Soll ein Krieg das Finanzsystem retten? - 500 Beiträge pro Seite

eröffnet am 17.06.03 17:28:38 von
neuester Beitrag 18.06.03 17:47:11 von


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17.06.03 17:28:38
Nachdem WorldCom nun Enron gefolgt ist, die deutschen Pleiterekorde von Holzmann bis Dornier daneben wie Kinderkram aussehen, und die Kurse sich im freien Fall befinden, hat das Gerede von Verschwörungstheorie und politischem Abenteuertum, das ich täglich in meinem elektronischen Briefkasten finde, plötzlich aufgehört. Dem Gezeter, das mich begleitet, seit ich politische Beiträge verfasse, ist eine plötzliche Totenstille gefolgt. Da ist es an der Zeit, in das betretene Schweigen ein paar Zahlen zu werfen, von deren Echtheit sich jeder überzeugen kann, denn sie stammen von YahooFinance (hier); ich habe die Daten lediglich aufbereitet:



Während es im Oktober 1929 Börsengerüchte waren, die die Implosion der damaligen Finanzmärkte und die nachfolgende jahrzehntelange Krise herbeiführten, waren es im Falle von Enron, deren Pleite am Anfang der gegenwärtigen Implosion der Märkte stand, der Versuch, den CO2-Zertifikatehandel einzuführen, etwas, was die Europäische Kommission hierzulande noch immer durchsetzen will. Aber Europa hat noch nie etwas gelernt, auch nicht in dieser Hinsicht.

Ende der Dreißiger gab es eine komfortable Lösung für alle Probleme, und die hieß Krieg. Hitler war gerade im richtigen Moment gekommen, denn jetzt hatte man einen Grund, durch einen Weltenbrand die Wirtschaft wieder anzukurbeln und die Wirtschaft auf eine solide, produktive Grundlage zu stellen - freilich um den Preis von Millionen Menschenleben. Aber wen kümmert das?

Dabei ist die histrosiche Parallele schon mit einem simplen Chartvergleich kaum zu übersehen: über mehr als ein Jahrzehnt wächst der Finanzsektor ins Unermeßliche, während die materielle Produktion immer weiter zurückgeht, gut zu beobachten an der zunehmenden Arbeitslosigkeit - eine typische Kollapsfunktion, vor einem Menschenleben genau wie heute. Gegen Ende des Wachstums steigt dann die Volatilität des Kursgeschehens, bis es zu einem Absturz kommt, der eine ebenso nachhaltige Krise auslöst. Und die derzeitige Stärke des Euro ist in Wirklichkeit eine Schwäche des Dollar, denn der Euro ist so weich wie eh und je, nur der Dollar ist halt noch weicher - was sich daran verrät, daß der Goldpreis parallel gestiegen ist, denn Gold paßt in jedes Fluchtgepäck. Einen sichereren Krisenindikator kann es kaum noch geben...

In diesem Licht wundert es nicht mehr, daß immer öfter von Krieg die Rede ist: soll hier eine alte Rechnung aus dem ersten Golfkrieg beglichen werden, oder stecken andere Gründe dahinter? Soll Saddam Hussein dieselbe Rolle wie Hitler spielen? Geht es wirklich noch gegen den Terroristenführer aus den Bergen Afghanistans, oder ist der nur ein Vorwand, ungefähr so glaubwürdig wie die Legende, man könne in einer Stoppelhopserschule in ein paar Wochen lernen, ein großes Passagierflugzeug mit über 400 nautischen Meilen pro Stunde so niedrig fliegen, daß dabei Straßenlaternen niedergemäht werden, und es dann punktgenau in die fünfstöckige Front des Pentagon lenken?

Ein schlauer Mensch hat einmal gesagt, daß die, die aus der Geschichte nichts lernen, dazu verdammt sind, sie zu wiederholen. G.W. Bush, der ja nicht gerade im Ruf steht, besonders intelligent zu sein, könnte diese Erfahrung jetzt machen. Und mit ihm der Rest der Welt...
:cry: :rolleyes: :eek:

burakiye
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17.06.03 17:33:32
Ach ja , die Quelle..
http://www.bwl-bote.de/20020724.htm
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17.06.03 18:16:53
Falls du es übersehen haben solltest:

Hitler hat den Zweiten Weltkrieg ausgelöst. An dieser kleinen, aber feinen Tatsache werden auch alle anderen Verschwörertheorien nicht vorbeikommen...

Hitler kam also nicht zur rechten Zeit, sondern er trat aus eigener Entscheidung den Brand los.
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17.06.03 18:51:41
es geht nicht nur um den Krieg in Europa gegen Deutschland, sondern auch um den im pazifischen Raum gegen die dortige Supermacht Japan. Da gab es doch Pearl Harbour ;)
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17.06.03 19:13:59
immer wieder spannend, die einzeltäterversion :laugh:

so eine mausschuber-soap als serie, die sich aus mäusesicht die welt erklärt, das ist einfach klasse. als gäbe es keine löwen. hitler hat den krieg ausgelöst, man verstehe richtig: ausgelöst. aber was sagt das schon?
eine mordsleistung für das manderl aus dem waldviertel :laugh:

dass die investitionen ins schlachtfeld europa vor dem hintergrund der weltwirtschaftskrise wahrscheinlich fehlgeschlagene investitionen gewesen wären ohne hitler, das wär ein graus gewesen. das hätte die buben an der wallstreet aber geärgert. da war es doch echt super und was für ein zufall, dass der toitsch-österreichische gefreite gekommen ist, der den weltkrieg ausgelöst hat :laugh:

mannomann, was die wallstreet doch immer wieder für ein unverschuldetes glück hat. so ein glück aber auch. ohne die hitlers in allen versionen, was wäre die wallstreet? abhängig von der droge krieg und so hilflos. ja mei, wie jammerwürdig. gäbs nicht da und dort einen hitler, der völlig zufällig der wallstreet wieder auf die beine hilft :laugh::laugh: was wär die wallstreet ohne sie? ohne die freie entscheidung von weltkriegsgefreiten. :laugh::laugh:
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17.06.03 20:02:23
#3 mausschubser,

hast du dir schon einmal die Frage gestellt, wie Hitler an die Macht gekommen ist?
Es sind Interessengruppen, welche die Massen beeinflussen. Interessengruppen, die auf Grund ihres Reichtums die wirklich mächtigen dieser Welt sind. Hitler hat das verarmte Volk hinter sich bringen können, indem er durch viele neue Jobs die heruntergekommene Wirtschaft ankurbelte und damit dem Bürger einen gewissen Wohlstand verschaffte. Er ließ Autobahnen und Bunkeranlagen bauen.
Damit stellt sich Zwangsläufigerweise die Frage, woher das Geld dafür herkam. Und es stellt sich auch die Frage, ob die Geldgeber nicht ganz genau wussten wofür das letztendlich alles geschaffen wurde.
Leute wie Hitler fallen nicht einfach vom Himmel. Sie werden geschaffen - genau von denjenigen, die einen Nutzen daraus ziehen und darüber hinaus die Möglichkeiten dazu haben. Die Massen für irgend etwas zu gewinnen, funktioniert immer noch ganz gut. Es funktioniert sogar mit primitiven Lügen in einer relativ kurzen Zeit, wie die letzte Bundestagswahl zeigt. Ein vorheriger, ziemlich stabiler Vorsprung der CDU/FDP mit ca. 11% vor der SPD/Grüne kehrte sich innerhalb eines Monats vor der Wahl in einen Vorsprung von über 1% für SPD/Grüne um. Und jetzt? Ziel erreicht, Ätsch!
So etwas zeigt sich auch in den USA. Da wird einer an die "Macht" gehievt, und das möglicherweise noch mit Walbetrug, der zwanzig Jahre lang seinen Verstand versoffen hat. Das es der mächtigste Mann der Welt ist, glaubt wahrscheinlich nur noch er selbst, denn diejenigen die diese Marionetten "bedienen" halten sich bedeckt. Für sie zählt nur ihr Reichtum, sonst nichts. Und vor 70 Jahren das war halt auch schon so.

Ronald
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17.06.03 20:32:42
ronald - jetzt ist nur noch die frage...


einmal:
wen bedient die marionette bush?
das ist ne echt spannende frage, bei der sich keiner so recht traut. oder sehe ich das falsch?


und: wer ist der stellvertreter gottes auf erden in der bundesrepublik?

soll heißen: wer kommt von amerikas gnaden nach schroeder?
der seinen job doch so schlecht nícht macht im sinne der sachwalter..

völlig verkürzt übrigens - in meinen augen - ist deshalb die sicht, gesellschaftspolitische probleme auf parteipolitische zu reduzieren.


aber sollte man sich der meinung nicht anschliessen können:
"besser" würde diesen job sicher koch machen... und frau merkel hat schon kräftig vorgearbeitet. die tradition der unterwerfung hat merkel quasi mit der milch der frühen jahre aufgesogen und sie hat uns gelehrt, wie dieser erziehungskodex umzusetzen ist. gelernt ist gelernt. die unterwerfung unter den totalitären staat hat frau merkel zumindestens quasi im blut.

deshalb setzt deutschland in der nachfolge von schroeder [und merkel) am besten auf koch. um so richtig bedienen zu können, was bedient werden will :laugh::laugh:
denn koch hat dazu auch noch den richtigen namen :laugh:
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17.06.03 20:38:43
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17.06.03 22:40:41
antigone,

Bush bedient niemanden, der wird bedient. Er ist mit seiner Gefolgschaft ein etwas komplexeres Werkzeug, wie beispielsweise für mich ein Mikroprozessor oder der PC. Ich kann z.B. in einer Mikroprozessorschaltung mit einem geeigneten Programm nicht nur darüber entscheiden, welche Aufgaben der Prozessor zu erledigen hat sondern auch darüber befinden, welche Daten in welches Register transportiert und geladen werden. Es ist aber nicht unbedingt erforderlich, ein so komplexes System voll zu beherrschen. Frag mal einen "normalen" Programmierer, was er von Assembler hält. Er wird wahrscheinlich eine Hochsprache (C++ oder Delphi) vorziehen. Das Ergebnis (mit wenigen, speziellen Ausnahmen) ist jedoch dasselbe. Und genau das Ergebnis ist letztendlich das, was zählt!
Genauso verhält es sich in dieser Gesellschaft. Was für einen Programmierer der Compiler, ist eben für diese Geldsäcke: der Rechtsanwalt, die Korruption, die Mafia ... und davon natürlich nur die Besten, versteht sich.
Nicht nur die Staatsmarionetten werden "bedient", nein es ist auch die Justiz, wie in einer diesjährigen Fernsehreportage gezeigt wurde. Demnach gibt es "Anweisungen von Vorgesetzten" für Staatsanwälte und Richter, so der Bericht.
Dieser Mechanismus beginnt bereits bei Leuten wie Boris Becker - jeder andere Normalbürger wäre für weitaus weniger hinterzogene Steuern in den Bau gewandert.

Ne ne, das ist eine Klasse, in der man alles in bester Qualität bekommt. Und da ist Qualität oberstes Gebot - egal welcher Aufwand und welche Mittel dafür nötig sind.
Was ist denn los in Deutschland? Wir haben eine "Regierung", deren Marionetten das Spiel der Kapitalisten nicht richtig mitspielen wollen (oder können) - mit der einhergehenden Konsequenz, einer immer desolateren Wirtschaft und damit stetig ansteigenden Arbeitslosigkeit. Zufall?
Ist es auch Zufall das etwa ab November vorigen Jahres bis jetzt der Euro um ca. 30% zulegte, nachdem sich Deutschland und Frankreich gegen den Raubzug im Irak aussprachen?
Aus die Maus mit Exportgeschäften. Und die EZB? Just zur Bekanntgabe der Leitzinssenkung bekam der Euro den Aufschwung, den er zwei Tage vorher verloren hatte (ca. 2 Cent). Bis jetzt jedenfalls ist diese Leitzinssenkung schlicht und einfach verpufft!
Offenbar haben jetzt Jacques Chirac und Gerhard Schröder mit ihrer neuerlichen Amerikapolitik begriffen, wie und was auf dieser ach so demokratischen Welt gespielt wird.

Ronald
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17.06.03 22:42:32
"Soll ein Krieg das Finanzsystem retten?"

Die Antwort lautet: JA ! - aber nicht einer sondern viele !
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17.06.03 23:21:53
Gringo1,

du magst mit den "vielen Kriegen" vielleicht oder möglicherweise auch ganz bestimmt recht haben. Das Finanzsystem auf lange Zeit retten können sie aber auch nicht!

Ronald
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17.06.03 23:29:48
@11

Richtig !

Aber hinausschieben ...
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18.06.03 12:51:54
antigone,

willst du diskutieren oder einfach nur dumpf Witze reißen? Oder willst du erklären, dass die Wallstreet Hitler geradezu generiert hat und in Deutschland den latenten Antisemitismus erweckt hat, nur damit Hitler mit Deutschland auf den Trick reinfällt und einen Krieg entfacht, um damit die Problem der Wallstreet zu verdecken? Au Backe! :eek: Letztens erklärte mir so ein Spaßvogel hier, dass Hitler von polnischen Juden geradezu gezwungen wurde, den Krieg gegen Polen zu entfachen, indem im Umkreis von Berlin zig Dörfer massakriert wurden. :laugh: Wahrscheinlich hat die Wallstreet Hitler den Marschbefehl gegeben.

Ich will überhaupt nicht abstreiten, dass dem einen oder anderen auf der Seite der Alliierten der Krieg recht kam! Viele werden regelrecht "Hurra" geschrieen haben. Aber trotzdem haben sie ihn nicht angefangen. Das ist und bleibt ein Unterschied, und wenn ihr noch so oft versucht, die Geschichte zu verbiegen.

gezwirbelt #6

Deine Aussage steht nicht im Widerspruch zu meiner. Natürlich ist Hitler von einflußreichen Leuten der Wirtschaft (und nicht nur von der) hofiert worden. Von Papen war sogar der Meinung, man könne Hitler nutzen, um Wahlen zu gewinnen, "und dann drücken wir ihn an die Wand, bis er quietscht!" Hugenberg und wie sie alle heißen sahen alle Hitler als Marionette. Dennoch hat sich die Marionette mit Hilfe seiner SS verselbständigt. Und die Ressourcen seiner Gönner genutzt, die dann - manchmal freiwillig, denn abkassieren konnte man natürlich gut, manchmal auch durch Nachhelfen - wiederum zu Marionetten von Hitler wurden. Soviel zu antigones "manderl aus dem Waldviertel".

Ansonsten pflegt mal weiter eure Verschwörertheorien.
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18.06.03 13:01:49
Konjunkturen – Krisen – Kriege
Kapitalbildung und Kapitalvernichtung [Übersicht ]

Für diese vorbeschriebene Kette zinsbedingter Krisenzeiten mag ein Artikel Zeugnis geben, der im Dezember 1988 von der deutschen Kundenzeitschrift "Sparkasse" veröffentlicht wurde, und zwar als Nachdruck eines Beitrags aus der gleichnamigen Zeitschrift des Sparkassenverbandes aus dem Jahre 1891(!) Dieser also vor mehr als einhundert Jahren geschriebene Artikel befasste sich mit dem Trend sinkender Zinsen gegen Ende des 19. Jahrhunderts und seinen Hintergründen, die er wie folgt erklärte:

"Die Ursache für das Sinken des Zinsfußes wird vorzüglich darin gefunden, daß die besonders rentablen Kapitalanlagen großen Maßstabes heute erschöpft sind und nur Unternehmungen von geringer Ergiebigkeit übrig bleiben." Und um den damals auf drei Prozent gesunkenen Zinssatz vor einem weiteren Fall zu bewahren, müßten – so hieß es weiter – "... die neuen Länder, beispielsweise Afrika, sehr rasch durch europäische Kapitalien erschlossen werden, damit einem solchen Sinken begegnet werde." Doch da auch das die sinkende Zinsentwicklung nicht umkehren könne, schließt der Artikel aus der Sparkassenzeitung mit folgender inhaltsschwerer Aussage: "Nur ein allgemeiner europäischer Krieg könnte dieser Entwicklung Halt gebieten durch die ungeheure Kapitalzerstörung, welche er bedeutet."

Dieser Schluß scheint ungeheuerlich! Aber er ist – wie wir wissen – seit 1891 zweimal in Erfüllung gegangen: Zwei "allgemeine europäische Kriege", die man sogar weltweit ausdehnen konnte, haben dem Sinken des Zinsfußes nicht nur jeweils Halt geboten, sondern den Zinsfuß auch erneut auf lukrative Höhen angehoben!




In welchem Maße bei diesen beiden großen Kriegen und den ihnen nachfolgenden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts allein für die direkten Kriegskosten Kapital vernichtet wurde, geht aus der neben- stehenden Tabelle hervor. [2]

Dabei sind in diesen Milliardenbeträgen, angeführt in Werten von 1995, die Ausgaben für den anschließenden Wiederaufbau noch nicht einmal einbezogen. Diese Wiederaufbaukosten schlagen sich dann über Jahre hinweg als positive Größen in den Sozialprodukten der Länder nieder, wobei man die zwangsläufig großen Wachstumsraten des Wiederaufbaus dann stolz als ‘Wirtschaftswunder` feiert.



Auf die Zusammenhänge zwischen Krieg und Zinshöhe hat auch der große englische Dichter George Bernhard Shaw während des Zweiten Weltkriegs aufmerksam gemacht: "Ich verabscheue den Krieg und sehe keinen Unterschied an Grauenhaftigkeit zwischen den Bombardierungen Londons, Neapels und Kölns. Sie alle sind abscheulich für mich. Damit stehe ich nicht allein. Alle Kapitalisten, die ich kenne, hassen den Krieg genau so wie ich. Anzunehmen, dass einer von uns wohlüberlegt ein angezündetes Streichholz in ein Pulvermagazin schleudern würde, damit der Zinssatz um zwei oder drei Prozent steigt, ständen in krassestem Widerspruch zur Natur des Menschen und zu den nackten Tatsachen ... Und trotzdem folgt auf zweieinhalb Prozent mit der gleichen Gewißheit Krieg, wie die Nacht dem Tag folgt." [3]

Und der schweizerische Theologe Karl Barth hat diese Beziehungen zwischen Zins, Kapital und Gewalt auf folgenden Nenner gebracht: "Wo nicht der Mensch, sondern das zinstragende Kapital der Gegenstand ist, dessen Erhaltung und Mehrung der Sinn und das Ziel der politischen Ordnung ist, da ist der Automatismus schon im Gang, der eines Tages die Menschen zum Töten und Getötetwerden auf die Jagd schicken wird." [4]

Doch trotz all dieser Erfahrungen und Warnungen blieb das zinstragende Kapital auch nach dem zweiten Weltkrieg weiterhin das `goldene Kalb`, um das sich alles Wirtschaften drehte, auch wenn man manche Rüstung durch andere letztlich fragwürdige Investitionen und Produktionen ersetzen konnte und manche kriegerischen Auseinandersetzungen alten Stils durch ein ständiges Wirtschaftswachstum, das in vielen Fällen zu einen Krieg gegen die Natur ausartete.

4. Kalter Krieg im Norden und heiße Kriege im Süden [Übersicht]

Nach den beiden großen Weltkriegen verlagerte sich das Kriegsgeschehen aus dem industrialisierten Norden vor allem in die Länder des `unterentwickelten` Südens. Das heisst, man folgte dem Rat aus dem Jahr 1891 gleich auf doppelte Weise, indem man diese Länder nicht nur über hohe Verschuldungen mit Industriegütern versorgte, sondern auch noch mit den Rüstungsgütern zur Durchführung von Stellvertreterkriegen, bei denen man gleichzeitig die Qualität neuer Waffen erproben konnte. Doch obwohl man auf diese Weise Europa und die USA kriegsfrei halten konnte, betrieb man während des sogenannten Kalten Krieges zwischen West und Ost eine Aufrüstung, deren Größenordnung alles bislang Dagewesene in den Schatten stellte. Allein ein einzelnes U-Boot der US-Trident-Klasse wurde bereits mit einer Atomraketen-Bestückung ausgerüstet, deren Sprengkraft die der gesamten im letzten Krieg in Europa und Asien eingesetzten weit überstieg. Mit diesem immer wahnsinnigeren und immer teureren Wettrüsten sorgte man nicht nur für lukrative Kapitalanlagen, sondern zwang schließlich auch den Ostblock in die Knie, der – neben der Versorgung seiner Bevölkerung – das Tempo dieser Aufrüstung nicht mithalten konnte.

Dennoch trafen der westliche Kapitalismus und der östliche Kommunismus nicht nur bei diesem `Rüstungskrieg` und indirekt bei den Stellvertreterkriegen im Süden aufeinander, sondern auch direkt bereits im Korea-Krieg und in einer bisher kaum bekannten grausamen Realität und Brutalität zum zweiten Mal in Vietnam. Das Ausmaß der dabei angerichteten Schäden an Mensch und Natur, auch an den seelischen der Überlebenden, ist kaum zu ermessen.

Neben den militärischen Formen der Kapitalvernichtung, zu denen auch der ständige Austausch der Waffengenerationen gegen neue und immer kostspieligere zu zählen ist, wurden in den Jahr-zehnten nach dem Zweiten Weltkrieg auch verschiedene zivile Formen entwickelt, die Kapitalmärkte tendentiell vom Druck der überschüssigen Geldvermögen auf die Zinsen zu entlasten.

Dies geschah einmal durch eine ständig steigende Verschuldung der Südhalbkugel, mit der gewissermaßen die frühere Ausbeutung durch offene Sklaverei in eine versteckte umgewandelt wurde. Der brasilianische Arbeiterführer Luis Ignacio Silva bezeichnete darum die Auswirkungen der Auslandsschulden einmal als "Dritten Weltkrieg", als "geräuschlosen, aber deshalb nicht weniger unheilvollen Krieg ... gegen die gesamte Dritte Welt, ein Krieg um die Auslandsschulden. Seine schärfste Waffe ist der Zinssatz, und sie ist tödlicher als die Atombombe." [5]

Mit diesen Kreditgewährungen an den Süden entlastete der Norden außerdem die Kapitalmärkte in den Industrienationen und trug auf diese Weise – auf Kosten der Schuldnerländer – zu einem Hochbleiben der Zinsen bei. Dass die Schuldnerländer zur Bedienung ihrer Schulden zum Export um jeden Preis und zu entsprechenden Dumpingangeboten gezwungen waren, kam dem Norden über billige Rohstoff- und Agrarpreise nochmals zugute. Die US-Publizistin Susan George hat nicht zu Unrecht eines ihrer Bücher mit dem Titel "Sie sterben an unserem Geld" versehen5. Und auf dem Völkertribunal anlässlich der Tagung des IWF in Berlin 1988 fand man noch stärkere Worte: "Der Terrorismus der heutigen Welt ist der Terrorismus des Geldes".

Zum zweiten erreichte man in den Industriegesellschaften die zur Zinshochhaltung erforderliche Kapitalknappheit (und damit die Vermeidung größerer kriegerischer Kapitalvernichtungen) bislang mit einer ressourcenverschwendenden Produktion von Verschleiß- und Wegwerfgütern, also mit einem gigantischen Krieg gegen die Vernunft und die Natur. Da sich aber die Bürger trotz einer immer übermächtiger werdenden Werbeflut nicht genügend an dieser Verschwendungswirtschaft beteiligten, sprangen die Staaten mit der Förderung von immer neuen Großtechnologien in die Bresche.

Doch gemessen an der Alternative, die Zinsen mit Kriegen hoch zu halten, sind diese zivilen Methoden der Kapitalvernichtung noch als human zu bezeichnen, wenngleich es vielmals humaner wäre, unsere Volkswirtschaften aus dieser Zwickmühle zwischen noch mehr Wachstum oder Krieg zu befreien.

Die sogenannte Nachkriegszeit nach 1945 (die allzuoft schon zu einer neuen Vorkriegszeit zu entarten drohte!) war also keine wirkliche Friedenszeit, sondern eine Zeit, in der sich einerseits gigantische Geldvermögen und Realvermögen durch Zins und Zinseszins anhäuften und in der andererseits zur Sicherung der Rentabilität dieser Vermögen ungeheure Mengen davon auf unfriedliche Weise vernichtet werden mussten. So kam es nach 1945 zu mehr als 200 Kriegen in aller Welt. Doch auch schon der Krieg gegen die Natur und den Süden und die vielfältigen damit verbundenen sozialen und ökologischen Zerstörungsprozesse lassen daran zweifeln, dass unser Zeitalter der modernen Zivilisa-tion nur im Zeichen menschlicher Vernunft gesehen werden kann. Denn Vernunft, Menschenrecht und Fortschritt gehen immer noch einher mit Menschenrechtsverletzungen und Zerstörungen von Leben. Weder in der zivilen Arbeitswelt noch im militärischen Bereich geht es rational – also vernünftig – zu, sondern im gerade- zu irrationalen Streben nach maximalen Kapitalrenditen wird inzwischen schon die angeblich `zu teure` menschliche Arbeitskraft aus der Arbeitswelt wegrationalisiert und durch Kapital ersetzt.




Der sich völlig überschlagende Börsenboom und das heutige Bemühen, den Einsatz und die Bedienung des Kapitals durch seine globale Ausweitung sicherzustellen, sind möglicherweise der letzte Versuch, dieses System noch einmal auf friedlichem Wege über die Runden zu bringen. Es sei denn, wir versuchen es auch noch über die Erde hinaus in den Weltraum oder gar auf andere Gestirne auszuweiten. Da alle diese Auswege letztlich aber immer an den irdischen Möglichkeiten scheitern müssen, droht uns – wie in dem Fluss-Schema dargestellt – am Ende immer noch jene große zerstörerische Auseinandersetzung zur `Vernichtung der Überproduktionen`, die aufgrund des atomaren Vernichtungspotenzials allzuleicht auch zu einem Ende unserer Zivilisation oder gar des menschlichen Lebens führen könnte.

5. Der Missbrauch der Entwicklungsländer [Übersicht]

Im Frühjahr 1995 konnte man in der Nr.14 der Zeitschrift "Focus" lesen, dass die Kriege unserer Tage nicht so sehr die großen Konflikte zwischen verfeindeten Staaten seien, sondern überwiegend grausame Bürgerkriege, deren Ursachen vor allem ethnische, religiöse und soziale Spannungen wären. "Schauplatz dieser blutigen Kriege sind zu 90 Prozent die Länder der Dritten Welt. Opfer sind vor allem unschuldige Zivilisten – Frauen, Kinder und Alte. Auf einen getöteten Soldaten kommen zehn tote Zivilisten."

Die hier genannte Ursachenreihung wäre allerdings besser umzukehren, denn die ethnischen und religiösen Ursachen treten meist erst dann zu Tage, wenn die sozialen Bedingungen unerträglich werden. Satte und zufriedene Menschen haben wenig Lust zu Revolten und Revolutionen, noch weniger, ihren Besitz oder gar ihr Leben dabei aufs Spiel zu setzen. Schon der Generalsekretär der Uno, Boutros-Ghali, hatte am 6. März 1995 in Kopenhagen darauf hingewiesen, dass die Staatengemeinschaft ihren Blick allzusehr auf die Friedensoperationen der UN gerichtet und dabei übersehen habe, dass soziale Entwicklung eine Grundvoraussetzung für Frieden sei. Denn "79 der 82 Konflikte in den vergangenen Jahren hätten soziale Ursachen". Boutros-Ghali rief deshalb zu einem Sozialpakt auf. Auch der damalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm warnte vor den Folgen sozialer Ungleichheit: "Die Welt wird in einem Chaos von Völkerwanderungen versinken, wenn die Kluft zwischen Arm und Reich so bleibt, wie sie ist, oder sogar noch größer wird."

Doch all diesen schönen Worten auf internationalen Tagungen steht eine andere Wirklichkeit gegenüber: Die reichen Industrienationen schaffen es noch nicht einmal, jene 0,7 Prozent des Sozialprodukts für die armen Länder abzuzweigen, zu deren Zahlung sie sich schon vor Jahrzehnten verpflichtet haben. Inzwischen sind diese Leistungen – mit abnehmender Tendenz – bei 0,3 Prozent des BSP gelandet. Und was noch schlimmer ist: Ihre Hilfe für die Dritte Welt ist nicht nur von Schulden überwuchert und mit Auflagen zum Vorteil unserer eigenen Industrien verknüpft, sondern in einer unverantwortlichen Weise mit Rüstungslieferungen. Man braucht sich nur einmal die beiden Abbildungen in der Darstellung 2 anzusehen, die im Dezember 1990 in der Zeitschrift "Finanzierung und Entwicklung" veröffentlicht wurden, herausgegeben von IWF und Weltbank.




Aus der oberen Abbildung geht hervor, dass die Militärausgaben der Entwicklungsländer von 1960 bis 1987 zweieinhalbmal rascher zugenommen haben als das Sozialprodukt und damit das Einkommen der Bevölkerung. Noch erschreckender ist in der zweiten Abbildung die Parallelität der Waffenimportentwicklung mit jener der sogenannten Wirtschaftshilfe: Während die Länder 1960 erst rund 20 Prozent der erhaltenen Hilfsgelder für Waffenimporte ausgaben, waren es in den 80er Jahren etwa 80 Prozent!
Die aus den Abbildungen hervorgehenden absurden Tatbestände wurden am 7.11.92 durch eine dpa-Meldung noch einmal übertroffen: "Die größten Militärmächte der Dritten Welt erhalten nach einer Studie von Weltbank-Experten mehr westliche Entwicklungshilfe als arme Staaten, die kaum Geld in die Rüstung stecken", hieß es in der Meldung, und dann noch konkreter, dass "zehn der 34 Staaten mit den höchsten Verteidigungsausgaben gleichzeitig unter den 20 führenden Empfängerländern für westliche Finanzhilfe" zu finden waren.



Das aber heißt nicht nur, dass die Länder bzw. deren oft korrupte Herrscher mit unserer Hilfe zu kriegerischen Auseinandersetzungen befähigt werden, nicht zuletzt zum Waffeneinsatz gegen ihre eigene Bevölkerung, sondern es heißt auch, dass durch diese mißbräuchliche Verwendung der Finanzhilfe die Bürger ärmer und damit anfälliger für gewaltsame Aktionen werden. Dass diese unverantwortlichen Waffenlieferungen und -finanzierungen in erster Linie von reichen und sich christlich nennenden Ländern durchgeführt werden, ist vielleicht der größte Skandal.

6. Rüstungsindustrie als Konjunkturstütze [Übersicht]

Etwa ein bis zwei Jahrzehnte waren die Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg in den zerstörten Ländern mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Wer heute Bilder oder Filme über die Trümmerstädte sieht, kann sich kaum vorstellen, dass diese Arbeit überhaupt zu schaffen war. Etwa die Hälfte des Sozialprodukts dieser Jahrzehnte müsste man in etwa auf das Folgekostenkonto des vorausgegangenen Krieges verbuchen. Angesichts dieser Nachhol- und Aufbauinvestition war das Kapital entsprechend knapp und durchweg hoch verzinst. An Rüstungs- oder gar Kriegsgeschäfte dachte darum damals kaum jemand. Im Gegenteil: Viele Unternehmer hatten nach Kriegsende geschworen, niemals mehr in die Rüstungsproduktion einzusteigen. Als Folge dieses allgemeinen Desinteresses dauerte der erste Indisch-Pakistanische-Krieg Ende der 40er Jahre nur acht Tage. Beide Seiten hatten ihre Munition verschossen, die Panzer waren zerstört und niemand in der Welt war anscheinend bereit, ausreichend für Nachschub zu sorgen: Man (bzw. das Kapital!) hatte mit der Behebung der Zerstörungen des großen Krieges noch genug zu tun.

Mit dem Auslaufen des Wiederaufbaus, den ersten Sättigungserscheinungen auf den Konsummärkten und einer wachsenden Geldvermögensbildung kam der Zins jedoch langsam unter Druck. Schon in den 60er Jahren fiel der Realzins am Kapitalmarkt in der BRD im Durchschnitt auf 4 Prozent zurück.

Wenngleich bereits 1956 der damalige Bundeskanzler Adenauer über die Köpfe des Parlamentes hinweg wieder eine Bundeswehr entstehen ließ, kam das Gros der benötigten Ausrüstung noch weitgehend aus fremden Produktionen. In Deutschland setzte man immer noch auf friedliche Methoden zur Garantie der Kapitalrentabilität. Und das notwendige Wirtschaftswachstum forcierte man durch ständige Exportausweitung und Bedürfnisweckung im Konsumbereich. Doch hinter den Kulissen entstand auch bei uns wieder eine Rüstungsindustrie, die sogar nach und nach das Ausland mit ihren `Qualitätsprodukten` beglückte. So gewann die Bundesrepublik Deutschland in den 70er und 80er Jahren immer mehr den Anschluß an die Siegermächte, die bereits in den 50er Jahren ihre Rüstungsindustrie erneut auf Hochtouren brachten. Selbst der damalige US-Präsident und frühere Weltkriegsgeneral Eisenhower warnte mehrfach öffentlich vor dieser gefährlichen Verselbständigung des militärisch-industriellen Komplexes. Aber das Kapital hatte im wahrsten Wortsinn `Blut gerochen`, zuerst im Koreakrieg und dann an vielen anderen Kriegsschauplätzen in der Welt bis hin zum Krieg in Vietnam, sodass es kein Halten mehr gab.

Wie sich diese Kriege im Laufe des Jahrhunderts auf die Konjunktur in den USA ausgewirkt haben, zeigt die Darstellung 3, die dem Buch des amerikanischen Ökonomen Ravi Batra "Die Rezession von 1990", entnommen ist.




Obwohl man jeden potenziellen Gegner nur einmal töten kann, reichten die Waffenarsenale und Vernichtungskapazitäten bereits in den 80er Jahren aus, um jeden Menschen auf der Erde 15-20mal umzubringen. Der Irrsinn dieses ständig wachsenden Overkills ist mit keiner Logik erklärbar. Denn selbst wenn man sich als Militärstratege das Ziel setzt, alle potenziellen Feinde töten zu können, welchen Sinn kann es haben, die bereits Toten noch ein Dutzendmal umzubringen? Doch dieser Wahnsinn hatte – wie bereits dargelegt – Methode. Er garantierte nicht nur Tausenden von Waffenschmieden und -händlern lukrative und staatlich abgesicherte Gewinne, sondern sorgte vor allem dafür, dass die Zinsen in aller Welt auf einer ausreichenden Höhe blieben, was den Rückzug des Kapitals vom Markt und damit das Zuschnappen der von Keynes so genannten Liquiditätsfalle verhinderte.

Die Kapitalrenditen blieben auf diese Weise zwar lange Zeit gesichert, nicht aber der Wohlstandsanstieg der Menschen. Denn mit den Waffen und Militäranlagen mußten sie Produkte schaffen, von denen sie keinerlei Nutzen hatten. Ja, diese Rüstungsgüter wurden sogar zu einer immer größeren konkreten Bedrohung für ihr Leben. Außerdem wurden sie für diesen Milliarden-Wahnsinn auch noch als Steuerzahler zur Kasse gebeten.

Mit der Rüstung wird jedoch nicht nur Kapital bedient, sondern auch gebunden, richtiger: vom Markt genommen. Würde man das in die Rüstung, die Raketensilos, Kasernen usw. investierte Kapital im zivilen Sektor einsetzen, dann wäre das dort gegebene Angebot deutlich größer. Ein größeres Angebot an Wohnungen, Konsumgütern usw. aber würde auf die Kapitalrendite einen entsprechenden Druck ausüben. Aufgrund dieses Drucks müßte – wenn das Kapital nicht streiken könnte – der Zins schließlich gegen Null heruntergehen. Da aber das Kapital streiken, das heißt, sich vom Markt zurückziehen kann, sind die Staaten an ständiger Knappheit und ausreichend hohen Zinsen interessiert, notfalls sogar unter Duldung oder Förderung von Kriegen.

Statt das Geld mit geldpolitischen Mitteln zu veranlassen, sich ggfs. auch bei niedrigeren oder ohne Zinsen der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen, sorgen die Staaten auf diese Weise also für die geldstreikvermeidende Knappheit von Kapital. Vergleichbar ist das mit der Praxis der EG-Agrarmarktpolitik. Auch hier sorgt man bei allzuguten Ernten durch künstliche Verknappung des Angebotes (sprich Vernichtung) für weiter hochbleibende Preise, um Streiks der Bauern aus dem Weg zu gehen.

7. Kapitalvernichtung in sogenannten Reinigungskrisen [Übersicht]

In der wissenschaftlichen Literatur gibt es für den Vorgang der Kapitalvernichtung den Begriff "Reinigungskrise zur Beseitigung von Überinvestitionen". Gemeint ist der Zustand, bei dem der Investitionsumfang so groß geworden ist, dass er den Zins unter jene Grenze drückt, bei der es zu Geldzurückhaltungen und damit deflationären Rezessionen kommt. Auch ohne Krieg und ohne Rüstung werden in solchen Rezessionen durch Unternehmens- und Privatbankrotte, durch Verschleudern oder Verderben von "Überproduktionen" bereits Vermögenswerte aus dem Verkehr gezogen. Mit dieser "Reinigung" – sprich Kapitalvernichtung – wird dann wieder eine ausreichende Knappheit erzeugt, die über höhere Zinsen das Kapital wieder aktiv werden läßt.

Durch ständige Ausweitung marktferner Investitionen – von der Raumfahrt bis zur Rüstung – kann man die Notwendigkeit solcher "Reinigungskrisen" zwar eine Zeitlang hinausschieben, aber kaum auf Dauer. Irgendwann wird eine große "Reinigung" unausweichlich. Und dazu ist ein Krieg nicht nur durch den erhöhten Waffenverbrauch und die angerichteten Schäden unübertreffbar wirkungsvoll. Auch durch die Vernichtung der Geldvermögen, die meist mit dem anschließenden Staatsbankrott verbunden sind, verschwinden riesige Kapitalpolster aus der Welt. Die Gewinner solch großer "Reinigungen" sind diejenigen, die rechtzeitig in Sachvermögen umgestiegen sind, möglichst außerhalb der Kriegsgebiete. Noch besser ist natürlich die Anlage in das unzerstörbare Bodenkapital. Den so "Überlebenden" der Kapitalvernichtung wird jedenfalls ein ganz enormer Reichtumsanstieg beschert.



Den ganzen Artikel gibt es unter:

http://www.sozialoekonomie.info/Zeitschrift_fur_Sozialokonomie/LeseProben/Page12177/page12177.html
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18.06.03 17:34:13
#13 mausschubser,
diese Thematik unter Verschwörungstheorien abzuhaken, ist zu einfach und zu billig.
Ich selbst bin Elektroniker und kein Wirtschaftswissenschaftler, d.h. ich poste die Dinge so wie ich sie sehe. Und da meine Studienrichtung auch eine andere ist, fällt mir eine tiefgreifende theoretisch-rechnerische Analyse der weltweiten Geldströme und deren Konsequenzen wesentlich schwerer als beispielsweise die Dimensionierung einer 100 KW Sendeendstufe.
Für was ich allerdings kein spezielles Studium benötige, ist z.B. die Feststellung, das Spekulationskapital unheimlichen Reichtum schafft ohne irgend einen materiellen Gegenwert zu liefern. Und da muss eben auch die Frage erlaubt sein, wo das noch hinführen soll, wie lange das noch so weitergehen kann und welche Konsequenzen das für die Menschheit hat. Ich stelle deshalb drei Kurzbuchbeschreibungen von zwei renommierten Wissenschaftlern zu den Themen hier rein (entnommen aus http://www.amazon.de). Zur Zeit lese ich das Buch "Die Schatten der Globalisierung" von Joseph E. Stiglitz. Man kann das nur empfehlen. Es ist gut geschrieben und ziemlich interessant.

Ronald

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Die neuen Herrscher der Welt



Kurzbeschreibung
Alle sieben Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. 826 Millionen Menschen sind permanent schwer unterernährt. Und dies auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt. Die neuen Herrscher der Welt - die Beutejäger des globalisierten Finanzkapitals, die Barone der transkontinentalen Konzerne, die Börsenspekulanten - häufen ungeheure Vermögen an. Mit ihrem Tun zerstören sie den Staat, verwüsten die Natur und entscheiden jeden Tag darüber, wer sterben muss und wer überleben darf. Willfährige, effiziente Verbündete stehen ihnen zu Diensten, allen voran die Funktionäre der Welthandelsorganisation, der Weltbank und des Weltwährungsfonds. Gegen die mörderische Ordnung dieser Herrscher und ihre absurde Doktrin von der »Selbstregulierung« der Märkte regt sich Widerstand. Überall, auch in Deutschland. Neue, bislang völlig unbekannte Sozialbewegungen schießen aus dem Boden. Sie kämpfen gegen die Herrscher für eine menschenwürdige Welt. Die neue planetarische Zivilgesellschaft ist die Hoffnung der Völker.


Die Barbaren kommen. Kapitalismus und organisiertes Verbrechen.



Kurzbeschreibung
Ein Gespenst geht um in Europa: das Gespenst des organisierten Verbrechens. Die Demokratien der westlichen Industrienationen werden von den unheimlichen, im Verborgenen operierenden Mafia-Herrschern bedroht. Durch ihre ungeheure Finanzmacht sowie durch Korrumpierung von Politikern, Richtern und Beamten gewinnen diese neuen Verbrecherkartelle zunehmend Einfluß auf unser Wirtschaftsleben.


Über den Autor
Jean Ziegler, geboren 1934 im schweizerischen Thun, lehrt Soziologie an der Universität Genf, ist ständiger Gastprofessor an der Sorbonne/Paris und UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Jean Ziegler wurde in jungen Jahren geprägt von seiner Freundschaft zu Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir sowie durch einen zweijährigen Afrika-Aufenthalt als UN-Experte nach der Ermordung Patrice Lumumbas. ("Ich habe mir geschworen, nie wieder, auch nicht zufällig, auf der Seite der Henker zu stehen." ) Bis 1999 war Jean Ziegler Nationalrat im Parlament der Schweizer Eidgenossenschaft. Seine zahlreichen Publikationen ("Die Schweiz wäscht weißer", "Die Schweiz, das Gold und die Toten", "Die Barbaren kommen" u.v.a) haben weite Kreise ziehende Skandale ausgelöst und ihm internationales Ansehen, in seinem eigenen Land jedoch einen Ruf des Nestbeschmutzers eingetragen.

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Die Schatten der Globalisierung



Kurzbeschreibung
Globalisierung bedeutet zunächst nur das stärkere Zusammenwachsen der Volkswirtschaften. Die Klagen wenden sich dagegen, wie dieser Prozess vollzogen wird - besonders von Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Joseph Stiglitz zeigt, wie sehr die Ideologie freier Märkte und die Interessen der Finanzbranche und multinationaler Unternehmen dominieren, wie wenig die Politik es vermag, diesen Prozess zu steuern. Dieses Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, die Weltwirtschaft nicht dem freien Spiel der Kräfte zu überlassen, aber auch eine schonungslose Analyse, wie die staatlichen oder institutionellen Eingriffe scheitern, weil sie so vor allem auf die Entwicklungsländer nicht anwendbar sind. Als Beispiele wählt der ehemalige Chefökonom der Weltbank Osteuropa und Russland. Alle sagten, wenn diese Länder ihr ineffizientes Wirtschaftssystem abschaffen würden, käme der Wohlstand. Dann lenkte der IWF den Prozess - und der Wohlstand kam nicht. Das Bruttosozialprodukt sank um 40 Prozent, mehr als die Hälfte der Kinder leben in Armut, die Lebenserwartung ist gesunken, auch wenn es währungspolitische Erfolge gibt. Was sind die Ursachen, was die Folgen jenes Prozesses weltweiter wirtschaftlicher Verflechtung? Die Deregulierung der internationalen Finanzmärkte war ein wesentlicher Grund für die Asienkrise Ende der neunziger Jahre. Joseph Stiglitz nimmt die Welthandelsorganisation in Augenschein, deren Agenda vom Norden beherrscht ist, während die Länder des Südens immer mehr in Armut versinken. Er führt uns nach Argentinien und zeigt die tiefgreifende wirtschaftliche Krise eines Landes, das mit seiner enormen Arbeitsflexibilität und seinem Lohnrückgang als Musterknabe der Weltwirtschaft galt. Stiglitz legt die Funktionsweisen von Institutionen wie der Weltbank ebenso offen wie die operativen Geschäfte der Weltkonzerne. Er deutet den offenen und massiven Protest gegen die Weltwirtschaftsgipfel von seiner Wurzel her. Dieses Buch ist ein Plädoyer für einen dritten Weg zwischen Laisser-faire und Sozialismus. Das Ziel, so Joseph Stiglitz, darf nicht die Deregulierung der Märkte sein, sondern der Aufbau des richtigen regulatorischen Rahmens. Dem Autor wurde in diesem Jahr der Nobelpreis für Wirtschaft zuerkannt.


Autorenportrait
Joseph E. Stiglitz wurde 2002 der Nobelpreis für Wirtschaft zuerkannt
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18.06.03 17:47:11
#15 gezwirbelt

Ich verwende mich allein gegen offensichtliche Geschichtsklitterung. Darum geht es mir. Man kann etwas Richtiges meinen, aber trotzdem falsche Tatsachen anführen oder die Wahrheit verdrehen. Und das war durch eine einfache Pauschalaussage am Anfang des Threads zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges der Fall. Das ist nicht gut und auch nicht richtig. Und wird auch nicht wahrer durch ständige Wiederholung.

Ich habe hier mit keinem Wort gesagt, dass ich es gewissen Kreisen der Wirtschaft (aber nicht DER Wirtschaft) nicht zutraue, Kriegen aus finanziellen und Machtgründen entgegenzufiebern oder sie vielleicht sogar zu schüren. Umgekehrt halte ich das sogar gut für möglich, und natürlich gab es so etwas praktisch seit Anbeginn der Menschheit immer wieder. Hier mußt du mich überhaupt nicht missionieren.

Das Buch von Stiglitz liegt übrigens in meinem Bücherregal. Ich habe es noch nicht gelesen, steht aber demnächst an.


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Soll ein Krieg das Finanzsystem retten?