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BB Biotech – Ein ganz spezielles Beteiligungsunternehmen

02.11.2017, 08:09  |  2857   |   |   
▸ Kissigs Kolumne vom 20.10.2017, Aktien Magazin 27/2017 

Börsenlegende Peter Lynch sagte einmal, Anleger sollten nur Aktien von Unternehmen kaufen, die sie auch verstehen. Und das ist ein guter Rat. Wenn man also, wie Warren Buffett zum Beispiel, auf Schokolade setzt, muss man nicht allzu viel wissen. Sie schmeckt toll, enthält Unmengen an Zucker und ist nicht übermäßig gesund. Und alle lieben sie, nicht nur Kinder. An grundsätzlichen Überlegungen muss man eigentlich nur im Blick haben, ob die Menschen in Zukunft wohl eher mehr oder weniger Schokolade kaufen werden. Und dann noch das entspreche Unternehmen ins Visier nehmen und schauen, ob die aktuelle Bewertung attraktiv genug ist für einen Einstieg.

Nun gibt es nicht nur Schokoladenfirmen, sondern auch solche, die sehr komplexe oder für Laien kaum zu verstehende Produkte verkaufen. Bitcoins sind so ein Produkt. Fast niemand versteht, was wirklich dahinter steckt, aber es klingt irgendwie heiß und der Kurs der beteiligten Unternehmen steigt und steigt. Dann muss es wohl gut sein, wenn alle es kaufen. Dieser Herdentrieb erinnert ein bisschen an die Zeiten des Neuen Markts, als auch alles wahllos gekauft und hochgejubelt wurde. Doch am Ende waren keine Käufer mehr da, denen man seine Papiere andrehen konnte, und in der Folge brachen die Kurse dramatisch ein. Und viele Unternehmen gingen Pleite, weil ihr Geschäftsmodell nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet war, sondern ausschließlich auf Wachstum, finanziert durch eine regelmäßige Liquiditätsspritze über die Ausgabe neuer Aktien. Doch diese Gelddruckmaschine kam am März 2000 zum Erliegen und so versiegte der Liquiditätsnachschub.

Neben Internetwerten waren es vor allem Biotechaktien, die damals (fast) kein Halten mehr kannten und durch die Decke gingen. Und auch in diesem Sektor gab es spektakuläre Pleiten, denn Biotechunternehmen sind extrem kapitalhungrig. Auch für sie versiegte der Strom frischen Geldes. Aber anders als im E-Commerce-Bereich kam es bei den Biotechwerten eher zu einer Marktbereinigung und eine Vielzahl von ihnen wurde von größeren Wettbewerbern oder Pharmaunternehmen geschluckt oder durch Kooperationen und sog. Meilensteinzahlungen am Leben erhalten. Und das hatte durchaus handfeste Gründe.


Biotechunternehmen sind zumeist kleine Firmen, die an einem oder ein paar Wirkstoffen arbeiten. Mit entsprechend hohen Chancen und Risiken. Zunächst kostet die Forschung sehr viel Geld und wurde ein erfolgversprechender Wirkstoff entdeckt, muss er die vielen Hürden meistern, die sich jedem Wirkstoff auf seinem Weg hin zu einem zugelassenen Medikament in den Weg stellen. Und in der Regel dauert dieser Weg mindestens zehn Jahre und kostet gut eine Milliarde Dollar. Für kleine Firmen ist das kaum alleine zu stemmen.

Aufgrund der enormen Kosten haben Pharmafirmen, die früher diese Forschung selbst betrieben und finanziert haben, ihre entsprechenden Abteilungen massiv ausgedünnt und überlassen das Feld nun lieber den kleinen Biotechfirmen. So vermeiden sie die vielen Misserfolge im Anfangsstadium. Kristallisiert sich aber einmal ein interessanter Wirkstoff heraus, gehen sie Kooperationen mit den Biotechfirmen ein und stellen diesen Geld zur Verfügung. Nicht alles auf einmal, sondern immer schrittweise. Es werden bestimmte Zwischenziele vereinbart, bei deren Erreichen weitere Gelder an das Biotechunternehmen fließen. Das sind die sog. Meilensteinzahlungen. Und für die Biotechs sind sie überlebenswichtig. Erreicht ein Wirkstoff einen solchen Meilenstein und fließt das vereinbarte Geld, springt der Kurs des Biotechunternehmens meistens zweistellig in die Höhe.

Kostenfaktoren
Die hohen Kosten für die Entwicklung eines neuen Medikaments resultieren aus mehreren Faktoren. Zunächst einmal sprechen wir über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren bis zur Zulassung. In dieser Zeit müssen Unmengen an Ergebnissen und später mehrere Reihen an Test und später klinischen Phasen durchlaufen werden. Und während dieser Tests fällt die Mehrzahl der Wirkstoffe durch. Entweder erzielen sie nicht die gewünschte Wirkung, oder aber sie haben erhebliche Nebenwirkungen, die eine Anwendung beim Menschen ausschließen. Oder sie wirken, sind aber nicht so gut wie bereits zugelassene Präparate. Dann verweigern die Kassen die Erstattung der Kosten. Was ebenfalls einem Todesurteil für das Präparat gleichkommt.

Für die kleinen Biotechunternehmen, die nur mit einer Handvoll an Wirkstoffen oder manchmal nur einem einzigen am Start sind, hat ein Versagen dieses Wirkstoffs natürlich fatale Folgen. Bis hin zur Pleite. Für die Pharmafirmen hingegen ist diese Arbeitsteilung bares Geld wert, weil sie erst zu einem späteren Zeitpunkt einsteigen und somit die Wahrscheinlichkeit höher ist, auf einen Erfolgswirkstoff zu setzen. Das eine erfolgreiche Medikament unter den zehntausenden an gescheiterten Wirkstoffen muss die Kosten für alle Fehlversuche mit einspielen. Daher kommt den Patenten so große Bedeutung zu, denn ohne sie und den mehrjährigen Patentschutz würde sich für niemanden mehr der Forschungsaufwand lohnen. Mit fatalen Auswirkungen, wie man an der rapide ansteigenden Zahl an Antibiotikaresistenzen sieht. Antibiotika sind heute Allgemeingut, mit denen sich kaum Geld verdienen lässt. Deshalb gibt es auch keine relevante Forschung in neue Wirkstoffe mehr. Wir bekämpfen die sich ausbreitenden resistenten Keime mit Wirkstoffen aus den 1950er Jahren. Einfach nur erschreckend…
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