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Frage an Apotheker, Mediziner und Medizinhistoriker - 500 Beiträge pro Seite



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Heute bin im Rahmen einer Wohnungsauflösung auf einen Berg von Medikamenten aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gestoßen. Da es sich hauptsächlich um völlig unangebrochene Packungen handelte mit sehr apartem Design, habe ich davon mal eine Tüte zur genaueren Untersuchung mit nach Hause genommen. Außerdem dachte ich, vielleicht gibt es ja Sammler für solchen Stoff und die freuen sich dann.

Das Problem ist jetzt aber: man kann den Stoff eigentlich nicht verhökern, denn bei näherer Betrachtung der Beipackzettel stellte sich raus, dass einige von den Mitteln durchaus geeignet sind, die Schwiegermutter um die Ecke zu bringen (die Zutatenliste geht von Arsen bis Stychnin, und mit einem anderen Mittel kann man jemanden problemlos in Vollnarkose versetzen.).

Zum Wegschmeißen ist das allerdings zu schade, weil sie nun mal geradezu "antiquarischen" Wert haben.

Meine Frage an das werte Fachpublikum: gibt es seriöse Institutionen (Firmensammlungen, Medizinhistorische Museen etc.), die so etwas sammeln? Ich hätte da noch ein paar andere Dinge anzubieten, ein uraltes Hörgerät (schon elektrisch, aber mit Kopfhörer), außerdem ein paar eigenartige Hygiene-Artikel aus Bakelit, die zum Einsatz kommen, wenn mal ein Ejaculatio praecox beim Coitus interruptus stattgefunden hat. (Bei diesem Gerät hätte ich ohnehin gewisse Hemmungen, das bei ebay anzubieten). ;-)

Danke vorab

LM
Ich sollte vielleicht sicherheitshalber dazu erwähnen, dass besagtes Bakelit-Dingens ebenfalls schon an die 100 Jahre auf dem Buckel haben dürfte - nicht dass jemand auf die Idee kommt, ich verscheuere hier meinen Hausrat. Nein, nein, es handelt sich um ein museumsreifes Gerät, das eigentlich jedes Historikerherz höher schlagen lassen müsste.

LM
Die Anti-Schwiegermutter-Mittelchen kaufe ich Dir gerne ab. Für den Rest gilt: Fragen sie Ihren Arzt oder Apotheker! :D
Mylady,
sind die Hitler-Tagebücher, die Unterwäsche von Elly Beinhorn-Rosemeyer und der fahrtüchtige 69er LeMans 917er schon weg oder noch zu haben?
Nee, die Hitler-Tagebücher sind noch in der Mache, aber apropos: in dem Gerümpel fand sich außerdem ein seinerzeit berühmtes zweibändiges Werk von Henry Ford (ja, genau der) über das internationale Judentum, ein Werk, dass in Deutschland seinerzeit schwer für Furore gesorgt hat. Gelesen habe ich es noch nicht, doch nach einer Kurzrecherche hat sich rausgestellt, dass das Buch im Handel genauso wenig auftaucht wie das berühmte Werk des Postkartenmalers mit politischen Ambitionen aus Braunau, woraus ich schließe, dass es - um es vorsichtig auszudrücken - nicht ganz "pc" ist.

Mir schwant langsam, dass ich mit meinen Fundsachen nie so richtig voran komme - es sind immer so wenig alltägliche Sachen, aber erstens kann man es für nix gebrauchen und zweitens auch nicht verkaufen. Nicht mal verschenken kann man den Kram. Wem soll ich schon ein paar Ampullen mit Strychnin zu Weihnachten schenken oder ein indiziertes Buch oder ein paar Oberschenkelknochen von einem Elch?

Eigentlich war mein Weihnachtswunsch ein Metallsuchgerät für den Wald, aber bei meinem Glück finde ich dann eine supi Himmelsscheibe von Nebra, die ich dann aber bei der nächsten Polizeidienststelle abgeben muss, weil das von "nationalem Interesse" ist. Wenn das so weitergeht komme ich zu dem Schluss, dass sich Eigeninitiative in unserem Lande entgegen aller Beteuerungen eben doch nicht lohnt. Und dann setze ich mich wie die Mehrheit meiner Altersgenossinnen vor die Glotze und gucke mir Gesprächssendungen an mit Themen wie "Hilfe, mein Schäferhund ist schwul" oder so ähnlich. Oder ich mach mein eigenes Museum auf. Das wäre auch eine Möglichkeit....Mmh. Langsam bin ich richtig frustriert.

LM
Mylady,
schöner Text #5.
Ich an Deiner Stelle täte überhaupt nicht frustriert sein. Primo hat das Schwelgen in längst vergangenen Zeiten etwas Besonderes und man kann eine Menge dazu lernen, secondo glaube ich dass Du alles bei EBay kauffrauisch verwerten kannst, alleine wenn ich daran denke dass es wohl bei Yahoo für jede Tiefe des menschlichen Seins auch mindestens 10 Gruppen gibt (einzig beim Strichnin hätte ich gewissen bedenken, aber Du könntest die Hälfte einer Antifa-Gruppe und die andere Hälfte einer rechtsextremen Verbindung spenden und damit einen Beitrag zum sozialen Frieden in D leisten). Auch das LadyMacBeth-Museum klingt recht gut. Denk immer dran, der Schierlingsbecher ist halbvoll und nicht halbleer, also positiv denken. Und wenn Du einen 80jährigen Whisky findest weisst Du ja wo Du mich erreichen kannst...
Sg,
^/
:laugh:

Um die Zeit müßte es do noch Kokain (ich glaube von Bayer) und Heroin (sicher von Merks, war ein "leichtverträgliches Hustenmittel für Kinder") auf Rezept gegeben haben. Also, zusehen ob das Zeug noch knallt und ab an den nächsten Bahnhof damit.

Ansonsten würde ich wohl sagen, Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, Inhalt in den Sondermüll, Verpackung ins Museum.

Kannst Du von dem Instrument mal ein Foto einstellen?

Gruß DaKai
Principesso

Danke für die aufmunternden Worte. Tatsächlich wurde ich doch von einer kurzen Frustphase heimgesucht, weil ich stets mit so poetischen Fundstücken nicht so richtig was anfangen kann.

DaKai
Da ich einen Computer noch mit Handkurbel betreibe, klappt das mit den Photos leider nicht. Aber zu den Drogen hätte ich noch was zu sagen, und das ist kein Witz: als ich den Inhalt einiger Handtaschen auf den Tisch kippte, fiel mir da so ein gefaltetes, kleines Papierbriefchen auf. Als ich es öffnete, war da lauter weißes, glitzerndes Pulver drin. Ich fragte die Pflegerin der verstorbenen 83jährigen Dame, ob diese wohl etwa Kokain konsumiert hätte. Die Pflegerin meinte daraufhin ganz laipdar: "Hach ja, so etwas habe ich hier auch immer mal wieder gesehen. Da habe ich gesagt, Frau X., was ist denn das? Worauf die alte Dame meinte: ach, die Drogen...werfen Sie das doch bitte mal in die Toilette, das brauchen wir nicht mehr." Ich habe es übrigens auch in die Toilette gekippt, nicht dass jetzt hier jemand auf komische Gedanken kommt.

Ich nehme an, dass das Kokain (ich nehme an, es war welches) noch aus den zwanziger Jahren stammte. Damals war das ja meines Wissens noch legal und galt als Wachmacher und Antidepressivum. Die ganze Familie, einschließlich der Eltern der alten Frau waren abhängig von allem möglichen Kram. Eine Schublade war randvoll nur mit Beipackzetteln. Da die nie was weggeworfen haben, staunt man da nicht schlecht, was da so alles zutage tritt.

LM


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