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Space Park - Gigantische Investitonsruine in Bremen? - 500 Beiträge pro Seite



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Unfassbar!!

nach nur einem halben Jahr Betriebszeit ist das Space Center im Space Park Bremen, nach eigener Werbung Europas größter IndoorThemenpark für Raumfahrt und Weltraum wohl pleite bzw. nicht überlebensfähig. 300 Mitarbeiter sollen bis Ende Oktober entlassen werden.
Darüberhinaus wurden von den Investoren (Dresdner Bank/Allianz) ca. 600 Mio Euro, davon 170 Mio Land Bremen,in den Space Park investiert, der auch über ein Einkaufszentrum mit 44.000 qm Verkaufsfläche verfügt, welches seit einem Jahr fertig erstellt ist aber weder vermarktet geschweige denn vermietet ist. :mad:

Man lasse sich das Investitonsvolumen und die nicht vermietete Einzelhandelsfläche auf der Zunge zergehen.




Im Space Center gehen die Lichter aus
300 Mitarbeiter ab Oktober ohne Job / Zukunft der 600-Millionen-Immobilie völlig ungewiss

Von unserem Redakteur
Jürgen Hinrichs Weser Kurier Online 24.08.04

Bremen. Aus, Ende und vorbei - der Space Park, eines der größten Investitionsprojekte in der Geschichte Bremens, ist endgültig gescheitert. Das Einkaufszentrum hat ohnehin nie einen Mieter gesehen, und das Space Center macht nun auch dicht. Gut 300 Mitarbeiter werden bis spätestens Ende Oktober ihren Job verlieren. Wie es danach weitergeht mit dem 600 Millionen Euro teuren Raumschiff in Gröpelingen, steht noch in den Sternen.

"Wir haben uns mit der Dresdner Bank auf einen geordneten Rückzug geeinigt", bestätigte gestern Abend Heiner Heseler aus der Senatskanzlei. "Irgendwann im Oktober" solle das Space Center geschlossen werden. Der Grund sind die zu geringen Besucherzahlen. Seit Öffnung der Weltraum-Sause vor einem Dreivierteljahr konnte vom amerikanischen Betreiber "ProFun" in keinem Monat auch nur annähernd kostendeckend gewirtschaftet werden. "Es hat ja keinen Sinn, wenn wir da immer wieder neu Geld hineinstecken", sagte Heseler dem WESER-KURIER.

Zuletzt hatten sich die Dresdner Bank als Eigentümer der Immobilie und der Bremer Senat vor zwei Wochen auf einen weiteren Zuschuss von einer halben Million Euro geeinigt. Ein Tropfen auf den heißen Stein, wie sich jetzt herausstellt. "ProFun" hatte nach den relativ guten Zahlen während der Sommerferien, als an Spitzentagen bis zu 4000 Menschen das Space Center besuchten, bereits angekündigt, dass es nun wohl wieder bergab gehe. Ursprünglich war pro Jahr mit 1,45 Millionen Besuchern gerechnet worden - eine Mondzahl, nachdem es mit dem Einkaufspark nichts geworden war.

Völlig offen ist, was mit dem Space Park in der Zukunft geschieht. Die Dresdner Bank bleibt vorerst Eigentümer und muss sich einen Käufer suchen. Im Gespräch sind auch hiesige Investoren. "Es gibt Leute in Bremen, die das Projekt unter bestimmten Bedingungen übernehmen würden", deutete Heseler an. Mehr wollte er noch nicht sagen: "Wir sind in Gesprächen." Zwei Namen werden in diesem Zusammenhang intern immer wieder genannt: Kurt Zech, der Baulöwe, und die Lürssen-Brüder, die in Bremen-Nord mit Schiffbau reich geworden sind.

Sollte es zu einer Bremer Lösung kommen, steht der Betreiber eines neuen Space Centers bereits fest: Es ist Carlo Petri, der mit großem Erfolg das "Universum" führt. Auch Petri indes wird ohne Nachbarn im Einkaufspark, die das Publikum ziehen, nicht auskommen.



PRESTIGE-PROJEKT

Bremer Space Park vor dem Aus
Spiegel Online - 23.08.04

170 Millionen Euro vom Senat, Vorschusslorbeeren vom Regierungschef - das alles ist keine Erfolgsgarantie, wie sich in Bremen zeigt. Der mit Millionen-Investitionen errichtete Bremer Weltraum-Erlebnispark Space Center steht vor dem Aus.



AP
"Space Center" in Bremen: Besucherzahlen blieben weit unter den Erwartungen
Bremen - Ein Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion bestätigte am Montag entsprechende Medienberichte. Die Senatskanzlei habe die Fraktion darüber unterrichtet, dass das Zentrum spätestens Ende Oktober seine Tore schließen wird. Das 500-Millionen-Euro-Projekt war wegen geringer Publikumsresonanz in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Nach Absprache mit dem Hauptinvestor Dresdner Bank soll der Betrieb geordnet zu Ende geführt werden, hieß es in der Fraktion. Ein Insolvenzverfahren werde es nicht geben. Das Ende des Space Centers solle zugleich Auftakt für ein neues Investoren-Konzept sein, teilte ein Senatssprecher mit.

Der Erlebnispark galt als Prestige-Objekt der großen Koalition in Bremen. Eröffnet wurde er im Februar. Ehrgeizige Prognosen gingen von bis zu 1,4 Millionen Besuchern im Jahr aus. Da ein angegliedertes Einkaufszentrum mit einer Gesamtfläche von 44.000 Quadratmetern bis heute keine Mieter fand, blieben die angepeilten Besucherzahlen Wunschdenken.

Bei der offiziellen Eröffnung hatte Bürgermeister Henning Scherf (SPD) von einer Erfolgsgeschichte gesprochen. Das Projekt biete gute Chancen zur Entwicklung von Stadt und Region, hatten sowohl Scherf als auch der damalige Wirtschaftssenator Hartmut Perschau (CDU) erklärt.

Der "Space Park" hatte aus dem hoch verschuldeten Bremen ein galaktisches Ausflugsziel machen sollen. Doch das 500-Millionen-Projekt hatte von Anfang an Startprobleme. Die Besucherzahlen im größten Freizeit-Indoor-Park Europas waren weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Auch die direkt ans Center angrenzende Shopping-Mall ist ein "Problemprojekt" geworden. Es fand sich kein Mieter, der als Publikumsmagnet gedient hätte. Eine eigens von der Dresdner Bank eingesetzte Task Force sollte Rettung in letzter Minute bringen. Doch die Bemühungen erwiesen sich als aussichtslos. Deshalb fand auch kein kleinerer Gewerbetreibender den Mut, einen der 120 Läden auf der 44.000 Quadratmeter großen Fläche anzumieten. Und so bietet sich in diesem Teil des Universums an der Weser ein tristes Bild: Die Eingänge der "teuersten Ruine Deutschlands" ("Bild") wurden provisorisch zugemauert, der Besucher der Entertainment-Anlage läuft durch eine riesige, aber fast leere Halle.

Auch in der Bremer Bürgerschaft war das Projekt von Anfang an umstritten. Als Kritiker traten vor allem die oppositionellen Grünen auf. Kritisch hatte sich auch der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel geäußert. Der Mitte der neunziger Jahre konzipierte Park sei ein "riesiger Planungsirrtum". :laugh::mad::cry:

Dabei hatten Space Park" und "Space Center" Bremen zu mehr positiver Aufmerksamkeit verhelfen sollen. Seit Jahren überlebt das aus den Städten Bremen und Bremerhaven bestehende Mini-Bundesland (660.000 Einwohner) nur noch durch die über neun Milliarden Euro aus einem Nothilfeprogramm des Bundes, das aber Ende dieses Jahres ausläuft. :cry:
# 2

jo aber die, muss man hier einschränken, sind eher für die Infrasturkturmassnahmen gelaufen.
Da sich auf dem Geländ direkt an der Weser die ehemalige Schiffswertft AG Weser befunden hat. Also Kosten für Rückbau der Werft, Sanierung, Kanalisation, neue Straßen etc.
In der Zeit wo der Lebensstandard bei den Bürgern sinkt hätten auch die Eintrittspreise sinken müssen.
# 4

könnte sicher ein Grund mit dafür sein, warum die Besucherresonanz niedrig war im Space Center, zumindestens niedriger als die zu optimistischen Prognosen

In der Regel bezahlen Besucher aber gern ne Mark mehr, wenn dafür auch etwas besonderes geboten wird. Sowohl von der Qualität der Attraktionen, des Entertainments bzw. Edutainments. Jedenfalls ist das mein Erfahrungwert. In der Regel benötigen "neue" Freizeitparks und Anlagen eine gewisse Anlaufphase bis sich diese rechnen und die Qualität (mangelnde Qualität) sich herumgesprochen hat.

Ich tippe eher auf falsche Standortwahl und auf Marketingdefizite. Desgleichen betreffend die 44.000 qm leer stehenden Einzelhandelsflächen.
Die sollten endlich mal verstehen das wir keinen blöden Amis sind,so was geht in Amerika aber nicht in Bremen.
# 6

wer die ?

- Investoren
- Betreiber
- Land Bremen

wollen doch alle nur Knete sehen. Die einen über Mieten, die anderen über Umsätze und jene über Steuern - nimm es wie Du willst.

Wurde halt kein funktionierndes Teilelement des Wirtschaftskreislaufes. Die erfolgten Investionen, die sind natürlich im übertragenden Sinne nicht weg, sondern absolut uneffektiv und uneffizient verwendet worden.
Wieder einmal spielten öffentlich Bedienstete "Unternehmer".
Wenn es nicht klappt zahlt eben der Steuerzahler.

Aber was rede ich, ich wohne ja auch in einer SPD-Stadt.
Nicht das die anderen viel besser wären, aber schneller als die Sozis kann man das Geld eigentlich nur in der Spielbank loswerden.
Die optimieren eben ihre "cash-burn-rate".
Das Bremer Space Center steht vor dem Aus
FAZ net 24.08.04

24. August 2004 Sechs Monate nach seiner Eröffnung steht das Bremer Space Center wegen mangelnden Besucherzuspruchs bereits wieder vor dem Aus. Der Bremer Senat ist nicht bereit, weitere Mittel in den defizitären Raumfahrt-Vergnügungspark zu stecken. Ziel sei aber, ihn mit einem neuen Konzept weiterzuführen, in das auch das angrenzende, noch immer leer stehende Einkaufszentrum eingeschlossen werden soll.


Das Space Center war mit etwa 170 Millionen Euro Landeszuschüssen für Infrastruktur errichtet worden. Es war immer wieder von den negativen Schlagzeilen des angegliederten Space Parks getroffen worden: Das Einkaufszentrum mit 44.000 Quadratmetern war Voraussetzung für die angepeilte Besucherzahl von 1,4 Millionen Besuchern im Jahr. Doch die Shoppingmeile steht seit ihrer Eröffnung leer, weil sich keine Mieter fanden.

Noch geöffnet bis Ende Oktober

Die Dresdner Bank will sich offenbar aus dem Projekt insgesamt zurückziehen. Wann die bisherige Betreiberfirma, das amerikanische Unternehmen Pro Fun, den Park genau schließt, ist noch offen. Dies sei zurzeit in der Diskussion, sagte der Erfinder des Parks und dessen Sprecher, Wolfgang Wilke. Am Montag hatte die Senatskanzlei die Schließung bis spätestens Ende Oktober angekündigt. 300 Mitarbeiter warten jetzt auf ihre Kündigung. Mit einem „geordneten Rückzug“ soll die Tür für einen Neustart mit neuen Investoren offen bleiben.

Am Entertainment-Konzept habe es nicht gelegen, erklärt der Center-Manager Wolfgang Wilke die Gründe des Scheiterns: „Man hat unseren Betriebsmittelkredit von 10 Millionen Euro wieder eingestampft und uns damit den Teppich unter den Füßen weggezogen“, kritisiert er den Bremer Senat und den Hauptinvestor des Space Parks, die Dresdner Bank.

Weder Besuchermagnet noch Jobmaschine

Zwölf Jahre hat Wilke gegen viele Widerstände in Bremen für das Projekt gekämpft, das als Besuchermagnet und Jobmaschine in der Hansestadt wirken sollte. Die Hoffnung aufgeben will er jedenfalls nicht. Erwogen werde etwa eine Wiedereröffnung im nächsten Jahr als Saisonbetrieb von März bis Oktober.

Die Gesamtinvestitionen für das Projekt werden mit 520 Millionen Euro beziffert. Etwa 300 Millionen Euro entfallen auf die Immobilie sowie 70 Millionen auf die Ausstattung des Space Centers. 150 Millionen investierte die Stadt Bremen in die Vorbereitung des früheren Werftgeländes für die neue Nutzung und die Infrastruktur.

Streit im Bremer Senat

Bürgermeister Scherf, der sich derzeit im Urlaub befindet, ist noch nicht über die bevorstehende Schließung informiert. Zusammen mit dem vor kurzem aus Gesundheitsgründen :rolleyes: zurückgetretenen Wirtschaftssenator Hartmut Perschau (CDU) hatte Scherf vor der Bürgerschaftswahl 2003 das Vorhaben trotz massiver Kritik der Grünen als wichtiges Zukunftsprojekt zur Schaffung neuer Arbeitsplätze verteidigt. Für die Grünen als einziger Oppositionsfraktion in der Bremischen Bürgerschaft trägt Scherf die "politische Verantwortung" für die nun entstandene Lage. "Das Projekt zeigt die gigantomanische :rolleyes: Wirtschaftspolitik der großen Koalition", kritisierte die grüne Fraktionsvorsitzende Karoline Linnert. Es sei jedoch "in Ordnung, daß sich der Senat nun dazu entschlossen hat, keine weiteren Gelder mehr fließen zu lassen". Der nun vereinbarte Weg, weiter nach Investoren und neuen Nutzungsmöglichkeiten zu suchen, sei "alternativlos". Ein Abriß des riesigen Gebäudes sei zu kostspielig.

Auch die CDU-Bürgerschaftsfraktion hofft weiter auf eine Fortführung des Projekts durch Bremer Investoren. Die bisherigen Verhandlungen seien bisher von allen Beteiligten positiv begleitet worden, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Jörg Kastendiek. Auch der Bremer SPD-Vorsitzende Carsten Sieling glaubt nicht an das endgültige Aus für den "Space Park". Die Dresdner Bank werde schon aus rechtlichen Gründen an dem Projekt festhalten, da sonst die Rückzahlung öffentlicher Zuschüsse drohe. Als Grund für das bisherige Scheitern des Vorhabens nannte Sieling die "völlige Fehleinschätzung des Marktes" Mitte der neunziger Jahre. "Statt eines Einkaufscenters mit Rakete haben wir nun eine Rakete ohne Einkaufscenter.":laugh:
Kommentar
Staat und Kapital

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.08.2004, Nr. 197 / Seite 8


24. August 2004 holl.
Für Bremens Bürgermeister Scherf ist der Space Park nur noch ein "Albtraumprojekt". Der einzigen Oppositionspartei im hochverschuldeten Stadtstaat, den Grünen, erschien das mit reichlich Steuergeldern errichtete Einkaufszentrum mit angeschlossener Weltraumkirmes schon seit langem als ein "Dokument des Größenwahns" der seit neun Jahren regierenden großen Koalition. Für die an der Finanzierung beteiligte Dresdner Bank entwickelt sich das mit etwa 400 Millionen Euro errichtete und seit Eröffnung leerstehende Gebäude zu einer grandiosen Fehlinvestition. Mit der nun verkündeten Schließung des Space Centers, das einziger Mieter des Space Parks ist, beginnt die letzte Episode in der Geschichte einer von Illusionen und Schönfärbereien geprägten "public-private partnership". Diese auf englisch so sympathisch klingende Beschwörung einer gewinnbringenden Allianz zwischen Staat und Kapital hat nicht nur in Bremen Politiker dazu verleitet, einen scheinbar visionären Weg des wirtschaftlichen Aufschwungs zu beschreiten. Doch bei der Bewilligung öffentlicher Zuschüsse in dreistelliger Millionenhöhe sollten nicht Visionen den Ausschlag geben, sondern kaufmännisches Denken in guter hanseatischer Tradition.
zur Info:

Perschau hat Krebs also kann man den :rolleyes: bitte weg lassen...

2. Debakel für die DreBa, die das Ding, meines Wissens nach erst als geschlossenen Fonds hatte und dann die Zeichner ausgezahlt hat und ins eigene Portfolio nehmen mußte...(ich hoffe ich verwechsel das jetzt nicht mit dem Medionfondsdeasaster der Sparkasse)
P.S. Wer Bremen zu rot/grünen Zeiten erlebt hat und jetzt in der großen Koalition sieht was sich in den 9 Jahren verbessert hat, auch wenn das Ding hier ein Millionenflop geworden ist.
@eastsides

sorry,
das wusste ich nicht mit Perschau.
Der Artikel aus #9 (FAZ!) macht natürlich in diesem Teilabschnitt den ersten Eindruck auf den Leser, unabhängig der langen und aktiven politschen Tätigkeit von Perschau, verantwortliche Politiker verlassen das sinkende Schiff.
HANDELSBLATT, Mittwoch, 25. August 2004, 07:56 Uhr


Dresdner Bank und Bremer Senat hinterlassen 520-Millionen-Euro-Objekt als Investitionsruine

Bremer Prestigeprojekt Space Park droht der Absturz

Der Bremer Space Park steht vor dem Aus. Spätestens im Oktober wird das Shopping- und Infotainment-Center, für das die Dresdner Bank und der Bremer Senat mehr als eine halbe Milliarde Euro ausgegeben haben, seine Pforten schließen.


cs DÜSSELDORF. Das kündigte die Profun Management Group an, die den erst im Dezember eröffneten Vergnügungspark „Space Center“ betreibt.

Auslöser ist die Entscheidung der Dresdner Bank, dem defizitären Unternehmen keine neuen Kredite mehr zu geben. Zusammen mit der landeseigenen Bremer Investitions Gesellschaft (Big) hatten die Frankfurter seit dem Start Betriebsmittelkredite von 5,5 Mill. Euro vergeben. Inzwischen habe sich aber herausgestellt, dass man mit dem derzeitigen Konzept die Gewinnzone kurzfristig nicht erreichen könne, heißt es bei den Geldgebern. „Wir können nicht dauerhaft die Defizite des Space Centers durch Zuschüsse kompensieren“, sagte zudem Senatssprecher Klaus Schloesser auf Anfrage.

Die erhoffte Besucherzahl von 1,4 Millionen pro Jahr wird nach Aussagen des Betreibers weit verfehlt – die tatsächliche Zahl hält er geheim. Trotz der hohen Eintrittspreise von 22 Euro schaffte es der Erlebnispark nicht aus den roten Zahlen. Schon im Sommer entließ das Space Center 66 Mitarbeiter. Nun warten die restlichen 320 auf ihre Kündigung.

Nicht allein das Konzept des Space Centers, das mit Raketenmodellen und Science-Fiction-Attraktionen Besucher lockt, trägt Schuld an der Misere. Zum gesamten Space Park gehört laut Planung als zweiter Publikumsmagnet ein 44 000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum. Doch der Konsumtempel, der seit anderthalb Jahren komplett fertig gestellt ist, steht leer. Weil attraktive Hauptmieter wie Kaufhof und Karstadt nach langem Hinhalten absprangen, stornierten sämtliche Ladenbetreiber ihre Mietverträge. Eine wirtschaftliche Nutzung der edel ausgestatteten Investitionsruine ist derzeit nicht in Sicht.



Der ursprüngliche Projektentwickler, die Wiesbadener Köllmann KG, hat sich inzwischen aus dem Space Park zurückgezogen. Der Investor Degi Grundwertfonds, eine Tochter der Dresdner Bank, trat die faule Investition ans Mutterhaus ab. Und das schaut sich händeringend nach einem Ausstieg um. Man suche nach neuen Betreibern und Investoren, heißt es beim Kreditinstitut, und versuche dabei „einen geregelten Übergang“. Wertanpassungen habe die Bank bereits „in angemessener Höhe“ :rolleyes: vorgenommen, berichtet eine Sprecherin. Mit welchem Betrag der Space Park noch in den Büchern steht, sagt sie aber nicht.:rolleyes:

Der Schaden ist erheblich. Außer den Krediten hat die Dresdner Bank rund 300 Mill. Euro in die Immobilie und weitere 70 Mill. Euro in das Infotainment-Center investiert. :rolleyes: Auch der Senat, der neben der Bank zehn Prozent an der Immobilie hält, ist mit rund 170 Mill. Euro in Vorleistung gegangen. Für 100 Mill. Euro verwandelte er das ehemalige Werftengelände in ein baureifes und erschlossenes Grundstück, steckte weitere 39,75 Mill. Euro in die Gebäude und stellte einen Kredit über 35 Mill. Euro zur Verfügung.

Alle Hoffnungen ruhen nun auf der Hamburger Entwicklungsfirma Petri & Tiemann, die bereits den „Ocean Park“ im benachbarten Bremerhaven mit einem neuen Konzept gerettet hat. Es gebe Verhandlungen mit dem Unternehmen, bestätigt der Bremer Senatssprecher. Die Frage der Investoren sei aber noch nicht geklärt.
Bremer Space Center vor dem Aus
NDR Regional 25.08.04

Der mit Millionen-Investitionen errichtete Bremer Weltraum-Erlebnispark Space Center steht vor dem Aus. Das bestätigte ein Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Die Senatskanzlei habe die Fraktion darüber unterrichtet, dass das Zentrum spätestens Ende Oktober seine Tore schließen werde. Alle 300 Mitarbeiter sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. Das 500-Millionen-Euro-Projekt war wegen geringer Publikumsresonanz in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Das Land hatte 170 Millionen Euro für die Infrastruktur beigesteuert.

Gespräche mit Interessenten laufen bereits
Nach Absprache mit dem Hauptinvestor, der Dresdner Bank, soll der Betrieb "geordnet zu Ende geführt werden", hieß es in der Fraktion. Ein Insolvenzverfahren werde es nicht geben. Das Ende des Space Centers solle zugleich Auftakt für ein neues Investorenkonzept sein, so der Senat. Die Eigentümer suchten nun einen neuen Betreiber. Gespräche mit Interessenten seien im Gange. Als möglicher Investor komme Carlo Petri in Frage, berichtet NDR Info. Dieser betreibt in Bremen bereits das Universum, eine wissenschaftliche Erlebniswelt. Petri habe zwar großes Interesse am Space Center signalisiert, stehe bisher aber weder mit der Dresdner Bank noch mit der Stadt in Kontakt. Der Senat rechnet damit, dass der Freizeitpark im kommenden Jahr wiedereröffnet werden kann.

Änderungen am Konzept vorgesehen
Der Park werde entweder Ende September oder Ende Oktober schließen, sagte Senatssprecher Klaus Schloesser. "Das hängt davon ab, ob die Herbstferien noch mitgenommen werden oder nicht", erklärte er. Bis dahin reichten die Betriebsmittel, die die Dresdner Bank als Eigentümer der Immobilie und das Land Bremen zur Verfügung gestellt hätten. Die rund drei Millionen Euro Kreditsollten über die schwierige Startphase hinweghelfen. Es habe sich aber gezeigt, dass es für den Betreiber ProFun fast unmöglich sei, aus den Verlusten herauszukommen. Deshalb gebe es auch keine weiteren Zuschüsse. "Es muss konzeptionell etwas verändert werden, auch im Shoppingteil muss perspektivisch etwas passieren", betonte Schloesser.

Einkaufszentrum fand keine Mieter
Der Erlebnispark galt als Prestigeobjekt der großen Koalition in Bremen. Die Eröffnung war im Februar. Ehrgeizige Prognosen gingen von bis zu 1,4 Millionen Besuchern pro Jahr aus. Da ein angegliedertes Einkaufszentrum mit einer Gesamtfläche von 44.000 Quadratmetern bis heute keine Mieter fand, blieben die angepeilten Besucherzahlen allerdings Wunschdenken. ProFun weigert sich bislang mitzuteilen, wie viele Gäste tatsächlich kamen. An einem Konzept für den gesamten Space Park arbeitet die Stadt zusammen mit der Dresdner Bank. "Wir führen viele Gespräche, um eine gemeinsame Lösung zu finden", bestätigte Bank-Sprecherin Katarina Piero.

Bremer FDP fordert private Lösung
Die Bremer FDP setzt das Aus des Erlebniscenters gleich mit dem Scheitern der großen Koalition. Bürgermeister Henning Scherf sei nun gefordert, "zu retten, was noch zu retten ist", sagte der FDP-Landeschef Peter Bollhagen. Das Scheitern des Space Centers biete aber auch die Chance für einen Neuanfang. Das Bundesland oder eine der Tochtergesellschaften des Bremen-Konzerns dürften aber kein neues finanzielles Risiko eingehen, forderte Bollhagen. Nur eine rein private Lösung des Problems sei sinnvoll.

Grüne: Keine öffentlichen Mittel mehr zuschießen
"Realistischer Weise muss man davon ausgehen, dass Investoren, die bereit stehen, diesen Karren aus dem Dreck zu ziehen, auch weiterhin nicht vor Bremens Türen Schlange stehen", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Klaus Möhle. Bremen dürfe aber auf keinen Fall ins Betreiberrisiko einsteigen und keine öffentlichen Mittel mehr zuschießen. Nach Ansicht des parteilosen Bremer Finanzsenators Ulrich Nußbaum dürfe sich jetzt niemand aus der Verantwortung stehlen. Es gelte nun, Investoren mit einem überzeugenden inhaltlichen Konzept zu finden.

Ursprünglich "gute Chancen für Stadt und Region"
Bei der Eröffnung im Februar hatte Bürgermeister Scherf noch von einer "Erfolgsgeschichte" gesprochen. Das Projekt biete gute Chancen zur Entwicklung von Stadt und Region, hatten sowohl der SPD-Politiker als auch der damalige Wirtschaftssenator Hartmut Perschau, der dem Koalitionspartner CDU angehört, erklärt. Scherf weiß von der Hiobsbotschaft aus Bremen noch nichts, teilte Senatssprecher Schloesser mit. Der Bürgermeister kehre erst am Wochenende von seinem Segeltörn in der Arktis zurück.
Bremen, insbesondere unter der großen Koalition, ist bekannt dafür, Geld (das eigentlich nicht da ist) in sinnlose Großprojekte zu pumpen. Der Space Park ist nicht das einzige Beispiel.

Da wäre zum Beispiel noch der Megaflop Musicaltheater. Das Muster ist ganz ähnlich, man rechnet sich ein Projekt so lange schön bis man selbst daran glaubt.

Oder das Gewerbegebiet Hemelinger Marsch. Es muss ja unbedingt wieder die grüne Wiese sein, statt Baulücken in der Stadt. Dass so ein Marschgrund nicht gerade der ideale Baugrund ist ... naja ... wir haben`s ja. Aber so ein Gewerbegebiet schafft doch Arbeitsplätze! Na klar ... ein Gabelstaplerfahrer pro Lagerhalle ...

Das Güterverkehrszentrum (GVZ). Auch so ein patentes Projekt. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Der führt für die armen Brummis jetzt allerdings erstmal durch verwinkelte Zufahrtstraßen - die Autobahnen (die wir ohne das GVZ gar nicht bräuchten) bauen wir später mal! Und pumpen dafür noch fleißig Millionen hinterher!

Bremen ist reif für den politischen und finanziellen Offenbarungseid mit anschließender Eingliederung in das Land Niedersachsen.

IMHO/NBK
Bremer FDP fordert Rücktritt von Bürgermeister Scherf

Bremen (ddp-nrd). Die Bremer FDP fordert nach dem absehbaren Aus für das Space Center den Rücktritt von Bürgermeister Henning Scherf (SPD). Scherf müsse als Regierungschef die Verantwortung für das von der großen Koalition verursachte Debakel um den Vergnügungspark übernehmen, sagte der stellvertretender FDP-Landeschef, Mark Ella, am Mittwoch in Bremen. Zugleich forderte der Liberale auch das Ende der großen Koalition sowie Neuwahlen.

«Knapp 200 Millionen Euro an Steuergeldern hat Bremen in den Space Park gesteckt und damit im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand gesetzt», betonte Ella. Scherf sei als Regierungschef unmittelbar für diese Verschwendung verantwortlich.

Nachdem die Dresdner Bank und der Senat keine weiteren Mittel mehr für den Betrieb des Space Centers zur Verfügung stellen wollen, wird der Weltraum-Erlebnispark spätestens Ende Oktober schließen.
Abgehoben, abgestürzt
Die Welt 25.08.04

Nur sechs Monate nach seiner Eröffnung steht der Bremer Vergnügungspark Space Park vor dem Aus. Eine Katastrophe: Das 650-Millionen-Euro-Projekt sollte in dem Bundesland mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung Wirtschaft und Tourismus ankurbeln
von Heiner Stahn


Eine als Astronautin verkleidete Mitarbeiterin des Space Centers Bremen begrüßt Gäste des Vergnügungsparks
Foto: ddp

Wer in den Weltraum will, muss erst einmal ein ganzes Stück laufen. Ein langer Gang, der "Starwalk", trennt den Eingang vom eigentlichen Empfangsbereich des Bremer Space Park. Und während der Besucher die die knapp 300 Meter hinter sich bringt, erblickt auf dem Weg rechts und links - nichts. Glasfronten von Ladengeschäften sind abgehängt, höchstens Putzdienste haben dort noch zu tun, wo Bremens neue Glitzerwelt aus Freizeitpark und Einkaufszentrum längst entstanden sein sollte. Doch die Geschäfte blieben leer, und das Vergnügungsareal mit Weltraumthematik interessierte auch nicht so, wie es sich die Planer ausgemalt hatten. Jetzt gehen im Space Park die Lichter aus.


Die beiden Kreditgeber, die Dresdner Bank und die Stadt Bremen, wollen kein weiteres Geld mehr in die Anlage pumpen - 650 Mio. Euro hat der Space Park bislang gekostet. Der Betrieb soll geordnet zu Ende geführt werden. Spätestens im Oktober ist Schluss. Noch hat der Space Park knapp 300 Mitarbeiter, etwas mehr als 60 wurden bereits entlassen. Die Zukunft des Prestigeobjektes der großen Koalition steht völlig in den Sternen. Die Senatoren des SPD/CDU-Regierungsbündnisses halten sich bedeckt. Fast gebetsmühlenhaft sprechen sie schon seit Monaten von neuen Konzepten, die gesucht würden.


Das Scheitern ist für Bremen eine Katastrophe. Am Space Park hängen nicht nur knapp 300 Arbeitsplätze, sondern auch die Hoffnung auf den wirtschaftlichen Wiederaufstieg. Der Space Park war das Kernstück eines Plans, der Bremen zu einem Tourismus-Boom verhelfen sollte. Ein Besuchermagnet sollte entstehen, eine Jobmaschine.

Seit mehr als zehn Jahren ist der Kombi-Park ein heißes politisches Thema in Deutschlands kleinstem Bundesland. Bremen, von der Werftenkrise geschüttelt, suchte nach neuen Konzepten in der Wirtschaftspolitik - und entdeckte den Tourismus. Zwei große Freizeitanlagen am Hafen von Bremerhaven und auf der alten Werftbrache der AG Weser wurden geplant: Ocean Park und Space Park. Denn neben Schiffbau und Seegüterumschlag prägten auch Firmen wie Airbus oder EADS Space Transportation über Jahre das wirtschaftliche Leben. Die strukturschwache Hansestadt an der Weser wollte so weg vom schlechten Image und, vor allem, von der schlechten Wirtschaftslage. Immer noch hat der Stadtstaat mit 9,2 Prozent die höchste Sozialhilfequote Deutschlands und mit 14 505 Euro die höchste Pro-Kopf-Verschuldung.


"Der Space Park ist für uns das Kernstück der bremischen Tourismusentwicklung", sagt Peter Siemering, Chef der Bremer Touristikzentrale. Aber im Space Center ist nichts los. Oftmals wandern die Besucher allein durch die bunt illuminierten Gänge und an der schimmernden großen Planetenkugel vorbei, die den Mittelpunkt des Space Centers markiert. Über den Köpfen braust eine Achterbahn, die einen Flug durch weit entfernte Galaxien und zu fremden Welten simulieren soll. Zufrieden ist nach eigenen Angaben nur der Betreiber des neuen Kinos.


Der Space Park besteht aus zwei Teilen: Einem Bereich mit rund 120 Geschäften - für keines fand sich jemals ein Mieter - und dem eigentlichen Freizeitpark, dessen Besucherzahlen weit hinter den Erwartungen zurückblieben. Wie viele es tatsächlich sind, die an sieben Öffnungstagen je Woche kommen, will Space Center-Sprecher Wolfgang Wilke nicht sagen. Die Planer des Space Parks hatten 1,4 Millionen Besucher pro Jahr angesetzt - eine funktionierende Shopping-Meile vorausgesetzt. Heute sagt Wilke: "Da der Einkaufsteil leer steht, war unser Ziel dann, möglichst nah an eine Million Besucher heranzukommen. Es hat sich gezeigt, dass dies nicht mehr realistisch ist". Der Freizeitpark braucht dringend frisches Geld.


Doch es gibt keins, jedenfalls nicht von den Hauptinvestoren. Die Dresdner Bank will raus aus dem Projekt. Vor einigen Wochen wurde das Geldinstitut im Rathaus vorstellig, wollte die Betriebsmitteldarlehen über zehn Mio. Euro sofort kündigen. 5,5 Mio. Euro davon sind bislang geflossen. Der Senat um Bürgermeister Henning Scherf (SPD) konnte zumindest erreichen, dass die Bank sich so lange geduldet, bis ein neues Gutachten über die Zukunft des Space Centers fertig ist. Doch offenbar sei die Zwischenbilanz so entmutigend gewesen, dass sich die Bank schon vor Fertigstellung des Gutachtens aus dem Projekt zurückziehe, sagte Senatssprecher Klaus Schloesser. Und auch die die Stadt will kein Geld nachschießen. Damit ist das Aus jetzt beschlossene Sache.


Unter einem guten Stern stand der Space Park nie. Nach mehreren Wechseln bei der Projektentwicklung und nachdem das Projekt Ocean Park gestoppt wurde, blieb der Space Park übrig, unter Federführung der Dresdner Bank. Das Konzept wurde verändert: An den Vergnügungspark sollte auch ein Einkaufscenter angegliedert werden. Ohne Shopping-Meile, prognostizierte Bremens damaliger Wirtschaftssenator Josef Hattig (CDU), werde auch der Freizeitpark nicht laufen. "Einkaufszentrum mit Rakete" spotteten die oppositionellen Grünen. Nachdem der Einkaufsteil von Planung zu Planung immer größer wurde, folgte die lange - und erfolglose - Suche nach einem so genannten "Ankermieter", in Bremen inzwischen ein Unwort. Doch fand sich kein großes Einzelhandelsunternehmen, das sich einmieten wollte. Kaufhof sprang ab, Saturn ebenso. Und so wollte sich die damals verantwortliche Deutsche Gesellschaft für Immobilienfonds (Degi), die Immobilien-Kapitalanlagegesellschaft des Allianz-Dresdner-Bank-Konzerns, schon 2001 aus Bremen verabschieden: Etwa eine halbe Mrd. Euro waren investiert, die Stadt hatte rund 150 Mio. Euro für die Flächenaufbereitung ausgegeben. Bremen und die Bank einigten sich schließlich darauf, gemeinsam für das Space Center ein Darlehen zu gewährleisten: 80 Mio. Euro wurden von den Partnern zu gleichen Teilen übernommen, zehn Mio. davon als reiner Betriebsmittelkredit. Mit diesem Geld konnte das Space Center schließlich im Februar eröffnet werden. Doch hielt das Besucherinteresse nicht an. Längst nicht so viele Besucher wie angenommen wollten 22 Euro ausgeben für einen simulierten Raketenabschuss neben dem Modell einer Ariane-Rakete, für 3-D-Filme in Norddeutschlands einzigem I-Max-Kino oder dafür, in einem Wägelchen dahinzuckelnd mit einer Lichtpistole auf Roboter zu schießen.


Zwar fand sich mit dem US-amerikanischen Unternehmen ProFun ein professioneller Vergnügungspark-Betreiber, der etwa auch in der VW-Autostadt dabei ist. Zudem engagierten sich mit Paramount Pictures und MGM zwei der großen Hollywood-Studios als Lizenzgeber und installierten im Space Center Ableger ihrer erfolgreichen Fernsehserien "Star Trek Voyager" und "Star Gate". So sollten zahlungskräftige Fans angelockt werden, die für Treffen, so genannten "Conventions", auch weite Anreisen in Kauf nehmen. Doch schon bald nach der Eröffnung des Space Centers wurde klar: Es kommen zu wenige. Ein Teufelskreis: So lange das Space Center schwächelt, findet sich kein Großmieter für die Einkaufsmeile, und ohne die Shopping-Mall läuft der Vergnügungspark nicht richtig.


Der Bremer Senat hofft immer noch, mit einem neuen Betreiber und einem veränderten Konzept doch noch ein erfolgreiches Weltraumerlebnis installieren zu können. Die Dresdner Bank sucht nach einem neuen Investor. Dass die Bank aussteigen will, stieß in Bremen auf Unverständnis. "Auch andere Freizeitparks haben Jahre gebraucht, um schwarze Zahlen zu schreiben", heißt es aus dem Senat. Auf dieses Argument hat Dresdner-Bank-Sprecherin Katerina Piro "nicht wirklich eine Antwort".


Der Dresdner-Bank-Tochter Degi, die das Geschäft mit der Stadt Bremen ausgehandelt hatte und so erst möglich machte, dass das Space Center verwirklicht wurde, ist das Projekt inzwischen entzogen worden. Übergeben wurde es einer neuen Einheit, der "Institutional Restructuring Unit" (IRU). Was die Degi einst in Bremen vereinbarte, erweist sich nun aus Sicht der Dresdner Bank als besonders schlecht. Denn der Space Park wurde gebaut, ohne dass auch nur ein einziger Mieter für den Einkaufsbereich unterschrieben hatte. Und die Dresdner Bank ist Eigentümer des Einkaufszentrum Space Park, einer leer stehenden, 40 000 Quadratmeter großen Gewerbeimmobilie. Beim Vergnügungspark Space Center firmiert die Bank nur als Kreditgeber.


Bank-Sprecherin Piro verweist auf die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Planungsphase: Ende der 90er Jahre habe man allgemein noch von einem prosperierenden Einzelhandel ausgehen können. Doch nun soll Schluss sein - "das haben wir als Bank klar gesagt", so Piro. Offen ist, was mit der riesigen Immobilie passieren soll. Die Dresdner Bank schweigt sich darüber aus, zu welchen Konditionen sie das Einkaufszentrum und den Vergnügungspark abstoßen würde. Im schlimmsten Fall müsste die Stadt Bremen mit einer Investitionsruine zurechtkommen, in die sie selbst viel Geld gesteckt hat. "Wir hätten bei jedem Investor so gehandelt, der einen so gewaltigen Betrag hier investieren will", so Stefan Luft, Sprecher des Wirtschaftsressorts.


Im Senat wird derweil weiter gefordert, es müsse eine "generelle Neukonzeption her". Da sieht es zumindest für das Space Center sieht nicht ganz schlecht aus. Carlo Petri wäre ein möglicher neuer Betreiber. Der Hamburger Unternehmer hat in Bremen bereits das erfolgreiche "Universum Science Center" aus der Taufe gehoben, präsentiert dort Wissenschaft zum Anfassen. "Mehr Flair, mehr Atmosphäre" stellt sich Petri vor. Bislang gibt es im Space Park nur einige wenige Tafeln und paar Ausstellungsstücke wie Raumanzüge oder ein Mondfahrzeug.


Petri bestätigt, "Teil der Überlegungen" zu sein, doch steht der Hamburger Unternehmer nur als Betreiber parat. Somit geht die Suche nach einem Investor weiter. Auf jeden Fall wollen Bank und Senat eine Insolvenz des Space Centers vermeiden. Dann müssten nämlich aller Voraussicht nach EU-Beihilfen in Millionenhöhe zurückgezahlt werden. Zudem verfielen bei einer Insolvenz die Lizenzen für die Attraktionen wie "Star Gate" und "Star Trek". Bei einem Betriebsübergang könnte der neue Eigentümer diese übernehmen. Doch bevor ein neues "Space Center" seine Tore öffnen könnte, wird der riesige Park seine Tore wohl schließen. Vielleicht nur vorübergehend.


Artikel erschienen am Mi, 25. August 2004
@natural, da muß ich dir recht geben....

aber die a-bahn wird jetzt ja gebaut... ich merke es immer wieder, wenn ich 1-2 tage die woche beruflich in meiner alten heimatstadt bin...

man sollte aber nicht alles schwarz sehen. ich denke man hat in bremen wirtschaftlich einiges auf die beine gestellt. unser universum zeigt, daß so ein prestigeobjekt, sofern das konzept stimmt, funktionieren kann. rathaus und roland als weltkulturerbe. schlimmer, daß wieder 300 leute auf der straße stehen...
wenn jeder nur mtl. 1.000€ alu (oder heißt das jetzt hartz IV?) reden wir über 300.000€ mtl. kosten plus verwltungskosten plus krankenkassenkosten, beiträge in die rv, etc. pp.sprich jährliche kosten von mind. 3,6 mio.€
@Eastside

sehe das ähnliche, dass sich in Bremen einiges in den letzten 8 Jahren getan hat.
Das Universum als lobendes Beispiel eines funktionierden Edutainmentscenter oder die Neuausrichtung der Bremer Universität (erfolgreiche interdizplinäre Zusammenarbeit zwischen Lehre, Forschung und freier Wirtschaft) einhergehend mit dem angeschlossenem Technologiezentrum oder die internationale University in Bremen-Vegesack.

Darüberhinaus ist zu erwähnen, wie bereits auch über die Wirtschaftswoche in der Ausgabe vom 15.04.04 publiziert, das Bremen im Städteranking über die größte Dynamik verfügt (was das auch immer bedeuten mag)
Space Park völlig losgelöst
[Von ftd.de, 21:52, 26.08.04]



Mit dem Space Park wollte Bremen abheben. Er sollte Besucher locken und Kaufkraft binden. Doch kaum eröffnet, muss das Prestigeprojekt wieder schließen. Die Politiker und Manager hatten die Bodenhaftung verloren.


Nach links lehnt er sich, hat den Ellenbogen aufgestützt, Kinn, Schnurrbart, ja, das halbe Gesicht graben sich in die Hand. "Aber wir haben doch viel erreicht", sagt Wolfgang Wilke. Er ist Sprecher und Erfinder des Space Parks. Braune Augen. Trotz. Wut. Seine Zigarettenstimme wird leise. "Es ist nicht nur mein Traum. Wir sind hier 300 Leute. Die Crew eines Raumschiffs. Wir haben es gelebt. Und wir werden es leben. Ich glaube an den Erfolg."
Andere haben aufgehört zu träumen: Investoren, Politiker, Banker - jahrelang haben sie den Space Park gepriesen als "Deutschlands erstes Entertainment-Shopping-Center" und "Bremens Schlüsselprojekt der Sanierungspolitik". Jetzt nennt es sogar Bremens Bürgermeister Henning Scherf ein "Alptraumprojekt".

Geldschlauch abgeklemmt

Diese Woche haben die Geldgeber, die Dresdner Bank und die Stadt, das vorläufige Ende verkündet. Die US-Betreiberfirma Pro Fun könne nicht genug Besucher anlocken, um die Kosten zu decken. "Wir sind nicht mehr bereit, die Verluste auszugleichen", sagt der Senatssprecher Klaus Schloesser.
Spätestens im Oktober wird der Park geschlossen, nur ein halbes Jahr nach dem Start. 650 Mio. Euro hat es gekostet, ihn zu bauen, Straßen und Gelände eingerechnet. Nun soll ihn ein neues Konzept retten. Falls sich neue Geldgeber finden. Die Chance ist mäßig. "Für den Standort wäre das eine Katastrophe", sagt der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel.
Dabei hatte alles so gut angefangen. Vor zwölf Jahren, mit einer kleinen, feinen Idee. "Wir waren eben clever", sagt Wolfgang Wilke. "Ha, ha", das Bäuchlein bebt. Kernphysiker ist er, arbeitet bei dem Luftfahrtkonzern Dasa, der heutigen EADS. "Die Stadt war ja der wichtigste Standort für bemannte Raumfahrt in Europa. Da dachte ich: Das muss man den Leuten näher bringen. Die sehen Raumfahrt doch wie Neandertaler: Feuer und Donnerhall."

Bremen auf der Suche nach neuen Chancen

Dasa und Stadt fördern die Idee. Bremen, geschunden von Werftenpleiten, sucht neue Chancen, neue Industrien. Werften? Das war gestern! Tourismus? Raumfahrt? Das ist morgen! Eine Chance für eine Stadt am Abgrund: mit 14.505 Euro pro Kopf ist Bremen deutscher Schuldenmeister, die Arbeitslosenquote westdeutsche Spitze mit 13,5 Prozent. Aus Berlin wünscht sich Bürgermeister Scherf 500 Mio. Euro - Jahr für Jahr. Seit Monaten verhandeln die Bremer mit Hans Eichels Finanzministerium.
Vor zehn Jahren hatte Bremen mal Geld. Damals halfen Bund und Länder mit einem Investitionssonderprogramm, schütteten bis heute 8,5 Mrd. Euro aus. Damit hätte die Stadt alle Altschulden tilgen können. Aber die große Koalition unter Scherf will investieren, das Geld vermehren. "Da war so eine Blockbuster-Mentalität: Wir müssen klotzen, klotzen, klotzen", sagt Helga Trüpel, damals Oppositionelle der Bremer Grünen, heute Europaabgeordnete.

Europa ist ausgeblieben

Vor allem Wirtschaftssenator Hartmut Perschau und sein Staatsrat Frank Haller lieben Großprojekte, prüfen den Bau von Einkaufszentren, eines Musical-Theaters und des Space Parks. "Die Region sollte zur European Shopping Destination werden", sagt Trüpel. "Die dachten, Europa rennt uns die Bude ein, weil es Events gibt und sie einkaufen können."
Rund 150 Mio. Euro der Stadt fließen in den Space Park. Zugangsstraße, Gelände, Innenausbau. "Das ist alles sehr schön geworden", sagt Wilke, "die Kinos, der Eingang". Kaum spricht er über sein Baby, tanzen seine Hände, malen Raketen auf den Tisch, greifen eine Zigarette, lassen sie neben das Star-Trek-Feuerzeug fallen.

Taub für kritische Stimmen

Der Space-Park, das ist Kino, Ausstellungen, ein Mondauto, eine Achterbahn - und natürlich Wilkes Liebling: der Borg-Encouter, ein Star-Trek-Kinoabenteuer, in dem der Zuschauer Teil der Handlung wird. Böse Mächte greifen darin an. Schüsse, Blitze, Splitter - alles in 3D, dazu Wind im Kino, und der Stuhl ruckelt. "Wehren Sie sich", ruft der "Star Trek"-Doc den Zuschauern entgegen. Es ist wie im Space Park. Alles rennt, rettet, flüchtet - einer trotzt: der Doc. So nämlich nennen die Mitarbeiter Wilke.
Die Leute lieben unser Angebot, sagt der Chef. Zuletzt kamen im Schnitt 2700 Besucher am Tag. "In Umfragen loben 95 Prozent das Ambiente", sagt Wilke. "Da könnten wir hier aufspringen und jubeln - wenn wir die andere Diskussion nicht hätten."
Die andere Diskussion, das ist das Geld. "Der Space Park ist in der jetzigen Form kurzfristig nicht aus der Verlustzone heraus zu bekommen", sagt Senatssprecher Schloesser. Schon im Mai haben die Geldgeber den Betriebsmittelkredit von 10 Mio. Euro gesperrt, nur noch rund die Hälfte in Tranchen ausgezahlt. Derzeit untersuchen Experten die Chancen des Vorzeigeprojekts.
Es sind nicht die ersten. Es gab schon früher Gutachten, prall von Optimismus. Auf kritische Stimmen hätte der Senat nicht gehört, sagt Grünen-Politikerin Trüpel, "in seinem Größenwahn". Sie habe erlebt, wie sich Wirtschaftsstaatsrat "Haller und seine Leute sich regelrecht besoffen reden ließen". Von den Marketingleuten des ersten Privatinvestors, der Köllmann AG. Die setzen nicht allein auf den Freizeitpark sondern wollen nebenan ein Shopping Center bauen.

"Eine spinnerte Idee"

"Eine spinnerte Idee", kritisiert Experte Rudolf Hickel. Die Bürger witzeln über dieses "Einkaufszentrum mit Rakete". Die Stadtplaner können es nicht fassen. "Der Standort war schlecht erschlossen. Und Bremen hatte nicht die Kaufkraft für solch ein Shopping Center", sagt Ulla Luther, damals parteilose Staatsrätin für Bauwesen. "Da gibt man einem Lahmen eine Krücke, die nichts taugt."
Josef Hattig, Perschaus Nachfolger als Wirtschaftssenator, kümmern solche Einwände nicht. Belegen seine Gutachten doch, wie gut die Chancen des Parks sind. "Die Gutachter haben da Zahlen reingerechnet, da habe ich gesagt: `Das kann doch nicht wahr sein! Ihr rechnet da halb Nordrhein-Westfalen rein`", sagt ein ehemaliger Mitarbeiter. 1,4 Millionen Besucher im Jahr soll der Space Park anziehen. In diesem Jahr wäre er höchstens auf 800.000 gekommen.
Der Bau wird 1998 beschlossen, und die Degi steigt mit Hunderten Millionen DM ein. Die Degi ist Immobilienfondstochter der Dresdner Bank. "Wenn eine Bank soviel Geld in die Hand nimmt", sagt Bremens Bürgermeister Scherf damals, "dann muss die Politik ordentlich Wind machen."
Alle verlieren das Maß. "Die Politik war im Expansionswahn, die Wirtschaft rechnete in Zeiten der New Economy mit einem Konsumsprung, die Banken hatten einen Haufen Geld", sagt Hickel. Man schwebt dem Unvermeidlichen entgegen, völlig losgelöst, wie die Weltraumspaziergänger in Wilkes Kinos.

Ohne Hauptmieter ist alles nichts

Warnrufe hören sie nicht. Dass der Konsum abflaut. Dass die Börse überhitzt. Dass die Worte "Shopping-Tempel" und "City Hopping" Modewörter sind. "Sie wollten auf einen Zug aufspringen, der längst abgefahren war", sagt Trüpel. Das merken sie erst, als Köllmann keinen Ankermieter für das Shopping Center findet. Ohne Hauptmieter ist alles nichts, siedeln sich keine Boutiquen an, keine Kneipiers.
Aber das Projekt war schon so weit, der Traum so nah, "der Haller und seine Leute hätten ihr Gesicht verloren, wenn sie abgebrochen hätten", sagt die ehemalige Staatsrätin Luther. Und niemand hatte die Größe, sie zu stoppen. "Hinter vorgehaltener Hand haben ja fast alle Senatoren gesagt, dass der Park Unsinn ist. Aber es gab einen Point of no return." Also hebt man ab, auch ohne Mieter. "Es gab Gespräche mit Saturn und anderen", sagt Wilke. "Sie scheiterten."
Im Sommer 2000 haben sie die ersten Mauern errichtet, in diesem Jahr haben sie den Eingang zur Shoppinghalle zugemauert. Wer in den "Food Court" späht, sieht eine Mischung aus Mondlandschaft und Sandsteinhöhle.
Köllmann ist inzwischen ausgestiegen. "Da gab`s einen Paragraf 7, der sagte, wenn einer nicht mehr kann, muss er die Hand heben, wie bei uns im Simulator, wenn es einem schlecht wird." Wilke lacht. Laut. Wütend. Auch die Dresdner Bank wird aussteigen. Ihre 500 Mio. Euro wird sie wohl nicht wieder sehen. "Sollen sie gehen, wir brauchen Köpfe, die etwas bewegen wollen", sagt Wilke. "Wenn man einen Stein nicht anschiebt, rollt er nicht."

Anschieber könnten aus Bremen kommen

Die Anschieber könnten aus Bremen kommen. Drei lokale Unternehmer sind im Gespräch. Sie zögern. Das Problem, sagen die Experten, ist nicht der Freizeitpark sondern das Shopping Center. Scheitert das Projekt endgültig, "ist das furchtbar für die Stadt", sagt Trüpel.
Ist noch was zu retten? Immer häufiger fällt der Name Carlo Petri, Schöpfer des Universums, einem erfolgreichen Wissenschafts-Erlebnispark in Bremen. Petri hat dem Senat vor einigen Wochen eine mögliche Strategie vorgestellt. Seine Hauptkritik am jetzigen Park: Er sei mit 22 Euro zu teuer und setze zu sehr auf Filme und Science Fiction.
Petri kennt sich aus. Er arbeitete früher bei Wenzel Consulting, die den Space Park lange beraten hat. "Sicher, ich war auch beteiligt an den Inhalten der Gutachten", gibt Petri zu. Aber das sei doch lange her. Er verließ Wenzel im Jahre 1998. "Das war damals ein anderes Konzept. Die Zahlen sind heute nicht mehr tragbar. Man hat mit Synergien gerechnet im Shopping-Bereich. Das ist völliger Blödsinn. Wer einkaufen geht, geht danach nicht noch mal eben in den Park."
Wolfgang Wilke aber hofft und kämpft. "Der steckt sich eher ein Samurai-Schwert in die Brust als hier weg zu gehen", sagt ein Mitarbeiter. Und so macht er es wie der "Star Trek"-Doc. Er wehrt sich. Ein neues Konzept? Weniger Science Fiction? Niemals! Um mit Kunden reden zu können, hat er sogar klingonisch gelernt.

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Bremer Gruppe will Space Park retten
Universum-Chef Carlo Petri setzt sich an die Spitze
Weser Kurier
Von unserem Redakteur
Jürgen Hinrichs

Bremen. Die einen zählen schon in Tagen, andere hoffen, dass wenigstens noch ein paar Wochen Zeit bleibt, bevor der Space Park in einer Art Urknall neu aufersteht - oder vollends untergeht. Für die positive Variante steht jetzt ein Name: Carlo Petri, Schöpfer und Betreiber des Universums. Petri hat ein Konzept für den Space Park erarbeitet und spielt mit dem Gedanken, selbst als Betreiber einzusteigen.

"Ja", sagt Petri, "ich bin Teil der Überlegungen, wie wir den Space Park retten können." Sein Konzept beinhalte Ideen sowohl für den Vergnügungsbereich, das Space Center, als auch für die 44 000 Quadratmeter Einzelhandelsflächen, für die bis heute keine Mieter gefunden werden konnten. Einzelheiten wollte der Unternehmer noch nicht nennen.

Petri hat sich in Bremen mit dem Betrieb des überaus erfolgreichen Universums einen guten Ruf verschafft. Er will sich künftig auch in Bremerhaven engagieren und dort für rund 70 Millionen Euro ein so genanntes Klimahaus bauen, das die Besucher auf eine Reise durch die interessantesten Klimazonen der Erde schickt. Dass der gebürtige Bremer etwas gilt im Freizeitgeschäft, dafür spricht auch der Name des zweiten Teilhabers seiner Firma: Es ist Hans-Jürgen Tiemann, bis vor drei Jahren Betreiber und Eigentümer des Heide-Parks in Soltau.

Carlo Petri wäre der kreative Kopf einer Bremer Lösung für den chronisch notleidenden Space Park. Im Raum steht auch der Name des Baulöwen Kurt Zech und - mal wieder - ein Engagement der Bremer Investitions-Gesellschaft. Von diesen beiden Seiten war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Dresdner Bank als Eigentümerin der 600 Millionen Euro teuren Immobilie wollte die neue Entwicklung nicht kommentieren. Dem Vernehmen nach soll es aber bereits konkrete Verhandlungen geben. "Die Dinge sind im Fluss", formulierte gestern Unternehmenssprecher Clas Röhl. Klar sei, dass die Dresdner Bank sich aus dem Projekt zurückziehen wolle. Röhl: "Wir stellen keine weiteren Mittel zur Verfügung." Es gehe nur noch darum, einen geregelten Übergang zu finden.

Der bisherige Betreiber des Space Centers, die Firma "ProFun" aus den USA, ist im Mai knapp an der Pleite vorbeigeschrammt. Erst als Dresdner Bank und Bremer Senat noch einmal 1,2 Millionen Euro nachschossen, konnte der Betrieb weitergehen. Das Geld, so wird von Insidern gemunkelt, dürfte früher zur Neige gehen, als bisher angenommen: Ende August, hieß es gestern aus Senatskreisen, könnte längst Schluss sein.

Zurzeit wird noch abgewartet, zu welchem Ergebnis die Gutachter kommen, die das Space Center unter die Lupe genommen haben. Sie sollten eine Basis schaffen - für was auch immer.
Politiker sind keine Manager

Das Aus für das Bremer Space Center erschüttert erneut den Glauben in die Gestaltungskraft von Senatskanzleien oder Ministerien. Einer der größten Möchtegern-Bosse: der ehemalige Ministerpräsident Gerhard Schröder
Von Kai Schöneberg
Sie wollten etwas Gutes für Land und Leute tun, Wähler mitnehmen, Geschichte schreiben. Doch sie sind nur Politiker, keine Unternehmer. Mit der gestern verkündeten Schließung des Bremer Space Centers erlebt der Glaube in die Gestaltungskraft der Großkopferten aus Senatskanzleien oder Ministerien mal wieder einen herben Dämpfer

Inklusive Bürgschaften hat der Bremer Senat - und damit der Steuerzahler - etwa 200 Millionen Euro, gut ein Drittel der Gesamtkosten, in das Prestige-Projekt auf dem ehemaligen Werftgelände im Stadtteil Gröpelingen gesteckt.

Doch weil sich keine Mieter fanden, stehen 44.000 Quadratmeter Einzelhandelsflächen des im vergangenen Jahr fertig gestellten Betonblocks bis heute leer. Weil nicht genug Besucher in den 22.000 Quadratmeter großen spacigen Entertainment-Park kamen, dreht der Senat jetzt sechs Monate nach der Eröffnung den Geldhahn zu. 300 von ursprünglich 560 Mitarbeitern wurde gekündigt.

Schade eigentlich, aber wenn die Politik Unternehmer spielen will, ist das nicht immer von Erfolg gekrönt. "Arbeitsplätze, die überflüssig sind, lassen sich nicht mit staatlichen Interventionen aufrecht erhalten", sagt dazu der Hannoveraner Wirtschaftsprofessor Stefan Homburg. Auch wenn durch wirtschaftspolitische Sündenfälle vielleicht "Partialeffekte entstehen", betont der Turboliberale Homburg, dass "die Eingriffe gesamtwirtschaftlich gesehen meist sogar schädlich sind - zudem entziehen sie den Etats viel Geld". Während in Bremen die grandiose Pleite des Musical-Theaters Schlagzeilen schrieb, können auch die Niedersachsen ein lautes Klagelied von meist sozialdemokratischen Möchtegern-Managern singen. Vor allem ein gewisser Gerhard Schröder hat sich zu Ministerpräsidenten-Zeiten mit Eingriffen in den Markt einen Namen gemacht.

Händeringend versucht sich derzeit die neue CDU/FDP-Landesregierung aus einem der vielen Schröder-Projekte herauszuwinden: der vor vier Jahren eröffneten Hirnklinik INI. Nicht nur, dass die SPD damals mit mehreren Gutachten den Bau des "Mekka der Neurowissenschaften" in Hannover-Buchholz angeschoben hatte. Die Studien des Schröder-Intimus Roland Berger gaben auch noch die falschen Ratschläge: Immer noch bleiben zu viele der mit Marmorbädern ausgestatteten Krankensuiten in der hirnförmigen Privatklinik leer. Das Problem: Die Landesregierung unterzeichnete eine Landesbürgschaft über 42,5 Millionen Euro. Weil das Land im Fall einer Insolvenz mit einer Summe in dieser Höhe gerade steht und weil das etwa dem Gehalt von gut 1.000 Landesbediensteten im Jahr entspricht, verhandelt der zuständige Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) derzeit offenbar mit einem Investor aus Dubai. Da die politische Großwetterlage wohlhabende Araber derzeit eher ins alte Europa als in die USA zu Behandlungen ziehen könnte, soll sich der Investor für die Übernahme der Bürgschaft interessieren. Der Fall wird im zuständigen Wissenschaftsministerium wie ein Staatsgeheimnis behandelt. "Wir können das derzeit weder dementieren noch bestätigen", sagt Sprecher Thomas Reiter.

Schon kurz vor der Landtagswahl im Jahr 1994 hatte sich Schröder sogar als Unternehmer betätigt, als die Flugzeugwerft in Lemwerder bei Bremen aus dem Daimler-Konzern ausgegliedert werden sollte. Und so nahm die Norddeutsche Landesbank das Werk damals unter ihre Fittiche. Die Schießung der Flugzeugwerft wurde so verhindert, 1.000 Arbeitsplätze erst mal gerettet. Inzwischen hat jedoch der europäische Luft- und Raumfahrtriese EADS die Mehrheit in Lemwerder übernommen: Für rund 335 der jetzt noch 700 Mitarbeiter gibt es einen Sozialplan, rund 200 Beschäftigte wechseln in andere EADS-Konzernteile. Die Politik hat den Kampf um die Jobs wohl verloren.

Vor der Wahl 1998 verhinderte Schröder den Verkauf der Preussag-Stahlsparte - heute Salzgitter AG - an den österreichischen Stahlhersteller Voest Alpine. Für eine Milliarde Mark übernahmen die Nord/LB und das Land die Aktien. Natürlich konnte das Land auch hier nicht den Abbau von Jobs verhindern - wenigstens brummt aber hier zurzeit wegen der Nachfrage aus China das Geschäft.

taz Nord Nr. 7444 vom 25.8.2004, Seite 24, 142 Zeilen (TAZ-Bericht), Kai Schöneberg
Im Space Center hagelt es Kündigungen

taz Bremen Nr. 7444 vom 25.8.2004, Seite 22, 82 Zeilen (TAZ-Bericht), kawe

Kritik von Grünen und FDP an großer Koalition - SPD fordert Analyse der Fehleinschätzungen statt neuer Staatsknete
Bremen taz Anfang dieser Woche haben die verbliebenen zirka 300 MitarbeiterInnen der Space Center-Betriebsgesellschaft mündlich ihre Kündigung zu Ende Oktober erklärt bekommen. Damit ist amtlich, was in den vergangenen Monaten immer wieder für Spekulationen gesorgt hat: Aufgrund der geringen Besucherzahl der Space-Attraktion, die Europas größer Indoor-Erlebniscenter" werden wollte, will sich die Dresdner Bank als Investor aus dem Projekt zurückziehen.

Vor einigen Wochen waren noch einmal rund 500.000 Euro "Betriebsmittelkredit" von Dresdner Bank und Bremer Senat gegeben worden. Offenbar hat die Betreibergesellschaft aber auch die Botschaft erhalten, dass dies der letzte Kredit gewesen war. Der für Wirtschaftsfragen zuständige Abteilungsleiter aus der Senatskanzlei, Heiner Heseler, hat am Montag in der Sitzung der SPD-Fraktion bestätigt, dass das Space Center im Oktober seine Tore schließen wird. Der Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft, Stefan Szabo, hatte schon im März das Space Center verlassen, 260 Mitarbeiter waren im Frühjahr ausgeschieden, darunter auch Führungskräfte. Ursprünglich hatte das Space Center etwa 560 MitarbeiterInnen.

"Für Bremen ist das sehr bitter", meinte gestern der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Klaus Möhle. Die große Koalition habe "in der ihr eigenen Selbstüberschätzung" das "überdimensionierte Projekt immer gewollt, bis zum Schluss, egal wie". SPD und CDU müssten "einräumen, dass sie gescheitert sind - auf ganzer Linie."

Auch der FDP-Landesvorsitzende Peter Bollhagen spricht von einem "Scheitern der großen Koalition". Es sei nur schade, dass in den letzten Monaten nach den ersten Finanzproblemen des Space Parks weiteres Geld nachgeschossen wurde. "Hier ist Geld zum Fenster herausgeworfen worden." Wenn es einen Neuanfang gebe, dürfe dies keine "bremische Lösung" sein mit einem "wie auch immer gearteten neuen finanziellen Risiko" für Bremen. Bremen steckt derzeit mit einem Zehn-Prozent-Anteil an der Immobilie im Risiko und mit einem 40-Millionen-Kredit, der fast vollständig ausgegeben ist. Auch die SPD-Fraktion stellte gestern klar, dass es "neue Mittel aus öffentlichen Kassen" für einen eventuellen Nachfolge-Betrieb nicht geben dürfe. Die SPD-Fraktion fordert eine "rückhaltlose Analyse über Fehleinschätzungen und Ursachen von Fehlentwicklungen".
25.08.2004 Immobilienzeitung

Bremer Space Park schliesst

Der Bremer Space Park wird geschlossen. Damit steht eines der mit einem Investitionsvolumen von rund 530 Mio. EUR größten Immobilienprojekte der alten Bundesländer vor dem Aus.
Ein offizieller Termin wird zwar noch nicht genannt, doch es scheint festzustehen, dass in dem ambitionierten Weltraumspektakel auf dem Gelände der ehemaligen Großwerft AG Weser Ende September die Lichter verlöschen.

Ein Sprecher der Stadt Bremen bestätigte der Immobilien Zeitung, dass Verhandlungen mit Investoren und Betreibern aus dem Bremer Raum laufen und der Space Park möglicherweise im nächsten Jahr mit einem neuen Konzept wieder eröffnet wird.
Allerdings müsse, so Carlo Petri, eine Gesamtlösung für den Komplex gefunden werden, der neben dem Space Park 40.000 qm gegenwärtig leer stehende Handelsflächen umfasst.
Petri gehört als Entwickler eines neuen Betreiberkonzeptes zu dem Kreis der Bremer Investoren, die mit der Stadt im Gespräch sind.

Entwickelt worden war das Projekt von der Wiesbadener Köllmann-Gruppe. Die Finanzierung hatte die Degi übernommen, die Fonds-Gesellschaft der zum Allianz-Konzern gehörenden Dresdner Bank.
Die Dresdner Bank hatte bereits vor der Eröffnung Ende vergangenen Jahres angekündigt, sich aus dem Projekt zurückzuziehen. Aus Mitteln der Stadt Bremen sind mehr als 100 Mio. EUR vor allem für Infrastrukturmaßnahmen in den Space Park geflossen.
Nach der Eröffnung zeigte sich, dass nicht genügend Besucher kamen, um wenigstens den Vergnügungsparkt mit seinen rund 300 Mitarbeitern kostendeckend zu betreiben.
DIE KONZEPTE DER PARKS

Unterhaltungskünstler und Spaßbremsen

AUTOSTÄDTE BOOMEN

Mit der Einschätzung der Besucherzahlen lagen die Wolfsburger kräftig daneben: Eine Millionen Besucher sollten jährlich in die Autostadt kommen, wo die Volkswagen-Gruppe ihre Automarken präsentiert. Doch schon im ersten Jahr nach der Eröffnung 2000 waren es 2,3 Millionen Besucher. Auch jetzt noch kommen über zwei Millionen Menschen jährlich. Die Anlage sieht sich mittlerweile als zweitgrößter Freizeitpark Deutschlands. „Obwohl die Autostadt anfangs nicht als Freizeitpark gedacht war“, wie ein Sprecher erklärt. Von den rund 6000 Besuchern am Tag kommen etwa 1500, um ein Auto abzuholen. Die anderen wollen die Erlebniswelt rund um Auto und Technik erkunden.

Der Erfolg macht Schule: Daimler-Chrysler und BMW entwickeln derzeit ihre eigenen Autowelten.

Ob die Mitbewerber den Erfolg der Autostadt wiederholen können ist aber nicht sicher: Opel stellte seine Autowelt vor einigen Jahren ein.

Auch Unternehmen anderer Branchen setzen auf Freizeitparks, um ihre Produkte in einer Erlebniswelt zu präsentieren. Im bayerischen Günzburg entstand für 150 Millionen Euro das viertgrößte Legoland der Welt. Dort wirbeln Industrieroboter die Besucher in Metallkörben durch die Luft. Ein interaktives Vergnügen: Die Benutzer wählen per Knopfdruck, auf welche Weise sie durchgeschüttelt werden wollen. In der Nähe des Bodensees hat Spielehersteller Ravensburger das „größte Spielzimmer der Welt“ aufgebaut. Das Ravensburger Spieleland soll vor allem kleinere Kinder und deren Eltern ansprechen. Doch bisher ist es dem Betreiber offenbar noch nicht gelungen, mit der Spielwiese auch Gewinne zu erzielen.



HOHE INVESTITIONEN

Wer mit einem Freizeitpark Geld verdienen will, braucht ohnehin einen langen Atem: Die hohen Anfangsinvestitionen müssen erst wieder verdient werden. Das Bremer Space Center, das im September schließen muss, sah dazu keine Chance mehr. Die Betreiber hatten auf die Kombination mit einem großen Einkaufscenter gesetzt. Doch die Läden blieben leer, weil sich kein großes Kaufhaus als Hauptmieter fand. Die 44000 Quadratmeter Leerstand im Shopping Center ließen im angrenzenden Freizeitpark keine Freude aufkommen. Auch das Wetter beeinträchtigt den Spaßbetrieb in Deutschland. Ist der Sommer zu heiß oder zu nass, bleiben die Gäste fern. Und zwischen November und März machen die Parks ohnehin dicht, die teuren Fahrgeräte stehen still. Doch die großen Anbieter haben bereits begonnen, auch das Wintergeschäft zu beleben: So öffnet der Europapark zwischen Ende November und Anfang Januar. Mit Bühnenshows werden vor allem ältere Besucher angesprochen, die auf die Achterbahnfahrt verzichten können. Auch Misswahlen, Firmenfeste oder Parteiveranstaltungen füllen im Winter die Säle. Eine Sprecherin des erfolgreichsten deutschen Freizeitparks hofft auf mehr: „Irgendwann haben wir vielleicht das ganze Jahr geöffnet.“ avi
Intelligente Achterbahnfahrt

(Der Tagesspiegel, 05.09.2004)

Das Bremer Weltraumcenter für 500 Millionen Euro muss schließen. Andere Vergnügungsparks haben mit innovativen Konzepten bei den Besuchern Erfolg.


- Es klang so gut: Mit einem Freizeitpark im Weltraumstil wollte Bremen neue Arbeitsplätze schaffen, mehr Touristen in die Stadt locken und so Geld in die klamme Stadt holen. Das Projekt kostete 500 Millionen Euro, 150 Millionen davon investierte das Land Bremen. Doch dem Zukunftsprojekt Space-Center ergeht es wie der kontrolliert abgestürzten russischen Raumstation Mir: Das Ende ist programmiert. Der erst im Februar eröffnete Park schließt Ende September, teilte der Betreiber in der vergangenen Woche mit. Weil nicht genug Besucher kamen, verlieren 300 Mitarbeiter ihre Stelle. Ob es irgendwann einen Neustart geben wird, ist offen.

Zum Thema Unterhaltungskünstler und Spaßbremsen: Die Konzepte der Parks
Interview: Looping für Senioren
Cargolifter-Halle: Tropen an der Spree

Die Pleite des Weltraumparks zeigt, wie heftig um das Freizeitbudget der Deutschen gefochten wird. Nach mehreren Neueröffnungen in den vergangenen Jahren streiten fast 60 große Parks in Deutschland um Besucher. Zudem müssen sie mit Tierparks konkurrieren, die sich zu Erlebniszoos mausern und mit Museen, die auf spaßorientiertes Lernen setzen und zudem noch von der Umsatzsteuer befreit sind. Auch so genannte „Brand Parcs“ wie die Autostadt von Volkswagen macht den Achterbahnbetreibern Konkurrenz. Experten erwarten, dass weitere Parks schließen müssen oder von internationalen Gruppen übernommen werden.
„Ich rechne mit einer baldigen Marktbereinigung. Es gibt mehrere mittelständische Unternehmer, die hoffen, dass sie noch einen Käufer für ihre Parks finden, bevor sie Pleite gehen“, sagt Freizeitforscher Heinz Rico Scherrieb von der Hochschule für Technik und Wirtschaft im schweizerischen Chur.

Auch der Freizeitpark-Verband VDFU räumt ein, dass die Geschäfte nicht gut laufen. „Zwar ist die Zahl der Parkbesucher in den vergangenen Jahren mit 21 bis 22 Millionen jährlich konstant geblieben“, sagt VDFU-Geschäftsführer Ulrich Müller-Oltay. „Aber die Besucher geben weniger aus, die Erträge gehen zurück.“ Die Einnahmen der Parks werden auf 600 Millionen Euro geschätzt. Wie viel die Branche genau umsetzt, weiß selbst der eigene Verband nicht. Denn viele Parks sind Familienbetriebe, die sich nicht gern in die Bücher schauen lassen. Auch der Europapark in Rust bei Freiburg, die Nummer eins in Deutschland, gibt nicht bekannt, wie viel mit den 3,6 Millionen Besuchern des Jahres 2003 verdient wurde.

Aus einem Vergleich des BAT Freizeitforschungsinstitus ging der Europapark als besucherfreundlichster Park hervor. Auf den Plätzen folgten der Hansa-Park an der Ostsee und der Heidepark Soltau. „Der Europapark bietet nicht nur attraktive Fahrten an, sie werden auch in einem passenden Ambiente präsentiert“, sagt Ulrich Reinhardt, der die BAT-Studie im Auftrag des Wochenmagazins „Stern“ durchführte.
So werden die Besucher der Weltraumbahn „Mir“ in der Warteschlange mit Infotainment rund um die Raumfahrt bei Laune gehalten. „Früher wollten die Besucher möglichst viele Fahrten machen, heute nehmen sie sich mehr Zeit für einzelne Angebote“, sagt der Freizeitforscher.

Auch die Achterbahnfahrten selbst ändern sich: „Heute sind nicht mehr so sehr schnelle und extreme Fahrten gefragt, sondern intelligente Bahnen“, sagt Horst Ruhe vom Achterbahnhersteller Maurer und Söhne in München. So können die Kabinen der Bahn „Wuze Town“ im Brühler Fantasialand verschiedene Wege einschlagen. Falltürme wie der „Earthquake“ von Maurer, bei dem 32 Besucher bis zu 63 Meter in die Tiefe stürzen, können mit verschiedenen Programmen auf unterschiedliche Besuchergruppen eingestellt werden.

Für eine moderne Achterbahn müssen zwei bis drei Millionen Euro investiert werden. Kleinere Parks können sich solche Investitionen oft nicht leisten. Zugleich werben andere Anbieter erfolgreich um die Familienausflügler. Etwa das Deutsche Museum in München, das 2003 mit fast 1,5 Millionen Besuchern mehr Gäste anlockte als die meisten Freizeitparks. Das ist auch auf den Erfolg des neuen „Kinderreichs“ zurückzuführen, in dem Mädchen und Jungen von drei bis zehn Jahren zum Beispiel in einer begehbaren Gitarre entdecken können, wie Töne entstehen. Mit der Abteilung hat das Museum gezielt junge Familien angelockt.

Der Hamburger Freizeitpark-Berater Carl Wenzel glaubt, dass die Parkbetreiber von der Museumspädagogik lernen können: „Den Deutschen fällt es schwer, Geld allein für Spaß auszugeben. Man kann sie eher begeistern, wenn der Spaß mit etwas Sinnvollem verbunden ist.
“ So habe auch das Bremer Space Center nach der ursprünglichen Planung unterhaltsame Lehrelemente vorgesehen, die aber eingespart wurden. „Man hätte damit Schulklassen zu Besuchen bewegen können und den Park so schnell bekannt gemacht“, sagt der Freizeitpark-Experte.

Die Zukunft gehört seiner Ansicht nach Parks, die Information und Emotion geschickt verbinden. Darauf beruhe auch der Erfolg der Autostadt in Wolfsburg, wo der Volkswagen-Konzern seine Marken präsentiert. Auch BMW und Daimler-Chrysler arbeiten derzeit an ähnlichen Konzern-Schaufenstern. Bei dieser Konkurrenz werden es kleine Freizeitparks in Zukunft schwerer haben. (Von Alexander Visser)
HANDELSBLATT, Mittwoch, 22. September 2004, 11:26 Uhr


Neustart des Indoor-Freizeiparks "Space Center" weiterhin ungewiss


Im (T)Raumschiff gehen die Lichter aus


Vorhang zu: Der vorerst letzte Akt im Drama um das Bremer Space Center endet am kommenden Sonntag ohne Happy End. In Europas größtem Freizeit- und Erlebnispark zum Thema Raumfahrt und Space-Abenteuer gehen nach nur sieben Monaten Betrieb die Lichter aus.


Nach nur acht Monaten schließt am Sonntag das Millionenprojekt Space Center in Bremen. Foto: dpa

HB BREMEN. Die außerirdischen „Borg“-Monster aus der Science-Fiction-Serie „Star Trek“ geben ihre Laser-Waffen ab, und auch die intergalaktische Achterbahn rollt aus. Das (T)Raumschiff der großen Koalition in Bremen hat mit harter Bruchlandung in der Realität aufgesetzt.

Der erhoffte Höhenflug des Prestigeobjektes reichte nicht bis zu einer wirtschaftlich stabilen Umlaufbahn. Denn die „Hauptdüse“ des Projektes hatte nicht gezündet: Neben dem jetzt schließenden Erlebnisbereich sollte ein 44 000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum für Besucherschub sorgen und Geld in die Kassen spülen. Doch für das Shopping-Center fehlen weiterhin Mieter.

Vor einem Monat hatte der Senat endgültig den Geldhahn zugedreht. Seit der Eröffnung im Februar war das 600 Mill. Euro teure Zukunftsprojekt wegen zu geringer Besucherzahlen nicht aus den Schlagzeilen gekommen. Bei Eintrittspreisen zwischen 18 und 22 Euro hatten die Planer ursprünglich auf rund 1,4 Millionen Gäste pro Jahr gehofft. Kritiker der „Weltraum-Kirmes“ gingen dagegen von nur 450 000 Besucher aus.



Zwar zeigten sich besonders Jugendliche, aber auch Technik begeisterte Erwachsene von den Science-Fiction-Attraktionen beeindruckt. Wie viele jedoch tatsächlich gekommen sind, verrät der Betreiber, die ProFun Europe GmbH, nach wie vor nicht. Center-Manager Wolfgang Wilke verweist immerhin auf deutliche Besucherspitzen im Juli: „Während der „Apollo“-Aktionstage anlässlich der ersten Mondlandung 1969 kamen in zehn Tagen 25 000 Besucher. Da kamen wir später nicht mehr dran, aber in den Sommerferien hatten wir auch sehr gute Wochen. Und in den letzten Tagen gibt es einen regelrechten Run auf das Space Center. Letztlich war der Betrieb jedoch nicht Kosten deckend.“

Besonders schmerzt Wilke die Entlassung von rund 300 Mitarbeitern zum Monatsende. Bereits Ende August mussten 66 Beschäftigte gehen. Um diese Fachkräfte mit ausgeprägter Serviceorientierung müsste sich eigentlich jedes Dienstleistungsunternehmen mit intensivem Kundenkontakt reißen, meint die Bundesagentur für Arbeit. Wilke und seine Mitarbeiter haben jedoch die Hoffnung auf einen Neustart des Space Centers noch nicht aufgegeben: „Meine Leute betrachten das hier als tollen Job und verstehen nicht, dass es jetzt nicht weitergeht“, sagt der Direktor des Freizeitparks.

Ob es einen Neustart mit anderen Betreibern gibt, steht derzeit allerdings noch in den Sternen. Seit Monaten verhandeln der Bremer Senat und der Investor Dresdner Bank über neue Perspektiven. Zum Stand der Gespräche äußern sich beide Seiten nur mäßig, aber dafür regelmäßig: „Wir suchen nach einem tragfähigen Konzept.“
SVZ online
Freitag, 24. September 2004

Absturz einer gigantischen Spaßrakete

Das Bremer Prestige-Objekt "Space Park" wird geschlossen Mehr als 650 Millionen Euro in Weltraumspektakel investiert
Bremen • Als größter "Indoor-Erlebnispark Europas" ist der Bremer Space Park im Februar gestartet. Flüge durchs All, Schlachten mit Aliens und sphärische Klänge sollten nicht nur Besucherscharen anlocken, sondern dem gebeutelten Stadtstaat auch einen Aufschwung bescheren. Die mehr als 650 Millionen Euro teure Spaßrakete stürzte ab. Zu wenige Weltraumfans verirrten sich in das Raumschiff an der Weser. Am Sonntag schließt der galaktische Abenteuerspielplatz.

Von Helge Ahrens

Donnernd erhebt sich die Rakete in den Himmel. Eine Staubwolke rollt auf die Zuschauer zu, umhüllt sie. Steinchen zischen vorbei, schlagen auf der Schutzbrille ein. Köpfe zucken zurück. Sekunden später: Strahlend erscheint die Erde als Punkt im Universum. Die Internationale Raumstation ISS schwebt zum Greifen nah im All. Astronauten turnen im Inneren herum, ziehen die Zuschauer mit in die Kapsel. Werkzeug, Orangen, Popcorn schwirren umher.

Nach 25 Minuten ist der kosmische Ausflug beendet. Im 3-D-Kino gehen die Lichter an, die Weltraumtouristen landen auf dem Boden der Realität des Space Park. Ebenso wie die Veranstalter des Spektakels.


Gähnende Leere im Einkaufsparadies
Bremen hat mit dem Großprojekt eine Bruchlandung hingelegt. Erst im Februar war der Spaßplanet auf dem ehemaligen Werftgelände nach dreijähriger Bauzeit in seine Umlaufbahn gestartet. Mit auf dem Weg: Die Hoffnungen, dass sich der Park zum Besuchermagneten und zur Jobmaschine mausern, die Stadt "revitalisieren" würde. Bürgermeister Henning Scherf sprach von einer "Erfolgsgeschichte".

Der silberne Betonklotz verschlang die astronomische Summe von mehr als 650 Millionen Euro, das klamme Bremen ist mit einem Drittel beteiligt, die Dresdner Bank investierte etwa eine halbe Milliarde Euro. Schon beim Start war der Schlingerkurs programmiert.

Neben dem 22000 Quadratmeter großen Erlebnispark Space Center beherbergt der Komplex ein Kino und eine Einkaufsmeile: 44000 Quadratmeter, mit Platz für 120 Geschäfte. Dort jedoch herrscht gähnende Leere. Die Händler trauten den Sternen nicht. Bis heute ist kein einziges Geschäft eingezogen. Eine Betonwüste mit verwaisten Läden, die notdürftig zugemauert sind. Statt der erhofften gegenseitigen Anziehungskraft von Park und Bummelmeile war von der "teuersten Ruine Deutschlands" die Rede. Ein schlechtes Omen. Die Space-Center-Betreiber, die US-Gesellschaft ProFun, die für Verluste mit gerade 50000 Euro haftet, zündeten das gewagte Projekt trotzdem.


Weltraumzirkus im Schummerlicht
"Willkommen in der Zukunft", säuselt eine Frauenstimme aus den Lautsprechern. Unter einem Triebwerk wandeln die Besucher durch einen futuristischen Gang. Neonfarbene Lichtblitze durchkreuzen die metallenen Wände, sphärische Klänge kündigen das Zentrum an: Eine runde Halle im Schummerlicht, in der Mitte eine riesige Kugel. Ein Astronaut hüpft durch die Gänge, während ein Borg aus der Serie Star-Trek die Kinder verunsichert. Von hier aus geht es in die "Attraktionshöhlen", vollgestopft mit Bausteinen der Unterhaltungsindustrie, hydraulischen Bühnen und Vorspiegelungstechnik. Ein Zirkus der Illusionen.

Bereits einen Monat nach dem offiziellen Start kursierten Spekulationen vom Aus des Parks. "Das ist völliger Blödsinn", verteidigte Dr. Wolfgang Wilke, Astrophysiker, geistiger Vater und Sprecher, sein Projekt. Er wollte den Bremern den "Himmel auf Erden holen." Doch selbst die heimische Presse wähnte den Erfolg Lichtjahre entfernt. Von den täglich angepeilten 4500 Weltraumfans verirrte sich anfangs nur ein Zehntel in die Zukunftswelten, hieß es. Bis heute gibt es keine offiziellen Besucherzahlen.

Dass die Millionen spurlos im Bremer Orbit verschwanden, zeigte sich spätestens im Mai. Aus einem "Notfall-Betriebsmittelkredit" schossen Bremen und Dresdner Bank 1,2 Millionen nach – ein zweimonatiger Aufschub für die Schließung. Die Große Koalition gab für ihr Prestige-Objekt Durchhalteparolen aus: "Wir sind keine Weicheier, geben nicht auf", polterte Bürgermeister Hennig Scherf (SPD).


Fernseh-Aliens statt Wissenschaft
Anders als mit dem walförmigen Universum Science-Center, das sich seit vier Jahren mit Wissenschaft zum Anfassen fest in der Hansestadt etabliert hat – und "nur" 20 Millionen an Zuschüssen benötigte –, waren die Pläne im Space Center zu fantastisch. Statt das Projekt, wie geplant, mit Nachhilfe über den Weltraum zu verbinden, setzten die Macher auf fernsehbekannte Außerirdische. Autor und Ufo-Forscher Erich von Däniken meckerte bei einem Besuch: "Sehr viel Hollywood hier, nur Stargate- und Star-Trek-Fans kennen die Figuren und Geschichten."

Dass es im Space Center zu wenig dröhnt, flimmert und rüttelt, lässt sich den Betreibern nicht vorwerfen. Der "Star Trek Borg Encounter" konfrontiert die Wartenden minutenlang mit Serienhelden, ehe sie sich auf hydraulischen Sitzen mit Luft besprühen lassen und 3-D-bebrillt eine Leinwandschlacht gegen Aliens führen müssen. Bei der "Planet Quest"-Gondelfahrt wabern ihnen quallige Wesen entgegen, im "Stargate SG 3000" werden die Abenteurer in einem Flugsimulator durchgeschüttelt, während vor ihnen eine Fabelwelt vorbeirauscht. Für Hochspannung soll der "Galaxie Express" sorgen, eine Achterbahn ohne Looping, dafür mit Monitor-Helm.

Kritiker haben errechnet, dass sich alle Abenteuer in 20 Minuten netto meistern ließen. Anstehen musste kaum jemand. Die unendlichen Weiten, die der Space Park vermitteln wollte – sie zeigten sich zum Leidwesen der Betreiber auch auf den Gängen. Für die Zukunftsvisionen wollten nur wenige Besucher 22 Euro zahlen. Die Finanzlage befand sich ebenso im freien Fall wie die Passagiere der Ariane-5-Rakete, die vor dem Eingang 1,6 Sekunden Schwerelosigkeit verspricht.


Schweriner Kinobesitzer betreibt "Cine Space"
Bis Ende August entließ das Space Center einen Teil der anfangs mehr als 400 Mitarbeiter. Für die übrigen etwa 300 ist jetzt Schluss. Das war einer der Knackpunkte, sagt Gunnar Burmester, der das Kino Cine Space betreibt. "Der Park war gut besucht, nur der Mitarbeiterstab war viel zu groß", so der 52-Jährige, der auch die Schweriner Kinos leitet.

Wenn im Space Center die Lichter ausgehen, kann er trotzdem weitermachen. "Ich habe einen Pachtvertrag über zehn Jahre. Wir sind unabhängig vom Space Center, bei uns stimmen die Zahlen." Bully Herbig feierte bei ihm eine Premiere mit seinem "(T)Raumschiff Surprise". Eine Komödie über den Schlingerkurs einer chaotischen Weltraumcrew. Der Space Park bot die ideale Kulisse.


Katastrophe für das Sanierungsland Bremen
Das Ende an diesem Wochenende soll zugleich der Auftakt für ein neues Investoren-Konzept sein, heißt es im Bremer Rathaus. Doch davon ist schon seit Monaten die Rede. Auch ein Saisonbetrieb wird diskutiert. Im Gespräch waren u.a. Profis vom Heide-Park Soltau, die den Park auf Erfolgskurs bringen sollen.

Zwischenzeitlich kursierten bereits Vorschläge, den Monumentalbau abzureißen. Das wäre "das Eingeständnis einer kompletten Fehlinvestition mit schwer kalkulierbarem Ausgang für die Zukunft des Stadtstaates", ächzte der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel.

Für das Sanierungsland Bremen, mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung der Republik, entwickelte sich der Space Park von einem riskanten, aber hoffnungsvollen Testfall zum galaktischen Millionengrab. Wie es weitergeht, steht in den Sternen. Ironie des Schicksals: Eine Schweriner Familie gewann bei der Eröffnung den Hauptpreis – lebenslang freien Eintritt.
MILLIONENFLOP

Bremer "Space Center" endgültig abgestürzt
FR 27.09.04


Bremen · 26. September · stg · Europas angeblich größter überdachter Erlebnispark für Raumfahrt und Science Fiction, das "Space Center im Space Park Bremen", hat am Sonntag seine Pforten geschlossen. Das Vergnügungszentrum war erst im Winter eröffnet worden. Da längst nicht so viele Besucher wie erhofft kamen, zogen Besitzer und Betreiber die Notbremse.

Damit verlieren nun fast alle der zuletzt noch 300 Beschäftigten ihre Stelle. Nur ein kleines Team für die Verwaltung und Wartung der Anlage bleibt im Dienst.

Die Dresdner Bank als Haupteignerin der riesigen Immobilie und als Kreditgeberin für den "Space-Center"-Betreiber "Pro Fun" sucht jetzt mit dem Bremer Senat nach neuen Eignern und Betreibern mit einem attraktiveren Konzept. "Ich hege die Hoffnung, dass es weitergeht", sagte der Manager und Gründungsvater Wolfgang Wilke. Das Großprojekt, zu dem auch ein leer stehendes 44 000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum zählt, hat über 650 Millionen Euro gekostet, darunter mindestens 170 Millionen Euro aus Bremer Steuergeld.

Geöffnet bleiben fürs Erste ein angeschlossenes Großkino und ein Hotel am Rande des Geländes.
Sonntag 26. September 2004, 10:43 Uhr -Yahoo
«Bremen, wir haben ein Problem» - Bremer Space Park legt nach sieben Monaten Bruchlandung hin - Projekt kostete rund 700 Millionen Euro


Bremen (ddp-nrd). Nach nur sieben Monaten im All hat der Bremer Space Park eine veritable Bruchlandung hingelegt. Wegen zu geringer Auslastung musste der Weltraumerlebnispark schließen. Am Sonntag wurden die Besucher zum vorerst letzten Mal auf eine Reise durch die Galaxien geschickt. Indes glimmt in der Hansestadt die Hoffnung weiter, dass das in Wirtschaft und Politik umstrittene millionenschwere Projekt trotz der Pleite noch einmal durchstarten könnte.

Es gebe Gespräche mit der Dresdner Bank über eine Weiterführung des Space Centers, sagte Stefan Luft, Sprecher des Bremer Wirtschaftssenators. Politisches Ziel sei es weiterhin, das Projekt zu reaktivieren. Dazu solle das Konzept inhaltlich erweitert werden. Ob und wann der Freizeitpark wieder eröffnet werden kann, ist Luft zufolge ungewiss - ebenso wie die Frage, was aus dem 44 000 Quadratmeter großen, leer stehenden Einkaufszentrum des Space Parks wird. Es gebe aber «Anzeichen für eine Lösung», betonte der Sprecher. Nähere Angaben dazu mochte er nicht machen.

Die Bilanz des kostspieligen Bremer Weltraumabenteuers liest sich indes verheerend: Mehr als 300 Beschäftigte haben inzwischen ihren Job verloren. Knapp 700 Millionen Euro, die in das ehemalige Werftgelände der AG Weser investiert wurden, müssen wohl abgeschrieben werden. Das überschuldete Bremen hatte rund 170 Millionen Euro für Infrastruktur, Marketing, Kredite sowie für eine zehnprozentige Beteiligung an der Space Park KG gezahlt. Rund 500 Millionen Euro trägt die Dresdner Bank als Hauptinvestorin.

Dabei hatte die ursprüngliche Idee des promovierten Kernphysikers und späteren Geschäftsführers Wolfgang Wilke durchaus etwas Glitzerndes: Nach dem Untergang der traditionsreichen Werftindustrie sollte auf der Brache im Bremer Westen eine Art Weltraum-Museum entstehen, das Touristen aus Nah und Fern anlockt. Immerhin ist Bremen ein traditionsreicher Luft- und Raumfahrtstandort.

1993 bescheinigte eine Studie dem damals noch für lediglich 61 Millionen Euro veranschlagten Projekt einen möglichen Erfolg. Die Stadtbürgerschaft gab schließlich ihren Segen. In der Wiesbadener Köllmann AG wurde ein Betreiber gefunden. Dieser ergänzte die Pläne um ein Einkaufszentrum. Aus dem Weltraum-Museum mit wissenschaftlichem Anspruch wurde eine Art Disneyland im All mit Achterbahn und Großkino. «Einkaufszentrum mit Rakete» spotteten nicht wenige in der Hansestadt über das neue Konzept.

1998 gab auch der Senat grünes Licht für den Space Park, obwohl dessen Kosten mittlerweile auf eine halbe Milliarde Euro angestiegen waren. Die Eröffnung erwies sich zunächst als glatter Fehlstart. Angesetzte Termine im Oktober 2002 und Mai 2003 platzten - unter anderem wegen fehlender Mieter für das Einkaufszentrum. Die Köllmann AG stieg schließlich wegen Finanzproblemen aus dem Projekt aus. Neuer Betreiber wurde die amerikanische Firma Pro Fun.

Für politischen Trubel sorgte unterdessen ein staatlich subventioniertes Millionendarlehen, das angeblich fälschlicherweise an Köllmann und nicht an den Großinvestor DEGI, die Immobilientochter der Dresdner Bank, überwiesen worden war. Zudem warfen Grüne und FDP dem Senat vor, Steuergelder verschwendet zu haben.

Am 11. Februar 2004 eröffnete schließlich der Themenpark «Space Center». Im angegliederten Einkaufsbereich herrschte weiterhin gähnende Leere. Dennoch sprach Bürgermeister Henning Scherf (SPD) zur Eröffnung des nach Betreiberangaben europaweit größten Indoor-Erlebniszentrums von einem «ganz neuen Kapitel» für die Stadt.

Die Hiobsbotschaft ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Mitte Mai forderten Vertreter der Dresdner Bank die umgehende Schließung des Vergnügungsparks. Zwei Monate darauf kündigte die Bank schließlich den endgültigen Rückzug aus dem Projekt an. Als Grund gab sie den Leerstand im Einkaufszentrum sowie die enttäuschenden Besucherzahlen an. Statt der erwarteten 1,45 Millionen Besucher pro Jahr wurde nur noch mit rund 550 000 Gästen gerechnet. Wie viele Besucher tatsächlich während des siebenmonatigen Irrfluges in den Erlebnispark kamen und Eintritt bezahlten, blieb bis zuletzt unklar.
LETZTER TAG IM SPACE CENTER BREMEN
Spiegel Online

Wo das All endet
Von Julia Maria Bönisch, Bremen

Rund 500 Millionen Euro haben die klamme Stadt Bremen und die Dresdner Bank in das Bremer Space Center gesteckt. Am Sonntag öffnete der Erlebnispark zum vorerst letzten Mal. Ein Abschiedsbesuch.

Space Center Bremen
Space Center Bremen: "Einkaufszentrum mit Rakete"
Bremen - Wolfgang Wilke ist nicht zu beneiden. Am Sonntagabend platze der Traum des 49-jährigen Kernphysikers. Das Space Center Bremen wird geschlossen - nur 283 Tage nachdem der "Freizeitpark der Zukunft" mit großen Hoffnungen eröffnet worden war.

Wilke ist Ideengeber des Erlebnisparks, noch ist er auch sein Geschäftsführer. Die Bremer hatten seine futuristische Anlage als "Einkaufszentrum mit Rakete" verspottet. Für die 44.000 Quadratmeter Einkaufsfläche, die sich an den Park anschließen, wurde bis heute kein Mieter gefunden. Mehr als die Hälfte des Parks steht deshalb leer, die Besucher blieben aus.

Ingo Wagner
Kernphysiker Wilke: Wie geht es einem Mann, dessen Lebenstraum zerplatzt?
Wilke ist am letzten Tag in Hektik. Ein Medientermin jagt den anderen. Passend zum Anlass ganz in schwarz gekleidet wirbelt er von Kamerateam zu Kamerateam. Er redet sich in Rage: Sein Kopf ist rot, die Gesten hektisch, sein Schnauzer bebt. Alle wollen von ihm wissen, wie es einem Mann geht, dessen Lebenstraum zerplatzt. "Obwohl", sagt er, "vielleicht ist es auch gut, dass die Journalisten mich beschäftigt halten. So bin ich wenigstens abgelenkt."

Ständig redet Wilke mit fünf Leuten gleichzeitig. Auch der Lärmpegel im Space Center macht es nicht leichter, den aufgeregten Park-Manager zu verstehen. Über ihm braust die Achterbahn "Galaxie Express", ständig wird die wabernde Weltraum-Musik von Explosionen unterbrochen. Flachbildschirme übertragen in schneller Folge Bilder vom Mauerbau, von Martin Luther King, John F. Kennedy, Marilyn Monroe und dem Vietnam-Krieg.

Doch Wilke hat keine große Lust mehr, das Scheitern des Parks zu erklären. Schnell rückt er seine Brille zurecht. Eine Bitte hat er: "Seine Leute", die soll man in Ruhe lassen.

"Jetzt ist eh alles egal"

"Seine Leute", das sind die rund 300 Angestellten des Space Centers. Die meisten von ihnen sind jetzt ihren Job los. Nur noch Techniker und eine Handvoll Mitarbeiter der Verwaltung dürfen bleiben, um sich um den verwaisten Freizeitpark zu kümmern. Sie alle haben von der Geschäftsleitung einen Maulkorb verpasst bekommen, keiner darf was sagen. Die meisten halten sich daran - auch heute noch, am letzten Tag. Die Loyalität mit dem "Doc", wie sie den Kernphysiker Wilke hier nennen, ist immer noch groß. Und kaum schert einer der Verkäufer aus, schießt Wilke um die Ecke und verscheucht mit ausholenden Armen die Kamerateams. Den Mitarbeiter schubst er unsanft zur Seite, knufft ihm in den Rücken. Ein bisschen will er doch noch retten von seinem Traum vom All - und von seinem Ansehen.

SPIEGEL ONLINE
Space-Center-Mitarbeiterin Bartels: "Kugelschreiber zusammenbasteln oder Sauna-Dame im Pussy-Club"
Nur Heike Bartels redet. "Weil, jetzt ist eh alles egal." Auch die 22-Jährige steht nun auf der Straße. "Ich habe wohl nur noch die Wahl zwischen Kugelschreiber zusammenbasteln, Sauna-Dame im Pussy-Club oder einer Ich AG als Putzfrau." Heike Bartels muss lachen und weinen gleichzeitig. "Na ja, ich male vielleicht ein bisschen schwarz. Aber meine letzte Hoffnung - ein Call Center - ist wirklich keine gute Aussicht."

Die Tränen wischt sie sich mit der quietschgelben Arbeitsbluse aus dem Gesicht. Die Besucher, die in Heike Bartels kleiner Garderoben-Kammer voller Weltraumposter ihre Jacken abgeben, haben nichts bemerkt. Am Morgen hat sich Heike geweigert, am Eingang zu arbeiten. Zu viel lächeln, zu viele Leute. "Das hätte ich heute nicht gekonnt."

Mit Anzug in die Achterbahn

SPIEGEL ONLINE
Ehepaar Lampe im Space Center: "Hier ist ja gar nichts los"
In der "Cosmosphere", der großen Halle und dem Mittelpunkt des Space Parks, drücken sich nur wenige Besucher herum. Im Dämmerlicht versuchen sie, die Stellwände über die Appollo-Missionen zu entziffern. "Bis bald im All" wird der Besucher nach jeder Thementour verabschiedet.

"Eigentlich merkt man gar nicht, dass hier morgen Schluss sein soll", sagt Friedrun Lampe, die mit ihrem Mann aus Hamburg angereist ist. "Und das Personal ist so freundlich. Aber man weiß ja nie, was hinter der Fassade steckt."

Die Lampes sind früh aufgestanden, um den letzten Tag des Space Centers noch mitzunehmen. "Wir dachten, wir müssten lange Schlange stehen, weil es zum Schluss noch mal so richtig voll wird", erzählt Carl-Heinz Lampe. "Aber wir waren sofort drin. Hier ist ja gar nichts los." Die Gründe für den Misserfolg des Parks liegen für das Ehepaar auf der Hand. "22 Euro für einen Erwachsenen, das ist einfach zu teuer."

Space-Manager Wilke lässt das Argument nicht gelten. "Eine vierköpfige Familie zahlt bei uns 72 Euro Eintritt. Andere Parks liegen da weit drüber." Und das Konzept, an dem so viel gemäkelt wurde - die Verbindung von Freizeitpark und Shoppingmeile? "Ich weiß", schimpft er, "alle haben gesagt: Niemand geht sich einen Anzug kaufen und setzt sich dann damit in eine Achterbahn. Aber ich glaube trotzdem, dass es Synergie-Effekte gegeben hätte." Doch am 300 Meter langen "Starwalk", an dem sich eigentlich Geschäfte drängeln sollten, sieht man nur abgehängte Schaufenster.

EU-Hilfen in Millionenhöhe

DPA
Space-Center-Besucher: Leere Hallen am letzten Tag
Die letzte Hoffnung des Projekts sind vier Bremer Unternehmer, die möglicherweise in die Shoppingmeile einsteigen wollen. Aber nur, wenn sie den Multi-Millionen-Bau für einen einzigen Euro erhalten. Plus Zuschüssen aus der Landeskasse. Mit geschenkten Ladenflächen ließe sich vielleicht noch etwas anstellen.

Für das Space Center selbst interessiert sich angeblich der Hamburger Unternehmer Carlo Petri, der auch Chef des erfolgreichen Bremer Erlebnis-Museums "Universum" ist. Doch genaue Pläne hat auch er noch nicht. Der Bremer Senat hofft nur, dass der Park keine Insolvenz anmelden muss. Denn dann müssten wohl EU-Hilfen in Millionenhöhe zurückgezahlt werden. Außerdem verfielen dann die Lizenzen für die Themenräume "Star Gate" und "Star Trek". Bei einem geregelten Betriebsübergang könnte der neue Betreiber die Rechte übernehmen.

An seinem also vorerst letzten Tag wird es im Space Center nur einmal etwas voller: Um kurz vor drei drängeln sich ein paar Besucher vor den Kassen, die gern umsonst den Themenpark besuchen würden. In der sterilen Eingangshalle ist zum ersten Mal an diesem Tag kurz so etwas wie Hysterie zu spüren. "Irgendwelche Witzbolde haben gestern Flyer verteilt", erklärt Wilke. "Auf denen stand, dass man heute Nachmittag umsonst rein kommt.

Dann schimpft er: "Aber nix da, so weit kommt das noch."
Lichter aus - Servus Space Center
Taz 25.09.04

Aus Bremen
Klaus Wolschner
Kaum etwas deutet auf dem "Starwalk", der wie immer galaktisch leergefegten Fußgänger-Passage im Eingangsbereich des Bremer Space Centers drauf hin, dass die letzten Stündchen geschlagen haben. In dem ausgestellte Modell wird die Gastronomie im ersten Stock angepriesen. In Wahrheit ist kein einziger der Läden in der Passage jemals vermietet worden. "Für Sie geöffnet 356 Tage im Jahr" steht auf einem Zettel des Kinos "Cinespace". Keine Werbung für die letzte Chance, Europas größten Indoor-Erlebnispark zu besuchen, keine "Last-Minute"-Preise. Nur der verwaiste große Informationsstand deutet auf das Ende hin.

Wer ist eigentlich Schuld an dem Debakel?
In der Bremer Landesregierung, gestellt von einer großen Koalition aus SPD und CDU, ist klar: Verantwortlich für die Pleite dieses wichtigsten Sanierungsprojektes ist eigentlich niemand - alle haben mitgemacht. Wie viel hat das Land Bremen hineingesteckt? Die Summen, die offiziell genannt werden, liegen unter 100 Millionen Euro. Eine kaufmännisch seriöse Rechnung dürfte auf eine Summe über 200 Millionen Euro kommen.

Wie eine dramatische Klangkollage hat das optimistische Getöse der Politiker zehn Jahre lang den Planungsprozess begleitet. Die große Koalition hat sich von Anfang an so mit dem Projekt identifiziert, dass ein Scheitern auch ihr Scheitern gewesen wäre. Das haben die Projektentwickler der Köllmann-Gruppe, die bis zum Jahre 2002 in Bremen als Hoffnungsträger und Experten vorgeführt wurden, weidlich ausgenutzt - unterstützt durch jede Menge Experten-Gutachten. Höhepunkt war die Vorstellung der Planungen für das Schwester-Projekt "Ocean-Park" in Bremerhaven: Zwei dicke Blaue Bände, 1.000 Seiten heiße Luft mit Bildchen. Diverse Marketing-Agenturen haben gut verdient an der Begleitung des Getöses. Wer Zweifel äußerte, war ein Miesmacher.

Der Space Park wird ganz einzigartig, das wussten die Tourismus-Experten der Hamburger Firma Wenzel & Partner schon im Jahre 1994. In einem von der DASA bezahlten Gutachten stellen sie fest: "Das Zieleinzugsgebiet wird aufgrund der Einzigartigkeit des Space Parks ganz Deutschland und die angrenzenden Nachbarländer (Benelux Staaten und Skandinavische Länder) umfassen. Das mehrsprachig ausgelegte Projekt erlaubt es gerade die Touristenströme aus Skandinavien Richtung Süden sowie den Urlaubsverkehr in Richtung Nord- und Ostsee an den Park zu binden."

Das BAW-Institut des Wirtschaftssenators rechnet im Mai 1996 exakt nach: Durch Steuerrückflüsse kämen 19,153 Millionen Mark pro Jahr in die Kasse, dadurch wären die angepeilten staatlichen Aufwendungen in Höhe von 100 Millionen Mark in nur fünf Jahren amortisiert. Dummes Zeug dieser Art füllt Dutzende von Ordnern.

Ein interner Kritiker
In der Bremer Baubehörde sitzt ein Hans Rainer Dietrich hinter Stapeln von Unterlagen und Akten. Er ist Mitarbeiter im Bereich Stadtentwicklung und Stadtforschung, ein Querulant für die Behörde, kaltgestellt. Dietrich hat nachgerechnet. Ergebnis: Das Space Center kann ohne dauerhafte Subventionen nicht existieren. Die Berechnung der steuerlichen Effekte durch das BAW-Institut sind falsch. Auch für den Fiskus "rechnet" sich die Ansiedlung nicht. Aufgrund des hohen Anteils von Billig-Jobs stünden die Steuereinnahmen in keinem Verhältnis zu den öffentlichen Geldern. Sein Fazit: "Eine Entscheidung für den Space Park würde die Finanzkraft Bremens daher nicht stärken, sondern schwächen." Natürlich hatte er seine Überlegungen auch hausintern vorgelegt, aber ohne Resonanz. Das sei nicht die Aufgabe des Senators für Stadtentwicklung, sagte der Pressesprecher 1998, "wir können das hier bei uns nicht überprüfen" . Verantwortlich sei der Wirtschaftssenator. Und Dietrichs Expertise sei seine Privatangelegenheit. Dietrich stellte sie unter www.bremer-verhaeltnisse.de ins Internet.

Paris ohne Eifelturm?
Umsonst. Im Jahre 2000 war Spatenstich. Jürg Köllmann ist dabei. "Was wäre Wien ohne Prater, was wäre Paris ohne den Eifelturm!", kalauerte er.

Niemand in der Behörde hat in den vergangenen Jahren nachgefragt, welches Interesse der Projektentwickler Köllman an dem Projekt haben könnte. Hundert Millionen hat er nach Frankfurt geschleppt und rechtzeitig in Sicherheit gebracht, sagen Insider. Viel davon hat die Dresdner Bank bezahlt, aber auch Bremen hat außerhalb der offiziellen Subventionen dem Projektentwickler diverse Aufträge zugeschanzt, mit denen der richtig Geld verdient hat. Bevor die Köllmann-AG liquidiert wurde, waren werthaltige Teile wie die Hotelkette ausgelagert worden. Die Spuren führen in die Schweiz und verschwinden dort im Trüben. In Bremen hat Köllmann im Jahre 2003 zum letzten Mal Geld abgeholt - 1,5 Millionen Euro als Ablöse für wertlose alte Ocean-Park-Planungen.
Zehn Jahre Space Park Bremen - Chronik eines mehrfachen Scheiterns

Im Jahre 1995 war die Idee des Space Parks gescheitert - es hatten sich keine Investoren gefunden. Dann sprang auch noch die Dasa ab. Keine Betreiber, keine Bank
In den Jahren 1994 bis 1996 wurde unter "Space Park" ein touristisches Besucherzentrum (ohne Einkaufspark) verstanden. Zu den Attraktionen des Space Park sollte ein Space Camp (Astronautentraining) und ein Kuppelkino gehören. Im Dezember 1994 war als Eröffnungstermin "Anfang 1998" geplant. Die Freizeit-Marketingfachleute von Wenzel&Partner prognostizierten 1,3 Millionen Besucher pro Jahr, das Space Camp sollte 20.000 pro Jahr haben. Geplante Investitionssumme: 122 Millionen Mark, Kosten für die öffentliche Hand: circa 100 Millionen Mark (nach einer Schätzung des Ressorts aus dem Juni 1995). Neue Arbeitsplätze: Space Park-Tourismus 980, Einzelhandel 126, Gastronomie 500, zusammen 1606. Das Projekt soll nur verwirklicht werden, wenn sich private Investoren und Betreiber finden.

1995: Keine Investoren
Im Sommer 1995 gibt es mangels eines Hauptinvestors die Idee, zehn Gesellschafter zur Finanzierung zu finden. Die ersten drei Gesellschafter sollen DASA, Köllmann und die HVG (für Bremen) sein. Zugleich sichert sich die HVG die Deutschland-Lizenzen für das Space Camp. Bis Ende 1995 sollen private Investitionen in Höhe von 100 Millionen Mark aufgetrieben sein. Anfang 1996 beschließt die DASA definitiv, sich nicht an der Investition zu beteiligen.

"Designphase I" scheitert
Unter den Planern der Köllmann-Gruppe wird die bei der DASA geborene Idee eines Space Parks zu der eines Entertainment-Centers fortentwickelt. (April 1996 - Juni 1997) Neben das Raumfahrtzentrum ("Space Center" mit IMAX-Kino, Fahrgeschäften etc. und Space Camp) sollen ergänzende touristische Bausteine treten (Hotel, Themengastronomie, Wellness, Auto-Image-Center, Kino, Clubs, Café, Airodium, Planet Neptun, 4.000 Quadratmter Shopping). Köllmann besteht darauf, dass der Space Park nur dann rentabel werden könne, wenn er in Kombination mit dem in Bremerhaven diskutierten "Ocean Park" errichtet wird und im Umkreis von 300 Kilometern für beide Angebote in Kombination geworben werden könnte. Der Bremer Ausschuss für Wirtschaftsforschung (BAW) errechnet, dass sich die staatlichen Ausgaben für das Projekt in fünf Jahren amortisieren.

"Designphase II" scheitert
Im Dezember 1996 wird eine Sondersitzung der Wirtschaftsförderungsausschüsse abgesagt, weil Köllmann keine Investoren hat und erreichen will, dass Bremen weit mehr als 100 Millionen Mark trägt. Im Juni 1997 heißt es in einem internen Zwischenbericht des Senats, dass mit den bisher eingeplanten Mitteln eine Projektrealisierung unmöglich sei.

Der Senat nimmt am 1.7.97 den Zwischenbericht zur Kenntnis und beschließt die Designphase II, für deren Planung er weitere 12,8 Millionen Mark zur Verfügung stellt. Weil die Eröffnung zur Expo 2000 geplant ist, macht der Senat Termindruck: Bis September 1997 sollen noch "offene Fragen der Kostensicherheit, des Betreiberkonzepts, des Finanzierungskonzepts und des Plausibilitätsnachweises zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit" geklärt werden. Erst Anfang September wird der Vertrag über die Designphase 2 unterzeichnet. Der Wirtschaftssenator Perschau erklärt, bis Ende Dezember müsse die endgültige Entscheidung gefallen sein, ansonsten "gilt die Proektrealisierung als gescheitert".

"Heute würde ich
nein sagen"
Auf einer denkwürdigen Pressekonferenz erklärt Wirtschaftssenator Josef Hattig im Februar 1998: "Würde ich den Sachverhalt heute entscheiden müssen, würde ich nein sagen. Die kaufmännische Größenordnung ist nicht substantiiert genug." Doch Hattig sagte "ja" und setzt eine neue Frist: Bis zum 22. Juli 1998 soll die Köllmann-Gruppe ein "entscheidungsfähiges Betreiber- und Finanzierungskonzept vorlegen." Der Termin verstreicht. Ende 1998 ist klar: Es soll ein großes Einkaufszentrum (44.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, über 10 Millionen Kunden im Jahr) und ein keines Space Center werden. Eröffnungstermin: 2001. Geplante Besucher im Space Center: 1,3 Millionen pro Jahr. Das BAW-Institut verspricht 2,3 Millionen Besucher für die touristischen Komponenten und insgesamt 3.360 Arbeitsplätze. Die C&L Deutsche Revision (beauftragt von Bremen) zweifelt das Wirtschaftlichkeitsgutachten der KPMG an und rät Bremen dringend, die möglichen Belastungen und Risiken zu minimieren. Am 7. Mai 1999 unterzeichnen FHB und Köllmann die neue Rahmenvereinbarung. Bremen verpflichtet sich zu seinem Mitteleinsatz, sofern Köllmann bestimmte Bedingungen erfüllt (Garantie der deutschen Bank, Mietverträge für Space Center, Einzelhandelsbereich und Gastronomie). Die Degi, Immobilien-Tochter der Dresdner Bank, kauft das Space-Park-Grundstück Ende Dezember 1998 und wird die Bau-Investitionen übernehmen. Der Grundstückspreis wird postwendend am 13.1.1999 auf das Konto der ELC, einer Köllmann-Tochter, überwiesen, die es der damals schon klammen Mutterfirma nach Frankfurt transferiert.

Baubeginn 2000 - Ende
Juni 2000: Hattig tätigt den symbolischen ersten Spatenstich. Oktober 2000: Köllmann kann die Mietverträge für Einzelhandel und Restauration nicht vorlegen. Bremen akzeptiert, dass Köllmann selbst die Mietgarantie übernimmt. Am 4.3.2002 erklärt Köllmann in einem Brief an den Wirtschaftssenator, dass er den Weiterbau nicht mehr finanzieren kann. Anstelle der Köllmann-AG steigt die Degi beim Space Center ein. Mit der Rahmenvereinbarung von September 2002 beschließen Degi und Bremen die Fortführung des Projektes und wollen sich die Kosten für die Attraktionen des Space Centers teilen. Die DEGI hat mit der Vermarktung des Shopping-Teils keinen Erfolg. Im April 2003 wird beschlossen, zum 19.12.2003 das Space Center alleine zu eröffnen. Im März 2004 wird offiziell bekannt, dass die Dresdner Bank so schnell als möglich aus dem Projekt aussteigen will. fd/kawe

taz Nord Nr. 7471 vom 25.9.2004, Seite 32, 192 Zeilen (TAZ-Bericht), fd / kawe
Pleiten, Protz und Pannen - Steuerzahlerbund prangert Vergeudung an

Hannover/Bremen (ddp-nrd). In Niedersachsen und Bremen sind im laufenden Jahre nach Schätzung des Bundes der Steuerzahler (BdSt) rund 3,5 Milliarden Euro an Steuermitteln verschwendet worden. Alleine in Niedersachsen seien schätzungsweise bis zu 3,3 Milliarden Euro versandet, in Bremen rund 200 Millionen, sagte ein BdSt-Sprecher am Dienstag in Hannover. Bundesweit summiere sich die Fehlleitung öffentlicher Gelder auf rund 30 Milliarden Euro.

In dem am Dienstag in Berlin vorgestellten Schwarzbuch werden insgesamt 13 Fälle von Steuerverschwendung im Nordwesten aufgelistet. Davon kommen 10 aus Niedersachsen und 3 aus der Hansestadt. «Der Staat nimmt nicht zu wenig ein, er gibt zu viel aus», betonte BdSt-Vorstandsvorsitzender Axel Gretzinger.

Als eklatantestes Beispiel im Nordwesten nannte er den am Sonntag geschlossenen Weltraumerlebnispark «Space-Center» in Bremen. Hier seien rund 198,7 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln regelrecht «in den Wesersand gesetzt» worden. Ob überhaupt und wie viel von dieser Summe durch eine nun von der Bremer Politik angestrebte Neueröffnung gerettet werden könne, stehe in den Sternen, sagte Gretzinger.

Wegen einer «rechtlich zweifelhaften Zuwendung» von 300 000 Euro an den Verein «Internationaler Arbeitskreis Sonnenberg» in St. Andreasberg im Harz findet sich das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur im Schwarzbuch wieder. Der Bund der Steuerzahler hat Strafanzeige wegen des Verdachts der Haushaltsuntreue erstattet.

Ein weiteres Beispiel für ineffektive Kostenkontrolle, Organisationschaos und Fehlplanungen liefert die Erweiterung der Kläranlage in der Stadt Sehnde (Region Hannover). Die Gesamtkosten seien hier von anfangs veranschlagten 8,3 Millionen Euro auf 10,6 Millionen Euro «aus dem Ruder gelaufen».

Außerdem kritisierte der Bund der Steuerzahler eine weitere «drohende Steuergeldverschwendung». Zwischen dem Amt Neuhaus (Landkreis Lüneburg) und Neu Darchau (Landkreis Lüchow-Dannenberg) solle eine Elbbrücke für 23,7 Millionen Euro gebaut werden, obwohl die Fährverbindung in dem schwach besiedelten Gebiet ausreichend sei. (www.steuerzahler-niedersachsen-bremen.de)
23.03.2006

Briten kaufen Bremer Space Park und wollen weiter in Deutschland investieren

Die britisch-irische Cardinal Asset Management hat den Bremer Space Park gekauft. Nick Corcaran, einer der Gründer der Gesellschaft, erklärte: "Wir wollen ein dynamisches Umfeld und ein herausragendes Einkaufs- und Ausflugsziel schaffen, von dem die gesamte Region profitiert."

Sowohl der Käufer als auch die Dresdner Bank als Verkäufer machten zu dem Kaufpreis keine Angaben. In Bremen wird von einer Summe zwischen 40 und 60 Mio. EUR gesprochen.

Nach Angaben der Anwaltskanzlei Linklaters Oppenhoff & Rädler, die den Käufer beraten hat, markiert die Akquisition "den Beginn einer Reihe von Engagements, die Cardinal gemeinsam mit dem Immobilienpartner LNC Poperty Group in Deutschland plant". Cardinal war 2004 als Kaptalanlageunternehmen gegründet worden.

In den Space Park hatten die Dresdner Bank und die Stadt Bremen rund 600 Mio. EUR investiert. :cry:

Für die Verkaufsfläche von 40.000 qm hatte sich niemals ein Nutzer gefunden. :cry:

Das Weltraumspektakel auf weiteren 20.000 qm hatte nach knapp einem Jahr wegen Besuchermagel schliessen müssen.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,407490,00.html
23. März 2006

Bremen verramscht seine Investitionsruine

Von Alwin Schröder

Ein englischer Immobilienfonds hat die Bremer Investitionsruine "Space Park" gekauft. Der Senat ist sein Sorgenkind los. Doch Jubel kommt nicht auf - denn noch ist unklar, was der neue Besitzer mit dem Pleitebau vorhat.


Bremen - Den "Himmel auf die Erde holen" wollten die Betreiber des Bremer Space Parks, als sie Anfang 2004 das Weltraumerlebniscenter eröffneten. Rund 480 Millionen Euro hatten private Investoren in das Projekt investiert, 150 Millionen Euro das Land Bremen. Der Park sollte dem notorisch klammen Stadtstaat zu mehr Prestige, Arbeitsplätzen und Einnahmen verhelfen.

Zwei Jahre später geht es für Bremen nur noch darum, dass in die 26 Hektar große Investitionsruine im Stadtteil Gröpelingen endlich wieder "Leben reinkommt", wie es Senatssprecher Klaus Schloesser im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE ausdrückt. Das ist nun absehbar, denn der Londoner Finanzinvestor Cardinal Asset Management hat den verwaisten Vergnügungspark nach wochenlangen Verhandlungen der Dresdner Bank abgekauft. Unklar ist, wie das "Leben" nach dem schief gegangenen All-Abenteuer genau aussehen wird.

Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, teilte Bankensprecher Martin Halusa mit. Der Immobilienfonds wird aber vermutlich nur einen Bruchteil der zuvor investierten Summe geboten haben. "Viel Beton für wenig Geld" hätten die Londoner für das Areal erhalten, zitiert der "Weser-Kurier" ein Mitglied des Bremer Senats. Die Briten seien hohe Immobilienpreise gewöhnt, da müsse ihnen der Space Park wie ein Schnäppchen vorgekommen sein.

Doch was wird aus dem riesigen Einkaufs- und Freizeitzentrum, dem Hotel mit 162 Zimmern und den zehn Kinosälen? Nick Corcoran, Gründer von Cardinal Asset Management, teilte bislang lediglich mit, dass man beim Umbau auf dem ehemaligen Werftgelände "sehr eng" mit den Bremer Stadtvätern zusammenarbeiten wolle. Ziel sei ein "dynamisches Umfeld und ein herausragendes Einkaufs- und Ausflugsziel", von dem die gesamte Region profitiere.

Ärger mit Triple Five aus Kanada

Solch hochtrabenden Pläne hatten auch die Vorbesitzer beim Start gehabt. Doch im September 2004 war das Weltraumerlebniscenter nur sieben Monate nach seiner Eröffnung dicht gemacht worden - zu wenig Besucher. Und in die Läden der 44.000 Quadratmeter großen Einkaufsmeile zog nie jemand ein. 300 Beschäftigte verloren damals ihren Job.

Seitdem war immer wieder versucht worden, einen Käufer für den Weltraumrummel zu finden. Im November vergangenen Jahres war das Center an das kanadische Unternehmen Triple Five veräußert worden. Unbestätigten Medienberichten zufolge sollten die Nordamerikaner lediglich 55 Millionen Euro zahlen. Doch die Dresdner Bank trat wenig später von dem Kaufvertrag zurück. Der Deal soll gescheitert sein, weil die Kanadier nur die erste Rate in Höhe von 1,5 Millionen Euro zahlten.

Bei den Kaufverhandlungen hatte Triple Five einen anderen Interessenten überboten, das israelische Unternehmen Elbit Medical Imaging. Nun wird spekuliert, ob die auf das Bauen von Einkaufszentren spezialisierte Firma aus Tel Aviv wieder mit von der Partie ist. Da Cardinal Asset Management nur ein Finanzinvestor ist, der bislang nicht als Projektbetreiber in Erscheinung trat, wird in Bremen davon ausgegangen, dass die Briten einen Partner für den Relaunch des Space Parks aufbieten werden.

Angst vor Spekulanten

Schon wird heftig über die Absichten der neuen Besitzer spekuliert. "Wir sind überhaupt nicht froh, dass der Space Park an einen Hedge-Fonds verkauft worden ist", zitiert der "Weser-Kurier" die Grünen-Fraktionschefin Karoline Linnert. Denn ein international tätiger Finanzdienstleister sei "weniger am Betrieb eines Objektes als an Spekulationsgeschäften interessiert".

Auch ihre Parteikollegin Helga Trüpel sieht in dem Verkauf des Parks noch keinen Grund zur Freude. "Es muss klar sein, was die vorhaben", sagte sie zu SPIEGEL ONLINE. "Und ist das dann für Bremen verträglich?" Als die Kanadier das Center übernehmen wollten, war auch von einem gigantischen Spielkasino auf dem Areal im Nord die Rede - ein Plan, den die Grünen ablehnen.

Mit dem Space Park könnten die neuen Besitzer "nicht machen, was sie wollen", stellt Senatssprecher Schloesser klar. Die Briten hätten das Objekt quasi "gekauft wie besehen". Es würden noch die jetzigen Bebauungspläne gelten, und eine Kasinoerlaubnis existiere nicht.

Fest steht offenbar nur, dass der Name Space Park verschwindet soll. Wer will schon den Titel eines gescheiterten Weltraum-Projekts übernehmen?
Antwort auf Beitrag Nr.: 20.971.042 von e_type1 am 28.03.06 11:16:06Verramschen kann man nur das, was Ramsch ist. Der Bericht klingt fast so, als hätte Bremen sein kostbares Stadtratssilber für'n Apple und 'n Ei verkauft. Lächerlich. Und als krönender Abschluß woll'n die Grünen auch noch reinreden, wie der Laden zu vermarkten sei. Naja, die könnten da ja günstig ihre Parteizentrale in das Weltraumerlebniscenter verlegen. Ihr Wahlprogramm hatte ja schon immer was galaktisch-spacehaftig futuristisches. Und ein paar alternative Projekte könnten sie auch dahin verlegen. Zum Beispiel vielleicht einen "Umsonst"-Laden oder ein Fachgeschäft für Getreitemühlen, undsoweiter, undsofort.......:D:laugh:

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