Was bekommt der Hersteller für sein Medikament? Frage an Arzt, Apotheker etc. - 500 Beiträge pro Seite

eröffnet am 18.06.05 13:20:03 von
neuester Beitrag 19.06.05 18:11:20 von


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18.06.05 13:20:03
Beispiel:
Eine Biotech-AG stellt das Medikament xyz her. Für dieses Medikament zahlt der Pharmagroßhändler dem Hersteller 100€. Auf diesen Preis schlägt der 5% auf und verkauft es für 105€ an den Apotheker. Der wiederum schlägt 3% auf, d.h. der Preis beträgt jetzt 108,15€.
Darauf kommen noch 16% Mehrwertsteuer, ergibt 125,45€. Dazu kommen dann noch die üblichen 8,10€.
Der Patient bezahlt für das Medikament xyz der Biotech-AG 133,53€.
Fazit: Von einem Medikament, das 133,53€ kostet, bekommt der Hersteller 100€.

Diese Zahlen habe ich von einem Freund, der Produkte eines großen Pharmakonzerns bewirbt/vertreibt.
Meine Frage:
- Sind diese Zahlen realistisch?
- Gibt es weitere Komponenten, die den Preis beeinflussen und die ich nicht
- berücksichtigt bzw. übersehen habe?

Ein schönen Tag wünscht
JaquesT.
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18.06.05 13:24:33
wenn du eine 0 hinter die 3 beim apotheker schreibst - dann ist die bruttomarge wohl realisitischer ;)
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18.06.05 13:32:11
"Dazu kommen dann noch die üblichen 8,10€."


Was sind denn die üblichen 8,10€ ?


motte :confused:
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18.06.05 13:37:55
#2 Wohl dem, der keine Ahnung hat und den Mund halten kann:rolleyes:

Guckst Du hier: ;)


Arzneimittelpreisverordnung

Die Preisbildung von [ verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ], die in Apotheken abgegeben werden, ist in Deutschland durch die Arzneimittelpreisverordnung geregelt. Sie legt auf der Grundlage des Herstellerpreises bestimmte Zuschläge fest, mit denen die Leistungen des pharmazeutischen Großhandels und der Apotheke vergütet werden. Die Zuschläge werden auf den Abgabepreis des Herstellers erhoben, die Preisbildung des Herstellers ist also frei.

Im Zuge der Gesundheitsreform wurde die Arzneimittelpreisverordnung grundlegend neu gestaltet. Für verschreibungspflichtige Arzneimittel erheben die Apotheken seither keine rein prozentualen Aufschläge mehr, sondern einen Aufschlag von drei Prozent des Einkaufspreises zuzüglich eines Festzuschlags von 8,10 Euro je Packung. Der prozentuale Zuschlag ist ein Entgelt für die Kosten der Warenbewirtschaftung einschließlich der Bevorratung der Arzneimittel in der Apotheke........
http://www.die-gesundheitsreform.de/glossar/arzneimittelprei…
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18.06.05 14:12:06
@JaquesT.

Tut mir leid, aber Dein Freund hat O-Ahnung,
scheint wohl der Fensterputzer oder sonstwas im Betrieb zu sein.
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18.06.05 14:34:38
[posting]16.922.203 von Trader44 am 18.06.05 14:12:06[/posting]Hallo Trader44,
das ist ja das Schöne an so einem Forum, dass jeder etwas dazu beitragen kann. Aber nun mal "Butter bei die Fische".
Der Hersteller verkauft das Medikament für 100€ an der Großhändler.
Wie geht es nach deinem Wissen weiter?
Mit freundlichen Grüßen
JaquesT.
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18.06.05 15:53:12
Deine Zahlen dürften alle unrealistisch niedrig sein.

Aber wo ist dein Problem ??
Sollen die alle umsonst arbeiten ??

Möchtest du einen Pharmagroßhandel oder eine Apotheke aufmachen ??

Frage doch mal, was der Kaffeeanbauer bekommt ??
Auch der Kartoffelanbauer in Deutschland wäre eine Betrachtung wert !!

:cry::cry::cry::cry::cry::cry::cry::cry:
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18.06.05 20:12:52
Hallo JaquesT.,

Überlege doch mal, was allein dem Pharma-Großhändler für Kosten entstehen.

Das Warenlager, die ganze Logistik und dann bei den Spritpreisen!!!

Und der Apotheker hat auch seine Kosten, allein die Einrichtung, das Warenlager, Miete und Personalkosten usw.

Wenn die Rechnung aufgehen soll, kann der Hersteller höchstens 30 EUR für die Beispielrechnung erhalten,
ansonsten können die Beteiligten nach kurzem Gastspiel,
Insolvenz anmelden!

Gruß
Trader
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19.06.05 08:40:54
@Juxifuxi
Grund meiner Frage ist folgende „Milchmädchenrechnung“, die ich in meinem Thread 47000 Frauen erkranken pro Jahr in der BRD an Brustkrebs. Genentech hilft. erstellt habe.
Hier mal eine " Milchmädchenrechnung" , die ansatzweise die Dimensionen erahnen lässt, in denen sich Gegentech bzw. Roche bewegt. Nur für die Bundesrepublik und für 1 Jahr. Wie die Preisgestaltung in den anderen Ländern ist, weiß ich nicht.
Ca. 47000 Frauen erkranken in der BRD jährlich an Brustkrebs, Tendenz leider steigend.
Ca. 30% davon sind HER2-positiv, d.h. ca. 14100 Frauen kommen für eine Therapie mit Herceptin in Betracht.
Meine Frau bekommt alle 3 Wochen eine Infusion, Kosten: 2380€
52Wochen/3*2380€ = 41253,33€
Kosten der Behandlung(nur das Medikament) pro Jahr und pro Patientin: ca.41253€
Diesen Betrag bekommt der Apotheker. Was davon für den Hersteller übrig bleibt, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht kann jemand aus der Branche mal etwas dazu sagen.
Bei 14100 betroffenen Frauen sind das theoretisch 586.560.000€ (brutto) pro Jahr nur für die BRD.

Ich möchte einfach eine grobe Schätzung anstellen können, wie viel davon, d.h. theoretisch von 586 Milliarden € , zum Hersteller, hier Genentech bzw. Roche, fließen.

@Trader44
Als mir mein Freund, der übrigens Pharmareferent ist, die Zahlen nannte, habe ich auch nur ungläubig geguckt und ähnlich wie du reagiert. Aber Glaebiger hat es in #4 auf den Punkt gebracht. Die Arzneimittelpreisverordung regelt die Preisbildung. Vor der Verordnung haben die Apotheken an diesen hochpreisigen Medikamenten sehr gut verdient und die Margen lagen in dem von dir vermuteten Bereich.
Ich habe also bei Google „ Arzneimittelpreisverordung“ eingegeben (Dank an Glaebiger) und folgendes gefunden:
Großhandelszuschläge für Fertigarzneimittel
(2) Der Höchstzuschlag nach Absatz 1 Satz 1 ist bei einem Herstellerabgabepreis
von 26,83 Euro bis 1200,00 Euro 6,0 Prozent
(3) Der Höchstzuschlag nach Absatz 1 Satz 1 ist bei einem Herstellerabgabepreis
ab 1200,01 Euro 72,00 Euro
Apothekenzuschläge für Fertigarzneimittel
(1) Bei der Abgabe von Fertigarzneimitteln, die zur Anwendung beim Menschen bestimmt sind, durch die Apotheken sind zur Berechnung des Apothekenabgabepreises ein Festzuschlag von 3 Prozent zuzüglich 8,10 Euro sowie Umsatzsteuer zu erheben.
http://www.rechtliches.de/info_AMPreisV.html
Ich denke damit ist alles klar.

Nach diesen Vorgaben würden übrigens gemäß meiner „Milchmädchenrechnung“ theoretisch 463.139.011€ an Roche/Genentech fließen.

Einen schönen Tag wünscht euch
JaquesT.
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19.06.05 10:35:59
@ JaquesT.

Mich würde mal interessieren warum Du wissen willst, wieviel ein Arzneimittelhersteller für sein Produkt bekommt und wieviel vom Endpreis der Apotheker bekommt!

Willst Du selbst eine Apotheke aufmachen?

Oder bist Du vom Finanzamt und versuchst hier weitere Rabatte oder Einnahmemöglichkeiten der Apotheker zu erforschen, die Du noch nicht kennst?
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19.06.05 12:03:19
Hallo Leo,
ich bin nicht vom Finanzamt oder von der Steuerfahndung. Mein Motiv für die Frage habe ich in #9 dargelegt. Weiterhin kann ich nur auf Thread: 47000 Frauen erkranken pro Jahr in der BRD an Brustkrebs. Genentech hilft. und Thread: 47000 Frauen erkranken pro Jahr in der BRD an Brustkrebs. Das von Genentech entwickelte Medikamentverweisen.
Mein erstes Posting zum Thema Genentech, Herceptin stammt vom 1.11.2000. Für wie glaubwürdig man mich hier hält, entscheidet selbstverständlich jeder selbst. Trotzdem ist natürlich gesundes Misstrauen nicht verkehrt.
Einen angenehmen Sonntag wünscht dir
JaquesT.
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19.06.05 12:15:09
Ist mir auch nicht klar, was er eigentlich will.
Als wären die Bilanzen der Biotechs hochgeheim. :rolleyes:
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19.06.05 15:17:14
Es gibt Dinge im Arzneimittelsektor, die nur Insider im Detail kennen.
Bei Herceptin gibt es Vials mit 50 mg Substanz. Bei Anbruch einer Flasche wird diese auf die jeweilige Pat. komplett rezeptiert. Der Rest kann - und völlig legitim -wiederverwendet werden und erneut komplett als Flasche bei einer anderen Pat. rezeptiert werden. Bei den erheblichen Kosten einer einzigen Flasche verdient der Apotheker durch den Anbruch mehr als an den offiziellen Margen.
Bei Generika werden mittlerweile Rabatte bis zu einem Verhältnis von 1:1 als Naturalrabatte sozusagen schwarz über den Ladentisch geschoben. Der Apotheker kauft offiziell eine Packung und erhält die zweite umsonst. Nix über Bücher.
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19.06.05 18:11:20
[posting]16.929.539 von W.Einstein am 19.06.05 15:17:14[/posting]@W.Einstein
Die Infusion, die beim Onkologen angemischt wird, steht immer in Relation zum Körpergewicht der Patientin.
Als meine Frau vor 5 Jahren Herceptin bekam, gab es meiner Erinnerung nach nur Vials mit 150ml Substanz. Die letzte Flasche wurde dann nur angebrochen und wahrscheinlich beim nächsten Patienten weiterverwendet aber natürlich voll in Rechnung gestellt. Dass es Mittel und Wege gibt, mit etwas Phantasie die Marge zu vergrößern, kann man sich denken, aber das war nicht Gegenstand meiner Frage.
Ich denke aber, dass meine Frage beantwortet ist.
@Puhvogel
Leider bin ich im Bilanzenlesen gänzlich ungeübt. Ich gebe nur zu bedenken:
Auswahl an jährlichen Krebsneuerkrankungen in der BRD
Darmkrebs: ca.57.000
Lungenkrebs: ca. 41.000
Brustkrebs: ca.47.000
Avastin wird das Medikament in diesen 3 Bereichen werden. Für einen 60kg schweren Patienten kostet die Infusion, alle 2 Wochen verabreicht, 1200€. Da drängt sich doch geradezu die die Frage auf, wieviel Prozent davon bleiben nach Abzug aller denkbaren Unkosten in der Kasse von Roche/Genentech?


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