Regionalgeld = Schwindel Es nützt vor allem den Initiatoren ( Freigeld ) - 500 Beiträge pro Seite



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Regiogeld


Konkurrenz für den Euro

Mittlerweile sind in Deutschland zwölf Regionalwährungen im Umlauf. Sie nutzen vor allem einer Gruppe: den Initiatoren.

Ersatzdevisen wie der Chiemgauer sind auch in Bremen, Berlin, Wolfratshausen, Gießen oder Kiel im Umlauf.


Chiemgauer sind bei der Bäckereikette Miedl ziemlich beliebt, und das gleich in zweifacher Hinsicht: Die Verkäuferinnen freuen sich nicht nur, wenn Kunden aus der Region rund um den Chiemsee bei ihnen einkaufen, sondern auch, wenn diese mit der Regionalwährung, dem Chiemgauer, bezahlen.

Das bunt bedruckte Zahlungsmittel ist nur eine von mittlerweile zwölf deutschen Regionalwährungen, so genannten Regios, die in Deutschland inzwischen im Umlauf sind.

Herausgeber der Regionalwährungen sind meist Bürgerinitiativen. Klaus Starke vom Regionetzwerk, dem Dachverband der Bürgerinitiativen, erklärt die Idee hinter den Projekten so: "Wir wollen geschlossene Wirtschaftskreisläufe etablieren und die Wirtschaft vor Ort fördern". So würden auch Arbeitsplätze erhalten.

Stattliche Gebühren

Experten stellen jedoch in Frage, dass Lokalwährungen bei der Förderung von Regionen tatsächlich von großem Nutzen sind. Gerhard Rösl von der volkswirtschaftlichen Abteilung der Bundesbank bezweifelt, dass Firmen, die daran teilnehmen, langfristig profitieren können.

Kurzfristig könnten sie zwar von einem Umsatzschub profitieren, weil die Regios als Werbung genutzt würden und zunächst die Kundenbindung stärkten. Die positive Wirkung lasse aber bald nach. Außerdem dürfte es einem Geschäftsinhaber ziemlich egal sein, ob seine Waren mit Chiemgauern oder mit Euro bezahlt werden -- seine Existenz ist nur gesichert, wenn Kunden bei ihm einkaufen.

Überdies sind Regionalwährungen laut Rösl ziemlich teuer und nutzten vor allem den Initiatoren: Diese kassieren in der Regel stattliche Gebühren, sowohl bei der Ausgabe der Scheine als auch beim Rücktausch in Euro. Doch das ist nicht der einzige Nachteil. Das bisher in Deutschland im Umlauf befindliche Regionalgeld ist als "Schwundgeld" konzipiert.

Das bedeutet: Eine Inflation von bis zu zwölf Prozent wird automatisch eingerechnet -- im Vergleich dazu verlor der Euro zuletzt pro Jahr weniger als zwei Prozent an Kaufkraft.

Der Wertverlust soll nach Auskunft von Initiator Starke Nutzer dazu anhalten, das Geld schnellstmöglich auszugeben, um den Wertverlust gering zu halten. "Den letzten beißen die Hunde", hält Rösl dem entgegen. Er mahnt zur Vorsicht. "Zumindest ein Teil der Geldhalter dürfte nicht darüber aufgeklärt sein, wie teuer und instabil ein solches System letztlich ist."

Mehr Gutschein als Geld

In der Konzeption bedienen sich die Initiatoren der Regionalwährungen bei dem belgisch-argentinischen Ökonomen Silvio Gesell (1862 - 1930), der als Grundübel der Wirtschaft das Horten von Geld ansah, ein Effekt der durch die Verzinsung der Guthaben bei der Bank noch verstärkt werde.

"Die Theorie hat sich überlebt, weil es das Horten wie vor hundert Jahren nicht mehr gibt", sagt Mathias Binswanger von der Fachhochschule Solothurn in der Schweiz.

Eine stärkere Konkurrenz zum Euro sei nach Rösls Ansicht Regionalgeld ohne Schwundeffekt.
Solche Vorhaben sollen in Saarbrücken und in Delitzsch-Eilenburg (Sachsen) verwirklicht werden.

Noch ist die Summe des ausgegebenen Regionalgelds mit rund 100.000 Euro in Deutschland eher gering. Die Bundesbank sieht derzeit keine Gefahr für den Euro und geht nach Auskunft eines Sprechers nicht gegen die Regio-Initiativen vor.


"Nur bei einer sehr stark zunehmenden Verbreitung solcher Währungen könnte es zu einer Störung der Notenbankpolitik kommen, da in diesen Verbünden Geldschöpfung stattfindet."

Gesetzlich sei die Ausgabe von "Nebengeld" verboten, wenn dieses anstelle des Euro verwendet werden kann.

"Es sind immer die gleichen, die damit zahlen"

Regionalgeld müsse als Gutschein gekennzeichnet sein und dürfe nur eingeschränkt als Zahlungsmittel verwendet werden. Das Interesse an Regionalwährungen wird jedoch nach Ansicht Rösls weiter wachsen. Der Experte rechnet in einigen Jahren mit deutlich mehr Initiativen in Deutschland.

Die Akzeptanz der Ersatzwährungen in der Bevölkerung scheint jedoch begrenzt, das zeigen erste Erfahrungen mit dem Chiemgauer. So wächst zwar die Zahl der Geschäfte, die die Ersatzwährung annehmen, nicht aber die Zahl der Kunden, die damit einkaufen: "Es sind immer die gleichen, die seit einem Jahr bei uns mit Chiemgauern zahlen", meint eine Mitarbeiterin der Bäckerei Miedl.

Die Herausgeber des Chiemgauers, eine Gruppe von Schülern der örtlichen Waldorfschule mit ihrem Wirtschaftslehrer und der dazu gehörende Verein, können sich dennoch über eine ansehnliche Rendite ihres Projektes freuen.

Insgesamt verdient der Verein pro Jahr und ausgegebenem Chiemgauer bis zu elf Cent: Fünf Cent Gebühr beim Rücktausch in Euro, bis zu sechs Cent Schwund. Zusätzlicher Gewinn fällt an, wenn Chiemgauer nicht in Euro zurückgetauscht werden.

Die Einnahmen des Vereins belaufen sich pro Jahr auf mehrere tausend Euro, sagt Chiemgauer-Initiator Christian Gelleri. Damit werde der Druck der Scheine bezahlt, die Schüler bekommen ebenfalls Geld. Teile werden an örtliche Vereine gespendet. Auch der Herausgeberverein steht auf der Liste der Empfänger. Von den Einnahmen wolle sich der Verein vielleicht irgendwann eine Immobilie kaufen, sagt Gelleri.

(SZ vom 09.06.2005) http://www.sueddeutsche.de/,wirl2/wirtschaft/artikel/562/545…
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Wieder einmal typisch das ganze. Damit lässt sich auch erklären, warum in diversen Internet-Foren soviele Freigeld – Gurus ihr Unwesen treiben, sie hoffen nur ein paar Dumme für ihre Abzockereien zu finden.
[posting]16.845.869 von kohelet am 09.06.05 12:11:50[/posting]Verweisartikel aus der SZ:

Ersatz für offizielle Devisen

Schattenwährungen – dazu zählen auch regionale Ersatzdevisen wie der Chiemgauer – tauchen meist dann auf, wenn das offizielle Zahlungsmittel eines Landes in eine Krise gerät.


„Sie spiegeln das mangelnde Vertrauen der Bevölkerung in die Geldpolitik wider“, sagt Volkswirt Gerhard Rösl.

In drei wirtschaftlichen Situationen suchen die Menschen besonders häufig nach einem Ersatz für das offizielle Geld:
wenn dieses durch eine Inflation ständig an Wert verliert,
wenn das Geld während einer Deflation knapp wird und
wenn man mit einer Ersatzwährung mehr Güter kaufen kann als mit dem amtlichen Zahlungsmittel.

In Deutschland wichen Menschen zuletzt während der Inflation der zwanziger Jahre im größeren Umfang auf Ersatzwährungen aus. Kommunen druckten Notgeld, zum Teil sogar mit dem Segen der Regierung.

Historisch häufiger seien Ersatzwährungen aus Mangel an umlaufendem Geld aufgetreten, so der Historiker Michael North von der Universität Greifswald. Wenn zum Beispiel Kupfermünzen eingeschmolzen und zu Kriegswaffen verarbeitet wurden, wichen die Menschen auf andere Zahlungsmittel wie Naturalien aus.

Beispiel Japan

Seit ein paar Jahren haben sich Ersatzwährungen in Japan wegen der dortigen Deflation, also eines kontinuierlichen Rückgang des allgemeinen Preisniveaus, etabliert. Die Bevölkerung hält nach Expertenmeinung das Geld in der Hoffnung auf sinkende Preise zurück.

Den Zahlungsverkehr sichern mehr als 130 Regionalwährungen, die anders als die deutschen Spielarten meist als Tauschringe organisiert sind. In diesem Fall werden nicht Yen in Regios bei einer „Regionalbank“, sondern gegen Gutscheine für Dienstleistungen getauscht. Auch in Deutschland existierten solche Tauschringe.

Der dritte Grund für das Auftreten von Schattenwährungen ließ sich während des Kalten Krieges beobachten. Nur mit ausländischen Devisen wie dem Dollar oder der D-Mark konnten in den Ländern des Ostblocks rare Güter gekauft werden.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/563/54509/
#1

Nein, Regionalwährungen sind gut! Müssten halt attraktiver sein als der Euro!

Regionales Münzgeld mit hohem Silberanteil wäre schon was! :cool:
[posting]16.846.031 von anti_lemming am 09.06.05 12:29:17[/posting]Klar für ihre Initatoren sind sie immer atraktiver als der Euro.

Und die Leute die dann Silber-Geld schleppen machen halt etwas Sport!

Die Silber-Horter dürfen sich auch freuen.
#4

Quatsch!

Wenn der Nennwert 3-mal so hoch ist wie der Silberwert, kommt keiner auf die Idee das Zeug zu horten.

Das mit dem Gewicht ist ein Problem. Vielleicht müsste man doch auch noch Goldmünzen haben, aber das Problem ist, dass die Leute dann den Rand der Münzen abkratzen.

Vielleicht sollte man für höhere Nominale doch Papiergeld nehmen, die man aber jederzeit gegen kleine Silbermünzlein eintauschen kann (Eintauschgarantie). Natürlich müssten auch Silbermengen im Rathaustresor hinterlegt sein und der Bürgermeister mit seinem persönlichen Besitz haften. :D :D :D
Hier werden von anti_lemming zwei Dinge durcheinander geworfen: Schwundgeld, das an Wert verlieren soll und ein Münzgeld, das wertbeständig ist. Ersteres saniert vor allem die Vereine, die das Schwundgeld emittieren und hilft den teilnehmenden Geschäften, Kunden zu binden, ähnlich den Rabattaktionen. Letzteres haben wir im Grunde mit den Edelmetallmünzen, die von verschiedenen Ländern herausgegeben werden. Da kommt allerdings kein Mensch darauf, damit zu bezahlen - die sind exakt zum Horten gemacht.

Es zeigt sich mal wieder: jeder Ideologie, wie hier die des Freigeldes, hat auch seine kommerzielle Seite, und natürlich werden die, die mit dem Schwundgeld richtiges Geld machen, besonders eifrig dafür werben. Aber es gibt auch genug Idealisten (oder Verbohrte), die das Freigeld ernst nehmen und fest dran glauben.
Man beachte, daß es sich um eine zusätzliche (!) Währung handelt. Versucht mal, mit einem Chiemgauer auf internationalen Warenmärkten Güter (z.B. ein paar Barrel Rohöl) zu kaufen. Der Verkäufer ist sicher ganz scharf darauf, sich vom Erlös bei der Bäckerei Miedl in Wolfratshausen ein paar Brötchen kaufen zu können :laugh:

Faktisch handelt es sich bei Regiogeld um einen Versuch der Abschottung von internationalen (über-regionalen) Märkten, man könnte es auch Protektionismus nennen. Die Egoisten von Attac und Konsorten lassen grüßen.

@ anti_lemming:

Für eine gold- oder silbergedeckte Währung braucht man kein Regiogeld.

wassermann1978
Ist mir schon klar, dass die bestehenden Systeme bereits im Ansatz Müll sind. Wer investiert denn schon in Regionalgeld, das das Papier nicht wert ist! Völlig absurd! :laugh:


Mein Vorschlag war, Silbergeld und silbergedecktes Papiergeld auf regionaler Ebene einzuführen:

Die Vorteile wären:
- Normale Inflation, aber nur bis zum Silberwert
- Bessere Kontrolle der Silberdeckung auf regionaler Ebene als beim Bund
- Das Geld wird in der Region ausgegeben
- Wenn der Silberwert nur ein Drittel des Nominalwerts beträgt, warum sollte es jemand horten? Da könnte er doch die 3-fache Menge an Silber kaufen! Man könnte das Horten auch unattraktiv machen, wenn man kein ganz reines Silber nimmt, damit es nicht so glänzt.
- Sicherheit beim Crash, da die örtlichen Silberreserven ja nicht verschwinden


Leider ist es ja nicht erlaubt. Aber wenn es einer schafft, sind es die Städte. Ich glaube nicht, dass der Bund in der Lage ist Edelmetall-gedecktes Geld einzuführen.
#8, pardon, aber - wozu? Wer braucht das? Wo ist das Problem, das damit gelöst werden soll? Wer ruft danach?

Kein Mensch braucht unkonvertibles Geld oder Regiogeld, egal ob als Schwundgeld oder in Silber oder als Muschelwährung.
Bis vor kurzem haben sie mit immer neune Threads WO zugemüllt, jetzt plötzlich Ruhe.
Hier ein Freigeldanhänger. Die Idee vom Freigeld harmoniert mit dem "Nationalen Gedanken" sowie dem "Regenerativen Gedanken" und steht somit auf festen Beinen. Investoren können sich für eine Region engagieren und haben dabei die Sicherheit, das Ihr Geld, wenn sie es ausgeben, nicht ans andere Ende des Globus abwandert. Besitzstandswahrung der klassischen Art ist somit hinfällig.
[posting]16.852.115 von for4zim am 09.06.05 21:13:41[/posting]Hier spricht wieder die typische Impertinenz des Autors for4zim (der Klügere bzw. Andersdenkende übrigens nur allzu gern den "Sektierern" zurechnet):

Diese Frage "Wer braucht..." zu stellen angesichts

- einer geradezu irren Staatsverschuldung, verursacht durch eine Hyper-Zinslast

- einer erkennbar bereits stattfindenden Rezession verbunden mit Deflation

ist schon bezeichnend für seinen Argumentations-Narzißmus.

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#10 kohelet. - HIER!:D

Auf die vom Thraderöffner angesprochene Thematik ausführlich und objektiv einzugehen, ist wegen der hier herrschenden Begriffsverwirrungen nicht sinnvoll.

Nur soviel: Regionalgeld kann meiner Meinung nach erfolgreich sein - aber eben nur regional, und wenn es nicht in falsche Hände gerät.

Ein mittelschwerer Geburtsfehler ist, daß es eben nur parallel zur Hauptwährung besteht und damit auch beim Start auf der Preiskalkulation inkl. Geldbeschaffungskosten/Zinsanteilen beruht. Diese klettern dann allerdings nicht mehr weiter wie beim Euro.

Frei- oder Schwundgeld ist ein anderes, noch viel komplexeres Thema.

Leider wird auch hier wieder nach dem Prinzip " Kind mit dem Badewasser ausschütten " verfahren:

Da wird einer mit nem Messer erstochen - also laßt uns das Ding verbieten, es taugt nix/ ist gefährlich; nur - daß Millionen damit Brot schneiden o.ä., wird einfach ausgeblendet...


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