, dass die Strategen der Terrorbekämpfung sie in den Blick genommen haben. Und es kann nicht überraschen, dass sich das Hauptaugenmerk erst einmal auf Gebiete mit vergleichsweise hoher Bildung (Islam, Lateinamerika) richtet. Junge Akademiker, die langwierige schulische Ausleseprozesse siegreich überstanden haben, verlangen anspruchsvollere Positionen als diejenigen, die schon in früher Kindheit auf die unteren Ränge des Bildungssystems oder gar das Analphabetentum fixiert worden sind.

Unter den Überschüssigen sind es also die qualifizierten jungen Männer, die das Talent und - wichtiger noch - das Nervenkostüm für den Aufbau schlagkräftiger Bewegungen mitbringen. Auch das Sehnen nach Wichtigkeit, für die es ein Menschenrecht doch nicht geben kann, ist bei ihnen am stärksten ausgeprägt.

Gewiss können Religionen und Ideologien, die sich besonders gut als Rechtfertigung einer Heilssicht des Tötens eignen, für zusätzliche Sprengkraft sorgen. Erst einmal jedoch müssen diejenigen, die für eine Sache tötungs- und todeswillig gemacht werden sollen, vorhanden und überdies ohne attraktive Alternative sein.


Man vergesse dabei auch nicht, wie wirkungslos die christliche Liebesreligion sich erwiesen hat. Vor allem in den ersten zwanzig Jahren der europäischen Welteroberung haben ihre Zöglinge nicht nur zahllos, sondern auch zügellos grausam getötet. Erst am 21. Dezember 1511 bringt Antonio Montesino (1485-1528) - als Mentor von Bartolomè de Las Casas (1484-1566) und Franciscus de Victoria (1493-1546) - vor den ihn verfluchenden Siedlern von Santo Domingo - und unter Invokation des mosaischen Gesetzes - das Völkerrecht auf den Weg:

"Es ist gewiss, dass man, um fünfzig Spaniern ihre Existenz sicherzustellen, mehr als fünfhundert indianische Feuerstätten entvölkern muss. [...] Allesamt befindet ihr Euch im Stande der Todsünde. Darin lebt und sterbt ihr, wegen der Grausamkeit und der Tyrannei, die ihr gegenüber diesen unschuldigen Menschen walten laßt.

Sagt doch: Mit welchem Recht und mit welcher Gerechtigkeit haltet ihr diese Indianer in solch einer grausamen und schrecklichen Sklaverei? [...] Wieso haltet ihr sie solchermaßen unterdrückt und ermüdet, ohne ihnen zu essen zu geben und ihnen ihre Krankheiten zu heilen, die sie sich bei den von euch auferlegten übermäßigen Arbeiten zuziehen, wenn sie euch nicht sterben oder, besser gesagt, ihr sie nicht umbringt, weil ihr sie Tag für Tag Gold schürfen und ausbeuten laßt? [...] Haben sie denn keine vernunftbegabten Seelen? Habt ihr denn nicht die Pflicht, sie zu lieben wie euch selbst [3. Mose 19: 18/34]? Ihr versteht das nicht? Habt ihr denn kein Gespür? Seid ihr denn in einen dermaßen tiefen, lethargischen Schlaf gefallen? Seid sicher: In dem Zustand, in dem ihr euch befindet, könnt ihr nicht mehr gerettet werden als die Mauren und Türken."


[Und genauso ist es heute noch- nur viel subtiler- nicht von Freiheit, Demokratie, Freier Zugang zu den Ressourcen, Gerechtigkeit kann man sprechen, wenn man die Welt betrachtet- selbst bei uns nicht.]



VI.
Bedrohliche Auswirkungen der aktuellen youth bulges werden häufig als ebenso zwangsläufig hingestellt wie die der frühen Neuzeit, sie sind es aber nicht. Jedermann weiß, dass kleine Territorien mit klaren Eigentumsverhältnissen und entsprechend innovativen Geldwirtschaften selbst langfristig wachsende Bevölkerungen ökologisch passabel versorgen können. Hochtechnologieländer wie Hongkong, Südkorea und Taiwan sind hierzu immer wieder präsentierte, weil auch mit viel westlicher Anleitung durchgeführte Beispiele. Das schlagendste Vorbild liefert allerdings Westeuropa selbst, das seine Bevölkerung zwischen 1500 und 1950, als 50 Millionen "auswanderten", von etwa 50 auf 500 Millionen gesteigert hat. Allerdings ist dies eine Betrachtung aus dem Nachhinein, die dem Kolonisten von 1520 oder 1750 nicht zugänglich sein konnte. Im Moment seines Erwachsenwerdens - und mit den Brüdern neben sich - war er in Europa abkömmlich. Der mögliche Kampf gegen Eingeborene schien ihm leichter als die Erhebung gegen seinen hochgerüsteten Fürsten. Dennoch ist es gerade die Sicht aus dem Nachhinein, die Zuversicht dafür vermitteln kann, dass eine brisante demographische Lage nicht automatisch in Großtötungen enden muss.

Um solche und vorstellbar ähnliche Lösungen wissen die Sicherheitsstrategen. Sie schließen sie auch für die Zukunft keineswegs aus. Allerdings rechnen sie nicht fest darauf, dass erforderliche Reformen rechtzeitig und in ausreichend vielen youth-bulge-Nationen durchgeführt werden. Und selbst jedem Pessimismus Abholde müssen einräumen, dass noch niemand vorgemacht hat, wie quasi auf einen Schlag und friedliche Weise eine Drittelmilliarde junger Männer aus der Misere in ein passables Leben zu transferieren ist. Allerdings wird darüber auch kaum öffentlich nachgedacht. Stattdessen gibt es die hinter vorgehaltener Hand geäußerte Überzeugung, dass die Massenvernichtungswaffen des Westens schon dafür sorgen werden, dass ihm selbst die europäische youth-bulge-Lösung der Jahre 1500-1900 erspart bleibt. Diese Kombination aus öffentlicher Tabuisierung und privaten Genozidphantasien mag dazu beitragen, dass die westlichen Militärführer sich mit ihrem si vis pacem, para bellum [wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor] erst einmal auf bedrohliche oder gar schlimmste Szenarien einstellen. Und in der Tat: Wie sollen - einmal an der Macht - die 60 Millionen Kinder Amerikas auch nur die dann erwachsenen 61 Millionen Kinder Pakistans (145 Millionen Einwohner) befrieden, reformieren oder gar versorgen? Gewiss, dort lernt nur eine Minderheit des männlichen Nachwuchses auf heiligen Krieg, aber eine Million zwischen sechs und achtzehn in 7000 Madrassas sind das schon. Und islamweit können es zehnmal so viele sein. Insofern hört sich ein General in seinen Fünfzigern doch recht optimistisch an, wenn er ein Ende des Terrorkrieges noch zu seinen Lebzeiten für möglich hält. Am 29. Januar 2002 allerdings klang sein Präsident schon deutlich besorgter: "Unser Krieg gegen den Terror hat gut begonnen, aber er hat gerade erst angefangen. […].Wir werden umsichtig handeln. Aber die Zeit ist nicht auf unserer Seite." Am 6. Februar 2002 erläuterte - wiederum vor dem amerikanischen Kongress - CIA-Direktor George Tenet diese Sorge: "Armut und politische Instabilität im Mittleren Osten und im Subsaharagebiet haben für die Rekrutierer von Terroristen einen überaus fruchtbaren Boden bereitet. In den kommenden zwei Jahrzehnten werden diese Regionen die größten Bevölkerungen an Jugendlichen haben, unter denen die Wahrscheinlichkeit, Terrorist zu werden, am höchsten ist."



Aus der Zeit
Cole-T: :) Ah, sehr gut, nur etwas zu schnell!

Es ist ein sehr unbewußter Prozeß, den ich hier aber noch herausarbeiten will.

Ansonsten d`accord.

Und die altruistische Gesellschaft ist keineswegs so weit weg, wie du denkst. Man muß auch gar nicht gegen etwas kämpfen, sondern für etwas neues.

Und falls irgendeiner Kommunismus sagt, haue ich ihm eine um die Ohren.

Das wird allerdings bekämpft, für etwas neues zu sein.
Weil es die Berechtigung für die Existenz der Unterdrücker vernichtet, auch wenn sie selbst auch davon profitieren können, nur so weit denken sie nicht...
Die in 42 geschilderten Youth Bulges sind ein zentraler Bestandteil unserer Systeme. Sie sind zwar bei uns nicht mehr so stark anzutreffen, aber immer wieder aufgetreten.

Sie müßten es nicht, wenn man, wie beispielsweise China es zeigt, eine gesellschaftliche Vorgabe existiert.

Das in China dafür Weiblicher Nachwuchs menschenverachtend behandelt wird, steht auf einem anderen Blatt- was mehr mit dem Wert eines Geschlechtes zu tun hat- auch nur eine soziologische Einstellung der Kultur einer Gesellschaft...


Youth bulges sind Folge unserer Systeme, und, sie sind noch nicht einmal ungern gesehen. Sonst würde doch vielmehr in der Öffentlichkeit in diese Richtung diskutiert werden. Warum geschieht das nicht?

Interessante Frage.

Immer wichtig: wer profitiert evtl. von solcher Entwicklung?
Also, keine Einwände gegen die Problematik Überbevölkerung als Hauptkriegsgrund?

Schön, dann komme ich zum nächsten, zur Art, wie unsere Systeme arbeiten, wie das passieren konnte, was bereits passiert ist- dass die Weltgeschicke in der Hände einiger weniger Menschen liegt, die plutokratisch alles steuern...


Es liegt nicht mehr oder weniger als am Geld.

Geld, welches mit einem Systemfehler geboren wurde...
Unser Geld, welches von Menschen geschaffen wurde.

Und dabei ist hauptsächlich der Dollar gemeint,
der Dollar, bei dem ich schon gesehen habe,
wie er auf arme Menschen in armen Ländern wirkt,
wo der Dollar der erste Kontakt zu unserer "zivilisierten" Welt darstellt.

Geld ist die bedeutenste Erfindung der Menschheit,
weil es Tauschgeschäfte wesentlich vereinfacht, in dem man einen universellen Maßstab für alle Handlungen, Dienstleistungen oder Waren hat!

Aber es hat einen negativen Nebeneffekt, wenn der Zins der Kapitalbildungszwang ist. Es erfolgt eine automatische Umverteilung von unten nach oben, immer.

In die Hand einiger weniger erfolgt eine Konzentration von Macht immensen Ausmaßes, durch nichts und niemanden mehr zu kontrollieren, weil Geld immer auch Macht ist.
Macht, die nicht zum Nutzen aller eingesetzt wird,
wie allein schon dieser Systemfehler beweißt!

Dazu Magret Kennedy:

VIER GRUNDSÄTZLICHE MISSVERSTÄNDNISSE BEZÜGLICH DER FUNKTION DES GELDES

Tag für Tag benutzt fast jeder Mensch auf diesem Planeten Geld. Die meisten verdienen Geld durch ihre Arbeit und geben es aus für Güter, die sie brauchen.
Dennoch verstehen sehr wenige Menschen genau, wie Geld funktioniert und wie es ihr Leben direkt oder indirekt beeinflußt.


Sehen wir uns zuerst die positive Seite des Phänomens an: Weil Geld den Austausch von Gütern und Dienstleistungen enorm erleichtert und damit die Begrenzungen des direkten Austausches von Gütern und Dienstleistungen in einer arbeitsteiligen Wirtschaft überwindet, ist es eine der genialsten Erfindungen der Menschheit. Würden Sie beispielsweise in einem Dorf leben, wo es nur Tauschhandel gäbe und dort ein Kunstwerk produzieren, das lediglich den Beerdigungsunternehmer interessiert, so könnten Sie für Ihr Kunstwerk nur Särge eintauschen und müßten bald die Kunst aufgeben. Geld schafft also Möglichkeiten zur Spezialisierung und ist damit die Grundlage jeder Zivilisation.

Das Problem besteht nun darin, daß Geld nicht nur dem Austausch von Gütern und Dienstleistungen dient, sondern diesen ebenso behindern kann, wenn es gehortet bzw. nicht weitergegeben wird.

Damit wird eine Art "privater Zollstation" geschaffen, an der jene, die weniger Geld haben als sie benötigen, denjenigen eine Abgabe bezahlen, die davon mehr haben als sie brauchen. Ist dies ein faires Geschäft? Keineswegs. Tatsächlich könnte man unser gegenwärtiges Geldsystem, wie ich später zeigen werde, als verfassungswidrig in allen demokratischen Nationen bezeichnen.

Um dies zu erklären, muß ich vier Mißverständnisse zum Thema Geld näher beschreiben. Natürlich sind diese vier nicht die einzigen Mißverständnisse. Unsere Vorstellungen über Geld sind ein recht exakter Spiegel des Abbilds der Welt in uns, und diese Bilder sind so vielfältig wie die Menschen auf diesem Planeten. Trotzdem sind die nachfolgend besprochenen vier Irrtümer, die Haupthindernisse für ein Verständnis des Konstruktionsfehlers im gegenwärtigen Geldsystem, und sie sind gleichzeitig wichtig, um zu erkennen, welche Möglichkeiten ein neues Geldsystem bieten kann.


MIßVERSTÄNDNIS NR. 1: ES GIBT NUR EINE ART VON WACHSTUM.
Wir neigen zu der Vorstellung, daß es nur eine Art von Wachstum gibt, nämlich die Art, die wir an uns selbst erleben. Darüberhinaus gibt es jedoch andere, mit denen wir weniger vertraut sind.




Abbildung 1, Kurve a zeigt in vereinfachter Form das Wachstumsverhalten in der Natur, dem sowohl unser Körper folgt als auch Pflanzen und Tiere. Wir wachsen recht schnell in den frühen Phasen unseres Lebens, dann langsamer und hören gewöhnlich mit dem körperlichen Wachstum nach dem 21sten Lebensjahr auf. Ab diesem Zeitpunkt, also die längste Zeit unseres Lebens, verändern wir uns - "qualitativ" - statt "quantitativ", deshalb möchte ich diese Kurve als "qualitative" Wachstumskurve bezeichnen. Nun gibt es jedoch, wie Abbildung 1 zeigt, zwei weitere grundlegend unterschiedliche Wachstumsmuster:



Kurve b zeigt das mechanische oder "lineare" Wachstum: d.h. mehr Maschinen produzieren mehr Güter, mehr Kohle produziert mehr Energie usw. Dieses ist für unsere Analyse von geringerer Bedeutung.

Wichtig hingegen ist das Verständnis von Kurve c, das sogenannte exponentielle Wachstum, welches man als das genaue Gegenteil zu Kurve a bezeichnen könnte. In Kurve c ist das Wachstum anfangs sehr gering, steigt dann aber kontinuierlich an und geht schließlich in fast senkrechtes quantitatives Wachstum über. In der physischen Welt geschieht ein solches Wachstum gewöhnlich dort, wo wir Krankheit oder Tod finden. Krebs z.B. folgt einem exponentiellen Wachstumsmuster. Zuerst wächst er langsam. Aus einer Zelle werden 2, daraus 4, 8, 16, 32, 64, 128, 256, 612 usw.

Er wächst also ständig schneller, und wenn man die Krankheit schließlich entdeckt, hat sie bereits eine Wachstumsphase erreicht, in der sie oft nicht mehr gebremst werden kann. Exponentielles Wachstum endet gewöhnlich mit dem Tod des "Gastes" und des Organismus" von dem er abhängt.

Deshalb ist das Unverständnis dieses Wachstums die folgenschwerste Fehlvorstellung im Hinblick auf die Funktion des Geldes. Mit Zins und Zinseszins verdoppeln sich Geldvermögen in regelmäßigen Zeitabständen, d.h. sie folgen einem exponentiellen Wachstumsverhalten, und das erklärt, warum wir in der Vergangenheit in regelmäßigen Zeitabschnitten und auch gegenwärtig wieder mit unserem Geldsystem Schwierigkeiten haben. Tatsächlich verhält sich der Zins wie ein Krebs in unserer sozialen Struktur.



Abbildung 2 zeigt die Zeitperiode, die nötig ist, damit sich das Geld, das angelegt wird, verdoppelt: bei 3% brauchen wir mit Zins und Zinseszins 24 Jahre, bei 6% 12 Jahre, bei 12% 6 Jahre.

Selbst bei l% erfolgt mit Zins und Zinseszins eine exponentielle Wachstumskurve mit einer Verdoppelungszeit von ungefähr 70 Jahren.

Durch unser eigenes körperliches Wachstum haben wir nur jenes Wachstumsverhalten der Natur kennengelernt, das bei der optimalen Größe aufhört (Kurve a). Deshalb ist es für die meisten Menschen schwer zu verstehen, was exponentielles Wachstum im materiellen Bereich wirklich bedeutet. Wir haben eine andere biologische Erfahrung. Das exponentielle Wachstum müssen wir über den Kopf bewußt verstehen lernen.

Diese Verständnisschwierigkeit läßt sich durch die berühmte Geschichte des persischen Kaisers verdeutlichen, der so begeistert von dem neuen Schachspiel war, daß er dem Erfinder jeglichen Wunsch erfüllen wollte. Der kluge Mathematiker entschied sich, ein Exempel zu statuieren. Er bat um ein Getreidekorn auf dem ersten Quadrat des Schachfeldes und um die Verdoppelung dieser Menge für das jeweils nachfolgende Quadrat des Schachfeldes. Der Kaiser, der zunächst froh über solche Bescheidenheit war, mußte bald feststellen, daß in seinem gesamten Reich nicht genügend Getreide vorhanden war, um diesen "bescheidenen" Wunsch zu erfüllen. Wer einen Computer besitzt, kann die benötigte Menge berechnen: 440 Welt-Getreideernten waren es 1985 (1).

Ähnlich eindrucksvoll beweist die folgende Analogie die Unmöglichkeit eines andauernden exponentiellen Wachstums: Hätte jemand einen Pfennig mit 4% Zinsen zur Geburt Christi investiert, so hätte er damit im Jahr 1750 eine Kugel aus Gold vom Gewicht der Erde kaufen können. 1990 hätte er bereits den Gegenwert von 890 solcher Kugeln erreicht. Bei einem Zins von 5% hätte man bereits im Jahr 1403 eine dieser Kugeln kaufen können, und 1990 hätte die Kaufkraft 2200 Milliarden Goldkugeln vom Gewicht der Erde entsprochen (2).

Das Beispiel zeigt den Unterschied, der bereits durch l% Zins über eine längere Zeitperiode bewirkt wird. Weiterhin beweist es, daß die andauernde und langfristige Zahlung von Zins und Zinseszins mathematisch nachweisbar praktisch unmöglich ist. Die bisherige ökonomische Notwendigkeit und die mathematische Unmöglichkeit befinden sich in einem Widerspruch, der nicht zu lösen ist. Wie dieser Mechanismus zur Akkumulation von Kapital in den Händen von zunehmend weniger Menschen führt (und damit in der Vergangenheit zu unzähligen Fehden, Kriegen und Revolutionen geführt hat), wird unter "Mißverständnis 3" gezeigt. Heute ist der Zinsmechanismus eine Hauptursache für den pathologischen Wachstumszwang der Wirtschaft mit allen bekannten Folgen der Umweltzerstörung.

Die Lösung der Probleme, die durch exponentielles Wachstum des Geldes durch den Zins hervorgerufen werden, liegt darin, ein Geldsystem zu erschaffen, das der qualitativen Wachstumskurve folgt. Dies erfordert, die Zinsen durch einen anderen Mechanismus zu ersetzen, der den Geldumlauf sichert. In Kapitel 2 werden die damit verbundenen Veränderungen geschildert.


MIßVERSTÄNDNIS NR. 2: ZINSEN ZAHLEN WIR NUR DANN, WENN WIR UNS GELD LEIHEN.
Ein weiterer Grund für die Schwierigkeit, das Wirken des Zinsmechanismus auf unser Geldsystem vollständig zu verstehen, liegt darin, daß er zu einem Teil verdeckt wirkt. Die meisten Menschen glauben, daß sie Zinsen nur dann bezahlen, wenn sie Geld borgen und daß sie nur das Geldborgen vermeiden müssen, wenn sie keine Zinsen zahlen wollen.



Abbildung 3 zeigt, daß dem nicht so ist, denn in jedem Preis, den wir bezahlen, sind Zinsanteile enthalten. Das sind die Zinsen, die die Produzenten von Gütern und Dienstleistungen der Bank zahlen müssen, um Maschinen, Gebäude usw. anschaffen zu können oder die Zinsen, die sie für ihr Eigenkapital bekämen, wenn sie es der Bank als Spareinlage oder zur sonstigen Anlage überlassen würden. Der Anteil schwankt bei den Gütern und Dienstleistungen, die wir kaufen, entsprechend der Höhe des jeweiligen Kapitaleinsatzes. Einige Beispiele aus dem öffentlichen Bereich, also von Preisen, die wir alle bezahlen, zeigen diesen Unterschied klar auf. Der Anteil der Zins- (= Kapital)kosten in den Müllabfuhrgebühren beträgt ungefähr 12%. Hier ist der Zinsanteil relativ niedrig, da die Lohnkosten preisbeherrschend sind. Dies ändert sich beim Trinkwasser- und Abwasserpreis, bei dem die Anteile der Zinskosten bereits 38% bzw. 47% betragen. In der Kostenmiete im sozialen Wohnungsbau beträgt der Anteil sogar 77%. Das heißt, wir zahlen unser Haus über 20-30 jahre nicht einmal sondern viermal ab.

Im Durchschnitt bezahlen wir 30%-50% Zinsen oder Kapitalkosten in den Preisen für Güter und Dienstleistungen, die wir zum täglichen Leben brauchen. Könnten wir also den Zins abschaffen und ihn durch einen besseren Mechanismus ersetzen, der das Geld in Umlauf hält, dann wären theoretisch die meisten von uns mindestens um die Hälfte reicher, oder sie müßten höchstens zwei Drittel der Zeit arbeiten, um ihren derzeitigen Lebensstandard zu erhalten.


MIßVERSTÄNDNIS NR. 3: DAS GEGENWÄRTIGE GELDSYSTEM DIENT ALLEN GLEICHERMAßEN.
Eine dritte Fehlvorstellung über unser Geldsystem könnte so formuliert werden: Weil jede/r Zinsen bezahlen muß, wenn er/sie sich Geld leiht und Güter oder Dienstleistungen kauft und weil jede/r Zinsen bekommt, wenn er/sie Geld spart, geht es uns allen gleichermaßen gut (oder schlecht) mit dem gegenwärtigen Geldsystem.



Auch dies stimmt nicht. In der Tat besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen denjenigen, die in diesem System gewinnen und denjenigen, die bezahlen. Abbildung 4 zeigt einen Vergleich zwischen Zinszahlungen und Einkommen aus Zinsen bei 10 zahlenmäßig gleichen Bevölkerungsanteilen in der Bundesrepublik. Es zeigt sich, daß die ersten 80% der Bevölkerung mehr Zinsen bezahlen als sie erhalten, 10% erhalten etwas mehr als sie bezahlen und die letzten 10% erhalten etwa doppelt soviel Zinsen wie sie bezahlen. Das ist zusammengenommen genau der Teil, den die ersten 80% der Bevölkerung verloren haben. Dies erklärt vorbildlich einfach einen Mechanismus, vielleicht den wichtigsten, der die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden läßt.

Wenn wir uns die letzten 10% der Bevölkerung etwas genauer ansehen bezüglich ihres Einkommens aus Zinsen, so tritt erneut das Phänomen des exponentiellen Wachstums zutage. Für die letzten l% der Bevölkerung müßte die Säule für das Einkommen aus Zinsen etwa um das 5-fache erhöht werden, für die letzten 0,1% um mehr als das 20-fache und für die 82 Milliardärsfamilien in unserem Lande (nach der Untersuchung des Wirtschaftsmagazins Forbes im Juli 90) um das 2000-fache. Bei einer 6prozentigen Verzinsung wird diese letzte Gruppe täglich um rund 32 Millionen DM reicher, was dem Nettoverdienst von 438.000 Arbeitnehmern entspricht.

Wir haben also mit dem Zins als Umlaufsicherung in unserem gegenwärtigen Geldsystem eine versteckte Umverteilung von Geld, welche nicht auf Leistung beruht, sondern darauf, daß jemand die freie Marktwirtschaft, d.h. den Austausch von Waren und Dienstleistungen, durch Zurückhalten des Austauschmittels behindern kann und für diese Behinderung auch noch belohnt wird. Und so wird ironischerweise ständig Geld verschoben, von denjenigen, die weniger Geld haben als sie brauchen, zu denen, die mehr Geld haben als sie benötigen. Dies ist eine andere und eine weit subtilere und effektivere Form der Ausbeutung als diejenige, die Marx zu beheben versuchte.

Fraglos hatte er Recht, auf die Quelle des Mehrwertes in der Produktionssphäre hinzuweisen. Das ist genau genommen der einzige Bereich, in dem mehr Wert erzeugt werden kann. Die Verteilung des Mehrwertes jedoch geschieht zu einem sehr großen Umfang in der Zirkulationssphäre von Geld und Waren, ja in immer größeren Umfang ausschließlich in der Geldsphäre. Heute, am Ende einer langen wirtschaftlichen Wachstumsphase und der Lösung des Geldes vom Goldstandard, kann man das sehr viel klarer erkennen als Marx zu seiner Zeit.

Das Ende wird dadurch gekennzeichnet, daß sich immer größere Beträge von Geld in den Händen von immer weniger Individuen oder Firmen konzentrieren. Seit 1980 hat sich der Gewinn aus der weltweiten Geldspekulation mehr als verdoppelt. Allein in New York hat sich der tägliche Austausch von Währungen zwischen 1980 und 1986 von 18 Billionen Dollar auf 50 Billionen Dollar vermehrt (3). Die Weltbank schätzt, daß Geldtransaktionen weltweit etwa das 15-20fache dessen betragen, was für den Welthandel, d.h. für den Austausch von Waren, tatsächlich erforderlich ist (4).

Der Mechanismus von Zins und Zinseszins erzeugt nicht nur den Antrieb für ein pathologisches Wirtschafts- und Geldmengenwachstum, sondern arbeitet auch, wie Dieter Suhr aufgezeigt hat, gegen die verfassungsmäßigen Rechte der Individuen in den meisten Ländern (5). Wenn eine Verfassung gleichen Zugang der Individuen zu allen Dienstleistungen der Regierung garantiert - und das Geldsystem kann als solche aufgefaßt werden - dann ist es illegal, wenn in diesem System 10% der Bevölkerung aus dieser Dienstleistung ständig mehr erhalten als sie bezahlen und das auf Kosten von 80% der Bevölkerung, die entsprechend weniger erhalten als sie dafür bezahlen.


Es könnte so aussehen, als ob eine Änderung in unserem Geldsystem "nur" 80% der Bevölkerung dienen würde, also denen, die gegenwärtig mehr Zinsen bezahlen, als sie zurückbekommen. Dennoch würde, wie ich in Kapitel 3 aufzeigen werde, jeder von dieser Lösung profitieren, langfristig selbst jene, die aus dem krankhaften System, welches wir jetzt haben, Vorteile ziehen.


MIßVERSTÄNDNIS NR. 4: INFLATION IST EIN INTEGRALER BESTANDTEIL EINES JEDEN GELDSYSTEMS.
Eine vierte Fehlannahme bezieht sich auf die Rolle der Inflation in unserem Wirtschaftssystem. Für die meisten Menschen scheint Inflation fast natürlich, weil es in der Welt kein kapitalistisches Land mit einer freien Marktwirtschaft ohne Inflation gibt. Abbildung 5, zur Entwicklung verschiedener Wirtschaftsindikatoren in der BRD, läßt einen Faktor erkennen, der in enger Beziehung zur Inflation steht.


Während die Einnahmen des Bundes, das Bruttosozialprodukt sowie Löhne und Gehälter zwischen 1968 und 1982 auf ungefähr das Dreifache (300%) anstiegen, erhöhten sich die Zinslasten des Bundes auf mehr als das Elffache (1160%). Die Tendenz wird deutlich - die Schulden und Schuldenzinsen in den Volkswirtschaften nehmen schneller zu als die Einkommen, was früher oder später zum Kollaps führen muß, selbst in den industrialisierten Nationen. Wenn ein Kind zwischen seinem 1. und 10. Lebensjahr um das dreifache wächst, seine Füße im selben Zeitraum jedoch um das 11-fache wachsen, würde jeder es krank nennen. Das Problem ist, daß nur sehr wenige Menschen die Zeichen der Krankheit im Geldsystem erkennen und daß noch weniger ein Heilmittel kennen. Denn bisher war niemand in der Lage, ein gesundes Geldsystem aufzubauen, welches Bestand hatte.

Inflation wirkt wie eine andere Form von Besteuerung, mit der die Regierungen eine Möglichkeit haben, die schlimmsten Probleme der ansteigenden Schulden zu bewältigen. Es ist offensichtlich, daß die benötigte Inflation umso größer sein muß, je größer die Lücke zwischen nationalem Einkommen und Schulden ist. Die Regierungen können ihre Schulden vermindern, indem sie den Notenbanken gestatten, Geld zu drucken. Abbildung 6 zeigt den Wertverlust der DM zwischen 1950 und 1985. Diese Abwertung trifft jene Leute am härtesten, die ihr Vermögen nicht in "inflationsbeständigem" Grundbesitz oder anderen Investitionen anlegen können, wie jene, die zu dem kleinen Bevölkerungsteil mit dem höchsten Einkommen gehören.



Der Wirtschaftshistoriker John L. King zieht eine Parallele zwischen Inflation und den Zinszahlungen für den "US-Kreditballon". In einem Brief vom 08. Januar 1988 schrieb er mir:

"Ich habe bisher hinlänglich über den Zins als die wichtigste Ursache der steigenden Preise geschrieben, da er in den Preisen für alle Dinge, die wir kaufen, versteckt ist, jedoch wurde dieser Gedanke, obwohl er wahr ist, bisher nicht recht akzeptiert. 9 Billionen US-Dollar Inlandsschulden ergeben bei 10% Zins 900 Milliarden US-Dollar, die in steigenden Preisen bezahlt werden, und dies entspricht genau dem 4%-igen Anstieg der Preise, welche die Experten als Inflation bezeichnen. Ich habe den Zins und Zinseszins stets als eine unsichtbare Zerstörungsmaschinerie betrachtet, die gerade jetzt hart am Werk ist. Wir müssen versuchen, uns von dieser sinnlosen finanziellen Besessenheit zu befreien."

Während der letzten 33 Jahre stiegen die privaten und öffentlichen Schulden in den U.S.A. um 1000%, wobei der größte Anteil auf die privaten Haushalte entfällt. Alle Mittel der Regierung wurden eingesetzt, um dieses Wachstum weiteranzuheizen: Garantien bei der Vergabe von Zinsen, subventionierte Hypothekenraten, niedrige Eigenanteile beim Kauf von Häusern und Konsumgütern, erleichterte Konditionen bei der Kreditvergabe, Steuervorteile, Sekundär-Märkte, Auszahlungsversicherungen usw. Die Erklärung für diese Politik ist, daß nur auf diese Weise die Konsequenzen des Zinssystems für die große Mehrheit der Bevölkerung erträglicher gemacht werden konnten. Durch das Erzeugen eines schnellen wirtschaftlichen Wachstums, das dem exponentiellen Wachstum des Geldes folgt, bleiben die sozialen Konsequenzen noch eine Weile unsichtbar. Der Teufelskreis, der sich ebenfalls immer schneller dreht, heißt nun: mehr Inflation, mehr soziale Ungleichheit und immer schlimmere Auswirkungen auf unsere Umwelt. Viele Gesichtspunkte sprechen also dafür, diesen zerstörerischen finanziellen Zinsmechanismus durch eine andere Umlaufsicherung zu ersetzen.

Der Zins muß jedoch nicht die einzige Ursache für Inflation sein. Rohstoffverknappung (wie zur Zeit der Ölkrise), übermäßige Rüstungsausgaben oder Krieg (wie in Ländern des nahen Ostens) können inflationäre Tendenzen natürlich ebenso verursachen. Doch unter normalen Umständen und mit einer vernünftigen Geldpolitik der Notenbank wäre ein wesentlicher Grund für die ständige Inflation mit der Abschaffung des Zinses als Umlaufsicherung beseitigt.

Und nun der Rundschlag zum Thema Krieg:


29. Kapitel
Geld, Krieg und Kapitalvernichtung

„Wenn der Friede die Frucht der Gerechtig-
keit ist, dann ist der Konflikt, die kriegeri-
sche Auseinandersetzung, die Frucht der
Ungerechtigkeit.“
Adolf Paster*
* Präsident der Hifa-Austria, "Die Zukunft beginnt jetzt“, "Der Dritte Weg“ 7/1992


Das Problem der wachsenden Asylantenströme macht seit langem Schlagzeilen.

Zukünftig werden immer mehr Menschen versuchen, vor Armut, Hunger und Bürgerkriegen in die reichen Industrienationen zu flüchten. In den Fluchtursachen findet man die Fehlstrukturen unseres Geldsystems auf vielfältige Weise bestätigt, direkt und indirekt:
- Die schulden- und zinsbedingten Diskrepanzzunahmen zwischen Arm und Reich in aller Welt sind Zündstoff für soziale Spannungen. Diese wiederum führen zu politischen Spannungen und sind der Auslöser für Gewalt, bis hin zu Aufständen und Bürgerkriegen.
- Die Inflationen in den ärmeren Ländern ruinieren nicht nur die Währungen, sondern auch die Volkswirtschaften. Armut und Hunger sind die Folgen, die zu Flüchtlingsströmen führen und zum Chaos.
- Der geldbedingte Zwang zum Wachstum und zur Kapitalbindung treibt die Industrienationen in die Überrüstung und zu Waffenexporten in die übrige Welt. Damit nimmt nicht nur die Verarmung in den bereits armen Ländern zu, sondern auch das Waffenpotential zur Unterdrückung der Bevölkerung.

Da jedoch alles das nicht ausreicht, die wachsenden Geldkapitalmassen renditeträchtig zu binden, sind außerdem immer wieder Kapitalvernichtungen erforderlich. Kriege sind dazu noch geeigneter als Wirtschaftsrezessionen, nicht nur aufgrund des großen Waffenverschleißes, sondern auch wegen der Zerstörungen in zivilen Bereichen und des erforderlichen Wiederaufbaus. Mit Rüstung und Krieg kann man also in einer besonders wirksamen Weise das Absinken der Zinsen unter jene Marke verhindern, die zum Geldstreik führt und damit zum deflationären Wirtschaftszu-
sammenbruch.




Möglichkeiten neuer zusätzlicher Kapitalinvestitionen und sorgt für gründlichen Verbrauch und Verschleiß der angesammelten Vorräte an Waren und Kapitalien, wesentlich rascher und durchgreifender, als es in den gewöhnlichen Depressionsperioden auch bei stärkster künstlicher Nachhilfe möglich ist. So ist . . . der Krieg das beste Mittel, um die endgültige Katastrophe des ganzen kapitalistischen Wirtschaftssystems immer wieder hinauszuschieben.“
Ernst Winkler, „Theorie der natürlichen Wirtschaftordnung“, 1952


„Ich glaube, daß wir in unserem Geldsystem eine Art karzinombildendes Element haben, was unsere Wirtschaft fortwährend krank macht ... Meiner Meinung nach kann dieses Geldsystem nur dadurch funktionieren, daß es immer wieder zusammenbricht und dann immer wieder von vorn begonnen wird. Diese Zusammenbrüche nennt man dann Kriege oder Wirtschaftskatastrophen oder Inflationen, je nachdem, aber das bedeutet eigentlich nur, daß dieses System
in sich selbst kein Regulativ hat, was zu einer vernünftigen Eindämmung führen würde . . .“

Michael Ende, Autor, Interview mit Helmar v. Hanstein, 1992


„Wenn wir einst erkennen werden, was es auf sich hat mit dem Hindernis, das die Produzenten nicht zu den Verbrauchern kommen läßt und umgekehrt, dann werden wir nicht nur die Hauptursache der Unzufriedenheit in der Welt, der bestehenden Feindseligkeit und Mißgunst unter den Nationen, sondern gleichzeitig den einzig richtigen
Weg zum Weltfrieden entdeckt haben.“
Vincent C. Vickers, Großindustrieller, von 1910 bis 1912 Gouverneur der Bank von England, aus „Wirtschaft als Drangsal“


„Es kann keinen Frieden auf Erden geben, ehe wir nicht die Forderung unserer Zeit erfüllen und den großen ewigen Fluch unserer Rasse beenden und jedem Arbeiter den vollen Verdienst seiner Arbeit verschaffen.“
Abraham Lincoln, ehemaliger Präsident der USA" target="_blank" rel="nofollow">„Rüstung bedeutet ökonomisch den Abzug zinsdrückenden …





Hat der Zins tatsächlich mit Krieg zu tun?

In der Kundenzeitschrift „Sparkasse“ erschien im Dezember 1988 ein hochinteressanter Nachdruck, entnommen aus einem Vorläufer der gleichen Zeitschrift aus dem Jahr 1891. Dieser vor 100 Jahren geschriebene Artikel befaßte sich mit der Zinsentwicklung, schwerpunktmäßig mit jener des 19. Jahrhunderts. Dabei wurde vor allem der damals zu registrierende Trend sinkender Zinsen
beklagt und erklärt:


„Die Ursache für das Sinken des Zinsfußes wird
vorzüglich darin gefunden, daß die besonders rentablen Capitalanlagen großen Maßstabes heute erschöpft sind und nur Unternehmungen von geringer Ergiebigkeit übrig bleiben.“

Um den damals bei drei Prozent liegenden Zinssatz vor weiterem Fall zu bewahren, müßten, so hieß es weiter:
„... die neuen Länder, beispielsweise Afrika, sehr
rasch durch europäische Capitalien erschlossen
werden, damit einem solchen Sinken begegnet
werde."
Doch da auch das zu einer Umkehr des Zinstrends nicht ausreichen würde, schließt der 1891 erschienene Artikel mit folgenden Sätzen:
„So spricht denn alles dafür, daß wir noch einem
weiteren Sinken des Zinsfußes entgegensehen. Nur
ein allgemeiner europäischer Krieg könnte dieser
Entwicklung Halt gebieten durch die ungeheure
Capitalzerstörung, welche er bedeutet.“

Dieser Schluß scheint ungeheuerlich. Aber er hat sich - wie wir wissen - seit 1891 zweimal erfüllt: Zwei „allgemeine europäische Kriege“, die man sogar weltweit ausdehnen konnte, haben dem Sinken des Zinsfußes Halt geboten“.



Haben die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs ausreichend lange vorgehalten?

Etwa ein bis zwei Jahrzehnte waren die Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg in den zerstörten Ländern mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Wer Bilder oder Filme über die Trümmerstädte sieht, kann sich kaum vorstellen, daß diese Arbeit überhaupt zu schaffen war. Angesichts dieser Aufbauinvestition war das Kapital entsprechend knapp und mit real fünf bis sechs Prozent in der BRD aus-
reichend hoch verzinst. An Rüstungs- oder gar Kriegsgeschäfte dachte kaum jemand in dieser Zeit. Im Gegenteil: Viele Unternehmer hatten nach Kriegsende geschworen, niemals mehr in die Rüstungsproduktion einzusteigen.

Als Folge dieses allgemeinen Desinteresses dauerte der erste indisch-pakistanische Krieg Ende der 40er Jahre nur acht Tage. Beide Seiten hatten ihre Munition verschossen, die Panzer waren kaputt, und niemand in der Welt
war anscheinend bereit, ausreichend für Nachschub zu sorgen: Man (und das Kapital) hatte mit der Behebung der Zerstörungen des großen Krieges noch genug zu tun.
Mit dem Auslaufen des Wiederaufbaus, den ersten Sättigungserscheinungen auf den Konsummärkten und einer wachsenden Geldvermögensbildung kam der Zins jedoch langsam unter Druck. Schon in den 60er Jahren fiel der Realzins am Kapitalmarkt in der BRD im Durchschnitt auf vier Prozent zurück.

Wenngleich Adenauer über die Köpfe des Parlaments hinweg
1956 wieder eine Bundeswehr entstehen ließ, kam das Gros der benötigten Ausrüstung noch weitgehend aus fremden Produktionen. In Deutschland setzte man immer noch auf friedliche Methoden zur Garantie der Kapitalrentabilität. Doch hinter den Kulissen entstand auch bei uns wieder eine Rüstungsindustrie, die sogar nach und nach das Ausland mit ihren Qualitätsprodukten beglückte. In den 70er und 80er Jahren gewann die BRD immer mehr Anschluß an die Siegermächte, die bereits in den 50er Jahren ihre Rüstungsindustrie wieder auf Hochtouren brachten.

Selbst der damalige US-Präsident und frühere Weltkriegsgeneral Eisenhower warnte mehrfach öffentlich vor dieser gefährlichen Verselbständigung des militärisch-industriellen Komplexes. Aber das Kapital hatte im wahrsten Wortsinn „Blut gerochen“, zuerst
im Koreakrieg und dann an vielen anderen Kriegsschauplätzen in der Welt, so daß es kein Halten mehr gab.
Obwohl man jeden potentiellen Gegner nur einmal töten kann, reichten die Waffenarsenale und Vernichtungskapazitäten in den 80er Jahren bereits aus, um jeden Menschen auf der Erde 15- bis 20mal umzubringen. Der Irrsinn dieses ständig wachsenden Overkills ist mit keiner Logik erklärbar. Niemals in der Menschheitsgeschichte hat es ein Tötungspotential in dieser Größenordnung ge-
geben. Allein ein U-Boot der Trident-Klasse hat eine Sprengkraft an Bord, die achtmal größer ist als die gesamte, die im letzten Krieg in aller Welt verschossen und als Bomben abgeworfen wurde. Und um diese kaum noch vorstellbare Zerstörungskraft abzuschießen, braucht solch ein U-Boot keine sechs Jahre, sondern nur noch sechs Minuten.


Doch dieser Wahnsinn hatte Methode. Er garantierte einmal Tausenden von Waffenschmieden und -händlern in aller Welt lukrative und staatlich abgesicherte Gewinne. Vor allem aber sorgte er dafür, daß die Zinsen in der Welt auf einer ausreichenden Höhe blieben, um den Streik des Kapitals zu vermeiden.

Die Kapitalrenditen blieben auf diese Weise zwar lange Zeit gesichert, nicht aber der Wohlstandsanstieg der Menschen. Denn mit den Waffen und Militäranlagen mußten sie Produkte schaffen, von denen sie keinerlei Nutzen hatten, ja diese Rüstungsgüter wurden sogar zu einer immer größeren konkreten Bedrohung für ihr Leben. Doch diese Produktionen brachten den arbeitenden Menschen nicht nur keinen Nutzen, sie wurden für diesen Milliarden-Wahnsinn auch noch durch immer höhere Steuern zur Kasse
gebeten.



Wird mit der Rüstung das Kapital nur bedient?

Mit der Rüstung wird nicht nur Kapital bedient, sondern auch gebunden, richtiger: vom Markt genommen. Würde man das in die Rüstung, die Raketensilos, die Kasernen usw. investierte Kapital im zivilen Sektor einsetzen, dann wäre das dort gegebene Angebot
deutlich größer. Ein größeres Angebot an Wohnungen, Konsum-
gütern usw. aber würde auf die Kapitalrendite einen entsprechenden Druck ausüben. Aufgrund dieses Drucks müßte - wenn das Kapital nicht streiken könnte - der Zins schließlich gegen null heruntergehen.

Da aber das Kapital streiken, das heißt sich vom Markt zurückziehen kann, sind die Staaten an ständiger Knappheit und ausreichend hohen Zinsen interessiert, notfalls sogar unter Duldung oder Förderung von Kriegen.
Statt das Geld zu zwingen, sich ggf. auch bei niedrigeren Zinsen der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen, sorgen die Staaten auf diese irrsinnige Weise also für die streikvermeidende Knappheit.

Vergleichbar ist das mit der Praxis der EG-Agrarmarktpolitik. Auch hier sorgt man bei allzu guten Ernten durch künstliche Verknappung des Angebotes (sprich Vernichtung) für weiter hochbleibende Preise, um Streiks der Bauern aus dem Weg zu gehen.



Findet diese Kapitalverknappung und –vernichtung tatsächlich statt?

Wer zum erstenmal von diesen Zusammenhängen hört, wird da von nichts glauben wollen. Auch mir ging das lange so, bis die Indizien und Beweise zu überzeugend wurden. Dabei braucht man sich nicht auf die Sparkassenzeitung aus dem vergangenen Jahrhundert zu stützen. Auch in der wissenschaftlichen Literatur taucht der Vorgang der Kapitalvernichtung unter dem Begriff
„Reinigungskrise zur Beseitigung von Überinvestitionen“ auf.
Gemeint ist der Zustand, bei dem der Investitionsumfang so groß geworden ist, daß er den Zins unter jene Grenze drückt, bei der es
zu Geldzurückhaltungen und damit deflationären Rezessionen
kommt. Auch ohne Krieg und ohne Rüstung werden in solchen
Rezessionen durch Unternehmens- und Privatbankrotte, durch
Verschleudern oder Verderben von „Überproduktionen“ bereits
Kapitalmassen vernichtet. Mit dieser „Reinigung“ - sprich Kapitalvernichtung - wird dann eine ausreichende Knappheit erzeugt, die über höhere Zinsen das Kapital wieder aktiv werden läßt. Durch ständige Ausweitung marktferner Investitionen - von der Raumfahrt bis zur Rüstung - kann man die Notwendigkeit solcher „Reinigungskrisen“ zwar eine Zeitlang hinausschieben, aber kaum auf Dauer. Irgendwann wird eine „große Reinigung“
unausweichlich. Und dazu ist ein Krieg nicht nur durch den
erhöhten Waffenverbrauch und die angerichteten Schäden un-
übertreffbar wirkungsvoll. Auch durch die Vernichtung der
Geldvermögen, die meist mit dem anschließenden Staatsbank-
rott verbunden ist, verschwinden riesige Kapitalpolster aus der Welt. Die Gewinner solcher großen „Reinigungen“ sind diejenigen, die rechtzeitig in Sachvermögen umgestiegen sind, mög-
lichst außerhalb der Kriegsgebiete. Noch besser ist natürlich die Anlage in das unzerstörbare Bodenkapital. Den so „Überlebenden“ der Kapitalvernichtung wird jedenfalls ein ganz enormer Reichtumsanstieg beschert.


John Maynard Keynes, als Zeuge über alle Zweifel erhaben, hat die Zusammenhänge in etwas komplizierterer Sprache beschrieben: „Jedesmal, wenn wir das heutige Gleichgewicht durch vermehrte Investitionen sichern, verschärfen wir die Schwierigkeit der Sicherung des Gleichgewichtes von morgen.“

Und als Notausgänge aus diesem Dilemma nennt er „das Bauen
von Pyramiden und Kathedralen, Erdbeben, selbst Kriege“,
denn, so schreibt er weiter, „zwei Pyramiden, zwei Steinhaufen für Tote sind doppelt so gut wie einer, aber nicht zwei Eisenbahnen von London nach York“. (Zitiert nach Ernst Winkler aus „Theorie der natürlichen Wirtschaftsordnung“.)

Diese etwas schwer verständliche Darlegung bestätigt, daß
ständig vermehrte Investitionen im zivilen Bereich das zinshochhaltende „Gleichgewicht“ gefährden, dagegen aber sinnlose Bauten, Erdbeben und Kriege dieses „Gleichgewicht“ auf Dauer sichern.

Wem diese Bestätigung nicht genügt, der sollte die „Pyramiden“ unserer Tage Revue passieren lassen: vom „Schnellen Brüter“ bis zum Hochtemperaturreaktor, von der halbfertig gebauten WAA in Wackersdorf bis zu dem „Raketenfriedhof“, der im Orbit
kreist. - Von den Milliardengräbern der x-mal verschrotteten und erneuerten Rüstung nicht zu reden. Und alle diese Projekte haben nicht nur bei ihrer Entstehung Milliarden neutralisiert. Sie benötigen oft nicht minder große Summen für ihre ordnungsmäßige Betreuung und Beseitigung. Und das letztlich immer nur auf Kosten
der arbeitenden Menschen und allein zugunsten des eingesetzten Kapitals.



Wie war das beim ersten Golfkrieg?

Seit fast 50 Jahren hat es in Europa keinen Krieg mehr gegeben, und darauf sind die meisten Politiker sehr stolz. In Wirklichkeit ist es uns nur gelungen, die „ungeheure Capitalzerstörung“ durch Kriege, die zum Erhalt der Kapitalrendite früher nötig waren, durch eine ungeheure Naturzerstörung und Überrüstung bislang
überflüssig zu machen. Doch wenn sich anderswo in der Welt die Möglichkeit zur kriegerischen Kapitalzerstörung bot, war Europa immer dabei, als Lieferant der Todeswaffen ebenso wie hinterher beim kapitalverschlingenden Wiederaufbau. Diese „Stellvertreterkriege“ waren außerdem die beste Möglichkeit, die Waffen in der Praxis vorzuführen und weitere Kunden zu gewinnen.
Wenn man bedenkt, daß „die fünf ständigen Mitglieder des
Weltsicherheitsrates der UNO (Großbritannien, UdSSR, USA,
Frankreich, China), die den Weltfrieden sichern sollen, die größten Waffenlieferanten der Entwicklungsländer sind“ (terre des hommes, Dezember 1991), braucht man sich über nichts mehr zu wundern. Die ganze Skala aller „Nachkriegskriege“ durchzugehen, würde zu weit führen. Auch wäre es ein fruchtloses Unter-
fangen, für einen dieser „Stellvertreterkriege“ nachträglich einen Sinn zu konstruieren, sieht man von den Kapitalprofiten ab. Hier soll darum nur noch einmal an die beiden Golfkriege erinnert werden, die uns, trotz schnellebiger Zeit und täglich neuer Kriegs-
schauplätze, wohl noch gegenwärtig sind.

Der erste, acht Jahre dauernde Golfkrieg zwischen Irak und
Iran war das bisher größte „Nachkriegsgeschäft“ für die waffenliefernden Länder. Dabei lagen die sogenannten „christlichen Nationen“ immer an der Spitze. Vor allem verstanden sie es vorzüglich,
gleich beide kriegführenden Seiten zu beliefern. Und da es sich bei beiden Ländern aufgrund der reichen Bodenschätze in Form von Ö1 um zahlungskräftige Kunden handelte, war der Dauer dieses Krieges fast kein Ende gesetzt. Doch aufgrund der großen Zerstörungen in den Ländern und des allgemeinen Leistungsrückgangs kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem man auch dort wieder in die Hände spucken muß, wenn die Zahlungsfähigkeit erhalten
bleiben soll. Außerdem verspricht man sich bei einem bestimmten Ausmaß der Zerstörung vom Wiederaufbau noch größere Geschäfte.

So schrieb „Die Zeit“ am 18.10.1987, noch vor Beendi-
gung der Kämpfe:
„Eine größere Zahl deutscher und japanischer Finanzvertreter harrt in Teheran aus. Sie setzen auf die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Ende des Krieges . . . Wirtschaftsschäden von über 300 Milliarden habe der Krieg verursacht. Da winkt, so hoffen die Geschäftsleute, mancher dicke Investitionsauftrag.“

Doch nicht nur die Lieferungen ziviler Ausrüstungen zum Wiederaufbau helfen die Kapitalrendite sichern, sondern auch die dazu gewährten Kredite.



Und was brachte der zweite Golfkrieg?

Der Irak unter Saddam Hussein war jahrelang - vor und im ersten Golfkrieg - einer der Spitzenkunden für die westlichen und östlichen Waffenlieferanten. Daß es sich bei Hussein um einen der übelsten Diktatoren handelt, hat dabei keinen Politiker gestört.
Sie finanzierten seine Käufe sogar gerne im voraus mit gutverzinsten Krediten.
Auch das Nachbarland Kuwait, dem iranischen Fundamentalis-
mus wenig zugeneigt, half Hussein mit respektablen Krediten bei der Bändigung des Irans. So war es für den überschuldeten Hussein schließlich eine doppelte Versuchung, das kleine Kuwait einzukassieren. Einmal wurde er auf diese Weise einen lästigen Gläubiger los, gleichzeitig wurden ihm sprudelnde Ölquellen be-
schert, mit deren Hilfe er die hohen Schulden in den Industrienationen leichter bedienen oder sogar tilgen konnte.
Was danach kam, ist uns noch allen geläufig. Während sich die gutbetuchten, kampffähigen Söhne der Kuwaitis in Ägypten und an der Riviera vergnügten, wurde das besetzte Land von den USA und einigen Helfern mit einem ungeheuren Materialaufwand (bei nicht minder großer Behinderung der Berichterstattung) befreit und der Irak in die Knie gezwungen. Allerdings nicht so weit, daß
Saddam Hussein hätte abdanken müssen.
Die USA hat dieser Krieg so gut wie nichts gekostet, außer ein „paar Menschenleben“. Wie ein Söldnerheer kassierte die führende Weltmacht bei allen Bündnisstaaten ab. Natürlich auch bei den reichen Scheichs, deren von der Zeit längst überholte feudalistische Herrschaftssysteme noch einmal eine Überlebenschance erhielten.
In welcher Größenordnung in dieser Materialschlacht Kapital vernichtet wurde, geht aus einer Stellungnahme des Hilfswerkes „Misereor“ hervor. „Golfkrieg auf Kosten der Armen“, war der Bericht überschrieben, der bereits am 26. 1. 1992 durch die Presse ging. Die Vergleichszahlen von Kriegskosten und Entwicklungshilfe muten „fast unvorstellbar“ an, hieß es darin, und weiter: Mit
bis zu einer Milliarde Dollar seien in der ersten Woche allein auf seiten der multinationalen Truppe täglich mehr Mittel verbraucht worden, als Misereor „in den 32 Jahren seines Bestehens für die Entwicklungs- und Friedensarbeit in der gesamten Dritten Welt einsetzen konnte“.

Doch auch beim zweiten Golfkrieg war die große Materialvernichtung und -zerstörung nur die eine Seite der Profitmedaille, der anschließende Wiederaufbau wiederum die zweite. Dank der größten Leistung im Krieg haben sich die USA auch dabei den Löwenanteil gesichert. Aber auch die Helferstaaten meldeten rechtzeitig ihre Ansprüche an, wie der Auszug aus dem Berliner „Tagesspiegel“ vom 12.2.1991 zeigt (siehe nächste Seite).
„Bombenerfolge“ im doppelten Wortsinn sind also mit solchen
Kriegen für die Mitmacher verbunden. Und es ist gleichermaßen entlarvend wie bezeichnend, daß es bei dem Wiederaufbau-Geschacher sogar schon um Objekte ging, die noch gar nicht zerstört waren.
Geht man den Zusammenhängen weiter nach, kommt noch
mehr ans Tageslicht. So berichtet die schweizerische Zeitschrift „Der Zeit·Punkt“ von einem geheimgehaltenen Regierungsbericht, nach dem die britischen Steuerzahler „rund 500 Mio. Franken für Waffen bezahlen, mit denen der Irak die eigenen Truppen
des Inselreiches beschossen hat. Die Rechnung geht zurück auf eine Exportgarantie, die die britische Regierung Firmen gewährte, die in den Irak ausführten“, heißt es in dem Text. Und weiter: „Unter dem Strich müssen die Briten . . . zweimal bezahlen. Einmal für die irakischen Waffen und einmal für die eigenen, die irakischen zu zerstören. Der Kreislauf ähnelt in gewisser Hin-
sicht demjenigen, der vor allem die EG-Länder zwingt, Lebensmittel zu vernichten, deren Produktion subventioniert wurde.“


Bombenerfolge für britische Industrie erhofft
London kämpft bereits mit den USA um Aufträge für den Wiederaufbau Kuwaits Von unserem Korrespondenten
London,11. Februar Die Londoner Regierung fordert mit größerem Nachdruck die Beteiligung britischer Unternehmen an dem Wiederaufbau in Kuwait, wenn der Krieg gegen Irak einmal vorüber ist. Die Briten erwarten eine bevorzugte Behandlung bei der Vergabe der Aufträge, welche den eigenen militärischen Beitrag zur Befreiung des Landes in Rechnung stellt. Der Korrespondent der Financial Times berichtet aus Riad über das Treffen: „Peinlichkeit bei den Diskussionen war nicht zu erkennen, obwohl Kuwait erst noch befreit werden muß, und ein großer Teil der Infrastruktur, welche britische Unternehmen wiederaufbauen wollen, noch nicht zerstört ist. „ Jede erfolgreiche britische Bombe ist daher kommerziell und finanziell auch ein möglicher Erfolg für die britischen Firmen, die gerade in einer Zeit der Rezession dankbar für Aufträge sind. Das gleiche gilt prinzipiell genauso für die anderen Mitglieder der Allianz gegen Saddam Hussein, voran die USA.


Helmut Creutz, Das Geldsyndrom
Krieg eine natürliche Folge unseres Geldsystemes?


Wenn jetzt jemand geschockt ist, kann ich es verstehen.

Unser Geld ist doch gut, immerhin können wir uns damit alles kaufen, was wir zum Leben brauchen!


Doch wieso wird auch in unseren westlichen Ländern das Geld knapper, wo doch sinkende Zinsen eher für ein Überangebot des Geldes sprechen? Wo die Notenbanken alles versuchen, Geld in das System zu bringen, doch alle wundern sich, dass niemand dieses billige Geld haben will?
Schöne neue Wirtschaftsscheinwelt

Norbert Rost 12.03.2003

Über gern übernommene Denkfehler der "Wirtschaftsexperten", …

Die Wirtschaft ist eine der wichtigsten Fundamente der Gesellschaft. Hat die Wirtschaft ein Problem, hat die Gesellschaft ein Problem. Wir dürfen dies aktuell am eigenen Leib bemerken. Die Analyse, Kontrolle und Steuerung des Mysteriums Wirtschaft wird dabei meist in den Händen Einzelner, genannt "Wirtschaftsexperten", belassen. Sie findet man in Unternehmen, der Politik und den Medien. Doch sollte man ihnen allein die Problemlösungen überlassen?


Obwohl jeder Mensch Teil der Wirtschaft ist, ist das Wissen über diese meist nur rudimentär vorhanden. Aussagen der "Experten" werden ständig wiederholt und in den Medien verbreitet. Vieles wird oft als Tatsache präsentiert und als unanfechtbare Meinung übernommen. Schließlich hat nicht jeder Zeit und das Interesse, sich mit wirtschaftlichen Vorgängen zu befassen. Verstärkt wird das Desinteresse durch Fachbegriffe der Experten, bei denen der "Laie" meint, sowieso nicht mitreden zu können.

Ich behaupte, dass viele der sogenannten (und teilweise selbsternannten) Wirtschaftsexperten fundamentalen Irrtümern hinterherlaufen. Gleichzeitig sollte man immer im Auge behalten, dass Menschen auch persönliche Interessen haben, die nicht immer öffentlich bekannt sind. Dies ist nicht nur unverantwortlich, sondern sogar gefährlich: Niemand würde das Fundament eines Hauses von Experten mit zweifelhaftem Ruf erbauen lassen - aber das Fundament unserer Gesellschaft schon?



Wachstum verhindert Arbeitslosigkeit?


Es hört sich so einfach an: Um Arbeitslosigkeit abzubauen, muß die Wirtschaft wachsen. Diese Meinung wird in den Wirtschaftsmedien so oft wiedergekäut, dass sie bereits als Tatsache gilt. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Wachstum allein aber nicht das Problem der Arbeitslosigkeit löst:

Die deutsche Wirtschaft zum Beispiel wächst seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie wächst und wuchs zeitweise nur langam, aber sie wächst - und zwar immer prozentual bezogen aufs Vorjahr. Vollbeschäftigung gab es in Deutschland jedoch nur in den 60er bis Mitte der 70er Jahre, als in der BRD dann Gastarbeiter benötigt wurden, um die Nachfrage nach Arbeitskräften zu bedienen. Trotz weitergehenden Wachstums stiegt die Arbeitslosigkeit an. Kann Wirtschaftswachstum also als Allheilmittel für das Zivilisationsproblem Arbeitslosigkeit gelten?


Der einzige Grund für Arbeitslosigkeit ist mangelndes Wachstum?


Ein Freund, von Beruf Vermesser, erzählte mir stolz, dass er jetzt als erster in seiner Firma mit einem GPS-gestützten System arbeiten kann. Die Vermesser-Branche gehört - wie die Baubranche allgemein - aktuell nicht zu den Wirtschaftsbereichen, denen es besonders gut geht. Ich fragte ihn, ob die Arbeit jetzt besser, also schneller ginge. Er schätzt, dass in der gleichen Zeit mit diesem System 30 bis 50 Prozent mehr geschafft werden könnte. Betriebswirtschaftlich betrachtet ist dies für das Unternehmen von Vorteil, gesellschaftlich gesehen ebenso: Es steigert die Produktivität und damit das Gesamteinkommen einer Gesellschaft.

Volkswirtschaftlich betrachtet, zeigt dieses Beispiel aber, was ein extrem wichtiger Grund für die Massenarbeitslosigkeit unsere Tage ist: Die Vermesser-Branche kann auf diesem Wege ca. 30 bis 50% der anfallenden Arbeit und der dazu benötigen Arbeitskäfte durch Maschinen ersetzen. Die Automatisierung des Wirtschaftslebens ist ein besonders wichtiger Teil des Industriezeitalters. Brötchen werden genauso durch Roboter massengefertigt, wie Autos, Fernseher oder Bekleidung. Die dafür nötige menschliche Arbeitskraft geht immer weiter zurück. Menschliche Arbeit wird schlicht nicht mehr gebraucht.
Wie oft wird der Aspekt steigender Automatisierung in den Erklärungen für steigende Arbeitslosigkeit unserer Wirtschaftsexperten berücksichtigt?


Kürzung der Sozialleistungen schafft Arbeitsanreize?


Unter dem Gesichtspunkt fehlender Arbeitsplätze ist der Ruf nach der Kürzung von Sozialleistungen (Sozial- und Arbeitslosenhilfe), um Anreize zum Arbeiten der davon Betroffenen zu schaffen, extrem kurzfristig gedacht. Natürlich ist es wünschenswert, Berufsschmarotzern nicht das Leben zu erleichtern. Den Druck auf Arbeitslose auf diesem Wege zu erhöhen hat aber nur die Wirkung, mehr "Arbeitskraft" auf dem völlig gesättigten Markt anzubieten. Wie die Gesetze von Angebot und Nachfrage aber besagen, drückt ein hohes Angebot bei niedriger Nachfrage den Preis: In dem Fall den Preis für Arbeit, den Lohn.

In den USA müssen bereits jetzt viele Menschen zwei oder mehr Jobs haben, um überleben zu können. Und auch in Europa sind die ersten Symptome gleicher Art sichtbar.


Soll unsere Gesellschaft wirklich diesen Weg wählen?


Zudem kann das Absenken der Sozialleistungen auch negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Während jemand, der 10.000 Euro monatlich verdient, kaum in der Lage ist, alles zu verkonsumieren, geben Geringverdiener den Großteil ihres Einkommens sofort wieder aus - und kurbeln somit die Wirtschaft an.

Einsparungen bei den Geringverdienern wirken sich also viel direkter auf den Konsum und damit die Gesamtwirtschaft aus, als wenn man einem Gutverdiener ein paar weitere Prozente Steuern schenkt - die dieser eher zum Sparen als zum Konsumieren nutzt.


Schuld an der Wirtschaftskrise ist die schlechte Börsenstimmung?


Was war zuerst? Wirtschaft oder Börse? Die Börse ist eine Erfindung der Menschen und bietet Unternehmen in erster Linie die Möglichkeit, an Kapital für Investitionen zu kommen. Steigende Aktienkurse haben aber keine direkte Auswirkungen auf das, was wirklich in der Wirtschaft konsumiert und produziert wird.

Immer noch sitzen viele Menschen dem Irrglauben auf, Aktienkäufe sind Investitionen in die Wirtschaft. Das neue Steuerpaket der US-Regierung war explizit darauf ausgelegt, Aktieninvestitionen zu begünstigen. Doch wer aktuell Aktien kauft, investiert in den seltensten Fällen in die Wirtschaft. Die Börse ist ein Marktplatz für Aktien und wer dort Aktien kauft, tut dies in den meisten Fällen von einem Verkäufer, der mit dem Unternehmen selbst gar nichts zu tun hat. Es ist, als würde ich mein altes Sofa verkaufen: Ikea hat davon aber nichts.

Nur im Falle von Neuemissionen fließt wirklich Geld an das Unternehmen selbst (und somit in die Wirtschaft). Aktien-Neuemissionen sind aktuell aber "aufgrund des schlechten Umfelds" eher selten. Natürlich profitieren die Unternehmen auch vom Aktienhandel, wenn sie z.B. Aktien gegen ganze Unternehmen eintauschen geht das besser, wenn diese hoch bewertet sind. Aber hohe Aktienkurse sorgen nicht dafür, dass wir als Menschen mehr Brötchen essen, als wir uns leisten können.

Warren Buffett ist Multi-Milliardär und Investor. Seine warnenden Aussagen und Analysen fanden in Zeiten des New-Economy-Hype wenig Beachtung. Er hatte Recht - aber hören wollte es niemand. Wie wird die Wirtschaftspresse und die anderen Wirtschaftsexperten wohl mit seiner neuesten Aussage umgehen, in der er behauptet, hochspekulative Finanzderivate wie sie seit einigen Jahren zum Standard-Repertoire der Börse gehören, bedrohen den gesamten Finanzmarkt? Wollen die Verantwortlichen auch hier warten, bis sich zeigt, dass Warren Buffett eventuell Recht hat, oder wird sich jemand zuvor mit seinen Warnungen intensiv befassen? Oder sind die Profiteure der Börsen-Spekulationen inzwischen so mächtig, dass gar kein Interesse daran besteht, irgendetwas zu verhindern?


Alle fordern Wachstum. Aber was wächst ewig?


Nur Menschen, die mit Mathematik auf Kriegsfuß stehen, können allen Ernstes behaupten, prozentuales Wachstum bezogen auf den Vorzeitraum ist bis in alle Ewigkeit möglich. 3% Wirtschaftswachstum pro Jahr werden als Boom und somit als wünschenswert angesehen. Was übersehen wird ist, dass diese 3% nominal (also auf den realen Wert bezogen) jedes Jahr größer werden. Aus 1000 im Jahr 0 werden 1030 im Jahr 1 aber 1060,9 im Jahr 2.

Diese unscheinbaren 0,9 Unterschied in der nominalen Batrachtungsweise sorgen aber für einen interessanten Effekt. Man könnte annehmen, dass eine Verdopplung der Wirtschaftsleistung in 33,33 Jahren erfolgen könnte (33,33 Jahre * 3% Pro Jahr = 100 %, also Verdopplung). Dies ist jedoch falsch. Die 3% beziehen sich aufs Vorjahr, somit erfolgt eine Verdopplung alle 23 Jahre (exponentielles Wachstum). Nach 46 Jahren also eine Vervierfachung. Das Achtfache der ursprünglichen Wirtschaftsleistung muss eine Wirtschaft also nach 69 Jahren erbringen - und die Wirtschaftsteilnehmer müssen das Achtfache konsumieren. Unsere Wirtschaft wächst somit unaufhörlich und exponentiell. In der Natur gibt es exponentielles Wachstum nur über eine gewisse Zeit. Dann erfolgt entweder eine Stagnation oder das gesamte System durchstößt seine Grenzen und stirbt ab. Krebs ist ein Beispiel dafür.

Chinas Wirtschaft wächst zur Zeit um 7% pro Jahr. Eine Verdopplung der Wirtschaftsleistung würde somit ca. alle 10 Jahre stattfinden. In 30 Jahren wird das Ein-Milliarden-Menschen-Volk also das Achtfache von heute produzieren müssen. Woher sollen z.B. all die Ressoucen kommen (Energie, Öl, Eisenerz, Weizen usw.), um diese Menge zu realisieren? Sollten solche Entwicklungen nicht wenigstens mit einem gewissen Argwohn betrachtet werden? Im Übrigen schützt die vergleichsweise sehr hohe Wachstumsrate die Chinesen nicht im Geringsten vor steigender Arbeitslosigkeit.


Inflation ist (k)ein Naturgesetz!


Die Diskussion über Inflation hinterlässt oft das Gefühl, sie sei ein Naturgesetz und somit vom Menschen nicht beeinflussbar. Das Gegenteil ist der Fall: Inflation kommt nur dann zustande, wenn die Notenbanken neues Geld drucken. Warum tun sie das, obwohl ebenfalls betont wird, dass Inflation nichts Gutes ist?

Eine Begründung lieferte die Notenbank diese Woche, jedoch findet diese Meldung in der wirtschaftlichen Berichterstattung nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient hätte. Die Europäische Zentralbank EZB hat vor Geldhortung gewarnt.

Durch die aktuellen unsicheren Zeiten legen sich viele Leute verstärkt Geld unter die Matratze:

Die aktuellen Zinssätze lohnen sich eh nicht und das Wort Bankenkrise lässt viele aufhorchen. Man geht auf Nummer sicher und hält mehr Geld zuhause. Das Ergebnis ist, dass auf dem Markt - volkswirtschaftlich betrachtet - einer gleichbleibenden Gütermenge eine geringere Geldmenge gegenüber steht. Deflation, also das Sinken von Preisen droht.

Um dem vorzubeugen, gibt die Notenbank neues Geld in den Kreislauf ohne aber wissen zu können, wann das gehortete wieder zurückfließt. Tut es dies irgendwann, steht plötzlich einer gleichbleibenden Gütermenge eine höhere Geldmenge gegenüber. Die Preise steigen, es kommt zur Inflation.

Inflation ist für die Wirtschaft gesünder als Deflation. Während bei Inflation die Güterpreise nach oben gehen und nur die Preisschilder ausgetauscht werden müssen, haben sinkende Preise, also Deflation, problematischere Auswirkungen. Sinken die Verkaufspreise, müßten die Unternehmen eigentlich ihre Kosten an die neuen Preise anpassen. Verträge, wie Tarif- und Lieferverträge, sind aber nicht ohne weiteres änderbar. Deflation geht also auf die Gewinnmarge der Unternehmen, die schnell eine Zahlungsunfähigkeit und damit einen Bankrott der Unternehmen oder eben Entlassungen nach sich ziehen kann. Deflation hat zudem einen psychologischen Effekt. Kunden kaufen nicht sofort, sondern sie spekulieren (gerade in unsicheren Zeiten!) auf weiter sinkende Preise. Der Konsum wird also nach hinten verschoben, eine Wirtschaftsflaute droht.

Inflation ist also das geringere Übel, stellt langfristig aber eine Entwertung aller Geldvermögen dar und ist deshalb rein technisch gesehen Raub am Volk. Der Grund für Inflation ist also die Möglichkeit der Geldhortung. Könnte man das Horten von Geld verhindern, würde man Inflation verhindern. Die aktuell stark sinkendenden Preise in der Tourismus- und Elektronikwirtschaft (Geiz ist geil!) könnten Anzeichen für eine Deflation sein.

Eine verstärkte Geldhortung hat zudem eine Art Rückstau-Effekt. Die sowieso schlechte Zahlungsmoral wird durch sie verstärkt, Unternehmen werden verzögert für ihre Leistungen bezahlt, können ihre Lieferanten und Angestellten nur verzögert entlohnen, die wiederum erst später zahlen bzw. konsumieren können. Eine verstärkte Geldhortung führt also auch an dieser Stelle sehr schnell in eine sich selbst beschleunigende Spirale von Zahlungsunfähigkeiten, die zum Kollaps ganzer Wirtschaftszweige oder gar Volkswirtschaften führen kann.


Geld als Fundament der Wirtschaft und das Dilemma unserer Geldpolitiker


Die europäische Zentralbank ist aktuell in einem Dilemma, welches extrem ernste Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft hat, von einschlägigen Medien aber weitgehend ignoriert wird. Ist von "Zinssenkung durch die EZB" die Rede interessiert sich kein "Normalsterblicher" dafür. Für die meisten Menschen ist das hohe und damit uninteressante Volkswirtschaft. Doch es ist einfacher verständlich, als man annimmt:

Senkt die EZB die Zinsen, wie vor einigen Tagen geschehen, so werden Kredite für Unternehmen und Konsumenten billiger. Diese nehmen also Kredite auf, um sie in die Wirtschaft zu investieren oder zu verkonsumieren und somit zum Aufschwung beizutragen. Soweit die von der EZB vertretene Theorie. Wie die EZB aber auch weiß (s.o.) führt die aktuelle Unsicherheit zur Geldhortung, d.h. Geldbesitzer geben ihr Geld nicht aus der Hand. Sie würden es aber tun, wenn die Zinsen hoch genug wären und sich das Risiko lohnen würde.

Die Zinssenkung soll also billige Kredite ermöglichen. Das Geld für diese Kredite muss aber jemand zur Verfügung stellen. Weil aber aktuell die Zinsen runtergehen, wird das niemand tun. Dieses Dilemma wird uns in den nächsten Monaten begleiten und ich wage vorauszusagen: Es wird uns sehr zu schaffen machen.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass die gesetzlich definierte Aufgabe der EZB der Erhalt der Stabilität des Euro ist. Demnach müsste die EZB jetzt eigentlich die Zinsen erhöhen, um eine Deflation zu vermeiden. Der Druck der Wirtschaftslobby lässt diese Ziele jedoch in den Hintergrund treten und die EZB wird als Werkzeug für einen Wirtschaftsaufschwung "missbraucht".


"Mein Geld ist doch sicher auf der Bank


Schließlich gehört meine Bank dem Einlagensicherungsfond an, der für Bankeinlagen garantiert." Für die Pleite einer einzelnen, heruntergewirtschafteten Bank mag dies zutreffen. So oft, wie man in letzter Zeit jedoch das Wort Bankenkrise vernimmt, sind im Falle des Zusammenbruchs einer Bank aber auch andere Banken gefährdet - schließlich ist die Wirtschaft in Zeiten der Globalisierung eng miteinander vernetzt. Der Einlagensicherungsfond kann von Natur aus nicht die Risiken mehrere Bankpleiten auf einmal abdecken. Das Wissen um diese Gefahr sorgt dafür, dass sich einige Leute wieder verstärkt Geld zuhause hinlegen (womit wir wieder bei der Geldhortung wären!), denn es ist besser, auf winzige Zinsen zu verzichten und "flüssig zu sein", als nicht mehr an sein Geld zu kommen, wenn die Bank die Konten sperrt.

Im Worst-Case-Szenario würden dies viel mehr Leute machen und ein gefährlicher Kreislauf entsteht: Ziehen die Leute ihr Geld ab, sind die Banken gezwungen, dieses von den Unternehmen zurückzufordern, denen sie es geborgt haben. Viele Unternehmen sind in der heutigen Zeit aber nicht in der Lage, kurzfristig ihre Kredite zurückzuzahlen - sie gehen Pleite. Die dadurch zunehmende Unsicherheit sorgt dafür, dass die Leute ihr Geld von der Bank abziehen - eine Spirale, die an die Weltwirtschaftskrise erinnert.

Man könnte argumentieren, eine offene Debatte über dieses Thema würde das dargestellte Szenario erst provozieren. Aber kann man eine Lawine dadurch aufhalten, dass man sie ignoriert? Schließlich gibt es bereits viele Anhaltspunkte, die auf genau dieses Szenario hinweisen.

Der Kern dieser Problematik liegt, wie ausgeführt, an der Geldhortung. Bereits seit über 70 Jahren ist diese Thematik bekannt und praktikable Lösungsmöglichkeiten sind aufgezeigt. Ich fordere deshalb eine offene und ehrliche Diskussion über die Thesen der sogenannten Freiwirtschaftslehre die diese Thematik inhaltlich erklärt und Lösungsansätze aufzeigt.

Das Internet hat es ermöglicht, dass diese Wirtschaftstheorie auf einer breiten Basis verstärkt diskutiert wird. Die anhaltende, stereotyp wiederholte Aussage, dass nur allein höheres Wirtschaftswachstum der Arbeitslosigkeit Einhalt gebieten kann, zeigt doch, wie eingefahren die "Wirtschaftswissenschaften" bereits sind. Neue Sichtweisen sind nötig, denn Fortschritt kommt nur dadurch zustande, dass man bereit ist, gedankliche Grenzen zu überschreiten, anstatt unbedingt an traditionellen Ansichten festzuhalten.


http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/14347/1.html
Die Konsequenzen aus der Zusammenführung aller Themenbereiche sind mehr als erschreckend!

Was war nochmal der Grund für den kommenden Irak-Feldzug?
Diesen Artikel noch, dann ist erstmal Pause zum verdauen!

Das Ende der Gerechtigkeit

Die Frage, ob Chancengleichheit, Sozialpartnerschaft und Gerechtigkeit einen alten Hut darstellen, lässt sich nach der Analyse unseres Systems leicht beantworten: Diese, für den Einzelnen so entscheidend wichtigen Umstände, werden in unserer Welt weiter an Bedeutung verlieren, genauso, wie im gleichen Zug die Kapitalrendite zum alles beherrschenden Faktor werden wird. Doch damit nicht genug: Wir stehen in diesem Prozess vor gewaltigen Veränderungen, welche leicht im Zerfall unserer gewohnten Lebensumstände enden könnten. Ein deutliches Symptom für die Entwicklung ist der steigende Produktivitätsdruck.

"Bei der nur zu oft maßlosen Inanspruchnahme des Kredits vollzieht sich hier mit Hilfe des Bank- und Börsenkapitals in einer anscheinend planvollen Weise eine nationale wie internationale Verkettung der Privatunternehmungen, die in unserem Kriegszeitalter uns eines Tages einer Krise entgegen zu führen droht, wie sie kaum in der Geschichte der Völker schon erlebt wurde."

Prof. Ruhland, System der politischen Ökonomie, 1908

Der wachsende Produktivitätsdruck - Expansion bis zum Zerfall

Wer heute aufmerksam die Entwicklungen in der Welt beobachtet, muss feststellen, dass alle Abläufe immer schneller vor sich gehen. In diesem Prozess nimmt der Druck auf den Einzelnen ständig zu, weil die Produktivität immer schneller gesteigert werden muss, ohne dass man Rücksicht auf die Lebensbedingungen oder die Umwelt nimmt. Durch den zunehmenden Expansionszwang auf Unternehmen und Beschäftigte kommt es in der Gesellschaft zu einem gnadenlosen Ausleseprozess: Wer nicht den neuen Kriterien der selbsterklärten Leistungsgesellschaft entspricht, wird in das Heer der Arbeitslosen ausgestoßen. Weil die Entwicklung mit steigender Geschwindigkeit abläuft, enden letztlich immer größere Teile der Bevölkerung in einem wenig lebenswerten Zustand. Es verwundert deshalb wenig, dass eine Studie des Sozialwissenschaftlers Prof. Dr. Erler zu dem Schluss kam, dass die Armut "nach oben hin in die Mittelschicht hinein ausfranst". Es müsse davon ausgegangen werden, dass sich etwa zwei Drittel der Bevölkerung mindestens einmal im Leben in einer sozialen Lage wiederfinden, die als arm bezeichnet werden könne. Weil Unruhen die Rendite gefährden würden und das System möglichst lange Laufen soll, muss der Sozialetat ausgeweitet werden, um die Ausgestoßenen vorerst vor dem ansonsten sicheren Ende zu bewahren. Mit richtiger Sozialpartnerschaft, also Hilfen für unschuldig in Not Geratene, hat dies allerdings wenig zu tun, sondern letztlich wird durch solche Maßnahmen, wie wir noch sehen werden, nur an Symptomen herumgedoktert, nicht jedoch die Ursache davon beseitigt.

Die Sozialausgaben im Staatshaushalt steigerten sich dabei seit 1960 um mehr als 1800%. Jede dritte Mark muss inzwischen für die Sozialleistungen ausgegeben werden. Diese Lasten werden wiederum von denen eingefordert, welche noch im System integriert sind, womit deren Kaufkraft deutlich gesenkt wird.



Neben finanziellen Zuwendungen für die Ausgegliederten gewährt unser System der Bevölkerung parallel zum steigenden Erwerbsdruck in der Wirtschaft immer mehr Unterhaltung. Durch diese Ablenkung können Ablehnungserscheinungen gegen das System wenigstens eine Zeit lang wirksam unterbunden werden. Die Zahl der Fernsehübertragungen etwa von Sportveranstaltungen nehmen dabei seit Jahren in drastischem Umfang zu. Daneben kommt es zu einer Verrohung der Sitten, was sich in der Erwartung des Publikums an die Fernsehanstalten zeigt, mehr Sex- und Gewaltfilme zu senden.

Dabei ähnelt unsere Gesellschaftsentwicklung in gewisser Weise der des antiken Roms vor dem Zerfall: Als die Eroberungen nicht mehr ausreichten, um den Kapitalhunger des Zentrums zu stillen und damit in einem ähnlichen Prozess wie heute immer größere Teile der Bevölkerung aus dem System ausgestoßen wurden, versuchten die Machthaber, Unruhen durch Brot und Spiele, also Verteilen von Getreide und Gladiatorenspiele, zu verhindern.

Der Professor für politische Ökonomie, Ruhland wies bereits …


Auch unserem System prophezeite er, dass nach einer langen Zeit der Krisen und Kriege der Zusammenbruch erfolgen werde. Damit decken sich seine Erkenntnisse mit denen des Begründers der Massenpsychologie, Le Bon, der vor über 100 Jahren die Entwicklung der Kulturen erforschte. Er stellte dabei fest, dass schnell steigende Abgaben des Staates das frei verfügbare Einkommen der Bevölkerung reduzieren.

Damit sinke die Eigeninitiative des Einzelnen, was der Staat durch vermehrten gesetzlichen Zwang und weitere Abgaben auszugleichen versuche. In diesem Prozess verlieren die Menschen die Fähigkeit eigenständig zu handeln. Die Grundlage jeder Gemeinschaft, das Individuum, wird damit zerstört und der Staat muss früher oder später zerfallen.


Deutlich wird, dass eine unbegrenzte Steigerung der Produktivität durchaus als Indiz für eine ungesunde Entwicklung gesehen werden kann. Doch bestätigt diese Annahme auch der Vergleich mit natürlichen Ordnungen: Nachdenklich macht vor allem der Vergleich eines Wachstumsprozesses in der Natur mit der scheinbar grenzenlosen Entwicklung unseres Wirtschaftssystems:



Ein Lebewesen beispielsweise wächst am Anfang sehr schnell, wobei die Geschwindigkeit des Zuwachses mit zunehmender Zeit kleiner wird und das Wachstum beim Erreichen einer optimalen Größe ganz aufhört. Alle Systeme, welche in der Natur zu beschleunigtem Wachstum neigen, zerstören sich am Ende selbst: So vermehren sich etwa Tumorzellen mit zunehmender Zeit immer schneller im Körper des Menschen und verdrängen gesundes Gewebe, bis der Mensch mit dem Tumor zugrunde geht. Ordnungen, die nicht zu einem stabilen Zustand tendieren, sind damit im realen Raum zum Zusammenbruch verurteilt, da es in einer endlichen Welt kein unendliches Wachstum geben kann. Mathematisch lässt sich auch zeigen, daß ein exponentielles, also beschleunigtes Zinswachstum am Ende alle anderen Entwicklungsarten überholt. Auch kleine Zuwachsraten wirken sich letzlich massiv aus. Da unsere Ökonomie auf Wachstum basiert, muss es einen Fehler-Faktor geben, der zu einer beschleunigten Entwicklung zwingt.

"Exponentielles Wachstum ist trügerisch, weil schon bei relativ geringen Wachstumsraten in kurzer Zeit astronomische Zahlen erreicht werden."

Dennis Meadows, Die Grenzen des Wachstums

Die Ursache der Entwicklung - das explodierende Kapitalsystem

Die Grundlage unseres Wirtschaftssystems stellt das Geld als Tauschmittel dar. Es ist deshalb sinnvoll, den Störfaktor in diesem Bereich zu suchen. Geld wird heute jedoch nur dann weiterverliehen oder investiert, wenn ein ausreichend hoher Zins bezahlt wird.

Anhand einer einfachen Rechnung läßt sich jedoch zeigen, daß dieses Zinssystem mit zunehmender Zeit immer schneller ablaufen und damit instabiler werden und letztlich zerbrechen muss: Hätte jemand beispielsweise im Jahre 1 nur 1 Pfennig zu 5% Zins angelegt (bzw. 1 Pf. Schulden gemacht), würde diese Anlage im Jahre 1466 den Wert einer Erdkugel aus Gold und im Jahr 1990 bereits den Gegenwert von 134 Mrd. Erdkugeln aus Gold erlangt haben (Abb. 2). Heute wären daraus schon unvorstellbare 200 Milliarden Erdkugeln aus Gold entstanden. An dieser Entwicklung ändert auch die Inflation wenig, da eine erhöhte Preissteigerungsrate nur den Zins erhöht und damit die Entwicklung beschleunigt.




Abb. 3: Entwicklung einer Geldanlage von 1Pf durch 5% Zinseszins

Eine ähnliche Rechnung brachte der Investmentexperte Marc Faber, als er betonte, dass noch keine einzige wachsende Geldanlage je langfristig funktioniert hätte. Er nahm an, dass ein Dollar im Jahre 1000 zu 5% Zins angelegt worden wäre und kam zum Ergebnis, dass allein die Zinsgewinne dieses Vermögens heute das gesamte Bruttosozialprodukt der Welt um das vier Millionen fache übertreffen würde!

An diesen Beispielen wird deutlich, dass ein auf Zins aufgebautes System immer nur wenige Jahrzehnte funktionieren kann, bis es von neuem zusammenbricht. Da das Zinssystem nur begrenzte Zeit funktioniert, stellt es ein System mit Verfallsdatum dar.

Um diesen Ruin so weit wie möglich hinauszuschieben gibt es nur eine Möglichkeit, nämlich die gesamte Wirtschaft zu ständigem Wachstum anzutreiben, um die zur Verzinsung des Kapitals nötigen, anwachsenden Mittel erwirtschaften zu können. Den Zinsgewinnen auf der einen, stehen aber auch Zinslasten auf der anderen Seite gegenüber.
Aus diesem Grund explodieren in jeder Zinswirtschaft sowohl die Geldvermögen als auch die Schulden. Was jemand als Zinsgewinn für sein Vermögen verbuchen kann, muss automatisch ein anderer als Kredit nachfragen.
(Abb. 4).

Dabei sind die gesamten Geldvermögen und die gesamten Verbindlichkeiten des finanziellen Sektors (Staat, Unternehmen, private Haushalte und Banken) von 1995 bis 1999 inzwischen von über 15 Bio. DM auf etwa 22 000 Mrd. DM explodiert. Es verwundert deshalb wenig, daß bei diesem Wachstumszwang jede soziale Verantwortung zum Scheitern verurteilt ist, wenn nur noch die Erwirtschaftung einer immer größeren Rendite zum Zielobjekt wird.





Abb. 4: Entwicklung der gesamten Geldvermögen/gesamte Schulden finanzieller Sektor

Ein großer Irrtum ist es in diesem Zusammenhang, nur die Staatsverschuldung zu betrachten und nicht die Gesamtverschuldung (Schulden von Staat, Unternehmen und Privathaushalten). Dabei wird meist der Fehler gemacht, den geplanten Staats-Schuldenabbau von einzelnen Ländern, wie den USA, oder "Sparpakete" in der Politik mit einer Problemlösung gleichzusetzen. Es wird vernachlässigt, das ein Sektor, wie der Staat, seine Verpflichtungen nur dann abbauen kann, wenn ein anderer Bereich, wie die Unternehmen oder die Privathaushalte, entsprechend mehr Kredite nachfragen. Dies liegt daran, dass die Geldvermögen und damit die Gesamtschulden jedes Jahr um den Zinssatz wachsen müssen und jeder Mark Vermögen eine Mark Kredit entgegenstehen muss. Deshalb explodiert die Gesamtverschuldung der USA wie in jedem Land in gefährlich erscheinender Weise. Ein Abbau der Verschuldung wäre nur dann möglich, wenn auch die entsprechenden Geldvermögen in der gleichen Höhe reduziert würden, was jedoch in einem Zinssystem, in welchem die Vermögen um den Zinssatz jedes Jahr wachsen unmöglich ist.

Ein Schuldenabbau wäre also nur bei einer Änderung unseres Kapitalsystems möglich.

"Alle Menschen zerfallen, wie zu allen Zeiten so auch jetzt noch, in Sklaven und Freie; denn wer von seinem Tage nicht zwei Drittel für sich hat, ist ein Sklave, er sei übrigens wer er wolle: Staatsmann, Kaufmann, Beamter, Gelehrter."

Friedrich Nietzsche

Die Chancengleichheit verschwindet

Was in diesem Zusammenhang häufig vergessen wird, ist der Effekt der Vermögensanreicherung im Zinssystem, die alleine schon jede Chancengleichheit im Keim erstickt: Mit der Ausweitung der Geldvermögen werden diese automatisch in immer weniger Händen konzentriert. Wer viel Geld besitzt, kann dieses verzinst anlegen und am Jahresende noch mehr Zinsen verbuchen und wieder renditeträchtig anlegen. So wächst sein Vermögen nach der Zinseszinsrechnung immer schneller an, ohne dass damit ein größerer Leistungsaufwand für ihn verbunden wäre. mehr und mehr Kapital kommt aus diesem Grund immer dort zusammen, wo schon viel vorhanden ist. Auf der anderen Seite fehlt das Geld genau da, wo es gebraucht würde: Es fehlt Geld für Arbeitsplätze, Kultur oder für den Umweltschutz. Da dieser Umverteilungsmechanismus unabhängig von der Leistung des Einzelnen abläuft und die Verteilung von Möglichkeiten mit dem Geldbesitz in enger Verbindung steht, gewinnt eine Minderheit an Chancen, während die Mehrheit diese einbüßt. Da Geld heute wie eh und je Macht bedeutet, entsteht mit der Vermögenskonzentration zunehmend auch ein Gewaltenmonopol.

( welches wir gerade deutlich sehen! :mad: )

In einer UNO-Studie wurde 1996 bekannt gegeben, dass weltweit die 358 reichsten Milliardäre fast die Hälfte des Welteinkommens besitzen.

Würde man statt des Einkommens das Vermögen berücksichtigen, wäre der Gegensatz noch viel größer. Nicht nur weltweit, sondern auch innerhalb der reichen Nationen vollzieht sich eine große Verschiebung von Kapital in immer weniger Hände. Das Ergebnis dieser Umverteilung zeigt sich in der Vermögensverteilung der Bevölkerung: Im Jahr 1996 veröffentlichte die CDA (Christlich Demokratische Arbeitnehmerschaft - eine CDU Organisation), dass sich 80% des Produktivvermögens in Deutschland in den Händen von nur 3% der Bevölkerung befinde. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) berichtete 1997, dass sich ein Drittel des Nettogeldvermögens auf nur 6% der Haushalte konzentriert. Allerdings wurden bei der statistischen Erhebung gerade die reichen Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 35.000 DM und mehr nicht erfaßt. Jedoch soll sich nach einer überschlägigen Rechnung 40% des Geldvermögens gerade in der oberen Bevölkerungsschicht befinden, weshalb diese Analyse der Vermögensverteilung noch als sehr optimistisch gelten kann.

Auch in den USA geht es den meisten Amerikanern heute schlechter als vor 25 Jahren, weil der gesamte Vermögenszuwachs nur denjenigen zugute kam, welche schon vorher im Überfluß lebten. Es kommt damit zu einer Aufspaltung der Gesellschaft in wenige Reiche, denen alle Chancen offenstehen, und viele Arme, denen zunehmend die Möglichkeiten einer eigenständigen Entwicklung genommen werden. Als langfristig arm kann in diesem Zusammenhang jeder gelten, der weniger Zinserträge bekommt, als er jährlich indirekt bezahlen muss.

"In seiner majestätischen Gleichheit verbietet das Gesetz den Reichen wie den Armen, unter Brücken zu schlafen, in den Straßen zu betteln und Brot zu stehlen."

Anatole France, franz. Schriftsteller und Nobelpreisträger

Umverteilung von unten nach oben

Kaum bekannt ist in diesem Zusammenhang, dass die meisten Bürger wesentlich mehr Zins zahlen, als sie bekommen. Da ist einmal die Staatsverschuldung, für die jeder in Form von Steuern Zins erwirtschaften muss. Dabei müssen sich die öffentlichen Haushalte immer weiter verschulden, allein weil die Schulden nicht mehr getilgt, sondern nur die Zinsen durch Neuverschuldung bezahlt werden können. Auch muß der Staat um eine Rezession zu vermeiden in regelmäßigen Zeitabschnitten wieder Konjunkturimpulse durch Verschuldung setzen. Doch macht die Staatsverschuldung nur etwa ein Viertel der volkswirtschaftlich bedeutsamen Gesamtverschuldung aus, womit ein Abbau der Verbindlichkeiten in diesem Sektor keine Besserung der Lage bringt, wenn sich dann wie in den USA die Unternehmen umso höher verschulden müssen.

Die Verschuldung der Wirtschaft belastet ebenfalls die ganze Bevölkerung, weil die Zinslasten in Form erhöhter Preise an den Verbraucher weitergegeben werden, der die entsprechenden Kapitalkosten zu tragen hat. Auch die Wirtschaft ist im Zinssystem zur weiteren Kreditaufnahme gezwungen, weil ein zunehmender Wettbewerb im gesättigten Markt zu teuren Modernisierungen zwingt, um überhaupt noch in der Wirtschaft bestehen zu können. Eine indirekte Zinslast auf unverschuldetes Sachkapital kommt diesen Faktoren noch hinzu. Das bedeutet, daß ein Investor, der beispielsweise in eine Wohnanlage investiert, mindestens so hohe Mieterträge erwartet, wie die Verzinsung des Kapitals auf dem Geldmarkt einbringen würde. Durch diesen Effekt bestehen heute beispielsweise die Wohungsmieten zu 70 - 80% nur aus Zinskosten. Jetzt stellt sich die Frage, welche Zinslast jeder Bürger pro Jahr zu tragen hat. Die meisten Menschen denken, dass nur derjenige Zinsen zu zahlen hätte, welcher persönlich verschuldet ist. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit: Indirekt müssen wir auch für die Schulden der Gemeinschaft und der Unternehmen aufkommen.

Bei einer Gesamtverschuldung der nichtfinanziellen Sektoren (ohne Bankenbereich) von 11000 Mrd. DM kommt man pro Jahr auf Zinslasten von über 1200 Mrd. DM. Pro Privat-Haushalt sind das für das Jahr 20000 fast 35.000 DM. Jeder Haushalt muss also im Jahr auf 35.000 DM Einkommen verzichten, um die Zinsansprüche des Kapitals sicherzustellen. Dabei wird schnell klar, dass derjenige, welcher mehr als 35.000 DM im Jahr Zinsgewinn hat, mit dem jetzigen System Erträge erwirtschaftet. Alle anderen müssen für diese Gewinne arbeiten und selbst auf Einkommen verzichten. Je mehr Zeit vergeht, umso schneller wächst dieser Kapitalstrom von arm zu reich. Im Jahr 2010 wird die Zinslast pro Haushalt, bei fortgesetzter Entwicklung, bereits über 77.000 DM betragen. Es wird deutlich, daß der zu zahlende Schuldendienst schnell nicht mehr tragbare Ausmaße annehmen muss. Deshalb verwundert es wenig, wenn das Kapital zunehmend die Vorherrschaft über alle anderen Produktionsfaktoren gewinnt.

"Der Wucherer ist mit vollstem Recht verhaßt, weil das Geld hier selbst die Quelle des Erwerbs und nicht dazu gebraucht wird, wozu es erfunden ward. Denn für den Warenaustausch entstand es, der Zins aber macht aus Geld mehr Geld. ... Der Zins aber ist Geld von Geld, so daß er von allen Erwerbszweigen der naturwidrigste ist."

Aristoteles, griech. Philosoph

Das Kapital verdrängt den Wert der Arbeit

Dies zeigt sich insbesondere in der Entwicklung der Löhne und Gehälter im Vergleich zu den privaten Geldvermögen (Abb. 5).






Abb. 5: Entwicklung der Löhne im Vergleich zur privaten Geldvermögenszunahme




Während das Geldvermögen exponentiell anwächst, sinken die Nettolöhne seit einigen Jahren. Auch die Differenz zwischen Brutto- und Nettolohn wird immer größer, da Steuer- und Abgabenbelastungen des überschuldeten Staates für die Arbeitnehmer drückender werden.
Die privaten Geldvermögen haben sich dabei seit 1995 bis 1999 von 4600 Mrd. DM auf über 6000 Mrd. DM erhöht, während die Nettolöhne kaum eine Steigerung erfahren haben. Wie sehr sich bereits die Entwicklung verselbständigt hat, zeigt die Tatsache, dass der Zuwachs an neuem Geldvermögen zum größten Teil nur aus wiederangelegten Zinsen stammt.


Während der normale Erwerbstätige nur dann Vermögen bilden kann, wenn er einen Teil seines Arbeitslohnes spart, hat sich der Großteil des Geldvermögens in so wenigen Händen konzentriert, dass der jährliche Zinsgewinn nicht mehr verkonsumiert werden kann und automatisch wieder angelegt wird. Zunehmend erlangt man so mehr Reichtum nicht mehr durch Arbeit, sondern durch leistungslose Geldanlageformen vergrößert. Während 1970 noch zwei Drittel des Geldvermögenszuwachses wirklich aus Arbeitseinkommen angespart wurde, war es 1993 nicht einmal mehr ein Sechstel. Nach Angaben der Bundesbank stammten schon 1998 mehr als 80% des Geldvermögenszuwachses nur aus Zinsgewinnen. Die Verschiebung des Geldes von der Arbeit zum Besitz zeigt sich auch am verfügbaren Einkommen der Haushalte (Abb. 6). Seit 1970 ist ein stetig abnehmender Anteil der Nettolöhne am verfügbaren Einkommen der Haushalte erkennbar. Gleichzeitig steigt fast in gleichem Ausmaß der Anteil der Gewinne aus Geldvermögen und Unternehmen an.



Abb. 6: Anteil der Nettolöhne am verfügbaren Einkommen der Haushalte

In gleichem Maße wie die Arbeit an Bedeutung und Ansehen ver…

"Die Ängste der Menschen vor einer unüberschaubaren Welt, vor Mächtigen, die weder wählbar, noch abwählbar sind, vor anonymen Strukturen, müssen wir ernst nehmen. ... Es sollte nie vergessen werden, daß Freiheit sich nicht von selbst versteht, daß sie ersehnt, erkämpft und verteidigt werden muß".

Bundespräsident Rau zur Globalisierung

Globalisierung

Globalisierung heißt, dass sich das Geldkapital in kurzer Zeit von einem Ort zum anderen bewegen kann, um dort mehr Zinserträge zu erwirtschaften. Da jedoch Produktion und Arbeitnehmer nicht so mobil sind, wird sich zwangsläufig die Vorherrschaft der Kapitalbesitzer über Arbeit und Produktion verschärfen. Die Unternehmen sind dann immer mehr dazu gezwungen, mit dem Kapitalmarkt zu konkurrieren. Erbringt ein Betrieb nicht mehr die Mindestrendite auf dem Geldmarkt, wird er wegen "Unrentabilität" geschlossen - Arbeitslosigkeit für die Betroffenen ist die Folge. So wurde etwa beim Daimler-Benz Konzern bereits 1996 die Anweisung erlassen, dass alle Sparten des Konzerns eine Mindestrendite von 12% erwirtschaften müssen, anderenfalls würden sie abgestoßen. 12% Rendite bedeuten eine Verdopplung der Produktivität alle sechs Jahre - der Druck auf Angestellte und Arbeiter steigt damit ständig. Wie die globalen Großanleger den Vorrang vor der Sicherung von Arbeitsplätzen bekommen, zeigt folgendes Beispiel: Der Nahrungs- und Waschmittelkonzern Unilever kündigte wegen der Globalisierung an, in den nächsten Jahren weltweit 100 Fabriken und 25.000 Arbeitsplätze abzubauen. Die Maßnahme wurde indirekt damit begründet, dass der Nettogewinn zurückgegangen wäre, wegen der Ausschüttung einer Superdividende im Sommer vergangenen Jahres. Mit der Globalisierung müssen nun weltweit die Unternehmen in erster Linie mit dem mächtiger werdenden Kapitalmarkt konkurrieren - ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb entsteht, die Anforderungen werden in immer größere Höhen geschraubt, Löhne nach unten gedrückt, und immer mehr Menschen müssen infolgedessen auf der Strecke bleiben. Gleichzeitig kommt es zu einer beschleunigten Konzentrationswelle in der Wirtschaft. Das Transaktionsvolumen der weltweiten Unternehmensfusionen stieg 1997 im Vergleich zum Vorjahr, um 48% auf 1630 Mrd. US-Dollar. 1999 waren es bereits annähernd 3000 Mrd. Dollar. Durch die größere Kapitalbasis können Großkonzerne kleine Betriebe in einem ruinösen Wettbewerb in die Enge treiben. Mittelständische Unternehmen, welche den Großteil der Arbeitsplätze stellen, müssen bei steigenden Zinslasten aufgeben und ihren Marktanteil an einen Großkonzern abgeben, der damit seine Monopolstellung ausweitet. Bei der Übernahme wird der Betrieb zuerst durch Entlassungen "saniert" - Arbeitslosigkeit ist die Folge. Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, wies darauf hin, dass Fusionen oftmals nur deshalb stattfinden, damit sich der Konzern von bestimmten Sparten trennen kann. Ein oberstes Ziel der Firmenübernahmen stellt also schon von vornherein die Reduzierung des Personalbestandes dar. Zusätzlich kommt es zu einem Preisdruck auf andere Kleinunternehmer, die mit dem entstandenen Giganten konkurrieren müssen.

So schrumpfen beispielsweise die Gewinnspannen im Einzelhandel immer weiter. Große Ketten, welche vorher die kleinen Tante-Emma Läden ruinierten, werden nun selbst von Großkonzernen unter Druck gesetzt. Dies wirkt sich wieder auf die Hersteller, vor allem die Landwirte aus, die den Preisdruck auffangen müssen und dabei oft zugrunde gehen. Die Großkonzerne befinden sich wiederum in der Hand von Banken, bei denen sich die Kapitalkonzentration weiter fortsetzt. Es beginnt ein Verdrängungswettlauf um die weltweite Monopolstellung. Damit erhöht sich die Abhängigkeit der Unternehmen von wenigen Großbanken weiter. Wie gewaltig die Macht der Banken ist, wird beispielsweise an der Versechsfachung der Gewinne im Jahr 1998 deutlich. Auch die freie Meinungsbildung kommt bei diesem Prozess in ernste Gefahr, wie die Fusion des US-Konzerns Time Warner mit dem Internetanbieter AOL zum größten Medienkonzern der Welt am Anfang des Jahres 2000 zeigte. [ Und nun straucheln selbst schon die ersten Banken unter diesem Druck! ]
Durch steigende Arbeitslosigkeit kann dann der Druck auf die Angestellten und Arbeiter fast beliebig ausgeweitet werden, muss doch jeder ständig befürchten, bald selbst zu den Erwerbslosen zu gehören. Dabei gehen auch die Grundrechte, beispielsweise der Meinungsfreiheit, verloren: Nach einer Studie aus dem Jahr 1997 rechneten 85% der Mitarbeiter mit Nachteilen, falls sie im Betrieb offen ihre Meinung äußern würden. Jeder muss froh sein, überhaupt noch einen Arbeitsplatz zu besitzen, auch wenn er noch so schlecht bezahlt wird. So will beispielsweise die Siemens AG einen Teil der Beschäftigten tariflich ausgliedern, wobei man vorhat, den Lohn um 20% zu senken und gleichzeitig die Wochenarbeitszeit um 2 Stunden zu erhöhen. Durch diesen Prozess sollen sich die Lebensumstände der arbeitenden Bevölkerung in Zukunft drastisch ändern. Es wird kaum noch Jobs geben, die jemand auf Dauer ausüben kann. Durch zunehmenden Druck, Kürzung von Sozialhilfe und Entlassungen werden die Menschen dazu gezwungen sein, Zweit- und Drittberufe zu ergreifen. Ein erheblicher Anteil der Bevölkerung wird dabei ganz an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Aus diesem Grund mahnte der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation ILO an, klarzumachen, dass die Globalisierung nicht unumkehrbar sei, wie dies behauptet werde und die Entwicklung durch finanzpolitische Maßnahmen durchaus beeinflusst werden könne. Doch fordert die Vorherrschaft des Kapitals nicht nur von den Menschen immer größere Opfer, sondern auch die Umwelt wird zerstört und letztlich gerät das System durch diesen Prozess selbst in Gefahr.

"Der riesige Schuldenberg hat eine fatale Konsequenz: Rasant wachsende Zinsverpflichtungen des Staates müssen aus ständig steigenden Steuereinnahmen bedient werden. Dies ist ein Hauptgrund für den ökologisch schädlichen Wachstumszwang!"

Der Spiegel, 2.11.1998


Wirtschaftswachstumszwang

Viele stellen sich die Frage, warum die Wirtschaft überhaupt immerzu wachsen müsse, wo doch in der realen Welt nichts unbegrenzt größer werden kann, ohne letztlich zugrunde zu gehen. Nicht umsonst heißt es im Sprichwort: Kein Baum wächst in den Himmel! Weil jedoch die Kaufkraft der Bevölkerung begrenzt ist, muss durch immer aggressivere Werbung, schnell wechselnde Modeerscheinungen und Wegwerfprodukte ständig neues, künstliches Verlangen nach dem immer größer werdenden Produktionsberg geschaffen werden. So verzehnfachte sich die Anzahl der Werbespots im Fernsehen von 1986 bin 1997. Reichte vor 15 Jahren noch ein Auto pro Familie, kommt heute bereits das Dritt- oder Viertauto ins Gespräch. Wie fatal sich ein exponentielles Wachstum auf die Umwelt auswirkt, zeigt folgende Überlegung: Grob geschätzt reichen die vermuteten fossilen Energieträger beim heutigen Verbrauch noch 1000 Jahre. Bei nur 5% Steigerung des Verbrauchs jährlich, wären die Vorräte bereits nach 81 Jahren aufgebraucht. Unsere Wirtschaft muss deswegen wachsen, weil der Anteil des Vermögens, den die breite Bevölkerung an der Wertschöpfung hat, immer mehr zugunsten der Kapitalverzinsung zurückgedrängt wird. Die Unternehmen sind durch die explodierende Verschuldung dazu gezwungen, neben den Einsparungen auf dem Personal- und Umweltsektor die Produktionskapazität weiter zu steigern, um die Zinslast zahlen zu können. Bei einer Verzinsung von beispielsweise zehn Prozent, verdoppelt sich das zu bedienende Kapital alle sieben Jahre, bei sieben Prozent alle zehn Jahre. Am Anfang einer Volkswirtschaft, meist nach einem Krieg, ist der zu verzinsende Kapitalanteil noch klein und kann von den Unternehmen leicht durch ein kräftiges Wirtschaftswachstum bezahlt werden. Weil die Zinskosten exponentiell, also mit zunehmender Geschwindigkeit wachsen, kommen die Firmen mit laufender Zeit in Zahlungsprobleme, da im Gegenzug der Markt gesättigt und damit der Wettbewerb der Marktteilnehmer untereinander zunimmt. Das Einzelunternehmen kann deshalb den Gewinn nicht über höhere Preise steigern. Die einzige Möglichkeit, die ausufernden Kapitalkosten bedienen zu können, besteht darin, den Produktausstoß jährlich zu erhöhen. Diese Produktionserhöhung führt selbstverständlich zu einem wachsenden Energie- und Rohstoffverbrauch und einer Steigerung der Müllmenge.Volkswirtschaftlich lässt sich dieser Zusammenhang anhand einer Modellrechnung erklären: Der Zinsanteil an der Volkswirtschaft steigert sich durch den exponentiellen Zinseszinsprozess ständig, womit der Anteil, der den Produktivkräften (Arbeiter und Unternehmer) zufällt, immer kleiner werden muss.

Die arbeitende Bevölkerung würde ohne Wirtschaftswachstum innerhalb kurzer Zeit verarmen. Deshalb sind die Entscheidungsträger in Politik und Ökonomie bemüht, die Wirtschaftsleistung weitestnöglich zu steigern, um ein schnelles Absacken des Lebensstandards der breiten Bevölkerung zu verhindern und um den steigenden Anteil der Kapitalverzinsung in der Volkswirtschaft bezahlen zu können.

Es ist das gleiche, wie wenn ein Krebskranker sein Körperwachstum immer mehr steigern würde, damit der Anteil des wachsenden Tumors am Gesamtgewicht des Körpers konstant bliebe. Sobald sein Wachstum auch nur etwas langsamer oder aufhören würde, hätte das zur Folge, dass der Anteil der Tumorzellen letztlich die Überhand bekäme und das Ende nur noch eine Frage der Zeit wäre. Ohne Wirtschaftswachstum (Abb. 7) würde der Arbeitsertrag ständig kleiner werden und die Kapitalertragskurve (Wachstum Zinslast real sieben Prozent) bereits nach 34 Jahren sich mit der 0% Wachstumskurve schneiden, d.h. die gesamte Wertschöpfung müßte als Kapitalverzinsung aufgewandt werden. Das Wirtschaftssystem bräche spätestens dann zusammen.

Lineares Wachstum bedeutet, dass die Volkswirtschaft jährlich um den gleichen Betrag zunimmt, während beim Zinseszinswachstum (exponentielles Wachstum) die dazukommenden Beträge jedes Jahr um den Zins größer werden.


Abb. 7: Entwicklung der Kapitalverzinsung

Mit einem linearen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um real das 2,5 fache in 30 Jahren (wie in Deutschland seit 1960) steigt der Arbeitsertrag sogar 35 Jahre lang, erst dann holt die Zinskurve immer mehr auf, und nach 50 Jahren beansprucht die Kapitalverzinsung den größten Teil der Wirtschaftsleistung. Das trügerische am Zinssystem mit Wirtschaftswachstum ist, dass anfangs die lineare Steigerung des Bruttosozialproduktes größer ist als das exponentielle Kapitalwachstum (Wirtschaftswunder) - vorübergehend steigende Arbeitserträge sind die Folge, und die meisten denken, das Wirtschaftssystem sei in Ordnung. Jedoch steigert sich der Kapitalverzinsungsanteil immer schneller, und die Arbeitserträge sinken entsprechend. Trotzdem durchschauen die meisten Menschen bis zuletzt nicht den Wirkungsmechanismus und schwärmen von "den goldenen Sechzigern". Am Ende steht der (durch Wachstum verzögerte) Wirtschaftszusammenbruch begleitet von ökologischen Problemen. Bei einem reinen Zinssystem ohne Wirtschaftswachstum würde der Arbeitsertrag permanent kleiner werden - jeder könnte schnell erkennen, daß das System fehlerhaft ist. Dass sich inzwischen die Situation der Wirtschaft trotz kräftigem Wirtschaftswachstum kaum verbessert, wird daran deutlich, daß die 500 größten Unternehmen in Deutschland ihren Umsatz im Jahr 1999 um 9,5 Prozent, die größten 100 Betriebe sogar um 13,8 Prozent steigern konnten. Trotz dieses deutlichen Umsatzzuwachses ging der Gewinn pro Unternehmen um fast 18 Mio. DM zurück. Die Kapitalkosten sind inzwischen so hoch, daß auch ein starkes Wachstum die explodierenden Kosten nicht auszugleichen vermag.

"Blinde Gewinnmaximierung und kurzfristige Gewinnmitnahmen um jeden Preis haben in einigen Bereichen ein Feuer entfacht, dessen Größenordnungen noch gar nicht absehbar erscheinen. Wird das Geld nicht mehr verstanden als Mittel zur Erreichung gesellschaftlicher Ziele, sondern selbst zum eigentlichen Ziel, wird eine Ökonomisierung der Welt losgetreten, der Gesellschaft und Politik kaum mehr etwas entgegenzusetzen hat".

Weihbischof Reinhard Marx

Der drohende Zusammenbruch: Börsencrash

Mit der Modellrechnung aus Abb. 7 läßt sich auch sehr gut zeigen, warum und wie unser Zinswachstumssystem zusammenbrechen wird: Weil die Kapitalkosten für die Wirtschaft trotz Produktionszuwachs verglichen mit der Wertschöpfung immer größer werden, müssen die erzielbaren Erträge aus den Unternehmen allein wegen der Marktsättigung und zunehmenden Konkurrenzdruck kleiner werden. Die Rendite aus den Unternehmen sinkt deshalb seit 1990 um jährlich 1,3%. Bei sinkenden Zinsgewinnen lohnt es sich für das Kapital immer weniger, sich in der realen Wirtschaft investieren. Im Gegensatz zur realen Wirtschaft bietet allerdings der spekulative Sektor an den Börsen noch Gewinnpotential, weshalb es zu einem Börsenboom kommt (Abb. 8)



Abb. 8 Dow Jones Aktienindex

Weil durch weiter zufließendes Kapital die Kurse in ungeahnte Höhen getrieben werden und damit die reale Bewertung solcher Entwicklungen kleiner werden muss, kommt es früher oder später zum Börsencrash, wie die Beispiele der letzten Krisen von 1873 und 1929 eindrucksvoll zeigten. Durch einen zwangsläufigen Crash kommt entsteht zwangsläufig eine fatale deflationäre Abwärtsspirale.

"Wir waren ganz, ganz dicht an einer Kernschmelze des internationalen Bankensystems. Es war wirklich furchterregend. Die Russen wurden zahlungsunfähig, und der Hedge Fonds Long-Term Capital Management ging fast unter. Wenn die New Yorker Zentralbank nicht eingegriffen hätte, wären Kreditrisiken entstanden, auf die niemand vorbereitet war."

George Soros, Multispekulant zur Krise 1998

Die deflationäre Abwärtsspirale - verlorene Gerechtigkeit

Im Börsencrash entsteht eine große Unsicherheit auf dem Markt, weshalb niemand mehr bereit ist, Geld irgendwo zu investieren. Das Geld zieht sich deshalb aus der Wirtschaft zurück und wartet auf bessere Anlagemöglichkeiten. Durch einen Rückzug von Geld aus der Wirtschaft verfallen die Preise, weil das Gleichgewicht zwischen umlaufender Geldmenge und Warenangebot gestört ist. Sinkende Preise wiederum führen zu einer zurückhaltenden Kaufhaltung der Verbraucher, weil jeder geplante Käufe in Erwartung weiter sinkender Preise auf die Zukunft verschiebt. Dadurch kommen die Unternehmen in Schwierigkeiten, da der Umsatz einbricht. Diese sind deshalb dazu gezwungen, entweder Bankrott anzumelden oder Arbeitskräfte zu entlassen. Weil der Absatz stockt, müssen die Betriebe die Preise senken, was der Entwicklung weiteren Schub verleiht. Die entstehende Massenarbeitslosigkeit reduziert die Kaufkraft der Bevölkerung, weshalb der Unternehmensabsatz weiter einbricht. Gleichzeitig werden in einer Deflation die Schulden aufgewertet, weil der reale Kaufwert des Geldes durch sinkende Preise steigt. Viele Schuldner sind in dieser Lage nicht mehr dazu imstande, die Kredite zu bedienen. Die Banken greifen deshalb zum Mittel der Zwangsversteigerung, was die Realgüterpreise weiter stark unter Druck setzt. Dem verschuldeten Häuslebauer kann es dann leicht passieren, dass sein Haus zwangsversteigert wird, die Verkaufsumme jedoch nicht den Kredit abdeckt, weshalb er ohne Haus aber weiterhin mit Schulden auf der Straße steht. Auf der anderen Seiten haben diejenigen, welche schon vor dem Crash über viel Kapital verfügten nun die besten Bedingungen, da sie mit zunehmender Zeit immer mehr mit ihrem Geld kaufen können. Während der Faktor Arbeit nun vollkommen unattraktiv geworden ist, hat das Kapital die Vorherrschaft über alle anderen Werte erreicht. In einer solchen Situation entstehen leicht radikale Strömungen, welche in einem Krieg oder Bürgerkrieg enden können. Daß es dazu nicht kommen muss, zeigt eine lange zinsfreie Periode in unserer Geschichte: das Hochmittelalter.

"Im Mittelalter hatten die Menschen mehr Freizeit als heute. Im Schnitt hatte jedes Jahr 115 arbeitsfreie Feiertage"

Süddeutsche Zeitung, 6.4.1999


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Schlußbetrachtung

Die Werte von Chancengleichheit, Gerechtigkeit und Sozialpartnerschaft werden, wenn die derzeitigen Entwicklungen anhalten, langfristig völlig verschwinden und nur noch in den Erinnerungen der Menschen vorhanden sein. Ursache dafür ist ein wegen des Zinseszinsmechanismus auf ständige Expansion angewiesenes System, in welchem sich die Rendite langfristig nur dann aufrechterhalten lässt, wenn scheinbar überholte Werte verschwinden. Diese Entwicklung führt sowohl zu einer ungerechten, weil nicht mehr an die Leistung gebundenen, Vermögensumverteilung von unten nach oben, wie auch zur Globalisierung, in welcher der Druck auf die Erdenbewohner unvorstellbare Ausmaße annehmen wird. Am Ende wird sogar dieser steigende Arbeitszwang - bei sinkenden Löhnen - nicht mehr ausreichen, um die explodierenden Schulden zu bedienen. Wie schon immer in der Geschichte, zerfällt dann das System durch Kapitalmangel in einer deflationären Abwärtsspirale. Parallelen beispielsweise zum Untergang des antiken Roms lassen sich heute schon finden: Grenzenloser Reichtum weniger bei zunehmender Armut vieler wie auch Brot und Spiele, um Unruhen durch die Ungerechtigkeiten im System zu unterbinden. Es gibt heute keinen Grund, anzunehmen, dass unsere Gesellschaft ein anderes Schicksal zu erwarten hätte, wenn die momentanen explodierenden Entwicklungen im Kapitalsystem andauern. Im Gegenteil: Die entstandenen technischen Möglichkeiten erhöhen sogar das Risiko von Verzweiflungstaten, welche schnell in einer Katastrophe enden könnten.


Dass es nicht immer so war, zeigte die kulturelle Blütezeit im Hochmittelalter, in der 300 Jahre lang ein zinsfreies Geld umlief, welches sowohl die Armut beseitigte als auch zu einer Gesellschaft führte, in der Chancengleichheit und Gerechtigkeit nicht bloße Worte, sondern lebendige Tatsache waren. Unsere Verpflichtung ist es, aus der Geschichte zu lernen und eine Ordnung, wenn auch in moderner Form, zu schaffen, welche jedem die freie Entfaltung der Persönlichkeit ohne Druck und Zwang von außen ermöglicht, wie dies auch die Begründer des deutschen Grundgesetzes im Auge hatten.




Quelle:
http://www.geldcrash.de/Aktuelles/Artikel/Buchergilde/bucher…
Ach ne, einen noch, weil es so schön ist! :rolleyes:

http://ourworld.compuserve.com/homepages/RichterPeill/ipsieg…



Kriegskredite oder:

Kann Geld demokratisch kontrolliert werden?

Methodische Vorbemerkung

Das Thema enthält zwei zunächst voneinander unabhängige Fragen. Die Frage nach den Kriegskrediten reichte allein aus, mehrere Bände zu füllen, ohne auch nur ein Wort über Demokratie zu verlieren. Denn Kriegskredite bzw. Kriegsanleihen durch Staaten gab es auch schon in vordemokratischen Zeiten. Und es gibt sie heute in nicht demokratisch verfaßten Gesellschaften. Hier aber soll das Problem der Kriegskredite mit dem Problem der demokratischen Kontrolle von Geld und Kredit verbunden werden und die daraus sich ergebenden Probleme für demokratische Gesellschaften diskutiert werden.

Das bedeutet, daß im Zentrum der Analyse der Frage nach Kriegskrediten und demokratischer Geldkontrolle kapitalistische Gesellschaften mit demokratischen Verfassungen stehen. Man muß dabei bedenken, daß die demokratisch verfaßten kapitalistischen Staaten in einem von diesen selbst geschützten und sie überlagernden kapitalistischen Wirtschaftssystem existieren. Dieses staatenüberlagernde System schließt mit seinem spezifisch politischen Demokratiebegriff die demokratische Kontrolle der privaten Wirtschaftsmacht (zum Beispiel der für das Kreditwesen so wichtigen Banken) weitgehend aus, ja es denunziert und verfolgt sogar diejenigen Kräfte der Gesellschaft als demokratiefeindlich, die neben der weiteren Demokratisierung des Staates auch die der Wirtschaft verlangen. Außerdem muß bedacht werden, daß die kapitalistische Weltwirtschaftsordnung (wie sich im Faschismus zeigte) durchaus auch ohne Demokratie, unter Umständen sogar gegen sie aufrechterhalten werden kann, womit allein schon die begrenzten Möglichkeiten einer demokratischen Kontrolle des als Kapital fungierenden Geldes deutlich werden. Aber auf das als Kapital anzulegende Geld kommt es an, wenn man über die demokratische Kontrolle des Geldes die Kriegsgefahren vermindern, die Überschuldung ganzer Kontinente (die den Nord-Süd-Konflikt extrem verschärfen) und die Zerstörung des Ökologischen Gleichgewichts auf unserem Planeten vermindern oder gar verhindern will.

Sechs Thesen (die sich nicht auf das gesamte Kreditvolumen, sondern nur auf Kriegskredite und Kriegsanleihen beziehen - also exemplarisch das Problem der demokratischen Kontrolle von Kapital andeuten).

1.

Die Zeiten der offenen kolonialistische oder imperialistischen Kriege, die eine besondere Erwerbs- und Bereicherungsform der Mächtigen waren, sind offiziell vorbei. Somit gilt auch Krieg nicht mehr offiziell als Quelle der gewaltsamen Bereicherung. Aber wie die Eroberungskriege sind auch die heutigen "Friedenskriege" und Verteidigungskriege auf Sieg und Durchsetzung der Interessen der Sieger im besiegten Land angelegt. Es geht dabei um politische Einfluß- und wirtschaftliche Anlagesphären für das weltweit nach Anlage, nach Rohstoffen, Arbeitskräften und Märkten suchende Kapital.
Auch diese Kriege sind in der Regel nicht allein aus den normalen Steuern der Bürger finanzierbar. Es reichen auch nicht zusätzliche staatliche Kreditaufnahmen bei privaten Banken. Die Staaten sind im Kriegsfall immer auf zusätzliche Mittel angewiesen, gleichgültig, wie man diese zusätzlichen Mittel nennt. Meist sind es Kriegskredite bzw. Staatsanleihen für Rüstung oder Kriegsführung und können daher als eine Sonderform von Krediten betrachtet werden.
Hier nun spielen die demokratisch nicht kontrollierten Banken eine Rolle, die teilweise selbst Aktionäre in der Rüstungswirtschaft sind. Sie bieten ihren Kunden gern auch besondere Chancen privater Bereicherung durch Kriege. Die Gewinnchancen durch Kriegsanleihen können zu einem durchaus selbständigen Kriegsmotiv werden. Der zu erwartende Gewinn kann natürlich nicht primär aus der Waffen- und sonstigen Kriegsgüterproduktion gezogen werden. Primär fließt der Gewinn entweder aus inländischer Umverteilung (Steuerbelastungen, Geldentwertung) oder - im Falle des konkreten Krieges - aus dessen Destruktivkraft, die den Absatz und Umsatz der Produkte (vergleichbar den Totalschäden bei Autounfällen) extrem beschleunigt. Kriegsgefahr und Krieg sichern ständig die Nachfrage. Anschlußaufträge sind stets gesichert. Die Rüstungswirtschaft hat nicht einmal besondere Werbung nötig, allenfalls schmälern große Bestechungssummen für Politiker ihre Gewinne. Man erinnere sich an Lockheed. Aber reale Gegenwerte produzieren diese Waffen (im Gegensatz zu Maschinen für zivile Produktion) nicht. Der Gegenwert kann also nur aus den Taschen des eigenen Volkes oder des besiegten Landes, aus der errungenen Beute und der Ausbeutung der besiegten Bevölkerung bezahlt werden. Ein Krieg auf Kredit ist also ein Krieg, der mittels Zerstörung Gewinn erzielen soll, und dies mit dem Vorschuß derer, die Geld rentabel anlegen wollen. Siege begründen daher oft gewaltige Forderungen nach Reparationen, die im Siegerland gut verzinste Kreditrückzahlungen ermöglichen, und aus denen darüberhinaus billiges und spekulatives Gründerkapital geschöpft werden kann.

2.

Kriege sind in der Regel staatliche Kriege. Das liegt am staatlichen Gewaltmonopol. Privatkriege sind Bürgerkriege. Bei diesen kämpfen verfeindete soziale Klassen einer Gesellschaft mit Waffengewalt um das Gewaltmonopol im eigenen Staat. Oder - wie das bei den bewaffneten Kämpfen mafioser Gruppen der Fall ist - um Einfluß oder Einflußzonen im Staat, in Regionen oder in Städten und Gemeinden. Solche Privatkriege dienen auch der Gewinnerzielung, werden aber mit den meist kriminell erworbenen Vermögen der um die Macht ringenden Eliten und durch täglichen Raub finanziert. Staatliche Rüstung und Staatskriege zur Erzielung von privaten Gewinnen müssen dagegen legal - in der Regel über Banken - vorfinanziert werden. Rüstungs- und Kriegsfinanzierung schöpft aus verschiedenen Quellen:

A) aus Steuereinnahmen, b) aus Kriegskrediten bzw. Staatsanleihen (Kriegsanleihen), sozusagen Kriegsaktien, und c) aus eigenmächtiger Geldschöpfung, also Ingangsetzung der Druckerpresse.

Daß Staaten in Kriegszeiten häufiger als sonst die Notenpresse in Gang setzen, führt zwangsläufig zur Inflation, zur allgemeinen Geldentwertung durch überdimensionale Teuerung. Inflation ist die Methode, mittels derer der Staat seiner Bevölkerung nahezu unbemerkt einen Großteil ihres Einkommens aus der Tasche ziehen kann. Sie ist staatlich geduldeter oder gewollter Diebstahl am Volksvermögen, meistens am Ersparten der sog. "kleinen Leute". Kreditnehmer werden dagegen - wenn keine besonderen Maßnahmen dagegen getroffen werden - durch Inflation entschuldet, also reich. Denn die Schulden werden - wie die Ersparnisse - durch Inflation entwertet, werden geringer.

3.

Kriegskredite führen zur Bereicherung der Banken und der Rüstungswirtschaft, also vor allem der Rüstungsaktionäre. Zur Rüstungsindustrie gehören nicht nur Waffenschmieden wie vormals Krupp, heute Daimler Benz (Dornier), sondern auch Chemiekonzerne und sogar Textilindustrien. Die Waffen und sonstigen Kriegsmaterialien werden vom Staat in großen Massen gekauft und mit Steuergeldern oder Krediten bezahlt. An den Krediten verdienen diejenigen, die Geld genug zu haben glauben, es zu verleihen oder anzulegen. Der Staat ist Einkaufmonopolist. Die Rüstungswirtschaft ist ebenfalls hochgradig monopolistisch strukturiert. Wenige Großkonzerne sind im Geschäft, allerdings gibt es zahlreiche mittelständische Zulieferanten für die große Rüstungswirtschaft. Wenige Firmen sind in der Lage, Staatsaufträge großen Stils (z.B. Bau von Kampfflugzeugen) durchzuführen. Daraus ergeben sich Monopolpreise und Monopolgewinne für die Rüstungswirtschaft. Es bestehen im Rüstungssektor keine Marktstrukturen, es gibt keine Preiskonkurrenz, und auch demokratische Kontrollen sind, falls sie ansatzweise existieren - zumal in Kriegszeiten und im Bereich der Rüstung - in der Regel nicht vorhanden. Was als militärisch-industrieller Komplex bezeichnet wird, ist in Verbindung mit der Bankenmacht, die die Geldströme lenkt und die Politik maßgeblich beeinflußt, ein Kriegfaktor. Er könnte nur durch Demokratisierung, durch Transparenz und öffentliche, sprich demokratische Kontrolle entschärft werden.

4.

Es besteht auch die Gefahr der demokratischen Zustimmung zu abenteuerlicher Kriegspolitik. Das Arbeitsplatzargument, das "Gespenst" der ausländischen Konkurrenz, das in Wirklichkeit oftmals selbstgemacht ist, weil hinter dieser Konkurrenz die im Ausland gegründeten Filialen der Firmen aud dem eigenen Land steckt oder die Kapitalanleger des eigenen Landes. An vielen ausländischen Firmen sind längst deutsche Kapitalanleger im großen Maßstab beteiligt. Der in Krisenzeiten auflebende Nationalismus könnte in demokratischen Staaten auch Kriegspolitik mit breiter Zustimmung der Massen betreiben. Demokratie als formale Zustimmung von Mehrheiten zur Staatspolitik verstanden, garantiert demzufolge keinen Frieden. Dazu muß Demokratie inhaltlich in den Köpfen der Mehrheiten als Methode der Kriegsverhinderung, der Verhinderung des Machtmißbrauchs durch Kapitaleigner und Politiker verankert werden. Das Arbeitsplatzargument ist im Zusammenhang mit der Rüstung reine Demagogie, weil der Rationalisierungsgrad im Rüstungsbereich mit seinen uniformierten Massenprodukten besonders hoch ist, also gerade dort stark automatisiert wird. Dennoch bindet die Rüstungsindustrie viele hochqualifizierte und gutbezahlte Arbeitskräfte, die allerdings im friedlichen Sektor fehlen, weil der keine vergleichbaren Löhne zahlen kann.

5.

Wenn Krieg geführt wird, zumal siegreich, gibt es Kriegsgewinne. Wie aber lassen sich in Friedenszeiten durch Rüstungsgeschäfte Gewinne erzielen? Durch Rüstungswettlauf und ständige Innovationen. Vorzeitige Verschrottung alter oder angeblich veralteter Modelle und ihre Ersetzung durch Neue sichern die notwendigen Anschlußaufträge. Der Rüstungswettlauf zwischen der früheren UdSSR und dem Ostblock auf der einen und den USA und den NATO-Staaten auf der anderen Seite hat dem Westen tatsächlich (neben der Verarmung vieler Menschen auch in reichen Staaten) einige Vorteile gebracht, den Osten aber - wie den Süden - volkommen ruiniert. Warum? Weil der Westen mit seinem historischen Entwicklungsvorsprung unter Überproduktion (das heißt Absatzkrisen) und an Kapitalüberfluß (das heißt Mangel an profitablen Investitionsmöglichkeiten im zivilen Sektor) litt und noch immer leidet. Die Leiden konnten teilweise durch Rüstung und Kriege gemildert, ja in Vorteile für die Kapitalanleger verwandelt werden. Ländern aber, denen es an Kapital fehlte und fehlt, deren Produktionsniveau niedrig ist, deren Sozialordnung obendrein noch vom Willen beseelt oder der Notwendigkeit beherrscht ist, Arbeitsplätze, kostenlose medizinische Grundversorgung und jedem ein Dach über dem Kopf zu garantieren, müssen die Kosten für die Rüstung zu Lasten ihrer wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung aufbringen. Sie können slso durch einen gnadenlosen Rüstungswettlauf "totgerüstet" werden.

6.

Der medial herstellbare Irrglaube der Bevölkerungsmehrheit, Rüstung schaffe Sicherheit und die durch Rüstung geschaffenen Arbeitsplätze schafften Wohlstand, erschwert es, auf demokratischem Weg die Rüstungsrendite in eine Friedensrendite umzuwandeln, Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden. Wie das ermöglicht werden kann, bleibt eine Zukunftsfrage an die Demokratie.

Solange die zu erwartenden Gewinne aus der Rüstung sicher und zugleich überdurchschnittlich hoch sind, wird das nach Anlage suchende Geld in die Rüstungswirtschaft investiert. Selbst nach dem Zusammenbruch des Ostblockkommunismus, der bisher eine ideale Legitimationsbasis für Hochrüstungspolitik lieferte, ist es nahezu unmöglich, die Staatsausgaben für Rüstung einschneidend zu senken. Zwar werden Soldaten nach Hause geschickt, aber dies ist nur ein Ausdruck der allgemeinen Rationalisierung und Verschlankung, die nun auch im Maschinenpark der modernisierten Mordwaffen betrieben werden kann. Die weniger modernen Waffensysteme werden angelblich verschrottet. Aber erstens werden sie durch modernere ersetzt. Und zweitens wird ein Großteil illegal in Krisengebiete verkauft. Chancen auf tiefgreifende Veränderungen ergeben sich nur, wenn ein auf Frieden ausgerichtetes demokratisches Bewußtsein die Mächtigen im Staat und in den Chefetagen der Wirtschaft, insbesondere der Banken und der Rüstungswirtschaft, kontrolliert.
[/i]
Wer diese Zusammenhänge nicht sehen möchte, obwohl er sie erkennt, ist nicht wirklich ein Demokrat.

Denn er macht sich mitschuldig an den kommenden Kriegen.

Eine etwas andere Form von Appeasement.

Mouse, ist das alles nur Spinnerei von dubiosen Quellen, wie du es gerne hättest?
Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie Geld funktioniert.

Und was die negativen Begleiterscheinungen betrifft, wird alles unternommen, um Kritiker als Spinner darzustellen...

Und diese negativen Begleiterscheinungen wirken subtil, aber unmittelbar, direkt und umfassend!

Perfekt also!


Lietaer ist über jeden Verdacht erhaben:


Ganzheitliche Thesen von Bernard Lietaer, einem etablierten Banker, zum Thema Geld

Siehe auch Interview mit Bernard Lietaer:" Wie Geld nachhaltig wird"



Hintergrund von Bernard Lietaer
Bernard Lietaer war Präsident des elektronischen Zahlungssystems von Belgien. Eine seiner ersten Aufgaben bei der belgischen Zentralbank bestand in der Entwicklung und Einführung des ECU (European Currency Unit) Ende der Siebziger Jahre. Bernard Lietaer war zudem Direktor und Devisenhändler eines der größten und erfolgreichsten Offshore-Devisenfonds. Auf dem Gebiet der Währungspolitik bzw. -bewirtschaftung stand er einigen Entwicklungsländern beratend zur Seite. In seiner Geburtsstadt Leuven in Belgien lehrte Lietaer an der dortigen Universität "Internationale Finanzwirtschaft". Zur Zeit lebt Bernard Lietaer in Kalifornien und hält an der University of California in Berkeley eine Gastprofessur. Als einer von ganz Wenigen in der Finanzwelt kann Lietaer aus dem vollen Repertoire seiner praktischen Erfahrungen auf nahezu allen entscheidenen Gebieten des Themenkomplexes "Geld und Währungen" schöpfen. Gerade diese Eigenschaft macht Bernard Lietaer zu einem Wissenschaftler und Prakmatiker, bei dem es sich lohnt, zuzuhören.



Gier und die Angst vor Knappheit


Während in Wirtschaftsfachbüchern behauptet wird, daß Menschen und Firmen für mehr Weltmarktanteile und Rohstoffe im Wettbewerb stehen, behauptet Bernard Lietaer, daß sie in Wirklichkeit für höhere Profite kämpfen und Weltmarktanteile und Rohstoffe nur dafür benutzen.

Gier und die Angst vor Knappheit werden für Bernard Lietaer durch das jetzt praktizierte Geldsystem ständig erzeugt und vergrößert. Er führt als Beispiele an, daß man mehr als genug Nahrungsmittel für alle Menschen produzieren kann und es außerdem ganz ohne Zweifel genug Arbeit für jeden einzelnen gibt. Was wirklich knapp ist, ist das Geld, um dies alles zu bezahlen.


Somit liegt die Knappheit nach Ansicht von Bernard Lietaer in den nationalen Währungen selbst. Tatsächlich ist es die Aufgabe der Zentralbanken, diese Geldknappheit zu produzieren und aufrechtzuerhalten.

Die Folge ist, daß alle gegeneinander kämpfen müssen, um zu überleben. Geld wird geschaffen, wenn Banken es beschließen. Lietaer führt dazu folgendes Beispiel an: Wenn die Bank an einen Kunden einen Kredit von 100.000 Dollar gibt, ist dies nur der Teil, den der Kunde ausgibt und der dann in der Wirtschaft zirkuliert. Die Bank erwartet aber vom Kunden, daß er im Laufe der nächsten 20 Jahre für diesen Kredit 200.000 Dollar zurückzahlt, kreiert jedoch diese zweiten hunderttausen Dollar - die Zinsen - nicht selbst. Statt dessen schickt die Bank den Kunden in die feindliche Welt, um gegen jeden zu kämpfen, damit der Kunde die zweiten hunderttausend Dollar erarbeitet.
"Es müssen die einen verlieren, damit andere gewinnen. Einig…

Wenn also Banken die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden überprüfen, prüfen sie in Wirklichkeit, ob die Kunden in der Lage sind, gegen andere Menschen zu kämpfen und den Wettbewerb zu gewinnen, ob sie es schaffen, die zweiten hunderttausend Dollar aufzutreiben, die nicht von der Bank geschaffen wurden. Und wenn die Kunden es nicht schaffen, verlieren sie ihr Haus oder was immer sie sonst an Sicherheit angegeben haben.

Lietaer stellt folgende Frage: "Wollen Sie 100 Dollar jetzt oder in einem Jahr?" Die meisten Menschen würden sagen: "Jetzt", weil man dieses Geld risikolos auf die Bank bringen kann und dann etwas 110 Dollar ein Jahr später kassiert. Anders ausgedrückt: Wenn man jemandem 100 Dollar in einem Jahr anbieten würde, entspräche dies einem Barwert von etwa 90 Dollar heute. Das bedeutet, daß es bei dem jetzigen Geldsystem Sinn macht, Bäume zu fällen und das Geld auf die Bank zu bringen. Das Geld in der Bank "wächst" schneller als die Bäume. Es macht Sinn, schlecht isolierte Häuser zu bauen, weil die Kosten des zusätzlichen Energieverbrauchs niedriger sind als die bessere Isolierung. Man "spart" also Geld.

. . .

Seiner Ansicht nach versetzte die Erfindung des Schießpulvers im frühen 14. Jahrhundert die Fürsten in die Lage, ihre Macht zu zentralisieren.

Das erste, was sie taten, war das Monopol des Geldsystems durchzusetzen.

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Lietaers Theorie der Knappheit als unerläßliche Bedingung für das weltweit existierende Wirtschaftssystem basiert auf C.G. Jungs Theorie der kollektiven Psychologie.
Jung hatte bei seiner praktischen Arbeit festgestellt, daß bei seinen Patienten in den Sitzungen immer gleiche Inhalte und Verhaltensweisen im Unterbewußtsein verankert waren. Daraus schloß er, daß eine die individuelle Psyche überschreitende Dimension des Unterbewußten existierte - das "kollektive" Unterbewußte. Dabei tauchten wiederholt mythologische Motive auf, die unabhängig von Bildung und Erziehung des Einzelnen die gleichen waren - die sogenannten Archetypen.

. . .
Im Falle des Archetyps der Großen Mutter sind die typischen Eigenschaften "(...) das Mütterliche schlechthin, die magische Autorität des Weiblichen; die Weisheit und die geistige Höhe jenseits des Verstandes; das Gütige, Hegende, Tragende, Wachstum, Fruchtbarkeit und Nahrung Spendende; die Sätte der magischen Verwandlung, der Wiedergeburt (...); das Geheime, Verborgene, das Finstere, der Abgrund, die Totenwelt, das Verschlingende, Verführende und Vergiftende, das Angsterregende und Unentrinnbare."2


Nach Lietaers Auffassung ist genau dies auch der Fall. Der Archetyp der Großen Mutter wurde seit Beginn der bekannten Menschheitsgeschichte, seit 6000 Jahren, gewaltsam unterdrückt. Dies begann im Westen mit der indo-germanischen Völkerwanderung, verstärkt durch die Anti-Göttin-Haltung im Juden-und Christentum mit Höhepunkten in drei Jahrhunderten Hexenverfolgung bis hin zur Viktorianischen Epoche.
Der manifestierte Schatten in der Gesellschaft ist aufgrund des langen Zeitraums der Unterdrückung gewaltig.
. . .[sie] manifestieren sich nach Lietaers Theorie als Gier und Angst vor Knappheit. Jemand, der den Archetyp der Großen Mutter darstellt, d.h. ihn in seiner Persönlichkeit erkannt und integriert hat, der vertraut auf die Fülle des Universums; nur derjenige, der kein Vertrauen hat, braucht ein dickes Bankkonto.

"Der erste Mensch, der damit begonnen hat, als Schutz gegen …

Der Vorwand für Kommunikation

Die Angst vor Mangel, die Folge unseres Geldsystems, erzeugt Gier und das Horten von Geld. Dadurch wird dem Geldkreislauf Geld entzogen, was wiederum Knappheit und somit Mangel nach sich zieht (siehe auch Fließendes Geld und Heilung des sozialen Organismus). Dieser fatale Teufelskreis, der unermäßlichen Reichtum auf der einen und Armut auf der anderen (90% der Menschen betreffenden, siehe auch Die Kassen sind leer, wo ist das Geld?) Seite erzeugt, hat noch eine andere, zwischenmenschliche Folge. Es setzt neben dem Mangel an Geld auch der Mangel an Kommunikation ein.

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Lietaer führt aus, daß die heutige Geldordnung kaum noch etwas mit der realen Wirtschaft zu tun hat. 1995 betrug der Tagesumsatz der ausgetauschten Währungen weltweit die Summe von 1,3 Billionen (1300 Mrd) US-Dollar, was 30 mal mehr als das tägliche Bruttosozialprodukt aller entwickelten Länder der Welt zusammen ist.
"Das jährliche Bruttosozialprodukt der USA wird auf den Finanzmärkten in drei Tagen erreicht. Von diesem Volumen werden nur zwei bis drei Prozent für die reale Wirtschaft (Handel, Investitionen usw.) benötigt. Der Rest wird verschwendet im Spekulationsgeschäft des globalen Cyber-Casinos. Die reale Wirtschaft wurde degradiert zu einer reinen Dekoration auf dem Spekulationskuchen."5

Desweiteren zeigt Lietaer auf, daß die Regierungen keine Macht mehr haben und das wirtschaftliche wie politische Geschehen von den Finanzmärkten regiert wird. Wenn eine Regierung etwas beschließt, was den Finanzmäkten nicht gefällt, setzt einfach eine Finanzkrise in der betreffenden Währung ein wie 1991 bei den Briten, 1994 bei den Franzosen und 1995 bei den Mexikanern.

"Ein paar hundert Menschen, die weder gewählt wurden noch ir…

Eine 50/50 Chance sieht Lietaer, daß dieses labile Spekulationsgebäude in den nächsten fünf bis zehn Jahren einstürzen wird. Selbst wenn in dieser Krisensituation alle Zentralbanken beschlössen, zusammen zu arbeiten (was allerdings nie geschehen würde), und alle ihre Reserven einsetzten, um die Krise zu meistern, hätten sie doch nur Mittel in der Größenordnung der Hälfte des Tagesumsatzes der Finanzmärkte um die Währungen zu stabilisieren. Im Gegensatz dazu könnte sich der Tagesumsatz an einem Krisentag an den Finanzmärkten verdoppeln oder verdreifachen, so daß die Reserven sämtlicher OECD-Zentralbanken nur für zwei bis drei Stunden reichten.
Dabei würde es sich bei diesem Zusammenbruch nicht nur um eine Wirtschaftkrise, wie die z.B. von 1929, handeln. Die Tragweite wäre viel weitreichender. Lietaer führt als historisches Beispiel den Zusammenbruch des Römischen Reiches an, das auch die Römische Währung beendete. Allerdings dauerte es damals noch 150 Jahre, bis das ganze Römische Reich untergegangen war - heute würde es nur einige Stunden dauern.

. . .
Literatur:

1 Interview mit Bernard Lietaer in der Zeitschrift Zeitpunkt, Nummer 39, S.
2 C.G. Jung, Grundwerke, Bd.2., S.149
3 Interview mit Bernard Lietaer in der Zeitschrift Zeitpunkt, Nummer 39
4 ebd.
5ebd.
6ebd.
7ebd.
Museion 2000 - Kulturmagazin. Glaube, Wissen, Kunst in Geschichte und Gegenwart, Ausgabe 2/92

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung eines mit Bernard Lietaer geführten Interviews in der Zeitschrift Yes! Journal of Positive Futures. Sie erscheint vierteljährlich als werbefreies Themenheft und kostet im Abo US$ 31,- (Übersee). Yes, PO Box 10818, Brainbridge Island, WA 98110, USA.
Eine deutsche Übersetzung (von Erika Riemer-Noltenius) des Gesprächs mit Sarah van Geldern und Bernard Lietaer fand erstmals in der Nummer 39 der Zeitschrift Zeitpunkt statt.



http://www.holis.de/
Amerikas Macht wird gebrochen"
16.03.2003

"Sie spüren, sie sehen die Anzeichen des Niedergangs, aber sie wollen sie nicht wahrhaben. Das treibt sie paradoxerweise zu einer Politik, die Amerikas Vorherrschaft zerstören wird. Der Irak wird dafür die erste große Etappe sein. Das 21. Jahrhundert wird, anders als das 20., nicht amerikanisch sein."

Der französische Historiker und Demograf Emmanuel Todd über die Auswirkungen eines Irak-Kriegs, den Niedergang der USA als alleiniger Supermacht und die Emanzipation Europas


SPIEGEL: Monsieur Todd, die USA scheinen fest entschlossen, sich notfalls über den Sicherheitsrat der Uno hinwegzusetzen. Zeigt das nicht, dass die Supermacht Amerika tun kann, was sie will?

Todd: Für mich beweist eine solche Rücksichtslosigkeit eher, dass die USA am Verzweifeln sind, weil sie ihren Willen eben nicht mehr ohne weiteres durchsetzen können. Es ist keine Heldentat, wenn ein hochgerüstetes Land mit 290 Millionen Einwohnern einen 23-Millionen-Staat angreift, der total ausgezehrt ist, kaum noch über schlagkräftige Streitkräfte verfügt und dessen Bevölkerung zur Hälfte aus Kindern und Jugendlichen besteht.

SPIEGEL: Warum können Chirac, Schröder und Putin den Mann im Weißen Haus dann nicht aufhalten?

Todd: Die amerikanische Diplomatie hat eine verheerende Niederlage erlitten. Bush fürchtet die Lächerlichkeit, wenn er zurückweicht. Aber die Welt ist dabei, sich neu zu organisieren, an den USA vorbei. Ein Krieg gegen den Irak wird diesen Prozess nur noch schneller vorantreiben - für mich eine ziemlich atemberaubende Entwicklung, eine ungeheure Beschleunigung der Geschichte.

SPIEGEL: Läutet die Irak-Krise das Ende der unipolaren Welt ein?

Todd: Die uneingeschränkte Vorherrschaft Amerikas ist schon zerbrochen, und Bush kann sie nicht wiederherstellen, auch wenn er in Bagdad einen Pyrrhussieg erringt. Ich muss Ihnen übrigens ein Kompliment machen. Deutschland hat daran einen ganz beachtlichen Anteil.

SPIEGEL: Wie bitte? Bundeskanzler Schröder wurde im Wahlkampf wohl kaum von einer geostrategischen Vision getrieben.

Todd: Aber von der öffentlichen Meinung, und das Ergebnis ist eine strategische Veränderung. Wer hätte gedacht, dass Deutschland - ein halbes Jahrhundert lang ein Verbündeter ohne eigenen Willen - jetzt Nein zu Amerika sagen könnte? Washington hat es am wenigsten geglaubt. Das deutsche Nein hat auch Frankreich in seinem Verhältnis zu Amerika befreit. Chiracs Veto wäre ohne Schröders frühzeitige Festlegung nicht möglich gewesen. Für sich allein sind Frankreich und Deutschland mittlere europäische Mächte, zusammengenommen bilden sie eine Weltmacht.

SPIEGEL: Übertreiben Sie da nicht gewaltig? Neben der Uno ist doch die Europäische Union das Hauptopfer der Krise. Beide präsentieren sich gelähmt und gespalten.

Todd: Das geht vorüber. Viel entscheidender ist, dass Bushs außenpolitische Brutalität das müde deutsch-französische Paar richtig auf Trab gebracht hat. Hier entsteht ein neuer Pol in der Welt, der schon genug Dynamik entfaltet hat, um auch Russland an sich zu binden.

SPIEGEL: Handelt es sich nicht vielmehr um eine Zweckallianz, in der jeder der drei aus unterschiedlichen Motiven handelt und eigene Interessen verfolgt?

Todd: Diese Allianz mutet nur dann unwahrscheinlich an, wenn man noch in den ideologischen Kategorien des Kalten Kriegs denkt. Aber Russland ist kein gefährlicher Staat mehr, trotz seiner Gräuel in Tschetschenien. Es schreitet unverkennbar auf dem Weg der Demokratisierung fort. Hält man den alten Ost-West-Gegensatz für überwunden, erscheint es als völlig natürlich und normal, dass Frankreich, Deutschland und Russland sich zusammenfinden, um die hegemonialen USA im Nahen Osten einzudämmen.

SPIEGEL: Geht also der Streit um Krieg oder Frieden weit über den Irak hinaus? Steht Amerikas Macht in der Welt auf dem Spiel?

Todd: Saddam Hussein ist in dieser Kraftprobe kein autonomer Gegenspieler, sondern nur eine Bauernfigur, ein idealtypischer Finsterling. Er soll in einem symbolischen Kriegsakt weggeräumt werden, damit das verunsicherte Amerika sich seiner Macht vergewissern kann. Das macht diesen Krieg zu einer Ersatzhandlung. Sie soll das wahre Ereignis, den 11. September 2001 und die Erfahrung der amerikanischen Verletzlichkeit, mit einem Schlag auslöschen. Nur kann dieser Exorzismus nicht funktionieren.

SPIEGEL: Will Bush Amerikas verwundete Seele heilen?

Todd: Am Tag, an dem der Krieg beginnt, wird Amerikas Macht gebrochen sein. Die USA erfinden sich unbedeutende Feinde wie den Irak, weil sie mit aller Gewalt den Eindruck erhalten wollen, das Zentrum der Welt zu sein. Das weckt Angst, und die Angst schafft diplomatische und politische Gegengewichte. Insofern ist es ganz bezeichnend, dass im Uno-Sicherheitsrat nicht alle einfach gekuscht haben Die Uno hat sich behauptet, keinesfalls selbst lahm gelegt.

SPIEGEL: Bricht Ihre ganze Theorie nicht in sich zusammen, wenn der Feldzug schnell und glatt verläuft und die Iraker die US-Soldaten wie Befreier bejubeln?

Todd: Oh, ich halte ein solches Szenario durchaus für vorstellbar. Aber es ändert nichts an meiner Analyse. Ein Befreier kann nach einer gewissen Zeit sehr wohl als Besatzer empfunden werden, gegen den sich Widerstand regt. Die USA können den Irak besiegen, aber nicht auf Dauer unter Kontrolle bringen.

SPIEGEL: Weil eine Neuauflage des Kolonialismus heute nicht mehr möglich ist?

Todd: Auch die Kolonialherren glaubten an ihre zivilisatorische Mission, so wie Bush die Verbreitung der Demokratie predigt. Er verkennt dabei den inneren Widerspruch seiner Politik, die vorgibt, Demokratie und Freiheit in die arabische Welt zu bringen, im selben Atemzug sich aber bedenkenlos die Freiheit nimmt, notfalls gegen die Charta der Vereinten Nationen und gegen den Willen der internationalen Gemeinschaft zu verstoßen. Ich glaube, dass diese US-Regierung ein gestörtes Verhältnis zur Demokratie hat.

SPIEGEL: Im Umgang mit ihren Partnern vielleicht, da sie nach der unglückseligen Maxime handelt, wer nicht für sie sei, sei gegen sie. Aber im Innern ist doch die amerikanische Demokratie nicht ernsthaft gefährdet.

Todd: Da wäre ich mir nicht so sicher. Die US-Gesellschaft ist von vielfältigen sozialen und kulturellen Brüchen durchzogen. Der Zusammenhalt schwindet. Ein großer Teil der Bevölkerung geht nicht mehr zur Wahl. Die Elite befindet sich in einer Krise. Neben die alten demokratischen Prinzipien ist etwas Neues getreten - ein oligarchisches, plutokratisches, militaristisches System, das um sich schlägt, wenn es sich in Bedrängnis wähnt.

SPIEGEL: Und was soll diese Verwandlung von einer wohlwollenden zu einer repressiven Hegemonialmacht ausgelöst haben?

Todd: Das allmähliche Bewusstwerden ihrer eigenen Schwäche und ihres Niedergangs. Die USA hatten die neunziger Jahre wie in einem realitätsblinden Rausch erlebt. Der Kommunismus war besiegt, totgerüstet, wie man sich gern einredete, die neoliberale Globalisierung triumphierte. Jetzt werden die Amerikaner in einem schmerzhaften Prozess mit der Wirklichkeit konfrontiert. Das theatralische militaristische Gestikulieren dient dazu, diesen Prozess zu verdrängen und zu verschleiern. Das ist das klassische Symptom einer Großmacht im Abstieg.

SPIEGEL: Die absolute militärische Macht der USA ist doch eine Realität.

Todd: Sie werden sehen, dass sich die Welt mit militärischen Mitteln nicht mehr beherrschen lässt. Die Amerikaner werden irgendwann aus dem Persischen Golf verschwinden müssen. Der wahre, fundamentale Antagonismus, der dahinter zum Vorschein kommt, ist der heraufziehende Konflikt zwischen der Wirtschaftsmacht Europa und der Militärmacht Amerika.

SPIEGEL: Da kann es doch kaum Zweifel geben, wer daraus als Sieger hervorgehen wird. Ist der von Ihnen behauptete Niedergang Amerikas nicht höchst relativ?

Todd: Natürlich sind die USA immer noch die stärkste Macht der Welt, aber sie werden ihre Position als alleinige Supermacht verlieren. Es kann gut sein, dass schon die Expedition gegen den Irak die finanziellen Ressourcen der USA überfordert. Washington kann sich seinen gigantischen Militärapparat auf Dauer nicht mehr leisten.

SPIEGEL: Präsident Bush will den Verteidigungshaushalt für 2004 wieder erhöhen, um 4,1 Prozent ...

Todd: ... und die Defizite explodieren. Wenn dieser Krieg ohne Ermächtigung der Uno stattfindet, werden die Europäer sich nicht an den Kosten beteiligen. Der Golfkrieg 1991 wurde bezahlt, zu einem guten Teil von Deutschland und Japan. Diesmal werden die USA die Zeche allein zu tragen haben.

SPIEGEL: Den Krieg können die Amerikaner allein gewinnen. Brauchen sie für den Frieden und den Wiederaufbau Hilfe?

Todd: Sie können keine Besatzungsmacht von 200 000 Soldaten jahrelang im Irak belassen. Das US-Militär scheut die Präsenz am Boden. Das hat sich im Kosovo genauso wie in Afghanistan erwiesen. Wenn Washington aber nach seinem Sieg die Uno, die Nato und die EU zu Hilfe ruft, ist es nicht mehr alleiniger Herr im Land. Die USA brauchen die Welt, von der sie abhängig geworden sind, sie haben nicht genug Geld, sie produzieren nicht genug Güter, ihre industrielle Schwäche ist eklatant, aber sie wollen in der Illusion weiterleben, dass sie unersetzlich für die Welt sind.

SPIEGEL: Das ist doch keine Illusion. Die USA sind nach wie vor eine unverzichtbare Lokomotive der Weltwirtschaft. Ihre Wirtschaft ist robuster, wächst schneller, schafft mehr Jobs als die europäische.

Todd: Das täuscht. Das Problem der USA ist die schleichende Entindustrialisierung. Die europäische Industrieproduktion übertrifft die der USA bei weitem, auch in der Spitzentechnik. Airbus ist dabei, Boeing zu überholen. Die amerikanische Gesellschaft konsumiert mehr, als sie produzieren kann.

SPIEGEL: Das heißt, sie lebt auf Kredit?

Todd: Das Defizit in der Handelsbilanz ist dramatisch angestiegen - von 100 Milliarden Dollar 1990 auf fast 500 Milliarden heute. Vom Volumen her ist das ohne Beispiel in der Geschichte. Die USA sind abhängig geworden vom internationalen Finanzzustrom. Der Rest der Welt schießt ihnen Geld vor, damit sie weiter importieren und konsumieren. Aber das kann nicht ewig gut gehen. Bald platzt auch diese Blase.

SPIEGEL: Gilt Amerika den internationalen Anlegern nicht immer noch als sicherster Hafen für ihr Kapital?

Todd: Die Dollar-Schwäche ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass dieses Vertrauen schwindet. Die Bilanzskandale großer Unternehmen, eine fragwürdige Wirtschafts- und eine unverantwortliche Haushaltspolitik beginnen die Investoren zu verschrecken. Selbst US-Experten sagen der Regierung Bush eine fiskalische Krise größten Ausmaßes voraus.

SPIEGEL: Nur ist das kein Grund zur Schadenfreude, Europa und der Rest der Welt würden davon nicht unberührt bleiben.

Todd: Ja, es ist absolut beängstigend, dieses Umkippen der USA vom Ordnungs- zum Unordnungsfaktor mitansehen zu müssen. Amerika war über ein halbes Jahrhundert die Lösung für die Welt, jetzt ist es zum Problem geworden. Das 21. Jahrhundert wird, anders als das 20., nicht amerikanisch sein.

SPIEGEL: Unterschätzen Sie nicht, wie so viele Europäer, die Dynamik der USA, ihre Regenerationsfähigkeit, ihre Kraft, sich nach Rückschlägen wieder voller Optimismus aufzurichten?

Todd: Der Glaube an Amerikas innere Kraft könnte sich als einer der gefährlichsten Irrtümer der Gegenwart herausstellen. In Wahrheit sind es die europäischen Länder, die sich immer wieder aufgerichtet haben. Frankreich, diese alte Nation, hüpft seit über tausend Jahren wie ein Tennisball durch die Geschichte. Deutschland hat sich mehrere Male erholt, nach dem Dreißigjährigen Krieg, nach den napoleonischen Feldzügen, nach 1945. Russland ist dabei, seinen Kurs wiederzufinden. Amerika dagegen hat in den über 200 Jahren seines Bestehens im Grunde nur eine Erfahrung gemacht: dass es immer nach oben geht.

SPIEGEL: Und jetzt zweifelt es an sich selbst?

Todd: Bush und sein Team sind gefährlich, weil sie sich der Realität widersetzen. Sie spüren, sie sehen die Anzeichen des Niedergangs, aber sie wollen sie nicht wahrhaben. Das treibt sie paradoxerweise zu einer Politik, die Amerikas Vorherrschaft zerstören wird. Der Irak wird dafür die erste große Etappe sein.

SPIEGEL: Sie haben 1976 in Ihrem ersten Buch die Auflösung des Sowjetsystems vorausgesagt. Sind Sie jetzt nicht dabei, am Beispiel Amerika einem schwarzen Geschichtsfatalismus zu erliegen?

Todd: Sie haben Recht, es gibt keine Fatalität in der Geschichte. Vielleicht beruhigen sich die Regierenden in den USA wieder, vielleicht bleibt Bush eine Episode, vielleicht findet Amerika zu sich selbst zurück, zu seiner Demokratie und seiner wirtschaftlichen Umstrukturierung ...

SPIEGEL: ... und wenn nicht?

Todd: Dann bekommen wir es mit einer Nation zu tun, die ihr Gleichgewicht verloren hat, ihre Ressourcen erschöpft hat, fundamental unproduktiv bleibt, sich deswegen immer räuberischer benimmt - und die Welt mit ins Desaster reißen kann.

SPIEGEL: Monsieur Todd, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Quelle: Spiegel

Und nochmal Creutz:

http://www.sozialoekonomie.info/Zeitschrift_fur_Sozialokonom…



Helmut Creutz:
Wirtschaftliche Triebkräfte von Rüstung
und Krieg


"Wenn der Friede die Frucht der Gerechtigkeit ist, dann ist der Konflikt, die kriegerische Auseinandersetzung, die Frucht der Ungerechtigkeit. Tatsächlich waren fast alle Kriege der letzten Jahrhunderte Wirtschaftskriege."
Adolf Paster


1. Einleitung

Alle Kriege, zumindest in unseren Zeiten, sind letztlich als Wahnsinn anzusehen. Das gilt in einem ganz besonderen Maße für jene auf dem Balkan, deren Voraussage in den 80er Jahren und auch noch unmittelbar nach der Wende in Mittel- und Osteuropa nur Kopfschütteln ausgelöst hätte.

Wie aber kommt es heute noch zu solchen barbarischen Auseinandersetzungen in einer sich als zivilisiert bezeichnenden Welt? Wie kann es geschehen, dass Menschen, die über Jahrzehnte friedlich zusammengelebt haben, auf einmal einander Gewalt antun? Wie kam es zu jener mehr als zehn Jahre dauernden jugoslawischen Tragödie?

Geht man diesen Fragen intensiver nach, dann stellt sich heraus, dass dieses Blutvergießen keinesfalls nur eine Folge der dortigen ethnischen Gegebenheiten war. Auch mit der wechselvollen Geschichte dieses Landes hat es nur bedingt zu tun.

Vielmehr hängt es entscheidend mit bestimmten ökonomischen und monetären Gegebenheiten und Fehlentwicklungen zusammen, die auch in früheren Zeiten und an anderen Orten zu Bürgerkriegen oder grenzüberschreitenden gewaltsamen Auseinandersetzungen führten.

Bevor wir uns mit diesen speziellen Gegebenheiten in Jugoslawien näher befassen, sollen darum einige Gedanken zu den angesprochenen wirtschaftlichen Gründen für Frieden oder Krieg vorausgeschickt werden.

2. Ungerechtigkeit und Unfrieden in der Geschichte [Übersicht]

So weit wir wissen, war das Auf und Ab der Kulturen und Epochen immer wieder von Kriegen begleitet. Liest man manche Geschichtsbücher, dann scheint die Entwicklung der Menschheit oft nur aus einer Kette von Kriegen zu bestehen, von Kriegen, bei denen es vor allem um die Eroberung von Land und Bodenschätzen ging, um die Beherrschung wichtiger Handelswege und ganzer Völker. Verständlich, dass die Humanisten und Aufklärer der beginnenden Neuzeit immer wieder die große Hoffnung formulierten, dass fortan alle Menschen durch den technischen Fortschritt zu Wohlstand gelangen und im "ewigen Frieden" (Kant) miteinander leben könnten.

Und die Klassiker des Liberalismus entwickelten die dazu passende Vorstellung von einem ökonomischen Interessenausgleich zwischen den Individuen auf freien Märkten.

Bei ihrem Modell einer Marktwirtschaft versäumten Adam Smith und die anderen liberalen Klassiker aber darauf zu achten, dass allen Menschen der Boden und seine Schätze zu gleichen Bedingungen zugänglich werden. Und indem sie das Geld als ein bloß neutrales Tauschmittel betrachteten, übersahen sie, dass mit dem Geld auch eine strukturelle Macht verbunden ist, die auf den Märkten die Menschen immer wieder in Ärmere und Reichere spaltet.

Während sich aufgrund dieser Gegebenheiten in wenigen Händen große Geld- und Sachkapitalvermögen akkumulierten, vor allem durch die Wirkungen von Zins und Zinseszins, entstand im 19. Jahrhundert auf der anderen Seite ein armes Industrieproletariat. Trotz vielfältiger technischer Arbeitserleichterungen, die hundert Jahre vorher kaum vorstellbar waren, kam es zu keiner allgemeinen Ausbreitung des neuzeitlichen Wohlstands. Neben der wachsenden Kluft zwischen Reichtum und Armut wiederholten sich immer wieder Krisen und Konjunktureinbrüche, deren Folgen überwiegend von der Mehrheit der abhängig Beschäftigten zu tragen waren.


Zu solchen Einbrüchen kam es vor allem dann, wenn sich währe…


[ 1: Genau das ist passiert: Denkt mal an unser vagabundierendes Kapital, welches schon weltweit auf der Suche nach dem letzten Prozent Rendite ist, und bei Minimaler Veränderung der Rahmenbedigungen sofort flüchtet und lokale Krisen auslöst- Rußland, Asien 1998, Südamerika, 2002 dieverse weiter Beispiele

und 2: an die Entwicklung der Börsen die letzten Jahre. Ein Hype ist meistens das Ende einer solchen Suche nach Rendite ]

Die Folge waren sogenannte Reinigungs- oder Gesundschrumpfungskrisen, die zu einer partiellen oder breiteren Vernichtung von Kapital bzw. zumindest einer deutlichen Unterbrechung der Kapitalbildung führten.

Damit konnten die Zinsen wieder steigen und die Konjunkturzyklen von neuem beginnen – bis zur nächsten Krise.

Doch nicht nur durch die allgemeinen Wirtschaftskrisen und zivilen Kapitalvernichtungen wurde immer wieder Raum für neue Investitionen und Geldanlagen geschaffen, sondern auch durch marktfremde Güterproduktionen wie vor allem die Rüstung und noch mehr natürlich durch kriegerische Zerstörungen.

Eine andere Möglichkeit, Raum für neue Investitionen zu schaffen, war die Herrschaftsausweitung der europäischen Länder auf die übrige Welt, vor allem im Zuge kolonialer Eroberungen in Übersee, die gleichzeitig mit der Ausnutzung billiger Rohstoffquellen und Arbeitskräfte sowie der Ausweitung der Absatz- und Wachstumsmärkte verbunden war.

. . .


Auf die Zusammenhänge zwischen Krieg und Zinshöhe hat auch der große englische Dichter George Bernhard Shaw während des Zweiten Weltkriegs aufmerksam gemacht:

"Ich verabscheue den Krieg und sehe keinen Unterschied an Grauenhaftigkeit zwischen den Bombardierungen Londons, Neapels und Kölns. Sie alle sind abscheulich für mich. Damit stehe ich nicht allein. Alle Kapitalisten, die ich kenne, hassen den Krieg genau so wie ich. Anzunehmen, dass einer von uns wohlüberlegt ein angezündetes Streichholz in ein Pulvermagazin schleudern würde, damit der Zinssatz um zwei oder drei Prozent steigt, ständen in krassestem Widerspruch zur Natur des Menschen und zu den nackten Tatsachen ... Und trotzdem folgt auf zweieinhalb Prozent mit der gleichen Gewißheit Krieg, wie die Nacht dem Tag folgt." [3]

Und der schweizerische Theologe Karl Barth hat diese Beziehungen zwischen Zins, Kapital und Gewalt auf folgenden Nenner gebracht:

"Wo nicht der Mensch, sondern das zinstragende Kapital der Gegenstand ist, dessen Erhaltung und Mehrung der Sinn und das Ziel der politischen Ordnung ist, da ist der Automatismus schon im Gang, der eines Tages die Menschen zum Töten und Getötetwerden auf die Jagd schicken wird." [4]

Doch trotz all dieser Erfahrungen und Warnungen blieb das zinstragende Kapital auch nach dem zweiten Weltkrieg weiterhin das `goldene Kalb`, um das sich alles Wirtschaften drehte, auch wenn man manche Rüstung durch andere letztlich fragwürdige Investitionen und Produktionen ersetzen konnte und manche kriegerischen Auseinandersetzungen alten Stils durch ein ständiges Wirtschaftswachstum, das in vielen Fällen zu einen Krieg gegen die Natur ausartete.
Gerhoch Reisegger

Die wahren Ursachen des drohenden Irak-Krieges


“Wenn eine Lüge nur groß genug ist und ständig wiederh…


In den US-Medien wird der wahre Grund des geplanten Irak-Krieges gänzlich verschwiegen: es geht um die Währung im Öl-Geschäft. Die US-Regierung will um jeden Preis verhindern, daß andere OPEC-Länder dem Beispiel des Irak folgen und den Euro als Standard einführen. Dies würde das Ende der US-Vorherrschaft bedeuten. Da der Irak über die zweitgrößten Ölreserven verfügt, wollen die USA aus strategischen Gründen sich in den Besitz dieser Ölvorkommen setzen, damit das OPEC-Kartell durch eine sehr stark hochgefahrene Ölförderung im Irak gebrochen werden kann.

Jede andere Lösung würde die US-Wirtschaft massiv gefährden, da sie allein auf der Vorherrschaft des Dollars als Reserve-Währung beruht, mit der die USA faktisch ihren ungeheuren Öl-Hunger gratis stillten: das Privileg der USA seit 1945 besteht ja darin, daß sie „Dollar produzieren“ – eben „fiat-money“* – und der Rest der Welt Güter, die gegen diese „Petro-Dollar“ getauscht werden.

Inzwischen muß ja aufgefallen sein, daß es keine internationale Unterstützung für den Sturz Saddam Husseins gibt. Auch die ständigen Wiederholungen der USA werden nicht mehr ernst genommen, daß “Saddam die Welt täusche”, obwohl er bisher alle UN-Forderungen zu erfüllen bereit war, und die Tatsache, daß 300 Waffeninspektoren nichts fanden, was irgendwie mit den behaupteten „Massenvernichtungs-Waffen“ (MVW) zu tun hätte. Trotz aller Rhetorik konnte Bush bzw. seine CIA die Welt auch nicht überzeugen, daß Saddam Hussein und Al Qaeda etwas miteinander zu tun haben. – Warum wohl?

Weil der einzige Grund Saddam zu stürzen seine Entscheidung vom November 2000 ist, statt Dollar in Zukunft Euro zu nehmen. Damit hatte er sein Schicksal besiegelt. Bush – als der Öl-Industrie verpflichtet – hat sozusagen deren geo-strategische Sicht[1] bezüglich des Öls, womit ein „fabrizierter“ zweiter Golfkrieg seither in der Luft liegt, darüber hinaus droht der ohnedies schwerstens angeschlagenen US-Wirtschaft der tödliche Stoß, wenn der Euro zur Öl-Währung avancieren sollte.

Daß der Irak auch seine 10 Mrd.$ Reserven bei der UNO (vom Programm „Öl-für-Nahrung“;) in Euro umwandelte, war eine Draufgabe. In diesem Krieg geht es eben nicht um Saddam oder MVW, sondern auch darum, die OPEC einzuschüchtern (auch den anderen Regierungen könnte das Schicksal Saddams drohen) bzw. direkt zu hindern, dem Beispiel des Iraks zu folgen. Dieser hatte sich zum Euro entschlossen, als er bei 80 Cents lag, um wie viel eher liegt ein Umstieg nahe, nachdem der Dollar an die 20% seines Wertes gegenüber dem Euro seit Ende 2002 einbüßte?[2]

Was wäre wenn … die OPEC plötzlich – statt geordnet (d.h. schrittweise) - auf Euro umstiege? – Nun, alle Öl-verbrauchenden Staaten und deren Zentralbanken müßten die „Währungs-Reserven“ von Dollar auf Euro umstellen. Der Dollar würde sofort bis zur Hälfte seines Wertes verlieren – mit den entsprechenden Folgen (u.a. ungeheurer Inflation) für die US-Wirtschaft, die ein derartiger Zusammenbruch der Währung nach sich zöge. Eine Flucht aller ausländischen Anlagen aus dem Dollar – den Aktien und Dollar-bezogenen Wertpapieren – würde einen Sturm auf die Banken wie in den 30-er Jahren auslösen, das Außenhandelsdefizit wäre nicht mehr aufrechtzuerhalten und der Staatshaushalt würde faktisch bankrott sein, usw. Die Krise Rußlands, Lateinamerikas, mit einem Wort der „Dritten Welt“, das Schicksal der Ersten[3].

Vor dem Öl-Problem, das weit über den Irak hinausgeht – und Iran, Saudis, Venezuela inkludiert - und der Aufrechterhaltung des Reserve-Währungs-Status des Dollars ist wohl alles andere nebensächlich. Die Gefahr für den Dollar ist so groß, daß selbst kurzfristige Probleme für die US-Wirtschaft – ein Euphemismus angesichts der Lage - in Kauf genommen werden, um den drohenden Crash des Dollars abzuwenden, der mit einem Umstieg der OPEC auf Euros unvermeidlich wäre. Die Rolle Rußlands, Indiens, Chinas im „Großen Spiel“ scheint klar zu sein, wie ja mit dem Ausbau der „Landbrücken“ hinreichend gezeigt wurde.





Bisher beherrschten die USA die anderen Länder durch ihre Währung, sie monopolisieren den Welthandel. Man kann darauf wetten, daß der „Militärisch-industrielle Komplex“ der USA die bisherigen Abweichungen vom „Pfad der Tugend“ wieder rückgängig machen wird / will: zurück zum Dollar. – Wenn ...

Eine weitere in US-Medien nicht kolportierte Geschichte über die „Achse des Bösen“ ist der Umstand, daß auch der Iran daran denkt, Öl gegen Euros zu verkaufen[4]. Die Iranische Zentralbank ist dafür, überhaupt jetzt, wo der Euro stärker geworden ist. Im Jahr 2002 hat sie übrigens den Großteil ihrer Reserven in Euros umgetauscht[5]. Das ist ein starkes Indiz für den Wechsel zum Euro als Öl-Währung[6]. Wen wundert es also, daß der Iran das nächste Ziel in „Kriege gegen den Terror“ ist?

Venezuela, viertgrößter Öl-Produzent und ebenfalls OPEC-Mitglied, könnte dem Beispiel Iraks folgen. Hugo Chavez hatte auch bereits begonnen, Bartergeschäfte mit den Nachländern zu schließen, Öl gegen dringend benötigte Güter, wobei der (dem Lande mangelnde) Dollar aus dem Transaktions-Zyklus effektiv ausgeschaltet wurde. Auch er braucht sich keine Sorgen machen, daß die US-Regierung weiter gegen ihn konspirieren wird. Wegen der laufenden Ereignisse hatte Bush ohnehin schon im April 2002 den gescheiterten Militär-Putsch gutgeheißen, bei dem gewiß die CIA aktiv als Drahtzieher beteiligt war.[7] Aber das könnte Venezuela schneller dazu bringen, auf Euro umzusteigen – und damit gerade das bewirken, was die USA am meisten zu verhindern trachteten.

Alarmierend und in den US-Medien ebenfalls völlig totgeschwiegen sind die Umschichtungen – vom Dollar zum Euro - bei den Währungsreserven ausländischer Regierungen: China, Venezuela, wie erwähnt Iran und einige andere OPEC-Länder und kürzlich auch Rußland![8]

Nord-Korea entschied sich ebenfalls am 7. Dezember 2002, offiziell anstelle des Dollars den Euro als Handelswährung einzuführen[9]. Neben gewiß politischen Ursachen dürfte dies auf das US-Öl-Embargo zurückzuführen sein, welches das Land hart getroffen hat. Man erhofft sich vielleicht einen „Handel“ mit den USA: wieder die benötigten Güter zu bekommen, wenn man die jüngsten Entscheide zurücknähme. (Was das Atomprogramm Nord-Koreas betrifft, erwies sich damit einmal mehr die amerikanische Verlogenheit in Bezug auf die MVW-Vorwürfe an den Irak.)

Javad Yarjani, Chef des Öl-Markt-Analyse-Departments der OPEC, hielt im April 2002 in Spanien eine sehr beachtete Rede[10]. Sie setzte sich mit der Frage der Öl-Währung der OPEC in Bezug auf Dollar und Euro auseinander. (Auch diese Rede wurde in den US-Medien zensuriert.)

Er erwähnt u.a.:

„In den späten 90-ern gehen mehr als 4/5 der Währungstransaktionen und die Hälfte der Welt-Exporte auf Dollar-Rechung. Daneben stellt die US-Währung 2/3 der offiziellen Welt-Währungsreserven. Die Abhängigkeit der Welt vom US-Dollar für ihren Handel sah die Länder an Dollarreserven gefesselt, die völlig außerhalb jedes Verhältnisses zu Amerikas Anteil an der Weltproduktion stehen. Der Anteil des Dollars am Welthandel ist viel höher, als der Anteil des US-Welthandels. ... Die Euro-Zone hat einen größeren Anteil am Welthandel als die USA, und während die USA ein riesiges Außenhandelsdefizit haben, hat die Euro-Zone eine ausgeglichene Position. ... Im übrigen ist zu bemerken, daß die Euro-Zone auch ein viel größerer Öl- und Ölprodukte-Importeur als die USA ist.“ ... „Kurzfristig werden die Mitgliedsländer der OPEC weiterhin Dollarzahlungen akzeptieren. Die OPEC wird aber die Möglichkeit einer Fakturierung und Bezahlung in Euro in Zukunft nicht ausschließen. ... Sollte der Euro die Stärke des Dollars herausfordern, was im wesentlichen bedeutete, ihn als Zahlungsstandard für Öl-Rechungen mit einzubeziehen, dann könnte dies bedeuten, daß ein System entstünde, das langfristig vielen Ländern dient. Mit einer erweiterten europäischen Integration und einer starken europäischen Wirtschaft könnte dies vielleicht Realität werden.“ ...

Diese grundlegende Rede und die kommende EU-Erweiterung im Jahr 2004 – 450 Millionen Menschen und ein BIP von ca. 9,5 Billionen – könnte ein Anstoß für die OPEC sein auf den Euro umzusteigen. Hier ist aber noch nicht einmal das Potential von England, Norwegen, Dänemark und Schweden als Mitglieder der Währungs-Union inkludiert, die sie ja derzeit noch nicht sind. Seit April – als diese Rede gehalten wurde – hat sich die Dollar-Euro Relation umgekehrt, und wie es aussieht, wird der Dollar weiter fallen.

Sollte sich Norwegen entschließen, sein Brent-Öl in Euros zu fakturieren und England tatsächlich den Euro einführen, wären dies die Wendepunkte für die OPEC, ebenfalls zum Euro zu wechseln. Für Norwegen könnte das schwedische Votum einen Vorbildcharakter haben, dem sich Dänemark nicht entziehen würde. Der springende Punkt ist also – wieder einmal – England, ob der Euro international Reserve-Währung werden könnte. Nichtsdestoweniger ist einiges in Bewegung, was der Dominanz des Dollars entgegenwirkt. Bereits Mitte des Jahrzehnts könnte die OPEC so weit sein zu wechseln.

Dies würde die US-Wirtschaft hart – um nicht zu sagen: tödlich - treffen, da sie auf´s Engste mit der Rolle des Dollars als Reserve-Währung verbunden ist. Insbesondere dann, wenn sie nicht endlich ihre strukturellen Anpassungen macht, wofür die Zeit und Umstände inzwischen eigentlich zu knapp bemessen erscheinen. Das Ergebnis eines Zusammenbruchs des Dollars würde schließlich bewirken, daß die USA und die EU die Rollen in der Welt-Wirtschaft tauschen, was wohl nicht im Sinne der USA ist. – So könnte die massive US-Drohung mit der militärischen Macht die Ereignisse in den OPEC-Staaten doch eher bestimmen.

Es ist aber so, daß die egoistische US-Politik - "America first" -, die Mißachtung von Völkerrechts-Verträgen, der aggressive Militarismus, den Bogen überspannt haben. Die offene Kriegshetze von Bush hat die USA gezeigt, wie sie tatsächlich sind: Kriegstreiber seit eh und je, die sich nun erklärterweise auch nicht mehr um eine Zustimmung des UN-Sicherheitsrats kümmern und nach eigenem Gutdünken losschlagen.

Das Ende der US-Vorherrschaft wird aber schließlich kommen. Mit dem Militär alleine ist sie nicht aufrechtzuerhalten. Im Gegenteil, dies ist das Zeichen der Schwäche und des Niederganges. Der französische Historiker Emmanuel Todd, der den Untergang des sowjetischen Imperiums 1976 voraussagte hat dies in ähnlicher Weise für das amerikanische getan. Hauptgründe werden also – aus oben Gesagtem – sein: ein zu hoher Ölpreis und eine starke Abwertung des Dollars.

Außer den bereits erwähnten politischen Risiken, bedeutet insbesondere die angeschlagene Wirtschaft Japans eine große Gefahr. Japan könnte – wegen eines Krieges – einen über längere Zeit anhaltenden höheren Ölpreis (45$/barrel) nicht verkraften. Würden Banken krachen, und wegen ihrer außerordentlichen (100%-igen) Abhängigkeit vom Öl die Wirtschaft zusammenbrechen, hätte dies eine Kettenreaktion in Südostasien und in weiterer Folge in Europa und Rußland zur Folge. Und das würde die USA in derselben Weise treffen.

Wie sind einige der Rahmenbedingungen?

Der US-"war on terrorism" hat, soweit man sieht, bereits jetzt riesige Defizite zur Folge – und dazu ein historisch höchstes Handelsbilanz-Defizit.


Viele Entwicklungsländer folgen dem Beispiel Venezuelas und Chinas (und anderer Länder), ihre Dollar-Währungsreserven gegen Euros (und Gold) zu tauschen.


Die OPEC könnte auf Euro umsteigen – oder eine eigene Öl-gedeckte Währung schaffen. [Terra] Die anderen Aktivitäten in der islamischen Welt bezüglich eines Gold-Dinars – von Malaysias Premier Mahathir sehr gefördert - sind noch nicht einmal ausgelotet.


Entwicklungsländer mit geringen Dollar-Reserven beginnen ihren Handel auf Barter-Geschäfte umzustellen, indem sie mit Computer-unterstützten Tauschgeschäften ihre unterbewerteten Grundstoffe handeln (Venezuelas Präsident Chavez hat dreizehn solcher Öl-Barter-Verträge geschlossen).


Die USA könnten nicht länger ihr Handels-Defizit (5% vom BIP) finanzieren und auch den angeblichen, weltweiten Krieg ohne Ende „gegen den Terror“ nicht fortsetzen.

Über die Probleme der US-Wirtschaft haben wir schon so viel gesagt, daß es hier nicht nötig ist darauf nochmals einzugehen.

Was die (US-)Eliten ja verstehen, aber sonst nicht allgemein bekannt sein dürfte, ist der Umstand, daß die Stärke des Dollars per se nicht auf der Leistung der US-Volkswirtschaft beruht. In Wahrheit beruht sie seit 1945 auf dem Privileg, internationale Reserve-Währung zu sein - und als fiat-Währung für die weltweiten Öl-Transaktionen (Petro-Dollar) verwendet zu werden. Die USA drucken Hunderte Milliarden dieser fiat-Petro-Dollar, die dann von den Nationalstaaten zum Kauf von Öl/Energie bei den OPEC-Produzenten (mit Ausnahme des Irak und einiger noch zaghafter Versuche Venezuelas und demnächst wohl des Iran) verwendet werden.

Diese Petro-Dollar werden dann von der OPEC zurück in die USA über Treasury-Bills oder andere Dollar-bezogene Werte wie US-Aktien, Immobilien, etc. rezykliert. Dieses Rezyklieren der Petro-Dollars ist der Preis, den die Ölproduzenten zu bezahlen und den sich die USA für ihre bisherige Duldung des OPEC-Kartells ausbedungen haben.

Der Dollar war und ist das globale Instrument der USA schlechthin, und nur der USA[11], die per „fiat!“ produzieren konnten. Der Dollar, eine fiat-Währung, ist trotz des US-Handelsbilanz-Rekorddefizits und der gigantischen Schulden (die USA sind die am meisten verschuldete Nation) auf einem 16-jährigem Hoch. Der Welthandel ist also ein Spiel, bei dem die USA Dollars „produzieren" und der Rest der Welt erzeugt Güter, - die man mit dem Dollar kaufen kann!


Dieser Absatz ist außerordentlich wichtig, nicht nur weil e…


Dollar-Hegemonie

Per definitionem müssen die Dollar-Reserven in US-Anlagen investiert werden, womit ein Überschuß im Kapital-Verkehr für die US-Wirtschaft entsteht. Sogar nach einem Jahr scharfer Korrekturen sind die US-Aktien immer noch auf einen 25-Jahres-Hoch, wobei sie mit einer Prämie von 56% im Vergleich zu aufstrebenden Märkten gehandelt werden. Der Überschuß der US-Kapital-Bilanz (von ausländischen Investitionen) finanziert damit das Defizit der Handelsseite. Darüber hinaus ist jeder in Dollar geführte Wert, unabhängig von seiner Lokation, effektiv ein US-Wert. Wenn Öl also aufgrund der staatlichen Aktionen in Dollar gehandelt wird, und der Dollar ein fiat-Geld ist, besitzen die USA effektiv die Welt-Ölvorräte zu ihrer freien Verfügung. Und je mehr die USA „greenbacks“ (Dollar) produzieren, umso höher steigt der Preis für US-Werte. Somit bedeutet eine Politik des starken Dollars in doppelter Weise für die USA einen Gewinn.

Diese gegenwärtige ungerechte Situation mit der US-Wirtschaft ist aber nur so lange aufrechtzuerhalten, als:

die Völker das nötige Öl und andere Lebensnotwendigkeiten weiter auf Dollarbasis nachfragen und bezahlen,


die fiat-Reserve-Währung für weltweite Öl-Geschäfte der Dollar – und nur der Dollar - bleibt.

Die Einführung des Euro ist aber ein neuer wesentlicher Faktor, und er erscheint als die hauptsächlichste Bedrohung der wirtschaftlichen US-Hegemonie.

Angesichts dieser Lage wird Amerika den Irak-Krieg führen, Saddam stürzen und dann eine gigantische Ausweitung der irakischen Ölproduktion beginnen, um den Ölpreis nach unten zu drücken, womit man das OPEC-Kartell zu zerstören hofft - und damit die Möglichkeit das Ölgeschäft auf Euros umzustellen unterbindet. Darum geht es also beim „Kriege gegen den Terrorismus“. Wie das inszeniert wird ist auch klar: die USA sagten es ja bereits. Eine US-Militärregierung im eroberten Irak wird dies sicherstellen und als erstes den Irak wieder zum Dollar zurückführen. Dann kann eine Marionetten-Regierung wie in Afghanistan „regieren“. Selbstverständlich werden die Ölfelder vom Militär „geschützt“, damit die Bush-Junta die Förderung bis zur fünffachen der heutigen hochfahren kann, womit alle OPEC-Länderquoten (für den Irak insgesamt 2 Millionen Fässer pro Tag) gesprengt würden. (Wer würde – und könnte aus wirtschaftlichen Gründen - freiwillig seine Quote reduzieren?)

Während des Programmes „Öl-für-Nahrungsmittel“ hat der Irak in 5 Jahren für 60 Mrd.$ Öl verkauft, das sind weniger als 1 Mio. Faß/Tag. Nach entsprechenden Investitionen in die Förderanlagen könnte das auf 7 Mio. pro Tag (2,5 Billionen barrel/Jahr) gesteigert werden. Bei einer Weltproduktion von 75 Millionen/Tag und OPEC 25 Mio./Tag ist klar, daß dies die OPEC vernichten, und weiters daß der Ölpreis auf vielleicht 10$/b. sinken würde, Damit sparten sich die Öl-importierenden Länder 375 Mrd.$ pro Jahr bei ihrer Ölrechnung.

So heißt es auch: "The Iraq war is not a moneymaker. But it could be an OPEC breaker." (Der Irak-Krieg ist kein Geschäft, aber der Zerstörer der OPEC.)

Diese Überlegungen werden natürlich auch von den Betroffenen angestellt. Was die USA betrifft, so wäre in diesem gefährlichen Spiel das die „beste Möglichkeit“, die dabei herauskommen könnte, wenn alles glatt liefe. Ob aber die OPEC tatenlos zusieht, wenn die USA das irakische Öl auf Teufel-komm-raus zu fördern planen, was ihrem Selbstmord gleichkäme, ist mehr als fraglich. Daß dies nicht der Fall sein dürfte, zeigen auch die weltweiten Widerstände gegen das US-Vorgehen (wobei den Menschen in den Massendemonstrationen diese Zusammenhänge kaum bewußt sind), die praktisch die politischen Initiativen bis hin zu den Erpressungsversuchen der USA de facto scheitern ließen.

Die OPEC wird also aus Selbsterhaltungsgründen das Öl auf Euros umstellen. Diese Entscheidung wäre das Ende der US-Dollar-Hegemonie, - und das Ende des Supermacht-Status.

Der Economist schrieb vor einem Jahr vom Paradox der amerikanischen Macht[12], die zwar auf lange Sicht nicht ernsthaft gefährdet werden könne, aber vor Herausforderungen stünde, die es geraten erscheinen ließen, „Koalitionen“ mit anderen Staaten einzugehen, um nicht mit bloßer Gewalt, sondern mit „soft power“ die Welt dazu zu bringen, das zu tun, was Amerikas Wille ist. Die Argumentation ist eine Mischung aus Wahrheit und Desinformation, Analyse und Drohung.

Interessant ist aber die Betrachtung der „drei Arten der Macht“. Es sind dies:

die militärische Ebene,


die wirtschaftliche und


die „transnationalen Beziehungen jenseits der Kontrolle der Regierungen[13]“

Das ist gewiß richtig, aber doch kaum neu, denn Carl Clausewitz oder Sun-Tsu im frühen China, haben wohl ihre Beurteilung der Lage nicht bloß auf die zahlenmäßige Stärke der Streitkräfte ausgerichtet, und schon die Feststellung Clausewitz´, daß der Krieg die Fortsetzung der Politik unter Beimischung anderer – militärischer – Mittel sei, zeigt dies deutlich.

Nye sieht die militärische Macht der USA als „unipolar“ an; sie allein sind in der Lage, atomare und konventionelle Streitkräfte weltweit zu „projizieren“, d.h. damit zu drohen – und Krieg zu führen. Das mag heute so erscheinen, aber noch funktioniert die „Rote Armee“ mit ihren Atomraketen, und China ist einfach zu groß, als daß es von der US-Militärmacht besiegt werden könnte. Die diesbezügliche Ungewißheit liegt wohl darin, daß sowohl Rußland als auch China, als Kulturvölker, es kaum auf eine Probe auf´s Exempel ankommen lassen; womit die amerikanische Drohung[14] – noch – wirkt.

Bei der zweiten Dimension, der wirtschaftlichen – räumt Nye ein, daß sie multipolar sei: Europa, Japan und die USA stünden für 2/3 der Welt-BIP. – Dies ist aber bereits eine verzerrte Sicht mit monetaristischen Größen und einem fiat-Geldsystem. Amerika ist wie wir gezeigt haben – entgegen der Darstellung Nyes – in Wahrheit bankrott. Es lebt von den nicht bezahlten Importen vom Rest der Welt. Obwohl hier „Multi-Polarität“ eingeräumt wird, ist Amerika gerade hier am tödlichsten bedroht.

Die dritte Dimension, die transnationalen Beziehungen, sind ebenfalls ein eigener Fall. Die Rolle der Banken wird geradezu bescheiden neben Hacker und Internet gestellt. Sie ist aber überwältigend und in Quasi-Friedenszeiten das bevorzugte US-Kriegsmittel zur Destabilisierung fremder Länder. Hier erzählt Nye von einer „weitgestreuten Macht, und es hat keinen Sinn, hier überhaupt von Unipolarität, Multipolarität oder Hegemonie zu sprechen“.

Nun, dieses Herunterspielen einer anonymen Macht (des Dollars), die natürlich eine eindeutige Adresse hat, gehört zu den Arkana der US-Politik. Wo man nicht weiß, wo oder von wem man angegriffen wird, ist die Gegenwehr schwierig, wenn nicht unmöglich.


Aber hier spielen die USA, oder sollte man präziser sagen: die „Ostküste“, eine dominante Rolle. Sehen wir z.B. die Lage in Japan an. Um seine Finanz- und Schuldenprobleme zu lösen, müßte Japan nur etwa eine Billion Dollar (1.000 Mrd. $) an amerikanischen Werten – die es besitzt! - auflösen. Dies würde die USA in den Abgrund stürzen, – und daher machte auch der (inzwischen zurückgetretene) US-Finanzminister O´Neill klar, daß den Japanern diese Option nicht offensteht!

Aber gerade diese Ebene funktioniert nur so lange als Machtfaktor, als der Rest der Welt sich die US-Regeln aufoktroyieren läßt: d.h. den Dollar als Reservewährung akzeptierte. Auch dann noch, als 1971 Nixon die Golddeckung des Dollars widerrief, und der Dollar seither nur noch Papiergeld der Art ist, wie es John Law auch zur Zeit der Französischen Revolution „erfand“, also legales Falschgeld ohne jegliche Deckung.

Nyes spricht also sehr genau die Schlüsselbereiche an, vernebelt sie aber auch mit Desinformation. Er sagt uns, „daß die internationale finanzielle Stabilität von vitaler Bedeutung für das Wohlergehen der Amerikaner sei, aber die Vereinigten Staaten hier die Kooperation anderer benötige, um dies sicherzustellen.“ – Nur das ist nun zu Ende. Daher stürzt das Gebäude ein, dem eine seiner tragenden Säulen weggebrochen ist.

Eines der kleinen schmutzigen Geheimnisse der „Weltordnung“ ist also, daß der „Rest der Welt“ die USA vom Thron stürzen könnte, wann immer man sich zum Sturz des Dollar-Standards entschlösse. Diesem Dilemma kommt Amerika in nächster Zukunft nicht mehr aus. Daß dies noch nicht in Gang gesetzt wurde, hängt mit den damit verbundenen tiefgreifenden Erschütterungen aller „westlichen“ Nationen zusammen, die sie fürchten. Das könnte sich aber ändern, je mehr sich die USA selbst als „super-rogue“ (größter Schurke) vor der ganzen Welt gebärden. Es könnte also gerade dazu kommen, was die USA mit ihrer Politik verhindern wollen.

Japans Wirtschaft könnte bei einem Krieg – und zeitweilig hohen Ölpreisen – kippen, Iran, Venezuela und all die erwähnten anderen Länder könnten sich zum Euro als Handelswährung wenden, womit die OPEC-Entscheidung für den Euro als fiat-Währung (die auch der Euro ist!) nur beschleunigt würde. Darüber hinaus ist die US-Regierung in der konkreten Politik bei ihren Untugenden geblieben:

massive Ausweitung des Defizits,


Mangel an einer durchgreifenden Durchsetzung wirksamer Börsenaufsicht (SEC),


gescheiterte Wirtschafts- und Steuerpolitik.

Die Amerikaner haben davon kaum eine Ahnung, da dies aus den US-Massenmedien ausgeblendet wird. Sie werden – wie auch Europa – mit Konsum und Unterhaltung (panem et circenses) abgefüttert. Nur im Internet und „Samisdat“-Veröffentlichungen stehen noch „echte Informationen“.

Résumé

Es ist wahrscheinlich, daß jeder Versuch von OPEC-Staaten, zum Euro überzugehen – im Mittleren Osten oder Lateinamerika – von den USA mit offener militärischer Intervention oder verdeckter Geheimdienst-Operation bekämpft wird. Unter dem Vorwand des andauernden „Krieges gegen den Terror“ manipuliert die US-Regierung die Amerikaner – und über die US-beherrschten Medien – die ganze Welt, und täuscht sie über die wirtschaftlichen Gründe des drohenden Irak-Krieges. Dieser hat nichts mit irgend welchen Bedrohungen durch Saddam Husseins MVW-Programm zu tun. Es ist ausschließlich ein Krieg um die weitere Vorherrschaft des Dollars als Öl-Währung. Diese Situation ist nicht erst eine, die sich in den letzten Monaten entwickelt hätte, sondern stand schon vor dem Regierungsantritt Bushs – als Lobbyist der Öl-Konzerne – fest, wie auch die bankrotte Lage der USA schon lange so ist wie sie ist. Der 11. September war daher – wie viele dies klar erkannten – das „zweite Pearl Harbour“, mit dem die Kriegspropaganda angeworfen wurde.

Die Auseinandersetzung des Dollars mit dem – von den USA eigentlich miterfundenen - Euro wird unvermeidlich sein. Damit wird zu den „Religions-“ und „ideologischen“ eine neue Kategorie von Kriegen kommen: Währungs-Kriege. Die hatte man ja noch nicht 1945 abgeschafft.


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* Auf die Hervorbringung von Geld bezogene Anspielung aus dem Schöpfungsbericht des Alten Testaments: "Fiat lux!" (lat.) - "Es werde Licht!"

[1]Man erinnere sich des IHT-Artikels von William Pfaff über den „gekauften Präsidenten“. International Herald Tribune vom 24. 1. 2002, „The American Problem is Domination of Politics by Money”.

[2] Diese Informationen sind in den US-Medien völlig totgeschwiegen; nur ein Radio Free Europe-Artikel vom 6. Nov. 2000 besprach dieses Quasi-Staatsgeheimnis, von dem auch der Spiegel hier berichtete. Recknagel, Charles, Iraq: Baghdad Moves to Euro, http://www.rferl.org/nca/features/2000/11/01112000160846.asp

[3] Auch hier der Hinweis auf Ch. Goodhart, der bezogen auf die Euro-Einführung auch hier die Möglichkeit des Staatsbankrotts sah.

[4] Gutman, Roy & Barry, John, Beyond Baghdad: Expanding Target List (Über Bagdad hinaus: Erweiterung der Liste: Washington denkt über eine Reorganisation der arabischen und islamischen Welt nach), 11. August 2002

http://www.unansweredquestions.net/timeline/2002/newsweek081…

[5] „Mehr als die Hälfte der Devisenreserven des Landes wurden in Euro getauscht“, erklärte Mohammad Abasspour von der Entwicklungskommission des Parlaments. `Forex Fund Shifting to Euro`, Iran Financial News, 25. August 2002. http://www.payvand.com/news/02/aug/1080.html .

[6] `Economics Drive Iran Euro Oil Plan, Politics Also Key` (Die Wirtschaft ist für den Euro-Öl-Plan ausschlaggebend, aber auch die Politik spielt eine Schlüsselrolle), August 2002

http://www.iranexpert.com/2002/economicsdriveiraneurooil23au…

[7] Birms, Larry & Volberding, Alex, `U.S. is the Primary Loser in Failed Venezuelan Coup`, (Die USA sind die Hauptverlierer des gescheiterten Putsches in Venezuela), Newsday, 21. April 2002

http://www.coha.org/COHA%20_in%20_the_news/Articles%202002/n… .

[8] `Euro continues to extend its global influence` (Der Euro dehnt seinen globalen Einfluß weiter aus), 7. Januar 2002

http://www.europartnership.com/news/02jan07.htm

[9] Gluck, Caroline, `North Korea embraces the Euro` (Nord-Korea schließt sich dem Euro an), 1. Dezember 2002

http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/asia-pacific/2531833.htm .

[10] `The Choice of Currency for the Denomination of the Oil Bill,` (Wahl des Währungs-Standards für Öl), Rede von Javad Yarjani, OPEC Marketing Analysis Department, April 2002

http://www.opec.org/NewsInfo/Speeches/sp2002/spAraqueSpainAp… .

[11] Um genau zu sein, sind es nicht die Vereinigten Staaten, sondern es ist eine private Bank in jüdischem Besitz! Das Federal Reserve System ist keine staatliche Behörde wie z.B. die Deutsche Bundesbank oder das US-State Department, sondern ein privates Bankenkonsortium, das aus folgenden Geldhäusern besteht:

- Rothschild Bank of London

- Rothschild Bank of Berlin

- Lazard Brothers of Paris

- Israel Moses Seif Banks of Italy

- Warburg Bank of Hamburg

- Warburg Bank of Amsterdam

- Lehman Brothers New York

- Chase Manhattan Bank of New York

- Kuhn-Loeb Bank of New York

Goldman Sachs Bank of New York

[12] The Economist vom 23. März 2002 „The new Rome meets the new barbarians“ (Rom trifft auf die neuen Barbaren) von Joseph Nye, Dekan von Harvards Kennedy School of Government und früherer „Assistent Secretary of Defense“ (1994-95), steht gemeinsam mit Samuel Huntington als Herausgeber von „Global Dilemmas“ im Zentrum der Ideologie-Schmiede, die die heutige US-Politik de facto bestimmt.

[13] Beispielsweise die elektronischen Transfers gigantischer Summen durch das Bankensystem, die (unvermeidlichen) terroristischen Netzwerke, die weltweit Waffen und Drogen verschieben, das Internet(!), oder Computer-Hacker(!).

[14] Madeleine Albright: „... we have the means and the will to use it!“ (… wir haben die Mittel, und den Willen sie einzusetzen!)




http://www.staatsbriefe.de/1994/2003/kriegsgruende1.htm#_ftn…
...sbi, wenn Du willst, dass der Thread gelesen wird, dann solltest Du den Leuten auch Gelegenheit geben, mal Pause zu machen, ohne dass sie danach ein "Dickes Buch" lesen müssen.

Soll das eine Diskussion oder ein Vortrag werden?



Ansonsten: danke für die Antworten. Fangen wir also mal ganz vorne an. Der Mensch ist also nicht nur gut, sondern hat auch schlechte Seiten. Wie sieht deshalb ein "gutes System" aus?

Sicher nicht so, dass es völlig die schlechten Eigenschaften des Menschen ignoriert. So ein System ist vor kurzem noch in Deutschland Ost gnadenlos gescheitert. Man könnte sich auf den Standpunkt stellen, dass die Menschen dort "noch nicht reif" für diese Form der Gerechtigkeit waren. Dass die "gute Idee" zu früh gestorben ist. Ich vermute aber, dass dies auf absehbare Zeit nicht anders werden wird.
Denn der Sozialismus scheiterte ja nicht nur daran, dass die "Subalternen" zu faul oder zu bequem gewesen wären. Nein, gerade auch diejenigen, die an der Spitze waren, die also quasi der Prototyp des "neuen besseren Menschen" gewesen sein müßten, mit jedem Blutstropfen für den Sozialismus, die waren ja auch nicht besser.
Die wollten auch nicht im Plattenbau leben wie ihre "gleichen Brüder und Schwestern". 15 Jahre auf den Trabbi warten. Mussten sie auch nicht.



Folge: ein gutes System macht sich nicht nur die Stärken des Menschen zu nutze, sondern auch seine Schwächen. Seine Gier, seine Faulheit usw...
Das heißt: es muss Leistunganreize schaffen. Es muss dafür sorgen, dass es sich lohnt, mehr zu tun, schlauer zu sein, stärker zu sein. Damit die Fleißigen, Starken, Klugen ihre Kraft auch einsetzen.
Und zwar einsetzen für sich selbst. Und dann profitieren auch diejenigen, die weniger stark oder schlau sind. Oder gar schwach. Weil die Starken das System vorantreiben und damit mehr Wohlstand für die anderen erreicht wird. Zudem zahlen die Starken Steuern und Abgaben.

Es gibt auch Starke, die zum Beispiel sozial inkompetent sind oder deren Stärke sonst nur ein einem Bereich liegt, während sie in anderen schwach sind. Deshalb muss ein gutes System auch "arbeitsteilig" sein. Damit die Leute ihre Stärke da einsetzen, wo sie liegt.

Wir kommen dann noch mal auf die DDR und vergleichbare Staaten: ein gutes System überfordert seine Bürger auch nicht. Es lässt ihnen Freiräume. Es gibt ihnen nicht in jeder Kleinigkeit Vorgaben, was richtig und was falsch ist. Es setzt auf ihre eigene Vernunft und ihren Ideenreichtum. Weil meistens viele verschieden Leute bessere Ideen haben als ein paar Führungskräfte. Besseren Einblick in die eigenen Bedürfnisse, in das, was zu verbessern wäre, was man ggf. tun kann, es zu verbessern. Ein gutes System macht sich das nunutze und lässt den Leuten diese Freiheit. Statt ihnen zu sagen, dass ihre eigenen Ideen wertlos sind, vielmehr wisse die Führungsebene besser, was am besten für sie sei.

Schließlich muss ein gutes System auch im Interesse der Starken "sozial" sein. Es darf also nicht die Schwachen ausgrenzen, beleidigen, verachten. Das ist im Interesse aller, weil sonst die Verachteten zu Mitteln greifen, ihre Verachtung auszuleben. Kriminalität ist eines davon.
Es ist also sinnvoll, dass geteilt wird. Aber eben geteilt, nicht mit dem Rasenmäher oben abgeschnitten und dann unten gleichmäßig verstreut. So dass alles gleich ist. Unterschiede zu nivellieren, das ist nicht sozial, sondern dumm.


Wieder die Frage: ist das korrekt? Kann man dies als Ausgangspunkt nehmen?
Ein gutes System bietet Leistungsanreize, ist arbeitsteilig, ist liberal (lässt den Menschen Freiheit, gängelt sie nicht) und sozial? Oder gibt es Einwände?



Denn man kann eine Diskussion über Einzelprobleme nur führen, wenn die gemeinsame Basis klar ist.
xylo, sehr gut, so sehe ich das auch.

Alle Werte kann ich unterschreiben,
und das mit der DDR beispielsweise sehe ich tatsächlich genauso!

Und, wie ich schon versucht habe zu zeigen, haben wir selbst auch kein gerechtes System, weil ein Zinssystem selbst schon ungerecht ist...

Und daraus resultieren alle Probleme, nicht anders!

Ich möchte schon diskutieren, bin manchmal ein wenig zu schnell. Und meine Position wird gerne zerredet!
@Sittin zur "Mißachtung des Lebens"..sie liegt meines Erachtens in der INFLATIONÄREN ENTWICKLUNG DER MENSCHLICHEN POPULATION. Was im Überfluß vorhanden ist, wird grundsätzlich verachtet. Hier lugt der "Darwinismus" hervor.
@SBI: also mir sind deine Texte zu lang, um sie am Bildschirm zu lesen.:( Wie wärs mal mit verlinkungen und/oder das Beschränken auf wesentliche Passagen:confused: die Kunst der "Inhaltsangabe" beherrscht du sicher auch ;):p

Das würde mehr zu einer echten diskussion (auch mit spontanen elementen), als zu langen Vorträgen führen;)

So, hab den Schräd jetzt mal ausgedruckt und werde mir die Sache in Ruhe auf Papier durchlesen.
Punk, mir ehrlich gesagt auch, ist aber eine gute Idee mit dem ausdrucken.

Übrigens habe ich es schon mal mit Verlinkungen in Metathread probiert- war aber ebenso kein Renner-


weils niemand interessiert? :confused:


Ein wenig lesen muß man schon, ich kann schlecht alle Grundlagen selbst schreiben! ;)


Wenn wir hier 4-5 Leute sind, ist es doch schon OK.

Ich mache mich dran, hinterher unsere Ergebnisse zusammenzufassen und verständlich aufzubereiten, versprochen!
@Sittin Deine Texte sind wirklich zu lange. Ehe man sch versieht, liest man ein BUCH!!! Trotzdem sehr informativ nur leider muß ich nebenbei auch noch arbeiten.:D
@ Schinderluder, Cole-T

;)


Nun, was sagt hier nun konkret zu der hier dargestellten Vermutung, dass unsere Währungssysteme Schuld sind an der ganzen Malaise, die wir beobachten können?
Angefangen von der systemimmanenten Umverteilung,
über die Konzentration von Macht,
den Auswirkungen auf den Großteil der Weltbevölkerung als Verlierer des Geldsystemes, nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch sozialer Natur,

All das mit der logischen Folge von Kriegen, wenn bestimmte Fehlentwicklungen verstärkt auftreten?

Hauptsächlich dabei die Überbevölkerung,
aber auch die grundsätzliche Richtung das menschliche Arbeit tendenziell unnötiger wird?
Dieser Beitrag wurde schon am 10.10.01 hier gepostet, igor1 sei dank!





Die geheime Geschichte der amerikanischen Kriege


Verschwörung und Krieg in der US-Außenpolitik





“Seit es die USA gibt, ging es darum,
andere Staaten zu dominieren. Wir habe
sie wirtschaftlich abhängig gemacht. Wir geben militärisch den Ton an. Und wir setzen dank CIA und FBI auf ihrem Gebiet unsere Politik durch”

Gore Vidale,
US-Schriftsteller



Mansur Khan
Die geheime Geschichte der amerikanischen Kriege

Seit dem Zusammenbruch des Sowietimperiums sind die Vereinigten Staaten von Amerika unbestritten die Weltmacht Nummer eins, und sie sind in der Lage, überall auf der Erde ihre Interessen durchzusetzen. Daß sie dazu auch gewillt sind, haben sie im letzten Jahrzehnt durch mehrmaliges militärisches Eingreifen auf den verschiedenen Kontinenten bewiesen. Dabei haben sie stets vorgegeben, für die Stärkung der Demokratie und die Sicherung der Freiheit eingetreten zu sein, obwohl es in Wahrheit eher um harte wirtschaftliche und materielle Vorteile ging.

Wie ein roter Faden zieht sich durch die Geschichte der USA die rücksichtslose Durchsetzung eigener Macht. Aus einer Kolonie wurde in rund zweihundert Jahren durch fast pausenlose Kriege und weiträumige Eroberungen eine
imperiale Macht, die heute die ganze Erde kontrolliert und andere Völker wirtschaftlich ausbeutet, die mit dem von ihr geschaffenen Instrument der Vereinten Nationen (UNO) Strafexpeditionen in den verschiedenen Teilen der Welt unternimmt und mit der NATO auch in Europa entscheidenden Einfluß ausüben kann.

Dieses Buch gibt einen Überblick über die Kriegsgeschichte der USA von den Anfängen bis zur Gegenwart und hellt die Hintergründe dieser Entwicklung auf. Es beschreibt die Landnahme, die mit dem Völkermord an den Indianern und der Ausbeutung von Millionen schwarzer Sklaven verbunden war, die Eroberung des riesigen Landes bis zum Pazifik, den amerikanischen Bürgerkrieg und die Auseinandersetzungen mit Mexiko um die großen Territorien im Südwesten. Ausführlich wird das imperiale Ausgreifen seit Ende des vorigen Jahrhunderts behandelt, werden die Kriege um Kuba und die Philippinen, das Eingreifen in Mittelamerika wie in Europa im Ersten und Zweiten Weltkrieg geschildert. Die dann folgenden Kriege in Korea, Vietnam, am Persischen Golf, in Afghanistan oder Somalia setzen diese militärische Linie über kleinere Einsätze in Haiti, Grenada oder Nicaragua bis zur Gegenwart fort.

”Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit”
Senator Hiram Johnson, 1917

Dabei stehen vor allem die Motive und Hintergründe der US-Politik im Vordergrund. Ist es Zufall, daß fast jeder größere Krieg der letzten hundert Jahre gerade dann in Washington vom Zaun gebrochen wurde, wenn eine wirtschaftliche Rezession die Vereinigten Staaten heimsuchte, die dann erfolgreich durch die neuen Aufträge für die Rüstungsindustrie behoben werden konnte? Hat die US-Regierung nicht stets den kommenden Gegner über längere Zeit zu beabsichtigten Reaktionen provoziert, wofür die >Lusitania<, Pearl Harbor oder der Tonkin-Zwischenfall beispielhaft stehen, um selbst als der Angegriffene zu erscheinen und die kriegsunwillige eigene Bevölkerung zur Befürwortung eines Kriegs zu treiben?

Wie kam es, daß die USA im Ersten Weltkrieg von einer tief verschuldeten Nation zum Gläubigerstaat wurden und im Zweiten Weltkrieg das britische Empire beerbten, indem sie beide Male einen möglichen früheren Verständigungsfrieden in Europa durch ihr Eingreifen verhinderten?

Die These des Buches ist, daß eine >Machtelite< in den USA das Sagen hat und die jeweiligen Präsidenten als Ausführungsgehilfen benutzt. Wenn diese das Gewünschte nicht ausfahren wollen, wie Lincoln oder Kennedy, schreckt man auch nicht vor Mord zurück, um sie zu beseitigen. Kriege dienen dem Profit dieser Machtelite, werden teilweise künstlich verlängert, um zum einen viel Kriegsmaterial zu verbrauchen und zum anderen große Zerstörungen zu verursachen, an deren Beseitigung anschließend noch einmal verdient werden kann.

Nachbarn wie Nordund Südkorea, Irak und Iran oder Irak und Kuwait werden vorher beide aufgerüstet und dann gegeneinander gehetzt, so daß US-Truppen eingreifen können. Die von Präsident Theodore Roosevelt kultivierte >Politik des großen Knüppels< ist durch Männer wie Kissinger und Reagan nun auf die ganze Welt erweitert worden, und Washington sieht seine unmittelbaren Interessen heute in fast allen Ländern der Erde berührt.

“Wir müssen unseren moralischen Verpflichtungen nachkommen, die, sind sie einmal erfüllt, sich anscheinend immer mit unseren Interessen decken.”
US-Präsident Jimmy Carter

Wer die Politik unseres Jahrhunderts verstehen will, muß diese Zusammenhänge kennen, muß wissen, wo die Drahtzieher des wirklichen Geschehens sitzen, und sich nicht mit der üblichen oberflächlichen Darstellung nach dem Geschichtsbild der Sieger und das ist eben die US-Machtelite - zufriedengeben. In diesem Sinne ist dieses Werk ein Aufklärungsbuch und dient dem historischen Revisionismus.




:eek:


Nie war es so klar zu erkennen wie heute!
@SittinBull es wäre wohl besser, "im speziellen" zu grapschen. Meiner Meinung nach zu komplex, wenngleich Du versuchst, Verbindungen herzustellen. Man muß hier von Anfang an mitlesen. Trotzdem bemerkenswert es wäre mir jedoch lieber gewesen, wenn Du das Thema INVESTMENTBANKEN mal näher beleuchten würdest.
Die großen Hedge-Fonds, welche Investment-Banken dahinterstecken, welche im Verborgenen unter dem Ausschluß der Öffentlichkeit agieren. Hinter dem "Quantum-Fonds" steckt ja schießlich nicht SOROS alleine!

So gibt es mehrere solcher Fonds, deren kritische Größe auch mal von allerhöchstem Interesse wären.
Schinderluder: Search for it!


Auch wenn es eine linke Quelle ist, wird sie wohl ziemlich richtig liegen!


http://www.wem-gehoert-die-welt.de/
um mal ein paar spontane elemente einzubringen ;)

Wie könnte ein neues Wirtschaftssystem aussehen? Nun erst wird einmal das Alte zusammen brechen. Wir können dies nicht mehr verhindern ....leider. Aber wir können uns an dieser Stelle Gedanken über ein nachhaltigeres System der Zukunft machen.

Beim Zins könnte dies vielleicht so aussehen:

Ein degressiver Zins von +5 bis –5% würde ein exponentielles Wachstum verhindern.

Kleine Guthaben, die zur individuellen Vorsorge dienen werden höher verzinst, als große Guthaben, die der Wirtschaft Geldmittel entziehen. Das Horten exzessiv hoher Geldmengen wird mit negativen Zinsen bestraft.

z.B. : 0-2500 EUR = 5%
2501-5000EUR= 4%
5001-10000EUR= 3%
10001-50000EUR = 2%
50001-100000EUR= 1%
100001-250000EUR= 0%
ab 250001 neg. Zinsen in ähnlicher Abstufung

Sollzinsen werden abgeschafft. Statt dessen wird eine Kreditausfallversicherung bei jedem Kredit abgeschlossen. Die Höhe der Prämie richtet sich nach Kredithöhe und Bonität des Schuldners. Dazu können die Banken noch eine Abwicklungsgebühr erheben, die ihren Arbeitsaufwand abdeckt und eine angemessene Gewinnmarge sichert.

In einem solchen System gibt es kein exponentielles Wachstum, weder auf der Haben-, noch auf der Sollseite.

Quelle: Punk’s Bauch :D
Gut deine Gedanken, noch sind sie zum Glück frei!

Du hast natürlich jetzt schon ein paar Schritte übersprungen, die normale User hier nicht so einfach nachvollziehen können. ;)


Die Erkenntnis, warum unsere Systeme immer wieder kollabieren muß sich erstmal etablieren, die Ursachen als Ursachen wahrgenommen werden. . .



Noch sind die meisten nicht so weit-

Geld und Zinsen wie wir sie kennen, wird als Nonplusultra empfunden, weil wir es nicht anders kennen...

Und weil uns das jeden Tag vorgebetet wird...

Mittlerweile sind die Probleme so evident und die Krise in jedem Haus spürbar, die Auswirkungen unübersichtlich, die Weltmacht USA hat Erklärungsnotstand...


All das bemerkt man natürlich- nur weiß man normalerweise nicht wieso-


hier suchen wir die Antworten!
@sbi

die zinsbetrachtung finde ich zu statisch.
einerseits kann durch zinserträge durchaus etwas
substanzielles gechaffen und wieder in den
wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden. solche erträge
aber wieder in etwas nichtsubstanzielles (geld ist eine
vereinbarung und hat keine substanz) zu investieren und in
dieser art zinseszinseszinses....zinserträge zu
erwirtschaften (quasi ein perpetuum mobile) führt zu einer
substanzarm aufgepumpten blase, die irgendwann platzt, so
wie es an den börsen von zeit zu zeit geschieht. das ist
ein periodischer prozess, der der gesundung des systems
dient, also durchaus seinen sinn hat.

den derzeitigen konflikt zwischen den usa und old europe
kann man vielleicht sogar aus dieser perspektive sehen;
die usa auf der einen seite, die meinen man müsste jetzt
wieder massiv pumpen und old europe auf der anderen, die
der ansicht sind, das system müsse weiter gesunden, also
konsolidieren, bevor es weitergeht.

welche auswirkungen das auf die welt hat, no idea, da hast
du ja schon gute texte abgeliefert.

was die überbevölkerung betrifft: kann es überhaupt noch
passieren, dass ein volk aufgrund lebensraumerweiterung
einen krieg anzettelt?

mfg,
Cole_T
Cole_t


nicht nur Lebensraum ist eine Ressource, genauso wichtig in der Betrachtung sind Rohstoffe.

Vor allem energietragende Rohstoffe.



das ist
ein periodischer prozess, der der gesundung des systems
dient, also durchaus seinen sinn hat.



Diesen Sinn mußt du mal näher beleuchten. Zerstörung und Krieg als logische Folge dieses Sinnes?


Unbestritten auch von mir der positive Effekt des Zinses als höchstmöglicher Zwang zur Kapitalallokation.


Nur sind die negativen Begleitumstände einfach zu gravierend, wie hier schon geschildert.
als `abart` des systems:

das aufgeblähte system kann natürlich auch im
nachhinein künstlich mit `substanz` gefüllt werden.
bspw. im fall des irak als sicherung des zugangs zu und
die ausschöpfung von rohstoffen, wenn man so will (öl$).
das dann auch mit kriegerischen mitteln, wenn nötig.
nur wird es selbstverständlich immer schwieriger, das
system nachzufüllen, da die ressourcen nicht wie die
zinsen nachwachsen können.

kaufen, wenn die kanonen donnern.:confused:

mfg,
Cole_T
@ sittin,

puh, bin durch jetzt.
Danke der Darstellung.

Wuerde die Mehrzahl der Deutschen den Thread durchgelesen
haben, wuerden die kommenden Einschnitte/Reformen unseres
Staeatchens` vielleicht nicht kampflos hingenommen werden....

Bis spaeter mal, muss jetzt mal arbeiten.
M.Haze:

Richtig, weil wir nicht die eigentlichen Ursachen der Fehlentwicklung bekämpfen, sondern nur offensichtliche Folgen dieses Fehlers: Arbeiten lohnt immer weniger, weil sämtliche "Lasten" dem immer kleiner werdenen Kreis der "tatsächlichen" Arbeitenden aufgebürdet wird.

Eine höchst undemokratische unsoziale unmarktwirtschaftliche Wirkung.


Unser Sozialsystem der Absicherung läßt uns das nur eher spüren, weil es uns mehr und mehr belastet-
grundsätzlich sind die Probleme in den USA und überall anders genauso vorhanden, trotz minimaler Sozialkosten entsteht eine Schicht die wir "Working Poor" nennen, "Arbeitende Armut", während die Superreichen immer reicher werden.
Hier kommt die Geisteshaltung perfekt zum Ausdruck:


"Es ist den Preis wert"
Artikel von Edward S. Herman, übersetzt von Markus Reichert, in `junge Welt` vom 29.9.2001

In der Fernsehshow `60 Minuten` am 12. Mai 1996 fragte Lesley Stahl die US-Außenministerin Madeleine Albright: "Wir haben gehört, daß eine halbe Million Kinder gestorben sind (wegen der Sanktionen gegen den Irak). "Ich meine, das sind mehr Kinder, als in Hiroshima umkamen. Und - sagen Sie, ist es den Preis wert?" Albright: "Ich glaube, das ist eine sehr schwere Entscheidung, aber der Preis - wir glauben, es ist den Preis wert."

Versuchen Sie, sich einmal vorzustellen, wie die Mainstream-Medien der USA und Intellektuelle darauf reagieren würden, wenn sich herausstellen würde, daß bei einem frühen Planungstreffen der Terroristen, die für die Anschläge auf das Welthandelszentrum und das Pentagon verantwortlich sind, sich die Frage gestellt hätte, ob der "Kollateralschaden" von möglicherweise Tausenden toten Zivilisten nicht ziemlich übertrieben wäre, aber daß die Angelegenheit erledigt gewesen sei, als ihr Anführer antwortete: "Wir glauben, es ist den Preis wert"?...

Wären die Mainstream-Medien und Intellektuellen nicht voll wilder Entrüstung über das inhumane Denken des "kaltblütigen Kalküls" der Terroristen? Würden sie nicht wie aus einem Munde antworten, daß es absolut unmoralisch, böse, und per se nicht zu verteidigen sei, für eine politische Aussage eine riesige Zahl von Zivilisten zu töten. Und würde nicht auch darauf gepocht werden, daß es unmoralisch und unerhört sei, überhaupt von einem "gerechten Antrieb" zu sprechen oder die Terrorattacken so wie sie in New York und Washington geschehen sind, in irgendeiner anderen Form zu legitimieren? Daß die einzige Frage in so einem Fall von Gewalt "Wer", und nicht "Warum" ist? (Diese letzten zwei Sätze sind Formulierungen aus der erregten Argumentation eines amerikanischen liberalen Historikers.) Und tatsächlich, die US-Meinungsführer haben es durch die Bank abgelehnt, über das "Warum" zu reden, abgesehen von oberflächlichen Behauptungen, der Feind sei irrational, hasse Demokratie, usw.

Wenn wir uns jetzt der tatsächlichen Verwendung von "Es ist den Preis wert" zuwenden, kommen wir zu der Antwort, die US-Außenministerin Madeleine Albright in der Fernsehshow "60 Minuten" am 12. Mai 1996 Lesley Stahl gegeben hat: Stahl: "Wir haben gehört, daß eine halbe Million Kinder gestorben sind (wegen der Sanktionen gegen den Irak). Ich meine, das sind mehr Kinder, als in Hiroshima umkamen. Und - sagen Sie, ist es den Preis wert?" Albright: "Ich glaube, das ist eine sehr schwere Entscheidung, aber der Preis - wir glauben, es ist den Preis wert."

Wie auch immer, in diesem Fall, obwohl die Anzahl der Toten hirnzersetzend ist, war Albrights Rationalisierung dieses Massenmordes für die Mainstream-Medien und Intellektuelle in keiner Weise von Interesse. Der Satz wurde in den führenden Medien kaum zitiert, und es gab keinen Aufschrei oder auch nur den Einwand, daß der Massenmord an Kindern, um irgendwelche politischen Ziele zu erreichen, unmoralisch und erschütternd sei.

Seit den Morgenstunden am Dienstag den 11. September waren die toten Zivilisten bei den Terrorangriffen auf das Welthandelszentrum/Pentagon Objekt der intensivsten und detailliertesten und emotionalisiertesten Aufmerksamkeit, sie haben das Leiden klar und dramatisch gemacht und das Gefühl der Empörung genährt. Im Gegensatz dazu sind die Hunderttausenden toten Kinder im Irak so gut wie unsichtbar, ihr Leiden und Sterben ist außerhalb des Blickfeldes...

Das "Wer" im Falle des irakischen Massensterbens ist klar - in überwältigendem Maß die amerikanische und britische Führung - aber das "Wer" ist wegen der Art der Antwort auf das "Warum" hier irrelevant. Dieses "Warum" wird impliziert. Madeleine Albright sagte, daß es die Toten wert sind, weil die US-Politik sich darauf geeinigt hat - und indem Albright sagt, das ist "Warum", ist die Sache für die Medien gegessen.

Das reflektiert die Arbeit eines souveränen Propaganda-Systems. Die US-Regierung findet, daß der Massentod von irakischen Kindern "es wert" ist, die Medien lassen das Schicksal dieser "wertlosen Opfer" im schwarzen Loch verschwinden und erlauben dadurch die unbehinderte Fortführung dieser Politik. Sind die Vereinigten Staaten selbst das Opfer des Terrorismus, tritt der umgekehrte Prozeß in Kraft: bei diesen "ultra-wertvollen Opfern" inszenieren die Medien deren Leiden und Tod ausführlich und interessieren sich nicht für die tieferen Gründe, sondern nur dafür, "wer" es getan hat; sie rühren die Kriegstrommel unermüdlich und schieben die regressivsten Kräfte im Land ins Rampenlicht, machen damit Gewalt und Repression zu den wahrscheinlichsten Früchten ihrer Arbeit. Aber sie werden Zeitungen verkaufen, ihre Quoten verbessern, das "nationale Interesse" unterstützen, und den Rechten beweisen, daß sie echte Amerikaner sind.

Der Text wurde redaktionell gekürzt.
Das Original im Internet: www.zena.secureforum.com/Znet/hermanworthit.htm
Quelle: http://www.jungewelt.de




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Aha! Meinungen?
Gleichzeitig ist es auch der Grund, warum so viele Verschwörungstheorien durchs Netz geistern.


Nur ist das alles Humbug, eine Verschwörung findet geheim statt, dass hier läuft vor unserer Nase und wir verteidigen es auch noch, weil wir es gar nicht begreifen.
Huhu, noch jemand dabei? :D


Die Zukunft der Demokratie


«We are the world»

Michael Jackson



«Es ist illusorisch zu glauben, wir könnten mit aufklärerischen Mitteln auf demokratischem Wege Mehrheitsverhältnisse schaffen, die das Schlimmste verhüten»[15], schreibt der Autor Dirk C. Fleck.

«Sicherlich, der Umweltschutzgedanke hat in den vergangenen 20 Jahren erheblich an Terrain gewonnen», führt er weiter aus. «Daß wir in der gleichen Zeit eine Auto-Mobilmachung um das Doppelte erleben mußten, (...) daß Böden und Meere nahezu gesättigt sind von Giften, daß durch die Bautätigkeit das vernetzte Ökosystem weltweit am seidenen Faden hängt», seien jedoch Anzeichen dafür, daß die Probleme der Umweltzerstörung von demokratischen Gesellschaften nicht zu lösen seien.



Diese Einschätzung ist durchaus nachvollziehbar. Sie stellt jedoch den demokratischen Grundkonsens unserer Gesellschaft in Frage. Dennoch befindet sich der Autor damit in guter Gesellschaft.

«Ich bleibe dabei, daß die Wachstumsmaschine verwerflich ist; sie setzt die dynamischen Systeme in Gang, die in die Katastrophe führen. Wir müssen Wege finden, das materielle Wachstum, den Energieverbrauch, den Müllanfall, die steigenden Koeffizienten zu bremsen»[16], erläutert der Bürgerrechtler Jens Reich die zentralen Probleme unserer Gesellschaft. «Weil die Parteien sich nicht auf einen Konsens einigen können, weil irgendwelche Lobbys blockierende Stöcke in die Räder stecken», fordert er eine Institution, die «so laut befehlen kann, daß die Politik endlich aufwacht». Reichs Einschätzung gipfelt in der Äußerung: «Wirkliche Veränderung ist nicht möglich, wenn ständige Wahlkämpfe alles blockieren».

Reich unterstellt dabei, daß Politiker, Wirtschaftsbosse und Verbraucher ihre Entscheidungen wider besseren Wissens und ohne Rücksicht auf die Umwelt treffen. Tatsächlich fehlt es ihnen jedoch an der Erkenntnis, wie Ökonomie (vor allem der Wachstumszwang der Wirtschaft) und Ökologie miteinander vereinbar sind.



Festzuhalten ist, daß die Demokratie nur dann ihre Existenzberechtigung behält, wenn es gelingt eine sozial und ökologisch verträgliche Wirtschaftsweise durchzusetzen.



Die demokratische Idee hat viel von ihrer Anziehungskraft verloren. In vielen Ländern bedarf es immer mehr Show und Werbung, um eine angemessene Wahlbeteiligung zu gewährleisten. Der amerikanische Präsident wird von kaum mehr als einem Viertel der wahlberechtigten Menschen gewählt. Und selbst in den jungen Demokratien Osteuropas oder Afrikas hat sich bald nach dem Erlangen der neuen Freiheiten Ernüchterung und Resignation breitgemacht.



Untersuchungen zufolge sind es insbesondere junge Menschen und in dieser Gruppe vor allem Frauen, die glauben, sie können keine Änderungen bewirken.[17] Das wundert nicht, da Politik und Wirtschaft nach wie vor von Männern zwischen 40 und 70 beherrscht werden. Es sind ihre Regeln und die von ihnen geschaffenen Sachzwänge, die unser aller Leben bestimmen. Sie sind es, die zum Beispiel mit Spekulationsgeschäften Millionen verdienen; sie sind es, die mit dem Fuß auf dem Gaspedal freie Fahrt für freie Bürger fordern; sie sind es, die auf lukrativen Posten oft mehr Schaden anrichten als nützliche Arbeit zu verrichten.



Handlungsspielräume für politische Entscheidungen werden immer geringer. Alternativen für anstehende Entscheidungen sind nicht selten bedeutungslos. Das Diktat der Sachzwänge - oder vermeintlicher Sachzwänge - begrenzt die zu führenden Diskussionen, bis sie nahezu überflüssig sind.


Politiker und Wirtschaftsforscher beschwören sich gegenseitig und die Öffentlichkeit, alles zu tun, um Wirtschaftswachstum und Produktivitätssteigerungen zu garantieren. So zitiert der ‹Spiegel› den amerikanischen Präsidenten Clinton mit den Worten: «Das ist das Geheimnis. Wir müssen unserem Volk beweisen, daß der Wandel für unsere Bürger von Vorteil ist und Produktivitätssteigerung immer noch den Schlüssel zu Beschäftigung und Wachstum darstellt.»[18]



Die Sachzwänge Wachstum und Standortsicherung bestimmen die politische Diskussion. Für die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft bleibt wenig Spielraum. Die Teilnahme an Meinungs- und Willensbildungsprozessen wird in allen Lebensbereichen immer uninteressanter, ob in den Betrieben oder den Parlamenten. Daß sich unter diesen Bedingungen Staats- und Parteiverdrossenheit breitmachen, verwundert nicht.



Engagement ist zunehmend notwendig, um Erreichtes zu sichern und Schützenswertes vor Schaden zu bewahren. Neues zu entwerfen und zu gestalten ist in den politischen Gremien immer seltener gefragt. Auf dieser Grundlage ist die Teilnahme an gesellschaftlichen Aufgaben in den meisten Fällen durch negative Gefühle wie Angst und Verzweiflung geprägt. Bürgerbewegungen und parlamentarische Initiativen versuchen in der Regel Entwicklungen, die uns von der Wirtschaft aufgezwungen werden, zu verhindern oder ihre negativen Auswirkungen zu begrenzen. Ein Großteil der Umweltschutzaktivitäten, Anstrengungen gegen Nikotin- und Alkoholkonsum, Kampagnen gegen Aufrüstung und Rüstungsexport, die Verhinderung von Sozialabbau und der Kampf um angemessene Lohnanpassungen sind einige dieser Kämpfe, in denen die Vernunft gegen die Wirtschaftsinteressen aufbegehrt.



Bei Menschen führt diese Negativ- Motivation früher oder später zur Distanzierung und zum Rückzug in die Häuslichkeit. Die Privatsphäre soll zur Festung gegen Frust und Bedrohungen von außen werden. Die Teilnahme an gesellschaftlichen Prozessen bedroht das eigene Wohlgefühl. Angst und Hilflosigkeit führen zu einer allgemeinen Politikverdrossenheit. Daß sich dieses Verhalten zwangsläufig gegen das Individuum wenden muß, wird so lange wie möglich verdrängt.

Das nachlassende Interesse der Bürger an politischen Entwicklungen unterstützt die Tendenz, daß Politik in großem Maße von fest verankerten Interessengruppen bestimmt wird. Grundlegende Weichenstellungen können und werden so zum Vorteil kurzfristiger Gruppeninteressen verhindert.



Soll die Idee der Demokratie Basis einer zukunftsorientierten Gesellschaft sein, muß sie weiterentwickelt werden.


Die demokratischen Gremien müssen gestalterische Funktionen erlangen, die nicht durch wirtschaftliche Vorgaben auf Nischen reduziert sind.

Die auswuchernde Staatsbürokratie, die mehr und mehr Handlanger des Kapitals ist, muß verändert werden. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die einen Rückbau des Staates ermöglichen, um den Bürgern mehr Freiraum für eigene Entfaltung einzuräumen. Gesellschaftliche Prozesse sind so zu gestalten, daß staatliche Leistungen überflüssig werden, ohne daß dadurch Mangel oder Not entstehen. Nur so kann einer allgemeinen Staatsverdrossenheit entgegengewirkt werden.





Wirtschaftsleben
contra Gesellschaft


«Wir haben ein sogenanntes Haushaltsdefizit.
Das ist, als würde diese Farm buchstäblich auf Schulden laufen. Ihr werdet von den Schulden angetrieben und arbeitet, um die Schulden abzubezahlen, und deswegen kommt ihr nie von der Stelle. So funktioniert meine Regierung. Sie hat kein Geld, tut aber so, als hätte sie welches.»

Rita Mae Brown[19]



Unsere Gesellschaft fußt auf zwei maßgeblichen Pfeilern, der Wirtschaft und dem demokratischen System. Von ihrem funktionieren hängt das Wohl von Millionen Menschen ab. Obschon beide Bereiche von außen betrachtet voneinander getrennt sind, sind sie doch personell wie auch strukturell eng miteinander verwoben. Unsere Wirtschaft kann nur effektiv funktionieren, wenn ihr durch die parlamentarischen Organe die richtigen Rahmenbedingungen vorgegeben werden. Ebenso gilt, das zeigt uns die Entwicklung in vielen Teilen der Welt, daß eine demokratische Kultur gefährdet und anfällig ist, wenn die wirtschaftliche Entwicklung instabil wird. Die Demokratie braucht eine solide Wirtschaft, um sich im humanistischen Sinne bewähren zu können.







A. Welche Aufgaben hat die Wirtschaft?


Wer unser Wirtschaftsgeschehen beobachtet, erlangt leicht den Eindruck, das ganze Treiben diene einzig dazu, möglichst viel zu verkaufen und den Menschen möglichst viel Arbeitsleistung zu denkbar günstigen Konditionen abzuverlangen. Dies sind aber Symptome einer falsch strukturierten Gesellschaft. Tatsächlich sollte der Bereich des Wirtschaftens einen anderen Sinn verfolgen.

Das Wirtschaftsgeschehen dient dazu Bedürfnisse und Ressourcen zusammenzubringen. Es stimmt Angebot und Nachfrage aufeinander ab und bringt die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Individuen zueinander. Aufgabe des Wirtschaftslebens ist es, Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, so daß materielle Not überwunden werden kann. Das Wirtschaftsgeschehen sollte die existentiellen[20] Bedürfnisse aller Mitglieder der Gesellschaft abdecken, um so die Basis für ein angstfreies und gleichberechtigtes Miteinander zu schaffen. Die Bewahrung der Umwelt, der sparsame und verantwortungsvolle Umgang mit Rohstoffen, Reinhaltung von Boden, Luft und Wasser sollten grundlegender Rahmen allen Wirtschaftens sein.



Ein ordentlich funktionierendes Wirtschaftsleben führt Angebot und Nachfrage zueinander und gleicht so Überfluß und Mangel aus. Es minimiert dadurch soziale Spannungen und schafft eine Atmosphäre friedlichen und partnerschaftlichen Miteinanders. Die Wirtschaft, als Sphäre von Produktion, Dienstleistung und Tausch, bildet so verstanden, die Basis für eine gerechte, soziale und humane Gesellschaft. Auf der Grundlage eines regen und gerechten Wirtschaftssystems können sich Kunst, Kultur und Ethik optimal entfalten und so das Gesellschaftsgeschehen zur Blüte bringen.





Anspruch und Realität klaffen auseinander


Selbstverständlich entspricht diese Vorstellung nicht unserer gegenwärtigen Realität. Sie ist sogar so weit von ihr entfernt, daß wir kaum in der Lage sind, uns diesen wünschenswerten Zustand als Wirklichkeit vorzustellen. Die Kluft zwischen Armut und Reichtum, Not und Wohlstand, Wunsch und Wirklichkeit ist so groß, daß eine Annäherung nicht möglich erscheint. Überall auf der Welt plagen sich Millionen Menschen, die vom Wirtschaftsgeschehen verursachten Schäden zumindest stückweise zu beheben. Engagierte Menschen und Gruppen bemühen sich permanent, die Natur vor einer sinnentleerten und zügellos wütenden Wirtschaft zu beschützen.



Entgegen dem eigentlichen Sinn ihrer Existenz, ist es in aller Regel die Wirtschaft, die Angst auslöst, obwohl sie Sicherheit schaffen sollte. Sie ist es, die unter anderem mit immer neuen Rüstungsgütern ein blutiges und unmenschliches Austragen von Konflikten schürt. Anstatt Bedürfnisse zu befriedigen, zwingt sie uns immer mehr Umsatz und größeren Konsum auf und fördert zudem die Vereinzelung und Vereinsamung der Menschen. Anstatt das Miteinander von Mensch und Natur zu ermöglichen, wurden die Lebensgrundlagen des Menschen im rasanten Tempo vernichtet. Statt sich tendenziell überflüssig zu machen, schiebt sich die Industrie als Keil zwischen den Menschen und seine ursprüngliche Umwelt.


Wirtschaftsentscheidungen sind im allgemeinen nicht davon bestimmt, wie man mit Investitionen Menschen und Umwelt am sinnvollsten nützt. Unter den Bedingungen der kapitalistischen Marktwirtschaft dominiert eine andere Frage: Wie hoch ist die Rendite für eine Investition?

Diese Frage ist für wirtschaftliches Handeln so bestimmend, daß andere Motivationen kaum wahrnehmbar sind. Die Höhe der Rendite[21] entscheidet tagtäglich über den Kapitalfluß von Milliarden Mark. Fällt diese Rendite deutlich unter zehn Prozent ab, oder bleibt sie dauerhaft auf einem niedrigem Niveau, verweigert sich das Kapital, das heißt, es schiebt einen Riegel zwischen Produzenten und Konsumenten. Auch dann, wenn das Angebot wünschenswert und sinnvoll ist. Die direkte Folge davon ist: Der Arbeiter wird arbeitslos, der Bedarf bleibt unbefriedigt. Hohe Renditen dagegen fördern Entwicklungen, die gesellschaftspolitisch betrachtet ohne Sinn und Verstand sind.





Neue Prämissen


Jede Gesellschaft ist von der Art und Weise ihres Wirtschaftens und damit ihrer Produktionsweise geprägt. Sicherlich beeinflussen die Menschen über die Politik und ihr Konsumverhalten die wirtschaftliche Entwicklung. Die Macht einzelner Wirtschaftssektoren ist aber oft so groß, daß sie den maßgeblichen Einfluß auf die Rahmenbedingungen haben.



Um gesellschaftliche Prozesse lenken zu können ist es wichtig, die Bedürfnisse der Wirtschaft zu verstehen und einzubeziehen. Eine realistische Perspektive zur Durchsetzung von Reformen braucht starke Befürworter. Reformen, die den Interessen der einflußreichen Lobby-Vereinigungen zuwider laufen, sind gewöhnlich nicht durchsetzbar. Je angespannter die ökonomische Situation, umso reformfeindlicher ist das Klima. Das machen zum Beispiel die Bemühungen um die Reduzierung des CO2 Ausstoßes deutlich. Alle noch so großen Anstrengungen um den Erhalt der Lebensgrundlagen sind verschwendete Energie, solange ihnen die Bedürfnisse der Industrie und die Gesetzmäßigkeiten des Kapitals entgegenstehen.



Der Grüne Punkt und das Sammeln und Sortieren von Abfall - weder die günstigste noch die ökologischste Möglichkeit - hat sich deswegen durchsetzen können, weil die Industrie dort gute Verdienstmöglichkeiten sah. Wären der Verpackungs- und Recyclingmarkt nicht als Wachstumsbereiche von Bedeutung, hätte sich sicherlich Müllvermeidungsstrategien durchsetzen können.



Eine Wirtschaft der Zukunft hat andere Prämissen. Um die vielfältigen Probleme unserer Industriezivilisation lösbar zu machen, bedarf es veränderter Bedingungen für das Wirtschaftsleben und insbesondere für die Industrieproduktion. Produzieren und Investieren einzig zum Zwecke der Kapitalvermehrung sollten und können wir uns auf Dauer nicht leisten. Das Kapital wird seine Vormachtstellung verlieren müssen. Es muß in der Gesellschaft eine untergeordnete Rolle spielen, um nicht länger das Marktgeschehen zu dominieren.

Das Geld, das Blut des Wirtschaftskreislaufs, muß im Dienste der Allgemeinheit zirkulieren.



Die kapitalistische Anschauung, daß einzig die Anhäufung von Macht und Besitz Leitlinien für individuelles und gesellschaftliches Handeln sind, beruht auf einer Primitivform ethischer Entwicklung. Diese Ordnung schafft Widersprüche, die nicht hingenommen werden müssen.

So werden beispielsweise Egoismus und Altruismus als zwangsläufige Gegensätze verstanden. Dabei nützt, unter vernünftigen Rahmenbedingungen, egoistisches Handeln letztlich auch der Gemeinschaft. Und ebenso gilt, daß das, was ich für alle tue, auch meinem persönlichen Wohlbefinden dient.



Die wachsende Produktivität kommt in immer größerem Maße den Kapitalbesitzern und immer weniger den arbeitenden Menschen zugute. Dies ist unsinnig und gefährlich, weil es die Gesellschaft destabilisiert. Umso mehr Maschinen die Arbeit der Menschen verringern oder überflüssig machen, desto mehr Menschen geraten in Not. Funktioniert das Verteilungssystem richtig, werden wir alle immer weniger Zeit aufwenden, um die notwendigen Arbeiten zu erledigen. Ohne die kapitalistische Verzerrung der Marktwirtschaft wird die enorme Produktivitätssteigerung zum Segen für die Gesundheit und das Privatleben aller Menschen.



Ziel des Wirtschaftens in einer post-kapitalistischen Ordnung kann es nicht länger sein, die Produktion um ihrer selbst Willen zu steigern. Das Abdecken von Nachfrage und Bedarf zu gewährleisten muß vorrangig werden.

In Zukunft wird es nicht länger Aufgabe der Industrie sein, Arbeitsplätze um jeden Preis zu erhalten oder zu schaffen. Die Grundlagen und Rahmenbedingungen werden so gestaltet sein, daß jedem Mitglied der Gemeinschaft Auskommen garantiert und die Entfaltung seiner Fähigkeiten möglich wird.



Gesellschaftliche Service-Einrichtungen und Investitionen werden sich auch ohne staatliche Subventionen rentieren. Überflüssige und schädliche Branchen wie der Kohlebergbau, der Flugverkehr und die Tabakindustrie, werden nicht länger durch nachsichtige Gesetzgebung am Leben erhalten oder sogar durch Steuervorteile subventioniert.







B. Interessen von Wirtschaftslobby
und Bevölkerung


Die Wirtschaft und ihre Verbände stellen in unserer Gesellschaft einen entscheidenden Machtfaktor dar. Diese Macht hat viele Aspekte und ist nicht grundsätzlich negativ. Ein Hauptgrund für Politiker auf Ratschläge aus der Wirtschaft zu hören ist, daß Unternehmen als Arbeitgeber auftreten und Arbeitsplätze schaffen und sichern. Zudem gehen viele Politiker noch davon aus, daß die großen Firmen ein Gros unseres Steueraufkommens erbringen.

Das Wirtschaftsgeschehen ist zweifellos das Fundament der Gesellschaft. Daher kann derjenige, der im Namen der Wirtschaft spricht, für sich in Anspruch nehmen, den wichtigsten Baustein unserer Gesellschaftsordnung zu repräsentieren.



Solange die Bedürfnisse des Wirtschaftssektors mit den Interessen der Bevölkerung übereinstimmen, ist der Einfluß der Wirtschaftslobby wenig problematisch. Leider unterliegt die Wirtschaft aber einer solchen Eigendynamik, daß sie der Allgemeinheit schwere Schäden zufügt.

Für den Finanz- und Industriesektor ist es zwingend, ständig expandieren und wachsen zu können. Es liegt in der Logik der kapitalistischen Geldordnung, daß ohne Wachstum der Ruin droht. Ob das mögliche Wachstum mit den Interessen der Menschen übereinstimmt, hat unter diesem Druck keine Bedeutung. Der Zwang zur Expansion ist der Hauptgrund, warum sich Lobbyisten häufig den berechtigten Anliegen von Umweltschützern in den Weg stellen.



Auf den demokratischen Willensbildungsprozeß nimmt die Wirtschaftslobby direkt und auf Umwegen Einfluß, mit dem Ziel, Rahmenbedingungen in ihrem Sinne zu gestalten. Arbeitet sie erfolgreich, schlägt sich dies zum Beispiel in der Gesetzgebung nieder.

So verabschiedete der Bundestag 1967 das ‹Gesetz zur Sicherung von Wachstum und Stabilität›, in dem die Regierung verpflichtet wird, permanentes Wachstum zu gewährleisten. Folge dieses Gesetzes ist, daß die Steuerzahler immer höhere Steuern aufbringen müssen, um eine Entwicklung zu finanzieren, die ihre Umwelt zunehmend zerstört.

Wachstum und Investitionsförderung wurden mit diesem Gesetz über die direkten Interessen der Bürger gestellt. Würden einzelne, besonders gravierende Maßnahmen demokratisch legitimiert werden, sähe manches anders aus. Einige Beispiele dafür wie Steuermittel in absurdem Umfang zur Kapitalsubventionierung in umstrittene Investitionen fließen, werden im Kapitel ‹Der Staat als Retter des Kapitalismus› näher erörtert.



Das Grundproblem besteht demnach nicht darin, daß die Wirtschaft ihre Interessen durchsetzt. Das Dilemma sind die Interessengegensätze. Entscheidend für den notwendigen gesellschaftlichen Wandel ist es, eine weitgehende Übereinstimmung der verschiedenen Interessen zu erzielen. Eine notwendige Voraussetzung hierfür besteht darin, eine Wirtschaftsweise zu ermöglichen, die auf Expansion verzichten kann, und doch Vollbeschäftigung, Wirtschaftlichkeit und Konkurrenzfähigkeit sicherstellt.







C. Arbeit, Selbstverwirklichung
und Auskommen


Die Funktionsweise und das Selbstverständnis der kapitalistischen Wirtschaftsweise zu analysieren und in Frage zu stellen, hat für die Zukunft der Demokratie eine zentrale Bedeutung. Ebenso wichtig ist es, unser Verständnis von Arbeit und Erwerbstätigkeit zu aktualisieren. Auch in diesem Bereich führt das Festhalten an unzulänglichen Konzepten in Sackgassen der gesellschaftlichen Entwicklung.

· Warum schafft der Staat eine Kluft zwischen sogenannter Lohnarbeit und einer Hobbytätigkeit?

· Warum schuften sich viele Menschen krank, während andere an Arbeitslosigkeit zu Grunde gehen?

· Was macht unsere Arbeit so teuer und zu oft unbezahlbar?



Die Erwerbsarbeit hat heute zwei wichtige Funktionen: Sie muß dem Arbeitenden den Unterhalt sichern, und sie muß ihm eine Rolle in der Gesellschaft ermöglichen, die ihm Anerkennung und Befriedigung verschafft. Die Möglichkeit für jeden Arbeitswilligen, einen angemessenen Arbeitsplatz zu finden, ist grundlegend für eine friedliche und soziale Gesellschaft.

Dies soll nicht heißen, daß jeder Erwachsene einer Erwerbsarbeit nachgehen sollte. Da es in einer gesättigten Marktwirtschaft nur einen begrenzten Bedarf an Arbeitsleistung gibt, ist es durchaus positiv, wenn sich Einzelne den Pflichten der Erwerbsarbeit zeitweise entziehen und sich dem Müßiggang, der Bildung oder dem Familienleben widmen. Sofern sie ihren Ausstieg aus dem Arbeitsalltag durch zuvor geleistete eigene Arbeit finanzieren können, ist dies nicht verwerflich.





Strafen für zu harte Arbeit


In der heutigen kapitalistischen Ordnung werden der Erwerbsarbeit zwei gewaltige Lasten aufgebürdet:

Zum einen werden über die Lohnsteuer und die Lohnnebenkosten ein Großteil der öffentlichen Kassen sowie die sozialen Sicherungssysteme finanziert. Zum anderen müssen die Arbeitsleistenden - was oft übersehen wird, obschon es folgenreicher ist - jede Mark, die in diesem Land als Rendite erwirtschaftet wird, an Mehrleistung erbringen.



Für jeden Arbeitsplatz ist eine Investition nötig. In Deutschland beträgt die durchschnittliche Kapitalsumme pro Arbeitsplatz derzeit circa 250.000 Mark. Bei einem Zinssatz von sechs bis acht Prozent muß der durchschnittliche Arbeitsplatz zusätzlich zu den Lohnkosten 15.000 bis 20.000 Mark an Zinsen erwirtschaften. Kann ein Arbeitsplatz die notwendige Kapitalverzinsung nicht erbringen, findet die Investition gar nicht erst statt oder der Investor geht pleite. Durch die hohe Kapitalbelastung wird Arbeit in vielen Fällen ineffizient oder sogar unbezahlbar. Dies ist eine entscheidende Ursache für die Massenarbeitslosigkeit in unserer Gesellschaft.



Die Steuerlast auf Löhne und Gehälter ist im Laufe der vergangenen Jahrzehnte stetig angestiegen. Zwischen 19 und 24 Prozent ihres Bruttogehalts müssen die Arbeitenden mittlerweile an Lohnsteuer zur Finanzierung des Staatshaushalts aufbringen. 1969 zahlten sie hierfür nur 10,2 Prozent an den Fiskus.[22] Die finanzielle Belastung der Arbeitskraft ist so hoch, daß sie das Arbeiten regelrecht bestraft.

«Der Durchschnittsverdiener zahlt 1995 47,8 Prozent Steuern und Sozialabgaben. 1997 muß er bereits 48,9 Prozent abliefern. Bei 50 Prozent Abgabenlast beginnt der Kommunismus, hat Helmut Kohl einmal gesagt. Aber das war Mitte 1982. Da war er noch nicht Bundeskanzler und hatte nicht die Verantwortung für die Misere»[23], beschreibt ‹Die Woche› treffend die Situation.

Die hohen Lohnzusatzkosten sind mitverantwortlich dafür, daß sich viele Tätigkeiten nicht mehr lohnen oder nicht mehr finanzierbar sind. 84 Pfennige auf eine Mark Lohn, so rechnet der Bundesverband der Deutschen Industrie[24], müssen für die menschliche Arbeitsleistung zusätzlich zum Lohn aufgebracht werden. Diese 84 Pfennige setzen sich im wesentlichen zusammen aus den Beiträgen für die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung sowie zur Finanzierung der Renten.



Warum aber werden Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung beinahe ausschließlich aus der Arbeit abhängig Beschäftigter finanziert? Und warum finanziert sich unser Staat zusätzlich zu über einem Drittel aus der Lohnsteuer? 1995 betrug der Anteil der Lohnsteuer am Gesamtsteueraufkommen 36,9 Prozent[25], Tendenz steigend. Für 1996 machte diese Einnahmequelle des Staates 263,4 Milliarden Mark[26] aus. Bedenkt man, daß die Tätigkeit von Menschen grundsätzlich positiv zu bewerten ist, und im allgemeinen im Interesse der Gesellschaft steht, muß die Frage erörtert werden, warum sie durch die Steuer- und Sozialgesetze bewußt überproportional belastet wird. Da die steuerliche Belastung der Arbeit eine der Ursachen für die derzeitige Massenarbeitslosigkeit ist, wird diese Praxis noch unverständlicher.

«Ein europaweiter Anstieg der Besteuerung der Arbeit in den vergangenen Jahren um 9,4 Prozentpunkte, so das Ergebnis einer Analyse der Weltbank, sei für vier der elf Prozent Arbeitslosigkeit verantwortlich.»[27] Der Anstieg der Arbeitslosigkeit verursacht zusätzliche Lohnnebenkosten, die wiederum die Situation verschärfen.



Die Besteuerung der Arbeitseinkommen mag historisch gewachsen und sinnvoll gewesen sein. Für unsere gesellschaftliche Zukunft ist sie unbrauchbar.





Gleiches Recht für jede Arbeit


Es stellt sich die Frage, welchen Sinn es macht, zwischen zu versteuernder Arbeit und steuerfreier Arbeit zu differenzieren? Wenn der Staat zukünftig auf die Besteuerung von Arbeitseinkommen verzichten würde, ergeben sich ganz neue Perspektiven.

Es würde dann die Trennung zwischen steuerpflichtiger Arbeit, Schwarzarbeit, und Hobbytätigkeiten nicht mehr geben. Ohne staatliche Einmischung wäre es jedem Menschen selbst überlassen, wo, wann und für wen er welche Tätigkeit ausübt. Der Verdienst würde individuell ausgehandelt und bliebe dem Arbeitenden in vollem Umfang erhalten. Dies hätte für die persönliche Entfaltungsmöglichkeiten der Menschen erhebliche Vorteile. Die Nutzung der eigenen Talente würde damit einfacher.



Die durch den Staat aufrecht erhaltene Trennung zwischen Unternehmern und Selbständigen auf der einen Seite sowie Arbeitern und Angestellten auf der anderen Seite, ist durch die Realität längst zur Farce geworden. Es wird geschätzt, daß es mittlerweile eine halbe bis eine Million sogenannte ‹Scheinselbständige›[28] gibt. Viele von ihnen leben und arbeiten unter weit schlechteren Bedingungen als abhängig Beschäftigte, die die gleiche Arbeit verrichten.



Die Trennlinie sollte nicht länger zwischen den verschiedenen Arbeitsverhältnissen gezogen werden. Diese künstlich durch das Steuerrecht gezogenen Trennungen bedingen absurde Entwicklungen. Sinnvoll wäre, die Ungleichbehandlung der verschiedenen Arbeitseinkommen durch eine Befreiung von der Steuerlast zu beenden. Wie eine derartige Umstrukturierung tatsächlich finanzierbar ist, wird aus den folgenden Kapiteln deutlich.



In der aktuellen Diskussion wird von vielen Autoren eine weitere Trennung von Arbeitswelten aufgebaut: Demnach existieren nebeneinander ein «marktwirtschaftlicher», ein «staatlicher» und der sogenannte «Dritte Sektor».[29] Nach diesem Ansatz, dessen wohl populärster Vertreter der Wissenschaftskritiker Jeremy Rifkin ist, werden im Produktionsbereich immer weniger Menschen beschäftigt. Da aber nur in diesem «marktwirtschaftlichen Sektor» das Geld erwirtschaftet wird, soll «ein möglichst großer Anteil des Produktivitätszuwachses vom marktwirtschaftlichen Sektor in den Dritten Sektor übertragen»[30] werden. Davon soll dann gemeinnützige Arbeit bezahlt werden, die der Staat sich nicht mehr leisten kann. Rifkin und andere gehen davon aus, daß man das Herstellen eines Handys und das Pflegen einer Parkanlage grundsätzlich in produktive und nicht-produktive Arbeit aufteilen kann.

Auschlaggebend ist aber nur die Nachfrage nach der Dienstleistung oder dem hergestellten Produkt. Entscheidend ist demnach wie die Kaufkraft verteilt ist und wie hoch die Preise durch Steuern belastet werden. Ausschlaggebend für die Entwicklung der Kaufkraft ist unter anderem die Verteilung des Produktivitätszuwachses. Solange er in wachsendem Maße den Kapitalbesitzern zufließt, landet er in Kassen ohne Bedarf. Überschüssiges Geld wird zur Spekulation verwendet. Er fehlt dann als Nachfrage in den Sektoren des täglichen Lebens wie Gesundheitsversorgung, Bildung, Kultur und Pflege des Lebensumfelds.

Wenn die Kaufkraft aller Bürger zunimmt, werden sie die Angebote des «staatlichen Sektors» und des sogenannten «Dritten Sektors» privat nachfragen. Diese Tätigkeitsfelder werden damit ‹produktiv› und die staatliche Subventionierung überflüssig.



Der entscheidende Impuls für einen gesellschaftlichen Wandel besteht darin, daß die Arbeitsleistung einen neuen Stellenwert erhält. In der Konkurrenz zum Kapital, und damit insbesondere zur industrialisierten Produktion, sowie zum Energie- und Rohstoffeinsatz wird die menschliche Arbeit in der post-kapitalistischen Gesellschaft billiger und damit stärker nachgefragt.







D. Ist jede Leistung eine Leistung?


«Frauen leisten 65 Prozent der Arbeit, ihnen gehören zehn Prozent der Einkommen und ein Prozent des Besitzes»

Jürgen Thebrath[31]



Eine Neubewertung wird es ebenfalls bei den Begriffen Leistung und Besitz geben müssen. Die Bewertung von Leistung ist heute eine fragwürdige Angelegenheit. Was ist überhaupt eine Leistung? Genauer: Was ist aus Sicht der Gesellschaft eine Leistung?



Dazu ein konkretes Beispiel:

In weiten Teilen der Gesellschaft wird es für selbstverständlich erachtet, daß ein vermögender Spekulant an einem Grundstücksgeschäft Millionen verdient, während eine Mutter für die Erziehung von drei Kindern alles in allem kaum 150.000 Mark Kindergeld erhält? Um genau zu sein, das Geld erhält sie nicht einmal für ihre Arbeit. Es soll lediglich helfen, die Kosten für die Kinder zu decken.

Reicht der Verweis auf das Risiko des Bodenspekulanten aus, um dieses Mißverhältnis zu akzeptieren? Reicht als Rechtfertigung der Hinweis, daß die Mutter von ihren Kindern reich beschenkt wird, zunächst emotional und später vielleicht auch materiell?

Warum bewerten wir die Spekulation mit Grundstücken als Leistung, wo sie doch die Gemeinschaft nur unnötig belastet? Ist es gesellschaftlich wünschenswert, daß die Arbeit leistenden Menschen etwa ein Drittel ihres Arbeitsertrags für die Zinseinkünfte der Geldbesitzer aufbringen müssen? Warum verhindert unser System, daß diejenigen die Arbeit erbringen, auch deren vollen Ertrag erhalten?



Wohlstand und Reichtum gründen sich längst nicht immer auf Leistung.

Genau genommen ist es heute eher eine Ausnahme, wenn man mit handwerklicher oder geistiger Arbeit reich wird.
Wer jedoch erst einmal ein Vermögen erlangt hat, tut sich leicht damit, dieses weiter zu vermehren.

Reichtum und Macht können das Resultat von überdurchschnittlichen Leistungen sein. In diesem Fall haben sie eine Berechtigung als Gradmesser für Prestige und Anerkennung. Kein Mensch aber kann auf Grund seiner Arbeit ein Millionenfaches seiner Mitmenschen leisten. Das Zustandekommen entsprechend großer Besitztümer und einer entsprechend großen Machtfülle ist daher kritisch zu beleuchten. Milliardenvermögen haben selten etwas mit dem Leistungsgedanken zu tun, von dem liberale Ökonomen gerne sprechen. Wenn sich Reichtum und Macht losgelöst von gesellschaftlich relevanter Leistung anhäufen und selbständig vermehren, verdienen sie nicht in gleicher Weise unsere Wertschätzung.

Einkommen aus Besitztiteln (Bodenpacht und Zinserträge) entstehen auf Kosten anderer oder müssen von der Allgemeinheit erbracht werden. Entsprechend sind sie auch zu bewerten.



Zinserträge und Gewinne aus Grundstücksgeschäften unterscheiden sich dabei wesentlich von Lotteriegewinnen und dem Spekulieren mit Aktien. Während erstere ‹garantierte Gewinne› sind, die durch die Arbeit der Bürger zustande kommen, sind letztere ‹Poker-Erträge›. Die zweite Kategorie unterscheidet sich dadurch, daß die Mitspieler einen Einsatz riskieren. Aus dem gemeinsamen Pool wird der Gewinn verteilt. Geschädigt werden die aktiven Mitspieler, nicht aber die Allgemeinheit.



Die Verteilung von Besitztümern zu hinterfragen, ist in diesem Land eine besonders heikle Angelegenheit. Tatsächlich ist der Besitz sehr ungleich verteilt. Jenseits von Sozialneid und Enteignungsträumen ist jedoch zu unterscheiden, wie ein Besitz erworben wurde. Ist ein Vermögen angespart aus einer Arbeitsleistung oder hat es sich aus sich selbst heraus vermehrt? Ist es demnach aus der Arbeit Unbeteiligter entstanden? Besitz der ohne eigene Arbeistleistung anwächst, beraubt die Allgemeinheit und schädigt die Mitmenschen. Bereits Martin Luther hatte diesen Zusammenhang erkannt und angeprangert:

«Darum ist ein Wucherer und Geizhals wahrlich kein rechter Mensch; er sündigt auch nicht eigentlich menschlich! Er muß ein Werwolf sein, schlimmer noch als alle Tyrannen, Mörder und Räuber, schier so böse wie der Teufel selbst! Er sitzt nämlich nicht als Feind, sondern als ein Freund und Mitbürger im Schutz und Frieden der Gemeinde und raubt und mordet dennoch greulicher als jeder Feind und Mordbrenner. Wenn man daher die Straßenräuber, Mörder und Befehder rädert und köpft, um wieviel mehr noch sollte man da erst alle Wucherer rädern und foltern, alle Geizhälse verjagen, verfluchen und köpfen...».[32]



Der destabilisierende Charakter gilt insbesondere dann, wenn Geldvermögen aus dem Geldkreislauf zurückgehalten werden können oder nur gegen hohe Zinsen und bei hoher Inflation der Allgemeinheit überlassen werden. Auch wenn dieser Mechanismus auf Grund der flexiblen Geldmengenpolitik der Notenbank heute nicht mehr so offensichtlich zutage tritt wie zu Zeiten Martin Luthers, bleibt der Effekt bis heute erhalten. Die Erpressung von Zinseinkünften beraubt die Arbeitenden um einen Teil ihres Lohns und ist damit Quelle von Ungleichheit und Ungerechtigkeit.



Wahr ist, daß die Vermögen und der Besitz der Superreichen in dem Maße wachsen, wie Not und Bedürftigkeit zunehmend mehr Menschen erfassen. Dies gilt für nationale ebenso wie für internationale Entwicklungen.


Unter der Überschrift:

«358 Superreiche besitzen mehr als die halbe Menschheit», war in der Ulmer Südwestpresse zu lesen:

«Ein paar hundert Superreiche haben mehr Geld als die halbe Menschheit. Das ist eines der Ergebnisse des Berichts der Vereinten Nationen ‹Über die menschliche Entwicklung›. Danach hat sich die Einkommensungleichheit in den vergangenen Jahrzehnten weltweit verdoppelt. Vom globalen Wirtschaftswachstum profitierte nur eine Minderheit der Staaten, und auch die Kluft zwischen den Wohlhabenden und den Armen in den Industrieländern selbst wird immer größer.»[33]



Im Unterschied zur Arbeitsleistung des Einzelnen hat der private Besitz für die Gesellschaft keinen Nutzen. Die Arbeit eines Menschen bringt in der Regel für ihn und für die Allgemeinheit einen Vorteil. Der Besitz eines Guts stellt für die Allgemeinheit jedoch nur insofern einen Vorteil dar, als es von der Privatperson gepflegt, genutzt und verwaltet wird. Hieraus kann allerdings nicht abgeleitet werden, daß Privateigentum schlecht oder unmoralisch sei. Es entspricht dem Bedürfnis der Menschen über Eigentum zu verfügen. Der vorhandene Wohlstand sollte daher von allen Menschen gleichermaßen zu erwerben sein.



Negative Folgen für die Gesellschaft ergeben sich aus einer extremen Konzentration des Besitzes, da dies eine angemessene Verteilung verhindert und im Extremfall vielen Menschen den Erwerb von Eigentum unmöglich macht. Es stellt sich daher die Frage, warum in einer Demokratie die Akkumulation toleriert oder sogar gefördert wird.

Die Aneignung riesiger Vermögen kann durch das Steuerrecht lediglich eingeschränkt werden. Um eine ausgewogene Verteilung des Besitzes zu ermöglichen, wäre eine progressive Besteuerung angebracht. Wer viel anhäuft, zahlt viel. Was heute unsinnigerweise bei den Arbeitseinkommen praktiziert wird, macht einen gewissen Sinn, wenn es auf die leistungslosen Einkünfte und den Besitzstand angewendet wird. Wenn übergroße Vermögen so stark besteuert werden, daß sie tendenziell geringer werden, bleibt dementsprechend mehr Besitz übrig, den die Übrigen erwerben können.



Letztlich wäre es jedoch effektiver und sinnvoller die Ursachen der Vermögensakkumulation zu überwinden. Wenn dies durch eine Boden- und Geldreform geschieht, wird sich das Problem der extrem ungleichen Besitzverhältnisse weitgehend erübrigen.





E. Ist es der Mensch oder ist es das System?


Was hat das Chaos in unserer Gesellschaft mit Geld zu tun? Ist der Mensch so schlecht, daß er vor Habgier und aus Egoismus alles zerstört? Bestimmt der Mensch bewußt die gesellschaftlichen Entwicklungen, oder nimmt er sie eher in Kauf? Prägt der Mensch das System oder mehr das System die Menschen? Bestimmt «die Kraft des Guten» das menschliche Wesen oder ist der Mensch eher böse und zerstörerisch? Ist der Kapitalismus die Quelle der destruktiven Kräfte, und wenn ja, was macht diesen Kapitalismus heute aus? Müssen wir auf Privatbesitz verzichten um ‹gut› sein zu können, wie es uns der Mar-xismus nahelegt?

Die Liste der Fragen läßt sich fortsetzen. Nur wenige Menschen differenzieren exakt bei der Analyse von Ursachen und Auswirkungen. Die Verantwortlichen in allen Bereichen richten sich mit ihren Widersprüchen ein. Die Veränderer konzentrieren sich auf einzelne, oft sehr schwerwiegende Symptome.

Die Zahl derer, die für Menschenwürde, die Bewahrung der Schöpfung, Solidarität mit den Schwächeren, für Verstand, Herz und Vernunft kämpfen, ist erfreulich hoch. Und doch registrieren wir täglich, daß sich die Verhältnisse zum Nachteil der Masse der Menschen entwickeln.

Um sich dies erklären zu können, flüchten viele in die Überzeugung: Der Mensch ist dumm, faul und rücksichtslos dazu. Die Schlußfolgerung aus dieser Überzeugung ist: Nur wenn wir den Menschen ändern, können wir das System verändern.



Die Geschichte hat uns bewiesen, daß der Mensch nicht gezielt veränderbar ist. Versuche in dieser Richtung endeten in Diktatur und Despotie oder sie führten zu chaotischen Verhältnissen in Wirtschaft und Gesellschaft, die letztlich eine Restaurierung der alten Ordnung bewirkten. Diese Einschätzung bezieht sich lediglich darauf, daß den Menschen moralisch verantwortliches Verhalten nicht aufgezwungen werden kann.

Selbstverständlich entwickelt sich menschliches Verhalten im Laufe der Zeit. Das Handeln der Menschen paßt sich ihrem gesellschaftlichen Umfeld an. Ein Kind, das täglich mit Gewaltszenen konfrontiert wird, wird eher zur Gewaltanwendung neigen, als eines, das in einem Umfeld groß wird, in dem Gewalt eine Ausnahme darstellt. Dasselbe gilt für den Steuerzahler, der Jahr für Jahr ehrlich seine Steuerschuld entrichtet. Wenn er erlebt, wie Steuerhinterziehung zur Normalität wird, wird dies auch seine moralischen Maßstäbe beeinflussen.



Der erwachsene Mensch ist für sein Tun verantwortlich. Die Summe des selbstverantwortlichen Handelns bildet das gesellschaftliche Bewußtsein. Sie bestimmt unsere Wertmaßstäbe. Aus dem Wechselspiel von individuellem Handeln und gesellschaftlichem Einfluß ergibt sich eine Dualität für die Ursachenanalyse.




Ein Beispiel: Aufgabe der Erziehungsberechtigten ist es, ihren Kindern einen positiven Umgang mit dem Medium Fernsehen zu vermitteln. Mißbrauchen sie den Fernseher als Babysitter oder überlassen sie ihr Kind widerstandslos den Verführungen der Fernsehmacher, kommen sie ihrer Verantwortung nicht nach. Im schlimmsten Fall wird ihnen eines Tages vorgeworfen, sie hätten bei der Erziehung ihrer Kinder versagt. Die Aufgabe dieser Eltern ist schwierig, denn ihnen stehen Menschen gegenüber, die dieses ‹Versagen› mit allen Mitteln provozieren. Wir leisten uns Programmacher, Werbefachleute und gut bezahlte Spezialisten, deren Aufgabe es ist, Kinder an den Fernseher zu binden. Diese Menschen gelten als erfolgreich, wenn die Einschaltquoten hoch sind und Kinder täglich Stunden vor der Mattscheibe verbringen! Zu den Schattenseiten ihres Jobs gehört, daß Kinder die im Programm erlebte Gewalt in der Schule umsetzen. Es wird ihnen jedoch nicht als versagen ausgelegt, wenn eine Generation heranwächst, für die Haben mehr bedeutet als Sein, denen Konsumieren wichtiger ist als Kommunizieren! Es ist die zwangsläufige Folge ihrer Arbeit. Es gehört zu ihrem gesellschaftlichen Auftrag.

Ähnlich verhält es sich mit dem Autofahrer, der dem Rausch der Geschwindigkeit oder dem Irrsinn der permanenten Mobilität erliegt. Ein Heer von Werbestrategen arbeitet schließlich darauf hin, dem Konsumenten zu suggerieren, wie toll sein schädliches Verhalten sei. Es werden Milliarden ausgegeben, damit den Konsumenten keine Zweifel an dieser Lebensweise kommen.



Die kapitalistische Produktionsweise kann den verantwortungsbewußten Bürger gar nicht verkraften. Kategorien von Moral und Vernunft stehen den Anforderungen an den Menschen als Konsumenten geradezu entgegen. Daß wir uns als Gesellschaft Strukturen leisten, die ein Versagen des Einzelnen geradezu herausfordern, ist absurd und veränderbar.



Es sind die Menschen, die diese Strukturen schaffen und akzeptieren. Kann man daraus jedoch ableiten, daß die Menschen es letztlich so wollen, wie es ist - sei es aus Bequemlichkeit, Egoismus oder Habgier motiviert? Die Menschen haben sich dieses System geschaffen und sie haben sich darin eingerichtet. Müssen wir demnach nicht doch zuerst die Menschen ändern, bevor wir die Zustände ändern können?



Die Bürger der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft haben sich mehr oder weniger gezielt für Strukturen entschieden, von denen sie annahmen, sie würden eine optimale Entwicklung der Gesellschaft ermöglichen. Zu diesen Strukturen gehört das parlamentarische[34] Wahlsystem, das die Siegermächte den Deutschen verordneten. Weitere Bestandteile sind die soziale Marktwirtschaft und die Zuordnung von Aufgaben an staatliche Einrichtungen sowie die Garantie der Menschenwürde und des Privateigentums. Bestimmte Entwicklungen im Modell ‹Soziale Marktwirtschaft› wurden dabei im Laufe der Zeit eher in Kauf genommen oder einfach nicht verhindert. Hierzu gehören die Bildung und Aufrüstung der Bundeswehr, die zunehmende Konzentration und Machtfülle großer Konzerne, die Duldung von Bodenspekulation und das gefährliche Anschwellen der großen Geldvermögen.



Zu diesen Entwicklungen zählt auch, daß unsere Wirtschaftsordnung auf grenzenloses Wachstum angewiesen ist. Es ist kaum jemandem bewußt, daß Marktwirtschaft auch ohne Kapitalismus möglich ist, daß Wohlstand auch ohne Wachstum gewährleistet werden kann. Und wer weiß schon, daß die ungerechtfertigte Verteilung des Bodens Quelle milliardenschwerer Einnahmen ist, den die Nutzer an die Besitzer entrichten müssen?



Sicherlich sind es die Menschen, die durch ihr Verhalten das politische und wirtschaftliche System prägen. Gleichzeitig gilt aber auch, daß die Verhältnisse das Verhalten der Menschen prägen. Solange unsere Wirtschaft auf unkritische und unaufgeklärte Konsumenten angewiesen ist, wird die Hoffnung auf die Einsichtsfähigkeit der Menschen enttäuscht werden. Politische und wirtschaftliche Gegebenheiten werden nicht durch moralische Appelle verändert.



Um Gesellschaft aktiv gestalten zu können, bedarf es einer genauen Analyse der Fehler und ihrer Ursachen. Darüber hinaus ist eine konkrete Vorstellung davon notwendig, welche Korrekturen zum gewünschten Erfolg führen. Fehlt aufgrund einer falschen oder fehlenden Analyse diese Perspektive, neigen Menschen leicht zu Resignation. Durch die daraus resultierende Untätigkeit entsteht der Eindruck, die Menschen akzeptierten das bestehende System. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann sich zeigen, daß die Menschheit durchaus in ihrer Gesamtheit in der Lage ist, ihrer globalen Verantwortung für den Planeten gerecht zu werden.


http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/popp/zinswahn/
http://www.antizyklik.de/

Wer braucht schon diesen Krieg ...?

6. März 2003 von Andreas Hoose

Massendemonstrationen gegen eine militärische Auseinandersetzung im Irak machten kürzlich nicht nur hier zu Lande Schlagzeilen. Der internationale Widerstand gegen einen Militärschlag der Vereinigten Staaten wächst. Doch nicht nur in der Bevölkerung macht sich Unmut breit. Zunehmend beziehen auch die diplomatischen Vertretungen vieler Länder offiziell Stellung gegen die Position von US-Präsident Bush. Dieser jedoch scheint entschlossener denn je, den US-Truppen demnächst den Marschbefehl zu erteilen.


Dabei fällt auf, dass sich George W. Bush mit seiner Kriegsrhetorik in eine Position manövriert hat, die einen geordneten Rückzug zunehmend schwieriger, wenn nicht unmöglich macht. Wer als Staatspräsident der einzig verbliebenen Weltmacht derart lauthals und vehement für einen Krieg trommelt, nur um anschließend alles wieder abzublasen, der gibt sich in diplomatischen Kreisen der Lächerlichkeit preis. Das weiß auch der US-Präsident. Es ist daher kaum anzunehmen, dass ausgerechnet der Texaner George W. Bush am Ende als zahmer Bettvorleger in die Geschichte eingehen wird.

Die Frage nach dem „Warum“ wird da immer drängender. Was treibt den mächtigsten Mann der Welt dazu, Stimmen aus dem Ausland zu überhören und die Kriegsmaschinerie allen Widerständen zum Trotz immer weiter voranzutreiben? Hinter vorgehaltener Hand wird immer wieder das Thema Öl ins Spiel gebracht. Bekanntlich verfügt der Irak über die zweitgrößten Ölreserven der Welt. Man kann sich leicht vorstellen, dass die Kontrolle hierüber für die USA als größten Energieverbraucher der Welt in Zeiten schwindender Ressourcen höchst verlockend ist.

Fachleute für internationale Politik glauben, dass noch weitere Ursachen im Spiel sein könnten: Wichtiger als die Ölreserven, die Massenvernichtungswaffen und der Sturz Saddam Husseins könnte den Vereinigten Staaten die Sicherung ihrer weltweiten Vormachtstellung im 21. Jahrhundert sein. Dazu wollten die Amerikaner ihre nach dem 11. September entwickelte Präventivkriegsdoktrin durchsetzen. Diese besagt, dass Amerika sich "wehren" darf, noch bevor es angegriffen wird.

Doch vielleicht gibt es ja noch einen weiteren Grund für einen Irak-Krieg – einen Grund allerdings, der sich nur herleiten lässt, wenn man einen Zusammenhang herstellt zwischen den aktuellen politischen Ereignissen und den drückenden weltwirtschaftlichen Problemen.

Es sieht so aus, als hätten alle wichtigen Volkswirtschaften der Welt derzeit mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Pessimisten vergleichen die gegenwärtige Situation bereits mit den Anfängen der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren. Ob wir irgendwann tatsächlich vergleichbare Verhältnisse sehen werden, weiß niemand. Das ist auch gar nicht nötig. Es genügt, sich klar zu machen, dass alles, was in den einschlägigen Medien über die angeschlagene Verfassung der Weltwirtschaft verbreitet wird, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur die halbe Wahrheit ist.

Doch natürlich wissen ein paar Zeitgenossen mehr als der „Mann auf der Straße“. Die Herren Bush, Greenspan und Co. zum Beispiel. Man kann davon ausgehen, dass man im Weißen Haus sehr genau darüber informiert ist, wie es um den Dollar und die Unternehmensgewinne, wie es um die Lage der Wirtschaft ganz allgemein wirklich bestellt ist. Und man braucht auch nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, dass die ungeschminkte Wahrheit womöglich noch ein wenig unangenehmer wäre als das, was hie und da offiziell verkündet wird. Es dürfte klar sein, dass die Mächtigen dieser Welt einen Teufel tun würden, dieses Wissen unverblümt hinauszuposaunen, sollte es tatsächlich dazu geeignet sein, Unruhe im Volk zu stiften.

Mit ein wenig Sachverstand kann man sich trotzdem einiges zusammenreimen: Wenn beispielsweise über einen Zeitraum von rund 18 Monaten zwölf Zinssenkungen in Folge an den Börsen völlig wirkungslos verpuffen, dann ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass in dem System, so wie es jahrzehntelang funktioniert hat, irgend etwas nicht mehr stimmt. In der Vergangenheit waren zwei Zinssenkungen hintereinander bereits ausreichend Treibstoff für die Börsen.


Oder nehmen wir das Thema Verschuldung: Noch nie in den vergangenen 100 Jahren hatte die Staatengemeinschaft mit einem derartigen Schuldenberg zu kämpfen. Besonders brisant ist das Problem in den Vereinigten Staaten. Von den 50 Bundesstaaten in den USA sind 46 praktisch zahlungsunfähig. Sie können zwar nicht im üblichen Sinne pleite gehen, weil ihr politischer Status als Bundesstaat sie vor manchem schützt, was konkursreifen Privatunternehmen droht. Nach allen denkbaren Maßstäben sind sie dennoch längst bankrott. Bedenkt man zudem, dass die Vereinigten Staaten bei Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 Nettokreditgeber waren, heute dagegen der größte Nettoschuldner der Weltgeschichte, dann wird klar, dass die Zeiten durchaus noch sehr viel ungemütlicher werden könnten.

"Binnen eines Jahrzehnts könnten die USA mit einer ähnlichen Haushaltslage dastehen wie Brasilien"

Es gibt übrigens noch ein paar weitere „kleine“ Unterschiede zu den 30er Jahren, die natürlich gerne verschwiegen werden: 1929 hatten die USA kein Handelsbilanzdefizit, in diesem Jahr dürfte es offiziell bei rund 500 Milliarden US-Dollar liegen. 1929 hatten die US-Bürger die Tugend der Sparsamkeit noch nicht verlernt, während die heutige Generation nur noch aus dem Vollen schöpft – und zwar auf Pump. Unmittelbar vor 1929 herrschte in den USA „Null-Inflation“, heute liegt die Rate offiziell bei drei Prozent; inoffiziell dürfte der Wert wegen des ungebremsten Geldmengenwachstums allerdings noch weit höher notieren.

„Binnen eines Jahrzehnts könnten die USA mit einer ähnlichen Haushaltslage dastehen wie Brasilien“, wetterte der angesehene Ökonom Paul Krugman kürzlich. Doch im Weißen Haus gelten rote Zahlen nicht mehr als unfein. Selbst der neue Finanzminister John Snow, einstmals ein vehementer Verfechter einer soliden Haushaltspolitik, erklärte gegenüber der Business Week: „Wir könnten ein Defizit von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in alle Ewigkeit laufen lassen und würden die Finanzmärkte damit nicht aus der Ruhe bringen.“ Hört, hört.

"Nebenbei bemerkt: Gerade US-Aktien sind ja trotz der Kursverluste alles andere als billig, was durchaus für eine Fortsetzung der Talfahrt sprechen würde."

Nehmen wir also an, Präsident Bush und seine Berater wissen wesentlich mehr über den fragilen Zustand der US-Wirtschaft, als sie öffentlich kund tun. Beispielsweise könnte den Herrschaften durchaus klar sein, dass wegen der angesprochenen Verschuldungsproblematik zahlreiche weitere Firmen in Konkurs gehen werden, vielleicht sogar einige große Banken auf der Kippe stehen, dass die Gewinne der Unternehmen weiter schrumpfen werden, sich ein neuerlicher Einbruch an den Aktienmärkten womöglich gar nicht mehr verhindern lässt. Nebenbei bemerkt: Gerade US-Aktien sind ja trotz der Kursverluste alles andere als billig, was durchaus für eine Fortsetzung der Talfahrt sprechen würde.

Wie praktisch, wenn man da einen Krieg „aus dem Hut zaubern“ kann, dem sich all dies im Nachhinein in die Schuhe schieben lässt. Dow Jones bei 5000? Leider, leider – der Krieg im Irak! Der Dollar im Sturzflug? Saddam ist schuld! Die Verbraucher sparen wieder? Kein Wunder – es ist Krieg!

Doch das Pferd ließe sich auch noch von einer anderen Seite aufzäumen. Ganz offenkundig sind die historisch niedrigen Zinsen derzeit nicht in der Lage, der US-Wirtschaft Impulse zu verleihen. Wie auch? Unternehmen und Verbraucher sind verschuldet bis über beide Ohren. Die Kapazitäten der Firmen sind nach wie vor nicht ausgelastet, neue Investitionen werden nicht getätigt. Um ihren Kopf zu retten, könnten die Machthaber nun versuchen, über einen massiven Anstieg der Staatsausgaben jene Liquidität einer Verwendung zuzuführen, die durch das Wachstum der Geldmenge entstanden ist. Denn dass die Ausrottung von Schurkenstaaten zum Wohle der Nation „ein bisschen“ Geld kostet, das versteht schließlich jeder. Selbst die Verschuldung könnte mit Hilfe dieser Argumentation problemlos weiterwachsen.

Ähnlich wie in Japan, wo man in der Vergangenheit ebenfalls versucht hat, durch Konjunkturprogramme des Staates die Wirtschaft anzukurbeln, könnten Bush und seine Berater nun also mit dem Gedanken spielen, einen Krieg im Irak als Stimulus für die gebeutelte US-Wirtschaft zu ge-, oder besser gesagt, zu missbrauchen. Denn so perfide es ist, aber ein bewaffneter Konflikt im Irak könnte für weite Teile der US-Wirtschaft wie ein staatliches „Konjunkturprogramm“ wirken – vor allem, wenn der Krieg nicht nur ein paar Tage dauert.

"Der Verfall des US-Dollar kommt schließlich nicht von ungefähr"

Doch so einfach ist die Sache leider nicht: Anders als Japan, das seit Jahren Überschüsse in der Handelsbilanz erwirtschaftet und so seine Währung stützt, stöhnen die Vereinigten Staaten unter der Last eines gigantischen Handelsbilanz-Defizits. Der Verfall des US-Dollar kommt schließlich nicht von ungefähr. In einer solchen Situation, die gekennzeichnet ist durch wirtschaftliche Schwäche und immense ausstehende Kredite, die Verschuldung über Kriegsausgaben weiter anzuheizen, könnte den Greenback in allergrößte Schwierigkeiten bringen und den Weg in ein finanzielles Fiasko ebnen.

Da ist es schon einen Asbach Uralt wert, und damit kommen wir zum Ausgangspunkt der Überlegungen zurück, wenn in einer solchen Situation nicht mehr das eigene Versagen schuld ist an der Misere, sondern der Bösewicht in Bagdad. Im übrigen wären derartige Winkelzüge nicht neu: Kriege fern der Heimat waren schon immer ein beliebter Trick, um von innenpolitischem Versagen abzulenken.
Schön! :)

"Die Dinge haben sich zu weit entwickelt"
Exklusiv-Interview mit Morris Berman

[Morris Berman]
© Tom Holt

Englische Version

Herr Berman, die deutschsprachige Ausgabe Ihres Buches "Twilight of American Culture" erscheint unter dem Titel "Kultur vor dem Kollaps" bei der Büchergilde Gutenberg. Worum geht es darin und mit welchem Ziel haben Sie dieses Buch geschrieben?

"Twilight" war für mich ein Versuch, meine Eindrücke von der amerikanischen Gesellschaft in einen geordneten, historischen Rahmen zu stellen. Man sieht heute überall in Amerika die Symptome des kulturellen Niedergangs und es stellt sich die Frage, wohin das alles führen wird. Es ist meine persönliche Überzeugung, dass dies keine zufälligen oder episodenhaften Geschehnisse sind. Wir haben es meiner Meinung nach vielmehr mit Symptomen zu tun, die die Endphase einer Zivilisation ankündigen und ich vermute, dass Amerika nach nunmehr 225 Jahren in die Phase des Abstiegs tritt.

Welche Anzeichen sehen Sie für diesen Niedergang?

Die Anzeichen sind interessanterweise diesselben, die auftraten, als sich das Römische Reich aufzulösen begann. - das heißt etwa vom 3. Jahrhundert an - wenn auch in einer zeitgemäßen Form. Die Parallelen sind folgende:

die sich vergrößernde Kluft zwischen arm und reich.

die zunehmende Unfähigkeit für Unterstützungsmaßnahmen und Administration zu zahlen, die eine funktionierende Kultur ermöglichen.

rapide ansteigender Analphabetismus und die Abnahme intellektuellen Bewusstseins.

das, was ich und vermutlich auch Oswald Spengler, als "spirituellen Tod" bezeichnen: Die Korrumpierung der Politik, die Aushöhlung kultureller Marken ("Republik" im Fall des Römischen Reiches, "Demokratie" im Falle Amerikas), weitverbreitete Gefühle von Zynismus, Apathie etc.

Wie definieren Sie den Begriff "Kultur" in diesem Zusammenhang?

"Kultur" ist im wesentlichen die Gesamtheit der Symbole und Werte, unter denen eine Gemeinschaft (darunter verstehe ich auch im weitesten Sinne die Nationalstaaten) lebt, und die Institutionen, die sie hervorbringt.
Lassen wir jetzt das Römische Reich beseite und betrachten wir die vier Faktoren, die ich oben genannt habe:

Alle vier Faktoren sind im heutigen Amerika deutlich sichtbar - in meinem Buch habe ich das im Detail dokumentiert. Man kann das anhand von Einzelbeispielen zeigen oder anhand von Statistiken - ich tue beides.
Nehmen wir als Beispiel die Abnahme des intellektuellen Bewusstseins. Amerikanische Komiker machen sich mittlerweile über die unglaubliche Ignoranz der einfachen Mittelklasse lustig, indem sie Interviews auf der Strasse duchführen: Erst kürzlich sah ich eine Fernsehsendung mit dem Titel "Street Smarts". Der Moderator fragte einen Mann: "Welches Instrument spielt ein Cellist?" Die Antwort: "Piano". Dann fragte er eine Frau: "Wer schrieb Dantes Inferno?" Die Antwort: "John Schlesinger". (Wer in aller Welt ist John Schlesinger?) Man erlebt diese Dinge heute täglich, während es noch vor 15 Jahren relativ selten war. Welche statistischen Belege gibt es für diese Beobachtungen? Organisationen wie die "National Science Foundation", "Gallup Poll" und andere führen ständig Umfragen durch, Erhebungen, die enthüllen, dass

21% der Amerikaner glauben, die Sonne kreise um die Erde,

weitere 7% wissen nicht, was um was kreist,


40% der erwachsenen Amerikaner wissen nicht, wer der Feind im Zweiten Weltkrieg war.

42% können Japan auf einer Weltkarte nicht ausfindig machen,

15% sind noch nicht einmal in der Lage die USA zu lokalisieren.

120 Millionen Amerikaner sind Analphabeten oder zumindest funktionale Analphabeten,

50% sind nicht in der Lage einen einfachen Geschäftsbrief zu verfassen.

Sie sind nicht sehr optimistisch, was das Engagement kleiner Privatinitiativen angeht. Sehen Sie eine Chance, eine bessere Gesellschaft in unserer Lebenszeit zu schaffen?

Was die aktuelle Lage in Amerika angeht, bin ich nicht optimistisch für die nahe Zukunft, denn es gibt keine Ausnahme zur historischen Gesetzmäßigkeit: Wie Individuen gehen auch Zivilisationen durch einen Lebenszyklus: Geburt, Blütezeit und Verfall. Eine Zivilisation im Niedergang kann sich sicherlich von Zeit zu Zeit erholen wie Arnold Toynbee gezeigt hat, aber der übergeordnete Verlauf kann nicht geändert werden. Daher ist "meine" Lösung der amerikanischen Krise langfristig angelegt, eine, die ihre Parallele in der römisch-europäischen Erfahrung hat: Das Auftauchen einer Gruppe von Menschen (Mönche mit klösterlichen Bibliotheken), die sich dem Erhalt des kulturellen Erbes verpflichtet haben. In Europa waren sie es, die schließlich entscheidend für die Geburt der Renaissance wurden.

Ihre Lösung, kulturelle Traditionen in dunklen Zeiten zu bewahren, heißt "Die monastische Option", oder "geistiges Nomadentum", eine Tradition des mittelalterlichen Europa. Sie meinen damit nicht nur technologisches oder philosphisches Wissen sondern auch Lebensweisen. Können Sie das erläutern?

Richtig, daher beschäftige ich mich in meinem Buch mit Individuen, die sich der Erhaltung von Kulturen widmen. Ich nenne diese Menschen "neue monastische Individuen", neu deshalb, weil ihre Arbeit etwas anderes ist, als die von Mönchen, die sich in Klöster zurückziehen und meditieren. Ein Beispiel ist die Arbeit von Earl Shorris, ein Mann der 1995 das "Great Book Program" (eine Art geisteswissenschaftliche Akademie für Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben. Anm. des Übersetzers ) für die Armen der Innenstadt in New York aufgebaut hat. Ein Programm, das großen Erfolg hatte und das sich seither in andere Städte verbreitet hat. Nun glaube ich zwar nicht, dass die Fähigkeit, sich die Ideen von Goethe und Voltaire anzueignen, die Armut lindern wird, aber ein Programm wie dieses kann helfen, die Schätze der Aufklärung für ein zukünftiges Zeitalter zu bewahren. Ray Bradbury hat vor vielen Jahren in seinem berühmten Roman Fahrenheit 451 von etwas ganz ähnlichem gesprochen.

Politische Bewegungen wie ATTAC versuchen den Einfluss von multinationalen Konzernen zurückzudrängen, versuchen die Auswirkungen der Globalisierung zu bekämpfen. Wie stehen Sie zu diesen Bewegungen? Können sie das Schicksal der Weltgemeinschaft ändern?

Man kann nicht sagen, dass diese Initiativen nichts bewirken. Diese Initiativen auf Gemeindebasis, die Demonstrationen in Seattle und anderswo, die Arbeit von amnesty international, die Wiederbelebung der Gewerkschaftsbewegung sind alle im lokalen Zusammenhang und in kurzen Zeiträumen notwendig und wertvoll. Aber ich glaube nicht, dass damit der Niedergang im Großen aufgehalten werden kann und sicherlich nicht jetzt: Die Dinge haben sich zu weit entwickelt.

Das 20. Jahrhundert wird das "amerikanische Jahrhundert" genannt. Was bedeutet das für Europa und für all die anderen Länder auf der Welt?

Was die politische und wirtschaftliche Hegemonie angeht, so scheint es angemessen, das 20. Jahrhundert das "amerikanische Jahrhundert" zu bezeichnen; seine Dominanz löste diejenige Großbritanniens nach dem Ersten Weltkrieg ab. Ich würde hinzufügen, dass was die kulturelle Hegemonie angeht, das 21. Jahrhundert das "amerikanisierte Jahrhundert" sein wird, verkörpert durch die Ausbreitung von Coca-Cola, MTV und Kentucky Fried Chicken in die entlegendsten Winkel der Welt. Keine gute Entwicklung meiner Meinung nach, vor allem weil wir auch eine "wirkliche" Kultur haben, Schriftsteller wie Don DeLillo beispielsweise oder Komponisten wie Miles Davis, aber die Flutwelle der Globalisierung (wirklich ein phantasievoller Name für Imperialismus) ist einfach zu stark.

Nehmen Sie die Handys als Beispiel: Man sieht diese Technologie im kleinsten italienischen Dorf. Mit welchem Ergebnis? Sie erweitert die Sphäre der Arbeit und des Business in jeden Bereich des menschlichen Lebens und reißt die Barrieren zwischen Öffentlichkeit und Privatleben nieder.

Seit dem 11. September hört man viel vom "Angriff auf die westliche Zivilisation". Was halten Sie von dieser Aussage?

Ich glaube nicht, dass man den Angriff auf das World Trade Center - so schrecklich er auch gewesen ist - als Angriff auf die westliche Zivilisation bezeichnen kann. Die Terroristen wählten ihre Ziele sehr sorgfältig aus. Sie steuerten ihre Maschinen schließlich nicht in die Freiheitsstatue oder beispielsweise in die Columbia University. Das wäre wirklich ein Angriff auf die westliche Zivilisation gewesen, auf die Symbole der Aufklärung.

Aber diese Symbole repräsentieren das heutige Amerika nicht mehr, die Wall Street dagegen umso mehr. Und wenn eine Kultur den Punkt erreicht, an dem Geld und Konsum die wichtigsten Werte geworden sind, dann ist die Kultur wirklich am Ende.


Das ist eine Kultur, in der die Welt der Waren mit Lebensqualität verwechselt wird. In dem Maße, in dem Europa dem verführerischen Ruf dieses Denkens widerstehen kann und darauf beharrt, dass Geld und Geschäft Mittel sind, nicht Zweck, solange wird es seinen Bürgern ein sinnerfülltes Leben bieten können. Man kann nur darauf hoffen.

Interview und Übersetzung von Jürgen Sander
www.buechergilde.de
Sittin könntest du pro Tag nur einen langen Text reinstellen. Dann kann man über diesen diskutieren. Ich habe wirklich nicht die Zeit deine Texte zu lesen, geschweige denn etwas dazu zu sagen. Weniger ist manchmal mehr.
Johannes Heinrichs:




SPRUNG AUS DEM TEUFELSKREIS

Kapitel:
DIE LIEBE UND DAS LIEBE GELD




"Der Kostenpunkt scheidet uns voneinander."
(Ingeborg Bachmann, Die Zikaden, München 1962, 110)
Liebe kann unter den Bedingungen des heutigen Geldwesens in vielfacher Hinsicht schlecht gedeihen. Das scheinbar Private hängt von der öffentlichen Institution des Geldwesens ab. Erst recht Liebe in ihren nicht so privaten, die Menschheit umfassenden Formen, wie die Fernstenliebe zu den täglich Verhungernden, Hoffnungslosen und Unterdrückten.

6.0.1. Einleitendes


6.0.1.1. Tausch und Freundschaft
"Beim Geld hört die Freundschaft auf", heißt es oft. Was wir hier leider manchmal erfahren müssen, läßt sich philosophisch beschreiben. Der auf der wirtschaftlichen Ebene berechtigte Eigennutz schlägt in die Sphäre der höheren (kommunikativen) Gegenseitigkeit der Freundschaft durch, weil die derartige Gegenseitigkeit zu schwach ausgeprägt ist.[42] Das Strukturgesetz von Freundschaft kann das ihm vor- oder untergeordnete Gesetz des (strategischen) Eigennutzes nur in sich "aufheben" (bewahren und in die höhere Stufe integrieren), wenn die eigentliche Freundschaft stark genug ausgeprägt ist. Wo die scheinbare Freundschaft nur ein strategisches Zweckbündnis ist, zerbricht sie, sobald finanzielle Konflikte auftreten, die nicht mehr überwindbar zu sein scheinen.
Kennzeichnend für Freundschaft sind nicht der wohlberechnete Gütertausch oder die jeweilige Interessenverfolgung, sondern das freigebige Schenken. Wo dieses nicht funktioniert, selbst wenn es eine Zeit lang einseitig bleiben kann, wo die Gefühle des Ausgenutztwerdens oder die Absicht der Ausnutzung sich einschleichen und tonangebend werden, hält die Freundschaft nicht stand. Leider ist ein Großteil unseres heutigen Schenkens insgeheim zu Gütertausch oder Zweckbündnis verkommen. Wer kann noch schenken und ein Geschenk annehmen, ohne gleich an Ausgleich zu denken? Das vertrauensvolle, liebevolle Umsonst wird erdrückt vom allgemeinen Tauschdenken.
Es scheint: Gerade weil Tausch da, wo er zurecht maßgebend und in Ordnung ist (im wirtschaftlichen Gütertausch zu beiderseitigem Überleben und Vorteil), er aber vom Geld als Kapital überfremdet und in seinem richtigen Funktionieren völlig verdunkelt wird, schleicht sich als "Ersatz" ein verkürzendes Tauschdenken dort ein, wo die höhere Gegenseitigkeit des nicht berechnenden Schenkens am Platze ist.

6.0.1.2. Käufliche Liebe
Hört nicht auch die Liebe leicht auf, wo Geld ins Spiel kommt? Statt Ausdruck zu sein von Liebe als Freiheit mitsamt ihrer wunderbaren paradoxen Fähigkeit, sich selbst wegzugeben, wird im Extremfall die völlig losgelöste Sexualität zum Ausdruck der Ausbeutung eines gesellschaftlichen Liebes-Notstandes, als käufliche Liebe; ganz zu schweigen vom ökonomischen Notstand der Prostituierten, wird hier der Versuch gemacht, mit Geld etwas grundsätzlich nicht Käufliches zu erlangen.
Prostitution ist die zur öffentlichen Unkultur der Liebe notwendige Subkultur. Sobald und solange es diese Subkultur in größerem Umfang gibt, ist sie ein untrügliches Anzeichen dafür, daß in einer Kultur die Liebe Schaden nimmt. Insofern stellt das Naserümpfen anständiger Bürger über die unanständigen Individuen ein Beispiel für die individuelle Moralisierung eines gesellschaftlichen Problems dar. Prostitution beinhaltet weniger ein individuelles Fehlverhalten als vielmehr einen öffentlichen Notstand.
In einer Gesellschaft stimmt Grundlegendes nicht, in der Menschen den wahnwitzigen Versuch machen müssen, sich Liebe zu erkaufen. Nicht einmal das sexuelle Begehren als solches kann ohne Gegenseitigkeit und ohne Begehrtwerden der/des anderen zur Befriedigung gelangen. Was weiters nicht stimmt, ist unter anderem die noch fortwirkende traditionelle Sexual- und Ehemoral, welche die Prostitution notwendig machen, indem sie die Ehe zum Besitzverhältnis abstempeln, indem sie auch inhalts- und lustlos gewordene Ehen zum einzig legitimen Ort sexueller Begegnungen erklären und indem sie die unverklemmte Begegnung der Geschlechter mit echten Verantwortungsmaßstäben blockieren.
Die gewerbliche und quasi-gewerbliche Ausübung käuflicher "Liebe" bildet aber nur einen Ausschnitt aus dem größeren Bereich der verdeckten, informellen Prostitution: Erpressung wirtschaftlich und sozial abhängiger Menschen zu sexuellen oder anderen Handlungen. Das Wirtschaftliche dringt auf breiter Front ins Spiel der Liebe ein.

6.1. Ehe als Wirtschafts- oder Liebesgemeinschaft?
Nicht fern liegt die These, die Institution der Prostitution sei die logische Ergänzung zum traditionellen Eheverständnis: Ehe als Vertrag, der zum mindesten dem Mann das ausschließliche Recht auf den Körper der Frau gibt, sowie die Ehe als Wirtschaftsgemeinschaft.
Historiker belehren uns, daß die eigentliche Liebesehe kulturgeschichtlich neu sei. Manche kirchlich orientierte Soziologen erblicken in der Verbindung von Ehe und Liebe gar die eigentliche sexuelle Revolution (Andrew Greely in "Erotische Kultur"). Doch diese Version ist eher ein Manöver, die durch die sexuelle Revolution unseres Jahrhunderts längst in Gang gekommene Loslösung von Liebe und Ehe zu überdecken. Die enorm gestiegenen Scheidungsziffern bestätigen: Wo Liebe in der Ehe nicht mehr erlebt wird, hält man sie nicht mehr für sinnvoll fortsetzbar. Der Ausstieg wird oft unter erheblichen materiellen Opfern gesucht, mit oder auch ohne schon vorhandene Aussicht auf eine neue, dauerhafte Liebe.
Es sind zwei Strömungen zu unterscheiden: Zum einen die Entflechtung der Wirtschaftsgemeinschaft Ehe von der Liebe. Vor allem die Frauen sind in großer Zahl nicht mehr bereit, aus wirtschaftlichen Rücksichten die Ehe fortzuführen. Sie finden den Mut zum Ausstieg, auch wenn er mit großen wirtschaftlichen und sozialen Unsicherheiten (der alleinerziehenden Mütter beispielsweise) verbunden ist. Daß die Ehe in hohem Maße Wirtschaftsgemeinschaft war und immer noch ist, läßt sich bei aller Beschwörung der Heiligkeit der Ehe nicht leugnen. Gerade deshalb läßt sich die These, Prostitution sei die allzu logische Ergänzung zur Ehe als wirtschaftlicher Zwangsgemeinschaft, nicht von der Hand weisen: Der gemeinsame Nenner ist wirtschaftliche Nötigung!
Zum anderen geht es in der Diskussion um die Ausschließlichkeit des sexuellen "Besitzes", also um sexuelle "Treue" und freie Liebe. "Liebe kann nicht eingezäunt werden", schreibt Sabine Lichtenfels in einem mutigen Buch dazu:
"Liebe ist keine Privatsache. Das weiß die neue Frau. Du kannst nur treu sein, wenn du auch andere lieben darfst. Treue bewährt sich nicht durch die Ausschließung, sondern durch die Einbeziehung anderer. Das ist ein selbstverständlichen Prinzip einer neuen weiblichen Ethik. Eifersucht gehört nicht zur Liebe, sondern zu einem krankhaften System von Verlustangst und Mißtrauen. Für die Verwirklichung freier Liebe und dauerhafter Treue brauchen wir Gemeinschaften, in denen Wahrheit, Transparenz und Vertrauen entstehen können. Die Befreiung der Liebe von Angst, Einengung, Anklammerung und falschen Treueschwüren geschieht durch Vertrauen. Treue entsteht dort, wo wir selbst uns entscheiden, dem, was wir lieben, treu zu werden und dafür öffentlich einzutreten. Wenn eine Frau im Zustand der Liebe ist, kann sie niemals verlassen werden."[43]
Diese prekäre Diskussion kann hier nicht zu Ende geführt werden. Zu bejahen ist jedenfalls - hierin liegt die Verbindung der beiden Strömungen wirtschaftliche Emanzipation der Ehe und "freie Liebe" - die radikale Entflechtung von Liebe und wirtschaftlichem Besitzdenken.
Erst wenn die Ehe von finanziellen Zwängen befreit ist, die von den jetzigen Steuervorteilen für Verheiratete geradezu staatlich gefördert werden, wird deutlicher werden, wie sich die falschen Besitzansprüche auf Seele und Körper des anderen Menschen auswirken und der positive Sinn von freier Treue als der zeitlichen Dimension der Liebe klarer erlebbar werden.
Der im vorigen Kapitel besprochenen überrationalen Wertung und zwischenmenschlichen Wertekommunikation ist gerade in Sachen Liebe und menschliche Verantwortung mehr Kompetenz beizumessen als kirchlich-staatlichen Gesetzesvorschriften. Verantwortungsbewußtsein und soziale Kommunikation in Werten funktionieren nur unter Bedingungen der Freiheit und der zugetrauten Entscheidungsfähigkeit.

6.1.1. Exkurs über Geld und Liebe bei Marx
Wieviel am Menschen ist käuflich und verkäuflich im bestehenden Geldsystem? Karl Marx hat die geheimnisvolle Macht des Geldes, alle natürlichen Werte zu verkehren, treffend zur Sprache gebracht:
"Das Geld verwandelt die Treue in Untreue, die Liebe in Haß, den Haß in Liebe, die Tugend in Laster, das Laster in Tugend, den Knecht in den Herrn, den Herrn in den Knecht, den Blödsinn in Verstand, den Verstand in Blödsinn.(...) Setze den Menschen als Menschen und sein Verhältnis zur Welt als ein menschliches voraus, so kannst du Liebe nur gegen Liebe austauschen, Vertrauen nur gegen Vertrauen etc. Wenn du die Kunst genießen willst, mußt du ein künstlerisch gebildeter Mensch sein; wenn du Einfluß auf andere Menschen ausüben willst, mußt du ein wirklich anregend und fördernd auf andere wirkender Mensch sein. Jedes deiner Verhältnisse zum Menschen - und zu der Natur - muß eine bestimmte, dem Gegenstand deines Willens entsprechende Äußerung deines wirklichen individuellen Lebens sein. Wenn du liebst, ohne Gegenliebe hervorzurufen, das heißt wenn dein Lieben als Lieben nicht die Gegenliebe produziert, wenn du durch eine Lebensäußerung als liebender Mensch dich nicht zum geliebten Menschen machst, so ist deine Liebe ohnmächtig, ein Unglück."[44]
Das Geld aber bringt diese natürlichen Verhältnisse völlig durcheinander und macht sie unkenntlich. Es entsteht eine allgemeine Käuflichkeit, für den, der über diesen Joker ausreichend verfügt: Liebe, Wissen, Wahrheit, Bildung, Kunstverstand, Schönheitssinn, Geltung und Ehre, politische Macht, selbst das Recht, werden allesamt käuflich. Wer meint, hier handle es sich (zumindest im Hinblick auf heute) um Übertreibungen eines Prinzipienreiters, hat bisher nur einen kindlich naiven Einblick in unsere sogenannte demokratische, an den kommunikativen, "menschlichen" Werten orientiert sein wollende Gesellschaft gewonnen.
Heute wird der Zusammenbruch des sogenannten Sozialismus[45] zum Vorwand genommen, Marx für schlechthin widerlegt und unsere Demokratie für "in Ordnung" zu halten: eine gewaltige Täuschung der Gedankenlosigkeit.
Gerade am Beispiel Liebe will Marx verdeutlichen, daß alles am Menschen und in der Gesellschaft zum Tauschwert gegen das heutige "Äquivalenzmaß" Geld verfälscht werden kann, während die echten Qualitäten des Menschen ebenso wie die echten Gebrauchswerte der Güter auf einmal eine untergeordnete Rolle zu spielen beginnen. Marx hat allerdings nicht gesondert hervorgehoben, was genau am Geld es ist, was ihm eine derart "entfremdende" Rolle für das zwischenmenschliche Leben gibt.
So kann der Eindruck entstehen, daß er das Geld als solches, zusammen mit dem Verhältnis zwischen Geldbesitzer und Arbeiter, für dieses gesellschaftliche Unheil verantwortlich machte. Silvio Gesell gewann die zugespitzte Einsicht, daß speziell die Zinswirtschaft das Geld vom Tausch zum sich selbst vermehrenden Akkumulationsmittel und somit zum Unheil macht, indem es selbst von seiner primären Funktion entfremdet wird, allgemeines Tauschmittel, also gesteigerte Ermöglichung und Erleichterung des Gütertausches zu sein. Es sollte, von der Liebe als Hauptbeispiel ausgehend, auf die alle menschlichen und gesellschaftlichen Werte verfremdende, den Menschen also sich selbst und seinesgleichen wie seinem Arbeitsprodukt entfremdende Wirkung allgemeiner hingewiesen werden.

6.2. Ungeliebte Arbeit als "Prostitution"
Im Unterschied zur Liebe scheint die Arbeitskraft des Menschen käuflich zu sein. Dabei gibt es eine ständige Nötigung durch das Geld im Bereich jenes gesellschaftlichen Handelns, das wir Arbeit nennen.
Nicht bestritten wird, daß Arbeit sowohl aus der Sicht des einzelnen wie auch der Gesellschaft notwendig und sinnvoll ist. Vergessen wurde aber, daß Arbeit trotz ihrer Mühe Freude machen kann und soll, daß sie auf jeden Fall als sinnvoller Dienst an der Gesellschaft erfahren werden muß. Nicht alle Erfahrung oder Ahnung von Sinn ist allerdings zugleich unmittelbare Lust- und Glückserfahrung.
Wo der Mensch mit seiner Liebe wie mit seinem ganzen Streben und Tun käuflich wird, indem wirtschaftliche Not, indem ein ganzes System ihn dazu zwingt, Dinge zu tun, die er aus freiem Antrieb niemals tun würde, kommt so etwas wie allgemeine Prostitution im übertragenen Sinne zustande.
Wo Menschen sich ohne Freude an der Mühe der Arbeit - und sei diese Freude "nur" die Einsicht, daß ihre Arbeit ein Dienst fürs soziale Ganze ist - "verdingen", sich demnach zum Ding herabwürdigen müssen, gleicht die Arbeit der Prostitution.
Wie Prostitution eine Karikatur von Liebe, sogar von lustvoller sexueller Liebe, darstellt, so auch die Arbeit, die nicht im Bewußtsein eines sozialen Dienstes getan werden kann. In Arbeit ohne Liebe, also in sinnloser Arbeit oder seiner persönlichen Natur widerstrebender Arbeit, prostitutiert sich der Mensch. Die Arbeit, die eigentlich mit Liebe (wenn auch nicht immer ohne Mühe) verrichtet werden müßte, wird ausschließlich um des Geldes willen geleistet. Wo dies auf Dauer und in großer Breite geschieht - und das ist in unseren reichen Ländern mit ihrer Überproduktivität ebenso der Fall wie in den sogenannten Entwicklungsländern - , handelt es sich um eine Entwürdigung des einzelnen und um einen gesellschaftlichen Mißstand: Er ist einer der vielen Folgen unseres monetären Systems.
Woran liegt es sonst, daß die Mehrzahl der Menschen ihre Arbeit nicht als Beitrag zu einem großartigen, sinnerfüllten Ganzen liebt, daß die meisten Menschen vielmehr den (ebenfalls kapitalistisch dirigierten) kurzen Jahresurlaub als ihre eigentliche Lebenszeit fixieren? Diese Überbewertung des Urlaubs entspringt der Lust- und Geistlosigkeit unseres Arbeitsbetriebes, und diese wiederum den monetären Grundlagen unseres Systems.
Die Begleiterscheinung der prostituierten Arbeit primär im Dienste des Geldsystems ist die Arbeitslosigkeit. Wenigstens durch sie sieht sich unser heutiges Wirtschaftssystem selbst in Frage gestellt, wenngleich nur deshalb, weil sie mittlerweile zu kostenaufwendig wird. Anfang der achtziger Jahre machte sich bereits eine strukturelle Arbeitslosigkeit mit über einer Million Arbeitsloser in der Bundesrepublik Deutschland deutlich bemerkbar. Der politische Zynismus, mit dem damals bereits eine Zweidrittel-Gesellschaft - demnächst ist es eine Einfünftel-Gesellschaft - der am wirtschaftlichen Leben positiv beteiligten Menschen in Kauf genommen wurde, wird heute erst durch die öffentliche Geldnot, durch die nicht mehr tragbaren Kosten und Steuerausfälle, in Frage gestellt. Wäre es nicht zu teuer, würde man die Nichtbeteiligung eines kritisch hohen Prozentsatzes der Bevölkerung am wirtschaftlichen Leben weiter in Kauf nehmen.

6.2.1. Opportunismus
Die menschliche Würdelosigkeit, mit der nicht allein die Arbeitskraft, sondern darüber hinaus Wahrheits- und Wertüberzeugungen, auch Werte der Liebe und Freundschaft, wegen vordergründiger Vorteile preisgegeben werden, hält jeden Vergleich mit der bloß körperlichen und aus der Not geborenen Prostitution aus!
Diese Zeitkrankheit Opportunismus, von der wir gegenwärtig in geschichtlich nie dagewesenem Ausmaß befallen sind, kann man zutreffend als geistige Prostitution bezeichnen.
Wir leben in einer Gesellschaft der unerhört florierenden Geistes- und Seelenprostitution. Das ist keine Subkultur, wie das daneben noch harmlose sexuelle Prostitutionswesen, sondern eine Krankheit der Kultur selbst.
Opportunismus bedeutet: (unnötige) Verleugnung höherer Werte um vordergründiger Vorteile willen.[46] Wird Opportunismus zur Zeitkrankheit, ist er mit einer allgemeinen Wahrheits- und Wertrelativierung verbunden. Was bedeutet diese Art sozialer "Wendigkeit" in Bezug auf Liebe?
Es bedeutet, daß jemand hohe Werte der Liebe der vordergründigen Lust oder den vordergründigen sozialen und finanziellen Vorteilen opfert.
Was unter den eigentlichen Opportunismus in Liebesdingen fällt, sind vor allem die Verleugnung oder Vernachlässigung der Freundschaft um eines anderen Vorteils willen. Es geht dabei also um das `Nichtstehen` zu einer Freundin oder einem Freund, obwohl sie oder er es gerade nötig hätte. Wie verbreitet dieses Phänomen zu allen Zeiten war, besonders aber in Epochen geringer Freundschaftskultur wie der unseren, kann jeder Leser selbst beurteilen.
Eine andere Art von Opportunismus scheint allerdings in früheren Zeiten mindestens ebenso floriert zu haben wie heute: die Partnerwahl aus Rücksichten, die der Liebe fremd sind, ja gegen den Spruch des Herzens - aus Gründen des sozialen Ansehens, Standes, Konfession, Berufes, der offiziellen Bildungsnormen - und natürlich wegen des "lieben" Geldes selbst.

6.3. Menschenliebe nicht ohne Liebe zum Einzelnen
Wie leicht wird die "Bruderliebe" von religiösen Institutionen zur salzlos-unverbindlichen, allgemeinen Menschenliebe heruntergeredet, dem der Einzelne im Grunde von Herzen gleichgültig ist! Es ist eine alte, doch in der Moderne vollends ideologisch gewordene Zumutung, prinzipiell alle Menschen (oder zumindest alle Glaubensgenossen) zu lieben - unter Verzicht auf besondere Zuneigung und Intimität mit dem einzelnen geliebten Menschen.
Im Namen solcher (für Fanatismus anfällige, bloß allgemein Menschen liebende) können Menschen dazu gebracht werden, einzelne Mitmenschen als Hexen, Ketzer oder boshafte Feinde aus der allgemeinen "Bruderschaft" auszustoßen.
Allgemeine Menschenliebe kann nur echt sein, wo der Einzelne in seiner Einzelheit ernstgenommen wird. Was auf viele Weisen geschehen kann. Was sich am klarsten manifestiert in der unbedingten Verbundenheit mit einem oder wenigen einzelnen Menschen. Ohne konkrete, und nicht allein karitative, Zuwendung zu Einzelnen bleibt die Liebe zu allen nur ein leeres Wort.

6.4. Liebe zum Einzelnen nicht ohne allgemeine Humanität
Doch die Liebe zu Einzelnen kann, so wahr sie Liebe ist, auch umgekehrt die Menschheit nicht vergessen. Die allgemeine Menschenliebe folgt, wo sie echt ist, aus dem religiösen oder spirituellen Charakter der Liebe, sei es rein humanistisch-spirituell, sei es gottgläubig-religiös, wie immer man Gott versteht.
Wie wir die Menschheit und Menschenliebe heute zu sehen haben, ist eindeutig: als eine zusammengewachsene Sechsmilliarden-Einheit, in der 90 % an Mangel leiden. Jedes der großen Ballungszentren ist mit dem Flugzeug innerhalb eines Tages zu erreichen. Kaum gibt es noch Menschen, die nicht die konkrete Einheit der Menschheit spüren. Was sie allerdings auch spüren und wofür wir Westler oder Bewohner der Nordhalbkugel so unempfindlich sind, ist die unerhörte Trennung dieser einen Menschheit durch Armut und soziales Elend - immer noch durch den Hunger!
Mitleid mit den Armen ist keine Liebe, solange ich mich nicht selbst als einer von ihnen fühle und ihr Leid mein eigenes ist, das ich nicht mehr vergessen kann. Liebe geschieht nie vom hohen Roß herab.
Wer immer sich auf Liebe berufen will, darf die Zuwendung zum einzelnen nicht als Vorwand nehmen für Gedankenlosigkeit im Hinblick auf Weltzusammenhänge. Wohl mag der einzelne seinen Beruf wie seine innere Berufung zunächst im kleinen Kreis oder im Dienst an einzelnen sehen: als Handwerker(in), Lehrer(in), Arzt (Ärztin) oder Therapeut(in), oder "einfach" als Mutter (Vater). Nicht jeder muß auch im gleichen Maße politisch interessiert sein, einfach weil die Begabungen und Interessen zum Glück vielfältig sind.
Doch gerade der Geist der Liebe fordert heute, in einer zusammengewachsenen Welt, sich Gedanken über die allgemeinen, nationenübergreifenden Strukturen von Recht oder Unrecht, von Wohlfahrt oder Elend zu machen.
Die "Dritte Welt" ist in vielfacher Weise unsere eigene Welt, nicht zuletzt deshalb, weil wir deren Güter kaufen und unsere an sie verkaufen. Durch diese Tausch- und Geldgeschäfte greifen wir (kollektiv, aber auch einzeln) zutiefst in deren Sozialstrukturen ein. Wir können nicht die Unbeteiligten spielen.

6.4.1. Menschenliebe als beständiges Sinnen auf Veränderung
Wer von Menschenliebe spricht, braucht heute nicht mehr wie ein Albert Schweitzer in die Dritte Welt zu gehen. Er muß hier bei uns auf grundlegende Änderung hin denken und handeln. Es ist nicht mit jenen Alibi-Kollekten immer noch missionierender und karitativer Institutionen getan.
Solche Maßnahmen, sofern sie nicht ereignishafte Katastrophenhilfe darstellen, sind ähnlich dazu geeignet, die strukturellen Grundprobleme der Weltwirtschaft ideologisch zu verschleiern, wie die bekannten Appelle an Liebe, Hilfsbereitschaft, Friedfertigkeit und sonstige Ethik der einzelnen.
Liebe zum Menschen allgemein kann heute nur rastloses Bedenken und Vorbereiten der Veränderung bedeuten.
Der Liebe fehlt es nicht zuerst in der Dritten Welt an durchdachter "Gesellschaftsfähigkeit", sondern vor allem bei uns selbst, solange wir uns gedankenlos einer Illusion von stets wachsendem Wohlstand und von funktionierender Demokratie, unter den gegenwärtigen monetären und verfassungsmäßigen Bedingungen, hingeben.
Demokratie kann nicht funktionieren, solange in ihr die Wirtschaft als das Basissystem alles dominiert und solange diese selbst vom Zinssystem hoffnungslos verzerrt wird. Unsere sogenannte Politikverdrossenheit braucht sich gar nicht diffamierend gegen einzelne Politiker zu richten und an ihnen abzureagieren. Wir brauchen diese wertvollen Verdrossenheits-Energien für intelligente Strukturveränderungen.
Viele Rädelsführer und unbewußt profitierende Rädchen des Systems haben alles Interesse daran, die Liebe als bloße Gefühlsseligkeit zu sentimentalisieren. Es ist das Interesse von Trägheit und Egoismus derer, die auf die Sonnenseite des Lebens geraten sind, ohne die dafür erforderliche Intelligenz und Charakterstärke mitzubringen.

6.4.2. Die ideologische Entgegensetzung von Kopf und Herz
Der intensiv Liebende denkt bekanntlich ständig an den anderen Menschen, mit Kopf und Herz. Liebe ist ein Denken mit Gefühlsresonanz. Die Gefühle selbst sind eine Art "gelebtes Denken" - im Unterschied zum Nach-denken, das sie so gern "aufklären" will, ohne jemals zu Ende zu kommen.
Deshalb ist nur der stark Erlebende zum professionellen Denken geeignet. Wir brauchen nicht den Kopf zu verleugnen, um das Herz sprechen zu lassen, wie uns heute modische Oberflächen-Psychologien weismachen wollen.
Es vergeht kaum eine Diskussion außerhalb der akademischen Tabu-Zonen, ohne daß diese unselige Entgegensetzung zugunsten des Gefühls gemacht wird, als Ventil und Rache dafür, daß die gefühlsmäßige Ganzheit des Menschen ihrerseits innerhalb der Universitäten zugunsten des angeblich reinen Denkens verleugnet wird. Lieber ein von eigenen Gefühlen geleitetes als ein von parteilichen Interessen korrumpiertes Denken!
Die Sackgassen des Abendlandes gehen nicht auf seine tatsächlich besondere Kultivierung des Denkens zurück, sondern auf falsches und oberflächliches Denken und dessen Verwirrung. Die größten denkerischen Leistungen Deutschlands (zur Zeit des deutschen Idealismus) gingen Hand in Hand mit größter künstlerischer Empfindsamkeit und Produktivität, übrigens auch mit politischer Veränderungskraft.
In vielem eilen Gefühl und Intuition dem Denken voraus. Die Einsichten Gesells waren ohne viel Intuition gar nicht möglich. Sie waren zweifellos auch von dem Gefühl getragen, das unzählige Menschen haben: daß etwas mit unserem Geldsystem von Grund auf nicht stimmt. Es ist die Hellhörigkeit des Denkens auf solche Gefühle, geleitet vom unbeirrbaren Wahrheitswillen, wodurch es gelingt, das dunkel Gefühlte klar zur Sprache zu bringen.
Auf nationaler wie menschheitlicher Ebene zeigt sich Liebe nicht als kraftloses Schwärmen und Bemitleiden, sondern als erfinderisches, klares Denken und Handeln mit Mut.
Wie las ich kürzlich auf einem Werbeplakat? "Mut tut gut." Er hat geradezu therapeutische Wirkung in der kapitalistischen Gesellschaft des Opportunismus, der billigen Käuflichkeit von Überzeugungen.


http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/memosys/tkreis08.htm
Warum Menschen, die eine Außenseitermeinung vertreten, durchschnittlich besser informiert sind, als Menschen, die eine weit verbreitete Meinung vertreten



Jeder, der sich gerne mit Außenseitermeinungen beschäftigt, stellt irgendwann ein merkwürdiges Phänomen fest: Vertreter von Außenseitermeinungen sind besser informiert, als Vertreter von weit verbreiteten Meinungen! Und nicht nur das: Sie argumentieren sachlicher, geben im allgemeinen die zur weiteren Informationsuche nützlicheren Quellenangaben und machen meist weniger sachliche Fehler.
Kaum zu glauben? Ist aber so.

Nur heißt das halt noch lange nicht, daß Außenseitermeinungen häufiger richtig sind, als weit verbreitete Meinungen. Tatsächlich hat dieser Effekt ganz andere Ursachen:


Wie kommt man zu einer weit verbreiteten Meinung?
Man interessiert sich eigentlich kaum für das Thema und verläßt sich deshalb darauf, daß das was "alle" sagen, schon stimmen wird. (Wer "alle" sind hängt dann aber vom persönlichen Umfeld ab... )
Man besucht eine beliebige Hochschule und lernt dort die drei am weitesten verbreiteten Meinungen kennen, denkt kurz über deren Argumentation nach und nimmt dann das plausibelste.
Wie oben, nur daß diesmal eine Bibliothek oder Buchhandlung die Quelle ist, in der - wie meist - nur die verbreitetsten Meinungen vertreten sind.
Auf all diese Möglichkeiten, zu einer weit verbreiteten Meinung zu kommen, kann natürlich eine Phase folgen, in der der Besitzer dieser Meinung sich sorgfältig informiert. Das ist aber gemessen an der Zahl der Besitzer dieser Meinung relativ selten, da es so viele Themen gibt, zu denen man IRGENDEINE Meinung in sein Weltbild integrieren muß, um im Alltag handlungsfähig zu sein, daß jeder nur bei einem Bruchteil von unter einem Prozent seiner eigenen Meinungen wirklich eine gründliche Meinungsbildung betreiben kann. Manche Leute bilden sich dagegen in ihrem ganzen Leben kein einziges Mal eine eigene, wirklich unabhängige und fundierte Meinung.
Wie kommt man zu einer Außenseitermeinung?
Man hat eine der weitverbreiteten Meinungen und stößt auf einen Hinweis, daß sie höchswahrscheinlich falsch ist. Daraufhin leitet man eine gründliche Meinungsbildung ein und kommt zu dem Ergebnis, daß eine der Außenseitermeinungen richtig ist - oder erfindet selber eine neue Außenseitermeinung.
Man hat einen nahen Verwandten oder nahen Bekannten, der eine so intensive Meinungsbildung betrieben hat. Und ist dadurch gut über das Thema informiert.
Man gehört einer Sekte an.
Die ersten beiden Möglichkeiten führen zwangsläufig dazu, daß der Betreffende sich überdurchschnittlich gut informiert hat. Die dritte Möglichkeit hat den Nebeneffekt, daß man von dem Betreffenden die Meinung vermutlich nur dann erfährt, wenn man derselben Sekte angehört. Diese Meinung fällt also bei der Beschäftigung mit Außenseitermeinungen in den meisten Fällen unter den Tisch. Ausnahmen bilden nur Bücher aus Sekten mit so guter und klarer Beweisführung, daß sie auch von Außenstehenden weiterempfohlen werden.
Was passiert, wenn man eine Außenseitermeinung hat?
Das ist jedoch nur der erste Schritt der Ursachenkette für die durchschnittlich bessere Informiertheit der Vertreter von Außenseitermeinungen. Das offene Vertreten einer Außenseitermeinung außerhalb des geschützten Rahmens, den eine geschlossene Gruppe mit derselben Meinung bietet, hat nämlich aus folgenden Gründen einen erheblichen erzieherischen Effekt:
Man bekommt von der Gegenseite oft persönliche Beleidigungen und unsachliche Argumentation zu hören, ohne sich wirkungsvoll wehren zu können, wenn man sich selber jedoch einen solchen Fehler erlaubt, bekommt man das sofort von allen Seiten vorgeworfen. Also bemüht man sich um sachliche, gut belegte Argumentation oder schweigt. (Und von denen, die schweigen, merkt man natürlich bei der Suche nach weiteren Informationen nichts.)
Bei der Suche nach neuen Informationen, macht man die Erfahrung, daß es nicht mehr reicht, in die nächste Buchhandlung oder Bücherei zu gehen und zu fragen, welches denn ein Standartwerk zum Thema ist, sondern daß man bei der Suche nach guter Literatur zu Außenseitermeinungen zum größten Teil auf gute Qellenhinweise anderer mit dem Thema Beschäftigter angewiesen ist.
Durch diese Erfahrung lernt der Betreffende, daß Quellenhinweise etwas Wertvolles sind, und achtet deshalb auch selbst darauf, gute Quellenhinweise zu geben.
Eine Außenseitermeinung wird nie ohne Beweise als richtig akzeptiert, jeden Fehler in der Beweisführung reibt einem irgendwann jemand unter die Nase, jede Schwäche bekommt man vorgeworfen. Man erhält also in der Summe einen sehr ausführlichen Unterricht in sauberer Beweisführung.
Daraus läßt sich schließen: Für labile Persönlichkeiten ist es ratsam, sich vom Vertreten von Außenseitermeinungen fernzuhalten. Das Maß an persönlichen Angriffen, das Vertreter von Außenseitermeinungen abbekommen, könnte über die eigenen Kräfte gehen.
Wer aber fähig ist, das schadlos zu verkraften, für den lohnt sich das offene Vertreten einer Außenseitermeinung, weil er daraus viel lernen kann.

In absoluten Zahlen: Gibt es mehr gut informierte Vertreter von Außenseitermeinungen oder von weit verbreiteten Meinungen?
Keine Ahnung.
Das ist ungefähr so, als hätte jemand einige Stecknadel in einen großen Heuhaufen geschmissen und ein paar andere in eine Schachtel, wo eine Handvoll Heu drin ist. Es ist praktisch unmöglich, alle Stecknadeln im Heuhaufen zu finden - ja sogar nur ein Zehntel der Stecknadeln aus dem Heuhaufen wieder herauszufischen ist nahezu unmöglich. Aber die Stecknadeln in der kleinen Schachtel, die findet man alle wieder. Nur die Frage, wo denn nun mehr reingeworfen wurden Heuhaufen oder Schachtel - läßt sich durch Stecknadeln wieder heraussammeln nicht sicher klären.

Vergleichbar ist das mit dem wirklich gut informierte Leute zu einer weit verbreiteten Meinung finden - zwischen den ganzen schlecht informierten Besserwissern, sind sie wirklich so schwer aufzustöbern, wie eine Stecknadel im Heuhaufen. Gut informierte Leute zu einer Außenseitermeinung finden, ist dagegen ganz einfach - man bekommt sie von nahezu allen, die diese Meinung offen vertreten geradezu aufgedrängt.



Aufgrund der aufgeführten Mechanismen nehme ich an, daß Menschen, die in irgendeinem Bereich eine Außenseitermeinung offen außerhalb des Rahmens einer Gemeinschaft, die diese Außenseitermeinung teilt, vertreten oder über einen längeren Zeitraum vertreten haben, im großen und Ganzen ein realistischeres Weltbild haben, als Menschen, die in keinem Bereich eine Außenseitermeinung offen vertreten. Und zwar unabhängig davon, ob diese Außenseitermeinung zutrifft. Nachbemerkung:
Eine Frau, die sechs Jahre studiert hatte - Biologie - und jetzt in der Krebsforschung arbeitet, las diesen Text und meinte, sie hätte aber überhaupt nicht den Eindruck, daß Vertreter von Außenseitermeinungen (in der Medizin) besser informiert seien, als Vertreter von häufigen Meinungen.

Ich war zuerst einmal überrascht, ob dieser Antwort - bei ihrem Beruf mußte sie eigentlich irgendwo schon einmal gelernt haben, was der Begriff repräsentative Stichprobe bedeutet.

Und sie müßte sich an fünf Fingern abzählen können, daß ihr persönlicher Bekanntenkreis zweiffellos keine repräsentative Stichprobe aus der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland darstellt. - Zumindest die in der Krebsforschung arbeitenden gut informierten Fachleute, die weit verbreitete Meinungen verteten, dürften erheblich überrepräsentiert sein.

Abgesehen davon mag sie einiges für Außenseitermeinungen halten, was in unserer Gesellschaft ganz gewiß keine außenseitermeinung mehr ist. Beispielsweise gibt es - wie jeder mit einem kurzen Blick ins Telefonbuch feststellen kann eine erheblich Anzahl an Heilpraktikern - etwa ein drittel bis ein Viertel der Anzahl der Ärzte. Die weitaus meisten Heilpraktiker machen unter anderem auch homöopathie - und von daher kann man die behauptung, daß Homöopathie eine brauchbare Heilmethode sei, wohl kaum als Außenseitermeinung in unserer Gesellschaft betrachten

Quelle: Reiche ich nach...
Georg Simmel im 21. Jahrhundert
Textinterpretationen aus heutiger Perspektive


Das Geld: Wirkungen auf das individuelle und kollektive Handeln


Monica Thoma
Gertrudstrasse 58
8003 Zürich

Zürich, im Oktober 2000





. . .
Die Kulturkritische Sicht Simmels kann besonders deutlich an der modernen Gentechnik verdeutlicht werden. Es schien bei der Entschlüsselung des menschlichen Genoms vor allem um eine Frage des Profits zu handeln. Um Investitionen in diesem Feld anzuregen, wurde vorallem die Nützlichkeit solcher Forschungserkenntnisse für die Behandlung von bisher unheilbaren Krankheiten hervorgehoben. Hat man aber die Bedeutung des Wetttkampfs mit der Zeit für die in diesem Feld tätigen Unternehmen beachtet, bleibt ein übler Nachgeschmack. Das Ziel dieser Firmen schien eher die Erzielung möglichst hoher Börsengewinne zu sein, als die tatsächliche Nutzung dieser Technologien zur Verbesserung menschlichen Lebens. Wenn man die heutige Situation unter die Lupe nimmt, zeigt sich, dass viele Krankheiten mittels Gentechnik zwar vor Ausbruch der Symptome diagnostiziert werden können, eine Mögliche erfolgreiche Therapie der Krankheit mittels Gentechnik oder anderen Mitteln aber immer noch aussteht. Natürlich kann damit argumentiert werden, dass die nutzenbringenden Erkenntnisse erst aufgrund hoher Investitionen in Gentechnik-unternehmen zustande kommen. Das mag auch stimmen. Der springende Punkt ist hier aber, dass mit diesem Beispiel verdeutlicht wird, dass das Geld in den Köpfen der Menschen zum Mittelpunkt und zur hauptsächlichen Antriebskraft ihres Handelns geworden ist. Die Seele des Menschen spielt eine immer geringere Rolle. Die Wissenschaft und die darin enthaltene Möglichkeit des immer berechenbareren Umgangs mit unserer Wirklichkeit wird zum Glaubensbekenntnis des modernen Menschen. Das Bewusstsein darüber aber, das der Mensch von einer nicht selbst geschaffenen natürlichen Umwelt abhängig ist, scheint ihm manchmal abhanden gekommen zu sein.

Das Zeitbewusstsein spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Bei einem solch stark ausgeprägten Konkurrenzkampf der Unternehmungen der heutigen Weltwirtschaft, hat der Mensch immer weniger Zeit sich an Änderungen seiner Umwelt anzupassen. Eine Lösung dieses Problems kann natürlich nicht pauschal gegeben werden. Ein aus Simmels Analyse gewonnener Ansatz könnte aber darin bestehen, sich wieder stärker den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen bewusst zu werden, sowie dem Fortschritt dementsprechende Grenzen einzuräumen.
Network solutions for global governance
Jean-François Rischard
16 - 1 - 2003


Jean-François Rischard, the author of High Noon: 20 global problems, 20 years to solve them, talks to openDemocracy about his proposal for a new way of addressing the most intractable questions about the way the world is ruled.






openDemocracy: What are you hoping to achieve with your book High Noon?

Jean-François Rischard: High Noon is a very personal book. I wrote it in my own capacity even though I am Vice-President at the World Bank. I wrote it because I am convinced that our planet faces a whole new generation of global issues which need solving in the next two or three decades at most, and which the existing worldwide set up is not very well organised to deal with.

I am trying to prompt the reader into lateral thinking about global governance – not the representational and hierarchical terms that we are so used to, but in terms of the possibilities offered by a networked approach.

It’s not globalisation, stupid

JFR: There are three parts to my analysis – detailed in the three parts of my book. The first is that there is not one big mushy force called globalisation. Rather, there are two distinct forces which will change the world massively in the next twenty years.

The first force is population increase. We are going from five billion people ten years ago to around eight billion people twenty years from now. Our planet is already very stressed, so this growth implies a whole series of environmental and social stresses becoming even stronger.

The second big force is the new world economy – and here I mean a much broader set of changes than the hi-tech economy people have talked about so much. This new world economy is very different from anything the world has experienced before. It will completely change the way things get done over the next twenty years. We’re only at the beginning of the changes.

These two big forces – which I explore at more length in the book – are soaring ahead of our ability to manage them. Existing institutions – nation states, government departments, ministries or international institutions – evolve very slowly in comparison to these two big forces. As a result, there is a major governance gap, and in that gap there is a lot of trouble breeding.

One example is the world financial crisis that has been with us now for five years, affecting country after country. Another kind of trouble is the bad mood in politics everywhere and the distrust people have that politicians will solve the big issues of the world fast enough. One of the results you see is an increasing amount of protest, as people express their discontent around big international gatherings.

Twenty global issues

But the biggest casualty of the gap – and this is the second part of my analysis – is the failure to solve twenty pressing global issues (see panel). And, by the way, there could be five more, or there could be only seventeen – it doesn’t really matter: the point is to identify the priorities. None of these are issues to be solved thirty, forty, fifty years from now; they are all of a type that means that we need to solve them in the next five, ten, fifteen or twenty years – if not yesterday, as in cases such as fisheries.

In reality, these issues are not difficult or costly to solve. The short-term costs of solving them are lower than the long-term costs of not solving them. There are technical solutions for most of them. But, by and large, they are unsolved.

TWENTY GLOBAL ISSUES

Sharing our planet: issues involving a global commons

Global warming
Biodiversity and ecosystem loss
Fisheries depletion
Water deficits
Maritime pollution and safety
Sharing our planet: issues requiring a global commitment

Massive step-up in the fight against poverty
Peacekeeping, conflict prevention, combating terrorism
Education for all
Global infectious diseases
Digital divide
Natural disaster prevention and mitigation
Sharing our rule book: issues needing a global regulatory approach

Reinventing taxation for the 21st century
Biotechnology rules
Global financial architecture
Illegal drugs
Trade, investment, and competition rules
Intellectual property rights
E-commerce rules
International labour and migration rules
For analysis, see High Noon: 20 global problems, 20 years to solve them.




The failure of existing global institutions

JFR: The third part of my analysis is an examination of why these global issues are not being solved. Firstly, it’s important to understand how the international system works. Broadly speaking, it can be divided into four ‘chunks’. The first is treaties and conventions; the second is United Nations (UN) conferences such as those in Monterey and Johannesburg; thirdly, there are groupings of countries such as the G8 and the G20; fourthly, there are some 45 global multilateral institutions such as the World Bank, the International Monetary Fund (IMF), the World Trade Organisation (WTO) and the many UN agencies.

These four parts of the international system do many useful things. I am not knocking them at all. But, the four parts together have not amounted to a system that will solve the big global issues.

oD: Why not?

JFR: Treaties and conventions are usually very slow at solving global issues. Take global environmental problems. There have been no fewer than 240 treaties put in motion since 1960. And yet in Johannesburg a few months ago the leaders of the world had to confront once more that there hasn’t been much progress in the environmental area – there has been a regression in many cases.

This is usually for one of the following reasons. Many treaties are very slow to be ratified; it can take decades. Or when treaties are ratified they exclude some major players. Or when they are ratified they don’t have secretariats. Or they are not being enforced at all.

The big UN conferences are very useful in raising the awareness of people worldwide about a particular set of issues for a brief time. In that sense they do play an important role. But they are not good at producing real solutions to these issues. They don’t last very long. There is no real brainstorming going on, and essentially the communiqués and calls for action are too general to amount to a detailed set of solutions.

Groupings such as the G8 and the G20 (which is an offshoot of the G8 looking at the international financial architecture) have their own set of shortcomings. They do useful things but they are not very good at long-term problem solving. Their methodology is largely reactive.

Another problem with G8-type groupings is their exclusiveness. India and China are not in the G8 even though one person in three on the planet lives there. Also, they tend to lack a full range of relevant knowledge. Civil servants only know so much – they need the complementary knowledge and insights that come from business and civil society.

Then there are the global institutions such as the World Bank, IMF and the UN agencies. Many of these institutions do very useful work and often have precious knowledge. But they can’t fly solo when it comes to global problem-solving, in part because the countries that control them won’t let them. They also have far less power than is often ascribed to them by public opinion. The WTO, for example, has a very small budget. They are often criticised heavily by protestors, if only because they are the visible part of the system.

The alternative – global issues networks, not global government

oD: So if none of these four parts of the international system are capable of the kind of long-term problem-solving needed, what is the alternative?

JFR: Some people advocate the creation of a global government. My view is that even if it could be done – and I very much doubt that it could be done – it would take many decades, and we don’t have that much time.

Instead, I propose a solution that would not mean reinventing the international system but would put it under pressure to perform faster and to perform better. I have in mind something called Global Issues Networks (GINs), one for each of the twenty issues. These would be permanent networks – not on-and-off affairs like the G8-type groupings and UN conferences. They would assemble around each of the twenty global issues described knowledgeable representatives on that particular issue from three parts of societies – governments, business, and civil society groups. An existing multilateral institution would help convene each of the networks, acting as a facilitator rather than as a problem solver.

The networks would start small and start now with just twenty, thirty or forty people with expertise on a given issue in each sector. There would be a one year long constitutional phase where the network agreed a code of conduct and put together a platform of knowledge and resources. Then, in a second phase, which could last two or three years, they would increase in size to several hundred people – still from business, government and civil society. In this second phase, they would take a problem apart. For example, take fisheries, which are being very quickly depleted; the network would analyse the sub-problems, assess how much time there is to solve it, the options, and create a vision for sustainable fisheries.

Finally in this second phase, it would ask what are the legal norms and standards that will coax the various players towards the intermediate steps leading to that final vision of a solved fisheries problem. This would be what I term ‘norm production’.

In the third phase, membership of a given GIN would increase from several hundred to several thousand members. This phase would last ten years or more, and in that phase the network would become more like a rating agency. Its job would now be to monitor how all the nation states of the world, all the big multinational companies and all the other big players are doing in the light of the norms and standards that have been put out by the network, and to name and shame those players that are not abiding by the standards.

The naming and shaming phase is very similar to what happened two years ago when the Financial Action Task Force (FATF) produced forty criteria for assessing the tolerance of money laundering for any particular country. The FATF published a list of fifteen countries guilty of money laundering, and a year later half the countries on that list had passed legislation to get off it. So, imagine essentially twenty big GINs doing the same sort of thing very systematically and thoroughly, with a lot of worldwide knowledge and credibility behind them.

oD: Many people do not perceive the global issues you describe to be crises. What would give the sense of urgency and goodwill to make the GIN idea actually work?

JFR: It is true that for many of the twenty global issues I have listed there isn’t an outside crisis that is visible. At the same time if you look at them closely, as I do in my book, you clearly get a sense that they must be solved within the next twenty years and that many of them are actually make or break for the planet. Global warming is a good case where scientist are not exactly sure how large the problem is, but they know there is a big problem brewing. But if you wait long enough to get the evidence for it, the process may be irreversible and it could be far too late.

‘Expanding the concept of rogueness’

If you don’t have an obvious crisis, the question is how to get nation states especially – territorial creatures, whose politicians have a four- or five-year electoral horizon – to think globally and fast about these issues. I think these GINs with their very particular methodology are ways to increase the pressure on the nation states by exposing their performance as global citizens in a very public way.

Naming and shaming those who do not respond effectively could have an enormous effect. Rogue states are defined in a very narrow way these days, but what I’m describing implies an expansion in the notion of rogueness. Thus, you don’t necessarily have a crisis, but you create pressure and awareness publicly in the world as to who’s playing ball and who isn’t. You create a public opinion crisis for the countries that will be delinquent. The crisis will come first of all from people inside that country being extremely embarrassed about the behaviour of their government, and also the rest of the world being very critical about that country or that company or that player – and then actually engaging in all kinds of reprehension and other popular sanction.

Making it work

oD: How could this work in countries where people are not free, or powerless to put pressure on their governments?

JFR: First, networks are flexible creatures. They can get to people who don’t have much voice in the world today. What’s more, it may prove possible to incorporate lots more people and lots more countries than we do today through existing systems. Take the example of fisheries again. One of the countries you would include in that GIN is Mauritania; it has an enormous stake in this resource, but at present has little influence in the international community. In the UN system, it has only one small voice among some 185 countries. But in a Global Fisheries Network, Mauritania would play a much larger role because of all the expertise and interested parts of society that it has. So when you cut it into twenty problem-solving vehicles, you make more room for including in a meaningful way many poor countries, who will be very glad to work on an issue they are familiar with and experienced in.

Secondly, as I describe in my book, each of these GINs would host – as an adjunct forum but not as a decision-making vehicle – an electronic town meeting: an internet site designed to consult thousands, maybe tens of thousands, of people across the world as to what they think about the diagnostics and the solutions being discussed inside each network. Through this form of electronic democracy, which has only come up in the last few years; through the idea of ‘rough consensus’, which comes from the internet’s self-regulation world; through the peculiar methodology of the networks I describe in the book; you can help create norms and standards, and involve people genuinely concerned about the issue. So here again there is a new way to bring in new voices – people who care about fisheries or drug trading issues or about taxation or about global warming.

I know that some academics and others may find some of these ideas naïve. But I wonder whether the real naïveté actually lies in trusting that the current international system, or minor variations of it, will deliver solutions in time. It won’t. By contrast, if we think creatively, along network lines, there’s a chance.


gefunden bei

opendemocracy.net
auch so etwas gehört mal hier rein! :)

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#3027 von landingzone 27.03.03 19:38:37


Christian Stroeble, the German Green Party MP, declared on television that an Iraqi war, in which hundreds of thousands would be killed, could not be justified by cheaper oil, while at the same time Green Party spokesmen warned that this war must be avoided at all costs, because it would lead to higher oil prices, and this would be detrimental to the world economy

Ströbele hat versucht, ein Paradox auszudrücken: Wer auf Raubzug nach billigem Öl geht, wird unter Umständen überhaupt keines mehr bekommen. Wer den Wüstensturm säht, kann einen Orkan ernten. Last but not least:

Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen.


Putins Verhalten ist nicht viel annehmbarer als das von Bush. Die Tolerierung des Tschetschenienkrieges seitens des Westens war eine der Maßnahmen im Rahmen des "Antiterror"-Regimes. Was die Neokonservativen in Wirklichkeit ausdrücken wollen: Der Versuch des Einforderns von Kumpanei unter Kriminellen hat doch bei Putin gut geklappt, warum nur wollen die Deutschen denn nicht mitmachen?


Der schaurige Kosename des Krieges "iraqi freedom", die ultimative Begründung der Ölritter
Schiiten als Opfer
(...) Doch so gerne die unterdrückte schiitische Mehrheit im Irak Saddam loswerden wollen, so sehr mißtrauen sie den USA. Von George Bush senior fühlten sie sich 1991 im Stich gelassen, nachdem er sie zum Aufstand anstachelte und dann tatenlos zusah, wie Saddams Republikanische Garde rund 100.000 Rebellen ermordete. Die größte schiitische Oppositionsgruppe in Irak hat bereits angekündigt, nach dem Sturz von Saddam Hussein eine amerikanische Besatzungsmacht zu bekämpfen. "Die Kräfte der Koalition sind uns so lange willkommen, so lange sie dem Volk helfen, die Diktatur von Saddam Hussein zu beenden. Falls sie unser Land besetzen oder kolonialisieren wollen, werden sich die Iraker wehren", sagte der Führer der Gruppierung Oberster Rat für die Islamische Revolution in Irak, Ajatollah Mohammed Bekir el Hakim, in Teheran. (...) http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,242159,00.html


Wer schützt uns vor den Langsamdenkern der NYTimes?
Columnist Page: Thomas L. Friedman
(...) Have we been able to explain why some Iraqi forces are putting up such a fierce fight? ... hier kommen tausend Vermutungen, hauptsächlich dummes Zeug - dann hat er die erlösende Idee: Or is this happening because even Iraqis who detest Saddam love their homeland and hate the idea of a U.S. occupation — and these Iraqis are ready to resist a foreign occupier, even one that claims to be a liberator? Knowing the answer is critical for how we reconstruct Iraq. It is not at all unusual for Arabs to detest both their own dictator and a foreign occupier. (See encyclopedia for Israel, invasion of Lebanon, 1982.) http://www.nytimes.com/2003/03/26/opinion/26FRIE.html

Die USA hätten gerne die Handlungsfreiheit der Russen in Grosny, müssen Massaker aber dummerweise begründen. Das ist der Nachteil der Moralwaffe. Kann zu Kopfschmerzen und langen NYTimes-Artikeln führen.

Die vorgebliche moralische Vormachtstellung ist noch vor der militärischen am Zerbrechen. Einfacher hat es die Regierung. Sie bleibt banal und nutzt ihre Vormachtstellung in abstrusem Gefasel: "Gott ist mit uns" oder: "Es ist für uns eine Kleinigkeit, wenn die Welt aus Uneinsichtigkeit gegen uns ist". Sowas wächst an jedem Bush.


Die historischen Kreuzfahrer haben unter einem ähnlichen Motto ähnliche (un)vorstellbare Schlächtereien verübt. Auch damals wurde das Lied von der Freiheit gesungen: Die "Befreiung" Jerusalems. Das Drehbuch der Geschichte muß niemals neu geschrieben werden. Alles vorproduziert seit Jahrhunderten, serienreif.
Man kann nicht einmal ausschließen, daß sich die schießbudenreifen Neokonservativen bei den Sowjetkommunisten bedient haben: Die bekannte Parole: Freiheit, Frieden und Fortschritt eignete sich damals wie heute bestens, wenn Unterdrückung und Terror "moralisch" begründet wurden. Genauso nahe liegt die Erkenntnis, daß die Anhänger von Militarismus und Totalitarismus aller Jahrhunderte und jeder ideologischen Provenienz die gleiche Sprache sprechen und das identische Bedürfnis zum Verspritzen von Moralinsäure haben. Woran man sie, nebenbei, ziemlich einfach erkennen kann.



Das mit dem Glauben ist so eine Sache. Die bibelfesten Amerikaner und ihre britischen Vasallen haben nicht nur vergessen, wer sie sind und was sie tun, sondern auch, wo sie sind:
"Intensifying military actions, killing civilians and attacking holy sites in Iraq will increase hostility and therefore extremism in the region," Foreign Minister Kamal Kharrazi said, according to the official IRNA news agency.
"The world does not see that America and Britain are going to bring peace and democracy for Iraqis by hitting them with heavy bombs," Kharrazi added.
http://biz.yahoo.com/rm/030327/iraq_iran_1.html
#3098 von sittin bull inv 01.04.03 20:15:15 Beitrag Nr.: 9.052.744 9052744
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landingzone
@sittin bull inv

Schwundgeld ist vom Ansazt eine nette Idee. Aber Zinsen als Wurzel alles Übels zu identifizieren, kommt mir doch etwas anachronistisch vor und erinnert mich an die nachweislich fragwürdigen Behauptungen der Goldfreunde. Immerhin ist das Anlegen von Vorräten, um mal in der Gesell-proudhonistischer Diktion zu reden, eines der ältesten Bedürfnisse. Wenn man das den Leuten nicht mehr erlaubt, ist es vor allem eine neue Art von Unterdrückung.

dazu nur kurz:
Bernard Lietaer, von www.holis.de entnommen:
Der erste Mensch, der damit begonnen hat, als Schutz gegen die Unwägbarkeiten der Zukunft eine Menge Güter anzuhäufen, mußte damit automatisch seinen Besitz gegen den Neid und die Bedürfnisse anderer Menschen verteidigen. Wenn eine Gesellschaft Angst vor Knappheit hat, wird sie eine Atmosphäre schaffen, in der die Ängste wohlbegründet sind. Es handelt sich hier um eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Dazu weiter: Geld ist dasjenige welches, was immer künstlich knapp gewerden halten muss, sonst würde es nicht funktionieren. Matriachalische Gesellschaften kannten keine Knappheit. Schenkungswirtschaften sind heute noch rudimentär vorhanden. Sie funktionieren auch,
wenn auch nicht so effizient wie unsere.
Zwar ist Geld auch die beste Erfindung des Menschen, weil sie Tauschgeschäfte erleichtert und allem einen Wertmaßstab gibt, und damit den Fortschritt maßgebend beeinflußt, gleichzeitig aber auch die schlechteste und antidemokratischte Erfindung, weil immer nur einige wenige profitieren, und alle anderen dafür bezahlen müssen,
diese Umverteilung nimmt über den Zins auch noch jedes Jahr zu...was auch noch zu sozialen Problemen der Individuen und Gesellschaften führt.

Wieso haben wir also Angst vor Knappheit?

Außerdem soll es Gesellschaften gegeben haben, in denen Schwundgeld sehr gut gewirkt haben soll-
die sogenannte Blütezeit des Mittelalters, mit den Brakteaten...

Sehr empfehlenswert u.a. "Karl Walker, Die Geschichte des Geldes", als Volltextversion unter u.g. Link zu finden!

Siehe auch Thread 711988






Zweitens wird sich das Bedürfnis nach solchem Prozessen in anderen Kanälen entladen. Die Leute horten dann einfach Edelmetalle, Hühnereier oder sonstwas. Mir leuchtet die ganze Idee nicht ein, was aber an meiner begrenzten Vorstellungskraft und an der Tatsache liegen kann, daß ich mich noch nicht sehr damit auseinandergesetzt habe. Ich kann im übrigen die Befürchtung nicht ganz loswerden, daß die Anti-Zins-Bewegung mittelalterlich-antisemitische Wurzeln hat.

Nein. Korrekterweise waren lange Zeit in allen drei Weltreligionen Zins und Wucher verpönt. Nur Juden war es erlaubt, Zinsen von Nichtjuden zu verlangen. Daher der Trend seit den Anfängen des Geldwesen zu Antisemitismus. Was natürlich Quatsch ist, denn nicht die Empfänger sind das Übel, sondern das System selbst. Interessanterweise ist es verpönt, überhaupt nur in solche Richtung nachzudenken.
Erst als die christliche Kirche selber Geldbesitzer wurde, "vergaß" man alte Gebote zum Zins

Simple Frage: Wie soll denn bspw. das Kreditrisiko bezahlt werden? Etwas ähnliches ist ja der Zins.

In der Tat kann man das mit herkömmlichen Erklärungsansätzen nicht verstehen. So weit ich verstanden habe will man aber den Zins nicht abschaffen, sondern den Zinsfuß ins negative legen! Aber auch darüber hat man sich schon seit 70 Jahren ungehört Gedanken gemacht,
ich habe es im Thread 696565 zusammengestellt, wie man sich es vorstellen kann!


Interessant ist auf der anderen Seite die deutliche Überschneidung mit islamischen Prinzipien. Bei den Moslems ist das Erheben und Zahlen von Zinsen schlichtweg verboten, ungefähr so wie der Alkoholkonsum (was aber einige fortschrittliche Moslems m.W. inzwischen als eine Art historisches Mißverständnis bezeichnen). Ich bin aber ziemlich sicher, daß sie dennoch irgendeinen Weg gefunden haben, um mit der Frage, wie werden Kredite honoriert, umzugehen

Logisch! Vielleicht ist deshalb doch der Islam der Hauptfeind der NeoCons?


Und hier noch ein sehr guter Link:

http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/


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Helmut_Kohl
@ sittin

Du bist Freiwirtschaftler. Definiere das doch mal. So weit ich weiss, basiert Freiwirtschaft auf Schwundgeld, dessen Sinn ich nicht ganz verstehe. Auf der Seite derdritteweg werden jedenfalls ziemlich laecherliche Behauptungen losgelassen:

Wir fordern die Einführung einer Geldumlaufsicherung in Form einer gesetzlichen Gebühr auf zurückgehaltenes Geld, und zwar nur auf Bargeld.

Haha! Und was soll dadurch bewirkt werden? Es befinden sich 635 Mrd Dollar im Umlauf, davon (vorsichtig geschaetzt) die Haelfte im Ausland. Macht etwa 300 Mrd. im Inland, also 3% vom GDP.

Im uebrigen, darf ich mal ganz fundamentale Zweifel am Sinn des Schwundgelds anmelden. Erster Satz der Wohlfahrstoekonomie: Gleichgewichte sind Pareto Effizient. D.h. ohne irgenwelche Externalitaeten sind proportionale Steuern wohlfahrtsmindernd.
Jetzt zeige mir doch mal, wo denn Externalitaeten oder andere Gruende sind, die eine Steuer auf Bargeld begruenden koennten!

Das ganze Konzept der Geldhortung, ist meiner Meinung nach eine versteckte kommunistische Agenda zur Enteignung. Geldknappheit herrscht vielleicht in der Geldboersen der Freiwirte, und deshalb sind sie – aus reinem Neid – fuer die Geld-Steuer.

Boden aus Privatbesitz kann nur noch an die öffentliche Hand verkauft werden. Dieser Gemeinbesitz wird einem öffentlichen Bodenfonds zugeführt, der alle angebotenen Grundstücke aufkauft. Auf diese Grundstücke werden dann keine privaten Eigentumsrechte mehr vergeben, sondern nur noch Nutzungsrechte in Form von Pacht und Erbbaurecht.

Ahhhh! Katze aus dem Sack! Der Gemeinbesitz wird auch Volkseigentum genannt, richtig? Oder Kolchose?

Und noch ein Schmankerl:

Wenn die heutigen leistungslosen Einkünfte aus dem reinen Eigentum an Boden (Bodenrente) wie auch die knappheitsbedingten Wertsteigerungen der Allgemeinheit zugeführt werden, erhöht sich das Angebot an verfügbarem Boden.

Aha! Wenn Deutschland Schwundgeld einfuehrt, dann wachsen wir von 350000 km^2 auf 700000 km^2. Polen sollte schon mal mit dem Aufruesten anfangen! (achtung Ironie!)

Lieber sittin: Interessiert Du Dich eigentlich auch Frei-Physik und Frei-Chemie? So’ne Art transzendentale, ganzheitliche Naturwissenschaft. Ganz ohne Gleichungen, aber mit viel mehr Beachtung fuer die Persoenlichkeitsrechte der Atome. Da werden keine Atome mehr unterdrueckt! Kein Atom muss mehr eine Verbindung eingehen, wenn es nicht will. Und wenn wir so fleissig weiter forschen, dann koennen wir bestimmt innerhalb der naechsten zwei Wochen den Frei-Physik cold fusion reactor bauen. Dann waeren alle Probleme der Welt geloest, genauso wie Schwundgeld fuer die Freiwirtschaftler und “Ausbau der Eurasischen Landbrücke” fuer den Bueso alle Probleme loest.

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#3103 von sittin bull inv 02.04.03 06:12:34 Beitrag Nr.: 9.055.854 9055854
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Helmut-Kohl, ich weiß das es müßig ist, mit dir über so etwas zu diskutieren, die Links waren für jsutformoney gedacht- du wirst es mit deiner Vorbildung nie verstehen können, sel´bst wenn du es ernsthaft versuchen würdest.

Mein Gefühl und mein Verstand sagen mir, dass dort irgendwo die bessere Lösung liegt, wie sie auch immer genau aussehen wird.


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#3106 von sittin bull inv 02.04.03 09:59:53 Beitrag Nr.: 9.057.035 9057035
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Das goldene Mittelalter - durch zinsfreies Geld

In der Zeit von 1150 bis 1450 gab es in Mitteleuropa eine krisenfreie Zeit, welche durch eine geniale zinsfreie Währung erreicht wurde: Um 1150 begann Erzbischof Wichmann (1110-1192) aus Magdeburg damit, Münzen herauszugeben, welche zweimal im Jahr zum Umtausch aufgerufen wurden. Ziel war es, die Steuern einfach und regelmäßig einzutreiben. Dabei wurden 12 alte Pfennige gegen 9 neue ausgetauscht, die Differenz war Steuer. Um die Münzen schnell und ohne viel Aufwand wieder einschmelzen und umprägen zu können, waren sie nur einseitig geprägt und aus dünnem Blech, daher ihr Name "Brakteaten" (bractes = dünnes Blech). Bald schon breitete sich diese Methode über das ganze Land aus. Das führte dazu, daß sich Geldhortung nicht mehr lohnte. Um dem nächsten Umtausch zu entgehen, wurde Geld zinslos weiterverliehen, da nur der Besitzer der Münzen die Umtauschgebühr zahlen mußte. Damit war Geld wieder reines Tauschmittel, nicht mehr Schatzmittel. Wie gewaltig dieser wirtschaftliche Aufschwung gewesen sein muß, zeigt die Entwicklung der Städte in Deutschland



Nun, nur durch die immer schneller Austauschgeschwindigkeit gieriger Herrscher wurde dieses System gestoppt. Es hat sehr lange recht erfolgreich gearbeitet!
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#3109 von frutta 02.04.03 17:33:12 Beitrag Nr.: 9.062.828 9062828
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@sittin bull,
im Laufe des 12. Jahrhunderts ging die kaiserliche Macht zurück und immer mehr lokale Herrscher errichteten lokale Münzstätten, die für sie natürlich sehr lukrativ waren. Mitte des 13. Jahrhunderts gab es ca. 500 verschiedene Münzstätten.Dabei war es üblich die Pfenniggewichte immer weiter herabzusetzen. Deshalb wurden die Pfennige bei größeren Geschäften nicht mehr gezählt, sondern gewogen. Um den Staatsbetrug aufrecht zu erhalten, entwickelte sich dann der miese Trick den Feingehalt des Silbers durch den Zusatz von billigern Metallen zu verringern. Das war viel schwerer zu erkennnen. Der Höhepunkt des Betruges war dann die Einführung der sogenannten Münzverrufung. Die umlaufenden Geldstücke wurden einfach für ungültig erklärt, eingezogen und man erhielt für 4 alte 3 neue Pfennige. Mit diesem Betrug finanzierten Kirche und Adel ihren Luxus. Diese häufigen Münzverrufungen waren aber nur möglich, wenn die Münzbilder deutlich verschieden waren. Deshalb kam man auf den Gedanken, die Münzen nur aus dünnem Silberblech zu prägen und größer zu machen. Diese etwa 5cm großen sogenannten Brakteaden wurden nur einseitig geprägt. Diese Form des Staatsbetrugs ist nichts anderes als die künstliche Einführung einer jährlichen 50 %igen Inflation. Bei einer solchen Geldentwertung versucht natürlich jeder das Geld so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Dieser Tatsache schreiben die Anhänger des Schwundgeldes eine wirtschaftsbelebende Wirkung zu. Der Haken an der Sache ist nur, daß eine solche miese Währung automatisch zu Nebenwährungen führt, weil die Verkäufer von Waren dieses Geld einfach nicht mehr annehmen. Das letzte Beispiel dafür war die Zigarettenwährung der Jahre 1945 bis 1948. Für das offizielle Geld bekam man gar nichts mehr. Für Zigaretten bekam man alles. Zigaretten übernahmen die Rolle des Geldes. Ebenso lief es in der Zeit der Münzverrufungen. Da der Handel mit dem Schwundgeld nicht funktionierte, weil man viele Waren nur noch im Tausch gegen ander Waren erhielt, wurde das Münzrecht quasi privatisiert. Viele Fürsten gaben gegen Bezahlung das Münzrecht an Städte. Städte wie Lübeck, Basel, Erfurt, Hamburg und Lüneburg führten den sogenannten ewigen Pfennig, der wieder beidseitig geprägt war, ein. Das geschah so ab ca. 1220. Die Zeit der Brakteaden war relativ kurz, und ist bestimmt nicht für die relativ krisenfeste Zeit verantwortlich. Natürlich ging das Spiel mit der Münzverschlechterung später wieder von vorne los. Die Geschichte des staatlichen Geldes ist eine Geschichte des fortwährenden staatlichen Betruges an den Bürgern.
Gruß frutta

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#3110 von sittin bull inv 02.04.03 17:39:12 Beitrag Nr.: 9.062.904 9062904
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@ frutta:


Wir werden das wohl nicht klären,
aber vielleicht kennst du diese Links!

http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/kritik/brakteatmaer.html

und die Antwort drauf

http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/kritik/replik.htm

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#3111 von frutta 02.04.03 18:05:53 Beitrag Nr.: 9.063.307 9063307
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Vor ungefähr 100 Jahren versuchte der italienische Finanzwissenschaftler Amilcare Puviani die Frage zu beantworten, wie eine Regierung möglichst viel Geld aus ihren Untertanen pressen kann, ohne offenen Widerstand zu provozieren. Er machte folgende Vorschläge:
# Erhebe mehr indirekte als direkte Steuern, um so die Steuer im Preis der Waren zu verstecken.
# Finanziere einen wesentlichen Teil der Staatsausgaben durch Kredite, um so die Steuern auf künftige Generationen zu verschieben.
# Fördere die Inflation, denn diese mindert die Staatsschulden.
# Besteuere Schenkungen und Luxusgüter, denn der Empfang oder die Gabe von etwas Besonderem mindert den Ärger über die Steuer.
# Führe "zeitlich befristete" Steuern ein, um eine "Notlage" zu überwinden, wobei allerdings die Ausnahmesituation immer bestehen bleibt und mit ihr die temporäre Steuer.
# Nutze soziale Konflikte durch die Besteuerung von unpopulären Gruppen, wie z. B. den Reichen.
# Drohe mit dem sozialen Zusammenbruch und der Verweigerung von Diensten, auf welche die Regierung ein Monopol hat, falls Steuern verringert werden sollen.
# Treibe die Steuern in kleinen Raten über das ganze Jahr verteilt ein.
# Halte die Steuerzahler in Unwissenheit über die tatsächliche Höhe ihrer Belastung.
# Führe die Haushaltsberatungen im Parlament so, daß kein Normalbürger ihnen folgen kann.
# Verstecke im Haushaltsplan die einzelnen Ausgabepositionen unter wohlklingendenAllgemeinbegriffen wie "Erziehung" oder "Verteidigung", damit Außenstehende nicht die tatsächlichen Bestandteile des Budgets erkennen können.
BEKANNT ?

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#3113 von frutta 02.04.03 18:19:28 Beitrag Nr.: 9.063.493 9063493
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@sittin bull,
das brauchen wir auch nicht zu klären. Aber wir können sehen, was in Ländern passiert ist, in denen die Kaufkraft des Geldes schnell dahinschwindet. Sie haben alle eins gemeinsam. Ein großer Teil des Handesl findet nicht in der Landeswährung, sondern in irgendeiner Nebenwährung statt, z.B. im Dollar in Südamerika, der DM in Osteuropa und der Türkei. Eine gallopierende Inflation ist besonders für die sozial schwachen sehr nachteilig.
Ein anderes Problem sind die Zinsen. Wenn ich dich richtig verstanden habe, ginge es dir eigentlich darum. Vielleicht sind die Zinsen tatsächlich für diese zyklischen Zusammenbrüche der Wirtschaft verantwortlich. Ich befürchte, wir haben wieder einen vor uns. Nachher werde ich deine Links lesen. Jetzt muß ich weg.
Gruß frutta" target="_blank" rel="nofollow">http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/kritik/brakteatmaer.html

und die Antwort drauf

http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/kritik/replik.htm

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#3111 von frutta 02.04.03 18:05:53 Beitrag Nr.: 9.063.307 9063307
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Vor ungefähr 100 Jahren versuchte der italienische Finanzwissenschaftler Amilcare Puviani die Frage zu beantworten, wie eine Regierung möglichst viel Geld aus ihren Untertanen pressen kann, ohne offenen Widerstand zu provozieren. Er machte folgende Vorschläge:
# Erhebe mehr indirekte als direkte Steuern, um so die Steuer im Preis der Waren zu verstecken.
# Finanziere einen wesentlichen Teil der Staatsausgaben durch Kredite, um so die Steuern auf künftige Generationen zu verschieben.
# Fördere die Inflation, denn diese mindert die Staatsschulden.
# Besteuere Schenkungen und Luxusgüter, denn der Empfang oder die Gabe von etwas Besonderem mindert den Ärger über die Steuer.
# Führe "zeitlich befristete" Steuern ein, um eine "Notlage" zu überwinden, wobei allerdings die Ausnahmesituation immer bestehen bleibt und mit ihr die temporäre Steuer.
# Nutze soziale Konflikte durch die Besteuerung von unpopulären Gruppen, wie z. B. den Reichen.
# Drohe mit dem sozialen Zusammenbruch und der Verweigerung von Diensten, auf welche die Regierung ein Monopol hat, falls Steuern verringert werden sollen.
# Treibe die Steuern in kleinen Raten über das ganze Jahr verteilt ein.
# Halte die Steuerzahler in Unwissenheit über die tatsächliche Höhe ihrer Belastung.
# Führe die Haushaltsberatungen im Parlament so, daß kein Normalbürger ihnen folgen kann.
# Verstecke im Haushaltsplan die einzelnen Ausgabepositionen unter wohlklingendenAllgemeinbegriffen wie "Erziehung" oder "Verteidigung", damit Außenstehende nicht die tatsächlichen Bestandteile des Budgets erkennen können.
BEKANNT ?

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#3113 von frutta 02.04.03 18:19:28 Beitrag Nr.: 9.063.493 9063493
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@sittin bull,
das brauchen wir auch nicht zu klären. Aber wir können sehen, was in Ländern passiert ist, in denen die Kaufkraft des Geldes schnell dahinschwindet. Sie haben alle eins gemeinsam. Ein großer Teil des Handesl findet nicht in der Landeswährung, sondern in irgendeiner Nebenwährung statt, z.B. im Dollar in Südamerika, der DM in Osteuropa und der Türkei. Eine gallopierende Inflation ist besonders für die sozial schwachen sehr nachteilig.
Ein anderes Problem sind die Zinsen. Wenn ich dich richtig verstanden habe, ginge es dir eigentlich darum. Vielleicht sind die Zinsen tatsächlich für diese zyklischen Zusammenbrüche der Wirtschaft verantwortlich. Ich befürchte, wir haben wieder einen vor uns. Nachher werde ich deine Links lesen. Jetzt muß ich weg.
Gruß frutta
#3115 von helmut_kohl 02.04.03 18:46:23 Beitrag Nr.: 9.063.845 9063845
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@ sittin bull inv

Helmut-Kohl, ich weiß das es müßig ist, mit dir über so etwas zu diskutieren, die Links waren für jsutformoney gedacht- du wirst es mit deiner Vorbildung nie verstehen können, sel´bst wenn du es ernsthaft versuchen würdest.

So schreibt jemand dem die Argumente ausgehen. Die Frei-Physiker werfen den herkoemmlichen Physikern vor sie haetten “zu viel Bildung” . Tatsache ist, dass eine Forderung wie die nach Schwundgeld immer durch ein Modell gestuetzt sein muss. Und ich moechte im Modell mit Ursache und Wirkung sehen koennen, warum wir Schwundgeld brauchen. Bis dahin ist Freiwirtschaft ein Pudding, den man leider nicht an die Wand nageln kann.

In der Zeit von 1150 bis 1450 gab es in Mitteleuropa eine krisenfreie Zeit, welche durch eine geniale zinsfreie Währung erreicht wurde:

Meine Fragen an Dich:
Wie hoch war das Wachstum p.a. in dieser Zeit? Ich will nicht wissen, ob Staedte gewachsen sind (wie sind wohl die Staedte in den USA nach 1900 gewachsen?), sondern ich will harte, nackte Zahlen. % per annum!
Wenn wir mal ab 1450 das Wachstum extrapolieren, wie hoch waere dann das GDP in Deutschland?

Ernst gemeinte Fragen!!!!

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#3118 von sittin bull inv 02.04.03 23:27:24 Beitrag Nr.: 9.066.900 9066900
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@ Helmut_Kohl: Warum ich es als müßig empfinde mit dir zu diskutieren liegt nicht an meinen ausgehenden Argumenten,
sondern an deinem Diskussionsstil!

Ich bin so nett und suchte trotzdem nach den Daten.

Kann etwas dauern, brauche dafür etwas Zeit.

Die GDP-Daten wird es nicht geben, wer sollte die auch haben, eine Grafik zu den (angenommenen) Städtegründungen kann ich liefern, wenn es beliebt.
Extrapolieren macht auch keinen Sinn, wie du sicherlich weißt bewegt sich jedewede Zinswirtschaft in Zyklen, in denen regelmäßig sämtliches Vermögen und Kapital vernichtet wird.

Ich kann zum besseren Überblick mal etwas aus Helmut Creutz Geldsyndrom zitieren!



Die Probleme des kapitalistischen Wirtschaftssystems hängen mit dem Geldbereich zusammen, die Probleme im Geldbereich mit zwei Überentwicklungen:

der Überentwicklung der Geldmenge,
die zur Inflation führt,

und der Überentwicklung der Geldvermögen, die zur Überschuldung und zum Wachstum zwingt.


Um diese Überentwicklungen zu überwinden, muß die Geldmenge kontrollierbar und der Umlauf verstetigt werden. Beides ist durch eine konstruktive Umlaufsicherung zu erreichen, die den Zins und die Inflation für diese Aufgabe überflüssig macht. Dazu wiederum müssen drei Widersprüchlichkeiten überwunden werden:
1. (bezogen auf das Geld) der Widerspruch zwischen öffentlichem und privatem Eigentum,
2. (bezogen auf die Geldfunktionen) der Widerspruch zwischen Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel,
3. (bezogen auf das Giralgeld) der Widerspruch zwischen seiner Nutzung als Nachfrage- und Kreditmittel.

Der erste und der dritte Widerspruch verhindern heute eine konkrete Geldmengensteuerung und damit die Überwindung der Inflation. Der erste und der zweite Widerspruch verhindern eine marktgerechte Absenkung der Zinsen. Mit den ständig positiven Zi