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Interview MagForce: „Weltweite Umsätze in Milliardenhöhe“

06.11.2017, 11:14  |  13537   |   

Dr. Ben Lipps ist einer der erfolgreichsten Healthcare-Manager der Welt. Eine Investmentbank bezeichnete ihn einmal als „Steve Jobs der Medtech-Welt“. Quasi aus dem Nichts hat er den DAX-Konzern Fresenius Medical Care (FMC) mit aufgebaut, nachdem er Ende der 60iger Jahre die Dialyse-Methode mitentwickelt hatte. FMC hat er dann bis 2012 über 13 Jahre lang als CEO erfolgreich geleitet. Umso mehr war die Finanzwelt erstaunt, als er sich in 2013 nach nur 6 Monaten im Ruhestand als CEO der kleinen, börsennotierten Magforce AG (ISIN: DE000A0HGQF5) verpflichten lies und inzwischen selbst einer der größeren Aktionäre ist.

Neben Ben Lipps selbst hat MagForce weitere prominente Investoren. Lead Investor ist die Apeiron Investment Group von Christian Angermayer. Zudem sind die US-Technologielegende Peter Thiel, Lansdowne Partners, die britische Fondsgesellschaft M&G und der österreichische Immobilieninvestor Klemens Hallmann größere Aktionäre.

Berenberg erachtet im so genannten „Blue Sky Szenario“ ein Kursziel von 19,75 Euro als realistisch, falls Ben Lipps seine ehrgeizigen Pläne erfüllt. Darüber haben wir mit ihm gesprochen.

Dr. Lipps, das Jahr 2017 nähert sich seinem Ende. Wie zufrieden sind Sie mit den Fortschritten von MagForce?

Lipps: Ich bin in der Tat sehr zufrieden. Im August haben wir erfolgreich eine Finanzierungsvereinbarung mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) abgeschlossen, die es MagForce ermöglicht, im Laufe der nächsten drei Jahre bis zu 35 Millionen Euro für unsere Expansion in Europa abzurufen. Dank dieses umfangreichen Finanzierungsrahmens verfügen wir jahrelang über ausreichend Barmittel für unsere ehrgeizigen Ziele und werden für das Europageschäft keine weitere Kapitalerhöhung mehr benötigen. Darüber hinaus ist die Unterstützung durch die EIB und damit praktisch durch die Europäische Kommission eine stark vertrauensbildende Maßnahme bei den Patienten und führt zu einer noch rascheren Akzeptanz unserer NanoTherm™-Therapie. Das wird unser Geschäft in Europa antreiben und vor allem auch die automatische Erstattung für unsere Therapie durch die Krankenkassen beschleunigen.

Die Zusammenarbeit mit Regierungsbehörden wie der EIB gestaltet sich oft sehr anstrengend …

Lipps: Ich würde sie eher „anspruchsvoll“ nennen. Wir sind sehr glücklich über die Kooperation und arbeiten sehr gerne mit den Profis bei der EIB zusammen. Schließlich vermitteln die umfangreichen Due Diligence-Prüfungen, welche die EIB im Vorfeld durchgeführt hat, unseren Aktionären ja auch Vertrauen. Im Ergebnis hat die EIB MagForce und unsere NanoTherm-Therapie als eines der vielversprechendsten Mittel im Kampf gegen den Krebs gewürdigt. Besonders hoch angerechnet hat man uns die Tatsache, dass die Nebenwirkungen unserer Behandlung wesentlich geringer sind als bei den derzeit angewandten Standardverfahren, sie dabei jedoch sehr effizient und wirksam bleibt.

Wie geht es 2018 mit Ihrem Europageschäft weiter?

Lipps: Innerhalb der nächsten Monate werden wir Standorte in Polen und Italien eröffnen, und wir erwarten die automatische Erstattung für unsere Therapie durch die Krankenkassen in Deutschland. Bereits jetzt übernehmen Krankenkassen die MagForce-Therapie auf Anfrage, da sie ja europaweit zugelassen ist, doch wird die Zahl der Patienten bei automatischer Rückerstattung natürlich sehr viel höher sein.

Sprechen wir über das US-Geschäft. Wollten Sie die US-Zulassung für die Abschlussstudie nicht bereits viel früher in diesem Jahr bekommen?

Lipps: Ja, das stimmt. Ich muss zugeben, dass sie sich gegenüber meiner ehrgeizigen Planung etwas verzögert hat. Aber ich bin immer noch sehr zuversichtlich, dass wir die Zulassung bis zum Ende dieses Jahrs erhalten werden. Das soll jetzt nicht wie eine faule Ausrede klingen, aber in der Medizinwelt sind ein paar Monate nicht von Bedeutung. Andere Medizintechnik-Unternehmen brauchen oft bis zu 10 Jahre um zu erreichen, was uns hoffentlich innerhalb von 3 Jahren gelingen wird.

Die Zulassung ist allerdings anfangs nur für die Studie; es handelt sich hierbei nicht um die endgültige Produktzulassung.

Lipps: Das ist richtig, aber Sie sollten nicht vergessen, dass wir von der FDA bereits als „Medizintechnik-Produkt“ eingestuft worden sind, was sehr hilfreich und wichtig ist. Können die Ergebnisse der Studie, die sich auf Prostatakrebs fokussiert, unsere Vorhersagen bestätigen, so werden wir automatisch die finale Zulassung erhalten. Daher bin ich äußerst zuversichtlich, dass wir 2018 die finale Zulassung in den USA erhalten werden. Schließlich werden sich Patienten in den USA ja nicht anders verhalten als die Patienten, die wir in Europa bereits erfolgreich behandelt haben.

Und wie bald können wir in den USA dann mit Umsätzen rechnen?

Lipps: Sehr bald, denn wir sind in der Zwischenzeit nicht untätig gewesen. Während der Vorbereitungen für die Studie haben wir in den USA bereits Partnerschaften mit einer Reihe von Urologie-Kliniken geschlossen, in denen unsere Therapie dann schnell gewerblich angeboten werden kann.

Für Europa und die USA zusammen haben Sie 2019 Einnahmen von rund 100 Millionen in Aussicht gestellt. Müssen Sie diesen Richtwert angesichts der derzeitigen Verzögerung korrigieren?

Lipps: Bevor ich mich zu dem Richtwert für 2019 äußere, den ich 2014 als Fünfjahresziel vorgestellt habe, möchte ich nochmal das enorme Marktpotenzial erklären, über das unsere NanoTherm-Therapie verfügt – sowohl bei der Behandlung von Prostatakrebs in der Europäischen Union und in den USA als auch bei der Behandlung von Gehirntumoren – so genannten Glioblastomen – nur in der Europäischen Union.

Wir sind überzeugt, dass der potenzielle Zielmarkt für unsere Produkte bis zum Jahr 2020 ein Umsatzpotenzial von ungefähr 400 Millionen US-Dollar für Prostatakrebs in Europa und den USA zusammen sowie von ungefähr 100 Millionen US-Dollar für die Behandlung von Gehirntumoren in der EU allein beträgt. Dieses Potenzial kann sogar noch deutlich vergrößert werden, wenn wir die Wertschöpfungskette bei der Behandlung von Prostatakrebs vertikal ausweiten. Und hierbei haben wir nicht einmal den Rest der Welt berücksichtigt. Viele Emerging Markets – insbesondere China - haben ebenfalls großes Interesse an unserer Therapie. Gleich nach Beginn der US-Zulassungsstudie wollen wir uns dem Interesse aus China zuwenden.

Nun zu Ihrer Frage: Eventuell muss ich in 2018 das Umsatzziel für 2019 auf 2020 verschieben. Aber nur eventuell. Denn bevor ich diese Entscheidung treffe, bauen wir weiterhin umsichtig bereits die Strukturen auf, die wir benötigen, um nach der Prostata-Zulassung in den USA schnell kommerziell voranzukommen. Die Chancen stehen somit gut, dass ich die Planung nicht korrigieren muss, weil wir die wenigen Monate, die wir bei der Zulassung verloren haben, eventuell durch einen umso schnelleren Rollout wieder reinholen können.

Sie sind inzwischen selbst einer der größten MagForce-Aktionäre. Was ist Ihre zentrale Botschaft an Ihre Mitgesellschafter?

Lipps: Ich bin seit fast 40 Jahren im Gesundheitswesen aktiv. Mir ist bewusst, dass Zulassungsverfahren von außen schrecklich langsam erscheinen können, aber das Schöne ist, dass nach erfolgreicher Zulassung eine hohe Markteintrittsbarriere besteht und man – sofern man über ein Spitzenprodukt verfügt, so wie wir – schnell wachsen und ordentliche Gewinne erzielen kann. Mein Ziel für MagForce ist die erfolgreiche Kommerzialisierung dieser dringend benötigten und wichtigen medizinischen Therapie - denn noch immer ist Krebs der Feind Nummer 1 – und wir werden mittelfristig in der Lage sein, weltweite Umsätze in Milliardenhöhe zu erzielen.

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