Sind 1700 US-Soldaten im Irak desertiert? JapanToday zitiert ein französisches - 500 Beiträge pro Seite



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1,700 U.S. soldiers have deserted in Iraq: French magazine


Friday, December 5, 2003 at 03:52 JST
PARIS — One thousand and seven hundred U.S. soldiers have deserted their posts in Iraq, with many of them failing to return to military duty after getting permission to go back to the United States, according to the French weekly magazine Le Canard Enchaine.

The magazine, known for its satires and exposes, said the French intelligence agency obtained the information from what it described an "American colleague." Citing a senior French official posted in Washington, the magazine also said that 7,000 U.S. soldiers have left Iraq allegedly due to psychological troubles and other illnesses. (Kyodo News)

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http://www.jungewelt.de/2003/12-06/025.php


06.12.2003

Wochenendbeilage


»Chirurgische Präzision«

Briefe eines Arztes an US-amerikanische Kollegen

* Das im April beim Berliner Spotless-Verlag erschienene Taschenbuch »Irak-Feldpost« enthält folgenden Brief des Berliner Chirurgen Kurt Franke, adressiert an den Chefarzt der Chirurgischen Klinik des zentralen US-amerikanischen Lazaretts in 66849 Landstuhl.

Sehr geehrter Herr Kollege,

Sie werden unter Ihren Patienten kaum Opfer von »intelligenten Bomben« haben, die mit »chirurgisch präzisen« Schlägen ihre Ziele im Irak getroffen haben. Diese Verletzten liegen jetzt zu Tausenden in den überfüllten und hoffentlich noch nicht demolierten Hospitälern Bagdads sowie anderer Städte des Zweistromlandes. Einerlei, ob Kinder, Frauen, Greise oder Soldaten – es sind Menschen, die vom Krieg betroffen wurden. Die für die Ursachen ihres Leids gewählten Begriffe enthüllen durch die Infamie der Wortschöpfung zugleich die Inhumanität der Technokraten im Dienste der von Ihrer Regierung verfügten Aggression. Diese oben genannten Begriffe diskriminieren unseren Jahrtausende alten Beruf, der sich auch aus dem menschlichen Bedürfnis entwickelte, den Opfern von Gewalttätigkeiten zu helfen.

Vom Faustkeil über die Hellebarde bis zum Napalm – das betroffene Individuum litt unter der Präzision der Waffenhersteller stets stärker, als es von der zunehmenden Erfahrung der Chirurgen und ihrer sich kontinuierlich verbessernden technischen Ausstattung profitieren konnte. Das lehrte mich auch mein Berufsleben nach dem Zweiten Weltkrieg. Ich hatte ständig viele Patienten mit Amputationen und chronischen Knochenmarkeiterungen nach Schußwunden zu behandeln, deren Leben durch die Folgen des Krieges erheblich beeinträchtigt wurde. Ob Ihre Patienten nach Verbrennungen oder Verletzungen noch an ihre Mission als Soldaten im göttlichen Auftrag glauben, möchte ich bezweifeln. Für Ihr Handeln wünsche ich Ihnen jedoch eine andere »chirurgische Präzision« als die der Definition der Waffenproduzenten Ihres Landes entsprechende. Letztere ist das Kennzeichen von mörderischen Möglichkeiten, welche das Barbarische des Tuns unterstreichen.

Mit kollegialen Empfehlungen

Kurt Franke«


Am 21. November 2003 sandte Franke einen zweiten Brief nach Landstuhl:

»Sehr geehrter Herr Kollege Dr. Place,

nach der TV-Sendung am 18.11.2003 (Frontal 21 im ZDF), ist es mir möglich, Sie mit Namen anzureden. Daß Sie meinen Brief vom 07.04.03 nicht beantwortet haben, kann ich verstehen: 7000 Verletzte, die aus dem Irak während der vergangenen sieben Monate bei Ihnen eingeliefert wurden, erforderten wohl den ganzen Einsatz von Ärzten und Schwestern.:eek: :eek: Im Vergleich mit den deprimierenden chirurgischen Erfahrungen im 2. Weltkrieg benötigen die heute möglichen Verletzungsfolgen selbst einer konventionellen Kriegstechnik (Streubomben, Napalm etc.) außerdem sicher einen größeren Aufwand in der Behandlung. Dabei gehören die Diagnostik und Therapie von Folgen der Uran-angereicherten Munition wahrscheinlich nicht in Ihren Aufgabenbereich.

Daß die von Ihrem Präsidenten als Kriegsgrund genannten Massenvernichtungswaffen im Irak nicht gefunden werden konnten und daher auch nicht zum Einsatz kamen, ist sicher erfreulich. Im negativen Fall wäre der Gegenschlag seitens der USA wohl ohne Zweifel zu einer noch größeren Katastrophe für Kombattanten und sehr viele Zivilisten geworden.

Trotz Ihrer chirurgischen Kunst und einer effektiven Rehabilitation werden die lebenslangen Schäden viele Verletzte an ihre Teilnahme am Feldzug »Iraqi Freedom« erinnern, da sie nunmehr die Freiheit von Gesundheit haben. Sie und Ihr Team haben sicher das Ihnen Mögliche getan, die Verletzungsfolgen der Betroffenen zu minimieren.

Das Dilemma ärztlichen Handelns beginnt sich aber auch dort abzuzeichnen, wo ein gutes Behandlungsergebnis zur erneuten Tauglichkeit für den Fronteinsatz führt.
Sie und Ihre Kollegen werden noch über Jahrzehnte mit den chirurgischen und psychischen Problemen der Verletzten konfrontiert werden, die ihr Blut für Öl gaben und dabei das Glück hatten, die unmittelbaren Kriegsfolgen zu überleben. Die neben dem ärztlichen Können hierfür ebenfalls erforderliche seelische Kraft
wünscht Ihnen mit besten kollegialen Empfehlungen

Kurt Franke«

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