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4 profitable Nebenwerte, die jetzt unter Buchwert gehandelt werden

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
01.11.2017, 09:23  |  875   |   |   

Dass Finanzdienstleister und Beteiligungsgesellschaften unter Buchwert gehandelt werden, sind wir bereits gewohnt. Aber wenn profitable Industrieunternehmen wie KlöCo, Nordex oder K+S geringer als ihr Eigenkapital bewertet werden, dann lässt das schon aufhorchen. Was gibt es Besseres, als die Kombination von extra viel Substanz und der Chance auf zusätzliche Rendite?

Allerdings muss man sich gerade solche (vermeintlichen?) Schnäppchen erst mal ganz genau anschauen, denn dahinter könnten sich auch handfeste Gefahren verbergen. Lass uns also versuchen, zu beantworten, welche der hier betrachteten Unternehmen wirklich attraktiv sind.

Substanzwerte im Überblick

In der nachfolgenden Tabelle lässt sich gut erkennen, dass der Börsenwert, also die Marktkapitalisierung, in allen vier Fällen geringer ist, als das, was Mitte des Jahres in den Büchern stand. Folglich ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis kleiner als 1. Zudem haben alle mehr oder weniger solide Gewinne eingefahren:

in Mio. €, 27.10.2017 Börsenwert Eigenkapital 30.06. Nettogewinn H1/17
Nordex (WKN:A0D655) 862 958 23
Klöckner & Co. (WKN:KC0100) 999 1.192 59
Salzgitter (WKN:620200) 2.518 2.843 65
K+S AG (WKN:KSAG88) 3.981 4.294 141

Tabelle erstellt vom Autor auf Basis von Unternehmenspublikationen (Nettogewinn und Eigenkapital jeweils der den Aktionären zustehende Anteil), Börsenwert gleich Schlusskurs 27.10. multipliziert mit der Anzahl der Aktien

Im DAX sind derzeit nur noch die beiden Großbanken und Volkswagen (WKN:766403) in einer ähnlichen Situation. Alle drei haben sich nach schwierigen Zeiten stabilisiert und die Aktien haben auch schon einiges aufgeholt, doch noch trauen die Anleger dem Braten nicht so richtig. Aber zurück zu unseren vier Nebenwerten.

Substanzstarke Unternehmen unter der Lupe

Nordex: Zukunft ungewiss
Nach vielen Jahren des Wachstums läuft es in letzter Zeit nicht mehr ganz so rund. Manche Kommentatoren glauben sogar, dass es richtig bergab gehen wird. Die Nachfrage stagniert und die größeren Konkurrenten sind bei der Industrialisierung der Produktion schon weiter. Von daher kalkulieren einige Investoren offenbar eine gewisse Pleite-Wahrscheinlichkeit in ihre Bewertung mit ein, welche den Kurs nach unten drückt.

Für mich ist hingegen klar, dass Nordex sich durch diese aktuell ein bisschen schwierigere Phase durchboxen wird. Oft übersehen wird auch, dass die Marke Nordex sich auf die Nische der besonders anspruchsvollen Standorte fokussiert und dort in der Spitzengruppe des Wettbewerbs rangiert. Die Marke Acciona auf der anderen Seite ist der Preisbrecher für anspruchslose Standorte. Daneben wurden diverse Maßnahmen eingeleitet, um die Kosten weiter nach unten zu bringen und die Technologieposition zu verbessern.

Bleibt nur die Frage, ob auch das Nachfragewachstum wieder zurückkommt. Nur dann wird Nordex den Gewinn signifikant steigern können, um seine Aktionäre wieder vollkommen zu überzeugen. Die Meinungen gehen weit auseinander, aber meiner Ansicht nach sollten die Sorgen von heute spätestens 2019 gegessen sein.

Klöckner & Co.: Die Furcht vor der Rückkehr des Preisverfalls
Der große unabhängige Stahlhändler hatte 2015 mit dem Preisverfall von Eisen und Stahl zu kämpfen. Die großen Lagerbestände waren plötzlich viel weniger wert, bei gleichzeitigen Absatzproblemen. Aber das hat KlöCo jetzt eigentlich längst hinter sich gelassen, die Profitabilität ist zurück. Gleichzeitig tragen eine solide Bilanz, laufende Optimierungsmaßnahmen sowie die Digitalisierungs- und Plattformstrategie innerhalb des Unternehmensprogramms „KlöCo 2022“ dazu bei, dass das auch so bleibt.

Was gibt es also auszusetzen? Ein Deutsche Bank-Analyst bemängelte nach den neuen Quartalszahlen, dass der Ausblick nicht angehoben worden ist. Außerdem befürchtet er erneute Rückgänge bei den Stahlpreisen. Letzteres ist wohl der entscheidende Punkt. Vieles hängt davon ab, wie sich Angebot und Nachfrage entwickeln, vor allem in China.

Jedenfalls ist kaum denkbar, dass erneut ein so heftiger Einbruch wie vor zwei bis drei Jahren auftreten wird, sodass KlöCo sich meines Erachtens selbst unter ungünstigen Bedingungen im positiven Bereich halten kann. Mindestens genauso realistisch erscheint mir, dass das Gewinnniveau erheblich gesteigert werden kann — und dann wäre die Aktie zum aktuellen Kurs ein richtig guter Deal.

Salzgitter: Fusions-Fantasie schwindet
Für den tiefer integrierten Konkurrenten von KlöCo gilt wohl im Wesentlichen das Gleiche. Er wäre allerdings noch stärker betroffen, wenn Überkapazitäten erneut die Preise kaputtmachen würden. Deshalb laufen auch dort diverse Effizienzprogramme, um für die Zukunft besser gewappnet zu sein.

Analysten sind überwiegend positiv eingestellt, aber Goldman Sachs stört sich etwas daran, dass die Beteiligung an Aurubis (WKN:676650) reduziert wurde. Offenbar hatte man Fusions-Fantasie ausgemacht. Jefferies gab sich zudem enttäuscht darüber, dass trotz des schönen Buchgewinns aus der Transaktion der Ausblick nicht stärker nach oben angepasst wurde.

K+S: Schwieriger Salzmarkt
Bei Kali & Salz geht es immer munter rauf und runter. Zuletzt ist der Kurs wieder ganz schön im Keller gelandet, weil die Mittelfristziele kassiert wurden. Um bis 2020 auf einen stattlichen operativen Gewinn vor Abschreibungen von 1,6 Mrd. Euro zu kommen, hätte sich der Kaliumchlorid-Preis in die richtige Richtung bewegen müssen. Das hat nicht geklappt.

Die neue Gruppenstrategie „Shaping 2030“ soll nun wieder für Impulse sorgen und gleichzeitig die Bilanz robuster aufstellen, nachdem zuletzt durch hohe Investitionen in Kanada viele Barmittel aufgebraucht wurden. Zudem soll die Abhängigkeit von der Streusalz- und Düngemittel-Nachfrage reduziert werden. Das sieht doch eigentlich ganz aussichtsreich aus, wie ich finde.

Besonders kritisch gibt sich allerdings die Baader Bank. Sie rät zum Verkauf der Aktie, weil ihr die erweiterten Kapazitäten von zwei Konkurrenten ungeheuer sind. JPMorgan ist daneben enttäuscht, dass die freien Barmittelzuflüsse wohl erst 2020 ins Positive drehen werden.

Fazit: Vier Kaufkandidaten

Umsonst gibt es natürlich auch hier nichts. Alle vier Unternehmen sind spezifischen Marktrisiken ausgesetzt, welche sie potenziell nach unten reißen könnten. Deutlich wird aber auch, dass sie diese Herausforderungen mit Nachdruck adressieren. Jedes zusätzliche profitable Quartal verringert folglich die Risiken, weil die Bilanz gestärkt, die Kostenstruktur verbessert und das Leistungsspektrum optimiert wird. Von daher denke ich, dass langfristig orientierte Anleger mit diesen Nebenwerten insgesamt gut bis sehr gut fahren werden.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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