Joh. Friedrich Behrens AG - Nägel mit Köpfen?

eröffnet am 05.11.03 13:30:06 von
neuester Beitrag 03.07.20 15:59:39 von


Begriffe und/oder Benutzer

 

Avatar
05.11.03 13:30:06
Es gibt schon einen Zweig über BeA. Leider hat W:0 die unglückliche Regelung eingeführt, Zweige, die über sechs Monate nicht benutzt wurden, stillzulegen.

BeA produziert im Wesentlichen Nägel und Heftzwecken sämtlicher Größen. Um eine höhere Kundenbindung und Marge zu erreichen, hat man irgendwann angefangen, auch höherwertige Produkte im Randbereich hierzu anzubieten (Werkzeuge, Kleber).

Im NWJ wurde die Aktie jüngst als "Perle" bezeichnet. Auf dem ersten Blick mag das stimmen:

Kurs bei 6,20€, Buchwert 5€, Div.0,5€, "Ergebnis je Aktie" 0,93€, letzteres seit 1999 mit steigender Tendenz.

Ein genauer Blick führt m.E. zu einem nüchternen Resultat.

Das Ergebnis je Aktie bezieht sich auf den ausgeweisenen JÜ (2,612Mio.€ ). Dieser enthält jedoch auch die Gewinnanteile anderer Gesellschafter von 0,87 Mio. Dieser Wert betrug 1998 noch 0,49 Mio.

Außerdem wird hier nicht der Ausgeleichsposten für Währungsumrechnungen in der Bilanz berücksichtigt (-0,73 Mio.). Auch dieser Wert weist keinesfalls eine volatile Entwicklung auf. Im Gegenteil, mit Ausnahme 2001 (+0,1Mio) lag dieser Betrag in den letzten Jahren stets bei -0,7 Mio.

Die Dividende wird also schon seit vielen Jahren real aus der Substanz finanziert (siehe kontinuierlich abnehmendes EK). Grund hierfür dürfte die schwachbrüstige Hauptaktionärin VDN AG sein (65,13% des GK).


Wesentliche Ergebnislieferanten sind die Vertriebstochter in Polen (51%-Anteil, Gesamtjahresergebnis 02: 1,3 Mio.€ ), die Töchter in GB (1,04Mio.€ ) und Spanien und Tschechei (je 0,5 Mio).
Hierin dürfte der Grund liegen, warum das erste HJ 03 relativ schlecht lief:
In Polen wird ausschließlich für den dortigen Markt vertrieben (keine Produktion). Der Zloty hat jedoch gegenüber dem Euro bisher 16,45% verloren. GB produziert und vertreibt wie Spanien u.a. für die USA. Gegenüber dem Dollar hat jedoch wiederum der Euro an Wert gewonnen. Lediglich die Tschechische Krone verharrt auf stabilen Niveau (Euro/Krone +1,69% ). Gegenüber dem Vertriebsland Norwegen stieg der Euro ebenfalls um 13%.

Folglich wird im HJ-03 ein EBT von 1,5 Mio. erwirtschaftet (VJ.2,2 Mio.), obwohl der Umsatz in Polen um 24% stieg.

Angesichts des schwierigen Marktumfelds, in dem BeA sich bewegt, sind die Ergebnisse gar nicht so schlecht. Das Management handelt m.E. ebenfalls überlegt, auch wenn ich die Investitionen in die verlängerte Werkbank Tschechien lieber in z.B. Rumänien gesehen hätte. Tschechien ist mittlerweile nicht mehr ganz so günstig und in absehbarer Zeit €-Mitglied. Die relativ primitiven Güter von BeA dürften sicherlich auch in weiter unterentwickelten Staaten produziert werden können.

Ich gehe mal davon aus, dass 2003 ein JÜ vor Anteilen Dritter und ohne die Einbeziehung der Währungsverluste von unter 1,8 Mio. Euro erzielt wird. Lediglich die Dividende dürfte aufgrund des Blutsaugers VDN anhaltend hoch bleiben, wofür vorsorglich auch der irrwitzige Gewinnvortrag sorgt, den man schon seit Jahren vor sich herschiebt.

Schließlich wäre noch zu berücksichtigen, dass nahezu die gesamten Verbindlichkeiten eine Laufzeit von unter einem Jahr haben. Hier düften Zinssteigerungen relativ schnell durchschlagen.
Fragen hätte ich auch zur TESTA Grundstücks-Gesellschaft Ahrendsburg mit Sitz in Düsseldorf (dem Sitz der VDN AG).

M.E. ist die Aktie keinesfalls ein Schnäppchen.

Gibt`s (eventuell andere) Meinungen?

Gruß unicum
Avatar
05.11.03 13:50:38
Meine Meinung dazu ist, keine Firmen / Aktien aus dem Umfeld oder gar Konsolidierungskreis der VDN zu kaufen.

Bilanzierungstricks beherrschen die nämlich wirklich gut. Weniger gut die Steigerung der Unternehmenswerte. Da gibt es in HH doch sicher besseres zu kaufen.

CU, goldmine
Avatar
05.11.03 13:51:10
Hatte ich mal paar Jahre, ein sehr marktenger Wert. Du brauchst eine Bank, die für Nichtausführung nichts verlangt. Es gibt attraktivere Werte.
be.
Avatar
17.11.03 21:44:22
una secunda,
habe Behrens als ortsansässiger seit Jahren im Depot, im Gegensatz zu allen anderen Aktien liefert Behrens, wenn auch mitunter zwangsweise wg. der Mutter eine konstante Dividende, koste es was es wolle von 0,50 Euro, immerhin aktuell 8 % Dividende / anno. In heutigen Zeiten als Basiswert nicht schlecht. Im letzten Jahr war auch wieder ein Anstieg des Eigenkapitals zu verzeichnen.
Dennoch, wg. geänderter Struktur der Mutter keine Zukunftsgarantie.

Warte wie im letzten Jahr noch auf Ausverkaufskurse von unter 5 Euro = 10 % Rendite oder mehr

gruss
Turnaround2000
Avatar
18.11.03 09:21:16
Kann mich meinem Vorredner nur anschliessen - dividendenmässig spielt Behrens gemeinsam mit Interseroh und Energiekontor in der Spitzenliga.

Aber das ist nicht alles, was JFB value-Freunden zu bieten hat:
- Umsatz 103 mio € bei einer Börsen-Kapitalisierung von nur 17,2 mio € --> KUV 0,17
- Gewinn 62 cent --> KGV 10
- Buchwert 5,52 € --> KBV 1,1
- EBITDA / Aktie 2,60 € --> "KCV" 2,0
- D/E 0,14 --> niedrige Verschuldung
(alle Daten mit Quelle wisi.com)

JFB gehört mit diesen Kennzahlen zu den billigsten Aktien, die in Deutschland überhaupt aufzutreiben sind: in meiner Kennzahlen-Datenbank mit 645 Aktien belegt JFB Rang 26.

Technisch gesehen sollte man mal festhalten, dass der Kurs von JFB die Baisse der letzten drei Jahre unbeschadet überstanden hat - trotz der hohen Divi-Ausschüttungen. Langweilig war die Aktie auch nicht immer: zwischen 1988 und 1991 hat sich der Kurs mal eben verdreifacht, und es gibt kein Gesetz, dass der Kurs ewig auf dem jetzigen Niveau bleiben muss.

Schwierig ist es nur, an die Aktien ranzukommen - im free float gibt es nicht mal eine Million Aktien. Ich werde meine Portion an JFB jedenfalls horten - sorry folks ;o)

Gruss, witchdream
Avatar
23.02.04 17:51:55
Ich vermute, meine Prognose in #1 wird eine relativ genaue Punktlandung:

Während in 2002 noch ein JÜ vor Dritten von 2,6 Mio erzielt wurde, ging ich von einem deutlich verringertem JÜ 2003 von vielleicht sogar unter 1,8 Mio. aus. Behrens gab nun bekannt, dass "...das Jahresergebnis 2003 nicht wesentlich vom langjährigen Mittel der BeA-Gruppe abweicht.".
Als Gründe wurden die schon in #1 vermuteten Ursachen genannt: Ungünstige Entwicklung der Kursrelationen Euro gegen US-Dollar, Pfund, Zloty.

In der umständlichen Art, wie die Pressemeldung geschrieben wurde, zeigt sich m.E. die Handschrift der VDN-Protagonisten, vor denen ich dringend warne, da sie ihre Aktionäre traditionell für dumm verkaufen wollen. Die Wahl der Begriffe läßt viel Interpretationsspielraum. Geht man jedoch vorsichtigerweise davon aus, dass mit "Ergebnis" das Ergebnis vor Steuern gemeint ist, so ergibt sich gemäß 5-Jahresvergleich ein Mittelwert von 3,6 Mio. Euro (nach 4,5 Mio in 2003).

Nimmt man den JÜ vor Dritten als Zielgröße ergibt sich ein Mittelwert von 1,74 Mio. Euro (nach 2,6 in 2003). In diesem Fall würde dann meine Prognose zutreffen. Zieht man hiervon 0,8 Mio Anteile Dritter ab, verbleibt ein Rest von 0,94 Mio, d.h. 0,34 Euro je Aktie.

=> KGV bei Kurs 6,90 von über 20.

Evl. verbessert/verschlechtert sich das Ergebnis durch eine andere Steuerbelaustung/ao.Erträge/Aufwendungen durch den Schottland-Verkauf/Umstellung auf IAS.

Weiterhin bleiben für mich Fragen hinsichtlich der Rechnungslegung offen, da wird jedoch hoffentlich IAS einiges auflösen.

Gruß unicum
Avatar
27.04.04 11:35:35
Das war nun wirklich mit Ansage. W:0-lesende Behrens-Aktionäre sind selbst schuld.

Die folgende Ad-hoc bestätigt meine seit Monaten gehegten Bedenken. Der JÜ ist sogar noch deutlich niedriger. Ich bin jedoch von konstanter Bilanzierungspraxis ausgegangen. Diese dürfte durch IFRS und AR-Wechsel ebenso wie die Dividendenpolitik geändert worden sein.

Dem Ganzen ist wohl nichts mehr hinzuzufügen, bis auf die Feststellung, dass die Hütchenspieler von VDN bei Behrens wohl so langsam ausgespielt haben:



News - 26.04.04 16:29


euro adhoc: Joh. Friedrich Behrens AG (deutsch)

Hamburg, 26.04.2004 - Ad-hoc-Mitteilung übermittelt durch euro adhoc. Für den Inhalt ist der Emittent verantwortlich.

Joh. Friedrich Behrens AG Joh. Friedrich Behrens AG: Vorläufige Geschäftszahlen für 2003

Ahrensburg, den 26. April 2004

Umsatz und Ergebnis des von der Joh. Friedrich Behrens AG geführten BeA-Konzerns für das Geschäftsjahr 2003 ist rückläufig. In dem wirtschaftlich schwierigen Umfeld der holzverarbeitenden Industrie erwirtschaftete der BeA-Konzern einen Jahresumsatz von 102,5 Millionen Euro nach 105 Millionen Euro im Vorjahr. Der erstmals nach IFRS-Standard ermittelte Konzernjahresüberschuss beläuft sich auf ca. 0,4 Millionen Euro gegenüber 1,4 Millionen Euro in 2002.

Zur Stärkung der Kapitalbasis werden Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung 2004 vorschlagen, für das Geschäftsjahr 2003 keine Dividende auszuschütten. Mit Blick auf die Einführung von "Basel II" strebt der Vorstand der Joh. Friedrich Behrens AG eine Eigenkapitalquote des BeA-Konzerns von deutlich über 25 Prozent an (Jahresabschluss 2003: 21%).

Rückfragehinweis: Joh. Friedrich Behrens AG Tel.: 04102-780 E-Mail: InvestorRelations@BeA-Group.com Tel: +49 (0)40 4102780 FAX: +49 (0)40 410278140

Ende der ad-hoc-Mitteilung

WKN: 519890 ISIN: DE0005198907 Marktsegment: , Geregelter Markt Hamburger Wertpapierbörse; Freiverkehr Frankfurter Wertpapierbörse

Quelle: dpa-AFX

Gruß unicum
Avatar
27.04.04 16:03:37
Bin auch raus (mit Gewinn).

Wenn die Firma das EK auf "deutlich über 25%" anheben will, dann stellt sich die Frage, wann es das nächste mal wieder eine Dividende geben wird. Eben jene war für mich eines der Hauptargumente für einen Kauf.

Schade - ich hatte J.F.Behrens ursprünglich für einen unauffälligen Outperformer gehalten.
Avatar
24.09.04 15:53:40
Das inzwischen deutlich ermäßigte Kursniveau bietet weiterhin keine Kaufgelegenheit. Die Aktie ist immer noch zu teuer.
Avatar
12.01.05 13:06:40
..in Frankfurt nur noch 3.50 Euro!!!

Was ist los?:confused:
 Durchsuchen


Beitrag zu dieser Diskussion schreiben