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Die Zahl der Unterbeschäftigten wird im Juli 2017 auf 3.507.515 Personen beziffert - Neueste Beiträge zuerst



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Die Air Berlin Insolvenz zeigt, was der Mensch der Politik wert ist – nämlich gar nichts

Rund 4.000 Mitarbeiter der insolventen Fluglinie Air Berlin dürfen sich wohl künftig arbeitslos melden. Politik und beteiligte Unternehmen haben es nämlich nicht geschafft, 50 Millionen Euro für eine Auffanggesellschaft aufzutreiben. Das Land Bayern weigerte sich, überhaupt einen einzigen Cent zu bezahlen und für Nordrhein-Westfahlen und den Bund sind die anteiligen rund 10 Millionen Euro angeblich zu viel. Nur „Arm-aber-Sexy-Berlin“ wollte zahlen, kann die Summe aber alleine auch nicht stemmen. Man merkt es, der Wahlkampf ist vorbei und es geht ja nur um Menschen. Besonders beschämend ist, dass auch die Lufthansa sich nicht an einer Auffanggesellschaft beteiligen wollte – man habe schließlich schon viel Geld für die Flugzeuge der Air Berlin ausgegeben und werde ja auch einen Teil der Mitarbeiter übernehmen. Das stimmt. Die Lufthansa hat sich die Flugzeuge zu einem Spottpreis unter den Nagel gerissen und will nun die ehemaligen Air-Berlin-Mitarbeiter zu Dumpinglöhnen über fragwürdige Beschäftigungsmodelle einstellen. Fein raus ist indes der letzte Chef von Air Berlin, der für wenige Wochen Arbeit nun mit 4,5 Millionen Euro nach Hause geht – dieses Geld war durch eine gesonderte Bankbürgschaft abgesichert. Die gesamte Insolvenz ist nur noch mit einer Überdosis an Zynismus zu ertragen
. Von Jens Berger.

(...) Und so gehören (fast) alle Beteiligten zu den Siegern dieser Win-Win-Insolvenz: Die Bundesregierung hat nun ihren „nationalen Champion“, der dank der Protektion aus Berlin ordentlich gerüstet in die Zukunft blicken kann, die Aktionäre der Lufthansa dürfen sich auf fette Dividenden freuen und Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann kann sich mit den 4,5 Millionen Euro Abwicklungsprämie erst mal ein Jahr Auszeit erlauben, bevor er wieder bei seinem echten Arbeitgeber Lufthansa an Bord steigt. Wunderbar! Was zählen da schon die Mitarbeiter von Air Berlin, die nun im besten Fall zu schlechteren Konditionen ihren alten Job weitermachen können oder im schlechtesten Fall in einem Jahr im Hartz-IV-Regime landen? Und mit den preiswerten Urlaubsflügen für das Fußvolk dürfte es an vielen deutschen Flughäfen künftig auch vorbei sein. Wer wenig Geld hat, kann zu Hause bleiben oder er spart künftig ein wenig länger, so dass die Aktionäre der Lufthansa genau so viel Freude an seinem Urlaubsflug haben wie er selbst. So funktioniert der moderne Kapitalismus in der Merkel-Ära nun einmal. Der Mensch kommt zuletzt.


http://www.nachdenkseiten.de/?p=40779
Antwort auf Beitrag Nr.: 55.984.299 von Doppelvize am 19.10.17 16:22:31Und was erwartet denn jemand der NICHTS gelernt hat?

Du schriebst "Fachkräfte". Deshalb mein Einwurf.
Antwort auf Beitrag Nr.: 55.983.261 von Inderhals am 19.10.17 14:10:37
Zitat von Inderhals: Na wo sind die "Unterbeschäftigten" ??? Oder zu fein für die Küche? Lebt es sich auf Staatskosten leichter?
Das ist zu kurz gedacht. Die "prekären Beschäftigungsverhältnise" in der Gastronomie- diese Problematik war absehbar. Übrigens, das ist bundesweit mittlerweile ein Riesenproblem.


Absolut, es machen Gaststätten zu weil kein Personal zu kriegen ist. Über "Prekär" kann man sich streiten. Und was erwartet denn jemand der NICHTS gelernt hat?
Antwort auf Beitrag Nr.: 55.982.517 von Doppelvize am 19.10.17 12:58:53Na wo sind die "Unterbeschäftigten" ??? Oder zu fein für die Küche? Lebt es sich auf Staatskosten leichter?
Das ist zu kurz gedacht. Die "prekären Beschäftigungsverhältnise" in der Gastronomie- diese Problematik war absehbar. Übrigens, das ist bundesweit mittlerweile ein Riesenproblem.
Gastronomen finden kein Personal
„Wegen Ruhetags geschlossen“ - dies könnte in manchen Gegenden des Freistaates künftig häufiger an den Türen von Gaststätten stehen. Der Branche fehlen Fachkräfte.


Na wo sind die "Unterbeschäftigten" ??? Oder zu fein für die Küche? Lebt es sich auf Staatskosten leichter?

https://www.sz-online.de/sachsen/gastronomen-finden-kein-per…
Antwort auf Beitrag Nr.: 55.947.611 von blueoctopus am 13.10.17 14:56:34Das schlimme an der ganzen Geschichte sind die staatlichen Transfers an diese Menschen. Man kann es förmlich spüren wie die Antragsflut für künstliche Beschäftigung im Beamtensektor sich austobt!

Milliarden und Abermilliarden werden verbrannt, weil dieser Staat einfach nicht in der Lage ist, für vernünftige Entlohnung zu sorgen. Auch die Solidarkassen bluten deswegen schon aus.

Die Lage wird sich mit der "Jamaika-Koalition extrem verschärfen.
Wachsende Zahl von Mehrfachbeschäftigten: "Ein Job reicht nicht"- "Arm trotz Arbeit"
Innerhalb eines Jahrzehnts ist sie um rund eine Million gestiegen. Nach letztem Stand sind es 2017 laut Bundesagentur für Arbeit 3,2 Millionen

" Für immer mehr Beschäftigte reicht das Einkommen aus einem Job nicht mehr aus. Der überwiegende Teil dürfte aus purer finanzieller Not mehr als einen Job haben und nicht freiwillig."
(Sabine Zimmermann-Fraktionsvizevorsitzende der Linken)

Rund 3,2 Millionen Personen, genau 3.178.133, führt die Bundesagentur für Arbeit in ihrer Statistik für den März 2017 als Mehrfachbeschäftigte. Das ist eine Steigerung von gerundet 122.000 gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt, bzw. von 4 Prozent.
Aufstockung des sozialversicherungspflichtigen Jobs mit geringfügig bezahlter Tätigkeit

Den mit 91,1 Prozent weitaus überwiegenden Anteil der Mehrfachbeschäftigten macht die Variante "sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit mindestens 1 zusätzlichen geringfügig entlohnten Beschäftigung" aus. Es sind in absoluten Zahlen 2.656.428. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist dies ebenfalls eine Steigerung von 4 Prozent (ein Plus von 102.000). Die Zahl derjenigen, deren mindestens zweite Beschäftigung wie die erste ebenfalls sozialversicherungspflichtig ist, wird mit 311.000 angegeben (hier liegt die Steigerung bei 10 Prozent).

Fürs Gesamtbild: Fast 5 Millionen Personen, genau 4.723.089 Personen, zählten im März dieses Jahres als "ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte" (1,3 Prozent weniger als im Vorjahr). Insgesamt weist die März-Statistik knapp 32 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus (plus 2,4 Prozent). (...)

https://www.heise.de/tp/features/Wachsende-Zahl-von-Mehrfach…
An und für sich

Wie steht es mit dem Klassenbewusstsein der Lohnabhängigen? Widerspruchserfahrungen und Gesellschaftsbilder im Kapitalismus


Auf den ersten Blick scheint es mit dem Klassenbewusstsein der Lohnabhängigen in der Bundesrepublik nicht gut bestellt zu sein. Trotz gravierender sozialpolitischer Einschnitte, trotz wachsender Verunsicherungen aufgrund permanenter »Umstrukturierungen« in den Betrieben und der destruktiven Wirkung des Hartz-IV-Systems, aber auch angesichts der erheblichen und wenig vorteilhaften Veränderungen in der Arbeitswelt durch die zunehmende Dominanz der Computertechnologie, ist von angemessenen (Widerstands-)Reaktionen der abhängig Beschäftigten nicht viel zu sehen. Aber es gibt bemerkenswerte Ausnahmen: Auch in den vergangenen Jahren wurde mit Nachdruck gestreikt, jedoch nicht, wie in den Dekaden zuvor in den industriellen Großbetrieben, sondern insbesondere in den »Dienstleistungsbereichen«. Als konfliktbereit erwiesen sich die Beschäftigten in jenen Zonen der Arbeitswelt, die einem hohen Privatisierungsdruck ausgesetzt sind. Dabei hat es durchaus eine neue Qualität, dass mittlerweile Streiks in Krankenhäusern mit Beteiligung des Pflegepersonals und der Ärzte stattfinden. (...)

https://www.jungewelt.de/artikel/319981.an-und-f%C3%BCr-sich…
Gewerkschaft für Sozialstaat

In seiner Grundsatzrede skizziert der Vorsitzende der IG BAU eine andere Republik: In der bekämen Arbeiter mehr Lohn, eine höhere Rente, Wohnen wäre günstiger


Mehr Lohn, mehr Rente und dringend auch günstige Wohnungen – am Mittwoch hat die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) ihre Forderungen für die kommenden Jahre vorgestellt. Auf dem 22. Ordentlichen Gewerkschaftstag der IG BAU skizzierte deren wiedergewählter Vorsitzender Robert Feiger in einer Grundsatzrede die bedeutendsten Themenfelder, auf denen der Verband tätig werden will. Die mehr als 300 Delegierten der Organisation stimmten Feiger zu. Diskutiert wurde aber über den Weg, auf dem die Ziele erreicht werden können.

»Gerechtigkeit fängt auf dem Lohnzettel an, aber sie hört dort nicht auf«, erklärte Feiger. Die Gewerkschaft müsse auch in Zukunft aktiv werden, um politische Fortschritte zu erreichen. Deutlich hob der Verbandsvorsitzende dabei den Einsatz für eine gute Rente hervor. Diese beruhe zunächst darauf, dass Beschäftigte bereits im Erwerbsleben einen ordentlichen Lohn erhielten, so Feiger. Der gesetzliche Mindestlohn von 8,84 Euro in der Stunde genüge nicht, er müsse auf einen zweistelligen Betrag angehoben werden. Des weiteren müsse die gesetzliche Rente gestärkt werden. »Wir brauchen mindestens ein Rentenniveau von 48 Prozent, perspektivisch muss es aber auf 50 Prozent angehoben werden.« (...)

https://www.jungewelt.de/artikel/319943.gewerkschaft-f%C3%BC…


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